Erscheint tSgllch «V Ausnahme der Feiertage. Bezugs.Prrts: Durch diePost bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.S0 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. An Fällen von höherer Gewalt Gesteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. «eschästszeit 1/28 bis 5 llhr Sonntags geschlossen. Mernsprech-Anschlutz Nr. 11 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 0808 General-Anzeiger für klsenz-und §ckwarzdaclital Der Lanövote 5in§keimer MM Leitung sag General-Anzeiger für klsenz-und §ckwarzdaclital Heltette and verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Haupt-Knzeigen Statt tillSchrntUch» Beilagen, ffloü« und Belm * Der Kobold • neue Illustrierte • CandwirtTcbaftlicbe Beilage Buzeigen-Preise: Anzeigen: Die 33 mm bretA Millimeter-Zeile 6 Goidpfg. Reklamen: Die 92 mm breit» Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen» und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffeste» Rabatt, der bei Nichtzahluninnerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtliche« Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 Uh» vormittags: größere Anzeigen müssen am Tage vorher auf- gegeben werden. Bank-Konto: Deretnsüank Sinsheim e. G. m. b. Sb. M 189 Freitag. den 30. September 1927 88. Jahrgang Bekommt Preußen seine Anleihe? Die Ui-fachen der Verzögerung. Berlin, 29. Sept. Entgegen den heute in Berlin verbreiteten Gerüchten, daß die Preußen-Anleihe endgültig abgelehnt sei, teilen die zuständigen preußischen Stellen mit, daß ihrer Kenntnis nach diese Auffassung unzutreffend ist. Nach den hier vorliegenden Nachrichten muß der Stand der Dinge vielmehr als günstig bezeichnet werden und man glaubt nach wie vor, daß es sich nur noch um eine Verzögerung von wenigen Tagen handeln kann. Man betont, daß der Anleihevertrag ja bereits von führenden amerikanischen Banken unterzeichnet ist und daß diese Banken dem preußischen Staat gegenüber damit eine weitgehende Verpflichtung übernommen haben. Sie konnten dies tun, da sie sich vor dem Abschluß des Vertrags mit den amerikanischen Regierungsstellen in Verbindung gesetzt und deren grundsätzliches Einverständnis erhalten hatten. Schon aus diesen Gründen kommt nach hiesiger offiziöser Ansicht ein Scheitern der Anleihe überhaupt nicht mehr in Frage. Amerikanische Regierung und Preuhenanleihe Remyork. 30. Sept. Während eine Meldung der Associated Press über die Preußenauleihe unterstreicht, daß die Bankiers inoffiziell davon unterrichtet seien, daß die amerikanische Regierung eine ablehnende Haltung der Anleihe gegenüber einnehme, bringt das Journal of Commerce eme Meldung aus Washington, in der erklärt wird, die Regierung habe bis jetzt den Bankiers offiziell noch nicht geantwortet. Es liege augenscheinlich bei den Bankiers, den nächsten Schrit zu tun. Jetzt wird mitgeteilt, daß die Bankiers, wenn sie eine offizielle Antwort zu haben wünschen, eine solche auch erhalten würden. Die Regierung habe die Bankiers um weitere Informationen ersucht, die möglicherweise noch nicht gegeben worden seien Nach den Informationen der Telegraphen-Union scheint diese Meldung den Tatsachen zu entsprechen. Das Bankenkonsortium kann seinen Antrag auf Genehmigung der Anleihe durch die amerikanische Regierung erst stellen, nachdem die noch offene Frage der Formulierung des Prospektes erledigt ist. Die polnische Amerika-Anleihe gescheitert Warschau, 30. Sept. Tie polnischen Anleiheverhandlungen wegen der amerikanischen Ausländsanleihe sind am Mittwoch in später Abendstunde wiederum ergebnislos abgebrochen worden. Die Frage, über die es zum Bruch kam, war die Höhe des Emissionskurses, während der seinerzeit ebenfalls die Verhandlungen unterbrochen wurden. Der Emissionskurs sollte, wie bekannt, 95 Prozent betragen. Tie Regierung war bisher entschlossen gewesen, auf diesen Kurs einzu- geheu und gab deshalb bekannt, daß diesmal die Anleihe bestimmt zum Abschluß käme. Anscheinend hat Marschall Pisuldski im letzten Augenblick seinen Entschluß noch geändert. Das abermalige Scheitern der Anletheverhandlungen bedeutet für das Wirtschaftsleben Polens eine Katastrophe. Die Anleihe sollte in erster Linie Zur Stützung der polnischen Währung verwandt werden, die besonders nach der soeben eingesetzten Börsenhausse wieder in Gefahr steht, beträchtlich im Kurse zu verlieren. Das ist um so gefährlicher, als das Scheitern der Anleihe als endgültig anzusehen ist und Polen unter den gegenwärtigen Verhältnissen keinerlei Aussicht hat, an anderer Stelle eine Anleihe zu erhalten. Wie unerwartet der plötzliche Abbruch Polen selbst gekommen ist, geht aus einer Bemerkung des halbamtlichen „Epoka" hervor, die ihrem Aerger mit einem Ausfall auf „gewisse ausländische Sphären" Luft macht, die nicht auf die „ungeheure günstige Veränderung der Wirtschaftslage Polens" eingehen wollten. Elltivurs eines VesOnngsMes für ReWeamie. Berlin, 30. Sept. Der von der Beamtenkorrespondenz veröffentlichte authentische Text der Vesoldungsvorlage der Reichsregierung enthält zunächst die allgemeinen Bestimmungen des Gesetzes und sodann in sechs Anlagen die genauen Zahlenangaben für die einzelnen Besoldungsgruppen und die einzelnen Gehälter sowie endlich die Wohnungszulagen. , ' In den allgemeinen Bestimmungen des Gesetzes wird bestimmt, daß die planmäßigen Beamten ein Grundgehalt und einen Wohnungsgeldzuschuß erhalten. Daneben erhalten sie Kinderzuschläge und soweit es in diesem Gesetz bestimmt oder zugelassen ist, Zulagen. Die Soldaten der Wehrmacht werden, soweit nicht dieses Gesetz anderes bestimmt, wie die planmäßigen Beamten abgefunden. Das Grundgehalt wird den planmäßigen Beamten nach den beigefügten Besoldungsordnungen A (für aufsteigende Gehälter) und B (für feste Gehälter), den Soldaten der Wehrmacht nach der beigefügten Besoldungsordnung C, den Polizeibeamten beim Reichswasserschutz nach der beigefügten Besoldungsordnung D gewährt. Im übrigen regelt das Gesetz dann alle Einzelheiten der Besoldungsordnung neu, schasst jedoch nach der Einführung dieser grundsätzlichen Neuregelung nur in Einzelheiten Abänderungen der bisherigen Bestimmungen. Tie Besoldungsordnung A enthält im wesentlichen die bereits von uns veröffentlichten Gehaltsabstufungen, deren Zahlen nunmehr als die authentischen des Entwurfes bezeichnet werden können, und setzt fest, in welche Gruppe die einzelnen Beamtenkategorien einzugliedern sind. _ Allein in Gruppe 2 b (Regierungsräte, Ministerialarnt- männer als Vorsteher, Postdirektoren) lauten die Höchstgehälter 8100 bis 8400 Mark statt wie bisher veröffentlicht 7800 Mk. Wohnungsgeld 3 bei Zulage, im übrigen 4 für Stufe eins bis drei, Wohnungsgeld 3 ab Stufe 4. Tie bisher nicht veröffentlichte Besoldungsordnung B (feste Gehälter) lautet: Besoldungsgruppe B (feste Gehälter). Besoldungsgruppe i: 45 000 Mark — Reichskanzler. Besoldungsgruppe 2: 36 000 Mark — Reichsminister. Besoldungsgruppe 3: 24 000 Mark — Staatssekretäre, Präsident des Rmchsverwaltungsgerichts, Präsident des Reichsgerichts. Präpdent des Rechnungshofes des Deutschen Reiches, Präsident des Reichsfinanzhofes. Besoldungsgruppe 4: iggoo Mark — Botschafter, Reichs- kommiflar für die besetzten Gebiete. Besoldungsgruppe 5: 18 000 Mar! — Ministerialdirektoren, Oberreichsanwalt. Besoldungsgruppe 6: 17 000 Mark — Senatspräsiöenten am Reichsverwaltungsgericht, Präsident des Reichsgesundheitsamtes. Präsident der physikalisch-technischen Reichsanstalt, Präsident der Reichsvermögensverwaltung für die besetzten rheinigen Gebiete, Präsident des Statistischen Reichs- amtes, Präsident des Reichswirtschastsgerichts, Präsident deS Reichsverstcherungsamtes, Senatspräsidenten beim Reichsgericht und entsprechende Gruppen. Die Besoldungsgruppen 1 bis 6 erhalten Wohnungsgeld- zuschutz 1. Besolöun^gruppe 7: 16 000 Mark - Ministrialdtrigenten bei den Reuhsministerien und beim Reichskommissar. Ge- Ianöte als Vertreter der Reichsregierung in München, Gesandte 1. Klasse, Generalkonsuln 1. Klasse, Präsident des Bundesamtes für das Heimatwesen, Reichskommiffar für Uebermachung der öffentlichen Ordnung und «ntsprechenöe Gruppen. Besoldungsgruppe 8: 14 000 Mark — Generalsekretär des Archäologischen Instituts des Deutschen Reiches, Reichsver- waltungögerichtSräte, Direktor der chemisch-technischen Reichsanstalt, Feldpröbste, Reichsgerichtsräte, Reichsanwälte und entsprechende Gruppen. Besoldungsgruppen 7 und 8 erhalten Wohnungsgeldzu- schuß 2. Die bisher nicht veröffentlichte Besoldungsordnung der Wehrmacht lautet: Besoldungsordnung C (Soldaten der Wehrmacht). Besoldungsgruppe 1: 24000 RM. — Chef der Heeresleitung, Chef der Marineleitung, Generale, Admirale. Besoldungsgruppe 2: 19 000 RM. — Generalleutnants, Vizeadmirale, Generaloberstabsärzte. (1 und 2 erhalten Wohnungsgeldzuschuß 1.) Besoldungsgruppe 3: 16 000 RM. — Generalmajor, Konteradmirale, Generalstabsärzte, Generalstabsveterinäre. Besoldungsgruppe 4: 12 600 RM. — Obersten, Kapitäne zur See, Generalärzte, Generalveterinäre. Besoldungsgruppen 3 und 4 erhalten Wohnungsgeldzuschuß 2. Besoldungsgruppe 6 : 9600 RM.: Oberleutnants, Fregattenkapitäne, Generaloberärztc, Generalveterinäre. Besoldungsgruppe 6: 7700—8400 RM.: Majore, Korvettenkapitäne, Oberstabsärzte, Oberstabsveterinäre. Besoldungsgruppen 5 und sechs erhalten Wohnnngsgeld- zuschuß 3. Besoldungsgruppe 7: Hauptleüte, Kapitänleutnants, Stabsärzte, Stabsveterinäre, 4800—6000—6900 RM. Woh- nungsgeldzuschutz 4 in der ersten Dienstaltersstufe. Woh- nungsgeldzuschutz 3 von der zweiten Dienstaltersstufe an. Besoldungsgruppe 8: 2400—2700—3000—3400—3700—4000 Reichsmark: Oberleutnants, Leutnants. Wohnungsgeldzuschuß für Oberleutnants 4, für Leutnants 5 in der ersten bis dritten Dienstaltersstufe, 4 von der dritten Tienstalters- stufe an. , Besoldungsgruppe 9: 3400—3700—4000 RM.: Oberärzte, Obervetcrinärärzte, Assistenzärzte, Veterinäre. Besoldungsgruppe 10: 3400—3600—3800—4000 RM.: Obermusikmeister. Besoldungsgruppen 9 und 10 erhalten Wohnungsgelö- zuschuß 4. Besoldungsgruppe 11: 2500—2700—2850—3050—3250—3400 bis 3600 RM.: Hufbeschlagslehrmeister. Besoldungsgruppe 12: 2800—2960-8120-3280—8440—3600 Reichsmark: Teckoffiziere (k. w.). Besoldungsgruppe 13: 2400-2600—2800—3000 RM.: Musikmeister. Besoldungsgruppe 14 : 2400 RM.: Oberfeldwebel, Unterärzte, Unterveterinäre. Besoldungsgruppe 15 : 2200 RM.: Feldwebel. Besoldungsgruppen 11 bis 15 erhalten Wohnungsgeld- zuschuß 5. Besoldungsgruppe 16: 1980—2040—2100 RM.: Unterfeldwebel, Obermaate. Besoldungsgruppe 17: 1920 RM.: Unteroffiziere, Maate und Hauvtgefreite. Besoldungsgruppe 18: 1880-1740-1800 RM.: Ober- gefreite. Tie Besoldungsgruppen 16 bis 18. erhalten Wohnungs- geldzuschutz 6. Besoldungsgruppe 19: 1410 RM.: Gefreite. Besoldungsgruppe 20: 1260 RM.: Oberschützen, Obermatrosen. Besoldungsgruppe 21: 1080 RM.:"Schützen, Matrosen. Besoldungsgruppen 19 bis 21 erhalten Wvhnungsgeld- zuschutz 7. Die bisher nicht veröffentlichte Besoldungsordnung v enthält die Bestimmungen für die Polizeibeamten beim Reichswasserschutz und setzt in acht Besoldungsgruppen Gehälter in Hohe von 1410 bis 9600 RM. fest. Die Zahlen des Wohnungsgeldzuschusses entsprechen den von uns bereits veröffentlichten Zahlen des Entwurfes. Die bisher nicht vcrösfenilichte Diätenordnung für die außerplanmäßigen Beamten endlich setzt in der Gruppe A 2 Höchstgehälter von 4000 bis 4500 RM. und das Mindestgehalt in Gruppe v 8 auf 1200 RM. fest. Sonderbestimmungen regeln die Gehälter der weiblichen Beamten der Deutschen Reichspost sowie der Zivilanwärter. ■ . Die Renienvorfchüsse für die Kriegsopfer Die im Reichsausschutz der Kriegsbschädigten- und Kriegshinterbliebenenfürsorge vertretenen Verbände der Kriegsopfer teilen zu der gestern offenbar von der Rcichs- regierung an die Tagespreffe gegebenen und durch Rundfunk verbreiteten Mitteilung betreffend die Vorschußzahlungen für Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbltebene, berichtigend folgendes mit: Die Pressenotiz wird in der Oefsentlichkeit zu Jrrtümcrn Anlaß gebe«. Tie vom Reichstagsausschutz beschlossene Rentenvorschußzahlung beträgt für die Kriegsbeschädigten monatlich 24,63 Prozent, für die Hinterbliebenen jedoch nur 7,37 Prozent und für Kapitulanten nur 11,47« Prozent der bisher monatlich gezahlten Rentenbcträge. Die Vorschüsse sollen Ende Oktober für die Monate Oktober und November zusammen mit der Novemberrente zur Auszahlung gelangen. Die Hindenburgamnestie Berlin, 30. Sept. Zu der bevorstehenden Amnestie anläßlich des 80. Geburtstages des Reichspräsidenien wird an zuständiger Stelle erklärt, daß der Reichspräsident selbst die Amnestierung nur solcher Personen vornehmen kann, die vom Reichsgericht abgeurteilt worden sind. Noch vor dem Geburtstage des Reichspräsidenten soll eine entsprechende Veröffentlichung über die erfolgten Amnestierungen erscheinen. , . Der Kaiserhof flaggt paritätisch Berlin, 30. Sept. Anläßlich der gestern im „Kaiserhof" stattgefundenen Festlichkeit für den Kongreß d-r internationalen Fachpresse hat das Hotel „Kaiserhof" auf dem Mittelmast die schwarz-weiße preußische Flagge gehißt. Links zeigt das Hotel die schwarz-rot-goldene und rechts die schwarzweiß-rote Fahne. Dr. Stresemann wieder in Berlin Berlin, 30. Sept. Die deutsche Vülkerbundsdelegation, an der Spitze Reichsautzenminister Tr. Stresemann und in seiner Begleitung Staatssekretär Tr. Schubert, Ministerialdirektor Gaus, der Reichspreffeches Ministerialdirektor Dr. Zechlin, die Reichstagsabgeordneten Professor Hoetzsch, Dr. Breitscheid und Freiherr von Rheinbaben traf gestern nachmittag gegen 17 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zug aus Genf auf dem Anhalter Bahnhof ein. Zum Empfang hatten sich als Vertreter des Reichskanzlers Staatssekretär Pünüer, als Vertreter der preußischen Staatsregierung Staatssekretär Wcißmann und vom Auswärtigen Amt Ministerialdirektor Dr. Köpke eingefunden. Nach Austausch einiger Begrüßungsworte verließen die Herren sofort den Bahnhof. Der estnische Außenminister in Berlin Berlin, 30. Sept. Der estnische Außenminister Dr. Akel ist auf der Durchreise von Genf nach Reval in Berlin eingetroffen und wird voraussichtlich Gelegenheit nehmen, bei Dr. Stresemann vorzusprechen. Tr. Akel beabsichtigt, heute abend die Heimreise nach Estland fortzusetzen. Zum Inkrafttreten der Arbeitslosenversicherung Berlin, 30. Sept. Am 1. Oktober tritt das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Kraft. Hierzu teilt der Reichsarbritsministcr zur Behebung von Zweifeln mit: Soweit Abeitnehmer gegenwärtig von der Beitragspflicht zur Erwerbslosenfürsorge befreit, nach dem neuen Gesetz aber versicherungspflichtig sind (städtische Hausgehilfen, landwirtschaftliche Arbeitnehmer mit drei- bis sechsmonatiger Kündigungsfrist) erlöschen die laufenden Befreiungen mit Ablauf des 30. September. Vom 1. Oktober ab sind für diese Personen Beiträge zu leisten Ist die Beschäftigung dagegen auch nach dem neuen Gesetz beilragsfrei, so gilt die Befreiung weiter, und zwar vorläufig, ohne daß die Befreiungsanzeige erneuert werden müßte. Die Anleihepolriik der Gemeinden Besprechungen im Reichssinanzministerinm. Berlin, 30. Sept. Im Reichsfinanzministerium finden gegenwärtig auf Einladung und unter Vorsitz des Reichs- finanzministers Tr. Köhler Besprechungen über die künftige Anleihepolitik der deutschen Gemeinden statt. An den Verhandlungen nehmen neben dem Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht als Vertreter der deutschen Gemeinden teil: Ter Präsident des Deutschen Städtetages. Tr. Mnlert, Oberbürgermeister Bocß und Stadtkämmerer Lange-Ber- Nr. 189. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 30. September 1927. Iin, Oberbürgermeister Adenauer-Köln, Oberbürgermeister Dr. Landmann und Stadtkämmerer Tr. Asch-Frankfurt, Dr. Jarres-Duisburg, Wagner-Breslau. Scharnagl-Mün- cheu, Beimes-Magdeburg, Rieve-Halle. Das unruhige Mexiko Rewyork, 30. Sept. Nach Meldungen aus Mexiko sind im Staat Jalisko im Kampf mit Regierunastruppen 35 Katholiken, darunter ein Priester, getötet worden. Im Staate Naynait haben Regierungstrnppen eine Gruppe Banditen umzingelt udn niedergemacht. Vierzig Banditen wurden getötet. Belgisches Geständnis. Bei Kriegsausbruch waren die belgischen Zeitungen voll von Berichten über die Gegenwehr d r belgischen Zivilberö kerung gegen dir eingedrungenen d mischen „Hi-nnen" und „Barbaren^ Die belgischen Boy-Scouts wurden verherrlicht, weil sie aus dem Hinterhalt auf deutsche Truppen, ja sogar auf deutsche Parlamentäre, die sich unter weithin sichtbarer weißer Fahne genähert hätten, schossen. Frauen, Greise und Kinder wurden gefeiert, weil sie mitgekämpft hätten, indem sie auf die Deutschen kochendes Oel gossen, so daß — wie vier Zeitungen übereinstimmend und voller Genugtuung berichteten — „die Häl't: der Hunnen auf der Walstatt blieb". Jetzt will man bekanntlich belgischev- seits es nicht mehr wahr haben, daß die belgische Bevölkerung damals mitgekämpft habe, und bestreitet, daß es jemals so etwas wie Franktireurs gegeben habe. Das sei nur eine deutsche Erfindung, die dazu dienen soll, die deutschen Greuel zu begründen. Daß der belgischen Regierung bei dieser Verdrehung der Tatsachen das in den damaligen belgischen Zeitungen enthaltene erdrückende Bcweismaterial unangenehm zu werden beginnt, geht aus einer bezeichnenden Maßnahme hervor. Wie die „D.A.Z." schreibt, hat die belgisch: Regierung kürzlich befohlen, alle Zeitungen vom August bis September 1914 aus den öffentlichen Bücher- und Lesehallen wegzunehnren und dem Publikum nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Seit Ende Juli 1027 erhält derjenige, der diese Zeitungen einsehen will, den lakonischen! Bescheid: „Retires de la circulation par ordre superieur!" Ein deutlicheres Eingeständnis des belgischen Unrechts und ein beweiskräftigeres Zeichen des bösen Gewissens hätte die belgische Regierung kaum geben können als diesen Versuch, die Wahrheit und ihre Zeugen aus der Welt zu schaffen. Spinale Kinoerlähnmngen Danzig, 30. Sept. Auch in Danzig sind vier Fälle von spinaler Kinderlähmung aufgetreten. Stuttgart, 30. Sept. In Hentigsheim ist ein Kind an spinaler Kinderlähmung erkrankt. Es mußte in eine Klinik nach Tübingen überführt werden. Schließung der Zittauer Schulen. Zittau, 30. Sept. Wegen Auftretens der spinalen Kinderlähmung in Zittau wurden aüf Anordnung des Bezirksarztes sämtliche Schulen, Kinderheime und Kindergärten geschloffen. Bis jetzt sind zwei Fälle der gefährlichen Krank» heit in der Stadt festgestellt worden. Von den Behörden sind alle Maßnahmen ergriffen, um ein Weitergreifen der Krankheit zu verhindern. Kinderlähmung auch i« Niederösterreich. Wie«, 30. Sept. Vom Anfang Juli bis Ende September haben sich auch in Niederösterreich 13 Fälle von Kinderlähmung ereignet. Meldungen über Todesfälle liegen bisher nicht vor. Könneckes Flüg nach Oftafien Zur Notlaudung Könneckes auf dem Wege nach Bagdad. Londo«, 30. Sept. Nach einer Reutermeldung mußte Könnecke, der gestern von Bagdad nach Indien weiter zu fliegen gedachte, auf seinem Flug von Angora nach Bagdad in der Nähe von Moislimie, nördlich von Aleppo, wegen Maschinenüefektes notlanden. Die Reparaturen des Motors wurden durch einige Mitglieder des französischen Luftdienstes in Syrien burchgeführt, worauf der Weiterflug erfolgen konnte. Die „Ente" abgeMrzt Flugzeugkoustrukteur Wulf getötet. Breme«, 30. Sept. Bei einem Versuchsfluge vor einer !Kommission, zu dem der Flugzeugkonstrukteur Wulf gestern nachmittag um drei. Uhr bei bestem Wetter mit seinem neu konstruierten Flugzeug „Ente", das bekanntlich Flügel und Motor hinten und die Steuerung vorn hat, aufgestiegen war, begann das Flugzeug plötzlich aus bisher unbekannter Ursache zu trudeln und stürzte aus hundert Meter Höhe ab. Wulf, dem es nicht mehr gelang, das Flugzeug aufzufangen, wurde schwer verletzt unter den Trümmern hgrvorgezogen und verschied trotz sofortiger ärztlicher Hilfe nach wenigen Minuten. _ Taifun über dick PWppinen 500 Meusche« getötet, 5000 Personen obdachlos. Nemyork, 39. Sept. Ein Taifun hat die zu den Philippinen gehörige Insel Luzon heimgesucht und insbesonder die Stadt Baler zerstört. Es wurden 500 Einwohner getötet. 5000 Einwohner wurden durch den Sturm obdachlos gemacht. Das Rote Kreuz hat von Manila bereits ein Hilfsschiff mit Lebensmitteln, Zelten und Arzneien abgehen lasse«. Folgenschwerer AttgzusammeMotz in Belgien Brüffel, 30. Sept. Ans der Strecke Brüssel—Antwerpen stieß gestern morgen ein Güterzng mit einem Personenzug so heftig zusammen, daß ein Personenwagen vollständig zertrümmert wurde. Bisher hat man drei Tote und mehrere Verletzte söstgestellt. Seidig Verletzte. Brüffel, 30. Sept. Di« Zahl der bei dem Zusammenstoß bei Mecheln schwer- und leichtverletzten Personen beläuft sich nach den bisherigen Schätzungen auf etwa sechzig. Vier Per sonen verunglückten tödlich. Drei Arbeiter durch Starkstrom getötet. Stuttgart, 30. Sept. In dem bei Heilbronn gelegenen Ort Flein kamen drei Elektrizitätsarbeiter bei einem Krl- ternenbau der Hochspannungsleitung zu nahe. Sie wurden Me drei getötet. : Erdrutsche in Kanada. Loudy«, 30. Sept. Nach Meldungen aus Vancouver wur- »en durch Erdrutsche in den Bergen von Kamloops zwei Mnn getötet und zwei weitere verletzt. Ein Güterzug von icht Wagen wurde von den Erdmaffen vollständig begraben. Opfer des Verkehrs. Men, 30. Sept. An den Folgen eines Straßenbahn-Un- älls ist der 82jährige tiroler Bildhauer Emanuel Pendl ge- torben. lob eine * deutsch«« Hochschullehrers in eiuem italienische« Mseubahuzug. Wien. 30. Sept. Der Würzburger Univerfitätsprofeffor Rannße, ein bekannter Mediziner, erlitt auf der Fahrt von Visa nach Rom im Eisenbahnzug einen tödlichen Herzschlag. Seine Gattin, die mit ihm reiste, brachte die Leiche nach Rom, vv fie eingeäschert werden soll. Fast z««i Millioue« Mark Geldstrafe für Spritschieber. Hamburg, 30. Sept. In dem neuen Hamburger Sprit- chieberprozeß wurde« 28 Angeklagte zu mehrmoaügen Ge- ängnisstrafen und insgesamt annähernd pei Millionen Rar! Geldstrafe und zum Wertersatz von 29200 Liter ge- Berhastung von Komitatschis i« Griechenland. . Loudo», 30. Sept. Nach einer Athener Meldung gibt die griechische Regierung offiziell bekannt, daß in Saloniki zwei bulgarische Komitatschis verhaftet wurden, während e,n dritter auf der Straße von Seeres nach Saloniki festgenommen wurde. Die Verhafteten hätten beabsichtigt, verschiedene öffentliche Gebäude in die Luft zu sprengen. Daraufhin sind von der Regierung besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, um den Ausbruch neuer Gewalttätigkeiten zu verhindern. Die Straßen an der griechischen Grenze werben soraiältia bewacht. Aus Nah und Fern. Staatliche und grnosfenschastliche Stutenschau. % Sinsheim, 29. Sept. Bei der heute auf der Stadtwiese abgehaltenen Stutenschau war eine große Anzahl schöner Zuchttiere mit Nachwuchs vorhanden. Mit der Schau war eine Prämiierung verbunden. Bei Verkündung der zuerkannten Preise wurden sowohl von dem Regierungsvertreter, Herrn Oberregierungsrat Reu, als auch von Herrn Zuchtinspektor Hock, lobend anerkannt, daß bei der heutigen Schau durchschnittlich sehr gutes Material vorgeführt wurde. Das Preisgericht für die staatliche Schau bestehend aus den Herren Oberregierungsrat Reu-Karls- ruhe (Ministerium des Innern) als Vorsitzender, Zuchtinspektor Bet.Rat Hock-tzeidelberg, Bczirkstierarzt Bet.Rat Dr. Stcibing- Eppiugen, Landerötonomierat Maycr-Ullmann-Eppingen, Bürgermeister und Landwirt Heinrich Kaufmann-Daisbach, Gutsbesitzer Friedrich Frank-Sinsheim, und Vcrw.Znsp. Werrer als Protokollführer, hat folgende Preise zuerkannt: Züchterpreis 200 Mk. und silb. Medaille. Gutsverwaltung Grombach für Stute Rosa mit Nachzucht. Großer Staat-Preis 100 Mk. Grittmann Otto, Reihen für Stute Amanda mit Nachzucht. Kleiner Staatspreis 59 Mk. Schmutz Rudolf, Bockschaft für Stute Lotte mit Nachwuchs, Uhler Jakob, Reihen für Stute Hilda mit Nachwuchs, Beck Adolf, Hoffenheim für Stute Frieda mit Nachwuchs. Freidrckschcine. Horn Adam, Rauhof-Adersbach, Kaufmann Georg, Ursen- bacher Hof. Bott Georg. Reihen, Reff Hugo. Hoffenheim, Harsch Johannes, Daisbach, Flach Wilh., Sinsheim, Bauer Wi h., Aders- bach, Voll Georg, Reihen, Sitzler Wilh., Hoffenheim, Flach Wilh., Sinsheim, Frank Friedrich, Sinsheim, Karrer Heinrich. Reihen, Bär Wilh., Eulenhof, Huber Ioh.. Hilsbach, Salzgeber Ludwig, Daisbach, Engelhardt Jak., Hoffenheim. Das Preisgericht für genossenschaftliche Schau bestehend aus den Herren Zuchtinspektor PellRat Hock-Heidelberg als Vorsitzender, Bezirkstierarzt Bet.Rat Dr. Steibing-Eppingen, Landesökonomierat Mayer-Ullmann-Eppingen, Landwirt Georg Voll jg^-Reihen, Landwirt Adam Schmitt-Daisbach, urd Verw.-Äfiistent Rasig als Protokollführer, hat folgende Preise zuerkannt: 1. Sammlungen von Einzelzüchtern. Rudolf Schmutz, Gutspächter, Bockschaft (6 Pferde) 50 Mk. Stuten m't Fohle». 1. Adam Horn, Adersbach-Rauhof 25 Mk., 2. Georg Kaufmann, Daisbach 25 Mk., 3. Georg Voll, Reihen 25 Mk.. 4.Iofef Appenzeller, Grombach eine Ehrengabe von 20 Mk., 5. Wilhelm Flach, Sinsheim (Immelhäuserhof) eine Ehrengabe von 20 Mk., 6. Johannes Huber, Hilsbach eine Ehrengabe von 15 Mk., 7. Ludwig Salzgeber,Daisbach eine Ehrengabe von 15 Mk., 8. Jakob Engelhardt, Hoffenheim eine Ehrengabe von 15 Mk. 3. Stuten ohne Fohlen. Je einen Freideckschein erhielten: 1. Heinrich Karrer, Reihen, 2. Friedrich Kaufmann,Daisbach-Ursenbacherhof (für 2 Stuten), 3. Theodor Barth, Reihen, 4. Friedrich Lader,Reihen, 5. Friedrich Speer, Dühren, '6. Johannes Huber, Hilsbach. 4. Für gutes Borführen erhielten eine Ehrengabe von je 15 Mk.: l. Heinrich Karrer, Reihen, 2. Theodor Barth. Reihen, 3. Friedrich Lader, Reihen. s Sinsheim» 30. Sept. (Konzert.) Anläßlich des 5 jährigen Bestehens des Arbeitergesangvereins „Bolkschor" findet, wie wir bereits mitgeteilt haben, am Sonntag, den 2. Oktober, nachmittags im neuen Saale des Gasthauses zum Stadtpark ein Konzert unter Mitwirkung auswärtiger Arbeitergesangvereine statt. Das reichhaltige Programm verspricht den Zuhörern in allen Teilen gerecht zu werden. Abends schließt sich eine gesellige Unterhaltung mit Tanz an, wozu jedermann hcrzlichst eingeladen ist. Näheres siehe Inserat in der Samstag-Nummer» * Sinsheim, 30. Sept. (Wettervoraussage für Oktober.) Der Wetterkundige A. M. Grimm schreibt uns folgendes: Der Oktober ist vorwiegend trocken und im allgemeinen schöner als fein Vorgänger, bringt aber etwas wechselndes Wetter bei mäßiger Temperatur mit vielen Winden, die teils zu Stürmen anwachfen. Die Bewölkung ist ziemlich wechselnd, doch gibt es sehr viele heitere Tage mit langer Sonnenscheindauer. Die Fünftageperioden gestalten sich ungefähr folgendermaßen: 1. bis 5.r schön aber unbeständig, 5. bis 10.: schön und warm mit gelegentlichen Störungen, 11. bis 15.: veränderlich mit wechselnder Bewölkung und mäßigen Winden, 16. bis 20.: veränderlich mit Wind und Regen, 21. bis 25.: angenehmes warmes Wetter, zeitweise Dunst und Nebel, auch Regen, 26. bis 31.: im allgemeinen schönes Wetter mit schwachen Störungen." t Waibstadt, 29. Sept. (Eingesandt) wurden uns folgende Ausführungen aus der Leferfchaft: Die hiesige Stadtki che wird z. Zt. renoviert. Bekanntlich besitzt die hiesige Gemeinde eine der schönsten Kirchen im Elsenztal. Stolz erhebt sich die Kirche in gotischer Bauart — der Turm ist ungefähr 65 Meter hochf Bis ungefähr 45 Meter Höhe ist die Kirche mit einem Gerüst umgeben. In dieser Höhe befindet sich die Galerie. Einige hiesige junge Burschen zum Teil aus angesekenen Familien erprobten ihre akrobatischen Fähigkeiten an dem Gerüst und es gelang ihnen auch, die Galerie zu ersteigen. Sie verunreinigten .die Galerie, indem sie dieselbe als Elosett benutzten. Es wäre zu wünschen, daß derartige Schmutzereien mit einer exemplarischen Strafe belegt würden. ^ Eichtersheim, 29. Sept. (Erntebcricht.) Die Ungunst der Witterung macht sich für die hiesigen Landwirte sehr fühlbarz Das meiste Oehmd wurde zwar während der guten Witterung eingebracht — was noch im Freien ist, kann bald als verdorben betrachtet werden — doch naht nun auch die Kartoffel- und Tabakernte. Nur schwer können die Landwirte die F: ächte des Feldes einbringen. Berging doch bisher selten ein Tag, ohne daß es regnete. So entspricht die Kartoffelernte nicht den Erwartungen. Die Kartoffeln faulen bei dem Regenwetter schon auf dem Felde. Auch für den Tabak bedeutet die ungünstige Witterung einen Schaden; denn nun muß er getrocknet werden. Ein Frühlingstraum. 39) Eine^Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. ^in Böhnchen war beim Großpapa, der sich frei »aß die Tochter feit einem Vierteljahr wieder in der St und zwar als „Frau Hauptmann" weilte. — Sn war W allein, und er überließ sich einem Versenken in hie Vergl genheit, was höchst selten geschah, da er daran mahnende l danken mit Gewalt unterdrückte — es tat nicht gut! ue vier Jahre war er nun schon verheiratet — und nichts Enttäuschung hatte ihm seine Ehe mit Ella gebracht, hatte ihr oberflächliches, genußsüchtiges Wesen immer m, kennen gelernt, und seine vornehme Natur fühlte sich zurr gestoben von der niedrigen, gewöhnlichen Gesinnung sei, Frau, die immer mehr zutage trat, je länger sie verheira waren. Bald hatte er erkannt, daß das, was er bet Gabri für innige Liebe zu ihm hielt, nichts weiter als heiße, fla mende Leidenschaft war. die dem schönen Mann, dem gli zenhen Offizier galt. Er war redlich bemüht, ihr ein guter urd liebsvol Gatte zu sein, da sie ein Recht darauf hatte, aber es war schwer; ihren Charakter konnte er nicht umformen, und kam es, daß die beiden sich innerlich so fern waren, wie n * e , 6an * sremde Menschen sein können. Nicht ein» r?f «°c nt5 i n ' baS f* e im ersten Jahre ihrer Ehe < eu * . 1 e öw Gatten einander näher — ihr war es < mSfirWelligen Leben, das sie so sehr lieb wahttnd es ihm ein Trost seiner Einsamkeit war. Voll t damals am Bett seiner Frau nied, ^^'Et und hatte dankbar ihre weiße Hand geküßt, die Br voll heiliger Borsaye — aber sie konnten vor ihrer Lciü seifigkeit nicht stand halten. Kaum genesen, stürzte sich C briele wieder in den Strudel der Geselligkeit - sie konr nun einmal nicht ohne Bewunderung leben; versagte t dies der Gatte, nun, so nahm sie von anderen den Trib hin, der ihrer Schönheit gebührte,-die schöne Frau v kLolfsburg war die gefeiertste Dame der Stadt. Wenn stch auch nichts vergab, so war doch ein Etwas in ihrem B, nehmen, das nicht iady-like war — die angeborene Boi nehmheit, der Herzenstakt, fehlte. So war ste auch eine elj riöe Radfahrerin, und wenige Damen kamen ihr an Aul dauer gleich — ste betrieb diesen Sport nicht allein aus Bei gnügen, sondern auch aus gesundheitlichen Rücksichten — si wollte nicht stärker werden, da sie sehr dazu neigte; deshal sah sie jeder nur einigermaßen schöne Tag auf dem Radi was zur Folge hatte, daß die beiden Gatten sich kaum ein mal mittags sahen, wenn sie, was oft geschah, auf einer grö Heren Tour sich befand. Um ihren Hasso kümmerte sie sie wenig; ste hatte für ihn ein zuverlässiges Ktnderfräulei, verpflichtet; was dem Kleinen an ^Mutterliebe abging, er setzte der Vater durch doppelte Zärtlichkeit. Das Kind wcr sein alles; mit abgöttischer Liebe hing er an dem kleine« klugen Kerl, so daß Ella oft eifersüchtig auf ihr eigenes Kini a ?* e . Eifersucht hatte sie noch nicht abgelegt, um sie quälte damit ihren Garten auf unerträgliche Weise, trotzt dem nicht der geringste Grund dazu vorlag. Wolf war fehl unglücklich; in maßgebenden Kreisen wurde wenig günstkj über seine Frau gesprochen; sie war wenig beliebt, dal wußte er genau, wenn man es ihm auch nicht entgelten ließ Wolf machte ihr genug Vorstellungen über ihre Art uni Weise; es gab heftige Szenen — und trotzdem versuchte ei Wolf immer wieder mit großer Geduld, ihren Sin» für Häuslichkeit zu wecken. Er fühlte stch seiner Frau gewifler- maßen schuldig, weil er ihr keine Liebe geben konnte — Mar- rys Bild lebte in unveränderter Weise in seinem Herze« fort — deshalb war er auch so nachsichtig. Aber auch dal wirkte nicht. Lv trieb sie zum Beispiel einen fast unerhörten Toilettenluxus, worüber viel gesprochen wurde Eine« Tages hatte er ihr hierüber Vorstellungen gemacht, worau, ste ihm kaltlachelnd erwidert hatte: „Was willst Du? Wal geht es Dich an? Bezahlst Tu e» etwa? Papa pibt mi, mein Nadelgeld, und damit mache ich, was ich will! Alles was Du mir geben kannst, reicht ja kaum hin-, meinen Bedarf an Handschuhen zu decken! Es macht mir eben Freude, mich gut anzuziehen. Dir ist es ja gleich, wie ich ausseh« -Du liebst mich nicht mehr, hast mich überhaupt nie ge. liebt!" Das war ihr ständiger Refrain; Wolf erwidert nicht darauf, sondern stillschweigend ging er hinaus — eil weiteres Wort von ihm hätte den Auftritt verschlimmert und nichts war ihm verhaßter. Dann hatte sie wieder ihre Tage, an denen ste ihren Gai ten mit Zärtlichkeiten überschüttete; ihm waren solche Aus brüche zuwider; er sagte aber nichts, sondern duldete st schweigend. Er küßte sie dann auch wieder und benutzte ihv Stimmung, ihr bas Versprechen abzunehmen, häuslicher zi werden. Davon wollte sie aber nichts hören. „Tu bist eil Pedant, ein Philister! Statt daß Du Deine junge Frai ausführst, verkriechst Du Dich hinter den Ofen! Geh, Wolj das ist nicht hübsch von Dir!" — Es war eben alles verge bens! Gabriele hatte durch ihre Heirat mit einem Osfiziei aus altem adeligem Geschlecht eine bevorzugte Stellung gewonnen, die sie auch auszunutzen verstand. — Wolf seufzte tief auf. Wie anders hatte er sich seine EH> vorgcstellt! Manchmal glaubte er, verzweifeln zu müsien wenn er über alles nachdachte — dann stürzte er stch mit neck größerem Eifer in seine Arbeiten, die ihm schon einen Na, men gemacht hatten, damit er wenigstens für Stunden Ver, gessen fand. Und dann quälte ihn auch der Gedanke av Mary — er hatte nie wieder etwas von ihr gehört. Und nun wurde die Erinnerung doppelt lebendig in ihm, seit er wieder in der Stadt war, in der er ^'t seinem Lieb so selig» Stunden verlebte. Bei Bergers dem Friedhof war er auch einmal gewesen; aber sie wußten ebenfalls nichts. Ab und zu bekamen sie einen kurzen Gruß von ihr; aber den genauen Aufenthalt kannten sie trotzdem nicht, da die Karten stets den Stempel der Bahnpost trugen. — Sie lebte — bas war alles, was er wußte. Die Uhr auf dem Kamin schlug sechs; es war Zeit, wette, zu arbeiten und dadurch die Gedanken an die Vergangenheit zu bannen. Wolf drehte bas elektrische Licht auf und ver. tiefte sich wieder in seine Arbeit. Da klopfte es; der Diene, trat ein, eine Karte in der Hand. „Der Herr wünscht dem Herrn Hauptmann seine Aufwartung zu machen." - & • 7 ’ m F Nr. 189. Jahrgang 1927. D« Landbote * Sinsheim» Iettmrg. Freitag, den 30. September 1927. eEtwa 14 Tage gutes Wetter würden genügen, damit die Land' wirte ihre Produkte noch in gutem Zuftano einbringen könnten. cf Michelfeld, 29. Sept. (Verschiedenes.) In der letzten -Bürgerausfchußfitznng - wurde der Voranschlag 1927—28, nachdem er schon zweimal zurückgewiesen worden war, unverändert mit r £7 gegen 1 Stimme angenommen. — Dem Karl Jakob Schleweis wurde ein Baudarlehen von 1200 RM. bewilligt. — Das diesjährige Obsterträgnis der Gemeinde betrug.2 525,60 RM- cf Reihen, 29. Sept. (Dortrag.) In gut besuchter Versammlung im Löwensaal sprach gestern Herr iKreisobstbau-Inspektor Drucker-Heidelberg über Mostbereitung und Mostbehar.dlung. Herr Wengenroth eröffnete die Versammlung und begrüßte den Redner, der sofort das Wort ergriff und einen von großer Sachkenntnis durchdrungenen Vortrag hielt. Gerade auf dem Gebiet der Mostzubereitung liegt vielfach noch viel im argen und Unkenntnis hierin hat schon sehr viel zugrunde gerichtet. Anschließend gab der Redner noch Ratschläge zur Verpackung des Obstes und forderte, daß nur Qualitätsobst angepflanzt und auf den Markt gebracht werden sollte, um so die ausländische Konkurrenz, die erschreckend sei, auszuschalten. Die anschließende rege Diskussion bewies, welch großes Interesse der Sache entgegengebracht wurde und wurde der Wunsch rege, daß noch recht oft solche belehrenden Vorträge gehalten werden mögen. Zu vorgerückter Stunde konnte nach Worten des Danke« an Herrn Brücker seitens Herrn Privatier Karolus die wshlgelungene Versammlung geschlossen werden. =t= Hilsbach, 29. Sept. (Verschiedenes.) Gemeinderat und Landwirt Wilhelm Oswald konnte dieser Tage eine Dickrübe von 17 Pfund ernten. — Emma Schmitt und Kätchen Oswald sind vor einigen Tagen nach Amerika ausgewandert. )( Rauenberg, 29. Sept. (Frühherbst.) Dieser Tage wurde hier der diesjährige Frühherbst eingebracht. Quantität und Qualität der Frühtrauben waren hier zum größten Teil besser als im Frühherbst des Vorajhres. Dies wird keineswegs auch bei den Spättraube« zutreffen, die durch das anhaltende Regemvctter der letzten Wochen sehr viel gelitten haben. Durch den Regen wurden sie dürr, d. h. sie wurden von der sogenannten Lederkrankheit befallen. Es wäre nur zu wünschen, daß das jetzige warme Wetter noch einige Tqge anhalten würde, andernfalls müßte bei eintretender Witterungsverschlechterung schon zu Beginn oder am Ende der nächsten Woche mit dem allgemeinen Herbst gerechnet werden, da sonst nur eine Verschlechterung der Qualität und eine Verringerung der Quantität eintrcten würde. Inzwischen werden von den Weinbergsbesitzern schon die Vorbereitungen für den Herbst, wie das Ordnen und Nachprüfen der Zuber, Butten und Fässer, vorgenommen. Reichartshause», 30. Sept. (Festgottesdienst.) Am kommenden Sonntag, nachmittags 2 Uhr findet in unserem Hclden- hain anläßlich des Geburtstages Hindenburgs ein Fcstgotiesdienst statt, wozu Gäste auch von auswärts herzlich willkommen sind. Reckargerach, 29. Sept. (Verbreiterung der Neckartal- straße.) Zwischen Zwingenberg und Binau werden seit Anfang August umfassende Arbeiten zur Verbreiterung und Instandsetzung der Neckartalstraße durchgeführt. Beim Bau der Straße in den Mer Jahren wurde die Straße ziemlich schmal angelegt und mit Obstbäumen verpflanzt. Der stark angewachsene Autoverkehr brachte es mit, daß dieser Zustand nicht mehr länger tragbar wap. Im vorigen Sommer wurde die Strecke Dicdesheim-Binau um einen Meter verbreitert- die eine Reihe der Obstbäume mußte geopfert werden. Dieses Jahr kamen Teilstrecken zwischen den obengenannten Ortschaften zum Ausbau. Die starke Abnützung der Straße bedingte ebenfalls eine Neubeschotterung. Angenehm wurde während des Sommers die Teerung der Straßenteile innerhalb der Ortschaften empfunden. () Obrigheim a. R.» 29. Sept. (Die Tabakernte) ist hier beendet. Der Ausfall ist quantitativ und qualitativ zufriedenstellend. x Eberbach» 29. Sept. (Verschiedenes.) Am Dienstag, Mittwoch und am Donnerstag veranstaltete die apologetische Zentrale der Bad. Landeskirche in Eberbach einen Kurs, in dem grundsätzlich Fragen der evang. Kirche, vor allem von Geistlichen und Theologen behandelt wurden. Die Teilnehmer, etwa 50, wurden durch Vermittlung des Berkehrsvereins in Gasthöfen uMergebracht. Der Kurs wurde am Dienstag im hiesigen erang. Gemeindehaus mit einer gottesdienstlichen Feier eröffnet, wobei nach einer Ansprache des früheren Prälaten Smitthenner Prof. Dr. Weckener (Karlsruhe) über „Die ökumenische Bewegung" sprach. — Die langjährige Präsidentin des hiesigen Frauenvereins, Frau Bürgermeister Dr. Weiß, ist nach 14- jähriger Amtstätigkeit aus dem Verein ausgeschieden. Besonders durch die Kriegsjahre hindurch, hat sich die Scheidende im Fürsorgewesen recht verdient gemacht. Ein schönes Blumenangebindq wurde Frau Dr. Weiß vom Verein überreicht. s Wimpfen, 30. Sept. (Letzte Beleuchtung der Stadtsilhouett«) Anläßlich der Einweihung der Hindenburgbrücke am nächsten Sonntag findet für dieses Jahr die letzte Beleuchtung der Stadtsilhouette, verbunden mit Feuerwerk und Beleuchtung der Hindenburgbrücke statt. Die Anschlußmöglichkeiten Richtung Heidelberg sind folgende: Sonderzug über Sinsheim, Wimpfen ab 19.57 Uhr. Personenzug Neckarelz, Offenau ab 21 2 Uhr. , ** Mannheim, 30. Sept. (Ein Verbrechen?) Am Tonnerstag der vergangenen Woche wurde der als vermißt gemeldete 20 Jahre alte Kaufmann Georg Uebel von Nutz- dorf bei Worms als Leiche aus dem Rhein geborgen. Uebel, ber hier in Stellung war und in guten Verhältnissen lebte, wurde seit Sonntag, den 25. September, an welchem Tage er bei seinen Eltern weilte, vermißt. Tie in Worms gelandete Leiche konnte bekanntlich nicht iöentiftzert werden, weil man bei ihr keine Ausweispapiere oder sonstige Er- kennungszeichen vorfanö. Ta Uebel mit seinen vorschriftsmäßigen Papieren in der Brieftasche, in der er auch Geld sich von zu Hause entfernte, ist der Verdacht eines Verbrechens nicht vo» der Hand zu weisen. Uebel war auch im Besitze einer Uhr und sonstiger Gegenstände, die nicht bei ihm gefunden wurden. Z* Heidelberg, Zg gept. (Reichskanzler a. D. Dr. Wirty in Heidelberg) Tr. Wirth ist gestern nachmittag, von Lu- gano kommend, in Heidelberg eingetroffen, wo er heute im »Grand Hotel mit seinen Freunden die angekündigte Besprechung über die Schulsrage abhält. Wie das »Heidelberger Tagblati Hort, befinden sich unter den Herren, die mit Dr. Wirth verhandeln, neben badischen Vertretern des Zentrums der Reichstagsabg. Ivos. Frau Reichstaqsabg. Teusch- Köln und Geistl. Rat Dr. Müller, München-Gladbach. ** Unterneudors, bei Buche«, 30. Sept. lUnfall.) Ein Landivrrt aus Stürzenharöt wollte mit seinem Rade den steilen Abhang von Bucken her zur Kapelle passieren, ver- lor aber dabei die Herrschaft über das Rad. Sein Zustand soll bedenklich sein. __ ** Höpfingen. Amt Buchen, 30. Tept. (Unfall.) Die 7? Fahre alte Frau Marie Hoffmann stürzte beim Milch- yolen eine Treppe hinunter und blieb mit gebrochener Wirbel,aule bewußtlos liegen. Am anderen Tag starb sie an ^"^rlittenen Verletzungen. ** Untergrombach, 30. Sept. (Unfall.) Der verheiratete fi.!L Urf m 0lier Josef Etzkvrn stürzte von einem sechs Meter yoyen Gerüst herunter und erlitt erhebliche innere Verlesungen. ** Bruchsal, 38. Sept. (Der neue Weinpreis.) Der neue Weinpreis für Portugieser in hiesiger Stadt beträgt 78 bis 80 Mark pro Hektoliter, für Hybriden 100 bis 420 Mark. Beides je nach Lnralität. ** Karlsruhe, 38. Sept. (Ein japanischer Tempel für den Stadtgarten.) Ein japanischer Tempel mit zwei mächtigen Steinlöwen, der im Karlsruher Stadtgarten zur Aufstellung kommen soll, ist nunmehr nach langer Fahrt aus Japan angekommen. ** Karlsruhe, 38. Sept. (Unfälle.) Durch Bruch eines Debebalkens stürzte ein verheirateter Maurerpolier 6 Meter Ach vom Gerüst eines Neubaues herunter. Er erlitt schwere Verletzungen am Kopf und im Gesicht. — Etn 73 Jahre alter Mann wurde beim Ueberqueren der Durlacher Allee van einem ans Richtung Durlach kommenden Motorradfahrer angefahren, zu Boden geworfen und am Kopf und Unterarm verletzt. Der Motorradfahrer fuhr weiter, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. ** Aarlsr«he, 29. Sept. (Karlsruher Schöffengericht.) Unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit verhandelte das Schöffengericht heute gegen den jetzt 63 Jahre alten verheirateten Handformer Josef Tillmann aus Ettlingen, der angeklagt war, im Mai vorigen Jahres sich an einem noch nicht 14 Jahre alten Mädchen in unsittlicher Weise vergangen zu haben. Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde er zu sieben Monaten Gefängnis abzüglich vier Wochen Untersuchungshaft verurteilt. — Weiterhin wegen Sittlichkeitsverbrechens erhielt der 89jährige „Wunderdoktor" und Kräutcrsammler Ludwig Hatzler, wohnhaft in Wiesental, acht Monate Gefängnis abzüglich vier Wochen Untersuchungshaft. ** Oberndorf. Amt Rastatt, 30. Sept. (Milchfälscher.) Der ledige Schlosser Anton Maier von hier wurde wegen Milchfälschung zu 3 Wochen Gefängnis und einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. ** Schiltach, 30. Sept. (Ertrunken 1 Das eineinhalbjährige Söhnchen des Landwirts und Weinhändlers Georg Weber fiel in einem unbewachten Augenblick in den hart am Hause vorbeifließenden ehemaligen Sägekanal der früheren Säge an der Vachstraße und ertrank. ** Binzge«, bei Waldshut, 30. Sept. (Straßenbauprojekt.» Ein schon lange ersehntes Straßenbauprojekt soll seiner Erfüllung entgegengehen. Die Straße soll so gebaut werden, daß sie sich an die von der Stadt Laufenburg projektierte Straße angliedert. Sie zieht dem Binzger Loch entlang und wird dann am Enzenbach in das Dorf einmünden. Später wi.d eine Verlängerung dieser Straße die Einmündung in die wichtige Berkehrsstraße Murg—Hän- ner—Hottingen bringen. Somit wäre für uns der Hotzen- wald erschlosien. Man hofft, daß mit den Vorarbeiten begonnen werden kann. ** Schwenningen. Amt Meßkirch, 30. Sept. (Silbermünzenfund.) Hier wurde kürzlich eine alte Silbermünze gefunden. Es handelt sich dabei, wie das badische Münzkabinett feststellte, um einen Denar oder Pfennig des deutschen Königs Ludwig das Kind 900—911). Es sollen derartige Silberstücke auf badischem Gebiet noch nicht gefunden worden sein. ** Singe« a. H„ 30. Sept. (Todesfall.) Im Singener Krankenhaus starb der Landwirt Johann Probst von Ducht- lingetz. Probst wurde während der Arbeit von einem giftigen Insekt am Kopfe gestochen, was den Tod des Mannes zur Folge hatte. — Ferner starb in der Klinik in Tübingen der in der hiesigen Ftttingsfabrik beschäftigt gewesene verheiratete Arbeiter Franz Dietmann aus Ruhestetten an den Folgen einer Gehirnerschütterung. ** Singe« a. H„ 30. Sept. (Spinale Kinderlähmung.) Hier ist ein Fall spinaler Kinderlähmung konstatiert worden. Alle Vorsichtsmaßnahmen gegen Ausbreitung sind getroffen. ** Oppenheim, 30. Sept. (Verkauf einer Brennerei durch die Zollbehörde.) Die bekannte Kloster-Brennerei Maria- cron, die vor einigen Monaten wegen großer Spritschiebungen geschlossen und deren Besitzer Nödling verhaftet wurde, wird durch das Hauptzollamt Mainz zum Verkauf ausgeschrieben. Die Brennerei ist neuzeitlich eingerichtet und hat Kellereien mit zwei Millionen Liter Fassungsver- mögen. ** Nennkirche«, 80. Sept. (Tod des Nestois der pfälzischen und bayerischen Lehrerschaft.) Der älteste Lehrer der Pfalz und ganz Bayerns, Lehrer a. D. Peter Ehristman», ist im Alter von 95 Jahren rasch verstorben, nachdem er noch bis in die letzten Tage sehr rüstig war. ** Darmstadt, 30. Sept. (Der Messtngkäfer in Darmstadt.) In einem Hause der Grafenstraße wurde der Messingkäfer festgestellt. Eine Frankfurter chemische Firma hat die Ausräucherung des Hauses mit Blausäure übernommen. Das Haus wird von den Bewohnern verlassen, während sämtliche Gegenstände, Möbel usw. darin verbleiben. Nachdem der Messingkäfer in Büdingen und Heidelberg aufgetreten war und jetzt auch in Dormstadt festgestellt wurde, liegt die Vermutung nahe, daß dieses gefährliche und alles zerstörende Insekt sich auch noch an anderen Plätzen aufhält. ** Saarbrücken, 30. Sept. (Für Aufhebung der Grußpflicht.) Die Beamtenverbände des Saargebietes haben an die Regierungskommissio» eine Eingabe gerichtet, in der sie darauf Hinweisen, daß jede Voraussetzung für die Grußpflicht der Polizeibeamten gegenüber den Offizieren der Bahnschutztruppen fehlt. Tie Saar-Regierung wird deshalb gebeten, die Grußpflicht wieder aufzuheben. ** Dettingen, OA. Rottenburg, 29. Sept. In der letzten Woche verunglückte Hirschwirt Gottfried Fischer, indem er beim Aufräumen der Strohgarven durch das Scheuerloch auf die Tenne herabstürzte. Zum Glück fiel er auf die Füße und schlug seinen Kopf auf eine Strohgarbe, die seine Frau eben wegnehmen wollte. Bei seinem Sturz streifte er seine Frau, die fast auch noch schwer verunglückt wäre, wenn sie von dem herabstürzenden Mann getroffen und niedergeschlagen worden wäre. Der rechte Fuß ist schwer verletzt und scheint stark zersplittert zu sein,- er war nach dem Sturze nach hinten gekehrt und mutzte durch den Arzt nach vorne gedreht werden. Auch das Rückenmark ist etwas in Mitleidenschaft gezogen worden. ** Malmsheim, OA. Leonberg, 29. Sept. Dieser Tage kam die 53jährige Frau des Totengräbers Krämer auf erschütternde Weise ums Leben. Beim Essen einer Birne auf dem Felde blieb ihr ein Stückchen in der Luftröhre stecken. Trotz der sehr eifrigen Bemühungen ihres Mannes und der herbeigerufenen Leute, den Brocken herauszubekommen, ist die Frau »stickt. ** Balingen, 29. Sept. Am Montagabend spielten drei Kinder auf dem weggeschwemmten Gehsteig auf der Au. Plötzlich fiel das fünftährige Söhnchen des Maurers Buck rücklings in die noch ziemlich hochgehenöe Eyach und versank. Die Leiche konnte noch nicht geborgen werden. ** Margrethanse«. OA. Balingen. 29. Sevt. Das zwei Jahre alte Kind des Zimmermanns Jakob Leibold fiel in die Eyach. Da diese zur Zeit viel Waffer führt, wurde das Kind von den Wogen fortgerissen und konnte erst nach langem Suchen im Wehr der Lautlinger Mühle als Leiche gefunden werden. Totschlag im Irrenhaus. Sigmaringe», 30. Sept. In der Jrrenabteilung des Landeskrankenhauses wurde ber 62 Jahre alte Johann Scheiter aus Stein bei Hechingeu von dem 30jährigcn, im gleichen Schlafsaal im Nebenbette untergebrachten Sebastian Kernler aus Hansen a. H. erdrosselt. Der Täter hat seinem Opfer das Hemd in den Mund gestopft, weil er durch das Schnarchen seines Nachbarn um seine Ruhe kam. Bon dem Vorfall haben die übrigen im Saal schlafenden Personen nichts vernommen. Weizen, inländischer 27,00—27,50 Weizen, ausländisch. 30,25—32,50 Roggen, inländischer 25,50 Roggen, ausländ. 25.75—26,00 Braugerste, inländ. 26,50—28,50 Hafer, inländischer 21,50—23,00 Hafer, ausländischer 24,00—25,00 Weizenmehl 0>p. 0 39,50 Roggenmehl 70«/o 34,00-36,25 I Raps Tendenz: stetig. Mais (mit Sack) . Weizenkleie m. Sack Biertreber mit Sack Roh-Melaffe . . Wiesenheu . . Luzernekleeheu. . Preßstroh . . Gebundenes Stroh 19,75 13,00 16,50-17,00 7,20-7,80 8.80- 9,80 4,40-4,80 3.80- 4,20 3b,00 Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 29. September 1927. Anleihe«: t» Wo 55,15 15,60 Ablösungsfchuld mit Auslosungsschetn ohne Auslosungsschein . Bankaktie: in »/» Bad. Bank .... — Darmstädler- und Rakionaibank 228 Deutsche Bank .... iMs DeutscheBeretnsbank . lc4 Dresdner Bank . . 16 O Mitteldeutsche Kreditbank . — Retchsbanl . . . . IjO Rhein. Kreditbank . . .iss Südd. Ttsconto (Sei. 142 vergmerka» Aktie« in °io Harpen er Bergbau . . 197,25 «alt Westeregel» . . .182 ManneSmannröhrenwerke. . 108,10 Mansseider Bergb. u.Hütteuw . 128 Oberschi. Eisenb. Bedarf . . 105 Phönix Bergbau «.Hüttenbetrieb 108,25 Salzwerl Hetlbronn . . — vereinigte Königs- Laurahütte 80,50 Aktie« i»k«ftr. N»terneh««»,e»: in 0/0 Allg. Eleftr. Stammaktien . 182 Badenta Wein beim . . — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen.Durlach . U9,k0 Geld Brief Rew-Uorl l Dollar 4 1972 4.2052 London 1 Psnnd 30.424 20 484 Holland 100 Gulden 168.29 168.63 Schweiz 100 Franes 80.92 81.03 Wien 100 Schilling 59.23 69 35 Daris 100 siraucs 14.463 Ih.608 Italien N>0 Lire 23,93 22.87 ms Mannheimer Kleinviehmarkt. Dem Kleinviehmarkt am Donnerstag waren zugetrieben: 106 Kälber, 30 Schafe, 175 Schweine, 574 Ferkel und Läufer. Bezahlt wurdcn pro 50Kilo Lebendgewicht in Reichsmark: Kälber 80—84 74—78 64-70 — ; Schafe 42-49; Schweine 73-74, 73—74, 73 bis 74, 72—73, 70-71, 64-68. — ; Läufer und Ferkel 17 bis 26, Reichsmark pro Stück. Marktoerlauf: mit Kälbern mittelmäßig geräumt: mit Eckwcinen ruhig, langsam geräumt: mit Ferkeln und Läufern mittelmäßig. Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 29. September 1927. Preise verstehen stch per Ivo kg alles in Reichsmark zahlbar Eementwerk Heidelberg — Daimler Motoren . . . >18,75 Dtsch. Gold- und Silberscheide rio Elektr. Licht und Kraft . . 215,25 Einatll. und Stanzwerk Ullrich ?g Farbentndusirte . . . 205,50 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . i lr,50 Karlsruher Maschinen . . 2s°/s Knorr Hetlbronn . . - 173,50 Mainkrastwerke Höchst . . t2i Reckarfulmcr Fahrzeuawerke . 11 1,50 Schlickert Elektr. Nürnberg . — Seiltndustrie Wolfs ... 93 Südd. Zucker . . . . 13» Zellstoft Waldhof Ilammaktien 3i0 Aktie« deutscher Transportaostalte»: in Bo Hamburg. Amerih. Paketfahrt 149,50 Heidelberger Straßen» u. Bergbahn «d Norddeutscher Lloyd . . 149,75 Devise«: Wetterbericht. Karlsruhe 29. Sept. Im Bereich beö stch über dem Festland ausbreitenden Hochdruckgebiets hatte Baden gestern vorwiegend heiteres Wetter mit Frühnebel. Der Südschwarzwald hat zum Teil noch leichte Niederschläge erhalten. Ter Sturmwirbel nördlich England wird uns kaum beeinflussen. Wir können daher noch mit Fortdauer des schönen Herbstwetiers rechnen. Wetteranssichte« für Freitag: Ziemlich heiter, tagsüber warm, örtliche Frühnebel. Das „Hoch" in Südwesten dehnt sich weiter über Mitteleuropa aus, so daß eine Reihe herbstlich schöner Tage zu erwarten ist. Samstag: Meist heiter, trocken, Nacht kühl. Tag ziemlich warm. — Sonntag: keine Aenberung. ^ Radio - Programm ) für Samstag, den 1. Oktober 1927. Berlin (483), Königsnmsterhaustn (1250). 20.30 Uhr: Blasor- chefierkonzert. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Breslau (322). 20.00 Uhr: Wiener Operetten Bilderbogen. Frankfurt (428). 15.30 Uhr: Jugendstunde. 16.30 Uhr: Konzert, Ioh. Brahms. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.30 Uhr: Der Briefkasten. 19.00 Uhr: Borträge. 20.30 Uhr: Bunter Abend. Anschl.: Tanzmusik. Hamburg (394). 20.00 Uhr: „Lumpenmädel", Operette von H. Platten. .Königsberg (329). 20.15 Uhr: Hessische Heimatdichtung. 21.00 Uhr: Cemballo-Konzert. Anschl.: Tanzmusik. Königswusterhansen (1250). 20.30 Uhr: Uebertragung «Frankfurt. Langenberg (468). 20.20 Uhr: Köln: Lustiger Abend, mit Franz Baumann. Leipzig (365). 20.15 W)r: Aus dem Schaffen von Anton Dvorak. 21.15 Uhr: Lachen im Herbst. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535). 19.00 Uhr: Bunter Abend. 22.30 Uhr: Tanzmusik. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 14.00 Uhr: Kinderstunde. 15.00 Uhr: Unterhaltungskonzert. 18.15 Uhr: - Borträge. 20.15 Uhr: Kammermusik-Abend. 21.15 Uhr: Funkbrettl. Daventry-Experimenial (491). 20.00 Uhr: Tanzmusik. 22.15 Uhr: Kammermusik. Daventry (1600), London (391). 13.00 Uhr: Lunchmusik. 17.15 Uhr Kinderstunde. 18.00 Uhr: Orchesterkonzert. 18.45 Uhr: Schubertlieder. 19.15 Uhr: Orgelkonzert. Paris (1750). 12.30 Uhr: Konzert. 16.45 Uhr: Tanzmusik. 20,30 Uhr: Bunter Abend. Me» (517). 19.15 Uhr: „Der Diamant des Geisterkönigs." Anschl.: Tanzkonzert. Zürich (588). 20.00 Uhr: Eröffnung des neuen Studios. 20.40 Uhr: Schweizer Liederstunde. Prag (348). 19.30 Uhr: „Polenblut", Operette ron Nedbal. E. Schick» Uhrmachermeister. Sinsheim 0. E. Dr.Seibt-Bertreter — Laaer in Telefunken - Röhren, Anoden - Baltei len — Sämt Itchen Ersatzteilen, Barta-Aklumulawren-Ladestatlon. — Del.son 19. I I Nr. 189. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. Freitag, den 30. September 192?. j§ Täglich Naueingängei GrüBte Auswahli Besichtigung gerne gestattetl AuswahlsendungenI Die neue Mode in lillliUlilllillillillllllllillilllllilllllllllllllillllMlilllüllililiiiilliilllliillllllliillillilUlllllllllllllill Fachkundige Bedienung I MaBanferttjung! Änderungen in eigenem AteHerl Besondere FfauengrBBenl Damen-, Mädchen-, Kinderkonfektion illliiiillllllllilllllilliiililllllllllllllillliiilllllilllllllillililllllllilillllliltlllilllil!llillUlilillllllillllilllillll!lllllllliil!lll!lil!illilllllllillil!l!lllliiiIlllililillllilllillllilil!IIIlilllilllliillilfflHllllllllilllll!linilliilllililitililllliilliUilllilllilUllililll||!ilil!l!!ii||iiili||||l|liMi:il!llllilIiillillilliiiW für Herbst und Winter zeigen zur Saisoneröffnung meine Schaufenster und Innenabteilungen in hervorragender Auswahl, tadelloser Verarbeitung u. Paßform in jeder Preislaga. Besonders preiswerte Mäntel llllllllllllllllllilllilllillilllllilllllillillillliii!lillllllill!illlillilliinnilliinillllilllillllllllllllllllillililllil!lttlil!liliiiilii!l!lllHi!iilllllllDlillllilillllllllilllllliil]lllll Mgilffil Flausch iu verschiedenen Farben ndlllel Kragen mit Plüsch-Einsatz . . . KM englisch gemusterter Stoff, flotte Sportform. Mantel reiowoll. Velours de laine niuiel mit vollem Pelzkragen*. Menfel Ottomane-Rips mit nauwl elegantem Pelzbesatz. Msnfftl * a ’ Velours de laine nanwi mit Pelzkragen, ganz gefüttert . . englisch gemustert, mit Pelzkragen ganz auf reiner Seide .... schwarz Tuch, solide Frauenform, besonders preiswert. schwere Tuchware, schwarz und farbig, große Frauengrößen . . . Hantel Mantel Hantel 16.50 24.50 37.50 .42.- 59.- 68 .- 27.50 37.- Astraclianniantel Krinmantel Sealmantel schwarz, ganz gefüttert, sehr tragfähig .... sehr elegant, ganz gefüttert, besond. dauerhaft 120 cm lang, Frauenform best, verarb. Ia. Schnitt Ia. Qualität Hiedick ganz auf Damassd gefüttert Flausch mit hübschem Plüschbesatz, 95 cm lang Flausch, einfarbig mit Plüschkragen,in allenGröß., 60 cm lg. englisch gemusterter Stoff, sportm. verarbeitet, 60 cm lg. Ia. Lammfell, gefüttert, in weiß und farbig. 45.- 55.- 55.- 79.- 14.50 8.75 12.50 6.50 Besonders preiswerte Kleider lilliilllilillllilliiillllllllliililllliilllilllllilliiliHliilliillllllillllillllltllillilllllllllllilllllllllllilllillllllllillllllllllliillllillllllllllUIllllilliilllllillllllllllllllinilHIIIil Kleid Kleid Kleid Kleid Kleid aus wollenem Popeline, in hübscher, jugendlicher Form . . Composö-Stoff, reinwollen, sehr flott und preiswert. Kasha mit Bordüre, sehr geschmackvoll, mit langem Aermel . Popeline mit Plissöerock, in verschiedenen neuen Farben . . . schöner Wollrips mit Plisseerock ganz besonders beachtenswert . . . rpauenbloiri extra 8 roß > Popeline mit Crepe * 1 flUClfnlwlU de Chine Kragen und Jabot Taiwfclsirf ans Eolienne, in neuen Farben, IdiUniClU sehr jugendlich. Taftkleid a ' s modernes Stilkleid, ldHIillSiil reizend verarbeitet. 7.50 9.75 17.50 14.75 24.50 27.50 14.50 1750 Crepe de chine-Kleid 16.50 Crepe de chine-Kleid 22.50 Yelontine-Kleid 34.50 FimiflpblaiH mit langen Aermeln, kartiert, fl 7 b MIIUlSrnlBlb mit Paspeln, 45 cm lang . . LL3 VimtepbleiH reinwollener Popeline, lange B efl nlllUBI ItlvlU Aermel, hübsche Form, 45cm lg. 3.3U Hidcbenkliid 4.H Midcbenblsid kSsä-k UO ««E Kr„' t , ,L rSSÄ 11.50 Preiswerte Röcke und Blusen iiHiiiiiiiiiHinnniuiiininiuiniiinmiiisiHuoiinwiniuniiNiniiiiniiiHNniHiiiniiiriiiiiiiiiiiHiHiuiriHiniiiiniiiiimiKiinniiiuiuiNuuiuBiNHunuBniii Slnpazlirrotk ‘»"SS“ 1 : 01 !“!"'. U 5 DlieCOaPflfb aus reinwollenem Cheviot, dunkel ( 75 niSiCUUbH blau, sehr Dreiswert . . »•»» Crepe de chine-Blnse Kassakform, aus versch. Stoffen fl ab hell und dunkel, . 5.50, 3.30, flotte Kassakform,m.Taschen und Gürtel, lange Aermel Kassakform, elegan'e Machart, m. lg.Aerm. 9.75 19.50 blau, sehr preiswert PlittBarnPk reinwoll. Ripspopeline, schwarz tj ab riiadvBIUwn und marine, sehr preiswert . . H.lfl Letzte Neuheiten Morgenröcke, Unterkleider, Unterröcke, Schürzen, Strümpfe, Handschuhe, Trikotagen, Wollwaren, Korsetts u. Büstenhalter, Schirme, Damen-, Kinder-, Bett- u. Tisch wasche, Taschentücher, Wäschestickereien in großer Wahl! Mitglied des Einkaufs-Verbandes „Textilverband Ulm“ E. SPEISER, SINSHEIM Niedere Preise infolge großer gemeinschaftlicher Einkäufe Giiiiiiiiniiiiuiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii>iniiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiUiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiitiiiiiiiniiifiiiiiUiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiniiiitiiiiiiiiiiiiiiiiifnifiiim kauft man seit über zwanzig Jahre in jeder Form, Größe und jedem Feingehalt, sofort ii. sauber graviert zum billigsten Tagespreis bei Uhrmacher Alb. Wickenhäuser Sinsheim gegenüber dem Rathaus Fernruf 325. 4£&t'«6'.vfrv5 uw- Einmachtöpfe und Krautständer Friedrichsfelder Fabrikat billigst bei Julius Laubts Sinsheim. HoMIocksteine ohne Sand und Kies, nur aus separierter Eisenbahnschlacke hergesfeilt, höchste Stabilitäf, beste Wärme- Haltung, absolut trockenes Mauerwerk Zugelasscn durch besond. Erlaß des Bad. Ministeriums des Innern vom 3. 12. 26 für 31/2 geschossige Bauten. Ferner: Schlackensteine, Kamintrommeln, Mauer-, Verputz-, Beton- und vlastersand. Gewaschene Schlacken zum Betonieren, Schlackensand, GoSkalk, Eisenbetondecken- trüger „Legiba". Süddeutsche Bausteinwerke Kälberet & Eie., Mesloch Fernsprecher Nr. 11. Vertreter für den Bezirk Sinsheim: Robert Gmelin in Ginsheim. Söffer Söffer von 250 bis 700 Liter haltend neu und gebraucht billig zu verkaufen. Leop. Kirctotietmer fr. Weinhandlung Heilbronn a. M, Karlstraße 28. Reisgonbeilspoutsn Rests für Lampen- schirme p. Mtr. 1.50 Wunderschöne Ripp s- Stoffe in Farben sortiert, für Vorhänge, Sofakissen, Tischdecken geeignet pr. Mtr. 2.30 Firma Rothenbiller Schön möbliertes Zimmer sofort zu vermieten. 3u erfragen unter Nr. 965 beim Landboten. Empfehle Ia.: laHmidUse pr- Kistchen Mark (60 Stück) 1.80 Karl Ernfl Telephon 274. TÜREN Futter und Bekleidung, Haus- und Glastüren, Klappläden, Fenster, Holzwolle liefern billig und solid — Vorratslager Herrn. Schmitt & Co. Türenindustrie Mannheim 2 - Kepplerstr. 2 Prachtvoll schmeckendes, wirklich gutes Im Haushalt selbst zu brauen, ist so einfach wie Kaffeekdchen, mit dem echten (gänzlich (Malz und Hopfen enthaltend), Päckchen für 12Vs Liter —75 RMk , für 25 Liter 1.25 RMk. Jeder ist überrascht von der Güte nnd dem Wohlgeschmack des Erzeugnisses. Seit 17 Jahren 1 eingefllhrt und ärztlich empfehlen. Zu haben in Apoth., Drog., kolonial Warengeschäften usw.; wo nicht, bei dem alleinig. Hersteller Ttöriagsif ssGuzesfaMS G J. 61 , Berlia 8113 , C 205 Viele Dankschreiben und Nachbestellungen beweisen die Güte. Verlangen Sie Prospekt über Selbstherstellung von Likören aller Sorten. Ohne Reklame keine Einnahme! Qramophone sämtliche Fabrikate zu Originalpreisen Hauben- Mk. 50.— oder wöchentliche Mk. 3.— Apparate „ 80.— Teilzahlungen .. 4.— Stand „ 160.- .. 6- Koffer- „ 65.- ” ” sisO Apparate „ 90.— „ „ 4.50 Großes Plattefllager — Ersatzteile Ausführung sämtlicher Reparaturen Uhrenhaus Schick-Sinsheim. «tel fl* M0OL- Kimm* IHIIMM in Sinsheim: Friseur Ziegler Wnreu undallein vertuenden! Schriftleitung: H. Becker: Druck und Verlag: G. Beckersche Buchdruckerei in Sinsheim. Nr. 189. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Freitag, den 30. September 1927. » Wieviel Geld gibt es auf der Welt? Die Rolle des Goldes vor und «ach dem Kriege. Abi. Oktober fallen die beiden illustrierten Beilagen „Mode und Heim" und „Der Kobold" weg. Dafür haben wir den Bezugspreis des Landboten herabgesetzt. Durch unsere Austräger bezogen kostet der Landbote monatlich nur noch Mt. 1.20 Die „Neue Illustrierte" und der „Ratgeber für Haus und Landwirtschaft" bleiben beibehalten. In seinem Texlteil wird dem Leser nach wie vor eine reiche Fülle von allem Wissenswerten geboDi und derselbe rasch und zuverlässig über alle Tagesereignisse unterrichtet. Man bestelle bei unfern Austrägern! IIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllllllllllllllllllllWUMIIlUWMIID Bauer und Zölle. fy.p.a. Karlsruhe, 28. September. Kein Stand der Erde ist so der Willkür der Naturgewalten unterworfen wie der Bauernstand, gleichgültig, ob dies nun der Rebbauer, der Bauer des Schwarzwaldes, oder der der niederen Lagen ist. Auch dieses Jahr Hören wir wieder dasselbe Lied, der Regen hat uns unsere Ernte verpfuscht, die Ernte reicht uns bei weitem nicht, um nur die eigenen Bedürfnisse zu decken. Wir müssen zukaufen? Mais und Futtergerste für das Vieh und selbst das Brotgetreide für. den eigenen Haushalt. So lautete die Klage, die der Bauersmann so und so oft auszusprechen gezwungen ist. Und es ist nur zu wahr. Aber um diese Klagen kümmern sich die wenigsten der Stellen, die die Preisregulierung von Nahrungsmitteln und Futterftosfeni in Händen haben, — die Vertreter des Volkes im Reichstag, in der Regierung, die Minister und die Abgeordneten. Der Wähler glaubt ihnen in den meisten Fällen, obwohl er in den meisten Fällen Grund genug hätte, die Politik seines Abgeordneten, bezw. der Partei seines Abgeordneten einmal näher anzusehm. Und sehen wir uns mit solchen kritischen Augen gerade einmal die Beziehungen zwischen Bauer, Futtermittel, Brotfrucht und Regierung etwas näher an. Der badische Bauer, der sich in erster Linie mit Getreide- und Kartoffelbau abgibt und demzufolge in den meisten Fällen Viehzüchter ist und auch aus der Viehzucht' das notwendige Geld herausschlagen muß, um Steuern zu zahlen, um Familie, Haus und Herd zu erhalten, ist der weit überragende Teil des Bauernstandes, überhaupt nicht nur in Baden sondern auch in ganz Deutschland, von dem Osten allerdings abgesehen. Es ist leider «ine Binsenwahrheit, daß dem Landwirt gar oft auf dem Finanzamt geraten wird, er möge doch ein Stück Vieh verkaufen, um die nötigen Steuern zu bezahlen. Das Einzige, aus dem der Bauer etwas Vermögen herauswirtschaften kann, bedarf er wirklich gar oft zur Bezahlung seiner Steuern. Dem Bauernstand tut neben der Vereinheitlichung und Reorganisation des landwirtschaftlichen Steuerwesens not, daß er den Zweig seines Betriebes, aus dem er letzten Endes noch etwas herauswirtschaften kann, nach Kräften ausbaut, und das ist die Viehzucht in Verbindung mit einer gesunden Milchwirtschaft. Da aber muß er sehen, wie all das, was er zur Fütterung seines Viehes bedarf, mit Zöllen belegt ist. Futtergerste, Mais, Dari sind mit Zöllen belastet. Die Zölle verteuern notwendigermaßen den Preis und der kleine Bauer, der selbst in günstigen Erntet jahren Futtermittel zukaufen muh, ist der notleidende Teil der zwangsläufigen Folgen dieser Zölle. Und genau so verhält es sich mit den Zöllen auf das Brotgetreide. Aber nicht nur der Bauer, der ja auch Brotgetreide zukaufen muß, sondern die ganze Masse des Volkes kann den hohen Brotgetreidezöllen keinen Gefallen abgewinnen, denn auch sie verteuern die gesamte Lebens- haltung. Und warum dieser Zoll? Weil der Großgrundbesitz des Ostens seine Wagenladungen überschüssiger Brotfrucht möglichst gewinnbringend verkaufen will. Zugunsten einer Oberschicht von Grundbesitzern wird durch Zollgesetze der eigentliche Bauernstand innerhalb des landwirtschaftlichen Berufsstandes geschädigt. Man darf nicht durch solche Gesetze das wirtschaftliche Uebergewicht des Großgrundbesitzers einseitig fördern, umsomehr wo durch solche Politik nicht nur der kleine Landwirt — und der ist in Deutschland in der überwiegenden Mehrzahl — sondern auch das ganze Volk Nachteile zu verspüren bekommt. Gewiß muß bei uns in Deutschland jeder Stand Rücksicht auf den anderen nehmen. Es soll auch wirklich nicht so sein, daß der Großgrundbesitz durch Gesetzesänderungen und neue Zollverfügungen in eine schlechtere Lage wie der kleine Landwirt kommen soll. Aber es ist ein Recht des gedrückten Bauernstandes, daß er einen Ausgleich gegenüber der Bevormundung durch den Großgrundbesitzer und ihrer Vertreter im Parlament fordert.. Ein Ausgleich wird zwar nie zu schaffen sein, denn der Großgrundbesitzer hat ja gegenüber unseren Bauern des Schwarzwaldes noch so manches offene Türchen, um „seine Schäfchen ins Trockene zu bringen." Erinnert sei nur an die „Kunst" der Buchführung zur Errechnung der Steuerwerte. Unseren Bauern ist es nicht möglich, einen „bilanzsicheren" Buchhalter noch in ihrem Betrieb zu unterhalten. Dem Großgrundbesitzer macht aber diese Ausgabe kein großes Kopfzerbrechen. Wer hat nun aber die Zölle gemacht, die so sehr unseren Bauernstand bedrücken? Dazu war zu allererst ein Gesetz nötig, und hierfür sind Minister und Abgeordnete verantwortlich. Das erste Zollgesetz trat am 1. September 1925 in Kraft. Es war das Werk des Kabinetts Luther, in dem der deutschnationale Graf von Kanitz Landwirtschaftsminister war. Die Bsrantworb- lichen, die das Gesetz stützten und seine Annahme bewirkten, waren die Parteien der Rechten, einschließlich des Landbundes und des Zentrums. Frage sich jeder Bauer einmal selbst, was er durch diese Zollgesetze für Vorteile hatte und hat. Ist der Druck, der seit der Einführung dieser Zölle auf ihm lastet, vielleicht ein milderer geworden? Ganz gewiß nicht, im Gegenteil, er ist größer geworden. Man nimmt es niemand übel, wenn er sich durch das Beispiel der entstandenen Folgen mit der Zeit wieder eines anderen besinnt. Aber wir haben es erlebt, daß auch die jetzige Reichsregierung am System der geschilderten Zollgesetzgebung haften bleibt, daß nach wie vor im Reichstag und im Handelspolitischen Ausschuß Aenderungsvorschläge der Zollgesetzgebung von seiten der Gegner dieser Versteuerungspolitik ohne Begründung einfach niedergestimmt wurden. Wieder stoßen wir auf die traurige Sachlage, daß leider nicht immer des Volkes Wohl der Gegenstand der Beratung der jetzigen Rcichsregierung (Rcchte und Zentrum) ist, sondern daß politische Bindungen und Versprechungen für die Lenkung der Geschicke des Volkes maßgebend sind. Im Interesse des deutschen Volkes haben wir eine Bauernpolitik zu machen, die nicht einseitig dem Großgrundbesitz dienlich ist, sondern die auch im Interesse des alten deutschen Bauernstandes liegt — eine Bauernpolitik wie sie immer mit Nachdruck von den Demokraten vertreten wurde und wie sic in Sonderheit unser Abgeordneter Dietrich immer und immer wieder vertritt. Der Geldumlauf der Welt ist in stetem Abnehmen begriffen, da die Entwicklung des modernen Kapitalismus zu immer neuen Formen des Zahlungsverkehrs greift, die das eigentliche Geld ersetzen. So kommt es, daß der Weltbestand an monetärem Geld lGoldmünzen, Papiergeld und Scheidegeld) Ende 1926 einen relativen Rückgang zeigt gegenüber der Geldentwertung und der Ausdehnung des Geschäftes auf der ganzen Welt. 93,5 Milliarden Mark sind es, mit denen die Weltwirtschaft ihren Bedarf an Zahlungsmitteln zu befriedigen har. 1913 waren es 71,5 Milliarden» so daß nur ungefähr eine Steigerung von 39,8 Prozent gegenüber den. letzten Friedensjahr zu beobachten ist. Dazu kommt noch, daß bei der Statistik -des Jahres 1926 die Scheidemünzen in viel weiterem Maße mitberücksichtigt wurden, als im Jahre 1913. wo in der Hauptsache nur Goldmünzen und Papiergeld gezählt wurden. Nimmt man aber die Entwertung des Geldes im Durchschnitte mit ungefähr 59 Prozent an und setzt die Ausdehnung des Geschäftes infolge der Zunahme der Bevölkerung mit 10 Prozent ein, so erhält man das keineswegs überraschende Ergebnis, daß der Zahlungsmittelumlauf der Welt fast um die Hälfte zurückgeblieben ist. Ebenfalls charakteristisch für die Entwicklung des Weltgelöumlaufes in der Nachkriegszeit ist die Zurückdrängung des Goldes als Zahlungsmittel. Waren vor dem Kriege 23,7 Prozent der Umlaufsmtttel Goldmünzen, so nehmen jetzt die notalen Geldzeichen jPapier- und Scheiöegelö) 96,5 Prozent der gesamten Zahlungsmittel ein. Die Zurückdrängung des Goldes als Umlaufsmittel bedeutet aber in keiner Weise einen Rückgang der Bedeutung des Goldes für das herrschende Geldsystem. Das Gold hat sich lediglich aus dem Umlaufe zurückgezogen und ist in die Tresors der Notenbanken gewandert. Das heißt nichts anderes, al§ daß die maßgebenden Staaten sich zur Goldkernwährung bekannt haben, einer Währungsart, bei der ans Grund von Goldvorräten der Notenbanken Geldzeichen entweder aus Papier oder aus Metallen, wie Silber, Kupfer und Aluminium ausgegeben werden. Viel zu dieser Entwicklung haben auch die Jnflationserscheinunger? in den verschiedensten Ländern beigetragen, durch die automatisch ° das Gold als Währungsmetall aus dem Verkehre verschwand, gehamstert wurde oder in den Tresors der Notenbanker/ Eingang fand. Das Hauptgoldland der Welt ist selbstverständlich die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die ihren Goldbestand seit dem Jahre 1913 von ca. 8 Milliarden auf 18,9 Milliarden steigern konnten, also mehr als um das Doppelte, wodurch der prozentuale Anteil an dem Weltbestand an Gold die außerordentlich hohe Zahl von 36 erreichte. Deutschland hat seinen Vorkriegsbestand an Gold in Höhe .on 4 Milliarden 186 Millionen noch lange nicht wieder erreicht. Es stehtz mit etwa 2 Milliarden Ende 1926 an siebenter Stelle der 16 Länder mit dem größten Goldbestand, nachdem es vor dem Kriege nach Amerika, Frankreich. England und Rußland an fünfter Stelle ran-^ gierte. : Der relative Rückgang des Geldumlaufs der Welt hat verschiedene Ursachen. Man hat immer mehr erkannt, daß ein Zahlungsmtttelumlauf, der nicht der volkswirtschaftlichen Produktion entspricht, inflationistische Wirkungen ausübt, selbst wenn es sich dabei um Goldmünzen oder vorschriftsmäßig gedecktes Papier- und Scheidegeld handelt. _ So geht das Bestreben aller Notenbanken dahin, den Kafsä« bestand an Zahlungsmitteln auf das für die Volkswirtschaft gelingst zulässige Maß zu schrauben, um eine statif?, kraftverminderung und unnötigen Zinsverlust zu vermeiden. Der bargeldlose Verkehr hat immer neue Formen gefunden und wird immer weiter ausgebilüet. In geringem Maße ist der Rückgang des Zahlungsmittelumlaufes der Welt zurückzuführen aus eine Verarmung großer Gebiete, hauptsächlich in Europa und auf die größere Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes als Folge der Inflation. Aus folgender Tabelle ist die Entwicklung des Geldumlaufes der Welt jeit 1913 zu ersehen. / .' ' ■ Gebiete Gesamt umlauf i n M i ll. RM. 1913 1925 um Ehem. Entenre Europa 17 695,9 23 374,3 23 868,4 Ehem. Neutral-Europa 3 755,4 7 208,0 7 424,0 Mittel- und Ost-Europa 15 694,6 11 960,4 13 862,6 Europa: 36 545,9 42 542,7 45145,0 Vereinigte Staaten 17 815,5 21 474,6 21 453,0 Uebriges Amerika 5 101,9 7 192,9 7 007,2 Afrika 1 269,1 2 044,5 1 916,9 Asien 10 430,7 17 049,6 17 044,8 Australien 303,3 763,4 898,5 71 456,4 91 067,6 93 465,4 A. B. Ein Frühlingstraum. 38) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. Wolf warf einen Blick auf die Karte,' sofort sprang er auf, eilte nach der Tür und rief erfreut: „Aber natürlich nur herein, alter Junge — wo kommst Du her, Strachwitz?" Und er schüttelte immer die Hände des Freundes. „Sachte, mein Lieberl Erlaube, daß ich mich erst etwas vom Schnee befreie! Es ist ein Hundewetter — brr —" Wolf führte den Gast, nachdem dieser sich des Mantels entledigt, in sein Zimmer - „nochmals herzlich willkommen, lieber Strachwitz!" Kräftig erwiderte dieser den Händebruck. „JRa, wie geht Dir's? Doch gut. Mölschen? Und Deiner Frau?" „Danke ebenfalls gut! Sie ist jetzt nicht daheim! - Nun ^'^dlatz, Detlev! Nein, diese Ueberraschung! Das hätte ich nicht gedacht! Wie lange haben wir uns nicht gesehen! Bitte, entschuldige einen Augenblick!" Seit dessen Verheiratung duzte sich Wolf mit dem Freunde. Er ging hinaus und kam nach einigen Minuten wieder herein, gefolgt vom Diener, der ein mit Flaschen und Gläsern besetztes Tablett trug. Nun saßen die Freunde behaglich beieinander. Wolf schenkte ein. „Auf Tein Wohl, Strachwitz!" hob er das Glas gegen diesen. Mit hellem Ton klangen die Gläser aneinander. „Ah — ein herrlicher Tropfen", sagte Strachwitz. nachdem er getrunken hatte. „Nicht wahr?" lächelte Wolf, „darum Hab' ich ihn auch selbst geholt — an diesen Schrank lasse ich den Hallunken »on Diener nicht — ja, einer meiner besten Marken — Bern- msteler Doktor Auslese! Hat doch die richtige Temperatur? - Bitte, hier sind auch Zigarren. Nein, wie ich mich freue, Detlev, Dich wiederzusehen! - Sag' nur. was Dich aus Dei- >er Wildnis in Ostpreußen hierher getrieben — und um »lese Zeit?" „Ich hatte in Berlin zu tun und hatte den Katzensprung rach hier gemacht, Dich wiederzusehen —' „Mir gur von anri und sonst geht Dir's gut?" „Danke, ja! Anfangs, als ich den bunten Nock aus zogen, wurde es mir höllisch schwer, mich an das Ländle! zu gewöhnen! Na, schließlich machte es mir doch Spaß, >onders weil ich meinem Vater einen großen Gefallen dai ( ? r zollte es doch gern, und seiner Ansicht nach hc tcy meine Jugend lange genug genossen und genügend D. -Kraucht. baß es an der Zeit war, solide und ein ni lrches Glied der Menschheit zu werden! Na, so baue ich n meinen Kohl und lebe schlecht und recht. Geselligkeit gib dort im große» Ltil: Langeweile empfinde ich nicht: n manchmal die Einsamkeit — ich vermisse meinen Vater u schmerzlich,' ich danke ihm heute noch, daß er mich dam. nus dem aiten Schlendrian gerijjen — wie wäre mir's ! gangen, wenn ich plötzlich vom Militär fortgemutzt hä! bas Gut zu übernehmen, ohne einen blaffen Schimmer v der Landwirtschaft zu haben." „Du schriebst mir vom plötzlichen Tode Deines Baterl sagte Wolf leise, „ich fühlte mit Dir!" Ja, so plötzlich — Herzschlag! Am Morgen noch gcsu and frisch — abends schon kalt und tot!" Er'versank in tr des Sinnen, aus dem ihn Wolf mit keinem Wort stör strachwitz überwand diese traurige Stimmung und sac mit anderer belebter Stimme: „Das ist also mein Lebe — Ach, weißt Tu, es ist doch ein erhebendes Gefühl, ei -rgene Scholle zu besitzen! Früher lebte ich gedankenlos den Tag hinein — war der Dienst zu Ende — so wurde c mm mell! Jetzt ist das anders! Ta hat jeder Tag sei gestimmte Arbeit — und ich lege selbst tüchtig mit Hand a -ich' Dir meine Hände an - sie sind nicht ganz so wok m® ann auch nicht feiltI Na, schadet nicht Weißt Du. was mein Steckenpferd ist? Pferdezucht! A Du solltest mal meine Koppel sehen! - Nun aber genug v, mir! Erzähle mir, wie es Dir ergangen ist! Im Brii vechsel sind wir beide keine Helden — da muß man sich sch, elbst einmal persönlich überzeugen, ob der andere no ebt!" „Mir?" entgegnete Wolf mit bitterem Lächeln, „wie T «ehst, gut — sehr gut sogar!" Und er warf einen bezeic nenöen Blick durch das Zimmer, das in seiner stilvollen, ge diegenen Pracht einen wahrhaft fürstlichen Eindruck machte Prüfend sah Strachwitz den Freund au. dessen Gesicht ga' nicht zu den Worten passen wollte: er sagte aber nichts, son dein fragte weiter: „Und Deine Frau? — Ah, das ist st. wohl?" Er stand auf und vertiefte sich in die Betracht» n, ihres Bildes, das über Wolfs Schreibtisch hing. Sie ja, sehr blendend aus in der eleganten, tief ausgeschnittene: Taille, die ihre körperlichen Vorzüge aufs vorteilhaftest' zur Geltung brachte — „ein schönes Weib!" sagte er. „Wird auch sehr bewundert — ist die schönste Frau hier/ Eigentümlich trocken und teilnahmslos klang Wolfs Stimm, bei diesen Worten, und wieder sah ihn Detlev prüfend an. „Meinen Jungen sollst Du aber sehen, wenn er von sei. nem Großpapa kommt", fuhr Wolf in gänzlich veräuderterr Tone fort, und der Vaterstolz leuchtete ihm nur so aus den Gesicht — „ein Prachtkerl! Leider habe ich ihn zu wenig, de er oft beim Großpapa ist —" „Das glaube ich, der tut ihm gewiß allen Willen!" „Ja, er ist riesig froh, daß wir wieder hier sind. Du weiß! doch, daß ich ein halbes Jahr nach meiner Verheiratung als Hauptmann nach M. versetzt wurde — bis ich jetzt nach dem Manöver als Chef der 5. Kompague wieder nach hier kam — zu Ulrichs und Ellas größter Freude!" „— Und zu Deiner nicht?" „Nein!" sagte Wolf gepreßt. „Und warum nicht?" fragte Strachwitz. „Es lebt sich doch hier ganz famos!" Wolf sprang auf und ging hastig ein paar Mal im Zimmer auf und ab. Tan» blieb er vor dem Freunde stehen. „Darum nicht, weil mir hier auf jeden Schritt die Vergangenheit entgegentritt und tausend Erinnerungen wachruft, )ie ich in der Tiefe meiner Seele begraben hatte — ach, Tu ahnst nicht, Strachwitz, wie elend mir manchmal zu Mute ist er brach ab und starrte düster vor sich hin. „Armer Junge", sagte Detlev leise, „die alte Geschichte roch immer nicht überwunden?" Wolf schüttelte nur mit >em Kopfe, ohne etwas zu erwidern. lFortietzuna tolgt.) r Nr. 189. Jahrgang 1927. Englands Stellung in der Wellpotttik Ein korrespondierender Wiener Journalist hatte in diesen Tagen Gelegenheit, sich mit dem Mar- quetz of Reaöing, dem früheren Vizekönig von Indien, anläßlich eines Londoner Aufenthalts zu unterhalten. Marques of Reading, der bekanntlich bis zum Frühjahr 1926 Vizekönig von Indien war, hat sich dort, wie früher in Sonderaufträgen in Amerika, als einer der scharfsinnigsten und fähigsten englischen Staatsmänner erwiesen. Nach seiner Rückkehr nach London widmete er sich der Reorganisation der Liberalen Partei. Seine Ausführungen über den WM des Völkerbundes und über den Abbruch,der englisch-russischen Beziehungen sind nicht nur durch die Autorschaft, sondern auch gerade in diesem Augenblick von besonderem Interesse, in dem sich Sir Austen Chamberlain mit dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini zu einer großen politischen Aussprache trifft. (Die Schriftleitung.) „Je länger der Völkerbund existiert, desto mehr verbessern sich die Gelegenheiten zum gegenseitigen Einvernehmen der Nationen und verringern sich die Aussichten auf Krieg", sagt der Marqueß of Reading. „Ich glaube, daß seit dem Ende des Weltkrieges bereits erhebliche Fortschritte in der Herstellung einer Verständigung gemacht worden sind. Freilich, es waren langsame Fortschritte, aber vielleicht sind gerade solche langsame Fortschritte das Bessere. Was Frankreich anbetrifft, so kann ich seinen Standpunkt wohl verstehen. Es gibt Leute in Amerika und 'n England, die dazu neigen, die französische Politik zu kritisieren. Man sollte aber bedenken, daß Frankreichs Lage von der unsrigen-durchaus verschieden ist. Es kann sich meines Erachtens nicht sicher fühlen, solange es nicht absolut überzeugt ist, daß ihm keine Gefahr droht." (Könnte das nicht schon heute der Fall sein? Bedroh: etwa Deutschland den französischen Frieden? Die Schriftleitung) „Frankreich mutz durch Tatsachen, nicht nur durch Verträge überzeugt werden. Und außerdem muß es sich auch erst an seine neuen Verhältnifle gewöhnen." „„Sehen Sie in dem Faschismus eine Friedensbc- drohung?"" „Ich will andere Regierungen nicht kritisieren: c^er ich kann Sie versichern, daß Faschismus in England unmöglich ist. Die Briten sind ein politisch denkendes Volk, sie haben Achtung vor dem Gesetz, das sich im Verlauf der Jahrhunderte aus einer geordneten Regierung heraus entwickelt hat. Ter Generalstreik hat die Gesinnung des englischen Volkes unwiderleglich bewiesen. ? •.) bin der Meinung, daß ein solches Ereignis in keinem möeren Lande so friedlich Härte enden können wie in Engl ud, selbst nick^ den Bereinigten Staaten. Männer und Frauen bem' ^ren sich im Interesse der Ordnung, und auch die Gewerksi.-aftsführer übten ungeheuren Einfluß aus, so daß die Las e zu keiner Zeit unkvn- trollierbar wurde." „„Befürchten Sie einen Zusammenstoß zwischen den Völkern des Ostens und des Westens?"" »Ich stimme nicht mit denen überein die an einen bevorstehenden Zusammenstoß zwischen dem Osten und dem Westen glauben. Erstens einmal kann man unmöglich vom Osten als von einer Einheit sprechen. Es gibt dort soviele Parteien soviele im Konflikt befindliche Interessen, daß der Osten sich nicht zum Kriege gegen den Westen zusammenschließen könnte. Betrachten Sie zum Beispiel Indien! Die Parteien dort sind zahlreich, die Differenzen zwischen den Mo- hameüanern und den Hindus sind sehr ernst. In China gibt es gleichfalls verschiedene Parteien, die schwerlich geeinigt werden könnten. Ich erwarte ganz sicher keinen solchen Krieg in der Zukunft. Und ich sage nochmals, je länger der Völkerbund die Menschen daran gewöhnt, internationale Differenzen in einer Konferenz beizulegen, desto weiter ab rückt die Gefahr neuer Kriege." „„Was halten Sie von dem Abschluß der Bedingungen zu Sowjetrußland?"" „Ich meine, daß die Regierung von Großbritannien auf Grund der Tatsachen zu diesem Schritt gegenüber Rußland vollkommen berechtigt war, denn man fand genug bei der „Arcos"-Durchsuchung, was den Bruch zu rechtfertigen vermag. Aber es war nicht klug, bis zum Aeußersten zu gehen. Richtig ist, daß das von der Regierung eigentlich gesuchte Dokument in dem „Arcos"-Gebäude nicht gefunden wurde. Es war etwa so, wie wenn ein Polizist in dem Glauben, daß sich ein gestohloner Gegenstand in einem Hause befinde, in dieses Haus eindringt, und zwar nicht das Gestohlene, wohl aber dafür eine ermordete Frau findet. Es fragt sich dann: Sollte er von der ermordeten Frau keine Notiz nehmen, weil er den gestohlenen Gegenstand, nach dem er suchte, nicht gefunden hat? Die britische Regierung fand bei der Arcos- Dnrchsuchung etwas Schlimmeres als das gestohlene Dokument. Trotzdem bin ich der Meinung, baß es unklug war, die diplomatischen Beziehungen zu Rußland abzubrechen. Wir haben die ganze Zeit gewußt, daß Rußland unseren Vertrag mit ihm gebrochen hat: wir haben es seit Jahren gewußt. Wir hätten den Handelsvertrag, unter dem Rußland hier besondere Vorrechte genoß, aufheben, aber die diplomatischen Beziehungen fortsetzen sollen. Nichts ist durch den vollständigen Bruch mit Rußland gewonnen, und er kann sehr gefährlich werden, denn es ist schwer, seine Folgen Voraussagen." F Das Geisterhaus der Rentneri«! Aus Paris wird gemeldet: Den friedlichen Bewohnern des kleinen Dörfchens Erable im Chevreusetal ist es seit vielen Wochen nicht mehr recht geheuer. Im Hause einer Rentnerin, die den Sommer in der Schweiz verbringt und ihre Wohnung der Obhut des in ihrem Dienst stehenden Ehepaares Prevet überließ, geschehen seltsame Dinge. Mit Prevet und seiner Frau, die früher nach Feierabend gern vor der Tür saßen und mit den Nachbarn plauderten, ging eine merkwürdige Veränderung vor sich. Sie verkrochen sich scheu in dem weiten Haus: tagelang blieben Fenster und ■ Türen verschlossen, während unheimliche Stimmen, zuweilen ein fürchterliches Gekreisch und Gepolter, durch die Läden drangen. Man erzählte sich bald, der Teufel treibe hier sein Unwesen. In Wirklichkeit war es nicht der Teufel, aber allerlei Geister, die in das sonst so stille Haus der Rentnerin eingezogen waren. Die Prevets, beide schon ziemlich bejahrt, hatten stets einen starken Hang zum Mystischen an den Tag gelegt. Das große Haus der Ncntnerin erschien ihnen nach der Abreise ihrer Herren plötzlich voller Geheimnisse, die sie in ihrer einfachen Art zu ergründen suchten. Die weiten Räume waren mit allerhand fremdartigen, grotesken Gegenständen angesüllt. Hier grinste ein seltsames Götzenbild, das aus irgend einem fernen heidnischen Land stammte, aus einer Nische des verdunkelten Zimmers. Bizarre Basen standen herum,- am Boden lagen merkwürdige Felle fremder Raub- jkatzen. Unverständliche, vom Alter geschwärze Bilder hin- Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. gen zwischen gewundenen Gehörnen unbekannter Tiere an den Wänden. Ueber allem lag eine beklemmende, dumpf« Luft wie im großen naturgeschichtlichen Museum in Paris, wo Prevet und feine Frau vor kurzem mit Entsetzen in den weiten Spiritusgefäßen grauenvolle Mißgeburten, in den langen Schränken braune Mumien und Tausende von Schädeln aller Menschenrassen angestaunt hatten. Ein fürchterlicher Druck legte sich auf die Gemüter der beiden Menschen. Die unsichtbare Gegenwart irgend eines geheimnisvollen, undefinierbaren Etwas, das Unbekannte, Neue, das sich ihnen während der Abwesenheit ihrer Herrin aufdrängte und das sie mit ihrem einfachen Geiste zu durchdringen suchten, brachte ihr Denken in Verwirrung. Ein spiritistischer Geisterbeschwörer, mit dem die Prevet zufällig bekannt wurden, hatte leichtes Spiel, sie für die okkulte Wissenschaft zu gewinnen. Er verschaffte ihnen spiri- tistische Bücher, die sie während langen Nächten fieberhaft verschlangen, ohne recht zu verstehen, was ihre Augen lasen. Bald krumpften sich die schwieligen Hände der beiden Alten jeden Abend auf dem kleinen Schenktischchen der Rentnerin. Prevet murmelte mystische Beschwörungsformeln,, bis der kleine Tisch zu wackeln anfing und auf die von beiden Alten mit zurückgehaltenem Atem gestellten Fragen Antwort gab. Tie ««sichtbaren Geister fühlten sich bald heimisch in dem Haus der Rentnerin. Aber es schien, als ob sich nur die Ibissen unter ihnen von Prevet zitieren ließen. Sie kamen nur, um die alten Leute zu quälen, zu erschrecken, ihnen granenhafte Angst in die Seele zu jagen. Eines Abends trieben es die Quälgeister doch zu arg. Die Preoet konnten das Furchtbare nicht mehr länger ertragen. Sie rissen alle Fenster auf, um die schreckliche Geisterschar fortzujagen, und warfen blindlings mit allen Gegenständen, die ihnen gerade zur Hand waren, nach ihren Peinigern. Fürchterliche Angstschreie gellten durch die Nach,t und mit lautem Getöse flogen Teller, Töpfe, Kannen und Möbelstücke durch das Fenster auf die Straße hinaus. Die entsetzten Nachbarn riefen' den Bürgermeister zu Hilfe und baten den Pfarrer,-den Teufel, der nach ihrer Meinung im Hause der Rentnerin am Werk war, mit Kruzifix und Weihwasser in die Flucht zu treiben. Der Bürgermeister kam bald mit dem Dorfpolizisten, um die Prevet zur Vernunft zu mahnen. Mit irren Augen erschien der Mann aus dem Balkon und brüllte unzusammenhängende Worte in di« Nacht hinaus, die kein Mensch verstehen konnte. Schließlich ließ der Bürgermeister die Türe aufbrechen. Im Eßzimmer stand Frau Prevet vollkommen nackt mitten auf dem Tisch, drehte und wandte sich wie besessen u. stieß mit verzerrtem Gesicht Beschwörungsformeln hervor, die sie aus den spiritistischen Büchern gelernt hatte. Der Mann kniete in einer Ecke und stammelte Gebete, um die bösen Quälgeister zu vertreiben. Beide waren wahnsinnig geworden und mußten in einer Irrenanstalt versorgt werden. Das Geisterhaus liegt seither wieder in seiner gewohnten Stille an der Straße. Es wartet auf die Rückkehr der Besitzerin. Kein Anzeigen deutet mehr auf di« Orgien hin, di» Dämo««t hieß feierten. Aber die Dorfbewohner werfen noch immer ängstliche Blicke hinüber, und die Frauen schlagen ein Kreuz, wenn sie des Abends Vorbeigehen. 8ei sparsam — wähl das Beste nur von Uhren die Alpina^llhr! Verschiedenes. ' Schätze aus dem Schlamm. An der Meeresküste werben nach Stürmen oder auch nach der Flut die Ufer nach Strandgut abgesucht, und man findet hier viel Wertvolles. Aber man kann sogar auch in dem Schlainm der schiffbaren Flüsse Schätze finden, und solcher Schätzesucher gibt es so manche am unteren Lauf der Themse. Hier macht sich schon Ebbe und Flut bemerkbar, und das Suchen beginnt zwei Stunden noch der Flutzeit und dauert während der ganzen Ebbe an. Es ist ein anstrengender Beruf, besonders im Winter, denn die Sucher stehen bis zu den Knien im Wasser und werden bis auf die Haut durchnäßt. Aber dem Glücklichen winkt bisweilen ein hoher Lohn, so fand vor einiger Zeit, wie in einer Londoner Wochenschrift berichtet wird, einer dieser Schlammsucher eine verrostete eiserne Kiste, die 150 Pfund in Banknoten und 8600 Pfund in Effekten enthielt. Das Geld muß wohl von einem Diebstahl herrühren, und sicherlich ist dies der Fall bei einem Juwelenkasten, den ein anderer Sucher fand und in dem vier Diamantringe im Werte von 860 Pfund waren. Bisweilen werden alte Gegenstände aus Metall ans Licht gehoben, die zwar schmutzig und unansehnlich aussehen, aber doch sehr wertvoll sein können. Ein Mann, der ein solches altes Tablett fand, ließ es von einem Sachverständigen begutachten, und dieser stellte fest, daß es sich um ein kostbares silbernes Tablett aus der Zeit der Königin Anna handelte, das vor mehr als 100 Jahren gestohlen und dann weggeworfen worden sein muß. Todeskampf auf dem Bergesgipfel. Auf einem steilen, hoch in die Luft ragenden Gipfel der Pyrenäen spielte sich vor einigen Tagen nach der Mitteilung spanischer Zeitungen eine schaurige Tragödie der Eifersucht ab. Hoch oben auf einem 200 Meter hohen, weit überhängenden Felsen der Südpyrenäen sahen die entsetzten Zuschauer unter» im Tale, wie ein Mann versuchte, eine Frau an den Rand des Felsens zu ziehen, um sie von dort in die jähe Tiefe hinabzustürzen. Die Angstschreie der Frau waren so-'gellend, daß man sie trotz der Höhe wahrnahm. Es entstand oben auf dem Felsen ein entsetzliches Ringen zwischen Mann und Frau, da der Mann versuchte, die Frau von einem Stamme loszreißen, an dem sie sich festhielt. Es war wie im Film, denn es schien den Zuschauern, als ob ccr Baumstamm allmählich entwurzelt würde. Tie Zuschauer waren sehr aufgeregt, da sie keine Möglichkeit hatten, der unglücklichen Frau zu helfen, durch die klare und dünne Luft aber Zeugen jenes Vorganges und aller Schreckensschreie waren. Im Augenblick der höchsten Not sahen sie einen Hund im gewaltigen Sprunge über einen Felsenspalt setzen, der den Felsen von der gegenüberliegenden Gebirgs- partie trennte und auf den Mann mit voller Wucht zustürzen. Ter Hund biß sich in dem Mann mit solcher Wucht fest, baß er die Frau loslaffen mußte, um sich gegen die wütenden Angriffe des Tieres zu sichern. Jetzt war es möglich, auf dem Fußpfade, der von einer Seite zu dem Felsen führte, der Frau Hilfe zu bringen und sie von dem wütenden Menschen zu befreien. Ter Hund gehörte der Frau, die an dem Fuße des Felsens wohnte und ohne jeden Verdacht mit ihrem Geliebten einen Spaziergang auf den Felsen gemacht hatte, den sie wegen der herrlichen Aussicht oft besuchte. Sie ahnte darum auch nickts Böses, als Freitag, den 30. September 1927. der Geliebte den Wunsch äußerte, mit ihr dorthin zu gehen, obwohl er ihr schon längere Zeit wegen angeblicher Untreue heftige Vorwürfe machte. Erst oben auf dem Felsen erklärte er ihr plötzlich, nachdem er sich bis dahin ruhig unterhalten hatte, daß sie sterben müsse und den Felsen nicht mehr lebendig verlassen werde. Zuerst glaubte sie, daß er scherze, aber er machte sich daran, sie von dem Abhang in die furchtbare Tiefe hinabzustürzen. Sein Plan wäre ihm auch gelungen, wenn nicht ihr Huird ihren Todesschrei gehört hätte und ihr zur Hilfe geeilt wäre. Der Hund hatte sich mit solcher Wucht in den Mann verbissen, daß er auch dann nicht von ihm ließ, als die Frau schon gerettet war. Man konnte den Hund nicht bewegen, das Bein des Mannes loszulassen. So mußte der Attentäter von dem Hunde geführt in die Ebene gehen, wo er von Polizeimannschaften festgenommen wurde. Erst hier beruhigte sich das Tier, das auf so eigentümliche Weise zum Retter seiner Herrin wurde. Drei Orchidee« für 19 080 Mark. Den wohl einzigartig dastehenden Preis von insgesamt 945 Pfund, also annähernd 19 998 Mark, erzielten bei einem Verkauf in London drei Orchideen. Es handelt sich aber auch um eine ganz seltene Art, die mit unendlicher Sorgfalt und Mühe viele Jahre lang gepflegt und gehegt wurden, bis es gelang, Exemplare von derartig vollkommener Schönheit und Reinheit, wie sie in London ausgestellt wurden, zu erzielen. Laien wären zwar wahrscheinlich immer noch an den Blumen vorbeigegangen, vielleicht ihre Schönheit bewundernd, aber doch nicht ahnend, daß es sich dabei um solch wertvolle Stücke handelt. Bei Sachverständigen fanden sie aber größte Bewunderung und viele waren da, die sie gerne erwerben wollten, was ja auch in den ungewöhnlich hohen Preisen zum Ausdruck kam, die schließlich für sie bezahlt wurden. Für die schönste der Blumen wurden 357 Pfund gezahlt, während die anderen 325, bzw. 262 Pfund erzielten. Der verhinderte Fakir. Dem reichen Londoner Kaufmann James Brandon siel eines Tages ein großes Buch über die Fakire und ihre Lebensweise in die Hand. Der Kaufmann las das Werk, das das Dasein der Fakire angeblich auf Grund persönlicher Erfahrungen des Verfassers schilderte. Diese Lektüre weckte die Neugierde Vrandows der bisher wenig von Indien und seinen Wundern gehört hatte. Allmählich wurde in ihm der Gedanke reif, daß nur die Fakire wirklich glückliche Menschen seien, und daß er selber (um zufrieden zu sein) ein Fakir werden müßte. Er nahm einige tausend Pfund an sich, übertrug die Führung seiner Geschäfte einem Verwandten und fuhr nach Indien. Dort verteilte er den größeren Teil des mitgenommenen Geldes unter die Armen (vorsichtigerweise hatte er nicht alles mitgenommen), vertauschte sein europäisches Kleid mit der härenen Kutte der indischen Bettelmönche, nahm in einem Sack Nahrungsmittel zu sich und begab sich-in den großen Wald in der Nähe von Poona. Im Dickicht, unter einem großen Baum, machte er halt, viele Kilometer weit von jeglicher menschlicher Kultur. Es war ein mächtiger Baum, wahrscheinlich viele hundert Jahre alt. Der Kaufmann dachte an das Beispiel des Propheten Gotama Buddha, dem die Erleuchtung unter einem ähnlichen Baum zuteil geworden ist. Hier widmete er sich einsamen Meditationen und wartete auf das große Licht, das ihn endgültig zu einem heiligen Noghi machen sollte. Aus Blättern bereitete er sich unter dem Banm ein Nachtlager und verbrachte auf diese Weise zwei Wochen im Urwald. Es gefiel ihm dort derart, daß er bereits fest entschlossen war, nach Europa nie mehr zurückzukehren und bis ans Lebensende Fakir zu bleiben. Eines Nachts hatte nun der Kaufmann ein unangenehmes Abenteuer. Drei Räuber überfielen ihn und verlangten von dem Eremiten Geld. Das wenige, das er bei sich hatte, gab er ihnen, Die Räuber waren jedoch der Ansicht, daß der Mann viel mehr Geld haben müsse, und wollten ihn durch eine Tracht Prügel zwingen, ihnen das Versteck zu verraten. Der arme James Brandon ließ bas alles ruhig über sich ergehen, in der Ueberzeugung, daß dies eine göttliche Fügung sei. Als die Räuber sahen, daß der Fakir noch immer nicht das vermeintliche Versteck seiner Schätze angeben wolle, machten sie sich daran, Brandon an den großen Baum, unter dem er drei Wochen lang seinen einsamen Meditationen gelebt hatte, aufzuknüpfen. In diesem kritischen Augenblick fiel nun in einiger Entfernung ein Schuß. Die Räuber, zu Tode erschrocken, suchten nun das Weite und ließen Brandon bewußtlos unter dem Baum zurück. Als er endlich erwacht war, machte er sich aus den Weg zur Stadt, suchte den englischen Konsul auf, ließ sich die Reisespcsen geben und traf drei Wochen später in London ein. Seitdem führt I. Brandon wieder sein Geschäft und denkt nicht mehr daran, Fakir zu werden. Eine „süße" Statistik. Es gibt verschiedene Statistiken. Betrübliche und erfreuliche, interessante und langweilige, wichtige und unwichtige. In die Kategorie der vergnüglichen gehört entschiede.. eine „süße" zahlenmäßige Zusammenstellung, die von den Bürgern der Vereinigten Staaten aufgestellt worden ist und die feststellen sollte, wieviel Kuchen die Einwohner der Union verzehren. Man kam da auf recht stattliche Zahlen. Allein Chicago ißt nämlich nicht weniger als 75 000 Torten (pies) auf und steht damit an der Spitze der amerikanischen Städte. Dann folgt New ?)ork mit 60 000 und Philadelphia mit 50 000. Die zehn größten Städte des Landes zusammengenommen, verbrauchen eine halbe Million Torten am Tage. In der gesamten Union verzehrt man aber im Verlaufe eines Jahres sage und schreibe eine Billion Torten. Zwar ist uns diese Zahl aus der Zeit unserer Inflation kein ganz unbekannter Begriff, aber in Wirklichkeit übersteigt ihre Größe doch unser Vorstellungsvermögen, wir sind außerstande, die Mengen uns auszumalen, um die es sich dabet handelt. — Tie Kuchenproöuktion geht dabei zum Teil in riesigen Großbetrieben vor sich. Von einem solchen Betrieb heißt es, daß er imstande wäre, in der Stunde 400t! Torten herzustellen, das macht also innerhalb von 24 Stunden 96 000 Stück. Vorausgesetzt, daß man jede solche Torte in 6 Stück teilen würde, dann könnte dieser eine Betrieb an einem Tage nahezu 600 000 Personen mit einem süßen Nachtisch versorgen. Uebrigens sind die Amerikaner nicht recht zufrieden mit ihren Kuchenproduzcnten. Sie schreiben cs zum Teil eben dieser Organisation in Großbetrieben zu, daß die Kuchen nicht mehr so aut schmecken, wie die von Hausfrauenhänden bereiteten: ^es fehlt die individuelle Behandlung und die Sorgfalt, die im Einzelhaushalt bei solchen Erzeugnissen angewandt wird. Me Anzeige ist der Weg put Erfolg!