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Ferner herrschte darüber Uebereinstimmung, daß jede unter Berücksichtigung der heutigen Gesamtlage nicht dringliche oder unwirtschaftlich: Ausgaben in Deutschland, sei es aus Ausländsanleihen oder aus aus anderen Quellen, unbedingt zu vermeiden sei. Um diese Gesichtspunkte in die Wirklichkeit zu übertragen, wurde eine Ausgestaltung der Beratungsstelle für Ausländsanleihen ins Auge gefaßt. Es soll insbesondere die Möglichkeit geschaffen werden, Bedenken, die bei der Antragsberatung auf- tauchcn, durch erneute, mit besonderen Sicherheiten versehene; Prüfung Rechnung zu tragen. Hierüber wild unter Mitwirkung der Reichsbank mit den Ländern, die auch seinerzeit mit der Reichsregierung die Richtlinien der Beratungsstelle ve einbart haben, alsbald Fühlung genommen werden. Die Beratung des Reichskabinetts über die Anleihepolitik hatte einen grundsätzlichen Gegensatz zwischen der Auffassung des Reichsbankpräsidenten einerseits und der des Reichsfinanz- und des Reichswirtschaftsministers anderseits zu überwinden. Die Kabinettsmitglieder vertraten die Auffassung, daß die gesamte Wirtschafts- und Finanzpolitik des Reichs eine aufsteigende d.utsch« Wirtschaft zur Voraussetzung habe, während der Reichsbankpräsident die Auffassung vertrat, daß durch die Ausländsanleihen nur Samstag, den 8. Oktober 1927. sind notwendig. Vrüfungsausfchuffes. eine wirtschaftliche Scheinblüte hervorgerufen worden sei. Man müsse deshalb die Ausländsanleihen wieder einschränken und so die deutsche Wirtschaft aus ein .innen- und außenpolitisch normales Maß zurückzuführen, gleichgültig ob dadurch eiste vorübergehende Arbeitslosigkeit oder ein Konjunkturumschwung entstehen wü de. Der Reichsbankpräsident hat aber die Notwendigkeit privatwirt- schastlichrr Ausländsanleihen anerkannt und diese Grund age bot dann die Möglichkeit zu einer Einigung. Die Beratung stelle für Ausländsanleihen hat die Entscheidung über die Anleihen der öffentlichen Körperschaften, vor allem des Reichs und der Ländert Dr. Schacht ging also davon aus, die Befugnisse dieser Beratungsstelle so zu erweitern, daß währungstechnische Gesichtspunkte noch stärker berücksichtigt werden könnten und müßten. De: Reichsbankpräsident, aber auch die politischen Instanzen, halten e: für unzweckmäßig, den Reichsrat, der bisher die übergeordnete Instanz war, mit einer solchen Aufgabe zu betrauen, da der Reichsrat schließlich ein politisches Instrument ist und bei seinen Eittschei- dungen würden deshalb die Erwägungen, die die Reichsbank bei der Aufnahme von Ausländsanleihen anstellt, noch weniger Berücksichtigung finden, als in der Beratungsstelle selbst. Infolgedessen ist schließlich davon Abstand genommen worden, eine übergeordnete Instanz zu schaffen. Statt dessen soll die Beratungsstelle in seiner jetzigen Form auf Antrag eine zweite Prüfung vorliegender Anträge durchführen, eventuell unter Hinzuziehung von Personen, die bei der ersten Prüfung nicht beteiligt waren. Bei dieser zweiten Prüfung sollen dann in erster Linie die währungspolitischen und währungstechnischen Gesichtspunkte in Betracht gezogen werden, während die erste Prüfung sich auf den produktiven Cha-, rakter des Anleihegesuchs beschränkte. Selbstverständlich sind bei der Besprechung dieses Planes auch die praktischen Gesichtspunkte der Anleihepolitik eingehend berücksichtigt worden. 88. Jahrgang bekannt, obwohl der Landtag schon gestern seine erste Sitzung abhielt. Die Haltung des Gouverneurs in der Frage der Re-, gierungsbildung hat lebhafte Beunruhigung bei der Be- > völkerung ausgelöst. Man bezweifelt bereits, ob das vor dem Völkerbundsrat von Woldemaras abgegebene Versprechen, eine Regierung auf parlamentarischer Grundlage zu bilden, durchgeführt werden wird. Auch die gestern bei der Eröffnung des Landtages vom Gouverneur abgegebenen Erklärungen werden als Kampfansage gegen das den Memelländern von den alliierten und assoziierten Hauptmächten und dem Völkerbund verliehene Statut betrachtet. So erkkärte zum Beispiel der Gouverneur, daß die erste offi- § zielle Sprache des Gebietes das Litauische sein soll. Das Statut hätte den memelländischen Beamten nichtlitanischer Nationalität die Pflicht auferlegt, die litauische Sprache zu, erlernen. Davon steht aber im Statut kein Wort. Ferner^ verlangt der Gouverneur, daß die Richter des Gebietes sö^ wohl das im Memelgebiet geltende (deutsche) Recht als auch. das litauische beherrschen müßten. Nach dem Memelstatut ; ist die Rechtspflege aber ausschließlich Angelegenheit der deutschen Verwaltung. Der Gouverneur hat demnach kein i Recht, irgend welche Eingriffe in die Rechtspflege des Gebietes vorzunehmen. Die Rede des Gouverneurs bildet in gewissem Sinn ein Programm, das er im Memelgebiet durchzusühren gedenke, obgleich die Durchführung einer Verletzung der Autonomie des Memelgebietes gleichkommen würde. Es siecht also so aus, als ob der Kampf um die dem Memelgebiet im Statut verliehenen Rechte aufs neue entbrennen soll. Folgen des General-Mordes in Serbien * Vollständige Grenzsperre gegen Bulgarien. ' Belgrad, 8 . Okt. Der gestrige Ministerrat hat im Zusammenhang mit dem verübten Mordanschlag aus den jugo- slawischen General Newacevic beschlossen, die Grenzwache^ gegen Bulgarien durch reguläres Militär zu verstärken. Die; r-.mgeoung oer Stadt Stip ist vollständig von Mikitär b«<° setzt, und die Regierung hat noch im Laufe der Nacht bi» vollkommene Absperrung der Grenze zwischen Jugoslawiens und Bulgarien angeordnet. Für bulgarische Staatsbürger' werden weder Einreise, noch Turchreisebewilligungen erteilt. Die Maßnahmen gÄten allgemein als Vergeltungsmaßnahmen wegen der letzte« Vorgänge in Mazedonien ge- genMer Bulgarien. Der jugoslawischen Polizei ist es gelungen, die Attentäter, die den Mordanschlag auf General Kowacevic verübten, festzimehmeln • - - ■'* Diplomakmempfang im jugoslawisch-« . Außenministerium Belgrad, 8 . Okt. Die gespannte politische Lage wird öurch den Besuch fremder Diplomaten im Außenministerium, gekennzeichnet. Marinkowitsch empfing zuerst den bulgarischen Gesandten Wakarelski und sodann den französtschen Gesandten Dard, welcher eine längere Unterredung mit dem Außenminister hatte. Darauf empfing der Außenminister den englischen Botschafter Kenard, der gleichfalls lange bet dem Minister blieb. Ein Blutbad auf den Salomon-Inieln London, 8 . Okt. Bon den Fidschi-Inseln läuft die Meldung ein, daß von den Eingeborenen der britischen Salomon- Jnseln unter den Weißen uird der Eingeborenenpolizei ein furchtbares Blutbad angerichtet worden ist. Ein Kaufmann, der auf einem RegicrUngsdampfer „Tulagi" auf den Salo- mon-Jnseln anlief, berichtet, daß der örtliche Berwaltungs- bkamte, ein Kadett, fünfzehn Polizisten und die ganze Besatzung des Schiffes hingemordet worden sei. Der Schiffsjunge und vier Polizeibeamte waren die einzigen Ueber- lebenden. Es ist dies die furchtbarste Gewalttat, die bislang auf den Inseln vorgekommen ist. Die Revolte in Mexiko Gomez «och am Lebem London, 8 . Okt. Nach Meldungen auS Mexiko City ist eine Reihe weiterer Hinrichtungen von Rebellen erfolgt. Unter den Hingerichteten bennden sich u. a. General Gui- jano, ferner der Chef der Artillerie in Ortiz, sowie dreizehn Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaft im Staat Morelos. Tie Regierung hofft, die Ruhe in ganz Mexiko innerhalb 24 Stunden wieder Herstellen zu können, obgleich, wie amtlich erklärt wird, General Gomez nicht erschossen worden sei, vielmehr von General Almad Verstärkungen erhalten habe. Die beiden Generäle verfügten über etwa 1800 Mann, während die Regiernngstruppcu etwa 6000 Mann stark seien. HuertaS Bruder erschossen. Rewyork, 8 . Okt. Eine Abteilung der mexikanischen Re- gierungstruppen stellte in den Hügeln südlich von NogaleS Sonera den Bruder des früheren mexikanischen Präsidenten Huerta, Alfonso, in dessen Begleitung sich ein Freund und acht Dnaui-Indianer befanden. Alfonso Huerta und sein Freund sind erschossen worden. Die Indianer flohen. Huerta wurde vorgeworfen, den Versuch zur Organisierung eines Jndianeraufstandes gemacht zu haben. Nach weiteren Meldungen ans Mexiko soll General Gomez tatsächlich noch am Leben sein. Es heißt, daß er mit etwa 2000 Rebellen das Hügelgelände in der Nähe von Vera- crnz beherrsche. Tie Regierungstruppen sollen bei ihrem Vormarsch gegen die Rebellen infolge des unübersichtlichen Geländes große Schwierigkeiten zu überwinden haben. Sorgen des Vatikans. Rom, 3. Okt. Der Fall aus dem Kardinalskollegium ausgeschiedenen französischen Jesuiten Billot zieht nach mehreren Richtungen weitere Kreise. Auch der Rektor des französischen Seininars in Rom Pater de Floeh hat seinen Rücktritt genommen Nakowstis Abberufung gefordert. Die franzöfische Abbernfungsnote in Moskau überreicht. Paris, 8 . Okt. Wie -er „Petit Parifien" mitteilt, ist die franzöfische Note, in der die Abberufnng Rakowskis verlangt wird, gestern nachmittag durch den französischen Botschafter in Moska« (Herbettej dem Antzenkommissar Tschit- scherin überreicht worden. Billigung des Verhaltens Rakowskis. Tschitscherin über das Abberusungsverlange«. Paris, 8 . Okt. Der „Soir" veröffentlicht ein Interview Robert Lacuricks mit dem Volkskommissar Tschitscherin über den Fall Rakowski und das Problem der französisch-russt- schen Beziehungen. Gegenüber den Behauptungen der französischen Rechtspresse erklärte Tschitscherin u. a.: Unsere Regierung hgt nicht nur nicht zugestimmt. Rakowski abzuberufen, sondern sie hat sich im Gegenteil seiner Abbexufung ständig widersetzt. Weder Litwinow noch ich haben von einer Zustimmung unserer Regierung zu dieser Abberufung gesprochen. Ich habe niemals die geringste Unzufriedenheit mit dem Botschafter Rakowski zum Ausdruck gebracht, sondern im Gegenteil l>abe ich alle Gründe, seine Tätigkeit zu würdigen. In allen Fragen, die sein Anstreten in Frankreich betreffen, erkläre ich mich mit ihm durchaus solidarisch. Tschitscherin erklärte weiter, daß er dem französischen Botschafter auf die Erklärung, Frankreich überlasse es ihm aus eigener Initiative über die Abberufung Rakowskis zu entscheiden, zu verstehen gegeben habe, die russische Regierung habe nicht de« geringsten Anlaß, Rakowski abznbernfen. Was den durch eine falsche Interpretation der Unterschrift Rakowskis unter der Oppositionserklärung hervorgerufenen Zwischenfall anbelangt, so sei der Sowjetregierung formell durch den französischen Botschafter Herbette erklärt worden, daß nach den Erläuterungen Tschitscherins der Zwischenfall als abgeschlossen zu betrachten sei. Tschitscherin bezeichnet«: weiter die Hetze der französtschen Rechtspresse gegen Rakowski als durchaus unzulässige Angriffe und Beleidigungen gegenüber einem Botschafter einer iremden Macht. Bon besonderer Bedeutung sind die Schlußerklärungen des russischen Volkskommissars, in der er kategorisch sagte: Die Abberufung eines Botschafters ist ein politischer Akt von außerordentlichem Ernst. Rakowski ist in Paris der treue Dolmetscher der Sowjctregierung. Die Forderung auf Abberufung kann nach rnsfischer Meinung nur als ein unfreundlicher Akt gelten, der die ernstlichsten Rückwirkungen aus die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben müßte. Ein solcher Akt scheint mir besonders gefährlich, wenn er in einer an und für sich schon schweren internationalen Atmosphäre und im Anschluß au eine Kampagne der reaktionären Presse vollzogen wird, deren ausgesprochenes Ziel der Bruch zwischen Frankreich und Rußland ist. Zaleskis Pariser Besprechungen Paris, 8 . Okt. Der polnische Außenminister Zaleski ist gestern in Begleitung seiner Gattin auf der Durchreise nach der Riviera in Paris eingetroffen. Es ist wahrscheinlich, daß er die gleichzeitige Anwesenheit mit Chamverlain in Paris benutzen wird, um mit ihm über die Frage der polnischen Anleihe, die in England aufs neue auf große Schwierigkeiten stößt, zu diskutieren. Der Sauvtxweck seines Pariser Aufenthaltes ist aber eine Aussprache mit Briand. die dem Vorschlag der Svwjetregie- rung über den Abschluß eines polnisch-russischen Garantiepaktes gelten soll. Bekanntlich ist von den Russen in Aussicht genommen worden, die russisch-französischen Verhandlungen über einen Garantiepakt mit den russisch-polni'chen Verhandlungen über den gleichen Gegenstand ,u vereinen, da von russischer Seite angestrebt wird, einen gemeinsamen Pakt zwischen den drei Staaten vorzubereiten. Bei den gespannten diplomatischen Beziehungen zwischen Moskau und Paris war es den Russen bisher noch nicht möglich, die Garantiepaktverhanblungen mit Frankreich zu beginnen. — Von dem Rücktritt Rakowskis und dessen Rückwirkungen auf die russische öffentliche Meinung wird es abhängen. ob der Garantiepakt zu Dreien verhandelt und verwirklicht werden kann. Die polnische Ausländsanleihe erneut gescheitert Warschau, 8 . Oktober. Wie der Vertreter der „T.-U." von verschiedenen privaten Stellen übereinstimmend erfährt, ist die polnische Ausländsanleihe tatsächlich wiederum gescheitert. Die Verhandlungen sind abgebrochen worden. Eine offizielle Verlautbarung über diese Angelegenheit ist bis gestern abend nicht erfolgt. Ten ganzen Tag über haben gestern Besprechungen innerhalb der polnischen Regierung über eine ev Wiederaufnahme der Verhandlungen stattgefunden. Das amerikanische Konsortium hat der Regierung endgültig erklärt, daß cs über einen Emissionskurs von 00 Prozent nicht hinausg-hen werde. Die Delegierten Fonnet und Fisher beabsichtigen, am Sonntag Warschau zu verlassen. Tie nationaldcmokratischen Zeitungen „Kurier Poz- nanski" in Posen, „Gazeta Bydgoska" in Bromberg wurden gestern nachmittag beschlagnahmt wegen eines Artikels über den Abbruch der amerikanischen Arrleiheverhandlnngen und wegen Veröffentlichung einer Nachricht über die angebliche Demission des polnischen Finanzministers. Schwierige Verhältnisse im Memelgebiet Zum Gentlcmanagrcemcnt zwischen Streseman« und Woldemaras. Kowno, 8 . Oktober. In einer Unterredung mit Pressevertretern hatte Ministerpräsident Woldemaras auch die Frage des Vertreters der „Litauischen Rundschau", ob sich das beabsichtigte „Gentlemanagrcement" in jeder Hinsicht aus das Memelgebiet beziehe, erklärt: „Das Gentlemanagreement bezieht sich nicht ans das Memelgebiet, sondern auf das Niedcrlassungsrecht der beiderseitigen Staatsangehörigen. ES soll seststellen, daß die Angehörigen des einen Staates sich nicht in die interne Politik des Staates, in dem sie sich niedergelassen haben, einmischen dürfen." Nach Ansicht zuständiger Berliner Kreise wollte Wolde-' maras mit seinen Worten anscheinend ausdrücken, es sei kein Sonderabkommen für das Memetgebiet allein abgeschlossen worden, sondern schlechthin ein Gentlemanagreement zwischen Deutschland und Litauen, Vor neuen Verletzungen des Memelftatuts Memel, 7. Oktober. Im letzten Amtsblatt des Memelgebietes ist, das Rücktrittsgesnch des Direktoriums für das Memelgebiet und die vom Gouverneur erteilte Antwort veröffentlicht. In der Antwort beauftragte der Gouverneur das alte Direktorium mit der Weiterführung der Geschäfte, lieber die Neubildung der Rcgiernna ist bisber noch nichts Der Landbote * Sinsheiruer Zeiümg. Nr. 196. Jahrgang 1927. und man weih, dah er neben Billot die Scele d?r französische? Politik an der Kurie gewesen ist. Gleichzeitig wurde bekannt, daß Billot schon vor seinem Rücktritt einen Zusammenstoß mit dem Papst gehallt hat, weil der Kardinal in einem Privatbcies an Leon Daudet dessen Haltung und somit die der „Action Frau- caise" gebilligt hatte. Nach dem Aufsehen der ganzen Angelegenheit beklagt man heute an der Kurie die dem Staatssekretär Gas- parri zugeschriebene Illusion, es werde möglich sein, die wahren Beweggründe von Billots Rücktritt geheimzuhalten. Inzwischen greift aber gerade big „Action Francaise" in eine französisch-italienische Auseinandersctzung in einer Form ein, die geeignet ist, dem vom Vatikan verfehmten Blatt die Sympathien des Faszismus gerade in dem Augenblick zuzuführen, in dem die Aeußerungen des „Osservatare romano" über die röm sche Frage das Verhältnis zwischen Kurie und Faszismus wesentlich abgekühlt haben. Der Generalgouverneur von Algerien, Violette, hat im Provinziallandtag von Algier eine Eröffnungsrede gehalten, die sehr scharf mit den imperialistischen Tendenzen des faszistischen Italien ins Gericht ging. Violette ist radikalsozialistischer Abgeordneter und emer der Grohwürdent äger der französischen Freimaurerei. Deshalb greift ihn nun in der „Aktion Francaise" der royalisttsche Publizist Maurras an und protestiert dagegen, daß die anti- faszistische Freimaurerei die B-ziehungen zwischen Frank e ch und Italien zu vergiften suche. Natürlich findet das ebenso beifällige Zustimmung des Faszismus als es Verlegenheit an der Kurie erregt, gerade die „Action Francaise" heute als Verteidiger Italiens zu sehen. Der Papst hat aber inzwischen unter den Fall Billot den Schlußpunkt gesetzt, indem er sämtliche Stellungen Billots in den Kongregationen einem Italiener, Kardinal Lauri übertragen hat. Daneben befaßt sich die vatikanische Welt bereits mit einem anderen Thema, den im Dezemberkonsistorium von Pius XI. vor- zunehmcnden Kardinalsernennungen. Es wird an gut unterrichteter Stelle versichert, daß der Purpur an erster Stelle d.n drei Nuntien in Paris. Berlin und Madrid zugedacht ist. Pacelli, Berlin) und Todeschini sMadrid) haben ein dahingehendes Versprechen schon seit geraumer Zeit erhalten. B:i Maglione (Patts) scheint dagegen nach den letzten Ereignissen der Wunsch mitzusprechen, ihn auf ehrenvolle Weise aus Paris abzurufen. Als Nachfolger werden genannt für Berlin der Stellvertreter des S'aats- fekretärs Mons. Pizzardo, für Paris der Sekretär der Kongregation für außerordentliche, kirchliche Angelegenheiten, Mons. Borgoncini-Duca und für Madrid der bisherige Nuntius in Holland Mons. Schioppa. Der voraussichtliche neue Berliner Nuntius Pizzardo hat seit Jahren sich als direkter Mitarbeiter des Staatssekretärs bewähtt und eine genaue Kenntnis der internationalen Fragen erlangt. Dagegen 'fehlt ihm eine spezielle Kenntnis der deutschen Verhältnisse, was seine Tätigkeit im An- fang nicht erleichtern wird. , Die gestrige Kabinettssitzung Berlin. 8. Okt. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers fand gestern nachm, in der Reichskanzlei eine eingehende Anssprache des Reichskabinetts unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten und des Generaldirektors der Deutschen Reichbahngesellschaft über die Frage der Ausländsanleihen statt. Bei dieser Aussprache wurde eine völlige Einmütigkeit darüber erzielt, daß für Deutschland auch in der nächsten Zukunft die Aufnahme langfristiger Ausländsanleihen nicht entbehrt werde« könne und wirtschaftlich und finanzpolitisch durchaus berechtigt sei. Ferner herrsche darüber Uebereinstimmung daß jede unter Berücksichtigung der heutigen Gesamtlage nicht dringliche oder unwirtschaftliche Ausgabe in Deutschland, sei es aus Ausländsanleihen oder aus anderen Quellen unbedingt zu vermeiden sei. Um diese Gesichtspunkte in Wirklichkeit zu übertragen, würde eine Ausgestaltung der Beratungsstelle für Ausländsanleihen ins Auge gefaßt. Es soll insbesondere die Möglichkeit geschaffen werden, Bedenken,'die bei der Antragsberatung auftauchen, durch erneute mit besonderen Sicherheiten versehene Prüfung Rechnung zu tragen. Hierüber wird unter Mitwirkung der Reichsbank mit den Ländern, die auch seinerzeit mit der Reichsregierung die Richtlinien der Beratungsstelle vereinbart haben, alsbald Fühlung genommen werden. Der Kampf um das Reichsschiügesetz Die Arbeit der Reichsratsaus schlisse Berlin, 8. Okt. Der Reichsratausschuß für das Reichsschulgesetz setzte gestern seine Beratungen fort. Nach Erledigung der ersten Lesung des Reichsschulgesetzes vertagte sich der Ausschuß. Am Nachmittag tagte zunächst eine Un- terkommission des Besoldungsausschusses, worauf am späten Nachmittag die Vollkommiffion für die Besoldungsre- sorm ihre vertraulichen Beratungen wieder aufnahm. Ein Frühlingstraum. 45) Eine Erzählung ans dem Leben von Fr. Lehne. i „Denke so gewöhnlich und schlecht von Mary, wie Di willst, Gabriele, das fällt ja nur auf Dich zurück", erwidert, er ruhig, „damit kannst Tu jenes engelreine Wesen dock nicht beleidigen! Sie steht so hoch über Dir. daß —Ei kam nicht weiter: wie eine Furie war sie aufgesprungen unl stand zitternd vor Wut vor ihm, der mit über der Brus gekreuzten Armen am Nahmen der Tür stand und verächtlick auf sie blickte. „O, Du — Du wagst es, mich in einem Atem mit Deiner Geliebten zu nennen mich mit ihr zu vergleichen", zischte sie „mich vielleicht in den Armen jenes engelreincn Wesens zr verspotten — o wie ich Dich verabscheue —* „Mäßige Dich, Gabriele", entgegnete er, sie fest um da? Handgelenk fastend, „mäßige Dich! Tu bist im Unrecht mi> Deiner Annahme — »ich weiß nichts von Mary Winters: mein Wort darauf: sie ist tot für mich." „Du liebst sie aber doch noch —" „Ich habe sie nie vergeffen können, und Du hast es nicht vermocht, die Erinnerung an sie aus meinem Herzen zu verdrängen. Vielleicht war es meine Schuld mit — gleichviel", er zuckte die Achseln — „wir wollen nicht mehr darum rechten!" ' „Und warum hast Du das Mädchen nicht geheiratet, wen« sie Dir so teuer war?" fragte Ella lauernd. „Erlaß mir die Beantwortung dieser Frage!" „Nun wohl, dann will ich sie beantworten! Ich weiß alles. Weil sie kein Geld hatte deshalb hast Du sie einfack sitzen lasten und lieber, um Dich recht weich zu betten, di« Tochter des reichen Bankiers Ulrich heimgeführt — ist e* nicht so? Testen Geld war Dir hochwillkommen, während —'‘ „Kein Wort weiter, Gabriele", sagte er so finster und drohend, daß sie unwillkürlich verstummte. „Ich gehe jetzt uni laste Dir Zeit, Tein Benehmen und Deine Worte zu über- Abänderungen des Reichsschulgesetzentwurfes? Berlin, 8. Okt. Wie an zuständiger Stelle verlautet, ist eine Entscheidung darüber, ob die Reichsregierung das Reichsschulgesetz in Form einer Doppelvorlage vor den Reichstag bringen wird, zur Zeit noch nicht gn übersehen.. Die Einbringung einer Doppelvorlage der Reichsregierung und des Reichsrates ist durchaus möglich. Ebenso aber besteht die Möglichkeit, daß die Reichsregierung die Vorschläge des Reichsrats in ihren eigenen Entwurf hineinarbeiten. Ueber die Fragen wird sich das Kabinett in der nächsten Woche entscheiden. Es scheint danach, daß die Reichsregierung an ihrem Schulgesetzentwurf nicht unbedingt festhält und zu Abänderungen auf Grund der Vorschläge des Reichsrats bereit ist. Der Zusammentritt des Reichstages Berlin, 8. Okt. Ueber den Zusammentritt des Reichstages kann, wie wir aus parlamentarischen Kreisen hören, auch jetzt noch nichts endgültiges gesagt werden. Offiziell hält die Regierung an dem 17. Oktober fest. Innerhalb des Reichsrates besteht jedoch die Auffaffung, daß dieser Termin, nicht innegehalten werden kann, weil die Reichsregierung zugestimmt habe, daß zwischen der ersten Lesung des Reichsschulgesetzes im Reichsrat, die gestern beendet worden ist und dem Beginn der zweiten Lesung eine Pause von einigen Tagen gemacht werden soll. Würde diese Pause eingelegt werden, ließe sich die Schlußlesung im Plenum des Reichsrates nicht am Donnerstag nächster Woche erledigen. Die sozialvemokratische Reichstagsfraktion zum Reichsschulgesetz Berlin, 8. Okt. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- . tion beschäftigte sich gestern mit dem Reichsschulgesetz. Die Aussprache ergab völlige Einigkeit darüber, daß der Kcu- öellsche Entwurf auf das schärfste abzulehnen ist und alle Bestrebungen zur Konfessionalisierung der Volksschulen abzulehnen sind. Von einer formulierten Stellungnahme wurde vorläufig abgesehen, da zunächst das Ergebnis der Beratungen des Reichsrates über die Anträge der Länder- rcgierungen abgewartet werden soll. „Abbau" der Besatzungstruppen im Rheinland Einer geht — und zehn bleibe«! Der „Abbau" der Besatzungstruppen im Rheinland soll in diesen Tagen beginnen. Das Wort „Abbau" hört sich großzügig an, in Wirklichkeit hat man auf französischer Seite so lange gefeilscht und gerechnet lals gar nichts mehr an der Entfache zu ändern war, daß aus rechtlichen und diplomatischen Gründen irgend etwas im Rheinlande geschehen mnsttei. bis man ein Minimum an ebzubauendeu Truppen durchgejötzt hatte. Ein derartiger Abbau, der zahlenmäßig bedeutet, daß jeder zehnte Soldat das Rheinland verläßt, < ist' lediglich als Rechenknuststück zu bewerten, berührt die legen — so gewinnt und erhält man die Liebe des Gatte» und seine Achtung nicht! — Gute Nacht!" Er verneigte fick leicht und ging. „Das, das wagt er mir zu bieten — er. den ich voi der Schande gerettet hatte," knirschte sie, „o, das werde ick Dir gedenken, und jene Putzmacherin, die so hoch über mii steht", sie zerriß in ihrer Wut das kostbare Spitzentuch ik ihrer Hand, „wie erhaben er tut und stolz — o. ich hast, ihn —" Hastig eilte sie in ihr Schlafzimmer und entledigte fick des kostbaren Gesellschaftskleides, das sie noch trug. Währeni dem lauschte und wartete sie auf das Kommen des Gatten es war doch wirklich Zeit zum Schlafengehen. Sie schlüpft« in ihren Schlafrock und schlich sich zu seinem Zimmer — alles still darin. Dann bückte sie sich, um durch das Schlüsselloch zu sehen, aber der Vorhang vor der Türe hinderte sie etwas zu erblicken. Leise öffnete sie die Tür und trat ei« Wolf saß an seinem Schreibtisch, in etwas vertieft und hört« sie nicht. Sv gelang es ihr, unbemerkt näher zu kommen Gierig blickte sie über seiny Schulter und sah ein Bild ir seiner Hand, auf das er unverwandt blickte. Ein tiefer Seufzer hob seine Brust und sie sah eine Träne aus die Tischplatte fallen. Ihr heißer, fliegender Atem streifte da sein« Wange: hastig drehte ^er sich um und sprang sofort aus, alt er seine Frau neben sich gewahrte. „Tu hier?" stieß er mühsam hervor. Sie senkte die Augen. „Warum «vundert Tick das so?" fragte sie leise. „Ich kann mir Deine Anwesenheit hier nicht anders erklären als daß Tu Dxinem Benehmen von vorhin die Krön« aufsetzen willst dadurch, daß Tu mir nachspionierst!" Sie zuckte bei diesen Worten leise zusammen und iagte leise „- und wenn ich Dir nur „Gute Nacht" sagen wollte —?" „Das glaube ich nicht", sagte er verächtlich. „Tu bist dock so oft schon ohne den Gruß schlafen gegangen!" Mit einem raschen Grift hatte sie da das Bild ersaht, warf einen Blick darauf und hielt es triumphienrend in die Höhe. „Wenn Du mir Spionage vorwirfst, mein Freund, sc Samstag, den 8. Oktober 1927. politische Taftache aber, daß das Rheinland nach wie vor, obwohl Deutschland allen seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, von fremden Truppen besetzt und somit ffl* Souveränität Deutschlands verletzt ist, in keiner Weise. Ob die Zahl der französischen Soldaten tausend oder zehntausend oder fünfzigtausend beträgt, ist gleichgültig: die Tatsache allein, daß Frankreich, trotz der Angehörigkeit Deutschlands zum Völkerbund, cs noch immer für notwendig hält, einen Teil Deutschlands z» bewachen, beweist di; Wertlosigkeit aller politischen Versicherungen. Stiftung der preuhischen Provinzen zur Hindenburgspende Berlin, 8. Okt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Verband der preußischen Provinzen namens der preußischen Provinzen einen Beitrag von 200 000 Reichsmark zur Hindenburgspende überreicht. Die Provinzen haben diesen hohen Betrag besonders aus dem Grunde gezeichnet, weil die soziale Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu ihre» gesetzliche» Aufgaben gehört. Abstempelung der Reichsanleihe 1927 ab 2». September. Ter heraufgesetzte Zinsfuß der bprozentigen Reichsanleihe von 1927 soll aus den Schuldverschreibungen und den Zinsscheinen kenntlich gemacht werden. Die Reichsschuldenverwaltung fordert aus diesem Grund die Inhaber der Schuldverschreibungen der Deutschen Reichsanleihe von 1927 auf, die Stücke mit den Zinsscheinbooen und einem von dem Einlieferer Unterzeichneten Nummernverzeichnis in der Zeit vom 20. September bis zum 20 Oktober 1927 bei der Kontrolle der Reichspapiere in Berlin SW. 08. Oranienstr. 106; und außerhalb Berlins, bei der nächsten Reichsbankstelle zur Abstempelung einzureichen. — Vordrucke für die Nummernverzeichniffe werden bet der Reichsschuldenverwaltung und den Retchsbankanstalten unentgeltlich abgegeben Die nJhaber der Stücke erhalten dieselben Stücke wieder zurück, die sie zur Abstempelung eingereicht haben. Sie müssen damit rechnen, daß die Wertpapiere nach Ablauf der Frist an den Börsen nur noch im abgestsmpelten Zustand lieferbau sein werden. Kosten oder andere Gebühren werden von den Inhabern der Schuldverschreibungen nicht erhoben. Die neuen deutschen Kreuzer. Die Veröffentlichung des Grundrisses der „Karlsruhe" in dem letzten Heft der „Marine-Rundschau" gibt dem bekannten englischen Marinefachmann Hector C. Bywater Anlaß zu beachtlichen Ausführungen. Er schreibt in der „Daily News":: „Deutschland baut augenblicklich Kriegsschiffe, die im Verhältnis zu ihrer Größe die stärkste Gefechtskraft der Welt darstellen. Durch den Versailler Vertrag an niedrige Deplacementsgrenzen gebunden, zeigen die deutschen Konstrukteure bewundernswerten Geist in der Bereinigung des äußersten Grades von Gefechtskraft auf verhältnismäßig kleinen Schiffen. Die beiden Schwesterschifte „Königsberg" und „Karlsruhe" sind von einer so neuartigen Anlage und verkörpern so viele neue Eigenschaften, daß die deutschen sie mit dcm wohlverdienten Namen Wunderschiffe bezeichnen. Ihr Schiffskörper ist aus einem besonderen Stahl gebaut, dessen Zusammensetzung nur in den Laboratorien von Krupp bekannt sein soll. Er verbindet Leichtigkeit mit großer Stärke; das Gewicht ist weiter durch Verwendung elektrischen Schweißverfahrens anstelle von Nietung vermindert. Die Bewaffnung der Schiffe ist außerordentlich sowohl hinsichtlich der Stacke als auch der Aufstellung." Bywater vergleicht dann die deutschen Schiffe, die 6000 Tonnen Deplacement besitzen, mit den englischen. Kreuzern. Nur zwei von ihnen „Emerald" und „Enterprise" (7700 Tonnen) sind den deutschen an Geschwindigkeit gleich, dagcgen um 2 :15 Zentimeter-Geschütze unterlegen. Die englischen 10.000 Ton» nen-Kreuzer sind natürlich stärker bewaffnet als die deutschen, doch bleiben sie in der Geschwindigkeit um zwei Meilen Zurück. Byvater fährt fort: „Obwohl „Karlsruhe" und „Königsberg" nur 6000 Tonnen-Schifte find, werden sie dank ihrer su chtbaren Bewaffnung viel größere Kreuzer überwältigen können. Andererseits wird ihre große Geschwindigkeit sie dem Bereich schwerer Schiffe entziehen. Es muß zugegeben werden, daß die deu.schen Schiffbauer das Niveau ihrer Borkciegsleistungen, das wirklich hoch war, wieder erreicht haben." Mann darf nicht verkennen, daß. es den englischen Zeitungen, die die deutschen Neukonstruktionen so übeftchwenglich loben, hauptsächlich daurm zu tun ist, die Aufmerksamkeit der Welt auf die deutsche Wehrmacht zu lenken. Es wird ihnen nicht gelingen, eine deutsche Gefahr zur See irgendwo glaubhaft zu machen. Während die amerikanische und englische Flotte Schiffsraum von je 1,2 Millionen Tonnen unterhalten, beläuft sich das Deplacement der gesamten deutschen Flotte zurzeit auf 70 000 Tonnen. Die Konstrukteure der Marineleitung dürfen trotzdem die Anerkennung ihrer Leistungen, die auf richtigen Grundlagen beruht, für sich buchen. ist sie auch von Erfolg gekrönt! Siehe das Bild des engelgleichen Wesens! Also habe ich recht, und ich bin eine arme, betrogene Frau — Tu bist so über die Maßen falsch und dabei gebärdest Du Dich als sittenstrenger Mann —" „Gabriele, mache mich nicht rasend! Augenblicklich legst Du das Bild hin und verläßt mich, wenn ich mich nicht vergeffen soll", befahl er zitternd vor Erregung, und da sie zögerte — „gib das Bild zurück — o, an Deiner Stelle würbe ich mich tief in die Seele hinein schämen." „Da hast Tu Dein Liebchen", rief sie höhnisch, das Bild zerknitternd Und es ihm wuterfüllt vor die Füße werfend, indem sie daraus trat, „da nimin!" Mit einer gebieterischen Bewegung streckte er die Hand nach der Tür. „Hinaus mtt Dir. Elende!" Ta war es um ihre Selbstbeherrschung geschehen. Drohend hielt sie ihm die Hand vors Gesicht und stieß mit vor Wut erstickter Stimme hervor: „Du — Du wagst es. mir die Tür zu weisen, die Tür meines Hauses. Hast Du denn überhaupt ein Recht dazu, ein Recht auf alles, was sich hier befindet? Was wärest Du denn, wenn Tu mich nicht hättest —" „Jedenfalls wäre ich ebenso glücklich, wie ich jetzt elend bin in dem Besitze eines Weibes, bas so gänzlich bar alles Zart- und Ehrgefühls ist, da —" Da lachte sie schallend auf: „das ist ja köstlich", ries sie höhnisch, „köstlich, daß Du — Du stets das Wort Ehre im Munde führst, der Tu selbst keine hast —" „Wenn Tu nicht sofort schweigst, vergeffe ich trotzdem, daß ich mit einer Unzurechnungsfähigen zu tun habe", und unwillkürlich hob er den Arm. „Recht so, recht so — schlage mich, das fehlte noch", rief sie gellend. „Oder ist es etwa ehrlich gehandelt, wenn man ein Mädchen heiratet, um sich durch dessen Geld vor der öffentlichen Brandmarkung zu retten? Glaubst Du, ich wüßte nicht, daß der stolze, strenge Wolfsburg der Sohn — eines Fälschers ist?" „Weib. Du —" mit rauher Hand faßte er da ihren Arm, daß er rote Flecken aufwies. Nr. 196. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 8. Oktober 1927. Der Weiterflug von „D1230" verschoben Berti«. 8. Okt. Die Jnnkerswerke erhielte« gestern früh eia Telegramm ans Lissabon, wonach wegen schlechter Wetterlage der Weiterflag vo« „D 1830" verschöbe« wor» de« ist. Die Verzögerung des Fluges Schlechtes Wetter bei de« Azoren. Berlin, 8. Okt. Nach den gestrigen Wettermeldungen ist das Flugwetter an der portugiesischen Küste zwar sehr gut, da bei wolkenlosem Himmel schwache Südwinde herrschen, doch liegt zur Zeit unmittelbar bei den Azoren ein Tiefdruckgebiet, bas zwar räumlich nicht sehr weit ausgedehnt ist, anscheinend aber die Flieger doch bewogen hat. von einem Start für heute abzusehen. Man kann damit rechnen, daß das Tiefdruckgebiet einem aus der Richtung der Bermudas heranziehenden Hochdruckgebiet Platz machen wird. Da zwischen den Azoren und Neufundland außerordentlich schlechtes Wetter bei sehr starken Nebenwinöen herrscht, dürste zur Zeit der über die Bermudas führende Kurs der gegebene für eine Ozeanüberuerung sein. Loose über den Flug nach Lissabon Die „B. Z." gibt eine Unterredung ihres Liffaboner Vertreters mit dem Flieger Loose über den Flug des „D 1230" von Amsterdam nach Liffabon wieder, in der es unter anderem heißt: „Wir flogen von Amsterdam um 6,20 Uhr Greenwicher Zeit ab und erreichten eine Höhe von ungefähr 500 Metern, die wir während des ganzen Fluges beibehielten. Wir flogen die französische Küste entlang und nahmen alsdann Richtung auf Quaflant. Während des ganzen Fluges sandte» wir Nachricht an die Station Quaffant, die hierauf antwortete. Nachdem wir Kap Finisterre überflogen hatten, setzten wir unseren Flug die Küste entlang ohne Zwischenfall fort und erreichten bei herrlichem Wetter die spanische Küste. Wir passierten La Coruna und riefen Vigo an, das Antwort sandte. Alsdann folgten wir der portugiesischen Küste. Ungefähr tausend Kilometer vor Liffabon gerieten wir in dichten Nebel. Wir versuchten mehrere Male, Liffabon anzurufen, um uns die Richtung angeben zu laffen, ohne jedoch Antwort zu erhalten. Vor die Unmöglichkeit gestellt, den Flug fortzusetzen, beschlossen wir, auf das Meer ntederzu- gehen. Es war dies um 4.45 Uhr. Wir hofften, weiterfliegen zu können, aber Liffabon antwortete immer noch nicht auf unsere Anrufe. Da die Nacht hereinbrach, entschloffen wir uns. auf dem Platz unserer Landung zu bleiben. Das Meer war glücklicherweise ruhig. Die Motoren arbeiteten gut bet einer mittleren Geschwindigkeit von 180 Kilometer in der Stunde. Wir befürchteten einen Witterungsumschlag. Wenn aber ein solcher nicht eintritt, so hoffen wir, in zwei bis drei Tagen wieder avreisen zu können." Ankunst Lhamberlains in Paris Paris, 8. Okt. Sir Austen Chamberlain ist gestern früh um 8.17 Uhr in Paris mit seiner Gattin und seinen beiden Söhnen eingetroffen. Er begab sich gleich nach seiner Ankunft in die englische Botschaft, wo er bis zum Montag nachmittag Wohnung genommen hat. Heute ist ein Frühstück bei Briand im Quai d'Orsay angesagt, an dem auch der gestern nachmittag in Paris eintressende polnische Außenminister Zaleski teilnehmen soll. Die erste Begegnung zwischen Briand und Chamberlain wird, wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, heute stattfindem ' Rückkehr des Diktaturparagraphen in Elsaß-Lothringen Lnxemburg. 8. Okt. Unter der Ueberschrift „Rückkehr des Diktaturparagraphen" meldet die lothringische Presse, daß der Polizeipräsident von Straßburg dem Leiter der autono- mistischen „Zukunft" mitgeteilt habe, die Zeitung werde beschlagnahmt, wenn über Fragen, die mit der Autonomie Elsaß-Lothringens znsammeuhingen, geschrieben würde. Der Lustkampf Fieseler—Doret am 23. Okt. * aus dem Tempelhofer Feld Kassel, 8. Okt. Nachdem die Genehmigung zu dem Revanche-Kampf Fieseler—Doret durch den Deutschen Luftrat und den französischen Aeroklub erteilt worden ist, wird der Kampf am 23. Oktober auf dem Zentralflughafen in Tempelhof ausgetragen werden. Doret trifft bereits am 18. Oktober in Kassel ein. Fieseler und Doret werden auf den Maschinen Hres Gegners trainieren, da bet dem Lustkampf a«ch dtze Maschinen gewechselt werden sollen. Die deutsche Maschine ist mit 100 PS», die französische mit einem 300 KS-Motor ausgerüstet. General Heye nach Amerika abgereist Hamburg, 8. Oktober. Ter Chef der Heeresleitung, General Heye, ist gestern morgen gegen elf Uhr in Begleitung seines Sohnes, Kapitänleutnant Heye, auf der „Hamburg" nach Amerika abgefahren. Während seiner Abwesenheit wird er durch den dienstältesten General der Armee, General Reinhardt, vertreten. Wie weiter mitgeteilt wird, sind für den Aufenthalt General Heyes in Amerika ungefähr 1)4 Monate vorgesehen. Er wird voraussichtlich am 28. November auf dem Dampfer „New Nork" nach Europa zurückkehren. In Amerika wirb er Gelegenheit haben, eine ganze Reihe amerikanischer Truppenübungsplätze, industrielle Unternehmungen, Universitäten usw. zu besichtigen. Außer Newyork ist die Besichtigung der wichtigsten Großstädte Amerikas vorgesehen. Welche Städte er im einzelnen besuchen wird, ist jedoch noch ungewiß. Borgesehen sind unter anderem Boston, Chicago und Sau Francisco. General Heye wird voraussichtlich auch vo» dem Prändenten Coolidge empfangen werden. Eine politische Bedeutung kommt bekanntlich der Reise nicht zu, da Heye als Privatpersou reist. Baden Herbstbeginn in Bade«. Karlsruhe, 7. Oktober. Als eine der ersten weinbautrci- benden Gemeinden hat Oberrotweil a. N. mit der Weinlese begonnen. Tie Qualität ist gut und die bekannten Moll- gewichte günstig. Der Ertrag läßt zu wünschen übrig. Die Preise sind für Elbling-Trauben 27 RM ver Zentner, für Edelsvrten höher. Die Tendenz ist steigend, das Geschäft lebhaft. — In Herbvlzheim ist die Quantität bedeutend geringer als man angenommen hat. Tie Reife der Trauben ist durchschnittlich beffer als letztes Jahr, und das Mvstgewicht schwankt zwischen 60 und 75 Oechsle je nach Sorte und Lage. — In Ettenheim wurden bezahlt 73—74 M. per Hk., für Amerikaner 66—67 RM. — In Eisental (Bühl» begann die Weinlese der blauen Trauben. Die Qualität ist gut. Das Mostgewicht beträgt 85—90 Grab Oechsle Das Quantum ist sehr gering und wird größtenteils von der Affentaler Winzergenoffenfchaft eingelegt. Mit dem Herbsten der weißen Trauben wird noch zehn Tage zugewartet. Die Rtes- lingtrauben sind infolge der intensiven Schädlingsbekämpfung gesund. Es wird mit einem halben Herbsterträgnis gerechnet. — In Achkarren wird am 10. Oktober,der Herbst beginnen. — I» Jechtingen begann er am 5.-Oktober. Im allgemeinen ist es ein Drittel bis mäßiger halber Herbst. Bis jetzt wurde ein Mystgewicht von 62—75 Grab gemessen. Die Nachfrage, besonders nach Trauben, ist rege. Aus Nah und Fern. Bezirks-Obst- und. Gartenbau-Ausstellung in Sinsheim. * Sinsheim, 8. Okt. Die große, vom Bezirks-Obstbauverein im geräumigen Saal des Gasthauses zum Stadtpark veranstaltete Bezirks-Obstausstellung, der sich auch der Gartenbau und die Bienenzucht angeschlofsen haben, ist gestern Abend in ihrem Aufbau vollendet worden. Während diese Zeilen in die Qeffentlichkeit hinausgehen, findet ihre feierliche Eröffnung statt. Dann wird bis Dienstag, also drei Tage lang, in wohl geordnetem Aufbau all das zu sehen sein, was liebevolle Pflege, Fl-iß und Freude an der Natur an hervorragenden Erzeugnissen auf Obstbäumen, Gartenböden und am Bienenstand gezüchtet hat. Auf verhältnismäßig begrenztem Raum ist eine Ueberficht der Obstsorten unseres Bezirks und der Garten-Kulturen künstlerisch zusammcngestellt, die durch die Hochwertigkeit der Erzeugnisse und die Manigfaltigkeir der Produkte mehr als lokales Fnteresse beanspruchen darf. Gleich beim Betreten des Saales grüßt in der Saalmitte freundlich die wundervolle Geranienanlage des Fugendstistes Sun- nisheim mit seiner in „Blumenschrift" ausgeführten Mahnung „Schenke Blumen". Dann wird der Blick über dieselbe hinweg gefesselt durch die über dem Ganzen auf der Bühne sich wirkungsvoll erhebenden Pflanzen-Ausstellung der Gärtnerei August Kaufmann. ein schönes und ansprechendes Bild in kunstgärtnerischer Zusammenstellung und sarbenbunter Vielseitigkeit, in dem Pflanzen von den kleinsten bis zu den größten Arten vertreten sind- Besondere Beachtung verdient auch das Pflanzcn-Arrange- ment der Gärtnerei von Hausen auf der rechtem Empore mit seiner Blumenbombe inmitten. Ein anmutiges Bild bietet ferner die Schnittblumenausstellung (Dahlien) des Fugendstifts Sunnis- hcim. Was unser Bezirk an Obstsorten hervorzubringen vermag, ist in höchst geschickter und übersichtlicher Weise gruppiert, die den Besucher mit Bewunderung über den Obstsegen und die vielen Sorten der hiesigen Gegend erfüllen kann. Da lenkt in erster Linie die Kollektivausstellung der Kreispflegeanstalt den Blick des Beschauers affrs sich, welche in künstlerischen Figurationen eine reiche Auswahl an Edelobst zeigt. Hier ist auch die in unserer Gegend seltene Mispel zu sehen. Nicht weniger reichhaltig ist die Ausstellung des Fugendstifts, bei der auch reife Feigen und wohlerhaltene Aepfel des vorigen Fahres zu finden sind. Auch die Ausstellungen der Stadt Sinsheim mit über 80 Sorten, des Gärtners Hertel und des Saatbaubetriebes Frank bieten viel Beachtenswertes. Dann folgen eine große Zahl Aussteller, Gemeinden und Private, deren prächtige Erzeugnisse die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich lenken. Für den Obstoersand ist die Verpackung von großer Bedeutung, es nmd deshalb auch die in Baden übliche Berpackungsweise gezeigt. Ebenso reichhaltig beschickt ist die Abteilung des Gartenbaus. Wiederum sind es das Fugendstift Sunnisheim und die Kreispflegeanstalt, die mit ihren auf der Empore plazierten kunstvollen Arrangements von Gartenerzeugnissen, die Aufmerksamkeit in erster Linie auf si ch lenken. Dieje^ wie auch die übrigen ausgestellten Sachen^zeigen, daß aüch"auf diesem Gebiet bei guter Pflege recht günstige Resultate zu erzielen sind. Riesige Kraut- und Salatköpfe und außergewöhnlich stark entwickelte Pflanzen aller Art erregen hier Bewunderung. Mit einer liebevoll und anmutig aufgcbauten Kollektivausstellung ist der Bezirks-Bienenzuchtverein vertreten, die nicht üdeftehen werden darf, denn sie bietet auch manch Lehrreiches. Ebensowenig darf der Besucher achtlos an der im Garten sich befindlichen Ausstellung der Baum- schulenerzeuguisse unseres Bezirks Vorbeigehen. Hier sind prächtig gezüchtete Hochstämme und kunstvolle Formen von Zwerg- und Spalierobstbäumen zu sehen, die der Beachtung wert sind. Wenn man nach all dem Beschauen der einheimischen Obst- und Gartenerzeugnisse aus ehrlicher Bewunderung und einem tiefen Gefühl von Achtung vor dem Fleiß und der Tatkraft der einheimischen Obst- und Gartenbaukullur nicht herauskommt, so gewinnt angesichts der hohen Einsuhrziffer für ausländisches Obst und Gemüse der in „Apfel- oder Zwetschgenschrift" geschriebene Ruf: „Eßt deutsches Obst" ernste Bedeutung. Die sehenswerte Ausstellung verdient regstes Interesse, starken Besuch und den Preis der öffentlichen Anerkennung. * Sinsheim, 6. Okt. (Die verwahrlosten Miethäuser.) Ucber die Einkommensteuer, des Vermieters hat der Reichssinanzhof eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Seinen Einkünften steht sein Gesamtoerbrauch gegenüber. Er setzt sich für den Steuerabschnitt aus dem lausenden Erhaltungraufwand und der jährlichen Abnutzung im Sinne der Aufzehrung des im Gebäude angelegten Kapitals zusammen. Grund und Boden kommt dabei nicht in Betracht. Der laufende Erhaltungsaufwand muß gegenüber den Anschaffungs- und Herstellungskosten abgegrenzt werden. Auch bei größeren Ausbesserungen von Miethäusern kann der Gesamtaufwand im Ausgabcjahr abgezogen werden und an Stelle des Aufwandanteils treten, der auf das einzelne Jahr entfällt, im übrigen aber zu dem lausenden Eihaltungsauswand gehört. Dies gilt besonders für die Wiederinstandsetzung von Mieihäusern, die durch den Verfall der Währung verwahrlost sind. * Sinsheim, 6. Okt. (Der Abschluß der Hindenburgspende am 31. Oktober 1927.) In dem Erlaß des Reichspräsidenten an das deutsche Volk hat sein ganz besonderer Dank denen gegolten, die als Geber an der Hindenburgspende tcilnahmen. Die Sp.nde läuft noch, soll aber am 31. Oktober 1927 endgültig abgeschlossen sein. Es werden daher alle Verbände, Banken und sonstigen Träger der Hindenburgspende, soweit ihnen nicht besondere Mitteilung zugegangcn ist, gebeten, die bei ihnen aufgekommenen Summen im Laufe des Oktober auf das Reichsbankgirokonto oder eines der bekannten Postscheckkonten der Hindenburgspende zu überweisen. (Postscheckkonten: Berlin 73 8CO, München 9000, Stuttgart 23 000, Dresden 37 000, Königsberg 900 Stettin 5700 Köln 107 000.) v Sinsheim, 7. Okt. (Haushaltungsschule.) Am Ende der bekannten Gertelbachfälle liegt das frühere Kurhaus Geiielbacht Hier haben die bad. Mädchen-Bibelkreise eine tzau.haltungs- schule eingerichtet." Fährlich finden 2 Kurse statt. Der nächste beginnt am 15. Oktober. Die Lage der Schule inmitten herrlicher Tanmnwaldungen empfiehlt sich besonders auch fü. solche Mädchen, deren Gesundheit der Kräftigung bedarf. Die Schule wird in christl. Geist geleitet und gewährt ihren Schülerinnen eine gründliche hauswtrtschastliche Ausbildung. Nähere Auskunft erteilt die Leiterin. * 1 .A Groinbach, 7. Okt. (Motorradunfall.) Am Montag ereignete sich auf der Landstraße Grombach-Steinsfurt ein Motor rad» unglück. Der Führer sowie eine Dame, die hinten aufsaß, kamen dadurch zu Fall, daß der Führer auf einen Steinhaufen aufsuhv. Der Motorradführer kam mit dem Schrecken davon, während seine Begleiterin erhebliche Verletzungen am Knie davontrug. Der Grund des Unglücks dürfte wohl auf allzuschnelles Fahren zu- rückzuführen sein. = Heidelberg, 7. Okt. (Dampfbackofenexplosion.) Am 5. Oktober, nachmittags 9.45 Uhr, explodierte, vermutlich durch an- gesammelte Gase, ein neuer Dampfbackofen in der Ingrimstraße. Durch die Explosion wurde das ganze Haus erschüttert und der Backofen aus den Fugen getrieben. Drei Sack Mehl fingen Feuer das aber sofort von den Bäckergehilfen gelöscht wurde. In der Bäckerei wurden einige Fensterscheiben zertrümmert und in dem über der Bäckerei liegenden Wohnzimmer hat sich ein Teil des Deckenverputzes gelöst. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die herbeigerufene Berussfeuerrvehr brauchte nicht in Tätigkeit zu treten. = Mannheim, 6. Okt. (Eine Explosion.) Am Mittwoch nachmittag explodierte in einem Neubau der Speyererstraße eins Farbspritzmaschine, wodurch ein lediger 21 Fahre alter Tüncher lebensgefährliche Verletzungen am Kopf und Hals davontrug. Er wurde mit dem Sanitätsauto in das Allgemeine Krankenhaus gebracht. = Beerfelden, 6. Okt. (Großes Schadenfeuer.) H:ute früh eineinhalb Uhr brach in einer Scheune in der Mitte des Städtchens Feuer aus. Trotz der frühen Stunde war die Freiwillige Feuerwehr in wenigen Minuten an der Brandstelle. Das Feuer griff jedoch mit unbeschreiblicher Schnelligkeit auf drei benachbarte reichlich gefüllten Scheunen über, und so wurden sämtliche vier Scheunen ein Raub der Flammen. Alles lebende Inventar, mit Ausnahme von einigen Hühnern, wurden gerettet. Durch die windstille Nacht und die unermüdliche Anstrengungen der Feuerwehr und Einwohnerschaft wurde eine noch größere Feuers- brunst vermieden. ** Ludwigshase«, 8. Okt. (Vier Maurer abgestürzt». Am Mittwoch stürzten am Kantinenneubau der Reichsbahn an der Jägerstraße vier Maurer aus 4 Meter Höhe ab und erlitten * 's schwere, teils leichtere Verletzungen. ** Ziegelhause« bei Heidelberg, 8. Okt. (Unfall.) Ein verheirateter Mann wollte auf seinem Rad durch eine Ausfahrt die Straße erreichen, ohne von dem in diesem Augenblick vorüberfahrenden Lastwagen etwas zu hören. Der Mann konnte nicht mehr abstoppen und fuhr in das Auto hinein. Er liegt in bedenklichem Zustand im Heidelberger Krankenhaus. ** Hockenheim, 8. Okt, (Gute Beschäftigung.) In der hiesigen Fabrik der Tabakgenoffenschaft herrscht gegenwärtig Hochbetrieb, da etwa 600 Zigarrenarbeiter dort beschäftigt find. Darunter sind etwa 200 auswärtige Arbeiter. ** Wiesloch, 8. Okt. (70. Geburtstag». Auf Schloß Rotenberg im Amtsbezirk Wiesloch konnte der ehemalige deutsche Gesandte Exz. Franz von Reichenau seinen 70. Geburtstag feiern. Er war ein Schüler Bismarcks und vertrat als Gesandter in Brasilien. Chile, Serbien und Schweden bis in den Weltkrieg hinein Deutschlands Belange. Er erkannte Deutschlands Isolierung und warnte Bethmann- Hollweg schon 1909. Das Auswärtige Amt übcrhörte seine Warnungen. Als unbequemer Warner wurde er 1915, mitten im Weltkriege, zur Disposition gestellt. Für das Deutschtum im Auslande trat er sters mit Wärme und Energie ein. Er war der erste Vorsitzende der beiden großen Deutschtumsorganisationen, des Vereins für das Deutschtum im Auslande und des deutschen Schutzbundes. Die Universität Marburg zählt ihn zu ihren Ehrendoktoren. ** Karlsruhe, 7. Okt. (Unfall». Beim Abspringen von der Straßenbahn am Marktplatz stürzte ein 63 Jahre alter Mann und kam unter die Schutzvorrichtung des AnhLnge- wagens zu liegen. Er erlitt mehrere Rippenbrüche «ud Hautabschürfungen am Rücken und an den Beinen. Der Verletzte mußte ins Krankenhaus überführt werben. ** Osseuburg, 8. Okt. (Zur Meffeausstellung». Den elsäfsischen BeO'ckern der Ortenauer Herbstmesse ist die Möglichkeit geboten gegen Lösung eines Grenzscheines von 2,50 Mark bei der deutschen Reichspaßstell c in Kehl ohne Visum die Meffe »nd die Ausstellung zu besuchen. Die Vergünstigung <-ilt kür den 8. und 9. Oktober. ** Vleichheim bei Emmendingen, 8. Okt. (Unfall.) Der Müller Joses Mefferschmidt von hier wollte dem 18 Jahre allen Erwin Ziebold von Wagenstadt eilte Pistole zeigen. Als er die Waffe zu diesem Zweck entlud, ging ein Schuß los und traf Ziebold in den Unterschenkel. ** Freibnrg, 8. Ott. Auf der Tagung des Gustav- Adolfvereins, die in der letzten Woche in Graz stattgefun- deu hat, wurde der Wunsch ausgesprochen, der Deutsche Gustav-Advlf-Verein möchte im nächsten Jahre seine große deutsche Tagung in Freiburg i. Br. abhalten. Die Versammlung beschloß, diese Einladung anzunehmen. ** Steißlingen, bei Stockach, 7. Okt. (Spinale Kinderlähmung». Auch hier ist ein Fall spinaler Kinderlähmung ausgetreten. Das erkrankte Kind gehört dem Polizeidiener Bindern. Die Kleinkinderschule ist vorläuftg geschloffen. — Tie gefürchtete Krankheit war bereits vor einigen Jahren hier aufgetreten, ohne daß man ihre Gekährlichkcit in vollem Umfange erkannt hätte. Drei Kinder tragen bleibende Spuren, eines davon ist aänzlich gelähmt. ** Singen, 8 Okt. lBerschwunden). Prokurist Schiffmann in den Aluminiumwerken ist unter Mitnahme von 90 000 Mark Firmengeldern verschwunden. Sein Aufenthalt konnte bis jetzt noch nicht ermittelt weiden. ** Siugen, 8. Okt. lAbbruch des alte» Güterbahnhofs». Die Abbrucharbeiten a^s alten im Jahre 1877 erstellten Güterbahnhofgebaudes und der Hallen sind an die Firma Frauenfelö. Wacker u. Cie.. Singen, übertragen worden. ** Säckinge«, 8...Okt. /< 222* „ 29 297»:* 1 Ir 110 93 1371/, 312*/» Bergw erka» Aktien in a/o Harpener Bergbau . . 200 Kali Wcsteregel.. Mannesmunnröhrenwerke. . I07>» Mansfelder Bergb. u.Hüttenw . Irb Lberschl. Etsenb. Bedarf . . — Phönix Bergbau u.Hüttenbetrieb 114 Salzwerk Heilbronn . . 178 Bereinigte Königs- Laurahütte — Aktie» I»d«str. Unternehmungen: tn a/o itllg. Elektr. Stammaktien . 19»»/* Badenia Wetnüeim . . — /-ad. Elektrizität Mannheim — Bav. Maschinen Durlach . — Aktie» d«»tscher Traneportanftaltea: tn a,« t amburg. Amertd. Paketsahrt >«?>/» etdelberger Straße», u. Bergbahn«: Norddeutscher Lloyd . . lsa Devise»: Geld Brief New-Vort 1 Dollar 4.1915 4.1995 London 1 Pfund 20.405 30.445 Holland 100 Gulden 168.13 168.47 Schwel» 100 Kranes 80.811/2 80.97i/a Wien H)0 Schilling 59.13 69.25 PriaslOO Francs 13.451 16.491 Italien tOO Lire 33,4 t 92.98 Wetterbericht. Karlsruhe, 7. Okt. In Baden war es gestern zeitweise heiter und meist trocken. Die Zufuhr kalter und trockener Luft in der Höhe lieh wiederum die Einstrahlung nicht wirksam werden, so baß die Tagesmittel der Temperaturen unverändert etwa 5 Grad unter dem Normalwert bleiben. Nachts sanken die Temperaturen in den höheren Lagen wieder unter best Gefrierpunkt Auf der Rückseite des Hochdruckgebietes über England ist ein Teil de: zur Nordmeer- zvklone fließenden Warmluft in südöftlicher Richtung abgebogen und über die Nordsee bis nach Mitteldeutschland vor- gedrnngen. Die Warmluft hat über der Ostsee zur Bildung eines Teilwirbels geführt und macht sich auch heute bei uns durch stärkeren Temperaturanstieg, besonders tn der Höhe bemerkbar. Das "ochdrnckacbiet baut über England ab mii-d uns aber immer noch beeinftnsien. - ** Voraussichtliche Witterung. Samstag: Wolkig, zeitweise aufheiternd, mild, vereinzelt Regen. — Sonntag: Wolkig, selten aufheiternd. i-"K,'iber ziemlich milde, windig, zeitweise Regen — Montag: Wechselnde Bewölkung, windig. zeitweise Regen, zunächst ziemlich milde, dann kühler. Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den S. Oktober 1927. i /2 10 Uhr: Hauptgottesdienst. Vikar Becher. 1 Ahr : Kindergottesdienst Vikar Becher. Bezirks - Obstausstellung Sinsheim &VÄ Kornhlliis Sinsheim G.m.b.H. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung findet am Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags 2 Ahr im Gasthaus znm Löwen statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Reoisionsdericht. 2. Anwendung des Gewinnes. 3. Entlastung und Wahlen. 4. Wünsche und Anträge. Der Borstand. Der Auffichtsrat. Nehme täglich jedes Quantum Most-Aepfel zum Tagespreis entgegen. Ebenso empfehle ich bei vorhergehender Einsendung der Fässer, Neuen Most zum billigsten Tagespreis. Wilhelm Leonhardt. Stemsfurt (Baden) Sehr kleidsamer Sehleifenhut aus Kord Mk. 4.80 Ctsa. Taut WNÄiri, Sophienstr. 13 U SWSni«e aller Art «. Sorten hat abzugeben Paul Schoch, Baumschulen Efchelbron« d. tzeidelbg- Preise auf Anfrage. TÜREN Futter und Bekleidung, Haus- »nd Glastüren, Kiappläden, Fenster, Holzwolle iieferu billig und solid — Vorratslager Herrn. Schmitt & Co. Türenindustrie Mannheim2-Kepplerstr. 2. WIESE Eine ZusatzdUngung von 800 kg Thomasmehl je ha zu 400 kg Kalisalz und 450 kg Kalkstickstoff erhöhte den bereits gegen ungedüngt erzielten Mehrertrag noch um 150 • Rat und Auskunft in OUngungsfragen durch den Verein d e r Th o m as m e h I- e rzeuger, Berlin W35 Erliöiiiiiig des MeMrases doiO THOMASMEHL Thomasmehl auf Wies* und Weid’ Schafft, daS euer Vieh gedeiht. Bettfedern- Versand portofrei Das Pfund Mark 3.50, 5.— und 6.— in füli- kräftiger Ware. Betten - Versandhaus Sommer Heidelberg Hauptstraße 80 und 92. diiiiinnm Mißfarbene Zähne «Pellen da» stoßend. Beide jte Antlitz. 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Sie auch für England und''Frankreich von Jnitz- He sein dürfte, und an der sich Polen durch einen BeM> achter vertreten lassen will. AH Mettt Konferenz sollen m« staatlichen Grenzen der vier Mächte'durch die Großmächte, einschließlich Rußlands, garantiert werden,' ob allerdings die Großmächte den Plan in Sicher Form billigen werde», ist noch abzmvarten. Inzwischen öaüern die Reibereien zwischen Litauen^und Polen unvermindert fort. Die Polen haben die Stadt Mlna bekanntlich im Eober 1820 durch einen militärischen Handstreich besetzt und im März 1923 von der Bptfchaster- konferenz sich zusprechen lassen. Litauen, das diese Besitzergreifung durch Dolen niemals anerkannt hat, trägt sich mit dem Gedanke«, Wilna zur Hauptstadt Litauens zu machen und dies in der Verfassung festzulegen, ein Vorgehen, Las in Polen natürlich starke Verstimmung Hervorrufen müßte. Dabet müßte die innere Lage Litauens, die noch sÄhr wenig konsolidiert ist, dazu zwingen, alles zu vermeiden, was auch die außenpolitischen Beziehungen noch weiter verschlechtern könnte. Neben der Memelsrage, die durch die Zwiespältigkeit der litauischen Regierung nicht zur Ruhe L»mmt, hat das Land auch unter den Gärungen zu leiden, stte durch die Opposition gegen die Regierung entstanden ist tz»d die zu den Verschwörungen geführt hat, wie sie erst kürzlich zutage getreten und von der Regierung scharf bekämpft werden. r.MM LAN D r %^nELS!NGFORS & 2) (SlPETlRSBURGll ' Q °1§ - / ' / ■ 4 l'QMowgorod di\d k i /c c J iisss je. u < / \ f ■■ ** l ^ jp* mite 0 pfor/A oy- c §. JS-C/ / i r ^O^ro( S nsk!_s S . d \oM^'SI pUan! OLuhliri Vci ;y - r * O.Goniel: Ta-now oTscbernigpw r JRöwho Unsere Karte gibt die geographische Lage der Randstaaten wieder, die bei den kommenden Besprechungen über ein „Ost-Locarno" eine Rolle spielen wird. Bevölkerungsziffern der Randstaaten: Litauen (einschl. Memelgebiet): 2300080 Einwohner, Lettland: 1730 000 Einwohner, Mlarid: 1110 000 Einwohner, _. Finnland: 3 400 000 Einwohnern Dsn der Industriearbeiterin in Baden In früheren Zeiten war die Frau allgemein die Malierin des Hauses, die Erzieherin Ser Kinder, die Pflegerin und Erhalterin des Familiensinnes. Mit der zunehmenden Industrialisierung, besonders in den Jahren nach 1870, wurde die Frau immer mehr und Häufiger aus ihrer ureigentlichen 'Berufswelt im Hause und 45) Ein Frühlirrgstraum. Eine Erzählung aus dem Lechen von Fr. Lehne. „Ja, freilich," fuhr sie fort, sich von ihm befreiend und «sie eine Bacchantin den Kopf zurückwerfench, „ja freilich, dazu war mein Geld gut, jenen Betrug zu verberge«! — Nach meinem Herzen hast Du nie gefragt — meine Liebe hast D« zurückgewiefen, mit Füßen getreten und die Deinige meiner Putzmacherin geschenkt! Und dabei führst Du stets das Wort Liebe, Treue und Ehre im Munde! Tie Welt würde große Augen machen, wenn sie erführe, daß die stolzen Wolfburgs ehrlos sind! — Aber Papa werbe ich erzählen, wie Du mich behandelst und was Du für ein undankbarer Mensch bist. — Auf den Knien müßtet Ihr uns danken, daß wir Euch vor dem Zuchthause bewahrt haben", schrie sie gellend, sinnlos vor Wut. Wie von einem Peitschenhiebe getroffen, zuckte da Wolf zusammen. Totenbleich war sein Gesicht: er bebte am ganzen Leibe: aber mit unnatürlich ruhiger Stimme sagte er: „Ich habe Dich ausreden lassen, um Dich ganz in Deiner gemeinen Gesinnung und Denkungsart zu sehen — einen anderen Ausdruck finde ich nicht. — Ruhig, ich spreche jetzt", befahl er,.da sie bei diesen Worten ausfuhr. „Also gehe hin, erzähle von der Schande der Wolfsburgs, deren Ramen Du und Dein Kind ja auch tragt. Sage es Deinem Vater, wie unglücklich Du Dich bet mir fühlst! Sage ihm aber auch, daß Du die meiste Schuld daran trägst. Ich habe Euch nie belogen! Wahrheitsgemäß habe ich damals Deinem Vater, als er mich zu sich bestellt und mich vor die Wahl gestellt hatte, entweder feine Tochter oder Bloßstellung, gesagt, daß ich bereits gebunden fei — er lachte und ging leicht darüber hinweg! Ich hatte Geld zur Einlösung jenes Wechsels geboten, die fragliche Summe hätte ich überall bekommen — umsonst, Tein Vater ging nicht darauf ein, weil Ihr mich wolltet! Er hatte kein Recht dazu, mich zu zwingen: denn jene Wechselgeschichte ging nur meinen Vater und mich am Herd hinausaedrängt. und heute findet man letztere in vielen Berufen, die man durch Jahrhundert und Abenahr- hunderte hindurch als nur für die männliche Kraft geeignet erachtet hatte. Interessantes Material hierüber hat erst vor kurzem die bekannte Abgeordnete Klara S i e b e r t in Nr. 7 der Frauenrnnöschau vom 19. August ds. Js. veröjfent- licht, worauf an dieser Stelle verwiesen werden muß. Es liegt auf der Hand, daß durch eine vielstünbige Beschäfti- gung am Räderwerk der ratternden Maschinen in vielen Fällen nicht nnr die Gesundheit, sondern auch die Psyche der Frau Not leidet: besonders groß werden diese körperlichen und geistigen Schädigungen durch die Fabrikarbeit dann, wenn die Frau, die zu Hause vielleicht eine große Anzahl kleiner Kinder zu versorgen hat, Tag für Tag und Woche für Woche einen längeren Weg von ihrem Wohnort zum Fabrikort zurücklegen mutz. Wenn sie morgens das Haus verläßt, schlafen meistens die Kinder noch und wenn sie abends von der Fabrikarbeit nach Hause zurückkehrt, liegen die Müder in der Regel wieder zu Bett. Daß unter diesen Umständen Familien- und Heimatsinn nicht in einem Umfang gedeihen kann, wie es als wünschenswert erachtet werden muß, ist nicht verwunderlich. Wie groß ist nun die Zahl der Fabrikarbeiterinnen in unserem Lande und wieviel sind darunter, deren Arbeitsort außerhalb der Gemeinde ihres Wohnsitzes liegt, die also regelmäßig morgens und abends einen größeren Weg außerhalb ihrer Wohngemeinde zurücklegen müssen, uw zur Arbeitsstätte zu gelangen? Auf diese Frage gibt das soeben vom Badischen Statistischen Landesamt veröffentlichte Buch über „Gemeindestatistik" (Badischer Kommunalverlag: Bezugspreis 4.80 RM. für das gebundene Exemplar) zahlenmäßigen Aufschluß. Aus Seite 169 des erwähnten Buches geht hervor, daß bei der letzten Berufszählung im Jahre 1928 rund 80 000 in Bade« wohnhafte Frauen ermittelt worden sind, die in gewerblichen Betrieben als Arbeiterinnen beschäftigt sind. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei bemerkt, daß diese Zahl nicht mit der früher veröffentlichten Zahl der in Baden beschäftigten Fabrikarbeiterinnen (93188) übereinstimmt. Der Unterschied rührt daher, daß in letzterer Zahl auch die vielen Fabrikarbeiterinnen mitgezählt sind, die aus Württemberg, aus der Pfalz, ans Hessen und dem Elsaß, aus der Schweiz, tagtäglich nach Baden kommen, um in den Pforzheimer, Mannheimer oder Lörracher Fabriken ihrem Verdienst nachzugehen. Unter den 80 000 in Baden wohnhaften Fabrikarbeiterinnen befinden sich 19 733 (d. s. rund ein Viertel aller Fabrikarbeiterinnen) die darauf angewiesen sind, außerhalb ihrer Wohngemeinde Beschäftigung zu suchen. Diese 20 000 Mädchen und Frauen verteilen sich auf 871 Gemeinden, ö. f. rund 33 Prozent aller Gemeinden des badischen Landes. Darunter befinden sich allerdings 344 Gemeinden, in denen die Zahl der wandernden Arbeiterinnen 1, 2, höchstens 3 oder 4 betragen: dafür gibt es aber nicht weniger als 42 Gemeinden, in denen die Zahl solcher, Arbeiterinnen über 100 und 14 Gemeinden, in denen sie über 200 beträgt. Die Höchstzahl der zwischen Wohn- und Arbeitsort hin- und her- wandernden Arbeiterinnen entfällt auf die fünf Gemeinden: Eutingen (460), Niefern (421), Kollnau (394), Büchenbronn (329) und Huchenfeld (304), in denen insgesamt j 908 auswärtsarbeitende Arbeiterinnen wohnhaft sind. In der Gemeinde Huchenfeld (bei Pforzheim) sind rund 62 Prozent, in Büchenbronn 32 Prozent, in Niefern 40 Prozent, in Eutingen 40 Prozent und in Kollnau 37 Prozent aller im Alter von 14—50 Jahren stehenden Personen weiblichen Geschlechts Tag für Tag und Woche für Woche von ihren Familien entfernt und kommen nur abends nach Hause, um am andern Tag in aller Frühe wieder das Haus und die Familie zu verlassen. Da in diesen Gemeinden neben den Teil der Wohnbevölkerung dieser Gemeinden den Tag über Frauen auch die Mehrzahl der Männer in Fabriken außerhalb ihrer Wohngemeinde arbeiten, so besteht der größte nur aus Kindern und alten Leuten, die nicht mehr imstande find, in die Fabrik zu gehen. Es ist klar, daß die Zahl der Fabrikarbeiterinnen überhaupt und darunter solcher, die außerhalb ihres Wohnsitzes in Fabriken arbeiten, umiv größer ist, je mehr der Bezirk industrialisiert ist. Die größte Anziehungskraft für Fabrikarbeiterimien besitzt die Goldstar Pforzheim, wohin Tag für Tag rund 3 700 Fabrikarbeiterinnen von Gemeinden außerhalb der Stadt Pforzheim wandern oder fahren: die vielen Hunderte und Tausende von Fabrikarbeiterinnen, die aus württembergischen Landgemeinden nach Pforzheim kommen, sind in dieser Zahl gar nicht mit inbegriffen. Im Bezirk Mannheim wohnen 1735, im Bezirk Heidelberg 1148, im Bezirk Lahr 1127 Arbeiterinnen, die täglich nach Mannheim, Heidelberg ober Lahr wandern. Auffallend groß ist auch die Zahl der täglich hin- und herwandernden Arbeiterinnen in den Bezirken Ettlingen und Engen, deren Landgemeinden fast ganz der Industrie entbehren. Zu erwähnen wäre noch, daß die Bezirke Pfullendorf, Müllheim, Staufen, Aöelsheim und Wertheim den oben geschilderten Pendelverkehr so gut wie gar nicht kennen, weil die Entfernung zum nächsten Fabrikort zu groß und die Bahnverbindung zu schlecht ist. Wegen weiterer Angaben über die Zahl der in den einzelnen Gemeinden unseres Landes wohnhaften Fabrikarbeiterinnen lei nochmals auf das vom Badischen Statistischen Landesamt herausgegebene Buch , über „Gemeiudestatistik" (Preis 4.30 RM.) verwiesen. Das in diesem Werk enthaltene Zahlenmaterial ist nicht nnr für den Volkswirt oder Politiker, sondern auch für den Lehrer und für den Arzt, ;«n! In meiner Hcrzensnot ging iä> auf jenen unglückseligen Schacher ein und brach dadurch ein trculiebendes Frauenherz —" Gabriele lachte bei diesen Worten schrill auf: unbeirrt jedoch fuhr er in derselben ruhigen Weise fort: „Eigentlich könnte ich meine Worte sparen: es erniedrigt mich vor mir selbst, wenn ich mich gegen Dich verteidige! Aber da nun doch das Tischtuch zwischen uns zerschnitten ist, sollst Du erfahren, daß ich Dich durchschaue, Dich in Deiner ganzen Erbärmlichkeit kenne. Was Du Deine Liebe zu mir nennst, ist weiter «ichs als Sinnlichkeit, die mich anekelt — als Eitelkeit, den „schönen Woffsburg", wie Tu mich ia wohl genannt ynst, zu besitzen — auf jeden Fall zu besitzen. Vergeblich warfst Du Deine Netze aus — bis Euch jene Angelegenheit gerade recht kam! Also kan« mir der Vorwurf des Mit- gfftjägers nicht gemacht werden: ich habe vollständig korrekt gehandelt. Anfangs glaubte ich. Du wüßtest nichts: bin aber in dem Glaube» wankend geworden!" Und mit erhobener Stimme, jedes Wort betonend, fragte er sie, die Augen fest ruf sie heftend: „Warum bist Du auf jenen schändlichen Handel eingeganaen? Warum hat sich denn da Dein Stolz nicht gesträubt gegen die Verbindung mit einem Manne, dessen Herz nicht Dir, sondern Deiner Putzmacherin gehörte, wie Du auch damals schon wußtest?" Sie erwiderte nichts, schlug nur die Augen nieder, und ;r fuhr fort: „Redlich habe ich mich bemüht. Dir ein guter Gatte zu Pkn, und habe Dir stets die Treue gehalten! Ich liebte Dich als Mutter meines Kindes, und wenn Du nicht gar ö oberflächlich, genußsüchtig und eitel wärest, würde unser Zusammenleben ganz erträglich sein! Nach dieser letzten Stunde ist das aber ganz ausgeschlossen! Tu kannst ruhig Deiner Wege gehen!" Wie Keulenschläge fielen seine Worte auf Gabriele nieder. Sie stand ihrem Manne gegenüber, die Arme unter dem ippigcn Busen verschränkt, ein hohnvolles Lächeln um »en Mund, das aber bei seinen letzten Worten jäh erstarb. für jeden, dem Volksarbeit und Bolksgesundheit am Her« zen liegt, von außerordentlicher Bedeutung. Manche darin enthaltenen Zahlen reden eine deutliche und teilweise ernste Sprache. Sie erzählen nicht nur von den sozialen und technischen Forffchritten, die das 19. und 20. Jahrhundert gemacht hat, sondern auch von den Gefahren, die sich mit diesen Fortschritten einstellen und denen rechtzeitig gesteuert werden mutz. Sich selbst tot gesagt Eich selbst tot gesagt. Das Gericht mit falschen Sterbenrkunde« betröge«. Das Mißgeschick des Ausbrechers. Die Geschichte ist so toll, daß man sie für unglaublich halten möchte, sie hat aber doch den Vorzug Wort für Wort wahr zu sein. Ter Gutsbesitzer Wilhelm Müscher aus Kleingörschen war in seinem 40jährigen Leben mit dem Strafgesetz wiederholt in Konflikt gekommen. In seiner Stellung als Inspektor ließ er sich umfangreiche Unterschlagungen zuschulden kommen und wurde deshalb am 18. Juli vergangenen Jahres vom Leipziger Schöffengericht zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem hatte er schon für eine fünfmonatige Gefängnisstrafe, die er in Dessau erhalten hatte, Bewährungsfrist. Müscher lag viel daran, den Strafantritt möglichst lange hinauszuschieben. Er fand auch einen Freund, der eine Sicherheitshypothek von 6000 RM. auf sein Grundstück eintragen ließ, wofür Müscher "vorläufig aus der Haft entlassen wurde . Inzwischen verhandelte Möscher öfters mit dem Gericht um weiteren Strafaufschub und brachte dazu auch eine Person mit, die sich als sein Schwager einführte, tatsächlich aber der Rechtsvertreter Bennemann war, von dem man noch in dem Verfahren gegen Frau Brünjes Höre» wird. Dieser Rechtsvertreter erwirkte auch beim Ministerium einen letzten Strafaufschub bis zum 27. Dezember 1926. Angeblich soll sich der Rechtsvertreter auch darum bemüht haben, eine andere Person zum Strafantritt für Müscher zu gewinnen und schließlich gesagt haben, es könne «nr noch eine amtliche Todesurknnde Helsen. Bennemann war eine strafbare Handlung in dieser Beziehung aber nicht nachzuweisen, sonst hätte er sicherlich mit auf der Anklagebank des Gemeinsamen Schöffengerichts in Leipzig gesessen, auf der jetzt Müscher, der Eisendreher M. Hegewald, der Schweizer Paul Conrad und dir Stütze Rosa Hertwig saßen. Müscher hatte den Plan mit der amtlichen Todesurkunde nämlich durchgesührt. Zunächst hatte er beim Amtsvorsteher von Großgörschen, als dieser einmal nicht in seinem Zimmer war, sich einen Stempelabdruck verschafft und über diesen einen Ausweis geschrieben, daß er berechtigt sei, sich einen Stempel von Großgörschen anfertigen zu lasse«. Bei seinem Rechtsvertreter war er dann mit dem vielfach vorbestraften Conrad bekannt geworden und hatte ihm sein Anliegen wegen einer standesamtlichen Urkunde vorgebracht. Conrad wiederum machte Müscher mit Hegewald bekannt und dieser ließ, da 300 RM. Belohnung versprochen waren, die Sterbeurkunden-Formulare drucken. In der Wohnung des Conrad füllte Hegewald die Formulare schließlich aus, und Müscher diktierte der Hertwig noch einen Brief, wonach Frau Müscher dem Amtsgericht Leipzig mittetlte, daß ihr Mann laut ärztlichem Attest am 16. Dezember an Hcrzmuskelschwächc verstorben sei. Eine Bescheinigung des Amtsvorstehers von Großgör- schen, selbstredend auch gefälscht und mit dem zu diesem Zweck erworbenen Stempel .versehen, wurde beigefügt. Auch der Oberstaatsanwalt in Dessau wurde entsprechend benachrichtigt. Die gefälschten Urkunden erreichten zunächst ihren Zweck, die Akten Müscher wurden geschlossen und die Sicherungs. Hypothek wurde gelöscht. Müscher selbst lohnte seinen Komplizen die Tat schlecht. Er zahlte die versprochene Belohnung nicht, ja Hegewald mutzte sogar die Druckkosten aus eigener Tasche bestreiten. Inzwischen saß Hegewald in Leipzig wegen anderer Straftaten in Untersuchungshaft. Er hatte eine längere Zuchthausstrafe vor sich, der er sich durch die Flucht entziehen wollte. Die Flucht gelang am 1. Mai, aber am nächsten Abend hörte Hegewald im Rundfunk seine Personalbeschreibung und da hielt er es für angebracht, Leipzig mit seinem Komplizen Bachmann zu verlassen. Er besann sich auf Müscher und wanderte, wie er in der Verhandlung erzählte, ganz gemächlich am Gefängnis vorbei nach Kleingörschen. Dort wurde er scheinbar gastfrei von Müscher ausgenommen und sollte auch seinen Komplizen mitbringen. Während er diesen holte, benachrichtigte Müscher jedoch den Amtsvorftehev „Du denkst an eine Scheioung.- Nie willige ich darin ein", kam es hastig von ihren Lippen. „An eine Scheidung gerade nicht: denn ich will meinem Jungen nicht antun, daß er unter unserem Zwist leidet! Ilber an ein eheliches, inniges Zusammenleben zwischen uns ist nach dem heutigen Ilbend nicht mehr zu denken. Teile dies meinetwegen Deinem Vater mit. Auf den jährlichen Zuschuß von ihm verzichte ich. Meinen Jungen und mich kann ich mit meinem Gelb erhalten — auch Dich: selbstverständlich müßtest Du Dich meinem Einkommen anpassen! Kannst und willst Du das nicht, und Du wirst auf den gewohnten Luxus nicht verzichten wollen, wie ich Ditz kenne, io magst Du meinetwegen in der bisherigen Weise weiterleben. — Aber für meine und Haffos Bedürfnisse wird nicht ein Pfennig mehr von Deinem Gelde verwendet — ich brauche es nicht." „Du tust gerade so. als ob Haffo mich nichts anginge", fuhr sie da erregt auf, „ich habe ihn geboren, ich bin seine Mutter — also habe ,ch doch wohl das größte Recht auf ihn!" „Das hast Du verwirkt! Tu hast Dich nie um das Kind gekümmert: es war Dir eine Last, ein Hindernis in Deiner geräuschvollen Lebensführung. O. ich möchte es nicht auf eine Entscheidung ankommen lassen! — Dein Einfluß ans hn würde überhaupt nachteilig für ihn sein! Noch mehr als iisher werde ich streng darauf halten, daß er nach meiner Ansicht erzogen wird, und ich ersuche Dich, niemals meine Anordnungen umzustoßcn — in Deinem Interesse, Gabriele! cknö die Versicherung gebe ich Dir, daß ich niemals den Versuch machen werde, das Kind zu beeinflussen oder Dir eine kindliche Liebe zu evtziehen — im Gegenteil,- er soll eine Mutter lieben und soll nichts ahnen von der Kluft jwischen uns.-Sv, nun weißt Du, wie wir stehen. Im ibrigen überlasse ich Dir, Tein Leben zu gestalten, wie Du villst: bas ist mir vollkommen gleichgültig. Nur das eine ;ebe ich Dir zu bedenken: daß, wenn Du auch nur den lei- esten Makel aus meinen Namen wirfst, ich unbarmherzig wrgehen werde! «Fortsetzung folat.) Nr. 196. Jahrgang 1927. Der Laudbote * Smsheimer Zeitung. Samstag, den 8. Oktober 1927. und Hegewald und Bachmann wurde« festgenommen. Es ist begreiflich, daß Hegewald diese Tat als einen Schurkenstreich bezeichnete. denn er wollte eben aus Deutschland verschwinden, und hier war ihm eine Gefälligkeit wirklich mit Undank gelohnt worden. Im übrigen bestritt er genau wie Conrad und die Hertwig, den wahren Zweck der Urkunden gekannt zu haben. Sie hatten geglaubt, sie wür- den zu „Familienzwecken" gebraucht. Hegewald bat außerdem das Gericht, ihn zur Höchststrafe zu verurteilen, da dann Müscher auch nicht bester wegkommen könne und es ihm jeden Tag Befriedigung bereiten werde, zu wissen, daß dieser auch hinter Zuchthausmauern sitze. Müscher hatte sich außerdem verschiedener anderer Urkundenfälschungen schuldig gemacht. Um eine Stellung zu erlangen, hatte er zahlreiche Zeugnisse und ihre Beglaubigung gefälscht und sich sogar Briefbogen einer Saatgut- züchterei anferttgen lassen, in denen er als ehemaliger Angestellter dieses Unternehmens bezeichnet wurde, den man für jede Stellung empfehlen konnte. Ter Staatsanwalt wies auf die große Gemeingefährlichkeit seines Treibens hin, da Müscher vor allen Dingen das Vertrauen zu öffentlichen Urkunden schwer erschüttert habe. Er beantragte für ihn eine Zuchthaus-, für die übrigen Angeklagten Gefängnisstrafen. Das Urteil lautete für Müscher wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug auf zwei Jahre drei Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrenrechtsverlust. Hegewald und Conrad erhielten zu ihren Zuchthausstrafen wegen Beihttse zur Urkundenfälschung und Begünstigung je eine Zusatz, strafe von sechs Monaten Zuchthaus, die Hertwig wurde wegen Beihilfe zu einem Monat Gefängnis verurteilt, soll aber >für die Strafe eine dreijährige Bewährungsfrist gegen 'Zahlung einer Buße von 40 Mark erhalten. Verschiedenes. Eine ««begreifliche Frage. Ein Amerikaner stand im Begriff, eine Reise nach Frankreich zu unternehmen. Um seine etwas eingebüßten Sprach- kenntniffe noch ein wenig aufzufrischen, nahm er einige französische Stunden in einer Berlitz-Schule in Newyork. Dabei fragt der Lehrer: „Wenn Sie nun nach Frankreich ^kommen und um ein Glas Wasser bitten wollen, wie sagen ^Sie dann?" — „Ein Glas Wasser?", sagt der verdutzte Reisende, „aber ich werde in Frankreich doch nicht um ein Glas Wasser bitten." Scherze der Alkoholsperre. Ein guter Fang ist neulich den Polizeibeamten der Alkoholsperre in Kalifornien geglückt. Sie fahndeien schon seit fast einem Jahre auf einen Alkoholschmuggler, der nach zuverlässigen Nachrichten nicht nur sich selbst in reichlichem Maße mit dem verpönten Stoff versah, sondern auch Groß- schmuggelhäusern behilflich war, ihre Ware an den Mann zu bringen. Den Schlauberger selbst hat man zwar noch nicht gefaßt, aber einen seiner Tarnungswagen, dessen Einrichtung beweist, wie erfinderisch der Menschengeist ist, wenn es sich um Uebertretung lästiger Gesetze handelt. Einem Schutzmann in Los Angeles fiel ein mit Balken beladener riesiger Kraftwagen auf, weil er an einer verbotenen Stelle führerlos hielt. Als der Führer auch nach Verlauf einiger Stunden nicht erschien, nahm die Polizei den Wagen nach der Wache und untersuchte die Ballenladung genauer. Da fand sie denn mit fachmännischer Bewunderung, daß nur die Rückwand des Wagens aus fest zusammengeleimten Valken- enden von 10 Zentimeter Stärke bestand, in deren Mitte eine Geheimtür das Wageninnere erschloß, und dieses Inner« barg nun Schnaps genug, um die Bewohner einer ganzen Stadt unter de» Tisch zu trinken. Dieser Erfindergeist des Schmugglers begeisterte nun auch die Polizei zu größerer Findigkeit und sie förderte noch zwei andere Arten von Schmugglerwagen zutage,' der eine war mit einem Auspuffrohr versehen, das dessen dunklen Rauch ausströmen ließ, um den Wagen auf der Flucht zu vernebeln, und der andere war ein amtlicher Krankenwagen mit der Aufschrift: Ansteckende Krankheiten" und zwei Begleitern in der Tracht des Roten Kreuzes, die man bisher in Kalifornien überall mit größter Rücksicht ungehindert durchgelassen hatte. Ei«e wohloerdie«te Ohrfeige. In einem großen Restaurant in Alexandria nahm eine junge Engländerin ihr Frühstück ein. Der Bedeutung des Hauses angemessen war der Preis recht hoch, dafür aber ließ die Sauberkeit des Geschirrs um so mehr zu wünschen übrig. Als der Kellner wieder die Platten wechselte, bemerkte die junge Dame auf dem Teller einige Käsereste, die noch von der Mahlzeit des vorigen Gastes daran haften geblieben waren. Sie machte den Kellner darauf aufmerksam mit den ironischen Worten: „Nehmen Sie dies, bitte, fort,' ich esse nicht gern Käse". — Der Kellner brachte schweigend einen anderen Teller. Als er aber den Käse auftragen sollte, brachte er statt dessen gleich das Obst und erwiderte auf die Frage der Engländerin, warum sie keinen Käse bekäme, mit einem nnmerklichen Lächeln: „Oh, ich Lachte, gnädiges Fräulein essen keinen Käse." — Die junge Dame hatte aber für seinen Scherz durchaus kein Verständnis. Sie erhob sich schweigend und versetzte dem allzu witzigen dienstbaren Geist eine kräftige Ohrfeige, so daß ihm die Lust zu ähnlichen Scherzen wohl vergangen sein dürfte. Kampf mit Tigern auf einem sinkende« Dampfer. Nach einer im Bremer Hafen aufgefangenen Meldung des englischen Dampfers „Duke of Winchester" hat dieser auf dem Ozean den französischen Dampfer „Saint Etienne", der einen großen Transport von Raubtieren für die zoologischen Gärten von London und Manchester mitführte, in höchster Seenot getroffen. Der Dampfer hat eine Kefsel- explosion erlitten und begann zu sinken. Dabei gelang es nach der gleichen Meldung einer Anzahl von Affen und Tigern, aus den Käfigen auszubrechen und das Deck zu erreichen. Die Mannschaft mußte sich in die Kajüten flüchten und eröffnete von hier aus ein Gewehrfeuer auf die Tiere. Der Herzog von Ratibor wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ein schweres Jagdunglück, das sich am 5. Februar in der Nähe des Schlosses des Herzogs von Ratibor ereignete, wird demnächst Gegenstand einer Verhandlung vor dem Großen Schöffengericht in Ratibor bilden, vor dem sich der Herzog wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten haben wird. Bei dieser Jagd hat der Herzog seinen langjährigen Leibkutscher Hytrek, den er im Dunkel des Waldes für ein Stück Wild hielt, erschossen. An dem genannten Tage war der Herzog in Begleitung des Leibjägers und seines Försters im Schlitten, den der Kutscher Hytrek lenkte, zur Eberjagü gefahren, die in der Nähe des Schlosses veranstaltet wurde. Es war Nachmittag, doch noch ziemlich hell und der Herzog befand sich auf seinem Standplatz, neben ihm der Leibjäger, und beobachtete eine Stelle im Walde, wo dieser in eine Wiese auslief. Der Leibjäger machte ihn auf einen dunklen Gegenstand aufmerksam, der sich zwischen den Bäumen bewegte, und beide, der Herzog und sein Leibjäger, glaubten, es sei ein Stück Schwarzwild. Sie waren in dieser Meinung noch dadurch bestärkt, daß der Jagdhund anschlug. Der Herzog schoß. Kaum aber war der Schuß abgegeben, als ein Schrei ertönte und Hilferufe laut wurden. Als man hinzusprang, stellte sich heraus, daß d-r Kutscher getroffen worden war, der sich offenbar aus Neugierde an die gefährliche Stelle begeben hatte. Die Verwundung war an stck nicht schwer, doch starb der Kutscher an ihren Folgen. Zur Untersuchung der -Frage, ob der Herzog mit der nötigen Vorsicht gehandelt hat, fanden zahlreiche Vernehmungen vo» Sachverständigen statt. Die Staatsanwaltschaft gelangte jedenfalls zu der Ueberzeugung, daß ein Verschulden des Herzogs vorliegt. Tie Verhandlung findet am 7. November in Ratibor statt. Der längste Satz der Welt. Eine französische Zeitschrift hat vor einigen Tagen eine Rundfrage veranstaltet, welches der längste Satz der Welt fei. Das Ergebnis? Es gibt zahlreiche Sätze in der Weltliteratur, die mehr als dreihundert Wörter haben. Des- cartes schrieb in seinem „Gespräch über die Methode" einen Satz mit 422 Wörtern. Lavedan einen mit 433 Wörtern. Jean Girauöoux, ein moderner Autor, hat ein Satzungetüm mit 611 Wörtern gebaut. Den Vogel aber schießt ohne Zweifel Charles Psguy ab, der in seinem Werk „Notre Patrie" einen Satz stehen hat, der nicht weniger als 441 Zeile« lang ist und von Seite 13 bis Seite 31 des Buches reicht! Ei» peinlicher Augenblick. Von Bernadotte, dem Emporkömmling auf dem Königs- thron gibt es eine wundervolle Anekdote. Als er schon König von Schweden mar, wurde er einmal krank. Der Arzt kam und erklärte einen Aderlaß für notwendig. Der König sträubte sich. — Der Arzt kam mit gewichtigen Gründen. — Der König sträubte sich abermals. Der Arzt sagte: „Dann müssen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt machen, Majestät." Das wirkte. Bernadotte nahm dem Arzt das Ehrenwort ab, nichts von dem zu verraten, was er sehen würde. Dann entkleidete er sich. Der König war am ganzen Körper tätowiert! Selbst der Arzt, der um die Abkunft des Königs wußte, war verblüfft. Denn die Tätowierung zeigte die phrygische Mütze, das Symbol der französischen Revolution, und die Worte: „Mort aux rois!" — Das heißt auf deutsch: „Tod den Königen!" Das siegreiche Wiegenkind. König Philipp der Vierte von Mazedonien war im Vollbesitz seiner Kraft, als der Tod ihn urplötzlich dahinraffte. Sein Sohn und Nachfolger lag damals noch in der Wiege. Da glaubten die allzeit streitlustigen Illyrer, ihre Zeit sei gekommen. „Wehe dem Lande, dessen König ein Kind ist." Infolge ihres unerwarteten Ueberfalls konnten sich die Eindringlinge eines leichten Sieges erfreuen. Aber die wehrhaften Mazedonier waren über ihre Niederlage erbittert und sannen auf Rache. Sie wollten den Illyrern zeigen, daß sie unbesiegbar seien, so bald sie von ihrem König geführt würden. Sie nahmen also die Wiege mit dem Königskinde an die Spitze eines neuen Heeres und zogen den Feinden entgegen. Vergebens suchten sich die Illyrer des Kindes zu bemächtigen. Die Mazedonier — voll Angst um das Schicksal des jungen Königs — kämpften mit verzweifelter Wut und bereiteten dem Feinde eine vernichtende Niederlage. Die Jugend des Königs blieb hinfort ungestört. Wem gebührt die Warnung! Eine riesige, außerordentlich kräftig aussehende Fra« irat in das Zelt der Wahrsagerin. An der Hand führte sie eine« kleinen Knaben. Lange schaute die Zigeunerin in die Hank der Riesendame. Und bann verkündete sie feierlich: „Ick warne Sie, meine Dame, denn ein dunkler Mann wir« Ihren Lebenspfad kreuzen. Er will Ihnen Leid zufügen/ „Mutti", flüsterte der kleine Knabe ängstlich, „warum sagst du der Frau nicht, baß sie lieber den dunklen Man« warnen soll." .... . ... • • - Nr. 16 b Aus dem Reiche der Mode. IOOQ1 ll /% Pt ■■■■■■ Was tragen unsere Kinder? ■■■ ■■■ Gegenwärtig ist das Kinderkleid einfach in der Schnittform und in der Ausstattung. Die Taillen sind lang und lose, ein gereihtes oder ein Faltenröckchen ergänzt sie. In elfterem Falle wird dasselbe oft aus zwei oder mehreren gereihten Falbeln gebildet (Favorit-Modell 10116). Beliebt sind die kleinen weißen Kragen (Favorit- Modell 10116), die man mit einem farbigen Stich, einer zarten Stickerei oder nur mit einem Hohlsaum verziert. Gern wendet man auch nur den bescheidenen runden oder eckigen Ausschnitt an (Favorit-Modell 10091). Hänger- und Passenkleider werden für die lleineren Kinder als von der Mode nicht berühtt immer beibehatten und nur durch die Ausstattung der jeweiligen Mode angepaßt. Die Ärmel werden so schlicht wie möglich gehalten. Me außergewöhnlichen Formen, wie z. B. die westen Bauschärmel mit Besatz von Rüschen, die angesetzten plis- stetten Puffen oder die Pagodenärmel taugen nicht für die Kinder, die durch solch modisches Beiwerk nur in der Bewegungsfreiheit gehindett werden; auch der lange, enge Ärmel ist darum nicht passend. Wenn man nicht den kurzen Ärmel wählt, der hauptsächlich für Sommer- und Festtleider in Frage kommt, wird man dem einfachen, mäßig weiten Bündchen-j ärmel den Vorzug geben. Die Garnituren der Kinderkleider dürfen nicht auffällig sein, alles Geputzte ist zu vermeiden. Man bringt gern Blendenoder Bandschmuck (Faoorü-Modell 10091) oder Knopfverzierungen an (Favorit-Modelle 10098 und 10112), die zur Betonung von Konturen und Verschlüssen beittagen. Für Fest- und Sommerkleider sind auch schmale Spitzen und Einsätze erlaubt (Favorit-Modell 10092), ebenso sehen Hohssäume und Stüfchen sehr gut aus. Was die Stoffe für die Kinderkleider anlangt, so wird man bei der Wahl derselben vor allen Dingen Rüchicht auf größere Sttapazierfähigkett und die leichte Waschbarkeit nehmen. In Wollstoffen kann man alles verwenden, was nicht grotzkariett oder grotzgemustett ist. Echte Kinderstoffe find solche mit kleinen Karos und die nicht zu großen Schotten. Glatt und gemustett ist eine beliebte Zusammenstellung auch für das Kinder- kleid. Außerdem ist dadurch die Möglichkeit gegeben, alle oder zu kurz gewordene Kleider zu neuen Formen 'S '0048 M ei äm mi f iooqi m i/ 10092 10091 1011<3 10116 looys umzuarbeiten (Favorit-Modell 10098). Mit diesem Kleid kommt übrigens zum Ausdruck, daß auch für die Kinder das jetzt moderne Äberjäckchen geschätzt wird. Für das Festkleid der Leinen Mädchen ist Seide gestattet. Allerdings wird man nur eine leichte Taftseide, eine Pongeeseide, schließlich auch Crepe de Chine wählen und diese nur in zatten Farben wie: Hellblau, Rosa, Weiß, Hellgrün. Auch die duftigen, zart gemusterten Schleierstoffe erweisen fich als passend und prattssch zugleich für das festliche Mädchen- fleid. Bearbettet und mit Wbildungen versehen vom Faoorst-Verlag, Dresden-R. 6. ' ~fo Schnittmuster in allen Größen zum bequemen Nachschneidern sind erhältlich beim Favorit-Verlag, Dresden-N. 6.