Erscheint tSglich «tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger stei ins Laus monatlich Goldmark 1.SV Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. 8n Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rück- . zahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Aerusprech-Anschluß Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 General-Anzeiger für klsenz-unö §ckwarzbadital Der Lanöbote HelteTte and verbreitetste Leitung dieser Gegend. yaapt-Hnzeigen-8lLlt Möcbentlicbe 8erlügen r Docke unck Isetrn * Oer Kobold » Heue Illultrrerl« • EandwlrtTdiaftUche Beilage Anzeigen'Preise: =? Anzeigen: Die 33 mm breit» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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In dem Kampf, der seiner Verhaftung voranging, hat er noch mehrere Revolver- schüsse abgegeben von denen jedoch glücklicherweise keiner traf. Auf dem Wege zum Polizeikommissariat gelang es ihm, sich aller Papiere zu entledigen, so daß seine Persönlichkeit nicht festgestellt werden konnte. Auf dem Polizeikommissariat erlitt er bei seiner Vernehmung einen schweren Tobsuchtsanfall, der seines weitere Vernehmung unmöglich machte. Graf Rarnini, der den Posten eines italienischen Bizekonsuls seit etwa 15 Jahren bekleidete, galt als einer der Vertrauten der Führer des Fasch-smus. Man nimmt daher an, daß der Alteniäter aus poli ifchrn Motiven gehandelt hat. Ueber die Art, wie der Attentäter zu Werke ging, erfahren wir folgende Einzelheiten: Kurz nach 11 Uhr erschien auf dem Konsulat ein bescheiden gekleideter Italiener mit dem Aeußeren eines Arbeiters, der den Generalkonsul in einer persönlichen Angelegenheit zu sprechen wünschte. Er wurde in das Büro des Vizekonsuls geführt, der ihn in Gegenwart einer Sekretärin und zweier Konsulatsbeamtc empfing. Der Unbekannte erklärte, daß er nach Italien zurückkehren wolle, die von ihm verlangte Gnehmigung der Präfektur seiner Hcimatsprovinz habe er aber bisher nicht erhalten. Der Bizebonsul erklärte ihm, daß das Konsulat unter diesen Umständen keinen Paß ausstellen könne. Auf das Drängen des Unbekannten schickte Graf Nardini einen der anwesenden Konsulatsbeamten in das Archiv, um die einschlägigen Verfügungen zu holen. Kaum hatte dieser das Zimmer verlassen, als der Italiener eine automatische Pistole aus der Tasche zog und daraus zwei Schüsse auf den Bizebonsul abgab, der sofort zu Boden sank. Gin neuer Vorstoß Bernstorffö. Deutschland fordert Durchführung der Genf, 12. Sept. Unter starker Beteiligung hat der Abrüstungsausschuß (dritter Ausschuß), seine Arbeiten ausgenommen. Auf der Tagesordnung dieses Ausschusses stehen neben den laufenden Fragen der Abrüstung oie zwei Punkte, die in den letzten Tagen die Generaldebatte beherrscht haben: Der holländische Vorschlag und die von' Polen geforderte Erklärung gegen den Angriffskrieg. Der Berichterstatter über die laufenden Fragen der Abrüstung London-Holland gab in längeren Ausfühmngen die den einzelnen Delegationen indes schon früher bekannt gegeben waren, Aufschluß über den Stand der Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskonferenz. Cr lehnte die Bezeichnung der bisherigen Ergebnisse als Mißerfolg entschieden ab. Die Enttäuschung in weiten Kreisen der Oeffentlichkeit beruhe darauf, daß man ihr falsche Hoffnungen gemacht und gewissermaßen verschwiegen habe, daß die gestellte Aufgabe sich nicht auf die Abrüstung, sondern nur auf die Begrenzung der Rüstung:» auf den gegn- wärtigen Stand bezogen habe. Er erhob jedoch den Vorwurf einer ungenügenden Vorbereitung der Arbeiten durch die Regierungen und schloß mit einer Aufforderung an die Regierungen, die weiteren Arbeiten durch die Vorbereitung der primären moralischen Abrüstung zu fördern. Der Bericht Loudons fand keinen ungeteilten Beifall. Die schärfste Kritik an den Ausführungen des General- berichterstatters übte der deutsche Abgeordnete Graf Bernstorff. Er machte vor allem darauf aufmerksam, daß sich aus diesem Bericht Londons ein Mißverständnis ergeben könne, da dieser Bericht Loudons ein Mißverständnis ergeben könne, da dieser nicht von der im Versailler Friedcnsvertrag vorgesehenen Verminderung der Rüstungen. Zwischen diesen beiden Begriffen bestehe «in großer Unterschied. Die Rüstungen begrenzen, heiße, sie auf dem gegenwärtigen Stand belassen. Dazu brauche man keine Abrüstungen. Fn dem Begriff der Abrüstung sei schon der Sinn enthalten, daß die Rüstungen vermindert werden müssen. Herabsetzung der Rüstungen sei notwendig, nicht bloße Begrenzung. Der deutsche Delegierte wies noch auf einen zweiten Punkt hin, den der Ausschuß besonders zu beachten hätte. Es handle sich dabei um den Zeitpunkt des Wiederzusammentretens des vorbereitenden Abrüstungsausschusses. Graf Bernstorff erinnerte an die Schlußworte, die London seinerzeit als Vorsitzender in der letzten Sitzung des Abrüstungsausschusses gesprochen hat. Loudon forderte damals, daß der vorbereitende Abrüstungsausschuß noch im Laufe dieses Jahres wieder zusammentrete. Darauf werde er bestehen, da in der Entwaffnungsfrage jede Verschleppung besonders gefährlich sei. Graf Bernstorff war auch mit praktischen Vorschlägen zur Hand, die den Zweck verfolgten, die Mitglieder des vorbereitenden Ausschusses bis zu deren Zusammentreten mit den erforderlichen Auskünften über den Stand der Frage zu versehen. Loudon sagte in seiner kurzen Erwiderung seine Auffassung, daß es sich zunächst nur um eine Konferenz zur Begrenzung der Rüstungen handeln könne, sei rein persönlich. Er sei aber mit Graf Bernstorff in bezug aus die allgemeine Abrüstungsverpflichtung auf Grund des Artikels 8 vollkommen einverstanden. Die ^Ausführungen des deutschen Vertreters fanden große Beatung. sein Eingreifen in die Diskussion verdient um so mehr Beachtung, als im Laufe des Nachmittags durchsickerte, daß seine Vorschläge in einer gemeinsamen Sitzung der deutschen Vertretung gefaßt wurden, was ihnen natürlich eine besondere Stoßkraft verlieh. Seit heute abend werden auch die Aussichten für die deutsche Mitarbeit bei der Behandlung der Abrüstungsfrage sowohl in der deutschen Vertretung selbst wie in außerdeutschen Kreisen günstiger beurteilt. Die Dölkerbundslagung Rede Mottas. Genf, 13. Sept.' In der gestrigen Vormittagssitzung des Völkerbundes gab der Präsident zunächst den am Sonnabend abend vom holländischen Außenminister eingereichten bereits veröffentlichten Zusatzantrag zu seinem Vorschlag auf Wiederaufnahme der Diskussion über das Genfer Protokoll bekannt. Ter holländische Antrag wurde ohne Debatte und ohne Abstimmung an die Kommission für Abrüstungsfragen überwiesen. Hierauf teilte der Präsident mit, daß von privater amerikanischer Seite dem Völkerbund ein Geschenx von z«»ei Millionen Dollar zum Ausbau der Völkerbundsbibliothek gemacht worden sei. allgemeinen Abrüftungsverpflichiung. ^m Namen oer Beriammmng oankle Bunoesprapoenr Motta für die amerikanische Spende. Er wies daraus hin, daß damit ein neues Baud zwischen dem Lande der Herkunft des Geschenkes und dem Völkerbund geschlossen worden sei. Dem Dank des schweizerischen Bundespräsidenten schloß sich der Präsident der Kontrollkommission sowie der Präsident der Kommission für Seefragen an. Ter Präsident gab sodann der Vollversammlung bekannt, daß der Spender der zwei Millionen Dollar der bekannte amerikanische Bankier Rockefeller sei. Unter langanhaltendem Beifall betrat sodann der schweizerische Bundespräsident Motta die Rednertribüne zu einer einstünbigen Rede, in der er eingehend zu den Kritiken am Völkerbund Stellung nahm und insbesondere die Beziehungen zwischen dem Völker- bunösrat und der Vollversammlung behandelte. Die vorjährige Vollversammlung habe unter dem Zeichen des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und der Ratsreform gestanden. Aufgabe der diesjährigen Vollversammlung sei, die zweifellos bestehenden Schwierigkeiten zu erkennen und zu beseitigen. Ausgabe der Vollversammlung sei es, den Völkerbund einer neuen Zukunft entgegenzuführen. Sodann schilderte Motta in großen Zügen die Entwicklung des Völkerbundes von dem ersten Jahre seines Bestehens an. Tie erste Bundesversammlung 1020 habe die Delegierten der großen Siegerstaaten und die Vertreter der ' Neutralen umfaßt. Ter Gedanke, daß auch die besiegten Staaten dem Völkerbunde beitreten könnten, hätte damals Unruhe und Besorgnis hervorgerusen. Seitdem habe sich die Lage grundsätzlich verändert. Motta kam sodann auf die Vollversammlung des Völkerbundes zu sprechen, in deren Mittelpunkt bas Genfer Protokoll gestanden habe. Zweifellos habe die Ablehnung des Genfer Protokolls eine große Enttäuschung in der Oeffentlichkeit hervorgerufen. Es sei jedoch fraglich, ob diese Enttäuschung berechtigt gewesen sei. Das Protokoll habe eine neue Atmosphäre geschaffen und seine Wirkung sei der Vertrag von Locarno. Wenn alle Staaten mit ihren Nachbarn derartige freundschaftliche Vertrüge schlössen, wie sie die Schweiz in außerordentlich weitgehendem Maße mit seinen Nachbarstaaten — insbesondere mit Italien — geschlossen habe, dann würden die Grundgedanken des Genfer Protokolls ihre Verwirklichung finden. Motta wies hierbei auf die Erklärung Tr. Stresemanns über die bevorstehende Unterzeichnung, der Schiedsgerichtsklausel des Haager Internationalen Schiedsgerichtshofes und auf die Schlußworte Briands hin: „Der Weg zum Frieden führt über die Entwicklung des Schiedsgerichtsgedankens". Hierauf befaßte sich der schweizerische Bundespräsident mit der in den letzten Debatten vielfach an der Tätigkeit des Bölkerbundsrates geübten Kritik. Er hob hervor, daß die diesjährige Generaldebatte mit großer Freimütigkeit und Offenheit geführt worden sei. Die Anwesenheit der Außenminister der Großmächte sei von größtem Wert für den Völkerbund. Sie zeige das große Interesse, das diese Mäckte am Völkerbund hätten. Motta dankte sodann Chamberlain und Briand für ihre ständige Teilnahme an den Tagungen des Völkerbundes. Hierauf ginssder Redner auf die so viel kritisierte Geheimöiplomatie des Völkerbundes ein. Er als Mitglied einer Regierung wisie, wie notwendig es sei, schwerwegenöe Fragen zunächst in geheimen Verhandlungen vorzubereiten. Aber es wäre zu erwägen, ob der Oeffentlichkeit in den Verhandlungen des Völkerbundes nicht doch ein breiterer Raum eingeräumt werden müßte. Tie Verhandlungen der VEversammlung und der Kommissionen des Völkerbundes vollzögen sich in aller Oeffentlichkeit. Tie Erfahrungen der Verhandlungen über die Ratsreform hätten gezeigt, daß man in den öffentlichen Erörterungen der vorbereitenden Kommissionen weit schneller zu einer Lösung gelangt sei, als in den privaten Verhandlungen. Es sei daher zu erwägen, ob in Zukunft in den Verhandlungen des Völkerbundes nicht wie bisher nur die Ergebnisse der Beratungen vor der Oeffentlichkeit behandelt würden, sondern auch die Beratungen selbst. Motta betonte nachdrücklich, Kritik sei stets eine Form der Mitarbeit und müsse begrüßt werden. -Er hob die Bedeutung des Völkerbundes tür die Mitgliedsstaaten hervor. Zweifellos bedürften auch die großen Staaten des Völkerbundes, vor allem aber die kleineren, deren internationale Pflege eng mit dem Völkerbund zu- sammenhängten und den sie nicht entbehren könnten. Motta schloß seine Ausführungen, denen das Haus mit gespannter Aufmerksamkeit folgte, mit einem Appell an die Versammlung, mehr Vertrauen zu sich selbst, untereinander und vor allem zu den Ideen des Völkerbundes zu haben. Nur auf diesem Wege könnten die großen Ideen des Völkerbundes seiner Verwirklichung zugeführt werden. Die Rede Mottas wurde mit lang anhaltendem Beifall ausgenommen. Abschluß der Genfer Generaldebatte. — Beginn der Kommisstonsberatunge«. Genf, 13. Sept. In' der gestrigen Vormittagssitzung wurde die Generaldebatte über den Bericht des Bölkerbundsrates und des Generalsekretärs der Vollversammlung abgeschlossen. Die Kommissionen nehmen nunmehr ihre Arbeiten auf. Am Donnerstag vormittag findet die nächste Vollversammlung statt, in der die Beschlußfassung über die Wiederwählbarkeit Belgiens und in einer Nachmittagssitzung die Neuwahlen zum Völkerbundsrat erfolgen werden. In der gestrigen Vormittagssitzung sprach noch nach dem schweizerischen Äundespräsidenten der erste Delegierte von Kanada, Dandurant. Er wies auf die glückliche politische Lage KgMdqZ hin, da es einen Nachbar Amerika habe. Er trat sodann für die Pntwscklunq des Schiedsgedankens und Kr Abrüstung M M hob insbesond ere hie Wichtigkeit des Minöerheltenproblerns hertwr utt£T lotterte Welterentttnc!* luttfl des Minderheitenschutzes. In Kanada genössen die Minderheiten weitgehende Unterstützung. Er selbst sei Vertreter der französischen Minderheit. Kanada leide wirtschaftlich unter den hohen Schutzzöllen der Vereinigten Staaten, während Kanada selbst keine Schutzzölle eingeführt habe. Hierauf sprach der rumänische Arbeitsminister Lupo, der Abrüstung und Schiedsgericht forderte. Dem Kriege müsse der Krieg erklärt werden. Als letzter Redner sprach der gegenwärtige Präsident des Völkerbundes Villegas, der die Bedeutung Chiles für die Völkerbunösarbett hervorhob und sich für den holländischen Antrag einsetzte. Hierauf wurde die Sitzung vom Präsidenten als geschlossen erklärt. Ende der Woche Abreise Chamberlains und Briands von Genf. Genf, 13. Sept. Der englische Außenminister Chamberlain beabsichtigt am Donnerstagabend nach der Wahl der nicht ständigen Ratsmitglieöer Genf zu verlassen, um, wie verlautet, sich zu einem kurzen Erholungsurlaub an das Mtttelmeer zu begeben. Auch Briand beabsichtigt, am 16. September sich zur Teilnahme an dem auf den 17. September angesetzten Kabinettsrat nach Paris zu begeben. Nach dem Abschluß der Generaldebatte werden heute nachmittag bereits die Kommissivnsberatungen ausgenommen werden. Die dritte Kommission (Abrüstung), die vierte Kommission (Budget), die fünfte Kommission (Soziale Fragen) treten heute nachmittag um drei Uhr zusammen. Man rechnet in Delegiertenkreisen mit einer Dauer der Völkerbundssitzung bis zum 26. September. Zaleski kommt nach Genf. Paris, 13. Sept. Wie die Telegraphen-Unjon erfährt, wird sich der polnische Außenminister Zaleski in Begleitung seines Arztes, ohne Paris zu berühren, auf direktem Wege nach Genf begeben, wo er am 13. September einzutreffen gedenkt. Neue Wege für ein Ostloearno? Die Sonderkonfcrcnz der baltische« Außenminister in Genf. Genf, 13. Sept. In den letzten Tagen haben mehrfach Zusammenkünfte zwischen den gegenwärtig in Genf anwesenden Außenministern der baltischen Randstaaten statt- gcfunden, an denen der lettländische Außenminister Zeelens, der estlänöische Außenminister Akel, der litauische Ministerpräsident Woldemaras und der erste Delegierte Finnlands beim Völkerbund, Professor Erich, teilgenommen haben. Wie die Telegraphen-Agentur von zuverlässiger Seite erfährt, ist in diesen Gesprächen eingehend das Projekt einer Neutralisierung der vier baltischen Randstaaten erörtert worden. Dieser Plan wird gegenwärtig besonders von dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras vertreten. Der gegenwärtig zwischen den baltischen Außenministern erörterte Gedanke einer Neutralisierung der baltischen Rand- staaten soll in der Weise verwirklicht werden, daß diese Garantie der Neutralität einerseits durch die großen europäischen Westmächtc (England, Frankreich, Deutschland), andererseits durch Rußland geleistet wird. In der Aussprache hat der litauische Ministerpräsident Woldemaras darauf hingewiesen, daß der im vorigen Jahre zwischen Litauen und der Somjetregicrung geschloffene Vertrag bereits die Garantie der Nnverletztlichkeit Litauen» enthält. In den Verhandlungen hat der estländische Außenminister betont, daß ein allgemeiner Nichtangriffspakt zwischen den vier baltischen Randstaaten einerseits und Sowjet- rutzlanü andererseits empfehlenswerter wäre. Der sinn- ländische Delegierte hat dagegen darauf aufmerksam gemacht, daß Finnland als skandinavische Macht sich einem Projekt der Neutralität der baltischen Randstaaten mit Einschluß Finnlands nicht anschlietzen könne. Tie Verhandlungen über die Fragen, die sich gegenwärtig noch in einem vorbereitenden Stadium befinden, sollen in der nächsten Zeit in einer der baltischen Hauptstädte fortgesetzt werden. In den letzten Tagen haben mehrfach Fühlungnahmen zwischen den baltischen Außenministern und Chamberlain wie Briand stattgefunden, wobei jedoch dieser Gedanke nur in allgemeinen Zügen berührt worden ist. Wie die Telegraphen-Union hierzu weiter erfährt, dürfte diese Konferenz am 19. November in Riga stattfinden, und zwar wird Polen auch hier durch einen Beobachter vertreten sein, während über die Teilnahme Rußlands nichts verlautet. In Deutschland weiß man, daß der lettländische Außenminister Zeelens derartige Pläne seit einiger Zeit mit großer Energie betreibt, weil er der Meinung ist, daß den baltischen Randstaaten gemeinsam die Aufgabe zufällt, die Initiative zu einer Sicherung ihrer staatlichen Grenzen durch die Großmächte einschließlich Sowjetrußland zu ergreifen. Diese Pläne des lettländische» Außenministers gehen an sich von anderen Erwägungen aus, als die Pläne, die die polnische Delegation in Genf verwirklichen wollig und die zu einer Hegemonie im Baltikum und zu einer Sicherung der polnischen Westgrenze führen sollten; immerhin wird man deutscherseits darauf zu achten haben, daß diese Pläne nickt von anderer Seite dazu benutzt werden, die Nr. 174. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, 13. September 1927. k ' J llp diesmal iu Gens abgelehnten polnischen Pläne auf Umwegen doch noch zu verwirklichen. Notlandung der Wellflieger Notlandung des „Stolz von Detroit" bei Nagasaki. London, 13. Sept. Einer Reutermelöung aus Tokio zufolge, war der „Stolz von Detroit infolge Benzinmangcls gezwungen, vorgestern abend in der Nähe von Nagasaki eine Notlandung vorzunehmen. Die Flieger hoffen, heute nach Tokio weiter zu fliegen. Conrtney gibt seine« Ozcanflug endgültig auf. London, 13. Sept. Einer Meldung der „Weftminster Gazette" zufolge, gibt der Ozeanflieger Courtney seinen Flug endgültig auf. — Gleichzeitig wird aus Newyork berichtet, daß Kapitän Fonch seinen Plan eines Ozeanfluges Newyork—Paris fallen gelassen hat. Das Ballonrennen um den Gordon-Bennet-Pokal. London, 13. Sept. Das 16. Internationale Ballonrennen um den Gordon-Bennet-Pokal nahm am Sonntag in Detroit seinen Anfang. Ein amtlicher Bericht wird erst veröffentlicht werden, nachdem alle Ballons gelandet sind. Für zwei Millionen Dollar Schnaps beschlagnahmt. Berlin, 13. Sept. Wie die „B. Z." aus Newyork meldet, ist eine Ladung Alkohol, die aus zwei Millionen Dollar geschätzt wird, von den Zollwächtern eines Rumjägerdampfers auf dem Dellaware gekapert worden. Die Ladung war für Chicago bestimmt, wo am Tage des Boxkampfes zwischen Dempsey und Tnnncy eine nach vielen Zehntausenden zählende Menge erwartet wird. _ Eine scharfe Maßregelung Wirths. Am Freitag fand in Dortmund eine Sitzung des Parteiror- standes der Zentrumspartei in Verbindung mit dem Vorstand der Reichstagsfraktion statt. Nach einer eingehenden B fpr.chnng der gegenwärtigen Politischen und innerparteilichen Lage wurde einstimmig eine Kundgebung beschlösse, in der es u. a. heißt: „Die Vorstände der Deutschen Zcntrumspartei und der Reichstagsfraktion des Zentrums sprechen eirmülig ihre schärfste Mißbilligung darüber aus, daß Angehörige der Zentrumspartei, sogar der Zentrumsfraktionen in öffentlichen Kundgebungen sich bereits jetzt gegen den vorliegenden Reichsschulgesetzentwurf ausgesprochen haben, ohne erst die weitere Beratung abzuwarten. Wer den Schutz der konfessionellen Schule durch ein Reichsgesetz, soweit an ihm liegt, durch persönliche Maßnahmen zu verhindern versucht, stellt sich außerhalb der Zentrumspartei. Anläßlichf dieser und anderer Vorgänge innerhalb der Partei halten sich die Vorstände für verpflichtet, erneut und mit Nachdruck daraus hinzuweisen, daß Bestand und Erfolge der Zentrumspartei nicht bloß von der Einmütigkeit im grundsätzlichen, sondern auch von der verantwortungsbewußten Einordnung und Mitarbeit aller Parteizughörigen abhängig find. In der letzten Zeit sind in gegnerischen Blättern von Parteimitgliedern Angriffe gehässiger und ehrenrühriger Art gegen Persönlichkeiten, die Vertraucnspersonen der Partei in verantwortlichen Stellungen sind, erhoben worden. Die Vorstände weisen diese illoyale und jeder Zentrumsgesinnung bare Kampsweise mit schärfster Entrüstung ab. Wer mit solchen Waffen für seine politische Meinung kämpft, kann nicht mehr als Zentrumsmann, geschweige denn als Zentrumspublizist, angesehen werden." Eröffnung des 5. Internationalen Kongresses i für Dererbungswiffenfchaft Berlin, 13. Sept. Im Langenbeckfchen Krankenhaus wurde gestern der 8. Internationale Kongreß für Vererbungswissenschaft eröffnet, der bis zum 17. September tagt. An dem Kongreß, der eine der größten wissenschaftlichen Zusammenkünfte überhaupt darstellt, die je in Berlin abgehalten wurden, nehmen die namhaftesten Vererbungsforscher des In- und Auslandes teil. Professor Vaur-Ber- lin, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Vcr- erbungswissenschaft, eröffnete den Kongreß und wies auf die Bedeutung der Bererbungsforschung hin. Die Genetik biete die wichtigsten Grundlagen für ein zielbewußtes Vorgehen in Bcvölkerungspolitik und Eugenik sowie auf den anderen Gebieten der Medizin. Bon ebenso großer Bedeutung lei die Bererbungswifsenschaft für Pflanzen- und Tierzüchtung. Rcichsinnenminister v. Keudell begrüßte den Kongreß im Namen der Reichsrcgierung, wobei er erklärte, es sei für die Reichsregierung eine besondere Genugtuung, daß diese Tagung auf deutschem Boden stattfinde. Auch Reichsmiui- fter v. Keudell hob die Bedeutung der Vererbungswissenschaft für das Volksleben hervor und wünschte der Tagung erfolgreichen Verlauf. Weitere Begrüßungsansprachen hielten Landwtrtschaftsminister Dr. Steiger im Namen der preußischen Regierung, Medizinalrat Dr. Drygalski als Vertreter der Stadt Berlin und Professor Kniep als Vertreter der Berliner Universität. Hierauf konstituierte sich das Präsidium des Kongreffes. Besoldungsreform auch für die Beamten der Reichsbahn Berlin. 13. Scvt. Wie die Telegraphen-Unim erfährt, wird die Reichsb.kn der von der Reichsregierung beschlosie- nen Besoldungsreform auch für ihre Beamten folgen. Der Verwaltungsrat der Reichsbahn wird in etwa vierzehn Tagen zusammentreten, um die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Eine Erhöhung der Beamtenbezüge, wie sie für die Beamten des Reiches beschloffen worden ist, bedeutet bei gleichem Vorgehen für die Beamten der Reichsbahn eine Mehrausgabe von 180 Millionen Mark und darüber. Hindenburg zu den Flottenmanövern abgereist Berlin, 13. Sept. Reichspräsident von Hinöenburg ist gestern vormittag in Begleitung seines Sohnes mit dem fahrplanmäßigen Zug vom Stettiner Bahnhof über Stralsund nach Rügen abgereist. Montag und Dienstag weilt er in Putbus und wird sich dann zur Teilnahme an den Flottenmanövern in der Ostsee nach Swinemünde begeben. Der Refthsprästdent in Stralsund. Stralsund, 13. Sept. Reichspräsident von Hindenburg traf gestern mittag gegen 14 Uhr aus dem hiesigen Bahnhof ein, wo er, nachdem Kommandeur Generalleutnant v. Ams- berg Meldung erstattet hatte, vom Regierungspräsidenten Hausmann und dem Oberbürgermeister begrüßt wurde. Auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem zahlreiche Vereine und Schulen Aufstellung genommen hatten, begrüßte Hindenburg die Altveteranen und zog vor allem den einzigen noch überlebendem Gardekttrafsier von der Kaiserproklamation in Versailles in ein Gespräch. Sodann fuhr er durch die Hauptstraßen zum Marktplatz, wo sich die städtischen Körperschaften versammelt hatten und wo der Oberbürgermeister den Reichspräsidenten willkommen hieß. Der Reichspräsident dankte für die Ehrungen und mahnte zur Einigkeit. Er ließ seine Worte ausklingen in ein Hoch auf das deutsche Vaterland. Die Stralsunder Waflcrsportvereine und Fischer, sowie einige Fluzeuge begleiteten die Fähre, die den Reichspräsidenten nach Rügen brachte. Zweiter Bundeskongreß des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundes Berlin, 13. Sept. Der Allgemeine Deutsche Beamten- bund, die Spitzcnorganisation der sreigewerkschaftlichc Be- amteilverüande, trat am Montag im Sitzungssaal des Reichswirtschaftsrates zu seinem zweiten Bundeskvngretz zu- sanimen. In seiner Eröffnungsansprache konnte der Bundesvorsitzende Falkenberg eine große Zahl von Ehrengästen, darunter auch Vertreter der österreichischen freigewerkschaftlichen Beamtenbewegung begrüßen. Nach einem Vertreter der preußischen Staatsregierung begrüßte der Berliner Polizeipräsident Zörgiebel und Oberbürgermeister Bötz die Tagung. Oberbürgermeister Büß bezeichnete eine aufrichtige, republikanisch gesinnte, staatstreue Beamtenschaft als die Grundlage des Staatswesens. Bundesvorsitzender Falkenbcrg ging alsdann in feinem Geschäftsbericht auf den Kampf um die Besolüungsreform ein und erklärte, der Reichsfinanzminister habe vorgestern in Magdeburg endlich Farbe bekannt und den sozialen Charakter seiner neuen Besolöungsordnung betont. Die Beamtenschaft habe aber nach den bisherigen trüben Erfahrungen allen Anlaß, vorsichtig abzuwarten und kritisch zu prüfen, was bei der Sache herauskommen werde. Es seien genug einflußreiche Kräfte vorhanden, die den sozialen Zug in der Besoldungsordnung wieder erwecken wollten durch den Zustand der Vorkriegszeit mit ihrer schroffen Klassenscheidung der unteren und der höheren Beamten. Der Redner erörterte dann die organisatorische Entwicklung des Bundes, die durchaus günstig verlaufen sei. Der Bund stehe auf dem Boden parteipolitischer Neutralität, könne aber als gewerkschaftliche Kampforganisation natürlich nur mit den Parteien arbeiten, die sich für gewerkschaftliche Forderungen einsetzten. — Die Nachmittagssitzung war mit der Aussprache über den Geschäftsbericht ausgesüllt. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt. Die Pfalz und die bevorstehende Befatzungsverminderung Speyer, 13. Sept. Der Pfälzische Kreisausfchuß hat in seiner gestrigen Sitzung zur Frage der Besatzungsverminöe- rung einstimmig folgenden Beschluß gefaßt, den er der Bayerischen Staatsregierung mit der Bitte zugehen läßt, ihn an die Reichsregierung weiter zu leiten: „Es steht zu erwarten, daß die von den Alliierten zuge- fagte Herabmindernng der Besatzung in allernächster Zeit zur Durchführung gebracht werden wird. Mit Rücksicht hierauf richtet die Vertretung des Kreises Pfalz an die Reichsregierung die dringende Bitte, sich mit ganzer Entschiedenheit für weitgehendste Berücksichtigung der Pfalz bei Durchführung dieser Einschränkung der Besatzung einzusetzen, nachdem die Pfalz durch die Besetzung schon so viel gelitten hat, daß es schwer verständlich wäre, würde sie bei dem Abbau der Besatzung nicht in vorderster Reihe bedacht werden. Tie Bayerische Staatsregierung wird gebeten, auch dieses Ersuchen des Kreisausschuffes zur Fortsetzung ihrer bisherigen Vorstellungen bei der Reichsregierung zu benutzen. gee!en über Lettlands Außenpolitik Genf. 13. Sept. Der lettländifche Außenminister Zeelens äußerte sich gestern vor der Presse über die außenpolitischen Bestrebungen Lettlands. Er wies zunächst auf die Verhandlungen mit Moskau über den Abschluß eines Nichtangriffspaktes hin, für den die Grundlinien im März dieses Jahres vereinbart worden seien. Der Minister dementierte energisch alle Gerüchte, nach denen Lettland sich hierbei zur Uebernahme von Verpflichtungen bereit erklärt habe, die im Gegensatz zu den Bestimmungen des Bölkerbundspaktes ständen. Beide Staaten verpflichteten sich, nicht zum Angriff gegeneinander zu schreiten und an keiner Koalition dritter Mächte, die gegen eines der vertragsschließenden Länder gerichtet sei, teilzunehmen, ebensowenig ihre Unterstützung einem anderen Staate im Falle eines Angriffs zu gewähren. Ferner verpflichteten sich beide Staaten, Differenzen mit friedlichen Mitteln zu regeln. Die lettländifche Regierung führe gegenwärtig mit der Sowjetregieruna Verhandlungen über eine zweite Konvention zur Regelung von Streitigkeiten, wobei die Einsetzung einer paritätischen Kommission vorgesehen sei. Der Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion stelle noch keinen Garantiepakt dar, jedoch sei der Abschluß eines allgemeinen reiferen Abkommens zur Garantierung des Friedens und der Sicherheit in Aussicht genommen und zwar zwischen den baltischen Staaten einerseits und einigen anderen an der Aufrechterhaltung des Status auo im Baltikum interessierten Mächte. Zeelens betonte weiter die innenpolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen Lettlands zu Estland, die es auch zu Litauen weiter entwickeln wolle. Wenn auch eine so enge Zusammenarbeit mit Finnland nicht möglich sei. so beständen doch eine Reihe von Problemen, die ein inneres Zusammengehen sämtlicher Randstaaten erforderlich mache. Es sei wünschenswert, daß die baltischen Randstaaten im Völker- bunösrat vertreten seien. Daher werde auch die Ratskandidatur Finnlands von ihnen unterstützt. Ueber die Beziehungen zu Polen bemerkte der Minister, daß der Abschluß eines Handelsvertrages bevorstehe. Er freue sich, festst^llen zu können, daß Polen alle Anstrengungen mache, um.den Frieden im Osten Europas zu stabilisieren. Tie Beziehungen Lettlands zu Deutschland berührte Zeelens nicht. Die SkupMina-Wahien in Süoslawien Agram, 13. Sept. Dem „Agramer Moraenblatt" zufolge haben die Wahlen am Sonntag zur Skuvschtina keine größeren Ueberraschungen gebracht. Beide Regierungsparteien sind stark aus den Wahlen hervorgegangen. Die Demokraten haben mehrere Mandate gewonnen, während die Radikalen Verluste zu verzeichnen haben. Auch die ilnobhängi- gen Demokraten und die Raditsch-Anhänaer haben Fortschritte gemacht, während der Stand der slowenischen Volkspartei unverändert geblieben ist. Auf Grund der bisherigen Wahlergebnisse läßt sich folgende annähernde Uebersicht über das Gesamtergebnis aufstellen: Radikale, alle Gruppen mit eingerechnet. 108 Mandate, Demokraten 66 Mandate, Raditsch-Anhänaer 52 Mandate. Unabhängige Demokraten 29 Mandate, Jugoslawische Mohammedaner 22, Slowenische Volkspartei 18, Vauernbündler 6, Deutsche Partei 4, Föderalisten 3, Sozialisten 1 Mandat. Agram, 13. Sept. Nach den bis zur Mittagsstunde auf Grund von Privatmeldungen vorliegenden Ergebnissen der Skuptschinawahlen, ergibt sich folgende Mandatsverteilung: Radikale 111, davon 24 Pasitsch-Anhängcr, Demokraten 63, Raditsch-Anhänger 60, . Unabhängige Demokraten 23, Slowenische Volkspartei 19, Landarbeiter 9, Deutsche 7, Kroatischer Block 5 , • Sozialisten 1. Die Wahlen sind im ganzen Staat ziemlich ruhig verlaufen. Zwischenfälle haben sich nirgends ereignet. 23) Ein Frühlingstraum. Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne, wo willst Du schlafen?" Hab' keine Sorge — auf dem Diwan." Wolf machte Licht im Schlafzimmer und nahm schnell ein Bild von dem Nachttisch vor seinem Bette weg, was sein Vater wohl bemerkte. „So, Papa, nun schlafe gut! Gute Nacht!" „Gute Nacht, mein Sohn!" Der alte Wolfsburg schloß ihn in seine Arme, und ein gewaltsam unterdrücktes Schluchzen erschütterte seinen Körper. „Du Guter, Edler — wie habe ich Dich verkannt — kannst Tu mir verzeihen? Was habe ich gelitten", murmelte er mit erstickender Stimme. „Laß gut sein, Papa — wir wollen nicht mehr davon sprechen", entgegnete Wolf. „Noch eine Frage, mein Junge — hast Du das Mädchen sehr gern, dessen Bild ich bei Dir sah? Sie muß sehr süß sein!" „Mehr — als mein Leben" wollte er sagen,' aber er bezwang sich, und mit einem schwachen Versuch zum Lächeln meinte er: „Muß man sie nicht lieb haben? Im großen und ganzen sind mir aber die Frauen sehr gleichgültig — ich habe keine Lust am Weibe — so sagt ja wohl Hamlet! Schlafe aber endlich, Papa! Gute Nacht!" Wolf machte sich sein Lager auf dem Diwan zurecht,' er versuchte alle Gedanken zu bannen und sofort zu schlafen,' aber es ging nicht. Zuviel war heute auf ihn eingestürmt; zum erstenmale fühlte er, baß er Nerven hatte. Der Nachmittag bei Ulrich, der Abend auf dem Friedhof und die große Enttäuschung, zuletzt die Unterredung mit dem Vater! Er hatte es ihm so leicht wie möglich gemacht; er war ihm zuvorgekommen und hatte ihm die beschämende Beicht« erspart, weil er ihm so über die Matzen leid tat — aber eine gewisse Bitterkeit erfüllte ihn doch, mochte er noch so dagegen rnkämpsen — und er mußte sich fast dazu zwingen, herzlich zu sein! Sein Vater schien sich aar nicht weiter Gedanken cm die Regelung jener Sache gemacht zu haben — aber dds äh ihm ähnlich — viele schöne Worte und nichts dahinter —! sind Mary — an sie durfte er nicht denken, wenn er nicht in jeitzem Weh laut aufschreien wollte! Vielleicht war sie jetzt roch mit ihrem Liebhaber zusammen — o, der Gedanke war licht anszuöenkcn — nein, nein, es kann ja nicht sein! Barum hm nur das alles, ihm, der schon so wenig vom Glück be- lünstigt war? — Und dann morgen — vor dem Tag graute hm — da wurde Gabriele seine Braut, und dann war alles wrbei! So jagten sich die Gedanken in seinem Kopf, und wst in den Morgenstunden überkam ihn ein unruhiger schlaf, aus dem er sehr wenig erquickt erwachte. Von 6 bis 8 Ihr hatte er Dienst; leise machte er sich zurecht und ging mnn nach der Kaserne, seiner Wirtin die Fürsorge für seinen Later überlassend. * VIII. Hält' es nimmer gedacht. Iw Winter würd' zu starrem E>sr Daß ein Strom, so heiß. Daß ein Ringlein von GoUz^ So den Finger schmückt, Wte'n Mühlstein schwer Auf die Seele drückt'. Hätt's nie gedacht! Daß nach prangendem Tag So krank das Herz! — So stürmisch die Nacht. Als Wolf gegen halb neun nach HauS kam, fand er den 'ater am Frühstückstische seiner harrend. „Guten Morgen, Sapa! .Gut geschlafen?" „Brillant, mein Junge! Und Du —?" „Danke! — Aber wie ich sehe, hast Du noch nichts ge- ofleni" „Nein, ich habe auf Dich gewartet. Deine Wirtin, ganz »armante Person übrigens, Deine Wirtin sagte mir, daß du um diese Zelt wieder hier sein Ivürdest, deshalb wartete H, weil ich gern mit Dir frühstücken wollte! Hab' mich interöeffen ein wenig bei Dir umgesehen! Wohnst fehl .übschl" „Meine Wirtin, Frau Dr. Rehfeld, ist eine fein gebildet« Vame, Papa", er legte auf das Wort „Dame" einen merk- aren Nachdruck, „sehr zurückhaltend, dabei gefällig, könntc ttir keine bessere Wohnung wünschen." „Vollkommen Deiner Ansicht, mein Junge!" Prüfend sah Wolf den Vater an; das war derselbe Mann acht mehr, der gesternd abend so gebrochen, so haltlos war lber das kannte er ja schon an ihm — und am Bruder; tn Hwierigen Lagen verzagt und hilflos wie ein Kind, sobald as überwunden war, wieder obenauf — lustig und guter dinge! Er, Wolf, mit seiner schwerfälligen, alles so ernst ehmenden Natur paßte gar nicht zu diesem göttlichen Leicht- nn. Dem Vater sah er heute morgen wirklich keine see!:- hen Kampfe an — er war noch immer der elegante, feine Leltmann, geschniegelt und gebügelt; er sah noch genau y aus wie wor zehn Jahren — und doch hatte er ihn so lieb ehabt, seinen schönen Papa! Er hatte auch etwas an sich, las alle Herzen ihm zufliegen ließ. Sie setzten sich an den Frühstückstisch. „Bitte, Papa, bc- iene Dich. Versuche den Schinken, ich kann ihn Dir emp- :hlenl Uebrigens hahe ich mir für heute dienstfreien Ur- rub genommen und stehe zu Deiner Verfügung" Er ent- rltete feine Serviette, unter der ein Brieschen lag. Als sin Blick aus die Adresse fiel, wurde er glühend rot: Marys »andschrift! Mit zitternder Hand schob er.den Brief in den Aufschlag seines Acrmels. Sei» Vater beobachtete «hn lä- ,elnd. „Willst Tu nicht lesen?" frag'« er. „ich hätte keine luhe!" „Das glaube ich! Doch bin ich nicht in der Stimmung", cgte Wolf kurz. Er konnte das fröhliche Wesen seines Va- :rs nicht vertragen: es machte ihn nervös. Jedoch der »rief brannte wie Feuer auf seiner Seele; nach Beendigung es Frühstücks stand er auf und ging ins Nebenzimmer; er inßte den Brief ohne Zeugen lesen. lFortfetzong folat > Nr. 174. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, 13. September 1927. Von Lord Robert Cecil. Lord Robert Cecil ist bekanntlich kurz vor Beginn der Völkerbundstagung aus dem englischen Kabinett ausgetreten, weil er die Halbheiten und Unklarheiten der englischen Außenpolitik nicht mehr mitmachen will. Seine nachstehenden Ausführungen dürfen daher ganz besonderes Interesse beanspruchen. Die Redaktion. Es gibt immer noch Störungszentren in der Welt, aber das ist klar, daß seit dem Ende des Weltkrieges schon Fortschritte gemacht worden sind. Zwar langsame Fortschritte, aber nichts destoweniger Fortschritte. Die Gefahr eines Krieges droht infolge Furcht und übermäßigem Nationalismus. Denn einige Länder, die sich, wenn auch langsam, von den Verheerungen des Krieges erholen, geben sich einem übermäßigen Nationalismubs hin. Es gibt drei Strömungen in Europa, ich könnte sagen in der Welt. Vielleicht waren sie schon immer vorhanden, aber heute sind sie ausgesprochener. Erstens: die Strömung des Nationalismus, der Autokratie, der Bürokratie, zweitens: die Strömung der Revolution und drittens: die Strömung des Weltfortschritts, der Ordnung. Die letztere ist besonders für England typisch, wo alle Parteien für Fortschritt und Ordnung sind. Ohne Schwierigkeiten kann man die verschiedenen Länder unter diese drei Kategorien verteilen. Der Völkerbund ist jetzt anerkannt. Er ist eine internationale Tatsache geworden. Wir brauchen nicht länger zu erklären, was er bedeutet. Er hat schon viel für die Wiederherstellung des Friedens getan. Das gesundeste Zeichen an ihm ist, daß, wie verschiedenartig die Politik der einzelnen Nationen auch sein mag, ihre Vertreter im Völkerbund zweifellos den aufrichtigen Wunsch nach Frieden und Zusammenarbeit haben, sobald sie nach Genf kommen. Die jüngste Wirtschaftskonferenz war ein weiteres und hoffnungsvolles Zeichen, das auf eine bessere Verständigung unter den Nationen hinweist. Auch in der Richtung dev Abrüstung haben wir schon einige Fortschritte gemacht, und mit etwas Glück erwarten wir davon noch viel mehr für die Zukunft. Es ist eher Furcht als Habgier, was der Abrüstung im Wege steht. Aber wir müssen einen wirklichen Anfang machen, und ein solcher Anfang wird dem schnelleren Fortschreiten in der Abrüstung den Weg bahnen, weil er die Furcht beseitigen wird. Im zehnten Jahre seines Bestehens finden wir Sowjetrußland in einem Zustand des vollständigen wirtschaftlichen Zusammenbruchs. Sein politischer Zusammenbruch ist noch kein vollständiger. Und doch würde ich Rußlands Eintritt in den Völkerbund noch heute willkommen heißen, selbst nach dem Abbruch der kommerziellen und diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland. Wenn ich ein Russe wäre, würde ich den Eintritt in den Völkerbund als einen der weisesten und besten Schritte für Rußland ansehen. Vom russischen Gesichtspunkt aus betrachtet, wäre der Völkerbund das wirksamste Mittel, um sich in der Familie der Nationen Gehör zu verschaffen. Das wäre auch für die Wiederherstellung des Friedens in der Welt von großem Nutzen. Großbritanniens iünoster V'nch -mit Sowietrußland wird zu keinen ernstlichen Verwicklungen führen, und sicherlich nicht zum Kriege. Es sind keine Zeichen dafür vorhanden, daß irgendwelche kleinere Staaten in einen Konflikt mit Rußland verwickelt werden könnten. Und uv, wünschen keinen Krieg mit Rußland. Rußland wird sich in dem Grade erholen, in dem es sein ursprüngliches Programm des Kommunismus aufgibt und es wird in demselben Verhältnis nieöergehen, in dem es an dem ursprünglichen kommunistischen Programm festhäkt. Rußland ist .heute das einzige Land in der Welt, <>as Revolution in anderen Ländern wünscht. Was die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen dem Osten und dem Westen betrifft, so glaube ich kaum, daß eine derartige Kriegsgefahr besteht. Die Interessen Chinas und Indiens sind zum Beispiel nicht identisch. China ist von Indien so verschieden, wie Indien von Europa. Es gibt im Osten keine Gemeinsamkeit der Interessen; - auch Anzeichen für eine Kriegsgefahr sind nicht vorhanden. Man sollte auch dem Märchen, daß Europa die Vereinigten Staaten Haffe, nicht glauben; dies ist ohne Grund. Ich erinnere mich, daß mir vor einiger Zeit von vielen Leuten gesagt wurde, England sei in den Vereinigten Staaten äußerst verhaßt. Ich bezweifelte es und sagte offen, daß ich das nicht glauben könne. Später überzeugte ich mich, daß ich Recht hatte und daß meine Gewährsmänner im Unrecht waren. Es war eine zeitlang Mode, England in amerikanischen Preffenotizen anzugreifen, aber die Laune war von kurzer Dauer. Die gegenwärtige deutsche Regierung wirbt mit uns gemeinschaftlich aufrichtig für den Frieden. Sie betreibt eine korrekte Politik und ist sehr hilfsbereit. Ich bin ganz sicher, daß durch Deutschlands Haltung gegenüber Sowjetrutzland keine Verwicklungen entstehen werden. Baden Günstige Arbeitsmarkllage in Baden Das Landesamt für Arbeitsvermittlung teilt mit, daß die Arbeitsmarktlage in der Berichtswoche vom 1. bis 7. September 1827 sich überraschend günstig entwickelt hat. Tie Zahl der Hauptunterstützungsempfänger sank von 13 843 auf 13 029, die der Krtsenunterstützten von 7129 auf 6812. Insgesamt sind also allein von den Unterstützungsempfängern über 800 Arbeitskräfte wieder in Stellen vermittelt worden. Zum Teil wurde die Unterbringungsmöglichkeit noch in den Außenberufen gefunden, doch waren auch sonst Facharbeiter vielfach gesucht. Für die guten Beschästigungsverhältnifle in einigen Industrien spricht es auch, daß z. B. die unterstützten Tabakkurzarbeiter um 11g sank. Im einzelnen hat sich die Lage gegenüber der Vorwoche nicht wesentlich verschoben. Kürzung des LandesanteUs an den Fürsorgekosten Vom Badischen Städteverband und Badischen Städte» bunö wird uns geschrieben: , Nach 8 6 Abs. 2 der Badischen Ausfikyrungsverordnung zur RFB. hat das Land den Fürsorgeverbänden bis auf weiteres ein Drittel des Aufwandes für die gehobene Fürsorge »entsprechend den im Staatsvoranschlag zur Versü- gung gestellten Mitteln" zu erstatten. In dem Referenten- eniwurf für ein Badisches Wohlfahrtspflegegesetz wurde auf Antrag oer Gemeinden uns Kreise vte Bestimmung gestrichen, daß die Leistung dieses Staatsbeitrages davon abhängig sein soll, ob in dem Staatsvoranschlag Mittel in der erforderlichen Höhe bereit gestellt sind. Tatsächlich war der Staatsbeitrag auch bisher schon in Höhe eines Drittels der wirklichen Ausgaben gewährt worden. Obwohl durch die in diesen Gesetzentwurf aufgenommene und der bisherigen Praxis entsprechende Vestimmung zugegeben wurde, daß die frühere Vorschrift auf die Dauer nicht haltbar war, wonach die Gewährung des Staatsbeitrages zu dem Fürsorgeaufwand davon abhängen sollte, daß Mittel in der erforderlichen Höhe bereit gestellt sind, hat das Ministerium des Innern gleichwohl den Städten und ländlichen Fürsorgeverbänden vor kurzem eröffnet, baß .mit Wirkung vom 1. 4. 1927 ab der Staatsbeitrag nur noch in Höhe des Monats-Durchschnittes des Rechnungsjahres 1926 gewährt werden könnte. Diese einschneidende Maßnahme wurde damit begründet, daß „eine weiter gehenbere Belastung der Staatsfinanzen, etwa infolge eines weiteren Anwachsens des Fürsorgeaufwands, nicht tragbar ist." Der Badische Städteverband und der Äadische Städtebund sind wegen dieser unvermittelten Kürzung des staatlichen Anteils an den Kosten der gehobenen Fürsorge bei der Regierung vorstellig geworden und haben darauf hingewiesen, daß hierdurch fast allen Städten mitten im Rechnungsjahre und nach Verabschiedung des Voranschlages ein teilweise recht erheblicher Fehlbetrag entsteht, zu dessen Deckung Mittel nicht verfügbar sind. Im laufenden Jahre bewegt sich dieser Ausfall in den größten Städten des Landes zwischen 80 000 und 110 000 RM. Es ist offensichtlich, daß derartige Fehlbeträge nicht ohne weiteres ausgeglichen werden können. Wie in der Denkschrift der Gemeinden und Kreise über die Neuregelung der Wohlfahrtspflege vom 1. Juni 1927 an Hand statistischer Berechnungen bereits bargelegt wurde, ist der Gesamtaufwand der verbandsfreien Städte für die öffentliche Armenpflege von 4 Millionen im Jahre 1913 auf etwa 29 Millionen RM. im Jahre 1926, also auf über das 7fache gestiegen: die Belastung der den Stäben endgültig verbliebenen Ausgaben auf den einzelnen Einwohner ist von 4 auf 26 RM. angewachsen. Die Bemerkung des Ministerialerlasses, daß ein weiteres Anwachsen des Fürsorgeaufwandes „nicht tragbar" erscheint, dürfte daher vor allem für die Gemeinden selbst gelten. Es muß deshalb als äußerst unbillig empfunden werden, wenn das Land eine Aufgabe auf die Gemeinden mit einer Begründung abwälzt, welche die Gemeinden zur Ablehnung weiterer Lasten in wesentlich stärkerem Maße berechtigen würde. Wenn sich die Gemeinden auf den gleichen Standpunkt wie die Regierung stellen, so könnten Unterstützungen in neuen Fürsorgefällen künftighin nur in dem Maße gewährt werden, als die hierfür erforderlichen Mittel durch den Wegfall anderer Fürsorgefälle frei werden. Statt der, von der Reichsregierung zur gleichen Zeit empfohlenen Weitherzigkeit in der Fürsorge namentlich für die Kleinrentner müßte dann selbstverständlich eher eine Beschränkung des bisherigen Umfanges der Fürsorgetätigkeit eintreten. Die Verbände haben daher bei der Regierung den Antrag gestellt, den staatlichen Beitrag zu den Kosten der gehobenen Fürsorge auch künftighin wie bisher in Höhe eines Drittels der tatsächlichen Ausgaben zu gewähren. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 13. Sept. (Wie die Hausierer das Publikum übervorteilen.) Der Handelsschutzverband der Pfalz E. P. teilt mit: Immer wieder und wieder muß der Einzelhandel darauf hingewicsen werden, daß der Hausierhandel nur durch weitestgehende Aufklärung aller in Frage kommender Käuferkreise bekämpft werden kann, indem man sie auf die in den meisten Fällen vorliegende Minderwertigkeit der Waren rcsp. die bisweilen ungeheuere Uebervorteilung hinweist. Wie groß diese Uebervorteilung, deren sich viele Hausierer schuldig machen, eigentlich ist, zeigt eine Gegenüberstellung der Arbeitsgemeinschaft des Niederlausitzer Einzelhandels, die diese auf Grunl^tzenauer Vergleiche der Einzelhandels- und tzausicrerprejse vorgenommen hat. Es handelt sich hierbei um ganz gleiche Qualitäten. Teilweise stellen sich hiernach die Preise um 100 Prozent teurer. * Sinsheim, 13. Sept. (Wissenswertes von der Milch.) 1. Deutschland besitzt zurzeit (Januar 1927) 9 160 269 Milchkühe, das ergibt pro Kopf der Bevölkerung 0,148 Milchkühe, d. h. auf UWefähr jeden 7. Deutschen kommt eine Milchkuh. — 2. Deutschland führte in den letzten Jahren für rund % Milliarde Reichsmark ausländische Milch und Molkereierzeugnisse ein. — 3. Die ältesten schriftlichen Ueberlieserungen, die uns Kunde von der Milch geben, find heilige Gesänge der Inder, die „Bedas", deren Ursprung in die Jahre 2000—1400 vor Christus gelegt wird. — 4. Die Griechen und Römer benutzten Butter hauptsächlich als Schönheits- und H.ilnvttel in Salbenform. Im 17. Jahrhundert war Butter in Spanien hauptsächlich in Arzneihandlungen zum äußerlichen Gebrauch zu haben. — 5. Die Löcher im Käse entstehen durch eine gewisse Gärung während der Reifezeit des Käseteiges; im Verlaufe dieser Reisezeit finden eine Anzahl komplizierter chemischer Umsetzungen statt. — 6. Milch hat ein durchschnittliches spezifisches Gewicht von 1,032 und ist darum schwerer als Wasser. — 7. Milch enthält stets eins große Anzahl von Salzen, die für die Ernährung und den Aufbau des Knochengerüstes sehr wichtig sind. Man findet in der Milch als Salze hauptsächlich: Kalium, Kalzium, Natrium, Magnesium, Eisen, Phosphorsä:>re, Schwefelsäure usw. A Reihen, 13. Sept. (Zur großen Armee.) Im Alter von 78 Jahren verstarb hier unerwartet schnell der frühere Steuereinnehmer Friedrich Günther, der den Krieg 1870 beim bad. Leb- grenadier-Regiment Karlsruhe mitgcmacht hat. In den Gefechten bei Nuits wurde er schwer verwundet und seine linke Hand war zeitlebens gelähmt. Ueber einige Jahrzehnte hatte er die Steuereinnehmerei inne und war ein pflichtgetreuer Beamter. Günther stammt aus Rappenau und wird dorthin überführt. In Reihen ist jetzt die Schar der Kriegsteilnehmer bis auf einen zusammengeschmolzen. ep Zazenhausen, 12. Sept. (Zur Wiederbesetzung ausgeschrieben) ist die hiesige ev. Pfarrei. % Neckarbischofshrim, 10. Sept. (Die Kreishaushaltungsschule) eröffnet am 17. Oktober ds. Is. ihren 77. Kurs. % Neckarbischofsheim, 12. Sept. (Generalversammlung.) Im Rathaussaal hielt gestern nachmittag der Borschußverein seine alljährliche Generalversammlung ab. Der Geschäftsbericht, erstattet von Herrn Kontrolleur Aug. Ruppert, zeigt einen erfreulichen Anstieg. Die Spareinlagen haben sich um 50000 Mark vermehrt. Sie belaufen sich aus 156 000 Mk. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1066: sie hat sich nicht verringert. Der Reingewinn beträgt 8359 Mark. Anstelle des verstorbenen Kassiers Dörner wurde Herr Oskar Fränznick gewählt. Die ausscheidenden Ber- waltungsratsmitgliedcr, die Herren Hch. Hauck, Ludwig Neu- wirth und Berthold Wolff wurden wieder gewählt. Einen breiten Raum in der Verhandlung nahm die Aufwertungsfrage ein. Auf Antrag des Verwaltungsrates sollen die alten Spareinlagen und Stammanteile vorläufig mit 8 Prozent aufgewertet werden. Der Antrag fand Zustimmung. _L Helmstadt, 11. Sept. (Die Kartoffelernte.) Seit einigen Tagen sind die Landwirte an der Arbeit, die Kartoffeln hcrauszu- machen. Bis jetzt wurden ganz selten faule Kartoffeln angetroffen. Der Ertrag ist dieses Jahr doppelt so groß wie im letzten Jahre. Man rechnet mit einem Kartofselpreis von 2.50 RM. pro Zentner. — Grombach, 12. Sept. (Verschiedenes.) Vor einigen Tagen fuhr ein Auto mit einem Motorrad auf der Straße Grombach- Steinsfurt zusammen. Das Motorrad wurde erheblich beschädigt, so daß es mit einem Auto abgeholt werden mußte. Der Motorradfahrer und die Insassen des Autos kamen mit dem Schrecken davon. — Am Freitag wurde das Gemeindeobst öffentlich versteigert. Der Erlös für die Gemeinde ist mittelmäßig. 3! Bad Rappenau, 12. Sept. (Versteigerung des Gemeindeobstes.) Bei der am Samstag stattgehabten Versteigerung des hiesigen Gemeindeobstes wurden Mk. 3498,10 erlöst. Im Vorjahre betrug der Erlös 3187 Mark . co Eppingen, 12. Sept. (Verschiedenes.) In der Gegend von Mainhardt (Württemberg) war das 17 jährige Dienstmädchen Walter, Tochter des früher hier ansässigen Schuhmachers Walter, auf dem Felde beschäftigt, als sie, vom Blitz getroffen, tot niedersank. — Am 15. September findet aus dem hiesigen Karlsplatz eine staatliche und genossenschaftliche Stutenschau statt. % Eppingen, 12. Sept. (Ihre silberne Hochzeit) feierten gestern in engerem Familienkreise Herr und Frau Timon Siegel. ** Eppingen, 13. Sept. lBrand in Gemmingen.) Vorgestern abend wurde die Einwohnerschaft von Gemmingen durch Feueralarm aus ihrer Sonntagsruhe gerissen. Im Stallgebäude der Frau Jakob Adam Walch Wwe. brach aus unbekannter Ursache Feuer aus. Das Feuer konnte durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr auf seinem Herd beschränkt werden. Der Gebäudeschaden beträgt etwa 4 bis 5000 Mark. x Aglasierhausen, 12. Sept. (Ein Turnfest.) Als Abfch'uß des Sommerhalbjahres veranstalteten die Volksschulen Aglasterhausen, Daudenzell und Asbach auf dem Turnplatz bei der hiesigen neuen Turnhalle ein schön verlaufenes Turnfest, an dem sich alle Schüler mit gutem Können beteiligten. P Mönchzell, 10. Sept. (Vom Bürgerausschuß.) In der letzten Sitzung kamen 4 Gemeindevorlagen zur Erledigung: 1. Ausnahme eines Darlehens zur Durchführung einer Ortsrraffcr'eitung in Höhe von 40000 Reichsmark. 2. Festsetzung der CLmcinde- steuern für das Rechnungsjahr 1926. 3. Verkündigung der Gemeinderrechnung für das Jahr 1926. 4. Zustimmung zum Ge- meindevoranfchlag für das Rechnungsjahr 1927. Die Abstimmung ergab ohne weitere Debatte jeweils einstimmige Annahme der Vorlagen . T Meckesheim, 12. Sept. (Obstversteigerung.) Der Erlös aus der Versteigerung des Gemeindeovstes am vergangenen Samstag betrug 1553 Reichsmark. Der Preis für den Zentner Tafelobst stellt sich auf ungefähr 6 Reichsmark, für Mostobst auf 2—3 R.-Mark. : t I j ! - MZ s Wimpfen, 12. Sept. (Das Brückenfest.) Wimpfen rüstet sich zu seinem Brückenfest von 1. bis 3. Oktober ds. Is. Es wird ein Nationalfest für die ganze Wimpfener Umgegend werden. Geht doch damit ein Jahrtausend alter Wunsch, auf Wieder- erstellung einer Brücke bei Wimpfen, in Erfüllung, den die Reichsstadtherren oft gehegt haben. Die Brücke, die aus Dankbarkeit und Verehrung für unseren pflichttreuen zweiten deutschen Reichspräsidenten, Hindenburg-Brücke getauft wird, soll an unseres Reichspräsidenten 80. Geburtstag dem Verkehr übergcbey werden. Am Sonntag, den 2. Oktober ds. Is.,Vormittag, wird eine Morgenfeier am Brückenkopf zu Wimpfen, die Festlichkeit, eröffnen. Der Zutritt hierzu ist jedermann freigegeben. Regierungs- Vertreter aus Hessen und Württemberg werden die Schlußsteinlegung vornehmen. Der Festakt selbst wird durch verschiedene Ansprachen und musikalische Darbietungen belebt sein. Abends wird eine große Stadt- und Brückenbeleuchtung mit Feuerwerk stattfinden und auf dem althistorischen Lindenplatz zu Wimpsen im Tal findet, während der Tage vom 1. bis 3. Oktober, ein: Volksfest, in der ähnlichen Aufmachung wie der altbekannte Wimpfener Talmarkt, statt. Die Feierlichkeiten selbst werden am Montag, den 3. Oktober mit einem Kinderfest beendigt. y Schönbrunn, 12. Sept. (Vom Schützenverein.) Gestern weihte der hiesige Kleinkaliber Schützenverein seinen auf der Höhe gegen Hirschhorn gelegenen Schießstand ein. Zahlreich waren die Schützenkameraden herbeigeeilt, um um die wertvollen Preise zu schießen. Die Leistungen waren etwas beeinträchtigt durch das ungünstige Wetter. Es konnten beim Ehrenpreisschießen 5 und beim allgemeinen Preisschießen 21 und beim Iungschützen- schießen 6 Schützenkameraden ausgezeichnet werden. Den ersten Ehrenpreis errang mit 56 Ringen (5 Schuß lieg, freih.) Kamerad Otto Zeller-Unterschwarzach, den ersten Preis im allgemeinen Preisschießen Kamerad Ratschreiber Münz-Echwanheim, von den Iungschüten war Breitenstein-Heddcsbach mit 53 Ringen (gleiche Uebung) der beste Schütze. Beim Bezirksausscheidungsschicßen^ das gleichzeitig stattfand, errangen Hauptl. Feßenbccker mit je 3 Schuß lieg, knieend und stehend freihändig 85 Ringe und Kamerad Rich. Lutz-Unterschwarzach 84 Ringe. Abends fand im Gasthaus zum Engel ein Schützenball statt. )( Moosbrunn bei Eberbach, 12. Sept. (Die Weihs der Kirche.) Unter der Teilnahme der gesamten Bevölkerung des kleinen Odenwalds wurde die neuerstellts Kirche der Gemeinde Moosbrunn eingeweiht. Im Rathaus, wo seit 30 Jahren, seit dem Abbruch der alten Kirche die Gottesdiensthandlungen vorgenommen worden waren, hielt Pfarrer Zimmer eine Ansprache und dankte der politischen Gemeinde für ihre Gastfreundschaft. Kirchenpräsident Dr. Wurth weihte in einem Festgottesdienst die neue Kirche Dekan Mayer-Neckargemünd iiberbrachte die Grüße des Kirchenbezirks Neckargemünd. Am Abend fand eine Festbeleuchtung der Kirche statt. Die Kirche ist erbaut von Oberbaurat Döhring. Da die Kirche nicht alle Festteilnehmer fassen konnte, hielt Pfarrer Gilbert von Reichartshausen vor der Kirche einen Gottesdienst ab. = Mannheim, 12. Sept. (Ein Selbsttötungsversuch.) In ihrer Wohnung versuchte wohl infolge häuslicher Zwistigkeiten eine 36 Jahre alte Witwe sich durch Einatmen von Gas das Leben zu nehmen. Sie wurde in das Krankenhaus überführt. Mannheim, 12. Sept. (Tödlich abgestürzt.) In Sandhofen ist ein 37 Jahre alter verheirateter Landwirt in seiner Scheune beim Tabakaufhängen aus etwa vier Meter Höhe von einer Leiter abgestürzt und hat sich so schwere innere Verletzungen zugezogen, daß er in Der darauffolgenden Nacht im Diakoniss.n- haus hier gestorben ist. --- Mannheim, 12. Sept. (Die Teilnehmer des 7. internationalen demokratischen Friedenskongresses), der in den letzten Tagen in Würzburg abgchaltcn wurde, folgten einer Einladung des Mannheimer Friedens-Kartells (Friedensbund der Katholiken in Deutschland und Deutsche Friedensgesellschaft, Ortsgruppe, Mannheim), vor ihrer Heimreise Mannheim zu besuchen. Bei der Begrüßung durch die Stadtverwaltung ,im Friedrichspark, hieß Bürgermeister Böttger die Delegierten herzlich willkommen. In seiner Erwiderung mies Marc Sangnier, der französische Vorkämpfer für den Frieden darauf hin, daß ein neuer Krieg Sieger und Besiegte zu Grunde richten würde. Man könne sein Vaterland lieben, ohne den Krieg zu wünschen. Die Friedensfreunde würden sich nicht beirren lassen, in ihrem Kampf für die Völkerversöhnung, für die Brüderlichkeit der Menschen. Georg Hoog, der Sekretär des Kongresses und Chefredakteur der „Idee- Republices" verlas alsdann einen Brief von Albert Thomas, dem Leiter des internationalen Arbeitsamtes, der seine Glückwünsche zu der großen Kundgebung der Friedensfreunde übermittelte^ Ferner kamen Briefe und Telegramme mit Sympathicbezeug- ungen aus vielen Ländern zur Verlesung. Die Teilnehmer begaben sich sodann Hum Rosengarten, wo uln 8 Uhr die große öffentliche Kundgebung begann. / Nr. 174. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, 13. September 1927. ** Mannheim, 13. Sept. (Nächtlicher Leichtsinn.) Am Samstag abend bestieg am Neubau des K'apitol-Lichtspiel- hauses ein dort beschäftigter Arbeiter in angetrunkenem Zustande, um sich von dem Vorwürfe der Feigheit, dem ihm andere Arbeiter gemacht haben sollten, zu reinigen, aus den dort aufgestellten 42 Meter hohen Bauturm. Während die alarmierte Berufsfeuerwehr den Turm mit zwei Schein-- werfern beleuchtete und das Sprungtuch bereit hielt, bestieg der den Turm bedienende Monteur denselben und brachte den Betrunkenen durch gütliches Zureden znm Absteigen. ** Mannheim, 13. Sept. (Vernichtungskampf im Rhei- nauer Wald.) Seit einigen Tagen kann man im Rheinauer Wald einen furchtbaren Vernichtungskampf beobachten, dem bald der ganz« Baumbestand zum Opfer fallen dürfte. Ein unzähliges Heer kleiner Raupen klettert an den Baumstämmen hoch und zerfrißt deren Kronen. Wenn dieser Wald nicht ganz der Vernichtung anheim fallen soll, muß die Forstverwaltung schleunigst und mit wirksamsten Mitteln eingreifen. ** Rottigheim, 13. Sept. Daoentry-Experimental (491), 15.00 Uhr: Kammermusik. 16.00 Uhr: Tanzmusik. 17.45 Uhr: Kinderstunde. 18.45 Uhr: Leichte Musik. 20.00 Uhr: Sendespiel. 22.15 Uhr: Tanzmusik. Daoentry-London (361), 12.00 Uhr: Konzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orgelkonzert. 19.15 Uhr: Händelsuiten. 20.00 Uhr: Promenadekonzert. 22.35 Uhr: Konz rt auf alten Instrumenten. Paris (1750), 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Kammermusik. 19.30 Uhr: Cocktail-Konzert. .20.30 Uhr: Konzert. Wien (517), 20.05 Uhr: Orchesterkonzert. Anschl. Leich e Abendmusik . Zürich (588), 20.00 Uhr: Konzert des Hausorchesters. 20.00 Uhr. Hörspiel der „Freien Bühne". 21.20 Uhr: Walzer-Ade id. Prag (348), 19.15 Uhr: Uebertragung a. d. Nationaltheater: „Dalibor", Oper v. B. Smetan-, C'4Sc'4oe"i=>C5'-» E. Schick» Uhrmachermeister, SiNSheiM 6 , E. Tr.Seibt-Bertretcr — Lager in Telefunken - Röhren, Anoden-Batterie» — Sämtlichen Ersatzteilen, Varta-Akkumulator.n-Ladestation. — T.lrfou 19 Turnen, Sport und Spiel. Futzball-Ergebnisfe aus Süddeutschland. Gruppe Württemberg: Stuttgarter Kickers — Sportfreunde Stuttgart 3 :2. V.f.R. Heilbronn — F.B. Zuffenhausen 4:2. F.C. Birkenfeld — Union Bückingen 0 :1. Stuttgarter S .C. — V.f.B. Stuttgart 2:1. Gruppe Nordbayern: D.f. R. Fürth — A.S.B. Nürnberg (Samstag) 0:0. F.C. Fürth — F .C. Bayreuth 1:1. 1. FC. Nürnberg — F.V. 04 Würzburg 9 :0. Bayern Hof — Sp.Vg. Fürth 1 :2. Gruppe Südbayern: Wacker München — Bayern München (Samstag) 3 :4. S.V. München 1860 — Schwaben Ulm 5 :1. Jahn Regensburg — D.S.V. München .2 :1. GruppeBaden: Sp. Vg. Freiburg — SC. Freiburg 1 :0. Phönix Karlsruhe — Freiburger F.C. 4 :1. F.V. Offenburg — Karlsruher F.B. 1 :1. GruppeRhein. V.f.R. Mannheim — Phönix Ludwigshafen 2:1. Pfalz Ludwigshafen — S.V. Mannheim-Waldhof 1 :2. Ludwigshafen 03 — Sp.Vg. Sandhofen 2 :1. B.F.L. Neckarau — Phönix Mannheim 6 :0. F.B. Speyer — Mannheim 08 4 :1. ; Gruppe Main: Sport 60 Hanau — Viktoria Afchaffenburg 6 :4. S.C. Rotweiß Frankfurt — Offenbacher Kickers 1:1. Union Niederrad — F.S.B. Frankfurt 2 :3. F. Bg. Fechenheim 03 — Hanau 94 5 :2. V.f.R. Offenbach 1900 — Germania 94 Frankfurt 2 :1. Eintracht Frankfurt — 1. F.C. Hanau 1893 3 :0. Marktberichte. Schweinemarkt Sinsheim, 13. Sept. Dem heutigen Schweinemarkt waren zugeführt: 37 Milchschweine zum Preise von 20—30 Mark pro Paar. 30 Läufer zum Preise von 40—50 Mark pro Paar. Preise des Mannheimer Schlachtviehmark!s. Dem Schlachtviehmarkt am Montag waren zugeführt: 313 Ochsen, 172 Bullen, 239 Kühe, 312 Färsen, 644 Kälber, 63 Schafe 3529 Schweine. Bezahlt wurden pro 50 Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Ochsen al 62-63, all 46-52, bl 51-56. bll 40 -45, c 32—36, d — ; Bullen 1. Kl. 56-58 2. Kl. 46-50,3. Kl. 38-42, 4. Kl. 32—36; Kühe 1. Kl. 50 -53, 2. Kl. 36-38.3. Kl. 28-32, 4. Kl. 16—22: Färsen 62—64, 49-53, 38-42, Kälber 78-82, 74-76, 62—66, 58-62, — ; Schafe 42-48, — , Schweine 73-74, 74-75, 75—76, 73—74, 72—73, 66—70, 58—64. Marktoerlauf mit Großvieh und Kälbern mittelmäßig, geräumt: mit Schweinen ruhig, Ueberstand. Mannheimer Wochenmarktpreise vom 12. September. Der heutige Wochenmarkt war mäßig beschickt. Der Besuch ließ zu wünschen übrig, so daß auch das Perkaufsgeschäft befriedigt haben dürfte. Reichlich vertreten waren Obst und Gemüse. An Pilzen gab es nur Pfifferlinge. Das Angebot an Fischen konnte die Nachfrage befriedigen. Auf dem Geflllgelmarkt und der Ge- flügelbörse war die Zufuhr mittelmäßig. Eier und Butter waren wie immer reichlich angeboten. Die Preise blieben im wesentlichen unverändert. U. a. kosteten Aepfel 12—40 das Pfund, Birnen 10—40, Zwetschgen 10—18, Weißkraut 8-15, Bohnen 15—25, Eier 10—17 Pfg.; Eüßbutter 2,10—2,40, Landbutter 2,60—2,10, Hähne geschl. 2—4, Hühner 3,50—6 und Feldhühner 1,50—2,50 Mk. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 12. September 1927 Preise verstehen stch per 100 kg alles ln Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer 27,50—28,00 Weizen, ausländisch. 31,f 0—33,00 Roggen, inländischer 25,00—25,25 Roggen, ausländ. 25,50—26,25 Braugerste, inländ. 27,00—29,00 Hafer, inländischer 22,50—23,00 Hafer, ausländischer 23,75—24,50 Weizenmehl Sp. 0 39,75 Roggenmehl 70v/o 34,75—36,05 > Raps Tendenz: ruhig. Mais (mit Sack) . 19.75 - 20.06 Weizenkleie m. Sack 13,00—13,25 Biertreber mit Sack 16,50-17,00 Roh-Melaffe . . - Wiesenheu . . 7,20-7,80 Luzernekleeheu. . 8.80- 9,80 Preßstroh . . 4,40-4,80 Gebundenes Stroh 3,80—4,20 .... 34,00 Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank. e. G. m. b. H. Stns heim, vom 12. September 1927. «ulelhou: mit Äusiofungsschetn ohne Auslosungsschein . Bankaktie: Bad. Bank Darmstädter- und Nattonalbant 2 6 tu o/o in o/o ln Deutsche Bank DeutscheBereinsbank Dresdner Bank . . > Mitteldeutsche Creditbank Reichsbank .... Rhein. Creditbank . Siidd. Disconto Gef. Setgtaerfcs. Aktien Harpener Bergbau Kali Wefteregeln ManneSmunnröhrenwerke. Mansselder Bergb. u.Hülteuw Oberschl. Eisenb. Bedarf . . — Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb 109,90 Salzwerk Heilbronn . . isO Bereinigte Königs- Laurahütie — Aktien induftr. Unternehinnngeo: in o/o Allg. Elektr. Stammaktien . 117,75 Badenia Wetnbeim . . — Bad. Elektrtzuät Mannbeim — Bad. Maichinen Duriach . — Cementwerk Heidelberg lZ 9 Daimler Motoren . . . II« ! Dtfch. Gotd- und Stlberschetde 208 5t,85 : Elektr. Licht und Kraft . . — I«,SV Ematll. und Stanzwerk Ullrich 37 Farbeninduftrte . . . 287,50 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . 112 Karlsruher Maschinen . . 23 Knorr Heilbronn . . . I7i Mainkrastwerke Höchst . . 124 Reckarsulmer Fahrzeugwerk« . 1,3,50 Schlickert Elektr. Nürnberg . »95 Setltndustrie Wolfs ... o« Südd. Zucker . . . . 140,50 Zellstost Waldhof Stammaktien 302,2s Aktien deutscher Trauspertanftalte«: in 0,0 IS»,50 lo i ' 59,50 in o/o 197.50 178.50 168.50 Hamburg. Amertli. Paketfahrt Heidelberger Straßen- n. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . 113,25 Devisen: New-Iork l Dollar London 1 Pfund Holland lvo Gulden Schweiz lvo Francs Wien >00 Schilling Parts lvo Francs Italien 1VV Lire Geld 4.200t 20.428 »58.33 81.00 59,20 18.465 82,85 Brief 4.2081 80.488 168.67 81.18 89.32 16.505 22.89 Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Katharina Schuhmann Ww. geh. Lanig gestern früh 1,210 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden sanit entschlafen ist. Sinsheim-Heidelberg, 13. September 1927. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Joseph Wartmann u. Frau Maria geh. Schuhmann Joseph Herr u. Frau Jda geh. Schuhman Karl Friedei u. Frau Bertha geb. Schuhmann August Schuhmann u. Frau Klara geh. Mayer und Enkelkinder. Die Bee/digung findet am Mittwoch Nachmittag um 3 Uhr statt. Todes-Anzeige. Heute Nachmittag 1 Uhr verschied unerwartet infolge Schlaganfall Herr Friedrich Günthner Steuereinnehmer a. D. im Alter von 78 Jahren. Reihen, den 12. September 1927. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwo'h, den 14. September nachmittags Vs3 Uhr in Bad Rappenau statt MMMaar (Mf* SABOL* tUmOm- SHAMPOON Blupn lNi nfg SHIk » » W««t«*apk in Sinsheim: Friseur Ziegler Nftmöhle-Verkaus. Eine noch gut erhaltene ObstMühle fllrHand- und Krastbetrieb geeignet, dazu noch eine Ersatzsäge- walze für die Mühle, sowie ein Weinfaß, 250 Liter haltend, hat billig zu verkaufen Philipp Wieland,Reidenstem Uliilill khAAi Käse billiger ab Fabrik SPsd.TaselLSfe M.4.00 9 „ Dych. Edamer „ 4.93 9 „ holst. Tilsiter (delikat) „ 4.93 9 „ Holländer .. 7.00 ab hiei, Nachnahme, Porto Mk. 1.— aarant. vorzügl. schnitffeste Ware. E. 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