Erscheint täglich nit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.SV Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. In Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung deS 'Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Kernsprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lanöoote Sinsheimer General-Anzeiger für das Zeitung El/enz-unö §äuvarzbaclital weiteste un«l verbreitetst» Leitung äieter 6egenci. yLapl-Hnzeigen-Matl Möcbeotlicbe Beilagen» Mock« unck lseirn » Oer Kobold • Neu« 'JUnTtrUrte » CatidwlrtTdiaftUcbe Beilage rrn^ergen-Preise: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Go'.dpfg. Grundschrift im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Nech- nungsdatum oder bei gerichtliche! Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben iverden. Bank-Konto: Bereinsbank Sinsheim e, G. m. b. L. M 176. Donnerstag» den 15. September 1927. 88. Jahrgang Die Gesetzesvorlagen nicht fertig. Aeichstagszusammentritt hinausgefchoben. Berlin, 15. Sept. Die Herbsttagung des Reichstages wird nun nochmals hinausgeschoben werden. Zn der heute nachmittag abgehaltenen Sitzung des Aeltcstenrats wurde eine Mitteilung des Reichskanzlers Dr. Marx verlesen, daß die drei Gesetzcsvor- lagen, mit denen sich der Reichstag in seiner Zwischentagung beschäftigen sollte, vor dem 17. Oktober nicht vorgelegt werden können. Diese Mitteilung rief im Aeltcstenrat die größte Ueberraschung hervor, denn man hatte beim Auseinandergehen im Iuli vereinbart, daß der Reichstag am 26. September Zusammentritt» solle. Später wurde dann dieser Termin bis zum 3. Oktober hinausgeschoben. Run aber soll sich der Reichstag frühestens in der zweiten Hälfte des Oktober versammeln können. Abgeordneter von Guerard erklärte, daß er sich erst mit dem Borstand der Zentrumsfraktion beraten wolle, bevor er zu dieser neuen Verschiebung Stellung nehme. Reichsinnenminister v. Keudell suchte die Schuld auf den Reichsrat und die Länder abzuwälzen, indem er erklärte, das Ei« Vorschlag Nansens zur obligatorischen schiedsgerichtlichen Regelung von Streitigkeiten. Geus, 15. Sept. In der gestrigen Nachmittagssitzung des Abrüstungsausschusses des Völkerbundes legte der erste Delegierte Norwegens, Frithjof Nansen, einen Entwurf für eine internationale Konvention für die obligatorische schiedsgerichtliche Regelung von Streitigkeiten vor, der folgende Bestimmungen vorsieht: 1. Die Signatarstaaten verpflichten sich, alle zwischen ihnen bestehenden Streitfragen für den Fall, daß eine Einigung auf dem Wege der üblichen diplomatischen Mittel oder auf dem Wege gerichtlicher Entscheidung innerhalb eines normalen Zeitraumes nicht erzielt werden kann, sich folgender schiedsgerichtlichen Regelung zu unterwerfen. 2. Bei allen juristischen Streitfragen einschließlich derjenigen, die sich auf die gegenseitige Rechtslage der beiden streitenden Staaten beziehen, sowie insbesondere den in Artikel 36, Abs. 2, des Statutes des Haager Internationalen Schieösgerichtshofes angeführten Fragen erkennen die Signatarstaaten die Zuständigkeit des Haager Schiedsgerichtshofes als obligatorisch an, und -zwar ipso facto und ohne besondere Uebereinkunft. In denjenigen Fragen, wo es zwei-' felhast ist, ob es sich um Differenzen über die gegenseitige Rechtslage handelt oder bei der Kategorie derjenigen Fragen, die in Artikel 36, Abs. 2 des Statuts des Haager Schiedsgerichtshofes erwähnt sind, soll dieser Schiedsgerichtshof selbst entscheiden. 3. In allen denjenigen Streitfragen, die nicht unter die eben genannte Regelung fallen und in denjenigen, wo eine Uebereinkunft durch eine Intervention des Völkerbundsrates auf Grund von Artikel 15 des Statutes nicht erreicht werden kann, kommen die Signatarmächte überein, sich folgendem Verfahren zu unterwerfen: a) die Streitfrage wird einem Komitee von Schiedsrichtern unterworfen, das auf Grund gegenseitiger Uebereinkunft zwischen den beiden Parteien gebildet wird. d) Falls die beiden streitenden Parteien nicht zu einer Uebereinkunft über die Zahl, die Personen- u. Machtbefugnisse der Schiedsrichter oder über das schiedsgerichtliche Verfahren kommen, kann der Völkerbund selbst auf Grund eines Mehrheitsbeschlusses das Schiedsrichterkomttee biloen und die Fragen zestlegen, über die das Komitee entscheiden soll. e) Die streitenden Parteien verpflichten sich, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die Entscheidung des schiedsgerichtlichen Komitees anzunehmen und im Laufe einer Zeit von 6 Monaten loyal durchzuführen. 4. Diese Konvention berührt in keiner Weise die Rechte und Verpflichtungen der Signatarstaaten sowie andere schiedsgerichtliche Konventionen, die bereits bestehen oder in Zukunft eingegangen werden. In der Begründung zu diesem Entwurf wies Nansen darauf hin, daß eine internationale Konvention über die schiedsgerichtliche Regelung von Streitfragen die Durchführung der Abrüstung erheblich erleichtern würde. Die Abrüstung sei jedoch auf Grund des Völkerbundpaktes durchführbar. Ter Stand der gegenwärtigen Rüstungen in Europa sei noch außerordentlich hoch. Tie Militärbudgets in Europa betrügen gegenwärtig insgesamt 19 Milliarden Goldfranken und entsprächen beinahe dem Niveau der Rüstungsausgaben von 1914. Tie von ihm vorgeschlagene schiedsrichterliche Regelung, die keinen obligatorischen oder fakultativen Charakter trage, könnte auf dem Wege der Abrüstung einen Schritt vorwärts bedeuten. Der ungarische Delegierte, General Tancos, erklärte hierauf, baß Ungarn jegliche Regelung, sei cs dem Genfer Protokoll oder einer»- obligatorischen Schiedsgerichtsverfahren, seine Zustimmung geben würde unter der Bedingung, daß nicht nur bi? besiegten Staaten, sondern sämtliche Mächte zur Durchführung der Abrüstung gezwungen würden. Gegenwärtig gebe es Staaten, die abgerüstet, und Staaten, die noch voll gerüstet seien und nicht daran dächten, zu einer Einschränkung ihrer Rüstungen zu schreiten. Die Mächte, die noch nicht abgerüstet hätten, erklärten, daß der Artikel 10 des Bölkerbundspaktes den abgerüsteten Staaten eine genügende Sicherheit gewähre. Es sei nicht zu begreifen, preußische Kabinett habe eine größere Anzahl Anträge gestellt und die übrigen Landesregierungen hätten neue Fristen verlangt. Schließlich einigte manfiich, daß der Aeltestenrat morgen nachmittag nochmals sich mit der Angelegenheit befassen soll. Der Strafrechtsausschuß des Reichstages, dessen Beratungen man mit lebhaftem Interesse entgegensieht, nimmt seine Arbeiten am 21. September auf, während am 22. 9. sich der Reichshaushaltsausschuß versammeln wird, um über die Höhe der Vorschüsse auf die kommende Neuregelung der Besoldungsordnung zu beschließen. Der Reichsrat hält seine erste Sitzung nach den Sommerferien am Donnerstag, den 15. September ab. Auf der Tagesordnung stehen keine Vorlagen. Der preußische Staatsrat tritt am 28. 9. wieder zusammen. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages ist zum 26. 9. einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Aussprache iber die Steuervereinheitlichung. Die Vollsitzungen des Preußischen Landtages werden am 11. 10. wieder ausgenommen werden. warum dieser Artikel nicht auch eine genügende Sicherheit für diejenigen Staaten geben könne, die heute noch nicht abgerüstet seien. Ungarn warte jetzt auf den Augenblick, da auch die heute noch schwer gerüsteten Staaten die von ihnen übernommenen Abrüstungsverpflichtungen voll durchführen würden. Genf, 14. Sept. Im weiteren Verlauf der Generaldebatte über die Abrüstungsfrage in der heutigen Sitzung des Abrüstungsausschusses des Völkerbundes sprach sich der italienische Delegierte für den polnischen Besoldungsentwurf in der vorliegenden Fassung aus, während der britische Delegierte betonte, daß der polnische Antrag von der vorbereitenden Abrüstungskommission behandelt werden müsse, die sich überhaupt mit dem Gedanken der Sicherheit eingehend zu beschäftigen haben werde. Hierauf sprach der Unterstaats- sckretär im englischen Kriegsministerium, Lord Onslow, der sich gegen die gestrigen Erklärungen Paul Boncours wandte und betonte, baß in den allgemeinen Fragen der Abrüstung bereits eine Einigung erzielt sei. Es müsse gegenwärtig ein Fortschritt in der moralischen Abrüstung festgestellt werden. Je mehr man die Dinge studiere, desto mehr sehe man die Schwierigkeiten, die in den Verhältnissen der einzelnen Länder begründet seien. England befinde sich bereits auf dem Wege der Abrüstung und sei entschlossen, die übernommenen Abrüstungsverpflichtungcn durchzuführen, um die Abrüstungssrage zu einem Erfolg zu führen. England sei ferner bereit, die Kontrolle der privaten und staatlichen Waffenherstellung in Erwägung zu ziehen. Lord Onslow betonte sodann, England könne den bisher übernommenen Verpflichtungen keine neuen hinzufügen, und bezeichnete eine Wiederaufnahme der Debatte über das Genfer Protokoll als für den Völkerbund schädlich. England werde einer Wiederaufnahme der Debatte seine Zustimmung nicht erteilen können. - l Die Generaldebatte im Abrüstungsausschuß wird am Freitag fortgesetzt werden. Eine Rede Graf Bernstorffs Genf, 15. September. Graf Bernstorff, der Deutschland bereits in der vorbereitenden Abrüstungskommission vertreten hat, ergriff gestern im Abrüstungsausschuß das Wort zu einer Erklärung, in der er den deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage skizzierte. Die Ausführungen Graf Bernstorffs wurden von der Kommission mit großem Interesse ausgenommen. Der Redner hob zunächst hervor, daß Deutschland jede Regelung der Abrüstungsfrage annehmen werde, wenn nur überhaupt abgerüstet werde. Er beabsichtige nicht, als Vertreter eines bereits abgerüstetcn Landes im Rahmen der Generaldebatte, die nur prinzipielle Fragen behandle, für die Abrüstung der anderen Länder Einzelvorschläge zu machen. Es erscheine ihm jedoch erforderlich, im Hinblick auf die Debatte der letzten Tage auf die historische Entwicklung des Begriffs „Sicherheit" im Laufe der letzten zehn Jahre hinzuweisen. Die Note, die Clemenceau im Namen der alliierten und assozierten Mächte am 16. Juni 1919 Deutschlad übergeben habe, enthalte eine technische Interpretation dieses Begriffes. In der Note heißt cs, daß die Entwaffnung Deutschlands den ersten Schritt zu der allgemeinen Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen darstelle, die die alliierten und assozierten Mächte als eines der wesentlichsten Mittel zur Verhütung des Krieges ansähen. Die Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen sei eines der Hauptprinzipien des Völkerbundes. Graf Bernstorff wies sodann auf die vorgestrigen Ausführungen Paul Boncours hin, in denen der Gedanke der Abrüstung vornehmlich durch Sicherheit ausgestellt worden iei. Dem stellte Graf Bernstorfs die Formulierung der Sicherheit durch Abrüstung gegenüber. Die Vollversammlung von 1926 habe die Sicherheit für hinreichend garantiert angesehen, um bereits im Jahre 1927 eine Abrüstungskonferenz einberufen zu können. Der holländische Delegierte London, der Vorsitzende der vorbereitenden Abrüstungskonferenz, habe erklärt, die Sicherheit sei inzwischen noch gewachsen. Es sei nicht verständlich, warum nunmehr die Sicherheit wieder als ungenügend angesehen werden solle. Tie Sicherheit schreite fort, doch sei ihr bisher nicht die Abrüstung gefolgt. Während die Sicherheit iw der letzten Zeit grobe Fortschritte gemacht habe, zeige der Abrüstungsgedanke seit dem Versailler Vertrag nicht den geringsten Fortschritt. Ter klare Wortlaut des Absatzes 6 des Artikels 8 des Völkerbundspaktes verlange ferner die volle Publizität des materiellen Rüstungsstandes der Länder. Dieser Absatz sei bisher niemals durchceführt worden. Graf Bernstorff betonte sodann, in der öffentlichen Meinung aller Länder werde die Sicherheit lediglich als eine Terminologie ausgefaßt, um desto besser den Aufschub der Abrüstung verbergen zu können. Man müsse jetzt der Welt zeigen, daß man wttlich ehrlich abrüsten wolle. Der Redner erlkärte dann,, zu dem Antrag des polnischen Delegierten in der nunmehr vorliegenden Form einverstanden zu sein. Er hob hervor, es sei nicht verständlich, aus welchem Grunde der Zusammentritt der vorbereitenden Abrüstungskonferenz verschoben werden solle. Der Gedanke der Sicherheit müsse selbstverständlich auch won der vorbereitenden Abrüstungskommission erörtert werden. Nicht durch Verschiebung, sondern allein durch Beschleunigung der Abrüstungsarbeiten könne man vorwärts kommen. Gras Bernstorff schloß mit den Worten: „In den Debatten der letzten Tage ist die Trilogie ausgestellt: Warten — hoffen — handeln! — Wir fordern jedoch vor allen Din? gen das Handeln im Interesse des Paktes und der Menschheit!" - Die Ausführungen Graf Bernstorffs wurden von der Versammlung mit langanhaltendem Beifall'ausgenommen. Die Rückkehr der deutschen Delegation lij aus Genf 1 Genf, 15. Sept. Dr. Stresemann wird sich wahrscheinlich anfangs nächster Woche nach Berlin zurückbegeben, doch dürfte seine Abreise von dem weiteren Verlauf der Ratsverhandlungen sowie von der Rückkehr Briands nach Genf abhängig sein. Die übrigen Mitglieder der deutschen Delegation werden voraussichtlich Mitte nächster Woche nach Berlin zurückkehren. Außenminister Briand begibt sich nach den bisherigen Dispositionen am Freitagvormittag um 11 Uhr nach Paris, um an der am Samstag stattfindenden Kabinettssitzung teilzunehmen. Ob Briand Anfang nächster Woche wieder nach Genf zurückkehren wird, wie ursprünglich vorgesehen war, steht noch nicht fest. Außenminister Chamberlain reist voraussichtlich bereits am Donnerstagabend ab. Vor einer Ausrollung der Mandatsfrage London, 15. Sept. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" erwartet für die nächste Zeit ein Akut- weröen der Frage des Status der Mandatskommission, nachdem zwischen der ständigen Mandatskommission des Völkerbundes und der südafrikanischen Regierung erhebliche Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht seien. Tie südafrikanische Regierung sei der Ansicht, daß mit der Uebertragung eines Mandates gleichzeitig auch die Souveränitätsrechte über das betreffende Gebiet verliehen würden, während die Man- datskvmmisivn in ihrem Jahresbericht an den Völkerbund zu dem Ergebnis kam, daß die Souveränität über die Mandatsgebiete dem Völkerbund verbleibe. Italien weiche von beiden Auffassungen ab und vertrete die Ansicht, daß die Souveränität über alle Mandatsgebiete kollektiv bei den alliierten Mächten und nicht bei dem Völkerbund ruhe. . ’ j Die Taifun-Katastrophe in Japan Mehr als 3000 Tote! __ London, 14. Sept. Nach den letzten Berichten aus de» verschiedensten Teilen Japans ist der durch Ueberschwem- mungen und Taifune angerichtete Schaden außerordentlich groß. In Kyushu, auf der südlichsten Insel Japans, wird die Zahl der Toten zwischen 1000 und 1150 angegeben. Die Stadt Kojima sowie die Städte Nakamura und Nagasaki wurden am schwersten von dem Unwetter betroffen. Die drei Städte und ein zwei Meilen dahinter liegendes Gebiet wurden vollständig überschwemmt. In Koiima wurden 2000 Häuser zerstört, in Nakamura etwa eine gleiche Anzahl und in Nakajima etwa 500. Ter Taifun brach etwa um 10 Uhr morgens aus und dauerte unterbrochen bis 11.30 Uhr mittags. Im Innern des Landes sind die Flüsse über ihre Ufer getreten und haben große Teile der Reisernte vernichtet. In Omuta stehen '5000 Häuser unter Wasser und 15 000 Personen sind obdachlos. Nagasaki hat unter schweren Stürmen gelitten, ist aber von den schlimmsten Ausbrüchen des Taifuns verschont geblieben. Auch in Kumanoto haben, wie man befürchtet, nur wenig der zahlreichen Schiffe und Strandboote sich vor dem Sturm retten können. London, 14. Sept. Die während der letzten Tage über Süöjapan niedergegangene Taifun- und Ueberschwemmungs- katastrophe stellt sich nach den letzten aus Tokio eingegangenen Meldungen als wesentlich schwerer heraus, als die ersten Berichte vermuten ließen. Die Zahl der Toten wird offiziös mit dreitausend angegeben. Weitere tausend Personen werden noch vermißt. Die östlichste der vier Hauptinseln Japans, Kynshu, hat in ihrer ganzen Ausdehnung schwer gelitten. Infolge der Unterbrechung der Verbindungen mit Tokio sind dort Einzelheiten über die Katastrophe nur sehr schwer zu erhalten und vielfach unbekannt. Fest steht jedoch, daß es sich um den schwersten Taifun handelt, von dem Japan in den letzten vierzig Jahren betroffen worden ist. In dem Bezirk Kumamoto wurden 70 000 Acres kultivierten Landes überschwemmt. Flugzeuge, die die verwüsteten Gebiete überflogen haben, haben Lichtbildaufnahmen mitgebracht, die ein anschauliches Bild der schweren Verwüstungen geben. In Tokio, das heute früh von dem Taifun erreicht wurde, wurden dreißig Kinder durch Teile eines weggetragencn Daches verwundet. Besonders schwer wurde auch die Stadt Fukuoka betroffen. Gin neuer Vorstoß Nansens. Norwegen fordert Ausdehnung der obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit aus alle Streitfälle. Nr. 176. Jahrgang 1927. Kein Attentat auf den spanischen König Madrid, 14. Sept. Tie Gerüchte über ein Attentat auf König Alfons werden entschieden dementiert. Ter König befindet sich zur Zeit gar nicht in der Hauptstadt, sodern in San Sebastian. Hier erfuhr man erst auf dem Umweg über das Ausland von den Gerüchten über einen Anschlag auf den König. Diese Nachrichten erregten um so größeres Aufsehen, als nicht das Geringste geschehen war. was derartigen Gerüchten zum Ausgangspunkt hätte dienen können. Allein die Tatsache, daß die Minister gestern abend ein Bankett veranstalteten, das bis heute früh 1 Uhr dauerte, beweist die Haltlosigkeit der Auslandsinformationen. Nardim doch das Opfer eines politischen Attentats Paris, 18. Sept. Wie zu der Ermordung des italienischen Bizekonsuls in Paris verlautet, verdichtet sich der Verdacht, daß der Mörder nicht aus persönlichen, sondern aus politischen Motiven gehandelt hat. Tie italienische Polizei übermittelte den französischen Polizeibehörden Auskünfte, nach denen der Mörder zahlreiche Beziehungen zu ausländischen Kommunisten unterhalten haben soll. Abbruch des Weltfluges in Tokio London, 14. Sept. Der „Stolz von Detroit" wird durch schwere Stürme in Omura ausgehalten. Nach den letzten Meldungen ist der Brennstoff, den die Weltflieger für die Ueberquerung des Pazifik dort erwarteien. nicht eingetroffen. Man glaubt, daß die Pi'vten unter diesen Umständen den Flug in Tokio abbrechen werden. London, 14. Sept. Wie „Exchange" aus Tokio meldet, sind die beiden amerikanischen Weltflieger mit ihrem Flugzeug „Stolz von Detroit" heute nachmittag in Tokio einge- troffen. Obwohl die Bevölkerung durch die schweren Taifunverwüstungen stark deprimiert ist, wurde den Fliegern ein begeisterter Empfang bereitet. “7 ‘ im Kmert kt Alker Fm Nachfolgenden geben wir die Eindrücke einer Unterredung mit dem sowjetrussischen Botschafter in Paris, R a k o w s k i, wieder, die ganz besonders in diesem Augenblick von großem Interesse sind, in dem der Außenminister Briand im Begriff steht, Genf zu verlassen, um persönlich in den Konflikt einzugreifen, der durch die Pariser Rakowski-Affäre entstanden ist und dessen Auswirkungen vorläufig noch nicht übersehen werden könne. Das Problem der Unvereinbarkeit der diplomatischen Sonderstellung der Sowjetgesandten mit weltrevolutionärer Propaganda ist durch diese Affäre jetzt auch für Frankreich gestellt worden. (Die Schriftleitung.j Zur Zeit hat es den Anschein, als würde in Paris wieder einmal von einer gewissen Seite sehr lebhaft an dem Abbruch der französisch-russischen Beziehungen gearbeitet. Es verlautet, daß einige Mitglieder des Pariser Kabinetts auf dem Standpunkt stünden, daß die französische Negierung die sofortige Abberufung des Botschafters Rakowski verlangen muffe. Außenminister Briand erklärt jedoch, er betrachte seinerseits die Angelegenheit durch die Erklärung Tschitscherins als vorläufig erledigt. Ein gelegentlicher Sonderkorrespondent der Wiener „Neuen Freien Presse", Dr. Dücsberg, suchte in diesen Tagen den Botschafter Sowjetrußlands in Paris auf und bat ihn um eine Aenße- rung zu dieser neuen Lage in den Beziehungen der beiden Mächte. ' „Ohne Zweifel", erklärte Herr Botschafter Rakowski, „führt ein Teil der Presse eine Kampagne zugunsten des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich. Aus welchem Grunde! Sicherlich aus mehreren Gründen, einmal unter dem Druck einflußreicher auswärtiger industrieller Gruppen, die ein Interesse daran haben, unser Handel mit Frankreich zu unterbinden, besonders den Petroleumhandel, bei dem jetzt viel die Rede von einem Monopol des Ankaufs des ausländischen Petroleums ist. In diesem Monopol würde das russische nach einmütiger Auffassung aller Sachverständigen eine ganz besonders hervorragende Rolle spielen. Bon diesen wirtschaftlichen Gründen abgesehen, bildet diese Kampagne unzweifelhaft auch einen Auftakt zu der bevorstehenden französischen Weltkampagne. Ich glaube nicht, daß es in Frankreich ernsthafte Politiker auch nur auf der Rechten gibt, die leichten Herzens einen Bruch zwischen ihrem Lande und Sowjetrußlanü ins Auae fassen würden. Nach meiner Auffassung hat Frank- Ein Frühlingstraum. 25) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. „Ich möchte jetzt gehen; lebe wohl so lange, Papa." Wols hielt ihm die Hand hin, in die sein Vater kräftig einschlug. „Möge cs Dir zum Glück auslaufen", sagte er leise mit bebender Stimme; seine bewegliche Natur war leicht zu rühren. Tann fühlte er auch Gewissensbisse, daß der Sohn durch ihn zu einem Ehebunde getrieben wurde, von dem das Herz nichts wußte! Wolf holte tief Atem; seine Gestalt straffte sich, und festen Schrittes ging er hinaus. Draußen bürstete ihn der Bursche nochmals ab. Gar zu gern hätte er gewußt, wo sein Leutnant eigentlich hinwollte; sonst war er doch immer so freundlich und nicht so furchtbar ernst wie seit gestern. Wolf las ihm jenen Wunsch vom Gesicht ab. „Damit Sie es wissen, Wilhelm — ich hole mir heute eine Braut!" sagte er. Ruhig konnte er schon vorher davon sprechen — denn einen Korb bekam er nicht! „U je, Herr Leutnant, das freit mich aber! Doch gewiß das hübsche Freilein, das brinne ufn Schreibtisch steht? Da gratuliere ich! Tie is zu hübsch!" „Dummes Zeug", entgegnete Wolf, „daS Fräulein steht nicht auf dem Schreibtisch — es ist überhaupt kein richtiges Fräulein, nur ein Phantaflebild!-So, 's ist gut!" — Pfiffig lachte der Bursche hinter ihm her. „Kenn richtiges Freilein? Na, wer S gloobt! An wen hat er denn sonst de Villen Briese jeschrieben un von welche jekriegt? Dann konnte das Bild ooch ruhig steh n bleiben! DaS kennen mr! Na, mich foll's ejal sinn! Er wird sich nu jewiß 'ne recht reiche nehmen — brauchen können wtr'S ja — ob die aber so hibsch is, wie die Kleene da brinn?" Er zuckte die Achseln und pfiff zum Stiefelputzen den Gassenhauer: ' 'sin Herz, das ist ein Bienenhaus —' „Ach, lieber Wolfsburg", ries Bankier Ulrich Wolf entgegen, als ihm dieser gemeldet wurde. „Nun, so feierlich?" Der Laudbote * Sinsheimer Zeitung. reich nichts durch einen Abbruch der Beziehungen zu gewinnen. Frankreich hat weniger als ein anderes Land ein Interesse daran, auf dem Kontinent einen Konflikt hcranf- zubeschwören." „Ist Ihre Stellung in Frankreich seit dem Bruch zwischen Rußland uü England schwieriger geworden?" „Es ist nicht zu bestreiten, baß unsere Lage viel heikler geworben ist, nicht so sehr in unseren Beziehungen zu der französischen Regierung, als vielmehr in unseren Beziehungen zu einem Teile der französischen Oeffentlichkeit. Tie Leichtfertigkeit, mit der ein Teil der Presse jetzt von der Möglichkeit eines Abbruches spricht, ist unbedingt die Folgeerscheinung des Bruches mit England. Eine solche Agitation muß selbstverständlich Rückwirkungen auf unser Verhältnis zu Frankreich haben, aber trotzdem glaube, ich, daß die Meinung des Durchschnittsfranzosen uns nach wie vor sympathisch ist. Ich glaube, die durchschnittliche öffentliche Meinung hier zu kennen und kann sagen, daß sie durchaus friedlich ist. In diesem Zusammenhang möchte ich mich besonders noch ausführlich zu der Frage des russischen Petroleums äußern, gegen das eine unerhörte Kampagne geführt wird. Unsere Petroleumproduktion nimmt in beträchtlichem Maße zu, unsere Petroleumausfuhr übertrifft bereits bei weitem die Vorkriegsausfuhr. Da andererseits unser Petroleum besser und billiger ist und seine Anwesenheit auf dem internationalen Markt zur Preisverbilligung ganz erheblich beitrug, ist es selbstverständlich, daß die großen Petroleumtruste uns von dem Markte zu verdrängen versuchen. Derjenige, der den Feldzug gegen uns ins Werk gefetzt hat, ist Sir Henry Teterding, der Direktor der Royal Dutch, auch unter dem Namen Shell and Cie. bekannt. Ihm haben sich, wenn auch mit einiger Zurückhaltung, die Standard Oil of Newjersey angeschlosien, während andere Gruppen des Standard American, wie Standard Oil of Newyork und Vacuum Oil sich für uns haben. Diese letzteren haben sogar mit uns langfristige Kontrakte für den Ankauf russischer Naphtaprodukte abgeschlossen, und die Standard Oil-Cie von Newyork hat bereits eine große Petroleumraffinerie in Batum errichtet. Das alles sind sehr natürliche Gegensätze, der Feldzug Sir Henry Teterding gegen uns wird jedoch unerträglich, wo er in eine reine Handelsangelegenheit politische Argumente hineinträgt. Das ist umso befremdender, als Deterüing uns 1922 und 1923 beträchtliche Mengen Petroleum abgekauft hat und auch im letzten Jahr noch mit uns Verhandlungen führte." „Hat die Unterzeichnung des deutsch-französischen Handelsvertrages für Rußland irgendwelche Bedeutung?" „Wir haben gute Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich stets mit Sympathie begrüßt. Wir sind der Meinung, daß durch die politische Konsolidierung Deutschlands die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Sowjetregierung und dem Deutschen Reiche nur befestigt werden können. Je unabhängiger Deutschland wird, um so wertvoller wird uns seine Mitwirkung an der wirtschaftlichen Wiederaufrichtung der Sowjetrepublik sein. Wir bekämpfen jede Politik, die zur Isolierung Sowjetrußlanös führen würde, und von diesem Standpunkte aus befürchten wir einseitige Abmachungen. Wir begrüßen dagegen jede Politik, die zur Beseitigung der Gegensätze beiträgt, zumal der Gegensätze, die zwischen uns und den anderen Ländern bestehen. Wir haben unsere Interessen mit denen Denuch- lands in Einklang gebracht. Es ist zu hoffen, drß wir in den noch schwebenden Fragen zu einer Verständigung mit Frankreich gelangen werden, und ich gebe nicht die Hoffnung auf, daß wir später auch zu demselben Resultat mit England gelangen." Der Reichsprästdent in Swmemünde Swinemünde, 15. Sept. Gestern früh tras der Reichsprästdent auf seiner Fahrt zu den Flottenmanövern i» Swinemünde ein. Reichswebrminister Dr. Getzler, der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, der Chef der Marinestation der Ostsee, Vizeadmiral Raeder. und der Vertreter des Chefs der Heeresleitung, General der Artillerie Bleidorn erstatteten ihm bei seiner Ankunft Meldung. Darauf schritt der Reichsprästdent die Ehrenkompanie der dritten Marineabtcilung ab. Auf dem Btarktplatz hatte sich die Bevölkerung Swinemünöes versammelt, die in begeisterte Hochrufe ausbrach, als der Reichspräsident erschien. Bürgermeister Dr. Leschke hielt eine kurze Ansprache und brachte auf .den Reichspräsidenten ein dreifaches Hoch aus. Von Salutschüssen der Flotte begrüßt, begab sich Hindenburg auf dem Tender „Hela" zum Flottenflaggschiff der „Schleswig- Holstein". Das Linienschiff begab sich sofort in See zur Abnahme der Parade der vor der Swinemünder Bucht versammelten Schiffseinheiten. Die Flottenparade vor dem Reichspräsidenten Swinemünde, 15. Sept. Kurz nachdem sich das Paraöe- flaggschiff „Schleswig-Holstein", auf dem sich der Reichsprä- fragte er, als Wolf in förmlicher Haltung vor ihm stehei blieb. »Ja, Herr Ulrich", entgegnete dieser ernst, ich nehm« Bezug auf unsere gestrige Unterredung und habe die Ehre Sie um die Hand Ihrer Fräulein Töchter zu bitten. Sb werden sie mir hoffentlich nicht versagen, und mein Vestre ben soll es sein, Fräulein Gabriele glücklich zu machen." Eine Röte stieg in des Bankiers Gesicht bei diesen eiskal gesprochenen Worten; am liebsten hätte er dem hochmütiger Offizier gezeigt, daß-aber hatte er sich nicht selbst di< Hände gebunden? Deshalb erwiderte er in gemessenem Ton „Davon bin ich überzeugt; Ihr Antrag ist mir eine Ehre, es fragt sich aber, wie meine Tochter darüber denkt; sie Hai mir niemals eine Andeutung gemacht." Bet diesen Worten blitzte es in Wolfs Augen aus, danr sagte er ruhig: „Sie können mir Ihr Fräulein Tochter ruhig anvertrauen; vielleicht lernt sie mich doch lieben!-Was meine Vermögensverhältnifse anbetrifft, so sind dieselben vollständig geregelt. Ich besitze eine kleines Vermögen von 10 00C Mark. — Schulden habe ich nicht — und Verpflichtungen ebenfalls nicht — nach keiner Seite hin — es ist alles erledigt!" „Aber warum sagen Sie mir das alles, lieber Wolfs- burg", entgegnete ihm der Bankier, „ich kenne Sie ganz genau und weiß, daß mein Kind nirgends besser aufgehoben sein wird, als bei Ihnen! Nun will ich meiner Tochter von Ihrem Hiersein sagen und —" „Bitte noch einen Augenblick, Herr Ulrich! Mein Vater ist mir ganz überraschend gekommen; er ist auf der Durchreise nach M.; trotzdem habe ich ihn allein gelassen, damit er bei günstigem Bescheid JhreS Fräulein Tochter meine Braut gleich kennen lernt!" „Ah, das ist ja charmant, ganz charmant! Wie mich daS freut! Ihr Herr Vater ist wohl selten hier? Wenigstens :rtnnere ich mich nicht —" „Ganz offen, Herr Ulrich", unterbrach ihn Wolf, „wir varen «nS durch äußere Umstände ganz fremd geworden; lber zum Glück find jetzt die Mißverstäuüuiffe beseitigt! — Donnerstag, den 15. September 1927. sident befand, in See begeben hatte, folgten verschiedene dicht besetzte Passagierdampfer aus Stettin und Swinemünöe. Ten Schluß bildete der Lloyddampfer „Roland", der von der Marineleitung gechartert war, und unter Befehl des Vizeadmirals Pfeiffer stand. An Bord des „Roland" sah man u. a. mehrere Mitglieder des Reichsrats, darunter den bayerischen Gesandten von Preger, den württembergischen Gesandten Staatsrat Dr. Boslev, den sächsischen General a. D. Ministerialrat Schulz, den preußischen Ministerialdirektor Dr. Frick, ferner verschiedene Reichstagsabgeorü- nete und den Kommandeur der 2. Infanteriedivision von Amsberg. Nachdem die Schiffe sich etwa 15 Meilen von der Küste entfernt hatten, erschien im Nordosten die in Kiellinie fahrende Flotte, die kurz bevor sie an Backbordseite des Flaggschiffes vorbeidefitierte, einen Salut von zwei Schüssen abgab. Die Besatzung der Flotte hatte Paradeaufstellung genommen und brachte ein dreifaches Hurra aus. Zunächst defilierten die Linienschiffe mit dem Kommandeur Admiral Prentzel au Bord, bann „Hessen" und „Elsaß". Es folgten die Kreuzer „Berlin", „Amazone" und „Nymphe". Hieran anschlossen sich zwei Torpedobootsflottillen mit den drei erst nach dem Kriege erbauten Torpedobooten „Seeadler", „Möve" und „Falke", während den Schluß eine Minensuch- bovthalbflottille bildete. Nach Beendigung der Parade hißte das Flaggschiff ein Signal, das einen Gruß an die Gäste der M rrineleitung zum Ausdruck brachte. Während die Minensuchhalbbootflottille nach Swinemünde zurückkehrte, formierte sich der übrige Flottenverband zu Gefechtsübungen. Die Uebungen, die sich auf der Höhe zwischen Diovonow und Kolberg abspielten, bestanden aus einer U-Boot-Sicherung des Flotten- verbanöes durch Torpedoboote, einer Nebelfahrt mit Kursänderungen nach akustischen Signalen, Vorpostenstellung der Torpedoboote und ausgedehnten Evolutionen des ganzen Verbandes. Den Abschluß der Uebungen bildete eine Vorbeifahrt des Flaggschiffes an dem in Kiellinie aufgestellten Flottenverband. Während ds Begleitschiff „Roland" nach einer Huldigung seiner Besatzung an den Reichspräsidenten nach Swinemünde «urückfuhr, blieb die Flotte auf hoher See, um mit den eigentlichen Manövern zu beginnen. Am Donnerstag früh trifft der Reichspräsident wieder in Swine- müude ein, um sich an Bord des Kreuzers „Berlin" zu begeben. der ihn nach Königsberg in Preußen bringsu fotz. Richtlinien für die Hindenburg-Geburtstagseier Berlin, 14. Sept. Amtlich wird mitgeteilt: Wie den zuständigen Stellen bekannt geworden ist, sind vielfach Zweifel darüber aufgetancht, in welcher Weise der 89. Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten würdig gefeiert werden kann. Ueber diese Frage hat dos Reichsministerium des Innern bereits vor einiger Zeit ein Rundschreiben an die Länderregierungen gerichtet, das dem Wunsch des Herrn Reichspräsidenten entspricht, von besonderen Feiern aus diesem Anlaß abzusehen. Die Reichsregierung werde daher weder in Berlin noch in sonstigen Orten Deutschlands amtliche Feiern veranstalten, wie. auch die Länderregierungen gleichfalls auf solche Feiern verzichten werden. Im übrigen h--t die Reichsregierung in dem Rundschreiben den Länder- regierungen vorgeschlagen, folgendes zu veranlassen: 1. Beflaggung sämtlicher Dienstgcbäude des Landes und der Staötgemeinden. 2. Veranstaltung von Schulfeiern am Samstag, den 1., oder Montag, den 3. Oktober. Ausfallen des Schulunterrichts im Anschluß an diese Feiern. 8. Fühlungnahme mit den Kirchenbehörden, damit am 2. Oktober 1927 in de» Gottesdiensten des Geburtstages des Reichspräsidenten gedacht wird. Vor Verabschiedung der Besoldungsvorlage Berlin, 14. Sept. Wie die Tel.-Union erfährt, wird das preußische Kabinett heute nachmittag 17 Uhr die Beratungen über die Besoldungsfrage fortsetzen. Auf preußischer Seite hofft man, bis zu der voraussichtlich morgen vormittag 19.30 Uhr stattfindenden'Sitzung des Reichskabinetts die Beratungen zum Abschluß gebracht zu haben. Ob Reichsfinanzminister Dr. Köhler an den Beratzungen des preußischen Kabinetts .teilnehmen wird, hängt davon ab, wie er über seine Zeit disponieren kann. Auf jeden Fall hofft man, daß in der morgigen Sitzung des Reichskabinetts die Vorlage endgültig verabschiedet werden kann. Der Beamtenkongretz zur neuen Besoldungsordnung Berlin, 16. Sept. Ter Bundeskongreß des allgemeinen Deutschen Beamtenbundes brachte gestern zunächst das Referat von Dr. Völter über die Beamtenbesolöung. Der Redner erklärte sich mit der Einbeziehung der Frauenzulage in das Grundgehalt und der gleichmäßigen Kinderzulage bis zum 21. Lebensjahre einverstanden. Eine Vermehrung der Zedoch erzähle ich Ihnen das ein andermal; jetzt möchte ich ivr allen Dingen die Antwort Ihrer Fräulein Tochter jören; Fräulein Gabriele —", er stockte; beinahe hätte er tesagt: „Fräulein Gabriele wartet ja schon." Wie ihm alles mwider war; wäre doch nur erst die Komödie vorbei! Ella trat ein, gefolgt von ihrem Vater. Sie trug ein veitzes, englisches Tuchkleid, das die üppigen Formen eng tmschloß und ihre volle Gestalt im günstigsten Lichte zeigte. §ie stellte sich sehr überrascht und schüchtern und schmiegte ich an ihren Vater; dieser sagte: „Also Gabrieles Antwort wünschen Sie zu wissen? Hier :st sic!" Dabei führte er die Tochter dem Manne, der um sie zeworben, zu. „Ach, tausend Dank!" Wolf führte ihre Hand an seine Appen. „Na, Kinder, nun geniert Euch nicht und gebt Euch den Lerlobungskuß", meinte Herr Ulrich lächelnd. Gabriele sielt den Kopf gesenkt; jedoch als Wolf sich ihr näherte, schlug ie die Augen auf, und heraus brach ein Stahl so sengend rnd flimmernd, wie er ihn noch nie bei einem Weibe er- Uickt. Er drückte seine Lippen auf ihren üppigen Mund- rnd ihm war, als wolle sie sich an ihm festsaugen, so heiß gab ie ihm den Kuß zurück. Wolf war sehr rot geworden; er nutzte an Mary denken. Ihm war, als hätte er einen Treu- iruch an ihr begangen — und doch gingen sie sich ja nichts nehr an! Aber er hatte ein würgendes Gefühl in der Kehle rud einen Abscheu, jenen begehrlichen roten Mund zu k"n- eu, der sich ihm gar so willig bot.- „Nun, was denken Sie, lieber Wolfsburg — wir lassen Zhren Vater holen und nehmen dann so ganz entre nous :in kleines Frühstück ein. — Sie haben doch Zeit?" meinte >a der Bankier. „Aber natürlich! für den ganzen Tag habe ich mir Ur- aub genommen!" JD, das ist lieb von Ihnen", rief Ella,' ihn zärtlich an- ehenb. „Aber Gabriele, hast Du als meine Braut kein ander Wort für mich?" lFortfetzung folgt. Der LmlUote * Sinsheimer Zeitang. Donnerstag, den 15. September 1927. Nr. 176. Jahrgang 1927. Tarifgruppen fei aber abzulehnen. Dasselbe treffe auch für den vorgesehenen Gehaltsabzug für Ledige zu. Eine solche Benachteiligung sei geradezu verfassungswidrig. Zu einer abschließenden Stellungnahme sei der Kongreß noch nicht in der Lage. Ganz allgemein müsse aber dagegen angekämpft werden, daß man die Gehaltsverhältnifle der Vorkriegszeit wieder Herstellen wolle. Die Geheimniskrämerei des Reichsfinanzministeriums in diesem Fall auch den Beamtenorganisationen gegenüber sei nicht am Platze. Die neuen Gehaltsstusen der Reichsbeamten. Berlin, 13. Sept. Die „Voffische Zeitung" veröffentlicht aus dem noch vom Reichskabinett endgültig zu billigenden Entwurf der Besoldungsreform für die Reichsbeamten die Gehaltsskala (Grundgehälter ohne Ortszulage), die die dreizehn bisherigen Besoldungsgruppen beibehält, aber durch Einschiebung von Untergruppen erheblich erweitert worden ist. Gruppe Beamtenkategorie Heizer, Hauswarte, Postboten Botenmeister, Amtsgehilsen, Postschaffner Betriebsassistenten, Obcrboten- meister für Amtsgehilfen, Zulage 300 Mk. Kraftwagenfuhrer Kanzlei- affistenten Assistenten Postbetriebssekretäre Postsekretäre Oberwerkmeister Ministerialkanzleisekretäre Expedienten der Reichsmittelbehörden Oberfekretäre Amtmänner Regierungsräte bei Rcichs- mittelbehörden Zollräte, Amtsräte mit Ministerialzulage Oberräte u. Reg. Räte bei Reichsmittelbehärden Regierungsräte in Ministerien Oberrätezulage ..... Ministerialräte - - Die Dienstdauer bezeichnet die Jahre, in denen das angegebene Höchstgehalt erreicht wird. Aufrecht erhalten wurde auch das Prinzip der Verzahnung, wonach ältere Beamte einer unteren Gruppe im Gehalt den jüngeren Beamten einer höheren Gruppe gleichgestellt werden. II III VI Va Vb VI VII VIII IXa JXb X XIa Xlb Xlla Xllb XIII Iahres- Dienstgehalt dauer 1500-2100 20 1500-2200 20 1600—2300 20 1700—2700 20 1900—2700 20 1700—2700 16 2200 - 340) 16 2400—3500 14 2200-4200 16 3000-5700 20 2800-5000 20 4800—7t 00 12 4200—7800 20 4800—7600 14 8400 5400-9600 16 4800—8400 — 1200- 8400-12600 8 Eine Milliarde Mehrbelastung. Zu dem Schema der künftigen Gehälter für Reichsbeamte haben bis jetzt ihre grundsätzliche Zustimmung gegeben die preußische Regierung, die Reichsbahndircktion und die Reichspost Die Erklärung der anderen Regierungen und anderer öffentlich:» Einrichtungen stehen noch aus. An den zuständigen Stellen wird über die Höhe der Gesamtmehrbelastung etwa folgende Berechnung aufgemacht: Im Reiche werden benötigt 155 Millionen für Beamte. 170 Millionen für Kriegsbeschädigte, in Preußen 150 Millionen, bei der Reichsbahn 180 Millionen, bei der Reichspost 160 Millionen, d. h. zusammen rund 815 Millionen Reichsmark. Hinzu kommen noch die anderen deutschen Länder. Für Bayern, das allerdings keine Entscheidung getroffen hat, wird der Aufwand auf 40 Millionen Reichsmark geschätzt. Man rechnet damit, daß insgesamt die Neubelastung der Verwaltung und der öffentlichen Einrichtungen etwa 1 Milliarde Reichsmark betragen wird. i . I !_. a,. .x Ausgleich zwischen Berlin und dem Deutschen Stadtetag Berlin, 15. Sept. Gestern nachmittag haben in Berlin Verhandlungen zwischen Magistrat und Städtetag stattgefunden. Der Konflikt zwischen Berlin und dem Städtetag ist dahingehend beigelegt worben, daß beide für eine Verbesserung des in mittleren und großen Städten ungünstigen Finanzausgleichs eintreten werden. Es ist mit Sicher. Heit anzunehmcn, daß nunmehr Oberbürgermeister Boeß hie am 23. September in Magdeburg stattfindende Hauptversammlung des Deutschen Städtetages besuchen wird. Einheitliche Verkehrszeichen in ganz Deutschland Berlin, 15. Sept. Nachdem durch Reichsverordnung vom 8. Juli ds. Js. neue Gefahrenzeichen für den Kraftfahrzeugverkehr mit Wirkung vom 1. September festgelegt worden sind, haben die preußischen Minister für Landwirtschaft, des Innern und für Handel und Gewerbe jetzt einen Runderlaß herausgegeben, der eine einheitliche Regelung der Verkehrszeichen für Preußen anordnet. Da dieser Runderlaß dem Beschluß sämtlicher Länder entspricht, so wird man von nun an in ganz Deutschland einheitliche Verkehrszeichen antreffen. Verjüngung der Berjünaten Eine «ene Methode Steinachs. Berlin, 15. Sept. Wie das „Acht-Uhr Abendblatt" aus Wien meldet, ist es Professor Steinach gelungen, eine neue Methode zu finden, die bereits durch Operation Verjüngten, bei denen die Wirkung der Operation abzuflauen droht, zum zweitenmal zu verjüngen. Er nennt diese Methode Repetitionstherapie. Reichskonferenz des Reichssachverbandes der Weichensteller «nd Bahnwärter. Friedrichshofen, 14 . Sept. Der Reichsverband der Weichensteller und Bahnwärter in der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner hielt unter zahlreicher Beteiligung aus dem ganzen Reiche in Friedrichshafen eine Reichskonferenz ab, welche von 250 Mitgliedern besucht war. In einer Entschließung wurden folgende Forderungen erhoben: „Das Weichen- und Bahnbewachungspersonal erwartet solidarisch mit allen Fachgruppen der G.d.E. durch die Neuregelung der Besoldungsordnung eine ausreichende Erhöhung ihrer künftigen Bezüge. Dieselben müffen so bemeffen fein, daß eine geordnete und angemessene Lebenshaltung mit der Familie ermöglicht wird. Die von der G.d.E. erhobene Forderung einer besseren Bewertung der Reichsbahnbeamten mit Rücksicht auf die besondere» Verhältnisse .tat Eisenbahndienst wird begrüßt. Die entscheidenden Stelle« werden dringend gebeten, insbesondere die Forderung auf Gutmachung des ihnen rechtlich und gehaltlich zugefügten Unrechts und unter Würdigung des verantwortungsvollen, gefährlichen und die Arbeitskraft frühzeitig verbrauchenden Dienstes endlich und restlos zu erfüllen. Die Ver- sammelten fordern und erwarten, daß die Reubesoldung der Reichsbahnbeamten dem Charakter des Bcrnfsbeamteu- tums in allen Teilen und Gruppen Rechnung trägt. Jede f ' eitere Verschlechterung in dieser Beziehung, ebenso jeder ersuch, durch Einführung von willkürlich zu gewährenden ulaaen die bisher zusammengesaßten Gruppen auseinau- derzuziehen, ist aufs Enffchiedenste abzulehnen und Zu bekämpfen. Die Versammelten erwarten, daß die sozialen Gesichtspunkte in der neuen Besoldung ausreichend beachtet und klare eindeutige Gehaltssätze zur Durchführung kommen. An die maßgebenden Instanzen in Reich, Ländern und Gemeinden, sowie an Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft richtet die Hauptversammlung das dringende Ersuchen, alles aufzubieten, damit die in Aussicht genommene Besserstellung der Beamtenschaft nicht durch weitere unnötige Preissteigerungen wieder wirkungslos gemacht wird." Weiterhin beschäftigte sich die Konferenz mit den Wünschen auf personalpolitischem Gebiete, der Rcssorm der Dienstdauervorschriften, die Neuregelung der Arbeit s- un d Dienst- pläne. ^ Baden Badischer Jugendherbergetag in Heidelberg. Heidelberg, 14. Sept. Am 1. und 2. Oktober findet hier der 9. Deutsch« Jugenöherbergetag statt, dem am Freitag, dem 30. September eine Vorstandssitzung vorausgeht. Am «Srmstag, dem 1. Oktober wird der Verwaltungsausschuß in der Stadthalle eine Sitzung abhalten. Nachmittags spricht auf der Molkenkur Albrecht-Berlin über die Freizeit der Jugend. Am Sonntag, dem 2. Oktober beginnt vormittags 8.30 im großen Saal des neuen Kollegienhauses der Universität die Hauptversammlung, auf deren Tagesordnung außer den verschiedenen Tätigkeitsberichten ein Vortrag von Oberregierungsrat Prof. Broßmer-Karlsruhe über „die kul-. tnrelle Bedeutung des Jugendherbergswerkes" steht. Ferner sind Organisationsanfragen und Anträge zu behandeln. Nachmittags unternehmen die Gäste eine Schiffahrt ins Neckartal. Znr Frage der Bildung der Landesarbeitsämter. Eine Berliner Meldung enthält den Satz, daß von Baden und Württemberg die Anregung gekommen sei, Baden, Württemberg und die Pfalz zu einem Landesarbeitsamtsbezirk zusammenzuschließen. Dieser Satz ist unrichtig. Weder die badische, noch die württembergische Regierung, noch eine gewerkschaftliche Organisation dieser Länder haben eine derartige Anregung gegeben. Die beiden Regierungen haben im Gegenteil sofort mit aller Entschiedenheit gegen die geplante Zusammenlegung Stellung genommen. Auch unter den Arbeitgebern hat sich eine einheitliche Auffassung der Frage nicht ergeben, und es liegt eine Aeußerung dieser Jnteressentengruppe aus den drei genannten Gebieten ebenfalls nicht vor. Der Vorstand der Reichsanstalt hat den Grundsatz der Schaffung von möglichst großen Landesarbeitsamtsbezirken aufgestellt und kam ausgehend von diesem Grundsatz ohne irgend eine Anregung aus Süddeutschland zu einem Beschluß. Aus Nah und Fern. P Sinsheim, 14. Sept. (Kaufm. Abendkurse an der Handelsschule.) Wirtschaftliche Bildung! Eine wichtige und richtige Forderung! Wer sie hat, den kennt man am Borwärtskommen, wem sie fehlt, der büßt seine Unkenntnis jeden Tag. Sag mir, wie Du mit Ziffern und Zahlen umgehst, und ich will Dir sagen, ob Du Erfolg haben wirst. Es erstaunt nicht, beispielsweise zu sehen, wie sehr sich heutzutage der kleinste Geschäftsmann müht, seinen Betrieb durch eine zuverlässige Buchführung zu unterbauen. Er witz.Klarheit über sein Tun, er will Boom unter seinen Füßen haben, nicht zuletzt der Steuerbehörde gegenüber. Tempo! heißt es im modernen Geschäftsleben. Wo einstmals gefühlvoll des Schreibers Feder übers Papier rauschte, da klappert jetzt lärmig die Schreibmaschine neben dem aufgeschlagenen Stenogrammblock. Maschinenschreiben pnd Kurzschrift sind zu selbstverständlichen Fertigkeiten, zu elementaren Hilfsmitteln des heutigen Geschäftsverkehrs gewordm. Wer sie sich zu eigen macht, kann nicht einmal sagen, daß er etwas Besonderes getan hat; er hat lediglich dafür gesorgt, oaß er nicht zurückbleibt. In den nächsten Tagen beginnen an der hiesigen Handelsschule Abendkurse, die sich auf Buchführung, Kurzschrift und Maschinenschreiben erstrecken sollen. (Siehe Inserat.) * Sinsheim, 15. Sept. (Wie man Telegrammgebühren spart.) Noch nicht allgemein bekannt ist, daß man bei Telegrammen an Inhaber von Fernsprechanschlüssen ganz erheblich sparen kann, wenn man an den Namen der Bestimmungsanstalt die beiden Buchstaben „sp" (Sprechstelle) oder der Namen der Vermittlungsstelle anhängt und hinter den Namen des Empfängers feine Fernsprcchnummer setzt, z. B. Müller 567 Braunschweig sp. oder Schulze 428 Berlinkurfürst. Durch diese- Perfahren hat man den Vorteil, in der Adresse eine ganze Reihe von Wörtern zu ersparen; außerdem kommt der Vorteil hinzu, daß den Empfängern da- Telegramm direkt telephonisch zugesprochen wird, das Telegramm selbst aber mit Postbestellung und genauer Adresse die vom Telegraphenamt aufgesetzt wird, ebenfalls zugeht. * Sinsheim, 15. Sept. (Frische Brötchen für Frühaufsteher) Ein Kölner Bäckermeister erhielt einen Gerichtsbefehl, weil er vor 7 Uhr morgens frische Brötchen an seine Kunden, bevor jie zur Arbeit gingen, geliefert hatte. Gegen den Strafbefehl erhob der Bäckermeister Einspruch und erzielte in erster und zweiter Instanz einen Freispruch. Nunmehr legte der Oberstaatsanwalt Berufung ein; das Oberlandesgericht erklärte sich jedoch für unzuständig, so daß sich jetzt das Kammergcricht in Berlin mit der Angelegenheit zu befassen hatte. Dieses verwarf nach mehrstündiger Verhandlung die Revision des Oberstaatsanwaltes, wodurch das freisprechende Urteil nunmehr endgültig Rechtskraft erlangt hat. Für das Bäckergewerbe dürfte diese Entscheidung von weittragender Bedeutung sein. x Adersbach, 14. Sept. (Gauversammlung der Schützenvereine des Kraichgaues.) Bei der am Sonntag hier stattgefundenen Eau- versammlung wurde der Fall Eschelbach zur Sprache gebracht. Am 26. Juni ds. Js. fand in Eschelbach Berbandsschießen statt. Im Mittelpunkt stand der Wettbewerb um den Gauwanderpreis und den Ehrenpreis von Eschelbach. Beide Preise wurden auch von dem Echützenverein Eschelbach gewonnen. Nachträglich stellte sich jedoch heraus, daß im Mannschaftsschießen um den Gauwanderpreis ein Schütze mitschoß, der dem Verband nicht angehört. Dasselbe wurde auch von dem Schützen, der den Ehrenpreis gewann, feftgestellt. Von den anwesenden Vereinen wurde nun folgendes beschlossen: Der Schützenverein Eschelbach hat den Gauwanderpreis, sowie den Ehrenpreis herauszugeben. Letzteren wird Herr Friedrich Fenne-Eichtersheim erhalten. Gleichzeitig wurde auch beschlossen, daß der Gauwanderpreis für dieses Jahr in Eichtersheim herausgeschossen werden soll: die Zeit ist jedoch noch nicht festgesetzt. * Babstadt, 13. Sept. (Delegiertenversammlung der Gesangvereine von Wimpfen und Umgebung.) Letzten Sonntag fanden sich die Delegierten der Gesangvereine von Wimpfen und Umgebung hier in der Bahnhofrestauralion ein, um Rechenschaft abzulegen über das Gesangvereinsleben im vergangenen halben Jahre sowie neue Beschlüsse zu fassen für das kommend« halbe Jahr. Nach einem Begrüßungsthor des hiesigen Gesangvereins und Begrüßungsansprache des Vorstandes legte Zinßer-Wimpfen den Rechenschaftsbericht vor. Für nächstes Jahr wurde ein gemeinsamer Ausflug an den Bodensec ooer nach Nürnberg vorgeschlagen. Weiter wurde bekanntgegeben, daß für oie Geschädigt:» im Erzgebirge von 5 Vereinen Mk. 164,80 gesammelt wurden, die andern Vereine haben sich an den Schulsammlungen beteiligt. Aar 4. Dezember soll in Bonseld ein Sängerkommers abgehalten werden. Es wurde beschlossen, daß sich sämtliche Vereine an dem M jährigen Jubiläum des Gesangvereins Konkordia in Wimpfen- Berg beteiligen. % Bad Rappenau, 14. Sept. (Ständchen.) Am Montag Abend überraschte der hiesige Musikverein seinen Dirigenten, Herrn Zahn, anläßlich dessen Geburtstagsfestes durch ein wohlgelungenes Siänd- chen. = Ittlingen, 14. Sept. (lil er Tag.) Am vergangenen Sonntag trafen sich die hiesigen ehemaligen 111 er in der Bahnhofwirtschaft Messenkopf zur Besprechung der diesjährigen Wiedersehensfeier, die am 1.. 2. und 3. Oktober in Rastatt statt>- findet. Herr Heinrich Schceder, der die ehemaligen Regimentskameraden einberufen hatte, leitete die Versammlung und gab Aufklärung über die Ausgestaltung der Feier. Bon hiesiger Gemeinde werden etwa 20 Ehemalige an der Wiedersehensfeier teilnehmen, um die alten Erinnerungen wieder mit den Regimentskameraden aufzufrischen. ; t x Aus dem Neckartal, 14. Sept. (Die Obsternte beginnt.) Bereits rollen täglich zahlreiche Eisenbahnwagen mit Obst beladen nach Norddeutschland. Das ist aber erst ein bescheidener Anfang. Denn die diesjährige Obsternte in den Dörfern des badischen und württembergischen Neckartales wird noch größer ausfallen, als im Jahre 1917, wo hunderttausende von Zentnern Obst in die Großstädte versandt wuroen, Fast jedes Dorf ist mit einem großen Gürtel vollhängender Bäume umgeben, wo unsere besten deutschen Taselobstsorten wie Goldpärmene, Bosnop, Bismarckapfel, Goldrenetten, Raubau, Gute Luise, Gute Graue in b:st:n Lagen ihrer Reife entgegengehen. Bor allem sind e- die Halbstämme, die sich unter der Last des Obstes biegen. Manche Gemeinden werden 8000 bis 10 000 Zentner Obst ernten. Das Mostobst wird ja größtenteils selbst verwendet werden, obwohl ja auch hier tausende von Zentner verkauft werden müssen, da die vorhandenen Fässer nicht ausreichen. Ganz feine Sorten werden ausgelesen, einzeln in Papier, verpackt und in Kisten nach Nordüeutschland und England versandt. Einkaufsgesellschasten haben sich bereits gebildet, um die feineren Sorten aufzukaufen. Der Preis wird bei dem Angebot nicht hoch fein. Er schwankt jetzt zwischen 5 bis 6 Reichsmark. Wirtschasts- und Mostobst ist schon für 2—4 RM. erhältlich. Die Obsternte im anschließenden württembergischen Gebiet ist noch größer. Hohe Obstpreise sind auch für spätere Taselobstsorten nicht zu erwarten. Hier wird bestimmt Württemberg den Marktpreis machen. =j= Schatthausen, 14. Sept. (Die neue Wasserleitung.) Dieser Tage wurde die hiesige Wasserleitung von der Bauleitung (Regierungsbaurat a. D. Köhler) der Gemeinde übergeben. Ueber die neue Einrichtung, die wir dank der unermüdlichen Tätigkeit des Bürgermeisters Koch nun besitzen, herrscht allgemein: Zufriedenheit. Besonders erfreulich ist es, daß bei der Bauausführung von den auf 87 000 RM. veranschlagten Kosten noch 10 000 RM- eingespart werden konnten. > : • = Eberbach, 14. Sept. (Ein Kind tödlich verunglückt.) Landwirt Ihrig im benachbarten Mülben nahm am vergangenen Samstag einen vierjährigen Knaben zum Futtermähen mit ins Feld. Auf dem Heimweg durste das Kind auf dem Bock der Futterschneidmaschine, die mit Kühen bespannt war, sitzen. Bei Begegnung eines Autos scheute eines d.er Tiere, wobei das Kind abgeworfen und überfahren wurde. Der Kopf wurde ihm zerdrückt, fodaß es bald verschied. /X Heidelberg, 14. Sept. (Aus dem Kreisrat.) Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde Verwaltungsdirektor Dürr von dem Vorsitzenden und dem Landeskommissär zum 25 jährigen Dienstjubiläum bei der Kreisverwaltung beglückwünscht und ihm ein Blumenkorb mit passendem Geschenk überreicht, wofür Ersterer seinen Dank aussprach. Für di« Kanalisierung eines Teils des Kreisweges 41 auf Gemarkung Dielheim wird ein Beitrag von 1500 RM. genehmigt. Für die Herstellung einer Halbrinne am Kreiswcg 44 innerhalb des Orts Epfenbach wird ein Beitrag von 500 RM. genehmigt. Für die Obstausstellungen der Obstbauvereine Bammental und Ziegelhausen werden Beiträge von 60 RM. bezw. 50 RM. bewilligt. Zur Abhaltung einer Ziegrn- schau wird dem Ziegenzuchtverein Heidelberg ein Zuschuß von 50. RM. bewilligt. Dem Landwirtschaftl. Bezirksverein Wiesloch wird zur Veranstaltung einer landwirtschaftl. Ausstellung ein Beitrag von 100 RM. bewilligt. Bezüglich der Errichtung einer dritten landwirtschaftl. Winterschule im Kreise Heidelberg ist mit einer Entscheidung in diesem Herbst nicht zu rechnen. - ' ■ ' ; - t: s ' ** Mannheim, 14. Sept. (Ein durchgegangener Bote verhaftet.) Am vergangenen Samstag ging eine Bote der hieß Süge-Werke (Palastkaffee, Libelle, Clou, Malepartus) mit einigen tausend Mark, die er zur Bank tragen sollte, flüchtig. Gestern nachmittag gelang es der Kriminalpolizei in Frankfurt a. M., den Ausreißer zu verhaften. Einen großen Teil der entwendeten Summe hatte der ungetreue Angestellte bereits durchgebracht. ** Mannheim, 15. Sept. (Selbstmordversuche.) Am Dienstag versuchte ein 3lMriger Fabrikarbeiter aus der Neckarvorstabt und ein 28jähriger Beamter aus dem Hafengebiet durch Einatmen von Leuchtgas sich das Leben zu nehmen. Letzterer wurde in das Allgemeine Krankenhaus gebracht. ^ ** Mannheim, 15. Sept. (Tödliches Autounglück.) In der Nähe von Altleiningen er«kgnete sich am Sonntag ein schweres Autounglück. Ein Wagen der Firma Ott und Hegel kam bei der Fahrt von der Straße ab und überschlug sich. Dabei wurde der 25jährige ledige Chauffeur Otto Ehret getötet. Der 45jährige verheiratete Ingenieur Leopold Gen- ter aus Mannheim-Sandhofen erlitt leichtere Verletzungen. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. ** Bnche«, 14. Sept. (Verschiedenes.) An zwei der interessantesten und ältesten Buchener Häuser wird zur Zeit das alte, zum Teil aus gotischer Zeit stammende Fachwerk freigelegt: am Fertigschen HauS in der Kellereistraße, einem alten Patrizierhause, dem Geburtshaus des berühmten Abtes Gotffried Beflel, dessen Vater kurmainzischer Hauptmann in Buchen war, und am Wohnhaus von Herrn Hauptlehrer Trunzer. Bekanntlich verlebte Josef Martin Krauß, der hervorragende, früh verstorbene Komponist, als Sohn deS mainzischen Amtskellers in diesem Hause feine Jugendzeit. Die künstlerische Beratung liegt in den Händen der Herren Bauräte Kraus-Darmstadt und Gerig-Werthcim. ** Altscld bei Wertheim, 15. Sept. (Vorsicht beim Oüst- effen.) Wie vorsichtig man sein muß beim Obstessen, zeigt hier ein Unfall mit tödlichem Ausgang. Das vierjährige Töchterchen des Landwirts Pfennig hatte beim Zweschgen- effen einen Stein mitgeschluckt und ist infolge Erstickung unter gräßlichen Schmerze» gestorben. ** Karlsruhe, 15. Sept. (200 Jahre Apotheke.) Tie älteste Stadtapotheke Karlsruhes ist jetzt die internationale Apotheke, denn ihre Gründung geht bis in die Anfangszeit Nr. 176. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Donnerstag, den 15. September 1927. -er Residenz zurück. Bereits zwölf Jahre nach der Stadtgründung (im Jahre 1727) wurde die Apotheke errichtet. ** Karlsruhe, 15. Sept. (Vergiftet.) An Vergiftungserscheinungen wurde vorgestern ein 28jähriger Schüler aus Münchweiler in seiner in der Oststadt gelegenen Wohnung in bewußtlosem Zustand im Bette liegend gefunden. Er verstarb im städtischen Krankenhaus. ** Karlsruhe, 15. Sept. (Tödlicher Unfall.) Gestern vormittag stürzte im Hause der Klauprechtstratze 37 der Maler- lchrling Ludwig Hock aus Berghausen, der mit dem An- streichen der Fenster beschäftigt war, rücklings auf die Straße und trug schwere, lebensgefährliche Verletzungen davon. Hock, der in bewußtlosem Zustande ins Städtische Krankenhaus eingeliefert wurde, hat eine schwere Gehirnerschütterung, ferner einen Schädelbruch und einen Wirbelsäulen- brnch öavongetragen. Im Laufe des Vormittags ist der Verunglückte seinen Verletzungen erlegen. ** Freudeustadt, 15. Sept. (Seltsamer Auto Unfall.) Am Dienstag nachmittag ereignete sich in Christophstal ein Autounfall, dessen Begleitumstände sehr ungewöhnlich waren. En Langholzfuhrwerk hielt auf der Straße. In diesem Augenblick kamen in der Richtung aus Freudenstadt ein Motorradfahrer und in kurzer Entfernung hinter ihm ?in Äuto mit einem Herrn und einer Dame, die im Innern des Wagens saß. Die Stämme des Langholzwagens ragten ziemlich weit schräg in die Straße hinein. Als nun an dieser Stelle dem Motorradfahrer ein Lastkraftwagen entgegenkam, wollte er rasch links ausweichen, wobei er stürzte. Im lettzen Moment mußte nun das Auto, das hinter dem Motorradfahrer kam, nach rechts ausweichen und fuhr dabei auf das Langholzfuhrwerk so heftig auf, daß einer der Stämme das Auto förmlich durchbohrte. Der Stamm ragte beträchtlich aus der Rückwand der Karosserie heraus, die schwer beschädigt nach allen Seiten aufgerissen wurde. Menschenleben-wurden bei dem Unfall glücklicherweise nicht verletzt. ** Ottenhöfe«, 15. Sept. Am Dienstagmorgen entstand im Hause Liebls im Keller ein Brand, der sich auf den ganzen ersten Stock ausüehnte und einen Gebäuöeschaden von 2—3000 Mark verursachte. Der Sohn des Brandgeschäöig- ten war in der Frühe fortgefahren und ließ aus Vergeßlichkeit eine brennende Stearinkerze im Keller zurück. Der Brandgeschädigte ist versichert. ep Lahr, 14. Sept. (Landesfest des Evang. Bundes.) Die hiesigen evang. Kreise rüsten sich mit Freuden auf das Fest, das der badische Evang. Bund am nächsten Sonntag hier feiern wird. Wie wir hören, wird in der Christuskirche Stadtpfarrer D. Hesselbacher aus Baden-Baden und jn der Stiftskirche Pfarrer Berck von Roßdorf bei Darmstadt die Festpredigt hatteq. In der Volksversammlung am Nachmittag, die bei günstiger Witterung im Freien aus dem Schutterlindenberg gehalten werden soll, wird Geh. Oberkirchenrat D. Mayer aus Karlsruhe' über „Evang. Kirche unv Staat", Schulrat Seyfahrt aus Freiburg über „Evang. Kirche und Schule" und Professor Dr. Brauß aus Mannheim über „Evang. Kirche und die. soziale Frage" sprechen. Die Redner und ihre Themata werden eine große Anziehungskraft ausüben. ** Schopfheim, 16. Sept. (Das alte Lied.) Die 9jährige Martha Maier von hier goß in einen bereits brennenden Spirituskocher Spiritus nach, wodurch der Apparat explodierte. Das Kind erhielt erhebliche Brandwunden. ** Hornberg, 14. Sept. (Ueberfahren.) Von einem ohne Licht fahrenden Radler wurde in der Eisenbahnstraße ein von Reichenbach heimkehrender Landwirt aus Frombach überfahren. Derselbe erlitt eine leichte Gehirnerschütterung, eine Rippenquetschung und sonstige Verletzungen. ** Todtua«, 15. Sept. (Grober Unfug.) Auf der Strecke Todtnau—Gschwand wurde in einer der letzten Nächte Holzscheite, Baumpfähle und einige Bäumchen in den Weg geworfen. Ein Radfahrer kam dabei zu Fall und erlitt erhebliche Verletzungen. Ter Täter, der in der Trunkenheit diesen Unfug verübt hatte, konnte ermittelt werden. ** Meßkirch, 14. Sept. (Voranschlag abgelehnt.) Der Bürgerausschuß lehnte am Freitag den städtischen Voranschlag für 1927/28 mit 40 gegen 12 Stimmen ab, „weil in der Art der Lastenverteilung eine Ungerechtigkeit erblickt wird". Der Gemeinöerat wird nun den Voranschlag nochmals zur Vorlage bringen müssen. — ** Säckingen, 15. Sept. (Frühschnee.) Auf dem Hotzenwald hat es bereits angefangen zu schneien. Das Oedland schimmert weithin in weißer Pracht. Da seit langen Jahren kein solch früher Schneefall erlebt worden war, rechnet man mit einem frühen Winter. ** Singe«, 14. Sept.' (Der Letzte der alten Garde.) In Hausen an der Aach starb im Alter von 7614 Jahren Mamert Mosbrugger, der letzte Veteran von 1870/71 des Ortes. Der Verstorbene war früher Bürgermeister, sowie Inhaber mehrerer anderer Ehrenposten. ** Billingen, 14. Sept. (Verkehrsunfall.) Der unübersichtliche Bahnübergang am Lindenhof war der Schauplatz eines Verkehrsnnfalls. Ter Kaufmann Arnold aus Bad Türrheim wollte mit seinem Wagen den Uebergang passieren. Er fuhr in voller Fahrt gegen die geschloffene Schranke. Durch die Wucht des Anpralls wurde der Schlagbaum glatt abgerissen und das Auto blieb auf dem zweiten Gleis liegen. In diesem Augenblick kam der Personenzug Villin- gen—Offenburg herangebraust, erfaßte das Auto und schob es eine Strecke von 55 Metern vor sich her. Ter Besitzer, -er sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte, erlitt nur Hautabschürfungen, während der Wagen völlig demoliert wurde. ** Steine«, 15. Sept. (Wieder ein schwerer Unfall durch Berühren von Drähten.) Am Dienstag kam ein mit dem Anstreichen von elektrischen Leitungsmasten beschäftigter Arbeiter der Stromleitung zu nahe. Glücklicherweise ließ er sich sofort los, und fiel so zu Boden. Er kam mit schweren Brandwunden davon. ** Waldshnt, 15. Sept. (Schöffengericht.) Das Schöffengericht Waldshut verurteilte die beiden Postaushelfer Heinr. Ebner und Alfons Kaiser von Rotzel wegen Amtsunterschlagung und Urkundenfälschung zu zwei Fahren bzw. ein Jahr Gefängnis, wovon zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet werden. Als mildernder Umstand kam die schlechte Bezahlung bei der Post in Betracht. Außerdem erhielt der schon mehrmals vorbestrafte Konstantin Honold aus Schwa- ckenreute (bei Pfullenöorf) wegen Diebstahls eines Pferdes zwei Jahre acht Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. ** Radolfzell, 15. Sept. (Selbstmordversuch.) Der 19- jährige Fritz Keller, der die 28jährige Marie Seitz von Hindelwangen auf der Aachbrücke in den See gestoßen hat, beging laut „Volkswille" in der Zelle des Kreisgefängniffes in Konstanz einen Selbstmordversuch, indem er den Spiegel in der Zelle zertrümmerte und sich mit einem Stück Glas die Pulsader öffnete. Der Versuch Kellers mißlang. ** Heilbronn, 14. Sept. (Unfall während der Bahnfahrt.) Der 19jährige Bürstenbinder Hermann Riedele von Walöbach wollte während der Fahrt von einem Wagen zum anderen gehen. Hierbei stürzte er vom Zuge kam unter die Räder, die ihm beide Füße abfuhren. Der Verunglückte dürfte kaum mit dem Leben öavonkommen. ** Würzburg, 14. Sept. (Die Ursache des Eisenbahn- Unfalles bei Oberdachstetten.) Die Reichsbahndirektion Würzburg teilt mit, die eingehende Nachprüfung der Gleis- unö Stellwerkanlage des Bahnhofs habe ergeben, daß diese bei dem Unfall des Schnellzuges O 90 in einwandfreiem Zustand war und daß die Einfahrtsweiche, auf der der Schnellzug gegen das Ueberholungsgleis abgelenkt wurde, durch die Fahrtstellung der Signale für den geraden Strang gesichert war. Nach der Sachlage kann die Weiche nur durch eine Einwirkung von außen umgestellt worden sein. Tatsächlich wurden auch die Spuren einer solchen Einwirkung an der bei normaler Fahrt anstehenden Zunge der Einfahrtszeichen festgestellt. Da nach den gegebenen Verhältnissen ein verbrecherischer Anschlag ausgeschlossen ist und nach dem Befund Bestandteile der Lokomotive die Einwirkung nicht verursacht haben können, so kann nur angenommen werden, daß die Lokomotive mit dem Bahnräumer einem von einem Güterzug herabgefallenen größeren Gegenstand ausgenommen hat, der durch zufälligen Anschlag an die Weichenzunge, die Umstellung der Weichenzunge bewirkte. Die Nachforschungen nach diesem Gegenstand waren bisher infolge der weitgehenden Zerstörungen an den Gleisanlagen und Fahrzeugen erfolglos. Ein Anlaß ^aus dem glücklicherweise bisher wohl fast einzig dastehenden Vorkommnis besorgniserregende Rückschlüsse auf die Betriebssicherheit zu ziehen, ist in keiner Weise gegeben. Explosion bei der Firma Heinrich Lanz. Mannheim, 15. Sept. Bei der Firma Heinrich Lanz explodierte gestern vormittag um 0.35 in der Gießereiabteilung ein Kompressor. Die Explosion hatte eine solche Gewalt, daß bas Dach des GebÄudes zerstört und die Wand des Nebengebäudes eingedrückt wurde. Ein Arbeiter erlitt einen Untcrschenkelbruch und mußte in das Krankenhaus eingeliefert werben. Zwei weitere Arbeiter erlitten leichtere Verletzungen. Die Ursache der Explosion ist noch nicht festgestellt. Radio - Programm für Freitag, den 18. September 1927. Berlin (483), 20.30 Uhr: Symphoniekonzert. 22.30 Uhr: Aus deutschen Lpern. Breslau (322), 20.15 Uhr: „Der Weezekranz". Ein Erntefeft- fpiel v. Fr. Boxhammer. Frankfurt (428), 13.30 Uhr: Mittagskonzert der Hauskapelle, 16.30 Uhr: Hausfrauennachmittag. 17.45 Uhr: Die Lefe- stunde. 18.15 Uhr: Borträge. 20.15 Uhr: „Der Carneval in Rom", Operette, Musik v. I. Strauß. Anschl. Spätkonzeit. Hamburg (394), 20.00 Uhr: Wir wandern in blühender Heide. Anschl. Konzertübertragung a. d. Winterhuder Fährhaus, Königsberg (329), 20.05 Uhr: Symphonicabend. 21 30 Uhr: Unterhaltungskonzert., Langenberg (468), Königswusterhausen (1250), 20.10 Uhr: Volkstümliches Konzert. Anschl. Tanzmusik. Leipzig (365), 21.15 Uhr: „Die Reise nach Babylon". Eine Rundfunkgroteske v. H. Marschall. 22.15 Uhr: Tanzmusik, München (535), 19.30 Uhr: „Der Darbier von Sevilla". Komische Oper v. G. A. Rossini. Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 18.00 Uhr: Aus dem Reiche der Frau. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Kammermusik-Abend Beethoven. Daventry-Erperimental (491), 15.00 Uhr: Orgelkonzert. 16.00 Uhr: Tanzmusik. 17.45. Uhr: Kinderstunde. 18.45 Uhr: Nautisches Programm. 20.00 Uhr: Militärorchesterkonzert. 20.55 Uhr: Sendespiel. 21.15 Uhr: Militärorchesterkonzert. 22.15 Uhr: Tanzmusik. Daventry-London (361), 12.00 Uhr: Konzert. 17.15 Uhr: Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orchesterkonzert. 19.15 Uhr: Händels Suiten. 19.45 Uhr: Bunte Vorträge. 20.10 Uhr: Sendespiel: „Madame Butterfly", Oper v. Puccini. Paris (1750), 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 2030 Uhr: Sendespiel: „Eine schlaflose Nacht", Operette v. I, Offenbach. Men (517), 20.05 Uhr: „Die Landstreicher", Operette, Musik v. C. M, Ziehrer. Zürich (588), 20.00 Uhr: Kleines Orchesterkonzert. 20.40 Uhr: Bolkslieder-Abend. 21.20 Uhr: Balettmufik. Prag (348), 20.10 Uhr: Beneß Blasmusik. 20.40 Uhr: Hörspiel. 21.10 Uhr: Ernster Abend. 22.20 Uhr: Zigeunermusik. E. Uhrmachermeister. Sinsheim a. E. Dr.Scibt-Vertreter — Lager in Telcfunken -Röhren, Anoden-Batterien — Siimt- lichen Ersatzteilen, Barta-Akkumulatorcn-Ladeftatton. — Telefon IS. Schweinemarkt in Bruchsal vom 14. September 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 18 2, Läufer 26. Verkauft wurden: Milchschweine 170 Läufer 22. Höchster Preis für Milchschweine Paar 28.—, für Läufer 55 — RM. Häufigster „ „ „ „ - 24.—, „ „ 50.- „ Niedrigster „ „ „ „ 18.— „ „ 44.- „ Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 14. September 1927. Anleihen r in 0/0 Ablösungsschuld mit Auslosungsschein . . 54,75 ohne Auslosungsschein . . 15, '5 Bankaktie: in 0/0 Bad. Bank . . . .Ire Darmftcidter- und Nattonalbant — Deutsche Bank .... Ib3.es DeutscheVereinsbanl . res Dresdner Bank . . . 1 6 1 ,50 Mitteldeutsche Kreditbank . 24 O Retchsbank .... 172,26 Rhein. Kreditbank . . . >30 Südd. Disconto Ges. 143 Cementwerk Heidelberg Daimler Rotoren . . . Dtsch. Goid- und Stlberschetde Elektr. Licht und Kraft . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Farbentnduftrte . Fuchs Waggon Stammaktien Gritzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Heilbronn . . . Mainkraftwerke Höchst . Neclarsulmer Fahrzeugwerke . Schuckert Elektr. Nürnberg . Seiltndustrie Woiss . Südd. Zucker . . . . Zellpoft Waldhof Stammaktien 144 118 813 905.50 35 298 113 176 1247/3 11 198,25 94 140 311.50 Ein schweres Erdbeben am Schwarzen Meer Heber 100 Tote und Verletzte. — Großer Sachschaden. Moskau, 12. Sept. Zn Ramangan im Ferghana-Gebiet das am 13. August von einem heftigen Erdbeben heimgefucht wurde, einige tausend Häuser zerstört oder beschädigt und über 100 Personen getötet und verletzt würden, dauern die Erdstöße und Erdschwankungen noch immer an. Am 11. September wurden im Laufe einer halben Stunde 15 Erdstöße verzeichnet. Obwohl die Erdstöße nicht mehr katastrophaler Natur sind, fürchtet sich die Bevölkerung, in die stehengebliebenen Häuser zurückzukehren. Bergwerk»« Aktie» in 0/0 Harpener Bergbau . . — Kalt Wcsteregeln . . . 178,75 ManueSmunnröhreuwerle. . 474 Mansfelder Bergb. u.Hütteuw . 123 Oberschi. Eisenb. Bedarf . . 94,50 Phönix Bergbau u.Hüttenbetrted U0 7 's Salzwerk Heilbronn . . iso Vereinigte Königs- Laurahütte — Aktie« induftr. Nnternehniungen: in 0/0 Allg. Eleftr. Stammaktien . lsl Badenta Weinheim . . — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad- Maschinen Durlach . IS5.50 Aktien deutscher rransportanstaltr»: tn 0/0 S amburg. Amertd. Paketsahrt 146,30 eidelberger Straßen- u. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . 148,75 Devise«: Geld Brief New-Iorl l Dollar 4 I960 4 . 2 O 0 O London l Pfulis 20.413 20 453 Holland 100 (Sulden 168.26 11-8.60 Schwitz 100 Kranes 80.98 81.14 Wien 100 Schilling 59,17 £9.29 Parts 100 Kranes 16.46 16.50 Italien wo Lire 82,8 8 1 /* 22.92% Wetterbericht. Zn der Nacht zum Montag wurden an der Küste des Schwarzen Meeres drei heftige Erdstöße mit unterirdischem Getöse wahrgenommen. Am stärksten war das Erdbeben in Se- bastopol und den umliegenden Kurorten an der Südküste der Krim. In Sebastopol stürzten mehrere Häuser ein. Fast alle Häuser der Stadt haben Beschädigungen daoongetragen. An manchen Orten dauerten die Erdstöße bis zu 40 Sekunden. Schwächere Erdstöße wurden auch in der Gegend zwischen Kiew und Odessa wahrgenommen. Die Geologen vermuten, den Herd des Erdbebens im Kaukasus, wo sich noch ein geologischer Prozeß der Gebirgsbildung vollzieht. In Simferopol wurden drei Personen getötet, 65 verletzt. In Koreiz wurden durch Einsturz einer Mauer drei Personen getötet. In Jalta, wohin die Drahtverbindung unterbrochen ist, sollen gleichfalls Menschenopfer zu beklagen sein. Im Gebirge ereigneten sich Bergeinstürze. Karlsruhe, 14. Sept. Baden hatte gestern meist wolkiges und trockenes Wetter, vereinzelt Aufheiterung. Der gestern westlich Schottlands gelegene neue Wirbel hat sich zur Nordsee verlagert und ist als Ranörvirbel mit dem nordöstlichen Tiefdruckgebiet in Verbindung getreten. Der langgestreckte Ausläufer liegt über Irland und Südengland und verursachte dort verbreitete Niederschläge, die uns aber nicht erreichen werden. Der Ausläufer über der Biskaya hat seit gesten keine Forffchritte gemacht. Das Aufheiterungsgebiet umfaßt mit seiner Vorderseite noch Teile von Mittel- und Südfrankreich, wird jedoch heute noch bis zu uns gelangen. Da westlich Englands eine neue Verbindung des Eismeerhochs mit dem Azorenhoch erfolgt ist, wird die ozeanische Warmluftzufuhr aus den Subtropen nach Europa vorderhand wieder abgeriegelt und so ein Eintritt wärmerer Witterung bei uns verzögert. DIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllllilW | Handelsschule Sinsheim. § 1 Kaufm. Abendkurse § = Buchführung (Doppelte Buch- = = führung, Abschlüsse, Steuerbuchführuug). = | Relchskurzschrlit | 1 Mas ch inens ch reiben. | D Kursdauer: 12—20 Wochen. = H Beginn: Donnerstag, 22. September. = == Anmeldungen : Vorm, bis 121/2 Uhr und D = nachm. 4—71/2 Uhr in der Handelsschule, = = sonst schriftlich (bei H. Sch. Assessor = = Obcrgf eil). = ällllllllllllltlllllllUlllllllHIHHIHHUHHIHIIHIHIHIimiHUIHHIHIIHimiF ArOkchBekjeichiiW mit den neuen Nummern find vorrätig und zu beziehen durch die G. Becker'sche Buchdruckerei. Fässer Fässer von 250 bis 700 Liter haltend neu und gebraucht billig zu verkaufen. Leop. Kirchheimer fr. Weinhandlung Hkilbronn a. N., Karlstraße 28. ffilfifarbeno Zähne entstellen da» schönste Antlitz. Übler Mundgeruch wirkt abstoßend. Beide Schönheitsfehler werden gründlich beseitigt »st schon durch einmalige» Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Ohlorodont- Zahnpaste. Di« Zähn« erhalten danach einen wundervollen Llfeitzbeinglanz, auch an den Seitenflächen, besonder» bei gleichzeitiger Benutzung der dafür eigen» konstruierten Chlorodont-Kuliii- bttrste mit gezahntem Borstenschnitt. Faulende Speiserest« in den Zahnzwischenräumen al» Ursache de« üblen Mundgeruchs werden gründlich damtt besettigt. Versuchen Sie er zunächst mit ein« steinen Tube zu 80Pfg- CMoro- dout - Zahnbürste für Kinder 70 Pfa„ für Damen Mk. 1.28 (weiche Borsten), für Zerren Mk. 1.28 (harte Borsten). Nur echt in blau-grüner Originalpackung mit d« Aufschrift »Chlorodont“. überall zu haben. Solbad Rappenau ab 1. Mai geöffnet Werktags vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 1—6 Uhr. Sonntags von vorm. 8 bis nachm. 3 Uhr. Wo 7 inße einguteb feif&npulivi Juchen! Obstmühle-Bekkaus. Eine noch gut erhaltene! Obftmühle für Hand- und i Krastbetrieb geeignet, dazu noch eine Essatzsüge- walze für die Mühle, sowie ein Weinfaß, 250 Liter haltend, hat billig zu verkaufen Philipp Wielanb.Reideustem TÜREN Futter und Bekleidung, Haus- und Glastüren, Klappläden, Fenster, Holzwolle liefern billig und solid — Vorratslager Herrn. Schmitt & Co. Türenindustrie Mannh eim 2 - Kepplerstr.24. 1 Ia, Eiderfetthise 20°| o 9 Psd. — M. 8.39 franko DampfkLsefabrik Rendsburg. Ziehung 7 OkM92?J BAD. SÄUGLINGS* GELDLOTTERIE 12500 5.0001 « 00 > 105 1M» 115TtsCH10N PORTO ü. LISTE 304 Stiitnter MANNHEIM'©?, 11 küNAXU.MÄ K'RUHE- Schriftleilung: tz. Becker: Druck und Verlag: G. Beckerfche Buchdrucksrel in Sinsheim. Hier bei: Rollleder, Friseur.