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England könne sch nicht mit dem Aufhören der russischen Propaganda in England begnügen, die England überhaupt für durchaus ungefährlich erachtet und auch nicht mit dem Abschluß von Nichtangriffspakten im europäischen Osten. Der wichtigste Punkt für England sei das garantierte Aufhören der antibritifchrn Sowjetpropaganda in Asten, und zwar im besonderen nicht nur ln China sondern auch in Afghanistan und Nordwcstindien. Es fei auch nicht möglich, daß sich die Sowjetregierung ständig h'ntrr di« dritte Internationale verstecke und behaupte, sie könne auf diese keinen Einfluß ausüben. Die englische Regierung habe genügend Dokumente in der Hand, u. a>. Schecks, die von der Sowjetregierung zur Deckung der Propagandamaßnahmen der dritten Internationale, in Asien ausgestellt und unterzeichnet seien. Diese Propaganda fei nach allgemeiner internationaler Auffassung ein feindseliger Akt, der vor dem Weltkrieg zweifellos mit einer Kriegserklärung beantwortet worden wäre. Die Mäßigung der englischen Regierung verbiete einen solchen Schrill, dach sei für sie keine Möglichkeit gegeben, Beziehungen zu Rußland wieder aufzunehmea, sso lange dieses feine Feindseligkeiten nicht einfttlle. Wenn sich Moskau entschließen könne, nunmehr diese Feindseligkeiten einzustellen, dann stände die Tür für Verhandlungen in London oder sonstwo offen." Chamberlain hätte dann noch angedeutet, daß im Falle einer solchen Einigung die englische Regierung den geplanten Guaranty-Trust-Kredit der Midlandbank für Rußland über 15 Millionen Pfund nicht beanstanden würde. Es ist klar, daß Litwinow diese Mitteilungen nur zur Kenntnis nehmen konnte und darüber in Moskau berichten muß. Er reist morgen Dienstag vormittag über Berlin nach Moskau zurück. Die nächste Entscheidung für die Lösung der russischen Frage muh aljo in Moskau fallen. Von englischer Seite aus ist der Verlauf der Unterredung als rin englisch s Entgegenkommen zu werten. Ucb- rigens erfahr« ich, daß die heutige Unterredung auf Anregung zweier englischer Journalistin zustande gekommen ist. Sie waren gestern bei Litwinow, der ihnen einen nicht zur Veröffentlichung sondern „nur zur Information" bestimmten Umriß einer englisch-russischen Verständigung, wie Moskau sie sich denkt, gab. Diese Information erreichte Chamberlain, der sich dann heute vormittag zu einer Unterredung mit Litwinow bereit erklä te. Verhandlung§beginn ln Genf. Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Der Völkerbunösrat trat gestern vormittag 11 Uhr wie üblich zu einer geheimen Sitzung zusammen, in der die Tagesordnung festgesetzt wurde und eine Reihe administrativer und personeller Fragen des Sekretariats zur Erledigung gelangten. Auf der vom Sekretariat veröffentlichten Tagesordnung für die anschließende öffentliche Ratssitzung steht die russisch-armenische Flüchtlingsfürsorge, der Opiumhandel, der Bericht des Komitees für Frauen- und Kinderhände!, der Bericht des Hygienekomitees, der Bericht der Konferenz über die Beseitigung der Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, der Bericht über die Kodifikatton des internationalen Rechts, ein Bericht über die zwischen dem Völkerbund und de« unter seinen Auspizien stehenden internationalen Instituten getroffenen Abmachungen und schließlich der Bericht -es Ratskomitees über die beschleunigte Durchführung der Bestimmungen des Völkerbundpaktes. Die Ministerbesprechungen Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Die Verhandlungen am Sonntagabend haben bis spät in die Nacht angeöauert. Es fand eine längere Unterredung zwischen Zaleski und dem italienischen Senator Scialoja statt. Ferner suchte der gestern abend hier eingetroffene litauische Ministerpräsident Wolde- maras Litwinow im Hotel auf. Woldemaras wirb noch im Sauf« des heutigen Vormittags von Briand empfangen werden. Von polnischer Seite wird erklärt, daß in der Unterredung zwischen Zaleski und Briand dieser ausdrücklich betont habe, Polen verfolge keine anderen Ziele als den gegenwärtigen latenten Kriegszustand zwischen den beiden Länder« zu beendigen und die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen wieder aufzunehmen. Die Aufrechterhaltung des Friedens in Osteuropa liege im Interesse sämtlicher Mächte. Wie von polnischer Sette weiter mttge- teilt wirb, dürfte Pilsudski voraussichtlich am Donnerstag hier eintreffen. Die Entscheidung darüber wird wohl von den Verhandlungen dieser Tage abhängen, über die Za- leskt fortlaufend nach Warschau berichtet. Wie weiter bekannt wird, ist zwischen Briand und Litwinow in der gestrigen Unterredung der Gedanke von Stcherhettsverträgen zwischen der Sowjetregierung und den einzelnen westlichen Nachbarstaaten eingehend erörtert worden. Ss sollen in der Unterhaltung besonders die Schwierigkeiten erörtert worden sein, die den Abschluß eines Nichtangriffspaktes zwischen Rußland und. Rumänien gegenübersstehe«. Bon französischer Seite ist in der Unterredung ausdrücklich festgestellt worden, daß Frankreich die Einleitung einer derartigen Politik begrüßen und unterstützen würde. Hierbei mutz darauf hingewiesen werden, daß zweifellos der Abschluß von Nichtangriffsverträgen zwischyi Rußland und seinen westlichen Nachbarn in der Linie der französischen europäischen Politik liegt, den gegenwärtigen durch den Versailler Vertrag geschaffenen Zustand als ein System von gegenseitigen Garantie-Paktverträgen auszubauen und hierdurch endgültig de» gegenwärtigen europäischen Status zu stabilisieren. In der gleichen Richtung laufen die von der französischen Regierung dem Sicherheitsausschuß planmäßig geführten Verhandlungen. Die Schaffung des Sicherheits- ausschuffes durch den Völkerbund bedeutet zunächst einen sehr wesentlichen Schritt zur Vorbereitung der notwendigen Atmosphäre, um dann im weiteren Verlauf ein allgemeines System von Garantiepaktverträgen durchführen zu können. Vorsthiage der Großmächte zur Regelung des polnisch-litauischen Konflikts Genf, 6. Dez. sFunkspruch.j Die Verhandlungen zur Regelung des polnisch-litauischen Konfliktes sind gestern von allen Seiten mit großem Nachdruck fortgesetzt worden. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor. Tr. Strese- mann empfängt im Laufe des heutigen Nachmittags zuerst den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras und anschließend den volnischen Außenminister Zaleski. Woldemaras hatte heute vormittag eine längere Unterhaltung mit Briand. Es scheint, daß zwischen der englischen, französischen und deutschen Delegation in großen Zügen eine Einigung erzielt werden wirb, nach der die litauische Regierung veranlaßt werden soll, eine Erklärung über die Beendigung des Kriegszustandes und die Wiederaufnahme der diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Polen abzugeben. Mit dieser Regelung hat sich auch die sowjetrussische Delegation grundsätzlich einverstanden erklärt. Man nimmt jedoch an, daß eine derartige Erklärung der litauischen Regierung ausdrücklich Vorbehalte bezüglich Wilnas enthalten würde. Jedoch dauern die Verhandlungen über eine derartige Regelung noch an. Allgemein wird damit gerechnet, daß der polnisch-litauische Streitfall ebenso wie die beiden Tanziger Fragen nicht vor Mittwoch zur Sprache gelangen werden, da man zuerst noch hinter den Kulissen weiter verhandeln will. Von polnischer Seite ist bisher nur darauf hingewiesen worden, daß die öffentliche Meinung Polens eine Nenansrollung der Wilnafrage nicht dulden werbe. Polen würde sich in einem solchen Fall völlige Freiheit für seine Handlungen Vorbehalten müssen. Vom deutschen Standpunkt muß darauf hingewiesen werden, daß Deutschland eine friedliche Regelung des litauischpolnischen Konfliktes begrüßen würde. In dieser Richtung dürften sich auch die Bestrebungen der deutschen Delegation bewegen. Von sowjetrussischer Seite ist bereits auf den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras ein Druck ausgeübt worden, eine Erklärung über die Aufhebung des Kriegszustandes und die Wiederaufnahme normaler Beziehungen mit Polen abzugeben. Es ist noch nicht zu übersehen, wie sich die Verhandlungen weiter gestalten werden Ob die angestrebten Löstmgsversnche Erfolg haben werden, dürfte allerdings in der Hauptsache von der Haltung der polnischen Delegation abhängen. Gamberlain empfängt Litwinow Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Wie soeben offiziell von der englischen Delegation mitgeteilt wird, hat gestern früh der stellvertretende russische Außenkommiffar Litwinow der englischen Delegation die Bitte übermittelt, nachmittags von Chamberlain empfangen zu werden. Chamberlain hat sich daraufhin bereit erklärt, Litwinow zu empfangen. Wie hierzu von unterrichteter Seite verlautet, hat die englische Delegation im Laufe des gestrigen frühen Morgens neue Instruktionen erhalten, nach denen eine Zusammenkunft zwischen Litwinow und Chamberlain in London als zweck mäßig erachtet werde. Die russische Delegation ist mit Ausnahme von Litwinon gestern vormittag 11 Uhr nach Berlin abgereist. KranzöMe Vermittlung Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Zn der gestern nachmittag 2K Uhr vorgesehenen Besprechung zwischen Chamberlain und Litwinow verlautet aus englischer Quelle: Bereits im Laufe des vorgestrigen Abends war von französischer Seite mehrfach der russischen Delegation empfohlen worden, bei der englischen Delegation offiziell um eine Zusammenkunft zwischen Chamberlain und Litwinow nachzusuchen. Noch im Lause der späten Abendstunden hatte Paul Boncour eine Unterredung mit der sowjetrussischen Delegation darüber geführt, ohne daß jedoch von sowjetrussischer Seite ein offizieller Schritt bei der englischen Delegation unternommen wurde, da man auf sowjetrussischer Seite bisher stets mit einer Ablehnung seitens Chamberlains rechnete. Gestern vormittag ist nun Litwinow von Briand erneut empfohlen worden, eine genau formulierte Bitte an Chamberlain zur Herbeiführung ^eiuer Unterredung zu übermitteln. Dieser offizielle Schritt der sowjetrussischen Delegation erfolgte gegen zehn Uhr. Seit vorgestern abend sollen eingehende Verhandlungen zwischen der englischen und französischen Delegation stattgefunden haben, die nach neuen Fühlungnahmen mit dem Londoner Kabinett zu der Annahme des russischen Wunsches durch Chamberlain geführt haben. Das Zusammentreffen zwischen Chamberlain und Litwinow ist somit wesentlich auf die Mitwirkung der französischen Delegation zurückzuführen. Die Veiprechuna ergebnislos verlausen Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Ueber die gestrige Unterredung zwischen Chamberlain und Litwinow, die von K8 bis K4 Uhr dauerte, wird von der englischen Delegation ein Kommuniquee veröffentlicht, das, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, auf Grund gegenseitiger Vereinbarungen festgesetzt worden ist und folgenden Wortlaut hat: „Da Litwinow bei Sir Austen Chamberlain eine Unterredung erbeten hatte, fand heute nachmittag im Hotel „Bean Rivage" eine Zusammenkunft statt. Die Zusammenkunft gab Gelegenheit zu einem freimütigen Gedankenaustausch über die Beziehungen zwischen der Regierung der Sowjetrepubliken und der britischen Regierung. Es war jedoch nicht möglich, in der Unterredung irgend eine Basis für eine Verständigung (Agreement) zu finden." * Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Das Kommuniquee über die Unterredung zwischen Litwinow und Chamberlain hat allgemein großes Aufsehen erregt. Es wird vielfach dahin interpretiert, daß die englische Regierung vorläufig noch keine Aenderung in ihrer Haltung gegenüber der Moskauer Regierung für möglich ansteht. Ueber den Inhalt der Unterredung werden von gut informierter Seite folgende Mitteilungen gemacht: Chamberlain soll in der Unterredung Litwinow den bekannten Standpunkt der englischen Regierung in großen Zügen dargelegt haben. Die englische Regierung sei nach wie vor bereit, in neue Verhandlungen mit der Moskauer Regierung etnzutreten, jedoch müsse die englische Regierung als Grundvoraussetzung einSr Neuregelung der Beziehungen die Forderung auf völlige Einstellung der kommunistischen Propaganda im gesamten Osten, insbesondere in China und Nordwestindten, stellen. Die englische Regierung habe eindeutige Beweise in der Hand, daß die propagandistische Tä- ttgkeit der Dritten Internationale in voller Uebereinstim- mung mit der Moskauer Regierung erfolge. Solange die kommunistisch' Propaganda nicht vollständig eingestellt werde, sei eine Neuregelung der englisch-russischen Beziehungen nicht denkbar. Angarn und Rumänien sollen direkt verhandle« Genf, 6. Dez. lFunkspruch.) Zum ungarisch-rumänischen Streitfall werden aus der Geheimsitzung des Völkerbunds- rates folgende Einzelheiten bekannt: Berichterstatter Chamberlain teilte mit, daß der rumänische Außenminister Titulescu mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand kaum vor Ende der Woche in Gens sein könne und deshalb eine Vertagung der Diskussion über den rumänisch-ungarischen Streitfall beantrage. Chamberlain hat hierauf dem rumänischen Außenminister antworten lassen, daß er angesichts des Regierungswechsels und des Gesundheitszustandes Titulescns eine Vertagung auf die Märzsession des Rates vorschlagen werde, um direkte Einigungsverhandlungen zwischen den beiden Regierungen zu ermöglichen, ohne jedoch den Rechtsstandpunkt präjudi- zieren zu wollen. Der ungarische Vertreter Graf Apponyi teilte sodann die Bereitwilligkeit der ungarischen Regierung mit, der neuen Lage in Rumänien Rechnung zu tragen und einer Vertagung zuzustimmen. Der Rat billigte sodann das Telegramm Camberlains an Titulescu, in dem die Vertagung des Streitfalles auf die Märztagnng de» Rateö ausgesprochen wird. Zu der in der gestrigen Ge- Heimsitzung erfolgten Ernennung des bisherigen Leiters ; der Minderheitenabtetlung des Völkerbundssekreiariats, Colban, zum Leiter der Abrüstniigslektion wird noch mitgeteilt, daß die Verhandlungen zur Ernennung des neuen Leiters der Minderheitensektion sofort eingeleitet werden. Für diesen Posten wird nur eine Persönlichkeit in Frag« kommen, die aus einem völlig neutralen Land stammt. j Die deutsche Großeifeuindrrftrie. Stillegungsanzeige für den 1. Januar 1928. Berlin, 4. Dez. Der Verein Deutscher Eisen- und Stahl- industrieller teilt mit: Nachdem di« Gewerkschaften auf ihren außerordentlich hohen Forderungen nach Durchführung des schematischen Achtstundentages, strikter Durchführung der Verordnung vom 16. Juli 1927 bei vollem Lohnausgleich sowie außerdem einer allgemeinen sehr weitgehenden Lohnerhöhung verharrt, und die bisher geführtc» Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt haben, haben sich di« Werke der westlichen Großeisenindustrir gezwungen gesehen, bei den zuständigen Behörden eine Drtricbsstilleguugs zmn 1. Januar 1928 emzureichen. Diese Anzeige soll es den Werken ermöglichen, ihre Betriebe unter Vermeidung eines Arbeits- Kampfes zum l. Januar 1928 aus wittschaftlichen Gründen zu schließen. Im Hinblick aus die mit Sicherheit zu erwartenden Rückwirkungen auf die anderen Bezirke haben sich die übrigen Hüttenwerke Deutschlands diesem Vorgehen angeschlossen. Im Namen der Werke der Deutschen Großeisenindustri« hat Ernst Poensgen dem Reichsarbeitsminister dies mit nachstehendem Schreiben vom 2. Dezember 1927 bekanntgegeden: „Sehr verehtter Herr Minister! Ich halte es für meine Pflichh Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die Werke, die Ihnen gemeinsam die Eingabe vom 26. Oktober 1927 überreicht haben, sich genötigt sehen, einen Schritt zu tun, der hoffentlich nur vorbeugend zu sein braucht und den Sie gern vermieden hätten. Die Gewerkschaften bestehen nicht nur auf der strikten Dnrch- führung der Verordnung vom 16. Juli bei vollem Lohnausgleich sowie einer ganz ungewöhnlich hohen allgemeinen Lohnerhöhung sie verlangen vielmehr überdies noch vom l. Januar 1928 die Einführung des schematischen Achtstundentages für die gesamte eisenschaffende und eisenverarbeitende Industrie. Auf Grund Nr. 246. Jahrgang 1927. dieser Sachlage sehen sich oie Werke gezwungen, den zuständigen Regierungsstellen zum 3. Dezember, die gemäß der SMlegungs- oerordnung erforderliche Anzeige zugehen zu lassen, um in der Lage zu sein, ihre Betriebe am I. Januar 1928 still zu legen. Dieser Entschluß ist ein Akt der wirtschaftlichen Notwehr, den wir in vollem Bewußtsein der großen auf uns ruhenden Verantwortung und in der Hoffnung unternehmen, du-ch ihn einen Arbeitskampf mit seiner schweren Schädigung für Staat und Wirtschaft zu vermeiden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr seh: ergebener gez. Ernst Poensgen". Den Führern der drei Gewerkschaftsrichtungen in Rheinland- Westfalen ist Abschrift dieses Schreibens an den Reichsarbeitsminister mit folgenden Anschreiben übersandt worden: „Nachdem zu unserem Bedauern auch die heutige Verhandlung keinerlei Klärung über die gemeinsame Stellungnahme der drei Gcwerk- - schäften und keinerlei Verminderung ihrer Forderungen gebracht hat und nachdem gemäß den Ihnen von uns vorgelegten Berechnungen auch in dem günstigsten Falle sich Belastungen für unsere Werke ergeben, die uns vor wirtschaftliche Unmölichkeiten stellen, haben wir uns zu einem "Schritt entschlossen, über den Sie näheres aus dem in Abschrift deigesügten Schreiben an den Herrn Reichsarbeitsminister vom heutigen Abend ersehen wollen." Antwort der Gewerkschaften an die Eisenindustrie Berlin, 6. Dez (Funkipruch.) Die Drohung der Eisenindustrie, am 1. Januar 1928 ihre Werke stillzulegen, bildet das Tagesgespräch im Reichslag. Die führenden Gewerkschaftler befinden sich zwar, wie die Abendblätter berichten, im Ruhrrevier, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Es ist jedoch bekannt, daß heute eine Antwort der Gewerkschaften auf den Brief der Eisenindustrie zu erwarten ist. Die Gewerkschaften sollen die Absicht haben, für alle Werke, die am 1. Januar 1928 den Betrieb stillegen, die Nationalisierung zu beantragen. Die Werke stoppen die Erzlieferungen Berlin, 6. Dez. lFunkspruch.) Zu den in der Presse verbreiteten Meldungen, daß der Reichsarbeitsminister noch in dieser Woche Schlichtnngsverhandlungen in dem Eisenkonflikt einletten wolle, erfährt die Telegraphen-Union an zuständiger Stelle, baß vom Reichsarbeitsministerium bisher noch keine Schritte in dieser Richtung unternommen worden sind. Es ist jedoch anzunehmen, daß das Reichsarbeitsministerium in Kürze mit den Ausgleichsverhanblungen beginnen wird. Wie der Deutsche Handels-Dienst erfährt, haben größere Hüttenkonzerne die ausländischen Erzlieferanten auf Grund der Vertragsbestimmungen soeben ersucht, Erzverfchiffun- gen im laufenden Dezember, soweit noch jetzt möglich ist, tunlichst einzuschränken und am 1. Januar 1928 ganz einzustellen. Eine gemischte Kommission Effe«, 6. Dez. Zur Klärung der von Arbeitgeberseite in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften vorgelegten statistischen Unterlagen über die Auswirkungen der neuen Arbettszeitbedingungen auf die Selbstkostenlage der Eisenindustrie finden Besichtigungen und Verhandlungen einer aus Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertretern bestehenden gemischten Kommission auf der August-Thyffen-Hütte und auf der Gutehoffnungshütte statt. Auch die Eisenverarbeiter melden die Stillegung an Köln, 6. Dez. Trotz der Zusicherung der Groheisenindu- strie, daß eine Störung in der Eisenversorgung der Verarbeiter nicht eintreten werde, besteht die Absicht der Stilllegung auch über den Kreis der Eisenerzeuger hinaus. Eine Reihe von weiterverarbeitenben Jndustrieunterneh- mungen des rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks haben aus freien Stücken die Stillegungsanzeige bet der Regierung zum 1. Januar 1928 eingereicht. Die Besoldungsvorlage. Berk», 5. Dez. Nachdem die Beratungen des Haushaltsausschusses des Reichstags in der Besoldungsfrage schon erfreulich weit gediehen waren und bisher eigentlich nur noch die Frag« der Pensionen eine gewisse Schwierigkeit machte, so daß man allg.mein damit rechne.e, die Besoldungsvorlagc etwa am 12. d. Mts. im Ausschuß abschließen und dann auch rasch im Plenum erledigen zu können, machen sich seit einigen Tagen neue Schwie- ROMAN* von FRED NELIUS Jürgen Güldenwerth-hatte das Oktoberfest im Mutterhaus verlebt. Tage voller Heimotfrieden . . Frühlingsblühen ... Festtagsstimmung , . . abendliches Gläserklingen . .. lustigkeckes Wortgeplänkel. Heil dir, o Philosoph! Oft in diesen Tagen, wenn Jürgen vor sich hinsann . . . Gestalten . . . Schatten vor ihm auferstanden . . . Sehnsuchtswünsche in die Weite irrten, zuckte scharf wie eine blanke Degenklinge ein gewagtes Paradoxon Steinkirchs vor ihm auf. Der Philosoph war darin groß. Irgend etwas mußte ran. Tat es etwa die Behauptung nicht: Liesels (ja Liesels) Kleid — grünes Tuch — sei dunkelblau ... es würde regnen, obwohl die Sonne klar am Himmel stand . . Der Lindenbaum vor Muttchens Fenster wäre eine Roßkastanie oder anderer Unsinn mehr — mußte der erste beste, spatlahme Droschkenkutscher als Ködermittel her. „Steingallen, Zielen." Jürgen sah den Philosophen staunend an. „Spat natürlich." „Krappenmäler, Bester. Wetten, llebrigens, du, die alte Dame stammt aus Graditz. Sieh mal den Gestütsbrand auf der linken Backe." „Aus Trakehnen selbstverständlich. Elchgeweih." „Richtig. Entsinnst du dich übrigens noch der Radautzer Stute, die ich bei der letzten Uebung vor dem Kriege ritt?" Wahre Wunderdinge hatten sich mit dieser Stute zugetragen. Dinge, die glattweg unmöglich waren. Und wenn Jürgen erst in Eifer kam. blinzelte der Philosoph den beiden Frauen lustig zu. Er wechselte gewandt das Thema. Nun gab es etwa fröhliche Studentenschnurren. Da war der Philosoph noch einmal Fuchsmajor des Korps Bremensta in Göttingen. Er tanzte in Mariaspring . . . flanierte ruf der Weender . . . schlug Mensuren in der Landwehrschenke . . . kneipre auf der Gülle oder in der Göttinger Studentenkneipe „Alter Fink". Liesel bekam dabei ganz große, blanke Augen. Muttchen, die in ihrer Feldherrnvole — mit Der Laadbote * Sinsheim» Zeiwug. rigkeiten bei der Behandlung dieses Stoffes geltend, die vom Zentrum ausgehen. Hier scheint der linke Flügel sein altes Bestreben wieder aufnehmen zu wollen, die Zustimmung der gesamten Partei von der Erfüllung gewisser Bedingungen abhängig zu machen, so z. B. von einer Herabmindderung des Gesamtausmaßes der Erhöhung auf 75 Prozent der Regierungsvorlage, von einer Verbindung der Besoldungsreform mit einer Verwaltungsreform und von einer Begrenzung der höchsten Pensionen. Dieser letzte Antrag war bekanntlich schon vor einigen Tagen vom Zcntrumsvertreter im Ausschuß angemeldet worden. SchlsMlich wünschte das Zentrum noch, daß die 'sogenannte Lex Brüning, die eine weitere Lohnsteuersenkung zur Folge haben würde, baldigst zur Anwendung gelangt. Die interfraktionellen Bestrebungen der letzten Tage in dieser Frage zu einer Einigung zu kommen, sind bisher nicht von Erfolg begleitet gewesen. Infolgedessen war am Samstag eine gemeinsame Besprechung der Reichsminister mit dem preußischen Staatsministerium, um in der Besoldungsfrage zu einer Einigung zu gelangen und dadurch weitere Verzögerungen möglichst zu vermeiden. Berlin, 8. Dez. (Funkssruch.) Wie die Telunio» erfährt, ist eine Einigung über die Frage, in welcher Form die Be- solöungsreform durchgeführt werden soll, entgegen anders lautenden Nachrichten bis zur Stunde noch nicht erfolgt. Die Zentrumsfraktion hat zwar gestern im Reichstag sich eingehend mit dieser Frage beschäftigt, ist aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen. Heute findet ein« Sitzung des Fraktionsvorstandes des Zentrums unter Teilnahme der dem Zentrum angehörigen Retchsminister statt und hierauf eine neue Sitzung der Retchstagsfraktion des Zentrums, in der voraussichtlich ein Beschluß zur Besoldungsfrage gefaßt werben wird. Für diesen Fall wird eine Sitzung des Reichskabinetts bzw. interfraktionelle Besprechungen wahrscheinlich. Die Meldung, baß das Zentrum bereits den Beschluß gefaßt habe, daß die in der Besoldungsreform vorgesehene Erhöhung der Gehälter hundert Prozent betragen soll, eilt somit den Tatsachen voraus. Ans dem Erlaß Weitere Haussuchnngen im Elsaß. Straßburg 6. Dez. Am Sonntag ist im Wohnsitz des Barons Zorn von Bulach eine Haussuchung vvrgenommen worden, bei'der aber nichts Belastendes gefunden wurde. Im Büro des Mühlhansener Korrespondenten der in deutscher Sprache erscheinenden „Humanitß" wurde eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen, die mit antimilitaristischen Aufsätzen des Blattes im Zusammenhang stehen soll. Die Polizei, die gewaltsam in die Räume eindrang, beschlagnahmte zahlreiche Dokumente. Deutscher Reichstag Interpellationen über die wirtschaftliche Rotlage in de« Grenzgebiete«. Dr. C«rti»s über Rotmatznahme« im Aachener Gebiet. — Dr. Koch über die dentsche« Wafferstraßenprojekte. Berlin, V. Dezember. Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 16 Uhr und gedenkt des Ablebens des Abgeordneten Silberschmidt sSo- zialdem.), der am Samstag einem Schlagansall erlegen ist. Der Gesetzentwurf - über die dentsch-portngiefische Erklärung betreffend wechselseitige Anwendung des Haager Abkommens über de« Zivilprozeß wird in allen drei Lesungen angenommen. Abg. Rädel (Komm.) beantragt -sofortige Beratung eines kommunistischen Antrags, der sich gegen die in Aussicht gestellten Stillegungen in der Eisenindustrie wendet. Die Abgeordneten Müller-Franke« (Sozialdem.) und von Gnerard (Zentr.) halten es gleichfalls für notwendig, daß der Reichstag zu dieser Frage Stellung nehme. Zunächst müßten sich aber die Fraktionen darüber aussprechen. Reichsarbeitsminister Dr. Bran« tritt der Behauptung entgegen, daß ftch das Ministerium zu dem Antrag der Industrie auf Hinausschiebung der Durchführung der Verordnung über das Dreischichtenspstem nicht geäußert habe und stellt fest, daß eingehende Verhandlungen darüber stattgefunden hätten mit dem Ergebnis, daß die Industrie aufge- sordert wurde, ihre Vorbereitungen zur Durchführung des Gesetzes zu treffen. Der Antrag Rädel wird abgelehnt. Es folgt die Beratung der Zentrumsinterpellation über die Notlage des Aachener Wirtschaftsgebiets in Verbindung mit den Interpellationen der Regierungsparteien über die Notlage in k»-r Pfalr und im Rheinland und über :« Nerkeürsverhältnifse im Osten Abg. Sinn-Aachen (Zentr.) begründet die Interpellation über die, Notlage im Aachener Gebiet. Die Verhältnisse gekreuzten Armen — dasatz, lachte Tränen. Und Jürgen lachte mit. Ja — das hatte Muttchen gutgemacht. Sie, die doch die feinste Seelenregung ihres Jungen kannte, wußte es zuvor, daß das Grausen, das er im Hohenastenbergschen Hause erlebte, die schwarzen, peinöurchwühlten Wochen dann, schwere Schatten auf das Fühlen ihres Jürgen werfen mußten . . . daß sich die Erinnerung daran nicht einfach abfchüttsln ließe wie ein nasses Bad. Da mutzten starke, lebensfrohe, durch und durch gesunde Seelentröster her. Sie lud also Steinkirch über Ostern ein. Und der Philosoph mit seiner unbeirrten Spöttermiene und dem großen warmen Freudensherzen sagte zu. Muttchen hatte für den Gast — da Jürgen das einzige Fremdenzimmer ihrer Wohnung selbst oewohnte, in einem großen Pensionat Quartier gemacht. Steinkirch sagte: er wohne wie ein Fürst. Aber das sei gar nichts. Denn bei Muttchens Verpflegung würde man ein Sybarit. Am Vormittag zog dann stets wundervoller Brarenduft durch Muttchens Wohnung. Man ahnte märchenhafte Sahnensaucen. Hatte die Witterung von seltenen Gemüsen. Man hörte — dies vornehmlich abends — häufig Pfropfenknallen. Und dann gab es in diesen Tagen oft ein frohes Festgeläute — das war, wenn die feinen Gläser aneinanderklangen. Muttchen hatte ihren Weinvorrat ergänzt. Man konnte sich das leisten. Dame Fortuna hatte unlängst durch die Tür geschaut . . . einen großen prallen Sack mit vollwertigen goldenen Münzen abgegeben und war davongehuscht. Das war gerade damals, als die Unglücksstunde Deutschlands schlug und der Dollar, der Valutprotz, ausgerechnet 49000 Reichsmark galt. Muttchen spekulierte nicht, sie wußte ooi. Devisen und Effekten nichts. Sie wechselte die Dollarerbschaft ihrer Kinder einfach in deutsche Reichsmark ein und deponierte das Vermögen auf der Bank. Es war viel, viel Geld. Allerdings PapiermarkI Und die Steuern — die Erbschaftssteuer obenan — nahmen einen großen Teil. Immerhin — auch wenn man alles abzog — blieb eine Menge. Als man im Familienkreise über diese Dinge sprach, fragte Muttchen: .^Jungchen, was willst du mit dem vielen Geld tun?" „Arbeiten natürlich." * Dienstag, den 6. Dezember 1927. uarren nm oort oauernb verschlechtert. ;)n den letzten Jahren feien in diesem Wirtschaftsbezirk 57 Industriebetriebe und zwei Berawerke stillgelegt worden, weitere Stillegungen ständen bevor. Ter Aachener Wirtschaftsbe- zirk habe die stärkste Erwerbslosiakeit aufzuweisen. Der Aachener Bergbau leide ganz besonders unter der Konkurrenz des Ruhrbergbaues. Der Redner hält es für wün- ' entwert, daß sich Reichswirtschafts- und Reichsarbeitsminister persönlich von der Grenznot des Aachener Bezirks überzeugen. Es sei Eile geboten, wenn nicht ein Gebiet ältester deutscher Kultur wirtschaftlich zugrunde gerichtet werden solle. Man verlange von der Regierung keine Bevorzugung, sondern nur die paritätische Behandlung, die de« Jnnenland zuteil werde. Reichswirtschaftsminister Dr. Enrtins erklärt in Beantwortung der sozialdemokratischen Interpellation, die Reichs- regierung verfolge mit Aufmerksamkeit und Sorge die wachsende Notlage im Aachener Gebiet. Sie prüfe im Einvernehmen mit der preußischen Staatsregierung, welche' Maßnahmen getroffen werden könnten. Die besondere Notlage der Wirtschaft im Aachener Gebiet sei darauf zurückzuführen, baß die Eisenwerke dieses Gebiets ihrer Rohstosf- basts beraubt wnrde«. Weitere Schädigungen seien eingetreten durch die Besatzung und durch die Inflation in Frankreich und Belgien. Unter den Hilfsmaßnahmen, die erwogen werden, stehen an erster Stelle verkehrspolitisch« und tarifarifche Erleichterungen. Die Regierung ist mit der Reichsbahngesellschaft in Verhandlungen getreten. Sie hat auch im Sinne der Denkschrift die Frage geprüft, ob und inwieweit ein weiterer Ausbau der Wasserstraßen und Eisenbahnen vorgenommen werden kann und in welcher Weise besonders auch den Notgebieten auf verkehrSpoliti- schem Gebiet geholfen werden kann. Die Regierung wird von der Reichsbahn bestimmte Zusicherungen über die künftige Tarifgestaltung im Sinne der allgemeinen Vermin- derungen der Frachten im Aachener Gebiet zu erreiche« suchen. Der ,Minister schließt mit der Versicherung, daß die Regierung die Lösung dieser Frage« nach Möglichkeit beschleunigen werde. Abg. Ehrhardt (Zentr.) begründet die Interpellation über die Berkehrslage im Oste«. Schon vor 28 Jahre« habe die preußische Regierung versprochen, entweder di« Oder-Wasserstraß« auszubauen oder die Eisenbahntarife für Oberschlesten zu verbessern Heute seien für die Weiterführung des Mittellandkanals große Mittel bereitgestellt, aber die notwendigen Mittel für den Ausbau der Oder- Wasserstraße, des Klodnitz-Kanals und eines billigen Transportweges des Reichenbach—Neurode—Waldenburger Industrie- und Kohlenreviers fehlten. Dadurch müßte» große Wirtschaftszweige Ober- und Niederschlefiens unfähig werden und zum Erliegen kommen. Reichsverkehrsminister Dr. Koch erklärt, daß die Sorgen der schlesischen Wirtschaftskreise wegen der Beeinflussung der Absatz- und Wettbewerbslage Schlesiens durch den Ba« des Mittellandkanals bei der Reichsregierung volles Verständnis finden. Neben Regulierungsarbeiten an der Oder sei der Ban eines Stanbeckens bei Ottmacha« vorgesehen. Die für 1828 angesorderten Geldmittel sind so stark eingeschränkt worden, daß mit der Fertigstellung des Mittellandkanals selbst dann nicht vor 1937 gerechnet werde« kan«, wenn es in den nächsten Jahren möglich sein sollte, höchste Bauraten zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Ein- schDänkungen find auch für die Oder notwendig gewesen. Ml den folgenden Jahren werden jedoch zur planmäßigen Fortsetzung des Ausbaues der Oder weit höhere Beträge flüssig gemacht werden müssen, um unter anderem da» Staubecken bei Ottmachau planmäßig bis 1932 fertigstellen zu können. Der Abschluß der Vorarbeiten für den Kloö- nitzkanal ist in nicht mehr ferner Zeit zu erwarten. Von dem Ergebnis dieser Vorarbeiten wird es abtzängen, ob der Kanal als wirtschaftlich und bauwürdig empfohlen werden kann. Die Arbeiten für den Ansban deS Oder-Spree» Kanals werden voraussichtlich 1930 beendet sein. Nachdem sich die Finanzierung des für 1927 geplanten Reichsbahnbauprogramms bis jetzt noch nicht hat ermöglichen lassen,, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen, ob Reichsmittel für den Bahnbau im Waldenburger Industrie- und Kohlenrevier zur Verfügung gestellt werden können. Die Regierung ist sich jedoch der politischen und wirtschaftliche»: Bedeutung Schlesiens bewußt und erkennt durchaus ihre» Pflicht an, diesem Eckpfeiler des Deutschtums jede mögliche Nnterftühung z« gewähren. Abg. Hofmann-Ludwigshafen (Zentr.) begründete die Interpellation wegen der wirtschaftliche« und kulturelle» Notlage der Rheinpfalz und weist darauf hin, daß KriegS- und Nachkriegszeit dort besonders verheerende Wirkungen ausgeübt hätten. Namentlich in den Grenzbezirken befänden sich Landwirtschaft, Handel und Gewerbe in den schwierigsten Verhältnissen. Die Pfalz brauche eine große durchgehende Verkehrsstraße. Der Redner erklärt, daß die Pfälzer sich als Geiseln für das ganze deutsche Volk fühlten. Abg. v. Dryauder (DNat.) begründet Jnterpellattone» über die Notlage der Pfalz und im Bezirk Trier. Das gesamte öffentliche «nd wirtschaftliche Lebe« «erde von der Besatzung beherrscht. Die Zusammensetzung der Rbeinschis- „Recht so, Jungchen. Anders hatte ich es nicht erwartet. Daß du kein Drohnenleben führen wirst, ist selbstverständlich. Also schön: Arbeiten. Aber was?" „Ich möchte aus eigenem Grund und Boden Pferde züchten. . . das Futter selbst bauen. Eine Zuchtstätte edler Pferde will ich schaffen. Deutsche Remonten sollen meine Koppeln grasen. Das ist ein Ziel. Muttchen — hä? Kleine Anfänge. Meine ganAe Energie und Manneskrast dahinter. Und endlich Gottes Segen. Dann wird's." Muttchen nickte. Endlich zögernd . . . schwer . . . bang: „Die Mark ... die schöne, grüne, weite Mark. Kauf dich hier an. Bleibe bei uns. Suche hier ckon Potsdam aus, ob du in der Nähe etwas findest. Geh nichi wieder fort." Und Jürgen: „Laß mich, Muttchen. Ich brauche vorläufig die Stille ... die Einsamkeit, um mich zurechtzufinden. Ich habe einiges mit mir allein abzumachen . . . ganz allein. Eure Liebe . . . eure Zärtlichkeit, die jede meiner Seelenregung ängstlich mit der Sonde untersucht, würde mich belasten. Ich mühte mich verstellen . . . eine Maske tragen. Das will ich nicht. Vertraut mir. Ich finde mich zurecht. Laßt mir Zeit. Dresden ist so nahe. Dem schönen Sachsenland gehört mein Herz. Dort will ich wieder hin." Mitleid und Sorge preßten Muttchens Herz zusammen. Sie hatte zärtlich Jürgens Blick gesucht. Sie war aufgestanden und hatte ihn geküßt. Schwere heimliche Gedanken drängten sich in ihre Seele. Sie wollte bitten: „Sein tapfer, Jungchen." Sie unterdrückte es. * * * Es war der einzige Luxus, den sich Jürgen leistete — dar eigene Pferd. Er kaufte die schwarze Vollblurstute „Parze vom „Parzival" aus der „Chrysantheme" gleich am zweiten Tage als er von dem Osterfest nach Dresden heimkam. „Parze" wurde tn einem Penstonsital! eingestellt. Im übrigen blieb die Linie seines äußeren Lebens unverrückt. Er behielt sein Zimmer. Frau Kalb kochte «hm den Morgenkaffee und das Mittag. Abends holte ihn jetzt Steinkirch häufig ab. Er schleppte ihn m irgendein Theater oder Restaurant. Dort stachen dann die beiden manchmal eine gute Flasche aus. Der Philosoph schwatzte mittendurch dar Blaue vom Himmel runter Nr. 246. Jahrgang 1927. fatzriskomission in Saarbrücken wirke auf die Entwicklung der deutschen Rheinschiffahrt ungünstig. Die deutsche Flagge, die den Rhein früher ausschließlich beherrschte, sei Heute nur noch eine von vielen. Es müsse alles getan werden, die deutsche Rheinschiffahrt zu stärken, um dadurch wieder zur Herbeiführung eines freien deutschen Rhemes beizutragen. Staatssekretär Schmid vom Stagtsministerium für die besetzten Gebiete beantwortet die Interpellationen. Er erkennt die Berechtigung der von den Interpellanten vor- üebrachten Klagen an. Die Grenzziehung des Versailler Vertrages habe der Wirtschaft in diesen Grenzgebieten schweren Schaden zuaefügt. Es sei zu Höften, daß durch das deutsch-französische Handelsabkommen auch von der Wirtschaft der Pfalz und den anstoßenden Gebieten die -frühere« Beziehunqe« wenigstens zum Teil miederherge- stellt werde« könne« «nd dadurch Industrie und Landwirtschaft wieder stärkere« Absatz finden. Dazu komme der schwere Besatzungsdruck, der die Entfaltung der wirtschaftlichen Kräfte aufs äußerste behindere. Die Reichsregicrnng sei bereit, die Saargängerhilfe fortznsetzen nud ans dem Grenzfond für den Weste« Mittel bereitznstelle«. um die herrschenden Mitzstände auf dem Gebiete der Vcrkehrsver- -hältniffe und des kulturellen Lebens zu beseitigen Die Verhandlungen darüber seien in vollem Gange. Die Regierung werde auch bei der gegenwärtigen gespannten Finanzlage alles zur Milderung der bestehenden Schwierigkeiten tun. Eine dauernde wirtschaftliche Gesundung werde freilich erst .erreicht werden mit der Beseitigung der unnatürlichen Eaargrenze und der Besatzung. Abg. Schissgeus (Soz.) bezeichnet die Interpellationen der Regierungsparteien als einen spassigen Wettlauf vor den Wahlen. Die Rednerin fordert, daß das Reichsverkehrsministerium umgehend Verhandlungen mit der Reichsbahn aufnehme, damit die von der Reichsbahn im linksrheinischen Gebiet geplanten baulichen Ergänzungen durchgeführt werden und in möglichst kurzer Zeit ein Aasnahme- tarif für die Verkehrswege von Nachen nach den Rheinwegen geschaffen werde. Abg. Dr. Zapf (D. Vp.) betont die schlechte Lage der deutschen Landwirtschaft in der Pfalz. Der Bauer sei unter das Niveau des Arbeiters gesunken. Die Reichsregierung müsse helfen, besonders beim neuen Etat. Abg. Fischveck (Dem.) spricht die Erwartung aus, daß bei den bevorstehenden deutsch-französischen Verhandlungen über das Saarabkommen die deutschen Unterhändler auch die Notstände in den angrenzenden deutschen Gebieten zur Sprache bringen. Die Regierung müffe ein umfassenderes Wirtschaftsprogramm sür die Grenzgebiete vorlegen. Abg. Mollath (Wirtsch. Berg.) verweist auf die scharfe Konkurrenz, die dem Aachener Kohlenrevier durch Holland und Belgien gemacht werde. Hier könne nur durch gründliche Reformen im Berkehrswesen Abhilfe geschaffen werden. Darauf werden die Beratungen abgebrochen und aus Dienstag 16 Uhr vertagt. Ferner steht auf der Tagesordnung die Abstimmung über die Mißtrauensanträge gegen die Reichsregierung, die Vorlage über die Krwgkenver- ncherung der Seeleute und der Bericht des Ausschusses über die Ruhrentschädigungen. Schluß 18.12 Uhr. Berlin, 6. Dez. (Funkspruch.) Die demokratische Reichstagsfraktion beschloß, am heutigen Dienstag für die sozialdemokratischen und kommunistischen Mißtrauensanträge zu stimmen. Veröffentlichung des Gilbertberichts in dieser Woche? Berlin, 6. Dez. (Funkspruch.) Wie die Telegraphen- Nnion erfährt, wird die Veröffentlichung des Monatsberichts des Generalagenten für Reparationszahlungen erst in dieser Woche, wahrscheinlich zusammen mit dem Jahresbericht erfolgen. Die durch den Schriftwechsel Parker Gilberts mit der Reichsregierung hervorgerufene Auseinandersetzung ist zweifellos eine der Ursachen, warum man in diplomatischen Kreisen sogar mit einer Verzögerung in der Veröffentlichung bis zum 12. dieses Monats rechnet, denn es verlautet, daß in dem diesjährigen Bericht die durch den »Ligen Schriftwechsel aufgeworfenen Fragen einen breiten Raum einnehmen werden. Aus diesem Grund steht man der Veröffentlichung dieses Mal mit ganz besonderer Spannung entgegen, umsomehr, als zweifellos auch die Maßnahmen kommentiert werden, die die Reichsregterung zur Abhilfe der Beanstandungen Parker Gilberts getroffen hat. Die Kritik des Agenten an der deutschen Finanzgebarung wirb dem Bericht angehängt werde». Interessant dürfte auch sein, ob sich Parker Gilbert die in der Rede Dr. Strese- manns in Nürnberg zum Ausdruck gebrachte Auffassung zn eigen machen wirb, daß die Entschädigung der psiuidations- geschädigten Deutschen nicht »um Gegenstand einer Kritik gemacht werben könne. 23 Millionen Matt Grnteverlufl jn Mecklenburg-Schwerin Schwerin, 6. Dez. (Funkspruch.) Nach Berechnungen der Landwtrtschaftskammer sür Mecklenburg-Schwerin wird sich der diesjährige Ernteverlust bei Getreide, Kartof- « fein und Zuckerrüben in Mecklenburg-Schwerin auf 73 Millionen Mark belaufen. Der mecklenburgische Finanzmtnistr teilte mit, daß das Reich Mecklenburg die gleichen Mittel ßez Erntehilfe überweisen wird wie Pommern. Seitens bes Kreistages Mecklenburg könne dagegen große Hilfe nicht erwartet werden. Meder ein amerikanischer Sensationsprozeß Der Verkauf der beschlagnahmten Bofch-Werke. Boston, 6. Dez. Der Verkauf der beschlagnahmten Bosch- Werke an die Bosch-Magneto-Gesellschaft durch den Verwalter des beschlagnahmten feindlichen Eigentums tm 'Jahre 1918, der schon verschiedentlich die Gerichte beschäftigt hat, bildet den Gegenstand eines neuen von der Regierung angestrengten Verfahrens, das heute vor dem hiesigen Bun- desbezirksgericht begint. Die Regierung steht auf dem Standpunkt, daß es sich bei dem Verkauf der Gesellschaft, die . im Mai 1918 von Mitchel Palmer, dem damaligen Verwalter des feindlichen Eigentums beschlagnahmt worden war, um ein betrügerisches Manöver der Regierungsbeamten und des Käufers Kern gehandelt habe, der durch eine Mittels- jpersvn die Firma und ihr Vermögen für 415Ü0Ü0 Dollars »rwarb während der wahre Wert über 9 SM 000 Dollars »«tragen habe. Sie verlangt daher die Herausgabe best Differenz zugunsten des unter der Verwaltung des Schatzamtes stehende« Fundus der beschlagnahmten feindlichen Vermögen. Angeklagt sind in erster Linie Palmer, ferner Her damalige Htlssjustizsekretär Francis Gravan (der später (selbst Verwalter des feindlichen Eigentums wurde und als solcher den angefochtenen Verkauf der deutschen chemischen Patente an die amerikanische Chemikal Foundation burch- gcführt hat), Arthur T. Murray, der die Firma im Aufträge des Verwalters des feindlichen Eigentums bis zum Verkauf geleitet hatte, der Käufer Martin Kern sowie eine Reihe von anderen an dem Verkauf beteiligte» Personen. In dem vom Justizministerium eingereichten Schriftsatz wird den Beklagten vorgeworfen, fie hätten ein Komplott Der Landbote 4- Sinsheimer Zeitung. geschmiedet, um zur eigenen Bereicherung sich auf Kosten der Regierung böswillig und hinterlistig gesetzwidrige Vermögensvorteile zu verschaffen. Die mündlichen Verhandlungen werden etwa vier bis sechs Monate dauern,' das Urteil, das von wesentlicher Bedeutung für die Gefamtfrage des deutschen Eigentums ist, dürfte schwerlich vor einem Jahre zu erwarten sein. Das Kriegsbudgel vor der französischen Kammer Paris, 6. Dez. (Funkspruch.) Die Kammer setzte gestern die Beratungen über das Kriegsbudget fort. Die Sprecher der Linksparteien sprachen fich für die Abschaffung der Kriegsgerichte aus und wiesen an Hand von Beispielen aus die ungeheuerlichen Urteilssprüche der Kriegsgerichte hin. Kriegsminister Patlevee stellte gegenüber dem Antrag auf Streichung der Kredite die Vertrauensfrage, erklärte sich aber mit einer Reduzierung der Kredite einverstanden. Der Antrag wurde mit 360 gegen 175 Stimmen abgelehnt. Ein fiandigerRat der französischen Föderalisten Paris, 6. Dez. (Funkspruch.) Gestern fand in Paris die Vollsitzung des Kongresses der franzöfischen Föderalisten statt, die einen lebhaften Verlauf nahm. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das elsässtsch-lothringische Problem. Der lothringische Abgeordnete Schumann erklärte, solange man der Individualität Elsaß-Lothringens nicht Rechnung trage, sei das Problem unlösbar. Den elsäsfischen Standpunkt vertrat besonders Senator Müller^ Das Elsaß habe eine Kulturmisston zu erfüllen. Der Kongreß wählte einen ständigen in dominierenden Rat, der aus elsaß-lothringischen Delegierten, dem Ausschuß der Förderalisten und zwei Sachverständigen zusammengesetzt ist. Baden. Aushebung der Paßkontrolle i« Appenweier. ** Appenweier, 6. Dez. Die zur Kontrolle der Reisenden von und nach Kehl auf dem Bahnsteig 2 hier bestehende deutsche Paßkontrollstelle wird in den allernächsten Wochen ihre Tätigkeit hier einstellen. Ab 1. Januar 1928 wird die Kontrolle zu beiden Seiten der Kehler Rheiubrücke, natürlich auf deutschem Boden, für alle von und nach dem Elsaß reisenden Personen vorgenommen werden. Die gleiche Maßnahme soll auf dem Bahnsteig des Kehler Grenzbahnhofs erfolgen, so daß also eine Ausländerkontrolle künftig direkt an der Grenze ermöglicht ist. 80. Geburtstag des Generalintendanten Bassermann. Karlsruhe, 6. Dez. Der letzte Sonntag, dem 80. Geburtstag des Reh.Rat Dr. August Basfermann, brachte dem Jubilar zahlreiche Glückwünsche in mündlicher und schrist. licher Form. Den Reigen der Gratulanten eröffnete der Chor des Landestheaters mit seinem Dirigenten, Musikdirektor H o s m a n n, mit Gesang und Ansprache. Ihm folgten bas technische Personal des Landestheaters, der Orchestervorstand, der Bühnenvolksbunö, das Schauspielpersonal, mit ihm noch aus alter Zeit Bassermanns die heute noch wirkenden Künstler. Auch aus Mannheim waren Vertreter der dortigen Bühne zur Gratulation eingetroffen. Neben diesen Vertretern der ehemaligen gemeinsamen Arbeit waren die Behörden von Stadt und Staat zahlreich vertreten. Anstelle des verhinderten Oberbürgermeisters war Bürgermeister Kleinschmidt erschienen. Geh. Rat Schwörer gratulierte für das Kultusministerium. Minister Trunk sprach persönlich vor. Glückwunschschreiben hatte» gesandt der badische Staatspräsident, die Minister des Kultus und Unterrichts, der Finanzen, der Oberbürgermeister der Stabt Karlsruhe, der Präsident der Oberpostdirektion, Staatsmintster a. D. von Bodman, dte Städte Mannheim, Düsseldorf, Lübeck, Chemnitz, die Staatsoper Wien, die Theater in Berlin, die Staatsoper in Wien, die Theater in Berlin, Hamburg, Leipzig, Mainz, Prag und viele andere, das Präsidium der Genoflenschaft Deutscher Bühnen- angehörtger und der Deutsche Bühnenverein. Eine besondere Freude bereitete dem Jubilar das Telegramm des ehemaligen Großherzogs. Felix Weingartner war zur persönlichen Gratulation erschienen. Eine überreiche Blumenfülle und Gaben kündeten dem greisen Jubilar eine immer noch treue Verehrergemeinbe. Aus Nah und Fern. * Sinsheim» 5. Dez. (Deckt Euern Weihnachtsbedarf rechtzeitig.) Diesen nur zu berechtigten Ruf richtet sich an alle Hausfrauen und einsichtigen Käufer. Alljährlich ist zu beobachte», daß die Einkäufe für den Weihnachtstisch vielfach erst in den letzten Tagen und Stunden vor der Bescherung vorgenommen werde». Hast, Eile und Unbequemlichkeiten trüben dann oft noch die Feststimmung, machen di« Stunden des Auswähleus der Geschenke für die Lieben daheim eher zur Plage als zur Freude. Geschäfts-' inhaber und Angestellte müssen, ob sie wollen oder nicht, ost darauf verzichten, ihre Stammkunden mit der gewohnten Sorgfalt zu bedienen. Verdruß und Aerger sind häufig das Ergebnis auf beiden Seiten. — Und noch eine weitere wichtige Frage: Haben nicht auch Angestellte und Geschäftsinhaber Anrecht auf Freizeit und Gesundheit? Wollen nicht auch diese ihre Weihnachtstage mit weniger abgespannten und überreizten Nerven verbringen? Soll nicht jeder Deutsche das Weihnachtsfest und die täglichen Feierstunden fröhlich und so bald als möglich begehen und genießen können? Diese Fragen sind, wie gesagt, nur allzu berechtigt und werden sicher Verständnis bei den Hausfrauen uno Müttern finden. Deshalb nochmals: Deckt Euern Weihnachtsbedarf rechtzeitig. — Kauft an Wochentagen. — Und kauft auch sonst nicht erst in den Abendstunden ein! % Krrchardt, 6. Dez. (Verschiedenes.) Der Gesangverein Sängerbund Kirchardt veranstaltet am Sonntag, den 18. Dezember im Saale des Gasthauses zum Ochsen einen Unterhaltungsabend verbunden mit theatralischen Aufführungen und einer Gabenverlosung. — Der Turnverein „Gut Heil" begeht seine diesjährige Weihnachtsfeier, die ebenfalls mit theatralischen Aufführungen und einer Gabenverlosung umrahmt sein wird, am Montag, den 26. Dezember im Saale des Gasthauses zum Ochsen. — Nachdem der Lohnkonflikt in der 3igarren-In- dustrie beigelegt ist, wurde hier in sämtlichen Betrieben am Freitag Mittag die Arbeit wieder ausgenommen. t Richen, 5. Dez. (Gautag der Gewerbevereine.) Der Elsmz- gau des Landesverbandes bad. Gewerbe- und Handwerkervereinigungen hatte gestern seine diesjährige Gautagung in hiesiger Gemeinde, im Saale des Gasthauses zum „Löwen". Um s /*3 Uhr eröffnet« in Verhinderung des erkrankten Gauvorsitzenden der Gaukassier, Herr Schreinermeister Barth-Sinsheim die Gauversammlung. Seine Begrüßungsworte galten außer den zahlreich erschienenen Vertretern der Gauvereine hauptsächlich dem Vertrete? der Handelskammer, Herrn Martin, und dem Referenten, Herrn Dr. Ing. Kolbenschlag-Karlsruhr. Mit Hinweis auf die fehlende Einigkeit der Handwerker, auf die langsame Berbröckelung der > Innungen und Genossenschaften mahnte der Gaukassier zur Einig- Dienstag, den 6. Dezembe r 1927. ung und zu engem Zusammenschluß. Herr Martin überreichte im Austrage der Handwerkskammer dem Gehilfen Jakob Kleemann bei Herrn Schuhmachermeister Meny-Richen ein Ehrendiplom f ür 25 jährige treu geleistete Dienste. Hierauf sprach der Vorsitzende des Gewerbevereins Eppingen, Herr Sattlermeister Stroh, über seinen guten Eindruck, den er von dem Handwerker- Erholungsheim Bad Sulzburg gewonnen hat: sein Wunsch ging dahin, daß diese Erholungsstätte in Zukunft von den Handwerkern besser besucht werden möchte. Die diesjährige Gautagung fand hauptsächlich deswegen in Richen statt, weil der hiesige Handwerkerverein in diesem Jahre auf ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken kann. Der Vorstand des Iubelvereins, Herr Schuhmachermeister Meny, bewillkommnete ebenfalls die Erschienenen. Herr Martin gab anschließend bekannt, daß den Vorsitzenden des Richener uno des Waibstadter Handwerkervereins je eine Ehrenurkunde zugedacht sei für ihre 25 jährige Tätigkeit als Vorsitzende ihres Vereins. Der Referent des Tages, Herr Dr. Ing. Kolbenschlag-Karlsruhe, übermittelte die Grüße des Landesgewerbeamts. Er wies in seinen Ausführungen auf die Aen- derung des Wirtschaftslebens und die Rührigkeit im Handwerk und die Wirtschaftlichkeit desselben hin. Er sprach über die Verminderung des Aufwands und rationelle Arbeitsmethode durch Analysierung der Arbeitsvorgänge und empfahl möglichst hohe Ausnutzung des Materials und des Abfalls und mahnte besonders zur Verwendung nur guten Materials. Auch für die Fertigungswirtschaft machte der Referent treffende Ausführungen. Sein Bortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Die sich anschließende lebhafte Aussprache befaßte sich mit dem allgemeinen Steuerdruck, der Forderung von Steuererleichterung dem Antrag auf Abhaltung von Buchführungskursen und der Einführung des Gewerbeschulgeldes. Die Versammlung nahm einen äußerst harmonischen Verlauf und konnte um 6 Uhr geschlossen werden. Die nächste Gauversammlung findet in Steinsfurt im September 1928 statt. * Eppingen, 5. Dez. Einen überaus guten Erfolg hatte der kath. Kirchenchor gestern abend mit seinem Konzert. Bis zum letzten Platze war der geräumige Engelsaal mit Zuhörern besetzt, die sich an den Darbietungen des Chors und der zur Mitwirkung gewonnenen Kräfte ergötzen wollten. — Zu einer Barbara-F:ier fanden sich am Samstag abend fast alle ehemaligen Artilleristen unserer Stadt im Nebenzimmer der Bahnhofwirtschaft zusammen. Die Stunden verliefen bei kameradschaftlicher Unterhaltung und unter Absingen alter Kanonierlieder nur zu rasch. Es wurd^ im Laufe des Abends der Wunsch geäußert, jedes Jahr mindestens einmal zusammenzukommen und im kommenden Jahre evtf. wie in verschiedenen Nachbarstädtcn einen Artilleristentag für die umliegenden Ortschaften abzuhalten. /X Horrenberg, 5. Dez. (Bluttat mit tödlichem Ausgang.) In dem nahen, zur Gemeinde gehörenden Unterhof ereignete sich gestern nacht gegen 12 Uhr eine furchtbare Bluttat. Der ledige, 31 jährige Georg Sommer wurde mit einem tödlichen Leibschuß sterbend, vor der Tür seines Elternhauses aufgefunden. Nach einigen Augenblicken trat auch schon der Tod ein. Der auf so schreckliche Weise ums Leben gekommene wurde von seinem Vater Adolf Sommer, mit oessen Angehörigen diejenigen des Tote» schon längere Zeit, wie gerüchtweise verlautet, in Unfrieden lebten mit einem Revolver erschossen. Ob Notwehr, Totschlag oder gar Mord bei der Tat in Frage kommt, wird die Untersuchung zeigen müssen. Gleich während der Nacht wurden der Täter und dessen zwei Brüder von der Gendarmerie festgenommen und ins Amtsgefängnis Wiesloch eingeliefcrt. Die Leiche des Unglücklichen kam nach Wiesloch um dort wahrscheinlich einer Obduktion unterzogen zu werden. Der schwer geprüften Familie w.ndet sich allgemeine Teilnahme zu. — Aus dem kleinen Odenwald, 5. Dez. (Die Autolinie.) Trotz Garantieübernahme aller in Betracht kommenden Orte der beabsichtigten Autolinie Neckargemünd-Haag schünt wenig oder keine Aussicht mehr vorhanden, daß die Linie noch vor Frühjahr in Betrieb genommen wird. Schon im vergangenen Jahre und in diesem Sommer erst hat sich gezeigt, daß der Be.kehr im kleinen Odenwald nachgelassen hat. Waldwimmersbach mit seiner herrlichen Waldumgebung hat dies am meisten gespürt. Wird durch die Autolinie dieser Ort leicht erreichbar, dann kommen auch wieder die Fremden aus Mannheim. 'Anläßlich des Kathreinenmarktes war die Linie in Betrieb genommen. Interessant ist die Feststellung, daß die Benützung von der Endstation Haag aus gering war, alle anderen Orte, sie jedoch stark in Anspruch nahmen. 1 Kloster-Lobenfeld, 5. Dez. (Zeichen der Zeit.) Am Donners-- tag sollte hier die Klostermühle, ein massiv gut erhaltener Bau öffentlich verkauft werden. Rur ganz wenige Interessenten hatten sich eingefunden und ein einziges Angebot wurde gemacht. Da dasselbe um 5000 Mark unter der Taxe blieb wurde die Versteigerung vertagt. Im vergangenen Jahrhundert diente die Mühle als Gasthaus und war zur Zeit der Romantiker ein gern besuchter- Ort der Heidelberger Studenten. t Mosbach, 4. Dez. (Drei Urkundenfälschungen.) Durch die- Erstellung eines Neubaues kam der Landwirt A. Sch. aus Steinlbach in eine bedrängte Lage. Die Bauernbank stellte ihm 900 RM. Kredit zur Verfügung, wenn er einen guten Bürgen beibringeu konnte. Da kam er auf den unglücklichen Gedanken, den Name« seines in guten Verhältnissen stehenden Bruders selbst als Bürge auf die Schuldurkunde zu setzen. Da die Sache anstandslos ging, probierte er es ein halbes Jahr später bei einer anderen Kasse mit 300 RM. und kurze Zeit darauf mit 4M RM. noch einmal. Bald war der zuerst geliehene Betrag zur Rückzahlung sälligj. Da er nicht bezahlen konnte, kam es zu einem Prozeß und alles wurde ausgedeckt. Bor dem Gericht machte e. Not geltend. Das Gericht erkannte unter Berücksichtigung des letzterwähnte» Umstandes gegen ihn auf drei Monate Gefängnis. — Der Reisende H- D. aus Waldhof nahm in Asbach für eine Stuttgarter Firma Aufträge zur Umformung von Hüten entgegen. Da die Preise hierfür 5—7 RM. betrugen, konnte er keine Geschäfte mach:». Er vereinbarte daher mit mehreren Bestellern kleinere Preise von 3 RM. Aber nach der Unterschrift änderte er die Preise in höhere um. Als die Leute bezahlen soll:en, kam der Schwind:l heraus und der Reisende wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, doch wurde Strafauffchub gewährt, da er in Sorge um seine Familie war. — Bei dem Geschäftsmann L. L. in Wertheim führte der Nachbar ein Telefongespräch nach Frankfurt. Der Postzettel lautete auf 90 Psg. L. setzte die Zahl 1 ßavor. Der Nachbar erstattete Anzeige und der Angeklagte mußt: mit der Mindeststrafe von einer Woche mit Bewährungsfrist bestraft werden. — Osterburken, 4. Dez. (Keine Aushebung der Autolinie.) Das Gerücht über die Aufhebung der Postautolinie Osterburken- Künzeslau wegen Unrentabilität ist nicht zutreffend. Die Linie wird nach wie vor aufrecht erhalten. = Lauda, 5. Dez. (Für treue Dienste.) Der seit 41 Jahren im gleichen Dienst stehende Martin Seidenspinner erhielt vom badischen Staatspräsidenten ein Anerkennungsschreiben. Die Sd- meinde überreichte ihm dazu außerdem ein Geldgeschenk. Seit dem Jahre 1886 befindet sich Seidenspinner im Dienst von Landwirt Fridolin Wöppel. t llbfiadt, 4. Dez. (Ein Autounfall.) Ein Lastauto der Firma W. Seebacher. Bruchsal hatte ein defektes Motorrad mit Beiwagen im Schlepptau, das von einem jungen Mann gesteuert wurde. Anscheinend überschätzte der Autosüh.er die scharfe Kurve. Der Führer des Motorrads wollte die Kurve einhalten und Nr. 246. Jahrgang 1927. D« Laudbote * Shw|rf»ff Btilwu. Dienstag, den 6. Dezember 1927. wurde durch das Schleppseil umgerissen, sodaß Führer und Mitfahrer stürzten. Der Führer erlitt bedeutende Kopfverletzungen. Der Mitfahrer kam mit dem Schrecken davon. Das Motorrad wurde schwer beschädigt. — Diedeshenn a. N., 5. Dez. (Der Gurkenbau.) Zurzeit! werden hier und in den umliegenden Dörfern des Neckartales . Abschlüsse zum Anbau von Gurken für das nächste Jahr gemacht! Für den Zentner Schälgurken wenden 5 RM. bezahlt. Der diesjährige Anbau war sehr ertragreich. = Urloffen, 5. Dez. (Ein Rekord.) Daß zur Zeit im ganzen Land Urloffer Meerrettichhändler zu treffen sind, ist laut „Offenburger Zeitung" nichts Neues, aber daß an einem Morgen — wie heute — 156 Meerrettichhändler mit ihren Säcken und Körben die Bahnsteigsperre Appenweier passierten, um ihre Küchentränenerreger nach allen Windrichtungen zu bringen, kommt sicher nicht alle Tage vor. ** Mannheim, 6. Dez. (Ein Kind verbrüht.) Das vierjährige Mädchen einer Familie auf dem Lindenhof fiel beim Spielen in der Küche in ein mit heißer Waschbrühe gefülltes auf dem Boden stehendes Gefäß und zog sich so schwere Verletzungen s«, daß es starb. ** Ludwigshasen, 6. Dez. (Hartnäckiger Selbstmörder.) I» der vorvergangenen Nacht wollte sich ein 24 Jahre alter lediger Elektrotechniker in der Küche seiner elterlichen Wohnung durch Einatmen von Leuchtgas das Leben nehmen. Der Vater des jungen Mannes wurde darauf aufmerksam und stellte das Gas ab, worauf der Lebensmüde vom Balkon 6 bis 7 Meter tief in den Hofsprang ,wo er mit inneren Verletzungen bewußtlos liegen blieb. Er wurde ins Krankenhaus verbracht. Die Ursache der Verzweiflungstat ist noch nicht aufgeklärt. ** Pforzheim, 6. Dez. (Tödlicher Autounfall.) Der hiesige Photograph Fritz Wolf wollte gestern vormittag gegen 11 Uhr mit seinem Auto nach Roßwag an der Enz, um dort Aufnahmen auf Bestellung zu machen. Unterwegs zwischen Mühlacker und Lomersheim an der Enz mußte er eine ziemlich schmale Straße passieren, wobei anscheinend auf bisher unaufgeklärte Weise sich ein Autounglück ereignete. Wolf wurde nämlich einige Stunden später tot neben seinem Auto gesunden. Der Verunglückte war verheiratet. ** Karlsruhe, 6. Dez. (Schwerer Verkehrsunfall.) Gestern nachmittag wurde ein verheirateter Werkmeister, der mit seinem Motorrad und Beiwagen aus Hagsfelü kam, Ecke Hauptstraße und Hirtenweg von einem städtischen Mühlauto, das mit zu kurzer Kurve um die Ecke bog, an- gesahren. Der Motorradfahrer wurde ins städtische Krankenhaus verbracht, wo ihm ein Fuß amputiert werden mutzte. ** Karlsruhe, 6. Dez. (Tödlicher Autounfall.) Gestern nachmittag 3 Uhr ereignete sich auf der Karlsruher Straße bet der Eisenbahn ein Unfall mit Todesfolge. Ein 52jähr. Bauer aus Durlach wurde von einem Personenauto, das von einem 26jährigen Mädchen gelenkt wurde, bei dem Versuch zu überholen, von hinten angesahren und geschleift, wobei der Bauer getötet wurde. ■" *** Karlsruhe, 6. Dez. (Nachfolger Dr. Englers.) Infolge der von uns schon mitgeteilten Berufung des Präsidenten des Gewerbeaufsichtsamtes, Dr. Engler nach Frankfurt verfallen seine Mandate zum Landtag und dem Karlsruher Bürgerausschuß. Im Landtag wird Hauptleyrer Haebler, im Bürgerausschuß Redakteur Ett°k- der Nachfolger werden. k ** Oetigheim. 6. Dez. (Beim Fußballspiel ein Bein abgeschlagen.) Am Sontnag nachmittag wurde beim Fußballspielen unter Schülern und älteren Burschen dem 13 Jahre alten Anton Wittmann ein Bein abgeschlagen, indem ein anderer zu gleicher Zeit auf den Ball schlug. Der Verunglückte wurde ins städtische Krankenhaus nach Rastatt gebracht. ** Kehl. 6. Dez. (Das Ende der Drehbrücke.) Die zwischen Kehler Tor und Kleinem Rhein über den Verbindungs- und Strvmleitungslanal führende Drehbrücke wird demnächst abgebrochen, da der gesamte Wagen- und Fußgängerverkehr über die dort neugebaute Straße mit der neukonstruierten, hochgelegenen festen Brücke geleitet wird. ** Lörrach, 6. Dez. (Jnnungsversammlung.) Die Schlos- sermeister-Jnnung des Kreises Lörrach hielt am vorgestrigen Sonntag hier eine Jnnungsversammlung ab. Der Versammlung ging eine Wahl zum Gesellenausschuß des Arbeitsgerichts voraus, bei der die Beteiligung außerordentlich schwach war. Der Jnnungsobermeister Leber teilte mit, baß an Stelle der früheren Richtpreisliste eine Richtzeitliste herausgegeben worden sei, wozu er nähere Erläuterungen gab. Einen breiten Raum in den Verhandlungen nahm die Frage der sogenannten Schwarzarbeit ein. Die Schlossermeister möchten erreichen, daß die Eisenhandlungen in Zukunft nur noch an die Schloffermeister liefern und nicht mebr wie bisber an ihre Arbeiter. Bezüglich der Frage der Schaffung eines Tarifvertrages für baS Schlofserhänd- werk in ganz Baben wurde beschlossen, sich einstweilen abwartend zu verhalte». Die Generalversammlung wird im Januar oder Februar des nächsten Jahres stattfinden. ** Lörrach, 6. Dez. (Zum Lohnkonflikt in der Textilindustrie.) In der oberbadischen Textilarbeiterschaft sieht man den am heutigen Dienstag in Karlsruhe stattfindende» Verhandlungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter dem Vorsitz des Lanüesschlichters mit besonderem Interesse entgegen. Im Werra- und Wiesental sind in sieben größeren Textilfabriken Kollektivkündigungen eingereicht worden, sowie drei solcher Kündigungen im Elztal. In verschiedenen weiteren Betrieben des Elztals und Oberrheintals sind die Geheimabsttmmungen, die einer Kollektivkündigung vorausgehen müssen, bereits durchgeführt und haben die mehrheitliche Aussprache für eine Kollektivkündigung ergeben. Mit der Einreichung der Kündigung will die Arbeiterschaft aber noch warten, bis das Ergebnis der Karlsruher Schlich- tungsverhandgungen vorliegt. Sollte dasselbe negativ aus- fallen, so würden sofort weitere Maßnahmen ausgelöst wer- den. Vom Landesschlichter erwartet die Arbeiterschaft aber, daß er nach Möglichkeit einen Konflikt vermeidet. ** Offenburg, 6. Dez. (Schwurgericht.) Das Schwurgericht verurteilte den Bürstenmacher Franz Joseph Küb- ler und den Bauarbeiter Martin Schmidt wegen Meineids und zwar elfteren zu einer Zuchthausstrafe von 1 Jahr 6 Monaten abzüglich 3 Monaten Untersuchungshaft, letzteren zu einer Zuchthausstrafe von einem Jahr, abzüglich zehn Wochen Untersuchungshaft. — In einem Fall wegen Meineids verurteilte das Gericht die Spulerin Else Gertrud Obert aus Lahr zu einem Jahr Zuchthaus abzüglich drei Monaten, zwei Wochen Untersuchungshaft, den Landwirt Johann Kruß von Kittersburg zu einem Jahr Zuchthaus abzüglich drei Monate eine Woche und den Arbeiter Alfred Boschert von Goldscheuer zu einem Jahr Zuchthaus abzüglich drei Monate Untersuchungshaft. ** Waldshut, 6. Dez. (Unfall.) Ein Fuhrmann fuhr mit einem mit Eichenmasten beladenen Wagen die abschüssige Waldshuterstraße hinauf. Der schwere Wagen wurde von hinten von einem Auto angefahren, wodurch ein Balken, der von zwei Arbeitern gehalten wurde, ins Rutschen kam. Der eine Arbeiter erlitt am linken Arm eine leichte Verletzung, während der andere mit einer schweren Magenta ins Krankenbetts aebradtt nierden rtm&fe. Einzelheiten über die Ermordung des Paters Hermengild in China. Oberkirch, 6. Dez. Hier ist jetzt die Bestätigung eingegangen, daß der Sohn der Familie Wäldele hier, der Pater Hermengild, seinem idealen Beruf zum Opfer gefallen ist. Nachdem die Angehörigen von der amtlichen Nachricht immer noch hofften, sie könne eine erlösende sein, kam nun leider die Bestätigung, daß ihr Sohn und Bruder durch Räuberhänöe gefallen ist. Ein Mitbruder des Verstorbenen schreibt über die furchtbare Tat u. a.: Am 8. November in der Frühe hatte Hermengild die hl. Messe gelesen. Dann machte er sich nach dem Frühstück aus den Weg zu uns. Sein .Diener begleitete ihn. Es war ein schöner Herbstmorgen. Nach etwa 2^stünötgem Ritt kam er hoch in die Berge zu einem Dorf namens Fung-dja-byau. Im Dorfe stellten sich ihm drei Soldaten (Räuber) in den Weg und verlangten, daß Hermengild' mit seinem Diener absteige und ihnen in ihr Quartier folge, da sie ihr Gepäck untersuchen wollten. Fn einem Hofe mußte der Diener den Bettsack von den Tieren nehmen, der gründlich vor allem nach Geld untersucht wurde. Als die Räuber nichts fanden, was sie brauchen konnten, glaubte Hermengild, er könne die Tiere wieder satteln lassen, was die Räuber nicht zuließen und die Tiere für sich beschlagnahmten. Rach den Aussagen seines begleitende Dieners war Hermengild sich der Lage wohl bewußt,' er war Räubern in die Hände gefallen. Diese verlangten nach den Tieren, daß Hermengild seine Kleiber ausziehe. Anstandslos gab er ihnen seine Ma-kua-dse (Ueber- ktttel) und nachdem sie auch seine andern Kleider haben wollen, verlangte Hermengild nach ihrim Führer. Die Räuber versprachen, ihn zu dem Führer zu bringen. In Begleitung eines desselben verließ Hermengild als erster schweigsam und ernst den Hof. Kaum waren sie einige Schritte gegangen, da legte der ihm folgende Räuber an, und schoß Hermengild durch den Kopf. Der folgende Diener sah Hermengild lautlos vornübersinken, während er selbst von den Räubern sofort gefesselt und mit fortgeführt wurde, aus deren Hände er am andern Morgen entrinnen konnte. Ei« Freiburger «ege« Spionage in Strotzbnrg verhaftet. Kehl» 6. Dez. Nach Meldungen aus Straßburg wurde gegen die beiden auf der Kehler Rheinbrücke verhaftete». Autonomisten, Karl Baumann und Eugen Köhler, sowie gegen den in Freiburg wohnenden Cäsar Ley von der Un- terschungsbehörde die Anklage wegen Spionage erhoben. Baumann und Köhler werden ins Untersuchungsgefängnis überführt, während Fra« Köhler auf freien Fuß gesetzt wurde. Das Bertranensvotnm für das memelläudische Direktorium. TU. Memel, 6. Dez. (Funkspruch.) Der neue memelländische Landtag sprach gestern dem neugebildeten Direktorium gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten das Vertrauen aus. Die Großlitauer enthielten sich der Stimme. Demokrattfche Partei «nd Einheitsstaat. Berlin, 6. Dez. (Funkspruch.) Der von der Deutschen Demokratischen Partei eingesetzte Ausschuß für den Einheitsstaat nahm gestern unter dem Vorsitz des Abgeordnete» Koch-Weser seine Arbeiten wieder auf. Er stellte ei» Arbeitsprogramm auf und vertagte sich dann bis zum Januar. Schweres Antounglück bei Rothenburg a. d. Tauber. TU. Rothenbnrg a. d. Tauber, 8. Dez. (Funkspruch.) Bel Gammesfeld in der Nähe von Rothenburg überschlug sich gestern an einer Kurve bas mit sieben Personen besetzte Automobil eines Unternehmers von Rothenburg. Sämtliche Insassen wurden mehr oder weniger schwer verletzt, während das Auto vollständig zertrümmert wurde. Spielplan des Städtischen Theaters Heidelberg. Dienstag, 6. Dezember, abends 8—10y 2 Uhr (Abonnement B 9): La Traviata. Mittwoch, 7. Dezember, abends 71 / 2 — 101/2 Uhr( Abonnement A 10): Lady Hamilton. Donnerstag. 8. Dezember, abends 8— 101/2 Uhr (Abonnement C 10): Robert Guiskard. — Der zerbrochene Krug. Freitag, 9. Dezember, abends 8—10y 2 Uhr (Abonnement B 10); La Traviata. Samstag, 10. Dezember, abends 8—IO 1/2 Uhr Außer Abonnement): Donna Diana. Sonntag. 11. Dezember, abends 8— IO 1/2 Uhr Außer Abonnement): Spiel im Schloß. Marktberichte. Karlsruher Biehmarkt vom 8. Dezember 1927. Der Markt war befahren mit: 28 Ochsen, 26 Bulle«, 38 Kühe, 136 Färsen, 227 Stück Großvieh, 22 Kälber, 992 Schweine. Gesamtzufuhr 1241 Stück. Gehandelt wurden pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen: 88—67, 54—56, 63—54, 51—53, 49—51, 48—49; Bullen: 52—53, 51—52, 50—51, 48—50; Kühe: 40—47, 28—38, 18—28,. 55—61, 48—55; Kälber: 71—74, 56-71, 52—66, 49—52; Schweine: 65-68, 64—68, 62—64, 61—62, 56—58. Best« Qualität über Notiz bezahlt. Die Preise sind Marktpreise für nüchtern gewogen? Tiere und schließen sämtliche Spesen des Handels ab Stall für Fracht, Markt- und Berkaufskosten, Umsatzsteuer, sowie den natürlichen Gewichtsverlust ein, müssen sich als» wesentlich über die Stallpreise erheben. Tendenz des Marktes: Bei Großvieh und Kälbern langsam, bei Schweinen lebhafter. Karlsruher Flerschgro^markt vom 5. Dezember 1927. Der Fleischgrotzmarkt in der neuen Fleischgroßhalle d«S Städt. Schlachthofes war beschickt mit: 247 Rinderviertel« (200 Viertel aus Frankreich), 36 Schweinen, 9 Kälbern. Preise für 1 Pfund in Pfennigen: Kuhfleisch 50—60, Rindfleisch 90—94, Farrenfleisch 84—90, Schweinefleisch 80—88» Kalbfleisch 115—120. Markt: lebhaft! Osftztelle Preise der Mannheimer Produktenbörse vom 5. Dezember 1927. Preise verstehen stch per 100 kg alles tu Reichsmark zahlbar Weizen, inländischer 26,50—27,50 Weizen, ausländisch. 29,00—31,50 Roggen,inländischer 26,00 Roggen, ausländ. 26.50—26,75 Braugerste, inländ. 27.00—28,50 Hafer, inländischer 22,50—24.25 Hafer, ausländischer 25,50-26,25 Weizenmehl 6p. 0 38,00—38,25 Roggenmehl 70o » 35.00—36.50 > Raps Tendenz: Brotgetreide stetig, Futtermittel fest. Mais (mit Sack) . Weizenkleie m. Sack Biettreber mit Sack Roh-Melasse . . Wiesenheu . . Luzernekleeheu. . Preßstroh . . Gebundenes Stroh 21,25—2!,50 13,75 18,00-18,25 7,20-7,80 8,60-9,20 4,40-4,80 3,80-4,20 Wetterbericht. Karlsruhe, 5. Dez. Baden behielt gestern früh noch überall di« geschlossene Wolkendecke, nur die höchsten Lagen hatten bet schwachem Schneefall Temperaturumkehr. Nachmittags trat vom Süden her unter dem Einfluß von Alpenföhn Aufheiterung ein. Heute früh liegt wieder eine Hochnebeldecke über dem Land. In Mittelbaden brachten heute nacht örtliche Störungen Regensälle. Ter hohe Druck über Mitteleuropa geht langsam zurück, doch wird unser Gebiet nur langsam in den Bereich der atlantischen Zyklone kommen, so daß wir bei wenig veränderten Temperaturen das meist wolkige Wetter noch behalten. Marie«-«. Vogelschutz-Derem Sinsheim 17., 18. «. IS. Dezember im Löwen saale Krnmie«- und Boselschutz-Anrstellilug verbunden mit Kanarienmarkt. Kaisers Brust-Caramellen mit den^ iTannen." §** beden. wie dieser Mann der harten Arbeit auch bei Schneetreiben zufrieden und froh ist, denn seine oesnndheit ist ohne Störung, seit er sich vor Erkäl- tungen. schützt mit diesen köstlich schmeckenden Hu$t*ib0MOT5. Jeder Husten, jedes Kratzen im Hals verschwindet innerhalb wenigen Tagen schon hei sofortiger Anwendung von Kalter’S Brusi-Cara- mellan mit den „3 Tannen“, diesem seit 3* Jahren bewährten und köstlich schmeckenden Hustenp äparat. 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