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Durch Ueberschlucken aller zehn kleineren Länder, von Mecklenburg bis Schaumburg-Lippe, mit ihren zehn Stimmen im Reichsrat würde Preußens Stimmenzahl im Reichsrat nichts erreichen, sondern wegen der verfassungsmäßigen Umgrenzung von Zwei- fünftel der Gesamtstimmen von jetzt 27 aus 20 Stimmen sinken. Dann würde z. B. Bayern zur einfachen Majorisierung Preußens im Reichsrat (zurzeit 66 Mitglieder) nicht mehr, wie jetzt, noch 23 Stimmen anderer Länder zu seinen 1l hinzugewinnein müssen, sondern noch 15 und zur Verhinderung eines verfassungsändernden Gesetzes nur noch 6 Stimmen (z. B. Sachsen allein) statt bisher 12 Stimmen, außerdem auch Württemberg und Hessen. Preußens Vergrößerung würde also seine Macht im Reich sinken lassen, Grundsätzliche Verfassungsänderungen, auch Aen- derungen der Zweifünftelsgrenze, sind schwer zu erzielen, weil jede Aenderung das ganze Problem aufrollt. Man kann aber sehr weitgehende Schritte ohne Verfassungsänderung, 'ja ohne Gesetz tun. Ein Land wie Hessen oder Mecklenburg kann die Reichsminifier in Personalunion zu seinen Landesministera bestellen, vielleicht unter Aufnahme eines Landsmannes in die Sicherheit der Reichsregierung. Die Reichsminister führen dieses Nebenamt ohne besonderes Entgelt. Die tatsächliche Verwaltung wird an Ort und Stelle von einem oder mehreren Staatssekretären des Landes geleitet. Das Landesparlament beschränkt seinen Zusammentritt zu kurzen Sitzungswochen, in denen Reichsminister die Rechenschaftslegung übernehmen. Die Verwaltung wird vereinfacht. Das Land behält Sitz und Stimmen im Reichsrat. Die Instruktion geht auf Grund der Personalunion von der Reichsregierung aus. Das Land kann jederzeit die Personalunion lösen, sich wieder eine eigene Regierung halten oder eine ähnliche Verbindung mit Preußen oder einem anderen Lande eingehen. Aehnlich muß eine Personalunion zwischen dem Reich und Preußen ei'ntreten. Hier kann aber bei der Größe Preußens nicht so radikal verfahren werden, daß alle preußischen und Reichsministerien vereinigt werden. Das kann schon wegen der räumlichen Trennung der Ministerien erst ein späteres Ziel nach längerer Erfahrung sein. Der erste Schritt muß der sein, daß sämtliche Reichsminister zugleich zu preußischen Ministern ohne Portefeuille und ohne besondere Bezahlung und umgekehrt, alle preußischen Minister zu Reichsministern ohne Portefeuille ernannt werden, am besten nach den nächsten Wahlen. Das wären zusammen 19 Minister gegen z. B. 21 Ministern des englischen Kabinetts. Nach längerer Probezeit wird es dann nicht schwer sein, Verfassungsänderungen zur Ratifikation und weiterer Verbesserung des neuen Zustandes herbeizuführen. (Ganz so einfach, wie Dr. Brecht die Sache hier darlegt, wird sich das Problem Preußens nicht lösen lassen. Die Schriftl.) Preußenanleihe. Haftung mit dem ganzen Besitz des Staates Berlin. 12. Okt. Ein Teilbetrag der 30 Millionen Dollar Amortisationsanleihe des Freistaates Preußen ist laut Anleihe- Prospekt für Auflegung in Europa reserviert worden, einschließlich 4,3 Millionen Dollar, welche durch Mendelssohn u. Eo. in Amsterdam an xin großes holländisches Syndikat begeben werden. Ausgabetermin ist 15. Oktober 1927. Die Laufzeit der Anleihe beträgt 25 Jahre. Zinsen werden halbjährlich am 15. April und 15. Oktober gezahlt. Die Anleihe kann teilweise oder in ihrem Gesamtbeträge vom 15. Oktober 1934 an zu pari aufgerufen werden. Coupon-Bonds werden in Teilabschnitten von 1000 Dollar ausgegeben. Zinsen sind zahlbar in Newyork durch Brothers u. Co., werden auch auf Wunsch der Besitzer in Europa durch das Bankhaus Mendelssohn u. Co. gezahlt. Der Staat verpflichtet sich, ab 15. Oktober 1928 einen progressiv steigenden Amortisationsfonds einzurichten. I» einem Begleitbrief des preußischen Finanzministers Dr. Höpker-Aschoff wird über die Sicherheiten der Anleihe folgendes ausgeführt: Preußen besitzt mehr als 60 Prozent des gesamten deutschen Landes und der deutschen Bevölkerung. Sein Gebiet beträgt 113 701 Quadratmeilen und seine Bevölkerung 38 069 631 Seelen. Durch seine geographische Lage kommt dem preußischen Staat die größte Bedeutung für den internen Warenverkehr Deutschlands und Mitteleuropas zu. Die wichtigsten gewinnbringenden Besitzungen des Staates sind seine Wälder,, welche einen geschätzten Wert von über einer Milliarde Dollar betragen. Außerdem eignet der preußische Staat Grundstück« und Gebäude im Werte von etwa 4M Millionen Dollar. Der landwirtschaftliche Besitz des Staates wird auf 154 Millionen Dollar veranschlagt. Bor 1914 wurden die Anleihen Preußens zu einem Zinsfuß plaziert, der zwischen 3 und 4 Prozent schwankte. Die fundierte und flüssige Schuld des Staates betrug am 31. August 1927 weniger als 66 Mill. Dollar, wovon ein großer Teil im Jahre 1930 fällig wird. Einschließlich der heute aufgelegten 30 Millionen Dollar- Anleihe entspricht die Verschuldung des Staates einer Schuld von 2,5 Dollar auf den Kopf der Bevölkerung, während das Vermögen des Staates nach Schätzungen aus dem Jahre 1927 etwa 1000 Dollar pro Einwohner beträgt. Der Staat hat außerdem Garantien übernommen, welche sich auf 50 Millionen Dollar stellen. Das Budget für das Fiskaljahr 1928 ist mit 868 Millionen Dollar balanziert. Die Ausgaben der Verwaltung für die gleiche Periode werden zu 95 Prozent durch Steuern und Abgaben gedeckt, der Saldo durch Einkommen aus staatlichen Unternehmungen. Verwendung der Anleihe: Der Gesamtbetrag dieser Anleihe wird für produktive und Einkommen abwerfende Zwecke verwandt. Etwa 68 Prozent des Gesamtbetrages werden für land- wirtskhlftliche Meliorationen bereit gestellt. Hierbei handelt es sich sowohl um Urbarmachung von Oedländereien, also Vermehrung des in Kultur befindlichen Landes, sowie um Intensivierung bereits kultivierter Ländereien. Der Saldo von etwa 32 Prozent wird für Vergrößerung und Verbesserung von Hafenanlagen. besonders des preußischen Hafendistrikts an der Elbe bereit gestellt. Dort sollen überdies Lagerhäuser gebaut und Berschiffungserleichterungen eingerichtet werden. Diese Anlage, sowohl für landwirtschaftliche wie für Schiffahrtzzwecke,. ist also geeignet, Deutschlands produktive Kraft zu stärken, seine Handelsbilanz zu verbessern und seinen Außenhandel zu mrgrößeriy. Garantien: Die Goldbonds sind direkte und bedingungslose Verpflichtungen des preußischen Staates. Es sind keine Einkommen oder Eigentum des Staates für andere Anleihen verpfändet worden. Finanzmiuisterzusammcnkunst in Berlin. Berlin, 12. Okt. Am 19. Oktober werden die Finanzminister der Länder in Berlin zu einer Besprechung zusammentreten, um die neuen Richtlinien für Ausländsanleihen zu besprechen. Englisch-spanischer Marokkohandel London hat das Dorkaussrecht auf das Ms. London, 12. x>Kt. Obwohl Primo de Riveras Erklärungen über seine Besprechungen mit Chamberlain auch in England in der „Sundey Times" dementiert wurden, verzichtet die englische Presse auch jetzt noch, nachdem wenigstens von spanischer Seite Mitteilungen über die Begegnung vor Mallorca gemacht worden sind, auf jeden Kommentar. Die Erklärung für dieses Verhalten der englischen Oeffentlichkeit ist durch den Wunsch begründet, Chamberlain? Vermittlungstätigkeit, die eben erst in Paris eingesetzt hat, nicht zu stören. Primo de Riveras Erklärungen, wonach nicht nur ein französisch-spanischer Gebiet-austausch sondern auch «ine rnglisch-spa- nische Entente zwischen ihm und Chamberlain in Aussicht genommen sei, wird vorläufig öffentlich unbeachtet gelassen. Ader umso lebhafter wird sie in politisch interessierten Kreisen diskutiert. So wird betont, es könne die Möglichkeit einer Entente den Spaniern als Belohnung für den Abschluß eines dauerhaften, alle Interessenkonflikte ausschließenden Vertrags in Aussicht gestellt worden sein. Chamberlain würde sich aber keinesfalls auf einen bedeutungslosen Vertragsabschluß mit Spanien eingelassen hab:n, da eine englisch-säuische Entente, wenn keine Verständigung zwischen Frankreich und Spanien vorhergegangen sei, ein« fast unrrträgliche antifranzösische Belastung der englischen Politik darstellen würde. Ob diese politische Besorgtheit in- vollem Umfange gerecht- fertigt ist, wird sich erst feststellen lassen, wenn Chamberlain Mitte November im Unterhaus über feine außenpolitische Aktivität in Genf und vor Mailorca interpelliert wird. Die unverhohlene Genugtuung über den Verlauf der englisch-spanischen Ministerbegegnung, die in militärischen und Marinekrcisen zu b.merken ist, würde eher darauf schließen lassen, daß mehr oder weniger chinabhängig vom afrikanischen Ausgleich zwischen Paris und Madrid die im Interesse der Sicherung oer englische Verbind ungen durch das Mittelmeer längst von militärischer Seite besü- wortete englisch-spanische Annäherung weitere Fortschritte ge.nacht hat. In diesem Zusammenhang ist es nicht uninteressant, ein vorläufig völlig unverbürgtes Gerücht zu verzeichnen, wonach Spanien für den Fall, daß es mit Frankreich zu keiner Verständigung gelangen kann, England ein Dorkaufsr.cht auf seine marokkanischen Enklave und seine Tanger-Interessln angeboten haben soll. Wieder von Newyork nach Paris. Der Ozeanflug eines weiblichen Fliegers. Newyork, 12. Okt. Nach wochenlangem vergeblichem Warten auf besseres Wetter ist am Dienstag um 17.06 Uhr Newyorker 3cit Miß Ruth Eldrr mit ihrem Stinson-Detroit-Plan „American Girl" zum transatlantischen Flug nach Paris gestartet. Der Entschluß wurde trotz der durchweg ungünstigen Wetterverhältnisse gefaßt. Trotzdem gelang der Stadt, den der erfahrene Begleitpilot Kapitän George Haldeman vornahm, ausgezeichnet. Das Flugzeug erhob sich überraschend schnell trotz großer Belastung vom Boden und entschwand den Blicken der Zuschauer in wenigen Minuten. Es hat entgegen den Routen der bisherigen Ozean-Flieger nicht die östliche eingeschlagen, sondern folgt «ngstens der Dam- pfrrroute, so daß nötigenfalls Hilfe schnell zur Stelle sein kann. Miß Ruth Elder, die verheiratet ist und sonst Miß Womano heißt, hat ihr Fliegerexamen erst kürzlich bestanden. Der wirkliche Ozean-Flieger ist also Haldeman. Sie hat .das Unternehmen nur zustande gebracht, nachdem es die finanzielle Unterstützung einiger Pflanzer aus Florida und Westvirginia ermöglichte. Sie ist im Zivilleben die Gehilfin eines Zahnarztes in Lakeland (Florida). Das Flugzeug ist ein sogenanntes Stinson-Detroit-Mo- dell, also ein gleicher Apparat wie derjenige, mit dem Broock und Schlee den Ozean überquerten. Es hat nur einen Wright Whirl- wind-Motor; es wiegt voll beladen 5680 englische Pfund und hat 520 Galonnen Benzin. Glatter Flug des „American Girl". Paris, 12. Okt. Nach den letzten Nachrichten, die über den Transozeanflug des „American Girls" in Paris vorlicgen. ist bisher alles glatt und in Ordnung verlaufen. Das Pariser Wetterbureau meldet jedoch für die kommende Nacht verhältnismäßig schlechtes Wetter, namentlich in der Gegend nördlich der carrarischen Inseln. Auf Grund dieser Mitteilung zeigt sich die Pariser Presse etwas besorgt, ob der verwegene, ziemlich spät unternommene Flug wirklich von einem vollen Erfolg gekrönt sein wird. Man erwartet die Ankunft des „American Girl" morgen vormittag zwischen 10 und 12 Uhr in Paris. , . Newyork, 12. Okt. Der Dampfer „American Bankers" berichtet, daß er das Flugzeug „American Girl" Dienstag nacht auf dem 41. Grad nördlicher Breite und 65. Grad westlicher Länge beobachtet habe. Das Flugzeug hielt ziemlich genau östliche Richtung ein. Das Wetter war klar bei einer leichten nordwestlichen Brise. Die angegebene Position befindet sich ungefähr 540 Meilen östlich von Newyork, so daß das Flugzeug also fast IM Meilen in der Stunde zurücklegt. Diese Geschwindigkeit ist eine Kleinigkeit langsamer, als erwartet wurde. Henry Wilsons Tagebücher. Das „ahnungslose und unvorbereitete England"^ London, 12. Okt. In den letzten Tagen sind die erstaunlichen Briefe und Tagebücher des 1922 von den Irländern ermordeten Feldmarschalls Sir Henry Wilson erschienen, aus denen eine Sonntagszeitung in letzter. Zeit lange Auszüge veröffentlicht hat, die auf das Treiben der Verfasser des V.rsailler Vertrages ein sehr interessantes, aber auch blotzftellendes Licht werfen. Die Presse widmet dem Buch lange Besprechungen, die das, was die „Times" „eine entsetzliche Indiskretion" nennen, lebhaft bedauern. Für den Historiker erhöht es- aber den Wert dieser Auszeichnungen außerordentlich, daß sie für die Oeffentlichkeit nicht frisiert wurden. Wilson gehörte zu den einflußreichsten Männern, die vor dem Kriege mit Ueberlegung arbeiteten, und er spielte in den Verhandlungen, die in 'dem schwankenden britischen Kabinett der Kriegspartei das Uebergewicht gaben, eine entscheidende Rolle. Unter den vielen sensationellen Enthüllungen des Buches wird besonders Aufsehen erregen, daß Wilson und dessen vertrauten Freund und Mitarbeiter Marschall Fach im Dezember 1915 der Ansicht waren, daß die Alliierten nicht mehr stark genug seien, um gegen Deutschland vorzugehen, wenn es sich weigern sollte, das Protokoll zu unterzeichnen, und daß sie noch im Mai des folgenden Jahres dafür hielten, daß „Deutschland angesichts Unserer Unentschlossenheit ein schönes Spiel spielen wird und wir den Krieg verlieren werden". Der „Daily Expreß" nennt das Buch, das lebhafteste, indiskreteste und vielleicht rücksichtsloseste Buch über den Krieg, das bisher erschienen ist. Es liefert wertvolles Material aus der Leg noe von der alleinigen Verantwortlichkeit Deutschlands für den K-ieg und es kann dm deutschen Bekämpfern der Kriegsschuldlüge zu einem eingehenden Studium dringend empfohlen werden. Für deutsche Leser von Bedeutung ist, an erster 'Stelle in Wilsons Bloßstellung die unglaubliche Lüge und Ignoranz, mit d:r der unheilvolle Versailler Vertrag zusammengrschmirdei rvuroe, und der Beweis, den das Buch dafür liefert, daß schon Jahr« vor dem Kriege ein hoher militärischer Berater der britischen Regierung unter Fachs Einfluß den uyvermeidlichen Krieg mit Deutschland nicht nur vorbereitfte, sondern den leit.nden Staatsmännern unermüdlich predigte und nach seinen Mitteilungen nicht ohne Erfolg. Wilson kam schon 1909 als Kommandeur der Stabsschule in Chamberley unter Fochs Einfluß, der damals der Leiter der Ecole superieure de Guerre war, und sie schmiedeten dann zusammen ihre Pläne für einen Krieg, den sie, wie ein englisches Blatt sehr richtig sagt, nicht nur voraussahen, sondern auch beide nicht abzuwenden versuchten. Bei der Herstellung seines Bundes mit Foch war Wilson unermüdlich damit beschäftigt, das Kabinett von der Notwendigkeit energischer Vorbereitungen für den Krieg mit Deutschland zu überzeugen und er war der spiritus rector der „National Reviews", die ohne Unterlaß ihr Germaniam esse del«ndam predigte. Wie Wilson das Kabinett in diesem Sinne bearbeitet«, mögen folgende zwei Auszüge aus feinem Tagebuch zeigen: Ende August 1910 hatte er einen Brief von einem Offizier erhalten, der sich damals in Bayern befand, und er sagt nun: „Er schien mir mit seiner Beschreibung der gegenwärtigen kriegerischen Stimmung des deutschen Volkes von solcher Wichtigkeit, daß ich Winston, von dem ich wußte, daß er mit Grey im Kaffee Royal speiste, telephonierte, sie sollten doch in meine Wohnung Kammern Sie kamen bald nach II Uhr nachts und blieben bis ein Viertel nach Mitternacht. Wir besprachen die Sache in der offensten Weise und ich bemühte mich sehr, die Notwendigkeit meiner Politik zu betonen, und z-var befürwortete ich die Politik einer Offensiv- und Drvensiv-Allianz zwischen England, Frankreich, Belgien, Dänemark, und Rußland. Zum Schluß sagte Grey, wenn die gegenwärtige Krise ohne Krieg vorbeigehe, werde er meinen Vorschlag ganz unzweifelhaft in Erwägung ziehen. Im September desselben Jahres machte Wilson folgende Eintragung in sein Tagebuch: „Ich hatte eine lange Unterredung mit Lloyd George, der auf seinem Wege nach Balmoral durch London kam. Ich erklärte ihm eindringlich, den Wert eines befreundeten Belgiens und die absolute Notwendigkeit, daß wir am gleichen Tage mit Frankreich mobilisierten und alle unsere sechs Divisionen aussenden. Ich glaube, er stimmte all dem zu, er war durchaus für Krieg jetzt. Ich fragte ihn, ob er uns die allgemeine Wehrpflicht geben wolle. Er sagte, ec sei durchaus Rr. 200. Jahrgang 1927. _ _ D« Lavdbote 4- Sinsheimer Zeitung. Donnerstag, den 13. Oktober 1927. für eine solche, dürfte das aber nicht sagen, bis der Ktteg ausgebrochen fei, wobei ich ihm sagte, dann wäre es zu fpäk" 3n den entscheidenden Tagen vor Ausbruch des Kriegs zeigt uns das Tagebuch dann Wilson damit beschäftigt, eine starke Kriegspartei zu bilden, und er der Mann, der die konservativen Führer zusammentrommelte und Bonar Law bestimmte, an As- quith den berühmten Brief zu schreiben, der den Widerstand der Friedenspartei im Kabinett brach. Er verzeichnet im d itten Kriegsjahr mit Stolz, daß General Lastelnau auf'einem Bankelt von ihm sagte, wenn er, Wilson, nicht gewesen wäre, wäre England niemals in den Krieg eingetreten und es sei daher buchstäblich wahr, daß er der Retter Frankreichs fei. Es ist selbstverständlich, daß kein englisches Blatt darauf hinweist, welch seltsames Licht die Wilsonschen Enthüllungen auf die amtliche These von dem ahnungslosen und unvorbereiteten England wirst, das von einem Deutschland überfallen worden sei, das den Krieg Fahrelang vorbereitet habe. Wenn das englische Volk vor dem Kriege einen solchen Einblick in die Kräfte, die in England zum Krieg trieben, gehabt hätte, wie es ihm die Wilsonschen Indiskreditionen geben, dann wäre vielleicht der ganze Krieg vermieden worden. Vorbereitungen im Reichstag. Berlin, 12. OKI. Zur Beratung des Reichsschulgesetes, die im Reichstag am 18. Aktober, spätestens am 19. Oktober beginnen wird, haben von der Oppositionspartei bisher nur die Sozialdemokraten und die Kommunisten ihre Fraktionsredner bestimmt. Für die Sozialdemokraten werden die Abg. Schreck und Loewen- stein, eventuell der frühere Staatssekretär Schulz, sprechen, für die Kommunisten die aus Moskau wieder zurückgckehrte Frau Klara Zetkin und der Abg. Schneller. Die Demokraten werden erst am nächsten Dienstag ihre Redner bestimmen. Auch die Regierungsparteien haben die Rednerfrage noch nicht geregelt und es besteht die Möglichkeit, daß sie sich auf eine gemeinsame Erklärung einigen. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion hat beschlossen, die Fraktion auf Dienstag, den 18. Oktober vormittags 10 Uhr zu berufen mit der Tagesordnung: Stellungnahme zur Gesamtpolitik der Reichsregierung. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat einen Gesetzentwurf zur Ermäßigung der Lohnsteuer eingebracht. Cr verlangt die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums von 100 Mark monatlich. Dadurch steigen die Freibeträge für Verheiratete auf 150 Mk., mit einem Kind auf IM Mk., mit zwei Kindern auf 180 Mk., mit drei Kindern auf 220 Mk., mit vier Kindern auf 280 Mark, mit fünf Kindern auf 3M Mark ,Der Gesetzentwu f soll mit dem 1. Januar 1928 in Kraft treten. Das Verlangen der Sozialdemokratie wird mit dem Reichstagsbeschluß begründet, wonach die Lohnsteuer ermäßigt werden muß, wenn ihr Ertrag in zwei aufeinander folgenden Vierteljahren den Betrag von je 30 Millionen überschritten hat, was jetzt der Fall sei. Steigende Verschuldung der Landwirtschaft. Wer es noch nicht vorher gewußt hatte, dem bcwie- dic Deflationskrise im Jahre 1924-25, daß auch die deutsche Landwirtschaft die Inflation mit dem Schwund ihres Betriebskapitals hatte bezahlen müssen. Die „Flucht in die Sachwerte" war nur zum geringsten Teile gelungen und, wo es der Fall war, führte sie vielfach zu einer Ueberlastung des Betriebes mit technischen Einrichtungen. Wegen der völligen Unmöglichkeit der Beschaffung der notwendigen langfristigen Kredite zur Aufrechterhaltung des Betriebes trat 1924—25 bei den meisten Landwirten der kurzfristige Personalkredit an die Stelle des Realkredites. Diese kurzfristigen Kredite aus den laufenden Betriebseinnahmen zurückzuzahlen, war für den Landwirt meist unmöglich. Sie find seitdem zu dem ewig drohenden Damoklesschwert der Landwirtschaft geworden. Unter dem Druck der kurzfristigen Verschuldung wurde die Landwirtschaft von der allgemeinen Wirtschaftskrise im Jahre 1925 in schärfster Weise miterfaßt und zu überstürzter, Abgabe der Getreidernte gezwungen. Der damit ve bundene Preissturz war so katastwphal, daß trotz der befriedigenden Ernte von einer Rentabilität der Landwirtschaft weniger denn je die Rede sein konnte. Wenn es auch gelang, einen wesentlichen Teil der kurzfristigen Personalkredite in langfristiger Realkredite umzuwandeln (was sich in einer Steigerung des Anteils der Hypothekarkredite an der erfaßbaren Kreditbelastung der Landwirtschaft von 32 Prozent am 31. Dezember 1925 auf 51 Prozent am 31'.. Dezember 1926 auswirkte), so gelang es doch nur vorübergehend, die drückendsten Personalschulden, die sogenannten nichtfluktiereN- den Personalkredite, zu senken. Die nachfolgende Uebersicht über Entwicklung der erfaßbaren Kreditbelastung der Landwirtschaft vom 31. Dezember 1925 bis zum 30. Juni 1927 zeigt, daß bereits in den ersten Monaten des Jahres 1927 die nichtfluktuierenf- den Personalkredite wieder in einem ständigen Ansteigen begaffen sind. In den ersten 6 Monaten des Jahres 1927 stiegen sie von 848,01 Millionen Mark aus 1232,93 Millionen Mark und ihr Anteil an der erfaßbaren Kreditbelastung von 21 auf 25 Prozent. -Die el/aßbareKoeditbesastuns öer Landwirtschaft VS&orteK TflarR ?tiz 1925 30.®3fA\5m3t12 1926 2&Z 1 927 2500 240Ö 23 00 22Q0 / WpCl Woö 1QÖ0 / 1800 1700 1600 s 1600 > / 1400 / 1600 12W . .. 1 ?, 1100 / ■ • •. 1ÖO0 / '±Jr* ,* 900 . r ~mo • * ; ~fhipot(ieftarftredite. — ~~JMtuterenc/eJJeteonaßred .. 7 liebt flufituierende'Pei'SonamreMe Die nichtfluktuierenden Personalkredite sind deswegen am drückendsten, weil sie im Gegensatz zu den fluktuierenden Personalkrediten zum größten Teil der Gesamtheit der Landwirte aus die Dauer nicht verbleiben und in absehbarer, verhältnismäßig kurzer Frist abgedeckt werden müssen. Rach den Feststellungen des „Instituts für Konjunkturforschung" wären nach dem Stande vom 31. Juli 1927 bis Jahresende über 600 Millionen Reichsmark nichtfluktuierende landwirtschaftliche Kredite zurückzuzahlen gewesen. Der Rückzahlungsdruck wäre also wesentlich stärker gewesen als im Vorjahre, in dem bis zum Jahresende nur 411 Millionen Reichsmark nichtfluktuierende Kredite abzudecken waren. Zwar gelang es in letzter Stunde, eine Neuregelung der diesjährigen Rückzahlungstermine durchzusetzen und die Verlängerung der Rückzahlungstermine eines großen Teiles der nichtfluktuierenden Kredite bis zum Frühjahr 1928 zu erreichen,- doch wird diese spürbare Entlastung zum Teil leider durch die starke Zunahme der nichtfluktuierenden Personalkredite aufgehoben, besonders, da auch ein Anwachsen der Warenschulden der Landwirtschaft (in nachfolgendem Schaubild unter „Schwimmkredite" berücksichtigt), die durch die Statistik nicht erfaßbar sind, zu beobachten ist. Die erfaßbare Kreditbelastung der Landwirtschaft stieg in dem ersten Halbjahr 1927 um mehr als 900 Millionen Mark, von 4012,29 auf 4929,32 Millionen Reichsmark. Diese 4,9 Milliarden Mark stellen aber nur einen Teil der gesamten Verschuldung der Landwirtschaft, und zwar die Neuverschuldung seit der Inflation, dar. Die gesamte landwirtschaftliche Schuldenlast zeigt das nachstehende Schaubild: -DieGssamtverschus-ung de? Landwirtschaft MußoertuTtgsfyypQtfyefien Danach beträgt die Gesamtoerschuldung der deutschen Landwirtschaft zurzeit insgesamt 12,7 Milliarden Mark. Diese Summe entspricht fast genau dem Stande der Dorkriegsverschuldung. die auf 13 bis 16 Milliarden geschätzt wird. Sie muß sich aber viel drückender auswirken, da einmal die Verzinsung bedeutend höher als in der Vorkriegszeit, die Rentabilität der landwirtl- schaftlichen Betriebe aber gesunken ist. Bor allem aber verfügt die Landwirtschaft nicht mehr über ein Gegengewicht wie früher, in Gestalt von eigenen Kapitalsanlagen, wie Pfandbriefen, Hypotheken und dergleichen. Die Landwirtschaft befindet sich also in einem Stadium zunehmender Verschuldung. Auslosungsrechle der AnleiheMSfungsschuld des Deutschen Reichs. Aus den Nummern 30 001—60000. Bei der heutigen öffentlichen Ziehung der Auslosungsrechte wurden gezogen die Nummern: »0010 048 050 058 149 171 198 205 218 281 298 339 357 397 436 443 472 489 535 664 701 721 728 746 761 765 847 884 915 942 31022 036 110 123 127 175 183 197 227 242 305 331 396 407 411 414 438 445 461 506 512 519 552 559 569 578 639 667 690 713 752 784 788 803 826 859 869 873 927 933 974 976 »2049 078 086 037 100 201 229 290 317 320 323 350 451 457 459 475 480 560 575 581 088 619 649 653 671 696 716 719 753 764 772 773 793 810 823 863 914 961 83 028 039 077 129 149 391 549 588 594 600 647 678 719 729 730 738 761 781 803 844 876 »4038 071 089 099 131 157 175 199 264 296 368 391 406 427 429 468 478 490 589 592 605 606 635 656 668 678 679 681 750 758 765 772 800 828 837 847 864 892 900 904 919 939 989 »5003 017 033 058 059 252 290 369 388 451 468 500 504 505 528 617 639 716 721 825 830 857 910 912 968 36011 145 223 267 311 321 350 360 361 412 449 471 511 540 563 634 683 720 729 740 8!3 848 883 887 890 892 981 994 998 37054 086 111 123 141 151 213 283 287 311 357 383 436 481 510 513 524 532 538 580 615 626 636 653 685 720 767 800 821 847 871 875 877 38052 057 094 147 149 190 211 255 368 409 430 482 505 555 581 675 726 746 782 816 857 893 902 924 935 945 39019 070 131 134 151 199 253 263 302 305 337 354 380 395 409 435 465 472 538 589 601 615 622 624 681 692 708 714 730 750 794 814 879 928 944 962 996 40 025 032 037 040 087 147 171 173 207 209 218 224 241 289 295 311 337 347 386 399 413 419 429 441 477 497 498 507 527 539 578 605 645 653 719 761 857 861 893 913 998 41027 050 087 106 143 144 >51 171 173 198 206 230 263 267 296 318 319 395 415 495 500 508 529 573 665 719 737 762 773 783 801 815 831 910 42015 032 096 232 247 252 282 356 387 417 443 470 478 522 525 533 568 610 643 753 754 758 813 819 867 899 903 931 941 966 983 43067 f 81 134 135 154 158 164 192 249 347 378 397 425 430 432 456 475 519 564 621 628 677 695 722 727 745 749 769 861 891 905 959 44 001 020 028 079 173 246 258 297 311 316 323 416 439 448 491 581 598 609 635 700 747 754 755 767 796 902 911 918 919 45 046 080 <81 097 139 150 189 215 245 260 267 327 398 421 429 490 498 596 625 627 654 673 686 740 750 793 801 830 868 908 929 932 993 46024 055 064 072 08'< 122 157 167 179 271 290 295 308 446 459 612 631 665 670 715 751 795 8'8 820 854 860 950 47033 051 058 064 109 137 168 172 248 307 333 351 356 363 390 411 436 441 473 509 519 524 567 580 582 583 600 667 681 747 751 814 889 931 948 954 48027 067 102 175 196 208 237 282 296 308 333 335 343 353 377 405 406 481 589 607 649 654 721 771 793 815 831 836 869 871 874 900 49000 026 075 077 154 183 196 271 311 326 342 363 395 423 462 514 527 531 543 590 604 667 692 702 703 716 722 741 770 817 829 894 899 917 971. 50068 074 101 127 206 215 232 270 302 309 349 369 463 467 472 498 542 607 629 644 655 685 696 703 716 719 761 776 913 914 920 924 951 971 51080 095 099 104 113 127 139 161 215 244 263 269 336 341 413 417 491 577 579 620 651 688 693 747 755 767 780 790 869 920 976 992 52016 049 073 095 099 128 165 187 209 217 223 239 247 248 282 354 364 475 507 576 604 660 678 696 725 752 772 821 841 853 878 998 910 946 973 53 091 118 147 159 275 300 302 313 314 345 350 364 426 439 441 453 466 473 501 518 530 545 620 636 676 679 683 720 724 787 830 857 900 926 939 972 974 979 54072 103 168 269 319 322 356 417 421 487 490 495 517 661 682 727 765 780 790 905 910 925 933 955 997 55015 024 088 091 142 147 175 176 199 250 259 263 295 299 310 333 365 398 418 428 478 512 540 549 572 666 700 788 818 865 934 946 952 996 56016 049 058 082 095 139 202 203 280 300 301 308 312 341 355 411 461 480 499 509 538 584 613 630 632 664 666 674 771 778 860 863 889 900 910 926 927 941 942 945 998 57019 061 086 108 113 132 134 158 160 173 187 234 251 289 351 368 370 406 421 460 512 552 604 633 690 708 714 770 817 840 842 889 913 935 943 973 58046 054 060 065 069 096 131 182 191 196 200 452 531 543 585 633 650 702 731 773 812 817 833 879 894 910 913 926 969 996 58046 049 072 087 113 117 119 136 137 148 151 156 165 208 220 281 311 361 379 406 416 441 486 487 522 577 588 675 713 742 755 808 845 875 877 883 893 919 920 945 «00M. Die gezogenen Nummern gelten für alle Gruppen jedes Wettabschnitts. Bei der Einlösung werden gezahlt für je IM,— RM. Nennwett der Auslosungsrechte. . . 5M,— RM. dazu 4i/2 o. H. Zinsen für 2 Jahre — 45,— RM. adz. 10 v. H. Steuer vom Kapitalerträge — 4,50 „ 40,50 „ zusammen 540,50 RM. Der einem Einlieferer auszuzahlende Gesamtbetrag wird nach Abzug der Steuer vom Kapitalertrag aus volle Reichspsennig nach unten abgerundet. Aus Nah und Fern. cf Sinsheim, 13. Okt. (143 er Denkmal.) Für die Errichtung eines Denkmals der im Weltkrieg gefallenen 143 er (früherer Standort Straßburg i. E.) lagen zwei Projekte vor. Das eine sah als Standott die Höhen bei Bühl vor, das zweite eine Anhö he de Offenburg. Der Bund ehemaliger 143er, der am 8. Oktober in Kassel seine sehr zahlreich besuchte Vertretettagung abhielt, hat nunmehr beschlossen, daß das Denkmal auf den Schwarzwald- höhen bei Bühl am Fuße der Burg Windeck erstellt werden soll, wo sich ein herrlicher Ausblick auf Straßburg, wie auf Ein Frühlingstraum. 49) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. Laut ausichluchzevü vor Ingrimm warf sich Gabriele auf den Tivan! Also so weil erstreckte sich sein Entschluß, nichts mehr mit ihr zu tun haben zu wollen! Vielleicht wollte er es darauf anlegen, daß ihr das Leben unerträglich werden sollte — daß sie dann ginge — aber den Gesallen, ihn frei zu geben, tat sie ,hm nimmermehr: Sie wollte sich schon ,ür ihr freudloses Leben zu Haus Ersatz schassen — sie wollte reisen, sich Zerstreuungen juchen — d, sie konnte ohne ihn 'irrig werden; für seine Strenge wollte sie rhn schon quälen — sie kannte ja seine schwachen Seiten! — Ein triumphierendes Lächeln'um die Lippen, trocknete sie ihre Tränen und ordnete dann vor dem Spiegel ihre Stirnlöckchen. Ihr Plan war gefaßt,- vor allem vor dem Personal die Zerrissenheit ihres Ehelebens verbergen, damit nichts davon iu die Lesfentlichkeit dringe! O. sie kannte so mele, die sie um ihre» schönen, vornehmen Mann beneideten — den Triumph, daß dieser nichts mehr von ihr wissen wollte, sollten sie nicht haben! So lebten die beide» Ehegatten also neben einander her. Mir ruhiger Höflichkeit begegnete Wolf seiner Frau — zu Hans wie in Gesellschaft. Es war etwas Starres, Kaltes über ihu gekommen, daß es sie manchmal erschauerte, wenn sie ihn ansah. Seine freie Zeit, soke^n sie dem Knaben und seinen Arbeiten nicht gewidmet war. brachte er tu- Klub zu, während seine Gattin die ihre mit Gesellschaften, Konzert- und Theaterbesuch ausiüllte. Scheinbar bekümmerte er sich gar nicht um sie. behielt sie aber doch scharf im Auge, und sie war klug genug, das zu sehen und sich nach seinen Worten zu richten, damit er nicht Grund hatte, sie fortznschicken. Im Februar rerste ihr Vater nach der Riviera und nahm sie mit dorthin. Und sobald der Sommer begann, machten die beiden eine Hochgebirgstour, um nachher den Spätsommer in Ostende zu verbringen. Allein au reisen hätte ihr Wolf nie tie Erlaubnis gegeben. Er hatte sich mit seine» Schwiegervater ausgesprochen, ohne diesem nur den gering sten Vorwurf zu machen, hatte aber ganz entschieden jeder Vermittlungsversuch desselben zurückgewiesen. Ter alte Ulrich litt schwer darunter, um so mehr, da er Wolf »ich Unrecht geben konnte: er kannte seine Tochter ja in ihrer Launenhaftigkeit, aber sie tat ihm doch leid, und er nahw sie infolgedeffen auf seine jährliche Vergnügungsreise mit Tie Zeit, die Wolf mit seinem Kinde allein zu Haus war dünkte beiden die herrlichste zu sein. Unter Leitung des liebevollen Vaters gedieh das Kind geistig und körperlich auf! beste, und jeder, der den prächtigen kleinen Kerl sah, mußt« ihm gut sein. IV. Es war in der letzten Hälfte des Septeniber, der sich i» diesem Jahre von der unvorteilhaftesten Seite zeigte. Heftige Stürme wechselten mit schier endlosen Regengüffen ab daß man meinen konnte, schon im November zu sein. Tie Geselligkeit nahm ihren Anfang; Gerichtsrat v. Wessel! war der erste, der sie mtt einer Feier des Geburtstages seiner Fra« eröffnete. Es wurde schon viel vorher davon gesprochen, da Weffels als ein vorzüglicher Gesellschafter bekannt war, der stets etwas Neues und Unterhaltendes seineu Gästen bot.' So sah man dem Abend mtt begreiflicher Spannung entgegen — auch Gabriele, die dazu eine der vier kostbaren Roben, sowie eine Brillantenriviere anlegen wollte die ihr Vater ihr in Paris gekauft hatte. Ihr Herz schlug )öher in freudiger Erwartung der Triumphe, die sie feiern der Bewunderung, die sie ernten würde. Tie Sommerirische war ihr augenscheinlich sehr gut bekommen; sie war 'oft noch stärker geworden, und ihre ganze Erscheinung rtmete Gesundheit und Frische. Auch Wolf hatte sich im Nanöver e-holt; die körperliche« Anstrengungen und Stra- ,azeu hatte» ihm gut getan, und die krankhafte Bläffe seine! Gesichtes war einer gesünderen Farbe gewichen. Ella hatt« scher gedacht, daß die längere Trennung versöhnend wirken vürde und war ihrem Garten deshalb zärtlich entgegenge- iommeu. Darauf hatte dieser aber nicht reagiert, sonder» er begegnete ihr nach wie vor mtt derselben ruhigen, kalteq Höflichkeit, so daß sie ihre Bemühungen bald aufgab. — .-„Möchtest Du Dir nicht bas Kleid ansehen, das ich heute abend tragey werde?" fragte Ella, als sie bei Tische faßen, „es ist sehr apart; ich denke, daß es Dir gesallen wird!" „Gern, sobald mir gegessen haben", entgegnete er zuvor- kommend. „Wann wirst Du heute abend zurückkommen? Hoffent- lich nicht so spät." „Ich kann es Dir noch nicht sagen. Gerade heute habe ich viel zu tun. Vor sechs Uhr kann ich schwerlich hier lein! — Nun. meine Toilette nimmt ja nicht viel Zeit in Anspruch!" „Auf den heutigen Abend freue ich mich sehr; es ist immer so nett bei WeffelS — gehst Tu nicht auch gerne hin?" „Gewiß, ich bin sehr gern dort, wenn ich auch, wie Du weißt, kein besonderer Freund von diesen großen Gesellschaften und Maflenabfütterungen bin, Gabriele!"-; Da fiel sein Blick auf Haffo, der neben ihm saß und auf seinem Teller herumstocherte, ohne zu effen — „aber, was ist mii Dir, mein Junge? Du itzt ja gar nicht? Tu bist so still — fehlt Dir etwas?" „Ja, Papa — Haffo hat Kopfschmerzen 'agte dreier mll matter Stimme. . „Er klagte vorhin schon darüber. Herr Hauptmann ; warf das Kinderfräulein ein. „er hat auch gar nicht so net gespielt wie sonst!" . ^ .... „Ach, sei nicht so empfindlich, Haffo, es wird nicht w ichlim» sein", sagte Gabriele unmutig, währen- eine Falte zwischer ihren Augenbraue» erschien, „die Hauptsache, Wolf ist, das er stch gar nichts aus Frikaffee macht - Du hast doch aber selbst gesagt, datz er alles effeu lernen soll. „Gewitz", entgegnete Wolf, „das soll er >onst: aber wen« er stch nicht wohl fühlt, wolle» wir ihn nicht dazu zwingen sonst könnte es ihm schaden!-Hast Du viel Schmerze», mein Liebling?" fragte er zärtlich. Das Kind lehnte sekn dunkles Köpfchen an den Arm de! Vaters und schloh die Augen. „Sehr viel nicht; aber mick friert so. und ich bin so müde!" -i- : r 4 « 4 Nr. 200. Jahrgang 1927. die Vogesen erschließt. Mit der Errichtung des Denkmals wurde die Landesgruppe Baden (Sitz Karlsruhe, des Bundes ehemaliger 143er beauftragt. J Kirchardt, 12. Okt. (Ruhestand.) Herr Pfarrer Zipfe, der seit dem Jahre 1905 hier amtierte, ist krankheitshalber in den einstweiligen Ruhestand getreten. An seiner Stelle wurde Stadtvikar Psefferle von Weinheim als Pfarrverwalter angewiesen. 5 Eppingen, 13. Okt. (Verschiedenes.) Seit 1. Oktober ist für den nach Karlsruhe versetzten Bahnhosinspektor Lind Bahnhofin- spekior Hoffmann von Titisee als Vorstand des hiesigen Stationsamts hierher versetzt worden. — Ein Riescn-Retlig wurde von Landwirt Philipp Roßnagel hier geerntet und hat das ansehnliche Gewicht von 12 Pfund. Der Rettig ist im Schaufenster der Gärtnerei Lampert am Marktplatz ausgestellt. — Der von Mühlbach mit einem Gewicht von 5 Pfund ausgestellte Rekord wurde, wie wir s. 31. mitgeteilt haben, von Ittlingen mit 8 Pfund * geschlagen. Run^h ält Eppingen den Rekord. Wer wird nun den Rekord überbieten? ~ ,~Z, = Mönchzell, 12. Okt. (Mehrere Gräberfunde.) Bei den Grabarbeiten zur Wasserleitung stieß man in der Nähe des Guts- Hofes auf mehrere Gräber. Damit bestätigt sich die Auffassung, daß bei der Schloßkirche, die in der Nähe des Fundortes stand, auch der Begräbnisort für die Toten des Dorfes war. Die Gebeine waren noch gut erhalten. = Schwetzingen, 12. Okt. (Die Einwohnerzahl) betrug zu Anfang September 9583, Ende September 9608, somit 3ugang im September 25. — Am Samstag, den 8. d. Mts. wurde im Lokal „zum Reichsadler" ein neuer Brieftaubenverein gegründet, mit dem Titel „Briestaubenklub „ohne Furcht" Schwetzingen", Als 1. Vorstand wurde gewählt: Adolf Ullmerich, Schriftführer Otto Schardt, Kassier Bäckermeister PH. Fred. Der Klub besichtigt im kommenden Jahr mit dem Bund Mannheim zu konkurrieren. = Weinheini, 12. Okt. (Gautag badischer Handwerker.) Der Gautag des Unterpfalzgaues badischer Gewerbe- und Handwerker-Vereinigungen, die am kommenden Sonntag hier stattfindet, soll eine Kundgebung aller Handwerker und Gewerbetreibenden sein, die die Förderung ihres Berufes wie des gesamten Handwerks erstreben. Der Präsident des Landesverbandes badischer Gewerbe- und Handwerker-Vereinigungen, Stadtrat Burckhardt (Heidelberg), sowie Handwerkskammersyndikus Eyer- mann (Mannheim) haben ihre Teilnahme am Gautag zugesagt. = Mannheim, 12. Okt. (Todessprung aus dem vierten Stock.) Heute früh stürzte sich eine in der Akademiestraße wohnhafte 25 Fahre alte Kontoristin aus dem vierten Stock in den Hof, wo sie mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Der Grund zur Tat ist unbekannt. t Ludwigshafen, 12. Okt. (Tödlicher Unfall im Werk Oppau.) Der 25 Fahre alte Schlosser Müller aus Abenheim bei Worms verunglückte im Werk Oppau dadurch, daß beim Abbruch eines Ofeneinsatzes der Schluß der Abdichtung nachgab. Die beiden aufeinandergesteckten Rohre wurden dabei auseinandergetrieben und der am Kopfende stehende Schlosser Müller von dem herausspringenden Rohr an der Brust getroffen. Die Verletzungen führten unmittelbar den Tod herbei. ^ --- Karlsruhe, 12. Okt. (Um den badisch-elsäßischen Grenzverkehr.) Wie man hört, stehen die zwischen der deutschen und französischen Regierung schwebenden Verhandlungen zwecks Aufhebung des Bisumzwanges für den sog. "kleinen" Grenzvekkehr unmittelbar vor dem Abschluß. 3u diesem 3wecke wird jetzt schon ay der Wiederherstellung der beschädigten Schiffsbrücke an der Straße Seltz—Rastatt gearbeitet und auf französischem Gebiet ein neues Polizeigebäude errichtet. Die elsäßische Bevölkerung steht der Aufhebung des Bisumzwanges mit Interesse entgegen, da sie sich dadurch eine wesentliche Belebung des Geschäftsverkehrs verspricht. — Freiburg i. Br., 12. Okt. (Katholische Kirchenmusikertagung. Hier fand unter sehr reger Beteiligung eine Tagung der katholischen Kirchenmusikcr der Erzdiözese Fieiburg statt. Prof. Groß sprach über „Anton Bruckner, eine kirchenmusikalische Erfüllung," Bei der Generalversammlung kam nur die idielle Seite des Kirchenmusikerberufs zur Geltung. 3um ersten Vorsitzenden wurde Fortbildungsschulhauptlehrer Geiser Chordirektor in Oberkirch gewählt. Die Schriftleitung der Verbandszeitschrift „Der katholische Kirchenmusiker" verbleibt in der Hand des Chordirektors Otto Schäfer in Baden-Baden. t Hcilbronn, 12. Okt. (Ein Polizeibeamter angeschossen.) Montag abend gegen elf Uhr wurde auf dem Hochwafserschutzdamm in der Badstraße hier der Polizei-Hilfswachtmeister Liebingl, der dort in 3ivil außer Dienst mit einem Mädchen auf einer Bank saß, von einem Unbekannten belauscht. Als Liebing dies bemerkte, stellte er den Unbekannten zur Rede, woraus dieser nach kurzer Auseinandersetzung fünf bis sechs Schüsse auf den fliehenden Liebing abgab. Einer der Schüsse drang oberhalb des linken Ohres ein und kam unter dem rechten Auge wieder heraus. Der Beamte, wurde in einem Krankenhaus untergebracht, wo er bis jetzt noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist. Der Täter hat sich in Richtung Sontheim oder Bückingen geflüchtet. Die kriminalpolizeilichcn Ermittelungen sind im Gange. Der Landbote * Smsheimer Zeitung. ** Metz, 11. Okt. (Die Landbevölkerung gegen die militärischen Uebungen.) Aus den in der Umgebung des Bitscher Truppenübungsplatz gelegenen Dörfern kommen heftige Klagen über den durch militärische Uebungen verursachten Flurschaden. Ein Metzer Blatt veröffentlicht eine Zuschrift, die außerdem über die rücksichtslose Störung der Saatarbeiten Beschwerde führte und die lothringischen Parlamentarier zum sofortigen Einschreiten ersucht. Da der Bitscher Truppenübungsplatz eine Fläche von 12 Quadratkilometer einnimmt, ist es weiter nicht verwunderlich, wenn die Landbevölkerung den Hebungen auf bebautem Boden verständnislos gegenübersteht. ** Stratzburg, 11. Okt. (Katholikentag.) Ter Elsässische Katholikenbund ruft seine Anhänger auf zu einem Katholikentag, der am 13., 14. und 16. Oktober in Schlettstadt stattfinden soll. An den beiden ersten Tagen finden Versammlungen in mehreren Sektionen, darunter einer Sektion für Schulfragen und einer für soziale Fragen statt. Der Sonntag ist großen Massenkundgebungen gewidmet, an denen auch der Straßburger Bischof teilnohmen wird. Gefährliches Spiel mit Sprengkapseln. 15 Kinder verletzt. Stuttgart, 12. Okt. Bei der Reinigung des Kanals zwischen Gaisburg und Berg kamen Revolver, Munition und Handgranatensprengkapseln, die vermutlich in der Revolutionszeit dort hineingeworfen wurden, zum Vorschein. Schulkinder der Gaisburger Schule beschäftigten sich während der Pause mit den dort gefundenen Handgranatensprengkapseln. Ein 7 jähriger Knabe legte eine auf einen Stein; ein anderer Knabe schlug auf die Handgranatenkapsel, so daß diese explodierte, wobei 15 Kinder Verletzungen erlitten- Die Verletzungen, bei denen es sich hauptsächlich um eingedrungene Splitter in Füße, Hände und Gesicht handelt, sind erfreulicherweise durchweg leichter Natur? Dem sofortigen Eingreifen des Kriminaloberwachtmeisters Scheuing ist es zu danken, dH den Kindern sofort etwa 120 Handgranatensprengkapseln abgenommen wurden. Die Heilsarmee «ud die Fraueumode. Eva Booth, die Kommandantin der Heilsarmee, ist vor einigen Tagen nach London zurückgekehrt. Sie wurde sofort nach ihrer Ankunft von einem Journalisten interviewt, der ihre Ansichten über die moderne Frauenmode zu hören wünschte. „Kurze Röcke" sind bester als die langen," sagte sie, »denn die langen werden vom Regen durchnäßt und verursachen leicht Lungenentzündung. Ich bin auch für das kurz- zeschnittene Haar, obschon es meiner Meinung nach die weiblichen Reize etwas verringert. Ich trug irüher auch kurze Haare. Das war vor mehreren Jahren und ich tat »8 aus Gesundheitsgründen. Ich fand es sehr nett und »»genehm, daß ich meine Haare schütteln konnte, so wie ein Hund sein Fell beutelt." Nach den Instruktionen der Heils- »rmee dürfen die Rocksäume der uniformierten weiblichen Mitglieder der Heilsarmee nicht höher als 20 bis 25 Zentimeter über dem Boden enden, aber Eva Booth hat nichts dagegen einzuwenden, wenn die Röcke nach der heutigen Mode kürzer sind. Streikeude Geschworene. Die aus vierzehn Mitgliedern bestehende Jury in Saint Nazaire, die mit der Ausgabe betraut ist. den vom Staat vergütenden Schaden festzustellen, der während des Krieges in Montoir und Saint-Nazaire an den von der amerikanischen und der französischen Armee requirierten Grundstücken verursacht wurde, kam dieser Tage zusammen. Bei der Eröffnung der Sitzung erklärten aber die Geschworenen, daß sie sich aus der Sitzung wieder entfernen würden, da sie den Betrag, der als Ersatz für die Reise- und Aufenthaltsspesen gedacht ist (zwölf Franc für den Tag), für viel zu niedrig halten. Das Gericht, das die Geschworenen zusammenberufen hatte, erkannte, daß die Geschworenen recht hatten, vervies jedoch darauf, daß das Gesetz die Weigerung, das Geschworenenamt auszuüben, mit Strafe bedrohe. Die Sache schien unangenehme Weiterungen anzunehmen. Was sollten die Geschworenen tun? Weiter streiken und sich der Gefahr aussetzen, bestraft zu werde« oder sich fügen und bei dieser Tätigkeit aus der eigenen Tasche darauf zahlen? Glücklicherweise wurde bald eine Lösung gefunden: Der Staat und die Handelskammer beschlossen, von nun an zusammen jedem Geschworenen vierzig Franc täglich zu bezahlen. Amerikas „jüngste" Europa-Touristen. Eine Mutter von 91 Jahren, ein Schwiegersohn von 75 and eine Tochter von 63 — diese Familie, die sich kürzlich von Cherbourg aus zur Rückreise nach Amerika wieder einschiffte, dürfte die „jüngste" sein, die in dieser Saison eine 8uropa-Tour angetreten hatte, und sie beweist, daß die Unternehmungslust der Amerikaner unter Umständen bis in rin recht hohes Alter bestehen bleiben kann. „Alle Achtung" mutzten alle denken, die die 91jährige gesehen haben, als sie »uf den Bahnhof St. Lazare kam, und die Beileid wußten über ihr Alter und über das Ziel ihrer Reise. Denn sie zing aufrecht und rüstig und man sah ihr keine Ermattung Donnerstag, den 13. Oktober 1927. and auch kein Reisefieber an. Sie bewies auch, daß sie trotz chrers Alters auch noch ihre geistige Aufnahmefähigkeit be- vahrt hat denn sie gab auf Befragen an. daß sie ihren Aufenthalt in Europa sehr genosten und sich an vielen neuen Eindrücken erfreut hat. Sie wäre auch durchaus nicht abge- reigt, im nächsten Jahre den „kleinen Ausflug" über de« Ozean zu "wiederholen. Wer weiß, vielleicht dieses Mal im Flugzeug? . . . Eine Verbrecher-Revue. Das an Ueverraschuugeu und Sensationen gewöhnte und darum verwöhnte Publikum Chicagos hat wieder einmal etwas Neues, noch nicht Dagewesenes zu schauen und z« bewundern. Eine Revue nämlich, die allsonnabendlich von der städtischen Kriminalpolizei veranstaltet wird. Nun ist »war eine Revue wirklich nachgerade nichts Neues mehr «nü wie sehr sich auch die amerikanischen Regisseure bemühen, in jeder Saison dem Pubikum wieder originelle, zugkräftige Schlager zu bieten und ihre Augen und Ohren durch neue Einfälle zu reizen, so wird dieses Geschäft doch immer schwerer. An dieser hier erwähnten Revue ist aber «uu doch noch etwas Neues und Eigenartiges, einmal näm- sich die Veranstalter, als welch«, wie gesagt, die Polizei fungiert, dann aber vor allem die Darsteller selbst. Dies find nämlich alles — Verbrecher. Wer sich dazu meldet, mutz »achweisen können, daß er etwas auf dem Kerbholz hat, wodurch er den Unwillen der Hüter der staatlichen Sicherheit und Ordnung auf sich gezogen hat. Nur daß freilich, und auch hierin steht wieder diese neue Revue einzigartig dar, freiwillige Meldungen bisher nicht vorgekommen sind, die Polizei vielmehr die „Darsteller" zwangsweise von der Straße herholen muß. Dies ist nun aber auch kein Wunder, wenn man erfährt, daß der Zweck dieser ganzen Veranstaltung eben ist, die Verbrecher zu identifizieren. Alle irgendwie verdächtigen Leute werden auf eine hellerleuchtete Sühne gebracht, während das Publikum in einem dunklen Raum sitzt, ein Publikum, daß sich in der Hauptsache aus »Interessenten" zusammensetzt, d. h. aus Leuten, Me irgend rinmal bestohlen, beraubt wurden oder sonst irgend wie Opfer eines Verbrechens geworden sind. Diese alle werden «un eingelaöen, an der Revue der Verdächtigen teilzunehmen, um eventuell bekannte Gesichter wiederzuerkennen. Es heißt, daß diese neuartige Methode sich schon als recht wirksam erwiesen hat und daß es auf diese Weise gelungen ist, manchen dunklen Gesellen zu identifizieren und unschädlich zu machen. Es nimmt uns daher nicht wunder, wenn es auch heißt, daß diese Schar wenig beliebt ist in den Kreisen der zweifelhaften Gesellen, die mit mehr oder minder Recht das Helle Rampenlicht der „Revuebühne" scheuen, und daß darum in letzter Zeit zum Wochenende, wenn die Polizei ihr Material für die Verbrecherrevue zusammenzusammeln pflegt, viele, die als Kandidaten in Frage kämen, die Stadt verlaflen, um dann am Montag, wenn die Gefahr vorüber ist. wiederzukehren. H. G. Wells eines Plagiates angeklagt. Eine nicht geringe Sensation verursacht erklärlicher Weise ein Prozeß, der kürzlich gegen den bekannten englischen Schriftsteller H. G. Wells eingeleitet wurde: es wurde gegen ihn die Anklage erhoben, ein Plagiat begangen zu haben. Klägerin ist eine weibliche Schriftstellerin. Mrs. Flo- rence A. Peeks, die in Toronto beheimatet ist. Sie beschuldigte H. G. Wells für seine „Outlines of History" in unrechtmäßiger Weise Material aus ihrem Buch „The Spiders Web" entnommen zu haben und fordert einen Schadenersatz von nicht weniger als 500 000 Dollar. Zu gleicher Zeit hat sie einen Prozeß angestrengt gegen den Verlag, in dem das Werk von Wells erschienen ist. Selbstverständlich macht dieser Prozeß viel von sich reden und man wartet gespannt auf seinen Ausgang. Ehe die Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, kann man sich natürlich kein objektives Urteil über den Sachverhalt bilden, aber soviel wird man schon jetzt sagen können, daß ein Mann von dem Ruf und dem Gedankenreichtum eines H. G. Wells es eigentlich nicht nötig hat, ein Plagiat zu begehen und daß es wunder nehmen müßte, wie er dazu kommen sollte, bei Frau Peeks eine „geistige Anleihe" zu machen. Ei« neues Mittel gegen Asthma. Auf der medizinischen Ausstellung in Westminster, die in diesen Tagen eröffnet wurde, erregte besonderes Aufsehen ein neues Mittel gegen Asthma, das es deu Chemikern her- zustellen gelungen ist, und das nun öffentlich zur Schau gestellt wurde. Es handelt sich dabei um die künstliche Nachahmung eines alten chinesischen Mittels, dessen ausgezeichnete Wirkungen gegen Asthma schon seit längerer Zeit bekannt waren. In China selbst wird dieses Mittel, das de« Namen Ma Huang trägt, schon seit über tausend Jahren angewandt und zwar mit dem besten Erfolge. Es wirs aus einer Pflanze hergestellt, die nur in China vorkommt. Als man in Europa auf die guten Erfolge dieses chinesischen Mittels aufmerksam wurde, versuchte man, es auch I« uns berüberzubringen, doch die Chinesen zeigten sich Besorgt legte Wolf die Hand auf Haffos Stirn und faj >ach seinem Puls. „Ich glaube, Ella, in Haffo steckt ei krankheit: er hat ein so heißes Köpfchen: er fiebert etwa? Ungeduldig beobachtete Ella den Gatten. In seiner üb« riebenen Besorgnis wäre er imstande und blieb der E ellschaft heute abend fern! Sie war gewiß keine herzll Nutter und halte ihr Kind lieb — aber wie Wolf imm steich war. das war schon nicht mehr schön! Sie faßte nc ler a» Knaben und sagte liebevoll: "^^L^rzblatt hat sich gewiß gestern auf dem We um Großpapa bei dem schlechten Wetter erkältet! W n °ff e Umschläge, und Fräulein erzählt T >avei0le Geschichte vom kleinen Däumling, die Tu imm 0 or r J t ~ oder möchtest Tu lieber ins Bett?" s-ratt auer Antwort schüttelte Hasso mit dem Kopfe. „ iagte Ella erleichtert, „es hat «ich ‘"HW. wurde er ins Bett wollen!" Jungen auf den Schoß. „Tut T onst nichts weh Hast £ u Schmerzen beim Schlucken' ragte er zärtlich besorgt. „Nein, Papa, nur Kopfschmerzen." „Ich muß jetzt fort, Ella! — Sollte es schlimmer werden, müssen wir für heute abend absagen, so leib es mir deinetwegen tut! Ich bin doch sonst nicht so ängstlich - ch weiß selbst nicht, wie es kommt! — Aber ich hörte, daß !eg«»°i"viele Binder an Scharlach und Diphtheritis krank 1 .,* 5 l orIä »fiö ist zu dieser Befürchtung kein Anlaß, Wolf! plaube mir, ich als Mutter habe darin auch einen Blick! Kopfschmerzen werden sich schon geben, nicht wahr, Mama!* »<5!? nach sechs Uhr nach Sause kam. war se nach sem Ktnderzimmer. Still saß Haffo in »no vlatterte in einem großen Buche. sehts denn, mein Liebling" fragte Wolf '»och Kopfweh?" ' „Ganz gut, liebes Papachenl Du und die Mama, Jh, könnt nachher ruhig fortgehen! Ich darf auch die Mamc iehen, wenn sie fein ist!" „Aber Dein Köpfchen und die Händchen sind so heiß, mein Funge", und besorgt faßte er nach beiden. In diesem Augenblicke wurde die Tür geöffnet und Gabriele trat herein in einem wunderbar zarten, duftigen Unterrock, schon frisier! and bis auf das Kleid fertig ungezogen. Ach, Du bist da" iagte sie zu ihrem Gatten, „mir war, als hörte ich Dick vorhin in Deinem Zimmer. Beile Dich, Wolf, es ist ball leben Uhr!" „So? Ich muß gestehen, daß ich am liebsten hier bleibeu möchte! Haffo gefällt mir gar nicht! Sieh nur, wie apathisch er öasitzt!" „Dachte ich es doch! Aber zu Deiner Beruhigung will ch Dir sagen, daß ich gleich nach Deinem Weggange zum Lanitütsrat geschickt habe, der mich wegen meiner Besorg- ris säst verlachte — er meinte, verdorbener Magen!" „Ach, Gabriele, der Sanitätsrat ist kein Kinderarzt: zu hm habe ich kein Vertrauen. Mir ist so eigen: am liebsten nöchte ich gar nicht fortgehen: wenn nur in Haffo keine :rnstliche Krankheit steckt,- ich bin zu ängstlich wegen Schar- ach oder Diphtheritis." „Aber Wolf, da müßte ich es als Mutter doch viel mehr ein, sei nicht gar so besorgt! Was soll das erst werden, venu Haffo in die Schule geht?" „In der Nachbarschaft ist Scharlach,- die beiden kleinen Nehrkes liegen fest, wie ich hörte", bemerkte das Kinder- räulein. Gabriele warf ihr einen ungnädigen Blick zu. Rußte dieses ungeschickte Geschöpf die Besorgnis ihres Gaten noch steigern! „Bringen Sie Haffo zu Bett", sagte sie kurz, „wenn er norgen ausgeschlafen hat, wird alles wieder gut sein." „Sollte sich sein Zustand jedoch verändern, dann schicken kie sofort nach uns — Sie wissen ja, wo wir sind, und zugleich auch zu Tr. Kornelius: zum Sanitätsrat habe ich kein rechtes Vertrauen, wayrend jener junge Arzt als Kinderarzt sehr bekannt ist, sagte Wolf. — „So, mein lieber Junge, lasse Dich schön zu Bett bringen: Papa kommt nachher noch und sagt Dir gute Nacht!"- Als sie gegen zwei Uhr nach Haus kamen, eilte Wolf sofort unruhig an Haflos Bettchen. Schlaftrunken erhob sich das Kinderfräulein von seinem Platz — sie hatte getreulich Wacht gehalten, konnte aber dem besorgten Vater nichts anderes sagen, als was er selbst sah — unruhig wälzte sich, der Knabe auf seinem Lager,- die Bäckchen waren heiß und rot, und ab und zu stieß er unverständliche Worte hervor? Aengstlich sah Wolf auf ihn und faßte seine Händchen wie sein Gestchtchen an. „Er fiebert, Gabriele, sieh nur —" Sie trat dicht an das Bettchen heran, einen verdrießlichen Ausdruck im Gesicht. Ihre blendende Erscheinung: wollte gar nicht so recht dahin paffen. Achtlos ließ sie deu kostbaren Mantel von den üppigen entblößten Schultern gleiten, als sie sich über das schlafende Kind neigte und prüfend in das gerötete Gesicht desselben blickte. „Ach, Unsinn, Wolf, das sind Schlafbäckchen: die hat er ja immer —" sagte sie etwas unfreundlich. Lächerlich, darum, gerade als es am schönsten war, nach Hause zu eilen; aber er hatte sich ja nicht mehr halten lassen, eine törichte Angst trieb ihn fort, und es war doch so amüsant gewesen; sie wäre zu gern noch geblieben — man hatte ihr wie einer Fürstin gehuldigt, und sie hatte wieder große Triumphe gefeiert — nur ihr Bär von Mann hatte nicht darauf geachtet, wie schön sie in dem weichen, fließenden kostbaren Kleide aussah, das ihre herrliche Büste fast bis zur Grenze des Erlaubten frei ließ. Besonders Exzellenz waren ja entzückt von ihr und hatten sie durch häufige Ansprachen ausgezeichnet, was doch nur von Vorteil für Wolf sein konnte — bah, und hier stand er wie eine ängstliche besorgte Kinöermuhme — ein säst verächtlicher Zug legte sich um ihre vollen Lippen, als sie ihn beobachtete. lFortsetzung folgt. Nr. 200. Jahrgang 1927. Der Laudbote * Smsheimer Zeitrmg. Donnerstag, den 13. Oktober 1927. sehr zurückhaltend und lietzen nur ganz geringe Mengen heraus. Diese waren nur ein Tropfen auf de» heißen Stein gegenüber den zahlreichen Asthmafällen, die es zu bekämpfe« gibt. Auch ein bis dahin unbekanntes Medikament, das vor einigen Jahren gefunden wurde und das ähnliche Wirkungen hatte wie das chinesische Ma Huang, wax viel zu selten, als daß es irgend wie bedeutsam ins Gewicht fallen könnte. Darum wird es in medizinischen Kreisen als großer Fortschritt begrüßt, daß es nun gelungen ist, das Produkt »uf synthetischem Wege künstlich herzustellen. Wiederkehr des Stiefels? Meldungen aus London zufolge scheint es so, als ob wir nächstens im Reiche der Mode mit einem alten, seit Fahren fast vergessenen Bekannten Wiedersehen efiern sollten: mit dem Stiesel nämlich, der nun schon seit fast zehn Fahren so gut wie gänzlich von der Vildsläche verschwunden war. Auf einer Schuh- und Ledermeffe, die in diesen Tagen in London eröffnet wurde, zog er aber wieder im Triumph ein und es ist also anzunehmen, daß er in der kommenden Wintersaison auch wieder getragen werden wird. Der Schnitt ist anders, als wir ihn letzthin gewohnt waren, bis er aus dem Reiche der Mode verbannt wurde, and erinnert in seiner reiterstiefelähnlichen Form an die Formen, wie sie vor nunmehr 40 Jahren getragen wurden. Wie jetzt überhaupt alles mehr auf Farbenfreudigkeit eingestellt ist, wird auch der Stiesel nicht etwa in dem frühere« schwarzen Einerlei, sondern in allen möglichen Farben zu sehen sein. Man meldet aus London, daß ungefähr alle Farben des Regenbogens vertreten sein werden, daS leuchtende Scharlachrot nicht ausgeschlossen. Es sind auch Formen auf den Markt gebracht worden, die für nasses Wetter cn- zepaßt sind, und man erwartet, daß sie in der kommenden Wintersaison sich gut einführen werden. Ein kleines Reiseabenteuer Lloyd Georges. Lloyd George reiste einmal inkognito und begann ein Gespräch mit einem Fahrtgenossen Ein Dritter mischte sich ins Gespräch und in angenehmer Konversation ging die Zeit im Flug vorbei. Als der Zug stehen blieb, machte einer der zwei fremden Herren Anstalten, auszusteigen. Lloyd George, der gern wissen wollte, wer der angenehme Plauderer war, fragte den Mann geradewegs: „Bitte, wie ist Ihr Name?" — „Ich bin Baron . . ." Und es folgte ein bekannter englischer Name. Als der Mann ausgestiegen war, sagte der zurückgebliebene Fahrgast respektvoll zu oem Staatsmann: „Es ist doch freundlich von so einem großen Herrn, mit Ihnen und mit mir so vertraulich zu sprechen. Der Mann ist gar nicht stolz." Für und wider die Trockenlegnng der ganze« Welt. Der Verband zur Bekämpfung der Prohibition ist, so wird aus Washington berichtet, mit einer Erklärung hervorgetreten, in der es heißt: Die gesamte Landwirtschaft werde bald einen noch viel härteren Kamps umS Dasein als jetzt zu bestehen haben, wenn die Prohibitionisten das von ihnen erstrebte Ziel erreichten. Die Weltliga gegen den Alkoholis- müs wolle tatsächlich die ganze Welt trocken legen. Falls ih^ dies nur iw bezug auf Europa gelingen sollte, würde für 106 Millionen Bund Getreide, die — nach dem Durch- fchyiite der Jahre 1925 und 1926 berechnet — von Europa, mit Einschluß Rußlands, jährlich zu Brauerei- und Destillationszwecken aus Amerika eingeführt werden, der Absatzmarkt verloren gehen. Eine Trockenlegung Europas würde den unaufhaltsamen Ruin der amerikanischen Landwirtschaft zur Folge haben müssen. Der Löwe als Flugzeugpaffagier. Die Entwickluna des Fluawesens schreitet mit Riesenschritten vorwärts,'besonders ln Amerika, wo man sich nicht mehr damit begnügt, zweibeinige Passagiere zu befördern, sondern den Passagierverkehr auch auf Zirkus- und Film- töwen ausgedehnt hat. Der amerikanische Flieger Martin Jenseu aus der Filmstadt Los Angeles hat die neue Aera des Flugverkehrs eingeleitet, indem er mit einem ausgewachsenen Löwen an Bord in San Diego (Kalifornien) aufgestiegen ist, um mit seinem merkwürdigen Begleiter quer über den Kontinent bis nach Newyork zu fliegen. Ter Löwe war in einem geräumigen Käsig untergebracht, der an dem Passagiersitz montiert wurde. Einige Tage hindurch blieben sowohl Jensen wie der Löpe gänzlich verschollen, bis endlich aus der Wildnis von Arizona die ersten Nachrichten eintrafen. Der Start war gut vonstatten gegangen und Leo, der Wüstenkönig, der zwar langjährige Erfahrungen im Zirkus und Film hinter sich hatte, im Fliegen aber noch ein Neuling war, führte sich mit anerkennenswerter Ruhe und Kaltblütigkeit aus. Nur als man über eine kleine Herde von Kühen hinwegflog, brüllte er von sehnsüchtigem Verlangen nach frischem Rindfleisch auf. Vier Stunden später befanden sich die beiden Insassen des Flugzeuges über dem • Felsengebirge von Arizona. Der schwer belastete Apparat konnte jedoch die Steigung nicht schnell genug nehmen und stieß gegen einen Baum, worauf er sich überschlug. Pilot und Fahrgast stürzten heraus, ohne sich ernstlich zu verletzen. Glücklicherweise blieb aber der Käfig ganz, so daß Leo nicht in die Lage kam, zu entweichen. Ringsumher waren in weiter Umgebung weder Menfchen noch menschliche Behausungen zu erblicken. Jensen stellte aus Aluminiumplatten seines zerbrochenen Apparates eine Trinkschale her, die er dem halbverdursteten Leo vorsetzte. Den Hunger des Tieres konnte er nur sehr mangelhaft mit Milch und Brötchen aus seinem eigenen Vorrat stillen. Der Flieger ging jetzt auf die Suche nach Hilfe aus und irrte zwei Tage.und Nächte in der Wildnis umher, bis er zum Hause eines Farmers gelangte. Dieser ließ sich herbei, für das halbverhungerte Tier eine Kuh zu schlachten. Dann wurde der Käfig mit seir^m Insassen in ein Auto verstaut und die Rückfahrt nach Los Angeles angetreten. Das indische Gefängnis. Die große Persönlichkeit hatte einen ersten amtlichen Besuch in einem indischen Gefängnis abgestattet, hatte sich sehr beifällig über die ausgezeichnete Organisation geäußert und hatte mit vielen der Sträflinge gesprochen. Ehe aber der hohe Herr ging, bemerkte er dem eingeborenen Gefängnisdirektor gegenüber: „Eine Sache kann ich nicht verstehen. Alle Sträflinge scheinen glücklich zu sein. Nur ein einziger ist es nicht, und das war der letzte Mann, mit dem ich sprach." „Ah so," sagte der Direktor „5u§ hätte ich auch vorher erklären sollen. Der Mann heißt Lapat Rab. Er soll morgen gehenkt werden, und er ist unschuldig. Darum ist er h» traurig!" _' ' ' ) Radio - Programm ) für Freitag, den 14. Oktober 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1259) 19.50 Uhr: „Macbeth" v. Shakesspeare, Musik v. E. Meisel. 22.30 Uhr: Fröhliche Zecher. Breslau (322), 19.45 Uhr: Märsche und Tänze. 21.1V Uhr: Berühmte Liebespaare im Brief und Dichtung. Frankfurt (428), 13.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.30 Uhr: Fugendstunde. 16.30 Uhr: Hausfrauennachmittag. 17.45 Uhr: Die Lefestunde. 18.30 Uhr: Vorträge. 20.00 Uhr: Zweites Freitagskonzert der Museumsgesellschaft Anschl. Spiitkonzett. Hamburg <394fh 20.00 Uhr: Niederdeutsche Frauendichtung. 22.3» Uhr: Die «aktuelle Stunde. Tages- und Zeitfragen. Anschl. Konzertübertragung a. d. Cafe ContineMal. Königsberg (329), 20.00 Uhr: „Polnische Wirtschaft", Passe mit Gesang, Musik v. Jean Gilbert. Langenberg (468), 20.00 Uhr: „Madame Butterfly", Tragödie einer Fapanerin, Musikdrama. Leipzig (365), 20.15 Uhr: Zwei Hörspiele des Geistes o. H. Falkenfeld, „Gespräch über die Leidenschaft". München (535), 20.30 Uhr: Symphoniekonzert. Stuttgart (379), 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.00 Uhr: Aus dem Reiche der Frau. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Borträge. 20.00 Uhr: Uebertragung von Frankfurt. Daventry-Experimeutal (4SI), 19.45 Uhr: Leichte Musik. 21.00 Uhr: Sendespiel. 23.15 Uchr: Te^musik. Daventry (1600), London (361), 13.00 Uhr: Konzert. 18.15 Uhr: Kinderstunde. 19.00 Uhr: Orchesterkonzert. 20.15 Uhr: Haydns Klaviersonaten. 21.00 Uhr: National-Symphoniekonzert. 23.35 Uhr: Abschiedskonzert Irene Scharrer. Paris (1750), 13.30 Uhr: Konzert. 21.30 Uhr: Sendespiel. Wien (517), 20.30 Uhr: Akademie. Zürich (588), 20.00 Uhr: Konzert des Hausvrchesters. 20.30 Uhr: „Das Volk der Hirten." 21.40 Uhr: Hausorchester. Prag (348), 20.10 Uhr: Solistenabend. 22.20 Uhr: Schallplat- ' tenmusik. Radio-Vertrieb c-4=>c-a=>«-soot° E. Schick, Uhrmachermeister. SlNSheim a. E. Dr. Seibt-Bertreter — Lager in Telefunken-Röhren, Anoden-Batterien — Säin lichcn Ersatzteilen, Barta Akkumulatoren-Ladeftatton. — Tckefon19. SchweinrmarKt in Bruchsal vom 12. Oktober 1927. Ungefähren wurden: Milchschweine 179, Läufer 19. Verkauft wurden: Milchschweine 100 Läufer 12. Höchster Preis für Milchschweine Paar 22.—. für Läufer 55.— RM. Häufigster „ „ .. 15.-, „ 45.- „ Niedrigster „ 10.— „ „ 35.- „ Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinshei m. vom 13. Oktober 1927. Cementwerk Heidelberg 1)5,75 Daimler Motoren ,>>i Dtsch. Gow- und Silberscheibe ,09 Elektr. Licht und Kraft . . — Emaill. und Stanzwerk Ullrich ?» Farbenindustrie . . . 293,50 Fuchs Waggon Stammaktien — Gritzner Maschinen Durlach . 114 Karlsruher Maschinen . . 22 Knorr Hetlbronn is» Matnkrastwerke Höchst . . 120 Neckarsulmcr Fahrzeugwerke . ,05 Schultert Elektr. Nürnberg . I9M5 Seiltnduftrie Wolfs . . , 9 1 Südd. Zucker .... 137 Zellstoff Waldhof Stammaktien 303 Anleihe«: in ° o 52,35 15.30 mit Auslosungsschein ohne Auslosungsscheiu . Bankaktie: in Bad. Bank .... — Darmpädter- und Nationalbank 221,60 Deutsche Bank DeutscheVcretnsbank Dresdner Bank Mftteldeutsche Ereditbank Reichsbank . . . . Rhein. Ereditbank . Südd. Disconto Ges. Bergwerk» - Aktien 130.50 102 160,75 169,25 133.50 142 in 0/0 178,25 123,50 »8 t arpener Bergbau ali Weperegeln ManneSmunnröhrenwerke. Mansfelder Bergb. u.tzüttenw Oberschl. Eiscnb. Bedarf . . Phönix Bergbau u.Hüttenbetrteb — Salzwerk Hetlbronn . . 178 Bereinigte Königs- Laurghiitte — Aktie« induftr. Unternehmungen: in o/a Bllg. Elektr. Stammaktien . 180,10 Badenia Weinbeim . — Bad. ElektrtzUät Mannheim — 6ad. Maschinen Durlach . 154.50 Aktien bentfchee Transg-rtanftalten: in °/a Samburg. Amertk. Paketfahrt — Sewelberger Straßen-«. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . i«7 Devise«: New-Iork 1 Dollar London 1 Pfund Holland 100 Gulden Schweiz 100 Franes Wien 100 Schilling Prtasioo Francs Italien 100 Lire 4.13731/, I 6.447 4.19521, ,0 44 168.34 16,487 Amtliche MMlniilchllilg. Straßensperre Wegen Beseitigung einer Querrinne wird der Kreisweg 36 im Ott Steinsfurt in der Zeit vom 14. bis 16. d. Mts. für den Verkehr mit Fuhrwerken und Kraftfahrzeugen aller Art gesperrt. Umgehungswege: von Steinsfurt Uber Land- straße 3 (gegen Kirchardt dis zur Bahn) und Landstraße 233 bis zum Bahnhof und umgekehrt. Zuwiderhandlungen werden gemäß 8 366 Ziffer 10 Str. G. B. mit Geld bis zu 60 RM. oder mit' Hast bestraft. Sinsheim, den 12. Oktober 1927. Badisches Bezirksamt. «Ohm z.deuWii Kliistt, Eschellmm. 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