Erscheint ISglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.20 Der Bezugspreis iftstm Voraus zu entrichten. 8n Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Frrnsprech-Anschlutz Rr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 General-Anzeiger für das^j^Ajenz-un- §cku>arzbacktal Der Lanöbote Sinsheimer KM Leitung General-Anzeiger für klsenz-und §cku>arzbacktal Kellefle unct verbreitetste Leitung äi^ .. ^egenä. yLUpt-Anzeigen-Llatt Mocbentlicbe Keilagen r Neu« 'Illullrierte » Kas ckeni Reick, cker Mock« » Ratgeber kür ksaus- «nck Lanckvirlkcbakt Auzeigen-Preife: Anzeigen: Die 33 mm breit« Millimeter-Zeile 6 Eoldpfg. NeKlamen r Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rech- nungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen-Annahme bis 8 Ahr vormittags; größere Anzeigen müssen am Tage vorher aufgegeben werden. , Bank-Konto: Bereinsbank Sinsheim e. G. m. b. L M 206 Donnerstag, den 20. Oktober 1927, 88. Jahrgang Der Streik im Braunkohlenrevier. Zunahme der Streikenden. — Berlin, 20. Okt. Zum Schlichter für die beute vormittag II Uhr im Reichsarbeitsministerium beginnenden Schlichtungsverhandlungen im mitteldeutschen Braunkohlenkonflikt ist wiederum Professor Brahn bestellt worden. Vom Reichsarbeitsministerium wird darauf hingewiesen, daß der Schlichter in seiner Entscheidung völlig frei ist und ganz aus eigenem Ermessen zu entscheiden hat. Falls ein Schiedsspruch zustande kommt, aber von einer der Parteien oder von beiden Parteien nicht angenommen wird, wird erst dann die Frage der Verbindlichkeitserklärung durch das Reichsarbeitsministerium akut werden. Vor den Schlichtungsoerhandlungen Halle a. b. S, 20. Okt. Mit der Einladung des Reichsarbeitsministers zur Fortsetzung der Schlichtungsverhanö- lungen im Braunkohlenbergbau ist der mitteldeutsche Lohnstreik in ein neues entscheidendes Stadium getreten. Von den beiden Tarifparteien wird nachdrücklich betont, daß der Schritt des Reichsarbeitsministers von amtswegen, also von sich aus, und nicht auf den Wunsch einer der beiden Parteien, erfolgt sei. Beide Parteien beharren nach wie vor auf ihrem Standpunkte und zeigen keinerlei Neigung zum Nachgeben. Die Streikleitung erklärt, daß selbst beim Zustandekommen einer Einigung am heutigen Donnerstag mit einer Wiederaufnahme der Arbeit rein technisch vor Montag kaum gerechnet werben könne. Die Streikleitung bezw. die Vertreter der Gewerkschaften werden, falls eine Einigung zustande kommen sollte, sofort in das Streikrevier zurückkehren und eine Telegiertenversammlung einberufen, die über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruches »zu entscheiden hätte. Die Streiklage zeigt« auch gestern kein wesentlich verändertes Bild. Tie Grubenverwaltungen beklagen sich über J »nehmenden Terror, während die Zentral-Streikleitung arauf hinweist, daß sich der Streik in ruhigen Bahnen ab. spiele und von einem Abbröckeln keine Rede sein könne. Samstag Bergarbeiterdelegierten-Konferenz 1 in Halle Di« Zentralstreikleitung hat sür Samstag eiue Delegier» ten-Kouferenz der Bergarbeiter «ach Halle einbernfen, die zu dem Ergebnis der heutige« Verhandlungen im Reichs« arbeitsministcrium Stellung «ehme« «nd über einen evtl. Schiedsspruch entscheiden wird. Einsetzung der „Teno" in Sachsen Fm staatlichen Braunkohlenbergwerk Hirschfelde ist nunmehr eine Abteilung der Technischen Nothilfe aus Dresden eingesetzt worden, die besonders zur Sicherung der Strom- Vrofessor Brahn, Schlichter. Versorgung des Freistaates Sachsen bestimmt ist. Die Gewerkschaften verlangen dir s ofortige Zurückziehung der „Teno"' und drohen im Weigerungsfälle mit der Einstellung der Notstandsarbeiten Augenblicklich finden noch darüber im sächsischen Wirtschaftsministerium Verhandlungen statt. An Hirschfelde sind zwei Hundertschaften Landespolizei aus Dresden eingetroffen, die jedoch vorläufig noch unsichtbar gehalten werden, da Ausschreitungen der Streikenden noch nicht vorgekommen sind. Der BraunKohlen-Industrieverein zur Streiklage Halle, 20. Okt. Der Braunkohlen-Jndustrieverein gibt zur Streiklage folgenden Tagesbericht aus: „Aus allen Revieren wird berichtet, daß sich eine außerordentliche Verschärfung des Terrors fühlbar macht. Durch amtliche Untersuchung wurde festgestellt, daß bei der Grubenanschlußbahn der Jlsebergbau-A.-G. nach Groß-Raschen ein Sabotageakt durch Handgranaten verübt worden ist. Zahlreich sind auch die Meldungen, über tätliche Angriffe auf Arbeitswillige. Zum Teil haben die Angegriffenen sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Neben dieser Form des Terrors zeigt sich eine weniger Gewalttätige, die darin besteht, große Massen von Streikenden auf Fahrrädern, Reichspostautos oder sonstigen Beförderungsmitteln vor den Werkeingängen zu konzentrieren und entweder durch Kettebilden den Zugang der Werke abzusperren oder die Arbeitswilligen zu zwingen, ihren Weg durch die dichten Streik- gruppen zu nehmen und sich hierbei Bedrohungen und wüsten Beschimpfungen auszusetzen. Der Regierungspräsident von Merseburg nahm gestern morgen selbst Gelegenheit, sich beim Schichtwechsel der Grube „Alwiner Verein" davon zu überzeugen, daß das dort geübte Streikpostenstehen weit über die Grenze des Zulässigen hinausgeht. Unter dem außerordentlich starke« Drnck der von de» Streikende« auf die Arbeitswillige« ansgeübt wird, ist bei einigen Grube« ei« leichtes Abbröckeln der Zahl der Arbeitswilligen zu verzeichne«. Dort, wo sich aus der Natur der Lage der Grube eine Terrorisierung der Arbeitswilligen schlechter durchführen läßt, nimm die Arbeitswilligkeit der Belegschaft zu. Insgesamt betrachtet, hat deshalb die Produktion der Werke gegenüber dem Vortag keinerlei Einbuße erlitten. Die Zahl der Arbeitenden in den Betrieben würde sich sofort ganz erheblich vergrößern, wenn die Polizei den Arbeitswilligen einen ungestörten Zugang zu den Werken sicherstellte. Die von der Streikleitung verbreitete Nachricht, die Braunkohlengrube des Leunawerkes sei zum Erliegen gekommen, ist glatt erfunden. Tie Gruben arbeiten vielmehr nach wie vor in demselben Umfang wie gestern." Die Gchulöebatte im Reichstag. , V e r l i n, 19. Oktober. Präsident Löbe eröfsnete die Sitzung um 13 Uhr. — Auf -er Tagesordnung steht nur die Fortsetzung der erste« Lesung des Reichsfchnlgefetzes. Das Wort erhält sofort Abg. Dr. Runkel (DVP.). Der Redner stellt fest, daß die volksparteilichen Minister im Ka- ausdrücklich bezüglich einiger Punkte ihre Stellung Vorbehalten und diesen Vorbehalt mit Einverständnis der übrigen Minster in der Oeffentlichkeit bekanntgemacht haben. Darüber hinaus hätten die beiden Minister die Stellung ihrer Fraktion bezüglich des ganzen Gesetzentwurfes ausdrücklich Vorbehalten. Die Fraktion erkenne den Gesetzentwurf als brauchbare Grundlage zu weiteren Verhandlungen an, sei aber in der Stellung von Abändernngsan- trägen und somit in ihrer Stellungnahme zur endgültigen Verabschiedung des Entwurfes völlig frei. Sie sei grundsätzlich damit einverstanden, daß der Bekenntnisschule die verfassungsmäßige Stellung gegeben werde, ihre Ausgestal- Krng dürfe aber nicht auf Kosten anderer, ebenso verfas- strngsmäßig berechtigter Schulformen geschehen. Es dürfte >aum einem Widerspruch begegnen, daß die für alle gemeinsame Grundschule nach der Berfaffung die Volksschule ist «nd daß diese Bolksschnle der alten Simultanschnle gleich kein nnd eine Vorzugsstellung haben soll. Sie soll also die Rcgelschnle sein. Theoretisch wird in dem Entwurf diese Vorzugsstellung an- «rkannt. Die praktische Ausführung macht diese Anerkennung aber wieder zunichte. In diesem Falle würde der Vorwurf der Berraffungswidrigkeit eine nicht zu verkennende Berechtigung haben. Tie Deutsche Volkspartei fordert daher, daß alle Schulen, die seit Jahren Gemeinschaftsschulen sind, auch solche bleiben, und wie alle neuerrichteten Schulen, wenn kein Antrag auf Einrichtung einer Bekenntnisschule vorliegt, ohne weiteres ebenfalls Gemeinschaftsschulen sind. Der Redner fordert den christlichen Charakter der Gemeinschaftsschulen, so wie er in den alten Simultan- sthulen festgelegt war. Für die Deutsche Volkspartei bedeute Artikel 174 der Berfaffung keine Schonfrist, sondern eine Schutzvorschrift. Die in den Simultanländern eingebürgerte Reichstypschule oder Normschule solle geschützt werden vor dem Antragsverfahren der Erziehungsberechtigten, deren Wille nach der Berfaffung nur möglichst zu berücksichtigen sei. Die Stellung der Deutschen Volkspartei in dieser Frage entspreche einer liberalen Tradition, an der sie sich nicht versündigen wolle sind könne. Sie beantrage daher die Beibehaltung des bisherigen Rechtszustanöes in den Ländern, wo die Simultanschule allgemein anerkannt bestehe. Das gelte auch für die einzelnen Gebiete und Länder, in denen die Simultanschule geschichtlich geworden sei. Ans jedem Fall aber könnte« nur die Länder selbst darüber bestimme«, wann sie das Schulgesetz in ihre« Bezirken zur Durchführung bringen wolle«. Der Redner lehnt weiter eine Auslegung ab, wonach jede Schulform ein geordneter Schulbetrieb sei. Eine solche Auslegung entspreche nicht den Gang der Verhandlungen in Weimar. Die Schaffung von Zwergschulen würde die Zertrümmerung der Schule zur Folge haben. Zu diesem Schulchaos könne die Deutsche Volkspartei die Hand nicht bieten. Eine Wiederkehr der geistlichen Schulaufsicht müsse vermieden werden nicht aus Abneigung vor der Kirche, sondern «m der Kirche willen. Einer eingehenden Prüfung bedürfe die Sostenfrage. Trotz aller Bedenken sei der Entwurf eine brauchbare Grundlage für weitere Verhandlungen. Voraussetzung für einen Erfolg sei aber Verständnis für die Gvnderlage einzelner Parteien hüben und drüben. Das Schulgesetz werbe entweder z« einem Leichen- steiu für die deutsche Kultur oder aber ein Motor z« «enem An- «nd Auftrieb deutscher Knltnrent- wicklnng. ^Beifall bei der Deutschen Volkspartei.) Frau Abgeordnete Dr. Bäumer fTem.) bedauert, baß von den Regierungsparteien die Debatte in einer Form geführt worden sei, die mit den bestehenden Problemen sich überhaupt nicht ernsthaft auseinandergcsetzt habe. Es bestehe gar kein Zweifel darüber, baß der vorliegende Entwurf versaffnngswidrig sei. Auch das Reichsgericht habe in zwei Entscheidungen ganz unzweideutig ausg«sprochen, daß die Gemeinschaftsschule als Regelschule anzusehen sei. Wenn die demokratische Fraktion der Ausschußüberweisung zustimme, dann tue sie das nur aus Rücksicht auf die Gepflogenheit des Hauses. Durch die Vorlage würden weltanschauliche Gegensätze gewaltsam und über das natürliche Bedürfnis und Gefühl der Mehrheit des Volkes hinaus verschärft und versteift. Aus unsere? geistigen Lage heraus habe sich die weltanschauliche Einstellung der höheren Schule als Gemeinschaftsschule mit getrenntem Religionsunterricht zwanglos ergeben. Es sei nicht einzusehen, warum das in der Volksschule grundsätzlich anders sein solle. Tie Demokratische Partei lehne diesen Riß im Aufbau und Leben der Einheitsschule grundsätzlich ab. Sie werde sich nachdrücklich dafür einsetzen. daß in alle« Ländern, in denen die Schnlentwickluug die Simultanschnle in irgend einer Form verwirklicht hat, diese Simultanschnle vor der Zerstörung dnrch das Gesetz geschützt wird. Sie sehe auch in der weltlichen Schule als Antragsschule eine ebenso große Gefahr. Staat und Gemeinde würden durch den Entwurf jeder Verfaffungsmöglichkeit über die Schule beraubt. Das Schicksal der Volksschule werde dem Kampf der Kulturparteien restlos preisgeben. Auch die Demokratische Partei respektiere die elterliche Verantwortung für die weltanschauliche Erziehung des eigenen Kindes. Das Gesetz gebe aber der Elternschaft das Recht, durch Mehrheitsabstimmung auch über die Kinder anderer zu entscheiden. So werde neben der Demokratie der bürgerlichen Gemeinde eine zweite Demokratie der Erziehungsberechtigten eingebaut. Die Auswirkung des den Eltern zugeschobenen Kampfes um die Schulform werde und müffe dauernder Unfriede sein. Wenn die Schule Kampfobjekt der Parteien werde, so werde es auch faktisch der Lehrer, der unter eine unerträgliche Gesinnungskontrolle einer kulturpolitisch fanatisterten Elternschaft komme. Die Rednerin erklärt zum Schluß: Wir sehen in unserem Volke auch auf weltanschaulichem und religiösem Gebiet strebende und ringende Kräfte, denen wir ebenso wie den großen Traditionen im Rahmen der nationalen Einheit des Bildungswesens unter der Obhut des Staates Freiheit der Entwicklung geben sollen. Abg. Fra« Zetkin (Komm.) wird von einigen Parteifreunden zur Rednertribüne geleitet. Trotz ihres hohen Alters nimmt die Rednerin temperamentvoll zu dem Gesetzentwurf Stellung. Sie bekämpft ihn, da er die Klerikali- sieruug der Schule bringe. Die Sozialdemokratie habe in der Schulfrage die Interessen der Arbeiterschaft nicht gewahrt. Wenn so etwas an dem grünen Holze der Sozialdemokratie geschehe, was solle man dann von dem dürren Holz der Deutschnationalen erwarten. Die Erziehung zur revolutionären internationalen Solidarität des Proletariats müsse erzwungen werden. Das Gesetz trage die religiösen, die Weltanschauungskämpfe in die Gemeinden und in die Familien hinein. Die Kommunisten verlangten nicht die Weltanschaulichkeit einzelner Schulen, sondern aller Schulen. Jetzt seien die einzelnen neuweltlichen Schulen nur Aussätzigenschulen für Dissidentenkinder. Die Entwicklung des Volksschulwesens in Sowjetrutzlanb sei eines der glänzendsten Blätter in der zehnjährigen Geschichte der russischen Republik. Die Rednerin schließt mit einem dreimaligen Pfui für diejenigen, die die Jugend als politisches HandelSobjekl betrachtete«. Abg. D« vredt (Wirtsch. Vereinigung) sieht in dem Reichsschulgesetz eine der schwierigsten Materien, die de« Reichstag je beschäftigt haben. Der Redner erinnert daran, daß er selbst vor einiger Zeit einen Entwurf zum Reichsschulgesetz eingebracht habe, daß aber das Zentrum leider verhindert habe, daß die Vorlage im Ausschuß beraten wurde. In der Schulvorlage scheine bei den Parteien vollkommene Verwirrung zu herrschen. Das deutsche Volk werde vernünftig genug sein, um sich in seiner Mehrheit für die Vorlage zu entscheiden. Der Redner stimmt ser Gesamttendeuz der Vorlage zu. Abgeordnete Fra« Lang-Bruman« sBVP) sieht in dem Gesetzentwurf eine brauchbare Grundlage zur Weiterarbeit. Er hätte freilich einfacher gestaltet und auf fünf Paragraph:« beschränkt werden können. Alles weitere hätte man der Landesgesetzgebung überlaffen können. Keine Schul- form solle eine Vorzugsstellung erhalten. In einigen Jahren wird sich dann Herausstellen, welche Schulform am lebensfähigsten ist. Tie Rednerin weist den Vorwurf zurück, als ob öre Regierungsparteien mit dem Schicksal der Jugend poliiische Geschäfte treiben wollten. Dazu fei chnen die Jugend zu heilig. ^ Abg. Schalem sLinkskommunist) erklärt, es seien ledig, lich Eiertanzreden zum Schulgesetz gehalten worden. Bei einigen Reden habe man den Eindruck gewinnen müssen, als ob es sich um einen Zeitvertreib, wie er iy katholischen Sonntagsblättern stehe, handele. In der Schulfrage habe sich die Sozialdemokratie von den bürgerlichen Liberalen völlig ins Schlepptau nehmen laffen. Aber auch mit den dreifachen Pfuirufen der Frau Zetkin sei noch nichts getan. Die russische Schule sei geradezu vorbildlich. Sie entspreche dem Ideal der internationalen revolutionären Arbeiterschaft. Abg. Dietrich-Franken sNat.-Soz.) bedauert, daß in der Schule zu wenig Rassenkunde getrieben werde. Auch die germanischen Göttersagen kämen zu kurz. Ter Redner erklärt sich sür die Gemeinschaftsschule auf deutscher Grundlage. Die Gleichstellung der jüdischen Schulen müffe entschieden abgelehnt werden. Seine Partei habe gegen den Entwurf die schwersten Bedenken und lehne ihn in seiner heutigen Form ab. Abg. v. Gräfe sVölk.) hält den Zeitpunkt für ein Reichsschulgesetz für denkbar ungünstig, weil keine Einigkeit im Volke bestehe. Auch in der Regierung' seien merkwürdige Gegensätze vorhanden. Der Staat müsse die Schulmehrheit haben, wenn er eine Zusammenfassung des Volkstums darstellen wolle. Es bestehe die Gefahr, daß wir im Süden eine Schule unter römisch-katholischem Einfluß bekommen und im Norden eine internationale Völkerbundsschule. Ter Einfluß der Eltern müsse gewahrt bleiben. Abg. Löwenstein (Soz.) tritt für die weltliche Schule ein. Diese Schulform sei das Ideal der Sozialdemokratie als der größten Partei Deutschlands. Tie Sozialdemokraten wollten praktisch Mitwirkung der Eltern im Schulleben, lehnten aber ein politisches Elternrecht ab. Der Staatsgerichtshos werde darnber zn entscheide« haben, ob dieses Gesetz verfaffnngsäudcrnd ist. Darauf werden die Beratungen abgebrochen und auf Donnerstag, 13 Nhr, vertagt. — Außerdem Besoldungsoor- laae. Nr. 206. Jahrgang 1927. Zum Schluß entspinnt sich noch eine heftige Auseinandersetzung über die Tagesordnung der Donnerstagsitzung. Die Kommunisten verlangen die Besprechung des Streiks in Mitteldeutschland. Der Antrag wird abgelehut. Ebenso abgelehnt wird der kommunistische Antrag, das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Reichsarbeitsmiuister auf die Tagesordnung zu setzen. Schluß nach IS Ubr. Ueber 1500 deutsche Hochschullehrer gegen den Reichsschul» gesetzentwurf. Heidelberg, 20. Ok ober. Von hervorragenden Hochs hul- ! lehrern der verschiedensten Richtungen wurde vor einiger Zeit eine Entschließung in Hochschulkreisen in Umlauf ge- ! setzt, die gegen den Keudellschen R nchsj tzulgesetze'. cw'irf Stellung nehmen. Dreier Kundgebung, die von Heidelberg aus ging, haben sich in wenigen Wochen über 1500 Hoch- schnllchr er vorbehaltlos aageichlofsen, darunter 658 vrdent- ljche Professoren, 417 auße'ordentliche P vscfsvren, 109 Ho- nvrarpro estoren, 620 Privatdozenten und 64 'onstige Mit- glieder der Lehrkörper. Die Unterschriftenliste, s.e am IT Oktober abgeschlossen ist, wurde dem Reichstag übersindt. Der Reichstagsausschrch für die besetzten Gebiete Erklärungen des Staatssekretärs Schmid. Berlin, 20. Okt. Der Reichstagsausschuß für die besetzten Gebiete nahm gestern seine Arbeiten wieder auf, um zunächst die Frage der Saargänger-Unterstützung zu behandeln. Ein kommunistischer Antrag ersucht die Reichsregierung die Behebung der schlimmsten Not der werktätigen Bevölkerung des Saargebietes und seiner Grenzgebiete genügend Reichsmittel.bereit zu stellen um dringende Maßnahmen sofort durchzusühren. Vor Eintritt in die Tagesordnung stellten die Abgeordneten Hofmann-Luöwigshafen (Ztr.) und von Dryanöer jD.N.) Anfragen nach der angekündigten Verminderung der Stärke der Besatzungstruppenzahl, insbesondere nach der Stärke der Truppen in her Pfalz. Staatssekretär Schmid gibt hierzu folgende Darstellung: Im Aufträge des Reichsministers für die besetzten Gebiete hat sich der Reichskommissar zu General Gnillaumet nach Mainz begeben, um dort in eingehenden Ausführungen die deutschen Wünsche vorzutragen. Bestimmte Erklärungen sind hierauf nicht gegeben worden. Es ist zugesagt worden, die Wünsche dem französischen Kriegsministerium weiter zu geben. Inzwischen ist dem Generaldelegierten der Reichsvermögensverwaltung eine Mitteilung zugegangen, nach der am 25. Oktober die Truppenverschtebung der Besatzungsarmeen folgendermaßen vor sich gehen wird: a) Aus der belgische« Zone «erde« 800 Mann ans den Orte« Geilenkirchen und Linder« znrückgezoge«. b> Die britische Rheinarmee ränmt Idstein vollständig «nd zieht ans Königstei« einige Kompagnien zurück. Ge» samtabgabe etwa 1050 Mann. c) Die französtsche Rheinarmee nimmt ans Düren ein«« Divisionsstab sowie eine Artillerieabteilung zurück. Dagegen wird ei« Jägerbataillo« hierher gelegt. Aus Euskirchen wird ein Jägerbataillo« zurückgezogen. Ans Kovlenz-Ehren- breitstein werde« zwei Maschinengewehr-Jägerbataillone «nd ei« Infanterie-Bataillon mit znsammen 1470 Mann znrückgezoge«. Ans Ems verschwindet ei« Infanterie-Bataillon, das aber durch ei« anderes ersetzt wird. Ans Diez werden zwei Bataillone mit 1400 Man« zurückgezogen. Aus Kreuznach wird ein Sab zurückgezogen. In Trier verschwindet der Stab des 33. Armeekorps mit 342 Köpfen, eine Telegraphenabteilung, eine Train-Eskadron, ein Auto- Train und eine Pionierabteilung. Dagegen kommen ein Di- visionsstab und drei Abteilungen Artillerie neu hinzu. Aus Mainz wird eine Pionierkompagnie zurückgezogen. In Worms wird ein abziehender Truppenteil durch einen neuen ersetzt, während Worms-Pfiffligheim von einem Infanterie- Bataillon mit 800 Mann befreit wird. Aus Landau werden 822 Mann zurückgezogen werden. Aus Germersheim wird eine Artillerieabteilung mit 190 Mann zurückgezogen. Neustadt erhält an Stelle des Fliegerregiments und der Maschinengewehrabteilung zwei Infanterie-Bataillone. Die Belgier ziehen demnach ungefähr 800, die Engländer 1050 und die Franzosen 6500 Köpfe zurück. Die restliche Verminderung des französischen Kontingentes soll durch Maßnahmen technischer Art, wie Zurücknahme der Stäbe, Einstellung von weniger Rekruten und Verminderung der Verwaltungsdienststellen erreicht werden. Die gesamte Besatzungsstärke soll künftig für das französische, belgische und englische Kontingent 60 000 Mann betragen. Weiter beschäftigt sich der Ausschuß dann mit der Frage ! der Saargänger-Unterstützung. In Anerkennung der dringenden Notlage wird die Gewährung von Fahrtentschädi- * gungen mit dem 1. November wieder ausgenommen werden. Der Laadbote * Sinsheim« Zeitaug. Gewährung von Unterstützungen an die Saar- und Elsaß- Gänger mutz die Reichsregierung ablebnen. Die teure Regirrungskommission. Saarbrücken, 19. Okt. Erst jetzt ist der Etat des Saargebiets für das Jahr 1926 bekannt geworden. Danach kostete die Regierungskommission 2 120 000 Fr. Unter diesen Ausgaben befindet sich ein Betrag von 35 570 Fr. für ein Sekretariat der Regierungskommission in Paris, das der ehemalige Präsident Raoult geschaffen hat, um eine enge Verbindung mit den Pariser Regierungsstellen herzustellen. Die Zentralverwaltung des Saargebietes erforderte 9782 000 Fr., von denen nicht weniger als 8 251 000 Francs als Fehlbetrag verzeichnet sind. Das Landesversichrrnngs- amt hat ein Defizit von 192 000 Fr., das Oberversicherungsamt ein solches von 91000 Fr. zu verzeichnen. Die saarländischen Eisenbahnen erforderten einen Zuschuß m»n 20 958000 Fr. das Post- und Telegraphenwesen einen solchen von 6 650 000 Fr., der Landjägerpolizeidienst kostete 11 634 000 Fr. Zur Förderung des fakultativen Unterrichts im Französischen mutzte das Saargebiet annähernd 130000 Fr. zahlen, der Etat für 1927 sieht sogar eine Beihilfe für die französische katholische Kultusgemeinde in Höhe von 230000 Fr..vor und eine Beihilfe für die evangelisch- protestantische Kultusgemeinde von 42 744 Fr. Die Uebernahme der Marmorbüsten der ersten beiden Reichspräfidenien im Reichstag Berlin, 19. Okt. Im Reichstag wurden gestern mit einer schlichten Feier die Marmorbüsten der ersten beiden Reichspräsidenten Friedrich Ebert und von Hindenburg übernommen, die in der Wandelhalle ausgestellt worden sind. Die Büste Eberts ist von Professor Blecker-München» die Büste Hindenbnrgs von Proseffor Schärfs-Berlin, geschaffen worden. In der festlich geschmückten Wandelhalle hatten sich neben den Vertretern der Parteien auch die Minister Dr. Strese- mann, Dr. Köhler, Dr. Koch, Hergt, von Keudell und der Reichskanzler versammelt. Der Reichskanzler führte die Witwe des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert an den Ehrenplatz. Anwesend war auch Dr. Meißner, der beiden Reichspräsidenten seine Dienste als Staatssekretär gewidmet hat. Von einem mit der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge geschmückten Rednerpult aus hielt Reichstagspräsident Loebe eine kurze Ansprache, in der er u. a. sagte, der Reichstag übernehme heute die Standbilder der beiden ersten Präsidenten der deutschen Republik. Friedrich Ebert, der Mann ans dem Volke, habe aus diesem Hause seinen Ausgang zu den höchsten Aufgaben genommen. Als Abgeordneter, als Vorsitzender des Hauptausschusses, als Parteiführer wirksam, habe er sich schon dadurch die Wertschätzung seiner Kollegen, die Achtung auch der politischen Gegner erworben. Der Zusammenbruch des alten Staates habe ihn zu Aufgaben und Pflichten geführt, die er in seinem Leben sicher nicht ahnen konnte. Als sie aber an ihn herantraten, habe er sie mit staatsmännischer Begabung gemeistert. Heute würden ihm, der dem Volke die Einheit des deutschen Staates retten half, der die neue Verfassung mitschuf, rings im Lande Denkmäler der Dankbarkeit errichtet. Neben dem ersten wollte der Reichstag den zweiten Reichspräsidenten von Hindenburg in der gleichen Weise ehren, ihn, der von innerem Pflichtgefühl getrieben, die Erbschaft Eberts angetreten habe, als die Mehrheit der abstimmenden Bürger ihn dazu bestimmte. Vom Tage seines Amtsantrittes an habe auch der zweite Reichspräsident sich als der Repräsentant des ganzen deutschen Volkes gefühlt, nicht als der Vorstand einer einzelnen Partei. Er habe seine Stimme immer für einen versöhnlichen Ausgleich der Interessen oder für eine sachlich vornehme Austragung der einmal unvermeidlichen politischen Kämpfe erhoben. Welche Achtung er sich dadurch erworben habe, habe sein Geburtstag gezeigt. Die Ehrung der beiden ersten Reichspräsidenten durch den Reichstag müffe jeden Staatsbürger davon überzeugen, daß das deutsche Volk nicht schlecht dabei fahre, wen« es seine Führer in freier Answahl kürt, wenn es denjenigen Bürger dazu ruft, den es für den fähigsten und würdigsten halte Von den Standbildern solle überströmen das Vorbild selbstloser Hingabe an das deutsche Volk. Als Friedrich Ebert nach fast 6jähriger Amtsführung in der Heidelberger Erde bestattet wurde, sei er so vermögenslos gewesen wie an dem Tage, als er zum erstenmal den Schritt in den Reichstag lenkte. Auch dem lebenden Reichspräsidenten bleibe nur ein persönlicher Erfolg seines Amtes, die Ehre. Wenn der Geist der Pflichterfüllung und der Opferwilligkeit, der beide Präsidenten beseelte und beseelt, als Beispiel für alle die gelte, die zu ihren Fstßen arbeiten, dann würden sie noch lange als hohe Mahner auf Generationen ihrer Nachkommen blicken können. Der Reichstagspräsident dankte dann den Schöviern der Donnerstag, den 20. Oktober 1927. Standbilder und übernahm diese in die Obhut des Reichstages. Dle Gewerkschaften bet Generaldirektor Dorpmüller Berlin, 19. Okt. Gestern empfing der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, die am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschaften zu einer Aussprache über Lohnfragen der Reichsbahnarbeiter. Bekanntlich wurde im Lohnstreit im April ds. Js. ein Schiedsspruch gefällt, der eine allgemeine Erhöhung des Lohnes der Reichsbahnarbeiter um 4 Pfennig am 1. April und um 1 Pfennig am 1. Oktober d. I. vorsah. Diese Löhne gelten nach dem Schiedsspruch bis 31. März 1928. Die Gewerkschaften wiesen in der Aussprache auf die inzwischen gesteigerten Lebenshaltungskosten t» Deutschland hin, die eine sogenannte „Zwischentarifliche" allgemeine Erhöhung der Löhne erforderlich machen. Der Generaldirektor sagte zu, daß dort, wo die Löhne'der Reichsbahnarbeiter unter den Löhnen vergleichbarer Arbeiter der Industrie liegen, durch örtliche Zulagen im Rahmen des finanziell Möglichen geholfen werden soll. Um die Altersgrenze der Strafmündigkeit Berlin, 20. Okt. Im Strafrechtsausschutz des Reichstages wurden gestern alle Anträge, die darauf hinaus wollten, die Altersgrenze für Strafmündigkeit vom 14. auf das 16. Le» bensjahr zu erhöhen oder noch eine besondere Altersstuf« der Strafverantwortlichkeit zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr zu bilden, von der Mehrheit des Ausschusses-abgelehnt. Es verbleibt also in erster Lesung bei dem Text der Regierungsvorlage. ' Südwestdentscher Weinhändlerverein. Mainz, 20. Oktober. Der Bund Südwestdeutscher Weinhändlervereine tagte hier im Kasino „Hof zum Gutenberg" unter dem Vorsitz des Herrn H. Sichel-Mainz. Es waren 20 Vereine vertreten. Außerdem hatte der Bund westdeutscher Weinhändlervereine zu Köln Vertreter entsandt. Die Äersammlung befaßte sich ausgiebig mit den Fragen der Weingesetzbuchführung, der Untersuchung ausländischer Weine, der Normalflaschen, der Mißstände in der Ft men- zeichnung, des Korkbrandes, der Verwendung der Ausdrücke „Blutroter Süüwein" und „Medizinalivein", des Kreöitschutzverbanbes für die deutsche Getränkeindustrie, des Begriffs des Eigentumsüberganges und anderes mehr. Die von den Landwirtschaftskammern zu Bonn und Wiesbaden geplante Errichtung einer Weinanerkennungsstelle fand Ablehnung. Chamberlins neuer Ozeanflug. Newyork, 19. Okt. Auf einem Festessen in Philadelphia teilte der Ozeanflieger Lhamberlin mit, daß er wahrscheinlich im nächsten Jahr einen neuen Ozeanflug unternehmen werde, diesmal mit einem viermotorigen Flugzeug mit fünf Mann Besatzung. Das Flugzeug, dessen Spannweite über 100 Fuß beträgt, befindet sich augenblicklich im Bau und soll das erste Ber- suchsmodell für einen praktischen Ozeanverkehr werden. Bei Flug- unterbrechungez in Neufundland und auf den Azoren soll der Apparat 20 Passagiere befördern können. Baden Parteitag de« Wirtschaftliche« Bereinignng des badisch«» Mittelstandes. Karlsruhe, 19. Oktober. Am Sonntag hielt in Karlsruhe die Wirtschaftliche Vereinigung des badischen Mittelstandes ihren ersten Parteitag ab, auf dem u. a. Reichstags- avgeordneter Professor Bredt über die Tätigkeit der Reichstagsfraktion der Wirtschaftlichen Vereinigung Bericht erstattete. Um als Fraktion im Reichstage auftreten zu können, habe sich die Partei mit den bayerischen und Hannoveraner Wirtschaftlern zusammenschlietzen müssen, was zu gelegentlichen Differenzen geführt habe. In prinzipiellen Wirtschaftsfragen habe sich aber immer wieder eine Einheitsfront gebildet. In Baden wie in Norddeutschlanö seien gute Fortschritte zu verzeichnen, während die Partei in Bayern und Württemberg noch schwer zu kämpfen habe. Abgeordneter Herrmann-Pforzheim berichtete anschließend über die Entwicklung der badischen Landtagsfraktion und ihre Zusammenarbeit mit Deutschnationalen und Landbunb. Der Redner wandte sich scharf gegen weitere steuerliche Belastung des Mittelstandes und trat für die Erhaltung der Einheitsschule ein. In den Vorstand wurden gewählt Präsident v. A» als 1., Helfer-Pforzheim als 2., Willet-Karls- ruhe als 3. Vorsitzender. Schriftführer wurde Dr. Ballweg- Pforzheim, Kassierer Stadtverordneter Schwarz-Karlsruhe. Zu Beisitzern wählte die Versammlung die Herren König-Konstanz, Vogt-Fretburg und Schneider-Mannheim. Satzungen und Beitrag wurden genehmigt und einstimmig angenommen. Ein Frühlingstraum. 64) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. „Gewiß, gnädige Frau — Sie können ruhig gehen", lautete Marys Antwort. — Nun war sie allein! Ein tiefer Atemzug hob ihre Brust — Gott Lob, das erste, so gefürchtete Wiedersehen war vor- bei. Jetzt galt es, Kopf hoch, und dem Zauber, den Wols auf sie ausübte, zu widerstehen. Ach, das Herz war noch nicht gestorben, wie sie gewähnt: es war ein gar ungeberdik Ding, und sein ungestümes Klopfen drohte ihr die Brust zu sprengen. Aber sie wollte sich mit aller Kraft gegen jeden Einfluß wehren — sie wollte nicht denken an vergangen« Zeiten — nur an ihre Pflicht und weshalb sie hier war Liebkosend lag ihr Blick auf dem Gesicht des Knaben. Wie er ihm glich — er hatte doch nichts von der rosigen, blonden Mutter. Fast unwillkürlich hauchte sie einen Kuß auf das kleine Händchen, das, zur Faust geballt, unruhig auf dem Deckbett hin und her glitt. Gabriele ließ da fragen, ok Schwester Konsuelo mit ihnen effen wollte, jedoch diese dankte: sie könnte nicht daran denken, das Kind auch nur einen Augenblick allein zu lasten. So wurde ihr das Esten aus ihren Wunsch im Zimmer serviert, wovon sie allerdings nur wenige Bisten genoß. Nach 9 Uhr kam Doktor Kornelius noch einmal. Die Eltern des kleinen Patienten waren am Krankenbett: jedoch vermied Wolf jedes Wort. Dann ging er mit dem Arzt, nachdem dieser der Schwester noch verschiedene Verhaltungsmaßregeln erteilt, und Gabriele blieb zurück. Das Zimmer war nur schwach erhellt: die Lampe war mit einem Schleier umhüllt, damit das grelle Licht gedämpft wurde und Hasto nicht blendete. Es stand ihnen eine schwere Nacht bevor: das Kind lag in heftigem Fieber und phantasierte stark: verschiedene Hustenanfälle erschütterten desten Körper dermaßen, daß er wie gebrochen in dem Arm der /Schwester hing. t „Schwester — Schwester — was soll das werden!" jammerte des Kinder Mutter, die weißen Hände ringend, „o ich bin außer mir!" „Nur Mut", redete Mary zu, „der Arzt hofft ja auch das Beste! Denken Sie auch an sich — legen Sie sich nieder —" Nein, nein", rief Ella, „ich bleibe bei meinem Kinde, bei Ihnen, ich helfe Ihnen — Sie schlafen ja auch nicht: lasten Sie uns zusammen wachen!" „Ich habe in den letzte» Tagen fast nur geschlafen, bin vollständig gekräftigt und an das Wachen gewöhnt: mir macht es also nichts! Aber Sie, Frau von Wolfsburg, können das nicht aushalten, schlafen Sie wenigstens ein paar Stunden, dann sind Sie frischer und widerstandsfähiger. Unterstützen Sie mich am Tage und vertreten mich dann, wenn ich ein wenig ruhe: wir müsten uns abwechseln." Sie wollte auch darum allein sein, weil Ella durch ihre Umständlichkeit und Hast ihr im Wege war: das konnte sie allerdings nicht sagen. Endlich gehorchte diese Marys Drängen und ging. Nun war Mary allein. Ein paarmal glaubte sie vor der Tür Schritte gehört zu haben: allein es kam niemand herein: sie mochte sich getäuscht haben! Aus Hastos Fieberphantasien entnahm sie, wie leidenschaftlich das Kind an seinem Vater hing — von der Mutter wollte es nicht viel wissen. — Es mochte gegen Mitternacht sein, als sich die Tür leise öffnete und Wolf hereintrat. Ersckreckt sprang Mary auf. Er winkte jedoch mit der Hand und sagte leise: „Erschrick nicht, Mary, ich will nur noch mal nach meinem Kinde sehen." Er trat ans Vettchen und neigte sich über ihn: „Mein Junge, mein armer, süßer Junge: Gott, o gib, daß ich ihn behalten darf." Aus den paar Worten klang ein so tiefer Schmerz, daß sie davon bis ins Innerste berührt wurde. Da berührte sie leise seinen Arm: „fasten Sie Mut, Herr Hauptmann! Ich hoffe das Beste! Wäre nur die Krisis erst vorüber!" Mir irrem Blick wandte er sich um. „Was willst du eigentlich hier? Wie kommst dn hierher?" Mitleidig ruhte ihr'Blick auf seinem Antlitz, in das die Sorge der letzten Tage tiefe Furchen gegraben hatte! Was mußte er leiden um das Kind! „Ich hatet Tr. Kornelius versprochen, ein krankes Kind aus seiner Praxis zu pflegen. Als ich erfuhr, westen Kind es fei, war es zu spät, zurückzutreten, ohne Argwohn zu erregen. Sonst hält' ich dies Begegnen vermieden!" „Und wie kommst du in dies Gewand?" forschte er weiter. „Ich hatte keinen anderen Zufluchtsort, wenn ich nicht schlecht werden wollte!" entgegnete sie. Er hörte auf zu fragen, da der Knabe wieder unruhig wurde. „Papa, Papa", kam es klagend und stoßweise aus seinem Munde, „bleibe du bei mir: Mama schlägt Hasto immer. Papa, nicht traurig sein, wenn auch Mama schilt: sie ist nicht gut. Aber Hasto hat Papa lieb: komm, gib Hasto einen Kuß!" Er richtete sich hoch auf und blickte mit den fieberglänzenden Augen um sich. „Warum kommst du nicht? Ach, du darfst nicht! Paß auf, Hasto kommt dann, Mama sieht es ja nicht, die ist mit dem Rade fort." Und er schickte sich an, aus dem Bette zu springen. Mit Gewalt mußte ihn Mary zurückhalten. Da schlug er nach ihr: „Geh. du böse Mama! Tu ärgerst Papa immer, und da ist Papa so traurig!" Er weinte und schrie, bis er erschöpft mit jagenden Pulsen in die Kissen sank, bas Gesichtchen von dicken Schweißtropfen bedeckt. Behutsam bettete ihn Mary und erneuerte die Umschläge. „Kann ich helfen?" fragte Wolf, desten Gesicht sich bei Hastos Phantasien mit hoher Röte bedeckt hatte. Sie schüttelte nur mit dem Kopse und beschäftigte sich weiter, bis Hasto ganz ruhig dalag. Wie ein breiter Schatten lagen die dunklen nmpern auf den blassen Wangen: wie eingefallen und schmal das Gesichtchen in den paar Tagen geworden war. Hin und wieder zuckte es um seinen Mund: sonst war er ruhig. Marys Finger lagen über denen des Kindes wie behütend und beruhigend. Wolf hatte sich jetzt an die andere Seite des Bett- chens gesetzt, wo sonst immer Gabriele faß, und heftete seine Blicke auf die schmale weiße Hand^ die vorhin so viel Kraft entfaltet hatte. Wie er sie so sorglich um Hasto bemüht sah, durchzuckte ihn der Gedanke — wie eine Mutter — und sie hätte cs vielleicht sein können, wenn nicht-und Mary saß mit niedergeschlagenen Augen da, fürchtend, in die seinen zu schauen. (Fortsetzung folgt.) * Nr. 206. Jahrgang 1927. .Donnerstag, den 20. Oktober 1927. Aus Nah und Fern. - Sinsheim, 19. OKI. (Beförderungen.) Versetzt wurde Obersteuerinspektor Schüler zur Oberfinanzkasse Karlsruhe. Befördert wurde Steueroberwachtmeister Schröder zum Steuerbei triebsassistenten. l Sinsheim, 20. Okt. (Ständchen.) Gestern Abend brachte der Arbeitergesangverein Bolkschor seinem 1. Vorsitzenden, Herrn Georg Roth, zu seinem 60. Geburtstag ein wohlgelungenes Ständchen. Der 2. Vorsitzende überbrachte dem Geburtstagskind die Glückwünsche des Vereins mit dem Wunsche, dah es ihm noch lange vergönnt sein möge, der Letter und Führer unseres jungen Vereins zu fein. Der Jubilar dankte bestens und ermahnte besonders die jüngeren Sänger fleißig und pünktlich die Singstunden zu besuchen. Rach dem Chor „Abendgruß" ging der Verein in sein Lokal zurück und man blieb noch einige gemütliche Stunden beisammen. * Sinsheim, 20. Okt. (Einführung einer Rormalweinflasche.) Der Deutsche Industrie- und Handelslag hat in Vorschlag gebracht, für Weinflaschen, anstatt der bisherigen verschiedenen Flaschen- größen eine einheitliche Dreiviertel-Liter-Flasche einzuführen. Der Weinhandel und die Berbraucherschaft haben diese Anregung begrüßt und die Handelskammern der Weinbaugebiete haben sich dafür ausgesprochen. Der Weinhändlerverband für Rhein, Mosel und Aar hat nunmehr die Einführung der Normalflaschc beschlossen. * Waibfiadt, 18. Okt. (Vom Vürgerausschutz.) In der nächsten Bjirgemusschußsitzung. wird der Ausschuß über die Erhebung eines Zuschlages zur Hundesteuer, über die Erhöhung des Wasserzinses beraten, ferner einen außerordentlichen Holzhieb von 300 Festmetern genehmigen, über die Gemeindesteuer 1926/27 und über den Gemeindevoranschlag 1927 28 schlüssig werden. t Neckarbischofsheim, 19. Okt. (Kreishaushaltungsschule). Der Winterkurs der hiesigen Kreishaushaltungsschule hat am 17. Okt. begonnen. In der Folge ist es der 77. Kurs. Besucht wird er von 18 Schülerinnen. Davon sind 11 aus dem Kreis Heidelberg knd 7 außerhalb des Kreises. A Zuzenhaufen, 18. Okt. (Bau der großen Fernleitung.) Zur Zeit werden auf hiesiger Gemarkung die Eisengittermaste für die stärkste Fernleitung Deutschlands, die die Oberbayrischen Wasserkraftwerke, besonders das Walchenfeeweik mit den Badischen Kraftwerken und den Kohlenkraftwerken des rheinischen Industriegebietes verbindet, erstellt. Die gewaltigen Masten mit einem Durchschnittsgewicht von 500 Zentnern erhalten einen starken Unterbau aus Beton. In nächster Zeit wird mit dem Legen der Leitung begonnen, wozu Kupferhohlkabel verwendet werden. * Kirchardt, 19. Okt. (Bürgerausschüß.) In der am vergangenen Freitag stattgehabten Sitzung des Bürgerausschusses wurde die Tagesordnung nach lebhafter Debatte wie folgt erledigt: Der Ankauf des Wohnhauses des Herrn Georg Zwickel, zwecks Einrichtung einer Kochschule, wurde genehmigt. Weiter wurde die Gchaltsregelung für die Gemeinderäte mit 17 gegen 17 Stimmen angenommen. Als letzter Punkt stand der Gemeindeooranschlag für das Jahr 1927/28 zur Beratung. Mach längerer Erörterung fand auch dieser Punkt mit 18 gegen 16 Stimmen Annahme! % Bad Rappenau, 19. Okt. (Obstausstellung). Vom 22.-24. Oktober findet eine reichhaltige Obstausstellung in den Räumlichkeiten der Turnhalle statt. Die Besucher werden überrascht sein über das schöne Obst, welches hier und in der Umgegend wächst. Auch Kaufabschlüsse können in der Ausstellung gemacht werden. Edles Tafelobst, schönes Wirtschafts- und gutes Mostobst findet man in geschmackvoller Aufmachung. Viele Aussteller werden auch die bewährte Kistenpackung in Einheitskisten vor Augen führen. = Mühlhausen. 19. Okt. (Verschiedenes.) Die Wohnungsnot ist durch die Massenerstellung von Neubauten wieder gänzlich behoben. — Durch den guten Herbstausfall wurden über 300 Zentner Zucker verkauft. Der außerordentliche Zuckerverbrauch ist auf den geringen Süßstoff der Trauben zurückzuführen und auf den allzufrühen Herbst. Die Kanalisationsarbeiten in der hiesigen Gemeinde werden durch die Firma Burkatt & Hassel, Mühlhausen, ausgeführt. — Die Zahl der Arbeitslosen ist auf Null gesunken. $ Dielheim, 18. Okt. (Freiwillig aus dem Leben geschieden.) Gestern abend gegen 11 Uhr hat sich der 55 jährige Werkführer Leonhard Knopf in feiner Wohnung erhängt. Knopf hat während der Inflation erhebliche Geldverluste erlitten, die ihm so nahe gingen, daß er in Schwermut verfiel und seit dieser Zeit ständig von seinen Angehörigen überwacht werden mußte. Der schwergeprüften Familie wendet sich die Anteilnahme der gesamten Einwohnerschaft zu. — Dielhrim, 19. Okt. (Motorradunfall.) Am Montag vormittag ereignete sich vor dem Ortseingang ein schwerer Motorradunfall. indem der 24 jährige Kaufmann Heß aus Malsch mit seinem Motorrad beim Ausweichen vor einem Radfahrer mit voller Wucht auf eine Telephonstange prallte. Heß wurde in weitem Bogen vom Rad geschleudert und erlitt eine lebensgefährliche Hirnschalverletzung. Der sofott zugezogene Arzt veranlaßte die Ueber- führung des Verunglückten ins Heidelberger Krankenhaus. * Bruchsal, 19. Okt. (Auf dem schwarzen Meer verunglückt.) Nach Blättermeldungen aus Bukarest wurden die Leichen der Leiden Deutschen Martin und Bösler, die in einem Faltboot eine Fahrt um die Welt machten und auf dem Schwarzen Meer während eines Sturmes verunglückten, bei Konstanza an Land geschwemmt. h Eberbach, 20. Okt. (Neue Autolinie.) Unter dem Vorsitz von Herrn Geheimrat Kiefer-Heidelberg fand in Eberbach im Rathaussaal eine Besprechung statt wegen Errichtung der Auto- linie Eberbach—Neunkirchen, wobei ein Beschluß gefaßt wurde, daß die Gemeinde Eberbach mit den anderen Gemeinden, die an dem Straßenzug liegen eine Eingabe an die Regierung machen sollte um Aufnahme in den Landstraßenverband unter Hinweis auf die Tatsache, daß sich der Staat seit 25 Jahren noch nicht um die Straßen des kleinen Odenwaldes gekümmert hat und es unmöglich ist auf den Straßen eine Autolinie einzurichten. t Reichelsheim i. O., 19. Okt. (Schwerer Unfall.) In dem großen Sägewerk von Trautmann dahier erlitt ein velHeirat.ter Sohn des Besitzers beim Holzschnciden durch Abspringen der Kreissäge eine lebensgefährliche innere Verletzung im Unterleib. Im Krankenhaus zu Darmstadt, wohin man den Bedauernswerten brachte, mußte ihm die ganz zerrissene Milz hcraus- genommen werden. Der gwße Blutverlust, der durch die schwere Operation verursacht wurde, machte es nötig, daß ihm gesundes Blut in sein Gefäßsystem übergeführt wurde. Dieses Opfer brachte bereitwilligst sein gleichfalls verheirateter Zwillingsbrudcr, dem ein Liter Blut entnommen wurde. Die brüderliche Liebe wird jetzt dadurch belohnt, daß nunmehr große Aussicht besteht, dem Verunglückten das Leben zu retten. t Waldhilsbach, 19. Okt. (Versetzung.) Der seit 1910 hier wirkende Hauptlehrer Julius Knauber wurde in gle «her Eigenschaft nach Ladenburg (Amt Mannheim) versetzt und tritt daselbst am 1. November seine neue Stelle an. Da Laudbote 4- Sivsheirner Zeitung. yeroetverg, 2 ». Okt. (Auflösung einer Innung). Am IS. Oktober würbe Sie Zwangsinnung der Maler-, Tüncher- unb Lackiermeister Heidelberg aufgelöst. ** Pforzheim, 20. Okt. (Auto in Brand geraten). Gestern nach gegen 12 Uhr geriet auf der Fahrt nach Tiefenbronn ein auf der Rückfahrt befindlicher Stuttgarter Taxameter aus bis jetzt noch unbekannter Ursache in der Nähe des Seehauses plötzlich in Brand. Die beiden Jnsaffen konnten sich gerade noch durch Herausspringen in Sicherheit bringen. Das Auto verbrannte vollständig. Der Schaden, welcher sich auf 4000 Mark beläuft, ist durch Versicherung gedeckt. ** Pforzheim, 24. Okt. (Unfälle.) In der Zähringerstraße wurde gestern mittag gegen 12 Uhr der 23 Jahre alte Franz Theodor Aydt von Ersingen von einem Auto erfaßt und überfahren. Er erlitt erhebliche Verletzungen. — In einer Fabrik in der Erbprinzenstratze glitt der 17 Jahre alte Wilhelm Meööenberger so unglücklich aus, daß er einen Oberschenkelbruch davontrug. Di;^tzhl der Verkehrsunfälle häuft sich hier in der letzten Zeit unheimlich. ** Karlsrnhe, 20. Oktober. (Unfälle.) Am Mittwoch fuhr in Daxlanöen ein 19 Jahre alter Schlosser von hier mit seinem Motorrad einen verheirateten Gärtner von hier von hinten an. Er mußte mit Brust- und Schulterquetschungen mittels Krankenauto ins Krankenhaus eingeliefert werden. — In der Schwarzwalöstraße beim Albtalbahnhof wurde bei einem Personenkraftwagen, der in Richtung Rüppurr fuhr, die Steuerung durch einen im Weg liegenden Schotterstein nach links geschlagen. Ein entgegenkommender Radfahrer wurde, trotzdem der Kraftwagenführer stark bremste und um den Radfahrer nicht zu gefährden noch weiter nach der lin- kenStraßenseite steuerte, erfaßt, zu Boden geworfen und am Fuß verletzt. Gleichzeitig wurde auch ein auf dem Bordstein des Gehwegs stehender Mann von dem linken Kotflügel des Wagens in eine auf dem Gehweg vorgenommene Ausgrabung hineingeschleudert. Im Krankenhaus, der Kraftwagensührer brachte ihn dorthin, wurde eine Gehirnerschütterung sestgestellt. — Ein Radfahrer kam durch das plötzliche Halten zweier Personenautos, weil er stark bremsen mutzte, ins Rutschen und wurde auf die beiden Autos geworfen. Er verletzte sich dabei im Gesicht. ** Gengenbach, 20. Okt. Im benachbarten Fußbach brannte das an einem Bergabhang liegende Anwesen des Bauern Huber bis auf die Kellermauern nieder. Die Brandursache ist noch nicht bekannt. ** Müllheim, 20. Okt. (Unfall.) Ein junger Bursche, der auf der Heimreise war, stellte kurz vor der Station Müllheim in den noch fahrenden Zug einen Koffer an die Abteiltüre. Die Türe ging auf und der Koffer siel heraus. In dem Bemühen, den Koffer noch zu halten, sprang der Bursche aus dem noch fahrenden Zug und zog sich dabei eine Verletzung am Beine zu. ** Nenenbnrg, 20. Okt. (Gräberbesuch.) Wie bereits gemeldet, ist auch in diesem Jahre eine Einreise nach Elsaß und Lothringen zum Gräberbesuch an Allerheiligen in Aussicht genommen. Rach einer Mitteilung des Badischen Verkehrsbundes soll von den Grenzüberwachungsstellen auch diesmal wieder ein Ausnahmesichtvermerk auf vier Tage zu einer Visumsgebühr von 2,50 Mark ausgestellt werden. Nähere Anordnungen werden noch von der französischen Regierung im Einvernehmen mit den maßgebenden Regie- rungsstellen getroffen. Voraussetzung für den Gräberbesuck und die Einreise nach Elsaß unb Lothringen ist, baß der Einreisende auch wirklich Angehörige auf diesen Friedhöfen liegen hat. Es mutz deshalb der Einreisende von seinem Bürgermeisteramt eine Bescheinigung vorlegen. ** Singe« a. H., 20. Oktober. (Unfall mit Toöesfolge.) Letzten Sonntagnachmittag fuhr das Auto eines Singener Geschäftsmannes einen älteren Mann in Gaienhofen so stark an, daß dieser aus den Boden stürzte und gestern an den Folgen der Verletzungen verschieden ist. Die gerichtliche Untersuchung wird ergeben, inwieweit den Fahrer eine Schuld trifft. ** Donaneschinge«, 20. Okt. (Schlägerei.) Im Verfolg eines seit längerer Zeit bestehenden Streites überfielen gestern früh die Brüder Scüfort den Bürstenmacher Kuttrosf von hier, als er mit seinem Bruder zum Acker fahren wollte, mit Stöcken und verprügelten ihn derart, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Sein Zustand ist jedoch unbedenklich. ** Rheinselden, 20. Okt. (Aus dem Fenster gestürzt.) In Schweizerisch-Rheinfelden stürzte ein Dienstmädchen aus dem Fenster des dritten Stockwerkes der Hypothekenbank auf die Straße herunter, wo sie mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt,. konnte noch nicht festgestellt werden. ** Lndwigshafe«, 20. Okt. (Den Verletzungen erlegen). Bei dem Brand einer Nachtwächterhütte in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde, wie schon berichtet, der 66 Jahre alte Nachtwächter Heim schwer verletzt. Er ist nun im Krankenhaus seinen Brandwunden erlegen. ** Rheingönheim (Pfalz), 20. Okt. (Aus dem Zuge gesprungen). Ein jüngerer Mann, welcher schon seit geraumer Zeit seinen Unterhalt damit verdient, daß er die Personenzüge auf längere Strecken benützt und das Publikum gegen Entgelt durch wenig erbauendes Singen unterhält, wurde zwischen hier und Mudenheim durch einen kontrollierenden Schaffner gestellt. Kurzerhand sprang er von der Plattform des Wagens während der Fahrt aus dem Zuge und verschwand, ohne daß ihm der gefährliche Sprung geschadet hätte. Wie festgestellt, hat der wagemutige „Sänger", welcher schon einige Male wegen seines „Gewerbes" bestraft wurde, sich der Kontrolle durch rechtzeitiges Herausspringen aus den fahrenden Zügen schon öfters entzogen. ** Mntterstadl «Pfalz), 20. Oktober. (Tödlicher Unfall.) Die Landwirtswitwe Konrad Krieg stürzte am Sonntagvormittag in ihrem Hofe so unglücklich zu Boden, daß sie einen Schädel- und Wirbelsäulenbruch erlitt. Ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, verschied die Frau bald darauf. Der tragische Fall ist für die davon betroffene Familie umso bedauerlicher, da der Ehemann Krieg vor Jahren ein plötzliches Ende burch-eine» Sturz von der Scheune fand. ** Waldsee (Wrttbg.), 20. Okt. (Schwer Straßenunfall). Am Montagnachmittag fuhr die Motorspritze der Feuerwehr, die zum Löschen eines Brandes alarmiert worden war. beim Ausweichen in der engen Straße bei der Kirche ans den Bürgersteig. Zwei dort stehende Schüler wurden von. dem schweren Wagen an die Wand gedrückt, so daß der eine getötet wurde und der andere mit schweren Verletzungen liegen blieb, letzterer befindet sich in Lebensgefahr. ** Freiburg, 18. Okt. (Freispruch). Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich der 33 Jahre alte Ausläufer Emil Schießl» wegen Brandstiftung und Unterschlagung zu verantworten. Er ist augetlagt, den Brand der Herderschen Buchhandlung im Februar ö. I. vorsätzlich angelegt zu ha- oen. Lue Lai sonnte lym aver nrcyr einwandfrei nachgewiesen werden, so daß das Gericht in diesem Falle auf Freispruch erkennen mußte. Wegen der vorausgegangenen Un- terschlagungen erkannte das Gericht dagegen auf iS Monate Gefängnis. ** Freibnrg, 18. Okt. (Todesfall). Im Alter von 6» Jahren starb hier Geheimer Regiernngsrat Otto von Sen» ger, der durch seine langjährige Tätigkeit als Amtmann unb Amtsvvrstand in vielen badischen Städten weit über seine Freiburger Heimat hinaus bekannt und geachtet war. Er war Amtmann in Pforzheim und Waldshut und später Amtsvorstanö in Weinheim und schließlich in Offenburg. ** Freiburg, 18. Okt. (Schwerer Motorradunfall). Ge- stern nachmittag rannte der Fabrikant Eisinger von Hier mit seinem Motorrad in der Nähe des Liebig-Denkmals gegen ein Personenauto und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, daß er nach dem Krankenhaus überführt wer» de mußte, wo er in lebensgefährlichem Zustande darnieder» liegt. Die beiden Mitfahrenöen wurden leicht verletzt. Die Schuld trifft Eisinger selbst, da er in viel zu raschem Tempo fuhr. ** Freibnrg, 18. Okt. (Erwerbslosenunterstützung). Im Monat September wurden im Arbeitsnachweisbezirk Freiburg 993 Erwerbslose unterstützt gegen 3065 im gleichen Monat des Vvrjahres. Der Gesamtaufwand an Unterstützungs- gcldern belief sich auf 44 834 Mark. ** Hottingen, auf dem Hotzenwald, 18. Okt. (Tödlicher Autounfall). Der 39 Jahre alte Bauunternehmer Kinöler von Viertäler (Amt Neustadt) hatte in der Walöshuter Ge- gend den Bau einer Straße übernommen und wollte zur Beaufsichtigung der Arbeiten mit dem Auto von St. Blasien nach Hottingen fahren. Kurz hinter dem Walde, wo die Straße nach Hottingen führt, verlor Kinöler die Herrschaft über das Auto, bas sich Überschlag und Kindler heraus- schleuöerte. Er blieb mit einem Schädelbruch tot liegen. ** Psnllendors, 18. Okt. (Hungerstreik). Der vvr einigen Tagen hier festgenommene Emil Engesser, der wertvolle Kunstgegenstände und seltene alte Münzen gestohlen hatte, verweigert im Gefängnis jede Auskunft und trat in den Hungerstreik, so daß seit Tagen Zwangsernährung durchgeführt werden muß. ** Markdorf. 19. Okt. (Unfall. Ein bedauerlicher Unfall ereignete sich vorgestern Vormittag hier. Der etwa 13 Jahre alte Sohn Karl des Landwirts Friedrich Rid stürzte in der Nähe des väterlichen Anwesens beim Obstpflücken von der Leiter ans die Straße und blieb mit einem Schädelbruch schwer verletzt liegen. ** Hoppetenzell (bei Stockach), 19. Okt. (Tödlicher Unglücksfall). Der 15jährige Bäckerlehrling Maier verlor, al» ihm ein Auto an einer unübersichtlichen Stelle eutgegenkam, die Herrschaft über sein Rad. Obwohl das Auto den Zusammenstoß zu vermeiden suchte, wurde der Bursche von diesem gestreift unb so schwer verletzt, baß der Tot kurz dar- ans eintrat. ** Neufrach (Amt Ueberlingen), 19. Okt. (Tod infolge eines Insektenstiches.) Der 22jährige Schneider Karl Decker wurde vor etwa 8 Tagen von einem Insekt im Gesicht gestochen, so daß er im Krankenhaus Friedrichshafen operiert werben mußte. Er ist dort infolge Blutvergiftung gestorben. ** Villingen, 19. Okt. (Historische Feuerlöschprobe). Am Samstag, den 22. Oktober 1927, nachmittags 3 Uhr, wird auf vielseitigen Wunsch die anläßlich des 75jährigen Jubiläums (17. bis 19. September 1927) vorgeführte historische Feuer- löschprobe ans dem Anfang des 18. Jahrhunderts wiederholt. Aus den noch vorhandenen Feuerzetteln dieser Zeit ist ersichtlich, wie die Beteiligung der einzelne» Zünfte geregelt war, im Verhältnis zu ihrer Stärke. Die Schmiedezunft hatte 44 Mann zu stellen, die Metzgerzunft 17, die We- berzunft 30, die Schusterzunft 21, die Bauleutezunst 61, die Wtrtezunst 11, die Gerberzunft 25, die Bäckerzunft 34 und von der Krämerzunst 31. Nur der zehnten Zunft, der Zunft der Mttffiaaänaer. war es freiaestellt, nach Belieben ihre Mannen zu.stellen. Der historischer Probe folgen Feuerlöschproben aus der Gründungszeit der Freiw. Feuerwehr Billingens. ** Waldsee (Württbg.), 19. Okt. (Schweres Autounglück). Ein mit 6 Erwachsenen und 3 Kindern besetztes Personenauto aus Burladingen bei Hechingen, stieß infolge Versagens der Bremse an einen Baum, so daß die Insassen mit voller Wucht herausgeschleudert wurden. Die etwa 40jährige Frau Maria Pröbel aus Zürich wurde durch den Sturz so schwer verletzt, daß sie nach l 1 /* Stunde verschied. Ebenso erlitt die 9jährige Nichte der Toten eine schwere Gehirnerschütterung, so dah an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Auch die übrigen Jnsaffen mit Ausnahme des Führers erlitten schwere Verletzungen. Das Versagen der Bremse dürfte auf die Ueberlasmng des Wagens (er ist nur für 5 Personen zugelassen) zurückzuführen sein. ** Illingen, O.A. Maulbronn, 18. Okt. (Ueberfahren). Zwischen hier und Mühlacker wurde der 24jährige Sohn Ernst des Baumwarts Schmid von einem Fuhrwerk überfahre». Er erlitt so schwere Verletzungen, dah er im Vai- hinger Krankenhaus gestorben ist. ** Renhanse«, 18. Okt. (Kinderlähmung). In der Familie des Ehr. Schaz wurde bei dem jüngsten Kind Kinderlähmung festgestellt. Das Ladengeschäft wurde amtlich geschloffen, auch wurden Vorbeugungsmaßregeln gegen Weiterverbreitung getroffen. ** Renhanse«, O.A. Tuttlingen. 18. Okt. Eine hiesige Mutter ließ ihr kleines Kind, ohne Aufsicht allein in der Stube und entfernte sich auf einige Zeit, um landwirtschaftliche Arbeiten zu verrichten. Als sie zurückkehrte, fand sie das Kind tot vor. Es scheint durch einen mißlichen Zufall hilflos erstickt zu sein. ** Nürtingen, 18. Okt. Malermeister Simon Jäger, der am Mittwoch bei der Arbeit an einem Neubau herunterstürzte, ist nach Verbringung ins Krankenhaus Plochingen im Sanitätsauto dort seinen schweren inneren Verletzungen erlegen. _ _ = Berlin» 19. Okt. (Hochstablei Oettel geflüchtet.) Heute nachmittag flüchtete der Schulleiter Egloffstein-Oettel, als er nach einem Prüftermin in das Untersuchungsgefängnis Moabit zurück- gebracht werden sollte. Oettel, der Ende Juli in Köln verhaftet worden war. leugnete hartnäckig die ihm zur Last gelegten Verfehlungen — Aktenbeseitjgung und Betrug in mehreren Fälleit —, obwohl er so gut wie überführt gilt. Auf welche Weise es Oettel gelungen ist, aus dem Gebäude und auf die Straße zu kommen, konnte noch nicht festgestellt werden. Oettel hatte bei seiner Flucht keinen Pfennig Geld bei sich und trug weder Hut noch Mantel. --- Paris, 19. Okt. (Bank-Diebstahl). Ein schwerer Diebstahl ist heute in der Pariser Pank Societe Generale verübt war- Nr. 206. Jahrgang 1927. Donnerstag, den 20. Oktober 1927. den. 3m Laufe des Nachmittags stellte die Direktion fest, dass zwei Geldkassen mit je 500 000 Franken in Bar während der Mittagspause aus dem Geldschrank entwendet worden sind. Es wurden keinerlei Spuren von einem Einbruch feftgestellt. Man glaubt deshalb, daß der Dieb zum Oeffnen des Geldschranks den Schlüssel benutzte, den der Kassierer während der Mittags pause in sein.r Rocktasche im Bureau zurückließ. Bon dem Täter fehlt jede Spur. , ’ Meineid und Anstiftung hierzu. rs - Knrlsruhe, 19. Oktober. Unter dem Vorsitz von Land--^ gerichtsrat Dr. Ruömann verhandelte das Schwurgericht gestern nachmittag gegen den 27 Jahre alten geschiedenen Buchbinder Joses Gasthauer aus Straßburg und das 22 Jahre alte ledige Zimmermädchen Johanna Marie Held aus Baden-Baden, die unter der Anklage wegen Meineids und Anstiftung hierzu stehen. Gasthauer wird zur Last gelegt, vor einer zur Abnahme von Eiben zuständigen Behörde wissentlich ein falsches Zeugnis durch Eid bekräftigt zu haben, indem er als Zeuge in dem Unterhaltsprozeß Held gegen Schnurr vor dem Amtsgericht Baden-Baden am 26. Mai 1927 aussagte, er habe im Jahre 1926 mit der Kindsmutter keinen Verkehr gehabt und diese Aussage beeidigte, obwohl er in der Zeit vom Januar bis November mit ihr häufig intim verkehrte. Der Angeklagten Held wird zur Last gelegt, einen anderen zu dem von ihm begangenen Verbrechen des Meineids vorsätzlich bestimmt zu haben, indem sie anfangs März 1927 Gasthauer bestimmte, den intimen Verkehr mit ihr in dem genannten Unterhaltsprozeß zu verschweigen. Die beiden Angeklagten bekannten sich der ihnen zur Last gelegten Verbrechen für schuldig. Das Urteil. ° Der Angeklagte Gasthauer wurde wegen Meineides zu zwei Jahren Zuchthaus abzüglich einen Monat und 18 Tage Untersuchungshaft sowie fünf Jahren Ehrverlust, die Angeklagte Held wegen Anstiftung zum Meineid zn eincur Jahr Zuchthaus abzüglich der Untersuchungshaft und drei Jahre Ehrverlust. Gegen beide Angeklagte wurde die dauernde Unfähigkeit, als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden, ausgesprochen. Ei» schweres Unglück auf dem Rhein. . f Drei Todesopfer. Rheinfelde«, 20. Okt. Bei den Kraftwerksbauten für das Großkraftwerk Niederschwörstadt ereignete sich am Dienstag nachmittag ein schwerer Unfall, der drei Menschen das Leben kostete. Ein über den Rhein fahrendes Boot, das mit sechs Arbeitern besetzt war, kippte um. Drei Mann konnten von den sofort herbeigeeilten Rettungsmannschaften noch gerettet werden, drei andere aber wurden abgetrieben und konnten unterhalb der Unglücksstelle geborgen werben. Die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Die Namen der drei Ertrunkenen sind: Der verh. Schlaffer und Elektriker Pms Notzinger von Rheinfelden, der verh. Elektriker Heinrich Vogel aus Oberschwörstaüt und der ledige Monteur Johann Jakob aus Harbach (Unterbayern), der zuletzt in Karsau bei Rheinfelden wohnte. Staatssekretär Gerb bei Hindenbürg. Berlin, 20. Okt. Der Reichspräsident empfing den Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium. Dr. Geib, der ihn über die Streiklage im Braunkohlengebiet informierte. Der Ballon „Leipziger Messe" bei Moskau gelander. Ein Rekordflug über 2000 Kilometer. Darmstadt, 19. Okt. Ueber den am Sonntag zu dem nationalen Freiballonwettbewerb gestarteten Ballon „Leipziger Messe" traf die Nachricht ein, daß er am Dienstagnachmittag bei Jllinow in unmittelbarer Nähe von Moskau gelandet ist. Führer war Herr Honnerlage-Münster, Mitfahrer Schriftleiter Eckert-Darmstadt. Die Entfernung beträgt ungefähr 2000 Kilometer. Sie ist bas Doppelte der von dem Sieger im Gorbon-Benett-Wettbewerb in Amerika erreichten Strecke. Rener Weltrekord des Segelfliegers Ferdinand Schulz. Marienburg, 20. Oktober. Am Dienstag nachmittag flog Ferdinand Schulz auf dem Segelflugzeug „Westpreußen" 4 Stunden eine Minute 88 Sekunden in 652 Meter Höh«. Er hat damit den Welthöhenrekorü im Segelflugzeug, der bisher in den Händen der Franzosen war, um hundert Meter überboten. Ferdinand Schulz ist jetzt Inhaber sämtlicher Weltrekorde im Segelflng. 10 Milliarde» Dollar für Verbrecher. Auf 10 Milliarden Dollar werden die Ausgaben veranschlagt, die den Vereinigten Staaten jährlich die Verbrecher verursachen. Es ist dies eine sehr große Summe, auch wenn man berücksichtigt, daß darin die direkten und die indirekten Unkosten inbegriffen sind. Am exaktesten erfassen läßt sich noch der Schaden, der durch Eigentumsdelikte zugefügt wird. Er wurde für ein Jahr in der Gesamtheit auf 3 Milliarden Dollar geschätzt. Am meisten betroffen werden von den Eigentumsdelikten nicht so sehr Privatpersonen als Geschäftsleute. weil hier die Kontrolle am schwersten ist. Der Landbote -st Sinsheim« Zeitvag. Roch 30 mexikanische Rebelle« erschösse«. Berlin, 20. Okt. Wie die Abendblätter aus Mexiko be- rtchten, räumten die Regierungstruppen jetzt mit den letzten Resten der Rebellen auf. Sie haben am Montag General Mendez und etwa 30 seiner Anhänger in der Nähe von Za- cualpan gefangen genommen und sofort standrechtlich erschossen. Weitere 20 Anhänger von Mendez sind entkommen. Einbrnchsdiebstak" bei Henry Barbusse. Paris, 20. Oktober. Nächtlicherweile drangen Einbrecher in das Landhaus des bekannten Schriftstellers Henry Barbusse ein. Merkwürdigerweise wurde jedoch von den Einbrechern nicht ein einziger Wertgegenstand entwendet, so- daß der Einbruch wohl dem Raub von Dokumenten gegolten haben dürfte. Coste und Le Brix «ach Buenos Aires gestartet. Paris, 20. Ott. Die beiden französischen Flieger Cost« und Le Brix sind gestern früh von Rio de Janeiro nach Buenos Aires abgeflogen. Kesselexplofiow an de« Viktoria-Fälle«. Londo«, 20. Oktober. Bei einer Kesselexplosion in der Kraftstation an den Viktoria-Fällen sind nach Meldungen aus Johannisburg ein Europäer und vier Eingeborene getötet worden. Aufsehenerregender Rücktritt eines englischen Jndustrie- führers. London, 19. Okt. Der Vizepräsident des britischen Chemie-Trustes, Sir John Brunner, ist ohne Angabe der Gründe plötzlich von seinem Posten zurückgetreten. Brunner, der einen Teil seiner Erziehung in Deutschland genossen hat, hat sich um die Zusammenarbeit mit dem deutschen Farbentrust sehr verdient gemacht. Brunners Vater und der Vater Sir Alfred Monds waren die Gründer der bekannten Firma Bruner, Mond & Co. „D. 1220" in Lissabon. ' •' r ' Madrid, 19. Okt. Das Heinkelflugzeug „D 1220" ist ge- stern vormittag 6 Uhr von Vigo gestartet und um 9 Uhr in Lissabon glatt gelandet. Es ist beabsichtigt, dort Benzin zu tanken. Ein Weiterflug nach den Azoren kommt vor heute früh nicht in Frage. Botschafter Rakowski in Berlin. Berlin, 19. Okt. Botschafter Rakowski traf vorgestern von Paris kommend in Berlin ein und setzte kurze Zeit darauf seine Reise nach Moskau fort. Mit dem Fahrrad «m die Welt. Hamburg, 19. Oktober. Nach einer Meldung des „Hamburger Fremdenblattes" aus Kopenhagen ist der dänische Pfadfinder Karl Thorenfelüt von einer Weltreise mit dem Fahrrad nach Kopenhagen zurückgekehrt. Er hat in zwei Jahren und 8)4 Monaten etwa 69000 Kilometer, davon 27 000 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt. Auf seiner Weltreise hat er nur 3 900 Kronen verbraucht. Zwei Knabe« im Sande erstickt. Wilhelmsbnrg, 19. Oktober. Drei Knaben, die in den Sandgruben eines Bauplatzes spielten, wurden unter den Sandmassen begraben. Während einer von ihnen gerettet werden konnte, fanden die beiden anderen den Erstickungstod. Neues Erdbeben in Wie«. Wie«, 19. Oktober. In Wien und Umgebung wurde gestern in früher Morgenstunde ein neues Erdbeben verspürt. Der Herd des Bebens liegt nach den bisherigen Feststellungen wieder bei Schwadorf. Dort wurde der Erdstoß so stark verspürt, daß die Leute im Schlaf aus den Betten geschleudert wurden. Laut Mitteilung der meteorologischen Zentralanstalt ver- zeichnetcn die Apparate um 2.14 Uhr früh das Beb:n. Winter in der Eifel. Luxemburg, 19. Okt. Aus dem Eifelgebiet wird winterliches Wetter bei strenger Kälte gemeldet. Stellenweise hat leichter Schneefall eingesetzt. Die franzöfischen Jndienslieger in Kalkutta. Paris, 19. Okt. Die französischen Flieger Challe und Rapin trafen gestern morgen um 11.40 Uhr lokaler Zeit in Kalkutta ein. Frankreichs Antwortnote an Washington ungenügend. Nenyork, 19. Okt. Wie in Washingtoner politischen Kreisen verlautet, betrachtet die amerikanische Regierung die letzte französische Antwortnote in der Zollfrage als ungenügend und beabsichtigt, Paris eine entsprechende Antwort zu erteilen. Zyklon im Gols von Mexiko. Nenyork, 10. Okt. Im Golf von Mexiko richtete oorge- stern ein Zyklon großen Schaden an. Infolge Ueberschwem- mungen sind drei Ortschaften völlig vernichtet worden. Tausende von Einwohnern sind obdachlos geworden. Weiter« Einzelheiten fehlen noch. Reuefte amtliche Kurse mitgeteM von der Dereinsbank. e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 20. Oktober 1927. Anleihe« - hi o/o AblösunaStchntd mit «uslofungsfchetn . . rw/s ohne rtnslosnngsschein . . l*-55 Bankaktie: t» 0/0 Bad. Bank .... 170 DarmstSdter- und Rattonalbanl >16.50 Deutsche Bank .... 158,>5 DeutscheBeretnSbank . If 2 Dresdner Bank . . .155 Mitteldeutsch- Kreditbank . >17 Reichsbank , . . . — Rhein. Creditbank . . . 159.75 Eüdd. Dtsconto Ges. 13 » Beeawerh». «ktiea tn 0/0 Larpener Bergbau . . 137 sali Weperegeln . . , _ ManneSmunnröhrenwerle. 15 g Mansfelder Bergb. u.tzütienw, 116,85 Oberschi. Etsenb. Bedarf . . 90 Phönix Bergbau u.Hüitendetrieb 104,85 Salzwerk Hellbraun . . 177,50 vereinigte Königs- Laurahütte — Aktie« indnftr. Uniernehmuuge«: tn 0/0 Nllg. Etekir. Stammaktien . 167 Badenia Weiubeim . . — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . 153 Sementwerk Heidelberg Daimler Motoren . . Dtsch. «Sold- und Silberschetd« Slektr. Licht und «rast 7 . Emaill. und Stanzwerk Ullrich Farbentndustrie . Fuchs Waggon StammaKlen Grttzner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Knorr Hetlbronn . . . Mainkrastwerke Höchst . Neckarsulmer Fahrzeuawerk« . Schuckert Elektr. Nürnberg . SeUtnduftrte Wolfs . . , Südd. Zucker . . . . Zellstoff Waldhof Stammattten 135.» t09,50 «I 807 263.50 115 » ! 160.50 100,75 187 84 133 297 Aktie« de»isch«» Dra»»i>ortanftalte»: tn Wo mmburg. Amertk. Paketfahrt 113,75 «idclberger Straßen- u. Bergbahn — larddentscher Lloyd . . 145,75 Stadien: Geld Brief Rew-Uork i Dollar 4 1795 4.1675 London r Pfund 20.357 90.397 Holland wo Gulden 108,14 168.48 Schweiz Ivo Franes 60.63 60.74 Wien wo Schilling 68.99 59.1 l Parts wo Francs 16.40 16,44 Italien wo Lire 99.85 92.69 Schweinemarkt in Bruchsal vom 19. Oktober 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 177, Läufer 32. Verkauft wurden: Milchschweine 80, Läufer 18. Höchster Preis für Milchschweine Paar 22.—, für Läufer 48.— RM! Häufigster ,. „ „ „ 18.—, „ „ 45.- „ Niedrigster „ „ „ „ 12.— „ „ 40.- „ Radio - Programm für Freitag, den 21. Oktober 1927. Berlin (483), Königswusterhausen (1250). 21.00 Uhr: Fröhliche Stunde. 22.30 Uhr: Unterhaltungsmusik der Kapelle Robert Gaden. Breslau (322). 20.15 Uhr: „Annemarie" Operette, Musik von Fean und Robert Gilbert. Frankfurt (428). 13.00 Uhr: Schallplattenkonzert. 15.30 Uhr: Fugendstunde. 16.30 Uhr: Hausfrauennachmittag. 17.45 Uhr: Die Lesestunde. 18.30 Uhr: Vorträge. 20.15 Uhr: Kammermusikkonzert. Anschl.: Uebertragung von Kassel: Heiterer Lieder- und Duett-Abend. Hamburg (394). 20.00 Uhr: „Dat Kind", Komeedie v. Ottomar Enking. 22.30 Uhr: Die aktuelle Stunde. Anschl.: Konzertübertragung aus dem Cafe Continental in Hannover. Königsberg (329). 20.00 Uhr: Autorenstunde Fnl. Landau. 21.10 Uhr: Kammermusik. Langenberg (468). 20.30 Uhr: Lustiger Abend. Anschl.: Konzertübertragung a. d. Kassee Corsa in Dortmund. Leipzig (365). 20.15 Uhr: Tönende Operngeschichte. 22.15 Uhr: Tanzmusik. München (535). 20.00 Uhr: „Der Geigenmacher von Mittenwald", Dorfkvmödie v. L. Ganghofer. Stuttgart (379). 12.30 Uhr: Schallplattenkonzert. 16.00 Uhr: Frauenstunde. 16.15 Uhr: Nachmittagskonzert. 18.15 Uhr: Karlsruhe: Dramaturgische Funkstunde. 20.00 Uhr: 2. Sym- phoniekonzert. Daoentry-Experimental (491). 19.45 Uhr: Orchesterkonzcrt. 21.00 Uhr: Militärorchesterkonzert. 23.15 Uhr: Tanzmusik. Daventry (1699), London (361). 13.00 Uhr: Konzert. 16.50 Uhr: Konzert für Schüler. 18.15 Uhr: Kinderstunde. 19.00 Uhr: Orchesterkonzert. 20.15 Uhr: Haydns-Klaviersenaten. 21.00 Uhr: Uebertragung des National-Symphonickonzerts. Paris, (1750). 13.30 Uhr: Konzert. 17.45 Uhr: Literarisch-musikalischer Nachmittag 21.30 Uhr: Konzert. Wien (517). 20.30 Uhr: Kleist-Feier. Zürich (588). 20.00 Uhr: Konzert: Neuere Suiten. 20.40 Uhr: Solistenstunde. 21.20 Uhr: Unterhaltungskonzert. Prag (348). 20.10 Uhr: Bunter Abend. 21.30 Uhr: 2. Rudolf: Hörspiel. 22.20 Uhr: Schallplattenmusik. Radio-Vertrieb E. Schick, Uhrmachermeister. SiNSheiM«. E. Tr. Setbt-Vertreter — Lager hi Telefunten-Röhren, Anoden. Batterien — Samt lichc» Ersatzteilen, Varia Aklumiyaloren-Ladestation — Telefon 818. Wetterbericht. Südlich von Island entwickelt sich ein neues „Tief", so daß unbeständige Witterung zu erwarten ist. Freitag: Früh teilweise heiter, kühler; später Zunahme der Bewölkung, milde, windig, Regen. — Samstag: Wolkig, zeitweise auf- heiternb, ziemlich milde, windig, mehrfach Regen, Abend wieder kühler. Bekanntmachung. Regelmäßige Einschätzung der Gebäude zur Feuerversicherung. Die Gebäudeeigentümer, welche seit der letzten regelmäßigen Einschätzung—Dezember 1926—Gebäuden neu errichtet, durch Uinbau u. Anbau in ihrem Umfang vergrößert, durch Verbesserungen in ihrem Wert erhöht oder durch Abbruch oder Baufälligkeit in chrem Wert vermindert haben, werden aufgefordert, solche, sofern sie nicht mit augenblicklicher Wirkung versichert sind, behufs Einschätzung zur Feuerversicherung innerhalb 8 Tagen beim Gemeinderat—Rathaus—anzumelden. Gebäudeeigentümer welche die vorgeschriebenen Anzeigen unterlassen, werden mit Geldstrafe bis zu 150 R.-M. bestraft. Einsheim, den 19. Oktober 1927. Gemeinderat. Q16 fit« Funkzeitscbrift mit allen PiOgrsmme» «ad grofism Unterhaltung!- und Bastlerteil 1 Hur 50 Pf. jede Woche, Bestellung bei jedem ' Pestamt und in jeder Buchhandlung. Inserieren heißt interessieren. Große mosbaclier field-Lonene Ziehung garantiert 26. Oktbr. 1927 in Mosbach 668 Geld- gew. Mk. I _ _ ,H Ä k .l,500 1 Haupt- S ew. Mk. aupt- gew. zu je 280.- Mk. 156Geldgew. insges. Mk. 500GeIdgew. zu je 3.- Mk. ■ 9 Lospreis fyt\ Porto und Liste Mk. **“v 30 pfg, extra. Lose empfiehlt und versendet Eberhard Fetzer, Karlsruhe Ostendstr. 0, Telephon 4063, Post- sdxedck. 19870, sowie die staall. Lotterie-Einn.u. die bek. Verkaufest. Selbad Rappenau ab 1. Mai geöffnet Werktags vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 1—6 Uhr. Sonntags von vorm. 8 bis nachm. 3 Uhr. werden eingestellt Salinen - Neubau, Rappenau. MLüerberatungsstunde findet am Freitag, den 21. Oktober nachmittags von l/24 bi» 1/25 Uhr im Zeichensaale der Realschule Sinsheim statt. richten wir ein. Dauernde und sichere Existenz oder Nebenerwerb. Auskunft kostenlos. jMm. Sfltete Aylsdors 3nh. R Münkner Zeitz-Aylsdor'. Pelze der (iroßkürschnere Willi. Zeumer Karlsruhe sind 1 als Qualitätsware I am billigsten— bevorzugt Verlangen Sie unser Pelz-Modeblatt I Zusendung kostenlos | KSfe billiger ab Sabrlk SPfd.TafelkSse Rk.4.00 9 „ Dtsch. Edamer „ 4.95 9 „ Holst. Tilsiter (delikat) 4.95 9 „ Holländer „ 7.00 ab hier, Nachnahme, Porto Mk. 1.— garant. oorzügl. schnittfeste Ware. CS. 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