Erscheint täglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.30 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des 'Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Fernsprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6883 Der Lanövote Sinsheimer Generalanzeiger für das ut §§§( Zeitung fst s «y'und §cku>arzbaclital Anzeigen-Preife: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariftester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdatum oder bei ger chllicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. HelteTte und verbreitetste Leitung dieser Gegend. tzLUpt-Nnzeigen-Llatt UlöcbentUcbe Beilagen fißode and Beim * Der Kobold • Heue jJUuTtrierte • EandwirtTie Klugheit sollte allen amtlichen Stellen sagen, daß es besser sei, den Streit im Lande ruhen zu lassen und einer langsamen geusnde» Entwicklung zu vertrauen, die zu nationaler Disziplin und gegenseitiger Duldung führen müsse. Die Reform der Beamtenbesoldung Karlsruhe. 29. August. Bis jetzt sind die Pläne des Reichs- finanzmintsteriums zur Reform der Beamtenbesoldung noch nicht endgültig bekannt. Soviel scheint sestzustehen, daß der Reichsfinanzminister grundsätzlich am sogenannten Gehaltsgruppensystem festhalten will. Um den Wünschen der höheren Beamten entgegenzukommen, soll das Laufbahnsystem stärker hervortreten als bisher. Dabei soll aber die sogenannte Verzahnung, wonach die Spitzenstellung einer Gruppe in die Anfangsstellung der höheren Gruppe übergreift, ausgebaut werden. Die Schlüsselung, die in der ganzen Beamtenschaft verhaßt war, soll beseitigt werden. Frauen- und Kinderzulagen werden beibehalten, aber vereinfacht. Ter Wohnungsgeldzuschuß soll nach bisherigem System eingebaut bleiben. Auch der örtliche Sonderzuschlag bleibt grundsätzlich aufrechterhalten. Doch soll er nach neuen Gesichtspunkten umgestellt werden. Tie Erhöhung der Grundgehälter erfolgt für die Aktiven und Pensionäre im Rahmen der bisher bekannten Satze. Der Entwurf ist bereits den Ländern zur Stellungnahme zuge- gangen. Die Besprechung mit den Spitzenorganisationen der Beamtenschaft steht bevor. Geglückte Fernsprechversuche Hamburg—Buenes Aires Hamburg, 27. August. Im hiesigen Fernsprechamt fanden gestern abend auf Veranlassung des Reichspostministeriums Fernsprechversuche mit Buenos Aires statt, die einen vollen Ersolg zeitigten. Vertreter des Hamburger Senates, der Handelskammer, der Reichsregierung und der Wirtschaft hielten Ansprachen, die in Buenos Aires, wie wenige Minuten später eingehende Antworten besagten, klar verstanden werden konnten. . ^Millionäre im Reichstag Das Berliner Achtuhr-Abendblatt bringt eine Zusammenstellung derjenigen Reichstagsabgeordneten, die angeblich über ein Vermögen von rund einer Million und darüber verfügen. Da findet sich bei den Deutschnationalcu zunächst Fürst Otto v. Bismarck und Graf zu Eulenburg, die beide über grvtzL Rittergüter verfügen. Tann folgen die finanzkräftigen Großindustriellen Bernhard Leopold und Alfred Hugenberg, erster ein Bergwerksgewaltiger. letzterer auch ein Preflemagnat. Zu den Millionären zählt auch der frühere Vizepräsident des Reichstages. Geheimr.at Dietrich, der ebenfalls mehrere Rittergüter besitzt und bekannter Notar ist. Als finanziell sehr gut situiert gelten die Abgeordneten v. Keudell, Hans v. Goldacker, Schlange-Schöningen, Konrad 10 ) Ein Frühlingstraum. Eine Erzählung aus'dem Leben von Fr. Lehne. Kurz entschlossen zog e rben Rock aus, hüllte trotz ihres Widerstrebens Mary fest darin ein und eilte, sie aus den Arme tragend, des strömenden Regens nicht achtend, nact dem Hause. Die Tür gewährte einigen Schutz: behutsan ließ er das Mädchen zur Erde gleiten und klopfte dann ar bas Fenster, das mit Läden verschlosien war. durch die eir Lichtschein schimmerte. „Wer ist da?" tönte eine Stimm» von innen. „Gewähren Sie uns für ein Weilchen Zuflucht" hat Wolf. Einen Augenblick später wurde die Tür aufgeschlossen: der Friedhofswärter musterte die Traußenstehen- den mit erstaunten Blicken und sagte dann kurz: „Kammer Sie herein!" Mary und Wolf traten in das einfache sauber» Stübchen. Eine Hängelampe verbreitete ein mildes Licht, auf dem Sofa saß eine ältere Frau, die beim Eintreten bei Fremden das Gesangbuch, in dem sie las, auf den Tisch legte und sich erhob. Auch sie war sehr erstaunt über di» späten unerwarteten Gaste,- jedoch sagte sie nichts, sonder« war Wolf behilflich, die zitternde Mary aus ihrer Umhüllung zu befreien. „So, mein Herz, jetzt bist Du im Sichern — jetzt fürchtest Du Dich nicht mehr, nicht wahr? fragte er liebreich. „Nein Wolf! Aber Tu — Du bist ja ganz durchnäßt" fogte sie erschrocken. „Das tut nichts", lächelte er, den Rock wieder anziehend, „es wäre schlimm, wenn ein Soldat nicht einmal ein wenig Regen vertragen könnte!" „Wollen Sie sich nicht setzen?" fragte der Alte. Er trat näher auf Wolf zu und Iah ihn prüfend an. „Sie waren gestern abend schon hier?" „Ja", entgegnete der Angeredete, mit einer leichten Verlegenheit kämpfend, „ja — ich weiß, ich bin Ihnen Aufklärung über unser seltsames Erscheinen an diesem Orte schuldig. Wir beide" — er deutete auf Mary dabei - „wir Schliephacke und Frau Elsa v. Sperrberg, sowie der frühere Kölner Oberbürgermeister Walraff. — Auch die Fraktion der Deutschen Volkspartei soll eine nicht unbeträchtliche Zahl von Millionären aufweisen. Man nennt hier den früheren Reichswirtschaftsminister v. Raumer, die Abgeordneten Dr. Kalle lMitinhaber der. bekannten chemischen Fabrik Kalle u. Co.), Engberöing und Tauch, die beide der Schiffahrt und dem Handel angehören. — Beim Zentrum werden genannt an erster Stelle ten Hompel, Generaldirektor der Portlandzement-Unternehmungen, Florian Klöckner. der Bruder des Großindustriellen Peter Klöckner und Mitinhaber des bekannten Klöcknerkonzerns (Kohlenbergwerke, Walz- und Eisenwerke). Auch die Rechtsanwälte Dr. Bell und Dr. Lammers, die beide jahrelang als Notare für die Firma Krupp gewirkt haben, gelten als außerordentlich kapitalkräs- - tig. — Als Millionäre der Demokratischen Fraktion betrachtet man die Abgeordneten Dr. Dernburg, Hermann Fischer, Wieland (Ulm), Graf Bernstorff und Frhr. v. Richthofen, den früheren badischen Staatspräsidenten Hummel, der jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrats der badischen Anilin- und Sodafabrik ist. — Als reichste Leute der Sozialdemokratie gelten die Abgeordneten Dr. Rosenfeld und Hugo Heimann. Besatzungsverminderung um 10000 Mann Paris, 27. August. (Funkspruch) Zu der Frage der Truppenverminderung im Rheinland, veröffentlicht Havas folgende Note aus London: Die französische Antwort auf die letzte britische Note zur Frage der Veringerung der Rheinlanötruppen traf heute morgen im Foreign Office ein. Die französische Regierung nimmt den letzten englischen Vorschlag an, die Ziffer der im Rheinland. befindlichen Truppen auf insgesamt 60 000 Mann zu vermindern. Frankreich wird seine Effektivbe- flände um 8 000, England und Belgien um je 1000 Mann verringern. In Foreign Office erklärt man sich sehr befriedigt darüber, datz zwischen den Alliierten eine Einigung zustande kam, zumal das Foreign Office und der Quai d'Orsay nicht gezögert haben, ihre ursprünglichen Anschauungen zu ändern, um zu dieser Uebereinstimmnung zu kommen. Der Besuch von Höfch bei Briand Paris, 28. August. (Funkspruch.) Gestern vormittag erfolgte der Besuch des deutschen Botschafters Herrn von Hoesch bei Briand. Dazu glaubt der „Matin" erklären zu können, daß der französische Aaußenminister dem Vertreter des deutschen Reiches die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen Paris und London über die Frage der Rheinlandtruppen mitgeteilt habe. Die französisch-englische Diskussion über die Besatzungsverminderung Paris, 27. Aug. Im „Echo de Paris" bezweifelt heute Pertinax die Richtigkeit der gestrigen Havasmeldung, wonach die ftanzösische und englische Regierung sich darüber vollkommen einig seien, die Besetzung des Rheinlandes vor allem als Garantie für die deutschen Reparationszahlungen zu betrachten, obwohl diese Meldung sich auf offizielle englische Quellen berief. Im Gegensatz hierzu und zu der Londoner Meldung des gleichen Blattes, daß in London nichts von einem Uebereinkommen in der Frage der Besatzungsverminderung bekannt sei, gibt der „Matin" mit aller Bestimmtheit der Auffassung Ausdruck, daß London und Paris sich darüber einig seien, die Besatzungstruppen im Rheinland auf 60 000 Mann festzusetzen. Die gestern tm Ministerrat von Briand verlesene englische Antwort auf das französische Memorandum stimme in jedem Punkt mit der fran- zösischen Auffassung überein. Ten Inhalt der englischen Antwort fasse das Blatt tn sechs Punkten zusammen, die im wesentlichen dem gestern von Havas verbreiteten angeblichen Inhalt dieser Antwort entsprechen. Zum Schluß erklärt das Blatt die Angelegenheit für beendet und gibt der Erwartung Ausdruck, daß Chamberlain und Briand ihre geplante Unterredung in der nächste Woche nützlicher für die Besprechung anderer Fragen verwenden werden. London, 27. Aug. Im Foreign Office wird für heute der offizielle Bericht über die gestrige Entscheidung des französischen Kabinetts erwartet. Die Morgenblätter veröffentlichen inzwischen lange Berichte aus Paris, die darin übereinstimmen, daß die Gesamtverminderung der Besatzung 10 000 Man betragen werde. Während aber einzelne Blätter von der Zurückziehung von 8000 Franzosen und je tausend Egländern und Belgiern sprechen, ist in anderen Berichten von 7000 Franzosen und je 1300 Engländern und Belgiern die Rede. Einwandfrei scheint festzustehen, datz die britische Antwort den Weg für eine Einigung geebnet und Großbritannien anstatt der ursprünglich geforderten Verminderung der französischen Besatzung um 10 000 Mann sich mit einer Gesamtverminderung um 10 000 Mann einver- stande erklärt hat. Die Pariser Berichte erwecken ferner durchweg den Eindruck, daß diese Lösung auf keiner Seite beide haben uns lieb, können uns aber nur an einem dritter Orte sprechen, da die junge Dame ganz allein steht!" „Und da haben Sie nun den Friedhof dazu erwählt! Sonderbare Wahl!" „Es blieb uns nicht weiter übrig", sagte Mary leise. „Wc anders wird man so gesehen —" „Ach, und Sie haben Grund ,das zu fürchten. Fräulein?' fragte der Alte, sie groß ansehenb. Wolf war dieses Beneh men sehr unangenehm,- jedoch konnte er weiter nichts da gegen tun, da jener im Rechte war. Darum sagte er ruhig „Ich sehe, daß Sie — und mit Recht — höchst verwundert über uns sind. Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß Sik uns ohne Besorgnis Ihre Gastfreundschaft geben können — die Dame ist meine Braut! Sind Sie nun zufriedengestellt?" „Ja, ja", entgegnete der Alte — „es wäre aber nichts Neues, wenn es anders wäre! So junge Dinger lasten sich leicht von der Uniform blenden, und die Herren Leutnants nehmen es auch nicht so genau! — Aber Ihnen glaube ich: ich habe schon vieles von Ihnen gehört: Sie sind doch der Leutnant von Wolfsburg?" „Sie kennen mich?", fragte Wolf verwundert. Der Alte nickte. „Ja, setzten Sie sich nur erst — da aufs Sofa neben Ihre Braut. Zittern Sie nur nicht so, Fräulein, Sie sind beim alten Berger gut aufgehoben: und das Gewitter tut uns auch nichts, wenn es de^ liebe Gott nicht will! — Man muß nur immer erst wissen, wen man vor sich hat! Ich bin nun schon ein alter Mann, da kennnt man manches vom Leben. — Also woher ich Sie kenne, Herr Leutnant", wandte er sich an Wolf, der neben Mary saß und den Arm um sie gelegt hatte — „mein Enkel. Wilhelm Berger. ist nämlich in ihrer Kompagnie, und der erzählt immer von seinem Leutnant, datz der der beste vom ganzen Regiment wäre — so einen guten gäb's nicht mehr!" Wolfsburg wehrte ab. Glücklich aber schaute Mary zu ihm auf und sagte: „Ja. das ist wahr!" Gleich darauf schauderte sie wieder zusammen, denn ein krachender Donner ließ das Haus in seinen Grundfesten erbeben. Das Gewitter tobte noch tn unverminderter Heftigkeit fort, und an ein Fortgeben war vorläufta nock nickt zu denken. „Wie kom- voll befriedigt. In Frankreich wirb sie offenbar noch immer als zu weitgehend empfunden, während auf englischer Seite die stark in den Vordergrund geschobenen neuen französischen Sicherheitswünsche einige Besorgnis auslösen. So berichtet der Pariser „Times"-Korrespondent, daß die französische Regierung die Besatzungsverminderung nur im Zusammenhang mit der allgemeinen Frage der Sicherheit in der Zukunft annehme. Lord CecU gegen das Rheinlandkompromiß London, 27. Aug. In englischen politischen Kreisen wird dem Gerücht, datz Lord Robert CecU seinen Posten im Kabinett niederzulegen beabsichtigt, beträchtliches Interesse entgegengebracht. Man hält es für ziemlich sicher, daß die Rücktrittsabsichten Lord Cecils mit dem zwischen der englischen und französischen Regierung abgeschlossenen Kompromiß über die Rheinlandräumung zusammenhängen. Heute nachmittag verlautet, daß von gewisser Seite ein Druck auf Lord Cecil ausgeübt worden sei, seine Rücktrittsabsichten aufzugeben. Dieser Druck scheint insofern von Erfolg gewesen zu sein, als die endgültige Entscheidung Cecils noch nicht erfolgt ist und jedenfalls nicht erfolgt, bevor Cecil eine Aussprache mit dem Ministerpräsidenten Baldwill vor dessen Abreise nach Aix-les-Vains gehabt haben wird. Der Sekretär Cord Cecils gab heute eine Erklärung ab, der zufolge sich Lord Cecil noch nicht endgültig entschlossen hat: die ganze Angelegenheit sei noch in der Schwebe. In diesem Zusammenhang berichtet der diplomatische Korrespondent des „Evening Standard", datz Lord Ceetl Chamberlain in der nächsten Woche zur Völkerbundsversammlung begleiten wird. In diplomatischen Kreisen verlautet, daß Cecil auch mit der Mehrzahl seiner Kollegen über die Vorarbeiten der kürzlichen Flottenabrüstungskonferenz übereingestimmt habe. Wie der Rüstungskrieg begann. Aus d:r Biographie Eduards VII. London, 26. Aug. Die Biographie Eduard VII., die auszugsweise im Daily Telegraph erscheint, stellte heute die letzte Phase der ersten deutsch-englischen Flottenkrise im Jahre 1909 dar. Im englischen Kabinett kämpften damals zwei Parteien. Die eine wollte nur vier, die andere aber 6 Großkampfschiffe jährlich bauen. Die Admiralität verlangte sogar acht Großkampfschiffe, weil angeblich von der englischen Marinespionage f.ftgestellt worden sei, daß Deutschland seit annähernd zwei Jahren den Bau der Großkampfschiffe derart beschleunige, daß England im Jahre 1912 möglicherweise nur 20 gegen 25 deutsche Schiffe haben werde, wenn England nur vier Schisse jährlich bauen würde. Als das Kabinen, wie die Biographie feststellt, völlig kopflos geworden war „und jede Woche seine Neubau-Beschlüsse abänderte", greift Eduard mit der Frage an Admiral Fisher ein, ob das Bautempo der deutschen Flotte richtig berechnet sei oder ob die Mitteilung des englischen Spionagedienstes nur auf unbestimmte Vermutungen und anfechtbare Berechnungen der deutschen Flottenausgaben beruhten. Eduard wirft der Admiralität vor, ihm die Spionageberichte 18 Monate verheimlicht zu haben. Fisher fertigt sich mit der Behauptung, er sei vom deutschen Botschafter Metterich über das deutsche Bauprogramm belogen worden. Als Fisher an Metternich im Laufe einer Unterhaltung die Frage richtete, ob dem englischen Marineattachee in Berlin erlaubt werden könne, die deutschen Neubauten zu sehen und zu zählen, lehnte Metternich diesen Vorschlag ab mit der Begründung, daß der betreffende Marineattachee „dann Dinge sehen würde, die geheim bleiben müssen". Diese etwas unglückliche Formulierung der Antwort oeranlaßte den mißtrauischen Fisher, gegenüber dem König den Verdacht auszusprechen, Deutschland baue nicht nur schneller, sondern wahrscheinlich auch größere Schiffe, als das Flottengesetz vorsehe. Die politische Atmosphäre zwischen beiden Ländern wurde immer vergifteter, so daß König Eduard im Jahre 1S09 zum erstenmal in einem Brief an Asquith anläßlich der Schlußberatung des sozialpolitischen Budgets von Lloyd George die Frage schwarz auf weiß richtete, „ob die Regierung das mögliche, aber wie er hoffe, unwahrscheinliche Ereignis eines europäischen Krieges genügend berücksichtigt habe." Die Frage der europSischen Zollgemeinschasr. Paris, 28. Aug. Die Interparlamentarische Friedensunion beschäftigte sich um Samstag in ihrer Bor- und Nachmittagssitzung mit der Frage der europäischen Zollgemeinschaft. Der Berichterstatter, der frühere holländische Finanzminister Treub, legte dem Kongreß eine Reihe von Beschlüssen des Unterausschusses für diese Frage vor. Die Konferenz empfiehlt den Abschluß von regionalen Zollabkommen zwischen Länder», die besondere gemeinsame Interessen haben, jedoch unter der Bedingung, daß derartige Abkommen nicht gegen einen Dritten gerichtet sind. Andererseits wird der Völkerbund aufgeforderr, für die Annahme und Durchführung der Beschlüsse der Weltwirtfchaftskonferenz durch die Mitgliedstaaten zu sorgen. Schließlich wird der bereits men wir nach Haus?" klagte Mary, „es wird so spät." „Sorge Dich darum nicht, Lieb! es ist kaum zehn vorüber, und ewig kann es nicht dauern", sagte Wolf. „Weißt Du, Alte", wandte sich Berger an seine Frau, Du kochst für das Fräulein eine Taste Tee, und da trinkt der Herr Leutnant auch davon — besser ist besser, sonst könnte er sich noch etwas holen, und das Fräulein nimmt nachher ein Tuch von Dir!" Wolf widersprach nicht, um nicht zu beleidigen. Er nahm sein Zigarrenetui aus der Tasche und reichte es dem Alten. „Wollen wir nicht eine Zigarre zusammenrauchen?" fragte er freundlich, „da uns das Wetter zusammengebracht hat, wollen wir es uns auch gemütlich machen!" Danke schön, Herr Leutnant, ich nehme gern eine. Mein Enkel bringt mir auch öfter welche mit! — 's ist überhaupt ein guter Junge —" „— und ein braver tüchtiger Soldat", meinte Wolf, „ich kann wohl sagen, einer von den besten aus meiner Kompagnie" Des Alien Auge leuchtete aus. Er nahm ein großes Bild von der Wand — eine Kompagnie Soldaten darstellend — „hier, Herr Leutnant, das kennen Sie doch auch — hier sind Sie — und hier gerade hinter Ihnen ist mein Wilhelm." „Ja, das bist Du", sagte Mary, „und wie Du vergüngt aussiehst!" „Beim Photographen macht man doch immer sein Sonntagsgesicht", lachte Wolf. Mittlerweile kam Frau Berger mit dem Tee. Vorher hatte sie schon mit einiger Umständlichkeit die Staatstaffen ans dem Schranke genommen und auf den Tisch gestellt, sowie die dazu passende Zuckerdose. Jetzt goß sie den Tee ein, und tn ihrer still freundlichen Weise bat sie. zu trinken. Die Gäste kamen gern ihrem Wunsche nach, und das duftende Getränk tat ihnen gut. Sie fühlten sich so wohl bei den einfachen Leuten,- besonders der alte Mann batte etwas ungemein Ruhiges an sich, was Wolf zu ihm zog: seine blauen Augen trugen einen so stillen, gleichsam nach innen gekehrten Blick, als lebte er tn einer ganz anderen Welt — Wolf mutzte ihm da» auch sagen. i Nr. 161 . Jahrgang 1927. mehrfach zum Ausdruck gebrachte Wunsch, die Patzvisa abzu- schasfen, wiederholt. Alle diese Entschließungen sollen sofort dem Völkerbund und den Regierungen übermittelt werden. Zn der Diskussion ergriff der deutsch-volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Dr. Schneider das Wort. Um zu einer wirklichen Zoll- Zverständigung zu kommen, müsse man dem Beispiele Amerikas folgen und zunächst die Arbeit und die Industrie nationalisieren, dann eine internationale Verständigung von industriellen Gesichtspunkten aus organisieren und schließlich nach und nach die Zollschranken fallen lassen. In gleichem Sinne äußerten sich die französischen radikalen Abgeordneten Borel und Ehambrun. Der Amerikaner Birton forderte vollkommenen Freihandel, und ein englischer Politiker äußerte sich in gleichem Sinne. Der belgische sozialistische Abgeordnete Lranquart bezeichnete es als notwendig, zunächst einmal den Anfang zu machen durch Erweiterung der französisch-belgisch-luxemburgischcn Verständigung. Die Spionenangst in Frankreich. Verhaftung eines angeblichen Reichswehroffiziers. Paris, 28. Aug. Blättermeldungen aus Saargemünd zufolge, hat die Polizei in Misch einen aus Wiesbaden stammenden Reichswehrleutnant verhaftet. Dieser soll sich seit einigen Tagen in der Nähe des Manövergelänoes hcrumgetrieben und Pläne und Schießstände von Mailly und Bitsch, sowie eine Liste mit Zahlen der französischen Offiziere, Soldaten und Reservisten bei sich gehabt haben. Die Verhaftung soll durch Meldung eines Reservisten! namens Lapage ermöglicht worden fein, dem der angebliche Reichswehroffizier für ein leichtes Maschinengewehr, Modell 1924, 1000 Franken angeboten haben soll. Der Verhaftete Wurde in das Gefängnis von Saargemünd eingeliefert. * Vorstehende Meldung ist mit äußerster Vorsicht aufzunehmen. Von amtlicher deutscher Stelle wird hierzu erklärt, daß es ganz ausgeschlossen ist, daß sich ein Reichswehroffizier mit Wissen amtlicher Stellen mit solchen Dingen befaßt hat. Straßenkämpfe in Brest und Nizza. Paris, 28. Aug. In verschiedenen französischen Städten ist es gestern abend erneut zu schweren Zwischenfällen bei Protestkundgebungen gegen die Hinrichtung von Sacco und Danzetti gekommen. In Brest war von der kommunistischen Partei eine große Massenversammlung einberufen worden, in der auch der kummunistische Bürgermeister der Stadt das Wort ergriff. Dann versuchten die Demonstranten einen Zug zu bilden, um zu dem amerikanischen Konsulat vorzudringen. Sie wurden von berittener Polizei und starkem Gendarmerieaufgebot angegriffen. Es kam zu wüsten Straßenschlachten, in deren Verlauf die Manifestanten mehrfach versuchten, Barrikaden zu errichten. Die Zahl der Verwundeten ist auf beiden Seiten erheblich. Aehnliche Zwischenfälle ereigneten sich in Nizza. Trotz des Verbots des Präfekten hatten zahlreiche Kommunisten eine Besammlung veranstaltet!. Sie wurden von berittener Polizei angegriffen und nach etwa einstündigem Kampfe zerstreut. Zahlreiche Manifestanten sind festgenommen und soweit sie Ausländer waren, sofort über die italienische Grenze abgeschoben worden. Internationale Preffekonferenz. Der Nachrichtenschutz. Genf, 26. Aug. Der gesamte heutige Tag der internationalen Pressekonferenz war im wesentlichen der Frage des Nachrichtenschutzes gewidmet, die erfolgreich beendet werden konnte. Als Ergebnis wurde ein Kompromiß getroffen, durch das jeder Nachricht vor ihrem Erscheinen ein absoluter. Schutz gewährt werden soll. Für die veröffentlichte Nachricht wird ein zeitlich nach den Bedürfnissen der einzelnen Länder von»den Regierungen festzusetzende Schutz gefordert, der sich) «snerseits auf eine korrekte! Quellenangabe, andererseits auf die Möglichkeit zur Anrechnung von Nachdrucksgebühren erstrecken soll. Diese Vorschläge fanden in zwei Abstimmungen einstimmige Annahme der Versammlung. Die Entschließung wird an den Bölkerbundsrat weitergeleitet werden mit der Bitte, die in ihr enthaltenen Forderungen durch Herbeiführung eines internationalen Abkommens un.d durch Einführung in die nationale Gesetzgebung der einzelnen Länder zu verwirklichen. Italienisches Maschinengewehrfener auf öftteichischem Gebiet. Innsbruck, 27. Aug. Wie vom Brenner gemeldet wird, brachten zwei italienische Kompagnien, die zu den Truppen gehören, die gegenwärtig an der Grenze Manöver Hallen, gestern bei der Landshuter Hütte zwei Maschinengewehre in Stellung und hielten scharfe Schießübungen. Die Geschosse flogen weit aus österreichisches Gebiet und gefährdeten reichsdeutfche Touristen die im Aufstieg zur Hütte begriffen waren. Das Feuer wurde erst nach geraumer Zeit eingestellt. Irland vor Neuwahlen. Eine Erklärung Losgraves. London, 26. Aug. Der irische Ministerpräsident Cosgrave erklärte vergangene Nacht in Dublin, er habe das irische Parlament aufgelöst, weil es völlig arbeitsunfähig sei und weil es nicht möglich sei, unter derartigen politischen Verhältnissen die.große Nationalanleihe abzuschließen, die Irland demnächst auflegest müsse. Diese Nationalanleihe müsse zu erträglichen Bedingungen abgeschlossen werden und würde nach Ablauf der Neuwahlen wahrscheinlich im November aufgelegt werden. Die beiden liberalen Siege der Regierung bei den Neuwahlen für Country Dublin und Dublin City veranlaßten das Kabinett, möglichst rasch Neuwahlen auszuschreiben, nachdem der Generalgouverneur auf Einspruch der Oppositionsparteien hin das Inkrafttreten des Ausnahmegesetzes, das Abgeordnete und Parlamentskandidaten aus- fchließen sollte, die nicht den Verfassungseid leisten wollen, vorläufig um 90 Tage verschoben hatte. Cosgrave will jetzt die Frage durch Neuwahlen möglichst rasch klären, ob er das Vertrauen der Mehrheit des irischen Parlaments genießt. Innere Staatsanleihe in Rußland. Moskau, 25. Aug. Das Präsidium Zentralexekutivkomitees der Sowjetunion genemigte die Ausgabe einer sechsprozentigen inneren Staatsanleihe von 200 Millionen Rubel in Stücken von 25 Rubel mit zehnjähriger Tilgungsfrist vom 1. Oktober 1927 gerechnet. Die Anleihe wird für die Industrialisierung der Volkswirtschaft verwandt werden. - Kämpfe um Nanking und Schanghai London, 38. Aug. Wie aus Schanghai berichtet wird, sind die dortigen Verteidigungsanlagen voll instandgesetzt worden, da ein Wechsel in der chinefischen Verwaltung aufgrund der militärischen Ereignisse jeden Augenblick eintreten kann. Nachdem die nationalistische Armee nördlich des Aanztse geschlagen wurde, haben die Vortruppen Suntschuanfangs den Fluß überschritten, um einen strategischen Landungsplatz ausfindig zu machen. Die Landungskommandos wurden mit einer einzigen Ausnahme bei Luntang auf halbem Wege zwischen Nanking und Chingkiang von den Nationalisten zurückgeschlagen. Ein Frontangriff auf Nanking ist gleichfalls zurückgeschlagen worben. Nichtsdestoweniger ge- lana es den Norbtruvven, die Schanghai—Nankina-Effen- D« Landbote * Sinsheimer Zeitung. bahn an mehreren Stellen zu überschreiten, womit den Tschekiang-Truppen der Rückzug in ihre Heimatprovinz abgeschnitten wird. Eine Rewyorker Meldung will im Gegensatz hierzu wissen, baß Nanking bereits gefallen wäre. Baden Badische Grenzpolizei Ein mysteriöses Diebesnest. — Baden, der Staat mit der lange« Auslaudsgrenze. — Was versteht . man «nter „Grenzfahndnngsdienft"? Vor einiger Zeit wurden die Anwohner eines Kreises am Rhein in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze durch die Tätigkeit einer Einbrecherbande in Angst und Unruhe versetzt. — Tie Gauner arbeiteten mit einer solchen Rafinesse, daß sie längere Zeit unentdeckt ihre gefährliche Tätigkeit ausüben konnten, bis Beamt« des badischen Grenzfahndungsdienstes die Fälle aufklären und die Verbrecher festnehmen konnten. — Es handelte sich um eine ganze Bande, die aus Norddeutfchland stammte, und die in der Nähe der Schweizer Grenze pro forma ein kleines Gut gepachtet hatte. Unter tags arbeiteten die Einbrecher als brave, fleißige Landwirte, und nachts machten sie die Umgebung unsicher. Bei einer eventuellen Entdeckung mag die Absicht bestanden haben, so schnell wie möglich über die Schweizer Grenze zu flüchten, eine Absicht, die durch das überraschend schnelle Zugreifen der badischen Gendarmerie vereitelt wurde. Anläßlich dieses Vorfalls hörte die Oeffentlichkeit auch einmal etwas von der Tätigkeit des sogenannten Grenzfahndungsdienstes, einer polizeilichen Einrichtung, deren segensreiches Wirken leider nicht so gekannt ist und nicht so gewürdigt wird, wie sie es verdient. — Der Laie kennt aus dem weitverzweigten Tienstbetrieb der Polizei eigentlich nur den uniformierten Schntzpolizeibeamten, weil er diesen täglich in den Straßen sieht, und hat vielleicht auch noch einen schwachen Begriff von der ichwerrn Arbeit der Kriminalpolizei, deren Tätigkeit im Zusammenhang mit Straftaten, wie Einbruch, Diebstahl, Betrug usw., ja häufig genug in den Spalten der Presse Erwähnung findet. Dieser Grenzfahndungsdienst ist gerade für Baden insofern von besonderer Bedeutung, weil unser an und für sich kleiner Staat unverhältnismäßig lange Auslandsgrenzen aufweist, und gleich an zwei ausländische Staaten, Frankreich und die Schweiz anstößt. In der „Polizei" widmet der badische Gendarmericoberstleutnant Kachel dem badischen Grenzfahndungsdienst einen interessanten Aufsatz, aus dem wir eine Anzahl Einzelheiten, die auch für die breite Oeffentlichkeit von Interesse sein dürften, herausgreifen. Das badische Innenministerium, dem ja die Polizei untersteht, hat eine Anzahl Grenzfahndungsabschnitte geschaffen, und zwar im ganzen sieben, drei an der Schweizer- und vier an der Elsässischen Grenze. — Tie Hauptorte bilden Konstanz für die Schweiz und Freibnrg für das Elsaß. Dieser Grenzfahndungsdienst wird von der Gendarmerie ausgeübt und zwar nicht nur von uniformierten Beamten, sondern auch von Beamten in Zivil. Nach Oberstleutnant Kachel umfaßt das Tätigkeitsgebiet des badischen Grenzfahndungsdienstes vorwiegend die nachgenannten sechs Gebiete, wobei aber besonders betont werden s^ll. daß die Arbeit im engsten Zusammengehen mit der übrigen Gendarmerie vorgenommen wird. Dem Grenzfahndungsdienst untersteht: 1. Die Prüfung der Reisepapiere sämtlicher Personen, die die badischen Grenze überschreiten, insbesondere die genaue Beobachtung verdächtiger Passanten, und die Festnahme flüchtiger Verbrecher, sobald sie die Absicht haben, irgendwo das badische Grenzgebiet zu überschreiten. Sie hat mizuwirken bei Ausweisungen, und bei der Ueber- nahme von internationalen Verbrechern, die vom Ausland ausgeliefert werden, wirkt weiterhin mit bei der Schmugglerbekämpfung, und hat sich bereits große Verdienste erworben bei der Festnahme von Personen, die unbefugt die badische Grenze überschreiten wollten. Es bedarf natürlich keiner besonderen Versicherung, daß fast alle Individuen, die ohne ordnungsgemäß ausgestellte Papiere den Versuch machen, eine Grenze zu überschreiten, fast immer etwas auf dem Kerbholz haben. — In vielen Fällen dürfte es sich um steckbrieflich gesuchte Verbrecher handeln. Im Bahnhof Singen glückte dem badischen Grenzfahndungsdienst vor kurzem ein guter Griff. Beamten entdeckten im Rädergestell eines Schweizer durchgangswagens versteckt, einen Mann, der auf diese nicht ganz bequeme ' Art und Weise über die Grenze gekommen war. Er besaß weder Reisepapiere, noch einen Pfennig Geld, dafür aber zwei Ditriche. Die Organisation des badischen Grenzfahndungsdienstes ist derart, daß sie nicht nur mit den Badischen Gendarmerie- und Polizeistationen ständig in enger Verbindung steht, sondern auch mit den übrigen deutschen und ausländischen Stellen, auch mit dem Zoll, immer in Fühlung bleibt. Wir könn enauf Grund eigener Beobachtungen und Informationen zu unserer Freude feststellen, daß gerade die Zusammenarbeit zwischen deutschen und schweizerischen einschlägigen Behörden vorbildlich gut ist, und daß der deutsche Grenzfahndungsdienst die Schweizer Kollegenschaft weitgehendst unterstützt, aber auch ausnahmslos auf das gleiche Entgegenkommen der schweizerischen Behörden rechnen kann. Nicht ganz so angenehm soll, aus leicht verständlichen Gründen, die Zusammenarbeit mit den Franzosen sein, aber auch hier haben sich die Verhältnisse gegen früher beträchtlich gebessert. Otto Schwerin. Aus Nah und Fern. 2$. Sinsheim, 27. Aug. (Vermeidung u. Behandlung der Mük- kenstiche). Die Vertreibung der lästigen Mücken aus den Wohnungen ist verhältnismäßig leicht. Da sie Zugluft nicht vertragen können, so kann man sie nach mehrfachem Durchlüften schon aus dem Zimmer bringen. Ebenso hilft ein Stückchen Kampfer, bas man stark erhitzt, oder das Halten der Rizinuspflanze, die ein Todfeind der Mücken ist. Im Freien werden die Insekten mit Tabakrauch vertrieben. Waschungen mit einer Mischung Kölnisch-Wasser und Nelkenöl, sowie eine schwache Verdünnung von Schwefeläther mit Spiritus sind gleichfalls oorzügliche Abwehrmittel. Hat der Ouälgeist nicht mehr rechtzeitig vertrieben werden können, so beuge man dem lästigen Jucken durch eine feuchte Setfen- einreibung oder durch Betupfen mit Salmiakspiritus vor. Raucher verwenden vorteilhaft zum Einreiben Asche von Zigarren oder Zigaretten. * Sinsheim, 29. Aug. (Wie wird das Wetter im September.) Der Wetterkundige A. M. Grimm in Salzburg schreibt uns: „Der September wird ein schöner und warmer Herbstmonat, der noch einige Gewitter zeitigt. Im Süden bringt er für längere Dauer schönes Wetter, während im Norden häufigere Strömungen auftreten und zwar so, daß schöne Tage und Regentage ziemlich gleichmäßig abwechseln. In den nördlicheren Gegenden wird ss also auch Regen geben, wenn es in den Alpengebietcn trocken und warm ist. Aber die Niederschläge dieses Monats find in der Regel nicht stark und anhaltend. Nur in der ersten Hälfte des zweiten Drittels und gegen das Monatsende treten sie stärker Montag, den 29. August 1927 hervor. Um den 5. und 18. sind kritische Mondstellungen so daß auch in dieser Zeit mit Störungen zu rechnen ist. Die Temperatur ist vorwiegend hoch (also meist warm) und nur in der Monatsmitte und am Monatsende sind stärkere Senkungen gegeben." — Warten wir ab, ob der Mann Recht hat! Man sollte nach dem bisherigen Vorwiegen ungünstigen Meters mißtrauisch fein. % Epfenbach, 29. Aug. Vom besten Wetter begünstigt, konnte gestern der Heimattag abgehalten werden. Der Zustrom von auswärts war ganz enorm. Das Programm wickelte sich glatt ab. Der historische Festzug wirkte imposant und das Feuerwerk fand allseits Gefallen. Die Postautos hatten große Last, die auswärtigen Gäste zu befördern. Ausführlicher Bericht folgt. J_ Helmstadt, 26. Aug. (Von der Landwirtschaft.) Die Lage der Landwirte ist gegenwärtig trostlos. Der Hafer liegt seit drei Wochen geschnitten auf dem Felde uno ist total ausgewachsen. Die Schwaden sind grün, oas Stroh faul und verdorben, so daß sich Abernten nicht mehr lohnt. Der Verlust ist um so schmerzlicher, als gerade der Hafer die Frucht ist, die der kleine Bauer verkaufen und zu Geld machen kann, um seinen Verpflichtungen nachzukommen, denn Korn und Weizen braucht er zum Essen. Und dabei war der Hafer dieses Jahr erstklassig. Der Schaden, den hiesige Gemeinde an Hafer und Weizen, der auch noch vereinzelt auf dem Felde liegt, dieses Jahr hat, ist auf 100 000 Mark zu veranschlagen. Durch das anhaltende; Regenwetter fangen auch die Kartoffeln zu faulen an, vor allem die gelbfleischigen, die unsere Gegend viel anbaut und auf den Markt bringt. oo Ittlingen, 27. Aug. (Bon der Wasserleitung.) Schon in den 90 er Jahren tauchte das Projekt einer Wasserleitung auf, doch wurde erst 1912 mit Ernst an das Problem hsrangetreten. Bei Ausbruch des Krieges lagen drei Projekte vor, deren Kostenvoranschlag sich sämtlich um 75 000 Mark, bewegte. Nach dem Krieg wurde die Frage wieder ausgenommen, die Inflation verhinderte aber die weitere Durchführung Durchführung. Neu eing'elchtet würden die Bestrebungen durch den Ankauf der Bockschafter Quelle, die auch für die Wasserleitung verwendet wurde. Der Bürgerausschuß verlangte aber in den Jahren 1924 bis 1926 zweimal die Genehmigung der zum Bau erforderlichen Mittel, bis endlich eine 1926 vorgenommene ortspolizeiliche Untersuchung der Gemeindebrunnen eine gründliche Reparatur aller Gemeindebrunnen forderte, so daß der Bürgerausschuh die Mittel für die Wasserleitung zu bewilligen vorzog. So wurde am 19. April der erste Spatenstich gemacht. Der Kostenvoranschlag betrug 139000 Mark, die allerdings etwas überschritten werden dürften. Nach Ablauf von fünf Wochen war die Hauptleitung bis zum Ortseingang gelegt. Wenn auch der Hochbehälter' erst in einigen Wochen fertig fein wird, so ist doch überall das fließende Wasser eingerichtet. O Sulzfeld, 17. Aug. (Einbruch.) In der Bäckerei Wurster in der Mühlbacherstraße wurde diese Woche eingebrochen und der Inhalt der Ladenkasse, sowie verschiedene sonstige Waren gestohlen. Von den Tätern fehlt bis jetzt noch jede Spur. HI Rauenberg, 27. Aug. (Unfall.) Als gestern nachmittag gegen Geschäftsschuß der 18-jährige Johannes Zimmermann in der Bott'schen Ziegelei das Walzwerk der Kuchenpresse ausschalten wollte, geriet er mit einem Arm in eine Riemenscheibe. Der Arm wurde gebrochen und schwer zerquetscht. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er in das Heidelberger Krankenhaus verbracht. Erst vor wenigen Tagen wurde fein Vater aus diesem entlassen, wo er an dem Bau der neuen Heidelberger Neckarbrücke mehrere Wochen niederlag und ein Bein abgenommen erhielt. )( Philippsburg, 27. August. (Spargelernte des Jahres 1927.) Der Schlußversammlung der Spargelbaugenossenschast ist zu entnehmen, daß sich die Gesamterzeugung der Spargel in diesem Jahre aus 700 Zentner belaufen hat, die einen Gesamterlös von 50 000 Mk. eingebracht haben. A Ncckarsteinach, 27. Aug. (Ein Arbeitsunglück.) Beim Nieten in der hiesigen Schiffswerft flog einem jungen Arbeiter ein Eisensplitter ins Auge. Der Fall ist um so trägischer, als derselbe vor einem Jahre durch eine Stichflamme das eine Auge verlor und ihm nun der Verlust des zweiten bevorsteht. = Hirschhorn, 27. Aug. (Unglückssall.) Heute früh, bei Beginn der Arbeit, stürzte der verheiratete Steinbrecher Georg Raule im Kerlebruch an der Langcnthaler Straße aus 8 Meter Höhe ab und zog sich schwere Kopf- und Brustverletzungen zu. Er wurde ins hiesige Krankenhaus eingeliefert. x Mörlenbach, 27. Aug. (In einer Schlinge erhängt.) Die elfjährige Tochter des Landwirts Adam Klein wurde gestern abend in der Scheune ihres elterlichen Anwesens, in einer Schlinge hängend, tot aufgefunden. Man nimmt an, daß das Mädchen an einer Schlinge schaukelte, dabei ausglitt, und mit dem Kopfe darin hängen blieb. @ Reilingen, 28. Aug. (Brand.) Heute nacht brannte ein Wohnhaus der Firma Gebr. Baer (Zigarrenfabrik Mannheim) dis auf die Grundmauern nieder. Die Löscharbeiten, die sehr unter Wassermangel litten, mußten sich darauf beschränken, ein Uebergreifen des Feuers auf die nebenstehende Zigarrenfabrik zu verhüten. Das Inventar ist total verbrannt. Der Schaden wird auf 15—20 000 RM. geschätzt. Entstchungsursache bis jetzt noch unbekannt. * Hagenbach (Pfalz«, 28. August. (Kein Bier auf Obst!) Ein 14 jähriges Kind, dem man nach Genuß von Obst ein wenig Bier zu trinken gegeben hatte, mußte unter heftigen Schmerzen sein Leben lassen. Steinmauer«, 27. Aug Komm i heut nit, dann komm i morge, aber übermorge ganz bestimmt! So ungefähr dachte eine F e l d p o st k a r t e, die im Oktober 1917 von einem hiesigen Vaterlanüsverteidiger in Lemberg abgesandt wurde und im Laufe dieser Woche glücklich in die Hände der Adreffatin gelangte. Sie war also von Lemberg bis hierher genau zehn Jahre unterwegs. Die Post war jedoch so freundlich und hat in diesem Falle von der Erhebung des sonst üblichen Strafportos ausnahmsweise abgesehen. ** Mnhlenbach bei Wolfach, 28. Aug. Ihren 94. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische konnte am Donnerstag letzter Woche Frau Helene Bührer vom Büh- rerhof feiern. ** Freibnrg, 28. Aug. Der im Amtsgefängnis Lörrach in Untersuchungshaft befindliche Schuhmacher Adolf Kuen- zer verschluckte zwei abgebrochene Löffelstiele. Daraufhin wurde er zur ärztlichen Behandlung in das Lanöesgefängnis Freiburg übergeführt und wurde von hier der chirurgischen Klinik als Häftling übergeben, wo die Fremdkörper auf operativem Wege entfernt werden sollten. K. zog es aber vor, mit den Löffelstielen im Magen am ersten Tage spurlos zu verschwinden. ** Ans dem Höllental, 28. Aug. Der am Neubau des Ravennaviadukts bei Höllsteig beschäftigte 58jährige Maurer Joh. Georg Gugel aus Freiburg wurde von einem Balken, der ihm aus sieben Meter Höhe auf den Kopf fiel, erschlagen. ** Lanchertal bei Sigmaringen, 28. Aug. Zwei Iltisse machten hier Besuch in einer Küche und wurden bei ihrem Diebstahl ertappt und von etwa 20 Männern umringt. In der Verwirrung konnte das Weibchen entschlüpfen, während das Männchen nach heftigem Kampf mit einem Schnauzer- hunü und der Einkreisung der Leute den Heldentod fand. Das Weibchen war unterdessen in ein benachbartes Ablauf- rohr geschlüpft, welches schnell unten verstopft und von oben herab mit Wasser gefüllt wurde. Aber, o Schreck, als man Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Montag, den 29. August 1927 Nr. 161. Jahrgang 1927. unten öffnete, war auch schon das Waffer mit dem Jltis- weibchen verschwunden unter dem Schneiden von langen Gesichtern der Jltisjäger mit ihrem am Auslaufrohr wach gestandenen Schnauzerhund. ** Rheinfelde« (Baden), 28. Aug. (Erwischt.) Einer Schmuggelaffäre kamen die Zollbehörden auf die Spur. Ter Inhaber eines Zigarrengeschästcs hatte seit längerer Zeit täglich bei Rheinfahrten mit seinem Weidling Zigarrenpäck- lein am deutschen Ufer versteckt: hernach pflegte er leer über die Grenze zu gehen und die v°rstecktcn Päcklein in Deutschland zu verwerten. Die deutsche Behörde hat ihn auf frischer Tat ertappt und will ihn nur gegen eine Kaution von 25 000 Mark wieder auf freien Fuß lassen. In die Geschichte scheint ein Helfershelfer verwickelt zu sein. ** Münchweiler, 28. Ang. Der etwa 25 Jahre alte Steinbrucharbeiter Hans Bauer, gebürtig aus Bayern, der erst seit etwa einem Vierteljahr in einem Steinbruch hier beschäftigt ist, lauerte im Walde drei von der „Forelle" hierher kommende Personen auf. Als diese sich dem Walde näherten, sprang er heraus und überfiel sie, dem etwa 23 Jahre alten Schuhmachersohn Oskar Müller von hier sofort zwei Mefferstiche in den Oberarm und besonders in den Hals versetzend. Unmittelbar darauf wandte er sich gegen einen anderen Begleiter Müllers, den Arbeiter Grüll, gebürtig aus Bayern, dem er ebenfalls Stichverletzungen beibrachte, die aber leichterer Natur zu sein scheinen, denn Grüll konnte sich nach Anlegung eines Motverbandes nach Hause begeben. Der Täter wurde alsbald verhaftet und ins Amtsgcfängnis nach Villingen eingeliefert. ** Wuchenhofe«, O.-A. Leutkirch, 28. Aug. Zwei Telephonarbeiter von Leutkirch fanden zwischen Ellmeney und Wuchzenhofen zirka 2000 Mk. und übergaben diese dem Eigentümer, der den Verlust inzwischen bemerkt hatte und nach dem Gelde suchte. Als Belohnung erhielten sie zusammen eine Mark. ** Eßlingen, 28. Aug. Eßlingen erhält für das alte Rathaus ein neues aus 24 Glocken bestehendes Spiel, das am 17. September unter Mirtwirkung von Professor Kempff (Stuttgart) eingeweiht werden wird. Vom 18.September ab spielt es sechs Lieder. Die neuen Glocken werden auch die Stunden schlagen. Alle Glocken zusammen haben ein Gewicht von 30 Zentner. Hochherzige Stiftungen haben die Beschaffung des Glockenspiels ermöglicht. ** Kreßbach, O.-A. Tübingen, 28. Aug. Auf dem hiesigen großen Hofgut luden die Arbeiter die Garben der Ernte in eine Feldscheuer. Als sie die Gabeln auswechselten, warf der Hilfsarbeiter Joseph Kaltenmark aus Hirschau einem anderen Arbeiter eine Gabel zu und traf mit derselben den in der Nähe stehenden Arbeiter Karl Holzherr aus Rottenburg so unglücklich, daß ihm ein Zinken der Gabel unter dem rechten Auge tief in den Kopf eindrang, so daß ihm die Gabel mit großer Kraftanwendung wieder aus dem Kopf gezogen werden mußte. Der Schwerverletzte wurde sofort in die Augenklinik nach Tübingen verbracht. ** Weimar, 28. Aug. (Der Wunderdoktor.) Vor dem Altenburger Amtsgericht hatte sich der Heilkundige O. Reh- nert aus Meusewitz wegen Betrugs zu verantworten. Er war in der Gegend seit geraumer Zeit als Wunderdoktor bekannt, der durch geheimnisvolle magnetische Kräfte Menschen und Vieh von Krankheiten heilen könne. Obwohl der Bauernfänger mehrfach vorbestraft war, fand er doch immer wieder Leichtgläubige, die auf seinen Schwindel hereinfielen. So besuchte er in Wolpersdorf eine Gutsbesitzerswitwe, deren Vieh an Tuberkulose litt und die auch selbst über verschiedene Krankheitsbeschwerden klagte. Der Wunderdoktor segnete unter Anwendung eines Zauberspruchs Brotstückchen und stellte der Bauersfrau die Heilung ihres Viehs in Aussicht, wenn sie dieses Brot gut eingewickelt sieben Jahre hindurch auf der Wanduhr aufhebe,' ihr selbst sollte dadurch geholfen werden, daß sie ein Stückchen des Brotes verzehrte. Die Kostenrechnung für die „Heilbehandlung" belief sich auf 37 Mark nebst reichlicher Naturalverpflegung des sonderbaren Arztes. In einem anderen Falle sollte ein 87jähriger Gastwirt dem Schwinden seiner Sehkraft nach der Anweisung des Wunderdoktors dadurch Vorbeugen, daß er die Augen mit Rosenwasier einrieb, das mit Eiweiß gemischt. und von R. in der üblichen Weise gesegnet worden war. Das Gericht bestrafte Rehnert mit drei Monaten Gefängnis. Zugnnfall in Hannover. Hannover, 27. August. (Funkspruch.) Die Pressestelle der Reichseisenbahndirektion Hannover teilt mit: Beim Einstellen eines Viehwagens auf den Bahnhof Scharmsteöt am Schlüsse des Personenzuges 485 der Strecke Hannover-Sol- tau sind am 26. August 14.38 Uhr infolge scharfen Anfahrens an den letzten Personenwagen drei Personen leicht verletzt worden. Stephan George erhält de« Frankfurter Goethe-Preis. Frankfnrt a. M.. 28. Aug. Wie die Telegraphen-Union erfährt, wird der Goethepreis der Stadt Frankfurt a. M., der am heutigen Geburtstag Goethes zum ersten Mal verliehen wird und in einer Geldsumme von 10 000 Mk. besteht, dem Dichter Stephan George zufallen. Unwetter über Norditalien. Ein Toter, 100 Verletzte. Berlin. 28. Aug. Wie der „Lokalanzeiger" aus Rom meldet, tobte vorgestern über. Triest ein außerordentlich heftiger Sturm. Eine große Anzahl von Schiffen wurde von den Ankern losgeriffen. In der Stadt wurden zahlreiche Läden zertrümmert. Etwa 100 Personen erlitten Verletzungen. In Udine ging ein heftiges Gewitter nieder. Drei Häuser wurden durch Blitzschlag eingeäschert. Ein Mann wurde getötet und ein anderer lebensgefährlich verletzt. Ueber Florenz ist wolkenbruchartiger Regen niedergegangen, der die Ernte gerettet hat, denn ohne ihn wäre alles verdorrt. Schwere Bluttat eines Vaters. Preußisch - Holland, 20. Aug. Eine schwere Bluttat ereignete sich, wie erst jetzt bekannt wird, am Mittwoch abend in der Nähe von Weeskendorf. Der dort bei seinen Schwiegereltern zu Besuch weilende frühere Gutsverwalter Johannes Grnnwalö aus Allenstein, der seit langem an einer Nervenkrankheit leidet und seit einiger Zeit stellungslos ist, unternahm mit seinen beiden Söhnen im Alter von 7 und 10 Jahren eine Radtour. Plötzlich zog er einen Revolver und erschoß die beiden Söhne und sich selbst. Man fand die Leichen am nächsten Vormittag. Neue Erdbebenkatastrophe ln Armenien Hilfsmaßnahmen der Sowjetregiernng. Riga, 28. Aug. Aus Moskau wird halbamtlich gemeldet, daß in der Stadt Namangan in Armenien neue Erdstöße stattgefunden haben. Durch dieses neue dritte Erdbeben sind wieder 80 Häuser eingestürzt. Bis jetzt sind etwa 100 Tote und Verletzte festgestellt worden. Die Sowietregierung hat wieder Geldmittel für die betroffene Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Wie die russischen Behörden Mitteilen, werden in nächster Zeit neue Erdstöße im Kaukasus und auch in Persien erwartet. Die Sowjetregierung hat einen Sani- tätszug zur Bekämpfung der infolge der Katastrophe ausgebrochenen Krankheiten entsandt. Die Stadt N""ranaen ist vollkommen abgespcrrt. Die Sowjetregierung hat das Betreten der Stadt verboten. Wieder ein schweres Handgranatennnglück im polnische« Heer. Warschau, 26. August. (Funkspruch.) Während einer Miliitärübung in der Nähe von Stanislau ereignete sich gestern eine schwere Explosion, die auf Unachtsamkeit bei einer Handgranatenübung zurückzuführen war. Ein Offizier, der in inmitten einer Gruppe derart fahrlässig mit einer» Handgranate um, daß diese, während er sie in der Hand hielt, explodierte und einen neben ihm stehenden Soldaten in Stücke riß. Außerdem wurden dabei 15 weitere Soldaten schwer verwundet und mußten ins Krankenhaus transportiert werden. Die Feststellung der Opfer von Chamomx abgeschlossen Genf, 27. Aug. Die Feststellung der Opfer der Eisenbahnkatastrophe in Ehamonix dürfte im ganzen jetzt abgeschlossen sein. Der deutsche Konsul in Lyon, Eckel, befindet sich zurZeit am Schauplatz der Katastrophe, um die endgültige Feststellung der Zahl der Deutschen, die sich unter den Opfern befinden, vorzunehmen. Der abschließende Bericht dürfte im Lauf des heutigen Tages erfolgen. Die Sturmka afirophe von Neufundland. St. Johns (Neufundland), 28. Aug. Bei dem Sturm vom Donnerstag sind im Küstengebiet 33 Menschen umgekommen. Der Sachschaden wird auf etwa 150 000 Dollar geschätzt. Fünf Fischerschoner sind mit Mann und Maus untergegangen, ebenso elf andere Fischerfahrzeuge, deren Mannschaft aber gerettet wurde. 25 Fischerboote wurden im Hafen von Bonavista vernichtet. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. In Bay de Berde wurden fast alle Fischereieinrichtungen zerstört. Die Küstendampfer „Ar- gyle" und „Philomela" wurden auf den Strand getrieben. Passagiere und Mannschaften der beiden Schiffe wurden aber gerettet. Man befürchtet, daß die Fischerflotillcn bei den Grands Baues schweren Schaden erlitten haben, jedoch ist bisher keine Meldung darüber eingegangen. Turnen, Sport und Spiel. Fußball-Ergebnisse aus Süddeutschland. Bcrbandsspiele Gruppe Württemberg. Stuttgarter S.C. — B.f.R. Gaisburg (Samstag) 2:0. Sportfreunde Stuttgart — F.B. Zuffenhausen 2:2. Union Bückingen — B.f.B. Stuttgart 3:2. F.C. Birkenfeld — B.f.R. Hcilbronn 3:2. Gruppe Südbayern. S.B. München 1860 — Wacker München (Samstag) 2:1. D.S.B. München — Schwaben Ulm 3:2. Schwaben Augsburg — Bayern München 2:7. Gruppe Nordbayern. 1. F.C. Nürnberg — F.C. Fürth (Samstag) 6:0. Sp.Bg. Fürth - B.f.R. Fürth 2:2. F.S.B. Nürnberg — i. F.C. Bayreuth 2:2. F.B. 04 Würzburg — A.S.B. Nürnberg 2:0. Gruppe Baden. F.B. Billingen — Karlsruher F.B. 2:3. Freiburger F.C. F.B. Offenburg 2:3. Freiburger S.C. — B.f.B. Karlsruhe 4:0. Phönix Karlsruhe — Sp.Bg. Freiburg 7:1. Gruppe Rhein. Germ. Friedrichsfeld — Mannheim 08 1:3. Sp.Bg. Sandhofen — S.B. Waldhof i; 2. Phönix Mannheim — B.f.R. Mannheim 1:6. Ludwigshasen 03 — F.B. Speyer 5 :3. Phönix Ludwigshafen — Pfalz Ludwigshasen 3:1. Gruppe Saar. Kreuznach 02 — F.B. Saarbrücken 1:1. 1. F.C. Idar — Saar 05 Saarbrücken 3:2. Eintracht Trier — F.C. Pirmasens 0:3. B.f.B. Pirmasens — Trier 05 3:2. Gruppe Main. Eintracht Frankfurt — Germania 94 Frankfurt (Samstag) 5:1. F.C. Hanau 1893 — F.S.B. Frankfurt 0:2. Viktoria Aschaffenbnrg — S C. Rot-Weiß Frankfurt 0:1. Fechenheim 03 — B s.R. Offenbach 8:2. Union Niederrad — Vikt. Hanau 94 3:1. Offenbacher Kickers — Sport 50 Hanau 1:0. Radio - Programm für Dienstag, den 30. August 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250). 20.30 Uhr: Symphonie- Konzert. Breslau (315). 20.15 Uhr: Volkstümliches Konzert. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Frankfurt (428). 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Neue Tanzmusik. 17.45 Uhr: Vorträge. 20.15 Uhr: Zweites Gastspiel: Erik Wirl: „Die Strohwitwe", Operette, Musik von Leo Blech. Anschl.: Neue Schallplatten. Hamburg (394). 20.00 Uhr: Sommer der Musik, Rückblick und Ausblick zur Ausstellung Frankfurt a. M. Musikfeste Krefeld und Baden-Baden. Anschl.: Konzertübertragung a. dem Alsterpavillon. sKAnigsberg (329). 20.05 Uhr: „Schwarzwaldmädel" Operette, Musik v. L. Fessel. Langenherg (468). 20.10 Uhr: Köln: Opern-Abend. Leipzig (365). 20(15 Uhr: Russische Kleinkunst. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535). 21.15 Uhr: „Der Stammtisch", Lustige Szenen von P. Weichand. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert 1tz.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: Ueber- tragung von Frankfurt. Daventry (1600), London (361). 12.00 Uhr: Konzert. 16.00 Uhr: Orchestcrkonzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Tanzmusik. 18.45 Uhr: Leichte Musik. 19.15 Uhr: Handels Suiten. 19.30 Uhr: Opereltenmusik. 20.30 Uhr: Auszug aus: „Lady Luck", Lustspiel. 21.35 Uhr: „Zu Schiff in See", musikalische Bilder von Poung. Paris (1759). 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Konzert. 20.30 Uhr: Sendespiel: „Cavalleria rusticana" von Mascagni. Wien (517). 20.05 Uhr: Volkstümliches Konzert. Zürich (588). 20.00 Uhr: Phatastischs Geschichten. 21.10 Uhr: Durch E. Kalmans Operetten. 22.20 Uhr: Tanzmusik. Prag (348), 19.00 Uhr: Uebertragung a. d. Nationaltheater: „2e- nufa", Oper v. Leos Iahacek. E. Sd)icfe, Uhrmachermeister, Smshöim 0. E. Dr.Setbt-V-rtreter — Lager in Telefunksn - Röhren, Anode». Batterien — säm lichcn Ersatzteilen, Varra 'Akkumulator.n-Ladestation. — T-I-fon 19 Gerrehmlgungsbes cheid. Aufgrund der §§ 53, 117 Abs. 2 Ziff. 3 des bad- Waffergefetzes, §§ 3 Abs. 2 Ziffer 6 und 4 Ziffer 9- 62—64, 36, 40, 45 der Vollzugsordnung zum Waffer- gefetz und § 15 der bad. Verfahrungsordnung wird aufgrund der durch den Bezirksrat gegebenen Ermächtigung der Gemeinde Ittlingen die wafferpolizeiliche Genehmigung zur Benützung der Quelle auf Grund ° stück Lgv. Nr. 251 der Gemarkung Bockschaft p r Erstellung einer Wasserversorgung nach Maßgabe der vorgelegten Pläne und Beschreibung unter folgenden Bedingungen erteilt: 1. Die Gemeinde Ittlingen verpflichtet sich aus der gefaßten Quelle auf Grundstück Lgb. Nr. 251 das für die Wasserversorgung der Gemeinde Bockschaft erforderliche Wasser zur Verfügung zu stellen für den Fall, daß es letzterer Gemeinde nicht möglich ist, sich auf ebenso günstige Weise anderweitig mit gutem Trinkwasfer zu versorgen. 2. Die Beurteilung der Wafferversorgungsmöglich- keit für die Gemeinde Bocksckaft erfolgt durch die Berwaltun gsbehörde. 3. Muß die Gemeinde Bockschaft ihr Wasser aus der durch Ittlingen erworbenen und gefaßten Quelle auf Grundstück Nr. 251 entnehmen, so beteiligt sie sich an den von Ittlingen für Erwerb und die Fassung dieser Quellen aufgewendeten Kosten mit einem Sechstel unverzinslich. 4. Um den regelmäßigen Quellzufluß nach Ittlingen nicht durch eine zu starke Entnahme seitens der Gemarkung Bockschaft zu beeinträchttgen, darf der Anschluß von Bockschaft an die Quellfassung nur aufgrund von Plänen und Berechnungen erfolgen, die von der Verwaltungsbehörde gutgeheißen find. 5. Für den Fall der Quellenmitbenützung ist die Genreinde Bockschaft berechttgt. ihren Wafferbedarf bis zu 120 Liter pro Kopf und Tag bezw. bei Rückgang der Quelle bis zu Via der Gesamtwaffermenge aus der Quelle zu enMehmen. Die Gemeinde Ittlingen hat die Kosten des Ber- fahrens zu tragen. Sinsheim, den 19. August 1927. i Badisches Bezirksamt. | Bekanntmachung. Mit rechtskräftigem Strafbescheid des Finanzamts Sinsheim vom 5. August 1927 wurde gegen den Kaufmann und Gemeinderechner Theodor Braun in Helmstadt eine Geldstrafe von 1500.— RMk. wegen fortgesetzter Umsatz- und Einkommensteuerhinterziehung festgesetzt. Die Veröffentlichung der Bestrafung hat im Sinsheimer Landboten und im Neckarbischofsheimer Bolks- boten zu erfolgen. Sinsheim, den 27. August 1927. Das Finanzamt. Prachtvoll schmeckendes, wirklich gutes im Haushalt selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeekochen, mit dem echten BranatilinS (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12 1 /« Liter -75 RMk., für 25 Uter 1.25 RMk. Jeder ist überrascht von der Güte und dem Wohlgeschmack des Erzeugnisses. Seit 17 Jahren elngeführt und ärztlich empfohlen. Zu haben in Apoth., Drog., Kolonialwarcngescnanen usw.; wo nicht, Dei dem alleinig. Hersteller Thüringer Eueozenitbrih G.m.b.B.. 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