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Marinkowitsch, der eigens nach Paris fährt, um den Vertrag selbst zu unterzeichnen, scheint mit dieser sonst nicht üblichen Geste zeigen zu wollen, welche Bedeutung man*in Belgrad der Inkraftsetzung dieses bereits vor Jahresfrist paraphierten Abkommens beimitzt. dessen Unterzeichnung die französische Regierung bisher immer wieder aus diplomatischen Gründen hinausgeschoben hat. Bon welchen Rücksichten sich Briand dabei hat leiten lassen, liegt auf der Hand. Die französische Politik hat bisher allen Provokationen des fasthistMen Italien gegenüber große Zurückhaltung und Mäßigung an den Tag gelegt. Sie hat nicht nur alles getan, um eine gütliche Beilegung der mannigfaltigen, von Italien geschaffenen Zwischenfälle zu ermöglichen,- sie hat auch geflissentlich alles unterlassen, was in Rom als eine gegen 'Italien gerichtete Geste hätte ausgelegt werden können. Und dazu gehörte auch die Unterzeichnung des französisch-jugoslawischen Vertrages. Dem serbischen Drängen gegenüber hat Briand immer wieder zur Geduld geraten und die Belgrader Regierung bis zu dem Tag vertröstet, wo der wegen des Vertrages von Tirana zwischen Italien unH Jugoslawien entstandene Konflikt seine gütliche Beilegung gefunden haben werde. Die in Paris gehegte Hoffnung, daß es den direkten Verhandlungen zwischen Rom uud Belgrad gelingen würde, das albanische Problem einer für beide Teile annehmbaren Lösung entgegenzuführen, ist bisher unerfüllt geblieben. Wenn Briand trotzdem sich nunmehr entschlossen hat, seinen Monate hindurch aufrecht erhaltenen Widerstand gegen die Unterzeichnung aufzugeben, so kann das nur als eine Aen- derung der bisherigen Politik Frankreichs gegenüber Italien gedeutet werden, deren Erklärung in der italienischen Flotten- demonstration vor Tanger gesucht werden muß. Die französische Regierung will mit der symbolischen Geste der Unterzeichnung des jugoslawischen Vertrages in Rom offenbar zu verstehen geben, daß Frankreichs Geduld nicht unbegrenzt ist und daß es keineswegs isoliert und ohne Bundesgenosse ist, wenn es dem faschistischen Italien eines Tages in den Sinn kommen sollte, seine unverhüllten Drohungen in die Tat umzusetzens. Ws M die WeuW Sonaerbcmonftration Paris, den 7. Nov. Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, nach denen sich der freundschaftliche Meinungsaustausch fruchtbar für Deutschland auswirken kann. Geschieht es, dann gebührt dem Amerikaner Parker Gilbert auch von deutscher Seite Dank! Das französisch-serbische Bündnis. Marinkowitfch reist zur Unterzeichnung «ach Paris. Belgrad, 6. Nov. Nach einer Meldung der Prawda begibt sich Außenminister Marinkowitsch Dienstag nach Paris, wo Donnerstag vormittag die Unterzeichnung des jugoslawisä>-französischen Bündnisvertrages erfolgen wird. Der Vertrag wird sofort beim Völkerbund registriert und veröffentlicht werden. Er sei nach dem Muster aller ähnlichen Verträge gemacht, doch werde auch noch ein besonderer Bündnisvertrag zwischen Jugoslawien uni» Frankreich für die Dauer von fünf Fahren abgeschlossen werden. Politica erfährt aus diplomatischen Kreisen, die jugoslawische Regierung werde gemäß den Bestimmungen des italienisch-jugoslawischen Vertrags von 1924 auch an die römische Regierung eine offizielle Mitteilung über den Abschluß des Vertrags gelangen lassen. General Bordrero, der italienische Gesandte in Belgrad, werde nach Rom reisen und seiner Regierung im Zusammenhang mit diesem Vertrag Bericht erstatten. Das kritische 3ahr 1935. Kriegsmiuister Painlcve spricht in Ehaumont. Paris, 6. Nov. Kriegsminister Painleoe, der gestern die Kaserne in Ehaumont besichtigte, hat nach dem „Matin" in einer Aussprache dort erklärt: Gewisse ausländische Kreise wollen einen Widerspruch zwischen den Friedensbemühungen Frankreichs und seiner Defensivorganisation herausarbeiten. Frankreich muß doch aber schlechten Absichten, die sich in d?r Welt kundtun eine Schranke entgegensetzen können. Diese schlechten Absichten werden erst zunichte gemacht sein, wenn diejenigen, die sie nähren, sestftellen, daß jeder Versuch gegen den Frieden sich gegen sie selbst richtest Das Fahr 1935 bilde den Ablauf einer Frist, die man aufmerksam beobachten muß. Wenn wir "das Kap von 1935 umschifft haben werden, dann wird die Welt auf- atmen und sich neu orientieren können unter dem Versprechen, der Wiederoersöhnung zu leben. < Paraden und Demonstrationen in Moskau Kowno, 8. Nov. (Funkspruch.s Wie aus Moskau gemeldet wird, hat gestern auf dem Roten Platz der Stadt die bereits angekündigte große Parade anläßlich des zehnjährigen Der Laudbote * Sinsheimer Zeitung. Bestehens der Sowjetrepublik stattgrfunden. Im Beiseln der gesamten Regierung und des vollzählig erschienenen diplomatischen Korps nahm Kriegskommisfar Woroschiloff die Parade ab. Anschließend fand die Vereidigung der Rekruten statt. Moskau und Leningrad stehen heute ganz im Zeichen der militärischen Paraden und Arbeiterdemonstrationen. Lloyd George antwortet Ehamberlain London, 8. November. Lloyd George antwortete heute in, Aldwych-Elub auf die Rede Chamberlains an der gleichen Stelle. Vor einigen Tagen — so äußerte sich Lloyd Georg». — habe er von einem konservativen UnterhouSabge- ordneten einen Brief erhalten, baß von aewissen Liberalen der Anspruch erhoben würbe, daß der Völkerbund ans der liberalen Partei basiere. Es würde eine Kalamität für den Frieden Europas sein, wenn der Völkerbund auf einer Partei beruhen würde. Deshalb habe er auf der letzten Versammlung der Bölkerbundsunion alles vermieden, was als parteipolitische Haltung ausgelegt werden konnte. Er sei desto mehr überrascht gewesen, daß Ehamberlain 'eine Verdienste im Kriege gelobt habe, aber aeaen feine Versuche, den Frieden herzustellen, eine so häßliche Attacke geritten hätte. 1922 habe Ehamberlain jedenfalls derartige Ansichten über seine — Lloyd Georges — Friedensv-"'mittlung noch nicht gehabt. Zwölf Minister hätten seine Bemühungen um den Frieden zwischen 1919 und 1922 in einem Manifest anerkannt. Im weiteren Verlaufe seiner Rede erklärte Lloyd George, daß Locarno nur als erster Schritt zur Verständiaung angesehen werden könne. Er forderte dann den britischen Außenminister ans. die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu begründen, da er im einzelnen darauf antworten würde. Trotz der aeaenteiligen Beschuldi- aung Chamberlains — schloß Llovd George — werbe der Krieg in Europa unvermeidbar sein, solange die Locarno- verträae nicht durch Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung vervollständigt würden. Die Nowyorker Börse bleibt fest. Newyork, 8. Nov. lFunkspruch.) Abgesehen von ganz geringfügigen Schwankungen nach unten, die bei wenigen deutschen Papieren den Bruchteil eines Prozentes darstellen, reagierte die Newyorker Börse kaum auf das Gilbert- Memorandum, was als ein Zeichen dafür angesehen wird, daß die amerikanischen Geldgeber im Gegensatz zu Parker Gilbert die deutschen Ani.'ihen für zu gesund halten, als daß sie ernstlich gefährdet werden könnten. Reichsverkehrsmimster Koch zur internationalen Lustfahtt-Ausstellung 1928 Berti«, 8. Nov. . lFunkspruch.) Auf dem Werbeabenü des Reichsverbanbes der deutschen Luftfahrtindustrie für die internationale Luftfahrtausstellung Berlin 1928, zu dem auch zahlreiche Angehörige der in Berlin beglaubigten ausländischen Missionen erschienen waren, hielt Reichsverkehrsminister Koch eine Ansprache, in der er eingangs darauf hinwies, daß seit der erste» internationalen Lustfahrtaus, stellung der Jla zu Frankfurt am Main und der Ausstellung. die im nächsten Herbst in Berlin beabsichtigt sei, 19 Jahre vergangen seien. Eine gewaltige Entwicklung sei, so führte Minister Koch u. a. weiter aus, in die,en Jahren durchlaufen. Der Krieg habe die Leistungssteigerung von Flugzeug und Luftschiff durch die Erfordernisse des Kampfes ungeheuer gefördert. Er habe aber das Luftfahrzeug, dessen Zweckbestimmung vor dem Kriege noch nicht ausschließlich für militärische Aufnahmen beschlagnahmt gewesen sei, leider auch stark seiner größten Bedeutung entzogen. Diese erblicke er nicht in feinem militärischen Wert als Kampfmittel, sondern darin, daß das Luftfahrzeug vornehmlich als Friedensinstrument zu werten sei und sich nicht trennen lasse von dem Gedanken engerer und herzlicherer Beziehungen zwischen den Völkern der Erde. So sei in Deutschland — wo die militärische Luftfahrt verboten sei —, der Gedanke einer rein zivilen internationalen Luftfahrausstellung entstanden. Er habe als verantwortlicher Minister dem Gedanken einer solchen Ausstellung zunächst nicht ohne besondere Besorgnisse gegenübergestanden, da die durch ihre Rüstungsaufträge .blühende Flugzeugindustrie des Auslandes anders gewappnet dastehe, als unsere von den spärlichen Aufträgen aus Verkehr und Sport lebende deutsche Luftfahrzengindustrie. Eine Ausstellung — wie sie beabsichtigt sei — könne wirkliche Bedeutung nur durch allseitige deutsche Beteiligung erhalten. Interessant und lehrreich aber könne sie nur werden, wenn das Ausland auch in umfassender Weise auf dieser ersten rein zivilen Luftfahrtausstellung entsprechend vertreten ist. Der Minister bat dann die diplomatischen Vertreter, ihren Regierungen die Beteiligung ihrer, Industrie an dieser Ausstellung ans Nerz zu legen. Die Handelsluftfahrt fei heute zu einem ernst zu nehmenden Instrument und Bestandteil der auswärtigen Politik geworden, und zwar zu einem Bestandteil, der fördere und glätte und nicht trenne und verfeinde. Dieselbe Bitte richtete der Minister am Schlüsse seiner Rebe an die Vertreter der in- und ausländischen Presse. Der Kamps im dar Reichsschiilgesetz Rcichsschulgesetz «ud Körperschafte« des öffentlichen Rechts. Karlsruhe, 8. Nov. Nach dem Retchsschulgesetzentwurs haben Körperschaften des öffentlichen Rechts die Berechtigung, für die Kinder des eigenen Bekenntnisses die Errichtung von Sonderschulen zu verlangen. Nach dem Staats- Handbuch für Baden könnten, wenn der Schulgesetzentwurf Gesetz würde, folgende Religionsgemeinschaften eigene Schulen fordern: 1. die römisch-katholische Kirche. 2. die vereinigte evangelisch-protestantische Landeskirche. 3. die Altkatholische. 4. die isrealitische Religionsgemeinschaft Badens. 5. die isrea- litische Religionsgemeinschaft Karlsruhe, 6. die freireligiöse Landesgemeinde Baben, 7. die evangelisch-lutherische Kirche in Baden, 8. der Landesverband der evangel. Gemeinschaft in Baden, 9. die evangel. Herrenhüter Brüdergemeinde Königsfeld, Baben, 1V. der Landesverband der Gemeinden der bischöflichen Methodistenkirche in Baden. 11. die neuapostolische .Kirche im Freistaat Baden. Zusammenkunft volkspartcilicher Vertreter der Simnltan- schulländer. Frankfurt, 8. Nov. Für den 13. November ist hier eine Tagung von volksparteilichen Vertretern aus allen Simultanschulländern vorgesehen. Das Referat hat Geh. Rat Dr. Runkel, der Schulsachverständige der Volksvartei, übernommen. Die Beratungen in Frankfurt sind absichtlich kurz vor der Sitzung des Zentralvorftandes der Partei, die am 21. November in Braunschweig stattfinbet. anberaumt worden, um der Partei bestimmte Anträge unterbreiten zu können. Ein deutscher Abgeordneter von polnischen . Vanditen schwer mißhandelt Kattowitz, 8. Nov. Am Sonntagnachmittag hielt die Deutsche katholische Volkspartei in Ciraltowitz eine Delegiertenversammlung ab, wobei der Abgeordnete Franz das Hauptreferat hielt. Als er in seiner Rede anknüpfend an die Worte des Sonntagsevangeliums,, Gebet Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist", die Mitglieder ermahnte, stets Loyalität gegen den polnischen Staat zu üben, sprangen plötzlich aus der Versammluna mehrere Banditen mit Gummiknüppeln und den Rufen: „Wir geben Dir den Kaiser" auf den Abgeordneten zu. Der Abgeordnete wandte sich gegen die Angreifer, und es gelang ihm schließlich, auf die Straße zu kommen. Dort wurde er erneut von mehreren Banditen umringt, die mit Gummiknüppeln. Stöcken und Schlagringen solange auf ihn ein^lugen, bis er bewußtlos zusammenbrach. Wieder zur Besinnung gelangt, versuchte er, sich mit dem Taschentuch das lutüberströmte Gesicht zu» reinigen. Er wurde jedoch daran gebindert, von neuem zu Boden geschlagen und aufs schlimmste mißhandelt. Nach vieler Mühe gelang es dem Ueberfallenen. seinen Wagen zu erreichen. Es muß als ein Wunder bezeichnet werden, daß der Abgeordnete nicht totgeschlagen worben ist. Die Angreifer führten ihre Schläge mit den Worten: „Schlagt ihn tot". Wie ärztlich festgestellt wurde, ist der Abgeordnete am ganzen Körper mit z. T. schweren Wunden bedeckt. Allein am Kopf befinden sich drei große Wunden, von denen die eine sechs Zentimeter lang ist. Es ist dies ein neuer Fall unerhörter Bestialität gegen die deutsche Minderheit. ES gibt wohl jetzt keinen deutschen Abgeordneten mehr in Pol- nisch-Oberschlesien, der nicht schon einmal von polnischen Banditen überfallen worden wäre. Der Flug der „D1220" nach den Azoren Berlin, 8. Nov. Den Heinkelflugzeugwerken ist jetzt ein telegraphischer Bericht des Führers der „D 1229" über den Flug von Lissabon nach Horta sAzoren) zugegangen. Danach hat das. Flugzeug während seines Fluges mehrfach gute Funkverbindungen mit Ozeandampsern aufnehmen können. Der erste Teil des Fluges ging bei gutem Wind und sehr guter Sicht vonstaj^n. Später verschlechterte sich das Wetter und die Sicht wurde teilweise so unklar, daß die Antenne eingenommen und in 5 Meter Höhe geflogen werden mußte. Die Landung im Hafen von Horta ging glatt vonstatten. Die Besatzung des deutschen Flugzeuges wurde von der Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Der Militär- gouverneur und die Svitzen der Behörden bewillkommneten die Flieger. Die Ausnahme in der deutschen Kolonie war sehr herzlich. Der Bericht schließt mit der Feststellung, daß ROMAN von FRED NELIUS „•öteten“ war ein kleiner schnicker Rittmeister — seit dem Umsturz außer Dienst. Ein fixes Kerlchen — drahtig und ganz Nerv . . . einer von der guten alten Art, die man sich kaum anders denken kann als mit der Husarenpelzmütze oder der schiefgesetzten Tschapka auf dem Kopf oder im Rennsattel mit einem Steepler zwischen den Knien. „Zielen" hieß er etgenltrch gar nicht. Aber da er neben seiner eigentlichen Passion, dem Reiten, eine eingestandene Schwärmerei für Poesie und eine uneingestandene für Berse- schmieden hegte, hatte ihn sein Freund, Der Dr. phil. von Steinkirch, vor kurzem in den „Lenau-Klub" zu Dresden eingeführt. In diesem „Lenau-Klub" nun war besondere Namengebung in die Statuten eingebaute Tradition. Früher hatte sie soziale und Altersunterschiede nach berühmtem Muster überbrücken sollen. (Man denke an Fontanes „Tunnel" in Berlin.) Heute, wo die Zusammensetzung der Mitglieder immer homogener wurde, (über die Aufnahme jedes Neuen wurde ballotiert), war es mehr und mehr eine scherzhaft beibehaltene Form. So gab es dort einen „Taffo", einen „Feuerbach", einen „Spinoza", einen „Metastasio", einen „Cujacius", einen „Matthision" und andere Leuchten mehr. Dr. von Steinkirch aber hieß „Cartesius" und das neue Mitglied„Zieten". „ . .. An einem Frühlingstage, der wie eine reingeslimmte Harmonie des Lebens über Dresden tag, saß „Zieten" an dem offenen Fenster seines Hinterzimmers in der Kaulbachstraßc und träumte in die Wunder dieser Maienwelt hinein. Es träumte sich so wunderschön! Da der Flieder aus seinen schwervioletten Wolken unsäglich süße Düfte hauchte . . . die lieben, hohen Bäume, »iit ihren frischgeschmückten Wipfeln ein feines Traumlied sangen . . . brutschwere, schwerterspitze Sonnenstrahlen durch die Blätter rannen und hoch oben hier und da ein kleines Silberwölkchen wie ein verlassenes Lämmchen durch den Seidenhimmel irrte. Wo war die Weit, in der Zieten mit allem seinem Fühlen, Können, Wünschen wurzelte und wohin er heute wieder träumte? In der ein tüchtiger Reitersmann den edlen Gaul im Knieschluß fühlte ... das Kavallerie-Galoppsignal auf weiter, hindernisdurchquerter Ebene als Jubelruf des Frühlings tönte ... auf dem grünen Rosen zwischen den Flaggen der Steepler im heißen Endkampf ausgeritten wurde und in der man vor stolzen Frauen- oder Mädchenaugen im Bewußtsein seiner Geltung den Nacken steifen konnte? Einem verlorenen Paradiese gleich für alle Zeit dahin. Heute . . .? Als Ueberflüffiger, Allzuvieler ... als Weichling. dem die Manneskräfte rasten, lief man heute durch die Welt. Nirgends mehr war ein braver Reitersmann am Platz. Zieten hatte nach dem Kriege in Berlin gegen Spartakus gefachten . . . war dann in die Baltische Landeswehr und später in ein Freikorps eingetreten. Aber in dem Ein- hunderttausend-Mann-Heer blieb für ihn kein Platz. Nun galt es anderweitig suchen. Vorerst hatte er ein paar Hosen auf der Bureaubank durchgescheuert. Dann warf er seinem Bureauvorstand, dessen schäbiges Aeußere und noch schäbigere Gesinnung an des Rittmeisters wohlgepflegter Lebensart und militärische- Vergangenheit Anstoß nahm, wegen einer gar zu groben Rempelei ein Aktenbündel an den Kopf. Zieten versuchte sich im Versicherungswesen gegen Provision. Nahm nichts ein. Als Vertreter einer G. m. b. H. für Fette und Oele. War auch da nicht auf dem rechten Platz. Und nun lag er beruflich und erwerblich brach. Er lief oftmals zu dem „Rano", dem Reichsarbeitsnachweis für Offiziere, studierte täglich die Stellenangebote in der Zeitung, bewarb sich hier, bewarb sich dort. Nirgends hatte er Erfolg. Und nun trat in sein Leben dräuender und dräuender — da die Militärpension nicht reichte und der Zuschuß seiner Mutter knapp war- — etwas, von dem der junge Reitersmann bislang verschont geblieben war — die Not. Wie ein Mensch, der in einem großen fremden Walde • die Irre geht, lief Zieten durch die Welt. Er suchte alles, .ö das Leben ihm genommen hatte: ein wenig Glück, iiichen seiner Art, einen frischen, frohen nahrhaften -inen Schluck mit gutem Wein und — da auck seine Seele für das Feine, Schöne offen stand — Blumenduft und Glanz. Vlumendüfte gab es heuer zwar genug. Die ganze Welt war voll Blühen, Blütenerschließen und süßem trockenen Duft. Selbst in das Hinterzimmer in der Kaulbachstratze, wo Zieten wohnte, strömte er hinein. In dem kleinen Gärtchen an dem Hof hingen die blaßgrauen Fliedertrauben, deren Spitzen schon oas erste Welken zeigten, scywer ymav . . . Die Holunderblüten wagten sich mit frühem scheuen Duften in die Welt... am Boden reckte sich ein ganzer Heerbann weißer Lilien ... all die feinen zarten andern Maienblüten gaben ihre Duftatome: Wie ein Traum von süßem honig- schweren Glück sank dieser Frühlingsabend auf dis Welt. Aber wie ein Traum die Sehnsucht weckt und stille, iang- verborgene Wünsche zu heller Inbrunst lodern machte, so ging es dem Rittmeister heut mit diesem Maienabend. Es war traumhaft still um ihn. Er faß und sann und wünschte. Ein längst verklungenes, traurig-süßes Verslein fiel ihm ein. Immer wieder lauschte er dem Klang der Reime nach, der wie eine zärtliche Melodie in seiner Seele tönte. Er setzte Worte . . . Bilder, die wie ein schwerer Rausch durch seine Sinne drängten, anstatt der andern. In eine wundersame Stimmungswelt versunken, die ihm, dem raschen, flotten Reitersmann, nur in seltenen Stunden ihre Tore aufschloß, formten heiße, buntbewimpelte Gedanken sich zum Reime. Er suchte — wog — kürzte — meißelte — ließ die Stimmgabel des Wohllauts an die Seele tönen. Er wunderte und strebte in den Zaudergärten von Polyhym- nias Reich. , _ Des letzte schräge Sonnenbahn hing mit Goldatomen, die wie trunkene Blütenstäubchen tanzten, über seinem Tisch. Es war Sonnabend abend. Der Glockenchor erwachte und läutete den Sonntag ein. Die Frauenkirche erst . . - Kreuz- und St. Annen-Kirche dann. Der ganze, große, singende und klingende Glockenchor der alten Stadt. Ueber Dach und Wipfeln verblutete der Tag aus roten Wunden. Die Blüten unten bebten in dem'Rausch des eigenen Dufts. Zieten aber hatte den verträumten Blick in blauweite Fernen eingehangen und sann an seinen Reimen. Zwei Tage jpäter trug er sie zu seinem Freund. Doktor von. Steinkirch war Literat. Ein etwas verbummeltes Genie. Boheme. Nach wechselnden Geschicken hatte er vor einiger Zeit die Leitung des Feuilletons einer Zeitung übernommen. Als Uebergang — sagte er zu seinen Freunden. Er meinte, eine große Sache warte seiner in Berlin. Steinkirch war früher Reserveoffizier bei Zielens altem Regiment. Beide waren — als der Krieg begann — in Der gleichen Eskadron durch Ostpreußen geritten. In Rußland, Polen, in den Karpathen und in Frankreich hatte beide manche Not und tausendfaches Leid aeeint. * f I 1 *- M» Nr. 222. Jahrgang 1927. Der Laadbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, den 8. November 1927. 9 *» t i * die Maschine und der Packermotor zur vollsten Zufriedenheit gearbeitet haben und daß die Besatzung gesund und munter ist. Die Flugstrecke von 1620 Kilometer Länge wurde in neun dreiviertel Stunden durchflogen bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 165 Kilometern in der Stunde. Me Zeitschrift des Aatimalderdandes Deutscher Offiziere beschlagnahmt Berlin, 8. Nov. Am gestrigen Montag früh ist aus Anordnung des Amtsgerichts Berlin-Mitte die Nummer <3 der Zeitschrift des Nationalverbanöes Deutscher Offiziere. „Deutsche Treue", wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutze der Repubilk beschlagnahmt worden. Der Verstoß wirb in einem „Treulose" überschrtebenen Aufsatz erblickt, der sich mit der Staatsumwälzung am S. November 1S18 befaßt und in dem es heißt: „Eine durch Verbrechen, RechiS- bruch, Empörung und Verrat durch Revoltvion und ).l!r pation entstandene Staatsordnung und die von einer solchen dekretierte und oktroierte Weimarer Verfassung entbehrt jeder wirklichen Rechtsgrundlage und kann deshalb auch keine neue Staatsordnung schaffen." Schwarzer Tag an der Berliner Börse Berlin, 8. Nov. Die Veröffentlichung der Denkschrift des Reparationsagenten brachte gestern an der Berliner Börse den Ernst der Lage zum Ausdruck, der auch von den Vereinigten Stahlwerken in ihren Mitteilungen über den Abschluß betont wurde. Der erste Tag der Woche brachte scharfe Kursrückgänge, die an den Terminaktienmärkten im allgemeinen 5—10 Prozent bei zahlreichen Papieren aber 15—30 Prozent betrugen. Die Verluste wären zweifellos noch schärfer gewesen, wenn nicht vereinzelt Deckungskäufe stattgefunden hätten. Im internationalen Devisenverkehr zog das englische Pfund auf 4,97 gegen Neuyork an. — In Berlin waren Dollars gesucht, der Kurs daher leicht befestigt. Im weiteren Verlauf der heutigen Börse gingen die Kurse ruckweise weiter zurück. In einzelnen führenden Terminaktien betrugen die Tagesverluste 30—45 Prozent. Bis zum Schluß der Börse traten kaum wieder nennenswerte Erholungen ein. Baden. Die Lage des Arbeitsmarktcs in Bade«, Der Beschäftigungsgrad hat. wie das Landesamt für Arbeitsvermittlung mitteilt, seinen Höhepunkt bereits überschritten. Zwar ist die Zahl der Arbeitslosenunterstützungsempfänger noch um weitere 22, nämlich von 10 598 auf 10 576 gesunken. Aber bereits in der erstmals wieder zunehmenden Zahl der Krisenunterstübungsempfänger — Steigerung um 63 von 5314 auf 5377 — kommt die rückläufige Richtung der Entwicklung zum Ausdruck. Konflikt in der pfälzische« Tabakindnstrie. Mannhoim, 8. Nov. Am Donnerstag tagten die dem Reichsverbaüb deutscher Zigarrenhersteller angeschloffenen pfälzischen Tabakfabrikanten in Landau, um nochmals Stel. lung zu der Aussperrung bzw. Kündigung der Tabakarbei- rer zu nehmen. Im Verlaufe der Aussprache ergab sich, daß die pfälzischen Zigarrenfabrikanten immer noch gegen die Aussperrung der Tabakarbeiter sind, da die Zigarrenfabrikanten der Rheinpfalz ja nicht direkt an dem Konflikt im Reiche beteilig sind. Diese Stellungnahme ist erklärlich, wenn man berücksichtigt, daß eine Anzahl pfälzischer Tabakfabrikanten die Zigarren, welche bis Februar fertiggestellt werden, jetzt bereits bestellt bzw. verkauft haben. Allem Anschein Nach haben die pfälzischen Fabrikanten die Kündigung ihrer Arbeiter nur ausgesprochen in der festen Erwartung. daß während der Zeit der Kündigungsfrist der Konflikt im ganzen Reiche wieder betgelegt wird. Es besteht die Möglichkeit, daß bi- dahin die Differenzen in der Pfalz betgelegt sind. Aus Nah und Fern. £ Sinsheim, 8. Nov. (Die Nahrungsmittelpreise in den Wartesälen der Deutschen Reichsbahn.) Auf eine Anfrage im preußischen Landtag wird mitgeteilt, daß die Bahnwirtschaften vertraglich verpflichtet sind, die ortsüblichen Preise nicht zu überschreiten, so daß es sich bei Beschwerden nur um Einzelsälle, handeln könne. Die Reichsbahn bittet, Fälle, in denen Ueber- schreitungen der ortsüblichen Preise festgestellt werden, den zuständigen Reichsbahndirektionen anzuzeigen, die angewiesen sind, die geforderten Preise fortlaufend zu prüfen und etwaige Mißstände zu beseitigen. * Sinsheim, 7. Nov. (Muß der Kraftfahrer über die Wegesperrungen unterrichtet sein?) Ein Amtsgericht hatte einen Kraftfahrer bestraft, der an einem Sonntag eine gesperrte Straße benutzte, obgleich der Angeklagte behauptete, von der Sperre der betreffenden Straße keine Kenntnis gehabt zu hab«,n<, Das Amtsgericht führte in seiner Urteilsbegründung aus, den Angeklagten treffe als Kraftfahrzeugfüherer die Verpflichtung, sich über die Straßen genau zu unterrichten, die an Sonn- und Feiertagen für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt sind, es liege ein fahrlässiges Verschulden darin, daß er sich diese Kenntnis nicht verschafft habe. Die Sache ging an das Oberlandesgericht und dieses hob die Entscheidung auf. In der Begründung führte das Oberlandesgericht aus, es hieße dem Kraftfahrer eine schlechterdings nicht erfüllbare Verpflichtung aufbürden, wenn man von ihm verlangen wollte, daß er sich von allen Straßensperren im ganzen deutschen Reich oder auch nur in einem bestimmten Bezirk Kenntnis verschaffen, und sie auch im Gedächtnis behalten sollte. Die Verordnung über den Kraftfahrzcugverkehr schreibe ausdrücklich vor, daß auf derartige Verbote und Beschränkungen, wie Sperrung von Straßen für den SonNtags- verkehr durch Warnungstafeln hinzuweisen sei. Die Rechtsprechung sehe daher das Vorhandensein von solchen Warnungstafeln! als Strafvoraussetzung an. Aus diesem Grunde könne sich der Angeklagte mit Recht damit verteidigen, daß er eine Verbotstafel nicht gesehen habe. □ Steinsfurt, 7 .Nov. (Lohnbewegung.) Die am letzten Sonntag im Gasthaus zum Lamm hier unter Führung der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner versammelten Rcichsbahnarbeiter der Strecken Meckesheim—Iagstfcld und Reihen—Eppingen haben wegen der von der Reichsbahnhauptverwaltung abgelehnten Lohnerhöhung folgende Entschließung gefaßt: „Die Gewerkschaft darf unbedingt kein Mittel unversucht lassen, die Not der Arbeiter zu lindern. Ist doch heute ein Wochenlohn zur Bezahlung der Hausmiete, «in zweiter für Sozialabzüge nötig. Der Rest eines Monatslohnes aber reicht bei den schleichend steigenden Preisen, die den Lohnerhöhungen vorauseilen, auf dem flachen Lande nicht mehr zum Lebensunterhalt. Die Sorge um das tägliche Brot zwingt aber den Familienvater, Wohnungen zu mieten, die für «inen Heustall zu schlecht sind. Um das Joch, als Reparationslastträger in erster Linie von uns abzunehmen, fordern wir von der G. d. E., alle zur Verfügung stehenden Mittel endlich ernsthaft anzuwenden. Die Löhne aber, mit denen der Industriearbeiter oder gar mit ortsüblichen festgesetzten Taglöhnen zu vergleichen, ist ein Unding, da um die ortsüblich festgesetzten Löhne Niemand arbeitet. Mit dem verantwortungsvollen Eisen- bahndicnst vergleichbare Industriearbeiter sind in dieser Gegend nicht vorhanden. Außerdem wolle die Dienstalterszulage, wie bei der Post, alsbald eingeführt werden." Schicksal der Bahn Hüffenhardt—Neckarbischofsheim. ; Neckarbischofsheim, 7. Nov. 3m Rauhaus in Neckarbischofsheim fand eine Besprechung unter dem Vorsitz de- Herrn Landrats Strack-Sinsheim mit Den Gemeindevertretern statt, in der der Landrat den Vettretern der interessierten Gemeinden eingehenden Bericht erstattete über den Stand der Verhand-, lungen zwecks Weiterführung der Bahn, welche gut 'mit den/ interessierten Behörden bezw. Instanzen geführt worden waren. Der Kreisrat Heidelberg hat sich bereit erklärt, einen Zuschuß zum Betriebsverlust zu leisten, wenn auch die beteiligten Gemeinden zu weitgehenden Opfern bereit sind. Eine Bürgschaft oder Uebernahme von Aktien oder Erweiterung der Aktien wurde abgelehnt. Auch der Kreis Karlsruhe, der alleinige Aktionär der Bahn, war mit der Vermehrung der Aktien nicht einverstanden. Die der Berichterstattung folgende Aussprache ließ erkennen, daß die Gemeindevettreter, teilweise sich des Ernstes der Lage nicht bewußt waren, obwohl ihnen die Erhaltung der Bahn sehr am Herzen liegt. Die wirtschaftliche Notlage der Bahn ist anscheinend nur vorübergehend und es wäre unverantwortlich, wollte man augenblicklich die schützende Hand von ihr ab- ziehen. Der Geschäftsgang der Bahn läßt die Vermutung nahe liegen, daß im kommenden Jahre keine Betriebsverluste ein- treten. Es besteht die Möglichkeit, daß trotz des bisherigen Versäumnisses des Landes Baden, das bisher keinen Antrag zur Berreichlichung seiner Nebenbahnen gestellt hat, die Bahn vom Reich übernommen wird, wie dies ja im Nachbarland« Württemberg geschehen ist. Dieser Gedanke fand Anregung in der Versammlung und es wurde folgender Beschluß gefaßt: 1. Die Gemeinden fordern die Uebernahme der Bahn auf das Reich gemäß Art. 89 der Reichsverfassung. 2. Garantievertrag. Unter der Voraussetzung, daß sich die Kreise Heidelberg und Mosbach jeweils in der gleichen Höhe wie die beteiligten Gemeinden beteiligen, sind die Gemeinden bereit, die Garantie für etwaigen Betriebsausfall zu übernehmen. Als Betriebsverlust können nach Ansicht der Gemeinden indessen Rücklagen für Erneuerung und Reservefonds nicht angesehen werden. Als Betriebsverlust Ist anzusehen der Unterschied zwischen Gesamteinnahmen und Ausgaben, so daß beispielsweise für 1926 der Betriebsverlust nicht 40826 Reichsmark, sondern nur 13 707 Reichsmark betragen würde. Für den so errechnten Betriebsverlust sind die betreffenden Gemeinden gemeinsam bereit, die Gewähr für eine beschränkte Anzahl von Jahren — höchstens fünf — zu übernehmen. 3. Die oberste Grenze der Garantiesumme wird auf 12 000 Reichsmark festgesetzt. Am Schluß dankte Herr Bürgermeister Ahlheim-Neckarbischofsheim, dem Herrn Landrat für feine Müh«, die, wie man hoffen möchte, erfolgreich fein möge. ; Bad Rappena«, 7. Nov. (Bürgerausschuß.) In der Sitzung des Bürgerausschusses am Samstag Abend wurde als erster Punkt der Tagesordnung die Erhebung der Gemeindesteuer einstimmig genehmigt. Dann wurde die Gemeinderechnung für 1926 vom Gemeinderechner Dörzbach verkündet. Beanstandungen wurden nicht erhoben. Der von der Gemeindeverwaltung beantragte außerordentliche Holzhieb wurde gutgeheißen, da die Holzbestände des Gemeindewaldes sehr reich sind. Sodann wurde die Aufnahme eines Darlehens aus Mitteln der produktiven Erwerbslosenfürsorge einstimmig genehmigt, ebenso der Antrag aus Erhöhung des Steuergrundbetrages der Gewerbeerträg« über 10000 Mk. um 25 Prozent. Schließlich wurde der Voranschlag für 1927 beraten. Die Ausgaben betragen danach Mk. 155778 und die Einnahmen Mk. 102 284, sodaß Mk. 53 494 durch Umlage aufzubringen sind, was «inen Umlagesatz von 96 Pfg. erfordert. Nach kurzer Aussprache wurde der Voranschlag einstimmig angenommen. Zwei Schreiben des Besitzers des Salinenhotels Olef mit der Bitte um Nachlaß der Umlagen wurden ohne Aussprache zur Kenntnis genommen. x Aus dem Amtsbezirk, 8. Nov. (Stand der Herbstsaaten.) Unter dem Einfluß der während des ganzen Monats Oktober fast ununterbrochen andauernden trockenen Witterung konnten die Feldarbeiten überall gefördert und größtenteils erledigt werden. Die Kartoffelernte ist in der Hauptsache geborgen, die Rübenfelder sind mit wenig Ausnahmen, geräumt. Das noch vorhandene Grünfutter und die Herbstweide wird bei dem milden Wetter gut ausgenützt. Die Herbstsaaten sind 'beinahe überall untergebracht und aufgelaufen und haben sich dank der Witterung im allgemeinen kräftig entwickelt. Die Befürchtung einer Infolge der andauernden Nässe im August und September drohenden Schneckenplage hat sich nicht verwirklicht. Schädigungen konnten bis jetzt nur in ganz wenig Fällen, namentlich bei frühgesätem Roggen, festgestellt werden. Aus einigen Bezirken wird über die Zunahme der Feldmäuse in leichteren Böden berichtet. E3 Zuzenhausen, 8. Nov. (Einkommensteuerveranlagung.) Für die Veranlagung der nichtbuchführenden Landwirte zur Einkommensteuer 1926—27, Herbstveranlagung 1927, wurde seitens des Finanzamtes für unsere Gemeinde nachstehende Durchschnittssätze festgesetzt: Für die Ertragswertklasse 10 --- 275 Mk., für 11 -- 260 Mk., für 12 -- 245 Mk„ Wr 13 = 230 Mkl, für 14 = 215 MK., für 15 = 200 Mk., für 16 = 185 Mk., für 17 = 170 Mst., für 18 = 155 Mk., und für 19 = 145 Mk. Bei Festsetzung der Durchschnittssätze sind die Gemeindesteuern mit einem Durchschnittsbetrag abgegolten und zwar: Für die Klassen 11-13 mit 20 Mk., Klasse 14 mit 15 Mk.. Klasse 15 und 16 mit 10 Mk., Klasse 17—19 mit 5 Mk. Der Micti- wert der Wohnung im eigenen Hause, der nach Paragraph 27 des E. G. zum landwirtschaftlichen Einkommen zu rechnen ist, wird festgesetzt: Für die Ertragswertklassen 7—11 — 300 Mk., bezw. 400 Mk. bei Wirtschaften von 25 bis 50 Hektar, für die Klassen 12—16 = 230 bezw. 280 Mk. und für die Klassen 17—21 -- IM bezw. 220 Mk. Bei Betrieben mit mehr als 50 Hektar ist der Mietwert der Wohnung von Fall zu Fall zu schätzen. P Meckesheim, 8. Nov. (Filmvorstellung.) Morgen abend findet in der hiesigen evangelischen Gemeinde eine Filmvorstellung statt. Das Stück „Glaube und Heimat" kommt zur Vorführung. Der Eintrittspreis für Erwachsene beträgt 50 Pfg., für Kinder 20 Pfg. V Bammental, 8. Nov. (Haussammlung). Die Sammlung für den „Verein für das Deutschtum im Ausland", die von der hiesigen Schule auf Veranlassung des Ministeriums des Kultus- und Unterrichts oorgenvmmen wurde, ergab einen Geldbetrag von 165 Mark. h Unterschwarzach, 7. Nov. (25 Jahre Bürgermeister.) Am Samsrag Abend fanden sich im hiesigen Rathaus die Gemeinderatsmitglieder und die Lehrerschaft ein um im engsten Kreis die Feier des 25 jährigen Dicnstjubiläum des Bürgermeisters Philipp Groß zu begehen. Namens der Gemeinde und des Gemeinderats beglückwünschte Herr Gemeinderat Fuchs den Jubilar und über» reichte ihm als Zeichen der Dankbarkeit von seiten der Gemeinde eine goldene Uhr mit entsprechender Widmung. Im Namen des Bezirksrates überbrachte Bezirksrat Karl Frey-Untcrschwarzach die Glück- und Segenswünsche und der Bezirksrat ließ dem Bürgermeister seinen besonderen Dank aussprechen für die treugeleistete Arbeit besonders in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren. Als Vertreter der Schule dankte Hauptlehrer Heybach besonders dem Ortsoberhaupt für die hohe Fürsorge, die er stets der Schule gegenüber gezeigt hat und alle Redner wünschten noch lange gemeinsame Arbeit unter der unparteiischen^ielklaren Leitung des Bürgermeisters. Sichtlich gerührt dankte der Gefeierte für die Ehrung (eine größere Feier hatte er aus Bescheidenheit abgelehnt) und versprach auch weiterhin zum Wähle der Gemeinde zu wirken. Ein gemütliches Beisammensein des Jubilars mit dem Gemeinderat und der Lehrerschaft beschloß die Feier. — Reckargemiind, 7. Nov. (Diebstahl.) Während heute nachmittag ein hiesiger Polsterer und seine Frau im Wohnzimmer saßen, hörten sie Schritte in dem über ihnen liegenden Zimmer. Als der Hausbesitzer nachschaute, fand er einen jüngeren Mann im Zimmer, der nach einem hier nicht vorkommenden Namen fragte und erklätte, daß er sich verlaufen hatte. Nachdem der Fremde fort war und man nachschaute, stellte sich heraus, daß 6 Kaffeelöffel und ein Zehnmarkstück fehlten. — Langenbrücken, 7. Nov. (Goldene Hochzeit.) Sparkassenrechner a. D. Wilhelm Woll kann morgen mit seiner Ehefrau Franziska geb. Kimling das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Woll war 29 Jahre Gemeinderechner und 13 Jahre Sparkassenrechner, in welcher Zeit er sich das Vertrauen und die Achtung aller Mitbürger erwarb. Seine Gesundheit ist wie die seiner Frau noch befriedigend. — Breiten, 7. Nov. (Tödlicher Unfall.) Auf tragische Weise kam Herr Hermann Leonhardt, Blechner- und Gasmeister von hier ums Leben. Derselbe stürzte in einer hiesigen Wirtschaft nach dem Kegeln kurz vor dem Nachhausegehen, im unbeleuchteten Hausflur die Kellertreppe hinab, wo seine Kameraden, die seines Ausbleibens wegen besorgt nach ihm suchten, ihn fanden. Der im besten Alter stehende Mann war überall gern gesehen und beliebt. Wie man hört ist es nicht der erste Fall, daß dieses Kellereingangs wegen Menschenleben auf dem Spiele standen. Das Nähere wird die Untersuchung bringen, die die Staatsanwaltschaft in Händen hat. Der betroffenen Familie wendet sich allgemeine Teilnahme zu. t Walldürn, 7. Nov. (Holzpreise.) Für Forlen- und Grubenholz wurden bei der dieser Tage hier stattgehabten Hvlz- versteigerung 21 Mark, für Lärchen 33 Mk., für Grubenschichtholz 12 Mark, für Eiche Nutzkrappen 10 Mark erzielst ** Mannheim, 8. Nov. (Noch gut abgelaufen). In der Nacht zum Sonntag hat ein Hilfsschrankenwärter beim Bahnübergang der Altrhetn- unö Waldstraße auf dem Waldhof aus Unachtsamkeit unterlassen, die Schranke vor dem um 12.40 Uhr fälligen Güterzug zu schließen. Die Folge davon war, daß ein Personenkraftwagen beim Uebergueren des Bahnkörpers von dem einfahrenden Zug erfaßt und etwa 20 Meter geschleift und dann zur Seite geschleudert wurde. Der Führer des Wagens erlitt verhältnismäßig nur geringe Verletzungen, während der Wagen stark besckäöigt wurde. ** Manhneim, 8. Nov. (Tödlicher Unfall). Vorgestern nachmittag haben drei Mittelschüler am Abhang eines Baggerloches im früheren Scharhöfer Wald bei Sanötorf aus Spielerei eine Höhle gegraben. Plötzlich lösten sich große Erbmassen und ein 15 Jahre alter Realschüler aus der Riedfeldstraße wurde verschüttet. Er konnte erst nach etwa einer halben Stunde ausgegraben werden. Bei seiner Einlieferung in das Städtische Krankenhaus war der Tod bereits eingetreten. ** Karlsruhe, 8. Nov. (Todesfälle). Im Alter von 66 Jahren ist nach langem schweren Leiden der Vorsitzende des Badischen Gastwirteverbandes, Anton Knopf, der Besitzer des Hotels „Hohenzollern" gestorben. Das Amt des Vorsitzenden hatte der Verstorbene bereits seit sieben Jahren inne. Ferner war er erster Vorsitzender der Einkaufsgenossenschaft badischer Gastwirte, Aufsichtsratsmttglieö der süddeutschen Weinzentrale, der Haftpslichtkasse der Gastwirte in Darmstadt, der Kohlensäurewerke Augusta Viktoria in Löhnberg an der Lahn und der Landessterbekaffe der Landwirte. Auch politisch war Anton Knopf tätig. So war er lange Zeit als Mitglied der Zentrumspartei Stadtverordneter unö Mitglied des Bezirksrates. Ferner war er Mitglied des Landesausschusses für Arbeitsvermittlung. Beisitzer beim Gewerbegericht unö Schlichtungsausschutz. — Unerwartet verschied im hohen Alter von 78 Jahren der frühere Professor an der Kunstgewerbeschule, Franz Sales Meyer. Für seine geschichtlichen Forschungen hatte die Stadt Meersburg ihm das Ehrenbürgerrecht verliehen. ** Kappelwindeck bei Bühl, 8. Nov. (Hohes Alter.) Das hohe Alter von 90 Jahren erreichte am Sonntag Fra« Matthäus Rapp. Die Greisin erfreut sich einer großen körperlichen und geistigen Rüsttgkeit. ** Triberg, 8. Nov. (Zum Selbstmord des Liebespaares.) Am Samstag trafen hier die beiden Väter der beiden freiwillig aus dem Leben geschiedenen jungen Leute ein. Der Vater des Grotjahn ist ein Gastwirt aus Miesbach bei Hannover. Das Mädchen heißt Klara Hinz und ist noch nicht ganz 17 Jahre alt. ihr Vater ist ein Arbeiter aus Miesbach. Die beiden Lebensmüden sind von zu Hause ohne Grund fort und haben sich auf der Reise verlobt. Von Offenburg aus benachrichtigten sie ihre Eltern von ihrem Vorhaben. Einen Grund haben sie nicht angegeben. ** Freiburg, 8. Nov. (Am Grabe erschossen.) Der 44 Jahre alte Dipl.-Jng. Ottenheim hat sich auf dem hiesigen Friedhofe an dem Grabe seiner Mutter erschossen. Das Motiv zu der Tat ist unbekannt. ** Freiburg, 8. Nov. (Mißglückter Raubüberfall.) In den oberen Stockwerken einer Wirtschaft im Stühlinger Stadtteil hatte ein maskierter Räuber der Frau des Gastwirtes, von der er anscheinend wußte, daß sie gewöhnlich um die Mitternachtszeit mit der Kaffe das Schlafzimmer allein aufsuchte, aufgelauert. Als der Räuber sich in seiner Berechnung betrogen sah und der Wirt mit der Frau zusammen erschienen war, versetzte er der Frau einen schweren Tritt auf den Leib und dem Manne einen Schlag auf den Kopf, mußte aber ohne den beabsichtigten Geldraub entfliehen. ** Donaneschingen, 8. Nov. (Großfeuer). Bon einem schweren Brandunglück wurde am Sonntag früh der Landwirt Bihler vom unteren Espenhof bei Gaisingen heimgesucht. Die Leute erwachten am Knistern und dem Hellen Feuerschein aus dem Schlafe. Sie konnten nur das nackte Leben retten. Das Wohn- und Oekvnvmiegebäude sowie die Stallungen wurden ein Raub der Flammen 10 Rinder, 10 Mutterschweine und 36 Ferkel sind in den Flammen umgekommen. Bihler war gerade vor acht Tagen in den Hof eingezogen. Die Frage der Versicherung ist noch ungeklärt. Als Brandursache wird Selbstentzündung oder Brandstiftung angenommen. i Nr. 222. Jahrgang 1927. ** Niederschwörstadt, 8. Nov. (Leteyenianoung., ocaey- dem ln den letzten Tagen die erste Leiche der drei beim Kraftwerk bei Niederschwörstadt vor etwa drei Wochen ertrunkenen Arbeiter aufgefunden werden konnte, konnten am Sonntag auch die beiden anderen Leichen geborgen werden. Die eine wurde beim Kraftwerksrechen angeschwemmt, die andere beim Stauwehr des Kraftwerkes Rheinfelden auf Schweizer Seite. Raubüberfall auf einen Postschaffner. Langenbnrg (Wttbg.). 8. Nov. Ter Postschaffner Herz wurde in dem Moment von einem Unbekannten überfallen und übel zugerichtet, als er die Abendpost nach dem Bahn- haf fahren wollte. Auf sein Schreien eilten das Postpersonal und andere Personen zur Hilfe herbes so daß der Täter die Flucht ergreifen mußte. Anstelle des Schwerverletzten brachte nun die Postangestellte Völkert in Begleitung eines jungen Mädchens die Post zur Bahn. Dort angekommen, machte sie die Entdeckung, daß ein Postbeutel mit 500 Mark Inhalt fehlte. Die sofort aufgenommenen Nachforschungen führten bald zur Wiederauffindung des unver-- schrten Postbeutels. Der Beutel wurde nun entleert, wieder versiegelt und an die Fundstelle gelegt it der Vermutung, daß der oder die Interessenten nicht lange auf sich warten lassen würden. Bald näherten sich zwei Frauenspersonen, von denen die eine den Zaun überstieg. Sie wollte den Geldbeutel ergreifen, als sie auch schon erfaßt und als die Postangestellte Berta Völkert erkannt wurde. Die andere Frau, die Mutter der Völker ergriff sofort die Flucht. Der Berta Völkert gelang es, auf dem Transport zu entkommen. Bis zur Stunde konnte sie noch nicht aufgefunden werden. Großfeuer in Ranschbach. Ranschbach (bei Landau), 6. Nov. Aus unbekannter Ursache brach am Sonntag abend gegen 7 Uhr im Anwesen des Landwirts Jakob Leonhardt ein Brand aus, der bei dem starken Westwinde rasch an Ausdehnung gewann und auch auf die Anwesen der benachbarten Landwirte Franz Lauth und Daniel Scherthan Übergriff. Zn kurzer Zeit waren drei Wohnhäuser und drei Scheunen eingeäfch.rt. Den herbeigecilten Feuerwehren aus Ranschbach und Landau gelang es, ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zu verhüten^ Der Sachschaden ist erheblich. Schwere Zuchthausstrafe für eiuen Berusseinbrecher. Kaiserslautern, 8. Nov. Das hiesige Schöffengericht verurteilte den 28 Jahre alten Fabrikarbeiter Julius Schmitt, ohne festen Wohnsitz, wegen einer ganzen Reihe von schweren Einbruchsöiebstählen zu 5 Jahren Zuchthaus. Außerdem wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt und Stellung unter Polizeiaufsicht angeordnet. Der Angeklagte ist ein gefährlicher und berufsmäßiger Einbrecher, der mit ganz raffinierter Art und Weise sogar am Hellen Tage Einbrüche verübte. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Berlin, 6. Nov. Zm Berliner Westen verlangte heute vormittag ein Autounglück zwei Todesopfer. Ein Privatauto stieß mit einer Autodroschke so heftig zusammen, daß der Mietswagen völlig zertrümmert wurde. Ein 30 jähriger Fahrer, der sich gerade zum Gottesdienst mit seiner Frau begab, wurde auf den Fahrdamm geschleudert und beide gelötet. Zu der Bluttat i« der Schwedter Straße i« Berlin. Der zweite Täter verhaftet. Berlin, 8. Nov. (Funkspruch) Gestern ist es den Abende blättern zufolge der Kriminalpolizei gelungen, den zweiten Täter aus dem Wirtshausstreit in der Schwedter Straße in Berlin, dem zwei unschuldige Pasianten zum Opfer gefallen waren, zu verhaften. In der Wohnung einer seiner Freundinnen entdeckt, gab der Verbrecher namens Scharfe an, daß er nur einen Schutz abgegeben hätte. Die anderen hätte der bereits verhaftete Komplize abgeseuert. Beide hatten insgesamt 30 Schutz abgegeben. Bei Scharfe wurden jedoch noch 15 scharfe Partonen vorgkfnnden Dan man auch falsche Schecks bei ihm fand, galubt man es mit einem alten Bekannten der Kriminalpolizei zu tun zu haben. Blitzschlag im November. Ein Bauernhof eingeäschert. Leck, 8. Nov. Bei einem vorgestern über Leck und Umgegend niedergegangenen schweren Gewitter schlug der Blitz in einen Bauernhof ein, öre bis auf die Grundmauern eingeäschert wurde. Große Getreide- und Futtervorräte sind vernichtet worden. Mehrere Stück Vieh kamen in den Flammen um. Wieder ei« Schiffsunglück an der polnische« Ostseeküste. Danzig. 8. Nov. In der Nähe von Heisternest auf Hela _ D« Landbote * Sinsheim« Zeitung. ist der schwedische Motorsegler „Thyra" gestrandet, nachdem er vier Tage vergeblich gegen den Sturm angekämpft hatte. Die Besatzung konnte mit großer Mühe gerettet werden. Das Schiff, das sich auf der Reise von Danzig nach Schweden befand, mutz als verloren gelten. Die Schiffsladung bestand aus Benzin in Tonnen. Soweit sie nicht von den Fluten bavongetragen ist, wird versucht, sie zu bergen. Zwei Fahrzeuge der Danziger Gesellschaft „Weichsel" sind zu diesem Zweck im Helaer Hafen bereit gestellt worben. Neuer Bandeuübersall a« der polnisch russische« Grenze. Berlin, 8. Nov. (Funkspruch.i Wie die Abendblätter aus Warschau melden, überfiel an der polnisch-russischen Grenze eine zwanzigköpsige russische Bande drei Gehöfte, ermordeten neun ihrer Bewohner und verletzten 17 andere durch Revolverschüsse und Messerstiche Erst nach einem lebhaften Feuergefecht gelang es einer polnischen Grenzwache, die Bande über die Grenze zurückzutreiben. Der Herzog von Ratibor vor Gericht. Ratibor, 8. Nov. (Funkspruch.) Vor dem großen Schöffengericht in Ratibor begann gestern die Verhandlung gegen den Herzog von Ratibor wegen fahrlässiger Tötung. Aufgeboten sind elf Zeugen und acht Sachverständige. Die Ankalge beschuldigt den Herzog, am 5. Februar ds. Js. durch Fahrlässigkeit den Tod seines Leibkutschers Hytrek verschuldet zu haben. Der Herzog hatte sich im Schlitten auf die Wildschweinjagd begeben. Während der Schlitten auf einem Nebenweg stehen blieb, begab sich der Herzog nach einer Stelle, wo Wildschweine gesichtet worden waren. Nachdem zweimal Wildschweine deutlich auf einem Waldweg gesehen wurden, schoß der Herzog, als ein dunkler Gegenstand zum dritten Male auftauchte. Gleich darauf hörte man Hilferufe und man fand den Kutscher, der Wagen und Pferde verlassen hatte und in den Waldweg gekommen war. Der Verletzte starb am Abend nach einer Veinamputation. Der Herzog und die an der Jagd beteiligten Forstbeamten gaben an, daß der Kutscher auf keinen Fall die Pferde verlaßen durfte. Am Nachmittag fand ein Lokaltermin statt. Heute vormittag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Sechs Bauernhöfe eingcäschert. Innsbruck, 8. Nov. Am Sonntag brach in der Gemeinde Kabbl im Paznauntale ein Brand ans, durch den der Weiler Eaa vollständig eingeäschert wurde. Dem Brande fielen sechs Bauernhöfe mit den Wirtschaftsgebäuden zum Opfer. Zwei Feuerwehrleute wurden beim Rettungswerk schwer, verletzt. , Verwegeuer Diebstahl im Wiener Baukverei«. Wie«, 8. Nov. (Funkspruch) Im Wiener Bankverein fiel gestern den im Hause im Sicherheitsdienst verwendeten Kriminalbeamten längere Zeit in der Schalterhalle der Bank ein junger Mann auf. Als der Diener einer anderen Bank an einem Schalter eine Summe von 20 000 Pengö in einhundert Pengöscheinen erlegen wollte, trat der junge Mann von rückwärts an das Schalterpult heran, ergriff einige Päckchen der auf dem Pult liegenden Banknoten und ergriff die Flucht. Die Kriminalbeamten konnten ihn jedoch schon im Vorraum des Gebäudes festnehmen, Der Verhaftete ist der 22 Jahre alte stellungslose Koch Walter Metzel aus Sachsen, der erst am Samstag gänzlich mittellos noch Wien gekommen war. 100 Pfund Geldstrafe für die vorgetäuschte Kaualdurch- querung. London, 8. Nov. (Funkspruch.) Fräulein Dr. Logan wurde gestern durch den Lordmajor von London zu einer Geldstrafe von einhundert Pfund und 10 Pfund Gerichtskosten verurteilt. Ihr Trainer wurde zu 50 Pfund Geldstrafe und 5 Pfund Gerichtskosten verurteilt. Lrl. Dr. Logan hatte Anfang Oktober angeblich den Kanal durchschwommen, obwohl sie den größten Teil der Strecke im Boot zurückgelegt hatte. Tragisches Schicksal eines Freiballonführers. Londo«, 7. Non. Kapitän Gray, der am Freitag in Scotts Fteld in Illinois mit einem Freiballon aufgestiegen war. um einen Höhenweltrekord aufzustellen, ist jetzt bei Sparta im Staat Tennesin tot ausaefnnden worden Die letzten Eintragungen in seinem Tagebuch lauten: „Vierzigtausend Fuß, aller Ballast abgeworfen" Man nimmt an, daß Kapitän Gray bei dem Versuch, die Sandsäcke abzuschneiden. den Zuführungsschlauch zu seinem Sauerstoffapparat mit durchschnitten bat. Schweres Unglück in einem chinesischen Lichtspielhaus. Schanghai, 6. Nov. Zm Stadtteil Tfchapei stürzte ein Saal in einem Lichtspieltheater ein. 135 Frauen und Kinder ver- Dienstag, den 8. November 1927. unglückten tödlich, 200 wurden schwer verlebt. Das Unglück ereignete sich während einer Versammlung chinesischer Textilarbeiterinnen, die anläßlich der Gründung einer neuen Arbeitergewerkschaft stattfand. Die Versammlung der Textilarbeiterinnen fand im dritten Stockwerk des Hauses statt. Znfolge des Durchbruchs dieses Stockwerkes wurde das zweite Stockwerk durchschlagen. Die Menschen wurden unter den Trümmern begraben. Chinesische Truppen halsen der Polizei, die Toten und Verwundeten zu bergen. Unter den Toten befindet sich auch als einziger Mann der Arbeiterführer Penfhin. Dar Sochwaffer In Amerika Reuyork, 8. Nov. Nach den letzten Meldungen aus dem amerikanischen Hochwaffergebiet scheint die Hauptgefahr vorüber zu sein. Bei Vermont ist die Flut im Fallen begriffen. Aebnliche Meldungen kommen vom Oberlauf des Connecticut Rivers. , 250 Tote im amerikanische« Ucberschwemmungsgebiet. London, 7. Nov. Nach Meldungen aus Neuyork sind im rmerikanischen Ueberschwemmungsgebiet 250 Menschen um- zekommen. Wie aus Montreal berichtet wird, sind die durch Hochwasser in Kanada angerichteten Schäden bedeutend größer, als die ersten Meldungen vermuten ließen. Der Präsident der amerikanischen Pacific-Eisenbahn, Beattn, ist ertrunken. Er befand sich in einem Eisenbahnzug, der durch eine Flutwelle zum Halten gebracht wurde. Die Zahl der Todesopfer in Kanada steht noch nicht fest. Spielplan der Stüdtischen Theaters Heidelberg. Dienstag, 8. November, abends 7i/a—11 Uhr (Vorstellung für den Bühnenvolksbuno): Carmen. Mittwoch, 9. November, abends 10 Uhr (Geschlossene Vorstellung für den Gewerbe- u. Hanowerkerverein): Mam'zelle Nitouche. Donnerstag, 10. November, abends 8—10y 2 Uhr (Abonnement C 6): Spiel im Schloß. Freitag, 11. November, abends 8—10(4 Uhr (Außer Abon- nem ent): Lady Hamilton. Samstag, 12. November, abends 8—10(4 Uhr (Abonnement A 6): Adieu Mimi. Sonntag, 13. November, abends 71 / 2 —H Uhr (Außer Abonnement) : Carmen. Marktberichte. Schweinemarkt Sinsheim, 8. Nov. Dem heutigen Schweinemarkt waren zugeführt: 33 Milchfchweine zum Preise oon 25—33 Mark pro Paar. Karlsruher Fleischgroßmarkt vom 7. November 1027. Der Fleischgroßmarkt in der neuen Fleischgroßmarkthalle des Städt. Schlachthofes war beschickt mit: 181 Rindervierteln (128 Viertel aus Frankreich), 33 Schweinen. 3 Kälbern und 3 Hammeln. Preise für 1 Pfund in Pfennigen: Kuhfleisch 40—60, Rindfleisch 90—94, Farrenfleisch 80-90, Schweinefleisch 80 bis 84, Kalbfleisch 110-120, Hammelfleisch 90-95. Markt lebhaft. Bruchsaler Schweiuemarkt vom 5. November. Angefahren wurden 232 Malchschweinc und 47 Läufer. Milchschweine kosteten 29—60 und 20—48 Mark. ,, Offizielle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 7. November 1927 Preise verstehen sich per 100 kg alles in Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer 26,00—27,00 Weizen, ausländisch. 28,25—31,50 Roggen,inländischer 25,50—26.00 Roggen, ausländ. 25,50—26,00 Braugeffte, inländ. 26,50—28,50 Hafer, inländischer 22,00—24,00 Hafer, a usländischer 24,50—25,50 Weizenmehl Sp. 0 38,00 Roggenmehl 70«/o 33,75—35,75 Tendenz: stetig. Mais (mit Sack) . Weizenkleie m. Sack Biertreber mit Sack Roh-Melasse . . Wiesenheu . . Luzernekleeheu. . Preßstroh . . Gebundenes Stroh Raps. 19.50 12,75 17,25-17,50 7,20-7,80 8.60- 9,20 4,40- 4,80 3,80-4,20 Wetterbericht. Karlsruhe, 7. Nov. Unter dem Einfluß der aus Nordwesten einbrechenden Polarluft hatte Baden gestern kühlere meist wolkiges und zeitweise böiges Wetter. Heute Morgen hat ein Ausläufer des über der Nordsee liegenden Wirbels einen schmalen Streifen Warmluft vom Mittelmeer entlang dem Westhang der Alpen zu uns herausgeführt. Es wird bei uns mit vorübergehender Erwärmung gerechnet „ ■Bunte Herren-Wäsche iMntato saT»; 2.801 3.901 4.501 7.501 7.50g 1?75 = _ Dessins, la. Bielefeld, 13.75, iHerren-Pyjaraas Sn# ante Formen ’ 14.50s =■" —“ ’ ’ = 14.50, rr; IZsfirhemd ^f e Ä eMuster . = gestreikt oder karriert, -afSlMimiUi» neue Dessins mit 1 Kragen . . . = TefirhomHllll mit 1 oder 2 Kragen. Umschlag- =i,enrnemuen Manschetten . ... 8 75, 8.25, = flharlt«n)riBR rohseidenfarbig oder einfarbig, = UflSrtremaen Klappmanschetten .... 9 . 75 , IHerrenfeemdea = eucste Zefir ^ der Makol,n ’ Ia. Frottierstoff, beste Paßform 1 E. Speiser, Sinsheim Wahl der Vertrauensmänner «. Ersatzmänner in der Angestelltenversicherung. Nachstehend bringe ich die zu den am Sonntag, den IS. November 1927, von lfl-12 Uhr vormittags stattfindenden Wahlen obigen Betreffs ringereichten Vorschlagslisten zur öffentlichen Kenntnis. I. Arbeitgeber: Bon den Arbeitgebern des Amtsbezirks Sinsheim ging nur eine Vorschlagsliste ein. Diese lautet: 1. Wengenroth Ernst, Fabrikant in Reihen 2. Dr. Treiber Georg, Anst'altsdirektor ln Sinsheim 3. Falk Karl, Direktor in Rappenau 4. Vielhauer Philipp, Bankdirektor in Eppingen 5. Becker Hermann, Buchdruckereibesitzer in Sinsheim 6. Baum Karl, Fabrikant in Sinsheim 7. Keller Andreas, Direktor in Eppingen 8 Speiser Adolf, Kaufmann in Sinsheim 9. Kirsch Wilhelm, Kaufmann in Eppingen. Gemäß § 16 der Wahlordnung gelten die Vorgeschlagenen in obiger Reihenfolge als gewählt. Eine Abstimmung für die Arbeitgeber findet hiernach am 13. ds. Mts. nicht statt. II. Don Seiten der versicherten Angestellte» gingen folgende Vorschlagslisten ein: Elfte A vom Gcwerkschaftsbund der Angestellten (G.d.A.) 1. Koch Philipp, kaufm. Angestellter, Waibstadt 2. Echifferer Otto, Ingenieur, Sinsheim 3. Schwenn Hedwig, Apothekerin, Sinsheim 4. Walter Gustav, kaufm. Angestellter, Sinsheim 5. Wolf Hermann, „ „ „ 6. Rosenberger Artur, „ „ „ 7. Wolf Otto, „ „ „ Liste 8 vom Gesamtverband Deutscher Angestellten Gewerkschaften: 1. Jung Wilhelm, Kaufmann, Sinsheim 2. Fuchs Guido, „ Rappenau 3. Pfister Fritz, „ Eppingen 4. Niederer Hermann, Buchhalter, Sinsheim 5. Nuß Fritz, „ Rappenau 6. Emmert Karl, Kaufmann, Sinsheim 7. Neunzig Martha, Oberschwester, Sinsheim 8. Grün Hermann, Werkmeister, Waibstadt 9. Goos Heinrich, Buchhalter, Michelfeld Liste C vom Deutschen Werkmeisterverband, Sitz Düsseldorf, Geschäftsstelle Mannheim: 1. Reith Karl, Werkmeister, Sinsheim 2. Hartmann Wilh., „ Michelfeld 3. Fontana Wilh., „ Eppingen 4. Junge Max, „ Sinsheim 5. Ziegler Jakob, „ Michelfeld 6. Zell Karl, „ Sinsheim 7. ZimmermannPhil., „ Michelfeld 8. Kraft Wilhelm, „ Sinsheim 9. Uhrig Emil, „ Hilsbach Die Listen A und B sind auf Antrag gemäß 8 14 der Wahlordnung miteinander verbunden. Bezüglich der gebildeten Sttmmbezirke verweise ich auf meine Bekanntmachungen vom 28. IX. und 17. X 1927 obigen Betreffs. Die Arbeitgeber werden ersucht, den wahlberechtigten Angestellten die Versicherungskarten als Ausweis für die Wahlberechtigung rechtzeitig aushändigen zu wollen. Sinsheim, 7. November 1927. Bezirksamt—Berficherungsamt. Der Wahlleiter: Strack. Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Barbara Ganzenmüller gsb. Huber heute früh nach kurzem, schwerem Leiden, im Alter von 74 Jahren, in die ewige Heimat abzurufen. Sinsheim, den 8. November 1927. Oie trauernden Hinterbliebenen., Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 10. Nov., nachmittags um 3 Uhr statt. 4 k!.Opel 4 - 6 iSer dunkelblau noch mit Fabrikgarantie, Haftpflicht — u. Kaskoversicherung u. Steuer bis April 1928 außerordentlich preiswert bei entgegenkommenden Zahlungsbedingungen abzugeben, durch Orth & Hecke Opel - Vertretung Ludwigshafen a. Rhein, Humboldstr. 35 Tel. 61701 und 66344. 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