* Ratgeber für Haus- und Landwirtschaft Beilage zum Landboten (Ginsheimer Zeitung) Feldbau Roggensaat will den Himmel sehen. In diesem Jahre ist die Getreideernte später als sonst reis geworden und damit wird die Zeitspanne, die für die Vorbereitungen für die Herbstsaat zur Verfügung steht, eine kürzere. Es muß deshalb mehr als sonst darauf geachtet werden,' daß der Boden vor Beginn der Saat genügend abgelagert ist, bzw. daß er — am besten durch Anwendung eines Untergrundpackers — vorher genügend gefestigt wird. Auf frisch gepflügtem und lockerem Boden kommt das Saatkorn zu tief in den Boden hinein, und namentlich Roggen ist gegen eine tiefe Unterbringung sehr empfindlich. Daß gerade der Roggen eine möglichst flache Saat verlangt, hängt mit der Art seiner Bewurzelung zusammen. Der Roggen entwickelt seine Wurzeln dicht unter der Erdoberfläche, und man muß deshalb im Frühjahr bekanntlich mit dem Eggen oder Hacken des Roggens sehr vorsichtig sein. Bei flach gesätem Roggen entwickeln sich, -wie. die Abbildung zeigt, nach oben hin ohne weiteres die -Blätter und nach unten hin die Wurzeln. Bei einem -Roggenkorn, das zu tief in den Boden hineingeraten ist, 5a*w* w» Entwickelt sich nacy oven hin zunächst ein schwacher Blatt- strieb. Daneben wächst dann ein sogenanntes rhizom- lartiges Glied nach oben und an diesem entwickelt sich dann, dicht unter der Erdoberfläche, der eigentliche Bestockungs- Lnoten, von dem aus mehrere Blattriebe nach oben und bauch ein neues Wurzelsystem nach unten hin geht. Bei einem tief liegenoen Saatkorn dauert es nun zu- mächst schon längere Zeit, bis der grüne Blattkeim die Erddecke durchbrochen hat, dann wird das rhizomartige Glied «ebildet und dann erst beginnt das Wachstum der eigentlichen Pflanze. Bei zu tiefer Saat geht daher die ganze ^erbstentwicklung nicht so schnell vorwärts, wie es sein müßte. Der Bestand kommt schlecht in den Winter und avird auch im nächsten Jahre einen geringeren Ertrag Liefern. Der Acker ist für die Bestellung gut vorbereitet, wenn ber so fest ist, daß einzelne Körner gar nicht in den Boden mineinkommen, sondern obenauf liegen bleiben. Bei der Roggensaat sagt man daher: „Der Roggen will den Himmel sehen", womit gesagt sein soll, daß es richtig ist, wenn einzelne Körner unbedeckt bleiben. Obst- und Gartenbau Wann soll das Kernobst geerntet werden? tNachdruck verboten.) Man hat bei der Ernte der Herbst- und Wintersorten zwischen Pflückreife und Genuß- bzw. Lagerreife zu unterscheiden. Manche Obstsorten sind Ende September oder Anfang Oktober zu pflücken, werden aber erst in den ersten Monaten des nächsten Jahres genußreif. Bei der Ernte ist dieses Obst noch völlig grün und hart, und nichts deutet äußerlich an, daß dafür schon die Erntezeit gekommen ist, und doch kommt auf das rechtzeitige Pflücken alles an. Pflückt man zu früh, welken die Stücke auf dem Lager, Kerben zäh und grün, werden nicht weich und schmelzend, sondern bleiben rübenartig. Aufgestellte Erntekalender geben wohl einen Anhalt, sind ober doch nicht bindend, da die Sommerwitterung natürlich einen großen Einfluß auf die Erntezeit ausübt. Heiße, trockene Sommer werden das Obst frühxc reifen lasten; -der regenreiche, kühle Sommer 1987 wird die Ernte naturgemäß hinausschieben. J«r allgemeinen darf man sagen, daß die Pflückzeit für Herbst- und Wintersorten gekommen ist, wenn sich die Früchte leicht vom Stiele tosen. Man hebt die Frucht mit der Hand leicht an und -dreht sie dabei ein wenig um ihre Längsachse; löst sie sich dabei willig vom Baume, ist sie zur Ernte reif. Man pflücke nur bei trockener Witterung. Niemals darf nasses, bereiftes oder taufeuchtes Obst aufs Lager gebracht werden. Aepfel lagert man allgemein mit der Blüte nach oben, Birnen umgekehrt. Spitzendürre der Obstbäume aus Kalimangel. Man weiß, daß, abgesehen vom Vorhandensein von Kalk im Boden, der mancherlei Aufgaben zu erfüllen hat, die Ernährung mit Stickstoff, Phosphorsäure und Kali die Hauptgrundlage für das Leben der höheren Pflanzen ist. Das gilt ganz besonders auch für die Obstgehölze. Während aber Stickstoff und Phosphorsäure nur einsirrige Funktionen haben, hat Kali mehr Allgemeinwirkung, er ist gewissermaßen der treibende Faktor im Stoffwechselverkehr. Jeder Obstzüchter kennt Bäume, die dürre Spitzen haben. Das ist immer ein Zeichen von üblem Befinden. Wan muß aber unterscheiden zwischen Wipfeldürre und Gpitzendürre. Im Ausdruck erscheint das ziemlich als dasselbe. Aber die Wirkungen und dje Ursachen lind vermieden. In unserem Falle handelt es sich um die Spitzendürre. Hier werden die Spitzen der einzelnen Aeste und Zweige dürr. Die Baumkrone behält ihre hohe Form, aber bis tief herunter sterben die Spitzen der einzelnen Aeste ab. Der Jungtrieb stirbt. Er treibt im Frühling mit merkwürdig schwarzdunkelgrün gefärbtem Laub aus, das man schon bald schwarzgrün nennen möchte. Im Laufe des Sommers, gewöhnlich zur Zeit der Beendigung des ersten Triebes, also um den 20. Juli herum, sterben die Spitzen der Jungtriebe ab, nachdem sie sich schon vorher übermäßig weich, also unreif angefühlt haben, und die Blätter bleiben in zunehmendem Maße klein und krankhaft. Unter den weichen, absterbenden Spitzen aber bildet der zweite Sommertrieb neue Austriebe, denen es aber noch viel schlechter geht, indem sie nur die sonst übliche Hälfte der Länge erreichen. Es kommt vor, daß ein noch kürzerer, dritter Trieb erzeugt wird. Das seht sich während mehrerer Jahre in steigendem Maße fort, bis schließlich manche stärkeren Aeste, verteilt über die ganze Krone ganz und gar absterben, im übrigen zeigt das Zweigwerk nach Art unserer Abbildung das Bild, was man Weidenköpfe nennt. Diese Art der Ausbildung ist immer auf Kalimangel zurückzuführen und man findet sie in der Hauptsache in Moor- und armen Sandböden. Einziges Hilfsmittel ist alljährliche starke Kalidüngung, also etwa mit Kaimt oder hochprozentigen Kalisalzen. Die abgeernteten Erdbeerbeete. Wenn die Erdbeerzeit vorbei ist, ist es in vielen Gärten so, daß die abgeernteten Beete gleichsam als Stiefkinder behandelt werden. Man achtet ihrer nicht weiter und überläßt sie sich selber, bis man dann endlich im Spätherbst einmal Zeit finoet, die Ranken abzustecken und den hartgetretenen, vom Unkraut überwucherten Boden zwischen den Pflanzen zu graben. Einen schlimmeren Fehler aber kann der Gartenbesitzer nicht begehen. Man sollte doch bedenken, daß die Pflanze durch die hervorgebrachte Frucht erst recht der sorgsamen Pflege bedarf und sich wieder kräftigen und stärken muß für die Entwicklung der nächsten Ernte. Durch eine Vernachlässigung der Anlage im Spätsommer schadet sich der Erdbeerzüchter selbst, denn gerade in der Zeit nach der Ernte bis zum Eintritt des Winters sammelt die Pflanze in ihrem obersten Teil des Wurzelstockes die nötigen Reservestoffe für eine gute weitere Ernte. Darin haben wir nun die Pflanzen zu unterstützen durch Verabreichung von Nährstoffen und genügend Wasser. Um den Boden feucht zu halten, muß zwischen den Pflanzen möglichst gleich nach der Ernte gehackt werden, wodurch gleichzeitig Licht und Luft Eingang finden. Durch das Hacken werden auch zugleich manche Schädlinge beseitigt, vor allem aber das dem Boden viele Nährstoffe entziehende Unkraut. Dabei verabreiche man auch die nötigen Dungstoffe. Von Stalldünger gebe man möglichst alten, verrotteten und hacke ihn leicht unter. Gleichzeitig mit dem Hacken nehme man auch die Ranken fort. Diese sollen aber nicht abgerissen, wodurch die Pflanze Schaden leidet, sondern "sorgsam abgeschnitten werden. Je nach Bedarf wird diese Hackarbeit im Laufe des Herbstes wiederholt. Stets bedenke man, daß nur sorgsam gepflegte Beete wieder eine Vollernte bringen können. Rechtzeitige Ernte der Gemüse zur Vorbeugung von Verlusten. Nicht immer wird der richtige Zeitpunkt für das Ernten der Gemüse gewählt. Wird er ganz oder gar verpatzt, dann gibt c, nur zu leicht Verluste, zum mindestens aber unangenehme Schädigungen, die wohl schon mancher Gartenbesitzer mit in Kauf nehmen mußte. Deshalb dürften die nachfolgenden Ratschläge willkommen sein. Da ist zunächst der Kopfsalat, der, wenn er sich schon zu schönen, festen Köpfen zusammengeschlossen hat, massenhaft in die Höhe schießt und dadurch wenigstens zu Salat unbrauchbar wird. Das liegt meist an der Sorte und an der Jahreszeit. So schießen die besten frühen Sorten schon, ohne besondere Köpfe zu bilden, wenn frühzeitig heißes Wetter eintritt. Für den Sommer taugen sie überhaupt nichts. Da müssen wir schon widerstandsfähigere Sorten, wie z. B. den Trotzkopf, Riesenkristallkopf, Dauerkopf, Wunder von Stuttgart u. a. anbauen. Aber auch diese Sorten sind nicht immer haltbar; auch sie schießen schließlich unter dem Drange, Samen^ zu bilden. Um diesem Vorgänge vorzubeugen, ist es empfehlenswert, nicht zu große Beete gleichzeitig mit Salat zu bepflanzen, der dann zur selben Zeit reift, aber nicht in der Menge schnell genug verbraucht werden kann. Ist aber der Fehler einmal gemacht worden, so läßt sich das Schießen des Salats immerhin einige Tage dadurch verzögern, daß man die Strunke etwas anschneidet oder sie tagsüber durch Ueberstülpen von Blumentöpfen vor der Sonne schützt. Vorteilhafter ist es jedoch, alle 2—3 Wochen eine neue Aussaat zu machen und die Sämlinge, wenn man kein Beet mehr frei hat, als Lückenbüßer oder Zwischenpflanzen verwendet. Auch beim Endivien erleidet man dadurch Verlust, daß man zu viele Pflanzen auf einmal aufbindet, die dann, bei langsamem Verbrauch, besonders bei nasser Witterung leicht faulen. Man sollte deshalb diese Maßnahme irt kurzen Pausen nur bei wenigen Pflanzen vor-^ nehmen. - ■ i j Werden Zwiebeln nicht rechtzeitig geerntet, so tritt bei ihnen besonders bei Regenwetter eine neue Bewurzelung auf Kosten des in der Zwiebel aufgespeicherten Stärkemehls und ihrer Haltbarkeit ein. Man muß deshalb die Zwiebeln aufnehmen, sobald die Blätter gelbe Spitzen bekommen, ein Zeichen ihrer Reife, oder aber, wenn ihre Reifezeit in eine Regenzeit fällt, das Kraut mit dem Rechenrücken umknicken und bei schönem Wetter ausmachen. Hat man Ueberfluß an Weißkohl und weiß ihn nicht rechtzeitig zu verbrauchen, dann muß man daraufl gefaßt sein, daß einzelne Köpfe, besonders wenn der Kohl! auf sehr fetter Erde steht und sein Wachstum nicht zum> Abschluß im feuchten Herbste kommen kann, schließlich? platzt. Bleiben solche Köpfe noch länger im Gartens stehen, dann fangen sie bald zu faulen an. Auch hier kaniv diesem Schaden wirksam vorgebeugt werden, wenn maw die Pflanze etwas hebt, wodurch die Wurzeln leicht gelüftet werden. Sodann legt man die Köpfe auf die Seite.! Auf diese Weise wird das Wachstum gestört und die Gefahr des Platzens beseitigt, ohne befürchten zu müssen, daß die Köpfe faulen. Ueberständige Kohlrabis platzen ebenfalls gerne/ besonders wenn in ihrem Wachstum infolge Trockenheit ein Stillstand eintritt und es dann durch Regen wieder angefeuchtet wird. Auch verlieren sie oft an ihrer Zart- heit dadurch. Darum sollte man sie zur rechten Zeit ernten, auch wenn sie noch nicht allzu große Knollen aufzuweisen haben. Gute Wintersalatsorten sind: Frühlingsbote, Winter-Butterkopf und Nansen. Ersterer ist besonders früh. Die Aussaat erfolgt Anfang bis Mitte September. Anfang bis Mitte Oktober werden die Pflanzen dann in 10 Zentimeter tiefe Furchen ge-' pflanzt, damit sie geschützt stehen. Das Land wird vor-' her mit verrottetem Mist und mit je 40 Gramm 40prozen-; tigem Kalisalz und Thomasmehl gedüngt. Es empfiehlt sich, zwei Aussaaten zu machen, falls die Pflanzen von der ersten Aussaat zu groß werden sollten und infolgedessen schlecht überwintern würden. Etwas Bedeckung mit Fichtenzweigen ist empfehlenswert, um die Wintersonne von den Pflanzen fernzuhalten. Der eiserne Bestand, das Jnnengnt für den Winter. lNachöruck verboten.) Im heurigen Sommer, nach einer recht mißlichen Haupttracht, müssen wir den Vorräten die allergrößte Aufmerksamkeit schenken. Zunächst schätzen wir sie. Ein normales Kastenvolk, auch die Korbfamilie, benötigt zur glücklichen Durchwinterung mindestens 20 Pfund Honig oder 30—35 Pfund Zuckerlösung. Ter Bienenwinter ist lang und währt nicht selten bis in den Mai hinein. Bei Kastenwirtschaft nehmen wir eine gedeckelte Honigwabe heraus, wiegen sie auf der Küchenwaage ab und bestimmen darnach annähernd die gesamten Vorräte. Bei Korbbetrieb überzeugen wir uns durch Heben des besetzten Korbes von dem Winterbedarf. Ein Strohkorbvolk soll im Septemer, alles in allem: Korb, Unterbrett, Bienen, Brut, Honig, Pollen und Wachsgebäude etwa 45—50 Pfund wiegen. Was daran fehlt, muß durch Zuckerauffütterung wett gemacht werden. ■ Der Wachsbau der Bienen ist gleichfalls auf das genaueste zu überprüfen. Alle nicht völlig ausgebauten Mittelwände oder die in der Sommerhitze herabgerutschten Waben sind zu entfernen und durch schöne Reservewaben zu ersetzen. Desgleichen schneiden wir alle beschädigten, morschen, brüchigen, beschmutzten Wachspartien aus. Während der Fütterung ist der Schaden durch die Arbeiterinnen wieder rasch behoben. Die Weiselrichtigkeit. Infolge des schlimmen Wetters während der heutigen Schwarmzeit wurden recht viele Nachschwarmköniginnen und solche von abgeschwärmten Mutterstöcken nicht begattet; es wird mehr Weisellose aus den Ständen geben als in anderen Jahren; sie dürfen nicht in den Winter kommen: bis zum Frühjahr wären sie rettungslos verloren. Sind sie noch stark an Volk, so geben wir eine befruchtete Königin bei; sind sie schwach, besetzen sie nicht mindestens 4—5 Ganzrahmen, werden sie mit einer anderen weiselrichtigen Familie vereinigt. Das Letztere hat auch mit weiselrichtigen Schwächlingen zu geschehen. Nur kein schwaches Volk in den Winter! Es spottet jeder Mühe und Geldauslage. Jifci NSMsilWSlMMckMtckMr Ei« Kampf «m die Leiche vo« Buffalo Rill. Nach homerischem Muster hat sich um den Leichnam des berühmten Colonel William F. Cody, genannt Buffalo Bill, ein heftiger Streit zwischen zwei amerikanischen Städten ent- sponnen. Der berühmte Waldläufer liegt vorläufig noch in Denver begraben. Die Stadt Cody beansprucht ihn für sich, weil er einer ihrer Söhne sei, und überdies der einzige, der es zur Berühmtheit gebracht hat. Denver will den Leichnam jedoch nicht herausgeben und erklärt, der Ruhm Buffalo Bills sei in Denver geboren, weil er dort nämlich seine be- kannte Wildwestschau gründete. Insekten als Schmuck. In Frankreich werden jetzt durch geschickte Künstler aus allerlei seltenen und fremdartigen, bunten Insekten und Käfern Schmuckstücke, wie z. B. Broschen, Ohrringe, Halsketten und andere hübsche Sachen gemacht. Häufig tragen die Damen auch solchen Jnsektenschmuck, z. B. eine Spinne oder einen Käfer irgendwo wahllos am Kleid, am Aermel, am Rock, ans dem Rücken, und man mutz sich hüten, das Tierchen nicht etwa aus Versehen als Kavalier herabzustreifen. In den Spezialwerkstütten werden die Insekten sortiert und sorgfältig in einzelne Kästchen gelegt. Dann werden sie in den Laboratorien mit feinen Instrumenten ausgehöhlt und sorgfältig gereinigt. Sie werden dann mit einer rasch erhärtenden präservierenden Maste ausgefüllt. Durch einen weiteren Härtungsprozeß wird ihnen dann noch naturgemäße Form und Glanz verliehen. Jnsektenschmuck ist jetzt große Mode geworden. Ein Bergabenteuer junger Mädchen, das leicht verhängnisvoll hätte verlaufen können, wird aus Salzburg berichtet. 23 Mädchen im Alter zwischen 6 und 14 Jahren, die in den Bergen ein Sommerlager bezogen Hatten, unternahmen mit ihrem Lehrer eine Klettertour auf den Schober am Mondsee. Nach einer mühseligen Kletterei von 10 Stunden stellte sich des Abends um 6 Uhr heraus, daß die Wanderschar seit mehr als einer Stunde einen falschen Weg verfolgt hatte. Schließlich gelangten die jugendlichen Touristen in tiefster Dunkelheit zu einer steilen Bergwand, an der sie sich an Grasbüscheln festhalten mußten, um nicht abzugletten. Zu ihren Füßen gähnte die „Windekammer", eine 180 Meter tiefe Schlucht. Die Kinder hatten sich derart verstiegen, daß es kein Vorwärts und kein Zurück mehr gab. Sie riefen verzweifelt um Hilfe und ihrem gemeinsamen Schreien gelang es nach einiger Zeit, Aufmerksamkeit zu erregen. Um 11 Uhr abends kam Hilfe in Gestalt von drei Bergsteigern, die Seile und Karbidlampen mit sich führten. Die Männer ließen die Kinder eins nach dem andern an einer Seilschlinge den Abgrund hinab. Von dort mutzten die Kinder, als sie alle glücklich angelangt waren, in Dunkelheit und einem furchtbaren Regensturm mehr als 100 Meter hoch bis zur Spitze der Drachenwand emporklettern. Dort wurde ihnen eine Stunde Ruhe in einer Schutzhütte gegönnt. Dann mußten sie trotz ihrer Erschöpfung einen Abstieg von vier Stunden bis nach Plomberg unternehmen, wo ihnen von den freundlichen Dorfbewohnern sofort ein Lager bereitet wurde. Nach 24stündiger Bettruhe waren die Kinder soweit wieder hergestellt, daß sie das Dorf verlassen konnten. " Ein Festesten der Scharfrichter. , . ' Vor einiger Zeit fand in Frankreich ein Festmahl der .Scharfrichter statt, bei dem der bekannte Henker Anatole Deibler den Vorsitz führte. Als Gäste waren ausschließlich ^seine Gehilfen aus den verschiedenen Teilen des Landes geladen. In welchem Lokal die Zusammenkunft stattfand, blieb unbekannt. Deiblers Gehilfen wirken alle unter angenommenen Namen, damit das Volk niemals erfährt, wer das blutige Handwerk betreibt. Diese Decknamen sind ein notwendiger Selbstschutz der Gehilfen und ihrer Familien, weil die Scharfrichter in Frankreich als Ausgestoßene gelten. Nur Anatole Deibler tritt immer mit seinem vollen Namen an die Oeffentlichkeit. Beim Festmahl wurden auch die beruflichen und wirtschaftlichen Fragen erörtert. Man klagte besonders über „Arbeitsmangel" und unzureichende Bezahlung. Wenn man dem Bericht glauben darf, erhält einer der Gehilfen monatlich nur rund 160 Mark und außerdem für jede Hinrichtung eine kleine Sondervergütung. — Interessant ist auch, daß Deibler seinen Beruf von seinem Vater ererbt hat,' dieser wieder war bei dem bekannten „Samson" in der Lehre gewesen. — Deibler trank mit seinen Gehilfen ein Glas Rotwein auf die „schnelle Justiz". *"'v ; Schönheitspflege in der Wildnis. - > Wenn die Damen unserer Zeit durch den Gebrauch von Lippenstift und Puder ihre Unzufriedenheit mit den ihnen von der Natur verliehenen Farben zum Ausdruck bringen, so können sie sich auf recht „große" Vorbilder berufen. Jäger haben im Kaokofelü, dem Nordwestgebiet unserer ehemaligen Kolonie Südwest-Afrika, beobachtet, daß Elefanten, nachdem sie sich an einer Wafferstelle ausgiebig auch äußerlich angefeuchtet hatten, mit den Rüffeln dicke Wolken des in der Nähe ausgenommenen roten Lehmstaubes gegen Bauch und Flanken bliesen und somit ihrer schwarzgrauen Lederhaut einen roten Anstrich verliehen. — Der Unterschied zwischen dem Gebaren dieser eitlen Tiere und dem unserer Damen besteht allerdings darin, daß sich diese meist das Rüschen bepudern, während es die Elefanten mit der Nase besorgen. Ei« geschickter Schachzng. In Paris hat man in einigen Geschäften, die Damen- strüuW» verkaufen, die Neuerung eingesührt, daß die Kundin, die ein Paar Strümpfe kauft, nicht zwei, sondern drei Htück erhält. Der Grund ist angeblich der, daß oft ein Strumpf eher entzwei geht als der andere, und daß es dann sehr bequem für die betreffende Dame sei, gleich einen paffenden Ersatz zur Hand zu haben. Der Ersatzstrumpf wir natürlich nicht umsonst abgegeben, aber doch zu einem niedrigeren Preise als die Hälfte der andern beiden. Und hier kommt der eigentliche Beweggrund zu Tage. Keine Dame wird sich die Gelegenheit,, besonders billig einzu- kaufen, entgehen lasten, und so kaufen die meisten, die sonst vielleicht nur zwei „gewöhnliche" Paare erstanden hätten, jetzt zwei Paare zu dreien, um aus den beiden überzähligen Strümpfen ein neues Paar zusammenzustellen, das sie besonders vorteilhaft eingekauft zu haben glauben. — Und das ist es gerade, was die klugen Geschäftsleute beabsichtigten. Ein Meister-Fntzgänger. In England hat es der bekannte Meister-Fußgänger Kerkheve fertiggebracht, im Gehen eine größere Ausdauer zu beweisen als ein Pferd. Das erste Pferd gab nach 32 Stunden auf und das zweite bereits nach 22 Stunden. Geistesgegenwart eines Fliegers. In der Nähe von Torreon (Mexiko) rettete ein Flieger durch Geistesgegenwart sein Leben. Durch das Brechen eines Schalldämpfers geriet eine Fläche seines Flugzeuges in Brand, und es bestand Gefahr, daß der Benzin-Reservebehälter zur Entzündung kam. Schon war der Flieger im ..Begriff, mit seinem Fallschirm abzuspringen, als er vor sich eine größere Regenwolke sah. In diese flog er direkt .hinein, und die Flammen wurden durch den Regen gelöscht. [(Sr konnte seinen 1200 Meilen Flug ohne weitere Zwischenfälle beenden. Die Tragfläche hatte nur wenig Schaden erlitten. Das fliegende Büro. Die Standard Oil Company ist gegenwärtig im Besitz des modernsten fliegenden Büros. Es ist ein öreimotoriges Flugzeug aus Duralluminium mit luxuriös ausgestattcter Kabine, Schlafgelegenheit,, elektrischem Licht und eleganter Möbeleinrichtung. Acht Passagiere haben darin Platz. Das Flugzeug ist vornehmlich zur Beförderung der Direktoren der Standard Oil Company auf Geschäftsreisen bestimmt. Auf diese Weise ist es beispielweise möglich, 25 Verkaufs- stesten der Standard Oil Company, die über ganz Amerika verstreut liegen, in kürzester Frist zu kontrollieren. Wichtige Konferenzen können tatsächlich „im Fluge" erledigt werden, denn Zeit ist Geld. Eigenartige Berufe. Einen wenig bekannten Beruf förderte eine Verhandlung vor dem Grafschaftsgericht von Clerkenwell zu tage: den Beruf des Schinkenputzers, dem die ausländischen Schinken ihren feinen Geschmack verdanken. Die Schinken, die man nicht selbst gleich nach dem Schlachten und Pökeln in den Rauchfang hängt, sondern die von auswärts eingeführt werden, sind in Masten zusammengepackt und schwitzen während ihrer mehr oder weniger langen Reise Salz und Flüssig, keit aus. Die feine Kruste, die sich dadurch auf dem Schinken bildet, muß von kundiger Hand in fließendem Master abgewaschen werden. Die Schinkenputzer bilden daher eine Berufsklafle für sich, besonders in England, wo Schinken das klastische Frühstücksgericht bildet und massenhaft aus Irland und anderen Ländern eingesührt wird. — England ist auch sonst das Land, in dem sich Berufe erhalten, die man als längst veraltet annehmen sollte. So finden sich z. B. noch ganze Fabriken für die Herstellung von Schreibfedern aus Gänsekielen, obgleich man glauben sollte, der Füllfederhalter habe sie längst verdrängt. — In Warwickshire lebt eine Familie, die sich in der fünften oder sechsten Geschlechtsfolge nur von der Herstellung des langen Jndianerbogens und öex dazu gehörenden Pfeile ernährt, obwohl die Truppe der Bogenschützen nur noch im Heldenlied und der geschichtlichen Erinnerung lebt und lediglich eine städtische Gilde Londons diesen Namen führt. Allerdings kommt der Sport des Bogenschießens als Stranbvergnügen in Badeorten wieder auf, besonders in den Bereinigten Staaten. — Bei dem starken Rückgang des Zylinderhutes, der allmählich dem weiche» Filzhut weichen muß, hat sich in England eine Klaffe von Hutmachern in Seidenhüten von der übrigen Zunft getrennt und stellt gewissermaßen die Oberschicht der Hutmachergilde dar,' es sind die Künstler vom Dreimaster für die Königliche Marine. — Verdächtig klingt aus dem Berufsregister die Tätigkeit des Färbers für Weine und Spirituosen hervor, ein Beruf, der uns mit so bangen Ahnungen erfüllt, daß wir lieber unsere Zuflucht zu einer andern Berussklaffe nehmen, dem Mischer von Cocktails, der durch genaue Kenntnis alles deffen, was in einen guten Cocktail hineingehört, den betrübten Geist zu neuem Leben erweckt. Der Flickschuster als Millionenerbe. In Cernwitz wurde ein armer Flickschuster durch den Bürgermeister von der Nachricht überrascht, daß er plötzlich ein Vermögen von nicht weniger als 3 Mill. Dollar geerbt habe. Die Geschichte dieser Erbschaft ist besonders dadurch bemerkenswert, daß der ungeheure Reichtum von dem einzigen Sohne des Flickschusters stammte, der allerdings hartherzig genug war, um seinen alten Vater darben zu lasten, während er selbst in der Fülle des Reichtums lebte. Der Sohn besaß einen prächtigen Palast in Chicago. Aus die Bitten seines alten Vaters, ihm das Greisenalter etwas zu erleichtern«, antwortete der Sohn überhaupt nicht. Auch in der Kriegs- und Nachkriegszeit, als die Not des alten Mannes durch die Entwertung des Geldes sehr groß geworden war, weigerte sich der harte Sohn, dem Vater durch Geldsendungen zu helfen, obwohl in jener Zeit der Dollar einen ungeheuren Kaufwert hatte. So darbte der alte Vater, der wegen Krankheit auch nicht mehr viel arbeiten konnte. Nun wurde von wenigen Wochen der Sohn in Chicago von Einbrechern, die auf den Palast einen Ueber- fall gemacht hatten, ermordet. Ta die Frau des Millionärs auch bereits einige Zeit vorher gestorben war, so waren Erben nicht vorhanden. Durch Rundfunk wurde festgestellt, daß der Millionär in Europa einen alten Vater habe, der als Erbe des ungeheuren Vermögens allein in Betracht kam. Als man dem Flickschuster amtlich die Mitteilung von der Ermordung seines Sohnes machte, glaubte er anfangs. Samstag, den 24 . September 1927. es handelte sich um eines der vielen Märchen, die in der letzten Zeit in Europa über Mtllionenerbschaften verbreitet wurden, zumal alle wußten, daß er tatsächlich einen reichen Sohn in Amerika habe. Bald aber mußte er sich überzeugen, daß es sich diesmal um eine wahre Nachricht handele. Er behielt aber seine Ruhe und erklärte, daß es ihm völlig gleichgültig sei, ob er das Geld geerbt habe oder nicht. Er sei jetzt zu alt, um noch Freude an dem Geld zu haben. Er werde nicht mehr ein neues Leben beginnen. Erben habe er auch nicht. Die Millionen seien, wie so oft. an einen Falschen gekommen. Humor. _ Das sieht Ihnen ähnlich. Ein Büroangestellter, besten Chef als großer Geizhal» bekannt war, feierte sein 25jähriges Jubiläum in der Firma. Der Chef überreicht ihm bei dieser Gelegenheit ein ver» siegeltes Couvert mit der Auftchrist: „In Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag." Der Angestellte nahm bei dankbarem Lächeln das Couvert. Aber in diskreter Weise wollte er es nicht sogleich öffnen. Aber sein Herr winkte ihm zu. Da öffnete er das Siegel und fand — im Umschlag — die Photographie seines Chefs. „Nun, was halten Sie davon?" fragte der Chef. „Das sieht Ihnen absolut ähnlich", lautete die sehr zweideutige Antwort. Ei« glänzendes Geschäft. Der alte Isaak war von seiner ältesten Tochter, die G j)aris reich verheiratet war, eingeladen, und sein Schwieger, ft'hn hatte ihm das Geld für die Reise erster Klaffe geschickt. Isaak aber machte die Reise vierter Klaffe und wohnt, vergnügt 14 Tage bei dem jungen Ehepaar. Dann kehrt« er vergnügten Herzens in die Heimat zurück. Sein Gepäck enthielt auch drei abgelegte Hosen seines Schwiegersohnes, und diese gedachte er in seinem Laden mit gutem Profit z« verkaufen. Am Tage nach seiner Rückkehr bemerkte man eine Ae», öerung an seinem Firmenschild. Unter den Worten: „Jsaaß & Co., Kletöerhänöler", war hinzugefügt: „Soeben znrchck aus P aris, mit den neuesten Moden!" Ei« verdächtiger Puder. Frau szu ihrem Gatten): „Was ist denn das für weißer Puder auf deiner Schulter?" Mann: „Weißer Puder? — Ach so. das ist nur ein wenig Billardkreide." Frau: „Na. das ist doch recht eigentümlich, baß du parfümierte Billarökreiöe gebrauchst." Gefährlich. Zwei küh.-.e junge Flieger tummelten sich in tollste«, haarsträubend riskanten Kunststücken über der ungeheuren Maste von Zuschauern, die den Flugplatz umringten. Alles starrte atemlos und voll Erwartung in die Lust. Da plötzlich ertönte von der Oberleitung eine Warnung durch den Lautsprecher: „Die Zuschauer werden öringend ersucht, das lebensgefährliche Stehen auf Stühlen zu Unterlasten." Rordpolbestimmnng. Ein berühmter Nordpolforscher wurde bei Gelegenheit eines Essens sehr stark von seiner neugierigen Nachbarin mit Fragen belästigt. „Wie können Sie z. B. feststellen", so erkundigte sie sich, „wann Sie den Nordpol passieren?" „Sehr einfach", lautete die Antwort, „der Nordwind wird dort stets zum Südwind, und das spürt man sofort." Merkworte zur VerkeTirserzTeTumf. Nimm Rücksicht auf den Verkehr und fahr nicht mitten auf der Straßei Sie kommen nicht in Verlegenheit, wenn Eie Maggi's Fleischbrühwürfel vorrätig halten, denn aus diese Weise haben Eie vorzügliche Fleischbrühe in haltbarer Form ständig zur Hand. Mehr Milch, mehr Fett, mehr Eier erzielen Eie bei regelmäßiger Bei- süttemng v. M. Brock r an»; gewürztem Futterkalk .Z wergmarke' (Mischung). - Die Qual, macht's! Nur echt i. Orig.-Pack. - nie lose I - Da Fälschung, i. Handel, achte man b. Einkauf genau auf Schutzmarke Schutzmarke „. Firma des alleinig.Fabrikanten R.Brockmauu Chm.Fabr.m.b.H., Leipzig-Entr. 83 o. Zu haben: Fn Sinsheim in der Richard Wagner-Drogerie. Brvckmauns Vieh - Lebertran-Emulsion „Ssteofan" fördert zusehends Wachstum und G.deihen I hälHibl/e weich und schon !\ 4^Jt Lege-, Zucht- jBf u. Raflegefliigel aller Art lief, gut und billig. Preis!, gratis. L. Hellmuth, Unterschopf (Baden). Ia.lrlüss 2Q°|o 9 Pfl>. — M. 6.30 franko Dampfküfefabrik Rendsburg. Bettfedern- Versand portofrei Das Pfund Mark 3.30, 5.— und 6.— in füll- kräftiger Ware. Betten - Versandhaus Sommer Heidelberg Hauptstraße 80 und 92. ReHuuugssormulare liefert 0. Becker'sche Vuchdruckerei II Bremen - Südamerika Ostkäste / Westküste Qeruorras}ende R&LseQdkQznfeiteJi mit den beßdbben Dampfern des NORDDEUTSCHEN LLOYD BREMEN Kostenlose Auskunft erteilt; Sinsheim: Georg Eiermann Ww., Eisenbahnstr.344. Neckarbischofsheim : Max Jeselsohn, Hauptstr. 4. Reklame—die Seele des Geschäfts.