Erscheint täglich «tt Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch die Post bezogen und durch den Briefträger und unsere Austräger ftei ins Laus monatlich Goldmark 1.20 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Fn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- «ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschloffen. Fernfprech-Anschlutz Nr. 408 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6003 Der Lanövote Jinsüeimer H Zeitung fsn General-Änzeiger für öas^M^Elsenz-und §ckwarzoaclital geltest» uncl verbreitetste Leitung dh ^egencl. I^aupt-Hngeigen-Blatt wöchentliche Beilagen t Dene Illustrierte » Ha* dem Reich der Mode » Ratgeber tflr Isau»- und Eand-wirtTchaft Anzeigen-Preise: Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen, Die 92 mm breit« Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Trundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. 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Der Vorsitzende Generaldirektor Bögler machte zunächst der „starken Metropole" seine Reverenz, nannte Berlin das groß« Sammelbecken aller geistigen Strömungen» bedauerte aber dann, daß die Beziehungen zwischen Berlin und der „Provinz", wie er die Zentren der deutschen Eisenerzeugung bescheiden nannte, nicht freundlichere seien. Unter dem Beifall der Zuhörer behauptete er, daß das Land zu viel Negatives, zu viel Ueberstiegenes in der Hauptstadt finde, vergeblich nach ausreichendem Positivem suche und den Wunsch habe, auch an der Vorbereitung der Beschlüsse, nicht nur bei ihrer Entgegennahme mitzuwirken. Dann schilderte er die große qualitative Leistungssteigerung der Eisenindustris und stellte fest, daß auch quantitativ die Eisenerzeugung im verengten Boden des Deutschen Reiches wieder auf den Stand von 1913 angekommen sei. Auf den Kopf des Arbeiters umgerechnet, sei die Leistung um das zweieinhalbfach« gestiegen und bei alledem ein« große Verminderung des Kvhlenverbrauchs festzustellen. Dieser Erfolg sei der Wissenschaft zu verdanken. Diesen optimistischen Ausführungen glaubte Dr. Bögler aber, wie er sagte, eine gehörige Portion Pessimismus beimengen zu müssen. Er ist unzuftieden mit der Gesetzgebung und behauptet, man betreibe heute sehr wenig Wirtschaftspolitik Die Vorbereitung eines Arbeitszeitgesetzes bezeichnet er als unproduktive Politik gegen die Einspruch erhoben werden müsse, und das geschehe besser aus den Reihen der eigenen Volksgenossen als durch die Ermahnungen von Ausländern. Diese — er spielte dabei auf Parker Gilberts Denkschrift an — seien überaus unerfreulich. Er forderte deshalb Aufklärung aller verantwortlichen Stelle« über de» wirklichen Stand der Wirtschaft. Man müsse der öffentlichen Meinung klar machen, daß mehr gearbeitet werden müsse, als zum Essen und Trinken notwendig ist. Zur Hebung der Bolkswohlfahrt haben auch die deutschen Eisenhüttenleute beigetragen, denn die Aufwendung an Löhnen sei pro Kopf der Arbeiter um 1200 Mark vom Jahre 1900 auf 3000 Mark gestiegen. Zum Schluß sagte Dr. Bögler, was er vor allem vermisse, sei die Freude an d:r Arbeit, die doch das einzige Mittel sei, aus der schwierigen Lage und Unfreiheit herauszukommen. Nachdem dann in den Vorstand Brüninghaus-Dort- mund, Humperdinck-Wetzlar und Rosterg-Düsseldörf gewählt worden waren, fand Professor Dr. Eugen Fischer vom Kaiser-Wil- helm-Znstitut in einem Portrag über „Rasse und Vererbung" vernünftige Wort« gegen fanatische Rassenkämpfe. Auf dem anschließenden Bankett fand Generaldirektor Dr. Bögler einige erfreulichere Worte gegen den Föderalismus. Er sagte: Wir kennen keinen bayerischen, preußischen, württembergischen oder badischen, sondern nur einen deutschen Staat. Hoffentlich wirkt dieses Beispiel vorblidlich auf anderen Gebieten. Reichsautzenminister Dr. Strrsemann antwortete Dr. Bögler, daß eine Philosophie der Arbeitssrcunde notwendig sei, um das auf engem Raum an Zahl größere Volk zu ernähren und vorwärts zu bringen. Diese Arbeitsfreude sei psychologisch leichter für den Unternehmer, der in dem Ergebnis der Arbeit gleichzeitig die Krönung seines Werkes und seiner Lebensaufgabe sehe. Um so erfreulicher sei es, daß Dr. Bögler selber Berichte von sozialistisch-gewerkschaftlichen Arbeitern mitgeteilt habe, die in ihrer überwiegenden Mehrheit die Arbeit ebenfalls nicht als Last, sondern als Lebensinhalt empfinden. Dem deutschen Volke ständen nicht mehr zwei Kraftquellen zur Verfügung, welche die Außenpolitik jedes Landes habe, nämlich die materielle Macht einer Armee und die idelle Einheitsfront eines Volkes, denn diese zweite Einheitsfront habe sich zwar bei Volksabstimmungen in nennenswerter Weise gezeigt, trete aber sonst gegenüber dem individualistischen Krieg des deutschen Volkes in der Politik oft zurück. So bleibt für di« Grotzmachtstellung des deutschen Volkes nur die dritte Kraftquelle, und das sei seine Stellung in den wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern. Was Deutschland dabei trotz der verlorenen Rohstoffquellen unter erschwerenden Bedingungen geleistet habe, zeige den unbeugsamen Willen des deutschen Volkes. VerMWettsertliimg des BraMohlellWedssprOes Arbeitswiederaufnahme am Montag. Berlin, 22. Oktober. Der zur Beilegung der Lohnstreitigkeiten im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau am 21. Oktober gefällte Schiedsspruch ist vom Arbeitgeberverband abgelehnt und von den Arbeitnehmerverbänden angenommen worden. Die Arbeitnehmer haben die Verbinülichkeittserklärung des Schiedsspruchs beantragt. Dem Antrag ist vom Reichsarbeitsminister entsprochen worden. Halle, 22. Okt. Rach mehr als zweistündiger Beratung hat .die Funktionärversammlung der Bergarbeiter den Schiedsspruch mit mehr als Zweiörittel-Mehrheit angenommen. Die Abstimmung der Delegiertenversammlung über den Schiedsspruch ergab 331 Stimmen für und 36 Stimmen gegen die Annahme. Halle, 22. Okt. Die Bergarbeiter-Delegierten-Konferenz hat soeben nach Bekanntweröen der Verbindlichkeitserklä- rung des Schiedsspruches fast einstimmig die Wiederaufnahme der Arbeit am Montag beschlossen. Die Vereinbarung über die Wiederausuahme der Arbeit. Berlin, -22. Okt. Die Tarifparteien haben eine Verein- -harung abgeschloffen, in der es heißt: Die Gewerkschaften verpflichten sich, dahin zu wirken, daß die gelegentlich der von ihnen emgeleiteten Kündignngsaktio» ausgesprochenen Kündigungen zurückgenommen werden. Die Anmeldung zur Arbeit gilt als Zurücknahme der Kündigung. Maßregelungen finden nicht statt. Der Arbeitgeberverband verpflichtet sich, bei seinen Mitglieder» dahin z« wirken, daß idie Arbeiter, die gelegentlich der Kündigungsaktion »rd- ' «ungsmäßig kündigten oder die Arbeit ohne Kündigung ^«iebergelegt haben, wieder eingestellt werden, soweit sich Arbeiter spätestens am Dienstag, den 25. Oktober wieder Mr Arbeit melden. Das gleiche gilt für diejenigen Arbeitet, die gelegentlich der Kündigungsaktion entlasten wurden. Abzüge für Kontraktbruch dürfen nicht gemacht werden. Esweit den Arbeitern die Wohnungen gekündigt sind, wird hiche Kündigung aufgehoben. 8i«e Entschließung der FnnktionSrkonferenz in Hall«. Halle, N. Oktober. T4e Bergarbeiter-Delegierten-Der- fammlung, die einen überaus stürmischen Verlauf genommen hat, nahm am Schluß folgende Entschließung fast einstimmig an: „Die am 22. Oktober 1827 jn Halle tagende Funktionär- Konferenz der am mitteldeutschen Braunkohlentarif beteiligten Organisationen nahm Kenntnis von dem Ergebnis der am SO. und 21. Oktober in Berlin stattgefundenen Verhandlungen in der Schlichtungskammer zwischen den Tarif-Parteien. Die Erhöhung der Löhne um 11,54 Prozent bedeutet eine« großen Erfolg der Gewerkschaften. Wenn sie auch tn Anbetracht des darniederliegenden Standes der mitteldeutschen Braunkohlenwerke keine volle Befriedigung aus- jöft, so spricht sich die Konferenz dennoch unter Berücksichtt- gung aller Umstände für die Annahme des Schiedsspruches aus und beauftragt die Organisationsleitung, die Verbinb- lichkeitserklärung zu beantragen. Mit der zwischen den Tarifparteien getroffenen Vereinbarung über Zurücknahme der Kündigungen, Maßregelungen, Kontraktbruchstrafen u. WohuungSründigungen betreffend, erklärt sich die Konferenz einverstanden. Die Konferenz würdigt die aufopfernde Tätigkeit aller Funktionäre während des Kampfes und spricht ihnen dafür ihren Tank aus. Sie erwartet, daß die Kameraden überall für die Wiederaufnahme der Arbeit ein. treten, wie sie für die Niederlegung der Arbeit eingetreten sind. Erhaltet und erhöht die Schlagkraft der Organisationen! Erhaltet die Disziplin! Hoch die Arbeiterbewegung! Forderung der Kohlenprekserhöhung Berlin, 22. Oktober. Das Mitteldeutsche Braunkohlensyndikat und das Ostelbische Vraunkohlensyndikat haben die sofortige Einberufung einer gemeinsamen Sitzung des Reichskohlenverbandes und des großen Ausschuffes des Reichskohlenrates mit der Tagesordnung: „Neuregelung der Preise für den Mitteldeutschen Braunkohlenbergbau" beantragt. Bor einer Aussperrung in der Zigarreniudustrie. Am 18. Oktober haben Tarifkommission und Vorstand des Reichsverbandes deutscher Zigarrenhersteller E. V. den Beschluß gefaßt, alle in der Tabakiudustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Samstag, den 29. ds. Mts., mit einer vierzehntägigen Frist zum 12. November d. Zs. zum Zwecke einer Aussperrung zu kündigen. Diese Maßnahme sei darauf zurückzuführen, daß, obschon der gültige Reichstarif noch dis Ende März 1928 läuft, ein Teil der Zigarrenarbeiter und zwar in Leipzig, Breslau und Bünde in Westfalen in einen tarifwidrigen Streik eingetreten sind. Reichsverband der Deutschen Industrie zur Beamtenbesoldungsreform Berlin, 22. Oktober. In der gestrigen Vorstandssttzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie wurden die großen schwebenden wirtschaftlichen Fragen eingehend erörtert. Zur Frage der Beamtenbesoldungsreform wurde folgende Entschließung einstimmig gefaßt: „Präsident und Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Industrie haben sich in den heutigen Sitzungen unter anderem mit der Besoldungserhöhung der Beamten beschäf« iigt. Der Reichsverband verkennt nicht dte staatspolitische Notwendigkeit einer durchaus angemeffeneu Besoldung der Beamtenschaft, insbesondere auch derjenigen Beamtenkate- gvrien, die durch eine langjährige Berufsvorbildung große wirtschaftliche Opfer bringen mußten. Nur auf diese Weise kann ein mustergültiges u«d arbeitsfreudiges Becnfs- beamtentum erhalten bleiben. Mit besonderer Sorge betrachtet bei? Reichsverband die Lage vieler richterlicher Beamten. Das erst jüngst bekanntgewordene Gesamtmaß der durch die Regierungsvorlagen bedingten Aufwendungen gibt jedoch vom Standpunkt der gesamten Volkswirtschaft zu den größten Bedenken Anlaß, weil die etatsmäß'ge Deckung ohne schwere Erschütterungen nicht möglich erscheint. Deshalb sollte eine Erhöhung nur insoweit erfolgen, als die tatsächlichen Gesamtbezüge der einzelnen Beamtenkategorien hinter der allgemeinen Entwicklung zurückgeblieben sind. Tie in der Vergangenheit stattgehabten Umstufungen bedürfen besonderer Prüfung. Der Wunich der Reichsregierung, Preiserhöhungen vermieden zu sehen, kann, nur erfüllt werben, falls die durch eine Besoldungsreform entstehenden Ausgaben ohne Erhöhung der Steuern, Abgaben und Tarife in Reich, Ländern und Gemeinden gedeckt werden können. In Uebereinstimmung mit der gesamten öffentlichen Meinung ist der Reichsverbanö der An- sicht, daß sich diese nur im Wege einer durchgreffenden Ber. waltungsreform erreichen läßt, die endlich mit Nachdruck in Angriff zu nehmen wäre. Die jetzt schon zu beobachtenden Auswirkungen der Ankündigungen des Reichsfinanzmirn» sters auf die Lohn- und Preisgestaltung zeigen die bereits entstandenen Gefahren für die gesamte Volkswirtschaft und drohen die an Gehalt- und Lohnerhöhungen geknüpfte» Hoffnungen in Frage zu stellen, denn jede Einkommenssteigerung kann qefahrlos nur aus dem natürlichen Fort- schreiten der Produktivität der Gesamtwirtschaft aufgevaut werden." Zur Tabakfrage Da die Tabakfrage eine der wichtigsten Fragen in Baben ist, möchten wir nachstehend einen in der „Tabakwirtschaftlichen Rundschau" vom 16. Oktober 1927 erschienenen Artikel der Firma Oldenkott-Rees wieöergeben: „In der malerisch am Nieüerrhein gelegenen alten Festungsstadt Rees ist bekanntlich die Rauchtabakfabrtk von Henrics Oldenkott senior & Comp, zu Hause, deren Tabakmarken (Kiepenkerl, Madastra, Piet Hein) zu den begehrtesten Erzeugnissen der deutschen Rauchtabakindustrie gehören. Die vor einigen Fahren erst neu erstellten Werkanlagen, von denen wir heute unseren Lesern eine Junkersluftbildaufnahme zeigen können, sind von in- und ausländischen Sachverständigen als die mustergültigsten auf dem Kontinent bezeichnet worden. Als Maßstab für das Größenverhältnis dient ein Vergleich zwischen dem auf dem Bild ersichtlichen Gasometer des städtischen Gaswerkes Rees und dem Hochlagerhaus der Firma Oldenkott. Die Lagerhäuser der Firma enthalten Raum für 300 Eisenbahngüterwagen Rohtabak. Oldenkott-Rees haben von jeher nur reinen Uebersee- tabak zu ihren sämtlichen Rauchtabaken verwendet und nie deutschen Tabak zu Fabrikationszwecken im Hause gehabt. Bekanntlich ist der scharfe Kamps, den Oldenkott-Rees schon seit Jahren gegen den Unfug- mit dem sogenannten „steuerbegünstigten Feinschnitt" führen und durch den sie sich namentlich den Zorn der deutschen Tabakbauern zugezogen haben, die ja den minöerguten Teil ihrer Ernte nur dadurch noch verwerten können, daß er dem deutschen Pfeifenrancher oder dem ganz bescheidenen Selbstdreher von Zigaretten unter der Behauptung aufgehängt wird, daß er sder Tabak) steuerbegünstigt sei, während tatsächlich nur der Feinschnitt dieses Tabaks steuerrechtltch eine Ausnahmestellung einnimmt, ohne daß auch nur ein Pfennig Steuer dafür weniger bezahlt zu werden braucht, als für den gleichen Tabak tn anderer Schnittbreite. — Neuerdings scheinen auch ändere Rauchtabakfabrtken dahintergekommen zu sein, daß der „Steuerbegünstigte" nicht mehr so recht zieht und daß überhaupt mit Pfeifentabak heute um so weniger Staat zu machen ist, je mehr er deutschen Tabak enthält. Uns liegen Drucksachen einer Bremer Rauchtabakfabrik vor, gemeint ist wahrscheinlich dte Firma Martin Brinkmann, Bremen, dte im letzten Jahre große Mengen deutschen Tabaks gekauft hat, die auf einmal den reinen Ueber- seetabak gewissermaßen als die Krone allen Pfeifentabaks anpreist und von einer „neuen Wendung in der Geschmacksrichtung" spricht. Oldenkott-Rees nimmt dazu mit Recht in seinem Flugblatt „Sieh da!" Stellung, dos der heutigen Ausgabe unseres Blattes beiliegt. Denn es ist ja weniger eine „neue" Wendung in der Richtung des Geschmacks der deutschen Pfetfenraucher als ein Erfolg der langjährigen eifrigen Erziehungsarbeit zum Verbrauch reinen Ueber- seetabaks durch Oldenkott-Rees, der nun auch die übrige deutsche Rauchtabakindustrte dazu zwingt, diese Tabake mehr in den Vordergrund zu rücken. Es vollzieht sich damit langsam auch auf diesem Gebiet« bei uns die Wandlung zur Oualität, die der Zigarettenraucher längst vorgenommen hat. Lieber etwas weniger rauchen, dafür abex entsprechend besser. Den unbelehrbaren deutschen Landwirten, die in diesem Jahre den Tabakanbau so erheblich steigern zu können glaubten, möge diese Wandlung eine beachtliche Warnung sein." Nach obigem Artikel zu schließen, wird wohl die große Hoffnung auf den steuerbegünstigten Feinschnitt ein frühzeitiges Ende gesunden haben. Revision des Dawesplanes. Ein Vorschlag der Times. London, 22. Okt. Der Handelsteil der Times erörtert hru in aufsehenerregender Form die Frage einer Revision des Dc wesplanes, den das Blatt bisher als völlig unantastbar und jed, Abänderung entzogen behandelt hat. Die Times setzt auseinande daß die vielfach in Deutschland und neuerdings auch durch da Bankhaus Schroeder in England vertretene These nicht halbar se wonach aller Zinsendienst deutscher Ausländsanleihen Porran vor Reparationszahlungen hätte. Der Dawcsplan fei nicht nu ein Mittel gewesen, um Deuffchlands Währung zu stabilisieret sondern vor allem, um für die Alliierten regelmäßige und zu verlässig« Reparationszahlungen zu sichern. Der schwache Punk des Dawes-Plans seien die Uebcrweisunasbestimmungen. Sic kön nen bei gegenseitig gutem Willen, wie er zur Zeit herrsche au funktionieren, aber sie würden leicht zu großen Schwierigkeit«, Anlaß geben können und das Amt des Generalagenten für Re parationen recht unangenehm machen lassen. Die Times stellt da her zur Diskussion. Deutschlands Reparativnsverpflichtunqen au eme bestimmte Summe festzusetzen und Deutschland auf der Weltborsen die Gelegenheit zu geben, diese Summe durch groß. Ausländsanleihen aufzubringen. Der Zinsendienst dieser großer Reparationsanleihen Deutschlands im Ausland- würde alsdann Deutschland allein angehen und Deutschland werde im eigenen Interesse genötigt sein, die Aufnahme von Anleihen und Kre- Eilande zu regeln, damit es nicht durch ein Ucbermaß an ausländischen Zinsenverpflichtungen genötigt werden könnte, den Zlnsendienst auf die Reparationsanleihen einzustellen und damit zugleich seine Insolvenz zu erklären. Nr. 209. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. . i Die Angst vor dem Anfchlutz. Französische Gegenzüg«. Paris, 22. Okt. Der radikale „Quotidien" bespricht heute die Reise des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers nach Wien. Das Blatt fordert die radikale Partei auf, deren Politik es vertritt, auf dem Ende kommender Woche in Paris zusammentretenden Kongreß ihre Außenpolitik und namentlich ihre Politik gegen den Anschluß zu begründen. Das Blatt schreibt: Bundeskanzler Seipel und die Deutschen «»arten nur den günstigen Moment ab. Wir können nicht zulassen, daß dies bald noch daß es später eintritt. Gewiß kann Frankreich augenblicklich auf die Unterstützung Englands, der Kleinen Entente und vielleicht auch Italiens zählen. Kann sich aber nicht morgen die Lage ändern? Was wird dann unsere Haltung sein? Eine Partei wie die radikale, deren Einfluß manchmal entscheidend ist, kann ihr Urteil angesichts einer so ernsten Bedrohung nicht aufschieben: sie muß Stellung nehmen. Mann kann der Sache des Friedens nicht besser dienen, als dadurch, daß man Berlin und Wien begreiflich macht, daß wir niemals diese Verletzung des Friedensvertrags, die der Anschluß bilden würde, zulassen. Muffolinis Antwort^an den Papst. Günstiger Eindruck im Batikan. Mailand, 22 . Okt. lieber den Eindruck, den die gestern mitgeteilte Antwort Mussolinis zur Frage eines neuen Batikan- staates im Batikan gemacht, berichtet die „Stampa", es werde besonders die Tatsache hcrvorgehoben, daß zum ersten Male zu einer offiziellen Erklärung der Regierung unzweideutig zugegeben werde, daß eine römische Frage bestehe, während man bisher in den amtlichen Erklärungen immer betont hatte, Italien betrachte die Frage mit dem Garantiegesetz als endgültig und unwiderruflich erledigt. Man wundere sich im Vatikan nicht darüber, daß von der Erklärung für jedwede Lösung. ausdrücklich eine Wiederherstellung der weltlichen Macht ausgeschlossen werde. In vatikanischen Kreisen bemerkt man jetzt sogar, die weltliche Macht habe man immer angeführt, weil sie sich als das wichtigste und einleuchtendste Mittel erweise, um die Unabhängigkeit des Staates zu veranschaulichen. Man füge bei, wenn dieses Mittel durch ein anderes wirksam ersetzt werden könnte, würde der Heilige Stuhl sich nicht weigern, dieses in Erwägung zu ziehen. Der Vatikan sei bisher auf keinen Lösungsvorschlag eingegangen, weil die Vorschläge nur von Gelehrten und unverantwortlichen Stellen aber nie von der italienischen Regierung ausgcgangen seien. Einen vorzüglichen Eindruck habe im Vatikan die Feststellung gemacht, daß die römische Frage in den verantwortlichen Kreisen nicht als unlösbar betrachtet werde. Im Batikan sei man sich bewußt, daß die Frage bis zur Erreichung des Zieles noch verschiedene Etappen durchmachen müsse. Im wesentlichen werde die offizielle Erklärung günstig beurteilt» wenn auch zugegeben werde, daß man eine weniger diplomatische und zurückhaltende Antwort hätte erteilen können. Gerade weil die Frage schwierig sei, besitze sie eine unwiderstehliche Anziehungskraft für Mussolini und sein Regime, der sich ihr auch wegen ihrer nicht nur nationalen, sondern auch weltpolitischen Bedeutung kaum entziehen werde. ' - Amerika und die Beamtenbesoldnngsvorlage. Washington, 22. Okt. Im Zusammenhang mit den Erklärungen des Reichsftnanzministers Köhler im Reichstag, daß die Gehälter der Beamten um 17 Prozent erhöht werden würden, verbreitet der amerikanische amtliche Funkspruch eine Meldung, in der darauf hingewiesen wird, daß die Mitteilung angesichts der voraussichtlichen Wirkung der Maßnahme auf die Fähigkeit Deutschlands, seinen Verpflichtungen ans dem Dawesplan nachzukommen, lebhaft besprochen worden sei. Frl. Grayson «ach Kopenhagen gestartet. . Rewyork, 23. Okt. Die Ozeanfliegertn Grayson ist heute von Old Orcharü nach Kopenhagen gestartet. Es besteht die Möglichkeit, daß Frl. Grayson in Irland eine Zwischenlandung vorntmmt. Das Flugzeug Frl. Graysons ist um 10 Uhr (16 Uhr m. e. Z.) 100 Meilen westlich Sable Island gesichtet wor- dt». Deutscher Reichstag 343. Sitzung.) B erl ln, 22. Oktober. Präsident Lobe eröffnet die Sitzung um 12 Uhr. Ohne Aussprache in allen drei Lesungen angenommen wird ein Gesetzentwurf über die Münöelsicherheit von Wertpapieren und Forderungen, ferner das internationale Uebereinkommen über die Krankenversicherung der Arbeitnehmer in Gewerbe, Handel und Landwirtschaft sowie eine Novelle zum Gesetz über die Beschäftigung vor und nach der Niederkunft. Die erste Lesung eines Gesetzentwurfes zur Aenberung des Reichsversorgungsgesetzes wird darauf fortgesetzt. Abg. Weber-Düsseldorf (Kommunist) fordert weitergehende Rechte für die Kriegshinterbliebenen. Abg. Dietrich-Franken (Nationalsoz.) wirst den Kommunisten vor, daß sie mit ihren übertriebenen Forderungen die Kriegsopfer nur schädigen. Abg. Thiel (Linker Komm.) fordert vor allem eine Erhöhung der Renten für die völlig erwerbsunfähigen Kriegsbeschädigten. Die Vorlage wird an den Ausschuß überwiesen. Auf der Tagesordnung stehen dann die Interpellation der Sozialdemokraten und des Zentrums über den mitteldeutsche« Bergarbeiterstreik. Reichsarbeitsmi«ister Brauns erklärt zu dem im mitteldeutschen Vraunkohlenstreik gefällten Schiedsspruch, daß er in den nächsten Stunden des Nachmittags die Mitteilung der beiden Parteien zu dem Schiedsspruch erwarte. Falls nicht beide Parteien den Schiedsspruch annehmen, werde er sich noch heute über die Frage der Verbinölichkeitserklärung zu entscheiden haben. Aus der Tatsache, daß beide streikenden Parteien sich über die Einzelheiten einer eventuellen Wiederaufnahme der Arbeit am Montag freiwillig geeinigt haben, dürfte man den Schluß ziehen, daß auf beiden Seiten der Wunsch und die Hoffnung auf Wiederaufnahme der Arbeit am Montag bestehe. Abg. Dr. Scholz (Dt. Volksp.) betont, daß nach dieser Erklärung es in diesem Augenblick durchaus verfehlt wäre, >die Dinge im Reichstag zu verhandeln. Er beantrage für die Regierungsparteien die Absetzung der Interpellationen von der Tagesordnung. Abg. Koene« (Komm.) erklärt: Gerade wenn der Minister heute noch zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen müsse, sei zu fordern, daß auch die Stllung des Reichstages zu dem Schiedsspruch festgestellt werde. Es heiße, den Reichstag wie Schulbuben behandeln, wenn man ihn gerade im Augenblick der Entscheidung nach Hause schicke. Abg. Wels (Sozialöem.) weist darauf hin, daß der Riesenkampf im Braunkohlengebiet mit Energie und Ruhe und ohne Ausschreitungen geführt worden sei. Der Redner trat für Besprechung der Interpellationen ein. Nach weiterer Aussprache stellt Präsident Lobe fest, daß infolge des Widerspruchs der Reichsregierung die Be, sprechnng der Interpellationen nicht erfolge« könne. Auch die kommunistischen Anträge auf Gewährung von Erwerbslosenunterstützung an die streikenden Bergarbeiter und das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Reichsarbeitsminister werden von der Tagesordnug abgesetzt. Dagegen stimmen nur die Sozialdemokraten und Kommunisten. Es folgt die erste Beratung oes Abkommens mit der Regierungskommission des Saargebietes über die Sozialversicherung im Saargebiet. Abg. Stöhr (Nationalsoz.) verlangt Hilfsmaßnahmen für die 46 000 armen Sozialversicherten an der Saar Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß sollte feststellen, ob die Regierung ihre Pflicht getan habe. Die Vorlage wird in erster und zweiter Lesung angenommen. Gegen die sofortige Vornahme der dritten Lesung erhebt Abg. Stöhr (Nationalsoz.) Einspruch mit dem Hinweis darauf, daß er nicht genügend Redezeit gehabt habe. Im Hause entsteht eine ungeheure Erregung, die sich in Ent- rüstnngsrnfe« gegen die! Nationalsozialisten Luft macht. — Der Präsident stellt fest, daß, wenn die Vorlage heute nicht verabschiedet wird, . die armen Sozialrentner des Saargebiets bis zum Januar nicht in den Genuß der Erhöhungen treten können. (Lebhaftes hört, hört.) Auf die Vorhaltungen des Präsidenten erwidert Abgeordneter Stöhr, daß er trotzdem an seinem Widerspruch festhalte. Die Ab- geordnete« der anderen Parteien geben ihrer Empörnng in kanten Znrnfe« Ausdruck. Der Präsident stellt fest, daß es in der Geschichte des Reichstags noch nicht vorgekommen sei, daß jemand ohne Grund in dieser Weise die Verabschiedung einer Vorlage verhindere, die armen Sozialrentnern einen Vorteil bringen solle. Die Oeffentlichkeit müffe auf diesen Vorgang aufmerksam gemacht werden. (Lebhafte Zustimmung.) Abg. Koch (Dem.) stellt fest, daß die übergroße Mehrheit des Hauses in dem Vorgehen der Nationalsozialisten einen ungeheuerlichen Mißbrauch der Rechte einer kleinen Minderheit sehe. Dieses Vorgehen müffe in der schärfsten Weise gebrandmarkt werden. (Lebhafte Zustimmung.) Abg. Leicht (Bayer. Volkspartei) betont: Es sei ein Trauerspiel, das von einer verschwindend kleinen Minderheit des Reichstags hier aufgeführt werde. Den Schaden hätten die armen Saarleute zu tragen. Abg. Dr. Kahl (D. Volkspartei) verweist auf eine Bestimmung, wonach in außergewöhnlichen Fällen der Reichstag von der Geschäftsordnung abweichen könne. Abg. Graf Westarp (DN.) schlägt vor, dem Abgeordnete» Stöhr eine weitere Stunde Redezeit zu bewilligen, wenn Montag, den 24. Oktober 1927. er (einen Wioer)pruch gegen öte dritte Lesung zurückzieh«. Abg. Stöhr (Nationalsoz.) hält unter großer Erregung des Hauses trotzdem an.seinem Widerspruch fest. Auch gegen den Vorschlag des Abgeordneten Kahl erh«. ben die Nationalsozialisten Einspruch. Damit ist diese Angelegenheit erledigt. Die dritte Lesung kann nicht erfolgen. Das Haus vertagt sich. Der Präsident schlägt vor, die nächste Vollsitzung am 22. November abzuhalten. Das Haus beschließt demgemäß. Zum Schluß der Sitzung macht der Präsident noch Mit» teilung von dem plötzlichen Ableben des Abgeordneten Wor» mit (DN.), der in Ostpreußen gewählt war. Schluß 14.30 Uhr. Ein Kommunique über die gestrige Kabinett« Sitzung Die Teilnahme der Reichsminister an gesellschaftlichen Ber- anstaltnnge«. Berlin, 22. Okt. Ueber die gestrige Kabinettssitzung, die sich mit der Frage der Teilnahme der Mitglieder der Reichsregierung an gesellschaftlichen Veranstaltungen befaßte, wirb ein Kommuniquee herausgegeben, in dem es heißt: Das Reichskabineti kam zu der einmütigen Aufsaffung, daß öte gesellschaftlichen Verpflichtungen in der Reichshaupt- stadt und darüber hinaus in vielen Tellen des Reiches ein Ausmaß angenommen haben, das mit der wirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands nicht vereinbar ist. Sämtliche Reichsminister stimmen mir dem Reichskanzler darin überein, daß die in der Gegenwart und der nächsten Zukunft noch der Lösung harrenden Wirtschasts- und sozialpolitischen Probleme nicht der Anlaß zur Veranstaltung unnötiger Feierlichkeiten und Kongressen aller Art sein sollten. In diesem Gedanken der inneren Einkehr und des Gedenkens an die Not vieler deutschen Brüder und Schwestern weiß sich die Reichsregierung eins mit dem Reichspräsidenten, sowie auch mit zahlreichen offiziellen und privaten Persönlichkeiten und Gremien innerhalb des Deutschen Reiches. Tie Reichsregierung kam daher zu der Entschließung, in ihren eigenen Veranstaltungen ohne im übrigen eine würdige Repräsentation des Deutschen Reiches vernachlässigen, mehr noch als bksher die größtmöglichste Einschränkung und Einfachheit anzustreben und ihre Teilnahme an feierlichen Veranstaltungen von anderer Seite auf das äußerste Mindestmaß zu beschränken. Der Reichs- außenminister wird auf- dieser Grundlage mit dem Doyen des Diplomatischen Korps entsprechende Vereinbarungen treffen. Im übrigen wurden seitens des Reichskanzlers die aus früherer Zeit bestehenden Richtlinien über die Beteiligung von Mitgliedern der Reichsregierung an Kongressen, Tagungen, Einweihungsseiern, Gedenktagen und ähnlichen gesellschaftlichen Veranstaltungen in Erinnerung zurückrufen, die bas Ziel haben, die Beteiligung des Kabinetts, falls eine solche überhaupt erforderlich, nur auf den in erster Linie zuständigen Reichsminister zu beschränken. Die Reichsregierung würde es lebhaft begrüßen, wenn sich möglichst zahlreiche Veranstalter öffentlicher und privater Festlichkeiten in Deutschland die gleichen Gedankeügänge zu eigen machen wollten. Insbesondere möchten wir einen guten alten Brauch in Erinnerung zurückrufen, wenn die Wintersaison mit dem Fastnachtdienstag ihr End? erreichen soll. Jedenfalls wird die Reichsregierung von diesem Tag« ab eine Beteiligung ihrerseits an gesellschaftlichen Veranstaltungen grundsälich ablehnen. iDer Buchprüfungsdienst der Finanzämter. In einem umfangreichen Runderlaß gibt der Reichsminister der Finanzen die mit dem Buch- und Betriebsprüfungsdienst der Reichsfinanzverwaltung gemachten Erfahrungen bekannt. Der Erlaß enthält gleichzeitig eine Anweisung an die Nachgeordneten Behörden über die Durchführung der Prüfung von Großbetrieben. Die Ausführungen sind nicht nur für bestimmte Kreise, sondern für alle steuerpflichtigen Betriebe überhaupt von höchstem Jnter- effe, auch deshalb, weil gerade auf diesem Gebiete die bedenklichsten Unklarheiten herrschen. Die Prüfer sind, wie entgegen immer wieder auftreten- ben Hinweisen ausdrücklich festgestellt wird, an dem Ergeb- nis der Prüfung völlig uninteressiert. Bei den Prüfungen kommt es darauf an, daß der Prüfer eine ordnungsmäßige, wirtschaftlich vernünftige und steuerrechtlich richtige Ueber- ' Prüfung des Betriebes vornimmt. In einer zahlenmäßig ergebnislosen Prüfung kann weit mehr Arbeit, wirtschaftliches und steuerrechtliches Verständnis liegen als in einer oberflächlichen Prüfung, die durch irgend einen Zufall mit einem zahlenmäßig hohen Ergebnis abschlietzt! Dem Prüfer ist die Annahme irgend welcher Vergünstigungen grundsätzlich untersagt. Von den Steuerpflich-. Ein Frühlingstraum. 67) Eine Erzählung aus dem Leben von Fr. Lehne. „O Wolf", wehrte sie feiner Leidenschaft. „Laß mich, mein Lieb, ich habe mich so nach dir gesehnt, nach deinem süßen Antlitz, nach deinen Küssen — gönne mir doch die Stunde, die mich für die langen Jahre entschädigt, die ich dich nicht gehabt!" Er sprach wie im Fieber — seine Augen leuchteten in seltsamem Glanz. «Ich werde verrückt, wenn ich dich alle Tage hier sehe, und dich nicht einmal küffen kann, du süßes geliebtes Weib!" Und sie widerstrebte nicht mehr: alles in ihr drängte ja dem geliebten Manne entgegen: sie schlang die Arme um seinen Hals und bot ihm den süßen roten Mund. «O Mary", und heiß umfing er die Geliebte.- Eine Bewegung des Kindes scheuchte sie aus seinem Arm: sie eilte an das Bettchen: es war aber nichts: Haffo schlief ruhig weiter. Doch sie ging nicht wieder zu Wolf zurück: gleichsam wie Schutz suchend blieb sie am Bett stehen. «Märchen, komm —" bat er. Sie schüttelte nur mit dem Kopfe als Antwort. Da trat er zu ihr und legte seinen Arm um ihren Leib. «Warum nicht, mein Liebling?" «Nein, Wolf, weil es so unrecht ist, daß wir am Bett deines kranken Kindes an unsere Liebe denken können, an etwas, das doch nicht sein kann, das Sünde ist!" «Wir wollen nicht denken, Mary, nein! Jetzt habe ich dich wieder und laffe dich auch nicht mehr! Komm, setz' dich wieder zu mir — dann bin ich zufrieden. Diese Sünde, wenn es Sünde ist, wird uns Gott schon verzeihen!" Und er küßte sie wieder in heißer Leidenschaft. Ihr Gesicht glühte unter seinen Küffen, und sie vergaß alles in seinem Arm. Innig blickten seine Augen auf sie, liebkosend streichelte er ihr Gesicht, ihr Haar — und leise erzählte er ihr dann, wie und wodurch seine Verlobung mit Gabriele Ulrich zustande gekommen war, von jenem unglückseligen Abend auf dem Friedhof, wo er ibr Taschentuch gefunden — von seinem Schmerz um sie, und dann von seiner unglücklichen Ehe. „Das Kind, Mary, ist mein einziger Trost in diesem elenden Leben: wenn ich den Jungen nicht gehabt hätte — wer weiß — und dann, mein Süßes, verzehrte mich die Sehnsucht nach dir! Wenn du mir wenigstens nur einmal noch ein Lebenszeichen gegeben hättest! — Sag mir, wie kommst du eigentlich in dieses Gewand? Wo bist du in den Jahren gewesen?" „O Wolf, das ist eine traurige Geschichte: erlaß st« mir —" bat sie. „Nein, «ein, erzähle mir: ich will teil an deinem Leid haben! Wer weiß, ob das Geschick uns je eine solche Stunde wieder beschert." Eng an ihn geschmiegt, erzählte sie stocken-, oft durch seine Liebkosungen unterbrochen. «Nach meiner Abreise damals ging ich zunächst nach Berlin und nahm in einem feinen Hause eine Stelle als Kinderfräulein an: in ein Geschäft wollte ich nicht wieder, wenigstens vorläufig nicht. Aber der Hausherr war zudringlich geworden: er hatte mir die verlockendsten Anerbietungen gemacht, so daß meines Bleibens in dem Hause nicht mehr sein konnte. So ging ich denn als Gesellschafterin zu einer älteren Dame, zu einer Frau Doktor Walter, die in einem kleinen Torfe Thüringens in der Nähe von Weimar zurückgezogen lebte. Wir beide schloffen uns eng aneinander: ich wurde von ihr wie eine^ochter gehalten und geliebt bis — bis eines Tages —", sie stockte — «Weiter, Mary, weiter, was war —?" fragt- er. «O Wolf", sie verbarg ihr Antlitz an seiner Brust, «ich kann es nicht sagen —" eine schreckliche Ahnung durchzuckte ihn da: er hob ihr tränenschimmerndes Gesicht empor und sah in die tränenschimmernden Augen — „Mary?" sie nickte — „ja, Wolf, bis ich-Wolf, ich war der Verzweiflung nahe: ich wollte sterben, fand aber nicht den Mut — Wolf, diese Tage der Angst und Qual werde ich nie vergeffen! — Meiner mütterlichen Freundin war mein gedrücktes Wesen aufgefallen: fie forschte nach der Ursache, und zu ihren Füßen bekannte ich alles. So gut sie war, hatte ich doch nicht ben Glauben, daß sie mich danach behalten würbe und sah mich schon hinausgestoben in die erbarmungslose Welt. — Da, statt deffen hob sie mich liebevoll empor — „armes Kind", sagte sie nur.-Wolf, ich durfte bei ihr bleiben: sie stand mir wie eine Mutter zur Seite, sonst wäre ich in Elend und Schmerzen gestorben —" Wolf war aufgesprungen und ging hastig ans Fenster. Das Gesicht an die Scheiben gelehnt, stand er da, von dem Gehörten tief erschüttert. Aschfahl wandte er sich endlich nm «— und das Kind. Mary?" stieß er hervor. «— war ein Knabe und trug deine Züge, deinen Namen, Wolf", sagte sie leise. Er «mspannte ihren Arm so fest, daß es sie schmerzte. „Mary, Liebste — und wo ist er? Warum hast du mir nie davon geschrieben?" Traurig schüttelte sie den Kopf dir das Herz schwer machen? Nein! Bor anderthalb Jahren habe ich ihn begraben. Hier ist sein Bild!" Sie öffnete an der Taille ein paar Knöpfe und zog ein Bild hervor, das ein bildschönes Kind von zwei bis drei Jahren darstellte. Hastig griff er danach und blieb lange im Anschauen versunken, während es gar wunderlich in seinen Zügen zuckte. Dann verglich er es mit dem schlafenden Kinde — ja, sie waren einander ähnlich wie nur Brüder sich gleichen können. Tief erschüttert barg er sein Haupt in Marys Schoß und weinte heiße Tränen: sein Körper bebte von der inneren Aufregung. Beruhigend strich sie mit der Hand durch sei« lockiges Haar. „Mary, warum hast du geschwiegen?" stöhnte er, „du hast unrecht getan, mir dies Kind vorzuenthalten: ich hatte ei« Recht darauf! O wie hätte ich es lieb gehabt! Und nun ist es tot, ohne daß ich es gekannt habe. Laffe mir wenigstens das Bild, ja?" „Behalte es, Wolf, ich habe noch einige! — Warum ich dir nie davon geschrieben? Erstens wollte es Frau Doktor Walter, der ich mich bedingungslos unterwarf, nicht, und dann wähnte ich dich glücklich — zufrieden! Warum da de» Friede deiner Ehe stören? Ich wollt« tot sein für dich! Und nun ist es doch anders gekommen! — Höre weiter! Fra« Doktor Walter behielt mein Kind bei sich und schloß es in ihr Herz. — - «Fortietzung folgt. Montag, den 24. Oktober 1927. Nr. 200. Jahrgang 1927. Der Landbote 4- Sinsheimer Ieiümg. ttgen mutz erwartet werden, datz sie altes vermelden, was geeignet ist. den Prüfer in eine unbequeme Lage zu bringen. Besonderer Takt ist erforderlich, wenn Prüfer Unternehmungen prüfen, mit denen sie früher beruflich zu tun hatten. Derartige Unternehmungen fürchten mit Recht, ihre Geschäftsgeheimnisse an Personen Preiszugeben, die diese bei einem etwaigen Rücktritt ins wirtschaftliche Leben unbefugt verwerten können. Derartige Bedenken, die sich gegen die Unbefangenheit eines Prüfers richten, sind nach Möglichkeit -u berücksichtigen, falls sie einer Nachprüfung standhalten. Prüfer dürfen niemals in Betriebe geschickt werden, in denen sie früher tätig waren. Die Zahl der Prüfer soll auf das geringstmögliche Maß beschränkt werden und in der Regel die Zahl zwei nicht übersteigen. Nur bei ganz großen Betriebe»! kann es vor- kommen, daß zeitweise drei Prüfer vorhanden sind. Diese Zahl darf niemals überschritte» werden. Alle Steuerkarten sind zu gleicher Zeit zu prüfen. Prüfungen dürfen, falls keine besonderen Gründe vorliegen, nicht zur Unzeit vorgenommen werden, insbesondere zu einer Zeit, in der das Unternehmen außergewöhnlich stark beschäftigt ist. Es soll daher grundsätzlich davon abgesehen werden, z. B. Einzel- Handelsgeschäfte in der Weihnachts- und Jnventurzeit, Saisongeschäfte in der Saison, Zuckerfabriken während der Kampagne, Kurhotels und ähnliche Betriebe in Badeorten während der Hauptbetriebszeit zu prüfen. Die Zahl der 4 » prüfenden Betriebe ist so groß, daß es bet vorschauenöer Einteilung nicht schwer fallen kann, derartige überflüssige Verärgerungen zu vermeiden. Im Allgemeinen ist den zu prüfenden Betrieben rechtzeitig Mitteilung von der Prüfung (schriftlich oder durch Fernsprecher) zu machen. Die Erörterung kleinlicher Einzelfragen ist zu unterlaffen. In dem Geprüften darf nicht die Empfindung geweckt werden, kleinlichen Schikanen ausgesetzt zu sein. Selbstverständlich sind bei Buch- und Betriebsprüfungen auch Feststellungen zugunsten der Steuerpflichtigen zu berücksichtigen. Der Bericht hat den Steuerpflichtigen auf 8 108 der Reichsabgabenordnung (Härteparagraph) hinzu- we'tsen, mit dem Zusatze, daß die Prüfung, ob die Voraussetzungen des 8 108 gegeben sind, Sache des Finanzamts ist. Der Prüfer darf ohne Wiffen des Inhabers des zu prüfenden Unternehmens oder der ihm zur Auskunft beigegebenen Persönlichkeit Angestellte nicht befragen. Bei Unterhaltungen dürfen keinerlei Beispiele ans der Prüfungspraxis mttgeteilt werden, aus denen der Geprüfte Anhaltspunkte über andere Unternehmungen gewinnen könnte. Sicherungsmaßnahmen sind grundsätzlich nicht von den Prüfern, sondern vom Finanzamt vorzunehmen. Die Prüfung darf nicht länger ausgedehnt werden, als unbedingt nötig ist. Der Prüfer soll das Ergebnis seiner Ermittlungen mit dem Steuerpflichtigen in einer Schlußbesprechung erörtern. Das hat zu geschehen, sofern nicht der Steuerpflichtige darauf verzichtet oder durch sein Verhalten die Schlutz- besprechung unmöglich macht. Die Anweisungen des Retchsministers der Finanzen, die den Zweck verfolgen, auf die berechtigten Interessen der Steuerpflichtigen bei Vornahme von Buch- und Betriebsprüfungen die gebotene Rücksicht zu nehmen, sind zu begrüßen. Die praktische Durchführung dieser Anweisungen wirb in erster Linie Aufgabe der beteiligten Stellen der Finanzämter sein. Der Minister weist in seinen Schlutzausfüh- rungen noch darauf hin, daß die gedeihliche Zusammenarbeit wesentlich erschwert wird, wenn selbst große Unternehmungen bei der Erteilung von Abschriften Schwierigkeiten machen oder notwendige Auskünfte verweigern. (Die Prüfung sämtlicher Großbetriebe soll bis zum 31. März 1929 durchgeführt sein.) Anderseits wird die gedeihliche Zusammenarbeit auch dadurch erschwert, datz die Prüfer lediglich buchtechnisch ausgebildet sind und die nötige kaufmännische Schulung vermissen lassen. Wenn der Vetriebinhaber beispielsweise Schwierigkeiten hat, den Prüfern klar zu machen, daß Sortimente anders zu bewerten sind als ein« gleiche Zahl einzelner Stücke, so diskreditieren solche Vorgänge den ganzen Dienst. Gerade wert wir den Buchprtt- fungsdienst grundsätzlich für nötig und nützlich halten, scheint uns die Beseitigung derartiger Mängel besonders drin- degö. W. H. Rohlenpreis und Konjunktur Ost eine KohlenpreiserhShnug für die dentsche Wirtschaft tragbar? Ter Riesenbergarbeiterstreik im mitteldeutschen Braunkohlenrevier hat erneut das Problem des Kohlenpreises in den Mittelpunkt des Interesses gestellt. Daß zur Lösung dieser Frage ein Streik ausbrechen mußte, öesien Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft unübersehbar sind, wirft gerade kein gutes Licht auf die Politik derjenigen Stellen, die für Wirtschaft- und Sozialpolitik verantwortlich zeichnen. Eine Lehre aber muß aus diesem Streike gezogen werden: daß es nämlich im Interesse einer einheitlichen Wirtschaftspolitik nicht länger geduldet werden kann, datz Reichsarbeitsministerium und Wirtschaftsminister in prinzipiellen Dingen verschiedener Ansicht find und daß das Produkt dieser Meinungsverschiedenheiten ein Arbeitsausstand großen Stils ist. Der Reichsarbeitsminister ist für eine Lohnerhöhung aber unter gleichzeitiger Heraufsetzung der Kohlenpreise, während der Reichswirtschaftsminister strikt jede l Verteuerung der Braunkohle ablehnt. Jeder der beiden I Minister hat vom Standpunkte seines Resiorts aus recht; der Ärbeitsminister sucht womöglich Arbeitskämpfe zu vermeiden, der Wirtschaftsminister, der Wächter über der Konjunktur, will jeder konjunkturbremsenöen Verteuerung der Grundstoffe aus dem Wege gehen. So kam es zum offenen Kampf. Glaubt man aber dadurch einer Lösung näher zu kommen? Gibt es nicht andere Wege, auf denen man beffer zu einem beide Teile befriedigenden Ergebnis kommt? Eine Verteuerung der Kvhlenpreise ist «in ernster und oft entscheidender Schritt für die gesamte Volkswirtschaft. Tie Kohle bildet neben dem Eisen immer noch den wichtigsten Grundstoff der Wirtschaft und eine Heraufsetzung der Preise dieses Rohstoffes muß sich automatisch auf die ganz« ; Wirtschaft fortpflanzen. Nicht umsonst ist daher die Kohlenpreisfrage gesetzlich geregelt und unterliegt der Genehmigung des Reichswirtschaftsministers, dem auch nach Billk- vung des Reichskohlenrates «in Vetorecht zusteht. Von diesem Recht hat Reichswirtschaftsminister Curtius bisher immer Gebrauch gemacht. Er hat die Anträge zur Kohlen- preiserhöhuug des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats und des mitteldeutschen Braunkohlensyndikats abgelehnt, da er die Folge» einer Kohlenverteuerung für die deutsch« Wirtschaft nicht verantworten zu können glaubt. Es ist selbstverständlich, daß eine Kohlenpreiserhöhung, die auf den Verbraucher abgewälzt wird, eine Steigerung des allgemeinen Preisniveaus nach sich ziehen muß, da in vielen und wichtigen Industrien die Kohle den maßgebenden Preis- hestimmungsfaktor ausmacht. In einer Zeit aber, da infolge verschiedenster Umstände (es sei nur an die Mietpreis- ftetgerung, an die Portoverteuerung, an die vreissteigenbe Jnlandskonjunktur erinnert) bereits eine kaum einzudäm- menüe Tendenz einer allgemeinen Steigerung des Preisniveaus besteht, muß die Regierung alles vermeide», was diese gefährliche Tendenz noch verstärken muß. Ist aber eine Kohlenpreiserhöhung, wenigstens für die mitteldeutsche Braunkohle überhaupt zu umgehen? Kann stgö Braunkohlensyndikat höhere Löhne zahlen, ohne höhere Preise für sein Produkt zu erhalten? Das eine steht fest, höhere Löhne werden gezahlt werden müssen, da selbst die Arbeitgeber zugeben, daß die Bezahlung schlecht ist und hinter dem gestiegenen Lebenshaltungstnöex zurückbleibt. Andererseits erklären aber die Arbeitgeber, daß eine Lohnerhöhung ohne gleichzeitige Kohlenpreiserhöhung das Ende jeder Rentabilität bedeutet. Auch sind die Betriebe bereits so durchrationalisiert, daß von dieser Seite aus keine Verbilligung der Produktion in absehbarer Zeit mehr zu erwarten ist. So scheint denn auch eine Kohlenpreiserhöhung wenigstens für Braunkohle unumgänglich zu sein. Muß aber jede Kohlenpreiserhöhung auch auf den letzten Konsumenten abgewälzt werden? Deutsche Kulturarbeit im Auslanddeutschtum Von Pwf. Emil M a e n n e r, Obmann d. LV. Baden des VDA. Zn stetig wachsendem Matze war es dem großen deutschen Kulturoercin, dem „Verein für das' Deutschtum im Auslande", auch in den letztentz Jahren möglich, seine schon vor Jahrzehnten eingeleitete Kulturarbeit am Auslandsdeutschtum weiter zu entfalten. Dies wird uns klar, wenn wir zwei Zahlen einander gegenüberstellen, die Vergangenheit und Gegenwart erhellen. 3m Jahre 1914 betrugen die Gesamteinnahmen des Vereins 150000 Mark; im Jahre 1926 aber waren sie auf über 2 Millionen Mark gestiegen, wovon annähernd dreiviertel Millionen zur Unterstützung deutscher Schulen im Auslande verwendet wurden. Das heißt also, daß es dem Verein gelungen ist, trotz der Verarmung des reichsdeutschen Volkes, trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Laufe von zwölf Zähren seine Einnahmen um mehr als das Zehnfache zu erhöhen. Das ist ein erfreuliches, ein glückverheißendes, ein vielversprechendes Ergebnis. Es beweist uns, daß ungeachtet mancher Hemmungen unser Volk doch allmählich zu erkennen beginnt, daß es verpflichtet ist, seinen schwer um ihre kulturelle Selbstbehauptung ringenden Brüoern außerhalb der Grenzen des Reiches liebevoll und opferbereit zur Seite zu stehen. Der deutsche Dolksgedanke, diese wertvollste Frucht der Nachkriegszeit, bricht sich in immer weiteren Schichten Bahn. Wir fühlen und wissen es nun, daß wir mit den deutschen Volksgenossen in aller Welt eine den ganzen Erdball umspannende Volks- und Kulturgemeinschaft bilden. Es ist uns nicht mehr gleichgültig, wie es ihnen in der Fremde geht; ihr Schicksal ist in einem gewissen Sinne auch das unsrige, und wenn.wir uns für ihre Rechte einsetzen, haben wir die Gewißheit, auch uns selbst einen wesentlichen Dienst erwiesen zu haben. Für die Erhaltung ihres kulturellen Lebens mit aller Entschiedenheit einzutreten, erscheint uns heute wichtiges sittl. Gebot; für ihre Sorgen und Leiden haben wir in den Tagen der Rot, die wir selbst durchleben, ein ganz anderes Verständnis als in den Fahren wirtschaftlicher Blüte und politischer Macht. Wir empfinden es als eine Schmach an unserem eigenen Leibe, wenn wir von den Vergewaltigungen hören, denen deutsches Volkstum in Südtirol, im Memcllanoe, in der Tscheche! preis- gegeben ist. Aber nicht tatenlos lassen wir die Hand ruhen; wir fühlen in uns den entschlossenen Willen, fremder Bedrückung einen Einhalt zu gebieten. Halten andere Völker es für ihre Aufgabe, deutsches Volkstum zu vernichten, so muß es unsere Pflicht sein, dieses unser Volkstum am Leben zu erhalten. Wohl stehen noch manche diesem wichtigen Werke fern: aus Eigennutz, aus Gleichgültigkeit, aus Kurzsichtigkeit. Sie ahnen nicht, wie gut sie es haben. Sie können nicht erfassen, was es für ein Volk bedeutet, sich des ungehinderten Genusses seiner kulturellen Güter zu erfreuen. Sie wissen nicht, wie unsere Brüder in der Ferne sich danach sehnen, so wie unser reichsdeutsches Volk die Muttersprache im öffentlichen und persönlichen Verkehr, in Schule und Haus, in den Aemtern und bei Gericht, im Liede und im Bereinsleben gebrauchen zu dürfen. Jenen Lauen, Engherzigen und nur an sich Denkenden sollten zum mindesten die Bestrebungen fremder Völker auf dem Gebiete der Kulturpropaganda die Augen öffnen. Der polnische Westmarkenverein bietet alle Kräfte auf, um die deutsche Schule aus ihrem Lebensbereich zu verdrängen. Der tschechische Schulverein macht die gewaltigsten Anstrengungen, um mit Unterstützung seiner im „Tschechischen Herzen" zusammengafaßten Kindergärten nicht nur im eigenen Lande, sondern auch in dem stark tschechisch durchsetzten Wien neue Schulen zu gründen und damit in der Jugend, dem kommenden Geschlechte, Fuß zu fassen. Genau so erweist sich auch heute noch die ungarische „Ovoda", der staatliche Kindergarten, als ein wirkungsvolles Mittel der Magyarisierung. Mustergültig aber arbeitet vor allem die „Alliance srancaise", der einflußreiche Kulturbund, der von der Regierung mit gewaltigen Summen unterstützt wird. Er hat schon vor dem Kriege im Orient eine rege, großzügige französische Kulturpolitik betrieben, Hunderte von Schulen, Büchereien. Waisen- und Krankenhäusern gegründet, französische Sprache, französische Kultur und das französische Buch im Orient in ihren gebildeten Schichten zum großen Teil dem französischen Kulturideal gewonnen. Derselbe Bund entfaltet aber heute auch eine lebhafte Kulturpropaganda in den Bereinigten Staaten, .für deren Durchführung die Regierung in die Millionen gehende Mittel zur Verfügung stellt. All das ist eine Arbeit auf lange Sicht, ist eine Saat, die tausendfältige Frucht tragen wird. Vieles haben wir Deutsche auf diesem wichtigen Gebiete in der Vorkriegszeit versäumt. Möge das uns ein warnendes Beispiel sein! Es ist darum hohe Zeit, daß wir alle unsere Zukunstsaufgaben erkennen, daß wir erwachen aus Dumpfheit und Spießertum, daß wir uns über alle Gegensätzlichkeiten die Hand reichen zu einigem brüderlichem Wirken im Dienste des gesamtdeutschen Volkes, dessen Kulturmission zum Wohl« der Menschheit noch lange nicht erfüllt ist. Wir können daher gar nichts Besseres tun, als dem Verein für das Deutschtum im Auslande beizutreten, der nach den Worten des Herrn Reichskanzlers Dr. Marx Vorbildliches geleistet hat, und es muß für uns alle eine Pflicht der Selbstverständlichkeit sein, in Stadt und Land', wir mögen reich sein oder arm und sonst im Leben stehen wo es immer fei — den demnächst stattfindenden Hilfstag des Landesverbandes Baden mit jener Wärme und Opfcrwilligkeit zu unterstützen, die die edlen Bestrebungen des Vereins für das Deutschtum im Auslande verdienen. Baden * Die Städte in Bade«. Baden hat 15 Städte mit Städteordnung und 110 Stadtgemeinden, ferner 1418 Landgemeinden und 14 abgesonderte Gemarkungen mit eigener polizeilicher Verwaltung. 39 Gemeinden und Städte haben mehr als 6000 Einwohner, davon 7 mehr als 20 000. Die Mehrzahl der Gemeinden (498) haben zwischen 500 und 1000 Einwohnern. Ferner gibt es 4 Stadtgemeinden mit weniger als '500 und 6 weitere mit 501—100 Einwohnern. Darunter die kleinste Stadt Deutschlands Hauenstetn mit 198 Einwohnern. * Statistisches. In ganz Baden gibt es nach der Zählung vom 16. Juni 1925 299 588 Wohngebäude und 4 579 555 kigentumsgrundstücke. Unter 294191 landwirtschaftliche» Betrieben befinden sich 250 von mehr als 50 Hektar (Großgrundbesitzer). Im Lande sind 2409 Fabrikbetriebe von mehr als 20 Arbeitern und im ganzen mehr als Y* Million, genan 68 790 Industriearbeitern, von denen fast ein Viertel — n 490 — nicht am Arbeitsorte wohnen. Die Zahl der weiblichen Jndustrieangehörige» beträgt 79426. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 23. OKt. (Die Erhebung der Landes- und Orts- Kirchensteuer für 1927.) 3m Amtsblatt des Bad. Ministeriums des Kultus und Unterrichts wird mitgeteilt: Für das Kirchensteuerjahr 1927 werden für die Erhebung der Ortskirchensteuer vom Grundvermögen und Gewerbebetrieb als Steuergrundlage bestimmt: 1. in den Gemeinden, in welchen die Gemeindesteuern erst vom 1. April 1927 an nach den Bestimmungen des Gesetzes vom 7. Juli 1926 über die neunte Aenderung des Grund- und Gewerbesteuergesetzes und die achte Aenderung des Steuerverteilungsgesetzes erhoben werden, die Grund- und Gewerbesteuerveranlagung für das Rechnungsjahr 1025. 2. Zn den Gemeinden, in welchen die Gemeindesteuern schon vom 1. April 1926 an nach den Bestimmungen des in Ziffer 1 erwähnten Gesetzes erhoben werden, die Grund- und Gewerbesteuerveranlagung für das Rechnungsjahr 1926. * Sinsheim, 23. Okt. (Erleichterte Einreisebestimmungen für Elsaß-Lothringen an Allerheiligen.) Wie in den Vorjahren ist auch in diesem Fahre eine erleichterte Einreise nach Elsaß-Lothringen zum Gräberbesuch an Allerheiligen in Aussicht genommen. Wie das Ministerium des Innern in Karlsruhe dem Badischen Verkehrsbund auf Anfrage mitteilt, sollen von den Grenzübergangsstellen auch diesmal voraussichtlich Ausnahmesichtvermerke auf vier Tage zu einer wesentlich herabgesetzten Bisumgebühr vop 2,50 RM. ausgestellt werden. Nähere Anordnungen über die Regelung dieser Einreise während der ersten Novembertage werden von den maßgebenden Regierungsstellen im Einverständnis mit der französischen Regierung noch getroffen. Voraussetzung für die Einreise zum Gräberbesuch ist der Nachweis, daß der Einreisende Angehörige auf einem Friedhof in Elsaß-Lothringen ruhen hat. Dieser Nachweis ist durchs Vorlage einer Bescheinigung des Bürgermeisteramts der betr. Gemeinde zu erbringen. Wir machen daraus aufmerksam, daß die seiner Zeit mit Ausweisungsbefehlen aus Elsaß-Lothringen vertriebenen Personen bei Betreten Elsaß- Lothringens Bannbruch begehen und bestraft werden können. * Sinsheim, 22. Okt. (Sonntagsrückfahrkarten an Allerheiligen.) Sonntagsrückfahrkarten werden an Allerheiligen (1. Nov.) in den Reichsbahndirektionsbezirken Köln, Trier, Mainz Frankfurt a. M., Karlsruhe, Stuttgart. Ludwigshafen und im Ei- fenbahndircktionsbezirk Saarbrücken ausgegeben. Sie gelten im Bereich der Deutschen Reichsbahngesellschast zur Hinfahrt am Montag, den 31. Oktober, von mittags 12 Uhr — zu einzelnen durch Schalteranschlag bekannt gegebenen Zügen schon von 11 Uhr — an, sowie an Allerheiligen. Dienstag, den 1. November. Zur Rückfahrt find die Sonntagsrückfahrkarten gültig an Allerheiligen, außerdem am Mittwoch, den 2. November, an letzterem Tage jedoch mit der Einschränkung, daß die Rückfahrt aus der Zielstation der Sonntagsrückfahrkarte spätestens, um 9 Uhr, von Unterwegsstationen spätestens mit dem Zuge angetreten werden muß, der die Zielstation um 9 Uhr verläßt. Die Rückfahrt ist nach 9 Uhr ohne Fahrtunterbrechung zurückzulegen. Es wird noch besonders darauf hingewiesen, daß die am Samstag, den 29. Okt., und am Sonntag, den 30. Oktober, gelösten Sonntagsrückfahrkarten nicht über Allerheiligen gelten. Mit den an diesen Tagen gelösten Sonntagsrückfahrkarten muß die Rückfahrt am Montag, den 31. Oktober, spätestens mit dem Zuge angetreten werden, der die Zielstation der Sonntagsfahrkarte um 9 Uhr verläßt!. Für den Zugverkehr gilt Allerheiligen nicht als Feiertag, d. h. an diesem Tage verkehren die im Fahrplan mit S (an Sonn- und Festtagen) bezeichnet«!! Züge nicht. * Sinsheim, 21. Okt. (Eßt Aepfel!) Die Obsternte ist nun vorüber. Ueberall gibt es jetzt schönes und wohlfeiles Obst, vor allem auch billige und schmackhafte Aepfel. Das sollte man sich in allen Volkskreisen gebührend zunutze machen. Der Apfelgenuß, besonders unmittelbar vor dem Schlafengehen, ist ein bewährtes Mittel zur Förderung der Gesundheit. Der Apfel liefert nicht nur eine gute Nahrung, er ist zugleich ein hervorragendes diätetisches Mittel. Er enthält mehr Phosphorsäure in leicht verdaulicher Verbindung als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugnis der Erde. Sein Genuß, besonders unmittelbar vor deq» Schlafengehen, wirkt vorteilhaft auf das Gehirn, regt die Leber an, fördert einen ruhigen Schlaf, desinfiziert die Mundhöhle, bindet die überschüssigen Säuren des Magens und fördert die Tätigkeit der Nieren. l x Daisbach, 24. Okt. (Silberne Hochzeit.) Am gestrigen Sonntag konnte Clemens Freiherr Göler von Ravensburg in Daisbach mit seiner Ehefrau das Fest der Silbernen Hochzeit begehen. Aus diesem Anlaß dürste sich das Jubelpaar zahlreicher Glückwünsche aus Freundes- und Bekanntenkreisen erfreuen. — Rauenberg, 22. Okt. (Glück im Unglück) hatte heute abend ein von Wiesloch heimkehrender Uhrmacher aus Oestringech Mit seinem Motorrad wollte er auf der Rauenberger Straße eine Radfahrergruppe, die gerade einem Fuhrwerk aus Rot ausweichen wollte, überholen. In voller Fahrt kam er an den Wagen heran, der gerade auf gleicher Höhe mit den Radfahrern sich befand, und wollte sich zwischenhindurchdrängen. Er geriet jedoch zu nahe an den Wagen und kam mit dem Motorrad unter die Räder zu liegen. Der besonnene Besitzer des Wagens konnte noch rechtzeitig die Pferde zum Halten bringen. Während das Motorrad vollständig zertrümmert wurde, kam der Fahrer wie durch ein Wunder mit dem Schrecken und einigen kleinen Schürfungen davon. Er hatte gerade eine Sendung Uhren bei sich, die bei dem Sturze aus die Straße geschleudert und zum größten Teil von den Pferden zertreten wurden. Der unbesonnene Fahrer hat so neben dem demolierten Motorrad noch den Verlust von mehreren Hundert Mark durch die zerschlagenen Uhren zu beklagen. = Gauangelloch, 22. Okt. (Erneuter Einbruch in ein Pfarrhaus.) Gestern Nacht wurde im katholischen Pfarrhaus eingebrochen und sämtliche Opfergelder und sonstige Wertsachen gestohlen. Wahrscheinlich hängt der Diebstahl mit dem vor acht Tagen im Pfarrhaus Gaiberg vorgenommenen Diebstahl zusammen, bei dem die Diebe 40000 Mark erbeuteten. Bon den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. — Schlierbach. 22. Okt. (Ein tödlicher Unfall.) Gestern Abend ereignete sich am Schlierbacher Bahnhof bei der Abfahrt des die Station abends 9.33 Uhr verlassenden Personenzugs nach Neckargemünd ein schwerer Unglückssall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der Vorfall ist noch nicht ganz aufgeklärt, dürfte sich aber etwa folgendermaßen abgespielt haben: Der 33 jährige verheiratete. Möbelpacker Paul Gans, wohnhaft in Ziegelhausen, hatte in Schlierbach den Zug verlassen. Da er anscheinend etwas im Zug liegen gelassen hatte, sprang er auf den bereits anfahrenden Zug und kam zu Fall. Dabei gingen ihm die Räder eines Wagens über den Kopf, so daß er sofort getötet wurde. Gans war in einem Heidelberger Speditionsgeschäft tätig gewesen. — Heidelberg, 22. Okt. (Die Bauarbeiten) an oen Pfeilern der alten Brücke, die das Znteresse aller Spaziergänger und Ausflügler erweckten, weil das Flußbett auf etwa die halbe Breite leergepumpt war, sind jetzt beendet, so daß vom Montag ab der Neckar wieder in voller Breite durch die Brückc fließen wird. = Mannheim, 23. Okt. (Schwerer Zusammenstoß zwischen Motorrad und Radfahrer.) Auf der Relaisstraße in Rheinau Nr. 209. Jahrgang 1927. D« Landbote * Sinsheimer Zeitung. stießen gestern nachmittag ein Motorradfahrer und ein Radfahrer der im gleichen Augenblick in eine Querstraße nach links ein- diegen wollte, zusammen. Der Radfahrer stürzte 'ju Boden. Der Motorradfahrer verlor die Herrschaft über sein Motorrad und stürzte etwa 15 Meter entfernt ebenfalls. Er kam dabei unter.das Motorrad zu liegen und trug «ine Gehirnerschütterung davon, die seine Einlieferung in das Allgemeine Krankenhaus nötig machte. Der Beifahrer wurde in den Straßengraben geschleudert und mußte sich wegen einiger Hautabschürfungen im Gesicht in ärztliche Behandlung begeben. = Mannheim, 23. Okt. (Oberfinanzrat Emil Welker f.) Gestein abend verschied ganz unerwartet, infolge eines Herzschlages, Herr Oberfinanzrat Emil Welker. Im Dienste der kirchlichen Domäne war er zuerst Dienstvorstand der Eo. Stift- schaffnei in Sinsheim, dann in Mosbach, Offenburg und schließlich in Mannheim. Als Dienstvorstand der evangelischen Kol- lektur war Herr Welker eine in weiten Kreisen Mannheims bekannte Persönlichkeit. Der Tod des so plötzlich mitten aus der Lebensarbeit abberufenen Mitbürgers, den eine vorbildliche Pflichttreue und ein liebenswürdiger Charakter auszeichneten, wird allgemeine Teilnahme erwecken. — Sulzfeld, 22. Okt. (Die Weinlese) ist nunmehr in der Hauptsache beendet. Der Menge nach dürfte der heurige Herbst hinter dem vorigen zurückstehen, besonders was die Edelreben angeht. Man kann deshalb die Beobachtung machen, daß bei allen Neuanlagen der Amerikanerrebe der Vorzug gegeben wird, die auch in diesem Jahre wieder prachtvolle Stöcke zeigt. Wenn auch die Amerikanerrebe im besten Sinne kein Verkaufsprodukt ist, so liefert sie doch dafür einen guten und starken Haustrunk. Sie wird auch meistens unter diesem Gesichtspunkt angepflanzt, gegen den auch vom Standpunkt des Pflanzers von Edelreben wohl nichts eivzuwenden sein wird. ** Hugsweier. 23. Ott. (Unfall.) Der im Alter von N Jahren stehende Landwirt Jak. Kempf wurde von einem Auto, dessen Signal er nicht hörte, erfaßt, überfahren und schw«: verletzt. Kehl, 22. Ott. Im benachbarten Stratzbnrg wnrde am Donnerstag, nachmittags kurz nach 5 Uhr. in der Polygon, straße (Nendorf), der anch hier bekannte Chef der franzöfi» sche» Gendarmerie, Herr Rast, von einem verhafteten infame« Miffetäter, namens Emil Onirin, de« Herr Rast in die Gendarmeriestatio« znr Vernehmung führe« mollte, im Hofe der Station erschaffen. Der Verbrecher war gefeffelt, doch war ihm, wie «blich, eine Hand freigelaffe«. I« diesem Angenblick wo fie ans der Helle in das Dnnkel des Hofes (raten, zog der Verhaftete eine« verborgen Revolver «ud schoß ans Herr« Rast. Die Kngel drang von der Rückenseite {n den Körper. Hinzneilende fanden de« bereits bewußtlosen Herrn Rast am Bode« liegend vor, während dev Verbrecher entflohen war. Anf dem Transport nach dem Spital ist Herr Rast seiner schwere« Verletzung erlege«. Die Gendarmerie machte sich sofort znr Verfolgung des Mörders anf. Man vermutet, daß sich Onirin im Rcnhöfler Wald «tfhält, «m von da ans, bei günstiger Gelegenheit, de« Rhein z« überschreiten. Rach den bestehende« Ansliefe- («ngsgesetze« dürfte er stch damit allerdings den Arme« der Jnstiz nicht entziehen. Bis zur Stunde liegt über die Festnahme des Mörders noch keine Mittetlnng vor. ** Tennenbronn (bei Villingen), 23. Okt. (Ein Jung. Schneidergeselle.) Ein hiesiger Junglehrer, der nach Absolvierung des Lehrerseminars infolge des bekannten Stellenmangels noch keine Anstellung fand, wußte sich zu helfen. Er trat bei seinem Vater, der ein Schneidermeister ist, in die Lehre und hat nun vor der Handwerkskammer Konstanz seine Gesellenprüfung mit gutem Erfolge bestanden. Alle Hochachtung vor einem solchen jungen Mann. ** Waldshnt, 23. Okt. (Schwurgericht.) Das Schwurgericht verhandelte gegen den Wilhelm Volkammer von Oftersheim, der am 15. September den Arbeiter Fränkle einen Stich in die rechte Brustseite versetzte und dadurch seinen Tod herbeiführte. Volkammer, der mehrere Male vorbestraft ist und auch schon im Irrenhaus war, erhielt fünf Jahre Gefängnis und Tragung der Kosten. — In der Strafsache gegen' den Landwirt Gottstein, der der vorsätzlichen Brandstiftung angeklagt war, wurde dieser kostenfrei freigesprochen. ** Denkinge« (Amt Pfullendorf), 22. Okt. (Schwerer Zusammenstoß.) Bet einem Zusammenstoß zwischen einem Fuhrwerk und einem mit drei Personen besetzten Motorrad mit Beiwagen drang die Deichsel einem auf dem Soziussitz befindlichen 14jährigen Jungen in die Brust, so daß er so schwer verletzt wurde, daß. der Tot alsbald eintrat. Dem Pferd des Fuhrwerks wurden beide Vorderbeine abgefahren, so daß es getötet werden mußte. Der Führer «nb der Insasse des Beiwagens blieben unverletzt. ** Schwenningen a. 9t„ 23. Okt. (Vetriebsverlegung.) Die hiesige Jsaria-Apparate-Fabrik ging an die Siemens- Schuckert-Werke in Berlin über, nachdem die letzteren die Aktienmajorität des Stammhauses erworben haben. Die Fabrikation wird nunmehr vollständig nach Berlin verlegt und die hiesige Fabrik im Laufe der kommenden Monate abgebaut. Die Belegschaft der Fabrik, die im allgemeinen entlassen wirb, beträgt 250 Arbeiter und Arbeiterinnen, so- chie 30 Angestellte. Qualifizierte Arbeiter werben auf Wunsch nach Berlin übernommen. ** Straßburg i. E., 23. Okt. (Kraftwerk Kembs.) In einer Sondersitzung hat der Generalrat des Oberelsaß über die Beteiligung der Gesellschaft für den Bau des Rheinkraftwerks Kembs Beschluß gefaßt. Das Departement erwirbt demnach 1000 Aktien des Kembser Kraftwerks, der Kaufpreis ist mit einem Viertel, gleich 125 000 Frs., bei der Zeichnung, für den Rest später auf Anforderung fällig. Das Departement ist in der Lage, die sofort fällige Summe aus dem Einnahmeüberschuß des laufenden Budgets zu decken. Es erscheint aber trotzdem fraglich, ob das Budget den Anforderungen des kommenden Jahres bei der durch diese Vorwegnahme des Einnahmeüberschusses verminderten Elektrizität gewachsen sein wttb. Eines 18jährige« Kampf mit dem Leoparden. Ein dramatischer Kampf zwischen einem Leoparden und einem 18jährigen jungen Mann spielte sich vor kurzem in Afrika, in der Misstonsstation von Lydenburg ab, ein Kampf, der gewiß für den Menschen tragisch verlausen wäre, denn er konnte dem wütenden Tiere gegenüber, das zwar ange- schoffen war, aber gerade in seiner Todesangst noch kolossale Kräfte entwickelte, keine Waffen anwenden und war nur auf seine Geschicklichkeit und seine Muskelkraft angewiesen — wenn ihm nicht gerade noch im letzten Augenblick Hilfe gekommen wäre. — Der junge Mann, Johannes Winter, ist der Sohn eines Missionars und ist, trotz seines jugendlichen Alters von 18 Jahren, schon ein passionierter Jäger, der so manches gefährliche Abenteuer bestanden hat. An dem für ihn denkwürdigen Tage nun hatte er einen Leoparden angeschossen, der sich in eine Höhle verkrochen hatte. Ungeduldig wartete er nun, bis der Leopard wieder zum Vorschein kommen würde, um ihm den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Schließlich entschloß er sich, seinen sicheren Hinterhalt zu verlaffen und näher an das Tier heranzugehen. Doch das sollte ihm zum Verhängnis werden, denn plötzlich sprang das Tier auf ihn zu und packte ihn mit seinen Klauen. Ter junge Mann vermochte nicht mehr von der Schußwaffe Gebrauch zu machen und suchte stch nur dadurch zu wehren, daß er den etnen Arm in des Leoparden Rachen steckte und mit dem anderen ihm die Kehle zuzudrücken suchte. Trotzdem die Todesangst seine Kräfte ins Ungeahnte steigerte, vermochte er doch nicht gegen das gereizte Tier aufzukommen und sich aus seiner tödlichen Umklammerung zu befreien. Glücklicherweise wurde ein Eingeborener auf seine kritische Situation aufmerksam, lief herbei und versetzte dem Leoparden mit einer Axt einen kräftigen Stoß. So war der junge Mann gerettet. Aber das Tier hielt seinen Arm so fest in seinem Maul, daß das Gebiß erst gebrochen worden mußte, um den Arm zu befreien. Turnen. Sport und Spiel. Handball-Pflichtspiclc: T^ B. Jugend Sinsheim — T. B. Jugend Steinsfurt 4 :1. T. B. Sinsheim 1. — T. V. Steinsfurt 1. 2:0. Das auf dem hiesigen Sportplätze ausgetragene Handballspiel Sinsheim 1. — Steinsfurt 1. zeigte gleich nach Anspiel ein beiderseitig lebhaftes Tempo, besonders bei Steinsfurt. Bald hatten sich die Sinsheimer zusammengefunden und konnten in der 7. Minute ein Tor buchen. Bald darauf folgte, zum Erstaunen des Steinsfurter Torwächters das 2. Tor. Nach der Pause legte sich Steinsfurt mächtig ins Zeug, schaffte gefährlich« Situationen vor dem Sinsheimer Tor, ohne, vom Mißgeschick verfolgt, zu einem Tore zw gelangen. Infolge des strömenden Regens wurde das Spiel mit einem Stand von 2:0 für Sinsheim abgebrochen. Das Spiel wird wiederholt. Eschelbach 1. — Sinsheim 2. 8:0. Bei sehr schlechtem Wetter und ebensolchen Bodenverhältnissen trafen sich gestern obige Mannschaften zum fälligen Ber- bandsspiel. Gleich vom Anspiel weg sah man, daß sich Eschelbach mit ihrem Boden besser zusammen finden, als Sinsheim. Gleich in der 7. Minute konnte Eschelbach das erste Tor für sich buchen. Nun fallen die Eschelbacher besonders auf durch ihr bei diesem schlechten Boden gutem Zusammenspicl. Wäre Sinsheims Hintermannschaft nicht in zu schlechter Verfassung gewesen, so wäre der Sieg ganz sicher nicht so hoch ausgefallen. Es wäre zu empfehlen, wenn die junge Sinsheimer Mannschaft von ihrem Gauspielwart der wohl mehr Spielerfahrung hat, sich während dem Spiel mehr sagen lassen würden und nicht gleich den Kopf hängen und den Mut verlieren, das ja nur zum Vorteil des Gegners ist. Man ist gespannt, wie sich Eschelbach auf dem Sinsheimer Sportplatz schlagen wird. Der junge Schiedsrichter hatte das korrekt durchgeführte Spiel jederzeit sehr gut in der Hand. Wir wünschen den Eschelbachern immer den gleichen Eifer beim Spiel beizubehalten. A. B. E. Montag, den 24. Oktober 1927. -- >'. ..• Fußball. Perbandsspiele im Elsrnzgau (Klasse A) Meckesheim — Eppingen 0 :6 abgebrochen. Klasse B. Rohrbach — Stebbach 0 :0 abgebrochen. Balzfeld - Elsenz 4 :2. s Fußball-Ergebnisse aus Süddeutschlcmb. Gruppe Württemberg: B.f.B. Stuttgart — Stuttgarter S.C. 1:0. Stuttgarter Kickers — F.V. Zuffenhausen 5 :1. Brf.R. Heilbronn — Sportfr. Stuttgart 0 : 2. Gruppe Nordbayern: Spi.Dg. Fürth — F.C. Bayreuth 4:1. F.S.V. Nürnberg — F.V. 04 Würzburg 3 :4. Bayern Hof — F.C. Fürth 5 :0. Gruppe Südbayern: S-V. 1860 München — Jahn Regensburg 8 :3. Schwaben Ulm — D.S.V. München 2 :5. Gruppe Baden: S.C. Freiburg — Sp.Bg. Freiburg 4 :1. Karlsruher F.V. — B.f.B. Karlsruhe 5 :0. F.V. Offenburg — Freiburger F.C. 0 :4. F^.C. Villingen — Phönix Karlsruhe 2 :5. Gruppe Rhein: Sp.Vg. Sandhofen — Pfalz Ludwigshafen 5 :3. Phönix Mannheim — S-B. Waldhof 2:4. P.f.R. Mannheim — F.V. Speyer 5 :0. Germ. Friedrichsfeld — Phönix Ludwigshafen 1 :1 abgebr. Ludwigshafen 03 — D-f.L. Neckarau 0 :3. Gruppe Saar: S-B. Trier 05 — Kreuznach 02 6:1. Saar 05 Saarbrücken — Bor. Neunkirchen 1:2. F.V. Saarbrücken — Eintracht Trier 2 :0. I. F.C. Idar — V.f.R. Pirmasens 2:2. F.C. Pirmasens — Sportfreunde Saarbrücken 5:2. Gruppe Main: Eintracht Frankfurt — Union Niederrad 5:1. F-S.B. Frankfurt — Pikt. Hanau 94 4 :2. Offenbacher Kickers — Fechenheim 03 2 : 2. Bikt. Aschaffenbnrg — V.f.R. Offenbach 1 :1. F.C7 Hanau 93 — Rotweiß Frankfurt 1 :1 abgebrochen. Germania 94 Frankfurt — Sport 60 Hanau 4 :0. Gruppe Hessen: Sp-Dg. Arheilgen — S.G. Höchst 01 0:0 abgebrochen. B.f.L. Neu-Isenburg — SB. Darmstadt 98 2 : 2 abgebrochen. Hassia Bingen — F.S.B. Mainz 05 0 : 0. Germania Wiesbaden — Wormatia Worms 1:1. Alemannia Worms — S B. Wiesbaden 3 :1. Gesellschaftsspiele: Wacker München — Teutonia München 1 :4. Schweinemarkt in Bruchsal vom 22. Oktober 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 226, Läufer 30. Verkauft wurden: Milchschweine 180, Läufer 22. Höchster Preis für Milchschweine Paar 30.—, für Läufer 70.—RM. Häufigster „ „ „ „ 24.—, „ „ 50.— , „ Niedrigster „ „ » ., 18.— „ „ 40.— „ Neueste amtliche Kurse mitgeteilt von der Bereinsbank, e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 24. Oktober 1927. ««leihe»: mit «usk_ . . ohne AuSIosnngsschein Bankaktie: Bad. Bank .... Darmstädtcr- und Nattonalbanl Deutsche Bank .... DeutschcVeretnsbank Dresdner Bank Mitteldeutsche Ereditbank Retchsbank .... Rhein. CredUbank . Südd. Dtsconto Ges. in o/o 51,15 13.80 in o/o 170 155 102 151.50 ISS 131.50 13« Bergwerk»» Aktie« ln o/o t arpener Bergbau . — all Westeregeln . . . ISS ManneSmunnröhrenwerke. . 150.50 Mansselder Bergb. u.Hüttenw . IIS,50 Oberschi. Slsenb. Bedarf . . — Phönix Bergbau «.Hüttenbetrieb 103 Salzwerk Hellbraun . . 180 Bereinigte Königs» Laurahütte — Aktie« induftr. Unternehmungen: in 0/0 Allg. Elektr. Stammaktien . i-6 Badeuia Weinbetm . - — Bad. Elektrizität Mannheim — Bad. Maschinen Durlach . 158 Cementwerk Heidelberg 135 Daimler Motoren . . . 105,50 Dtsch. Gold- und Silberschetde -00 Elektr. Licht und Kraft . . — Ematll. und Stanzwerk Ullrich s- Farbenindustrte . . . 27», 50 Fuchs Waggon Stammaktten — Gritzner Maschinen Durlach . 115 Karlsruher Maschinen . . — Knorr Hellbronn . . , 180 Maiizkrastwerke Höchst . . 118 Neckarsulmer Fahrzeugwerk« . <02 Schmiert Elektr. Nürnberg . 185 S-illndustrle Wolfs ... «t Südd. Zucker .... »81,»z Zellstost Waldhos Stammaktien 288,25 Aktien deutscher Transportanstalten: tn "/« Hamburg. Amertk. Paketsahrt — Heidelberger Straßen-«. Bergbahn — Norddeutscher Lloyd . . U3 6 /» Devisen: Geld Bries New-Aork 1 Dollar 1.1825 l.I»05 London l Pfund 20.38 20 42 Holland 100 Gulden 168,35 168 . 6 » Schweiz 100 Francs 80.70 80.86 Wien 100 Schilling 62,04 52.16 Pariswo Francs 1«.42B 16,465 Italien 100 Lire S8.86 1 !» 22.200» Die Ahlenmide Sinsheim Telefon 334 verkauft 4 foft» anta hotmtrtrftft 9 infii* Rt>att«t«allackt 0 Zu vermieten! Ab 15. November eine 4 Ztmmerwohnng z schöne oberbadische, sprungsähige Zuchtsmen sorvie 2 triichtige Rinder. (te acfti spartiscn» it Futtersalz ff’ic.rolin beziehen durch: Steinsfurt: Georg Keitel» llenberg: Otto Knäpple, Flinsbach: Conrad Nuß. Henko. g)a s5 Frisch eingetroffen! Bismarkheringe Marke Walkoff für Wiederverkäufer e m pfiehlt Heinrich Löchner RMk. 44000 aus Verkauf auch geteilt an reelle Zinszahler zu vergeben. 6-7 0 / 0 . Näheres B. N. T. 4670 Ala- Mannhetm | Anfertigung von Druck-Arbeiten Kaisers BrusNCaramellen jnif den,3TännertT Kaisers Brusf-Caramellen helfen hier! 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