»-scheint tSglich wtt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Toldmark 1.50 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. E n Fällen von höherer Gewalt rsteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des 'Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Kerusprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 8003 Der Lanöoote 5in§lreimer H Leitung ftss Generalanzeiger für das^M^Ä/enz-und Säuvarzvaclital Keltelle un«t verbreitetste Leitung äieler Gegencl. yLUpl-Kn^eigen-SlsIt Ul8«k«nlUck»e Keilagen r fißod« un«l Reim » Der Kobold • Neue Illustrierte » CandwirtTcbaftltcbe Beilage Anxeigen-Prekfe: Anzeigen: Die 33 mm breit» Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 26 Go dpfg. Grundschrift im Anzc gen- und Terttci! ist Pen: Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei 'Nichtrahlung innerhalb 8 Tagen nach Rcch- nungsdatum oder bei gerichtliche» Betreibung erlischt. Anzeigen-Annahme bis 8 Ah« vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher änf- gegeben werden. Bank-Konto: Bereinsbauk Sinsheim e. G. m. b. L. M 178 Samstag, den 17. September 1927 88. Jahrgang Amerika und Frankreich. Ablehnung des französischen Paris, 16. Sept. Die französische Regierung hat sich zu einem Schritt entschlossen, der zweifellos in Verbindung steht mit den Festtagen der amerikanischen Legion, die am Samstag ihren Anfang nehmen werden. Amerika hat sich Jahre hindurch geweigert, mit Frankreich einen Handelsvertrag zu schließen. Jetzt, da das deutsch-französische Handelsabkommen zustandegekommen ist, ist das Interesse der amerikanischen Regierung plötzlich! erwacht. Wie bereits berichtet, hat der amerikanische Geschästs- träer am Quai d'Orsgay erklärt, seine Regierung wünsche die baldige Aufnahme von Verhandlungen, da die amerikanischen Hauptinteressen durch den Abschluß des deutsch-französischen Handelsabkommens geschädigt würden. Amerika bezahle die Einfuhr amerikanischer Erzeugnisse bis jetzt, wie alle Länder ohne Handelsvertrag mit Frankreich, mit dem vierfachen Betrag des Minimaltarifs, also im allgemeinen Tarif. Die französische Regierung ist mit der Einleitung von Verhandlungen einverstanden und will den amerikanischen Wünschen so weit entgegenkommen, den allgemeinen Tarif um die Hälfte herabzusetzen, also Amerika eine Ermäßigung von 50 v. H. gewähren. Die französische Regierung wird, wie wir zu wissen glauben, schon in den nächsten Tagen die belgische Regierung davon ver- Aolwergünftigungövorschlags. ständigen, daß sie wünsche, sobald als möglich die Verhandlungen über einen Handelsvertrag mit Belgien wieder aufzunehmett. Das gleiche wird mit Spanien und Italien zu erwarten sein. Newyork, 16. Sept. Nach Meldungen aus Washington wird offiziell kein Zweifel darüber gelassen, daß Amerika den französischen Vorschlag, für gewisse Warenkategorien des amerikanischen Exportes Zollherabsetzungen bis zu 50 v. H. zu gewähren, ablehnen werde. London, 16. Sept. Der Washingtoner „Times"-Vertrete,r, meldet: Wenn die Franzosen- ihre Bereitwilligkeit, über einen französisch-amerikanischen Handelsvertrag zu verhandeln, davon abhängig machen, daß der Grundsatz der Gegenseitigkeit zugestanden wird, dann seien die Aussichten, daß es zu solchen Unterhandlungen kommen werde, äußerst gering. Das amerikanische Zolltarifgesetz schließe jeden Gedanken von Gegenseitigkeit aus und es sei amtlich erklärt worden, daß weder der Präsident, noch das Staatsdepartement über die Grenzen hinausgehen können, die das Tarifgesetz ziehe. In hiesigen freihändlerffchen Kreisen verfehlt man nicht, auf die dumme und geradezu komische Lage hinzuweisen, in die ein extrem schutzzöllnerisches System zwei Länder bringen könne. Stresemann vor der Weltpresse. Deutschlands Stellung im Völkerbund. Genf, 17. Sept. Reichsaußenminister Dr. Stresemann empfing gestern nachmittag im Hotel „Metropole" die Mitglieder der deutschen und der ausländischen Presse zu einem Tee, in dessen Verlauf er in einer Rede auf die aktuellen Fragen des Völkerbundes einging. Dr. Stresemann führte u. a. folgendes aus: „Zum zweiten Dbale in diesem Jahre ist das Deutsche Reich im Völkerbund vertreten. Deutschland konnte an allen großen Völkerbundsfragen Mitarbeiten. Die gegenwärtige Völkerbundstagung gehört zu den bedeutendsten, die Genf bisher gesehen hat. Wohl hat die Generaldebatte in der Vollversammlung einen Streit' der Meinungen in Angriff und Gegenwehr gezeigt. Doch dieser Gedankenaustausch muß als viel wertvoller als der Austausch leerer Höflichkeiten und die Anerkennung einiger bedeutender Ideen gewertet werden. Von zwei Seiten ist der Versuch gemacht worden, die von einzelnen Nattonen vorgebrachten Anregungen in Entschließungen zusammenzufassen. Aber die polnische wiechie holländische Entschließung haben das gleiche, Schicksal gehabt, verschiedenen Aenderungen ausgesetzt gewesen zu sein. Deutschland hat die polnische Ent-^ schttetzung unterstützt, weil es der Meinung ist, daß eine feierliche Erklärung derart, daß alle Völkerbundsmitglieder den Krieg verabscheuen, nichts schaden kann. Herr Briand hat in seiner Rede auf nicht lange zurückliegende spannungsreiche Zeiten hingewiesen. Jene Zeiten haben Spannungen gehabt, die vielleicht stärker waren, als man im allgemeinen in der Oeffentlichkeit weiß. Aus diesem Grunde ist deutscherseits dem Gedanken Ausdruck gegeben worden, daß, wenn eine Entscheidung auch nichts an dem Pakt ändert, eine solche Entscheidung von großer Bedeutung sein kann, weil auch die Empfindungen der Menschen eine moralische Welt-- geltung haben, die ebenso stark sein kann wie Paragraphen, die die Völker juristisch binden." Dr. Stresemann hob sodann hervor, daß die deutsche Delegation glaube, in Anspruch nehmen zu können, daß sie sich nicht mit Worten Ltzgnügt habe. Deutschlands Erklärung über die Unterzeichnung der sogeuannten Fakultativ-Klausel des Haager Schiedsgerichtshofes ist deshalb von Bedeutung, weil' jetzt wohl damit der Ban« gebrochen sein kan«, der andere Rationen bisher zurückgehalteu hat, den gleichen Weg z« gehen. Di« Worte, mit denen Herr Briand Deutschlands Vorgehen begrüßte, berechtigen zu der Hoffnung, daß anch Frankreich seinen Widerstand gegen den Beitritt zu der Schiedsgerichtsklausel aufgeben wird." Dr. Stresemann wies ferner darauf hin, daß in einem Teil der französischen Presse, die scheinbar eine offizielle Bedeutung trägt, vielfach Deutschlands Erklärungen über seinen inneren Frieden Zweifel entgegengesetzt werden. In keinem Land von mehr als sieben Millionen Einwohnern kann dt« öffentliche Meinung bis zum letzten Mann einig fein. Ueberall ist es das Spiel und .Gegenspiel der Kräfte. Die deuffche Bölkerbundsdelegation aber umfaßt sämtliche großen Parteien und ist sich über ihre Haltung gegenüber dem Völkerbund völlig einig. Die Entwicklung der letzten Jahre stößt zweifellos auf Hemmungen und Schwierigkeiten, die jedoch überwunden werden würden." Dr. Strese- mann kam sodann auf die Veröffentlichungen in der „Menschheit" zu sprechen. Er führte dabei u. a. aus: „Wenn jemand seit Jahren überhaupt nicht mehr in Deuffchland lebt, hat er kein Recht, über die geistige Verfassung des Landes und Volkes zu sprechen. Wen» aber jemand «o» Mut dafür «»tritt, daß das Rheinland an Frmckteich abgetreten wird, so ist das ei« Mangel an Warakter «»» »«stand, de« kein Volk dulden kan«. Eine von allen politischen Parteien, einschließlich der Opposi- tton, vertretene Politik mutz als die allgemein maßgebende Grundlage für die Beurteilung des deutschen politischen Willens anaelcben werden. Wohl wird noch über Nuancen, Form, Ausdruck und Art in den großen Parteien gestritten, aber nicht mehr über die Grundlagen ihrer Politik. In seinen weiteren Ausführungen sprach Dr. Stresemann über die psychologische Entwicklung, die die junge Generation in Deutschland durchgemacht hat. Englands -Recht- auf Blockade. „Niemand darf die Entscheidung britischer Prisengerickte antafien." London, 16. Sept. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" nennt heute unser den Vorbehalten, die England machen müßte, wenn es je die Fakultativklausel unterzeichnen würde, daß England niemals dulden würde, daß ein fremder Gerichtshof die Entscheidungen der britischen Prisengerichte antaste. Hierin hat man die Erklärung der ganzen merkwürdigen Haltung der britischen Regierung in der Schieds- gerichtsfrage. Die britische Regierung ist entschlossen, nicht nur das Recht privaten Krieges, sondern auch privater Blockade beizubehalten, einer Blockade, deren Recht Englands Wille bestimmt. Neuer französischer Vorstoß in der Abrüstungssrage Genf, 17. Sept. In der Abrüstungskommiffion der Voll- rersammlung brachte gestern vormittag Paul Boncvur, der jetzt anstelle Briands erster französischer Delegierter ist, eine« neuen Vorschlag ein, der über den holländischen und polnischen Entwurf noch hinausgehend Richtli«ie« für die weitere Behandlung des Abrüstungsproblems mit grundsätzlicher Erweiterung und ferner die Schaffung einer Sicherheitsgarantie vorsteht. Dieser - Vorschlag soll als allgemein abschließende Entschließung der 3. Kommission der Vollversammlung vorgelegt und zur Annahme empfohlen werden. Der Resolutionsentwurf Paul Boncours hat folgenden Wortlaut: „Die Völkerbundsversammlung nimmt von den in technischer Natur erzielten Fortschritten der Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission sowie des Ratskomitees für ein beschleunigtes Zusammentreten des Völkerbundsrates in Krieszeiten Kenntnis. Besorgt um die Realisierung der politischen Bedingungen, die -zur Sicherung der Erfolge der Abrüstungsarbeiten erforderlich sind, ist die Vollversammlung der Ueberzeugung, daß dieser Erfolg nur erzielt werden kann, wenn jeder Staat die Ueberzeugung erhält, daß er für seine eigene Sicherheit nicht lediglich auf seine eigenen Rüstungen angewiesen ist und die Sicherheit auf einer Kollektiv durch den Völkerbund organisierten Aktion aufgebaut ist Diese Aktton muß in erster Linie dahin zielen, den Ausbr«ch eines Krieges z« verhindern, oder z« unterbinden «ud «otwendigerwcise demjenigen Staat, der das Opfer eiues Angrisfes geworden ist, die notwendige Hilfe angedeihen zu lasten. Die Völkerbundsversammlung ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Lasten, die infolge einer gemeinsamen Aktion von den einzelnen Staaten getragen werden, von diesen leichter zu übernehmen sind, wenn die Lasten auf eine größere Zahl von Staaten verteilt und wenn diese einzelnen Verpflichtungen eindeutig fixiert und begrenzt würden. I. Die Vollversammlung empfiehlt infolgedeffen den Abschluß von Schiedsverträgen, die die friedliche Regelung aller Streitigkeiten sichern und zwischen den Staaten eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens schaffen, die notwendig ist, damit die Arbeite» der vorbereitenden Abrüstungs- kommisfion fortgesetzt werden können. II. Die Vollversammlung fordert den Rat auf, die vorbereitende Abrüstungskommisston möge den Konventtonsentwurf über die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen sowie diejenigen Mittel prüfen, die geeignet sind, alle» Staaten die notwendige Garantie der Sicherheit zu geben. die es ihnen ermöglichen soll, den Grad ihrer Rüstungen in möglichst niedrigen Ziffern für die internationalen Abrüstungsabkommen festzusetzen Die Völkerbundsversammlung ist der Ansicht, daß hierzu folgende Mittel erwogen werden können: 1. Eine Aktion des Völkerbundes, die darauf hinzielt, die gegenwärtigen einzelnen Sicherheitsverträge einander anzupaffen und zu generalisieren. 2. Eine systematische Vorbereitung der Auslegung de» verschiedenen Artikel des Völkerbundspaktes. 3. Eine elastischere Ausgestaltung der Bestimmungen der Genfer Protokolls vom Jahre 1924, um hierdurch den einzelnen Signatarstaaten unabhängig von de» allgemeinen Verpflichtungen mit Bezug auf mehr oder weniger enge Solidarität, die zwischen den einzelnen Verträgen besteht, entsprechend der geographischen Lage anzupaffen. Dieser neue Versuch, die Gedanken des Genfer Protokolls zu beleben, dürfte ebenso zum Scheitern verurteilt sein, wie die vorhergehenden auf Veranlassung Frankreichs gemachten Vorschläge Polens. Auch die Formulierung, daß eS dar- auf ankomme, eine „elastischere Form" zu finden, um das Genfer Protokoll anehmbarer zu machen, dürfte nicht dar- über hinwegtäuschen können, daß der eigentliche Zweck des Protokolls — das „französische System des Frieden-' in Europa zu verewigen — heute weniger denn je von den Staaten anerkannt werden kann, die eine Hegemonie Frankreichs in Europa ablehnen. Paul Boncoar begründet seinen Antrag in längeren Ausführungen. Er ging davon aus, daß de» Gedanke der Sicherheit unlöslich mit dem Abrüstungspro- blem verbunden sei. Alle Abrüstungsverhandlungen beS Völkerbundes seien von dem Sicherheitsgedanken beherrscht. Die Garantien der Sicherheit seien bisher noch nicht ge- nügend präzisiert worden. Falls es nicht gelingen sollte, die Sicherheitsgarantien hinauszupräzisieren, würde die kün- tige Abrüstungskonferenz eine schwere Enttäuschung in der gesamten öffentlichen Meinung Hervorrufen. Die Garantien der Sicherheit müßten eindeutig festgelegt werden. Dt» Entwicklung des Schiedsgerichtsgedankens sei notwendig, aber nicht ausreichend, um die Sicherheit endgültig zu garantieren. Man müffe von Neuem die Grundsätze des Genfer Protokolls, das bereits eine erste Etappe in den Locarnoverträgen gefunden habe, einer neuen Prüfung unterziehen. Diejenigen Staaten, die sich in einer besonderen Lage befänden, würden bei Durchführung der Abrüstung gezwungen sein, zu prüfen, über welche Sicherheitsgarantien sie verfügten. Paul Voncour wies darauf hin, drß er den Gedanke» eines kontinentalen Protkolls ablehne Dies würde eine Verstümmelung des Völkerbundsgedankens bedeuten. Vielmehr müßten die regionalen Abkommen unter Berücksichtigung der geographischen Lage der einzelnen Staaten weiter ausgebaut werden. Die Bestimmungen des Genfer Protokolls müßten in neuer Form elastischer ausgestaltet werden, um ihre Anwendung auch bei öen^enioen Staaten möglich zu machen, die bisher das Genfer Protokoll abgelehnt hätten. Gerade diesen Staaten müsse die Möglichkeit gegeben werden, diejenigen Punkte des Genfer Protokolls zu bezeichnen, die für sie noch unannehmbar seien und die infolgedeffen eine Ablehnung erfahren müßten. Chamberlain bei Stresemann . Genf, 17. Sept. Außenminister Ehamberlain stattete gestern vormittag Reichsaußenminiiter Dr. Stresemann im Hotel Metropol einen Besuch ab. Die Unterredung zwischen den beiden Außenministern dauerte über eine Stunde. Es verlautet, daß während dieser Unterredung Ehamberlain auf den von Paul Boncour gestern eingebrachten Entschließungsantrag hingewiesen hat, durch den der Vollversammlung der Abschluß von Sicherheitsverträgen empfohlen wirb. Briand nach Paris abgererst Keine Rückkehr nach Genf? Genf, 17. Sept. Der französische Außenminister Briand' ist gestern mittag um 12° Uhr zur Teilnahme an der mor- gigen Kabinettssitzung Nach Paris abgereist. Entgegen anders lautenden Nachrichten glaubt der Genfer Berichterstatter der „Jnformatton" Mitteilen zu können, daß Briand nicht nach Genf zurückkehren werde. Vorschlag zur Regelung des ungarischrumänischen Streitfalles Genf, 17. Sept. Wie die Telunion erfährt, wird der englische Außenminister Chamberlain in der nächsten Sitzung des Rates als Berichterstatter in dem ungarisch-rumänischen Streiffall folgenden Vorschlag zur Regelung der Frage dem Rat vorlegen: 1. Der Rat erklärt sich für die Interpretation des Vertrages von Trianon für zuständig; ein Appell an den Haager Schiedsgerichtshof ist infolgedeffen nicht erforderlich. 2. Der Völkerbundsrat erkennt grundsätzlich das Recht der ungarischen Optanten auf eine Entschädigung für den ihnen von der rumänischen Regierung enteigneten Grundbesitz an. 3. Der Völkerbunösrat erkennt den Rechtsstandpunkt der ungarischen Regierung in Bezug auf die Ernennung der Schiedsrichter zu dem Gemischten ungarisch - rumänischen Schiedsgerichtshof an. Falls Rumänien es ablehnt, an Stelle des zurückgezogenen Schiedsrichters einen neuen zu ernennen, macht der Rat von seinem Recht Gebrauch, einen Ersatzrichter zu ernennen. 4. Ter Gemischte ungarisch-rumänische Schiedsgerichtshof hat bei der Prüfung der materiellen Entschädigungsansprüche der ungarischen Optanten sestzustellen, ob diese bei der Durchsührung der Agrarreform durch die rumänischen Behörden eine andere Behandlung erfahren haben, als die Rumänen. Nr. 178. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 17. September 1927. Hl r; Der Eindruck der Genfer Wahlen Tiefe Cnttänfchnng in Belgien. Brüssel, 16. September. Tie Nachricht von bem Aus» Leiben Belgiens aus dem Völkerbundsrat hat allgemein in Belgien tiefe Enttäuschung hervorgerufen. Der „Soir" bemerkt hierzu, baß diese Niederlage in Belgien allgemein stark bedauert werden würde. Man frage sich, was für Einflüße wirksam gewesen seien, um Belgien auszuschiffen. Belgien, das Land, das der Vorkämpfer und das Opfer des Rechts gewesen sei. Das Blatt schließt mit -er Feststellung, daß Belgien den Völkerbundsrat in dem Augenblick verlasse, in dem Deutschland in den Völkerbund ausgenommen worden sei. Der sozialistische „Peuple" stellt fest, daß Belgien eigentlich im Rate habe bleiben müssen, weil es zu den Ländern gehöre, die an der Rheinlandbesetzung beteiligt seien und die an der Ausführung des Vertrages von Versailler interessiert seien. Diese unheilkündende Entscheidung beraube den Rat Vanderveldes, der zusammen mit Benesch ein Diener des Friedens gewesen sei. Auch Frankreich verliere damit zwei sichere Freunde. London über die Wahl Kanadas erfreut. London, 16. Sept. Die Wahl Kanadas als nichtständiges Mitglied hat in politischen Kreisen große Befriedigung aufgelöst, während gleichzeitig das Ausscheiden Belgiens aus dem Rat bis zu einem gewissen Grade bedauert wird. Man hofft, daß Belgien in der Aufforderung. Mitglied der ständigen Abrüstungskommission zu bleiben, eine gewisse Genugtuung für seine Wahlniederlage erblicken wird. Im übrigen sieht man auch in London in der Niederlage Belgiens den Beweis dafür, daß die kleinen Mächte nicht gewillt sind, den von den GroßmäHten gegehM^n Rich tlinien ohne weiteres zu folgen. , J_ CooDge kandidiert nicht Er will Hnghes «nterstütze«. Paris, 17. Sept. Einer Meldung -es Newyark Herald" zufolge hat Staatssekretär Mellon erklärt, Präsident Eoo- lidge werbe sich tatsächlich nicht mehr als Kandidat für die kommenden Wahlen aufstellen lassen. Eoolidge habe sogar die Absicht, die Kandidatur des früheren Staatssekretärs Hughes zu unterstützen. Dadurch würde Hughes Aussicht haben, von der Republikanischen Partei gewählt zu werden., Ein Ausschuß zur Aufrechterhaltung der französisch-russischen Beziehungen Paris, 17. Sept. Angesichts der Bemühungen der französischen Rechtsparteien, auf die Regierung einen Druck in der Richtung eines Bruches mit Rußland auszuüben, hat sich ein „Ausschuß zur Aufrechterhaltung der französisch- russischen Beziehungen" gebildet. In einem Aufruf gibt dieser Ausschuß der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Abgang des sowjetrussischen Botschafters den Auftakt zum völligen Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden Ländern bedeuten würde. Dies würde notwendigerweise zu internationalen Verwicklungen führen, deren Ausdehnung und Folgen niemand übersehen könne. Der Ausschuß richtet daher an alle Anhänger des Friedens den Appell, bas Komitee bei seinen Bemühungen zu unterstützen. , Ein neuer Ozeanfiug Das Ozeanflngzeng „Prinzeß Xenia" über der westirische« Küste. London, 17. Sept. Das Ozeanflugzeug „Prinzeß Xenia", bas gestern um 13.34 Uhr auf dem Flugplatz Baldonnel zu einem Fluge nach Amerika gestartet ist, hat 15.36 Uhr die Westküste Irlands bei Galway passiert. Roch keine Nachricht von de« französischen Marokkoslicgcrn. Paris, 16. Sept. Bis zur Mittagsstunde ist das Schicksal der beiden französischen Marokkoflieger immer noch ungewiß. Seit ihrem Start von Oran, der gestern morgen > um 6 Uhr erfolgte, ist man ohne Nachricht. Das Flugzeug wurde auch if it keiner der funkentelegraphischen Posten von Perpignan bis Bordeaux gemeldet. Man klammert sich an die Hoffnung, daß die Flieger durch das schlechte Wetter zu . einer Landung in Spanien gezwungen worden sein könnten. Meine ermutigende» Wettcraussichten für die Ozeanslieger. London, 17. Sept. Vierzehn Tage lang hatten sich die beiden Ozeanflieger Mac Jntosh und Fitzmaurice zum Özeanflug bereitgehalten. Als gestern morgen günstrgere Wetternachrichten kamen, entschlossen sich die Piloten zum Abflug. Dabei waren die Wetteraussichten noch nicht ein« mal ermutigend zu nennen. Der Flug geht über eine Strecke von 3306 Meilen — davon I960 Meilen über das offene Meer. Bei einem Bristol-Jupiter-Motor von 556 P.S. flieat die Maschine eine Stundengeschwindigkeit vbn 27) Ein Frühlingstraum. Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. „Na, lieber Wolfsburg", rief ihm der Bankier entgegen, „da sind Siel Ich glaubte Sie schorx hier! Nun wollen wir es uns bequem machen und das Brautpaar sich ein wenig selbst überlassen — meinen Sie nicht auch? Hier diese Zigarre kann im Ihnen empfehlen, lieber Baron, sie ist wirklich vorzüglich!"- „Nicht wahr, Fräulein von Lassen, den Kaffee trinken wir im Garte») es ist so wunderschön heute", sagte Gabriele zu der Hausdame. „Das war auch meine Ansicht, Fräulein Ella — Sie erlauben mir, die nötigen Anordnungen zu treffen", erwiderte die Angeredete. Sie wußte ja, daß sie damit Gabrieles Wünschen entgegenkam, die mit dem Verlobten so gern allein sein wollte. „Bitte, Liebste, es wird ja nicht zu lange dauern", sagte Gabriele liebenswürdiger, als cs sonst ihre Art war. Fräulein von Lassen empfahl sich und ließ die Leiden allein. — Zärtlich sah Ella zu ihrem Verlobten empor. „Bist Du zu- srieden, mein Schatz?" hauchte sie dann. Er nahm ihre weiße Hand und küßte sie. „Ja, Ella", sagte er, „und nun bitte ich Dich, wenn es Dich nicht zu sehr ermüdet, mir eines von Deinen Liedern zu singen) ich habe Dich stets gerne singen hören." Er sprach damit eine Unwahrheit. Gabriele besaß eine sehr hübsche, sorgfältig geschulte Mezzosopranstimme und verstand es auch, mit Ausdruck zu singen. — Einen Augenblick sah sie ihn betroffen an — wenn er weiter nichts wollte — ach, und sie sehnte sich so danach, in seinen Armen zu liegen und ihn zu küssen — und er wollte sie singen hören. „Gern, Wolf,", sagte sie aber doch freundlich, „ich bin nur heute nicht besonders bei Stimme) Du mußt Nachsicht habenl Komm, bitte! Du weißt ja Bescheid, wo der Flügel steht." - 125 Meilen. Die mitgeführten 761 Gallonen Brennstoff reichen etwa 40 Stunden aus. Jedoch hoffen die Flieger, in 26—30 Stunden in Newyork landen zu können. An Bord des Flugzeuges befinden sich eine Signalpistole und ein kleines Rettungsboot, dagegen keine Radioeinrichtungen. Mac Jntosh ist der erste Pilot der Imperial Airways, sein Begleiter irischer Militärflieger. In englischen und irischen Luftfahrtkreisen hegt man auch für diesen Ozeanflug große Besorgnis, da die amerikanischen Wetterstationen bereits gemeldet haben, daß die Ozeanflieger im Atlantik ungünstige Wetterbedinguugen vorfinden werden. Vor Neufundland werden sie aus starke Nebelbänke stoßen. Der Reichspräsident in Königsberg Königsberg, 17. Sept. Reichspräsident von Hinöenburg, der am Sonntag an der Einweihung des Tannenberg-Nationaldenkmals bei Hohenstein teilnimmt, traf gestern vormittag kurz nach 9 Uhr an Bord des Kreuzers „Berlin" im Königsberger Hafen ein. An der Landungsstelle hatten sich die Spitzen der staatlichen und Provinzbehörden der Stadt Königsberg und die Führer der Ostpreußischen Wirtschaft zum Empfang eingefunöen. Als der Kreuzer, der von den beiden Torpedobooten „Möwe" und „Seeadler" begleitet war, festgemacht hatte, begaben sich der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen, der Oberbürgermeister der Stadt Königsberg und der Befehlshaber des Wehrkreises I zur Begrüßung an Bord. Beim Betreten ostpreußischen Bodens wurde dem Reichspräsidenten von der Tochter des Königsberger Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer ein Blumenstrauß überreicht. Hierauf hieß Oberbürgermeister Dr. Lohmeyer den Reichspräsidenten im Namen der Stadt Königsberg als den Befreier Ostpreußens und Ehrenbürger der Stadt willkommen. Die Königsberger Bevölkerung, so führte er aus, möchte nicht verfehlen, dem verehrten Reichspräsidenten auf dem Weg zum Schlachtfeld von Tannenberg das Gelöbnis unwandelbarer Treue und Dankbarkeit zu erneuern. Königsberg und Ostpreußen seien stolz darauf, den General- felümarschall zu den ihren zählen zu dürfen. Die ostpreu- ßtsche Bevölkerung werde es nie vergessen, daß er vor dreizehn Jahren die Provinz von den feindlichen Truppen gesäubert und befreit habe. Ostpreußens Bevölkerung hege den heißen Wunsch, daß es dem Reichspräsidenten vergönnt sein möge, noch viele Jahre an der Spitze des Deutschen Reiches zu stehen. „Freudig geben wir", so schloß der Oberbürgermeister, „die Versicherung ab, daß wir alle Kraft daran setzen, um trotz der schwierigen Lage, in der sich Ostpreußen befindet, treu zum Reich zu stehen. Diese Aufgabe werden wir erfüllen, wenn das Reich uns hilft". Die Ansprache klang aus in einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hurra auf den Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindeuburg dankte dem Oberbürgermeister für die Begrüßungsworte und betonte, daß er gern nach Ostpreußen gekommen sei, und bedauere, nur kurze Zeit in Königsberg weilen zu können. Das Wohl der Provinz Ostpreußen liege ihm am Herzen, und er dürfe versichern, daß dieselbe Stimmung bei der Reichsregierung vorhanden sei. Er baue auf die feste Energie und Unverzagtheit seiner lieben Ostpreußen. Mit Gottes Hilfe und bei Daransetzung aller Kräfte werde es wieder vorwärts gehen. Den Schulkindern, die ihn durch Gesang begrüßt hatten, dankte er besonders. Nachdem der Reichspräsident noch verschiedene Anwesende ins Gespräch gezogen hatte, erfolgte die Weiterfahrt im Kraftwagen. Bei der Fahrt durch die Stadt wurde der Befreier Ostpreußens von ungezählten Tausenden begeistert begrüßt. Der Reichspräsident begab sich sofort nach Mar- kienen, wo er Gast des Geheimen Rates v. Berg ist. Flugeisenbahnverkehr Die berechtigten Forderungen von Industrie- und Han- belsunternehmungen, die an Plätzen ansässig sind, welche noch nicht dem Luftverkehr angeschlossen sind und in irgendeiner Form die Ausnutzung des Luftfrachtverkehrs auch für sich in Anspruch nehmen wollen, haben dazu geführt, baß zwischen der deutschen Reichsbahn und der Deutschen Lust- Hansa bezüglich des Güterverkehrs Abmachungen getroffen wurden, die es ermöglichen, daß Frachtsenöungen auf Luftfrachtbrief neuerdings sowohl von der Eisenbahn auf die Flugzeuge und auch umgekehrt von de» Flugzeugen auf die Eisenbahn verladen werden können. Die besondere Annehmlichkeit dieses am 1. Oktober in Kraft tretenden Flei- verkehrs (Flugeisenbahnverkehr) liegt in erster Linie darin, daß für den Uebergang der Güter von einem zum anderen Beförderungsmittel kein neuer Transportvertrag erforderlich ist und weiterhin die Güter bei jeder Gepäckabfertigungs- stelle der Deutschen Reichsbahn sowie sämtlichen Dienststelle» der Deutschen Luft-Hansa aufgegeben werden können. Die Abwicklung dieser neuartigen Zusammenarbeit zwischen Eisenbahn- und Flugdienst vollzieht sich genau so einfach wie derjenige des Frachtluftverkehrs und der Expreßbeförderung. Zur Berechnung gelangen die Frachttarife der Deutschen Luft-Hansa und die Expreßgebühren der Reichsbahn; lediglich eine kleine Behandlungsgebühr für die Reichsbahn wird zugeschlagen. Besonders dürfte sich in der Praxis ein Zubringerdienst per Bahnexpreß zu den großen internationalen Luftver- kehrsverbindnngen entwickeln und umgekehrt die Ausnutzung dieser Fluglinien mit anschließendem Bahnexpreß in die Provinz. Die idealste Ausnutzung des Fleiverkehrs wird in dem Augenblick möglich sein, wenn nach dem Muster der Nacht- flngstrecke Berlin—Moskau ein dichtes Netz von Nachtluftverkehrsverbindungen eingerichtet wird. Durch den Fleiverkehr würde dann z. B. eine Verbindung ab Berlin 24.00 Uhr, an London und Paris 8 Uhr, von allen deutschen Städten ausgenutzt werdew können, indem Ost- und Mitteldeutschland die Waren per Bahnexpreß abends nach Berlin, Nord- und Süddeutschland, nach Hannöver und Westdeutschland nach dem Flugplatz im westlichen Industriegebiet zum Uebergang auf das Flugzeug befördert würden, um zu erreichen, daß sie am nächsten Morgen um 10 Uhr in den Händen der Empfänger sind. Aber die heute bereits bestehenden Flugverbindungen sind auf ähnliche Weise auszunutzen, woraus zu ersehen ist, daß die neue Fleibeförderungsart so fortschrittlich und vielversprechend ist, daß man wohl einen größeren Erfolg erwarten lann. Die 800000 Mark-Prämie nach Berlin gefallen Berlin, 17. Sept. I« der gestrige« letzte« Ziehung der Preußisch-süddeutsche« Klassenlotterie wurde« die beide« 500 000 Mark-Prämien gezogen. Sie entfielen «ach Meldung der Abendblätter auf die Nummer 39 798, «nd zwar in beide« Abteilungen «ach Berlin. Das Los wnrde in mehreren Teile« gespielt und die Gewinner find in Kreise« z« suche«, die das Geld sehr gut gebrauchen könne«. Dr. Luther Mitglied der Deutschen Dolkspartei Esse«, 17. Sept. Reichskanzler a. D. Dr. Luther ist der Ortsgruppe Essen der Deutschen Volkspartei als Mitglied beigetreten. Baden / Das Staatsministerium und der 80. Geburtstag des Reichspräsidenten. Das Staatsministerium hat zufolge des ausdrücklichen Wunsches des Reichspräsidenten von Hindeuburg beschlossen, von der Abhaltung einer amtlichen Feier beim 80. Geburtstag des Reichspräsidenten Abstand zu nehmen und einen entsprechenden Geldbetrag der Hindenburgspende zu überweisen. Für den 2. Oktober wurde die Beflaggung der staatlichen Gebäude angeordnet. Außerdem wird nach näherer Weisung des Ministers des Kultus und Unterrichts in den Schulen des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten gedacht werden. Ernenter Haftbefehl gegen de« Schriftleiter des „Eisenhammer". Lndwigshafen a. Rh., 17, Sept. Der Oberkommandierende der Rheinarmee, General Guilleaumat in Mainz, hat gegen den verantwortlichen Schriftleiter der Nationalsozialistischen Wochenschrift der „Eisenhammer", Heinrich Förster, in Ludwigshafen a. Rh. erneut Haftbefehl erlassen, der von der französischen Gendarmerie ausgeführt werden sollte. Auf Anordnung der Parteileitung hat Förster das besetzte Gebiet vorläufig verlassen, so daß die Gendarmen unverrichteter Dinge wieder abziehen mußten. Redaktion und Wohnung werden von französischen Kriminalbeamten bewacht. Frühzeitiger Schneefall. ** Freibnrg, 16. Sept. Im Hotzenwald ist in der letzten Nacht Schnee gefallen. Die Abhänge strahlen in weißer Pracht. Seit langen Jahren ist zu so früher Jahreszeit in dieser Gegend kein Schnee gefallen. Man rechnet deswegen mit einem frühen Eintritt des Winters. Aus Nah und Fern. + Sinsheim, 17. Sept. (Versetzung.) Für den nach Rastatt versetzten Herrn Obersteuerinspektor Schaubeck kommt Herr Obersteuersekretär Weiler von Weinheim zum Finanzamt Sinsheim. Er war ihr beim Notenaussuchen behilflich) sie kniete» beide vor dem Notenschränkchen —, „hier Schatz, habe ick ein neues Lied — ich kann es nur nicht so recht", sagte sie ihn lächelnd ansehend. Sie war berückend in diesem Augen blick und Wolf wollte sich diesem Eindruck nicht entziehen Zärtlich legte er den Arm um sie. „Das tut nichts, meir Herz! Komm her zu mir!" Er zog sie an seine Brüste jllbelnd schlang sie die Arme um seinen Hals und preßte stck fest an ihn. „O. Du — Du —", stammelte sie, trunken vor Glückseligkeit, „wie habe ich Dich lieb, Wolf! Ich wäre ge-, storben, wenn Du nicht mein geworden wärst! Nicht wahr Du liebst mich auch?" Und fragend blickte sie ihn an. „Frage doch nicht, lasse Dich lieber küssen, mein Herzl^ sagte er und drückte seine Lippen auf ihren roten Mund So saßen sie eine Weile. Wolf schloß die Augen halb, unk venn er Ella küßte, meinte er, es wäre sein süßes kleines Mädchen! Was mochte sie treiben? Seinen Brief fand sie doch erst heute abend vor, wenn sie aus dem Geschäft kam. Sicher glaubte sie, es wäre eine zusagende Antwort auf chren Brief, daß er heute abend wieder kommen würde! Und dann las sie statt dessen seine Anklagen! So deutlich 'ah er alles vor sich — daß er noch die Gedanken nicht dannen konnte! Immer und immer wieder tauchte ihr goldes Gestchtchen vor ihm auf, selbst jetzt, wo er die Braut im Arme hielt! — Er kam sich vor wie der Ritter Lothar, den Lurlei im Wachen und Träumen verfolgte, weil er ihr die Treue gebrochen-er kam nicht los von ihr; zu fest waren sie miteinander verbunden. — Und Ella — wie war te leidenschaftlich und unersättlich in ihren Küssen — das üppige» junge Weib in seinem Arm war ganz Liebe und Hingebung — wie war sie anders, als jenes holde Mädchen, das die verkörperte Unschuld und Keuschheit für ihn war, dessen reine Seele so offen vor ihm lag-und bas ihn doch betrogen!! Diese hier war ihm treu, das wußte er zcnau, — sie hatte ja die Wahl unter so vielen gehabt — ind hatte doch nur ihn gewollt. Aber war das auch die :chte, rechte Liebe? Nein! es war nur ein leidenschaftliches Begehren und Drängen, es war nur Eitelkeit, den gefeierten Frauenliebling erobert zu haben —, auf welche Weis« war gleich —, sie hatte ihn, und das genügte! O, er sa! auch, was nun kommen mußte — endlose Besuche, lang wellige Einladungen, dazwischen Zärtlichkeitsausbrüche uw Eifersuchtsszenen, wovon er heute schon den Anfang gesehei hatte! Nein, das durfte nicht sein — dieser Brautstani würde seine Nerven aufs äußerste anspannen — keine Mi nute Zeit mehr für sich, immer der ergebene Sklave sei» — und dazu die quälenden Gedanken, nein, da war el am besten, er heiratete so bald wie möglich, dann war ei doch wenigstens sein eigener Herr! Und gleich jetzt wollt« er der Braut den Borschlag machen; sie ging sicher darau ein! — „Du wolltest wissen, Ella, woran ich vorhin dachte?" begann er, „willst Du es hören, ja?" „Was war es denn, Geliebter?" fragte sie, sich das Haar aus der Stirn streichend. „Ich habe eine Bitte, mein Herz! Möchtest Du bei Papa ein gut Wort für mich elnlegen, wenn ich ihn bitte, daß wir heiraten, recht bald, ja?" Für ihn war es eine Erlösung aus diesem Zustand, der ihn zu einem Heuchler machen mußte — und nichts war ihm verhaßter, als heucheln und lügen! „Aber warum?" fragte sie erglühend, „es ist doch so schön, verlobt zu sein!" Ihr Gefühl sagte ihr, daß die holde Poesie des Brautstandes vor der Wirklichkeit, vor der Prosa der Ehe, nicht stanöhalten könnte. „Ja, Ella, es ist aber doch viel schöner, wenn man verheiratet ist und ein eigenes Heim hat, in dem ein liebes Weibchen schaltet und waltet, und das dem Mann lieb unfreundlich entgegentritt, wenn er müde und abgespannt vom Dienst heimkommt — meinst Du nicht auch? fragte er, sie zärtlich an sich drückend «nd sie mit den dunklen traurigen Augen ansehend, die eine so große Macht über Frauenherzen hatten — und doppelt, wenn er wollte! Und jetzt wollte er auch die Macht anwenden, das erste Mal, daß er es bewußt tat, um zum Ziele zu kommen. lFortketzuna folgt. I 7 i:.:y i . iv u •• i Nr. 178. Jahrgang 1927. Der Landbste * Sinsheim« Zeitung. Samstag, den 17. September 1927. * Sinsheim, 17. Sept. (Die katholische Kirche zum 80. Geburtstag Hindenburgs.) Das erzbischöfliche Ordinariat in Frei- bürg hat angeordnet, daß beim Gottesdienst des 80. Geburtstages des Reichspräsidenten von Hindenburg am 2. Oktober gedacht und zum Gebet für die verehrungswürdige Person des greisen Reichsoberhauptes aufgefordert worden, auf daß Gott ihm auch ferner mit seiner Gnade beistehen und seine Arbeit für das Wohl des Volkes segne. % Sinsheim, 17. Sept. (Handwerk und Werkbuno.) Das Handwerk kämpft in unserer Zeit einen harten Kampf um seine Existenz gegen die immer mehr vordringenden Mächte der Technik und Industrie. Die Frage, welcher Anteil dem Handwerk und zwar nicht nur dem Kunsthandwerk, heute noch an der gestaltenden Arbeit zukommt, ist auch für den Werkbund von der größten Bedeutung. Die diesjährige Tagung des Deutschen Werkbundes, die in der Zeit vom 27. bis 29. September in Mannheim stattfindet, soll daher den Fragen des Handwerks gewidmet fein. Als Vertreter des Handwerkes wird Dr. Meusch, Generalsekretär des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages, in der öffentlichen Versammlung am 29. September, vormittags V/s Uhr in der Städtischen Kunsthalle das Thema „Handwerk und Werkbund" behandeln. Zum gleichen Thema wird Museumsdirektor Dr. Walter Riezler (Stettin) sprechen. Die Behandlung der Fragen des Handwerks auf dieser Tagung wird der Auftakt zu weiterer gemeinsamer Arbeit der .Handwerker-Organisationen mit dem Werkbund sein. Am 28. September, nachmittags 2Ve Uhr, findet ebenfalls in der Städtischen Kunsthalle die Mitgliederversammlung statt. Reben den geschäftlichen Berichten werden die kommenden Ausstellungspläne des Deutschen Werkbundes zur Beratung stehen. Rach der Tagung soll die Werkbundsausstellung „Die Wohnung, Stuttgart 1927" besichtigt werden. pa Sinsheim, 16. Sept. (Ausnahmetarif für Wein.) Im Ausnahmetarif 9 a für Wein ist mit Gültigkeit vom 13. September 1927 eine Anzahl wichtiger Aenderungen und Verbesserungen durchgeführt worden. Die Entfernungsgrenze wurde von 400 Km. auf 450 Km. erweitert. Bon besonderer Bedeutung ist die Aufnahme von Ausnahmefrachtsätzen für Wein bei Auflieferung als Frachtstückgut. Die hier in Frage kommende Ermäßigung beläuft sich auf durchschnittlich 20 Proz. gegenüber den normalen Frachtsätzen der Stückgutklasse 1. Ferner wurden in den meisten Entfernungen die bisher gültigen Ausnahmcfätze für Wagenladungen noch weiter ermäßigt und zwar durchschnittlich um etwa 6 Proz. Außerdem kann künftig für Weinsendungen in Wagenladungen, die nach Zuladung von Wein auf der Bestimmungsstation mit der Eisenbahn weiter geschickt werden, der Ausnahmetarif im Erstattungswege auch für die zweite Beförderungsstrecke angewendet werden, sofern die Gesamtbeförderungsstrecke nicht mehr als 450 Km. beträgt. Auch für Schaumwein sieht der neue Tarif insoweit eine Begünstigung vor, als eine Beiladung von Schaumwein zu Wein in Wagenladungen die Anwendung des Tarifs für die ganze Sendung nicht ausschließt, sofern das Gewicht des Schaumweins nicht mehr als 10 Proz. des Gesamtgewichts ausmacht und getrennte Gewichtsangabe im Frachtbriefe erfolgt ist. .Die Veröffentlichung des neugefaßten Ausnahmetarifs erfolgt im Nachtrag 3 zum Reichsbahn-Gütertarif, Heft C 2. Nähere Auskunft erteilen die Güterabfertigungsstellen. * Sinsheim, 17. Sept. (Soll man schon heizen?) Der Sommer scheint nun endgültig Abschied genommen zu haben, wenn wir auch noch auf manchen'schönen Tag hoffen, zumal man auch die leise Hoffnung hegen darf, daß wir noch etwas von der jetzt aus Chicago gemeldeten amerikanischen Hitzewelle bekommen. Einstweilen aber machen Herbstwinde und unfreundliche Regenschauer den Aufenthalt im Freien nicht gerade behaglich. Selbst in der Wohnung beginnt es ungemütlich zu werden. Die Quecksilbersäule schrumpft bedenklich zusammen, vom Fenster zieht es kalt hinein und die Wände haben ihre aufgespeicherte Wärme fast abgegeben. Fröstelnd stehen wir auf, um uns etwas Bewegung zu verschaffen. Aber sollen wir schon heizen, jetzt im September? Bei Häusern mit Zentralheizung wird wohl kaum vor dem 1. Oktober damit begonnen werden. Wo jedoch ein gemütlicher alter Ofen im Zimmer steht, da dürfte man die verhältnismäßig geringe Ausgabe nicht scheuen, um durch sinngemäßes Heizen dem Abfall der Temperaturen entgegenzutreten. Es braucht ja nicht alle--Tage zu sein. Die meisten Erkältungen im Herbst, wo vielfach die Kleidung noch leicht ist, rühren von dem Sitzen in ungeheizten Räumen her. Wenn man durchfroren von der Straße kommt und bei ziemlich niedriger Temperatur auf einem Fleck hockt, braucht man sich nicht zu wundern, daß sich naH^kurzer Zeit durch ein Kribbeln in der Nase ein anständiger Schnupfen ankündet. Man muß eben heizen, wenn es die Witterung bedingt und nicht damit bis zum Oktober warten, schon deshalb nicht, weil sich die Mauern des Hauses zu sehr abkühlen und das Erreichen einer angenehmen und zuträglichen Zimmerwärme später viel schwerer ist. Von übertriebenem Einkacheln ist natürlich abzu- fehen. Die normale Stubenwärme soll etwa 18 Grad betragen. Alle zwei bis drei Tage ein mäßig warmer Ofen genügt vollkommen und beugt außerdem einer zu großen Verweichlichung vor. — Manch einer zieht, wenn er jetzt schon friert, ein innerliches Einheizen vor, was ihm wohl doch nicht den üblichen Herbstschnupfen ersparen wird. * Neckarbischofsheim, 16. Sept. (Von der Kreishaushaltungs- fchule.) Die Schlußprüfung des Sommerkurses der hiesigen Kreishaushaltungsschule (76. Kurs) fand gestern im Rathaussaale statt. Als Vertreter des Kreises waren anwesend die Herren: Landgerichtsrat Dr. Engelhard, Kreisrat Hafsemer, Kreissekretär Dürr, von der Bezirksverwaltung: Herr Landrat Strack, von der Volksschulbehörde Herr Schulrat Dr. Laule. In seiner Begrüßungsansprache gedachte Herr Dr. Engelhard der aus dem Lehrkörper der Schule scheidenden Handarbeitslehrerin Fr!. Barth und begrüßte deren Nachfolgerin Frl. Rupp-Heidelberg. Aus dem unerschöpflichen Gebiete der Frauenarbeit wählte man als Thema für die Prüfung Hausordnung, Sparsamkeit und Ernährung, Gesundheitslehre, Nahrung, Krankheitsbekämpfung, Impfung und Säuglingspflege, ferner Prüfungsstoff aus der Rechts- Kunde. Die an die Schülerinnen gestellten Fragen wurden in trefflicher Weise beantwortet. Das Schlußwort sprach Herr Pfarrer Christ. Mit viel Liebe hat Frl. Sutter als richtige Hausmutter gewaltet, sodaß das Sichfügen und Vertragen nicht allzu schwer gefallen sein dürfte. Zum Schlüsse dankte noch Herr Landrat Strack-Sinsheim für die freundliche Einladung des Kreises und versicherte das Wohlwollen und lebhafteste Interesse der Bezirksverwaltungsbehörde an dem Gedeihen der Schule. Einige Lieder des Schülerchors, oorgetragen unter Leitung von Herrn -Hauptlehrer Schmidt, gaben der Prüfung eine besondere Umrahmung. Nach Schluß fand eine Besichtigung der von den Schülerinnen gefertigten Handarbeiten, die im Arbeitssaal der Haushaltungsschule ausgestellt waren, statt. Besonders vielseitig war unter Fräulein Barths Leitung dieser Zweig des Frauenberufes. ? Bad Rappenau, 15. Sept. (Obstausstellung.) Der Bezirks- obstbauverein veranstaltet vom 22. bis 24. Oktober eine Odst- ausstellung. Mitglieder und Obftdaufreunde möchten ihre Teilnahme alsbald anmelden. In der Ausstellung soll Ein- und Verkaufsgelegenheit geboten sein. Die zum Verkauf nötigen Dersandkisten und Körbe werden auf Bestellung zum Selbstkostenpreis abgegeben. — Meckesheim, 15. Sept. (Hindenburgschießen.) Die hiesige .Schützenabteilung des Kriegerbundes veranstaltet am 2. Oktober zu Ehren des Reichspräsidenten ein Preisschießen. Als höchster Siegespreis winkt dem Meisterschützen die Hindenburgplakette, auch die sonstigen Preise bestehen aus Hindenburggedenkzeichen. Zum Schießen sind nur die Vereinsmitglieder zugelassen. A Fessenbach, 16. Sept. (Hohes Alter.) Hier wohnen drei Brüder, deren Alterssumme 258 Jahre beträgt. Es sind der 90 Jahre alte Andreas Göhring, der 85 Jahre alte, Vv>- lentin Göhring und der 83 Jahre alte Felix Göhring. Andreas Göhring ist der älteste Bürger der Gemeinde» und erfreut sich noch einer bewundernswerten Rüstigkeit. Valentin Göhring ist der einzige noch lebende Teilnehmer des Krieges 1866 von hier und ebenfalls noch sehr rüstig. Felix Göhring ist der Ehrenpräsident des hiesigen Gesangvereins „Liederkranz". = Mannheim, 17. Sept. (Herbst-Pferderennen.) Der Schlußtag am Samstag bringt als Haupt-Ereignis das schon klassisch gewordene Jagdrennen um den großen Herbstpreis, das mit einer starken Besetzung auf der langen Strecke von 4800 Mir. ein schönes Bild geben wird. Im Rennen sind mehr als ein Dutzend der besten Steepler am Ablauf zu erwarten, die einen hartnäckigen Kampf liefern werden. Auch di: anderen Ereignisse versprechen vorzüglichen Sport, besonders der lange Rhein-Preis auf der Flachen und die beiden Klasserennen zu Beginn des Tages, insbesondere das Karl Reih-Iagdrennen für die Dreijährigeg und der Zweijährigen-Preis zu denen verschiedene Pferde eigens noch hier eingetroffen find. Das Mosel-Rennen für Inländer über 2000 Mir., ferner das Inländer-Jagdrennen und zum Schluß der kurze Saar-Ausgleich vervollständigen das interessante Programm. #* Mannheim, 17. Sept. (Den Tod im Rhein gesucht.) Vorgestern nachmittag wurden am Rhein unterhalb des Strandbades die Kleider eines 51 Jahre alten, verheirateten Briefträgers aus Ludwigshafen aufgefunden. Aus bci- gclegten Briefen geht hervor, daß der Mann infolge Krankheit den Tod im Rhein gesucht hat. Die Leiche konnte bis jetzt noch nicht gefunden werden. ------- Schwetzingen, 17. Sept. (Hebeltrunk in Schwetzingen.) Am Sonntag, den 25. September, werden sich die unterbadischen Hebelfreunde und die in der Umgebung wohnenden Oberländer zu einem Hebeltrunk in Schwetzingen treffen. Die Anregung zu dieser Gedenkfeier wurde beim letztjährigen Hebelfest gegeben, das aus Anlaß des 100jährigen Todestages inSchwetzingen stattfand. Alle Freunde des Dichters Hebel und die im Unterland lebenden oberländer Landsleute werden zum Schwetzinger Hebeltrunk freundlich eingeladen. ** Heidelberg, 16. Sept. (Die umstrittene Bedürfnisanstalt.) Der Plan der Stadt Heidelberg, den Ludwigsplatz mit großem Aufbau zu verschandeln, ist nun endgültig gescheitert. Der Bezirksrat hat die Genehmigung zum zweitenmal versagt, bzw. der Stadt auferlegt, den ohne Genehmigung begonnenen Vau einzustellen und den Aufbau auf ein — für eine Bedürfnisanstalt in diesen Zeitläuften auch genügendes — Mindestmaß zu beschränken. ** Leime«, 17. Sept. (Tödlicher Unfall.) Im Steinbruch des Zementwerkes ereignete sich vor zwei Tagen ein bedauerlicher Unglücksfall. Der verheiratete Steinbrecher Rudolf Lingg stürzte bei der Nachtarbeit im Bruch so unglücklich von der Steilwand ab, daß er in kurzer Zeit seinen Verletzungen erlag. ** Beusheim, 17. Sept. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich im benachbarten Gadernheim. Dort spielten einige Kinder in der elterlichen Wohnung und fanden beim Spiele eine Sprengkapsel mit Zündschnur. Während der eine der Knaben die Kapsel hielt, brachte ein anderer die Zündschnur zur Entzündung. Bei der Explosion wurde dem einen Knaben ein Auge ausgeriffen, der andere wurde schwer verletzt. Beide mußten ins Krankenhaus nach Bens- Heim überführt werden. ** Muda«, 17. Sept. (Beim Spielen verunglückt.) In Schlossau hielten gestern einige wagenfahrende Händler. Einer von ihnen spielte mit Kindern, indem er sie mit beiden Händen faßte uiid herumschleuderte. Als er das Söhn- chen des Milchhändlers Fuhrmann, das im ersten Schuljahr ist, auch schleuderte, renkte er dem Kind den Arm oollstä«.- dig aus und verletzte es schwer. ** Pforzheim, 17. Sept. (Zuchthaus wegen Hehlerei.) Der Dreher Max Krieg und der Schreiner Adolf Hör standen wegen Hehlerei vor dem Schöffengericht. Beide waren beschuldigt, daß sie gewerbs- und gewohnheitsmäßig Golö- xlanchen und Goldschnipfel angekauft und wieder verkauft hatten, von denen sie wußten, daß sie nnzweifelhaft aus Diebstählen herrührten. Der Angeklagte Hör ist schon zweimal wegen Hehlerei vorbestraft, und zwar zuletzt mit einem - Jahr Zuchthaus. Das Gericht verurteilte Krieg zu einem Jahr Zuchthaus und Hör zu einem Jahr zwei Monate Zuchthaus. ** Büchig, 17. Sept. (Von Wespen gestochen.) Vor einigen Tagen wurden zwei noch nicht schulpflichtige Knaben von einem Schwarm Wespen überfallen und derart gestochen, daß der eine bewußtlos zusammenbrach. Es mutzte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Karlsruhe, 16. Sept. Der Werkmeister Emil Eberle aus Karlsruhe, der mit seinem Vater auf dem Soziussitze seines Motorrades durch die Ortschaft Ouentheim in der Pfalz fuhr, rannte beim Versuch einem Holzfuhrwerk auszuweichen, gegen einen ihm entgegenkommenden unbeleuchteten französischen Jagbwagen. Der Vater Eberle wurde vom Motorrad geschleudert,' das Lastauto zerdrückte ihm die rechte Hand, so daß er sich in das Krankenhaus begeben mußte. Eberle jun. kam heil davon. ** Osfenburg, 17. Sept. (Unfall.) Der 17jährige Anton Stürze! von Fesienbach brachte in der Buchdruckerei Reiff u. Co., wo er beschäftigt ist, feine Hand in die Zahnräder einer Maschine, wobei ihm einige Finger gequetscht wurden. ** Freiburg, 17. Sept. (Tie Schwindeleien der „Baronin von Rostow".) Wir berichteten kürzlich, daß eine Frau in der Holbeinstraße vom Dache, auf das sie geflüchtet war, herunter verhaftet wurde. In den hiesigen Blättern lesen wir folgende hübsche Darstellung der Gaunerin der angeblichen Baronin: Mit ihrem schlichten Namen^ Johanna N. aus Karlsruhe war wirklich nicht viel anzufangen. Also setzte sie abwechselnd vor verschiedene Namen den Adelsprädikat „von" und zog auf Kreditschwindeleien aus. Um sich freier entfalten zu können, mietete sie von einer Witwe, die auf Wochen zu einem Kuraufenthalt nach Italien reiste, die möblierte Wohnung in der Holbeinstraße. Hier war sie die Baronin von Rostow. Etwa 15 hiesige Kaufleute wurden Lieferanten der vornehmen Dame; man kreditiert gern, die gnädige Frau Baronin, welche Eindruck zu schinden versteht, wird zu gegebener Zeit schon bezahlen. Frau Johanna N. lacht sich ins Fäustchen; sie hat in kurzer Zeit ein hübsches Warenlager beisammen, mit dem sie sich aus dem Staube zu machen gedenkt. Verschiedene Koffer, mit den erschwindelten Sachen vollgepfropft, stehen zum Abtransport bereit..... Ehe die Pseudo-Baronin aber aus Freiburg verschwinden kann, bricht ihr Schwindelgebäuöe unversehens zusammen. Rein durch einen Zufall. Sie war unverfroren genug gewesen, die von ihr bewohnten Räume, über die sie keinerlei Verfügungsrecht hatte, auf 1. Oktober zweimal weiter zu vermieten. Weil alles so nett klappte, trat die Schwindlerin mit einer dritten Reflektantin auf die Wohnung in Verbindung, um dieser ebenfalls die bereits zweimal verkauften Möbel für einige hundert Mark anzudrehen. Tiefe Dritte war zufällig eine Bekannte der Wohnungssuchenden Nr. 1; beide erzählten sich von dem schönen Hause, in dem sie vom 1. Oktober ab wohnen würden, und nun war es sonnenklar, daß in der Holbeinstraße ein weiblicher Gauner sein Unwesen trieb. Wenn die geprellten Kaufleute die von ihnen etwas unvorsichtig hergegebenen Waren wieder zurückbekommen, so haben sie es eigentlich nur dem neckischen Spiel des Zufalls zu verdanken. ** Schwenningen, 17. Sept. (Brand.) In dem Wohnhaus des Landwirts Bernhard Siber brach aus bis jetzt noch unbekannter Ursache Feuer aus. Wohnhaus, Scheuer und Stallung des Landwirts standen bald in hellen Flammen. Es gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Sämtliche Heu- und Fruchtvorräte sind verbrannt. ** Frcudenstadt, 17. Sept. (Eilt Realschüler vermißt.) Ein Schüler der hiesigen Realanstalt, der eine Ferienreise nach Italien unternahm, wird seit vierzehn Tagen vermißt. Das Verschwinden ist bis jetzt in keiner Weise aufgehellt. Das italienische Konsulat in Stuttgart und die italienische Gesandtschaft in Berlin sind mit Nachforschungen »ach dem Vermißten beschäftigt, bis jetzt aber ohne Erfolg. Es ist bei dem heutigen italienischen Regime ein nicht seltener Fall, daß ausländische Reisende (Deutsche!) aus irgend einem wenig triftigen Grund in polizeilichen Gewahrsam genommen werden und ihren Aufenthalt in Italien unfreiwiillg verlängern müssen. Es ist also vorerst an einen Unglückssall oder etwas ähnliches nicht zu denken. Man hofft, daß die Angelegenheit bald eine 'beruhigende Aufklärung finden wird. ** Bad-Dürkheim, 17. Sept. (Motorradunfall.) In der Nähe der Papierfabrik Bachmann bei Hardenberg wollte der 23 Jahre alte Kaufmann Kurt Bartel, der auf dem Sozius seine Braut sitzen hatte, einen Kraftwagen überholen und fuhr, als dieser plötzlich hielt, in rasender Fahrt auf denselben. Das Motorrad überschlug sich. Bartel trug schwere innere Verletzungen im Gesicht und an den Armen davon, während seine Braut schwere innere Verletzungen erlitt. Die erste Kaualüberquerung durch Badener ansgeführt. Karlsruhe, 17. Sept. Kürzlich wurde berichtet, daß zwei Braunschweiger Faltbootfahrer namens Schröder und Dr. Wiche als erste den Kanal überquert hätten. Diese Mitteilung ist nicht richtig. Die erste Kanalüberquerung wurde von zwei Karlsruher Sportfreunden schon im Jahre 1925 im Faltboot ausgeführt, und zwar von dem Walter Oeh- michen und dem Werner Otto Kuenzer. Die Leiden waren von Dower abgefahren und landeten nach stebenstünüiger abenteuerlicher Fahrt bei Windstärke 5 und hohem Seegang an der französischen Küste. So sehr die Leistung der beiden Braunschweiger Faltbootfahrer anzuerkennen ist, so werden sie doch den Ruhm, als erste den Kanal im Faltboot überquert zu haben, den beiden Karlsruher Sportfreunden überlassen müssen. Eiue Falschmünzerwerkstätte ausgehobe«. Baden-Baden, 16. Sept. Seit einigen Tagen wurde in hiesigen Geschäften die Feststellung gemacht, daß sich falsche 50-Pfennigstücke im Umlauf befinden Die hiesige Kriminalpolizei nahm sich der Angelegenheit an, und es gelang ihr auch den schon lange im Verdacht der Falschmünzerei stehenden Ingenieur Keppler festzunehmen. Er wurde mit seiner Frau in seiner Wohnung verhaftet. Es fand sich auch eine Maschine zur Herstellung von Falschgeld vor. Keppler wurde mit seiner Frau, die unter dem Verdacht der Mitwisserschaft steht, in das Landesgefängnis Karlsruhe eingeliefert. Er gibt übrigens auch selbst zu, Falschgeld in kleinen Mengen hergestellt zu haben. Autounglück bei St. Ingbert. St. Ingbttt, 16. Sept. Auf der Landstraße zwischen St. Ingbert und Rentrisch geriet ein Lastauto auf unaufgeklärte Weise auf den Fußsteg und überfuhr mehrere Arbeiter. Eia Arbeiter wurde getötet. Ein weiterer Arbeiter sowie der Führer des Autos wurden lebensgefährlich verletzt. Spinale Kinderlähmung in Leipzig. Leipzig, 16. Sept. Die spinale Kinderlähmung breitet sich in Leipzig (wohin sie aus Rumänien über Ungarn und die Tschechoslowakei eingeschleppt worden ist), trotz aller ärztlichen Vorsichtsmaßregeln weiter aus. Während bis zum 9. September 42 Erkrankungen, darunter sieben tödlich, gezählt wurden, sind bis zum 15. September 69 Erkrankungen oorgekommen, die weitere 4 Todesopfer forderten. Unter den 69 Erkrankten befanden sich auch fünf Erwachsene, von denen eine der Seuche erlegen ist. Hauseinsturz i« Kol«. Köln, 17. Sept. In den frühen Morgenstunden stürzte in der Kreuzgaffe das zweite und dritte Stockwerk eines tm Umbau befindlichen Wohnhauses ein. Die im zweiten Stockwerk wohnende aus sieben Personen bestehende Familie des Hauseigentümers Paul Lüdemann wurde unter den Trümmer begraben. Lüdemann und eine Hausangestellte wurden schwer verletzt, während die übrigen Familienangehörigen leichte Verletzungen erlitt:». Ein im dritten Steck wohnender Arbeiter erlitt schwere Verletzungen; die Feuerwehr muhte ihn und seine Familie mittels Vrandleitern aus seiner gefährlichen Lage retten. Die Bewohner des Hauses wurden von dem Unglück im Schlaf überrascht. Bombensuud auf der Loudouer Untergrundbahn. London, 16. Sept. Wie die „Daily Mail" berichtet, wurde gestern auf der Londoner Untergrundbahn eine Bombe gefunden. Ob es sich um einen Anschlag handelt, ist gegenwärtig noch ungeklärt, da die Feststellungen der Kriminalpolizei und des englischen Innenministeriums noch nicht ab- geschloffen find. Großer Weinprozetz. 40 000 Liter Wein gefälscht. Landa«, 16. Sept. Das Schöffengericht Landau verhan- gelte in seiner gestrigen Sitzung gegen den 52jährigen Weinhändler Otto Ziegler aus Maikammer, gegen den 59jährigen Apotheker Eugen Heilmann und gegen den 28jährigen Laboranten Jakob Bösherz, beide von Landau, wegen Wein- fäschung bzw. Verkaufs von verbotenen Stoffen zur Weinbereitung. Ziegler hat in der lettzen Zeit vom Herbst 1928 bis Sommer 1927 nicht weniger als 40 000 Liter gefälschten Wein hergestellt, den er unter der Bezeichnung Naturwein verkaufte und ablieferte. Ferner hat er falsche Eintragungen in die Weinbücher gemacht. Das Gericht verurteilte Nr. 178. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 17. September 1927. Ziegler zu oret Monaten und zwei Wochen Gefängnis sowie zu einer Geldstrafe von 2000 Mark, ersatzweise 1 Monat Gefängnis. Ferner wurde die Einziehung von 18000 Liter Weinangeorönet. Heilmann erhielt eine Geldstrafe von 2600 Mark, ersatzweise 8 Wochen Gefängnis, für die Untersuchungshaft werden 500 Mk. in Abzug gebracht. Bösherz erhielt wegen Beihilfe 100 Mk. Geldstrafe, ersatzweise zehn Tage Gefängnis. Sämtlichen Angeklagten wurden die Kosten des Verfahrens auferlegt. . Taqun., des Schwl'rg, ritz ts. Karlsruhe, 18. Sept. Am Montag, dem 19. September beginnt die fünfte Schwurgerichtstagung unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Tr. Rudmann. Montag wird gegen den wegen Mordversuchs angeklagten Gießer, Gustav Stöhr aus Neckarau, verhandelt. Am Dienstag haben sich zu verantworten die Kellnerin Ottilie Schuster aus Hörtal, der Elektrotechniker Otto Richard Schönherr aus Pforzheim und der Milchhändler Gustav Friedrich Geißert aus Langenalb wegen Meineids bzw. Beihilfe hierzu. Am Mittwoch wird gegen die der gewerbsmäßigen Abtreibung beschuldigte Ehefrau Frieda Nebel aus Bietigheim verhandelt. Mittwochnachmittag und Donnerstagvormittag kommen zwei weitere Meineidsprozefse zur Verhandlung. Die Angeklagten in diesen Fällen sind der Arbeiter Peter Erwin Noll, der Arbeiter Alois Sicgwarth, der Arbeiter Adalbert Baum, sämtliche aus Völkerbach und der Zimmermann Otto Falk aus Oberbeuern. ** Konstanz, 17. Sept. iSchwurgericht.s Als einziger Fall wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen die 46jährige verheiratete Luise Betz von Konstanz wegen Beihilfe zur Lohnabtreibung und gegen eine ledige 38jährige' Kellnerin aus Friedrichshafen wegen Abtreibung verhandelt. Die Betz erhielt eine Zuchthausstrafe von 1% Jahren (der Staatsanwalt hatte 5 Jahre Zuchthaus beantragt) und die Mitangeklagte Kellnerin kam mit 2 Monaten Gefängnis davon. . Marktberichte. Schweinemarkt Eppmgen vom 16. September. Der heutige Echweinemarkt war beschickt mit 396 Milchschweinen und 65 Läufern. Die Preise der ersteren waren 25—40, der letzteren 56—65 Mark per Paar. Schweinemarkt in Wles'och vom 16. September. Der heutige Schweinemarkt war befahren mit 163 Stück Milch- schweinen und 7 Stück Lausern. Niedrigster Preis für Milchschweine 20 Mark, höchster Preis 50 Mark, häufigster Preis 30 Mark. Niedrigster Preis für Läufer 60 Mark, höchster Preis 90 Mark, häufigster Preis 80 Mark pro Paar. __ Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 18. September 1927. 14. Sonntag, nach Trinitatis. 1 / 2 IO Ufte: Hauptgottesdienst. Dekan Eisen. i/ 2 l 1 Uhr: Christenlehre 1 Uhr : Kindergottesdienst Vikar Becher. Wetterbericht. ** Wetternachrichten der Badischen Landeswetterwarts. Baden hatte gestern wolkiges und trockenes Wetter. Die Warmluftzufuhr auf der Vorderseite des Kanalwirbels führte zum allgemeinem Temperaturanstieg um etwa 3 Grad. Als Höchsttemperatur wurde in der Rheinebene weist 22 Grad erreicht. Ter Wirbel über dem Kanal ist mit dem südwestlich von Island gelegenen Tief in Verbindung getreten und erstreckt sich auf der heutigen Wetterkarte als schmaler Ausläufer von dem Südsee bis zu den Pyrenäen. Auf seiner Vorderseite befindet sich ein großes Regengebiet, das noch heute über uns hinwcgziehen wird. v Einfach, schnell und billig Können Sie gute Suppen aus Maggis Suppenwürfeln Herstellen. Sie Kochen die Würfel nur noch mit Wasser nach Koch- anwcisung und erhalten für 13 Pfg. 2 Teller delikater Suppe, z. B. Eiernudeln, Erbs, Blumenkohl, Reis, Königin, Grünkern und viele andere. 2 Teller I Todes-Anzeige. Heute Abend 6 V 2 Uhr entschlief sanft nach langen, schweren Leiden unsere liebe, treube sorgte, unvergeßliche Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Frau Regina Barth Ww. geb. Pfoh im Alter von 59 Jahren. Steinsfurt, 16. September 1927. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag um 3 Uhr statt. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme hei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter, Großmutter, Urgroßmutter pnd Schwiegermutter Frau Katharina Schuhmann Ww. sagen wir allen herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Sinsheim, 16. September 1927. ^ Der oerehrlichen Einwohnerschaft von Eins- ^ n heim und Umgebung bringe ich meine best- n £ eingerichtete (J ! Kunden-MWe i 4 in empfehlende Erinnerung. □ ^ Prompte u. reelle Bedienung wird zugesichert. ^ 5 Hermann Krämer 1 6 Müllermeister U Ztvingermlihle, Sinsheim a. E. 1» #G5-OG5'->G5'JG5~Ja Kaisers Brust-Caramellen jni} den„3Tannen“ helfen hier! Wie lästig, wie quälend ist der Husten, wie gefährlich der Keuchhusten, wie schlimm das kratzende Gefühl im Hals bei Verschleimung, bei Heiserkeit. Hier helfen nur die berühmten, seit 35 Jahren bewährten Kaiser’s Brust - Caramellen. Paket 40 P-g, Dose 80 Pfg. Zu haben b:i: Central-Drogerfe Richard Wagner, Herrn. Betsch, HugoSeufert, Wilh. Scheeder Na.hf. in Eichtersheim bei Otto Günther und wo Plakate sichtbar. 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Interessant ist die Schilderung eines englischen Offiziers, der ein lebendiges Bild vom Treiben und Denken der Gegenseite gibt. Der Offizier. Leutnant Wilson, schreibt u. a.: » ... Die Arbeit unserer Soldaten geschah unter tropischen Bedingungen, die nicht allein körperliche Ermattung und Untauglichkeit hervorriefen, sondern auch geistige Erschlaffung und Niedergeschlagenheit verursachten und schließlich die kräftigsten Herzen erlahmen lieben. Staunenswert war es, wie die Deutschen in der Höllenglut des Klimas, in der feuchten, bazillengeschwängerten Urwaldluft gegen unsere Uebermacht bestanden. Was wir Woche um Woche litten, ehe eine neue Truppenablösung uns aus dem afrikanischen Fegfeuer befreite, das litten die Deutschen ohne Pause, ohne Erholung, Jahr um Jahr, und noch hatten wir sie zu Ende des Jahres 1917 mit unseren insgesamt 300 000 Soldaten nicht klein gekriegt. Wir schätzten die Deutschen damals auf 300 Europäer, 1700 Askari (schwarze Soldaten), 3000 Träger (Arbeiter), Weiber und Kinder. Auf dem Makonde-Hochland hatten wir diese 5000 Menschen vollständig umklammert und mit der Waffenstreckung des Feindes gerechnet. Aber wir hatten nicht mit der Gewandtheit des deutschen Generals gerechnet, der es verstand, mit seinem ganzen Volke sich unserer Umklammerung zu entziehen und in der Wildnis der Rovuma- nieberung zu verschwinden. Unser General (Sir van Deventer) sagte nach diesem Mißerfolg wutentbrannt: „Die Deutschen wollen sich nicht ergeben,' der Feldzug muß daher bis zu ihrer völligen Vernichtung geführt werden!" Das war leicht gesagt, aber schwer getan. Wir erhielten endlich die Meldung: „Die Deutschen überschreiten den Rovuma, knapp an Munition und Verpflegung, kriegsmüde und niedergeschlagen". Wir frohlockten! Wir sagten: „Nun endlich werden wir sie bekommen!" Wir bau- teq Stacheldrahtzäune, um die gesangenen Deutschen einzuschließen, und brachten unsere Kameras in Ordnung, um das Bild des Generals von Lettow-Vorbeck, dieses Wunder von Gerissenheit und teuflichem Witz, auf die Platte zu bannen. Und richtig! Eines Tages erschienen an unseren Fronten einzelne und in Gruppen, waffenlose Soldaten in der in der Farbe der Wildnis gefärbten, uns aus den Kämpfen bekannten, arg mitgenommenen Kleidung der Deutschen. Sie ließen sich willig gefangen nehmen. Aber es waren Portugiesen, die in Lumpen steckten! Die angeblich kriegsmüöen und niedergeschlagenen Deutschen hatten die portugiesische Festung Ngomano, die von 1000 Soldaten besetzt war, gestürmt und eine Viertelmillion Patronen und alle Gewehre erbeutet. Sie schlugen ihre englischen, früher bet uns erbeuteten Waffen, zu denen ihnen im Augenblicke die Patronen fehlten, um die Baumstämme, daß die Schäfte zersplitterten und die Läufe knickten, bewaffneten und kleideten sich neuzeitlich portugiesisch, indem sie mit den Portugiesen die Kleidung tauschten und entließen die gefangen genommenen portugiesischen Soldaten mit ihrer eigenen alten, zerrissenen Kleidung. Die Portugiesen in den Lumpen der Deutschen, suchten uns auf, die Deutschen aber wandten sich landeinwärts, ins Innere der portugiesischen Kolonie, in einem ununterbrochenen Stegeszuge alle befestigten Plätze erobernd. — (Ich erstand für meine Kriegsbeutesammlung von einem Portugiesen eine deutsche Ausrüstung. Drei Schilling, sechs Pence! Sie besteht aus hunderttausend Flicken. Es ist fabelhaft!! Nach der Enttäuschung, die uns die Deutschen bereitet hatten, schritten wir zu einer neuen Umklammerung des Feindes. Auf der Strecke Port Amelia-Medo lieben wir 1000 amerikanische Kraftwagen laufen. Längs der Küste besorgten Gruppen von Kriegs- und Frachtschiffen den Dienst. Die Eisenbahn von Lombo nach dem Hinterlanbe von Mo- sambique arbeitete nur noch für uns. Wenn man ei recht überlegt, war alles eigentlich eine ganz gewaltig« Mobil- inachuna argen ein kleines HMnklein Feinde, da» uv« Jahr und Tag zu trotzen und mit der Waffe in der Faust bei jeder Gelegenheit die Stirn zu bieten wagte. Sei tder Wegnahme der Festung Ngomano hatte der deutsche General seine Tätigkeit vom Rovuma bis zum Zam- besi vom Nyaffasee bis zum Meere ausgedehnt. Dieses Gebiet ist kaum kleiner als Frankreich. In ihm bewegte er sich mit einer fabelhaften Geschwindigkeit hin und her. Werden wir ihn endlich erwischen? So dachten wir, während wir marschierten. Ja, wir marschierten! Das Gelände war ungeheuer schwierig, der Busch so dicht, daß die Straßen nur noch Tunnels durch Bambusdickicht und Elefantengras glichen, während lauge Strecken Wegs mehr für Boote als für Motortransporte geeignet schienen. Wir kamen nur unter steten Hemmungen, verursacht durch feindliche Angriffe, langsam vorwärts. Die Deutschen lagen in Hinterhalten, belauerten unsere Verpflegungs- und Munitionstransporte und nahmen sie weg. Sie drangen in unsere Etappenlinien ein, störten den Dienst oder rollten die Etappe auf. Colonel Christie, der Etappenkommanöant. kam der Verzweiflung nahe. Einmal schickte mich Major G. I. Giffert mit einem Zuge Afrikan-Rifles auf einen vorgeschobenen Posten. Nachts wurden wir von einer feindlichen Streife überfallen und mußten — völlig überrascht und nur halb bekleidet — Hals über Kopf zurückgehen. Als wir am Morgen mit Verstärkung auf den Posten zurückkehrten, waren die Deutschen fort. Sie hatten alle unsere Sachen mitgenommen. Meine neuen Langschäfter waren weg, dafür standen ein Paar zerrissene Schnürschuhe am Platze. Niemand macht sich einen Begriff, welche Strecken wir hinter diesen Deutschen hergelaufen sind. Und die Deutschen fanden noch Zeit, uns anzugreifen, befestigte Plätze zu überraschen und kleine Streifen in alle Windrichtungen tage- ja wochenlang auszuschicken. Sie unternahmen Jagdzüge, fischten tn den Flüssen, gaben sich mit den Eingeborenen ab, stampften in Ermangelung von Mühlen in Holzmörsern Korn, bereiteten Medikamente, heilten ihre Kranken und Verwundeten — und marschierten! Dies ging Tag um Tag und Woche um Woche und war umso bemerkenswerter, als die Grippe in bösartiger Weise unter den Deutschen und ihren Schwarzen hauste und die Kranken in Ermangelung genügender Transportgelegenheit, wofür im weglosen Urwald nur Träger tn Frage kommen konnten, selbst bei hohem Fieber das Marschtempo einhalten mußten. Wir hatten es trotz großer Truppenaufgebote nicht verhindern können, daß die Deutschen nach einer Abwesenheit von fast einem Jahre von ihrer eigenen Kolonie, welche wir ganz in Besitz genommen hatten, dorthin zurückkehrten. Als einzige Hoffnung nun blieb uns der Plan, alle Wege, die der deutsche Kommandeur möglicherweise dort einschlagen konnte, durch eine Uebermacht von Truppen zu sperren. Aber wenn drei Wele für den Feind offen sind, so nimmt er gewöhnlich den vierten. — Nachdem der deutsche General das Livingstone-Gebirge umschritten hatte und den gewaltigen Kümpfen des Ruckwasees sich näherte, in die wir ihn zu jagen hofften, war nur anzunehmen, daß er das Gebiet nördlich zu gewinnen strebte, denn südlick im Rhodesia- Gebiet gab es nur geringe Verpflegung. Aber gerade dort ging er hin! Er rollte mit seiner Truppe unsere neu errichteten Etappenlinien auf griff den von uns stark befestigten Ort Fife an, nahm Kijambi und Kasama u. kämptfe in den Tagen des November 1918 bis zwei Tage nach dem Waffenstillstand in Europa mit dem stets treugebliebenen Siegerglück. Der Krieg ging zu Ende. Wir haben die Deutschen nicht besiegt. Sie haben sich selbst besiegt, d. h. sie haben auf Grund der Bedingungen des Waffenstillstandes, den die deutsche Regierung in Europa mit uns schloß, unter Protest die Waffen niedergelegt. Ich sah den deutschen General und seine Soldaten nun von Angesicht zu Angesicht. Es war kaum einer unter ihnen, der nicht krank, elend und abgemagert aussah. Aber alle gingen sie aufrecht und stolz! Die deutschen Soldaten in Ostafrika, die in der Hauptsache aus Siedlern bestanden, haben Ungeheures geleistet. Wir müssen es anerkennen. Ein wichtiger Kolonialverirag. Zn St. Paolo de Loanda sind Ende Juli zwischen Portugal und Belgien Besprechungen über eine gemeinsame Kolonialpolitik in Westafrika geführt worden, die zur Unterzeichnung von vier Abkommen geführt haben. Das erste Abkommen sieht gemeinsame sanitäre Maßnahmen in den aneinandergrenzenden Kolonien der beiden Länder vor: das zweite behandelt die Aufstellung eines gemeinsamen Wegebauprogramms in den an der Grenze von Portugiesisch Angola und. Belgisch-Kongo gelegenen Gebieten. Unterdrückung des Schmuggels, Bau eines Staudammes am Pozofluß und das Zollregime. Das dritte Abkommen schafft die Möglichkeit kombinierter Tarife auf den belgischen und portugiesischen Eisenbahnen und setzt fest, daß die Zollformalitäten für den Durchgang von Waren nach und von dem Belgischen Kongo soweit wie möglich vereinfacht werden sollen. Außerdem verpflichtet sich die portugiesische Regierung zum Ausbau des Hafens von Lobito und die belgische Regierung, die Eisenbahn im Belgischen Kongo an das Katanga- Eisenbahnnetz anzuschließen. Der Bau dieser Anschlußstrecke hat innerhalb von fünf Jahren zu erfolgen, die von dem Tage an zu laufen beginnen, an dem die Bengualla-Eisenbahn die Grenze von Belgisch-Kongo erreicht haben wird. Das vierte ad referendum Unterzeichnete Abkommen sieht einen Gebietsaustausch vor. Die portugiesische Regierung tritt ein Gebiet von rund drei Quadratkilometern in der Nähe von Matadi (südlich des Palabalmasfivs) an Belgien ab; die belgische Regierung an Portugal das unter dem Nämen Dilolozipfel bekannte Gebiet am äußersten Südwesten von Belgisch-Kongo, (zwischen den Flüssen Kassai und Luakano Luano). Die Bedeutung des Abkommens liegt darin, daß es die Voraussetzungen schafft, für eine rentable, wirtschaftliche Erschließung und Ausnutzrstig der beiden Kolonialgebiete und außerdem die Verwaltung wesentlich vereinfacht und verbessert. Sehr beachtenswert ist die Tatsache, daß die Vorteile, die sich aus dem Abkommen ergeben, für Belgien bei weitem größer sind als für Portugal. So wird der Bau der belgischen Eisenbahn Matadi- Leopoldville durch die Erwerbung des Gebietes bei Matadi bedeutend erleichtert und beschleunigt. Außerdem verkürzt die Abtretung des für Belgien absolut wertlosen Dilolo-Zipfels an Portugal den von Belgien zu bauenden Teil der Benguella-Bahn um 40 Kilometer, um die sich die von Portugal zu bauende Strecke verlängert. Wenn schon diese Tatsache die Vermutung nahelegt, daß Portugals Zugeständnisse auf einem anderen als nur dem Gebiete der Wirtschaftspolitik zu suchen sind, so läßt darüber hinaus die Haltung der englischen Presse den Schluß zu, daß das Abkommen im englischen Kolonial-Schachspiel einen jener geschickten Züge darstellt, durch die England einmal seinen eigenen Besitz (einschließlich der Mandatsgebiete sichern, andererseits die mögliche Aenderung in den Besitzvcrhältnisfen angrenzender Kolonialgebiete durch das Eingreifen des Völkerbundes verhindern will. Diese letztere Gefahr ist besonders drohend durch die Aktivität Italiens, dessen koloniale Wünsche nach dem Scheitern der Adalia- unü Abessinienpläne sich augenblicklich in Richtung Südafrika bewegen. Der eine Riegel gegen die italienische Ausdehnungsbestrebungen war die Proklamierung des ostafrikanischen Do- miniums, der andere ist das zweifellos „durch sanften Druck" auf Portugal zustande gekommene Kongo-Angola-Abkvmmen, das Italien die Möglichkeit nimmt, im Völkerbund den Antrag zu stellen, diese bisher schlecht verwalteten und unrentablen Kolonialgebiete Belgien und Portugal zu nehmen und unter eine „bessere Verwaltung" zu stellen. M WB der Ttmling Was plant die Regierung gegen die z« erwartende Preissteigernvg? .. Bon besonderer volkswirffchaftlicher Seite wird uns geschrieben: Die Besoldungsrefvrm, die den deutschen Beamten eine bis zu 28 Prozent gehende Steigerung ihrer Gehälter bringt, wird sicher überall Befriedigung auslösen. Tie Lage der Beamten, und insbesondere der Beamten der niedrigen Gehaltsklassen, erforderte unbedingt eine neue Regelung. Während man allgemein nur mit einer 10 bis 15prozentigen Erhöhung der Gehaltssätze rechnete, bringt die neue Be- foldungsvorlage wesentlich höher« Sätze. Damit wird man einverstanden sein können, besonders da zur Deckung der entstehenden Mehrausgaben keine neuen Steuerquellen herangezogen werden müssen. Doch ein Problem gibt es, bas die Aufmerksamkeit aller Kreise sowohl der Regierung, als auch der wirffchaftlichen Verbände erfordert: Maßnahmen zu treffen, um eine inflationistische, d. h. in diesem Falle preisverteuernbe Wirkung der Erhöhung der Beamten- zehälter zu verhindern. Bekanntlich haben immer staatliche Maßnahmen, insbesondere in Tarif- und Besvlöungsfragen, die Tendenz beispielgebend zu wirken, da andere Gruppen ähnliche Ansprüche mit dem staatlichen Vorgehen begründen. So kann es kommen, daß eine Erhöhung der Beamtengehälter ihren Zweck verfehlt, daß zwar die Beamten eine höhere Nominalbezahlung erhalten, deren reale Kauflraft aber durch die Steigerung des allgemeinen Preisniveaus nicht größer ist als vorher. In diesem Augenblicke ist die Gefahr umso größer, als sich schon seit längerer Zeit infolge der lebhaften Jnlandkonjunktur starke Ansätze zu Preissteigerungen zeigen, auf deren Gefahr für das Weitcrbestehen der Konjunktur bereits oft und auch an maßgebender Stelle ytn- gewiesen worden ist. Was wird also die Reichsregierung unternehmen, um das drohende Hinaufklettern der Preise zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen? Soviel steht fest, daß der drohenden Teuerung ohne ein festes Programm nicht begegnet werden kann. Reichsftnanzminister Tr. Köhler hat dieser Sorge bereits auch in der Magdeburger Rede Ausdruck gegeben und es steht zu hoffen, daß sich das Reichskabinett sogleich in seiner ersten Sitzung mit dieser überaus wichtigen Frage beschäftigen wird. Es ist die Ansicht aller Wirtschaftler, daß die Konjunktur nur öurchgehalten werden kanrH wenn es gelingt, ein weiteres Steigen des bereits gestiegenen Preisniveaus hintanzuhalten. Die amerikanische* Volkswirtschaft bietet uns das große Beispiel einer jahrelang währenden guten Konjunktur mit gleichzeitiger Herabminderung des Preisindexes, so daß immer wieder aufs neue die Kaustraft gestärkt wird und Anregung erhält. Zugleich kann der Export durch die Verminderung der Produktionskosten nicht unerheblich gesteigert werden. Gerade der letzte Punkt, die Frage der Exportsteigerung, ist fit, Deutschland von größter Wichtigkeit. Es ist bekannt, daÄ die Diskussion über die Beständigkeit und über die Echthekk der deutschen Konjunktur hauptsächlich wegen der Stagnie- rung der deutschen Fertigwaren-Ausfuhr geführt wird, während gleichzeitig die Einfuhrziffern ständig nach oben weichem' Me Folge ist, eine von Monat zu Monat wachsende Passivität der deutschen Handelsbilanz, die durch die Zahlungsbilanz nur eine geringe Korrektur erfährt. Eine Exportsteigerung ist aber nur möglich, wenn es gelingt, die Preise für deutsche Exportgüter weltmarktswettbewerbsfähig zu halten und sie Im Gegenteil immer weiter zu senken. Diesen Zweck allein haben auch die Umstellungs- und Rationali- sierungsmethoben unserer Industrie. Allerdings ist die Regierung selbst durch die rigorose Erhöhung der Postgebühren nicht gerade mit gutem Beispiele vorangegangen. Umsomehr mutz sie jetzt sehen, der verhängnisvollen Tendenz der allgemeinen Erhöhung des Preisniveaus entgegenzusteuern. Welche Maßnahmen sie im einzelnen treffen wird, kann jetzt noch nicht angegeben werden. Wir stehen auf einem Zeitpunkte neuer Lohnerhöhungsforderungen der Arbeiter, die selbstverständlich durch die Erhöhung der Beamtengehälter neuen Schwung erhalten. Im September laufen eine große Anzahl wichtiger Tarifverträge ab, und in vielen Industrien haben bereits heftige Lohnkämpfe eingesetzt. Dazu gesellen sich Gehalts- zuschläge der Kommunalbeamten, die in ihrer Höhe in vielen Fällen sogar die Sätze der Beamtenbesoldungsreform über- steigem Die Lohn- und Gehaltserhöhungen werden sich in der Hauptsache als verstärkte Kaufkraft bemerkbar machen. Diese Steigerung des Müssenkonsums kann Industrie und Handel nur förderlich sein, wenn sie nicht zu einer Erhöhung der Preise ausgenützt wird. Es besteht in Deutschland durch die weitgehende Kartellierung immer die Möglichkeit, durch Herauffetzung der Preise eine Konjunktur auszunützen, während in Amerika alles getan wird, um durch billigere Preise die Produktionskapazität immer mehr auszuweiten. Das Ziel deuffcher Wirtschaftsführung muß also darin bestehen, die durch Erhöhung der Gehälter und Löhne entstandenen gesteigerten Produktionskosten nicht durch Preisheraufsetzung auf die Konsumenten abzuwälzen, sondern durch bis aufs Letzte durchgeführte Rationalisierung sogar billigere Preise zu ermöglichen. Nur so können wir exportieren, können wir den jetzigen Beschäftigungsgrad aufrecht erhalten, und nur so können die Gehaltsempfänger einen wirklichen Nutze» aus der Erhöhung ihrer Gehälter ziehen. Aus der Jugendzeit. Als kleiner Bub hatte ich, wie es bei Buben einmal nicht anders geht, schon Aug' und Ohr auf alles gerichtet. Vielseitig war mein Interesse, nichts aber konnte mich so leicht einnehmen, wie ein Gesang, Musik oder Blumen. Wenn ich eines dieser Dreien hatte, so war ich beglückt. Manches das so in der Kindheit Genossenen klingt heute — nach vielen Jahren — noch in mir fort, obwohl der Knabe von 'damals längst zum Manne reifte. So vergesse ich Folgendes nie: Unser Unterricht war gegen Mittag zu Ende. Wir, die wir nun auch „Großschüler" waren, hatten als „Erstklässler" unser „Männlein steht im Walde" beendet und durften heim. Individuell verschieden ging es teils leichtfüßig teils vorsichtigen Schrittes die hohe Staffel hinunter, jeder Schritt, der von der Schule führte, leitete dort schon merklich, zur Ungebundcnheit zurück, Im 2. Stock der Schule war noch kein Schluß. Hauptlehrer Burckardt, der nur „die Großen" unterrichtete, hatte seine „Achtklässler" noch in der Kur. Wir guckten hinauf und da alle Fenster offenstanden, war unschwer zu erkennen, daß dort an einem Lied noch das letzte Feilen und Polieren erfolgte, ehe es zusammen gesungen wurde. Hie und da klatschte, Achtung gebietend, der Stock auf Bank oder Tisch und die Stimme des Lehrers war bisweilen kräftig zu hören, wenn da oder dort die Sänger vielleicht eigene Wege statt mit dem Taktstock gingen. Wir A—B—C-Schüler hatten Zeit. Das ganze Lied — „das gewiß ein schönes Lied wird" — wollten wir hören und während wir uns auf dem Bordstein des Aufgangs zur Bürgerschule sitzend, gut über dies und das unterhielten, da ging es oben auch schon los und einzig schön ertönte 3-stimmig und in mehreren Versen das Lied zu uns herunter, „In der Heimat ist es schön". Ich kann heut nicht sagen, wie jener Sang auf mich gewirkt hat: Wohl ist mir's geworden und etwas Weh war auch dabei und doch: das ganze war so, überaus schön! — — Manch Stündlein ist seit dort zerronnen. — Ob meine Schulkameraden sich auch noch jenes „Ereignisses" erinnern? — Ich, meinerseits, kann jedenfalls nie die Schulzeit im Geiste durchfliegen, ohne jenes Lehrers oerehrungsooll zu gedenken, von dem die Leute sagten, „bei dem lernen sie singen" und der bei seinem vorlauteren Schülern „Der Gottlieb" statt „Der Herr Lehre:" war. Ein Ende der 50 er Jahre stehender rundlicher Herr mit grauem, kurz gehaltenem Backenbart, den langen dunklen Haverlock oben mit weißem oder grauseidenem Halstuch abgeschlossen, einen grauen Hut auf dem Kopf und ein Spazierstock mit weißem Beingriff in der Hand — so lebt oieser alte Lehrer als das Bild eines ehrenwerten ganzen Mannes in mir fort, obwohl ich mich vergebens darnach sehnte, auch mal sein Schüler zu werden und im Leben zu ihm nie weitergekommen bin als daß ich ihm auf seinem Weg mein „Guten Tag. Herr Lehrer" habe sagen können. Ein freundlicher Blick, sprudelnde Sprechweise und herzliches Lachen zeichneten ihn aus und — alle Eindrücke, die ich von ihm Hab. gewann ich aus seinem Verkehr „mit den großen Leuten." Wenn heute noch das Gedenken an jenen Namen in mir lebt, so trägt vielleicht nicht zum wenigsten jene Stunde dazu bei, in der er mit dem Singen so nachhaltig auf meinen Geist bezw. meine gewiß dort weit geöffnete Kinderseele sprach, als wir Buben dafaßen und lauschten. Dankbar dachte ich seiner, als ich dieser Tage beim Gräberbesuch an einem stillen Plätzchen ankam, wo der Name mir sagte, daß, unter säuselnden Bäumen der Mann schlummert, der unbewußt mir so tief ins Herzen schrieb: In der Heimat ist es schön! U. 27. L. K. Nr. 178. Jahrgang 1927. Ein Stündlein mit Johann Peter Hebel. Von D. Hesselbacher. So, denkt euch, er ist mir jüngst leibhaftig begegnet. Zm Beiertheimer Wäldchen in der Nähe des Etefanienbades in Karlsruhe. Dort, nro er am Sonntag in der Frühe zu gehen pflegte und den Vözlein zuschaute, die emsig die Brosamen auspickien, die seine gütige Hand ihnen zuwarf. „Herr Prälat, sind Sie's wirklich?" sagte ich. Er nickte lächelnd. „He-jo, srili bin t's! Der freundliche Herrgott hat mich ein Stündlein auf die schöne Sommererde geschickt, damit ich mich umsehe, wie es im alten Karlisrues uslucgt!" „Und was ist Ihr Urteil?" Er neigte den Kopf hin und her. — „'s Kritisieren und Schelten ist nie meine Sache gewesen. Drum will ich nit viel davon sagen, was mich anders dünkt als dazumals, woni mini Gängli do das Wäldli dure g'macht ha! S tät mi nümme z'recht finden in dere Welt. Und 's isch guet, daß men nit ewig binich bliebe mueß, ihr närr'sche Menschekinder!" Es glitt etwas wie ein Wehmutslächrln über seinen freundlichen Mund und die schalkigen Augen. Aber er schüttelte dies Huschen von Traurigkeit schnell wieder ab. Und griff in die Brusttasche seines blauen langfchössigen Rockes, dessen Galdknöpf,' in der Morgensonne blitzten. Und er zog ein Heft in blauem Umschlag heraus. Das streckte er mir entgegen: „S will lieber tede vo dem, was mi g'sreut. Und das da hat mi von Herze g'freut!" Sch griff nach dem Heft. Es stand auf dem Umschlag geschrieben: Hebels Rheinländischer Hausfreund. Sahrgang 1928. Als ich dem Alten ins Gesicht guckte, flog sein Lächeln wie ein Sonnenschein über alle die feinen Fältchen seines Antlitzes. „Mi alte Cholender!" rief er. . „Daß der noch lebt! Und grad wie zu meiner Zeit. Erzählt von dem, was in der Welt geschieht. Und ist's nimmer der Bonaparte, der in der Welt sein Szepter schwingt, so ist es heut der Franzosenpräsident. Und der Engländer, der dazumals dem Bonaparte grimmig Feind gewesen ist, macht heute Brüderschaft mit den Franzosen. Und die Russen haben keinen Zaren mehr, der seine Leute knutet, sondern sie haben eine Republik ,in der die rote Mütze oben dran ist, wie bei den Franzosen Anno 1790. Und der Kalender erzählt's, wie ich selber Anno 1809 und 1810 und 1813 erzählt habe. Und z'Lohr wurd' er druckt, wie zue meiner Zit! Und Geschichten stehen drin, lustige und ernsti, grad wie's der Ma uf em Dorf brucht. Und grad so wieni sie einschtens erzählt ha. So hänt'r mi nit vergässe im Badener Ländli, wenn au der Gvoßherzog nimm! z' Karlsruh isch? Wirkli?" Wer könnte Sie vergessen, Herr Prälat?" rief ich und machte einen Bückling, so tief, wie man ihn sonst nur vor ganz Erlauchten macht. „Sie leben bei uns im Badischen, wie wenn Sie nie von uns gegangen wären. Und Shre Gedichte sagen die Kinder in der Schule — und Shre Kalendergeschichten lesen die Leute landauf, landab. — Wer wüßte nichts vom Zundelfrirder und vom Zundelheimer? Und vom Barbier von Segringen und vom seltsamen Spazierritt?" Er legte mir die Hand auf die Schulter: „Gar so tief braucht der Bückling nicht zu sein, Landsmann," lachte er behaglich. „Das bin ich nie gewöhnt gewesen. Aber eines sagen Sie mir: wird denn der Rheinländische Hausfreund noch so gern gelesen wie zu meiner Zeit? Da haben sich die Leute drum gerissen, wenn er herausgekommen ist. Und der Herr Geiger in Lahr hat nicht genug davon drucken können!" Der L«adbstt * Smstzeimer Zettuag. Sch zuckte die Achseln: „Das weiß ich nicht. Aber ich weiß viele brave Leute auf dem Dorf, die ihren „Rhcinländischen" haben müssen. Denn er dünkt ihnen so nötig wie ihr liebes Brot. Sie hängen ihn an den Nagel über dem Tisch in der Ecke — und wenn die langen Winterabende kommen, so lesen sie darin. Und wenn ihnen eine Geschichte gut gefällt, muß der Nachbar und die Nachbarin her. Und wenn ,,z' Liecht" gegangen wird, liest einer die schönste Kalendergeschichte vor. Und 's soll Vorkommen, daß einer, der Shre Bücher gut kennt, als höchstes Lob von der Geschichte sagt, „grad so gut, wie wenn sic der Hebel geschrieben hält'!" Er schmunzelte. Dann reichte er mir die Hand: „Sagen Sie Shren Landsleuten, wer den Hebel lieb hat, der hat auch seinen Kalender lieb. Und solang der „Rheinländische Hausfreund" gelesen wird, steht's gut mit dem Volk und dem Ländli. Denn in meinem Kalender — er reckte sich hoch auf und sah ordentlich stolz aus — steht nur Gutes und Tüchtiges. Das hilft euch armen Deutschen zu einem tapferen Mut und einem frohen Sinn. Grüßen Sie mir die Lahrer, die den Kalender drucken und sagen Sie ihnen, sie hätten des alten Sohann Peter Hebels Segen zu ihrer Arbeit!" Noch einmal nickte er mir zu — dann war er verschwunden. Wie ein blaues Räuchlein, das aus dem Tal zur sonnigen Himmelswelt hinaufschwebt, schien mir noch der Rock des Schwindenden zwischen den Baumgipseln zu wehen. Aber ich muß meinen badischen Landsleuten doch fein Wort weitergeben, daß sie es beherzigen: „Wer den Hebel lieb hat, der muß auch den Rheinländischen Hausfreund lieb haben!" Hebels Rheinländischer Hausfreund erscheint im Verlag von Moritz Schauenburg in Lahr (Baden) und kostet nur RM. —.50. Verschiedenes. Zehn Millionen Schafe «mgekomme«. Während Deutschland über einen nassen Sommer zu klagen hatte, herrschte auf der südlichen Halbkugel eine ungewöhnliche trockene Witterung. Diese bewirkte in Queens- • lanö eilte derartige Dürre, daß allein in diesem australischen Staat über acht Millionen Schafe eingegangen sind. Andere Teile Australiens melden einen Verlust von zwei Millionen Schafen, so daß die australische Volkswirtschaft mit einem Gesamtverlust von zehn Millionen dieser nützlichen Wollträger zu rechnen hat. — Was dies für die Wirtschaft des fünften Erdteils bedeutet, ersieht man daraus, daß der Wert der Wollausfuhr im Jahre 1926 über 1.3 Milliarden Mark betrug, während an Schafhäuten, Fleisch und anderen Erzeugniffen der Schafzucht für weitere 220 Millionen Mark ausgeführt worden sind. Der Wert aller aus der Schafzucht stammenden Ausfuhrprodukte stellt 51 Prozent der australischen Gesamtausfuhr dar. Vom Unteroffizier zum Universitätsrektor. W. I. Penderghast, ein gebürtiger Australier, ist vom Radschah von Hyderabad zum Rektor der dortigen Universität ernannt worden. Der neue Würdenträger hat eine ungewöhnliche Laufbahn durchschritten. Er war früher Unteroffizier in der englischen Armee. Sein Aufstieg begann mit der Ernennung zum Instrukteur für Physik an einer indischen Kadettenschule. Er interessierte sich sehr für orientalische Sprachen, bildete sich darin weiter aus und erwarb in Oxford das Bakkalaureat für Persisch und Arabisch. Später wurde er Profeflor für arabische Sprache in Hyderabad und Prinzenerzieher. Durch die Ernennung zum Rektor hat Samstag, den 17. September 1927. ihm der Radschah einen neuen Beweis seines Vertrauens gegeben. Berechtigte Empörnng. Ein englischer Beamter in Mombasia hatte von einem eingeborenen Ortsvorsteher eine Auskunft über einen anderen Bewohner des betreffenden Dorfes eingeforbert. Er erhielt folgende Antwort: „N. N. hat längere Zeit hier im Dorfe gewohnt, zuletzt auch in meinem Hause. Er ist dann unter Mitnahme meiner Frau verschwunden, nachdem er vorher noch all meinen Whisky ausgetrunken hat. Ich finde das, weiß der Himmel, reichlich stark!" — Das ist wirklich kein feines Benehmen; die Entrüstung des schwarzen Dorfschulzen erscheint daher durchaus begreiflich. Eine Coolidge-Anekdote. Es ist immer imereffant und oft erheiternd zu hören, daß große Männer auch einmal JungenS gewesen sind und Schulstreiche verübt haben. Präsident Coolidge, besten Schweigsamkeit sprichwörtlich wurde, hat das Schweigen schon als Schüler geübt und zwar mit Erfolg. Ein Mitschüler plaudert aus seinen Erinnerungen folgende Begebenheit aus: Eines Nachts war ein Esel in ein Klasten- zimmer des ersten Stocks eingeschmuggelt worden. Daß das Grautier seinen Weg nicht allein dorthin gefunden hatte, stand für das Lehrerkollegium fest. Die Schuleinrichtung, Tische, Bänke, Tafeln, Karten, Bilder, Bücher usw. hatten Freund Langohr anscheinend sehr interessiert, und er hatte ein wüstes Durcheinander angerichtet. Nun mußten der oder die Schuldigen gesucht werden. Der Verdacht fiel auf den jungen Coolidge und einige seiner Freunde, die auch mehrfach vernommen wurden. Da aber alle behaupteten, nichts zu wissen, und da der am meisten verdächtige Coolidge überhaupt kein Wort sagte, blieb der Fall ungeklärt. Coolidge hat also schon als Schüler Uebung im Schweigen gehabt. Eine ganze Stadt «e« gestrichen. - Daß eine ganze Stadt auf einmal einen neuen Anstrich ihrer sämtlichen Häuser erhält, dürfte bet uns kaum Vorkommen. In England ist dies aber infolge der Eigenart der dortigen Grundbesitzerverhältniste möglich; viele Ortschaften einschließlich der Häuser gehören einem der reichen Lords, der die Gebäude in einer Art Erbpacht zu vermieten pflegt. So gehört z. B. die Stadt Woburn dem Herzog von Bebsord, der die Häuser alle fünf Jahre, so auch jetzt wieder, neu streichen läßt. Sechzig gelernte Maler sind nunmehr mit dieser Arbeit beschäftigt, die fünftausend Kilp Farbe erfordert und den Aufenthalt in Woburn während dieser Verschönerung nicht gerade angenehm gestalten wird. Das geborgene erste Unterseeboot. Das erste brauchbare Modell eines Unterseebootes wurde kürzlich von sieben Studenten der Technischen Hochschule in Paterson (New Jersey) aus dem Passaic-Fluffe wieder zu Tage gefördert. Das Boot war damals bei einer Versuchsfahrt gesunken, wobei der Erfinder, John P. Holland, nur mit Mühe gerettet werden konnte. Da die genaue Stelle des Unglücks nicht bekannt war, brauchten die Studenten während dreier Monate wöchentlich zwei Abende und die Sonnabend-Nachmittage, ehe ihre Nachforschungen zum Erfolge führten und sie das Boot zum größten Teile freilegen konnten. Das etwa fünf Meter lange U-Boot hat ein halbes Jahrhundert lang vergraben gelegen. tt n&ttr alter IVrtnti) VON DR. A. STE6ERWALD, MINISTERPRÄSIDENT A. D. Jedes Kulturvolk hat eine Reihe großer Männer. Ihr Wirken bedeutete geradezu die Kultivierung des Volkes. Aber jedes Volk hat nur eine geringe Anzahl von großen Männern, an denen es schon zu deren Lebzeiten hängt. Und warum hängt es an ihnen? Weil sie der Ausdruck seines Wesens, weil sie selbst ein Stück Volk sind, weil sich das Volk sozusagen in ihnen widergespiegelt findet. Und dieses deswegen, weil solche Männer des Volkes schlechte Eigenschaften vermissen lassen, die guten Eigenschaften aber an ihnen in besonderem Maße erprobt wurden und sie diese Probe bestanden haben. Das deutsche Volk hat, wie jedes andere Volk, gute Eigenschaften, und es hat schlechte Eigenschaften. Zu seinen guten Eigenschaften gehören seine physische Kraft, sein Unternehmungsdrang, sein Hang zum geistigen Erfassen der ganzen inneren und äußeren Welt, sein Fleiß, seine Gründlichkeit, seine Zähigkeit, seine Schicksalstapferkeit, sein Gemütsreichtum. Seine schlechten Eigenschaften sind sein Hang zur Maßlosigkeit, zur Überheblichkeit, zur Überschätzung des Materiellen, zu Neid und Mißgunst. Und diese guten und schlechten Eigenschaften sind gleichzeitig in allen Schichten des Volkes vorhanden. Hin- denburg aber hat durch sein langes Leben, Mi Geburtshaus Hindenburgs. durch sein Tun in allen Jahrzehnten, die hinter seinen Kinderjahren liegen, Fleiß, Beharrlichkeit, Gründlichkeit, Pflichteifer, Treue und Gottvertrauen bekundet. Er konnte etwas leisten, wurde verkannt und erlahmte nicht. Er hat Erfolg gehabt und wurde nicht stolz dabei. Er hat Unglück über sich und seine Sache hereinbrechen sehen, wie es nur selten in der Weltgeschichte sich abgespielt hat, und zerbrach selber nicht. Er sah die Regierenden verzagen und verzagte selber nicht. Er sah die Masten sich aufbäumen in Elend und Wut und blieb gelassen. Er sah Treulosigkeit um sich herum und blieb seinem Volke und sich selber treu. Er sah Hatz auflodern und haßte chen, erhabenen Worte unseres größten Dichters lebt der alte Präsident unserer Republik nach, der er ebenso ohne Falsch ergeben ist, wie er auch der größte und treueste Diener des kasterlichen Deutschands war. Und es stimmt ganz mit seinem Wesen überein, wenn er den Drang des Volkes, i h m zum 80. Geburtstag eine besondere Ehrung zutell werden zu lasten, in der Abwendung von Not und Bedrängnis von Kriegstellnehmern, Kriegerwitwen und Kriegerwaisen sowie der durch die Inflation Verarmten bestätigt scheu möchte. Erfreuen wir den Getreuen und uns selbst durch reichliche Erfüllung seines edlen Wunsches! nicht einmal die Feinde im Felde. Der geschlagene Sieger des Weltkrieges führte — welche Tat! — in männlicher Besonnenheit die zurückwogenden Heere ins Land heim, leitete die Demobilisierung und blieb unverbittert unter seinen verbitterten, erschreckten, zusammengebrochenen, kummervollen, ordnungsuchenden Landsleuten. Welche Schickfalstspferkeit! Welches Volksvertrauen! Welches Gottvertrauen! Das wieder gekräftigte Volk ehrte ihn durch Ehrfurcht, aber es stritt sich über seine Geeignetheit zum Präsidenten der Republik. Mit geringer Mehrheit gewählt, nahm der Betagte die Wahl — man kann heute ruhig sagen, aus innerer Verbundenheit mit seinem Volke — an. Er folgte dem Rufe der Mehrheit dieses Volkes und leistete ihm mit 78 Jahren den Schwur der Treue in die Hand eines politischen Gegners. Und seitdem ist er das Symbol für den guten Geist dieses Volkes und das Volk ehrt sich, indem es ihn ehrt. Wie alle großen Männer, die das Volk als sein eigenes Symbol liebt und ehrt, reißt er es nicht zu großen, einmaligen Taten hin, sondern er hilft ihm zur Reife durch die Stetigkeit und die reine Wärme seines Wesens. — Edel fei der Mensch, hilf- reich und gut; diesem einfa- Wilhelmstrahe 73. Beiträge zur f)indenburc(-Spende werden bei flmtHeben Banken, Sparhaffen, poftanftalten, den durch Huaba entgegengenommen, poftfeheehhonten der Rindenburg-Spendt JÖertfn /is 8 oo,: ij^ennzeichneten ReuhebabndienftjrtelWn wf*. iden 97000, München 9000, Stuttgart »4 000*