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Den Gegenrevolutionären sei die Waffe noch nicht aus der Hand geschlagen. Polen müsse bei den wiederaufgenommenen Neutralitätsverhandlungen beweisen, daß j>iese nicht nur aus einer augenblicklichen Stimmung geboren wären, sondern daß sie wirklich die Bereinigung der Beziehungen zwischen den beiden angrenzenden Ländern bezweckten. Offenbar deuten sich jetzt bereits wieder gewisse Schwierigkeiten in den russisch-polnischen Verhandlungen an. Darauf deutet auch ein Artikel der Prawda hin, der an Pateks Interview in der Reichspost anknüpft, wonach Polen nur dann an einem russischen Vertrag interessiert sei, wenn die Räte-Union solche Verträge mit allen Randstaaten schlösse. Die" Prawda kennzeichnet die Beziehungen zu Estland als keineswegs gut, denn Estland hintertreibe im Verein mit den lettischen Rechtsparteien den lettisch-russischen Handelsvertrag, was Estland wichtiger sei, als die bisherige nur papierene Zollunion mit Lettland. Lettland sei gekränkt durch die geheim geführten polnisch-estländischen Handelsvertragsverhandlungen und Polen erhebe das größte Geschrei bei der Erörterung zwischen Zeelen und Woldemaras über eine kleine baltische Union zwischen Estland, Lettland und Litauen. Noch viel peinlicher seien die russisch-finnischm Verhältnisse. Die Randstaaten sollten bedenken, daß sie ihre Selbständigkeit ausschließlich der russischen Revolution verdanken. Zeder Erfolg des Antisowjetgedankens stelle für sie im Sinne der alten Zarendevise eines einigen, ungeteilten Rußlands eine direkte Gefahr dar. Polens alte Ambitionen der Vorherrschaft im Baltikum seien den russisch-polnischen Verhandlungen ungünstig. Zugleich weist die Sowjetpresse auf den neuesten Beweis der englischen Antisowjet-Kriegsvorbereitungen im Baltikum durch den Besuch der baltischen Häfen durch ein englisches Geschwader und Wasserflugzeuge und durch geheim geführte Verhandlungen über eine Kohlenbasis auf der Insel Oesel hin. Dr. Stresemann bei Briand. Geuf, 3. Sept. Die erste Zusammenkunft zwischen Dr. Stresemann und Brianö, die ursprünglich für nachmittags 3 Uhr vorgesehen war, hat erst um 6 Uhr stattgefunden. Brianö hatte um Verschiebung der Unterredung auf 6 Uhr gebeten mit dem Hinweis, daß er infolge der Nachtfahrt ermüdet sei und der Ruhe bedürfe. Um 6 Uhr begab sich Dr. Stresemann ins Hotel Le Berg- nes. Die Unterredung dauerte bis gegen %8 Uhr. An der Unterredung nahmen außer den beiden Außenministern weiter keine Persönlichkeiten teil, wie auch über die gestrige Unterredung zwischen Dr. Stresemann und Chamberlain wird auf beiden Seiten auch über die heutige Unterredung völliges Stillschweigen bewahrt. Es verlautet, daß der Gesundheitszustand des französischen Außenministers wieder wenig günstig sei und ihn die Nachtfahrt von Paris nach Genf außerordentlich angestrengt habe. Im Laufe des heutigen Nachmittags hat der griechische Außenminister Michailokopulos Dr. Stresemann im Hotel Metropole zu einer langen Unterredung ausgesucht, in der, wie verlautet, die zwischen der griechischen Regierung und der Vulkanwerft schwebende Calamis-Affäre sowie die Kandidatur Griechenlands im Völkerbundsrat eingehend erörtert worden ist. Wie ferner weiter verlautet, haben sich die Kandidatur-Aussichten Griechenlands in den letzten Tagen wesentlich verstärkt, da die Kandidatur Griechenlands gegenwärtig auch von einige» größeren Staaten unterstützt wird. Die Wahl des Präsidenten zu der Vollversammlung des 'Völkerbundes ist bisher noch immer nicht entschieden. Die 'meisten Aussichten hat gegenwärtig der japanische Botschafter und Delegierte im Völkerbundsrat, Adatschi, der jedoch auf einstimmige Wahl in der Vollversammlung Wert legt. Von südamerikanischer Seite wird dagegen noch immer die Kandidatur des Delegierten von Uruguay, Guani, in den Vordergrund gerückt. Vermutlich wird die Entscheidung über die Wahl des Präsidenten erst im Laufe des Sonntag, möglicherweise sogar erst in den letzten Vorverhandlungen am Montag früh vor der Eröffnungssitzung der Vollversammlung stattfinöen, die am Montagvormittag eröffnet wird. Die Samstag-Sitzung des Völkerbundes Genf, 3. Sept. Die heutige öffentlich« Sitzung des Völker- bundsrates, die um 10.30 Uhr begann, war nur von kurzex Dauer. Zu Beginn der Sitzung legte Chamberlain einen Bericht über die Durchführung der griechisch-bulgarischen Flüchtlingsfürsorge vor. Die Entschädigung der Flüchtlinge bereite, so heißt es in diesem Bericht, «och immer große Schwierigkeiten. Das Finanzkomitee sei aufzufordern, weitere Vorschläge über die finanzielle Regelung der Angelegenheit vorzulegen. In dem Bericht wird weiter darauf aufmerksam gemacht, daß ohne das Eingreifen des Völkerbundes i" der Angelegenheit der griechisch-bulgarische» Flüchtlingsfürsorge der Frieden Europas bedroht worden wäre. Diese Tatsache müsse angesichts der augenblicklichen völkerbunösfeindlichen Tendenzen festgestellt werden. Ohne Debatte nahm der Rat einen Bericht des polnischen Vertreters über die bisher noch nicht ratifizierten Abkommen, die unter den Auspizien des Völkerbundes abgeschlossen worden sind, an. Der Berichterstatter hob hervor, daß di« Opiumkonvention von 1925 bisher nur von zwei Ratsmitgliedern ratifiziert worden sei. Der Bericht des italienischen Senators Scialoja über den Weltnothilfekongretz wurde gleichfalls ohne Debatte angenommen^ die Konvention soll der Vollversammlung vorgelegt werden. Ferner wurde ein Bericht über die Kinderschutzorganisa- tiou in Südamerika angenommen, wobei von seiten Cham- berlains besonders auf die Mitarbeit der sübamerikanischen Staaten in dieser Frage hingewiesen wurde, während die Vertreter Columbiens und Japans die Bedeutung der Tätigkeit des Völkerbundes auf sozialpolitischem Gebiet unterstrichen. Sodann nahm der Rat, wie bereits gemeldet, den Vorschlag des chilenischen Delegierten für die Aufhebung der Flug- ^ugbaubeschränkung in Danzig an. Der Termin für die nächste Sitzung des Völkerbunösrates ist bisher noch nicht festgesetzt worden. - — t Polen und der Nichtangriffsgedanke Was die Pariser Presse sagt! Paris, S. Sept. Die Genfer Berichte der Pariser Presse über die Unterredung Stresemann-Briand behandeln hauptsächlich den polnischen Plan eines Nichtangriffspaktes, dem man in Paris stärktes Interesse entgegenbringt. Pertinax will wissen, daß die polnische Regierung vor kurzem den Regierungen in London und Paris einen derartigen Plan unterbreitet habe, der die Lücken des Locarnopaktes ausfüllen solle. In seiner gestrigen Unterhandlung mit Vriand habe Stresemann das Projekt a priori nicht abgelehnt. Daß Briand sich das Projekt zu eigen mache, sei sehr wahrscheinlich. Das sei ihm zumindest im letzten Ministerrat am vergangenen Freitag nahegelegt worden. Sofern das Projekt von Polen ausgehen werde, bemerkt Pertinax weiter, dürfte es Deutschland widerlich erscheinen. Von Frankreich vorgebracht, würde es vielleicht für Stresemann annehmbar sein, der darin ein neues Mittel zur Beschleunigung der Rheinlanöräumung erblickön könnte. — Frankreich und Polen dürften aber kaum bereit sein, die deutsche Zustimmung zu dem polnischen Vorschlag für einen zu hohen Preis zu erkaufen. Nach dem Korrespondenten des offiziösen „Petit Parisien" ist der von Polen vorgebrachte Vorschlag noch nicht in seinen Einzelheiten festgelegt. Man erwarte hierzu noch zwei polnische juristische Sachverständige in Genf. Bevor das Projekt überhaupt veröffentlicht werde, müsse cs zuerst dem Urteil der Vertreter der Großmächte unterbreitet werden. — Diese Befragung habe kaum erst begonnen. Stresemann sei über die großen Züge des polnischen Planes unterrichtet und habe — wie der Vertreter des „Petit Parisien" erfahren haben will — in dessen Prinzipien nichts gefunden, was Deutschland hinderlich sein könnte. Allem Anschein nach sei zu erwarten, daß der polnische Plan auf keine ernstliche Schwierigkeiten von deutscher Seite stoben werde. Das Blatt Caillaux, die „Volontee", bedauert, daß Polen seine Ansicht geändert habe, weil sie in den maßgebenden Hauptstädten keine gute Aufnahme gefunden habe. Es werde nun seinen Vorschlag im Laufe der Abrüstungsdebatte Vorbringen. Tie „Information" betont, Stresemann habe aus der Unterredung mit Vriand deutlich erkennen müssen, daß von der Entwicklung der Locarnopolitik keine Rede sein könne, wenn sich nicht die deutsch-polnischen Beziehungen auf freundlicherer Grundlage ausbauten. Dieser Ansicht sei übrigens auch Chamberlain. Chamberlain und Briand würden ihren Aufenthalt in Genf dazu benutzen, um das Problem einer Erweiterung der Locarnoverträge zu studieren. Ter Korrespondent des „Journal" erklärt, daß in der gestrigen Unterredung Stresemann-Briand die Räumungsfrage in voller Offenheit besprochen worden sei. Das sozialistische „Oeuvre" sagt, Stresemann werde feiner Auffassung treu bleiben und erneut wiederholen, daß die Abrüstung Deutschlands nicht aufrechterhalten werden könne, wenn eine allgemeine Abrüstung nicht erfolge. Sauerwein mernt im „Matin", das Haupkennzeichen der gegenwärtigen Völkerbunöstagung sei die Vorsicht. Die Großmächte wollten ihre Politik erst nach den im kommenden Jahre bevorstehenden Wahlen festlegen. Stresemann mache den Eindruck eines sorgenfreien Mannes, den keinerlei innerpolitisch^ Schwierigkeiten drückten und der seine Politik fortführen könne, ohne sie jeden Augenblick von parlamentarischen Dramen gefährdet zu sehen. Die Abrüstungsfrage in Genf. „Matins" Wünsch« — Deuttschland soll nene Opfer bringen. Paris, 3. Sept. Aus den Berichten der Morgenpresse aus Genf geht hervor, daß eine der Hauptbeunruhigungen der französischen Kreise in Genf ist, daß man endlich eiiMsehen hat, daß in der Abrüstungsfrage etwas Endgültiges geschehen muß, nachdem Lord Cecil in auffälliger Weise auf den unhaltbaren Zustand hingewiesen hat, in dem man durch die falschen Mannöver der beiden führenden Staaten Frankreich und England geraten ist. Man spricht deshalb von der Vertagung der für November ein- berufenen vorbereitenden Abrüstungskonferenz, so unang nchm dies auch für Deutschland sein würde, da es ein Recht habe — so erklärt wenigstens das „Oeuvre" — aus der Ausnahmestellung herauszukommen, weil, seiner Entwaffnung die allgemeine Abrüstung folgen müsse. Nach dem „Matin" denkt die polnische Regierung nicht daran, einen Nichtangriffspakt vorzuschlagen, jedoch sei Polen beunruhigt und mit ihm andere kleine Staaten. Man träume von einem allgemeinen Sicherheitspakt, in dem sich die Staaten gegenseitig Beistand, Sicherheit und obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit versprechen, dann könne man zur Entwaffnung schreiten. Mit anderen Worten, Frankreich sucht wieder ein allgemeines Protokoll. Aber der „Matin" spricht davon, daß, wenn dieser Gedanke Gestalt gewinne, es nur Frankreich sein könne, das einen solchen Vorschlag mache, vorausgesetzt allerdings, daß es sich vorher entweder mit England perständige oder den Mut habe, sich in dieser Frage von England zu trennen. Der „Matin" ist offenherzig genug zuzugeben, daß bei diesem Vertrag Deutschland wieder Opfer bringen müsse, indem es gewisse Verpflichtungen eingehe, so z. B. den Verzicht auf den Anschluß Oestreichs. Dafür könne man, so erklärt großmütig der „Matin"- Vertreter, den Rest der Besetzungsfrist, die noch sieben Jahre beträgt, erlassen. * ' Es muß zugegeben werden, daß, wenn die Abrüstungsfrage nicht von anderer Seite in Genf angeschnitten wird, es Pflicht des deutschen Delegierten ist, das zu tun. Ganz abgesehen davon, daß man endlich einmal mit dem Märchen ausräumen muß, daß Polen bedroht sei, während es Polens Haltung Deutschland unmöglich macht, mit ihm zu korrekten, ruhigen Beziehungen zu kommen. „Die Halle der Bertagungen.- Die „Halle der Wiederholungen" nennt man den Deutschen Reichstag, er hat sein Gegenüber im Genfer Bölkerbundspalaft, der Halle der Vertagungen. Auch die neueste Tagung des Völkerbundsrats eröffnet ihre Tätigkeit in einem Bertagungsversuch. Diesmal waren es die Polen, die sich der Vertretung ihrer unhaltbaren Danziger Posttik im Bölkerbundsrat durch einen Berta- gungsantrag entziehen wollen. Mit Recht hat Dr. Stresemann in Genf daraus aufmerksam gemacht, daß der Völkerbundsrat durch weichliches Nachgeben gegenüber Unbequemlichkeiten seiner Mitglieder seinen Zweck verfehle und sich um seinen Ruf bringe. Zu einer solchen Warnung war in diesem neuesten Fall um so mehr Grund, als die Polen Veranlassung dazu gaben, dieselben Polen, die voriges Jahr Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt hatten, einen Sitz rat Völkerbundsrat zu ergattern, den sie jetzt dazu benützen möchten, seine Arbeit lahmzulegen. Und zwar deshalb, weil sie Gefahr laufen, ins Hintertreffen zu geraten. Die Selbstsucht ihrer danraligen Bewerbung liegt also jetzt klar zutage. Man hat sich nie darüber getäuscht. Schwcdischer Völkerbundspessimismus. Stockholm, 4. Sept. Unter dem Eindruck der gescheiterten iSeeabrüstungslonferenz hegt die schwedisch« Presse für die jetzige Völkerbundskonferenz nur wenig Hoffnungen. Italien habe nichts für den Völkerbund übrig, und Deutschland habe zu wenig Einfluß entsprechend seiner Weltstellung, so daß das Schicksal des Völkerbundes allein bei Frankreich und England läge. Einige schwedische Zeitungen treten dafür ein, daß Schweden Englands Ratskanüidatur unterstützen soll. Untersuchung der Kriegsverbrechen Erklärung Dr. Stresemauns über das belgische Kommnni- qns betr. Einsetzung einer interuationalen Enquete- Kommission. Geuf, 2. Sept. Zu dem von der belgischen Tel.-Agentur heute über die Einsetzung einer internationalen Enquete- Kommisston veröffentlichten Kommuniqus gab der deutsche Außenminister einigen hiesigen Pressevertretern folgende Erklärung ab. Mich hat das Kommunique auf das äußerste befremdet. Ter wirkliche Sachverhalt ist vor kurzer Zeit, nämlich am 19. 8., in einem mit der belgischen Regierung vereinbarten Kommuniqus gleichzeitig in Brüssel und Berlin bekanntgegeben worden. Aus diesem Kommuniqus geht klar hervor, daß die belgische Regierung die Initiative ergriffen hat, indem sie in einer amtlichen Note die Aufmerksamkeit der deutschen Regierung darauf lenkte, daß die belgische Regierung mit einer unparteiischen Untersuchung der deutsch-belgischen Streitfrage einverstanden sei. Tie deutsche Regierung hat dieses Angebot selbstverständlich angenommen, ohne daß sie ihrerseits irgendwelche neue Anträge oder Anregungen auf diesem Gebiete an die belgische Regierung gestellt hätte. Es ist deshalb unverständlich, daß in diesem neuen belgischen Kommuniqus von einer deutscherseits angcstrebten Ausdehnung auf andere vo der belgischen Regierung nicht ins Auge gefaßte Fragen gesprochen, und daß der deutschen Regierung dabei die Forderung der Anwendung eines gleichen Verfahrens gegenüber anderen Mächten unterstellt wird. Ich kann diese Behauptung des neuen belgischen Kommuniques nur auf eine Verkennung des wahren Sachverhalts seitens des belgischen Kabinetts zurückführen. Die belgische Presse znr Ablehnung der Franktireur» Enqnete. Brüssel, 3. Sept. Tie belgischen Blätter bringen ihre Freude über die Ablehnung einer Enquete über den Franktireurkrieg offen zum Ausdruck. Tie liberale „Jndependance Beige" erklärt, daß die Minister einmütig in der Ablehnung der Enquete gewesen seien und unterstreicht, daß die politische Linie des Kabinetts die gleiche bleiben werde. „Ties ist ein großer Sieg, der vermerkt werden muß" — so meint das Blatt und schließt: „Tie Gründe der belgischen Regiernug müssen billigerweise auch in Deutschland anerkannt werden." Nr. 167. Jahrgang 1927. Das katholische „Vingtieme Steele" schreibt, daß Van- Lervelde, der ein unkluger Deutschenfreund sei. von seinen Ministerkollegen zurechtgewiesen worden sei. Er werde fich das ga Herzen nehmen muffen. Das liberale Blatt „Etoile Belge" versichert, daß Frankreich gegen die Franktireur-Enquete Opposition gemacht habe. Vandervelde habe sowohl seine Regierung wie auch die Alliierten im Sinne einer Revision des Vertrages von Versailles überrumpeln wollen. Hoffentlich werde man darüber wachen, daß Vandervelde künftig weniger fromm den Deutschen zu Willen sein werde. - Filchner am Leben? Noch keine Gewißheit über das Schicksal Filchners. Berlin, 8. Sept. Zu der Reutermeldung, daß wahrscheinlich nicht die Filchner-Expedition, wie allgemein angenommen wurde, sondern eine amerikanisch-kanadische Reisegesellschaft in Tibet das Opfer eines Ueberfalles geworden sei, wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß irgend eine amtliche Bestätigung dieser Nachricht der englischen Agentur bisher nicht eingelaufen ist. Das Auswärtige Amt hat alle in Frage kommenden Konsulate auf chinesischem und indischem Gebiet angewiesen, mit allen Mitteln Nachforschungen nach Dr. Filchner anzustellen, hat aber ebenso wenig wie von den anglo-indischen Behörden in Kalkutta bisher keinerlei Antwort erhalten. Bei der Schwierigkeit der Nachrichtenübermittlung in jenem Gebiet und in Anbetracht der dort herrschenden Unsicherheit kann es überhaupt noch außerordentlich lange Zeit dauern, bis authentische Meldungen vorliegen, es sei denn, daß die Filchner-Expedition selbst aus Tibet zürückkehrt, oder daß andere Gesellschaften Mitteilungen über die dortigen Vorgänge machen könnten. Auf jeden Fall ist im Augenblick daS Schicksal des deutschen Forschers und seiner Reisegefährten noch völlig ungewiß, zumal man auch mit der Möglichkeit rechnen muß, daß Filchner sich jener in dem Reuterbericht erwähnten Gesellschaft angeschlossen hatte. , Peking, 5. Sept. _ „ . Von der Grenze von Borma sind gestern Privatörlese in Peking eingelanfen, nach denen fünf Fremde. Amerikaner, Engländer und Deutsche, in Batang eingetroffen sind, die mitteilten, daß sie auf tibetanischem Gebiet von Räubern überfallen und ausgeplünöert worden sind. Diese Reisenden waren jedoch wohlauf. Da außer der Filchner-Expedition keine deutschen Tibetreisenden weiter bekannt sind, nimmt man an, daß es sich bei den Memüen um Filchner und seine Gefährten handelt. Aenderung des Postfinanzgesetzes? Berlin, 4. Sept. In politischen Kreisen wird zurzeit ernsthaft die Frage einer Aenderung des Postfinanzgesetzes überprüft und zwar im Zusammenhang mit der Stellungnahme, die der Per- waltungsrat der Reichspost aus Anlaß der vom Reichspostmi- nister vorgeschlagenen Gebührenerhöhung eingenommen hat. Im Reichstag find nicht nur aus Kreisen der Oppositionsparteien Abänderungsanträge zum Reichspostfinanzgesetz zu erwarten, sondern auch innerhalb der Regierungsparteien ist durchaus Stimmung für eine Aenderung dieses Gesetzes vorhanden. Man will nur erst den Bericht des Sparkommissars abwarten, der in der nächsten Zeit die Arbeits- und Berwaltungsmethoden der Reichspost einer genauen Prüfung unterziehen wird. Die Abänderungswünsche gehen im wesentlichen darauf hinaus, dem Reichstag die Rechte wieder zurückzugeben, auf die er durch das Reichspofifinanzgefetz vom 18. März 1924 verzichtet hat. Reichsregierung und Reichstag bedürfen eines größeren Einflusses auf die Finanzgebarung der deutschen Reichspyst, als er gegenwärtig gegeben ist, insbesondere gilt das für die Gestaltung der Gebühren. Es wird in unterrichteten Kreisen darauf hingewiesen, daß selbst die Reichsbahn, die der Reichsverwaltung durch das Reichsbahngesetz entzogen ist, hinsichtlich ihrer Tarife gebunden wurde. Alle Aenderungen von Tarifen, Nebengebühren, Tarifvergünstigungen usw. unterliegen der Genehmigung der Reichsregierung. Die ganze Frage wird entweder bei der Berichterstattung des Reichssparkommissars oder spätestens bei der Beratung des Posthaushalts für 1928 im Reichstag aufgerollt werden. Neben dieser Aenderung des Postfinanzgesetzes wird geprüft werden müssen, ob die Verantwortlichkeiten der Reichspost nicht grundsätzlich anders geregelt werden müssen. Unbestreitbar ist, daß sich aus der Doppelstellung des Reichspostministers gegenüber dem Reichstag und dem Berwaltungsrat der Reichspost die Schwierigkeiten ergeben, die vor kurzem in die Erscheinung getreten sind. In Kreisen des Reichsrats besteht Neigung, einen früher gefaßten Beschluß wieder aufzunehmen, wonach ein zu ernennender Generalpostmeister den Vorsitz im Berwaltungsrat übernehmen solle. Von seiten der Reichsregierung ist damals darauf hingewiesen worden, daß eine solche Zwischenschaltung nur hemmend wirken werde. In diesem Zusammenhang wird weiterhin geprüft werden müssen, ob der Reichspostminister als solcher Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. nicht überhaupt verschwinden kann, indem seine Geschäfte vom Reichsoerkehrsminister übernommen werden. Wftssg -es Kstholikertages k Muttli Dortmund, 5. Sept. Die gestern eröffnete 66. Generalversammlung der deutschen Katholiken weist einen Massenbesuch auf, wie er bei den früheren Katholikentagen selten zu verzeichnen war. Die Straßen Dortmunds sind in ein Flaggenmeer getaucht. Nach dem Vegrüßungs- abend am Samstag fand am Sonntagvormittag ein Fest- gottesbienst auf der „Roten Erde" statt. In langen Zügen marschierten die katholischen Verbände mit ihren Fahnen an. Erst nach 2'/- Stunden waren die letzten Teilnehmer am Ziel. Die Festrede hielt Dr. Klemm, Paderborn. Im* Anschluß an den Festgottesdienst fand in der Westfalenhalle die erste geschloffene Versammlung des Katholikentages statt. Zum ersten Präsidenten der Tagung wurde unter großem Beifall Ministerpräsident a. D. Dr. Steger- wald gewählt. An den Papst wurde ein Huldigungstelegramm gesandt, in dem die Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit des Papstes gefordert wird. Fürst zu Löwenstein begründete dann eine Entschließung, die einstimmig angenommen wurde in der es heißt: „Die 66. Generalversammlung der deutschen Katholiken bekennt sich zu der unumstößlichen Grundforderung des katholischen Volkes: Katholische Schulen für katholische Kinder. Sie erblickt in der Bekenntnisschule die beste Voraussetzung für christliche Erziehung der Jugend und für die sittliche Erneuerung unseres Volkes. In voller Ueberein- stimmung mit ihren Vorgängerinnen und mit der ehrenvollen Tradition der gesamten katholischen Bewegung in Deutschland erhebt sie die Forderung, daß diese Bewegung in der Gesetzgebung des Reiches und der Länder fest verankert werde. Aus Anlaß der bevorstehenden Verhandlungen über ein Reichsschulgesetz richtet die Versammlung im Namen der katholischen Kirche und in Wahrung ihrer heiligen Rechte die eindringliche Mahnung an alle katholischen Mitglieder des Reichstages, mit Einsatz aller Kräfte das Gesetz im Sinne der berechtigten katholischen Forderungen zu gestalten und keiner Lösung zuzustimmen, die nicht wenigstens die volle Gleichberechtigung der Bekenntnisschule mit anderen Schulen gewährleistet. Marx vor den katholische« Beamte«. Ei« Wort zum Flayaenkouflikt. Dortmund, 4. Sept. Im Rahmen des Katholikentages fand am Sonntag eine Reihe von Nebenveranstaltungen statt, so die Versammlung der katholischen öffentlichen Beamten, auf der auch Reichskanzler Dr. Marx das Wort ergriff. Er betonte, daß er gerade von den katholischen Beamten besondere Pflichttreue gegenüber Staat und Beruf verlange und daß er das Staatsprinzip Hochhalte und achte. Besonders die höheren Beamten seien verpflichtet, die Verfassung zu achten und zu ehren. Es sei nicht mit nationaler Würde vereinbar, wenn man über die Verfassung wegwerfend rede und die von ihr anerkannten Farben verächtlich behandele. Nationaler Stolz sollte auch diejenigen, die sich mit unserer Staatsform schwer abfinden können, davon abhalten, eine für uns so beschämende Haltung einzunehmen, wie man es jüngst erlebt habe. Gleichfalls am Nachmittag fand eine große Kundgebung der katholischen Arbeitervereine statt, die so starken Besuch aufwies, daß die Westfalenhalle wegen Ueberfüllung geschloffen werden mußte, als noch viele Tausende Einlaß begehrte». Auch hier hielt Reichskanzler Dr. Marx eine kurze Ansprache, in der er besonders die Persönlichkeit des Reichspräsidenten v. Hindenburg würdigte, als eines Mannes, der in treuer Pflichterfüllung allen Deutschen ein leuchtendes Vorbild sein könne. Am Sonntagabend fand eine große Missivnsversamm- lung statt. Regelung der Minderheitenrechte. Berlin, 3. Sept. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Reich und den beteiligten Ländern ist vor einiger Zeit ein Ausschuß gebildet worden, der sich mit der Vorbereitung einer Regelung der Rechte der Minderheiten in Deutschland befassen sollte. Dieser Ausschuß hat nunmehr seine Arbeiten abgeschlossen. Das Material liegt zur Bearbeitung beim preußischen Kultministerium. Wie die „Tägl. Rundschau" berichtet, kommt ein Reichsgesetz für die Minderheitcnrechte nicht mehr in Frage, sondern es ist beabsichtigt, die Minderheitenrechte auf dem Wege der Landesverordnung zu regeln. Fortsetzung der deutsch-polnischen Eigentumsverhandlnnge«. Berlin, 2. Sept. Die deutsch-polnischen Verhandlungen über das Vermögen der durchschnittenen Grenzkreise sollen am Dienstag, den 27. September, wieder ausgenommen werden. Montag, den 3. September 1927. Aus dem umfangreiche» Programm, das die Feststellung der kommunalen Selbstoerwaltungskörper und die Gegenstände, die der Auseinandersetzung unterliegen sowie die Grundsätze und die Durchführungsvorschriften für die Auseinandersetzung umfaßt, ergibt sich, daß die mit dieser Frage betraute Kommission einer langwierigen. und schwierigen Ausgabe gegenübersteht. _ ' ' ' * Der Judustrieverbandstag i« Frankfurt. — Der deutsche Außenhandel. Frankfurt a. M., 2. Sept. Auf der Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie sprach heute anstelle des verhinderten Reichsministers a. D. von Raumer Müller-Oerlinghausen über „Deutschland auf den' Weltmärkten". Levine und Courtney wolle» starten. — Neuer Versuch des „Blauen Vogels". Berlin, 3. Sept. Nach Morgenblättermelöungen aus London ist Kapitän Courtney am Freitag nachmittag von Southampton nach Plymouth geflogen, wo er seine Benzintanks auffüllen und einen Paffagier, einen Kanadier, auf- nehmen kmro, öer — tote man behauptet — 1500 Pfund für öen Flug bezahlt hat. Courtney ist fest entschlossen, am Samstag zu feinem Transatlantikflug «ach Neuyvrk aus- zufltegen. Levine erklärte am Freitagabend, daß er bei günstigen Wetterbedingungen Samstag früh 6 Uhr zu seinem Transatlantikslug nach Neuyork mit dem Piloten Hin- chliffe starten wird. Auch die Piloten des „Blauen Vogels" beabsichtigen nachi Pariser Meldungen, bei gnüstigem Wetter heute morgen erneut zu ihrem Ozeanflug zu starten. - - - Courtney in Spanien gelandet. Wegen schlechter Witternngsverhältniffe aufgegeben. London, 4. Sept. Der englische Fliegerkapstän Courtney, der Samstag früh von Plymouth aus zu feinem Fluge über den Atlantik startete, war infolge schlechter Witternngsverhältniffe gezwungen, Samstag nachmittag um 7.15 Uhr mitteleuropäische Zeit in La Coruna an der spanischen Küste zu landen. Die Insassen des Flugzeuges befinden sich alle wohl. Courtney will weiter fliegen. Madrid, 4. Sept. Der gestern um 6 Uhr abends auf seinem Dornier-Whale-Flugzeug in der Bucht von Locoruna niedergegangene englische Flieger Courtney hat die Absicht, morgen bereits seinen Amerika-Flug fortzusetzen. Sein nächstes Ziel sind die Azoren. Kommunistenrazzia in Ungarn. _ Ein Putschplan aufgrdeckt. Pest, 4. Sept. Die Pester Polizei hat Samstag Nacht m:hr als 80 Personen fefigenommen, die an einer kommunistischen Zellenorganisation beteiligt sind. Fünf bis sechs Personen sind geständig, während die übrigen leugnen. Auch in 34 Provinzstädten wurden kommunistische Agitatoren verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich der 37 jährige Nervenarzt Dr. Ignaz Körnitz. Korniß hatte in Verbindung mit Wiener Kommunistenkreisen einen Plan ausgearbeitet, nach dem die Pester Munitionsfabrik in die Lust gesprengt und eine ähnliche Revolte wie in Wien angefacht werden sollte. Die Pester Revolution war für Ende September angesetzt. Bei einer Haussuchung fand man neben diesen Plänen in der Wohnung des Korniß auch eine Legitimation auf den Namen Iwan Kerkes, Kerkes war derjenige, der Ende Juli einen Pester Textilhändler in eine entlegene Villa entführte und an ihm dort Erpressungen vornehmen wollte. Körnitz gibt an, daß er alles unternommen habe, um zu beobachten, wie sich ein Verbrecher und sein Opfer in solchen Fällen verhalten. Es fei alles nur Spatzmacherei gewesen. Wien, 3. Sept. Wie der Korrespondent der „Reichspost" in Saloniki aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, soll Mitte September in Paris eine kommunistische Konferenz zusammentreten, um einen Plan für neue kommunistische Aktionen auf dem Balkan und in Mitteleuropa in seinen Einzelheiten zu beraten. Der Hauptschlag solle diesmal gegen Ungarn gerichtet werden. Zahlreiche kommunistische Funktionäre aus Ungarn und den Balkanländern seien bereits nach Paris unterwegs. Sklaverei unter englischer Oberhoheit. Die Sklaverei in Sierra Leone gesetzliche Einrichtung. Die englische Oeffentlichkeit beschäftigt sich sehr stark mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs in der europäischen Kolonie Sierra Leone, wonach ein daoongelaufener Sklave mit gesetzlichem Rechte von seinem Herrn wieder zmückgeholt werden kann. Man hat in der englischen Presse viel Wesens davon gemacht, daß die englische Regierung sich alle erdenkliche Mühe gibt, in Indien die Sklaverei abzuschaffen. Man hat die Erfolge gerühmt, die dort erzielt worden sind und muß nun erleben, daß der höchste Gerichtshof iy einer englischen Kolonie die Sklaverei als eine gesetzliche Einrichtung ansieht und dem Herrn das Ein Frühlingstraum. 16) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. VI. Was lehrt das Leben? Gib Mir bündigen Bescheid!" „Hingeben, was Dir lieb — Hinnehmen, was Dir leid!" Paul Heyse. Am anderen Mittig promenierte Wolf vergeblich vm dem Putzgeschäft — er sah Mary nicht. Aber er konnte si> nicht verfehlt haben — sie war wohl nicht im Geschäft ge- wesen — und er hätte sie doch so gern gesehen heute! Au Nachmittag fand er einen Brief vor, in dem sie ihm mitteilte, daß sie am Abend unmöglich kommen könnte; si, könnte ihm unmöglich unter die Augen treten. „Süßei Mädchen", sagte er leise vor sich hin, und ließ sich am Schreibtisch nieder, sie mit den zärtlichsten Worten zu beruhigen — nun wäre sie doch unauflöslich mit ihm verbunden — so schrieb er ihr in heißen Worten, seine auf. richtige Liebe beteuernd und sie zuletzt um baldiges Wie- dersehen bittend. Sinnend lehnte er im Sessel, während ein weiches Lächeln sein ernstes Gesicht verklärte — er gedachte des verflossenen Abends, wie glückselig sie beide gewesen waren, und wie sie ihm nun für immer gehörte — ein Ehrloser, raen» er sie jetzt verließ. Der Gedanke an sie brachte fein Blut zum Sieden; er sprang auf und trat an das Fenster. ij; et au t öer anderen Seite der Straße Fräulein Ul- rich gehen, die auffallend nach feiner Wohnung blickte. Hastig trat er zurück, während eine Wolke über feine Stirn flog; mußte denn dieses Mädchen immer seinen Weg kreuze»? Er betrachtete es fast als ein Omen, wenn er sie sah — sicher passierte ihm bann etwas Unangenehmes! Sie war ihm unsagbar zuwider.. Am nächsten Tage begegnete ihm Mary zur gewohnten Stunde; einen Blick hingebender Liebe warf sie ihm zu; dann aber wandte sie sich scheu ab. während es flammendro über ihr Gesicht lief: sie sah elend aus und hatte öunkb Ringe um die Augen. Sie tat ihm so leid; auf ihrem süße, Gesicht spiegelten sich für ihn ihre Empfindungen ach s, deutlich wider. Er fühlte mit ihr und sehnte doppelt du Stunde herbei, in der er sie trösten und beruhigen konnte Anderntags kam wieder eine Absage; endlich, auf sein dringendes Bitten und Verlange» bewilligte sie ihm eine Zusammenkunft für den nächsten Abend. An dem bestimmten Tage nun erwachte er mit dem ersten Gedanken — „heute abend" —. Der Bursche bracht« ihm die Kleider mit den Worten: „Herr Leutnant, 's isi halb sechs. — Ah, Herr Leutnant sind schon munter?" jawohl — wie ist's Wetter?" „Schlecht, Herr Leutnant; es regnetl" „E regnet?" kam es enttäuscht von seinen Lippen. EL durfte nicht regnen; er wollte ja heut' abend sein Lieb treffen. „Na, vielleicht hört's wieder auf!" „Ich glaube nicht", meinte der Bursche, „'s wird wohl ein richtiger Landregen werden! Der Himmel steht aus wte'v Sack." Seufzend machte sich Wolf fertig. Da konnte er Mary nur bei Bergers sehen, und er hatte sich so danach gesehnt, sein Märchen zu haben und ihr alles zu sagen, was er für sie auf dem Herzen hatte. Als er etwas ermüdet vom Bormittagsgottesöienst nach Hause kam, lagen drei Briefe für ihn da — einer von Mary, de» er zuerst ergriff, die anderen beiden gar nicht beachtend. Beim Lesen verfinsterte sich sein Gesicht! Das törichte Mädchen — hat sie denn gar keine Sehnsucht nach mir? Mary schrieb ihm in seltsam dringlicher Weise wieder ab, ihn bittend, nicht in sie zu dringen, es sei ihr heute unmöglich, ihn zu sehen — bestimmt aber würden sie sich am nächsten Abend treffen. Es klang eine rührende Bitte aus ihren Zeilen, daß sein Unmut bald verflog. Dann nahm er die anderen Briefe zur Hand, ein Geschäftsbrief von Bankier Ulrich — was mag er wollen? Und der andere vom Bruder Erwin, der so selten schrieb. — vielleicht dem Vater etwas passiert? Gutes kann es sicher nicht sein!" Bon einer bangen Ahnung ergriffen, ritz er bas Kuvert hastig auf und las: „Lieber Btuder! Du bist sicher erstaunt, durch mich die Ankündigung von Papas Besuch zu erhalten. Er selbst wagt nicht, an Dich zu schreiben — Wolf, es ist etwas sehr Trauriges, Ernstes, was Papa zu Dir führt; vergiß alles, was geschehen ist, und sei gut zu ihm! Ich kann Dir nichts Näheres schreiben Du wirst es selbst aus seinem Munde hören. Am 29. ds., 10.13 Uhr abends, trifft er dort ein. Wie geht es sonst? Ich kann nicht klagen, und Du —? Kann mau bald zum Hauptmann gratulieren? Es grüßt Dein Bruder Erwin." Wolf ließ das Briefblatt finken und starrte düster vor sich hin. „Was ist das? Was für Schreckliches bewögt den Vater, mich aufzusnchen, mich, der gar nicht mehr für ihn existierte? Sollte die Frau — ?" Er fand sich nicht zurecht mit seinen Gedanken und erinnerte sich endlich des dritten Briefes — „was mag mir dieser bringen?" Er öffnete ihn langsam und las darin nur eine Aufforderung, am Nachmittag zu einer kurzen Unterredung wegen einer wichtige» Sache in die Geschäftsräume des Bankhauses Ulrich zu kommen. „Was will er? Geschäftlich habe ich doch nie mit ihm zu tun gehabt?" Vergeblich sann uns grübelte er über die beiden Briefe er kam zu keinem Resultat, und dazwischen tauchte Marys Gestchtchen vor ihm auf, wie er es zuletzt gesehen — bleich und müde mit dem seltsam scheuen Blick, und tiefes Mitleid überkam ihn. — „Arme, kleine Maus — wir haben uns ja so lieb; gräme Dich doch nicht so" — in dieser Weife schrieb er ihr jetzt, um seine nagenden Gedanken zu verbannen. Bor ihm stand ihr Bild, hinter diesem eine Schale mit weiße» Rosen — sie sollte immer von ihren Lievlingsblumen umgeben sein, wie er auch nie versäumte, ihr stets Blumen mitzubringeu, wen« sie sich trafen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 167. Jahrgang 1927. Der Laudbote * Sinsheimer Zeiwng. Montag, den 5. September 1927. Recht gibt, einen entlaufenen Sklaven aus der Freiheit in fein früheres Dasein wieder zurückzuführen. Zufällig weilt gegenwärtig der Bischof von Sierra Leone auf einem Urlaub in England. Der Bischof, der Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft in Sierra Leone ist, fand, über seine Meldungen gefragt, trotz allen Abscheus gegen die Sklaverei doch allerlei Gründe, die seiner Ansicht nach den Spruch des höchsten Gerichtes rechtfertigen. Fn der eigentlichen Kolonie Sierra Leone, die sich seit 120 Jahren im englischen Besitz befinde, sei, sagte er, die Sklaverei abgeschafft und verboten. An die Kolonie aber schließe sich ein großes Protektoratsgcbiet, das vor 32 Jahren unter die englische Flagge gestellt wurde. Hier hat England nach Ansicht des Bischofs keine Hoheitsrechte, sondern es behandelt die großen Häuptlinge dieses Gebietes zum großen Teil als unabhängige Herrscher (!), mit denen Handelsverträge abgeschlossen werden. Fn diesem Protektoratsgebiet sei die Sklaverei noch nicht gesetzlich abgeschafft. Es sei aber nach Ansicht des Bischofs Gewähr geboten, daß sie allmählich verschwindet. Die gesetzgebende Körperschaft in Sierra Leone, in der auch die orei angesehensten Häuptlinge des Protektoratsgebietes ihren Sitz haben, habe einen Beschluß gefaßt, wonach alle in dem Protektorate geborenen Personen frei sind und alle Sklaven bei dem Tode ihres Herrn in Freiheit gesetzt werden müssen. Diese Verteidigung des Urteils ist auch in England nicht ohne Widerspruch hingenommen worden. Bon verschiedenen Seiten ist in der englischen Presse betont worden — eine große Reihe von Beispielen wurde dafür angeführt —, daß in den englischen Kolonien mindestens in ftüheren Jahren ein Gewohnheitsrecht galt, das dem Sklaven die Freiheit sicherte, wenn er sich auf englischen Boden rettete. Dabei spielte es keine Rolle, ob es sich um eine regelrechte Kolonie oder um ein Protektorat handelt. Demgegenüber macht das Urteil des Obersten Gerichtshofes von Sierra Leone und die Verteidigung dieses Spruches durch den Bischof dieser Kolonie einen sehr ungünstigen Eindruck. Mag man auch noch so viel daran drehen und deuteln: der Gerichtshof in einer englischen Kolonie hält auch heute noch daran fest, daß die Sklaverei eine gesetzliche Einrichtung ist und daß der Sklave als rin Brfitzobjekt betrachtet und behandelt «erden kann. Wenn man bedenkt, daß man Deutschlanü das moralische Anrecht aus Kolonien abzusprechen versucht hat, so wird die Heuchelei eines solchen Verfahrens im Lichte dieses Dorfalles wieder einmal vor aller Welt klar und deutlich. Ein Poincare-Bluff. „Zum Rechtsbruch noch Wortbruch." Acht Wochen sind verstrichen, seit der feierlichen Zusage Poin- cares in offener Kammersitzung, daß die Regierung zum Nationalfeiertag (14. Fuli) „gewisse Gnadenmaßnahmen" gegenüber den im vorigen Jahre wegen ihrer heimatrcchtlichen Gesinnung gemaßregelten Elsaß-Lothringer verfügen werde. Die Regierung erhob keinen Widerspruch gegen die Auslegung dieses Versprechens, als die seit langem erwartete „Zurücknahme der Sanktionen". Auch die französischen Propagandablätter in Straßburg, Mülhausen und Metz, die früher gegen jede „Schwächen" der Behörden warnend ihre Stimme erhoben hatten, schienen eingesehen zu haben, daß Wiedergutmachung des schweren Fehlgriffs dieser Maßregelungen gerade auch im Interesse des französischen Ansehens liege. Der 14. Fuli verging, ohne Verwirklichung des persönlichen Versprechens des Ministerpräsidenten. Nach mehrmaligen „Anfragen" führender Blätter der elsäs- sischen Landespresse wurde aus Paris verkündet, die Amtsenthebung des Bürgermeisters von Nieder-Feutz und seiner zwei Beigeordneten sei rückgängig gemacht worden.Diese „Gnade" erwies sich bald als Blendwerk, denn in Wirklichkeit sind diese drei Lothringer ganz einfach nach Ablauf der nach dem Gesetz zulässigen Höchstdauer der Suspendierung wieder in ihre Ehrenämter eingesetzt worden. Die Bevölkerung hatte sie mit großer Mehrheit wiedergewählt. Aber hielt die Regierung nicht doch — wider Erwarten — einmal Wort? Konnte nicht einige Tage darauf gemeldet werden, daß die Eisenbahnverwaltung einige gemaß- regelte Beamte wieder eingestellt hat? Das war nun erst recht eine Verhöhnung des Bolkswillens, denn diese „Einstellung" erfolgte mit solchen schikanösen Belastungen, daß an die Stelle der Dienstentlassung lediglich eine Strafversetzung getreten ist. Man hat die Sanktionierten in Gnaden wieder angenommen, sie jedoch ohne Umzugsvergütung nach weit entfernten Orten versetzt, ihnen gleichzeitig mitgeteilt, daß sie auf keine Gratifikation und keine Beförderung zu rechnen hätten. Das Perfide dabei war, daß man die „Begnadigten" durch diese Versetzungen zugleich an der Wahrnehmung ihrer öffentlichen Ehrenämter hinderte, die ihnen das Vertrauen ihrer Mitbürger bezw. ihrer Berufsgenossen übertragen hatte. „Zum Rechtsbruch noch Wortbruch" nennt die autonomistische „Zukunft" dieses Verfahren, dem sie gegenüberstellt, daß in den 50 Fahren der deutschen Zeit kein einziger Elsaß- Lothringer je lediglich wegen seiner politischen Ucberzeugung aus \ dem Amte entlassen worden ist. „Diese Erinnerung allein schon hatte die französische Regierung zurückhalten sollen." Allein Paris sei falsch beraten worden, insbesondere durch die Abgeordneten, die sich dadurch mitschuldig an dem Rechtsbruch, an dieser Verletzung politischen Meinungsfreiheit jedes Staatsbürgers gemacht haben Das nennt sich in Frankreich Großmut! Baden Herbstliches Dadnerland. vv Die größten Lebenskünstler sind es nicht, die nur dann "Freude und Genuß am Reisen empfinde», wenn die glühende Sommersonne herniedersticht und der Strom der Fremden die Bäder und Kurorte überschwemmt. Berufliche und familiäre Rücksichten werden gewiß den größten Teil des Publikums immer dazu zwingen, Ferien- und Erholungs- reffen in den Sommermonaten zu unternehmen. Solle» aber deswegen die übrigen Jahreszeiten ausgeschaltet sein. Retten zu unternehmen, weil ihnen der geheimnisvolle Nim- bus der „Großen Saison" fehlt? >. - « .‘r* 1 * ift man zu der Erkenntnis gelangt, daß auch das Reuen unabhängig von dem gewohnten System in den anderen Monaten etwa zwischen Ende August und Mitte Oktober einen eigenen Reiz hat. Tie Schönheiten der herbstlichen Zeit üben einen anderen Zauber aus. den die sommerlichen Wochen nicht haben. Es liegt freilich in der Anlage sentimentaler Naturen begründet, im Herbst von dem großen Sterben zu träumen, das in der Natur umgeht. Der Rückschlag nach der atemschweren Sommerschwule wird zumeist als ein jäher Ueber- gang vom vollen Lebensgenuß zum beschaulichen Tahindämmern empfunden. Den Menschen, der sich im Sommer wenn die ganze Erde in Reise steht, ausgetollt hat, wandelt angesichts der herbstlichen Stimmung in der Natur wohl oft ern bitteres Gefühl der Reue und Wehmut an. Daher mag es kommen, daß der Herbftzauber selten in seiner ganzen Fülle erfaßt und gewürdigt wird. Und trotzdem! In dieser Zeit, da der Sommer scheiden geht und d,e Tage kürzer werden, offenbart sich in der deutschen Landschaft »och einmal die gebefreudige Schöpferlaune. Viele find es, die gerade diesen Woche» ihre heimlichsten Berte ablauschen und es sich nicht nehmen lassen, den deut» schen Herbst, der sich in prächtigstem Farbengewand auf das Land legt, zu begrüßen. Wenn sich der Schwarm der Saisongäste verlaufen hat, beginnt in den deutschen Bädern und Kurorten das intime Kurleben für den auserwählten Fremöengast. Wohl selten wird ein deutsches Reisegebiet all diese Voraussetzungen für einen idealen Aufenthalt erfüllen wie die badische Heimat, das Land, in dem sich in dem prächtigen Rahmen von Schwarzwaldlandschaft und Talzauber die Romantik der deutschen Erde mit dem Wirklichkeitssinn vereinigt. Tie badffchen als Sommerfrischen bekannten Aufenthalte sind durchweg auch für die Herbftsaison geschaffen. Tie Witterung ist in der Ebene und auf den Höhen in den Herbstwochen am beständigsten, die Luftströmungen sind ruhig und die geschützte Lage der Kurorte in den höchsten Höhen gewährleistet für alle Erkrankungen, besonders für nervöse Leiden, ein heilwirksames Klima. Durch den ununterbrochenen Ausgleich der atmosphärischen Strömungen wird auch überall die gefürchtete Nebelbildung vermieden. Wohl mögen in den frühen Morgenstunden Herbstnebel über dem Lande lagern: sobald aber die Sonne hervorbricht, machen sich die günstigen klimatischen Einflüsse des badischen Erholungsgebietes bemerkbar. Tie Vielseitigkeit der Naturfzenerie und die ausgedehnten Waldungen, die sich in ununterbrochener Kette durch das ganze Land hinziehen, bieten tagsüber ungemein reiche Anregungen für den Fremden. Die Farbenkontraste der Umwelt, der herbstliche Schmuck des Landes und seine friedliche Stille. Wanderungen durch die romantischen Winkel in Berg und Tal vermitteln "im Badnerland die tiefsten Eindrücke. Ter Möglichkeiten, sich einem Herbstaufenthalt hinzu- geben, sind viele. Abseits von dem großen Treiben des Alltags liegt in die schönste Umgebung gebettet ein reicher Kranz von großen und kleinen Kurorten und Erholungsplätzen, die zu angemessenen Preisen ihre gastlichen Pforten öffnen. Wer auch im Herbst das kurörtliche Programm im größeren Rahmen nicht missen mag, wird sich an den Stätten heimisch fühlen, die seit Jahrhunderten ein Mittelpunkt ausgeprägter Lebenskunst und vornehmer Geselligkeit sind. Zu den beliebtesten Einrichtungen dieser großen Kurorte gehören die Traubenkuren in den Vormittagsstunden, in denen man sich bei den Klängen der Kurkapelle dem ge- nietzerffchen Ausschöpfen der schönsten Faulenzerstunden hin- gibt und dabei doch das Gefühl haben darf, beim Genuß der Trauben oder des Traubensaftes etwas für seine Gesundheit getan zu haben. Reichhaltige Programme stellen alljährlich die badischen Städte auf, für die der Herbst bereits den Auftakt der an künstlerischen Genüssen reichen Wintersatson ist. Theater, Konzerte, Museen, Vorträge usw. sorgen ständig dafür, daß' der Fremde seine Zeit angenehm^ ausfüllen kann. Und sollten doch einmal die Launen des Wettergottes eine unvorhergesehene Störung in das Programm bringen, so lassen sich die Stunden im behaglichen Hotelzimmer oder in ihren Lesesälen bei der Lektüre kurzweilig verbringen. Wenn die Herbstsonne das Land umgoldet. wird noch ein- mal die Reffesehnsucht im Jahre aufgeweckt. Alle Schön-. heilen des Jahres und der Landschaft treten in der reinen! Atmosphäre dem Auge des Besuchers entgegen und grüßen ihn, ehe das winterliche Schlasgewand all die Pracht verhüllt. Die sonnenklaren und mild-herben Herbsttage des Bad- nerlandes vermitteln dem ersehnten Erneuerungsprozeß im menschlichen Organismus, ehe die kalte Jahreszeit den größten Teil der Menschheit wieder in das Loch der Großstadt zwängt. Darum möge der Gruß, der aus dieser Gegend entböte« wird, überall frohen Widerhall wecken! Aus Rah und Fern. * Sinsheim, 5. Sept. (Ständige Besetzung der Rettungszügei.) Wie eine Berliner Korrespondenz mitteilt, werden in Zukunft die Rettungs- und Hilfszüge der Reichsbahn Tag und Nacht auch an Sonn- und Feiertagen, mit einer Besatzung von fünf Mann, die auch Samariterdienst ausübt, bereit stehen. Ferner wird zu jeder Zeit eine Maschine bereitgehalten, so oaß bei Unfallmeldungen in spätestens 15—20 Minuten der Rettungszug unter Dampf gesetzt und an die Unfallstelle gefahren werden kann. Bisher standen die Rettungszüge ohne Besatzung in den Bahnhöfen und bei Eisenbahnunsällen mußte die Besatzung aus ihren Wohnungen geholt werden, so daß kostbare Zeit verloren ging. * Sinsheim» 3. Sept. (Der Herbstmonat) hat begonnen und die Astronomen haben es ganz genau festgestellt, daß am 23. Sept. vormittags 11 Uhr die Sonne in das Zeichen der Wage tritt, was also in Verbindung mit Tag- und Nachtgleiche den hochoffiziellen Anfang des Herbstes bedeutet. Möge er mild und freundlich sein, der vielbsungene Herbst, möge er einigermaßen ersetzen und gutmachen, was der Sommer nicht brachte oder doch nur knapp und spärlich! Wir Mitteleuropäer brauchen und lieben nun einmal eine gute" Porffon Wärme und Sonnenschein. Vom Herbstmonat erwarten wir noch manchen Goldschimmer für die Landschaft, und der frohe Wanderer will nicht enttäuscht sein, wenn er gerade jetzt nach freien und weiten Höhen mit klarer Fernsicht strebt. Man freut sich auf ein buntes, eigen reizvolles Gemälde in Wald und Garten: ja hier kann der Herbst zum unübertroffenen Künstler werden. Und das leise, volle Reifen letzter Früchte! Der September bringt die Obsternte in vollem Gange. Daneben wollen wir nicht der schlichten Kartoffel vergessen. Mühsam wird sie ausgebudöelt von Menschenhand, oder die raffelnde Maschine wirft sie heraus. Sie ist dann ein Hauptgericht des kleinen Mannes, auch beim üppigsten Diner darf sie nicht fehlen. Der Landmann bekommt noch keine Ruhe. Er rüstet zur Herbstbestellung. „Den Acker auf und nieder gleiten Pflüge, von falben Ochsen schleppend schwer gezogen, die Furchen schlagen ihre schwarzen Wege." Wenn da die Sonne blinkt, so weben und schweben wohl auch jene wunderlichen Herbst- oder Marienfäden, die man nicht los wird, auch wenn die Hand immerfort dagegen wehrt und schlägt. Herbstfäden des menschlichen Lebens — Vergänglichkeitszeichen — Wehmutsstimmung. — Es geht auf Michaeli zu. Da verlangt das nüchterne Alltagsdasein auch so mancherlei. Umzug — dieses Kulturgespenst, aber es geht eben oft nicht anders. Stellenwechsel — hoffentlich zum Glück für alle, die in diesem Punkte wollen oder müssen. Große Ouartalswende in Sicht, und sie ruckt und drängt z. B. auch mit schulischen Sorgen und Problemen: es geht u. a. schon eine Ahnung vom österlichen Sitzenbleiben und vielleicht zum mindesten von teueren Nachhilfestunden. Der ganze September gehört mit in die langen, schönen Hochschulferien. Wo mag Bruder Studio jetzt weilen? Auch die Vergangenheit hat mit dem September zu tun. Sedanstag! % Waibfkldt, 2. Sept. (Verunglückt.) Am verflossenen Dienstag wurde der Arbeiter Josef Röster von hier, der bei dem Bau der elektrischen Ueberlandleitung beschäftigt ist, beim Schachtgraben verschüttet und erheblich, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzt. Er fand Aufnahme im Krankenhaus in Neckarbischofs- heim. Am Mittwoch früh verunglückte der ledige Zimmermann Robert Brettel von hier in Sinsheim. Er wurde von einem stürzenden Gerüst beim Neubau der Rheinhold Stilz A. G. in die Tiefe gerissen und blieb bewußtlos liegen. Es stellte sich nachträglich heraus, daß Brettel keinen größeren Schaden bei dem Sturz erlitten hat. tz Waibfiadt, 5. Sept. (Heimattag.) Bon schönem Wetter begünstigt, konnte der so wohl vorbereitete Heimattag seinen Anfang nehmen. Die Einleitung bildete am Samstag Nachmittag die feierliche Uebergabe des Hermann Weil-Mausoleums. Abends fand ein Fackelzug statt, dem sich ein Festbankett mit künstlerischem Programm im schön geschmückten Saale des Hotel Lang anschloß,. Am gestrigen Sonntag, dem Haupttage, fand morgens musikalisches Wecken statt, dem der Festgottesdienst und am Schlüsse desselben ein Platzkonzert folgten. Die Hauptnummer des Programms bildete der historische Festzug mit ca. 20 Gruppen, der sich durch die festlich geschmückten Straßen bewegte und am Marktplatz nach einer kurzen Festrede auflöste. Dann fanden auf den Bleichwiesen sportliche Wettkämpfe statt. Abends wurde wieder tüchtig das Tanzbein geschwungen. Für heute Vormittag ist ein gemütlicher Frühschoppen und Besichtigung der Waibstadter Sehenswürdigkeiten, für den Nachmittag das Sport- und Spiel- fest der Volksschule auf den Bleichwiesen vorgesehen. Z Epfenbach, 5. Sept. (Schadenfeuer.) Am Samstag vormittag kurz vor 9 Uhr brach aus bis jetzt unbekannter Ursache in der Scheune des Landwirts Friedrich Ziegler Feuer aus, das durch den Wind begünstigt, schnell auf die Scheunen von Valentin Schmitt und Luise Föhner Wtive. Übergriff und zu einem größeren Brand sich auszudehnen drohte. So wurde außer der Waibstadter Feuerwehr auch die Sinsheimer Motorspritze zu Hilfe gerufen, die rasch in Fahrt gesetzt war. Durch die auflodernten Funken hatte die Kirchturmspitze Feuer gefangen, das aber gleich gelöscht werden konnte. Die Motorspritze kam gerade noch zur rechten Zeit an, um ein weiteres Umsichgreifen des Feuers zu verhindern. Durch ihr schnelles tatkräftiges Eingreifen wurde das Feuer auf seinen Herd beschränkt und konnte die Epfenbacher Feuerwehr nach Umlegung ihrer Leitung die völlige Eindämmung des Feuers bewerkstelligen. Hier hat sich die Motorspritze wieder einmal als ein nützliches Feuerlöschgerät bewährt. Drei Scheunen und einige kleine Schuppen Men dem Brande zum Opfer, die Wohngebäude konnten gerettet werden. Während die Anwesen der Landwirte Zieler und Schmitt versichert waren, ging der Witwe Föhner durch den Brand die ganze Ernte verloren. t Eppingen» 3. Sept. (Plötzlicher Tod.) Der 20jährige Hilfsmonteur Karl Hockenberger aus Essenz war mit Ausbesserungsarbeiten an der Hochspannungsleitung beschäftigt, deren Strom ausgeschaltet war. Die unten am Mast stehenden Mitarbeiter bemerkten plötzlich, daß Hockenberger leblos am Mast hing, an dem er sich angeseilt hatte. Es ergaben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß der Verunglückte durch den elektrischen Strom getötet worden ist. Vermutlich hat ein Herz- oder Hitzschlag seinem Leben ein Ziel gesetzt. Der schwer betroffenen Familie die einen hoffnungsvollen, pflichteifrigen Sohn verlor, wendet sich allgemeine Teilnahme zu. ‘P Mcckcsheim, 3. Septbr. (Versetzung.) Der Vorstand der hiesigen Gendarmeriestation, Herr Oberwachtmeister Lehle. wird in gleicher Eigenschaft nach Ladenburg oeffetzt. Nachfolger in Meckes- heim wird sein bisheriger Amtsvorgänger in Ladenburg. P Meckesheim, 3. Sept. (Von der Sparkasse.) Die Epar- gesellschaft für Stadt- und Landgemeinden, Filiale Meckesheim, hat unter Kaufmann Rottenhöfer hier ihre frühere Tätigkeit wieder ausgenommen. Die Kaffe besorgt die üblichen Bankgeschäfte im kleinerem Umfange. Zur Abwicklung der Aufwertungsgeschäfte wurden die früheren Sparer aufgesordert, ihre Sparbücher bei der genannten Geschäftsstelle einzureichen. O Aus dem Amtsbezirk Wiesloch, 3. Sept. (Landwirtschaftliches.) Gegenwärtig beansprucht die im Gange befindliche Hopfenernte und Tabakernte das Hauptinteresse der Landwirtschaft treibenden und auch handelnden Bevölkerung. Fn Bezug auf diese beiden Ernten läßt sich feststellen, daß die Hopfen heuer durchschnittlich sehr guten Stand zeigen und die lange Regenperiode relativ günstig überstanden haben. Die Anbaufläche ist gegenüber früheren Jahren um ein Mehrfaches gestiegen, doch wird sich bei der Preisgestaltung das vermehrte Angebot eben nicht zugunsten der Erzeugerpreise auswirken, wie sich schon in der ersten Ver- kaufstendenz mit aller Deutlichkeit abhebt. Preise, wie sie im Vorjahre üblich waren, bis zu 500 Mk. der Zentner, werden dieses Jahr auf keinen Fall erreicht werden können und wird man mit der Hälfte zufrieden sein müssen. Immerhin dürfte bei der großen Quantität auch dann noch die Rentabilität des Hopfenbaues gesichert sein und ist dieses dem Landmann nur zu gönnen. Der Tabak hat sich in seiner Entwicklung durch das naßkalte Wetter gehemmt gefühlt und ist in "seinem Aussehen nicht hervorragend zu beurteilen. Vielfach tritt Rost auf, sodaß als Ganzes die Tabakernte keine großen Aussichten eröffnet. Glücklicherweise ist in der Witterung jetzt der ersehnte Umschwung eingetreten, den man zur Ernte von Hopfen und Tabak dringend benötigte. Auch die reiche Zwetschgenernte wäre bei anhaltendem Regen in Gefahr gewesen, da die Früchte dann aufspringen. Der Handel mit Zwetschgen kommt langsam in Gang. Das Ergebnis der Frühkartoffel befriedigt und ist auch das der Spätkartoffel als gut zu schätzen. Glücklicherweise waren die Getreidefelder bei dem Einsetzen der Regenperiode fast restlos abgeerntet, sodaß hier kaum Schaden entstanden sein dürfte. Das Oehmd allerdings, mit dessen Schnitt man zuwarten mußte, ist inzwischen überreif geworden, doch ist das Gras auf dem Halm immer noch besser als im Schnitt. Obst gibt es recht reichlich und der Wein scheint eine» Mittelherbst zu halten. — Hüffenhardt, 3. Sept. (Wildschweine.) Wie Iagdgäste festgestellt haben, hatten verschiedene Wildschweine diesen Sommer in den hohen Getreidefeldern Junge geworfen und ihre Frischlinge auch hier aufgezogen. Fetzt macht ein Wildschweinrudel von 20 Stück die hiesigen und benachbarten Gemarkungen unsicher. Die Haßmersheimer Jäger veranstalteten auf diese Wühler eine größere Treibjagd, konnten wohl zwei Frischlinge anschießen, doch nicht erlegen. Jetzt sitzt das Rudel in den dichten Neckarwaldungen und macht seine Streifzüge auf die Kartoffelfelder. 0 Mannheim, 5. Sept. (Herbst-Pferderennen.) Für die am 11., 15. und 18. September stattfindenden Mannheimer Herbst- Pferderennen war dieser Tage letzter Annahmetermin, der eine Säuberung des starkgenannten Programms erbrachte. Der Eröffnungstag verzeichnet noch 111 Pferde mit 131 Verpflichtungen, der zweite Tag, der in der Hauptsache den Herrenreitern Vorbehalten ist, 122 Annahmen für 97 Pferde. Sehr erfreulich ist es, daß die Ställe der verschiedenen Trainingszentralen weiterhin so stark wie vorher vertreten sind, daß neben den selbstverständlichen Annahmen des Südwestens und Südens der Westen weiterhin ebensosehr die Rennen berücksichtigt und daß, offenbar neben den Stammgästen aus Berlin, wie den Ställen Opel und Rosak, auch die Ställe Lindenstädt und Butzke nach Mannheim disponiert haben. Der alte Ruf der Mannheimer Rennen also, die verschiedenen Gebiete zusammenzuführen, wird daher auch diesmal wieder gewahrt bleiben und fachlich interessanteste Ereignisse bescheren. ** Heidelberg, 4. Sept. Auf dem Neckar lief eine ans England kommende Privatyacht in Heidelberg an. Es ist ein stattliches, mit allem Komfort ausgestattetes, für die Hochsee gebautes Motorfahrzeug mit 2L0 Meter Tiefgang. Zahlreiches Publikum fand sich an der Anlegestelle bei der Stadthalle ein, um den von fernher angekommenen Besucher zu besichtigen. Ter Eigentümer ist ein englischer Schiffswerftbesitzer, der mit seiner Familie eine Fahrt über den Kanal und den Rhein herauf unternommen hat. ** Eberbach, 4. Sept. Am Mittwoch ist Bürgermeister Dr. Weiß aus den Diensten der Stadt und in den Ruhestand getreten, nachdem er 34 Jahre lang mit Erfolg die Geschicke Nr. 167. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitvug. Montag, den 5. September 1927. oer Stabt geleitet hatte. Er verabschiedete sich von der Beamtenschaft der Stadtgemeinde und am Abend vom Stadtrat, der ihm als Anerkennung und Tank eine goldene Uhr überreichte. ** Hockenhcim (Bei Schwetzingen), 4. Sept. Kürzlich stieß ein Motorradfahrer aus Kornthal bei Stuttgart mit einem Hiesigen Fuhrwerk zusammen. Ter Motorradfahrer sprang von seinem Fahrzeug ab, kletterte auf den Wagen und geriet — an die falsche Adresse. Anstatt Schläge auszuteilen, bekam er selbst welche mit dem Peitschenstock. Bei der Rauferei fiel der Kraftfahrer unter den Wagen, wurde überfahren und schwer verletzt. ** Karlsruhe, 5. Sept. (Ein Hohlspiegel als Brandursache.) Die Berussfeuerwehr wurde in ein Haus der Ostendstraße gerufen. Durch einen am Fenster in der Sonne stehenden Hohlspiegel hatte ein Kleid Feuer gefangen, wodurch die in der Nähe liegende Wäsche in Brand geriet. Infolge der starken Rauchentwicklung mußte die Feuerwehr mit Rauchmasken Vorgehen,' sie konnte den Brand durch Handlöschapparate löschen. ** Bühl, 3. Sept. Welchen Umfang der Pflaumen- und Zwetschgenversand in Mittelbaden und speziell in Bühl an- genommemn hat, geht aus folgenden Zahlen zur Genüge hervor: Abgerollt sind seit Beginn der Pflaumen- und Zwetschgenernte ab Bahnhof Bühl 2488 Wagen ldarunter ca. 200 von der Bühlertalbahn) ab den übrigen mittelbadischen Obststationen von Oberkirch bis Baden-Oos zusammen 2225 Wagen, also insgesamt etwa 4710 Wagen. Nimmt man ein durchschnittliches Gewicht von 8%—4 Tonnen pro Wagen an, : fo ergibt sich eine verfrachtete Menge von etwa 100 000 Zentnern ab Bühl und von etwa 170 000 Zentnern an den übrigen Stationen, also insgesamt 360 000 Zentnern aus dem Mittelbadischen Obstgebiet. ** Willstätt, 4. Sept. Auf der Straße nach Hesselhurst fuhr in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch ein Reisender aus Billingen mit seiner Limousine durch Versagen des Lichtes in den zwei Meter tiefen Münstergraben, der zur Zeit nur wenig Waffer führt. Mit Hilfe hiesiger Einwohner wurde der unversehrte Wagen herausgezogen und heil konnte der Reisende seinen Weg weiterfahren. ** Feldberg (Bei Müllheim), 4. Sept. Am Freitagabend ereignete sich zwischen Feldberg und dem benachbarten Gengenbach ein schwerer Unfall dadurch, daß von einer Böschung ein schwer beladener Oehmdwagen herabstürzte und ein dabei auf dem Wagen befindliches Mädchen mit sich riß. Das Mädchen war sofort tot. ** Freiburg, 4. Sept. (00. Geburtstag). Seinen 60. Geburtstag feierte heute der Bnndesobmann des Badischen Sängerbundes ,Rechtsanwalt Dr. Metzger, der Ehrenmitglied vieler in- und ausländischer Gesangvereine ist. Seinen Bemühungen ist es in der Hauptsache gelungen, sämtliche Gesangvereine Badens zu einem Bund von 1102 Vereinen mit rund 50 000 Sängern zu vereinigen. ** St. Marge«, 4. Sept. In den letzten Nächten wurden hier zwei Einbruchsdiebstähle verübt, bei denen den Tätern Geld in die Hände fiel. Allem Anschein nach handelt es sich um dieselben Langfinger, die kürzlich Hinterzarten und Titisee heimsuchten. Beobachtungen lassen vermuten, daß die Diebesbande in einem braunen Opelwagen herumfährt. ** Vaierjal, 2. September. In der Vürgerausschußsitzung am Mittwoch wurde mit 28 gegen eine Stimme eine Kapitalaufnahme in Höhe von 130 000 Mark zur Finanzierung einer Wasserleitung, deren Projekt und Nivellierungsarbeiten, sowie die Ouellfassung und der Hochbehälter bereits fertiggestellt sind, genehmigt. ** Oberendersbach, 4. Sept. Einen plötzlichen Tod fand kürzlich der 43jährige verheiratete Josef Müller von hier. Nachdem schon der Oehmdwagen fertig geladen war, wollte Müller noch ein kleines Quantum Oehmd unter dem Wiesbaum verstauen. Plötzlich zogen die Pferde an. Müller stürzte vom Wagen und brach dabei das Genick. Er war sofort tot. ** Blumberg (Amt Donaueschingen), 4. Sevt. Die Telegraphenverwaltung plant die Errichtung eines Selbstanschlußamtes im Zollhaus Blumberg. In den Genuß der Vorteile, die das Amt bietet, können die Gemeinden Blumberg, Randenöorf, Rieböschingen, Rondingen, Rieöböhrin- gen, Epfenhofen, Aachborf, Aselsingen, Eschbach und Opferdingen. Ta die technische Einrichtung mit großen Kosten verbunden ist, sollen die Fernsprechteilnehmer usw. zur Zahlung eines einmaligen Baukostenzuschuffes veranlaßt werden. ** Villinge«, 4. Sept. (Einbruch). Ein Einbruch wurde vorgestern nacht in das Gasthaus „Zum Lamm" verübt. Die Täter stiegen durch ein Fenster des Nebenzimmers ein und stahlen Zigarren, Zigaretten und einen kleineren Geldbetrag. ** Billiugen, 4. Sept. (Flugplanänderung). Eine Veränderung im Flugplan der Schwarzwaldlinie ist insofern eingetreten, als ab 1. September das Flugzeug von Mannheim über Karlsruhe, Baden-Baden und Billingen nach Konstanz zwei Stunden früher verkehrt, während am Vormittag die Flugzeiten wie bisher bestehen bleiben. ** Metzkirch, 4. Sept. Hier ereignete sich im Donautal ein schweres Autounglück. Ein Fuhrunternehmer aus Stetten a, k. M. unternahm mit zahlreichen ewachsenen Personen eine Fahrt mit seinem Lastwagen nach Beuron. Bei der Rückfahrt gegen Abend war das Auto mit 61 Personen besetzt. Hinter Beuron geriet das Auto in einer Kurve über den Straßenrand und kippte um. Die Jnsasien wurden herausgeschleudert, zum Teil an die nahen Waldbäume. Zahlreiche Personen erlitten teils schwerere, teils leichtere Verletzungen. Vierzehn Personen erlitten schwere Arm- und Beinbrüche. Zwei Aerzte, die sich in der Gesellschaft befanden, leisteten den Verunglückten die erste Hilfe. Aus dem Kloster in Beuron kam bald darauf weitere Hilfe. Die Verunglückten wurden dann mittels Auto ln das Krankenhaus nach Stetten a. k. M. gebracht. Schweres Eisenbahnunglück im Tunnel zwischen Buchholz und Soltau. Harburg, 4. Sept. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich Samstag nachmittag zwischen Buchholz und Soltau. Der fahrplanmäßige Personenzug 565 entgleiste infolge einer Gleisverwerfung im Tunnel der Strecke Buchholz—Bremervörde. Die Lokomotive legte sich auf die Seite, die beiden nachfolgenden Personenwagen 3. und 4. Klasse wurden aufeinander geschoben und gegen das Mauerwerk des Tunnels gedrückt. Leider fiel dem Unglück ein Menschenleben zum Opfer, und zwar in der Person des Hamburger Kaufmanns Kayser. Fünf Personen wurden schwer, eine weitere Anzahl leichter verletzt. Z« dem Sprengnnglück bei Kaflel. Kassel, 3. Sept. Zu dem Unglück in Schlierbach, wobei 11 Arbeiter den Tod erlitten und einer schwer verletzt wurde, erfahren wir noch, daß der Basaltsteinbruch Landsberg der Firma Siege & Co., in Kassel gehört. In dem Steinbruch arbeiteten etwa hundert Arbeiter aus den umliegenden Ortschaften. Am Freitag mittag waren elf Mann damit beschäftigt, eine große Sprengung vorzubereiten. Vierzig Zentner Sprengstoff waren bereits in einem fünfzehn Meter langen Stollen untergebracht worden. Tie Arbeiter wollten gerade zur Erhöhung der Sprengwirkung den Stollen mit einem Betonblock verschließen, als sich die Explosion ereignete, die weit im Umkreis die Fenster erschütterte. Es bot sich nun ein schauriges Bild. Der Stollen war unter gewaltigen Schuttmafien begraben. Auf dem Gelände vor dem Steinbruch lagen zerstreut mehrere Tote, zum Teil entsetzlich verstümmelt. Einem Arbeiter wurde der Kopf vollständig abgerissen, von anderen fand man nur noch die Gliedmassen, die zum Teil in der Umgebung auf den Bäumen hingen. Vier Arbeiter sollen noch in dem Stollen verschüttet sein. Die Namen der Toten waren bisher nur nach der Reihe der Vermißten festzustellen. Die Toten stammen aus den Ortschaften Michelsberg, Schlierbach, Waltemsberck und Allendorf. Tie Kunde von dem Unglück hat sich sehr schnell, in der Umgebung verbreitet, doch wurde die Unglücksstelle sofort abgesperrt. Von den Angehörigen der Verunglückten waren nur wenige anwesend. Behörden und Polizei waren sehr bald zur Stelle. Oberstaatsanwalt Heinzmann aus Marburg nahm sofort die Untersuchung auf. lieber die Ursache des Unglücks lassen sich bis jetzt nur Vermutungen aufstellen. Die Sprengungen pflegten mit elektrischer Zündschnur vorgenommen zu werden, so daß ditz Möglichkeit besteht, daß Selbstentzündung die Explosion hervorgerufen hat. Verhaftung eines Berliner Juweliers. Berlin, 3. Sept. Der 35 Jahre alte Kaufmann Karl Traub aus Steglitz, der /e Phönix Bergbau u.Hüttenbetrted 1 I 3 Salzwerk Heilbronn . - 18o Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktie» iad«str. Unternehmungen: in 0/0 Allg. Elektr. Stammaktien . 1&2 Badenia Weinbeirn • — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . 152 Cementmerk Heidelberg Ul Daimler Motoren . . . 113 Dtfch. Goid- und Silberscheide 2l43/ 4 Elektr. Licht und Kraft . . — Emaill. und Stanzwerk Ullrich 31 FarbenUiduftrie . . . 2331/4 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . 115 Karlsruher Maschinen . . — Knorr Heilbronn . . . 175 Mainkraftwerke Höchst . . 1 251/4 Reckarsulm r Fahrzeugwerke . — Schubert Elektr. Nürnberg > 199 Scikinduftrie Wolfs ... 9t Südd. Zucker .... U 01/4 Zellstost Waldhof Stammaktien 313 Aktie» deutscher Tranoportanstalteu: in 0/0 arnvurg. Ameri». Paketfahri — eidclberger Strotzen- u. Bergbahn »5 orddeutschcr Lloyd . . 1471/4 Devise«: Geld Brief New-Iorl l Dollar i. 1980 4 2063 London 1 Pfund 20 . 4 I 20 45 Holland 100 Gulden 168.24 168.58 Schweiz 100 Francs 30 . 931.2 31 . 091/2 Wien 100 Schilling 59.19 °9 31 PariSIOV Francs 12 . 4 z I «.49 Italien 100 Lire 22,32 22.83 0 Allgemeine SrlslirgukenW Sinsheim. Der Ausschuß unserer Kasse hat in seiner letzten Sitzung am 7. August 1027 den Beitragssatz zur Krankenversicherung mit Wirkung vom 4. September 1827 aus 6,0 o/o erhöht. Laut Reichsgesetz vom 15. Juli 1027 wurde die Bersichcrungsgrenze in der Krankenversicherung ab 1. Oktober 1027 aus jährlich 3600— RMk. festgesetzt. Es werden daher von diesem Zeitpunkt an die Angestellten bis zu einem monatlichen Gehalt von 300.— RMK. wieder krankenversicherungspflichtig. Infolge dieser Erhöhung der Bersicherungsgrenze beschloß der Borstand und Ausschuß der Kasse im Anschluß an die seitherigen Lohnstufen noch 3 weitere (Klasse 0—11) anzufügen. Die Beiträge, das Krankengeld und das Sterbegeld betragen somit: für Lohnstufe 1— 8 ab 4. September 1827 0-11 ab 2. Oktober 1827 wie folgt: £ Täglicher Arbeits- verd enst auf den Kalendertag von ! bis RMk. RMk. Grundlohn RMk. Wochenbeiträge im Ganzen Kranken- l Erwerbs!. Bers. ! Ders. RMk. i RMk. Krankengeld RMk. Sterbegeld RMk. i. 1.29 1.— —.48 -.20 —.50 30.— 2. 1.30 1.79 1.60 —.78 -.34 -.80 32.— 3. 1.80 2.59 2.20 1.05 -.46 1.10 44.— 4. 2-61 3.49 3.— 1.44 -.62 1.50 60.— 5. 3.50 4.49 4.- 1.95 —.84 2.— 80.— 6. 4.50 5.49 5.— 2.40 1.04 2.50 100.- 7. 5.50 6.49 6.- 2.91 1.26 3 — 120.— 8. 650 7.49 7.— 3.39 1.46 3.50 140 — 9. 7.50 8.49 8.— 3.87 1.68 4.— 160.— 10. 8.50 9.49 9.— 4.35 1.88 4.50 180.— 11. 9.50 und mehr 10.— 4.83 2.10 5.- 200.— Lehrlinge ohne Lohn zahlen 2,3 der ersten Klasse, Krankengeld wird denselben nicht gewahrt. Es beträgt der Beitrag für die Krankenversicherung 32 Pfg., für die Erwerbslosenversicherung 14 Pfg. pro Woche. Die Arbeitgeber werden hiermit aufgefordert, ihre Angestellten soweit sie jetzt wieder krankenversicherungspflichtig werden aus 1. Okwber 1027 bei unserer Kasse anzumelden. Sinsheim, den 2. September 1027. Der Borstand: Sidler Lehmann. kleine seitherige Telekon-diummer ist in Nr. 329 geändert worden. Georg Lipp alt, Sinsheim Autovermietung, Ziegelgasse 187. Prachtvoll schmeckendes, wirklich gutes im Haushalt selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeeköchen, mit dem echten (gesetzlieb (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12 *'2 Liter —75 RMk.^ für 25 Liter 1.25 RMk. Jeder ist überrascht von der Güte und dem Wohlgeschmack des Erzeugnisses. Seit 17 Jahren 1 eingeführt und ärztlich empfohlen. Zu haben in Apoth., Drog.y Kolonialwarcngeschäften usw.; wo nicht, bei dem alleinig. Hersteller Thüringer Enenzenfibrli 6.01.1)1, Berlin H 113 , C 205 Viele Dankschreiben und Nachbestellungen beweisen die Güte. Verlangen Sie Prospekt über Selbstherstellung von Likören aller Sorten. 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