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Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Peiil, Bei Wiederholungen tarissester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdatmn oder bei g:richllichei Betreibung erlischt. Anzeigen Einnahme bis 8 slhr Vorniitte. - größere Anzeigen müssen ■-:> Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Dercinsüank Sinsheim e. E. m. b. L. M 166. Samstag, den 3. September 1927. 88. Jahrgang Belgien gegen die Franktirem-Enqußte. Dandervelöes Llmfall. — Eine gewundene belgische Erklärung. Brüssel, 8. Sept. Der gestrige Ministerrat, an dem Vandervelde, der besonders z« diesem Zwecke ans Gens zn- rückgekehrt war, teilnahm, hat die Veranstaltung der Frank- tireurenqnete ahgelehnt. Diese Entscheidnng wird, wie verkantet, größere politische Konseqnenze« habe«. Der belgische Mtnisterrat, an dem Vandervelde teilnahm, und in dem die Entscheidung bezüglich der Franktireurenquete fiel, hat nur eine Stunde gedauert. Wie die Tele- graphen-Union erfahrt, hat Vandervelde seinen Vorschlag auf Einsetzung einer Franktireurenquete energisch verteidigt, hat aber angesichts der Haltung der Minister nicht auf der Durchführung der Enquete bestanden. Sofort nach Schluß der Sitzung hat sich Valndervelöe nach Genf zurückbegeben. Die Regierung veröffentlichte nach Schluß - der Sitzung ein Kommuniquee, in dem es heißt: Auf Grund der Erklärung des belgischen Außenministers vom 13. Juli 1926, in der erklärt wurde, daß Belgien eine internationale Untersuchung, selbst wenn sie verspätet erfolgen würde,, über den angeblichen Franktireurkrieg zulasten würde, hat die Regierung des Deutschen Reiches ihren Gesandten in Brüssel am 22. August beauftragt, der belgischen Regierung Mitzuteilen, daß Deutschland den Vorschlag einer Enquete annehme und darüber hinaus der belgischen Regierung die Ausdehnung dieser Enquete auf alle Fragen -es Krieges vorgeschlagen. Der deutsche Gesandte hat weiter erklärt, daß der Ansicht der deutschen Regierung nach dieselben Methoden auch auf andere Länder angewandt wer- Frankfurt a. M., 2. Sept. In einer Erwiderung auf die Begrüßung des Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Industrie überbrachte Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius zunächst die Wünsche der Rcichsregierung, sowie der Preußischen Staatsregierung für den Verlauf der Tagung. In Anknüpfung an das zur Erörterung stehende Thema der Qualitätsarbeit wies der Minister dann daraus hin, daß sich der öffentlichen Meinung unverkennbar in den letzten Wochen in der Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung eine gewisse Unsicherheit bemächtigt habe, die keinen zuverlässigen Schluß auf die wirkliche Lage der Dinge zu- laffe. Aber die Tatsache weit verbreiteter öffentlicher Erörterungen über Ursprung und voraussichtliche Dauer der Konjunktur verlange, daß man durch Herausstellung der objektiven Momente versuchen müsse, sich Klarheit zu verschaffen. Seit etwa VA Jahr zeige sich ei« rascher Ausstieg in der Menge der i» Deutschland erzengte« Güter und in der Zahl der beschästigte« Arbeiter. Diese Belebung der deutschen Wirtschaft habe zu neuen Investitionen angeregt und gleichzeitig die Kaufkraft der wieder in die produktive Tätigkeit eingetretenen arbeitslosen Massen neu erweckt, was neben der wegen der schlechten Ernte des Vorjahres notwendigen großen Nahrungsmitteleinfuhr eine erhebliche Vermehrung der Rostoffeinsuhr herbeigeführt habe. Ta bei der wesentlich gesteigerten Einfuhr sich aber die Ausfuhr annähernd auf der gleichen Höhe wie zur Zeit der stärksten Herausströmung der Ware in der Depression des Jahres 1926 gehalten habe, so werde man die Ausfuhr, ohne optimistisch zu erscheinen, als gut behauptet bezeichnen können. Diese Symptome seien nur natürlich und böten keinen Anlaß zu sonderlicher Beunruhigung. Eine Aeußerung darüber, ob die gegenwärtige Konjunktur an sich gesund oder ungesund ist und über ihre voraussichtliche weitere Entwicklung lehnte der Minister ab. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies der Minister auf die für Deutschland bestehen bleibende Reihe wirtschaftlicher Sonderfaktoren hin, von denen der wichtigste in der Reparationsverpflichtung liege. Im gleichen Umfang wie von Deutschland allmählich große Teile seines Volkseinkommens auf Grund des Tawesplanes an die reparationsüerechtigtcn Staaten abgeführt würden, werde die deutsche Kapitalbil- sung vermindert, und zwar zweifellos unter das Maß des- sen, was notwendig sei, um die deutsche Wirtschaft auf dem der Weltentwicklung und dem Bevölkerungszuwachs entsprechenden L^nd zu halten. Die Erzielung dieser Summe zwinge Deutschland, wenn es seinen Produktionsapparat sachgemäß erneuern und zur Erhaltung seiner Wettbewerbsfähigkeit verstärken wolle, große Summen aufzunehmen. Durch Nehmen von draußen und Geben nach draußen den höchstmöglichen Wirtschaftsgrad zu erzielen, müsse maßgebender Gesichtspunkt deutscher Handelspolitik sein. Dieses Ziel dürfe auch während einer Jnlandskonjunktur nicht aus dem Auge verloren werden. Tie Frage, ob die Anlage der rn der gegenwärtigen Aufstieg-Epoche der deutschen Wirtschaft zugeslosienen großen ausländischen Kapitalien volkswirtschaftlich zweckmäßig gewesen sei und künftig sein werde, nicht von staatswegen entschieden werden. Leitgedanke der Wirtschaftspolitik wüste sein, daß die deutsche Wirtschaft vermöge ihrer Kapitalverpflichtung mit dem Ausland in be- sonderem Maß darauf angewiesen ist, die Verbindung mit dem Weltmarkt zu suchen und sich von inneren und äußeren Hemmungen frei zu halten, die eine ungestörte Kommunikation wirtschaftlicher Güter behindern. Nicht Deutschlands Schuld sei es, wen» man nicht mit alle« für De«tschla«d wichtige« Länder« z« Handelsverträge« gelangt sei. den könnten. Der belgische Minister des Auswärtige» hat den Eingang dieser Mitteilung dem deutschen Gesandten bestätigt und mitgeteilt, daß er den deutschen Vorschlag dem nächsten belgischen Ministerrat vorlegen würde. Der belgische Ministerrat ist in seiner gestrigen Sitzung übereinstimmend der Ansicht gewesen, daß diese deutschen Vorschläge nicht angenommen werden könnten, obwohl % aus einem Willen zur Besänftigung der internationalen Atmosphäre herrühren. Es erschien unzweifelhaft, daß unter den gegebenen Umständen eine Enquete die Leidenschaften übermäßig aufwühlen würde und Folgen haben würde, die den gemeinsamen Wunsch der beiden Regierungen auf Pazifizierung und Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern zuwiöerlaufen würden. Ter Minister des Auswärtigen wird die Gründe für sein Verhalten beim Völkerbund in Genf in Besprechungen mit den Vertretern der Signatarmächte des Locarnovertrages bekanntgeben. * „Der andere hört von allem nur das Nein." Mögen auch noch so viele schöne Worte die Ablehnung der Untersuchung des Franktireurkriegs bemänteln, der wahre Grund ist das schlechte Gewissen Belgiens und vor allem Frankreichs, das. wie schon seinerzeit in der Eupen-Malmedy-Frage wieder einen starken Druck auf Belgien ausgeübt hat. Auch in diesem Fall heißt es für uns, ruhig Blut zu bewahren und trotz aller Versuche, mit denen die Gegensätze weiterhin die Welt über das wahrh Gesicht der Kriegsschuld und Greuellegenden zu täuschen sucht, mit verstärkter Initiative die Aufklärungsarbeit fortzusetzen. Einmal wird sich die Wahrheit Bahn brechen! * Mit dem Abschluß des deutsch-französischen Handelsvertrages sei inzwischen wieder ein Schritt in der Richtung verständiger europäischer Handelspolitik getan worden. Der Inhalt des Vertrages sei gewiß nicht in allen seinen Teilen voll befriedigend weder für Deutschland noch auch für Frankreich. Auf beiden Seiten überwiege aber die Genugtuung, über die nach dreijährigen, schweren und wechselvollen Verhandlungen erzielte Verständigung bei wertem das Mißbehagen über nicht voll erfüllte Hoffnungen. Mit dem Abschluß dieses Vertrages hätten sich die deutsche und die französische Regierung gemeinsam auf den Boden der Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz gestellt und für die Konsolidierung der europäischen Wirtschaftspolitik alles getan, was durch einen auf zwei Länder beschränkten Handelsvertrag geschehen könne. Das Handelsvertragssystem Europas sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Erst das Gesamtergebnis der weiteren Hanöelsvertragsverhandlungen Frankreichs und Deutschlands werde über Erfolg oder Mißerfolg der von der Weltwirtschaftskonferenz geförderten Besprechungen zur Wirtschaftssolidarität Europas entscheiden. Neben den günstigen Aussichten für die weitere politische Entwicklung Europas seien jedoch Momente zutage getreten, die weniger günstig seien und zeigten, daß die in Genf empfohlenen Richtlinien noch nicht in allen Ländern zu einer klaren Orientierung der Wirtschaftspolitik geführt haben. Tie Reichsregierung werde sich nicht durch freudige Gefühle über erreichte Fortschritte in Sicherheit wiegen lasten. Sie werde die Augen nach allen Seiten offen halten und entgegengesetzte Tendenzen, die hier und da wirksam seien, mit größter Aufmerksamkeit verfolgen und abzuwehren versuchen. Der fortschreitende Ausbau des Hanbelsvertragssystems werde den Deutschen im Ausland und dem Ausländer in Deutschland die Möglichkeiten friedlichen Wettbewerbes in gesteigertem Umfange erschließen und das Wirtschaftsgebiet, auf dessen Bedarf der einzelne Wirtschafter bei seiner Gütererzeugung sich einstellen müsse, erweitern. Aber nicht nur in der Wirtschaft selbst müßten die Voraussetzungen für die Erzielung eines Höchstprojektes deutscher Leistungsfähigkeit gegeben sein. Auch die großen dem Reich gehörenden Verkehrsanstalten der Bahn und Post müßten das ihrige zur Erleichterung des Absatzes dieses Produktes beitragen, und schließlich müffe auch in der Verwaltung des Reiches, der Länder und der Gemeinden, die sämtlich mit der Wirtschaft in engster Fühlung arbeiteten, der Qualitätsgrundsatz verwirklicht werden. - Im weiteren Verlauf der den Auftakt der Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie bildenden Sitzung des Hauptausschuffes sprach Oberbürgermeister Tr. Most über aktuelle Fragen aus dem Finanzausgleichsproplem. Der Reichsoerband der Deutschen Industrie an Hindenburg Frankfurt a. M., 3. Sept. In der Eröffnungssitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie führte der Vorsitzende des Präsidiums des Reichsverbandes, Geheimrat Tuisberg, nach Begrüßung der Gäste aus, daß unter den Glückwünschenden, die sich in wenigen Wochen zum 80. Geburtstag Hindenburgs zusammenfinden, in vorderster Linie die deutsche Industrie stehe. Zum Ausdruck der Gesinnung, die die gesamte deutsche Industrie dem Reichspräsidenten ent- gegenbringe, wurde beschloffen, folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten zu übersenden: „Ueber zweitausend Teilnehmer an der diesjährigen Mitgliederversammlung des Reichsvcrbanöes der Deutschen Industrie gedenken des allverehrten Herrn Reichspräsidenten in Dankbarkeit und Treue. Ehrfurcht vor der Vergangenheit. Pflichterfüllung in der Gegenwart und Kraft für die Ausgaben der Zukunft sind die Eigenschaften, die die deutsche Industrie in der Person des Reichspräsidenten verkörpert steht. Die deutsche Industrie bringt auch heute wieder den aufrichtigen und ehrerbietigen Wunsch zum Ausdruck, daß Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsident, cS vergönnt sei, über das achte Lcbensjahrzehnt hinaus noch lange Jahre als Präsident des Deutschen Reiches zum Wohl des deutschen Volkes zu wirken". Zum Programm für Hinoenburgs Geburtstag Berlin, 2. Sept. Auf die zahlreichen bei dem Büro des Reichspräsidenten eingegangenen Anmeldungen zur Spalierbildung zum Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten wird amtlich bekanntgegeben: Der Herr Reichspräsident wird sich an seinem 80. Geburtstag, Sonntag, 2. Oktober, gegen 15.30 Uhr von seinem Hause im Kraftwagen nach dem Stadion im Grunewald begeben, wo ihm die Schuljugend von Groß-Berlin eine besondere Huldigung darbringen wird. Der Wagen wird in langsamer Fahrt durch die Wilhelmstraße — Unter den Linden (Mittelpromenade) — Charlottenburger Chaussee — Vismarckstraße — Kaiserdamm — Heerstraße — Rennbahnstraße seinen Weg nehmen und gegen 16 Uhr im Stadion eintreffen, Die Rückkehr geht nach Beendigung der Feier im Stadion, welche etwa eine Stunde in Anspruch nehmen wird, auf dem gleichen Wege vor sich. Vereine und Verbände, die die Absicht haben, sich an der Spalierbilöung längs der Feststratze zu beteiligen, werden ersucht, sich zwecks Zuweisung eines Platzes bis spätestens 20. September vormittags beim Herrn Polizeipräsidenten, Alexanöerplatz, schriftlich anzumelden. Dabei werden folgende Angaben erbeten: Voraussichtliche Stärke der Beteiligung. Angabe der Oertlichkeit, wo sich der Verein usw. sammelt, etwaige Wünsche über die Stelle, an welcher der Verein usw. in das Spalier eingegliedert werden möchte, Angabe, ob Aufstellung sowohl bei der Hin- wie bei der Rückfahrt beabsichtigt wird jöies wird die Regel sein), Angabe, ob eine Musikkapelle teilnehmen soll. Die anmelöenden Vereine usw. erhalten über die näheren Einzelheiten der Spalierbildung weiteren Bescheid. Erforderlich ist hierzu die Angabe des für Verhandlungen usw. bevollmächtigten Vorsitzenden oder Vertreters mit Straße und etwaigem Fernsprecher. Das bremsende Slreckenfignal. Die Reichsbahnverwaltung ist bemüht, die Vorkehrungen zur Sicherheit des Zugverkehrs auch durch selbsttätig: Einrichtung:«, die bei Uebersahren von Haltesignalen in Kraft treten sollen, zu verstärken. Solche Vorrichtungen werden brtriebstechnisch Zugbecin- flussungseinrichtungen genannt. Die seit langem vorbereiteten Si- cherungsmaßnahmen wurden am Mittwoch vormittag in einer Sonderfahrt auf der Linie Berlin-Dresden einem kleinen Kreise gezeigt. Es handelt sich um die Vorführung der selbsttätige Bremseinrichtungcn, die unter dem Namen „Indulor" technisch ausprobiert wird. Etwa 285 Meter hinter dem Vorsignal ist ein Streckenmagnet vorgesehen, der, falls der Lokomotivführer das Signal nicht beachtet haben sollte, entsprechend auf einen Lokomotivmagneten und damit auf die Luftdruckbremse cinwirkt und den Zug zum Halten bringt. Die Beachtung des Vorsignals durch den Führer wird durch Betätigung eines Wachsamkeits- Hebels im Führerstand angezeigt, der in jedem Fall zu stellen ist Die Versuche hatten auch bei 90 bis 100 Kilometer Geschwindigkeit besten Erfolg. Die erste Einführung der Neuerung ist für den Spätherbst zu erwarten. Chile Hai das kommunistische Problem gelöst. . Eine glänzende Idee. Paris, 1. Sept. Die Blätter gebenfolgende Depesche aus Newyork wieder: Aus Santiago de Chile wird berichtet, der Präsident der Republik Ibanez habe im Laufe eines Interviews erklärt, Chile habe das Problem des Kommunismus dadurch gelöst, daß es alle Kommunisten nach der Robinfon-Crufos- Infel geschickt habe, wo sie zögerten, ihre Theorie in die Praxis umzusetzen. Vor sechs Monaten habe nun eine Gruppe von Kommunisten aus Juan Fernandez dorthin geschickt und sie mil allem versehen, was sie zur Ausführung und Verwirklichung ihrer Ideen brauchten. Jetzt feien kaum sechs Monate verstrichen, und die Leute hätten gebeten, sie nach dem Festlande zurückzutransportieren. Dieser Rücktransport werde am 18. September, am Tage des Nationalfestes erfolgen. Die Erfahrung von sechs Monaten hätte genügt, um diese Leute zu überzeug:», daß es doch besser wäre, unter einer organisierten Verwaltung zu leben. Sun von den Südlrnppen geschlagen. Nachgeben Nankings in der Zollstag:. London, 2. Sept. Nach den amtlichen Berichten des nationalistischen Finanzministers ist General Sun beim Ueberschreiten des Jangtse den Nationalisten in eine Falle geraten. Suns Armee wurde abgeschmtten. Die nationalistischen Truppen machten 12 000 Gefangene, nachdem die abgeschnittens Armee an 3000 Tote und Verwundete verloren hatte. Pukau befindet sich bereits wieder im Besitz der Rationalisten. Der Rückzug Suns trägt fluchtartigen Charakter, da andere na.ionalistische Truppen die Bahn Pukau-Tientsin bedrohen. Die Mitteilung des Außenministers der Nanking-Regierung an die Vertreter der Mächte von dem Inkrafttreten der Zollautonomie mit dem heutig:» Tage hat hauptsächlich theoretischer Wert, da die Nanking-Regierung gleichzeitig mitteilte, daß die umstrittenen Zollerhöhungen vorläufig nicht in Kraft treten. Es handelt sich hierbei jedoch um keinen endgültigen Verzicht. Dieser Beschluß der Nansing-Re- gierung bedeutet nichts anderes, als ein Nachgeben in dem wichtigsten Streitpunkt. An dem diplomatischen Korps ist es Dr. Eurtius auf der Tagung des Relchsverbanbes der Deutschen Industrie. Nr. 166. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung Samstag, den 3. September 1927. nun zu entscheiden, ob die theoretische Verkündigung der Zollautonomie eine Gegenaktion rechtfertigt. Korvnos Rache an Memel. Ausweisungen und Kündigungen. Komm, nimmt für die katastrophale Wahlniederlage im Memelland seine Rache an den deutschen Memelländern. Seit Bekanntwerden des Wahlergebnisses ist sechzig Eisenbahnbcamten und zwanzig Postbeamten, die von Deutschland übernommen worden sind und für Litauen optiert hatten, gekündigt worden- Als Grund wird eine angeblich nicht bestandene Sprachenprüfung im Litauischen angegeben. Weiter sind drei reichsdeutschen Redakteuren in Memel und Heydekrug Schreiben der Kommandantur des Memelgebietes an die Polizei zur Kenntnis gebracht worden, in denen es heißt, daß die nachgesuchte Aufenthaltserlaubnis nicht genehmigt worden Ist und sie, wenn sie bis zum 5. September das Gebiet Litauens nicht freiwillig verlassen haben, per Schub an die Grenze gebracht werden. Der litauische Kriegsminister Merkis wurde ab 1. September mit den Vollmachten eines Ministers zum Gouverneur des Memelgebietes ernannt. Russische Probe-Mobilisierung. Berlin, 2. Sept. Nach einer Meldung aus Moskau wurde in Leningrad und in der Krim eine Probemobilisierung der Jahrgänge- 1896 bis 1903 angeordnet. In Aufrufen wird die Bevölkerung darüber beruhigt, daß es sich nicht um kriegerisch« Maßnahmen handelt, sondern lediglich um einen blinden Alarm, um die Mobilmachungsorganisation zu prüfen. Trotzdem ist anscheinend unter der Leningrader Bevölkerung eine starke Nervosität entstanden, denn in den Bekanntmachungen wird es für notwendig gehalten, die schärfsten Vorgehen anzudrohen gegen alle Leute, die die Bedeutung der jetzigen Mobilmachung falsch darstellen und die durch Agitation und Propaganda ihre planmäßige Durchführung suchen. 6 Milliarden Besatzungskosten. Berlin, 2 . Sept. Nach der Bilanz, die der deutsche Referent für die Besatzungskosten im Reichsministerium für die besetzten Gebiete, Dr. Hans Ronde, in seiner Einleitung zum soeben erschienenen Pariser Abkommen vom 5. Mai 1925 ausgestellt hat, betragen die Kosten der Besatzung vom Waffenstillstand bis zum 1. September 1927 0127 000 000 Millionen Mark. Die Nheinlandbesatzung kein Druckmittel für ein Ostlocarno Genf, 3. Sept. Von zuverlässiger alliierter Seite werden der Telegraphen-Union folgende Mitteilungen über die bevorstehende Unterredung der alliierten Außenminister mit DK Stresemann gemacht: Briand hat, wie versichert wird, im Laufe seiner Unterredung mit Chamberlain in Paris am Mittwoch den französischen Standpunkt zu allen gegenwärtig schwebenden deutsch-französischen Fragen dargelegt. Briand wird, wie mitgeteilt wird, gemäß Vereinbarung mit Chamberlain Dr. Stresemann gegenüber zum Ausdruck bringen, daß nach französischer Auffassung die alliierte Rheinlandbesetznng i« erster Linie als Garantie für die Sicherheit Frankreichs ansznsasscn sei. Ans diesem Grnnde könne die endgültige Ränmnng des Rheinlandes zunächst nur etappenweise vorgenommen werde« «ud zwar «nr im Verhältnis z« der im Gange befindlichen Reorganisierung «nd Umgruppierung der französische« Armee «nd dem Ansba« des französischen Festungsgürtels an der Ostgrenze Frankreichs. Da diese Maßnahmen bereits in Angriff genommen seien, so bestehe die Möglichkeit einer Räumung des Rheinlandes schon vor den im Versailler Vertrag festgelegten Fristen. Zwischen der englischen und französischen Regierung sei eine Uebereinkunft dahin erzielt worden, daß die Rheiulandbesatznng nicht als eine Garantie für die Erfüllnng des Dawesplanes sowie gleichfalls nicht als Garantie der polnischem Westgrenze anfzufaffe» sei. Die französische Regierung vertrete die Auffassung, daß der Abschluß eines Ostlocarno im Interesse des französischen Friedens wünschenswert und zweckmäßig sei. Die Besetzung des Rheinlandes sei jedoch nicht als ein Druckmittel aufzu- faffen, die deutsche Regierung zum Abschluß eines Ostlocarno zu zwingen. Neuer politischer Mord in Warschau Warschau, 3. Sept. Gestern mittag wurde in der hiesigen Eowjctbotschaft ein Besucher, dessen Name und Staatszugehörigkeit bis zur Stunde noch nicht bekanntgegeben wurde, von einem Beamten der Botschaft erschossen. Ueber die Motive der Tat sind Einzelheiten noch nicht bekannt. Wie verlautet, soll die Tat im Streit erfolgt sein. Das gesamte Gebäude wird von der politischen Polizei bewacht. Ein Frühlingstraum. 15', Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. »Zwei Tage nicht gesehen! O Liebster, wie ist mir di« Zeit lang geworden", flüsterte Mary, sich innig in Wolfs Arm schmiegend — wie immer saßen sie unter der großen Linde, wo es so köstlich in der stillen Dämmerung war. „Und wie ich mich nach Dir gesehnt habe, Maus, brauche ich wohl nicht erst zu sagen", entgegnete er, sie mit entzückten Blicken betrachtend, „wie schön Du wieder aussiehst!" „Du Schmeichler", lächelte sie, „mache mich doch nicht eitel!" Und wieder kosten sie miteinander. — „Du, Wolf hast Du auch Tein Bild für Bergers mitgebracht? Wir hatten es ihnen versprochen." „Natürlich, mein Lieb! Ich vergesse nichts, was ich einmal gesagt!" Dann lasse cs uns hintragen,' ich habe das meinige auch!" „Warte doch noch bis nachher: wollen wir nicht den schönen Abend noch für uns genießen? Es ist doch so köstlich" bat er. „Das können wir trotzdem noch. Ich möchte Mutter Berger noch eine Kleinigkeit geben: sie ist nicht gern allein: ihr Mann ist bei Wilhelm. Nachher möchte ich dich noch etwas fragen." „Dann komm, Maus! — Wir halten uns aber nicht lange aut § uiir liegt etwas am Herzen — wegen nett* Ittfj. Er nahm ihr ein kleines Paketchen ab und sie gingen zu Frau Berger, mit großer Freude von ihr begrüßt. ^ch habe ja schon gewartet: mir ist's so gruselig: Berger ist heute mal zu Wilhelm gegangen. Gegen 10 wollte er zurück sein." „So spät ist's ja noch lange nicht, Mutter Berger!" meinte Wolf. „Nun setzen Sie sich man, Fräulein Mariechen lsie konnte sich an das fremdklingende Mary nicht gewöhnen). Fräulein Mariechen trinkt ein Glas Limonade, ja?" Und während die Alte geschäftig hin und her eilte, öiinete Marv daS Bei dem gestern mittag in der Warschauer Sowjetgesandtschaft verübten Mord handelt es sich um den zwanzigjährigen polnischen Staatsbürger Joseph Tranjkowicz, der von einem Beamten der Sowjetgesandtschaft namens Gusiew mit einem Revolver erschossen wurde. Ueber den Hergang der Tat werden jetzt folgende Einzelheiten bekannt: Gegen 10 Uhr vormittag erschin auf der Sowjetgesandtschaft ein unbekannter junger Mann, der später als der erwähnte Tranjkowicz festgestellt wurde, der den Geschäftsträger Uljanow zu sprechen wünschte. Als ihm gesagt wurde, daß dieser nicht zu sprechen sei, kam es zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Tranjkowicz einen großen Chinesendolch aus der Tasche zog und damit auf den Beamten einstach, der blutüberströmt zusammenbrach. Tranjkowicz ergriff darauf die Flucht, wobei er noch mit einem Stock einige Mal auf ein in demselben Raum befindliches Bildnis einschlug. In diesem Augenblick zog der Beamte der Sowjetgesandtschaft, der den Vorgang aus einer Telephonzelle mit angesehen hatte, einen Revolver und gab fünf Schüsse auf den Fliehenden ab, der tödlich verwundet zusammenbrach. Auf Veranlassung der Sowjetgesanötschaft begaben sich sofort Vertreter der Gerichtsbehörden und des Außenministeriums an Ort und Stelle und nahmen eine genaue Untersuchung vor. Nach Abschluß der Untersuchung will die Regierung ein offizielles Kommunique herausgegeben. Wie festgestellt ist, hat die Sowjetgesandtschaft die Behörden erst eine volle Stunde nach der Tat benachrichtigt. Wie nachträglich festgestellt wurde, trug der Tote einen' ungeladenen Revolver in der Tasche. Einer Darstellung der amtlichen polnischen Telegraphen-Agentur zufolge soll es sich um einen russischen Emigranten gehandelt haben, der - einen Patz nach Rußland verlangt hatte, den man ihm aber verweigerte. Mussolini als Königsmacher WM Mussolini hat einen neuen geschicktn Plan ausgeheckt: Er will den Ungarn wieder zu einem König verhelfen und dabei gleichzeitig seine Suppe kochen. Der Herzog von Aosta (unser Bild), ein Vetter des Königs von Italien, der am 13. Januar 1869 geboren und mit einer Prinzessin von Orleans vermählt ist, verfügt über ausgezeichnete Verbindungen zur englischen Aristokratie und dürfte den monarchistischen Kreisen in Europa an und für sich schon willkommen sein. Fraglich ift nur, ob die Ungarn damit einverstanden sind. Die erste öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates Verbesserung der telephonischen Verbindungen, sowie auf die Telephon- und Telegraphentarife beziehen, entgegen. Der wichtigere Teil der Beschlüsse der Preffesachverständigenkon- ferenz über den Eigentumsfchutz von Nachrichten soll nach dem Bericht auf die Dezembertagung des Völkerbundsrates vertagt werden. In dem Bericht ist ferner die Einberufung einer weiteren Pressekonferenz vorgesehen. Im Anschluß an den Bericht entspann sich eine längere Debatte, in der von den Delegierten einmütig die große Bedeutung der Preffekoufereuz, «nd ins- besoudere die wertvolle Zusammenarbeit zwischen dem Völkerbund «ud der Presse betout wurde. Unter anderem ergriff auch Dr. Stresemann das Wort, der hervorhob, daß der Völkerbund sich zu der Initiative der Einberufung dieser Konferenz beglückwünschen könne und den Vorschlag mache, die Durchführung der Resolution der Konferenz in großzügiger und energischer Weise weiter zu verfolgen. Die Präambel des Berichtes der Konferenz an den Rat stelle eine feierliche Erklärung der Grundrechte der Presse dar. Dr. Stresemann wies in kurzen grundsätzlichen Ausführungen darauf hin, daß die Presse eine Ergänzung der Politik bedeute. Sie sei geeignet, in gleicher Weise der Befriedigung wie der Aufreizung der öffentlichen Meinung zu dienen. Völkerbund und Presse arbeiteten am gleichen Ziel der Verständigung. Di« Presse hätte aus der Konferenz lernen können, wie schwierig es sei, 38 Staaten zu einem einstimmigen Beschluß zu bringen. Sie habe aber gleichzeitig feststellen können, daß das Suchen nach einem Kompromiß nicht immer der Ausdruck von Schwäche, sondern auch der Ausdruck von Weisheit sein könne. Anschließend wiesen Paul Boncour, Adacci und Chamberlain auf die Bedeutung der Ergebnisse der Konferenz hin, wobei Chamberlain besonders die Entschließung über die Mitwirkung der Presse an der moralischen Abrüstung her- vvrhob. Der Bericht Broucqueres, der Ueberweisung des Berichts der Pressesachverständigcnkonferenz an die Vollversammlung des Völkerbundes beantragte, wurde sodann ohne weitere Debatt angenommen. Sodann legte Dr. Stresemann dem Völkerbunüsrat den Bericht über die Arbeiten des Wirtschaftskomitees des Völkerbundes vor. In dem Bericht werden die Verhandlungen^ des Komitees über die Verinheitlichung der Zollnomenklatur, ferner der Frage der Zolltarife und Handelsverträge, sowie die Behandlung von Handelsunternehmen im Ausland kurz berührt. Hierauf nahm der Völkerbundsrat einen Bericht über die Tätigkeit der Kommission für intellektuelle Zusammenarbeit an. Die Berichte über die Hygienekommission, sowie über die Schaffung einer internationalen Hilfsaktion bei Naturkatastrophen, wurden auf die nächste Sitzung des Völkerbundsrates vertagt. Am Samstagvormittag tritt der Völkerbunösrat zu einer weiteren Sitzung zusammen. Die erste Besprechung zwischen Dr. Stresemann und Chamberlain Geuf, 3. Sept. Gestern nachmittag hat die erste Zusammenkunft zwischen Reichsaußenminister Dr. Stresemann und dem englischen Außenminister Chamberlain stattgefunden. Um 6.30 Uhr erschien im Hotel Beau Rivage Dr. Stresemann zu einer längeren Unterhaltung mit Chamberlain. Kurz vorher hatte der neu ernannte Vertreter Chinas im Völkerbundsrat, der Lissaboner Gesandte Wang, Dr. Stresemann einen Besuch abgestattet. Gestern nachmittag hat ferner eine längere eingehende Besprechung innerhalb der deutschen Delegation stattgefunöen. in der im Großen die in den nächsten Tagen stattfindenden Beratungen der Außenminister zur Sprache gelangt waren. Ferner fand gestern nachmittag eine Unterredung zwischen dem Kabinettchef Chamberlains, Selby, und dem Staatssekretär von Schubert statt. Gestern abend 9 Uhr fand der erste Empfang der deutschen Presse durch Reichsaußenminister Dr. Stresemann statt. Bericht Dr. Stresemanns über die Weltwirtschaftskonferenz. Genf, 3. Sept. Der Völkerbund trat gestern vormittag kurz vor elf Uhr zunächst zu einer geheimen Sitzung zusammen, an die sich kurz darauf eine öffentliche Sitzung anschlotz. Zu Beginn der Sitzung sprach der Präsident des Völkerbundsrates. Willeaas. dem rumänischen Delegierten Titu- lescu das Beileid des Völkerbundsrates zum Ableben des Königs Ferdinand aus. Nach Dankesworten Titulescus wandte sich der Völkerbundsrat der Erledigung der Tagesordnung zu. Ohne Debatte wurde der Bericht über die Danziger Kommunalanleihe angenommen, durch den dem Senat der Freien Stadt Danzig die Verwendung des Restes der Anleihe von 1925 für kommunale Zwecke freigestellt wird. Hierauf nahm der Völkerbundsrat den Bericht über die Beschlüsse der Presse-SachverständigenkonsLLnz, die sich auf die Briand nach Genf abgereist. Paris, 3. Sept. Im Lause des gestrigen Ministerrates erklärte Außenminister Briand, am Abend nach Genf ab- reisen zu wollen. Ein polnischer gurückzieher Genf, 2. Sept. Von polnischer Seite wird heute abend zu den Meldungen über einen Antrag der polnischen Delegation in der Vollversammlung des Völkerbundes auf Abschluß eines Nichtangriff-Paktes mitgeteilt, daß die polnische Delegation zunächst die Absicht habe, bei der allgemeinen Debatte über die Abrüstungsfrage in der Vollversammlung nachdrücklich auf das Fiasko der biGerigen Abrüstungsver- hanölnngen hinzuweisen. Hierbei werde polnischerseits je- Paket und nahm eine hübsch garnierte Haube, sowie ihr Bild heraus. „Was soll das?" fragte er. „Paß nur auf, mein Schatz, wie sie sich freuen wird. Die Haube habe ich gestern gearbeitet, und dabei an Dich gedacht, wie Du Dich im Kasino amüsieren würdest!" „Wie hübsch von Dir! — Ach, und Dein Bild!" Entzückt betrachtete er es und führte es dann an seine Lippen. „Geh, Wolf — was tust Du? — Du hast mich doch!" Und sich auf die Fußspitzen stellend, reichte sie ihm mit allerliebster Gebärde den Mund zum Kusse. „Nun aber schnell Dein Bild, Liebster!" — Frau Berger trat mit der Limonade herein. „Für den Herrn Leutnant habe ich eine Flasche Bier, die er hoffentlich nicht verschmähen wird!" Man sah ihr an, wie freudig erregt sie war, ihren Gästen etwas anbieten zu können. „Das ist recht, Mütterchen", sagte Wolf freundlich, „ich habe gerade viel Durst, und Wasser ist so dünn!" „Mutter Berger, sehen Sie doch nur", rief da Mary freudig. Me Alte trat an den Tisch. Ihr erster Blick fiel aus die Bilder. „O je, o je — nein, so was — und so ähnlich, wie aus den Augen geschnitten!" Und abwechselnd betrach», tete sie bald das eine, bald das andere Bild. „Und sehen Sie die schöne Haube nicht, die meine Mary Ihnen gebracht hat?" fragte da Wolf. Da sah die Alte das für sie bestimmte Geschenk. — „Was, die soll ich haben? O, die ist viel zu schön für mich", und Tränen der Rührung traten in ihre Augen, wie sie bas Kunstwerk", wie Wolf scherzend sagte, in die Hand nahm und von allen Seiten betrachtete. „Nein, Mutter Berger, die ist noch lange nicht gut genug für Sie! Die tragen Sie immer und denken an mich — die habe ich Ihnen aus Dankbarkeit genäht! Und die Bilder sollen Sie immer an uns erinnern, wenn wir nicht mehr hier sind!" „Ihr guten Kinder! Möchte sich nur recht bald Euer Wunsch erfüllen", sagte da Frau Berger gerührt, „daß Ihr recht bald Mann und Frau werdet!" Wolf und Mary sahen ich tief in die Augen — war das doch ihr sehnlichster Wunsch. Nach einer kleinen Weile verabschiedeten sie sich und gingen, und begleitet von Frau Bergers Tankesworten. Arm in Arm schritten sie wieder hinaus in die schweigende Nacht. „Was wolltest Du fragen?" nahm Wolf zuerst das Wort. „Vorgestern mittag sah ich Dich mit Fräulein Ulrich — ach, Wolf, das tat mir so weh!" „Märchen ist doch wohl nicht etwa eifersüchtig? — Sieh, Kind, meine Stellung legt mir viele gesellschaftliche Verpflichtungen auf, denen ich mich unmöglich entziehen kann: ich verkehre in dem Hause Ulrich, werde dort viel eingela- öen, und deshalb kann ich das Fräulein nicht gut vernachlässigen, trotzdem sie mir im höchsten Grade unsympathisch „Wirklich, Wolf?" Und fragend sah sie zu ihm empor. „Ja, Kind. Ein herzloseres, oberflächlicheres Geschöpf mir noch nicht vorgekommen —" „Und doch wird geredet, schon lange, Mr würdest Dich ihr verloben! Sie ist hübsch und reich, sehr reich! Stets ft sie die teuersten Hüte in unserem Geschäft und ist dass peinlich und so wenig angenehm, daß jeder sich scheut, zu bedienen: mich trifft stets dies Los: Frau Gündel ckt mich stets: die fürchtet sich auch vor ihr!" „Das glaube ich gern, solchen Eindruck macht sie! Ist es bisher nicht gelungen, mein Herz zu erobern, ist es jetzt iig unmöglich, die kleine Mary daraus zu verdrängen, t Du nun zufrieden. Kleine?" fragte er, zärtlich in ihre tzen, leuchtenden Augen sehend und ihren Arm an sich „Ja, Wolf", sagte sie einfach. „Nur gehen mir jetzt so ste Gedanken durch den Kopf - ob ich Dir doch nicht derlich bin betreffs Deiner Zukunft. Wenn Du nicht jr Soldat bist - würde Dir denn der Beruf bei der Po- i oder an der Steuer zusagen? Ich glaube es nicht! ich bin nur ein einfaches Mädchen ohne Rang und Na- ^ — Du dagegen — Du klopfest sicher nirgends vergeb- an, auch wenn Du Dir in den höchsten Kreisen eins ensgesährtin suchen wolltest!"' Nr. 166. Jahrgang 1927. doch mit großem Nachdruck der Gedanke der Sicherheit und des Schiedsgerichts in den Vordergrund gerückt. Es bestehe zunächst auf polnischer Seite nicht die Absicht, praktische Vorschläge eines Nitchangriffsvertrages zu machen. Sollte jedoch in der Vollversammlung von einem anderen Staat eine derartige Anregung als Ausbau des Sicherheitsgedankens vorgebracht werden, so würden derartige Vorschläge die Unterstützung der polnischen Delegation finden. Wie der Telegraphen-Union hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, wird der angeblich polnische Vorschlag bezüglich des Abschlusses eines allgemeinen Nichtangriffspaktes in der Vollversammlung des Völkerbundes stärkstem Widerstande begegnen. Litauen gegen die polnischen Forderungen Konmo, 3. Sept. Die Antwort der litauischen Regierung auf das polnische Ultimatum wegen des Grenzzwischenfalls ist noch nicht bekannt. Man nimmt an, daß die litauische Regierung auf die polnischen Forderungen den Völkerbund an- rufen wird. Wolüemaras empfing gestern das diplomatische Korps, um ihm über den Grenzzwischenfall den litauischen Standpunkt darzulegen. Auch die litauischen Auslandsvertreter haben Anweisung erhalten, diesen Standpunkt auch bet den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, klarzulegen. 11 Todesopfer eines Sprengunglücks Kassel, 3. September. I« einem Basaltsteinbruch in Schlierbach im Kreise Fritzlar ereignete stch gestern infolge vorzeitige« Losgehens eines Sprengschnsses ei« folgen-, schweres Unglück. Elf Arbeiter ans den Umliegenden Dör/ fern wnrden getötet «nd einige verletzt. Der Ozeanflug des „Blauen Vogels" abgebrochen Paris, 3. Sept. Der gestern kurz nach 6,30 Uhr zu seinem Ozeanflug gestartete „Blaue Vogel" wurde bald nach 9,40 wieder über Le Bourget gesichtet. Die Piloten kreisten über dem Flugplatz und ließen Benzin ablaufen, augenscheinlich um eilte glatte Landung zu ermöglichen. Die Meldung über den Abbruch des Ozeanfluges ist somit bestätigt. Der „Blaue Vogel" wegen Nebel znrückgekehrt. Paris, 2. Sept. Ein Flieger, der den „Blauen Vogel" auf der Fahrt zur Küste begleitet hatte, erklärte nach der Rückkehr, der Nebel sei schon nach der ersten Flugstunde so dicht geworden, daß die Flieger den Rückflug beschlossen hätten. Hinchlisfe fliegt doch mit. London, 3. Sept. Die englische Luftfahrtgesellschaft hat ihrem Piloten Hinchlisfe in letzter Stunde den Urlaub für die Ozeanüberquerung mit Levines Flugzeug „Miß Columbia" genehmigt. Das Hazardspiel des Ozeanslngs bei schlechtem Wetter. Newyork, 3. Sept. In Kanada wie in den Vereinigten Staaten hat man die Hoffnung last aufgegcben, daß die englischen Ozeanflieger noch lebend aufgefunden werden. Man begrüßt jetzt sowohl den deutschen Startverzicht wie die Umkehr der französischen Flieger, da man allgemein den Ozeanflug bei schlechtem Wetter als ein nutzloses Hazardspiel an- sicht. Im Mittelatlantik wie an der amerikanischen Küste hat sich das Wetter weiter verschlechtert. Baden Reichskanzler Dr. Marx in Freibnrg. Freibnrg» 3. Spt. Reichskanzler Dr. Marx und seine Gemahlin sind zu kurzem Aufenthalt in Freiburg eingetroffen und haben im Hotel zum „Engel" Wohnung genommen. Der Reichskanzler dürfte zum Besuch seiner Tochter in Wismaringen Weiterreisen. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 3. Sept. (Dieses Jahr nur Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken.) Durch Beschluß des Reichskabinetts ist der Deutschen Nothilfe in diesem Jahr die Durchführung des außerpostalischen Vertriebes der Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken, die bekanntlich anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten zur Ausgabe gelangen, übertragen worden. Die im Jahre 1925 begonnene Ausgabe der Wohlfahrtsbriefmarken-Serie mit den Wappen der deutschen Länder wird daher in diesem Jahr zugunsten der Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarke unterbrochen. * Sinsheim, 3. Sept. (Verspätete Hundstage.) Nachdem wir uns Wochen lang bei Regen und kühler Temperatur auf den Uebergang zum angekündigten rauhen Herbst vorbereitet hatten, erleben wir jetzt noch heiße Hochsommertage. Wie zu Anfang August stieg das Quecksilber auf 31 Grad im Schatten, eine seltene Septemberhitze. In den Schaufenstern der Konfektionshäuser nehmen sich die warmen Herbst- und Uebergängs- mäntel recht deplaziert aus. Beim Plankenbummel haben die hellen Sommerkleider der Damen, die gar zu lange in den dunkeln Schränken hängen mußten, wieder den Vorrang. Die Eiswagen konnten ihren Kundenstamm bei verstärkter Lieferung wieder erobern. In den Flußbädern herrscht bei 18 Grad Wasserwärme sommerliches Leben und Treiben, nur das Strandbad ist wegen des Hochwassers zur Zeit leider nicht benutzbar. Wenn man auch unter der Hitze seufzt, der Gedanke an die langen Regenwochen macht sie erträglicher. Ueberdies wissen wir mit Sicherheit, daß der nahende Herbst diesen verspäteten Hundstagen doch bald ein Ende bereiten wird. * Eppingrn, 2. Sept. (Von der Ernte.) Mit der Einkehr der sonnigen und warmen Tage ist auch für den Landmann die Stirne wieder sorgenfreier geworden. Denn als damals die große Regenperiode einsetzte, die mit kurzen Unterbrechungen bis zu Beginn dieser Woche anhielt, waren noch erhebliche Teile von Hafer und Sommerweizen draußen auf den Feldern, war auch schon mit dem Schnitt des Oehmds begonnen worden. Wohl war der Hauptteil der Getreideernte geborgen und unter Dach und Fach, zum großen Teil sogar schon gedroschen, doch ist zum Gesamtbild einer guten Ernte auch das Einbringen des Restbestandes von Wichtigkeit. Im Laufe der Wochen wuchs der Hafer aus und das Oehmd wandelte sich langsam in Mist. Nun sind die traurigen Bilder wieder vorbei, die Oehmdernte wird fortgesetzt, weiter füllen sich die Scheunen des Landmanns..,. Wir hatten auch für die Kartoffelernte, die in einigen Wochen beginnt, den Witterungsumschwung nötig, denn durch Nässe könnie das an und für sich als günstig beurteilte Resultat leicht umgewertet werden. Die verschiedenen Rüben und Cichorien machen einen recht frischen und wüchsigen Eindruck und wird ihre Ausreise bei dem schönen Wetter sich rasch und gut vollziehen!. Besonders ergiebig sind in diesem Jahre die Zwetschgenbäume die durch die Bank voll behängen sind. Das Kernobst, das im Vorsommer nicht besonders viel versprach, gibt noch eine Mittel- Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. ernte. Die in verschiedenen Gemeinden erzielten hohen Preise bei Versteigerungen des Gemeindeobstes werden sich im Handel nicht halten lassen, voraussichtlich wenigstens. Alles in Allem zeigt das Jahr in seinem Verlauf eine gesunde Stabilisation seiner Erzeugnisse: es gibt kein Produkt in verschwenderischer Fülle, aber auch keines in großer Dürftigkeit. % Rohrbach b. E., 2. Sept. (Zwei bedauerliche Unglücksfälle) haben sich in dieser Woche schon zugetragen. Ein älterer Radfahrer kam an einer abschüssigen Straße zu Fall und erlitt einen Armbruch. Ein etwa 4-jähriges Kind kam unter ein Fuhrwerk zu liegen, fodaß es einige Rippenbrüche davontrug. % Trefchklingen, 2. Sept. (Ein sehr bedauerlicher Unglücksfall), der ein Menschenleben forderte, ereignete sich gestern abend in Bonfeld. Der 29 Jahre alte Sohn des Polizeidieners Grimm aus Trefchklingen kam beim Dreschen mit der Dampfdreschmaschine in die Strohpresse und wurde dabei so schwer verletzt, daß er einige Minuten darauf starb. Der schwer betroffenen Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu. % Bad Rappenau, 2. Sept. (Obstausstellung.) Der hiesige Bezirksobst- und Gartenbauverein veranstaltet vom 22.-24. OKI. ds. 3s. eine Obstausstellung mit Ein- und Verkaufsgelegenheit. Damit verbunden ist eine Ausstellung von Erzeugnissen der Obst- und Gemüseverwertung im Haushalt, ferner von Hausund Landwirtschafts-Geräten: auch dem Kapitel „Obst-Schädlinge, -Krankheiten und Bekämpfungsmittel" ist eine Abteilung gewidmet. Die Ausstellung soll zeigen, welche Obstsorten sich in unserer Gegend vorfinden, und welche sich am besten zum Anbau eignen. Dem Verein gehören die Nachbarorte Siegelsbach, Bab- stadt, Neckarmühlbach, Wagenbach und Zimmerhof an. O Aus dem Elfenztal, 2. Sept. (Endlich Ernte.) Das plötzlich eingetretene schöne Wetter hqj die Bevölkerung des Elscnztales zu neuem Leben erweckt. Tausend Hände regen sich, um die letzten Schätze der Getreideernte nun glücklich unter Dach und Fach zu bringen. Bon frühem Morgen bis spät in die Abendstunden rasseln die Wagen und fauchen die Maschinen. Ke'«!« Zeit ist zu verlieren, denn man hat trotz des tiefblauen Himmels durch die Erfahrungen der letzten Zeit das Zutrauen zum Wcttergott beinahe verloren, man ist mißtrauisch geworden. Die ersehnten Sonnenstrahlen, so sehr sie auch drücken mögen, man liebt sie wie die Mutter ihr wiedergefundenes Kind. Schon ist die Senfe und die Mähmaschine an der Arbeit und legen unbarmherzig Maden an Maden auf den grünen Teppich der Wiesen. Der selten reiche Obstbehang läßt sich von der wärmespendenden Sonne rote Backen brennen: die Bäume ächzen unter der edlen Last. Und bald werden auch die Kartoffelfelder stch mit Menschen beleben, die die kostbare Frucht, der der Wettergott schon das weiße Todeszeichen an die Stirne malte, bergen und in die sichere Winterbehausung bringen. sind geschmückt durch Obsthaine und die anheimelnden schwarz-braunen oder auch mit hellen Holzziegelu bekleideten Schwarzwalü-Bauernhäuser. Sie gehören zu den schönsten und bekanntesten der bodenständigen Siedlungen und ^vereinen unter ihrem breiten Walmdach Wohnung, Stallung und Scheuer. Meist stehen die Häuser mit dem Hinterigiebel gegen gt>n Berghang. während d-<> für die Wohnung verwendete Vorderfront einen durchlaufenden Hvlzbalkon mit Blumenschmuck hat. Ein so entwickeltes, auch geologisch sehr gesetztes Gebirge muß auch reich an Heilquellen sein. In der Tat sind in den Schwarzwaldbergen zahlreiche Heilwasser, Thermen und kalte Quellen gegen die verschiedensten Leiden erbohrt worden. Fast noch wichtiger ist vielleicht, daß dieses ozonreiche, gut bewachsene Gebirge mit den besten klimatischen Voraussetzungen für Erholungskuren gesegnet ist. Nicht allzu heiße Sommer, zeitiger Frühling, langer Herbst, frische. Brautpaar aus St. George« a« der Schwarzwaldvah«. Uhrenhändler aus Vill'mgen. M* RAÜr; kräftige Bergluft, heilsamster Waldozon sind die Vorzüge des Schwarzwaldes, die für den Erholung suchenden Stadtmenschen wirkungsvolle Kurmittel darstellen. Ein längerer Aufenthalt im Schwarzwaldhöhenklima lman muß mindestens 14 Tage bleiben) bringt nachhaltigen Kurersolg. In allen Höhen des Mittelgebirges, von 40 (j— 14ü0 Meter, findet man passende Aufenthaltsstationen mit Gaststätten-Ein- richtungen für anspruchsvolle und bescheidene Wünsche. Besonders zahlreich sind die Kurorte in den waldigen Hochtälern von 600—900 Metern vertreten, wo die durchschnittlich geeignetsten Erholungsbedingungen gegeben sind. Ueberall ist für gute Spazierwege gesorgt. Auch die Verkehrsverbindungen sind ausgezeichnet. Abgesehen von den drei Hauptbahnen, der berühmten eigentlichen Schwarzwaldbahn (Offenburg — Konstanz), der Höllen- talbahn (Freiburg—Donaueschingen, und der Strecke Hau- sach—Freudenstadl bestehen zahlreiche Seitenbahnen und Postautostrecken. Von Postkraftwagenlinien werden auch fast sämtliche Hochpässe befahren, wozu sich noch häufige Ge- sellschaftsfahrtcn in Reichspostautos gesellen. V’ * mPm Oberer Philosophcnweg in der Umgebung des vielbesuchte« Luftkurortes St. Blasien. Ter Schwarzwald ist ja trotz seiner bedeutenden Höhen — im südlichen Teil gipfeln mehr als ein Dutzend Berge über 1250 Meter — ein bequem ersteigbares Gebirge. Bis zu den höchsten Kämmen kann man fahren. Schwierigkeiten für ungeübte Touristen bestehen nur an den unzugänglichen Stellen einzelner felsigen Hänge über den romantischen Waldaugen der einsamen Seen. Es geht aus dem Gesagten bereits hervor, daß der Schwarzwald ein äußerst lohnendes Gebiet für Touristen darstellt. Man kann hier die schönsten und bequemsten Höhenwanderungen machen. Man trifft auch noch viele Punkte abseitzs vom Verkehr, vom Autotrubel, ja man kann noch an manchen Stellen wirkliche Bergsreiheit, die ja sich sonst immer mehr ins Unzugänglich-Alpine zurückzieht, erfahrest. Turch den badischen und württembergischen Schwarzwaldoerein sind drei Höhenwege markiert, die sämtlich in Pforzheim beginnen und nordsüdlich verlaufen. Nur die Wege I und ll dringen in das eigentliche Gebirge ein. Am reizvollsten ist der Höhenweg 1, der säst alle Hauptpunkte breührt. Ter Weg ll, leider teilweise wenig benutzt, erschließt eine Reihe von Höhen und Gründen mit reichster Schönheit,- der dritte und östlichste Höhenweg durchzieht mehr die württembergischen Randgebiete. Man folge jedoch nicht nur den Höhenwegen, sondern mache sich einen freien Plan, der die Hauptpunkte berücksichtigt. Nachstehend geben wir einen Tourenvorschlag für 14tägige Wanderung über den ganzen Schwarzwald in der vorzuziehenden nord- südlichen Richtung. ...vT/': Höhenlnftknrort Triberg gegen Süden. 1. Tag: Von Wildbad zum Hohlvh-See, einem einsamen Wildsee, und zum Hohloh-Turm, Abstieg nach Gernsbach, 7 Std. 2. Tag: Ueber den Merkur nach Baden-Baden, der glanzenden Bäderstadt. 3. Tag: Straßenbahn nach Lichtental, durch herrlichen Wald zum Aussichtsgipfel der Badener Höhe, weiter zum. Sand, Hundseck und Kurhaus Breitenbrunn, 7 Std. 4. Tag: Auf die Hornisgrinde, den höchsten Berg des nördlichen Schwarzwaldes, weiter zum romantischen Muw- melsee und über den Höhenweg zum Ruhstein, Abstieg nach Allerheiligen mit der Klosterruinc im prächtigen Wald- grunö, 4—5 Stunden. 5. Tag: Wieder empor zum Kamm, über den Schlii-- köpf zum Kniebis weiter auf Höhenweg I über die Holz- walder und Lettstedter Höhe, nachher Abstieg nach Freiers- bach oder Petcrstal, 5—6 Stunden. 6. Tag: Von neuem zum Höhenweg. der nun eine seiner schönsten aussichtsreichsten Strecken hat: über die Lad- stett, den Hirzwasen lherrliche Aussicht!. Ebenacker, Hohen- lochen und Spitzfelsen tief hinab ins Kinzigtal nach Hau- sach, 5 Stunden. 7. Tag: Mit Höhenweg I zum Farrenkopf (Prachtblick), Kur Prechtaler Schanze und nach Schonach und Triberg, 6 Stunden. 8. Tag: Von Triberg an den großartigen Wasserfällen empor weiter -rar Martinskapelle, zum Brend (berühmtes illpenpanorama), Alt- und Neu-Eck, zur Kalten Herberg, dann oberhalb des Wildgutachtales tausgezeichneter Einblick) und weiter nach St. Märgen. 8 Stunden. S. Tag: Ueber den Kandel, den höchsten Berg des mittleren Schwarzwaldes, ins Glottertal, und über den Roßkopf nach Freibnrg i. Br., 7 Stunden. $ 55 ^ 3 : 3 © WWH *.■ , ■ i ’i » - Schwarzwaldhans in Todtmoos. 10. Tag: Ruhetag in Freiburg, Besichtigung des Münsters- mit seiner blumig-gerankten, zum Himmel strebenden Gotik. 11. Tag: Straßenbahn nach GünterStal. zu Fuß zum Schauinsland, Nothschrei und zum Feldberg ldem höchsten Schwnrzwaldgipfel), 6 Stunden. 12. Tag: Vom Feldberg über Herzogenhorn tberühmte Aussicht), Bloßberg nach Todtmoos, 5 Stunden. 13. Tag: Ueber Schönau zum malerischen Bclchengipfel, dem zweithöchsten Schwarzwaldberg mit riesigem Absturz nach Westen, 5 Stunden. 14. Tag: Vom Belchen zum Blauen und nach Badenweiler oder Kandern, 5 bzw. 6 Stunden. Der 1485 Meter hohe Feldberg, nach den Gipfeln des Riese» gebirges die höchste Erhednug der deutschen Mittelgebirge. mm sägte Lohnend auch in zwei Tagen von Todtmoos über St. Blasien, Schluchsee, Lenzkirch, den Hochsirst nach Neustadt im Schwarzwald. Genaue Einzelheiten über diese Touren findet man im neuen Stvrm-Führer, Schwarzwalb, der auch gute Karten enthält. Sehr nützlich sind auch die Gaststättenverzeichniffe deS Badischen Schwarzwaldvereins (Karlsruhe, Rathaus) und des Württembergischen Schwarzwaldvereins (Stuttgart), die gern Auskunft geben. Verschiedenes. Sprechende Hände. Nicht jeder, der mit den Händen redet, sagt etwas von Belang. Eine Handbewegung kann ein kraftmeierisches Getue hinter dem nichts steckt, und kann eine Unterstreichung des Gesprochenen sein, das auf den Hörer den gleichen Eindruck macht, wie auf den Leser der fette Truck. Aber fast mehr noch redet die Hand an sich von der Welt ihres Trägers. Die sogenannten »gepflegten Hände" pflegen den Schau- fensteratrappen zu gleichen, die Aufmachung ohne inneren Gehalt sind. Auf gefälliges Aeußeres eingestellt. Auf Wirkung ausgehend. Zurechtgemacht wie geschminkte Gesichter. Ohne persönlichen Ausdruck. Gliederpuppen. Uniformierte Extremitäten. Manikürte Nullen, die noch weniger werden, sobald der Mund von dem offenbart, was die Hände Vortäuschen sollen. Trotz Nagelfeile und Polierstein. Es gibt Hände, auf den „oberflächlich" betrachtet, die Sehnen wie kraftvolle Ausrufezeichen in die Augen springen und die Adern die hüllende Haut zu sprengen scheinen. Kein feistes Fett überpolstert, wie bei Klubsesseln, das Gerippe. „Drahtig" und mit „Nerv" (wie bei einem Rennpferd) wird bei solchen Händen das Wort: „Energie" sichtbar gemacht. Auch die Bewegung der Finger ist verhaltener, auf das Zweckminöeste eingeschränkte Kraftverbrauch. Kennst Du einen Wtesenweg, der von hochbeladenen Erntewagen wie mit Narben tief durchfurcht ist? Kennst Du ein faltig, fahles Gesicht, in das der Kampf der Jahre Rune um Rune gerizt hat? Und dünkt Dir dann eine Hand mit zerstoßenen Fingernägeln, mit knotigen Gelenken in rissiges Pergament gebunden, nicht wie ein Adelswappen der Arbeit, das gegen den ältesten Stammbaum mit Ehren besteht? Die stumme Sprache unbewegter Hände redet oft Deutlicheres als das lebhafteste Gestikulieren oder ein mathematisch genauer gothischer Spitzbogenschnitt der Fingernägel, dem von seiner Trägerin die Wichtigkeit einer Weltanschauung beigelegt wird. Ein verlorenes Hotel gesnnde«. Mrs. Mary Lewis kam, direkt aus Amerika, in Paris an, bezog ein Hotel in der Mitte der Stadt und begab sich dann an den Bahnhof, um einigen Freunden, die nach der Schweiz abreisten, das Geleit zu geben. Als diese abgereist waren, entdeckte sie, daß sie nicht wußte, wo ihr Hotel war. Sie hatte zwar seinen Namen ausgeschrieben, aber alle Leute, die sie nach dem Weg fragte, kam der französische Namen sehr spanisch vor. Die Polizei, die zu Hilfe gerufen wurde, suchte vergebens nach dem Hotel. Es war unauffindbar. So mußte MrS. L. in ein anderes Hotel ziehen und abwar- ten, was sich ereignen würde. Natürlich wagte sie nicht, sich weit von diesem Hotel zu entfernen, aus Angst, es könnte auch verloren gehen, aber auf einem ihrer kleinen Runö- gänge traf sie einen amerikanischen Freund. Der sagte: „Ich habe Sie schon neulich gesehen. Ich wohne, glaube ich, in Ihrem Hotel." „Sie mögen in meineni Hotel wohnen", erwiderte Mrs. Lewis, „aber ich nicht sagen Sie mir um Gottes willen, wo es ist." Es stellte sich heraus, daß bas Hotel noch vorhanden war und auch das Gepäck, das- Geld und der Paß von Mrs. Lewis waren noch dort. Sogar fand sie noch mehr vor, als sie zurückgelassen hatte, es mar noch eine Rechnung für die Zeit dazugekommen, während der das Hotel verschwunden war. Mädchenhändler in Karpathorutzlanb. Aus Preßburg wird gemeldet: Die Gendarmerie in Göllnitz wurde vor einigen Tagen von dem Verschwinden eines Mädchens namens Katharina Prokay verständigt, das Mäö- chenhänölern in die Hände gefallen sein dürfte, die in letzter Zeit wieder eine lebhafte Tätigkeit entfalten. Der Mittelpunkt des Mädchenhandels ist Munkacz, wo sich in einem zweifelhaften Vergnügungslokale ein förmlicher Mädchen- maikt befindet. Die meist stellenlosen, unerfahrenen Mädchen vom Lande werden durch das Versprechen guter Dienstposten angelockt und als Kellnerinnen an gewisse Lokale verschachert. Auf diese Weise wurde vor nicht zu langer Zeit auch ein anderes, erst löjähriges Mädchen namens Marie Vaku- lowa vom Hause weggelockt und ist seither verschwunden. — Die behördlichen Nachforschungen sind bisher erfolglos gewesen. Ein Gattennrord In der Kärtner Sommerfrische Millstatt erregte der plötzliche Tod der früheren Vudapester Schauspielerin Anny For- gacs großes Aufsehen. Frau Forgacs war vor einigen Tagen in Begleitung ihres Gatten, Dr. Erdelyi, von einem Ausflug ins Hotel zurückgekchrt und der Gatte berichtete, sie sei verunglückt durch Absturz in eine 17 Meter tiefe Schlucht. Nach diesem Unfall war Frau Forgacs nicht mehr aus dem Zimmer gekommen und nach zwei Tagen gestorben. Der Arzt stellte als Todesursache Herzlähmung fest. Dr. Erdelyi reiste nach dem Begräbnis nach Budapest zurück, ohne die Hotelrechnung begleichen zu können, da er seine Brieftasche „verloren" haben wollte. Unter den Badegästen Millstatts erregte der plötzliche Tod der Frau Forgcas nach dem Unfall umso größeres Aufsehen, da Frau Forgacs schon seit langem ein sehr gedrücktes und nervöses Aussehen zur Schau getragen hatte. Ein anonymer Badegast erstattete gegen Dr. Erdelyi Anzeige wegen Mordverdachtes. Inzwischen war auch bekannt geworden, daß Dr. Erdelyi seine Gattin knapp vor dem Tode auf 100 000 Dollar lebensversichert hatte. Dr Erdelpi isi zusammen mit einem Freund, der sich bei dem Ehepaar in Millstatt aufgehalten hatte, nach seiner Ankunft in Budapest verhaftet worden. Inzwischen hatte die Staatsanwaltschaft Klagenfurt die Exhumierung und Obdu- zierung der Leiche angeordnet, wobei festgestellt wurde, daß Frau Forgacs nicht an den Folgen des Absturzes, sondern durch Gift gestorben sei. In ihrem Magen wurde Veronal gefunden. Der mitverhaftete Freund des Dr. Erdelyi ist nach einer kurzen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt worden, da sich gegen ihn nichts Belastendes ergeben hatte. Die Brant «nter dem Hammer. In einem kleinen Dorfe in Sardinien, in Vorore. spielte sich vor kurzem eine groteske Heiratsgeschichte ab. Zwei junge Bauernburschen liebten ein und dasselbe Mädchen, die Schönste des Dorfes, die 18jährige Giuseppina Cattari- nar, und wollten sie heiraten. Giusevvina liebte ihre beiden