Erscheint ISglich mit Ausnahme der Feiertage. Bezugs-Preis: Durch diePost bezog-m und durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Laus monatlich Goldmark 1.2» Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. Zn Fällen von höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- «ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit 1/28 bis 5 Ahr Sonntags geschlossen. Ternsprech-Anschlutz Nr. 468 Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6803 Der Lanöbote Änslreimer MA Zeitung fsn General-Htyeiger für öas^^El/enz-und 56iu>arzbaclital Kettelte uncl verbreitetste Leitung «iieler Gegencl. I)Lupt-Unzeigen-8iLtt Möcbentlicbe Beilagen: Neue Illustrierte » Nu» «len, Reid, der Kode » Ratgeber für Hau»- and Candmrtfcbaft A«zei,en»Pretfe: » eigen: Die 33 mm breite llimeter-Zeile 6 Goldpfg. Reklamen: Die 92 mm breite Millimeter-Zelle 2» Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen-Annahme biS 8 Ahr vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Bereinsband Sinsheim e. G. m. b. L M 250 Samstag, den 10. Dezember 1927. 88. Jahrgang Diplomatisches Frühstück in Genf. pilsllds« in Genf Sens, 1». Dez. sFunkspruch.s Marschall Pilsudski ist gestern mittag in Begleitung zweier Offiziere und des Außenministers Zaleski, der ihm bis Lausanne entgegengefahren war, in Genf eingetroffen. Zu seinem Eitzpfang hatte sich auch -er französische Generalkonsul in Genf auf dem von der Polizei umfangreich gesicherten Bahnhof eingefunden. Pilsudski begab sich sofort ins Hotel „Des Bcrgnes" zu einem Frühstück mit Briand und Paul Boncour. Nach dem Frühstück wollte Chambcrlain dem Marschall einen Besuch abstatten. Der Berichterstatter für den Wilnalonslikt, der holländische Außenminister Blockland, dürfte heute noch die Verhandlungen mit Pilsudski, der bereits zum Wochenende Gens wieder verlassen will, aufnehmen. Sr.Sttesemann wieder bei Ehamberlain Genf, 9. Dez. (Funkspruch.) Dr. Stresemann »ar heute zum Frühstück Gast bei dem englischen Außenminister Vharnberlain. D«r Bölkerbundsrat trat gestern vormittag zu einer Sitzung zusammen, aus der die griechische Flüchtlingsfürsorge, die griechische Stabilisierungsanleihe, die bulgarische Bölkerbundsanleihe, sowie die Regelung der Restbeständc der Danziger Kommunalanleihc zur Erörterung gelangten. An der Vormittagssihung ließen sich Dr. Stresemann nnd Briand, sowie Zalefii vertreten. Reue Schwierigkeiten. Gens, 9. Dez. Die Regelung der polnisch-litauischen Angelegen- heil stößt doch auf größere Schwierigkeiten, als man in den diesmal so optimistischen Kreisen der Großmächte bisher angenommen hat. Nicht die Anwesenheit des Marschalls Pilsudski, sondern der bereits mehrfach angedeutete Widerstand des litauischen Ministerpräsidenten Woidemaras schafft jetzt diese Schwierigkeiten. Woidemaras hat heute abend dem Berichterstatter des Rates, dem holländischen Außenminister Beclaerts van Blookland, mil- geteilt, daß er der vom Rat beabsichtigten Erweiterung der Tagesordnung — so nennt nunmehr Woidemaras die Regelung des Gesamtkonflikts statt der von ihm vorgebrachtcu Tcilbe- sthivcrdc — nicht zuftimmen könnte. Er verlangt, daß sich der Rat nur im Rahmen der von der litauischen Regierung gestellten Anträge halte, und er erhebt außerdem den Eimvand der Unzulänglichkeit gegen die von Beclaerts (d. h. natürlich von den Großmächten) entworfenen Bestimmungen über die Grenzkontrollkommission deren Einsetzung er selbst beantragt hatte. Die Befugnisse dieser Grenzkommission wünscht er aber wesentlich weiter gesteckt zu wissen, als es in dem Entwurf von Beclaerts vorgesehen ist. Da der Widerstand des litauischen Ministerpräsidenten sich ernster angekündigt, als man cs wohl erwartet hatte, so ist zunächst einmal die für morgen vormittag in Aussicht genommene öffentliche Ratssitzuug abgesagt worden. Es stehe noch nicht ganz fest, ob an ihrer Stelle eine geheime Sitzung mit oder ohne Teilnahme von Woidemaras oder überhaupt nur Pnvatbesprech- ungen mit dem litauischen Ministerpräsidenten morgen vormittag stattffnden rverd?n. Verminderung der Ralstagnngen Der polnifch-litanische Konflikt. Genf, 10. Dez. Im Anschluß au die öffentliche Sitzung des Völkerbundsrates fand gestern wiederum eine Geheim- fitzung statt, in der die Aussprache über die Herabsetzung der Anzahl der Ratstagungen fortgesetzt wurde. Der Rat beschloß, das gegenwärtige System der Ratstagungen bis zur nächsten Vollversammlung des Völkerbundes aufrecht zu erhalten. Der Generalsekretär wurde beauftragt, für die Märzsession des Rates einen Bericht über die Abänderung des gegenwärtigen Systems der Ratstagungen vorzulegen. Bon deutscher Seite wird nach wie vor die Herabsetzung der Zahl der Ratstagungen befürwortet. Dr. Stresemann teilte als Berichterstatter für die Ersatzwahl des Wirtschastskvmitees mit, daß er die Ernennung dreier korrespondierender Mitglieder des Wirtschastskvmitees sür die südamerikanische» Staaten vollziehen werde, sobald ihm die Kandidaturen vorgelegt würden. Ter Rar nahm sodann auf Grund des Berichtes Dr. Stresemanns die Bildung des ständigen beratenden Komitees zur Durchführung der Beschlüsse der Weltwirtschaftskonferenz vor. Dieses Komitee umfaßt 45 Mitglieder, die vom Rat ernannt werden: davon werden drei Mitglieder jedoch vom Internationalen Arbeitsamt bezeichnet werden. Dr . Stresemann als Berichterstatter wurde vom Völkerbundsrat beauftragt, die Ernenrmng der Vertreter der Vereinigten Staaten, Sowjetrußlands und Australiens, sowie der beiden Vertreter der Internationalen Handelskammer vorzunehmen. Ferner beschloß der Rat die Einsetzung einer vorbereitenden Kommission, die die Arbeiten des ständigen begutachtenden Komitees vornehmen soll. Dieses vorbereitende Komitee besteht aus Theunis, Loucheur, Colijn und Chatterjee. Die nächste offizielle Sitzung des Völkerbundsrates findet morgen um 10.30 Uhr statt. In der heutigen Vormittagssitznng des Rates wird nach den bisherigen Dispositionen der poluifch-litanische Konflikt weiter^ud vorausflchtlich abschließend behandelt werden. Man erwartet, daß hierbei der englische und der französische Außenminister programmatische Erklärungen zur Beilegung des polnisch-litauischen Konfliktes abgeben werden. In Delegiertenkretsen rechnet man darauf, daß die Berhandlungen, die im Laufe des gestrigen Tages noch mit Pil- sundski und Woidemaras geführt wurden, abschließende Verhandlungen über den polnisch-litauischen Konflikt iin Völkerbundsrat am Samstag ermöglichen werden. Ser franzöfisK-iiWslawische »ertrag M Registrierung in Gens überreicht Genf, 1». Dez. (Frmkspruch.) Der Bölkerbnndsreferent am Quai d'Orsay, Clauzel, und der ständige Delegierte AugoslavienS beim Völkerbund haben gestern im Auftrag ihrer Regeirung dem Generalsekretariat des Völkerbundes den am 11. November zwischen Frankreich und Jügoflavien Unterzeichneten Vertrag, sowie die Konvention über die schiedsgerichtliche Regelung zur Registrierung überreicht. Sr. Mm über die Lage tat besetzten Met ttadi«, 10. Dez. Zm Reichstagsausschnß für die besetzten Gebiete «ahm gestern Reichskanzler Dr. Marx in seiner Eigenschaft als Minister für die besetzten Gebiete das Wort zu eiltet ausführlichen Darstellung der Lage im besetzten Rheinland. Er wies u. a. darauf hin, baß sich in diesen Tagen zum 9. Mal die Zeit jähre, in der die gegnerischen Truppen in unser rheinisches Gebiet eininarschiert seien. Der Minister ging dann zunächst auf die qnantitative Seite der Besatzung ein und erklärte, daß die Zusagen der Bot- schafterkonferenz über die Trnppenverminderung als einge- Wst angesehen werden könnten. Die Gesamtvermiuderuug nm 10080 Mann umfasse 9000 Franzosen und je 1000 Engländer und Belgier. Der das französische Kontingent betreffende Abtransport aus Deutschland sei bereits erfolgt. Der belgische Abtransport sei auf den 18. Dezember festgesetzt. Bei der großen Anzahl der Besasungögarnisonen, die das vierfache der früheren deutschen Garnisonzahl ausmache, habe sich die Verminderung an den einzelnen Plätze« meist nicht stark fühlbar gemacht. Am Zusammenhang mit der Besatznngsverminderung werde mit der Rückgabe mehrerer hundert Wohnungen in die deutsche Hand gerechnet. Der Reichskanzler wies weiter daraus hin, daß «och »eit über 1000 sarbige Mannschaften in den besetzte« Gebieten vorhanden feien und daß die deutsche Forderung aus völlige Beseitigung der farbigen Truppen immer wieder erhoben werden müfie. Er betonte dann die schweren Schäden, die besonders der Landwirtschaft durch die Manöver der Bcsatznngstruppen Esefngt würden. Tie Reichsregierung werde mit Eifer wre Bemühungen wrtsetzen und gebe der Hoffnung Aus- "^uck. daß hier baldigst Wandel geschaffen werde. Bei Besprechung des Ordonnanzensystems kam der Kanzler auf di« sogenannte Mnfternngsordonnanz Num- mcr 64 der Rheinlandkommission zu sprechen und bezeich- nete dir schleunige Beseitigung dieser Ordonnanz als ein driugeudes Erfordernis. Sie stehe i« schärfstem Wiberfprnch m einer Politik der sriedkiche« Berständignng. Bei den Verhandlungen, die seit Monaten über eine Neugestaltung des Ordonrurnzeusystems schweben, habe der Reichskommiffar mündlich und schriftlich m unermüdlicher Weise den deutschen Standpunkt in allen Einzelheiten vertreten und begründet. Das deutsche Volk könne nur ein Ordonnanzensystem hinnehmen, das auch sachlich und inhaltlich. -er allgemeinen Politik entspreche. Es sei zweifellos nicht zu verrennen, daß die Handhabung des Systems in manchen Punkten milder geworden sei. Auch die Presse- verwarnungen hätten einen Rückgang aufzuweisen, dagegen hätten die Filmverbote bedauerlicherweise zugenommen. Auch in der Frage der Vereins- und Berbandsverbote seien nennenswerte Fortschritte nicht erzielt worden. Für die Militärjuftiz könne man nicht leugnen, daß' seit dem Rouzier-Prozeß im allgemeinen die Handhabung dieser Austsz weniger zu Klagen Anlaß gebe. Trotzdem kämen aber immer wieder Nachrichten über übertriebene und geradezu unverständliche Strafen. Allein im ersten Halbjahr 1027 mußten noch über 700 deutsche Bürger meist wegen Bagatellsachen vor den fremden Militärgerichten erscheine». Auch das traurige Kapitel der Gefangcnenmißhandlung sei immer noch nicht abgeschlossen. Ein anderes trauriges Kapitel seien die Ausschreitungen von Milikärpersonen gegen die wehrlose Zivilbevölkerung, deren Zahl in diesem Aahre noch ungefähr die gleiche wie im Vorjahre sei. Der Kanzler betonte, daß sich die 'Bevölkerung in den langen Jahren durchaus korrekt gegenüber der Besatzung verhalten habe und daher den großen Aufwand von Gendarmerie uyd Geheimpolizei ans der Besatzungsseite nicht begreifen könne In der Frage der Fremdenlegion sei die Anerkennung des deuffäieu Rechtsstandpunktes erzielt worden, wonach irgendwelche Tätigkeit »er Besatzung z« Gunsten der Fremdenlegion ««zulässig ist. Erfreulich >ei airch die Abschaffung der Besatznngs- bordelle. Ter Kanzler wandte sich dann der Fürsorgetätigkeit seines Ministcrinms zu und erklärte, daß in diesem Jahre allein 1500 Baudarlehen zu je 12 000 RM. gegeben worden seien. Tie Ausgewiesenrn-Fürsorge, die im ganzen 23 000 Ausgewiesene umfaßte, habe erfreulicherweise jetzt eingestellt werden können. Bezüglich der Besckaffungsdarlehen stellte der Kanzler seit, daß '1800 dieser Darlehen mit Zusammen 450000 RM. erlassen worden seien, nachdem vorher schon ein Drittel der Verbindlichkeiten gestrichen wurde. Auch die Existeuzdarlchen mit zusammen 800 000 RM. seien nur zum gernrgrn Teil ivieder zurückcrstattel. Tie Bemühungen, für zu hart bestrafte BefatzunqSgefangene Gnadenmaßnahmen zu erzielen, unirden gleichfalls fortgesetzt. Das BesatzungSleistuiigsgesetz habe zur schnellen Erledigung der Lchadcnfällc beigetragen. In einem Härteveriahren 'eien insgesamt 3200 Anträge mit über 1 Million RM. bedacht. Der Kanzler erörterte dann noch die Förderung der besetzten Gebiete durch die im Etat zur Ber- sügnng gestellte« Mittel und erinnerte an den Krrlturfonds und Seil GrenzsondS. Die Abwickelung der Rhein- und Ruhrschüden werde biS Ende des Rechnungsjahres abgeschlossen sein. In Sonderverfahren wurden für etwa 60 000 Schadensfälle rund 70 Mill. RM. bewilligt und im Härtefonds-Verfahren für über 5000 Anträge rund 1 Mill. RM. Zum Schluß betonte der Kanzler, daß daS Reich seine Verpflichtung, für die besetzten Gebiete vorzugsweise zu sorgen, ernst nehme und ständig im Auge behalte. Die Besetzung als solche stehe nicht nur mit der politischen Gesamtlage, sondern auch mit der Denkweise des 20. Jahrhunderts im Widerspruch. In der Aussprache brachten die Redner aller Parteien zahlreiche Wünsche für die Besserung der Verhältnisse in den besetzten Gebieten vor. Staatssekretär Schmid beantwortete eine Reihe von Fragen und bestritt, daß die Pir- masenser'Schuhindustrie bei den Unterstützungsmaßnahmen zu schlecht weggekommen sei. Am Gegensatz zu der sonstigen Uebung seien hier die Vorschläge der Feststcllungsbehörde in Speyer in einhundert Prozent berücksichtigt worden. Der Regierungsvertreter teilte weiter mit, daß zur Zeit sich noch neunzig Gefangene in den Militärgefängnissen der Be. satzungsmächte befinden. Am Schluß der Aussprache nahm nochmals Reichskanzler Marx das Wort, um zu betonen, die Reichsregiernng werde dauernd auf Beseitigung der Besatzung hinarbeite«. Der Kanzler bestritt, daß etwa die Beteiligung der Deutsch- nationalen an der Regierung zur Versteifung der außenpolitischen Lage geführt habe. Diese Versteifung sei bereits vor der letzten Regierungsumbildung erfolgt. Die Notlage Hessens sei eine große politische Frage, die demnächst entschieden werden müsse. Zweifel an den MedensabWe« Deutschlands? Ein italienisches Blatt erlanbt sich eine solche Behauptung. Rom, 10. Dez. (Funkspruch.) Ter Genfer Korrespon- den des „Pvpolo d'Jtalia", der auch den „Messagero" vertritt, untersucht in seinem Bericht die deutsche Politik in Gens und schreibt unter anderem: „Man habe sich lange in dem Glaube» einer großen Gesamtheit der deutschen Politik in Genf hineingeredet. Wenn man aber naher hinsehe, müsse man diese Anschauung revidieren. Das geschmeidige Rachgebe« Dr. Ltrdsemanns bezwecke wohl u»r, die Erbfeinde von de« friedliche« Absichten Deutschlands zu überzengen, «m. einmal erreicht, »i« großen Themata der deutschen Politik — Räumung nnd Abrüstung — anznschnciden. Aber Stresemann täusche sich, wenn er glaube, bas Vertrauen Frankreichs, Polens, Bel- giens und auch wohl Englands erreicht zu haben. Kein Mensch glanbe im Ernst an die friedliche« Absichten Deutschlands, und man wundere sich, daß die Deutschen dies nicht selbst merken. Das formale Recht liege wohl auf Seiten Deutschlands, sowohl in der Abrüstung als in der vorzeitigen Räumungsfrage, aber weder das eine »och das andere große Ziel werde Stresemann erreichen, und wie könne man da noch von einer Gesamtheit der deutschen Politik und einem Erfolge StresemanüH sprechen? -» Das faschistische Btatt nnlerstcUt damit dem deutschen Außenminister nicht mehr und nicht weniger als eine Autze»- politik des doppelten Bodens. Diese Unterstellung, die tat krassen Widerspruch steht zu der Loyalität, mit der sich Deutschland auch Italien gegenüber stets verhalten hat, kan« nicht scharf genug zurückgewiese« werden. Man wird aber andererseits gut tun, die offiziöse italienische Stimme zu beachte», aus der herauszuklinge» scheint, daß in der Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien doch »och nicht alles getan ist, was hätte getan werden können Man darf in Deutschland nicht vergessen, daß zu den Garanten ded Loearno-Bertrages, der eine Atmosphäre des Vertrauens der europäischen Großmächte zu einander anziibahnen bestimmt war, nicht nur England nnd Frankreich, sondern auch Italien gehört. Abberufuug des Sowjetgesandten aus Gstlimb Rival, 10. Dez. (Fnukspruch.) Wie in politische« Kreisen verlautet, hat »er Somjetgesaudie Petrowski gestern seine Abberufung erhalten. Diese steht im Znsammenhan« mit der Affäre des frühere« zaristischen Offiziers Lnkowskl, der nach seinen Angabe» dnrch den Sektreiär der Sowjet» gesaudtschaft Tartanow für einen Mordanschlag auf de« Sowjetgefandten gedungen mvrde» sei« soll. Infolge dies« Affäre war bereits eine erhebliche Spannung zwischen Estland und Rußland eingetreten. Die Studenienumuhen m Siebenbürgen > Scharfe Maßnahmen der Bnkarester Regierung. Bukarest, 10. Dez. (Funkspruch.l Zu den Ereignissen itz Siebendürge» ist noch zn melden, daß in Älausenburg zwoi Synagogen und viele Geschäfte demoliert worden sind. Ebenso wurden nr Grotz-Wardcin eine Svnagoge zerstört nnd heilige Gewänder gestohle». Der vorgestrige Expreßzng Klausenbnrg—Bukarest war von den ziirücktehrcndcn Studenten besetzt, die bei ihre« Eintreffen i» Bukarest durch Militär von weiteren Unruhen adgchalte» wurden. Der Ministcrrat hat die schärfsten Maßnahme» gegen die Unruhestifter und die unteren Verwaltungsbehörde» beschlossen, die fl>e Unruhen duldeten. In der Kammersitzung brachte der indische Führer Filöer- mann eine Interpellation über die Vorgänge ein. Innen- minister Dura versprach, all- Vorkehrungen zu treffen. Darauf interpellierte ein Mehrheiisabgeorducter über die vorgestrige ungarische Kammersitzung nnd erklärte, die Regierung müsse Budapest entsprechend antworten. Budapest sollte endlich wissen, daß Rumänien niemals eine Aende» 9tr. 250. Jahrgan g 1927. _ Der Landbote * Sinsheim er Zeitung. Samstag, den 10. Dezember 1927. rung seiner Grenzen dulden iveroc Innenminister -vnca erwiderte, die Regierung •i»nit den sonstige« sachlich zuständige« Refforts, namentlich auch den prentzische« Dienststellen, die einheitliche «nd beschleunigte Behandlung aller auf Ostpreußen und die übrigen östliche» Grenzprovinze« bezüglichen Fragen sicher zu stellen. Die Berwaltnnosstelle hat ihre Arbeiten in gemeinsamen Beratungen mit den zuständigen Reichs- und preußische« Ressorts auf wichtige« Gebieten bereits so weit gefördert, daß voraussichtlich alsbald maßgebliche Entscheidungen' getroffen werden können. Die Reichsregierung legt mit der preußischen Staatsregierung besonderen Wert darauf, dieses stärkere Zusammenwirken bei der Behandlung aller Ostfragen im Wege der vorstehend erwähnten Organisation nicht aber durch die Schaffung neuer Dienststellen zu erreichen. Lediglich zur Bewältigung der künftig der erwähnten Ministerialabtet- lung des Reichsinncnministeriums zufallenden Aufgaben wird auf Grund dieses Beschlusses des Reichskabinetts dieser Stelle zunächst ein Vertreter der ostpreußische» Wirtschaftskreise zugeteilt werden, der — vorläufig zur kommissarischen Beschäftigung — in das Reichsinnenministerium I einberufen werden soll. Der Reichskanzler hat sich vorbehal- ren, otejen Beamten zum persönlichen Vortrag zwecks »»- mittelbarer Entgegennahme der Wünsche Ostpreußens he» anzuziehe». Aus den ReMagsausflhüffe« Berlin, 10. Dez. Ter 'Bildungsausschutz des Reichstages setzte die Beratung des von den Deutschnational««, dem Zentrum, der Bayerischen Volkspartei und der Wirt- schaftlichen Vereinigung zum Reichsschulgesetz neu beantrag- ten Paragraphen 18 a fort. Danach soll bekanntlich in den Gebieten, in denen seit 1. Oktober 1918 die Schulform ge- ändert ist, innerhalb eines Jahres nach Beginn der Durch- ßührung des Gesetzes einem Antrag auf Umwandlung in die frühere Schulform stattgegeben werden, wen« mehr als die Hälfte der Erziehungsberechtigten es verlangen. Seitens der Regierung wurde auf verschiedene Anfragen betont, daß dieser Antrag nicht verfassungswidrig sei. Nach längerer Debatte wurde zu Paragraph 2 des Schulgesetzes der Antrag der Deutschen Bolkspartei angenommen, wonach diesem Paragraphen folgende Fassung gegeben wird: „Die Volksschulen sind nach näherer Bestimmung dieses Gesetzes Gemeinschastsschulen oder Bekenntnisschule« oder bekenntnissreie Schulen. Ihnen ist unbeschadet des Artikels 146 Absatz 1 der Reichsverfassung im Rahmen der Bestimmung dieses Gesetzes freie Entwicklnngsmöglichkett zu geben." Neu cingefügt wurde auf Antrag der Deutschen Bolkspartei ein Paragraph 12 a, wonach vom Amts wegen einzn- richtende neue Schulen als Gemeinschaftsschulen etnzu- richten sind, soweit nicht die Mehrheit der Erziehungsberechtigten eine andere Schnlsorm beantragt. Der Paragraph 18 des Schulgesetzes wurde gleichfalls entsprechend dem Anträge der Deutschen Volkspartei angenommen, der die einfache Mehrheit für die Umbildung einer bestehenden Bekenntnisschule in eine Gemeinschaftsschnk« vorsieht. Annahme fand dann auch der gemeinsame Antrag der Deutschnationalen, des Zentrums, der Bayerische« Volkspartei unH der Wirtschaftlichen Bereinigung a«f Einfügung eines Paragraphen 18 a. Der Wohnungsausschuß erledigte das Mieterschutzgesetz durch fast unveränderte *«» nähme der Paragraphen 52 bis 52a, etwaige Aufheb««« von Urteilen oder Vergleichen. Im Strafrechtsausschuß des Reichstages wnrde in in Abstimmung Paragraph 69 nach Annahme verschiedener IT#» träge des Zentrums und der Bayerischen Bolkspartei t» folgender Fassung angenommen: „93et Bemessung der Strafe hat das Gericht hauptsächlich abzuwägen, inwieweit die Tat auf eine verwerfliche Gesinnung oder Willensrichtung des Täters und inwieweit sie auf Umständen beruht, die dem Täter nicht zum Vorwurf gereichen. Es soll dabei berücksichtigen: die Beweggründe »ich den Anreiz zur Tat, den Zweck, den der Täter verfolgt h«ch die Nachhaltigkeit des zur Tat aufgewendeten Willens und die angewendete« Mittel, die verschuldeten Folgen der Tat, das Maß der Einsicht des Täters und den Einfluß krankhafte, ober ähnlicher Störungen auf seinen Willen, das Vorleben des Täters, seine persönlichen und wirtschaftlichen BerWlt- nisse zur Zeit der Tat und der Aburteilung, das Verhalte» des Täters nach der Tat, insbesondere, ob er sich bemE hat, den Schaden wieder gut zu machen, der durch di« Tat entstanden ist. D''e Vesolduligsordnung wurde in einer Entschließung, die die aufsteigende« Sehälter enthält, tm wesentliche» in der Fassung der erste» Lesung angenommen. Bei der Besolbnnqsordnung, die di» einzelnen Gehälter festlegt, wurde anf Antrag der Regierungsparteien eine Verbesserung für ReichsgerichtS- richter beschlossen. Die Stellen der Ministerialdirigenten wurden entsprechend einem sozialdemochraiischen Antrag als künftighin wegfallend bezeichnet. Auch die Besoldnngsord- »ungen c und d wurden angenommen. Der Ausschuß erledigte dann Paragraph 7 und 22 entsprechend de» Beschlüssen der ersten Lesung. Paragraph 22 bleibt gestrichen. Zugestimmt wurde auch dem neuen Paragraphen 22a Wer die Festsetzung des Besoldungsdienstalters der Versorgnngs- anwärter. Von der Regierung wnrde noch festgestellt, daß sie alle Vorbereitungen getroffen habe, den Beamte« nicht bloß Pauschalbeträge zu Weihnachten ausznzahle», sonder« die neuen nach dem Gesetz zustehenden Beträge. Borgeschrieben sei die Verabschiedung der Vorlage bis zu» 14. Dezember. Die neue Hauszinssteuer. Dem Reichsrat liegt zur Zeit der Entwurf eines Steuer- vereinhettlichungsgesctzes vor, das neben der Rcgelung der Grund- steuer und Gewerbesteuer auch die Hauszinssteuer in neuer Fon» festlegen soll. Statt in Zuschlägen zur Grundvermögenssteuer soll in Zukunst die Hauszinssteuer in Prozente« »er Miete rv- ROMAN* von FRED NELIUS 5 Und ich finde keinen. Wie ein gefangener Vogel flattere ich im Käfig. Ich stoße mir die Seelenflügel wund. So geht es nicht, mein Freund. Helfen Sie mir." „Wenn ich könnte, Durchlaucht ... so herzensgern. Aber ich begreife nichts. Durchlaucht reden von Verpflichtungslast . . . Gewissensbürde . . . Wem gegenüber, wenn ich bitten darf?" „Ihnen gegenüber. Lassen Sie uns noch einmal offen über alles reden." Jürgen hob die Schultern. „Ich weiß nur noch, daß wir S estern beide einen letzten Blick in ein Geheimfach taten, das ch nun für alle Zeit geschlossen hat. Was darin war» habe ich vergessen . . . vollkommen . . . unwiederbringlich . . . ewig. Ich würde jederzeit beschwören .. . Ihnen — meinem eigenen Gewissen gegenüber — vor den Richtern, daß ich den Herzog von Hohenastenberg am vierten Januar erschossen habe. Und Mn, Durchlaucht, bitte ich um gnädige Nachsicht ... Ich verstehe nichts. Verpflichtungslast . . .? Das Wort tut bitter weh. Gegen mich?" Ein mattes Lächeln. „Lieber Freund, Sie sind Fanatiker. Aber — haben Sie bedacht, daß auch ein Dritter in den — Geheimnisschrein, der nach Ihrem Willen ewig fest verschlossen bleiben soll, gesehen haben kann?" Jürgen hob den Kopf. „Das — ist unmöglich." „Warten Sie." Die Herzogin stand auf. Durch die offene Tür des Nebenzimmers sah Jürgen weiße Möbel ... ein Bett unter viereckigem Dach von schneeigweißem Musselin. Ueber dem Gefältel schmale Atlasschleifen. Auf blaß-blauem Velour ein weißes Fell. Bläulich-zartes Licht aus einer matten Ampel . . . Die Herzogin trat wieder durch die Tür. Schloß sie. Sie hielt drei Briefe in der Hand und gab sie Jürgen. „Hier, wenn ich bitten darf, den letzten lesen Sie zuerst." Ein Karton aus silbergrauem Bütten. In der Ecke oben links die eingeprägte Herzogsirone. Große, ausaepräate. hochgereckte Schritt . . »Ich fordere Sühne. Ich komme. Gib mir ein Zeichen, ob du dich von meiner Rache lösen willst." Jürgen dachte nach. Er lächelte. „Der Kerl ist so un- sagbar plump. Wissen Sie, Durchlaucht, an wen mich dieser Geisterstil erinnert? An Fritz Triddelfitz' geheime Briefe an Lowise Hawermann." „Wenn das Drum und Dran nur nicht so traurig wäre. Was will der Mann von mir?" „Geld erpressen." „Warum nennt er seine Forderung nicht?" „Weil er Sie erst mürbe machen möchte. Er holt vorsichtig zu dem großen Schlag aus. Es muß jemand fein, der Ihre Psyche und intime Dinge Ihrer Ehe mit dem Herzog kennt. Der Kerl will sicher sein . . . wahrscheinlich ab- warten, wie die Drohung auf Sie wirkt." „Der Kammerdiener meines Mannes . . .?" „Möglich." „Er war der erste, der uns an jenem Schreckensabend fand. Ob . . ." Jürgen lief ein kalter Schauer durch den Leib. Er dachte nach. Er versuchte jede Phase jenes Abend mit der Möglichkeit. die da plötzlich drohend ihre Schatten reckte, zu vergleichen. Die Uhr der Hohenastenbergfchen Bibliothek stand bildhaft vor ihm Er dachte daran, daß die beiden Zeiger damals, als er nach der ersten kurzen Ohnmacht aufsah. nach dem Teppich zeigten. Halb sieben ... Er konnte sich genau erinnern, daß der herzogliche Diener unter seinem Zeugeneid beschworen hatte, er hätte zu der Zeit der Katastrophe für den Herzog einen Gang besorgen müssen und die Bibliothek erst gegen acht betreten. Der Schneider, zu dem er Sachen des Herzogs hintrug, hatte vor Gericht bestätigt, daß der Diener um sieben, gerade als er seinen Laden 'chließen wollte, fortging. Alles das war einwandfrei erwiesen. Daran zu zweifeln, war unmöglich. Er atmete erleichtert auf. . . Da-Sein Herzschlag setzte aus Da war der tote Herzog ... Er rief. Geisterhaft . . . Wie aus einer anderen Welt . . . und doch so erschreckend deutlich, er, kein anderer - herrisch, kurz und fordernd — daß das Blut gerinnen wollte. „Christa!" Die Herzogin war kreidebleich. Sie zitterte am ganzen Körper. $ie_ Augen flirrten qualvoll über Jürgen. „yrr. . .r „Nein." Jürgen faß bewegungslos. Er lauschte. Ein kleiner Gegenstand flog klirrend an das Fenster. Eine kurze Pause. Dann wieder kurz, scharf, halbgedämpft wist das Zischen einer Schlange: „Christa . . ." „Durchlaucht, ich bin Ihr Freund. Wollen Sie mir ft» einziges Mal vertrauen?" „Ja . . . immer." „Schalten Sie das Licht aus. Gehen Sie an das FenstAr und öffnen Sie die beiden Scheiben." Sie nickte. Im gleichen Augenblick; warf sich Jürgen auf den Teppich und sprang geduckt mit wenigen Sätzen an die Mauer unterhalb des einen Fensters. Draußen das dritte: „Christa ..." „Vorhänge zurück. Fenster auf. Weit. So . . ." Er war draußen. . . unten im Vorgarten der „Urvafi". Er sah sich um. Hohenastenberg, den Haarfilz in die Stirn gezogen . . . den eleganten Covercoat am schlanken Leib. .. das Stückchen mit der goldenen Krücke in der Hand, ft«nd außerhalb des Zaunes auf der Straße. Er warf eine« kurzen Blick auf Jürgen ... lüftete den Hut. .. wandte sich und ging. Der schlanke, behende Reitersmann war flink wie et«e Katze an dem schmiedeeisernen Tor . . . prallte gegen eine Frau . . . wollte sich mit einem Entschuldigungswort an ihr vorbei zur Seite zwängen . . . fühlte sich am Rock geholte» . . . hörte ihren Schrei: „Einbrecher . . . haltet ihn!" . . . rang sich mühsam frei . . . lief bis zur nächsten Straßenecke . . . sah sich ratlos um. Bon dem Pseudoherzog nirgend» eine Spur. Er war verschwunden. Eine kleinen Menschenansammlung hatte sich um ihn gebildet. Niemand wußte recht, woran er war. Die ganze Sache schien ein Mißverständnis. Die Frau, die Jürgen feft- gehalten hatte, war nicht mehr zu sehen. Jürgen erklärt«, daß er selbst das Opfer eines abgefeimten Schurkenstreichs geworden sei. Man ließ ihn gehen. Er kam sich eigentlich unglaublich ungeschickt und töricht vor. als er wieder in die Lahmann-Villa trat. Rr. 260. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinshekmer Zeitung. Samstag, den 10. Dezember 1927. w !.Jt tftbtB mtrbo. Die Kreise der Mieter und Vermieter und die verwaltungsmäßig mit den hier in Rede stehenden Problemen befaßten Stellen sind bereits mit verschiedenen Aenderungswün- scheu auf den Plan getreten. Die Bedeutung, die der Ertrag der Hausztnssteuer für die Finanzierung des Wohnungsbaues hat, läßt es wünschenswert erscheinen, die Steuer wenigstens solange zu sichern, bis die Schaffung neuen Wohnraums zu einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage geführt hat, d. h. bis die Geißel der Wohnungsnot von den schwer darunter leidenden »eite« Bolbskreisen genommen ist. Leider scheint dies nicht der Salt zu sein. Der eine Teil, der neuen Hauszinssteuer, die sogenannte Werterhaltungssteuer soll bis zum 1. April 1934 befristet werden. Der andere Teil, die eigentliche Gedäudeentschul- dnngssteuer soll nur weiter dauern, wenn und insoweit die Reichsregierung dies in einer zum 1. April 1929 abzugebenden Erklär- nng für erforderlich hält. Diese Bestimmung erregt bei allen denen schwerste Besorgnisse, die in der Beseitigung der Wohnungsnot eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit erblicken. Sie Grmaß'sung der Lohnsteuer von 10 aus 9 Prozent vom AeWras angenommen verN«. 10. Dez. (Fnnkspruch.) Der Reicksrat beschäftigte sich gestern mit einer Regierungsvorlage, die die Lohnsteuer von 10 anf 9 Prozent ermäßigt hM zugleich Sie bisherigen Familienermäßtgungen für H-reme« und Kinder erhöben wollte. Die Vorlage sah weiter f«r die Anlagepslichtigcn eine Ermäßigung des Ein- konnucnsteuertarifes in den untersten Stufen von 10 anf 9 Kwzent vor. Die Reichsratsausschüsse hatten aus finan- jit&tn Gründen nur die Familienerinätztgnng angenom- «tat, dagegen die sonstigen vorgeschlagenen Steuerermäßi- gange» aÄielehnt mit der Begründung, daß durch den ent- Einnahmeaussall Länder und Gemeinden geschädigt werben würden. Von Württemberg war beantragt wvrbe». auch die Familienermäßigungen nickt zu bewilligen. Die Retchsratsausscküsse hatten jedoch den württembergiscken Antrag abgelehnt. In der gestrigen Vollsitzung des Reichsrates wurde diese Abstimmung wiederholt und der Antrag Württembergs mit 47 gegen 21 Stimmen abgelehnt. Die Ausschußbeschlüsie wurden in einfacher Abstimmung mit Mehrheit angenommen. Bon seiten der Reichsregierung »urbe die Erklärung abgeg-ben. hoft fie an stirer Vorlage schalte. Es wird daher eine Doppelvorlage im Reichstag e*bgebr«cht werden. SeoWer Reichstag Sm»«h«e des deutsch-jugoslavischen Handelsvertrages. Berli«, 9. Dezember. Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 18 Uhr. Anf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag des Ge- fchäftsordnungsausschuffes, die Genehmigung zur Berhaf- fcttig der kommunistischen Abgeordneten Stöcker, Koenen, Hilirnle» Heckert, Remmele und Pfeiffer auch weiterhin zu versagen und das Strafverfahren bis zum Beginn der nächste« Sommerferten des Reichstages oder bis zum Reichs- tagsschlutz auszusetze«, dagegen die vorherige Anberaumung et«es in diese Zeit fallenden Hauptverhandlnngstermtns Mt» -te vorherigen Ladungen zu genehmigen. Abg. Dr. Bell (Str.) erklärt, schärfste Mißbilligung müsse man darüber aussprechen, daß die kommunistischen Abgeordneten im Oktober einfach bet der Verhandlung im Leichsgericht ausgeblieben feien. Der Redner begrüßt einen Antrag der Regierungsparteien, wonach die Immunität der genannten Abgeordneten vom Beginn der Sommerferien beS Reichstages oder vom Reichstagsschlutz ab ganz auf- gechobe» und dann auch die Verhaftung bzw. Vorführung zu- «slafsen werden solle. Abg. Dittman» (Soz.) bezeichnet es als ungewöhnlich, daß diejenigen, die im Ausschuß den dort auch angenommene» Antrag stellten, jetzt im Plenum einen anderen Antrag stelle». Es handele sich um einen ausgesprochenen politischen Tendenzprozeß. Die Verfehlungen der Hitler, Ludendorff und Graefe aus demselben Fahre 1923 würben nicht verfolgt. Niedncr sei der Propagandachef der kommunistischen Partei, die ihn zum Dank dafür an die Spitze ihrer nächsten Wahlliste svtzeu sollte. (Heiterkeit.) Abg. Schneller (Komm.) erklärt, die Angeklagten hätten sich nicht gestellt, weil sie den Beschluß des Reichstages nicht brüskieren lassen wollten. Abg. Schalem (Linker Komm.): „Ihr seid schöne Kommunisten! Nur um einen Reichstagsbeschlutz öurchzuführe», stellt Ihr Euch nicht!" Abg. Höllei« (Komm.), drohend: „Halts Maul! Wir ziehen Dir die Unterhosen stramm! (Heiterkeit.) — Du hast a« allerwenigsten Grund, de» Mund aufzumachen!" (Abg. Scholem verläßt lachend unter allgemeiner Heiterkeit den Saal.) Abg. Lanbsberg (Soz.) bezeichnet den Antrag der Regierungsparteien als unmöglich. Der ganze Prozeß sei nicht mehr zeitgemäß. Der kommunistische Antrag anf Aussetzung »es Verfahrens wird im Hammelsprung mit 168 gegen 139 Stimmen bei vier Enthaltungen, darunter den Abgeordneten Dr. Kahl und Dr. Rießer (D.V.P.) abgelehnt. — Der Antrag der Regierungsparteien wird gegen Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten, Völkische und Nationalsozialisten «»genommen. Der Gesetzentwurf über die Krankenversicherung der See- lente wird uach einer Erklärung des Abgeordneten Nedder- meyer (Komm.), daß seine Fraktion den Entwurf ablehne, «egen die Stimmen der Kommunisten und Deutschnationalen t» dritter Lesung ««genommen. Die Gesetzentwürfe zur Ergänzung des Hypothekenbankgesetzes »nd über die Pfandbriefe und verwandte» Schuldverschreibungen öffentlich- rechtlicher Kreditanstalten werden in der Ausschußfaffung verabschiedet. Ebenso wird die Verlängerung der Geltungsdauer des Gesetzes über Depot- und Deposttengeschäfte bis »um Dezember 1929 zugestimmt, und zwar, da bas Haus nur schwach besetzt ist und die Abstimmung zweifelhaft hleibt, rm Hammelsprung mit 168 gegen 143 Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten. In einer Entschließung wird gewünscht, daß die von dem Deutschen Sparkaffen- und Giroverband entworfene Mustersatzung möglichst bald in den Sparkassen aller Länder zur Einführung gelangt. Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über den deuisch-jugoslavische« Handesvertrag. Der Ausschuß schlägt vor, daß die mit dem Vertrag verbundene ZollerhShnn« für Jnduftriemais erst am 1. Mär» 1928 in Kraft treten soll. Abg. HamkenS (D.V.P.) gibt für die Regierungsparteien eine Erklärung ab. Es wird darin der Abschluß des Vertrages begrüßt. Abg. Frau Sender (Soz.) beantragt die Streichung de» Artikels drei, der die Aenderung des allgemeine» ZolltarffS behandelt. Der ganze Reichstag sollte dagegen Widerspruch erheben, daß hier Fragen der Außenpolitik mit innenpolitische» Wirtfchaftsfrage» verquickt werben. ReichsernährnugSminister Schiele erklärt darauf, im vorliegenden Falle hätten Zweckmäßig- keitsgründe dazu geführt, in das Gesetz über den Handelsvertrag eine mit dem Vertragsinhalt eng zusammenhängende materielle Regelung aufznuehmen. In jedem Falle werde künftig darauf Bedacht genommen werden, daß Ber- tragsregelungen nicht mit autonomen Regelungen formell verknüpft werden. Der Minister, sucht dann zahlenmäßig darauf hinzuweisen, daß die Zollerhöhung von 1.80 RM. pro Doppelzentner Jnduftriemais angesichts der hohen Preisspanne bei der Verarbeitung und im Handel für den Verbraucher sich gar nicht auszuwirken brauche. Abg. Meyer-Berlin (Dem.) bezeichnet die Erklärung des Ministers als unbefriedigend. Me um den Preis der Zollerhöhung für Jnduftriemais von der Regierung verfügte Ermäßigung für Futtermais sei unzureichend. Der Redner stimmt dem sozialdemokratischen Antrag zu, begrüßt aber im übrigen den Handelsvertrag, der geeignet sei, die Beziehungen zu Jugvslavien zn verbessern. Abg. Hörule (Komm.) lehnt den Handelsvertrag ab. Unter Ablehnung des sozialdemokratischen Streichuugs- autrages wird die Maiszvllerhöhung mit 183 gegen 158 Stimmen bei 18 Enthaltungen angenommen und der Vertrag in zweiter und dritter Beratung angenommen. Vor der Schlutzabstimmung erklärt Abg. Müller-Franke» (Soz.), daß seiner Fraktion die Zustimmung zu dem Vertrage durch das Vorgehen der Regierung unmöglich gemacht sei. Seine Partei erhebe entschiedenen Protest gegen die Verkoppelung der Zollerhöhung mit dem Handelsvertrag. Darauf wird der Handelsvertrag auch i« der Schlutz- abstimmuug gegen Sozialdemokraten «nd Kommunisten au- gtttOttttttCtt» Das Haus vertagt sich auf Samstag 14 Uhr. Bericht des Ruhrausschusses, Spiritusmonopolgesetz. Schluß 19 Uhr. Baden. Znm Bergleichsvorschlag in der badische« Textilindustrie. Freiburg, 10. Dez. Zu dem vom Landesschlichter gemachten Bergleichsvorschlag bezüglich der Lohnbifferenzcn in der badischen Textilindustrie ist noch zu berichten, daß der Vorschlag des Schlichters auch die Zurücknahme der ausgesprochenen Kündigungen vorsteht. Von Arbeitgebersette wirb mitgeteilt, daß durch den Vergleichsvorschlag das jährliche Lohnkonto der badischen Textilindustrie um 3 Millionen Mark erhöht werde. Znr Erkrankung des badische« Zeutrumsführers. Kreiburg i. Br., 1ü .Dez. Im Befinden des Prälaten Dr. Schofer ist eine kleine Befferung zu verzeichne», doch leidet der Patient unter großer Schwäche, so daß nach wie vor sei« Zustand besorgniserregend ist. nuiiiuiiiiinniiiiiitiiniiiiiiiifiiiiiiiiiiinimiiinmmimmmiiniiiiiiimiiiiimmiiiiiiimiiiiumi Bestellen Sie den Landboten fflr den Monat Äanuar. Für jeden, der sich in Kürze und doch eingehend über alle wichtigen Tagesereignifle u. besonders lokale Begebenheiten unterrichten will.empfiehltstch einAbonnement auf den Lanbboten. der täglich erscheint Bestellungen werden bei der Post u. unseren Agenten angenommen. Der Abonnementspreis beträgt frei ins Haus gebracht monatlich nur Mk. 1.20. Es kann auf den Landboten auch nach Beginn des Monats abonniert werden. daben im Landboten wegen f iner großen IIIIIIIIIIIIlIIIIIIIIlIlIIIII»IIIIIIIIIUIIlI»IIIIIUIIIIIII!IIIUIIIII I Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 10. Dez. (Arbeiterbildungsverein.) Nach längerer Pause wird auch der Arbeiterbildungsverein seinen Mitgliedern wieder einige abwechslungsreiche Stunden bereiten. Am Neujahrstag wird im Stadtparksaale die diesjährige Weihnachtsfeier stattfinden. Theater, Gesang, Tanz und Gabenverlosung werden den Abend zu einem gemütlichen gestalten. Näheres wird noch bekannt gegeben. -j- Sinsheim, 10. Dez. (Dem Badischen Landesverein vom Roten Kreuz) sowie dem Badischen Frauenverein wurde durch einen Erlaß des Ministers des Innern wiederum eine Geldlotterie genehmigt. In fast allen Orten Badens unterhalte« diese Vereine Anstalten und Einrichtungen wie: Sanitätskolonnen mit Rettungs- und Unfallstellen, Krankenpflegestationen, Kinderheime, Kinderschulen, Frauenarbeits- und Kochschulen: /ie pflegen die Fürsorge für Säuglinge, Kleinkinder, Wöchnerinnen, Tuberkulöse, Kleinrentner. Der Reinertrag der Lotterie soll zur Erhaltung und Erweiterung dieser Einrichtungen verwandt werde«, deren Fonds durch die Inflation entwertet wurde. * Siusheim, 10. Dez. (Gewicht der Briefe.) Mit Rücksicht darauf, daß sich bei der Fesfftellung des Gewichts der Postsendungen «us verschiedenen Ursachen unwesentliche Gewichtsunterschiede nicht vermeiden lassen, soll fortan im innerdeutschen Verkehr bei der Gewichtsermittlung der Brieffendungen ein Ueber- gewicht von weniger a ls V» Gramm unberücksichtigt bleiben. * Sinsheim, 9. Dez. (Unerlaubte Ausspielung.) Das Badische Landespolizeiamt warnt neuerlich vor unerlaubten Ausspielungen und verweist hierbei besonders auf einen Prospekt, den das Bankgeschäft I. I. Bindels in Amsterdam unter scheinbar recht günstigen Bedingungen versendet. Es handelt sich auch hier um Weiterverkauf von Karten, ohne daß aber eine Kontrolle darüber besteht, daß die andern Teilnehmer an den Ausspielungen ihre Karten auch tatsächlich einlösen. Das Badische Landespolizeiamt macht darauf aufmerksam, daß schon die Teilnahme an solchen unerlaubten Ausspielungen strafbar ist. * Sinsheim, 10. Dez. (Zinspolitik der Sparkassen.) Der Sparkassenausschuß beim Deutschen Sparkassen- und Girove:band, beschloß, über die Mitgliederoerbände auf die Sparkassen einzuwirken, die Einlagezinsen in angemessenen Grenzen zu halten, um nicht die Ausleihzinsen, oie in ihrer Höhe noch immer eine schwere Last für die kreditnehmende Wirtschaft bedeuten, weiter erhöhen zu müssen. Die Sparkassenorgamsation wi.d diesbezüglich auch mit den Verbänden der Aenosienschaflen und Banken Fühlung nehmen mit dem Ziele, ein weiteres Ansteigen des Zins- niveaus zu verhindern. x Obergimpern. l0. Dez. (Mission.) In der Woche vom ll. bis 18. Dez. findet in Obergimpern in der «vang. Kirche Bolksmisiion statt. Der von der badischen Landeskirche mit dieser Aufgabe betraute Pfarrer Pauer aus Heidelberg wird fie halten. Jeden Tag finden zwei Vorträge Mt, mittags um 3 Uhr und abends um halb 8 Uhr. Die Machmittagsveranstaltung vom ersten Sonntag ist in der ev. Kirche in Untergimpern. An beiden Sonntagen hält Herr Pfarrer Bauer außerdem den tzaupt- gottesdienst vormittags um 10 Uhr in Obergimpern. Es wird wohl t zu erwarten sein, daß nicht nur die Bevölkerung des Ortes, sondern auch die der Nachbarorte an den Veranstaltungen teilnimmt und reichen inneren Gewinn davon hat. * Bad Rappenau, 9. Dez. Das Ergebnis der am 1. Dezember hier vorgenommcnen Viehzählung ist folgendes: Pferde 55 (56). Rindvieh 407 (382), Schweine 467 (472). Ziegen 248 (259), Federvieh 3571 (3054), Bienenvölker 12 (11), Hunde 94. (101). Reichertshausen, 10. Dez. (Die Barbaraseier.) Am Sonntag abend 7 Uhr versammelten sich im Gasthaus zur „Krone" die ehemaligen Artilleristen und Pioniere um ihrer Schutzheiligen Barbara durch eine kleine Feier zu gedenken. Bürgermeister Baumgärtner leitete mit trefflichen Worten die Feier ein und wies zugleich auf die Ursache und die Bedeutung dieses Tages hin. Beim Erzählen von Knegserlebnisien und Singen von Soldaten- und Daterlandslieder flog die Zeit nur zu rasch dahin. Zum Schluß mahnte Schneider zum festen Zusammenhalten Aller und bedauerte nur, daß es unserer Jugend versagt bleibe diese gleiche Schule auch mitzumachen. = Oberschesf.enz, 9. Dez. (Unglückssall.) Gestern mittag verunglückte der in den 40 er Jahren stehende Landwirt August Bauschbach beim Holzmachen im Gemeindewald dadurch, daß ihm von einem fallenden Stamm der rechte Fuß oberhalb des Knöchels schwer verletzt wurde. P Meckeshrim, 9. Dez. (Genossenschaftswesen.) Am Sonntag fand die ordentliche Generalversammlung des Landw. Lagerhauses e. <8. m. b. H. Meckesheim statt. Die zahlreich anwesenden Mitglieder waren mit der Geschäftstätigkeit des Lagerhauses zufrieden und beschlossen eine annehmbare Verzinsung der Geschäftsanteile. In den Aufsichtsrat wurde neugewählt Landwirt Wilh. Lichtner-Zuzenhausen. Ein von Diplom-Landwirt Kirch- gäßner gehaltener Bortrag über Hafer- und Gerstenbau wurde mit großem Interesse angehört. P Meckesheim, 9. Dez. (Verschiedenes.) Zur Zeit liegen auf dem Rathause die Zähllisten über den Bestand an Pferden und Rindvieh nach der amtlichen Zählung vom 1. Dezember d. Is. während 8 Tagen zur Einsicht auf. Während dieser Zeit ist den Tierbesitzern Gelegenheit gegeben, die Listen einzusehen und etwaige Berichtigungen vornehmen zu lassen. Me Einsichtnahme ist richtig, weil die eingetragenen Zahlen später als Grundlage für die Berechnung der Umlage zur Biehversicherung dienen. — — Am kommenden Montag werden auf dem hiesigen Rathause die Gemeindegrundstücke für die die Pachtzeit abgelaufen ist, meistbietend auf weitere 6 Jahre neu verpachtet. — Zur Verhütung von Berkehrsunfällen weist eine Bekanntmachung des Bürgermeisteramtes erneut auf die wichtigsten Vorschriften der Berkehrsordnung hin. % Agiafstrhaufen, 9. Dez. (Betriebseinstellung.) Die hiesige Dampfziegelei hat seit einigen Tagen ihren Betrieb für den Winter über eingestellt, nachdem schon vor einigen Wochen 40 Arbeiter entlassen wurden. * Asbach, 9. Dez. (Die Quellenfassung) zur hiesigen Wasserleitung ist nun durch das Mosbacher Kullurbauamt beendet worden. Die gefaßte Quelle liefert 8 Sekundenliter. Die Kosten der Queilenfassung betrugen 3000 RM. und die Gesamtkosten für d ie Wasserleitung, die nächstes Früh.ahr erstellt werden wird, kommen auf etwa 50000 RM. Da die Quelle zu tief lieg^ muß ein Pumpwerk erstellt werden. x Aus dem Reckartal» 8. Dez (Bon der Landwirtschaft.) Die frühgesäten Saaten haben sich bei dem langen, milden Wetter gut entwickeln und gut ausstocken können. Nur selten sieht man Aecker mit leeren Platten, die vom Schneckenfraß herrühreist. Da die letzten Nächte bereits Frost brachten, wäre eine dicke Schicht Schnee allen Landwirten sehr willkommen. Die meisten Aecker liegen auch auf Randfurche, sodaß die Gespanne jetzt etwas mehr Ruhe haben. Mit dem Ausputzen der Obstbäume wurde überall begonnen. Der Landwirt in unseren Dörfern sieht dieses Jahr auf ein gutes Jahr zurück. Ganz besonders gut schnitten die Neckartalcr Landwirte mit dem Obst ab. t Dielheim, 9. Dez. (Bon der Zigarrenindustrie.) Das seither von der Firma Hanf und Joses gepachtete Fabrikwesen ist nun ebenfalls pachtweise auf die Firma Jakobi übeigegangen. Der Firmenwechsel bedeutet insofern einen erfreulichen Aufschwung in der hiesigen Arbeitslage, als der neue Unternehmer ungefähr 40 Arbeiter mehr als der frühere einstellen wird, der ca. 60 Arbeiter im Betrieb hatte. --- Walldorf, 8. Dez. (Verschiedenes.) Am 1. Dezember wurde der Gendarmeriewachtmeister Julius Hennrich von hier nach Rappenau in gleicher Eigenschaft versetzt. Die freigewvrdeue Stelle wird durch Gendarmeriewachtmeister Gehrig gus Malsch besetzt. — Dieser Tage wanderte Fräulein Appel, die Tochter des verstorbenen Johannes Appel, nach Amerika aus, wo eine Schwester von ihr verheiratet ist. — Die Wasser- und Straßenbauinspektion wird in nächster Zeit eine einheitliche Straßenbeschildung durchführen. — Der Tabakverbauf kann hier als abgeschlossen betrachtet werden. Es wurden 2500 Zentner Obergut zu einem durchschnittlichen Preis von 65 RM-, ungefähr 300 Zentner Sandblätter zu einem mittleren Preise von 60 RM-, sowie ca. 100 Zentner Grumpen zu einem mittleren Preis von 25 RM. eingewogen. Hieraus ergibt sich aus der diesjährigen Tabakernte ein Gesamterlös von rund 185 000 RM. -- Baicrta», 9. Dez. (Ueberfahren) wurde am Dienstag das dreijährige Kind des Maurers Blaser durch einen Lastkraftwagen einer Brauereifirma, als es blindlings vom Haus auf die Straße lief. Der Wagen ging ihm über die Beine. Die Der- Neueste amMche Kurse mitgetetlt von der Dereinsbank, e. G. m. d. H. Sinsheim, vom 10. Dezember 1927. ln o;o 68,«o 13 «n(ci%cn: «blösungSlchnld mH Susloluiigsschetn ohne Anslosungsschet» Bankaktie i ln o/o -Val», «anl 171 Darmftädrer- »nd Nationalbank 2->,3o Deutsch« Bank .... 133,60 i). uticheBereinSbank . loa Dresdner Bant . . i5 Ph Mitteldeutsche Kreditbank ,04 «etchsbank . . . — «Hein. Kreditbank . 1,2,30 Sudd. Disco nlo «Sei. 131 Ber,»erd» , Aktien m 0/, Harpeuer vergönn . — »ati WesteregeM . . . Idt, Mannesnuuu.röhrenwerke. 1,140 Mansietoer oergd. u.cuttern» 1,2,30 Lberscht, Eilend. -Sedars . . 83 Phontr -vergönn u-ettnenoetneo 00,25 L»t«werk (.etummu .100 vereintste trontgs- Laurahmie 78,60 Aktien tnknttc. Untccn^nrnngen: Ul >00 kUfl. ütettc. otauuuatiien . 106 Babeuta Wen-deim . — Vub. Elettriznai Mannheim — Bad. ättujditneu Suilat» 138 Lementwerk Heidelberg Daimler Motoren . Dtfch. Go>d- aub Stlberfchetde Slektr. Licht und straft . Smatll. und Stauzrverk Ullrich juqs Waggon Stamms Nie u ISriyner Maschinen Durlach . Karlsruher Maschinen . Nnorr HeNvronn . Mawkrastwerke Höchst . Äeclarsulm.r Kayczeugwerke . Schucteri Elettr. Niirnverg . SeUMduftrie Wolss . . . Sü»d. Zucker .... Zeuftost Waldhos Stammaktien Aktien deutscher Transport anstalten: m 7»,75 188,50 186 83 ?58,25 117 17,1« 161 H8,5« 102 168,75 134% 24» in 141,50 Hamvnrg. AmertK. Pakets ahn Heidelberger Stratzen» n. Bergbahn — »Norodemicher Lloyd . . 14 & Pew-Korl 1 Dollar Lonvon 1 Psnn» Holland mO Wutoea scywetz 100 tftaueä Wien iOu Schming -barts ioo Aruucs Ztalien 100 Lire «ekifen: (Bett Brief 4-lo30 4.181(1 20.43- 2 80 411/» 168.27 169.81 80.01 80 »7 68.01 39 31 I «.-75 10.315 88.710, 22.7511 Pianohaus Pfeiffer Heidelberg / HauptetraSe 44 bietet Ihnen ent« Fabrik»!« bei weit(ehenrpÄ“ w ‘" ... » !!- Fr»eiRtrlffl|rf8 $“,Ä« pl Sk, • ■ m Wittfcseitetnunpf >.«, lormMefl SS^Äiig .... 145 Eiffutibemden . . z«,«.45 ODerbemäes r.sr IffrrantWMinilM 3.95 »»BtBDiätlienila 1*5 EBöatalter STjf P^! h5toff iefomleibcitc . lanenNnäuiiBlte ÄÄt . »S. 7S, durchweg Berschovt m Mchenkraskheite« bleibt Ihr Bieh bei regelmäßiger I Beifütterung v. M. PvAtztMUMS ge- ^ würztemFntterkalk .,3»ertz». H.. Lnpzitz.tziür. 83«. Zn haben: In Sinsheim in der «ich«» «avter-Ir^ene. Vrsckxmns Bietz-Lehertrm-Ä«llft». kesetligt Verdauungsstörungen! Wirkt sicher! Billige U nterpreiskonfektion für Herren, Burschen halwIUMcI und Knaben . . durchweg 9.50, gnwiwiwtnl I» Hamburger Konfektion, la. NnflüüHlW Voll- oder Stoffbezug, durchweg LSdUBÜtli ^Ä^Xstbesfead . . V ithtiminttl ^— 12 , Ia. wollene Qualität RRramiinC! eigene Konfektion, durchweg ItanriitRmäirtif ? 8_ ~ 43 j ^ *ou«re WllelwiBwifOlCi Donegals,Ulsterform,durchweg itrWBiltel ^ wollene Strapazierqualität 4.51 19.50 lieH-SBiffliffliBte! eigene Konfektion, SpOrtllOttff - • ■ durchweg verschiedene Stoff arten, weit unter Preis, 14 59, Öima-Winterffliffte! «'Äfv&aTu.so, ,. 5 °. riaiiariniiilll verschiedener Art nnd Größe IlBMIIUiCI 4 Serien . . . 12.50, 4.50, 7L0, lli»li»I>KI»ili«I> Wolle bezw. Baumwolle MBUSrSIWUer Größen, dnrebwec a 45 15.00 25.00 durchweg 55.00 4.95 9.25 7.50 4.50 1.95 ScMitteäa MO 180 aller Art in einzelnen Weiten and verschied. Restpost, dnrchw.SO, 250, HsrrenOnp E. SPEISER, SINSHEIM 1 taariwntea iür Dzmen nnd Herren, Trikot, SiC 1 ipcnlHiBB moderne Farben, sehr billig . 0.4I SB «c iß fib 2-3 IfWmämnqm in Sinnhelm: Friseur Ziegler. E. SPEISER, SINSHEIM Hausfrauen u. Verlobte deckt Euren Bedarf » Webwaren Damen- ». Kindermänteln, Strickjacken- u.Strickwesten, Pullovers,Strickgarne» Bettfedern, Bettbarchenten, Damasten, T eppiche.W achstaeke, Li n o 1 e u|m, V erhänge, Peiae, Schirme, Stöcke u. viele sonstige Bedarfsartikel nur bet A. Gummersheimer i H ei lbronn, Kaiserstraße 42. f Jeder Einkauf ist unbedingt lohnenswert ] Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil-1 nähme, die wir beim Hinscheiden unserer | lieben Tante und Schwester Anna Maria Riesterer erfahren durften, sagen wir auf diesem Wege I unsem herzlichsten Dank. Besonders danken wir Herrn Dekan Eisen für die trostreichen Worte am Grabe, für die aufopfernde Pflege der Krankenschwestern, sowie für die zahl- ] reichen Blumenspenden. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Eduard Schick jg. Familie Fritz Zeiher. Sinsheim, den 10, Dezember 1927. Für den Weihnachts- Einkauf empfehle ich zu bedeutend herabgesetzten Preisen in unübertroffener Auswahl Damen-Mä ritel Damen-Kostüme Damen-Kleider Kinder-Mäntel Röcke, Jumper Strick-Jacken und Pullover Ein Besuch in meinem Hause überzeugt von der Preiswürdigkeit dieses Angebots. Max Mijer-Adler Sptziilgucliift fir tonn- ootf Kiodsr - ItsfektiM Heilhronc a. R. Kaherttr. 41 Sonntag, den 11. und 18. Dezember von 12 bis 6 Uhr geöffnet. Sonntags geöffnet hyftoui Hüte / Pelze / Blumen T ;- 7 ri( y |i>> Rr. 250. Jahrgang 1927. D« Landbote * Sinsheimer Zeitung. Samstag, den 10. Dezember 1927. ^ Ans dm Parlammls-Aiisschöffen Z«m Schulgesetzentwnrs. Berlin, 9. Dez. Der Biloungsausschuß des Reichstages fetzte am Donnerstag die Beratung der Uebergangs- und Schlutzbestimmungen zum Retchsschulgesetzentwurf beim Pnragraphen 18 fort, der vom Charakter der bestehenden Schulformen handelt. Sämtliche bei Inkrafttreten des Gesetzes bestehenden Schulen sollen danach in ihrer Schul» f»rm als beantragt gelten, wenn nicht vorschriftsmäßige Anträge auf Aenderung der Schulform gestellt werden. Die Dcutschnationaleu, das Zentrum, die Bayerische Volks- tznrtei und die Wirtschaftliche Vereinigung beantragten ed»en Zusatz, wonach im Gebiet des Reiches, in denen seit 1. Oktober 1918 die Schulform geändert worden sei, inner- haßb eines Jahres nach Beginn der Durchführung des Gesetzes einem Antrag auf Umwandlung in die frühere Schulform stattzugeben sei, wenn mehr als die Hälfte der Erziehungsberechtigten sich dafür aussprechen. Der sächsische Bertreter widersprach diesen Anträgen. U Die Besoldnngsvorlage. Berlin. 9. Dez. Der Haushaltsausfchuß des Reichs» toges nahm am Donnerstag die Abstimmung über das Kapitel „Wartegelder und Ruhegehälter" der Besoldungs- Vorlage vor. Durch einen Antrag der Regierungsparteien W«rde die Bestimmung, daß bei Grundgehältern von mehr ak- 11900 bis 16 900 12 Prozent hinzutreten sollen, dahin geändert, daß die Grenze auf 12000 RM. herabgesetzt werden soll. Es solle nunmehr bei Grundgehältern von 6000 diS einschließlich 12000 RM ein Zuschlag von 16 Prozent gewährt werden. Der sich hierbei als neues Grundgehalt ergebende Betrag soll nicht höher als 12 200 RM. sein. Auch eine Entschließung der Regierungsparteien wurde angenommen, die die Reichsregierung ersucht, baldigst eine Vorlage zu machen, um zu erreichen, daß Beamte, deren Wie- deroerwendung im Dienst ausgeschlossen scheint, in den Ruhestand überführt werden könne». Bei der weiteren Beratung der Besoldungsordnung im .Haushaltsausfchuß wurde zur Diätenordnüng für die «utzerplanmätzigen Beamten folgender Antrag der Regierungsparteien angenommen: „Die zur Zeit des Inkrafttretens dieses Gesetzes im Dienst befindlichen außerplanmäßigen Beamten erhalten ihr um zwei Jahre verbessertes Diätendienstalter. Ihnen wird bei der ersten planmäßigen Anstellung die bei derselben Dienstlaufbahn zwischen dem Beginn des Diäten- dienftalters und der ersten planmäßigen Anstellung liegende Zeit auf das Besoldungsdienstalter nur augcrechnet, wenn sie sieben Jahre, bei Versorgungsanwärtern sechs Jahrx, bei den vor dem 1. Januar 19M eingestellten weiblichen Beamten der Deutschen Reichsvost zehn Jahre übersteigt. Im weiteren Verlauf der Beratungen des Haushalts- ausschuffes des Reichstages wurde bei der Besoldungsfrage A faufsteigende Gehälter) die in der ersten Lesung neu geschaffene Gruppe 4 8 (7100 bis 10 600) unter Wiederherstellung der Regierungsvorlage beseitigt. Auf Antrag der Regierungspartei wurde eine Reihe von Höherstufungen einzelner Beamten genehmigt, unter anderem Beamte der Reichsschuldenverwaltung. Angenommen wurde ferner eine Entschließung der Regierungsparteien, wonach Vorsorge getroffen werden soll, daß die bis zum 30. September 1927 zu Regierungs- bzw. -Inspektoren ernannten Beamten ihre bisherige Amtsbezeichnung weiterführen werden, und daß die Beilegung der Amtsbezeichnung Regierungs- usw. Inspektoren an die Beamten der Sekretäre-Gruppe A 4o auch künftig sichergestellt wird. In diese Gruppe 4o (neu) werden beim Reichsverkehrsministerium eingefügt: technische Obersekretäre als Maschinenbetriebsleiter in Holtenau und Vrunsbüttelkoog. Die Gruppen sieben bis neun werden nach den Beschlüssen der ersten Lesung genehmigt. Der Ausschuß vertagte die Weiterberatnng quf Freitag. -- Wie man im Elsaß abwürgt! Wo find die deutschen Goldmillionen? Straßburg, 9. Dez. .Die neuen Ergebnisse der Polizeiaktion fo berichtet die französische Presse, haben den Nachweis erbracht, daß die autonomistifche Bewegung in Elsaß-Lothringen ganz einfach als eine von Deutfchlano dirigierte Boche-Propaganda einzuschätzen ist. Ueber die Untersuchung.werde strengste Zurückhaltung bewahrt, denn nun handle es sich „um Fragen der Nationalverteidigung". „Gegen die Spione und Verräter" und ähnlich lauten die Ueberschriften der Franzosenblätter im Elsaß. Dieser „Nachweis" ist schon so oft erbracht worden, dieses Märchen von der „Deutschen Pwpaganda" ist schon so oft ins Lächerliche gezogen morden, daß man das Rezept zu genau erkennt. Das Unglück für die Franzosen will es, daß im gleichen Augenblick auch der „Kemps" wieder den schon einmal auf dem elsässischen Parkett ausgeglittenen Herrn Jacques Bardoux von der „Academie Francaife" hat zu Worte kommen lassen, diesen Mann, der vor ziemlich genau einem Fahr die groteske „Enthüllung" brachte, ein Abgeordneter der Wilhelmstraße habe den Redaktcureii der damals gerade in Gründung begriffenen autonomistifchen „Dolks- ftimme" Richtlinien für ihre Arbeit überbracht. Ein Blatt, das über Sympathien für Deutschland wirklich erhaben ist, die Straßburger radikal-sozialistische „Republique", hat Bardoux neue Enthüllungen bezeichnet als „Hirngespinste eines Mannes, der von elsässischen Dingen redet, ohne sie zu verstehen." Wenn ein anti-autor sisches Blatt wie die „Republique" von „gelinde gesagt, wertlosem Material" spricht, so darf man ihr einmal glauben. Aber wenn einen solch gemeingefährlichen Schwätzer wie diesen blamierten Bardoux ein Blatt von der Bedeutung des „Temps" zum zwettenmal zu Worte kommen läßt, fo erkennt man, wie unverantwortlich in Paris mit dem Feuer gespielt wird. „Hirngespinste" von Menschen, die nicht das Geringste von elsaß-lothringischen Dingen verstehen, sind auch die phantasie- vollen Meldungen aus französischer Quelle über die neue Anti- AutonvmistenbnEs überstürzen sich in den letzten Tagen geradezu die Nachrichten über Haussuchungen, Vernehmungen, Verhaftungen, Beschlagnahmungen. Der Geschäftsführer der „Wahrheit" an der Kehler Rheinbrücke vom Sozialkommissar Bauer verhaftet, 24stündige Vernehmung der Sekretärin des verhafteten Lehrerführers Ross«, Haftbefehl gegen Rene Cäsar Ley, derzett in Freiburg in Baden, Beschlagnahme von Papieren, die "beweisen", daß die autonomistifche Bewegung lediglich „eine Filiale der in residierenden deutschen Spionagrzentmle" ist. Erklärung Bulachs, daß er künftighin sich jeder politischen Tätigkeit enthalten werbe. Warum so aufgeregt, wenn es sich nur um „einige Derirrte" handelt, wie Ministerpräsident Poincare höchstpersönlich versichert? Warum solcher Aufwand von Polizei und Spitzeln, wenn es sich um künstlichen Import von Ideen handelt, von denen sich „das Volk adwendet?" Kehren wir noch einmal zu Bardouxs neuen Enthüllungen zurück, der von deutschen Beauftragten in allen Derwaltungen (!!), von Lieferung „automatischer Pistolen Modell 1919 und luftgekühlter Maschinengewehre, Modell 1921" faselt, und Entnehmen wir aus dem ganzen wirren Salat von Unsinn und Galle den schlichten Satz: „ ... Der Separatismus kan» nur bekämpft werden durch das Verschwinden der Ursachen, die seine Entwicklung begünstigt haben." Nun müßte Bardoux statt von Maschinengewehren und Stoßtruppe den geduldigen Lesern des „Temps" nur noch etwas von diesen „Ursachen" erzählen, dann könnte das Rettungswerk beginnen. Die Ursachen der Unzufriedenheit Heißen aber nicht Röchling- sche Goldmillionen, sondern Entrechtung der „befreiten" Elsaß- Lothringer, Verächtlichmachung ihrer jahrtausendalien Kultur, Ab- wörgeu der deutschen Muttersprache, wirtschaftliche Ueberfremdung. Bevormundung von Paris her. Und es können Bardoux noch eine ganze Reihe anderer Ursachen ausgezählt werden. Diese wahren Ursachen aber sind nicht das Ergebnis von Boche-Propaganda, sie sind geschaffen von französischer Seite. Und es ist nirgends ein Anzeichen dafür zu erkennen, daß diese echten Quellen der Unzufriedenheit etwa verstopft werden solle». Es bleibt dabei: die ganze derzeitige Polizeiaktion ist Ablenkungsmanöver. Frankreich will seiner „nationalen Minder- Heft" Elsaß-Lothringen ihr Lebensrccht nicht zugestehen getreu der Parole seines „Journal d'Alsace": „Es darf kein Elsaß-Lothringer mehr geben". Dieses L.fah-Lothringcn ist nicht znm Selbstmord bereit, darum fo.1 es adgewürgt werden. Zuden-pogrom im rumänischen Groß-Wardein Wie rnmänische „Kulturträger" Hansen. Budapest, 8. Dez. Die rumänische Regierung verbreitet ein offizielles Kommichiquee, das die blutigen antisemitt» schen und ungarnseindlichen Studentenexzesse in Groß-War- dein „unbedeutend" seien und von Kommunisten hervorgerufen zu sein scheinen. Wenn man die Erzählungen der Flüchtlinge, die in der vergangenen. Nacht nach Budapest gekommen sind, hört, dann erfährt man, daß es sich in Groß- Wardein um einen regelrechten Pogrom handelt. Die bedrängte Judenschaft flüchtete gestern, als der Pogrom einsetzte, in großen Scharen über die Grenze nach Ungarn. Nach Erzählungen dieser Flüchtlinge sind über tausend rumänische Studenten aus Bukarest, Jassy und Moldau unter der Führung der antisemitischen Universitätsprofefforen Cuza und Codreanu in Groß-Waröein eingetroffen. Professor Codreanu stand bekanntlich vor Jahren wegen Ermordung des Polizeipräsidenten von Jassy vor Gericht und wurde, obwohl er seine Tat eingestand, freigesprochen. Den ersten Anlaß zu den Krawallszenen gab der Umstand, daß der Eigentümer des luxuriös eingerichteten Parkhotels in Groß-Warüein den Studenten keine Zimmer zur Verfügung stellen wollte. Darüber erbost, rotteten sich die Studenten vor dem Hotel zusammen, drangen in die Zimmer und verwüsteten alle Räume. Der Eigentümer des Hotels wurde von der entmenschten Menge durch Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Er soll seinen Verletzungen bereits erlegen sein. Hierauf wurde die Parole ausgegeben, gegen die Ungarn und gegen die Juden vorzugehen. Sämtliche Kaufleute schloffen sofort ihre Läden. Trotzdem gelang es den Studenten, die Einrichtungen vieler jüdischer Kaufleute z» demolieren. Professor Crodeanu gab in eigener Person die Parole aus, zum jüdischen Lyzeum zu ziehen. Man stürmte dort unter Rufen: „Tod den Ungarn! Tod den Juden! Tod dem Verräter, dem Oberrabbiner Kecskemethy!" Mehr als tausend Studenten zogen zum Lyzeum, in dem sich die Wohnung des Oberrabbiers befindet. Die Türe wurde rasch geschloffen. Den Studenten gelang es, sie zu erbrechen. Sie drangen in das Haus ein, warfen sämtliche Einrichtungsgegenstände auf die Straße. Vor dem Hause wurde ein Scheiterhaufen errichtet und angezündet. Der Oberrabbiner, der vor einigen Jahren unter der Anklage des Hochverrats vor einem rumänischen Kreisgericht stand, konnte nicht ausfindig gemacht werden, und so entging er seinem sicheren Tode. Seine Wohnung ist völlig zerstört. Zwei Menschen fielen diesen Ausschreitungen zum Opfer. Ein 17jähriger Gymnasialschüler, der Sohn des Schauspielers Madas des ungarischen Theaters, wurde erstochen. Der zweite Tote ist ein gewisser Sonnenfeld, der ebenfalls erstochen worden ist. Ein Denkmal, das die MStter ehrt lü» r*»i t nn Einen durchaus lobenswerten Gedanken hat die Gemeinde Budberg am Niederrhein gehabt, die als Ehrung ihrer gefallenen Söhne nicht eines der üblichen Motive eines Kriegers ober eines Kriegssymbols wählte, sondern an das tiefe Leid dachte, das der Krieg für die Mutter bringt, und demgemäß eine schlichte Franengestalt aus dem niederrheinischen Volke darstellen ließ. Jeder Beschauer wird vor diesem Denkmal unvergleichlich tiefere Empfindungen hegen, als die sonst üblichen Ehrenmale anregen. Verschiedenes. _ Karlsrnher Schöffengericht. ■ ' . ^»rls^he, 8. Dez. Wegen Beleidigung hatte sich gestern der «hahrrge verheiratete Forstwart a. D. Wilhelm Mor- Emden-Scheuern vor dem erweiterten Schöffengericht zu verantworten, der in Briefen an die Staatsan- waltschaft im Oktober 1928 und im Februar d. I. die Richter und Staatsanwälte der Rechtsbeugung, Urkundenfälschung und Betrügerei bezichtigte und in verleumderischer Weise „Spitzbuben", „Gesindel", „Gauner" usw. genannt hatte. Trotz eingehender Beweisaufnahme mißlang dem Angeklagten, der nach ärztlichen Gutachten als Psychopath «nd Ouerulant anzusehen ist. der Wahrheitsbeweis, für keine ungeheuerlichen Anklagen. Das Gericht verurteilte Mor- lock zu 300 RM. Geldstrafe an Stelle einer verwirkten zweimonattgen Gefängnisstrafe. — Der Strafrichter verurteilte den Händler Wilhelm Staudemann aus Schopfheim wegen Betrugs zu zehn Monaten Gefängnis. Der Ange- klagte hatte bei verschiedenen Personen in Karlsruhe nn- ter der Vorspiegelung, ihnen Kartoffel zu liefern. Dar- lehen erschwindelt: ferner hat er Zechbetrügerei verübt. Fünf Jahre Zuchthaus wege» Landesverrat. Aus dem besetzte« Gebiet, 9. Dez. Der 5. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den früheren Polizeiwachtmeister und jetzigen Kaufmann Friedrich Deubel aus Mainz wegen fortgesetzten Verbrechens des Verrates militärischer Geheimnisse im Zusammentreffen mit Landesverrat und wegen fortgesetzten Diebstahls zu fünf Jahren Zuchthaus, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Tauer von zehn Jahren und Zulassung der Stellung unter Polizeiaufsicht, und dessen Bruder Ernst Deubel, Kaufmann aus Mainz, wegen eines versuchten Verbrechens gegen 8 3 des Spionagegesetzes zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Beide hatten sich dem französischen Spionagedienst zur Verfügung gestellt. Friedrich Deubel hatte sich durch Diebstahl wichtiae Schriftstücke der Polizei angeeignet, die er den Franzosen »ns- lieferte. Der Meineidsprozcß Wolfram. Offenbnrg, 9. Dez. In der vorgestrigen Verhandlung im Meineidsprozeß gegen den Physiker Dr. Wolfram und Frau Höppler wurde eine große Anzahl Zeugen vernommen. Besonderes Interesse fand die Vernehmung der Zen-' gin Frau Vater, die als Hausdame nach der Ehescheidung im Dienste des Barons Steinberg stand. Der Sachverständige, Medizinalrat Dr. Stengel-Lahr, bezweifelt dir Glaubwürdigkeit der Angeklagten Höppler, die eine starke: hysterffche Veranlagung, offenbar von ihrer Mutter vererbt, zu erkennen gibt. Tie Vormittagsverhandlnng wurde ausgefüllt mit dem Verhör einiger Dienstmädchen. In der Nachmitiagssitzung berichtete Rittergutsbesitzer von Blum über seine Bemühungen, die beiden Ehegatten von Steinberg im ersten Ehescheidungsprozeß wieder anszu- söhnen. Die Verhandlungen haben sich monatelang hinge- zoden. Sein Eindruck war, daß Baron von Steinberg den Verkehr seiner Frau mit Dr. Wolfram sehr gewichtig in die Wagschale warf, um dadurch rascher zu seinem gesteckten Ziele zu kommen. Eine gute Bekannte des Hauses Steinberg hält die Frau Baronin nicht für erotisch veranlagt. Die Tristanite«. 1 Sie haben nichts zu tun mit Richard Wagners berühmtem Mufikürama: es ist vielmehr wahrscheinlich, daß sie von dem Man« und seiner Musik noch nie etwas gehört haben, denn sie leben ohne Postbestellung, ohne Zeitungen und »hne Radio, dort wo sich die — Haifische gute Nacht sagen, aus Tristan da Cunha, einer der abgelegensten Inseln der südlichen Atlantik: etwa auf demselben Breitengrad wie Buenos . Aires, aber näher bei Afrika als bei Amerika. Es sind mit Kind und Kegel zusammen 135 Menschen. Der Teufel hat eines Tages eine spleenige Engländerin, Annie Rogers, an ihren Strand gespült. Sie hat es drei Jahre auf der Insel ausgehalten. Solange hat sich nämlich kein Schiff blicken lassen, das sie weiter befördert hätte. Jetzt ist sie nach London zurückgekehrt und hat er» Buch geschrieben „Die Insel der 135 Robinsone", worin das Eiland und seine Bewohner eingehend geschildert werden. Sie bilden 30 Familien, die ganz unabhängig voneinander leben. Es gibt keine andere D Autorität unter ihnen als die Oberhäupter der Familie«. Irgendwelche Gemeinschaft ans kommunistischer Grundlage, wie man vermuten sollte, besteht nicht: die „Tristaniten" sind im Gegenteil strenge Anhänger des Privateigentums. Die sozialen Unterschiede sollen ziemlich ansgebildet sein. ES gibt Reiche und Arme — darüber entscheidet der Biehstand — ohne daß jemand zu darben braucht. Geld kennen die Tri- staniten noch nicht: der ganze Geldumlauf bestand in den drei Jahren aus den für englischen Schilling, die Miß Rogers Mitgebracht hatte. Das Klima ist feucht, aber sehr gesund. In drei Jahren sind nur drei Menschen gestorben, darunter eine neuzigjährige Matrone und Neugeborenes. Für Anhänger des „clolce far mente" ist die Insel kein Gelände. Der Boden ist karg und verlangt harte Arbeit. Die Lebensweise ist sehr einfach: das „tägliche Brot" besteht a«S Möven- und Pinguinenetcrn. Trotzdem hängen die Tristaniten mit zäher Liebe an ihrer einsamen Heimat. Et« Landangebot der südafrikanischen Union, die auch die ganzen Kosten der Umquartierung übernehmen wollte, haben die Tristaniten einmütig abgelehnt. Miß Rogers Buch hat die, Insel in England populär gemacht. Es hat sich in London^ ein Komitee gebildet, das die Versorgung der Insel übernehmen will. Eine Schiffahrtsgesellschaft wird regelmäßig einen ihrer Dampfer dort anlaufen lassen. Die Tristaniten' sollen nicht ohne die „Segnungen der Kultur" bleibe«: sie sollen Anteil haben am menschlichen Forffchritt. Ob ihnen Miß Rogers damit einen Dienst erweist? Mit den Be-' quemlichkeiten werden auch die viel zahlreicheren Uebel der Zivilisation die Tristaninsel heimsuchen. Und mit der binsonidylle wird es endgültig vorbei sein. Man wir» nächstens zum Jazz hopsen auf Tristan da Cunha: man wird Alkohol, Filme, Lippenstifte, Grammophone und seidene Strümpfe importieren: die jungen Mädchen werde» sich unter dem Protest ihrer Väter Bubiköpfe schneiden lassen. Es wird Lärm und Unfriede herrschen anf dem weltverlorenen Eiland! Arme Londoner Polizei. Nach einer enlischen Pressenotiz sind in den letzten »rrt Monaten die Privatwohnungen von nicht weniger als 4» hohen Beamten der Londoner Polizeibehörde in Abwesenheit der hohen Herren von Einbrechern besucht und gründlich ausgeraubt worden. In Scottland Yard ist man n«. türlich nicht weniger wütend über diese frechen Räuberstreiche, und andererseits peinlich bemüht, sie „ganz geheim" zu behandeln, um zu dem Schaden nicht noch den Spott zn haben. Allen eifrigen Bemühungen zum Trotz ist es biS jetzt nicht gelungen, die Täter zu fassen. Rach der etwa« phantastich klingenden Theorie eines Detektivs, bandelt es sich überhaupt nur um einen Burschen, der in der Londoner Einbrechcrwett eine besondere Führerrolle spielen soll. Er habe sich im allgemeinen vom „Außendienst" zurückgezogen und organisiere die Einbrüche im großen. Bon Zelt zu Zeit aber unternehme er ein besonderes Meisterstück, un, sein „Prestige" und Ansehen ausrechtzuerhalten. Es ist klar, daß er seinesgleichen mit nichts mehr tmvonieren kann, als mit Einbrüchen bei den Heren Oberinspektoren vm Scotland N«rd. Aus der großen Zahl seiner Einbrüche muß man aber schließen, daß er es nicht leicht ha», sotnr „Autorität" als „Berbrecherkönig" zu wahre«. Brotneid in Hollywood. Urrter den Filmschauspieler» in Hollywood, die sich », den hundertprozentige» Amerikaner recken, ist eine Bewegung im Wachse«, die sich gegen die „zugewandertcn" Stars aus Europa wendet. Die „Kollegialität" der offen, bar auf die hohen Gagen der Zngewandcrten neidischen Amerikaner hat sich schon bis zu einem Schreiben an -1e 6 Nr. 250. Jahrgan g 1927. *Einwaiiocrungsveyoroe verstiegen Es wird darin Be- ! schwerde geführt, daß auf die aus Europa herübergekom- menen Konkurrenten und Konkurrentinnen die Nationalitä- ^ tenquote nicht angewendet werde, obwohl sie doch nicht als . Bergnügungs- oder Stuöienreisenöe, sondern als Einwanderer zu betrachten seien, die, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, im Lande ihren Lebensunterhalt — d. h. bei den ihnen gebotenen phantastischen Gagen unendlich viel j mehr — verdienten. Die meisten der europäischen Film- >großen seien durch diese „Schiebung" ins Land gekommen, angeblich zu „vorübergehendem Aufenthalt", die meisten : aber, so sagen die Beschwerdeführer, dächten gar nicht daran, das „Mekka des Films" und das gelobte Land Dollarie» wieder zu verlaffen. Diesen „unlauteren Wettbewerb" wolle» die Einheimischen nicht länger dulden. Die gesetzlich nicht zum Bleiben berechtigten Europäer sollen das Feld ■ räumen. Die Bewegung geht aus vom „Verband amerika- ' irischer Filuschauspieler". Sie macht sich auch in den andere» Filmzentren bemerkbar. Filmamerika den Filmamerikanern. Wir sind damit einverstanden, wenn die amerikanische Film- ; industrie uns unsere besten mit dem Dollar weggeangelten Kräfte wiedergibt und künftig gleichzeitig auch manche Schundwar« für sich behält. Das wäre für den deutschen Film ein doppelter Gewinn. Die Amerikanerinnen sind z« schön! ! Amerika ist das Land der Höchstleistungen. Auch in bezug auf die Ehescheidungen hält es jetzt den Rekord, und zwar nicht nur, was ihre Anzahl anbetrifft, sondern auch in ihrem Verhältnis zu den überhaupt geschlossenen Ehe». Nach der neuesten Statistik beträgt die Zahl der Ehescheidungen 67%. Also mehr als die Hälfte aller amerikanischen Ehen verläuft unbefriedigend und endet mit Scheidung. Welches sind die Gründe für diese höchst unerfreuliche Tatsache? Zu allererst die Leichtfertigkeit, so sagt eine Kennertn der Verhältnisse, Mrs. Arlette Marshal, mit der die Ehen in Amerika geschloffen werden. In anderen Ländern verlobt man sich oder man vermeidet sogar auch diese Bindung. Man spricht nur von Freundschaft, einem Liebesverhältnis oder wie man es sonst nennen will — in Amerika heiratet man! Aber man nimmt hier die Ehe, die man in anderen^Ländern doch immerhin als etwas Endgültiges und Offizielles anzusehen gewohnt ist, nicht ernsthafter als eine „Freundschaft" oder ein „Verhältnis". Man findet sogar, daß die gesetzlichen Formalitäten, die doch nun einmal dazu gehören, viel zu übertrieben und wichtigtuerisch sind, namentlich deshalb, weil sie die — Scheidung überflüssigerweise erschweren. Ein weiterer Grund für die Häufigkeit der unglücklich endenden Ehen ist die — Schönheit der Amerikanerinnen! Das mag sonderbar klingen, aber es ist die nackte Wahrheit. Tatsächlich sind, das kann man wohl sagen, zurzeit die Amerikanerinnen die schönsten Frauen der Welt. Aber ihre Schönheit ist typisiert, wie alles in Amerika. Nicht nur sind sie alle übereinstimmend angezoge», sondern sie trage» auch alle die gleiche Miene, das gleiche Lächeln, die gleichen Bewegungen zur Schau und machen die gleichen Bemerkungen bet den verschiedenen Anlässen Wenn eine Amerikanerin nicht lächeln würde, so würde dies einen schweren Vorwurf für ihren Mann bedeuten. Das sraucn- vergötternöe Amerika wünscht die lächelnde Frau, aber gleichzeitig wird der Mann dieser ewig lächelnden Puppe als Gefährtin feines täglichen Lebens sehr bald von ganzem Herzen überdrüssig. — Der dritte Grund für die Häufigkeit der Ehescheidungen in Amerika wird die Frauenvergötte- rung. Dadurch wird die Frau zu einer solchen schrankenlose» Selbstüberhebung erzogen, daß sie sich bei der geringsten auch nur eingebildeten Vernachlässigung ihrer Wünsche und Ansprüche sofort für berechtigt hält, die Scheidung zu verlangen. Der Laadbote * Sinsheimer Zeitung. Die Treue ist doch kein leerer Wahn. Wenigstens nicht unter der heißen Sonne Siziliens. Gemeint ist die Gattentreue, wie sie ein Beethoven in sei- ncm „Fidelio" zu ewigem Glanz erhoben hat. Jene Treue, diAHr Leben hingtbt um des Geliebten willen. In Palermo hat dieser Tage eine Frau mit dem schönen, an lieblichste klassische Leidenschaft erinnernden Name» Maria Romeo versucht, sich mit dem Rasiermesier ihres Gatten die Adern zu öffnen. Man fand die Blutüberströmte gerade noch zur rechten Stunde, um ihr Leben zu retten. Als sie wieder zu sich gekommen war, bekannte sie, daß sie den Selbstmordversuch nur unternommen habe, um ihrem seit Jahren hoffnungslos nervenkranken Gatten — die Heilung von seinem Leiden zu bringen. Sie habe sich eingehend mit der einschlägigen medizinischen Literatur beschästigt und dort verschiedentlich von Fällen gelesen, ir denen Nervenleidende von der Art ihres Mannes durch i !te unvorhergesehene seelische Erschütterung plötzlich geheilt wurden. Diese Erschütterung sollte dem Gatten ihr Selbstmord bringen. Soweit ist es nun nicht gekommen, aber vielleicht wird den unglücklichen Mann das Bewußtsein, die treueste unter den treuen Frauen Europas zu haben, seelisch so stark ergreifen, daß er von seinem Leiden erlöst wird. Die übertrumpften Heiden. Der fromme und eifrige Reverend Hugo Burleson, der das schwere Amt eines,Missionars ausübt, beschloß kürzlich eine Reise nach Neuyork zu machen, um Mittel für seine Bekehrungs- und Liebestätigkeit unter den Indianern von Dakota zu sammeln. Er wurde auch in der Neuyorker Gesellschaft freundlich ausgenommen, und die Spenden flössen reichlich. Umso überraschter war man, als der gute Reverend seinen Aufenthalt in Neuyork ganz plötzlich abbrach und in geradezu fluchtähnlicher Eile die für keinen Fischzug so ergiebigen Gefilde verließ. Aber er konnte es nicht mehr aushalten. „Was soll ich noch hier?" sagte er bekümmert zu den Berichterstattern, die Leute sind ja schlimmer, als meine Heiden! In den 35 Jahren, die ich unter den heidnischen Indianern verbracht habe, sind mir nicht so viele Kriegsbemalungen, Tätowierungen, heidnischer Kopfputz und entblößte Körper vorgekommen, wie in den wenigen Tagen meines Aufenthaltes unter den Damen der Neuyorker Gesellschaft. Wie soll ich meine Indianer bekehren, wen» ich ihnen sagen muß, daß die Bleichgesichter sie in allerlei heidnischen Gebräuchen noch übertrumpfen? Nein, lieber kehre ich so schnell wie möglich nach Dakota zurück, dann kann ich mir wenigstens einbilden, daß das Ganze nur ein böser Traum war, und baß es noch genug Leute in Amerika gibt, welche die Gewohnheiten der Heiden nicht angenommen haben!" — So sprach Mr. Hurleson, und man kann gewiß seine Flucht verstehen. Immerhin hat er noch soviel Besinnung dabei behalten, die von den Ueberheiden gesammelten Gelder mitzunehmen Eine vielumworbene „Insulanerin". Deutsche und italienische „Jntereffenten" überbieten sich, uyi zwei kleine dem Ort Brifiago vorgelagerte Inseln auf dem italienischen Teil des „Lago Maggiore" zu erwerben. Die größere der beiden Inseln ist 306 Meter lang und 40 Meter breit: auf ihr steht eine kleine dem hl. Pankratius geweihte Kapelle. Die. kleinere, die 150 mal 40 groß, ist, soll dem heiligen Apollinaris geweiht gewesen sein. Die beiden Inseln gehörten zuletzt einem Baron San Leger. Desien Erbin Antonia San Leger geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Mit ihrem anderen Besitztum sollten auch die Insel» öffentlich versteigert werden. Es gelang der Baronin aber noch in letzter Stunde, die Gläubiger vorläufig anderwett,g zu befriedigen, so daß die Insel» ihr Eigentum vlMe». Die Samstag, der, 10. Dezember 1927. insulare Angelegenheit war iedoch auf diese Weise der Oeffentlichkeit bekanntgeworden. Die Baronin erhielt «n« auf einmal die verlockendsten Angebote von Leuten, die bie Inseln kauten wollten. Ein Deutscher soll ihr bereits 20V Ott Goldmark geboten haben. Man nennt den Freiherrn vo« der Heidt, dem auch der größte Teil des Monte Berita übe* Ascona gehört und der oft Mitglieder der ehemaligen Kat- serfamilie bei sich zu Besuch hat. Italienische Blätter verbinden damit das Gerücht. Wilhelm N. wolle die Inseln ab» interaufenthalt erwerben. Eine italienische Gruppe koA ein Gegenangebot von 500 000 Franken gemacht haben. Die alte Baronin aber hat es nun gar nicht eilig mit dem Verkauf und wartet neue, höhere Angebote ab. Lach«« und Blutdruck. Lachen ist gesund. Und dies bestätigt sich durch neue« wissenschaftliche Untersuchungen noch in anderer Weise «lS man es im allgemeinen meint, es scheinen nämlich Zusammenhänge zu bestehen zwischen Blutdruck und Lachen, tu dem Sinne, daß im Moment des Lachens der Blutdruck, ob nun zu hoch oder zu niedrig ist, sich seinem Normalpun« mehr annähert. Ein Gelehrter berichtet darüber in der amerikanischen Fachzeitschrift „American Medicine". Er sagt: „Bei denjenigen, die einen besonders tiefen Blutdruck haben, scheint zu seiner Erhöhung beim Lachen eine ausgesprochene Tendenz zu bestehen", und Welsh sagt in „Medical Life", daß er Personen gekannt hat, deren Blutdruck unter 120 gelegen hätte und um etwa 10 Punkte gestiege« wäre nach einem guten herzlichen Lachen. Auf der andere» Seite scheint bei Menschen mit hohem Blutdruck, d. h. bis hinauf zu 180 und selbst darüber, eine ausgesprochene Tendenz zu bestehen, den Blutdruck als Folge von Lachen zeh» Punkte und noch mehr sinken zu lassen. Die Erklärung dieser Erscheinung sucht der Verfasser des Artikels bei Menschen mit niedrigem Blutdruck in der Tatsache, daß durch das Lachen der Blutkreislauf vorübergehend' angeregt und beschleunigt wird, während das Zurückgehen des Blutdrucks vermutlich auf ein Nachlassen der Spannung zurückzufüh- ren sei, wie es für Menschen mit hohem Blutdruck charakteristisch ist. Das Lachen bedingt es, daß wir tiefere Atemzüge tun, dadurch erfolgt eine' kessere Versorgung mit Sauerstoff und die Spannung der Muskeln läßt'nach. Der Verfasser schließt mit der Bemerk'ag, daß eine genauer« Untersuchung dieser Angelegenheit sich sehr wohl lohne« würde. Wenn sie ihre Bestätigung finden würde, dann würbe das Lachen nicht nur darum für unser Wohlbefinden segensreich sein, weil es ein Zeichen ist einer heiteren Stimmung, die bekanntlich äußerst wichtig ist für unseren- körperliche» Zustand, sondern auch wenigstens soweit es sich um Menschen mit einem zu hohen oder zu tiefen Blutdruck hanöett, in einem viel konkreterem und unmittelbarem Sinne. Lei sparsam — wähl das Beste nur von Uhren die AlpCna-»UI*r! Evangelischer Gottesdienst. Sonntag, den 11. Dezember 1927. 3.. Advent. 1 / 2 IO Ahr: Hauptgottesdienst Dekan Eisen. 1 / 2 II Ahr: Christenlehre. 1 Ahr: Kindergottesdienst Bistar Becker. Donnerstag, de« 15. Dezember, k !> 8 Ahr. Abends. Wochengottesdienst. Vikar Becher. Aus dem Reiche der Mode. „Handgestrickies" aus bunter Wolle—die große Mode Bericht über die beachtenswerteste« Re«heite« aus dem Reiche der Mode m *0278/ß 10197/5 10294/ß Favorit-Modell 20307, in dessen weißem Grund ein buntes Kreuzstichmuster eingestickt ist. Die Grundlage dieses Jäckchens und Mützchens ist nicht gestrickt, sondern in tunesischem Häkelstich gehäkelt. Ein Kapitel für sich find die aus Mütze und Schal bestehenden Garnituren, die dazu bestimmt, cm grauen Wintettagen einen lusttgen Farbfleä in der Natur abzugeben, in besonders leuchtenden Farben hergestellt werden. Frischgrün, Graugelb, Beigerosa, Graublau, auch in ganz weißem Grund mit bunt Seitdem Sport für Frauen und Mädchen nicht nur vom Verstand, sondern auch von der Mode dik' tiert wird, ist die sportsgemähe Kleidung auch ein besonderer Liebling der Mode geworden, und roi 1 sehen die praktische und bequeme Wollttikotkleidung in so reicher Auswahl für Damen und Kinder' -atz uns die Wahl schwer wird. Dckbei möchten wir aber von vornherein auch vor diesen Dingen warnen, jawohl warnen, denn nichts sieht unschöner aus, als wenn starke, ältere, womöglich schwerfällige Damen, die in einem soliden Stoffkleid recht repräsentabel. aussehen können, einen die Figur in unschöner Weise modellierenden Jumper tragen. Ein gestticktes Jäckchen oder eine Weste ist daschon eher erlaubt. Für jüngere, schlanke, bewegliche Frauen und Mädchen hingegen gibt es kaum etwas Kleidsamer!.-, und dabei Praktischeres als ein Trikoijumper mit eisern geradejallenden Faltenröckchen. Am schönsten ist der Jumper, wenn er aus weicher Zephirwolle mit der Hand gestrickt ist, denn keine Maschinenarbeit ist-imstande, ein so weiches und schmiegsames Gewebe herzustellen wie die Handarbeit. Ebenso kann die Maschinenarbeit niemals die schöne, genau der Form angepatzte Musterung herstelle«. Dabei kommen die herrlichen bunten Wollen, die jetzt im Handel find, wie Zephir- und Angorawolle dieser Moderichtung sehr entgegen. Besonders letztere ist etwas ganz auhergewöhnlich weiches, flaumiges, zartes, das fast an Schwan erinnert. Alle zarten Pastellfarben, sowie die jetzt hochmodernen Beige-Töne machen sich in dieser Wolle ganz besonders gut. Für den täglichen Gebrauch und zu Strapc^ierzwecken ist allerdings Z^hir- Jumper -Wolle mehr zu empfehlen. Die Formen der Jumper sind bis auf Kleinigkeiten immer die gleichen, bewährten. Rur der Kragenabschluh bringt einige Variationen. Der vorn spitze Ausschnitt wird manchmal abgelöst durch den kleinen, offen und geschloffen zu tragende» Kragen wie Favorit-Modell 20279. Origineller und Äs Neuheü anzusprechen ist jedoch der kleine mit Knopf und Schlinge zu schließende Stehkragen von Favorit-Modell '20278. Als Herstellungstechnik wird meist glatte Sttickarbeit verwendet. Bei einfacher Streifenmusterung kann man dabei die glatte hin- und hergehende Rechtsstrickerei anwenden. Bei mehrfarbiger Musterstrickerei hingegen, wie sie Favorit- Modell 20279 zeigt, mutz der Grund ganz glatt gesttickt werden, während das Muster entweder in Zopfstich eingestickt oder gleich mü eingestrickt wird. Vorliegendes Modell zeigt graublauen Grund. Das Muster ist dunkelblau, gelb und braun, was einen ganz wunderhübschen Effekt erziett. Eine andere Technik zeigt Favorit-Modell Nr. 20278. Hier sind auf einem naturfarbigen. Beige-Grund die Querkanten in grobem Kreuzstich in Grau, Braun und Gelb eingestickt. Diese Att der Musterung ist besonders zu empfehlen, denn sie ist bei verhällnismätzig geringer Mühe doch sehr wirkungsvoll. Gleiche Technik zeigt die Dvmenweste, Favortt-Modell 20294, deren Gmnd in Graublau mit Kreuzstich-Streublümchen in Dunkelblau überstickt ist. Echt kindliche Farben zeigt das Kinderjäckchen eingestrickten und eingestickten Mustern wie z. B. Favortt-Modell 20296, so erfreuen sie das Auge. 1029b/B 20279 /* Diese Freude gilt nicht nur dem fettigen Stück, sondern die Arbett mit dem schönen, weichen, ounte» Material ist an sich schon ein Vergnügen, besonders wenn man dazu die farbigen Favorit-Vorlage« verwendet, die auf Grund einer neuen Darstellungstechntt jetzt neu veröffentlicht werden. Bearbeitet und mtt Abbildungen versehen vom Fcworü-Berlag, Dresden» N. L» Muster i« verschiede««» Größe« *«« beaneme« Nack»tck»»*ider« sind erhältlich vom Favorit-Berlag, Dresde«-N. 6