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Da war zuerst die „Sühnefeier" am Grab des Unbekannten Soldaten, dem die Regierung schon einige Tage zuvor feierlich Abbitte geleistet hatte. Fünfhundert Kriegsteilnehmerverbänöe marschierten mit gesenkten Fahnen am Are de Triomphe vorbei, darunter die stattliche Zahl der mit dem besonderen Orden geschmückten deutschen Kriegsdeserteure. Vierzig Minuten dauerte allein der Vorbeimarsch, durch den man die Profanierung anläßlich der Pariser Ausschreitungen nach der Bostoner Hinrichtung gutzumachen suchte. An und für sich müssen wir Deutsche Frankreich um die wunderbare Idee beneiden, die gefallenen Söhne in dem Symbol des namenlosen Soldaten zu ehren und sein Grabmal unter dem prunkvollen Triumphbogen zum Mittelpunkte aller vaterländischen Kundgebungen zu machen. In diesem besonderen Falle des Sühnegangs liegen aber die Dinge etwas anders. Nicht nur ergab eine Umfrage bei den Hütern des Grabmales, daß eine Besudelung an jenem Unruheabend nicht vorkam, sondern selbst der Pariser Polizeipräfekt erklärte öffentlich in der Presse, daß nichts Derartiges geschehen sei. Es war nicht allein die Linkspresse, die der Regierung und den überpatriotischen Verbänden den Vorwurf der Leichenfledderei machte, da die kümmerlichen Reste eines in treuer Pflichterfüllung oder heldenhafter Verteidigung gefallenen Soldaten den üblichen nationalistischen Kundgebungen als Reklameschild dienen mußten. Wir wollen uns im folgenden rein auf französische Zeugnisse beschränken, die zu der anwachsenden Hochflut des französischen Nationalismus Stellung nehmen, da sie unverdächtiger und beweiskräftiger als alles sind, was man vom deutschen Standpunkt hierzu schreiben könnte. So schreibt in einem Pariser Blatte der Publizist Lecache u. a.: Es sei dahingestellt, ob eine Profanierung vorliegt oder nicht, immerhin defiliert man viel in diesem Augenblick, begünstigt man die Blumen- und Kranzgeschäfte und besucht den Place de l'Etoile. Alle Verbände, Gruppen, Untergruppen und Ligen geben sich vor dem Triumphbogen ein Stelldichein und halten tiefempfundene Reden. Nur erinnern mich die gegenwärtigen Ereignisse, Promenaden und die Agitation an die Zeit, wo hinter Trommeln und Trompeten mit militärischem Schritte Leute defilierten, die sich als patriotischer als die anderen bezeichncten. Schon in jener Zeit, die übrigens nicht auf Jesus Christus zurückgeht, mutzten diese Züge mit Musik, Lampions und Fahnen und diese Reden dazu herhalten, die Hydra der Anarchie zu bekämpfen. Das war im Jahre 1914, wenige Wochen vor dem Krieg." Neun Jahre sind seit dem Waffenstillstand ins Land gezogen und unbegreiflicherweise gibt es in Frankreich immer noch Gemeinden, die ihren Gefallenen immer noch kein Denkmal errichtet haben und die Legenden von abgehauenen Kinderhänden und von deutschen Barbaren an die Wand gestellten friedliebenden Zivilisten nicht durch Erz und Stein zu geschichtlicher Wahrheit wandelten. Darum ziehen die Tapfersten der Nation allsonntäglich hinaus, um an den Totenmalen schöne Reden zu halten. Wenn der greise Herr Poin- cars auf seinem Landsitz Sampigny nicht gerade — wie Marschall Foch — mit Memoirenschreiben beschäftigt ist, dann nimmt auch er seine Hebungen aus der Nationalblockzeit wieder auf. Am Sonntag blieb er in Sampigny, trotzdem in Senlis und bei Verdun eingcweiht wurde, fand aber an dem Gedenksteine für Ornes und Bezonvaux in dem ehrenwerten Herrn Maginot, wefiand Kriegsminister, einen würdigen Vertreter. Herr Maginot bedauerte nicht etwa den Krieg, sondern den Frieden, jammerte übr Frankreichs Abrüstung und den deutschen Militarismus und sprach natürlich von dem Ueberfall auf Frankreich und gegen die vor- sritige Rheinlandräumung. Tie alten Lateiner hatten schon öas wahre Wort geprägt: „Ne sutor ultra crepiöam", was auf gut deutsch besagt: „Schuster, bleib' bei deinen Leisten." Eugene Lautier, der eine Zeitlang als Nachfolger de Jouve- nels in der französischen Völkerbundsdelegation genannt wurt 'einte über die politisierenden Generäle u. a.: ..Diese Lehre des Sprichwortes wendet sich an alle Welt, die man durch alte Ladenhüter oder Tendenzmeldungen in die Irre führt. Die schlechten Propheten, die uns eine Reihe von Kriegen ankündigen, tragen nicht zum Glücke der Generationen bei. Man sollte auf die naive Absicht verzichten, uns über den schlechten Willen der anderen zu unterhalten. Es ist klüger, denen (so. in Deutschland) Rückendeckung und Vertrauen zu schenken, die für den Frieden, für ihr Land, aber auch für das unsere arbeiten." Ein großes Pariser Blatt prägte neulich zur Frage der „Abrüstung" den schönen Satz, daß London, wenn es seinen Blick nach Berlin richte, fcststelle, daß Deutschland noch nicht völlig entwaffnet sei. „Diese Phrase", meinte hierzu der Deputierte Charpentier, „ist zugleich komisch und tragisch." Komisch, weil London, wenn es nach Paris schauen würde, feststellen könnte, daß Frankreich nicht nur nicht völlig abgc- rüstet hat, sondern im Begriffe ist, das stärkste Heer zu organisieren, das jemals ein Volk hatte, und gleichzeitig an seiner Ostgrenze einen Festungsgürtel errichtet, der sieben Milliarden im Voranschlag und fünfzehn Milliarden auf der Rech- nun kosten wird. Es ist komisch, Deutschland ungenügender Abrüstung zu bezichtigen, während seine Befestigungen an der Westgrenze verschwunden und an der Ostgrenze vor kurzem geschleift sind. Das ist zugleich aber auch tragisch, denn mit derartigen Schreckgespenster: unterhält die Presse im Geiste der Massen den nationalistischen Blödsinn und den internationalen Hatz." Ohne des näheren auf die Anschuldigung einzugehen, Deutschland sei der Angreifer im Jahre 1914 gewesen, sei nur auf den Ausspruch des französischen Geschichtsforschers Demartial hingewiesen, „Frankreich sei wie ein Huhn verschnürt, das man zum Bratspieße bringt, in den Krieg geworfen worden", daß das französische Gelbbuch im Jahre 1918 noch behauptete, die deutsche Mobilisierung sei der russischen vorausgegangen und die Erörterung der Kriegsziele und verschiedene Friedensbemühungen während des Krieges in der französischen Presse verboten war. In seinem Buche „Das deutsche Rätsel" wies Georges Bourdon nach, daß die deutsche Großindustrie und Hochfinanz nicht nur den Krieg nicht wünschten, sondern im Gegenteil einen solchen entschieden ablehnten. Und schrieb doch erst dieser Tage die „Volonte": „Dank der Veröffentlichung der russischen, deutschen und englischen Archive wissen wir heute, daß Serbien, Rußland und Frankreich imperialistische Ziele verfolgten. Serbien wollte sich auf Kosten Oesterreichs vergrößern, Rußland begehrte den Bosporus und Konstantinopel und Frankreich schielte nach Elsaß-Lothringen. Nur England wollte die deutsche Handels- und Seemacht vernichten. Die Mittelmächte bemerkten nicht das Netz, das Rußland, Frankreich und England Masche um Wasche um sie gewoben haften." Noch ein letztes Wort zu der Frage der Rheinlanübesat- zung. Mit Recht fühlt sich Deutschland trotz Zulassung in den Völkerbund nicht mit den übrigen Nationen gleichberechtigt, solange fremde Soldaten auf deutschem Boden das Gesetz der Macht diktieren. Nun entspann sich vor kurzem eine recht interessante Debatte zwischen dem „Temps" und dem kubanischen Botschafter in Washington, Orestes Ferrara. Der „Temps" hatte in einem Artikel über die panamerikanische Krise von der Aufgabe der Hoheitsrechte Kubas und Nicaraguas gegenüber der Vereinigten Staaten gesprochen, was der Diplomat bestritt. Daraufhin gab der „Temps" folgender Auffassung Ausdruck: „Wir müssen seiner hohen Autorität glauben und folgern, daß in Amerika Unabhängigkeit und Souveränität der Nationen mit Finanzkontrolle und Interventionen einer fremden Macht, militärischer Besatzung und Protektorat vereinbar sind. Tie Auffassung von Unabhängigkeit, Souveränität, Freiheit und Gleichheit der Völker ist jenseits des Ozeans ganz verschieden von derjenigen, die wir in Europa haben und die im Völkerbunde vorherrscht." Man wird gut tun, sich diese Interpretation des „Temps" zu merken. Frankreich muß sich entscheiden. Schützer der Kleinen oder Bundesgenosse Englands. Briand sucht nach einem Kompromiß. Paris, 7. <^ept. Die Palastrevolution der kleinen Bölker- bundsstaaten, die gestern durch den holländischen Vorstoß einen ausgesprochenen demonstrativen Charakter erhalten hat, hat die französische Diplomatie in eine recht heikle Situafton gebracht. Die innerliche Genugtuung, die sie darüber empfinden mag, den von ihr im Jahre 1924 vorgeschlagenen und an dem Widerstand Englands gescheitertenProtokollgedanKen durch die kleinen Mächt- wiederaufgenommen zu sehen, wird mehr als aufgewogen durch die Ueberlegung, daß sie sich durch eine öffne Unterstützung der Kleinmächte in schärfstem Gegensatz zu den Verbündeten Englands bringen müßte, gegen die die Genfer Palastrevolution in erster Linie gerichtet ist. Auf der anderen Seite hat Frankreich sich zu lange in der Rolle eines Protektors der kleinen Nationen gefallen, um, ohne sein Presttge ernstlich aufs Spiel zu setzen, offen gegen diese Front machen zu können. Die französische Delegation sieht sich so in Genf vor eine Entscheidung gestellt, deren Konsequenzen im Augenblick kaum zu übersehen sind und deren Schwierigkeiten erhöht worden durch die heute in allen Kommentaren als Leitmotiv wicderkehrende Befürchtung, Deutschland könne sich diese Situation zunutze machen, indem es die Führung der von England und Frankreich im Stich gelassenen kleinen Staaten an sich reiße und sich so alle Vorteile sichere. die Frankreich bisher aus dieser moralischen Position gezogen hat. Angesichts dieser Sachlage wird Briand, der es in der Kunst, zu vermitteln und Gegensätze durch Kompromisse zu üborbrückon, zu unerreichter Meisterschaft gebracht hat, in Genf nichts unversucht lassen, um eine Formel zu finden, die, ohne die Empfindlichkeiten der Kleinen zu verletzen, nichts enthält, was England vor den Kopf stoßen könnte. In den hiesigen unterrichteten Kreisen glaubt man, daß er sich dazu des polnischen Antrags bedienen wird, der in seiner neuen Fassung sehr viel gemäßigter als der holländische ist und der, auf die unverbindliche Formel einer keinerlei neue Verpflichtungen schaffenden Resolution gebracht, Aussicht auf die Zustimmung aller Beteiligten haben soll. Damit wäre die schleichende Krise, die den Völkerbund seit zwei Jahren zu einem Schattendasein verurteilt, zwar noch nicht gelöst, ihr offener Ausbruch immerhin aber auf ein Jahr vertagt. Ratswahlen in Genf Bclgin beantragt Wiederwahl. — Die Debatte über de« holländische« Antrag. Genf, 7. Sept. Tie heutige Vormittagssitzung der Völkerbundsversammlung begann mit der Verlesung eines Schreibens der belgischen Regierung durch den Präsidenten, in dem der belgische Außenminister den Antrag stellt, Belgien den Charakter der Wiederwählbarkeit für die bevorstehenden Wahlen in den Völkerbundsrat zuzusprechen. Nach der im vorigen Jahr angenommenen Wahlordnung kann ein Ratsmitglied zum zweiten Mal in den Völkerbunösrat nur gewählt werden, wenn die Vollversammlung vorher seine Wiederwählbarkeit erklärt. Der Antrag der belgischAr Regierung wird vom Büro der Vollversammlung auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen gesetzt werden. Ueber den Antrag wird ohne Kommissionsüberweisung und ohne Debatte abgestimmt werden. Lettland uno Schweden für den holländischen Vorschlag Genf, 7. September. (Funkspruch.) Im Verlaufe der heutigen Vormittagssitzung der Völkerbundsversammlung sagte der estnische Außenminister dem Völkerbund für die finanzielle Unterstützung seines Landes Dank. Nach ihm kamen die Außenminister Lettlands und Schweden zum Wort, die die Völkerbundspolitik einer äußerst scharfen Kritik unterzogen. Der lettische Außenminister betonte, daß die Völkerbundsleistungen in der letzten Zeit nur sehr gering gewesen seien. Man spreche viel, während überall aufs schärfste gerüstet werde. Die Friedensverträge hätten mehrere Grotz- staaten zur Abrüstung gezwungen und doch übersteige die Zahl der aktiven Truppenbestände die Rüstungsstärke von 1914. Auf dem Gebiet der Luft- und Gaswaffen habe man in letzter Zeit die Rüstungen überaus verstärkt. Dazu komme noch erschwerend hinzu, daß zwischen den einzelnen Staaten politische Konfliktsstoffe wieder angesammelt seien, die die Stimmung sehr verschärften. Der schwedische Außenminister Löfgreen stellte fest, daß die Friedensarbeit des Völkerbundes gegenüber den Jahren 1924 und 1925 — wo bei der Regelung des griechischbulgarischen Konflikts und des englisch-türkischen Mossul- streites wirklich etwas getan worden sei — in letzter Zeit erheblich nachgelassen habe. Das Abrüstungsproblem sei vom Völkerbundsrat wie vom Völkerbund sehr träge behandelt worden, so daß überall — vor allem in den kleineren Staaten — eine tiefe Enttäuschung über die Täftgkett des Bundes herrsche. Große politische Konfliktstoffe in Europa seien vom Rat noch nicht bereinigt worden. Der schwedische Außenminister erklärte mit Nachdruck, daß der außerordentliche Ernst der Lage die unmittelbare Einberufung der Weltabrüstungskonferenz fordere. In diesem Sinne sehe sich die schwedische Regierung veranlaßt, den holländischen Antrag auf das nachdrücklichste zu unterstützen. Die Sitzung wurde dann auf heute nachmittag 5 Uhr vertagt. Der polnische Resolutionsantrag in den Händen Dr. Stresemanns Genf, 8. September. (Funkspruch.) Der polnische Delegierte Sokal hat gestern mittag Dr. Stresemann offiziell den polnischen Resolutionsantrag überreicht. Die maßgebenden Mitglieder der polnischen Delegation sind noch zu eiyer Besprechung zusammengetreten. Gestern mittag 12 Uhr suchte der französische Außenminister Briand Dr. Stresemann zu einer kürzeren Unterredung aus. Eine offizielle Stellungnahme der deusichen Delegation zu den polnischen Vorschlägen liegt noch nicht vor. Der polnische Resolutionsentwurf wird heute abend dem Präsidium der Vollversammlung des Völkerbundes überreicht werden. Der Zeitpunkt für den Beginn der Debatte über den polnischen Antrag ist noch nicht festgesetzt worden. Das polnische Projekt und die polnischen Minderheiten Riga, 8. Sept. (Funkspruch.) Wie aus Moskau gemeldet wird, hat in dortigen politischen Kreisen das polnische Ga- ranfteverlangen in Genf das größte Aussehen erregt. Eine Stellungnahme der Sowjetregierung hierzu liegt jedoch bisher nicht vor, da sich die Regierung, um die russisch-polnischen Verhandlungen nicht zu gefährden, größter Zurückhaltung befleißigt. Wie verlautet, haben jedoch inzwischen die ukrainische Regierung und die weißrusstsche Regierung ihrer Besorgnis über das polnische Paktabkommen in Moskau Ausdruck gegeben und auf die Gefahr hingewiesen, die ein etwaiger Erfolg des polnischen Projektes für Sowjetrußland bedeuten würde. Tie ukrainische Regierung hat, wie versichert wird, besonders darauf aufmerksam gemacht, daß der polnische Vorschlag geeignet sei. die Beziehungen des jetzigen Rußland zu Polen auf das schwerste zu gefährden. Der polnische Vorschlag liefe darauf hinaus, daß die in Polen lebende ukrainische Minderheit, die bekanntlich von den Polen aufs schwerste bedrückt werde, endgültig zu Polen geschlagen und damit WO 000 Ukrainer für alle Zeit unter polnischer Diktatur gestellt würden. — Ebenso hat die weißrussische Regierung ihre Bedenken dahin formuliert, daß Weißrußland sich mit einer etwaigen Annahme der polnischen Vorschläge in Genf auf keinen Fall abfinden könne, da hierdurch 1100 000 Russen unter dauernde polnische Herrschaft kämen. Beide Erklärungen haben in Moskau sichtlich großen Eindruck gemacht. Man erwartet, daß der polnische Vorschlag die russisch-polnischen Verhandlungen über den Abschluß eines Garantiepaktes bedeutend erschweren wird. Eine offizielle Stellungnahme wird für die nächsten Tage erwartet. Ein Warschauer Kommunique über die Genfer Vorschläge Warschau, 7. Sept. Tie Morgcnblätter veröffentlichen ein offizielles Kommunique des Außenministeriums über die polnischen Vorschläge in Genf. In dem Kommunique heißt es unter anderem: Nr. 170. Jahrgang 1927. Das polnische Projekt sei als Ergänzung des Völker-, bundspaktes anzusehen, das bekanntlich die Möglichkeit eines Krieges nicht völlig ausschließt. Ein allgemeiner Sicherheitspakt wäre allen Mitgliedern des Völkerbundes zugänglich. Möglicherweise kämen sogar Staaten in Frage, die nicht dem Völkerbund angehörten. Tie Hauptaufgabe dieses Paktes muffe man darin erblicken, daß hierdurch die Autorität des Völkerbundes bedeutend erhöht werde. Dr. Stresemann nimmt nicht an der Kabinettssitzung teil Berlin, 8. Sept. Nach den bisherigen Dispositionen rechnet man nicht damit, daß die Vertreter der Großmächte in der Völkerbundsversammlung noch heute zu Wort kommen. In Anbetracht dessen ist es ausgeschlossen, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann zu der für Samstag vorgesehenen Kabinettssitzung nach Berlin kommt. Diese Kabineltssitzung, die sich bekanntlich mit der Beamtenbesolöungsreform befassen soll, wird trotzdem am Samstag stattfinden, jedoch werden keine entscheidenden Beschlüsse gefaßt werden. Dr. Stresemann hätte dann die Möglichkeit, falls sich bis dahin die Lage in Genf klar übersehen läßt, am Samstag von Genf abzufahren und am Montag oder Dienstag der neuen Kabineltssitzung beizuwohnen. Wie verlautet, wird Reichsfinanzminister Dr. Köhler auf der Magdeburger Beamtentagung am Sonntag die angekünöigte Rede über die Besoldungsreform halten, obwohl die entscheidenden Beschlüsse des Kabinetts bis dahin noch nicht vorliegen. Er wird sich aber voraussichtlich nur über »die Grundlinien des neuen Entwurfes äußern. Ministerpräsident Braun gegen Reichsverkehrsininister Koch Altona, 8. Sept. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun hielt gestern hier in einer von den Sozialdemokraten einberufenen Versammlung eine Rede, aus der der Amtliche Preußische Pressedienst folgende Stelle wiedergibt: Am vergangenen Sonntag — zur gleichen Zeit, als Reichskanzler Dr. Marx auf dem Katholikentag in Dortmund für die schwarz-rot-goldene Reichsfahne eingetreten ist — hat ein Reichsminister — und zwar der deutschnationale Reichsverkehrsminister Dr. Koch bei der Fahnenweihe eines deutschnationalen Arbeitervereins sich in einer Weise mit der Stellungnahme zu dem Flaggenstreik beschäftigt, die mich zu einigen Worten der Erwiderung zwingt. Herr Minister Koch glaubte mich darüber belehren zu müssen, daß auch die Veranlassung der Republik die schwarz-weiß-rote Handelsflagge mit schwarz-rot-golö nur mit einem kleinen Bild — wie er sich ausörückt — versieht. Daß die Verfassung wie andere auch diese bedauerliche Halbheit enthält, ist mir bekannt. Bekannt ist mir auch, daß diese Handelsflagge wegen ihrer angeblich besseren Sichtbarkeit nur für die Seeschiffe bestimmt ist, auch von Nichthandelsschiffen aller Art auf Binnengewässern zur Bekundung ihrer Abneigung gegen die schwarz-rot-goldene Reichsflagge mißbraucht wird. Mir ist auch bekannt, daß — obwohl die Reichsverfassung nur die schwarz-rot-goldene Nationalflagge und die schwarz-weiß- rote Handelsflagge mit der Gösch kennt, eine schwarz-weiß- rvte Kriegsflagge existiert, die ich — worüber ich nie einen Zweifel gelassen habe — für verfassungswidrig ansehe. Das hat aber alles mit dem neuerlichen Streit über die Nationalflagge nichts zu tun, denn für die Berliner Hoteliers und andere Staatsbürger, wie für die Gemeindeverwaltungen kommt weder die Handelsflagge noch die Reichskriegsflagge in Frage. Wenn Herr Minister Koch aber ausführt, es sei selbstverständlich, daß die Reichsfarben geachtet werden müßten, weil sie verfassungsmäßig seien, und gleichzeitig hervorhebt, daß ein Teil des deutschen Volkes, zu dem er sich auch wohl rechnet, in den Farben schwarz-weitz-rot eine gerade heute lebendige und in die Zukunft weisende Mahnung sehe, so mutz ich daraus entnehmen, daß Herr Koch und seine Parteifreunde die verfassungsmäßigen Reichsfarben wohl achten wollen, das eher am würdigsten durchzusühren glauben, indem sie sie in die Tasche stecken und ihre schwarz-weitz- rote Parteifahne offen im Winde flattern lassen, wenn sie auf den republikanischen Richtlinien des Herrn Reichskanzlers Marx ihrem in die Zukunft weisenden Ziel: der Monarchie entgegenschreiten. Herr Minister Koch irrt auch, wenn er meint, ich wolle den Staatsbürger zwingen, die verfassungsmäßige Flagge zu zeigen. Nein! Ich halte es nur mit meiner Würde und mit meiner Stellung als republikanischer Minister nicht für vereinbar, ein Haus zu betreten, in dem man die nationale Würdelosigkeit soweit treibt, am Nationalfeiertag eines fremden Landes dessen Nationalflagge zu hissen, hingegen es ablehnt, am deutschen Verfassungstage die Reichsfarben zu zeigen, wie ich auch Veranstaltungen fernbleibe, wo man glaubt, mir die schwarz-wetß-rote Parteifahne der Deutschnationalen in provozierender Weise Ein Frühlingstraum. 19) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. So, endlich war es heraus,- unter Wolfs forschendem Blick war es doch nicht leicht gewesen, ihm diese Regelung der Angelegenheit vorzuschlagen. Der junge Offizier holte tief Atem — also das war es! Ihn wollte sie, ihn um jeden Preis — daher dieser feinangelegte Plan! Für ihn stand es fest, daß Gabriele um die ganze Wechselgeschichte wußte — am Ende war sie es auch gewesen, die das so fein er- sonnen hatte! — Wortlos stand er auf und griff nach seiner Mütze. Herr Ulrich erhob sich gleichfalls. „Sie-gehen, Herr Leutnant?- „3ta, Herr Ulrich, denn meine Selbstachtung verbietet mir, noch länger eine solche Erniedrigung meiner Person mit anzuhören. Ich lasse mich nicht kaufen! — Morgen werde ich den Wechsel zur bestimmten Zeit einlösen." „Wie Sie wollen", lautete des Bankiers kühle Antwort; „ich gebe Ihnen aber zu bedenken, daß ich keine Lust habe, mich zum Mitschuldigen eines offenbaren Betruges zu machen, zu dem Ihr Name benutzt worden ist!" Dabet wandte er sich ab und sah anscheinend gleichgültig zum Fenster hinaus. Wolf trat wieder einige Schritte zu ihm hin und entgegnete mit mühsam behaupteter Fassung: „34 habe den Wechsel ausgestellt —" „Das ist nicht wahr, Herr von Wolfburg, Sie sprechen Sie sind es nicht gewesen,- Ihre anfängliche Entrüstung war echt und recht — Sie waren es nicht, sondern, wenn Sie es durchaus hören wolle» —* „Nein, nein", schrie da Wolf auf, „nein! — Aber was haben sre denn für Schaden? Ich zahle Ihne» morgen die summe, ich kan» sie bekommen — dann ist die Sache erledigt." „Meinen Sie? Für micht nicht! — Ein Kaufmann, Herr von Wolfsburg-, entgegnete Ulrich scharf, „hat denselben Begriff von Ehre, wie die Herren Offiziere, die manchmal einen ganz falschen und übertriebenen Kultus damit treibe«! Nochmals, ich gebe mich nicht dazu her —" Der Landvolk * Sinsheimer Zeitung. unter Sie Nase halten zu müssen. Auch der Hinweis darauf, daß während des Krieges Millionen deutscher Männer für die Farben schwarz-weitz-rot gestorben seien, kann meine Stellung nicht beeinflussen, denn dieser Hinweis ist irreführend. Tenn diese Millionen deutscher Krieger starben für Volk und Vaterland und nicht für die Embleme der. Monarchie, deren letzte Träger sie elend im Stiche ließen. Man lasse die Toten ruhen und versuche nicht mit ihrem Andenken die politische Parteiagitation gegen den heutigen Staat und seine Flagge zu beleben. Zu den Toten gehört auch die schwarzweißrote Fahne des letzten Kaiserreiches. Die überwiegende Mehrzahl des deuffchen Volkes sieht in den Farben Schwarzrotgold — um mit Herrn Minister Koch zu reden — eine gerade heute lebendige und in die Zukunft weisende Mahnung — eine Mahnung, seine Geschicke, die es in die eigene Hand genommen hat, nie wieder, wie in der Monarchie, dem Zufall der ' Geburt auszuliefern. Die Behauptung des Herrn Ministers Koch, die schwarzrotgoldenen Farben seien durch die Agitation des Reichsbanners zu einer Parteifahne geworden, verbietet mir die kollegiale Höflichkeit, so zu charakterisieren, wie sie es verdient. Wenn sie mir in der deutschnationaleu Agitationspresse entgegengetreten ist, habe ich sie als läppisch und dumm bezeichnet, denn sie löst doch unwillkürlich die Frage aus: „Haben die Deutschnationalen die schwarzrotgoldene Reichsfahne mehr geachtet, bevor das Reichsbanner zur Verteidigung der Republik und ihrer Farben gegen den bis zum Meuchelmord gesteigerten Kampf der Rechtsverbände ins Leben trat?" — Sie haben sie ebenso gehässig — wenn nicht gar noch feindseliger — bekämpft. Aber Herr Reichsminister Koch kann auch humoristisch sein. So hat er in Stettin auch die Behauptung aufgestellt, für die Deutschnationalen hätte die Staatsidee immer höher gestanden als ihre Parteiorganisation. Freilich, für die alten Konservativen war Staatsidee und ihre Parteiorganisation eins. Eine Partei, die stets das Staatsinteresse ihrem Parteiinteresse untergeordnet und in grassestem Egoismus einer Kaste in den Vordergrund ihrer Politik gestellt hat, sollte den Staatsgeöanken aus dem Spiele lassen. Er war ihr stets nur Vorwand zur rücksichtslosen Durchsetzung ihrer Parteiziele." Adam Röder zum Reichsschulgesetz In der „Frankfurter Zeitung" Nr. 656 nimmt der Karlsruher Reichstagsabgeordnete des Zentrums, Adam Röder, erneut zum Rcichsschnlgesetzentwurf Stellung. Er schreibt: Es sei nicht wahr, daß die Bekenntnisschule eine Erziehungsschule sei. Sei sie es aber nach der Meinung der Konsessio- nalisten, dann seien ihre Resultate miserabel. In Baden hätten wir bis Mitte der siebziger Jahre die Konfessionsschule gehabt, aber schon lanae vorher wählte das katholische Baden liberal. Die katholische Bekenntnisschule hatte esj also nicht vermocht, in der Bevölkerung den „kirchenfeindlichen Liberalismus" nieöerzuhalten und die allgemein festgestellte kirchliche und religiöse Gleichgültigkeit der Mer und 60er Jahre im katholischen Volk zu beseitigen. „Darum sage ich — fährt Adam Röder fort — es ist Agitation, wenn behauptet wird, die Konfessionsschule erzeuge den Bekenntnismenschen." Röder schreibt weiter: „Die vermögenden Eltern nehmen ihre Kinder im 10. Jahr aus der Volksschule und schicken sie in die höheren Schulen. Die aber sind simultan. Werden denn in den Mittelschulen nicht gerade die kommenden Führer des Volkes gebildet? Wäre es nicht gerade wichtig, daß diese Kommenden eine welttanschauungsmäßig durchgebildete Erziehung genößen?" Verzichte man bei den Kindern der Wohlhabenden auf konfessionelles Trennen, fo müßte es auch für die Kinder des Volkes möglich sein, wenn man nicht haben wolle, daß nur die Volksschule einen „religiösen Polizeicharakter" erhalte. Die Gemeinschaftsschule erzeuge Solidarismus, Gemeinsamkeitsgefühl und ' wirkliche Toleranz. Wenn gehetzt werde, dann nur im Regligionsunterricht. Aber dies komme im ganzen doch selten vor. Glaube man denn, es stamme von ungefähr, daß in Baden alle Parteien, mit Ausnahme vom Zentrum und Kommunisten, sich für die Beibehaltung der Gemeinschaftsschule einsetzten. Daß sogar die evangelischen Landessynode, in der die Positiven die Mehrheit haben, einstimmig für sie eintritt? Man wisse eben, daß die badische Simultanschule positiv mehr leisten könne und billiger sei, als ein zersplitterntes Schulwesen. Unsere Zeit hätte die epochale Aufgabe, der Welt, und vor allem unserem Vaterlande, den sozialen Frieden zu bringen. Das Primäre für jede kommende Entwicklung sei, die demokratische und soziale Republik zu festigen. Nachdem Adam Röder auf die Verfas- sungswiörigkeit des Reichsschulgesetzentwurfes kinweist, weil er die Gemeinschaftsschule nicht als Regelschule einführe, saßt er zusammen: „Die Reichsverfassung ermöglicht eine Volksschule, mit der sich jeder Evangelische und Katholische einverstanden er- „^0 gönnen Die mir doch wenigstens Zeit zur Ueber- legung!" „Ucberlegung, wo andere mit tausend Freuden zugreifen würden", sagte der Bankier in bitterem Tone, während doch etwas wie Mitleid beim Anblick von Wolfs bleichem Gesicht in ihm aufstieg. „Herr Ulrich — ist das aber ehrenhaft, mich zu etwas zwingen zu wollen, wovon —" -Kein Wort. Herr Leutnant, wenn Sie nicht wollen, >aß morgen schon der Name Wolfsburg mit Schmach bedeckt ist! — Ich habe Mitleid mit Ihnen, weil ich Sie stets als -inen Mann von Ehre und Charakter erkannt habe, deshalb schlug ich Ihnen diesen Ausgleich vor — denn feinem Schwiegersohn tut man doch schon zuliebe, was einem Zremden gegenüber doch zu gewagt wäre! Zum Beispiel iönnten Sie von dieser Sache nicht doch einmal Gebrauch nachen? Dann wäre mein Ansehen als ehrlicher Geschäfts- nann hin! Zu solchen unsauberen Geschichten gebe ich mich richt her." Scharf und bestimmt klang alles, was er sagte, ind seine Augen ruhten forschend auf Wolf, der mit gesenktem Kopfe dastand, die Mütze nervös in den Händen drehend. „Also, wie Sie wollen, Herr Leutnant", fuhr der Bankier !ühl fort, „ich dränge Ihnen meine Tochter nicht auf; dazu st mir mein Kind zu lieb. Glauben Sie denn, daß ich da iein Opfer bringe?" „Herr Ulrich", rang es sich mühsam von Wolfs Lippen, .Herr Ulrich, ich bin ja bereits gebunden! Ein Mädchen —" „Weiß ich, lieber Wolfsburg, weiß ich alles! Sie werden loch aber nicht im Ernst daran gedacht haben, jene kleine Putzmacherin zu heiraten?" Etwas wie Mitleid über solche Invernunft klang da aus seiner Stimme, „Im Ernst? Das staube ich nicht! Liebe macht blind! Begreife ich, wenn das Rädel so hübsch ich, wie meine — wie allgemein gesagt wird. - Na, über so etwas sehe ich hinweg. Nach der Verlobung ber muß natürlich reiner Tisch gemacht werden! Am besten, ,ir geben der Person eine Abfindungssumme —" „Halten Sie ein, Herr Ulrich-, stieß Wolf halberstickt her- or, galten Sie ein, das ist meine Sache.-Eine Frage och: weiß Ihr Fräulein Tochter darum?" Er wollte klar hen; sie mutzte es wissen, bestimmt; denn sonst hätten ihre üdeutungen nicht gar so bezüalich aeklunaen. Der Bankier ! Donnerstag, den 8. September 1927. klären kann. Sie bietet die christliche Gemeinschaftsschule und darüber hinaus den skrupulösen Konfeffionslisten die zu beantragende Konfessionsschule. Der vorliegende Schulgesetzentwurf ist unehrlich und arglistig, er will Dinge einschmuggeln, die dem Geist der Verfassung in ihrem klaren Wortlaut zuwiderlaufen." „Olb Glory- in Seenot. S.O.T.-Rufe ansgesange«. Newyork, 7. Sept. Die amerikanischen Dampfer „Lap- lanö" und „Cirmania" melden, daß sie S.O.S.-Rufe des „Old Glory" aufgefangen haben. Nähere Nachrichten fehlen noch. Newyork, 7. Sept. Der Dampfer „Transsylvaria" hat auf den F.T.-Ruf der „Old Glory" seinen Kurs geändert, um dem Flugzeug zu Hilfe zu kommen. Die „Old Glory" befindet sich nach Angabe des Dampfers auf Grund ihrer S.O.S.-Rufe 83 Meilen von der „Transsylvania" entfernt auf 59,5 Grad Nordbreite und 41 Grad Westlänge. Weitere Einzelheiten berichtete das Flugzeng nicht. Schiffsberichte betonen,, daß angesichts des schweren Sturmes auf dem Atlantik eine Hilfleistung wahrscheinlich unmöglich sein wird. „Royal Windsor" zum Ozeanflug gestartet Newyork, 7. Sept. Das Flugzeug „Royal Windsor" ist in Old Orchard zu seinem Ozeanflug nach London gestartet. Das Prinzenbild des Domela-Buches beschlagnahmt Berlin, 8. September. Wie die Abendblätter melden, ist der Umschlag des Domelabuches, das bekanntlich neben dem Bild Domelas das Bild des Prinzen Wilhelm von Preußen trägt, auf Antrag des Vertreters des Prinzen gerichtlich beschlagnahmt worden. Ueber Einziehung und Vernichtung des Umschlages wird in Kürze verhandelt werden. Heimreise des »Reichspräsidenten München, 8. Sept. Reichspräsident v. Hindenburg traf gestern in Begleitung seines Sohnes, von Dietramszell kommend, in Müchen ein, wo er auf dem Bahnhof vom Münchener Polizeipräsidenten empfangen wurde. Der Wagen des Reichspräsidenten wurde dann an den Berliner Fernschnellzug angekoppelt. Eine große Menschenmenge begrüßte den Reichspräsidenten mit stürmischen Hochrufen. Zahlreiche Blumenspenden wurden Hindenburg in den Wagen gereicht. Um 11.10 Uhr setzte sich der Zug nach Berlin in Bewegung. gur Ausweisung der Memel- Redakteure Die ostprentzische Presse an Dr. Stresemann. Königsberg, 8. Sept. Der Verband der Ostpreutzischen Presse richtete an den Reichsaußenminister Dr. Stresemann folgendes Telegramm: „Bei der Begrüßung der aus dem Memellanö abgewiesenen reichsdeutschen Kollegen Leubner, Warm und Vrieskorn richten wir an Sie die dringende Bitte, die Kollegen vor der Vergewaltigung durch die litauischen Behörden zu schützen und unbedingt ihre Wiedereinsetzung bei den memelländischen Blättern durchznsetzen. Die Ausweisung steht im Widerspruch zur Memelkonvention und im Gegensatz zu den feierlichen Versprechungen des litauischen Ministerpräsidenten in Genf." Die ausgewiesenen Memelredaktenre in Köniasberg. Königsberg, 7. Sept. Die aus Memel ausgewiesenen Redakteure des „Memeler Dampfboots" trafen am Dienstagnachmittag in Cranzbeek ein, wo sie vom Vorstand bes Verbandes der ostpreutzischen Presse auf deutschem Boden herzlich begrüßt wurden Sie fuhren dann nach Königsberg weiter. wo ihnen abermals ein herzlicher Empfang durch zahlreiche Kollegen bereitet wurde. Der gleichzeitig aus Heyde- krug ausgewiesene Redakteur der „Memelländischen Rundschau" ist in Tilsit eingetroffen, wo er gleichfalls von Vertretern des Verbandes der ostpreußischen Presse in Empfang genommen wurde. Bevorstehende Lohnkämpfe Berlin, 7. Sept. In ganz Deutschland haben zu Beginn dieses Monats starke Lohnbewegungen eingesetzt» deren Auswirkungen sich bereits jetzt zeigen. In der Krefelder Seiden- inöustrie ist schon seit Wochen die Arbeit eingestellt. In der Solinger Metallindustrie werden die Arbeiten ab 12. September ausgesperrt. In der Sächsischen Textilindustrie sind die Tarife gekündigt worden. In der Berliner Metallindu- „arie in leinen Papieren zu ,ucyen, als er diese Frage be- intworiete; es war fast, als scheue er sich, Wolf in die Augen zu sehen. „Meine Tochter? Nein! Wie sollte sie —? Aber mir vuröe an meinem Stammtisch von Ihrer Schwärmerei erzählt. Sie wissen, der Stadtklatsch beschäftigt sich gern mit >en internen Angelegenheiten höherer Stände — da sickert o manches in die Oeffentlichkeit —" „Wie Du lügen kannst", dachte Wolf voller Ingrimm. ,Deine Quelle kenne ich!" und laut fragte er: „Und die indere Angelegenheit, was sagt Fräulein Tochter dazu? „Herr von Wolfsburg", wandte sich Ulrich ihm da zu. ,Sie scheinen zu denken, daß ich meiner Gabriele Einblick in neine geschäftlichen Sachen gestatte! Da sind Sie sehr im Irrtum; es fehlt ihr übrigens jedes Interesse daran. Nein, rein, sie ist ganz unbeteiligt." „Ah, dann ist mir ein großer Stein vom Herzen! — ES nüßte auch für Fräulein Gabriele ein wenig angenehmes stefühl sein, wenn in dieser Weise über ihre Person verfügt oird. Dann kann ich ihr morgen auch — unbefangener eni- egentreten! Jetzt gestatten Sie mir wohl, daß ich mich cm- erne — ich muß mich doch erst etwas zürechtfinden!" Er crneigte sich; Ulrich gab ihm bis zur Tür das Geleit, schüi- elte ihm zum Abschied freundschaftlich die Hand mit einem Auf Wiedersehen" und ging dann wieder in sein Privar- ontor zurück. „Es scheint ihm doch sehr schwer zu fallen, mein einziges sind mit seinem Vermögen zu lieben! Die Sache mit der leinen Putzmacherin mutz also wohl wahr sein und tiefer tzen, als ich dachte! Lächerlich — er wird schon andern ünnes werben, wenn ich ihm sage, was meine Tochter be- ommt. So unempfindlich ist keiner gegen den Wert und ie Macht des Geldes. Jetzt ist es vielleicht Trotz von ihm - später wird er es mir noch danken! Es wäre töricht gelesen, jetzt auf meine Macht über ihn zu verzichten, wo ich >eitz, wie heiß ihn Gabriele begehrt, und er ist mir auch ls Schwiegersohn der willkommenste von allen! Schön, aus item Geschlechte — wer weiß denn weiter von dem Flecken rf dessen Schild", so sinnend saß er an dem Schreibtisch. lFortsetzuna folgt. Der Landbote * Sinsheimer Zertanz. Nr. 17V. Jahrgang 1927. strie drohen in den nächsten Tagen ebenfalls schwere Kämpfe, um den tariflosen Zustand zu beendigen. Die Arbeiter bei der Reichsbahn und der Reichspost fordern ebenfalls eine Lohnerhöhung über das im Vorjahr vereinbarte Maß hinaus. Die Lohnerhöhungen werden allgemein mit der Le- bensmitteltenerung und der am 1. Oktober in Kraft tretenden Mietzinserhöhung auf 120 Prozent der Mietzinse in Altwohnungen begründet. Die Reichsbahnarbeiter zur Lohusrage. Am Sonntag, 4. September 1927, tagten in Karlsruhe die Vertrauensleute der Reichsbahnhandwerker und Reichsbahnarbeiter in der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, Landesverband Baden, um zu den verschiedensten Arbeiterfragen Stellung zu nehmen. Von den Vertretern aus dein Lande wurde insbesondere die ungenügende Lohnzulage erörtert: es wurde hierzu nachstehende Entschließung gefaßt: Die durch den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeri- ums am 4 . April 1927 eingetretene Lohnerhöhung ist durch die inzwischen eingetretene Erhöhung der Lebenshaltungskosten überholt. Auch die ab 1. Oktober 1927. infolge des Schiedsspruches eintretenbe weitere Erhöhung der Stundenlöhne um einen Pfennig ist nicht geeignet, den Teuerungsverhältnissen Rechnung zu tragen. Der Notlage der Arbeiterschaft wird dadurch nicht abgeholfen. Nach den Feststellungen des statistischen Reichsamtes ist die Reichsindexzifser für die Lebenshaltungskosten seit März ständig gestiegen. Der Reichsindex betrug im März 144.9, er stieg bis Ende Juli auf ISO. Schon diese Tatsache allein genügt, um die Forderung nach einer weiteren Erhöhung der Löhne gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Dazu kommt ab 1. Oktober 1927 eine weitere Mietpreissteigerung von 10 Prozent, für die ebenfalls ein Ausgleich geschaffen werden muß. Im Hinblick auf diese Sachlage erwarten die Vertrauensleute der Reichsbahnhandwerker bei der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner. Landesverband Baden: Die Bereitstellung besonderer Mittel durch die Reichsbahn-Gesellschaft zur Durchführung einer ausreichenden Lohnerhöhung. Die Landesverbandsleitung wird beauftragt, bei der Reichsbahndirektion in Karlsruhe vorstellig zu werden und sie zu ersuchen, über die Notlage der Arbeiterschaft an die Reichsbahn-Hauptverwaltung zu berichten. Die Leitung der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner in Berlin wird ersucht, bei den kommenden Verhandlungen mit der Reichsbahn-Gesellschaft nichts unversucht zu lassen, um eine den Verhältnissen entsprechende Lohnerhöhung für die Arbeiterschaft baldmöglichst herauszuholen. Die elektrische Hinrichtung als Experiment. Berlin, 6. Sept. Der angesehene böhmische Schriftsteller Thorkil Barfod erklärt in der Kopenhagener „Politiken" seine Bereitwilligkeit, sich von den amerikanischen Behörden im elektrischen Stuhl hinrichten zu lassen, damit die in der letzten Zeit in ganz Skandinavien in großer Aufregung erörterte Frage einwandfrei geklärt werden könne, ob die elektrisch Hingerichteten nur einen Scheintod erleiden, d. h. also erst unter dem Messer des sezierenden Arztes getötet werden, oder ob der elektrische Stuhl tatsächlich durch augenblickliche Tötung eine höchst humane Tötungsart darstellt, wie es von amerikanischer Seite behauptet wird. Barfod knüpft an sein Angebot eine Reihe von Bedingungen, darunter die, daß die anwesenden Aerzte zu dem Zeitpunkt, wo sonst die Obduktion einsetzen würde, alle erdenklichen Wiederbelebungsversuche machen würden, bis das Leben wieder eingetreten oder auch der Tod frei erwiesen sei. Außerdem beansprucht Darford freie Reise nach Amerika und, da er Familienvater sei, eine jährliche Entschädigung an seine eventuelle Witwe, die seinen normalen Iahreseinnahmen aus seinen literarischen Werken entspricht. Barford ist sich darüber im klaren, daß sein Angebot die Möglichkeit in sich birgt, daß die Anhänger der elektrischen Tötung Recht behalten, er also tatsächlich sein Leben riskiert. Mit diesem Experiment der elektrischen Hinrichtung! und daran sich anschließenden Wiederbelebungsversuchen würde, so meint Barford (der übrigens in einem privaten Schreiben an die „Politiken" den absoluten Ernst seines Angebots betont), die ganze Welt entweder durch seinen „humanen", also leichten Tod, von einem entsetzlichen Zweifel befreit werden oder auch nach geglückter Wiederbelebung dazu gelangen, für alle Zeiten eine Hinrichtung abzuschafsen, von deren grauenhafter Tortur man sich bei eventuellem Erwachen des HingericWten überhaupt keine Vorstellung machen könne. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 8. Sept. (Der „Nährwert" des Wassers.) Dinge, kosten, werden häufig als wertlos bezeichnet. Dazu gehört auch das Wasser. Man weiß erst dann seinen ungeheuren Wert zu schätzen, wenn man es braucht und es schwer bekommen kann. Es spielt neben der Nahrung die Hauptrolle zur Erhaltung des menschlichen und tierischen Organismus. Ein Königreich bietet der Dürstende im glühenden Sonnenbrand für einen Schluck Wasser, Kranke und Verwundete haben nur das eine Wort auf den Lippen: Wasser! Bon der Wichtigkeit des Wassers überzeugen folgende Beispiele: Der Mensch kann sich 20 Tage am Leben halten, wenn er genügend Wafser genießen kann. Ohne Nahrung lebt das Pferd 25 Tage, ohne Wasser nur 17 Tage. Katzen halten es 20 Tage ohne Nahrung aus, sofern sie Wasser haben. Hunde leben ohne Nahrung 30 Tage, ohne Wasser nur drei bis vier Tage. * Sinsheim, 8. Sept. (Zweite Heuernte.) Der Spätsommer ist nimmer die Zeit der großen Düste und Wohlgerüche in der Natur. Das Blühen und Düften ist vorüber und was jetzt noch an späten Gaben des Sommers in den Gärten loht, — ein Farbenrausch ist's fürwahr — doch die betäubend süßen Düfte des Frühlings, sie sind dem Spätlinge meistens versagt. Und doch naht nun wieder eine herbstsüße Welle köstlichen Wohlgeruchs über die Felder. Die zweite Heuernte ist in vollem Gange. In diesen prachtvollen Spätsommertagen, in denen heißen Sonne und leichter Wind die „Mahd schnell trocknen und dürr machen läßt, ist alles was Arme hat, draußen auf den Wiesen. Tie Heuwender wirbeln, die Rechen und Gaben sind hurtig bei der Arbeit. Hochauf türmen sich die Fuder und ein Wagen nach dem andern wankt schwer beladen mit köstlicher, kräftig duftender Last in die Dörfer und Häuser. Die Grumeternte ist mit von entscheiöcnter Bedeutung für die Ueberwinterung der Viehbestände. In gar manchen Jahren schon hat eine gute Krummeternte den schlechten Ausfall der Heuernte wett machen müssen. Und so ist auch das gute und sichere Einbringen des Krummets für jeden Bauern, zumal auch in den milchwirtschaftstreibenden Gegenden, ein Ziel der Sorge und der Hoffnung. Auch die längste und schwerste Arbeit wird gern und freudig getan, wenn alles recht fchön und trocken unter Dach nnü Fach kommt. Und während so die Wiesen ihr Sommerkleid verlieren, taucht schon der lilienfarbene Kelch der Herbstzeitlose als des Fahres Letztling aus dem Grün des Rasens auf... _L Helmstadt, 7. Sept. (Die Straßenverbreiterung.) Der gesteigerte Autoverkehr bedingte, daß die Kurve an der Kreisstratza im Ort verbreitert und die Brücken über den Wollenbach und den Ueberlaufkanal verbreitert werden. Die Arbeiten werden zur Zeit durch das Wasser- und Straßenbauamt Sinsheim vergeben. % Eppingen, 8. Sept. (Vom Bezirks-Lehrerverein). In der am 3. September stattgefundenen Versammlung des Bezirks- Lehrervereins Eppingen wurde zum Rcichsschulgesetzentwurf Stellung genommen und derselbe mit folgender Begründung einstimmig abgelehnt: Der Reichsschulgesetzentwurf will unsere seit 50 Jahren bewährte Gemeinschaftsschule in Bekenntnis- und Weltanschauungsschulen (Splitterschulen!) zerschlagen. Dadurch würden der Schulsriede zerstört und die Steuerlasten ins Unerträgliche gesteigert werden. Die Hoheit des Staates über die Schule würde beseitigt und auf die Kirchen übergehen. Darum Hände weg von der christlichen Gemeinschaftsschule, die in diesen schweren Tagen ihre vornehmste Aufgabe darin zu erblicken hat, den entschlossenen festen Willen zum Volk und zum Staat zu erzeugen und dauernd zu erhalten." - 4 - Wiesloch, 7. Sept. (Abschied.) Geheimer Medizinalrat Dr. Max Fischer, der Direktor der hiesigen Heil- und Pflegeanstalt, hat die Stätte seiner langjährigen segensreichen Tätigkeit und unsere Stadt verlassen, nachdem er in den Ruhestand getreten ist. Seit Eröffnung vor 22 Jahren bis heute hatte Geheimra? Dr. Fischer die Leitung als Direktor. Nach dem Vorbild der Wics- locher find die meisten neuen Irrenanstalten erstellt worden. Geheimer Medizinalrat Dr. Fischer ist nunmehr von der Stätte seiner langjährigen bedeutungsvollen,Tätigkeit geschieden, er nimmt seinen Wohnsitz in Berlin, sein Name aber bleibt für immer unzertrennlich verbunden mit der Geschichte der Heil- und Pslege- anstalt Wiesloch. k Heidelberg, 7. Sept. (Das große Circusereignis auf dem Meßplatz). Auf dem Meßplatz in Heidelberg gastiert vom 9. bis 13. September Europas größte und gewaltigste Circusschau — der weltbekannte Rennbahncircus Krone — Diesen Riesencircus, der der neben seiner gewaltigen Zeltstadt die reichhaltigste und größte Tierschau der alten Welt besitzt, darf Niemand versäumen. Denn was Krone mit seinem ganzen Unternehmen bietet, ist unmöglich, ein zweitesmal vorzufinden. Dieser Circus ist nicht nur eine Unterhaltungsstätte, ist nicht nur ein großer Sportpalast, sondern er schenkt einen Anschauungsunterricht für Jung und Alt in des Wortes reichster Bedeutung. 24 Elefanten, von denen 20 auf einmal in der großen Rennarena vorgeführt werden unter der persön- lichen Leitung von Direktor Krone. 36 Raubtiere auf einmal in den umgitterten Arenen. Altrömische Wagcnrenren. Gladiator^n- kämpfe. Fußballspiele zu Pferde und den neuesten Sport der Gegenwart auf fast allen Gebieten. 6 fache Völkerschau: Echte Irokesenindianer, Chinesen, Japaner, Mongolen, Tscherkessen, Inder. Großartige Original Indische Prunkumzüge mit fürstlich gesattelten Elefanten und mit zahmen Leoparden, mit Flußpferden, mit asiatischen Rindern, mit fremden Bölkerstämmen und großer buntester Exotik. Nur 5 kurze Tage bleibt Krone in Heidelberg .dann zieht er weiter. Ueber Vorverkauf, Reihenfolgee der Vorstellungen und alles andere Wissenswerte sagen die heutigen Anzeigen Bescheid und die große Plakatreklame in Stadt und Land. I Aus dem Odenwald, 7. Sept. (Die Brombeerernie.) An allen Hecken, Gärten und jungen Waldschlägen regen sich fleißige Kinder- und Frauenhände, um die schwarzen Beeren einzusammeln. Da die Blütezeit regenlos verlief, hängen die Dornsträucher sehr voll. Abends kehren die fleißigen Beerensucher mit ganzen Eimern und Kannen voll heim. Zum Teil werden sie im Haushalt verwendet, ein großer Teil aber wird von Händlern aufgekauft und in die Städte verschickt. Das Pfund kostet 20 Pfennig, so daß eine mehrköpfige Familie eine schöne Tageseinnahme erzielen kann. )( Gerichtstetten, 5. Sept. (Iungbauerntag.) Die Iungbauern- schaft des Odenwaldes und des Baulands hielt am Sonntag unter Leitung des Abgeordneten Heck hier eine Tagung ab. Ein Festzug zeigte die Entwicklung des Bauernstandes von der frühesten Zeit bis zur Gegenwart. In seiner gedankenreichen Ansprache ermunterte Herr Heck die Iungbauernschaft zum Festhalten an alter guter Sitte. Der Gaugeschäftsführer Lenz-Schloffau sprach über den harten Existenzkampf der Bauernschaft und zeigte Wege zum Borwärtskommen. In den Ansprachen von Bürgermeister Weniger und Gutspächter Hemberger kam die Sympathie für die Bestrebungen der Iungbauernbewegung zum Ausdruck. y Schönbrunn, 7. Sept. (Kriegerdenkmalsweihe.) Am 4. September fand die Weihe unseres Kriegerdenkmales statt. Das Dorf war reich geziert und die Anteilnahme der Bevölkerung herzlich. Neben der Friedrnseiche von 1870 erhebt sich aus schlichtem rotem Sandstein ein quadratischer Block von über zwei Meter Höhe, den ein Lorbeerkranz auf dem ein Stahlhelm ruht, ziert. Der Entwurf stammt von dem Mannheimer Architekten Esch und wurde ausgeführt von den Gebr. Doch hier. Im Namen des Denkmalsausschusses begrüßte Herr Hauptlehrer Gcrstenccker die Kameraden und die Gäste. Nach herzlichen Worten übergab das Denkmal dem Bauherrn, dem Militär- und Kriegerverein Schönbrunn, dessen Vorstand die Gäste namens des Vereins begrüßte und der Toten gedachte, die auf dem Stein auf drei Seiten verewigt sind. Hierauf weihte Pfarrer Zimmer-Haag das Denkmal. Herr Bürgermeister Hetz übernahm dann das Denkmal in den Schutz der Gemeinde und legte am Denkmal einen Kranz mit den badischen Farben namens der Gemeinde nieder, ebenso der Vorstand Phil. Braus namens des Kriegeroereins Schönbrunn, für den Neckargau des Militärvereinsverbandes wurde ein Kranz niedergelegt, neben dem Schützenverein weihte noch der Deutsche Offiziersbund Ortsgruppe Eberbach den gefallenen Kameraden einen Kranz. Mit dem Liede: O Deutschland hoch in Ehren fand die schlichte Feier, die durch Liedervorträge des Gesangvereins Schönbrunn und durch Gedichte und Musikvorträge verschönt worden war, ein Ende und die Kameraden fanden sich auf dem Fest- plaße zu einem gemütlichen Beisammensein ein, wo der Gesangverein Schönbrunn und Haag noch einige der Feierstunde angepaßte Lieder vortrugen. A Beerfelden, 7. Sept. (Motorradunfall.) Eine Dame, die die Gewalt über ihr Motorrad verlor, stürzte in der Nähe der Pulverfabrik ab und erlitt erhebliche Verletzungen. Ihr Soziusfahrer kam mit dem Schrecken davon. — Leimen, 7: Sept. (Ein Unglücksfall.) Bei dem von der Firma Wayß und Freytag ausgeführten Straßenbau der Zementstraße Heidelberg—Nußloch ereignete sich heute ein bedauerlicher Unglücksfall. Beim Abladen von Zement fiel von einem Lastauto der hintere Verschlußflügel einem Arbeiter so unglücklich auf den Kopf, daß er eine Gehirnerschütterung davontrug. Die hiesige Sa- nitätskolonne leistete die erste Hilfe und verband ihn. In bewußtlosem Zustand wurde er vom Sanitätsauto nach der Klinik Heidelberg verbracht. — Gestern wurde nur durch Zufall an derselben Stelle ein größeres Unglück vermieden. An der großen Mischmaschine brachen die Seile des Löffelwerks und sielen mit großer Wucht zu Boden. Glücklicherweise waren nicht wie sonst mehrere Arbeiter unter dem Löffel beschäftigt. Nach zweistündiger Unterbrechung der Arbeiten war die Maschine wieder arbeitsfähig. # Rot, 7. Sept. (Vom Auto gestürzt.) Am Samstag spät abends fuhr ein Auto durch den Ort. Um dem Chauffeur den Weg nach Walldorf zu weisen, fuhr der 20 jährige Karl Stegmüller ein Stück mit. Als er nicht bald heimkehrte, wurde nach ihm gesucht und man fand ihn vor dem Ort in bewußtlosem Zustand? Er dürfte beim Abspringen in der Dunkelheit gestürzt sein und sich eine Gehirnerschütterung zugezogcn haben. Sein Zustand ist besorgniserregend. -4- Altlnßheim, 7. Sept. Im Betriebe der Stahlwerk-Al-G. Rheinau riß die Kette eines an einem Krahnen befestigten Sand- Donnerstag, den 8. September 1927. siebes. Durch das herabfallende Sandsieb wurde der 53 jährige Taglöhner Peter Schneider von hier gegen eine Gußform ge- schleudert, wodurch er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt. Der Verunglückte starb bereits auf dem Wege zum Krankenhaus. ** Mannheim, 8. Sept. (Das Friedrichsfelder Autounglück vor Gericht.) Wie noch erinnerlich, wurde am 24. Mai (Him- melfahrtstag) zwischen Seckenheim und Friedrichsfelder Steinzeugfabrik ein hart auf der rechten Seite stehendes Liebespaar, der ledige, 22 Jahre alte Schreiner Ernst Gärtner und die 21 Jahre alte ledige Sortiererin Rosa Walter von einem Auto in einer so schrecklichen Weise angefahren, daß beide noch 22 Meter geschleift wurden und dann total verstümmelt liegen blieben. Der Führer des Autos, der 35 Jahre alte Arbeiter und Aushilfschauffeur wurde nun vom Gericht zu einem Jahr und einem Tag Gefängnis verurteilt. Das Gericht vertrat die Ansicht, daß, wenn auch das Steuer versagt hatte, der Angeklagte dennoch ein sträfliches Verhalten an öen Tag legte, indem er viel zu nahe an das Paar heranfuhr und so den Zusammenprall nicht mehr abwenden konnte. ** Mannheim, 8. Sept. (Ein rabiater Ehemann.) Am Dienstagabend geriet der 27 Jahre alte Taglöhner Wilhelm Hartmann mit seiner 45 Jahre alten Ehefrau in Streit und brachte ihr mit einer Schere 20 Stiche in die Herzgegend bei, wodurch die Frau lebensgefährlich verletzt wurde. Der Täter wurde festgenommen. ** Mannheim, 8. Sept. (Ein 1924 Verschollener in der Fremdenlegion.) Ein junger Mann aus dem Vorort Käfertal verließ, wie das „Mannheimer Tagblatt" berichtet, am Pfingsten 1924 die Heimat, um sein Glück zu suchen. Jahrelang hörten seine Angehörigen nichts von ihm, und er galt als verschollen. Nach dreieinhalb Jahren kam jetzt ein Brief aus Algier, in dem der Vermißte schreibt, daß er als Trompeter in der Fremdenlegion ist und daß er jetzt nach China kommt. ** Buche«, 8. Sept. Vor 210 Jahren wurde unsere Stadt von einer schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht. Es brannte der Turm der Stadtkirche, die St. Michaelskapelle, das Klosterkirchlein, das Rathaus, das Pfarrhaus und 124 andere Wohnhäuser und Scheuern nieder. ** Schenkenzcll, 8. Sept. (Schwerer Motorradunfall). Am Sonntagabend fuhr der ledige Emil Mülle von Hier mit seinem Motorrad in der Dunkelheit in das Fuhrwerk des Metzgers Wagner von Schiltach. Müller und sein Begleiter wurden vom Rad unter das Pferd geschleudert. Während der Begleiter mit'leichten Verletzungen öavonkam, wurde Müller bewußtlos, anscheinend mit schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus Alpirsbach gebracht. Die Nummer des Motorrades drang dem Pferd in die Brust, auch brach dasselbe ein Bein und mußte auf der Stelle erschossen werden. Die Fahrgäste des Wagens kamen mit dem Schrecken davon. ** Karlsruhe, 7. Sept. (Auf dem Friedhof erschossen.) Am Dienstagnachmittag um 4 Uhr hat sich ein 63 Jahre alter Monteur von hier auf dem Friedhof am Grabe feiner im vorigen Jahre verstorbenen Frau aus unbekannten Beweggründen erschossen. ** Kehl, 8. Sept. (Ein blutiges Ehedrama) ereignete sich gestern vormittag zwischen 6 und 7 Uhr in der direkt an der Rheinbrücke — auf Straßburger Seite gelegenen — Wirtschaft Krafft. Eine dort beschäftigte verheiratete Frau war gerade mit Reinigung des Lokals beschäftigt, als ihr Mann, der ihr anscheinend von Mülhausen nachgereift war, das Lokal betrat und sie durch zwei Revolverschüsse niederstreckte. Die Frau war sofort tot. Der Täter flüchtete, konnte aber alsbald eingeholt und festgenommen werden. ** Billinge«, 8. Sept. (Tödlicher Unfall.) In der Nähe von Schwenningen wurde der 38jährige Zementeur Lupp von einem Lastkraftwagen erfaßt und überfahren. Der Verunglückte wurde auf der Stelle getötet. Den Lenker des Lastkraftwagens, der wiederholt Warnungszeichen gab, soll keinerlei Schuld treffen. ** Krotzingc«, 8. Sept. (Motorradunfall.) Bei der Straßenkreuzung Kirchhofen—Staufen stieß ein Motorradfahrer von Staufen mit einem Auto zusammen. Der Motorradfahrer wurde etwa 6 Meter weit in einen Kleeacker geschleudert und erlitt erhebliche Verletzungen. ** Hinterzarten, 8. Sept. (Festgenommen.) In Furt- wangen wurde ein junger Mann namens Engelbert Müller aus St. Georgen im Schwarzwalü festgenommen, der im Verdacht steht, die Raubüberfälle, die in der letzten Zeit von einem durch die Maske unkenntlich gemachten Mann verübt wurden, begangen zu haben. Die Beschreibung, die von den Ueberfallenen gegeben wurde, paßte auf ihn. ** Norsingen, 8. Aug. (Das Auge ausgestoßen.) In der Kirchhofener Straße stieß ein Radfahrer von Kirchhofen mit dem Schmiedemeister Krauß von Norsingen derart zusammen, daß dem Schmiedemeister das eine Auge ausgeschlagen wurde. ** Badenweiler, 8. Sept. (Unfall.) Metzgermeister Pfaff von Badenweiler hantierte mit einem Gewehr, als plötzlich ein Schutz losging und ihn so unglücklich in das Beinmnd die Hüfte traf, daß seine Verbringung in die Freiburger Klinik notwendig wurde. ** St. Blasien, 8. Sept. (Feststellung.) Das Auto, das vor einigen Tagen bei St. Blasien verunglückte, wodurch der Tod einer Dame hervorgerufen wurde, gehört dem Hirschwirt Kaiser von Menzenschwand und nicht dem Bauunternehmer Bernauer. Der Sohn des Wirtes steuerte den Wagen. ** Waldshnt, 8. Sept. (Vom Eber gebissen.) Bei der hier stattgefundenen Schweineprümiierung wurde der städt. Arbeiter Malzacher, welcher der Prüfungskommiffion zur Hilfeleistung beigegeben wurde, von einem Eber in den Oberschenkel gebissen und erheblich verletzt. ** Singen a. H., 8. Sept. (Todesfall). Am Montag siedelte die Familie des Schwiegersohnes des Schneidermeisters Ferdinand Hügle von Singen nach Gottmadingen über, um in dessen Hause Wohnung zu nehmen. Beim Betreten des Hauses fand man öen Vater im Wohnzimmer tot auf. ^er Verstorbene ist wahrscheinlich am Sonntag einem Schlaganfall erlegen. ** Mctzkirch, 8. Sept. (Zum Autounglück.) Zu dem schweren Beuroner Autounglück ist weiter zu berichten, daß der Lastkraftwagen meist mit Jugendleiterinnen (Heubergtanten) besetzt war, die mittags zu einem Konzert ins Gre- gorrusyauS nach Beuron fuhren. Im Wagen vefanö sich auch der katholische Geistliche des Heuberglagers, sowie die Leiterin des Kindererholungsheims Heuberg, Frau Dominikus, die Gattin des preußischen Ministers. 6 bis 8 Damen sind schwer verletzt, 15—20 sollen leichter verletzt sein. Frau Dominikus erlitt durch das Unglück innere Verletzungen, der begleitende Geistliche brach das Nasenbein. Vom Lande. (Der Frostspanner.) Der Frostspanner ist bekanntlich ein Schädling, der großen Schaden anrichten kann. In diesem Jahre hat er die Obstbüume reichlich her- Nr. 170. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim» Zeitung. Donnerstag, den 8. September 1927. genommen, und der verursachte Schaden ist recht empfindlich. In manchen Gegenden sind zahlreiche Bäume vollkommen kahlgefressen worden. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, baß dieser Schädling im nächsten Jahre weniger stark auftreten wird, vielmehr muß man das Gegenteil annehmen. Da das Anlegen der bekannten Klebgürtel eine fast ganz sicher wirkende, einfache und billige Abwehr- maßnahme darstellt, kann den Vaumbesitzern in ihrem Jn- tereffe nicht dringend genug angeraten werden, möglichst alle Bäume mit Klebgürteln zu versehen. Bedingung ist aber hierbei: rechtzeitiges Anbringen, Ende September bis Anfang Oktober — besonders in den hohen Lagen ist frühes Anlegen notwendig — die Verwendung eines guten Raupenleims und Unterlagepapiers und sachgemäße Anlage. Durch gemeinsamen Bezug ließe sich sicher die Beschaffung der Materialien nicht unbedeutend verbilligen und die Obstbauvereine hätten hier ein dankbares Betätigungsgebiet. ** Snlzbnrg, 8. Sept. (Heiße Quelle entdeckt.) Ein hier weilender Wünschelrutengänger stellte fest, daß bei dem Anwesen des Fritz Koch und Altratschreibers Eising eine heiße Quelle in etwa 80 Meter Tiefe vorhanden sei. ■ ** Kaiserslautern, 8. Sept. ((Opfer des Feuers.) Als die 78jährige Witwe Abr. Schäfer in der Waschküche die Feuerung Nachsehen wollte, fingen plötzlich ihre Kleider Feuer. Trotz sofortigem Versuch, die Frau zu retten, waren die erlittenen Brandwunden so schwer, daß sie unter schrecklichen Schmerzen im Krankenhaus starb. **D«dweiler, 8. Sept. (Familiendrama.) Der Gemeindearbeiter Bruckner geriet in betrunkenem Zustand mit seiner Tochter in einen Wortwechsel) dem zur Verteidigung eingreifenden Sohn versetzte der Vater einen Messerstich ins Herz, der den sofortigen Tod des Sohnes zur Folge hatte. ** Frankfurt a. M., 8. Sept. (Ein gefährlicher Fassadenkletterer ausgebrochen.) Einem der kühnsten und verwegensten Einbrecher, dem Elektrotechniker Wilhelm Stegmann, gelang es, aus dem hiesigen Gerichtsgesängnis zu entweichen. Der Entflohene, der auch schon aus dem Zuchthaus Dietz ausgebrochen ist, betrieb seinerzeit mit dem gleichberüchtigten Hans Brey Billeneinbrüche, wobei beide mehrfach ihre große Kletterkunst bewiesen und sich unheimliche Dinge leisteten. Es gab Fälle, in denen sic nachts urplötzlich vor den Betten schlafender Personen standen und den Leuten Blendlaternen und Waffen vors Gesicht hielten. Einer von ihnen trug stets eine rote Kapuze. Frey und Stegemann sind für ihre Taten vor einigen Wochen zu je 15 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Stegmann hat sich zur Flucht die Zeit nach dem Spaziergang der Häftlinge erkoren und ist am hellen Tag über das Dach des Gefängnisses entkommen. ** 'Gaienhofen (bei Radolfzell), 7. Sept. (Im See ertrunken.) Bei der Landungsstelle stürzte ein 18jähriges Dienstmädchen aus Oberndorf in den See und ertrank. Ob ein Unglücksfall oder ein Selbstmord vorliegt, ist noch nicht festgestellt. Für 18 000 Mark Brillante« gestohlen. Berlin, 8. September. Einem Berliner Juwelenhändler wurden, wie die Abendblätter melden, aus einem Auto an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Brillanten im Werte von 45 000 Mark aus der Handtasche gestohlen. Erneute Ausbrüche ans dem Zuchthaus Lichtenbnrg. Halle a. d. Saale, 8. Sept. Aus dem Zuchthaus Lichten- burg bei Torgau sind neuerdings wieder zwei Schwerverbrecher ausgebrochen. Tie Verhältnisse auf der Lichtenburg, aus der sich die Ausbrüche in letzter Zeit erschreckend mehren, bildeten früher bereits den Gegenstand einer Anfrage im Preußischen Landtag. Ein Eisbär in der Elbe. Hamburg, 7. Sept. Im Hamburger Hafen entsprang in der letzten Nacht ein für den Leipziger Zoo bestimmter Eisbär seinem Käfig auf dem Dampfer «Leo". Das Tier schwamm davon und konnte erst nach langem vergeblichen Suchen etwa 15 Kilometer von Hamburg entfernt von der Hafenpolizei gestellt werden. In dem Augenblick als Meister Petz sich anschickte das Wasser zu verlaffen, wurde er erschossen. Beinahe ei» zweites Zahnradbahnnnglück bei Chamouix. Basel, 7. September. Auf der Linie der Bergbahn Cha- monix—Montenvers, wo sich vor vierzehn Tagen das furchtbare Eisenbahnunglück ereignete, wäre am gestrigen Tage wieder beinahe eine Katastrophe entstanden. Es ereignete sich neuerdings ein Zabnradbruck. wodurch der Zua tn größter Geschwindigkeit talabwärts sauste. Der fünfhundert Reisenden bemächtigte sich eine Panik. Glücklicherweise gelang es dem Bremser, den Zug schließlich zum Stehen zu bringen, nachdem er bereits eine unheimliche Geschwindigkeit erreicht hatte. Sämtliche Reisenden stiegen aus und begaben sich zu Fuß nach Chamonix zurück. Schreckensszene i« einem Newyorker Anwaltsbüro. Berlin, 8. September. In dem Büro eines Newyorker Rechtsanwalts kam es — wie die „BZ." meldet — zu einer Schreckensszene. Als man gerade verhandelte, begann einer der Klienten auf die Anwesenden zu schießen. Ein Rechtsanwalt war sofort tot, während sein Sozius aus dem Fenster des neun Stockwerke hohen Büros auf die Straße sprang und zwei Vorübergehende im Fallen zu Boden riß, von denen einer das Rückgrat brach, während der andere lebensgefährliche Verletzungen erlitt. Er selbst trug schwere innere Verletzungen davon. Ein dritter Verhandlungsteilnehmer brach auf der Flucht zusammen. Der Täter, ein notorischer Wahnsinniger stellte sich später der Polizei. Brasilianische Räuber plündern eine« Zug. London, 8. Sept. Wie aus Sao Paulo in Brasilien berichtet wird, plünderten etwa vierzig Räuber auf der Sao Paulo-Rio-Grande-Eisenbahn die Paffagiere eines Zuges aus, setzten zwei Wagen in Brand und zwangen den Lokomotivführer, mit dem Rest des Zuges nach dem Ort Canoinha zurückzukehren, der ebenfalls gebranüschatzt wurde. Schwerer Zngzusammenstoß in Galizien. Warschau, 8. Sept. Am Dienstagnachmittag stieß in dem Ort Demblin in Galizien ein Persouenzug mit einem Güterzug zusammen, wobei vierzehn Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Faschistische Stinkbombe« in einer Prager Wahlversammlung. Prag, 8. Sept. Vorgestern abend kam es in einer Wahlversammlung der tschechischen Nationalen Arbeiterpartei als Auftakt zu den Gemeinöewahlen zu recht stürmischen Szenen. Faschisten versuchten in großer Zahl die Versammlung zu sprengen, warfen Stinkbomben und Knallerbsen in den Saal, wurden ab^er schließlich von Ordnern und Polizei entfernt und zum Teil perhaftet. Sejmznsammentritt am 22. September. Warschau, 8. Sept. Wie amtlich mitgeteilt wird, ist der endgültige Termin für die Einberufung des Sejm auf den 22. September festgesetzt worden. Unwetter in Tirols Innsbruck, 8. Sept. Im Gebiet von Kitzbühel ging ein schweres wolkenbruchartiges Gewitter nieder, das einige Brücken wegritz und die Straßen überschwemmte. Auch der Eisenbahndamm bei Kitzbühel wurde überschwemmt, so daß der Eisenbahnverkehr zwischen Innsbruck und Salzburg eine Zeitlang, unterbrochen war. In Kitzbühel wurden in verschiedenen Straßen die Häuser unter Waffer gesetzt. Ein dreifacher Familienmörder. Stendal, 7. Sept. Unter dem Verdacht des dreifachen Familienmordes wurde in Bergen bei Salzwedel ein Müllergehilfe verhaftet. 2m Februar war der Uhrmachergehilfe Schulz spurlos verschwudnen und trotz aller Nachforschungen wurde erst vo^ einigen Tagen die Leiche des Vermißten auf dem Feld: des Schwagers aufgefunden. Da erst vor kurzem der Vater dieses Uhrmachergehilfen durch einen unerklärlichen Sturz aus der Dachluke tödlich verunglückt war und kurz darauf die Mutter des Gehilfen Schulz den Tod durch einen Sturz von der Treppe gefunden hatte, lenkte sich der Verdacht, diese drei Personen beseitigt zu haben, auf den Schwiegersohn bezw. Schwager, der der alleinige Erbe der drei angeblich Verunglückten ist. Bei keinem der Unfälle war ein Zeuge anwesend und es ist auch sehr auffallend, daß der Müllergeselle nach jedem solchen Unglück einige Tage lang verschwunden war. Radio - Programm für Freitag, den 0. September 1927. Berlin (483), Königswufterhausen (1280). 20.30 Uhr: Deutscher Abend. 22.30 Uhr: 2n den Bergen. Breslau (322). 20.15 Uhr: Deutscher Abend. Frankfurt (428). 13.00 Uhr: Neue Echallplatten. 16.30 Uhr: Haussrauennachmittag. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Uebertragung v. Stuttgart. 22.00 Uhr: Deutscher Abend. Hamburg (394). 20.00 Uhr: Der Maschinenstürmer, ein Drama. Anschl.: Konzertübertragung a. d. Cafe Wallhof. Königsberg (329). 20.10 Uhr: Deutscher Abend. Langenberg (329). 20.10 Uhr: Deutscher Abend. Anschl.: Konzert. Leipzig (365). 20.15 Uhr: Don deutschem Geist. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535). 20.20 Uhr: „Krokodile", Vortrag und Experimente mit lebenden Krokodilen vor dem Mikrophon. 21.00 Uhr: Unterhaltungskonzert. , Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.00 Uhr: Aus dem Reiche der Frau. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Vorträge. 20.00 Uhr: Orchesterkonzert. Daventry-Experimental (491): 15.00 Uhr: Orgelkonzertübertragung. 16.00 Uhr: Tanzmusik. 17.45 Uhr: Kinderstunde 1.8.45 Uhr: Orchesterkonzert. 20.00 Uhr: Promenadenkonzert. 21.50 Uhr: Promenadenkonzert. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Daventry (1600), London (361). 12.00 Uhr: Konzert. 15.00 Uhr: Konzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Konzert. 18.45 Uhr: Orchesterkonzert. 19.15 Uhr: Handels Suiten. 19.45 Uhr: Salonspiele. 20.00 Uhr: Orchesterkonzert. 21.35 Uhr: Deutsche Musik. Paris (1750). 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 20.30 Uhr: Konzert. Wien (517). 20.05 Uhr: Populäres Orchesterkonzerti. Prag (348). 20.10 Uhr: Deutscher Abend. 22.20 Uhr: Zigeunermusik. E. Schick» Uhrmachermeister, SMSheiM 9. E. Dr.Seibt-Bertreter — Lager in Telefunken-Röhren, Anoden« Batterien — Sämtlichen Ersatzteilen, Barta Attumulatoren-Ladestatton. — Tclcfon 19. Schweinemarkt in Bruchsal vom 7. September 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 239, Läufer 39. Verkauft wurden: Milchschweine 180 Läufer 25. Höchster Preis für Milchschweine Paar 24.—, für Läufer 55.— RM. Häufigster „ „ ., „ 20.—, „ ., 50.— ,. Niedrigster., ., „ „ 18.— „ „ 40.— Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Vereinsbank. e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 7. September 1927. Anleihe»: tN 9/9 Ablösungsschuld mit Auslosungsschetn . 54,90 ohne Auslosungsschetn . . 13,55 Bankaktie: tn o/o Bad. Bank . . . . — Darmstädler- und Nationalbanl 2 1 80. Deutsche Bank .... 1561/2 Deutsche Vereinsbank . los Dresdner Bank . . . 155 Mitteldeutsche Kreditbank . 21» Reichsbank .... iö »>/2 Rhein. Creditbanl . . . 1291/2 Südd. Dtsconto Ges. 143 Bergwerk» » Aktien tn O/o arpener Bergbau - . 193'/» alt Westeregeln . . .168 ManneSmunnrährenwerle. . 1571,2 Mansselder Bergb. u.Hüttenw . l 151 /t Oberschl. Eisend. Bedarf . . 85 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb 107 Salzwcrk Hctlbronn . . 18o Bereinigte Königs- Laurahütte 79 Aktie« indnstr. Unternehmungen: in 0/0 Allg. Elektr. Stammaktien . I 74 Badenia Wetnbeim . — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . izz Cementwerk Heidelberg 188 Daimler Motoren . . . liobe Dtsch. Gold- und SIlberschetde 2021/2 Elektr. Licht und Kraft . . l»5i/t Ematll. und Stanzwerk Ullrich — Farbenindustrte . . . it V< Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . 112 Karlsruher Maschinen . . — Knorr Heilbronn . . . i73 8 /i Mainkraftwerke Höchst . . 122 Neckarsulmer Fahrzengwerke . 110 Schlickert Elektr. Nürnberg . 1871/2 Setltnduftrte Wolfs ... 91 Sübd. Zucker .... 1310/4 Zellstost Waldhof Stammaktien 2»5i/2 Aktie« deutscher Tran»v»rta«ftaltea: tn 0/0 amburg. Amerid. Paketfahrt ltv ctdelberaer Straßen- u. Bergbahn — orddeutschex Lloyd . , 140U Devise«: Geld Artel New-Iork l Dollar 4.1990 4 . 207 » London t Pfund 20.412 2 » 452 Holland 100 Gulden 168.33 168.67 Schweiz 100 Francs 80.98 81.U Wien 100 Schilling 59,19 59 21 Varisioo Francs 16.457 16.497 Italien 10Ö Lire 22,83 22.87 Von Freitag, den 9. Sept. bis Donnerstag, den 15. Sept. 1927. Resübabn-Circus Krone der größte und gewaltigste Circus Europas mit seiner einzigartigenbisherunerreichtenTierschau in Heidelberg auf dem Meßplatz. 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Nachm, das vollständige große Abendprogramm. Nachm, zahlen Kinder unter 12 Jahren auf allen Plätzen halbe Preise. Vorverkauf ab Freitag Morgen im Cigarrenhaus Ludwig Grimm, Heidelberg, Bismarckplatz, Tel. 373 und im Musikhaus Reiher & Kurth, Heidelberg, Brückenstraße 8, Tel. 1099. Ab Freitag Nachm, an den zahlreichen Circuskassen. Der Zoologische Park ist täglich geöffnet von 1 / 2 10 Uhr morgens bis 9 Uhr abends. Circus-Tele'on 4020. Auto- und Fahrradunterstand am Circusplatz. Bataillonstag XIY13. Am kommenden Sonntag, den 11. September findet in Sinsheim eine Wiedersehensfeier der ehemaligen Angehörigen des II. Landsturm- Jnfanterie-Battaillons Heidelberg statt, wozu alle Kameraden nochmals freundiichst eingeladen werden. Näheres durch das Programm. Der Festausschuß. Die verehrliche Einwohnerschaft von Sinsheim wird gebeten, ihre Teilnahme durch Beflaggen der Häuser bekunden zu wollen. Neue RH-». 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