Erscheint ISglich mU Ausnahme ter Deiertage. Bezugs»Pr«ts: D«ch die Post bezogen-nnd durch dorDriesträger und unsere Aus' träger frei ms Leus mesatlich ©otiraiock 1.20 Der Bezugspreis ist im Voraus zu entrichten. An Fällen von höherer„Gewalt besteht kein Anspruch auf Liefer- »ng der Zeitung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. Geschäftszeit «28 bis n Ahr Sonntags geschlossen. Sernsprech-Anschlutz Rr. 46» Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 Der Lan-bote blnstreirner H Zeitungfsss General-Anzeiger für öas^^^klsenz-unö 5duoarzbaelrtal HtUrftt und vcrbreitetTte Zeitung dtefer Gegend. F)aupt-Hn^ig^n-Blatt MScbenelicbe Beilagen: Neue Illustrierte • Hus dem Reich der fllode • Ratgeber für Bans- und Candwirtlebaft HRjeigtiK^tcifc Anzeigen: Die 33 mm breite Millimeter-Zeile 6 Goldpfg, Reklamen, Die 92 mm breit, Millimeter-Zeile 20 Goldpfg. Grundschrist im Anzeigen- und Textteil ist Petit. Bei Wiederholungen tariffester Rabatt, der bei Nichtzahlung innerhalb 8 Tagen nach Rechnungsdatum oder bei gerichtlicher Betreibung erlischt. Anzeigen - Annahme bis 8 !lh» vormittags; größere Anzeige» müssen am Tage vorher aufgegeben werden. Bank-Konto: Dereinsbanb Sinsheim e. G. m. b. $>. M 256 Samstag, den 17. Dezember 1927. 88. Jahrgang Der Bürgerkrieg in China. Peking. 16. Dez. Die kleine Stadt Tschvlschau, 70 Kilometer südwestlich Pcking an her Heerstraße und Eisenbahn nach Hankau, ist heute bereits zwei Monate lang belagert. Dem chinesischen Roten Kreuz ist es jetzt gelungen, haldvechungcrte Mütter und zum She'ett abg. magerte ^Säuglinge aus der Stadt herauszueskortieren. Der Stacheldrahtkranz um die Stadt ist vollendet. Alle Ausfallsoersuche sind zurückgeschlagen morden. Der Fal l der Stadt steht unmittelbar bevor. Der Schansi-Kommandant beschuldigt die Mukdener Truppen, bei der Beschießung Giftgase benutzt zu haben. Während die Kuomintang in ihrem Bereich die russischen Konsulate schließt, wird Tschiangkaischek erneut inner- haw der Kuomintang zur Zen ralfigur der antikomnwüstischen und.antirussischen Bewegung. Abgesehen von der Hinrichtung vieler Russen in Kanton zeigt augenblicklich die südliche Bewegung keinerlei Fremdenfeindlichkeit. Die Austreibung der Sowjetrussen stützt jetzt die Hoffnung der fortschrittlichen Kreise aus eine englisch-amerikanische aktive Ehina-Hilfe und auf die Einrichtung von Seezöllen. Die führenden Diplomaten sagten Ihrem Berichterstatter, daß die Finanzierung von der Bildung einer repräsentativen Regierung und von gemäßigten Kontrollgarantien abhängt.. Als der Oberkommandierende der Hupeh-Honan-Armee, der vielgenannte General Tang Scheu Tschi, der bisher den Kommunisten sehr nahestand, Hankau verließ, erleichterte er die dortige chinesische Bank von China um ihren Silberbestand von 700 000 Dollars. Er ließ das Silber aus einen für vierzehn Tage gecharterten japanischen Dampfer verladen und schwamm mit seinem Silber- und seinen Frauen auf dem extorritorialen japanischen Dampfer nach Japan. Mit dem General verschwand der Finanzkommissar, gleichfalls unter Mitnahme von beträchtlichen Geldern. London, 16. Dez. Das Sowjetkonsulat in Hankau wurde von Nanking-Truppen besetzt. Alle Sowjetruffen in Hankau wurden verhaftet. Tagesspiegel Das Mieterschutz- und Reichsmietengesetz wurde bis zum IS. Februar 1928 verlängert. * Der Steueransschuß des Reichstages nahm den Lohnsteuerantrag der Regierungsparteien au. » Ministerpräsident Braun nahm gestern in einer Land- tagsreüe zu Preußens Verhältnis zum Reich Stellung. * In der Brandenburger Mordaffäre hat einex der Verhafteten ein Geständis abgelegt. * Woldemaras traf gestern abend auf der Durchreise nach Kowno in Berlin ein. * Bei Ablehnung des Düsseldorfer Schiedsspruches wird das Reichsarbeitsministerium beide Parteien zu einer Aussprache einladen, um die Frage der Verbindlichkeitserklü- runa des Schiedsspruches zu klären. Deutschlands fteparatioi^öljbinp ln 3ahre 1927 Der Bericht des Neparationsagenten über das 3. Annuitätsjahr. Berlin, 17. Dez. Der Reparationsagent veröffentlichte gestern seinen Bericht über das dritte Annnttätsjahr, in dem et eingehend auf die verschiedenen durch den Reparations- , plan aufgeworfenen Fragen eingeht. Sei« diesmaliger Bericht ist im Gegensatz zu seinem Zwi-. schenbericht vom 16. Juni, der sehr kritisch gehalten war, sehr ruhig und entgegenkommend gehalten und anerkennt die Fortschritte und Leistungen Deutschlands inbezng aus verschiedene von ihm angeschnittene Fragen, die sich insbesondere auf die Finanzverwaltung und Kreditgebarung des Reiches, der Länder und der Gemeinden bezogen. Er verhehlt gleichwohl nicht, daß auf den von der Retchsregiernng beschriitenen Wegen fortgefahren werden muß und gibt zum Schluß der Ansicht Ausdruck, daß weder das Reparationsproblem, noch die anderen mit diesem Problem verknüpften Kragen endgültig gelöst werben könnten, bevor nicht Deutschland die Aufgabe gestellt werde, ans eigene Verantwortung, ohne fremde Ueberwachung und ohne Transferschutz die Reparationsfrage zu lösen. äDer vom 10. Dezember datierte Bericht des Generalagenten besteht aus einem eigentlichen Bericht von 172 Seiten Länge, der in acht Kapiteln und einer Schlußfolgerung alle wesentlichen Fragen des Reparationsplanes behandelt. In einem Anhang, der eine Reihe statistischer Angaben über Einnahmen, Ausgaben und Verteilung der Reparationszahlungen enthält, sowie den Briefwechsel zwischen dem Reparationsagente« und der Reichsregicrung vom 20. Oktober, 86. Oktober und S. November. In der Einleitung betont der Reparationsagent, daß der Plan im dritten Annuitätsjahr normal funktioniert habe, sowohl was die Einnahmen wie auch was den Transfer betreffe. Deutschland habe die Annuität in Höhe von 1300 Millionen Goldmark bezahlt und die Transfers hätten den Wechselkurs nicht gefährdet. Gleichwohl habe er in den letzten Monaten aus einige gefährliche Tendenzen, auf dem Gebiet der deutschen Finanz- und Kreditgebahrung Hinweisen muffen und zu diesem Zwecke den bekannten Schriftwechsel mit der Reichsregierung geführt. Er hebt besonders hervor, daß die deutsche Antwort die Notwendigkeit der Sparsamkeit in der öffentlichen Finanzgebarung anerkennt und die Beendigung der Einstellung außerordentlicher Ausgaben in den Haushalt des Reiches angekündigt habe. Es sei daher überflüflig, zu betonen, daß zwischen ihm und der Reichsregierung nur sachliche, nicht aber persönliche Differenzen bestanden hätten. Die Beziehungen zwischen ihm «nd der deutschen Regierung würden weiter maßgeblich bestimmt durch den Geist freundschaftlicher Verständigung. Im ersten Kapitel behandelt er sodann das Arbeiten des f laues und setzt im einzelnen die Zusammensetzung der ahlungen, die Verteilung der Annuität und die geschäftsmäßige Behandlung der Annuität auseinander. Im zweiten Abschnitt über das Transferkomitee hebt er hervor, daß der Dachoerständigenplan zwar scharf zwischen inneren Zahlungen und der Uebertragung der Zahlungen in fremde Gelber unterschieden habe, daß aber die Erfahrung gezeigt habe, wie- sehr beide Kragen miteinander verknüpft seien. Im dritten Abschnitt, der die Arbeit der Kommiffare und Treuhänder behandelt, berichtet er im einzelnen über die Aicheiten des Kommissars bei der Reichsbank, des Kommissars für die Reichsbahn, des Kommissars für die verpfändeten Einnahmen und des Treuhänders für die denffchcn Jn- dnstrieobligatione». Der vierte Abschnitt behandelt die Haushalte des Reiches, der Reichspsst, der Länder und der Gemeinden. Er gibt erneut der Ansicht Ausdruck, daß das Budget des Reiches wie im vorigen, so auch in diesem Jahre nicht richtig balanziert geioesen sei und daß auch die Haushalte der Länder vielfach Defizite aufgewiesen hätten. Im fünften Kapitel behandelt er die össentliche Tchnld Deutschlands. Er stellt fest, daß diese sich gegenüber dem Vorjahr um 230 Millionen Reichsmark vermehrt habe, was ausschließlich auf Anleihen der Länder und Gemeinden zurückzuführen sei. Im sechsten Kapitel behandelte der Reparationsageut sodann eingehend die Frage der Kreditbedingungen in Dentsch- land und der deutschen Währung. In der sehr eingehenden Untersuchung behandelt er im Einzelnen bereits bekannte Tatsachen, wie z. B. die Bedeutung der Ausländsanleihen. die Ursachen der deutschen Jnlandskonjunktur. die wettere Anspannung des deutschen Kredites und die Rückwirkungen aller dieser Fragen auf die Währung. Im siebenten Abschnitt wird sodann der deutsche Außenhandel behandelt. Der Reparationsagent hebt hier besonders hervor, daß der Einfuhrüberschuß Deutschlands im letzten Annuitätsjahr sich auf 3627 Millionen Reichsmark belaufen habe und führt dies auf die Ankurbelung des inneren Marktes durch die auswärtigen Anleihen zurück und unterstreicht noch einmal die gefährlichen Tendenzen, die die Steigerung der Preise für den deutschen Auslandsabsatz haben. Er verkennt andererseits nicht die Schwierigkeiten, die sich für den deutschen Export aus den bestehenden Zollsätzen verschiedener Länder ergeben, hofft aber, daß es der deutschen Wirtschaft gelingen werde, auf dem Wege über den Abschluß weiterer Handelsverträge die bestehenden Schranken für den Export zu überwinden. Im achten Abschnitt behandelt er sodann die wirtschaftliche Lage Deutschlands sehr eingehend und untersucht im einzelnen die Ursachen der Bankerotte, die Arbeitslosigkeit, die Produktion, die Landwirtschaft usw. In einem Schlußwort hebt der Reparationsagent endlich hervor, daß der Dawespla» ei« Schutzsystem geschaffen habe, das in der Haupffache dazu bestimmt gewesen sei, die deutsche Währung zu schützen, und zwar vor übertrieben großen Reparationszahlungen, ohne aber Deutschland einer Generalkontrolle zu unterwerfen. Dies letztere habe aber zur Voraussetzung, daß Deutschland Klugheit in der Handhabung seiner geschäftlichen Angelegenheiten beweise und nicht seine» Kredit durch übermäßige Ausgaben gesährde. Dies sei der eigentliche Inhalt seines letzte« Schriftwechsels mit der Reichsregicrung. Die deutsche Regierung habe sich hierzu feierlichst verpflichtet, so daß die Basis für die weitere Erprobung des Dawesplanes gegeben sei. Trotzdem die deuffche Regierung bereits einige Maßnahmen für die Durchführung der finanziellen Reform ergriffen habe, hänge jedoch alles von den praktischen Ergebnissen dieser Maßnahmen ab und es werde sich in Kürze zeigen, ob wirkliche Reformen zustande gebracht würden. Gleichwohl ist es notwendig, auf die Schwäche einer Wirtschaft hinznweisen, die künstlich gestützt werde. Die Existenz des Transferschutzes z. B. habe die Tendenz, die dcuffchen öffentlichen Körperschaften vor den Folgen ihrer eigenen Handlungen zu bewahren. Wenn die Sachverständigen seinerzeit Deutschlands Verpflichtungen nicht endgültig festgesetzt hätten, so muffe doch darauf hingewiesen werden, daß, je mehr die Zeit sortschritte, es immer klarer würde, daß das Reparationsproblem nicht endgültig gelöst werde, bevor man nicht Deutschland der SchutzHestiurmungen entbinde und Deutschland eine endgültige Aufgabe stelle. Das Schicksal der Lhorzower Stiüsiossiverke Die Chorzow-Angelegenheit vor dem Internationale« Gerichtshof. Amsterdam, 17. Dez. Der permanente Internationale Gerichtshof im Haag hat gestern vormittag in öffentlicher Sitzung die von Deutschland erbetene Interpretation über die Urteile sieben und acht in Angelegenheit der Stickstoff- sabrik in Chorzow gegeben. Der Gerichtshof hat in seinem gestrigen Urteil mit acht gegen drei Stimmen entschieden, daß die polnische Regierung nach Urteil sieben nicht das Recht hatte, aus gerichtlichem Wege eine Annullierung der Grundbucheintragung der Oberschlesischen Stickstoffwerkc als Eigentümer der Fabrik in Ehvrzow zu verlangen. Das Gericht stellt vielmehr fest, daß durch Urteil sieben das Eigentumsrecht der Oberschlesischen Stickstoffwerke auch vom Standpunkt des Zivilrechts rechtskrä'tig und für beide Parteien bindend festgelegt worden sei. Nachdem der Gerichtshof in den genannten Urteilen die Hartnäckigkeit der Beschtagnahmung der Stickstoffabrik durch Polen und das Recht Deutschlands auf eine Entscheidung anerkannt hatte, hat Polen bekanntlich versucht, auf zivilgerichtlichem Wege eine Annullierung der Grunübucheintra« gnng der Oberschlesischen Stickstoffwerke-Aktiengesellschaft als Eigentümerin der Fabrik an Chorzow zu erlangen. Unter diesen Umständen hat die deutsche Regierung den Gerichtshof um eine Interpretation der Urteite sieben und acht gebeten, wonach dieses Vorgehen Polens nicht im Einklang mit de» Ansicht des Gerichtshofes zu bringen sei. Zu dem Urteil wird noch ergänzend mitgeteilt, daß der Urteilsverlcsung durch den Haager Schiedsgerichtshof der polnische Vertreter nicht beiwohnte. Das schriftliche Verfahren der Entschädigungsklage für die Beschlagnahme der Stickstoffabrik in Chorzow wird zu einem noch fcstznlegenden Termin weiter behandelt werden. Die polnische Regierung hat die Antwort auf die deutsche Klage am 1. Dezember überreicht. Die deutsche Replik ist noch in Ausarbeitung. . Lleble französische Wahlmache Hindenbnrg als „Gott -es Krieges". PariH, 17. Dez. An den Mauern von Paris prangt augenblicklich ein Wahlplakat für die Wahlen für 1928, das den Marschall Hindenbnrg darstellt, wie er sich mit der eine» Hand auf den Säbel stützt und mit der anderen die Augen beschattet, um beffer sehen zu können, was sich jenseits der Grenze zuträgt. Hinter ihm steht man Deutschland, davon Feuer brandrot ist. Unter diesem Bild steht folgender Text: Hindenbnrg, der Gott des Krieges, überwacht die Wahlen von 1938, wie Bethmann-Hollweg die von 1914 überwachte. Wenn Ihr eine Kartell- oder Linksrcgierung wählt, wird er die Räumung des linken Rheinufers und den Anschluß Oesterreich- an Deutschland verlangen. Nach den Worten des radikalen sozialistischen Patrioten Franklin Bouillon würde das de» Krieg bedeuten." Dies sei Wahlgeschäft in seinem ganzen kindlichen Schrck- ken schreibt hierzu der „Paris Matinal". Das Hindenbnrgplakat in Paris. Paris, 17. Dez. Der „Paris midi" beschäftigt sich mit de» Kritik der deutschen Presse an dem Hindenburgwahlplakat der französischen Rechten. Mau müsse zugeben, daß das m Frage stehende Plakat auf den Mauern von Paris das Spiek der Deutschnaiionalen unendlich erleichtern könne, indem fi» daraus hinwieseu, daß in Paris, dem Sitz der französische» Regierung, Reichspräsident Hindenbnrg in den Kot gezogc» wird, ohne daß jemand dagegen Widerspruch erhebt. Frankreich, Amerika - und die Idee vom ewigen Frieden Paris, 17. Dez. Nach einer Neuyvrker Meldung des „Petit Parisien" wird sich der nunmehr völlig wiederhergestellte Botschafter der Bereinigten Staaten, Herrick, am 14. Januar nach Frankreich einschisfen. Er beabsichtigt, alsbald nach seiner Ankunft, die Anregung Briands zum Abschluß eines „ewigen Friedens" zwischen Frankreich und den Bereinigten Staaten aufzugreisen. Hcrrick soll der Ueber- zengung Ausdruck gegeben haben, daß auch die anderen Nationen alles tun würden, »m ähnliche Abmachungen zur freundschaftlichen Regelung aller Meinungsverschiedenheiten zu treffen. Zeugenvernehmung im Aumenffein-prozeß Paris, 17. Dez. In der ungarischen Fälscheraffärr wurde am Donnerstag eine große Anzahl Zeugen und Angeklagter vernommen. Zuerst wurde der Bankier de Boncnnak seinem Schwiegervater, Manoni, konfrontiert. Der Angeklagte Boris Tovbini erklärte, Blumenstein habe ihn ersucht, eine» Bankier für die Stempelung der ungarischen Staatspapicre ausfindig zu machen, da die Frist zur Abstempelung in Deutschland abgelaufen sei. Tovbini schlug Blumcnstei» vor, die Vermittlung seines Bruders Simon in Anspruch zu nehmen. Es handelte sich um eine Million Franken, für die Boris 50 000 Franken Kommission erhielt. George Fal- lois entschuldigte seine Teilnahme an der Falschstempclung' damit, daß er seinem Freunde Simon und seinem Schwiegervater einen Gefallen habe erweisen wollen. Insgesamt unterbreitete er nicht weniger als zwei Millionen Gulden zur Falschstempelung. Als letzter wurde Rence Haas, ein Kinoangestellter, vernommen, der für 76000 Kronen ungarische und 5000 Kronen österreichische rcvalorisiertc Staatspapiere abstempeln ließ. Rechtsanwalt Guilbot erhielt alI Vermittlungsgebühr von Lacaze 80 600 Franken. Woldemaras in Verlin Berlin, 17. Tcz. Ter litauische Ministerpräsident Woldemaras traf gestern abend, aus Paris kommend, in Berlin ein und reiste ohne Aufenthalt weiter nach Kowno, wo heute der Jahrestag seines Regierungsantritts gefeiert wird. Der litauische Gesandte in Berlin, Dr. Sidzikauskas, hat Professor Woldemaras einige Stationen weit begleitet. 9fr. 256. Jahrgang 1927. Lloyd George wiedergewW Berlin, 17. Dez. Wie ein Abendblatt aus London meldet, ist Lloyd George zum Vorsitzenden der liberalen Parlamentsfraktion wieöergewählt worden Sensation im englischen Parlament Das «ene Gebetbuch i« Unterhaus abgelehnt. London, 17. Dez. (Funkspruch.) Das Unterhaus lehnte »orgestern am Schluffe einer außerordentlich lebhaften Debatte die Entschließung über die Inkraftsetzung des neuen Gebetbuches mit 247 gegen 208 Stimmen ab. Das Ergebnis der Abstimmung kam völlig unerwartet und rief im Parlament eine Sensation hervor, wie sie seit der Kriegserklärung im Jahre 1914 nicht mehr zu verzeichnen war. Obwohl die Opposition gegen das neue Gebetbuch sich während der Debatte bereits in sehr wirksamer Weise Gehör verschafft hatte, war die Ueberraschung allgemein, als die Auszählung der Stimmen die Ueberlegenhett der Gegner des neuen Gebetbuches ergab. Beifall- und Protestkundgebungen folgten der Auszählung und der Sprecher war eine Zeitlang nicht in der Lage, genaue Zahlen anzugeben. Die Erzbischöfe von Canterbury und Aork, die der ganzen Debatte von der Peersgallerie gefolgt waren, verließen nach der Abstimmung das Parlament in starker Bewegung. Die Abstimmung bedeutet das Scheitern der Arbeiten, die die Anglikanische Kirche seit nahezu dreißig Jahren beschäftigte. Das Parlament hat sich seit 265 »Jahren nicht mehr mit einer Gebetbuchsorm befaßt und das gegenwärtig in Benutzung befindliche Gebetbuch stammt bereits aus dem Jahre 1666. De Morgenbläter geben dem überraschenden Ausgang der Unterhausabstimmung großen Raum. Die in Kirchenfragen führende „Morning Post" spricht von einem Triumph des Staates über die Kirche und einer „Vernichtung des Lebenswerkes" des Erzbischofs von Canterbury. Die „Times" gibt am Schluffe eines Leitartikels der Hoffnung Ausdruck, daß das Unterhaus sich dessen bewußt werde, daß es sich zu einem Schritt habe verleiten lassen, der weder dem Protestantismus noch dem Frieden in England nützlich sein könne. Für heute wird eine Erklärung des Erzbischofs von Canterbury erwartet. Erfolge im deutschen Schiffsbau Ehrungen für die „Eap Arcona" in Buenos Aires. Buenos Aires, 17. Dez. Wie die „Prensa" meldet, gestaltete sich die vorgestrige Abreise des deutschen Dampfers „Cap Arcona" zu einem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis. An Deck war eine große Anzahl Damen und Herren aus der erlesensten Gesellschaft versammelt. Der Dampfer führt allein in der ersten Klaffe, um nur diese zu nennen, zweihundert Passiere mit sich, das heißt das Mehrfache der Personenzahl, die die gleichen Klaffen sowohl des italienischen Dampfers „Augustus" wie des italienischen Schnelldampfers „Saturnia" fassen, die beide in der vorigen Woche auf ihrer Jungfernreise in Buenos Aires angekommen wären. Während der Liegezeit im Hafen von Buenos Aires wurde die „Cap Arcona", wie die Zahl der ausgegebenen Eintrittskarten ausweist, von 15 000 Personen besucht. An Bord fanden zwei Bälle und verschiedene Empfänge für Wohltätigkeitseinrichtungen statt. Seutscher Reichstag Das Reichsmietengesetz bis zum 15. Zebruar verlängert «leine Vorlage«. (860. Sitzung.) Berlin, 16. Dez. Präsident Locbe eröffnet die Sitzung um 15 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des von den Regierungsparteien beantragten Gesetzentwurfes zur Berlängeruug des Mieterschutz- und des Reichsmierengesctzes dis zum 15. Februar 1928. Abgeordneter H ö l l e i n (Komm.) beantragt, diese Gesetze bis zum 30. Juni 1932 zu verlängern. Abg. Lipinski (Soz.-Dem.) bedauert, daß ohne Notwendigkeit der Mieterschutz erneut eine Lockerung erfahren solle. Unter Ablehnung des kommunistischen Antrags wird das Berlängerungsgesetz i« allen drei Lesungen angenommen. Es folgt die zweite Beratung des «raftfahrzeugsteuer- gefetzes. Der Larrdbote * Sivsheimer Zeitung. Abg. Biester (Soz.-Dem.) beantragt, die Steuer für Lastkraftwagen auf 40 Mark festzufctzen. Diese Erhöhung gegenüber der Vorlage sei begründet infolge der starken Wegeabnutzung gerade durch die Lastkraftwagen. Die Gemeinden seien nicht in der Lage, die hohen Wegeunterhaltungskosten zu tragen. Abg. M o l l a t h lWirtsch. Ver.) beantragt wesentliche Herabsetzungen der Steuersätze und des Landeszuschlages für bas erste Jahr der Geltung des Steuergesetzes. Ein Regierungsvertreter teilt mit, daß Anträge über die Verwendung von Ausländsanleihen für Wegbauzwecke der Beratungsstelle bereits vorlägen, die darüber baldigst entscheiden werde. Die Vorlage wird in zweiter «nd dritter Beratung in der Ausschußfaffung angenommen, ebenso eine Ausschußentschlie- tzung, die bis 1930 von der Regierung eine Denkschrift über die Auswirkungen des Gesetzes fordert. Es folgt die zweite Bcratnng der Vereinbarung mit Dänemark über Zollerleichterunge« für dänische Erzeugnisse. Abg. T h o m s e n tDn.) bedauert die Herabsetzung des Zollsatzes für dänische genießbare Eingeweide, die sich zu Ungunsten der deutschen Landwirtschaft auswirke. Seine Fraktion stimme der Vorlage nur zu in der Erwartung, daß bei späteren Handelsverträgen weitere Zugeständnisse in dieser Hinsicht nicht gemacht werden. Die Vorlage wird in zweiter »nd dritter Beratung angenommen. Bei der zweiten Beratung des Gesetzentwurfes über Zoll- Lnderunge« für Autoeiuzelteile erklärt Abg. Wissel! sSoz.) durch die Vorlage werde die Konkurrenz der amerikanischen gegenüber der deutschen Automobilindustrie noch verschärft. Sie sei deshalb abzulehnen. Abg. Dr. Schneider lD. Vp.) billigt die Vorlage, da damit Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden sollen. Abg. Freiherr v. Richthofen (Dem.) stimmt der Vorlage gleichfalls zu, bezweifelt aber, daß tatsächlich vermehrte Arbeitsmöglichkeiten durch das Gesetz geschaffen würden. Die Vorlage wird dann in zweiter und dritter Lefung angenommen. Bei der Beratung des Gesetzentwurfes zur Verlängerung der Verordnung über die Ausfuhr von Kunstwerken bis zum 31. Dezember 1929 bedauert Abg. Dr. Schreiber (Ztr.), daß die Länder noch keine Maßnahmen gegen die Ausfuhr von Kunstwerken treffen wollten. Die Verlängerung der Verordnung sei daher notwendig. Leider seien durch die deutsche Not viele Kunstwerke aus Deutschland und Oesterreich ausgeführt worden. Die Vorlage wird in zweiter «nd dritter Lefung auge- «omme«. Das Haus vertagt sich auf Samstag 11 Uhr. Kriegs^ schädeuschlußgesetz und Lohnsteuersenkung. Schluß: 17.30 Uhr. Aus dem Aellefienrat des Reichstags Berlin, 17. Dez. Der Aeltestenrat des Reichstages hat in seiner gestrigen Sitzung beschloffen, heute die letzte Vollsitzung vor der Weihnachtspause stattfinden zu lassen. Nach der Pause wird der Reichstag am 19. Januar wieder zusammentreten. Eine Reihe von Ausschüssen wird schon am 11. Januar die Beratungen wieder aufnehmen, und zwar der Haushaltsausschuß, der Bildungsausschuß, der Strafrechtsausschuß und der Ausschuß, dem das Liquidations- schädenschlutzgesctz überwiesen werden soll. Das schon auf der Tagesordnung stehende Liquidationsschädenschlußgesetz wird erst heute in der ersten Lesung erledigt werden, da die Drucksache erst gestern verteilt worden ist. Außerdem wird heute das Gesetz über die Lohnsteuer Erledigung finden. Zurdesoldungsordnung Berli«, 17. Dez. (Funkspruch.) Durch die neue Besoldungsordnung sind die Ministergehälter, die bisher an Grundgehalt 29 700 Mark jährlich betrugen, auf 36 000 Mark erhöht worden. Damit sind die Diäten für die Reichstagsabgeordneten, die bisher für den Monat rund 620 Mark ausmachten, automatisch auf 750 Mark erhöht worden. Der Lohnsteueranlrag der Regierungsparteien im Steuerausschuß angenommen Berli«, 17. Dez. Im Steuerausschuß des Reichstages wurde gestern die Beratung der Lohnsteuer zu Ende geführt. Die Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten als Erhöhung des Existenzminimums w irden abgelrhnt. Der neue vom Zentrum, den Deutschnalionalrn und der Bayerischen Bolkspartei gestellte Antmg, der den I5prozentiq?n WlarMMl-MÄ k0 M AN* von FR ED NEL1US Als er morgens zu sich kam, hatte er nach mir verlangt. Er war in Sorge, daß Sie durch Freunde . . . durch Ihre Dienerschaft . . . durch sonst wen über Dinge unterrichtet werden konnten, die sich heute nacht in Ihrer Villa zugetragen haben. Er bat mich, dies zu übernehmen." Der Philosoph sah der Prinzessin flehend in die großen angsterfüllten Augen. „Durchlaucht, ich beginge Harakiri, wenn ich Ihnen Sorge machen müßte. Aber es sind Nichtse . . . Bagatellen, die ich Ihnen mitzuteilen habe. Ein kleiner Einbruch, wie er heute in jedem besseren.Hause vorkommt. Mein Freund hatte irgendwie — ich weiß nichts Näheres wie — davon erfahren, daß gestern'nacht in Ihrer Villa eingebrochen werden sollte. Er wachte also. Der Herr Dieb — übrigens der Kammerdiener Durchlaucht des verstorbenen Herzogs — kam denn auch. Aber nicht wie es sonst beliebt wird, durch die Tür oder durch de. Fenster, sondern — das ist eigentlich das einzige Aparte an dem ganzen Vorfall — durch eine Tapetentür, die im Zimmer durch einen dreigeteilten Spiegel, auf der Flurseite durch einen Schrank mit durchschnittener Rückwand für den Blick verborgen war. Es erübrigt sich, die Einzelheiten des Empfanges Durchlaucht zu schildern — ich weiß sie übrigens selber nicht genau — scheinbar aber hat er sich sehr warm und leidenschaftlich abgespielt. Die beiden Herren haben sich — sagen wir — umarmt. Im Eifer ihrer Unterhaltung ist die Hintertreppe nicht beachtet worden. Sie sind hinabgestürzt. Von den kleinen Körperschäden meines Freundes sprach ich schon. Und nun bleibt der traurige und bittere ernste Rest zu sagen. Durchlaucht, ich bitte dringend, nehmen Sie es nicht schwer. Es ist Spreu, die der liebe Herrgott aus dem Menschenweizen fczte. Der andere ist bei dem schweren tiefen Fall erheblich schlimmer fortgekommen. Er hat den Halswirbel gebrochen und ist tot . . ." Die Herzogin war aschfahl geworden. Sie stand langsam auf und trat ans Fenster. Der Philosoph saß in seinem Stuhl geduckt wie ein gescholtener Junge. Seine überlegene Art. sein frohes Spöttertum verließen ihn heute ganz.. Cr kam sich als Prinzessintröster denkbar ungeeignet vor. Ihm schien, als wenn die Ohren immer länger würden . . . verhexten Eselsohren gleich, die an die Decke schrammten. Und dann hatte sich die Prinzessin wieder zu ihm umgewandt und ihm die Hand hingestreckt. „Verzeihen Sie, Herr Doktor. Ihre Botschaft hat mich doch erregt. Hoffentlich sehe ich Sie bald ein andermal. Dann berichten Sie von unserem Freund. Grüßen Sie ihn von mir. Sagen Sie ihm innige Wünsche. Sobald er wohler ist, komme ich einmal selbst. Und inzwischen höre ich von Ihnen, wie es unserem armen Kranken geht. Ja? Darf ich darauf hoffen? Oder macht es Mühe, wenn Sie ab und zu oorbeikommen?" Da zuckten doch schon wieder geheimnisvolle Spötterfält- chen um des Philosophen Mund. Seine lustigen Schelmen- augen blitzten auf. „Durchlaucht, Mühe macht es höchstens, meine hohe Freude über diese Aussicht und die Bereitschaft zu jedem Ihrer Dienste auszudrücken," sagte er mit begeisterten Schmung. „Denn wer möchte von Axiomen faseln, wenn er vor Märchenwundern steht." Irgendwo im Garten — vielleicht unter Fliederdolden, Blütenleuchten — klang ein Lied. Weich — sanft — gehalten . . . Von Frauenlippen. So linde, so rosenblütenzart, als strichen Feenhände über Schmerz und Leid. „Leise tönt die Abendglocke. Die Natur, sie geht zur Ruh', Vöglein singen süße Lieder, Sonne neigt dem Westen zu . . ." Das alte, töricht-süße Krankenliedlein. Der liebe, leidoertraute Wehmutsfetzen. Wie verirrte Klänge einer fernen Einer Zeit, in der man Rennen ritt. Der Steepler war im Gedränge über einen Sprung gestolpert. Oder ein hartmäuliger. weichrückiger Schwadröner. der nicht springen wollte, stieg. Balancierte. Ueberschlug sich und begrub den Reiter unter sich im Fall. In manchem schweren Krankenlager lernte man das Leid. Zum ersten Male damals auch das Lied. _ Im Kriege dann .. . Blutrote, fieberschwarze Schmerzens- ikala. Verbandsstellen, Krankensammelplätze. Lazarette. Der Samstag, den 17. Dezember-1927. Abzug'vm» Steuerverrag oes Loynsteuerpsttkyttgeir vorsteyt, wurde angenommen. Dafür stimmte auch die Deutsche Bolkspartei. Me Anträge der Deutsche» Volkspartei «ns der Demokraten auf Auseinandersetzung der Einkommen- steuertartfe, Beseitigung der Kapitalertragsstcuer und Berechnung der Einkommensteuer nach dem dreijährigen Durchschnitt wurde gleichfalls abgelehnt. Dagegen fand eine Entschließung Annahme, die die Regierung auffordert, eine« Ausschuß zur Prüfung der Frage der dreijährige» Durchschnittsberechnung einzusetzen. Ministerpräsident Braun vor dem preußlscheu Landtag Berlin, 17. Dez. lFunkspruch.) Anläßlich deL Etatsberatung im Preußischen Landtag ergriff Ministerpräfiüeut Braun das Wort und gab eine längere Darstellung über den Streit zwischen Preußen und dem Reich in der Frage der Ernennung eines Mitgliedes der preußischen StaatS- regierung zum Berwaltungsrat der Reichsbahn. Der Reichsrat habe festgestellt, daß der vom Reichsinneuminister von Keudell gegen den preußischen Ministerialver- treter Dr. Badt erhobene Borwurs des BertraueusbrucheS und der Irreführung unberechtigt sei. Trotzdem sei derBor- wurf noch nicht zurückgenommen worden. Der Redner erklärte weiter, daß er auf den neuerlichen Fall des Herr» v. Keudell nicht mehr eingehen wolle, es habe aber den Anschein, daß an gewissen Reichsstellrn eine gewisse Einstellung, gegen Preußen vorhanden sei. Das Reichsarbeitsministerinm und der Schiedsspruch für die Schwerindustrie Berlin, 17. Dez. Wie von Seiten des Reichsarbeitsmt- nisteriums betanntgegeben wird, ist schon jetzt für den Fa«, einer Ablehnung des im Düsseldorfer Eisenkonflikt gefällte» Schiedsspruches vorgesehen, daß die Parteien vom RetchS- arbeitsminister zu einer Aussprache in das Reichsarbeitsministerium eingeladen werden sollen. Voraussichtlich wird- diese Einladung für Dienstag erfolgen. In de» dann folgenden Besprechungen wird die Frage geklärt werden, «fc.>; der Schiedsspruch für verbindlich erklärt werden kann. In Ergänzung zu den Meldungen über die voraussichtliche Ablehnung des Schiedsspruches im Eisenkonflikt : durch die Gewerkschaften erfährt der Deutsche Handelsdienst, daß.^ auch von einem großen Teil der im Arbeitgeberlager steheu- den Vertragspartner die Auswirkungen des Schiedsspruchs als nicht tragbar bezeichnet werden. Man rechnet mit einer: Ablehnung des Schiedsspruchs auch seitens der Arbeitgeber» organisationen. Ablehnende Haltung der Gewerkschaften Essen, 17. Dez. Wie der Deutsche Handelsdienst, erfährt, dürften die Gewerkschaften den Schiedsspruch in der Eisenindustrie zweifelsohne ablehnen. Man verweist in Arbeit- nehmerkreisen auf die völlig unbefriedigte Lösung der Lohm- frage sowie die Regelung der Arbeitszeit. Der Brief best: Reichsarbeitsministers über das Dreischichtensystem wird ta> Gewerkschaftskreisen sehr geteilt beurteilt/ und man bestehe in einigen dieser Kreise, zu denen vor allem , auch der Mv- tallarbetterverband gehört, auf umgehender, und vollsten Durchführung der Arbeitszeitverordnung. Reichsanßenminister Dr.Sttesemann in Königsberg «Suigsberg» 17. Dez. Gestern vormittags 9.15 Uhr ist Reichsaußenminister Dr. Stresemann in KönigWerg einge- troffen. Zu seiner Begrüßung halten sich auf dem Bahn- Hof u. a. der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen- Siehr, «nd der Königsberger Oberbürgermeiste Lohmey« erngefun- drn. Die Stadt ist geflaggt. Die Königsberger Blätter veröffentlichen anläßlich deS Besuchs Dr. Stresemanns längere Artikel, in denen besonders die deutsche Außenpolitik der letzten Jahre in ihre» Auswirkungen aus den Osten besprochen wird. Die deutsch- nationale „Ostpreutzische Zeitung" weist daraufhin, baß die Wiedergewinnung des Gebietes des polnische» Korridors eine unbedingte Notwendigkeit fei und daß die deutsche Außenpolitik dieses Ziel mit allen Kräften verfolgen müsse.. Das Blatt bezweifelt, daß die deutsche Politik Polen gegen-»; über richtig gewesen sei. Durch eine Frenndschaftspolitik'- gegenüber Polen stärke man zugleich dessen Vorherrschafts»' gelüste im Osten. Das beste Mittel, die Besorgnisse Ostpreußens hinsichtlich der Außenpolitik zu zerstreuen, wä« BSÜt ——-■ ' ' " . . ■ M Glanz von warmen, gütigen Mavchenaugen unter schwarze« Hauben mit weißem Rand. Mitleidgelöste, opferfahle Zug« irgendwelcher Pflegerinnen mit dem Johanniter-Achtspitz,oder mit der Rotenkreuzvrosche vor dem Hals. Und das Lied, das liebe, dumme, alte L>ed . . . Jürgen lächelte. Traumversonnen — ferneweit. Mochte wohl die Schwester hübsch sein, die da draußen sang? Hübsch und jung? Seine Stationsschwester schien es nicht zu (dm Die war hager, ernst und spitz. Ob sie hübscher sein mochte? Die andere? Ob die Lippe», die so weich und linde singen konnten, solcher Liebreiz schmückte wie — Aeh . . . Soweit es der Gipsverband um da» gebrochen« Wadenbein erlaubte, drehte er sich um. Rahm eine rote Rose von dem Nachttisch aus der Schale. Sog den schwülen, süßen, tausend Wünsche weckenden Geruch. Wie jene Wunderfeine, von deren Hand die rote Rose kam? Rein! Denn jene Frau war über alle Maßen ... wie ei« Märchenwunder schön. Er wußte es genau. Denn immer war die Stolze um ihn. Tag und Nacht. Im Traum und Wachen. In Schmerz und Leid. In der ganzen grauen, schweren Oede und Verlassenheit der letzte« Zeit. Mit ihren großen, süßen Augen, die das Blut zur Loheglut erhitzten und die Sinne taumeln machen. Mit de« langen, weichen, weißen Lindesingern. Mit ihrer Anmut und dem Duft. Ueber dem Krankenstüblein tiefe Vesperweihe. Von draußen goldene, schräge Sonnenstrahlen. Frühlingsdüste. Und der Schluß des alten, dummen Krankenliedleins. Jürgen lächelte in die verlöschende Kadenz. Ließ die Ros« sinken. Suchte Fliederdüfte. Es gab davon genug. Vom Garten der Klinik wehten sie heran. Frau Kalb hatte Flieder mitgebracht. Mit händeringendem „Oh" und „Ach". Mit Herzensjammer über ihre« armen Herrn. Mit argem Schelten über die böse Welt. Und mit der geheimnisvollen Verkündung: jetzt müsse sie es sagen, sie habe alles schon vorher geträumt. Ganz deutlich! Sie habe „die Wäsche vom Herrn Rittmeister gehangen. Freilich . . . Und da sei der Sturm gekommen ... Ai — Und Stick for Stick wäre in den Dreck gebladdert." Ja —> so Frau Kalb. M. 256. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheim er Zeitung. Samstag, den 17. Dezember 1927. Irin in Königsberg ausgesprochrnes klares und unzweideutiges Wort über die unverzichtbaren Forderungen des deutsche« Volkes im Osten. Die unparteiische „Königsberger Allgemeine Zeitung" vermutet, daß Dr. Stresemann sich nicht ohne Absicht die östliche Plattform gewählt haben wird, um hier die Gegenwartsprobleme der Ostpolitik zu erörtern. Daß er nach der Genfer Tagung nach Königsberg zur Erörterung dieser Frag« komme, zeige der Welt, welche Bedeutung er einem lebensfähig:« politisch und wirtschaftlich gesicherten Osten betmeffe. Stresemann komme nicht mit leeren Händen nach Ostpreußen. Mit aller Kraft habe er in Genf für die Beilegung des litauisch-polnischen Konflikts gearbeitet. Auch die Eigner Stresemannscher Außenpolitik hätten diesmal «icht umhin gekonnt, die weise Haltung des deutschen Außenministers anzuerkennen. Die Tatsache, daß man europäische Politik nicht mehr ohne Deutschland machen könne, sei der große Erfolg Stresemannscher Außenpolitik, deren Notwendigkeit auch die Deutschnationalen mit ihrem Eintritt kt da« tetzige Kabinett ausdrücklich anerkannt hätten. Badischer Landtag Bormittagsfitzuug. Karlsruhe, 17. Dez. In der Freitagssitzung wurde die Aussprache über die Eingabe» der Bäcker- und Metzgerinnungen von Pforzheim, ihrem Gewerbe zu gestatten, eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn in der Pforzheimer Haupt- industrte die Bäcker- und Metzgerläden öffnen zu dürfen, damit sich die Arbeiterschaft frühmorgens mit frischen Brötchen und Wurstwaren versorgen kann, zu Ende geführt. Es sprachen noch drei Redner, worauf der sozialdemokratische Antrag, das Gesuch der Pforzheimer Bäcker- und Metzgerinnungen durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen mit 37 gegen 19 Stimmen, bei zwei Enthaltungen, abgelehnt wurde. Der Antrag des Ausschusses, das Gesuch der beiden Innungen der Regierung empfehlend zu überweisen wurde . mit 37 gegen 19 Stimmen angenommen. Zum Aufruf kam dann der von der Bürgerlichen Vereinigung eingebrachte Antrag: „Der Landtag wolle die Ausschüße alsbald unter ausschließlicher und genauer Beachtung der einschlägigen Bestimmungen der Geschäftsordnung l8 16) zusammensetzen. Dieser Antrag war darauf zurückzuführen, daß die Bürgerliche Vereinigung den Kommunisten einen Sitz in einem Ausschuß überlassen hatte und deshalb von einem Zentrumsblatt angegriffen worden war. Nach einer sehr lebhaften Aussprache wurde der Antrag der Bürgerlichen Vereinigung mit 39 gegen 15 Stimmen ange- xommtn. Für den Antrag stimmten das Zentrum, die Deutsche Volkspartet und die Bürgerliche Vereinigung, dagegen die Sozialdemokraten und die Kommunisten, während sich die Demokraten der Stimme enthielten. Angenommen wurden sodann die Anträge: den Unterstützungsempfängern eine Winterbeihilfe zu gewähren, die Bezüge der Sozial-, Klein- und Kriegsrentner neu zu regeln und zu erhöhen und die schwerkriegsbeschädigten Beamten bei Festsetzung ihres Besoldungsdienstalters besonders z» berücksichtigen, die Bezüge der Kriegsbeschädigten und der Altveteranen der Kriege 1864/66 und 1870/71 zu erhöhen. — Weiter wurde noch ein Antrag: den badischen Staatsarbeitern bis zur tariflichen Neuregelung ihrer Löhne lausende Beihilfen zu gewähren, deren Höhe mit den Arbeitnehmer- Verbünden zu vereinbaren ist, ebenfalls einstimmig angenommen. Um 14 Uhr wurde die Sitzung geschloffen, nächste Sitzung Mitte Januar. Der Gesundheitszustand von Prälat Dr. Schofer zufriedenstellend. Kreiburg i. Br., 17. Dez. Auf Anfrage wurde uns mit- getetlt, daß sich das Befinden des Prälaten Dr. Schofer sehr gebeflert hat und Ernstliches nicht mehr zu befürchten ist. Sein Amt dürfte aber Dr. Schofer in diesem Winter kaum mehr ««treten. Aus Nah und Fern. tf Sinsheim, 17. Dez. (Konzert.) Am nächsten Sonn ag veranstaltet der Gesang- und Musikve «in Lieüerüranz hi:r seinen -ersten Kammermusikabend, der drei der schönsten Trio der einschlägigen Literatur bringen wird. (Bergt. Inseratenteil.) Die Persönlichkeit der mitwirkenden Künstler, von denen die Vertreter der Violine und des Klaviers hier schon b bannt sind, läßt «ine hochmusikalische Wiedergabe der zur Ausführung gelangenden Werke erwarten. Es wäre zu wünschen, daß das anerkennenswerte Streben des Liederkranzes, auch gute Kamme.musik zu bringen, durch reges Interesse des Publikums gelohnt wird. * Einsheim, 17. Dez. (Kanarien-Ausst/llung). Die Vorbereitungen für die von Samstag auf Montag stattfindende Karrten- und Vogelschutz-Ausstellung sind beendigt. Heute Nachmittag wird dieselbe feierlich eröffnet werden. Sie ist sehr reichhaltig beschickt und man wird Gelegenheit haben, sich von den Ergebnissen der Bestrebungen der Züchter zu überzeugen. Auch eine Zusammenstellung nütz icher, dem Schutz unserer gefieder en Sänger in freier Natur dienenden Gerä schäften, wird dem Beschauer geboten. Mit der Ausstellung ist eine Prämiierung verbunden. außerdem ist Gelegenheit zum Erwerb eines der edlen Sänger geboten oder ihn mit einem Lotterielos zu gem^nen. Jedenfalls verdient die Ausstellung eine« zahlreichen Besuch. * Sinsheim, 17. Dez. (Weihnachtswetter.) Schnee und Eis haben sich in den letzten zwei Tagen eingestellt und der Winter ist. nahezu mit seinem astronomischen Anfang, mit Macht hereingebrochen. Während sich das Thermometer in den letzten Tagen bäum unter dem Nullpunkt bewegte, sank es in der letzten Nacht auf nahezu 18 Grad Celsius unter Null. Der plötzliche schlag macht sich empfindlich bemerkbar. Die Natur bietet eine herrliche Winterlandschaft und die Jugend hat den Sinn des Schnees rasch ersaßt; überall hat sie die Schlitten heroorgeholt und wo immer der Ansatz eines Berges sich fand, sieht man die Kleinen und die Großen in munterem Treiben Hinunterrutschen. Bald werden bei anhaltender Kälte auch die Schlittschuhbahnen fahrbar sein. Der Winter ist rin guter Mann, der mancherlei Freuden und Kurzweil mitbringt, die nicht nur unterhaltend, sondern auch gesundheitlich nützlich sind. * Sinsheim, 17. Dez. (Gehwege reinigen I) Der Einbruch des Winters ruft die Schneeschipper an die Front. Die Gehwege müssen von Schnee und Eis freigehalten werden. * Einsheim, 17. Dez. (Gdenket der hungernden Vögel.) Der Echneefall mahnt die mitleidigen Mensche», auch der Vogel zu gedenken, die kaum noch Nahrung finden können und bei der geringsten Kälte zugrunde gehen. Biele Kinder freuen sich, Brosamen oder Körner streuen zu dürfen, und die Eltern soll en mit gutem Beispiel vorangehen. Diese Mildtätigkeit gegen arme Tiere gehört auch zur Erziehung. » Helmstadt, 16. Dez. (Näh- und Strickstunde.) Zur Zeit findet hier aus Anregung von Herr» Pfarrer Meerwcin eine Räh- und Strickstunde statt, die von jungen Mädchen -gut besucht wird. Der Erlös aus den gefertigten Arbeiten fließt Wohl- tätigkeitsanstalten zu. Z Ehrstädt, 16. Dez. (Hohes Alter.) Morgen begeht der letzte hiesige Veteran aus dem Kriege 1870/71 Ioh. Weber seinen 80. Geburtstag. Die evang. Kirchengemeinde ernannte ihn bei diesem Anlaß zum Ehren-Kirchcngemeinderat. A Grombach, 16. Dez. (Tabakoerwiegung.) Am 14. ds. Mts, wurde in hiesiger Gemeinde der Tabak, insgesamt 130 Zentner, vermögen und mittels Auto nach Mannheim verbracht. Abnehmer war eine Firma aus Mannheim. Bei der Verwiegung gab es weiter keine Schwierigkeiten von seiten des Abnehmers, nur bei einzelnen wurde Dachbrand und Feuchtigkeit beanstandet. Für gute Qualität wurde 56 RM. bezahlt. % Babstadt, 16. Dez. (Bortrag.) Am nächsten Sonntag, den 18. Dez. nachmittags halb 3 Uhr wird auf mehrseitigen Wunsch Herr Hauptlehrer Leininger seinen Bortrag über Kolumbus im Saale der Restauration Seitz hier wiederholen. Eintritt frei. x Aus dem Amtsbezirk, 16. Dez. (Milchschau mit Prämiierung.) Um die Landwirte zur Lieferung einer möglichst gute» und einwandfreien Milch anzueifern, hat die Mannheimer Milchzentrale begonnen, bei den Sammelstellen ihrer Lieferbezirke neben den regelmäßigen Untersuchungen sog. „Milchschauen" abzuhalten. Dabei wird die Milch der einzelnen Lieferer durch eine besondere Kommission auf Sauberkeit, Frischezustand, Kühlhaltung Fettgehalt usw. untersucht. Diejenigen Landwirte, welche hiernach die beste Milch angeliefert haben, werden mit Preisen ausgezeichnet. Die Milchzentrale geht dabei von der Auffassung aus, daß es richtiger ist, durch Gewährung von Belohnungen als durch Herbeiführung von Strafen die Lieferung guter Milch zu erreichen. Nach dem Ergebnis der in der Zeit vom 14. bis 19. November 1927 im Einzugsgebiet der Tiefkühlanlage Richen abgehaltenen Milchschau wurden mit Preisen bedacht: Richen: Wilhelm Mückle, Adolf Gebhard, Genossenschasts- vorstand, Emil Fränkle, Erwin Doll, Albert Speer, Heinrich Hörn ll, Heinrich Gebhard VH, Karl Dotterer Karl Dieter. Hermann Schweinfurt, Jakob Gebhard, Bürgermeister, Heinrich Hofmann, August Rebel, Paul Schmitt, Friedrich Stein, Karl Geiger, Jakob Kistler, Wilhelm Walter, Albert Ziegler. Heinrich Thalmann. Adelshofen : Richard Schümm, Jakob Nagel, Otto Hett- ler, Johannes Grauli, Friedrich Henne, Dietrich Bäcker. Jakob Fleck, Jakob Ott, Jakob Bäcker, Wilhelm Gebhard ll, Karl Heiller, Genossenschastsvorstand, Karl Röcker, August Hettlrr I, Ludwig Bock, Wilhelm Grauli l, Georg Keller Heinrich Stiefel, Wilhelm Wiederroth, Karl Wild, Wilhelm Ott, Dietrich Ott, Michael Stiefel, Jakob Bender, Friedrich Bernhard, Jakob Bock, Wilhelm Grauli II, Ludwig Grauli. Berwangen: Friedrich Mack, Ludwig Zielinski, Philipp Boger, Karl Martin Nerpel, Bolesl. Glefing, Christian Koch, Friedrich Hartmann, Wilhelm Stuhlmüller, Friedrich Merz Martin Müller, Friedrich Sitzler, Jakob Ebert, Elise Echtelnacher, Jakob Gebhard I, Ludwig Geiger II, August Weber, Jakob Reinwald, August Mack l. Jakob Gebhard, Bürgermeister. Jakob Geiger, 2. S., Wilhelm Geiger, Karl Widder, Georg Gilbert, Johannes Geiger, Gustav Echtelnacher, August Hudele, Bernhard Wieland Wwe., Ludwig Hudele, Georg Stoerner, Jakob Widder. Martin Stoerner, Martin Grimm, Anno Echtelnacher, Jakob Oberreicher, Georg Hartmann, Johann Jakob Geiger, Wilhelm Nerpel, Ludwig Moser. Rohrbach: Wilhelm Rupp. August Fischer II, Heinrich Wickenhäuser, Eduard Michels, Adolf Fischer, Ludwig Rupp. Konrad Horrein, Johann Karg I, Johannes Heitlinger alt, Heinrich Rebel II, Markus Michels, Albert Dischinger. Heinrich Gerber, Eugen Wickenhäuser, Sebastian Bcith, Rudolf Weiland, Karl Weiland, Oskar Karg, Oskar Heitlinger, Joseph Meier- höfer, Franz Josef Beith, Engelbert Kraus, Heinrich Zorn, August Rebel. S i e b b a ch : Karl Brian, Wilhelm Maag, Karl Leonhard Geiger, Wilhelm Elias Geiger. Fritz Geiger, Gemeinderat, Ludwig Geiger, Ludwig Friedrich, Ludwig Heinrich Brian Karl Rüber, Fritz Weickum, Rechner, August Echnetzer. Jakob Ziegler, Wilhelm Otto Geiger. Georg Jakob Schnäbele, Alfred Hildenbrand, Bürgermeister, Jakob Kilwy Friedrich Beck, Ludwig Friedrich Brian, Ernst Goppelsröder, August We ckum. Wilhelm Liebenstein jg., Wilhelm Liebenstein alt, Wilhelm Lang. Jakob Schuster, Johann Georg Brian, Wilhelm Burkhard, Gemeinderat, Wilhelm Friedrich, Karl Weickum, Wilhelm Klein, Karl Mayer, Karl Friedrich. Gemmingen: Christian Urschter, Jakob Brunner, Jakob Mayer, Karl Pfäffle, Friedrich Erzinger, Friedrich Herrmann. Dietrich Kachel, Friedrich Lackner, alt, Jakob Bogel. Jakob Gebhard, Georg-Sohn, Heinrich Nicklas, Friedrich Thalmann, Johannes Kachel, Emma Hauck Wtwe. Heinrich Kachel jung, Johann Bechtold, Wilhelm Gebhard. Heinrich Erzinger, Friedrich Heininger, Adam Remmele, Karoline Bachmann. t Wimpfen i. Tal. 16. Dez. (Folgen eines Autounglücks). An den Folgen der bei einem Autounglück in voriger Woche zugezogenen schweren inneren Verletzungen ist die Ehefrau des Güterschaffners Emil o. Langen gestorben. Die so tragisch ums Leben Gekommene ist aus Schwaigern gebürtig. % Rotenberg, 16. Dez. (Praktische Lehrkurse.) Die Wanderlehrerin des Landwirtschaftlichen Hausfrauen-Pereins, Frl. Hopf, hat am Samstag, den 10. ds. Mts., abends ihren Bortrag über Geflügelhaltung in Rotenberg, im Gasthaus zum Hirschen unter reger Aufmerksamkeit der erschienen Frauen und Mädchen fortgesetzt. Auf besonderes Verlangen der Roienberger Mitglieder des LHV. schloß sich an diesen Vortrag unter Leitung von Fräulein Hopf ein Backkurs an, der an drei Tagen nachmittags von 1 Uhr ab stattfand, so daß die Teilnahme daran mit den anderen Verpflichtungen der dabei interessierten Frauen und Mädchen sich ohne Schwierigkeiten vereinigen ließ. Der Kursus, der am Mittwoch, den 14. Dez. mit einer kleinen Ausstellung der hergestellten Bäckereien seinen Abschluß fand, ist mit regem Eifer verfolgt worden und hat bei den Teilnehmerinnen das Verständnis und die Neigung für die Arbeit in solchen Kursen geweckt, so daß später an allgemeine Aufgaben landwirtschaftlicher Haus- frauentätigkeit herangetreten werden kann. Und zwar sotten ausgangs Winter oder im Frühjahr Kurse in Milchwirtschaft und Geflügelzucht abgehalien werden. + Oestringrn, 17. Dez. (Bon der Polksbank.) In der Generalversammlung der Boidsbank mit unbeschränkter Haftung wurde die Annahme der beschränkten Haftpflicht beschlossen. Im übrigen ist eine gedeihliche Entwicklung der Barck zu konstatieren. P Gaiberg, 15. Dez. (Christkindchen für Wirte.) In der gestrigen Sitzung des Pürgerausschusfts wurde unter anderem beschlossen, eine örtliche Getränkesteuer einzuführen, lieber deren Höhe ist man noch nicht endgültig einig. Die Einführung dieser Steuer wird auch eine Bierpreiserhöhung zur Folge haben. - Heidelberg, 16. Dez. (Weihnachtsgaben.) Der Stadtrat bewilligte gestern Weihnachtsgaben an die Erwerbslosen in Höhe von 20 000 RM. Im vorigen Jahre wurden für diesen Zweck 15 000 RMK. zur Perfügung gestellt. — Der von der Herrenmühle beabsichtigte Silobau hat die Zustimmung der Kunstkommission des Stadtrats nicht gr ünden. Vermutlich wird au' Grund des Einspruchs der Direktion sich der Bezirksrat mit öicfer Angelegenheit zu beschäftigen haben. = Dossenheim, 16. Dez. (Jubiläum.) Im Staatlich:» Porphyrwerk konnte Platzmeister Jakob Böhler sein 50 jähriges Dienst- und 40 jähriges Meisterjubiläum beg:hen. Als weiterer Veteran der Arbeit konnte der Zeitlohnarbeiter Philipp Iung- mann auf eine 50 jährige Arbeitstätigkeit im Porphyrwerk zu- rückblicken. Für beide Iubilare waren Ehrenurkunden vom Reichsund Staatspräsidenten emgetroffe». t Mosbach, l6. Dez. (Der Schularzt auf dem Land.) Nachdem der hiesige Bezirkarzt Dr. Schmidt die Kropfbehandlung und Kropfuntersuchung in allen Schulen seines Bezirkes durchgeführt hat, untersucht er zur Zeit in den Landschulen die Schüler und Schülerinnen auf ihre körperliche Beschaffenheit. Für jedes Kind wird ein Gesundheitsbogen angelegt. Damit geht ein langgehegter Wunsch der Landlehrerschast in Erfüllung. Diese Einrichtung besaßen wohl die Städte und höheren Schulen unseres Landes, aber nicht die Polksschulen aus dem Lande. t Adrlshrim, 16. Dez. (Ein Unfall.) Landwirt Emil Fladt im nahen Korb verunglückte gestern beim Zuckerrrbensühren,an der Möckmühler Steige dadurch, daß er einen Fuß unter die Räder brachte. Der Verunglückte wurde von einem andern Fuhrwerk nach Haufe gebracht. t Untergrombach, 16. Dez. (Kein neuer Orden.) Die kürzlich durch die Presse gegangene Meldung, daß P rhandlungen über eine erneute Niederlassung eines Orlens auf dem Michaelsberg schweben, entspricht, wie der „Bruchsaler Bote" an Freiburger maßgebender Stelle erfährt, nicht den Tatsachm. ** Mannheim, 17. Dez. lDie Nachwirkungen des Vorfalls in der Neckarstadt). Nach einer amtlichen Meldung fand vorgestern eine öffentliche Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei statt, die ohne Störung verlief. Gleichzeitig mit der Versammlung veranstaltete die K.P.D. eine Kundgebung auf dem Marktplatz, die ebenfalls ohne Störung verlief und gegen 9 Uhr abends beendet war. Nach Schluß der Versammlung kam es bei der „Rheinlust" zu einem Zwischenfall insofern, als nach Ludwigshafen zu- rückgehende Versammlungsteilnehmer von Burschen, die ihnen im Schloßgarten auflauerten, mit Steinen beworfen wurden. Bei Eintreffen des Polizeikommandos ergriffen die meisten die Flu^t Es erfolgten drei Festnahmen. ** Untergrombach, 17. Dez. (Keine Ordensniederlassung). Die kürzlich durch die Preffe gegangene Nachricht, daß Verhandlungen über eine erneute Niederlassung eines Ordens auf dem Michaelsberg schweben, entspricht, wie der „Bruchsaler Bote" an Freiburger maßgebender Stelle erfährt, nicht den Tatsachen. ** Karlsrehe, 16. Dez. (Unfall.) Ein verheirateter 53 j Jahre alter Rangierausseher wurde aus dem Rangieibahn- hofam Vormittag des 15. 12. von einem Güterwagen erfaßt, und zu Boden geschleudert. Er erlitt einen Oberschenkel-: bruch und mußte ins Stäüt. Krankenhaus gebracht werden. ** Rast, bei Meßkirch, 17. Dez. (Unfall mit Todesfolge).; Am Mittwochnachmittag war der über 60 Jahre alte ledige Bernhard Stadler von hier mit einem Pferdefuhrwerk eines Verwandten mit Dungführen in Walbertsweier beschäftigt. ■ Auf dem Heimweg scheuten die Pferde und gingen durch., Stadler geriet unter den Wagen und erlitt schwere innere. Verletzungen. Er konnte sich noch bis zum Ortseingang } schleppen; dann starb er. Wagen und Pferde wurden in der Nähe des Friedhofes in einem Graben gesunden. ** Obereschach (bei Viillngen), 17. Dez. (Im Wald verunglückt). Einen schweren Unfall erlitt vorgestern nachmittag der 14jährige Sohn des Landwirts Karl Ettwein von hier. Der Junge half im Walde seinem Vater beim Holzschleifen, als ein Stamm ins Rollen kam und ihn so unglücklich traf, daß das linke Bein oberhalb des Knöchels in kom- vlisierter Weise gebrochen wurde. Erdbeben auf der Schwäbischen Alb. Hohenheim, 16. Dez. Die Erdbebenwarte teilt mit: Heut« mittag 11 Uhr 44 Minuten 45 Sekunden zeigte der Seismograph im Einsatz ei» Nachbeben an. Etwa sechs Sekunden später folgte» drei weitere Ausschläge, die auf ziemlich heftige Erschütterungen am Erdbebenherd schließen lassen. Wahrscheinlich ist der Herd des Bebens die Schwäbische Alb, da die Entfernung nur 55 Km. beträgt. Die Vermutung der Erdbebenwarte, daß der Herd des Bebens, wie schon öfttr, die Schwäbische Alb ist. hat sich bestätigt. Es liegen uns folgende Meldungen vor: Ebingen, 16. Dez. Heute mittag »/i!2 Uhr wurde hier ein heftiger Erdstoß verspürt. Me Erschütterung der Häuser war stark. Wände und Türen zitterten. Es war ein fernes Rotten hörbar, gerade als ob ein schwerer Lastwagen über die Straße fahre. Die Bevölkerung eilte erschreckt aus den Häusern; beruhigte sich aber bald wieder. Darüber, ob das Beben Schaden angerichtet hat, ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Der Erdstoß war auch in Tailfingen, Truchtelfingen und Onstmettingen spürbar. Balingen, 16. Dez. Heute mittag kurz vor 12 Uhr war hier Erdbeben zu verspüren. Die Häuser wurden so heftig erschüttert. Die Furcht vor der Lächerlichkeit verliert sich, wenn Sie tadellos angezogen sind. Die nahe Großstadt bietet Ihnen Gelegenheit, sich modern zu kleiden, umsomehr, als Sie dort das Haus finden, das durch größte Auswahl und niedrige Preise weithin bekannt ist. Gebrüder Manes Mannheim P 4, 11-12 Neueste amtliche Kurse mitgrteilt von der Beretnsdönk. e. G. m. b. H. Sinsheim, vom 17. Dezember 1927. «»leihe»: tu »ft 5»,30 11,56 tu W 173 Ablösungslchuld Bitt Anslosungsschet« ohne AuSlosungsschetu . Ba»kaktic : Bad. Bank Darmstädter- »ud Nattooalbaul 22t 159,26 1«3 154,36 213 173 1,3 133 deutsche Baut DrmicheBereinsbank Dresdner Bank Mitteldeutsche Lredttbauk «eichSbonk . . . . Rhein. Sredttbank . Südd. DtScvnw »es. »erg» erd». Aktie» t» 9/9 Harpeaer Sergbau kalt Wefteregel» . . . 163 MannesoinuneShreuwerke. >64,25 Manssetder Bergb. n.tzüU««w . 115 Oberfchl. Pisenb. Bedarf . . — Ihüutx Bergbau u.Hütteubetrtev »9,75 »alzwerl Hetwroun . . 150 Bereinigte Königs- Laurahütte s-,,0 Aktie» i»d»ttr. U»ter»eh»»»gen: tu «io Bllg. «lektr. Stammaktien . »so Babeuia Weiudetm . — Bad. «l ellrizuat Mannheim — Bao. Ma Ichtaeu Durlach . >33 Zementwerk Heidelberg 135,5» Daimler Noloren ... »3 Dtsch. So»»- uad Silberscheide >0« Eltktr. Licht und «rast . . — Ematll. und Stauzwerk Ullrich 34 Farbeninduftrie . 355,«« Fuchs Waggon SlammaMen — Sritzner Maschinen Dnrlach . 1»5 Karlsruher Maschinen . . 17,19 Knorr Hettbronu — Mainkrastwerke Höchst . .1,8 Reckarsulmr Fohrzeugwerke . 10] Schultert Slettr. Nürnberg . 17 »,50 Setltadustrie Wolff . . , 82 Südd. Zucker .... >3»,35 Zellstoff Waldhos Stammaktien 27», 45 Aktie» drxtscher Scan*»axta»ftatte»: tu <*• 145,75 imbnrg. Amertk. Pakelsahrt " IbergerStr atzen- u. Bergbahn — lorddeut, cher Lwh» . .151 Devise»: Seid New-Horl 1 Dollar London t Psnu» Holland luo SMde« Schweiz 100 Franes Wien 1OO Schilling »arlriuv Kranes Italien 100 Lire «rief 4l»ll 4.1881 31.413 80.(53 1083)1 189.41 80.73-/» 80 8»V» 63.01 59.13 >8.(58 Ih.488 39.701/1 23.7(4/8 Illlltll Rr. 256. Jahrgang 1927. Der Landbote * Sinsheimer Zeituug. Samstag, den 17. Dezember 1927. daß Die Fenster klirrten. Schaden ist durch das Beben nicht entstanden. Die Erschießung eines Kriminalbeamte» in Jen«. Weimar, 17. De». Zu der Mordaffäre in JenÄ, bei der Hei der Verhaftung von Einbrechern ein Kriminalbeamter erschossen und ein anderer schwer verletzt wurde, teilt das Landeskriminalamt in Weimar mit, daß die Belohnung für die Ergreifung des Täters auf INOY Mark erhöht worben ist. Einer der Einbrecher, der Arbeiter Paul Gnndlach, ist in Düsseldorf verhaftet worden. Unterschlagungen eines Kasfiers. Münster i. W., 17. Dez. (Funkspruch.) Bei der hiesigen Hauptverwaltung der Wickingwerke ist man Veruntreuungen des Kassierers auf die Spur gekommen, deren Höhe zwischen 100 000 und 200 000 Mark liegt. Der Kassierer ist flüchtig. Große Unterschlagungen einer Sekretärin in Wie«. Wie«, 17. Dez. Die Sekretärin der Wirtschaftsorganisation der Aerzte, die 45jährige Aigauste Adamitsch, wurde gestern verhaftet und in das Landesgericht eingeliefert, weil sie die Organisation mehrere Jahre lang durch falsche Buchungen und Scheckschwtndeleien im Werte von 74 000 Schillingen geschädigt hat. Die Verhaftete hat bis jetzt zugegeben, 30000 Schillinge unterschlagen und diese für ihre persönlichen Bedürfniffe verwendet zu haben. Marktberichte. Heidelberger Wochenmarkt. Kartoffeln 6 Pfg., Weißkraut 10, Rotkraut 18 Wirsing 10, Rosenkohl 25. Grünkohl 15, Blumenkohl 60 bis 120, Spinat 30, Tafeläpfel, erste Wahl 20—25, Tafeläpfei. zweite Wahl 10—15, Tafelbirnen, erste Wahl 20—25, Tafelbirnen, zwe i: Wahl 10—15, Endivien. Stück 6—15, Feldsalat, y* Pfd. 20, Schwarzwurzel» 55, gelbe Rüben 10, Möhren 10 rote Rüben 10, Bodenkohlrabi 8, Zwiebeln 18, Sellerie 5—20, Meerrcttig 40—60, Landeier 16— iS, Landbutter 200, Kastanien 35, Nüsse 50 Pfennig. Schweinemarkt Epp ngen vom 16. Dezember. Der heutige' Echweinemarkt war beschickt mit 296 Milchschweinen und 43 Läufern. Die Preise der ersteren waren 18—32, der letzteren 38—119 Mark per Paar. Wetterbericht. Karlsruhe, 16. Dez. Der Kaltluftvorstoß führte gestern auch in Südbaden zu Regen und Schnee und verursachte starken Druckanstieg. Wir erwarten Fortdauer des winterlichen Wetters mit Schneefällen in Südbaöen. Wetteransfichten für de« 17. Dezember 1927. Fortdauer des winterlichen Wetters mit Schneefällen in Südbaden. Ein praktisches W eihnachis -Geschenk ist der Rkelnelektra-Staiiksaiiger Unübertroffenn Leistungsfähigkeit! Kostenlose Vor ührung im Hause ohne Kaufzwang! Auf Wunsch Ratenzahlung! Besichtigen Sie unser reichhaltiges Lager. 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Januar 1928, vormittags 10—12 Uhr im Nebenzimmer der Bahnhofwirtschaft Lackner, Sinsheim anberaumt.) Zu wählen sind: 4 Vorstandsmitglieder und 8 Stellvertreter aus dem Kreise bei Arbeitgeber und 8 Vorstandsmitglieder und 16 Stellvertreter aus dem Kreise der Versicherten. Wählbar sind die in § 90 Abs. 2, 4 und 6 der Satzung genannten Personen. Zur Einreichung von Vorschlagslisten wird unter Hinweis auf § 15 R.B.O. aufgefordert. Ein Wahloorschlag, welcher nicht von einer wirtschaftlichen Bereinigung eingereicht wird, muß von mindestens 3 Wahlberechtigten (Ausschußmitalieder in der betreffenden Gruppe) unterzeichnet sein. Wahlvorschläge können vom 1. Januar 1928 ab bis spätestens Samstag, den 14. Januar 1928, nachmittags 1 Ahr an den Unterzeichneten Vorstand oder dessen Beauftragten im Kassenlokal eingereicht werden. In jedem Wahlvorschlag ist ein Vertreter und Stellvertreter desselben zu bezeichnen. Sämtliche vorliegenden und zugelassenen Wahlvorschläge werden 8 Tage vor dem Wahltag den Ausschußmitgliedern als Wahlberechtigte mitgeteilt. Die Stimmabgabe ist an die zugelassenen Wahl- vorschiäge gebunden. Jeder Wähler hat nur eine Stimme. Sollten aus gültigen Wahlvorschlägen nur soviel wählbare Bewerber benannt werden, wie Vertreter zu wählen sind, so gelten sie in entsprechender Anwendung des ß 9 der 'Wahlordnung als gewählt. Sinsheim. 16. Dezember 1927. Der Vorstand: Sidler, Vorsitzender. ELECTROLA ZU WEIHNACHTEN.! VORSPIEL OHNE KAUFZWANG Autorisierte Verkaufsstelle Karl Hochstein Heidelberg, Hauptstr. 73. von Ruß-, Kirsch- itnb Birnbäumen gegen fosortige Kaffe. A. Reinig, Sägewerk Sinsheim Hausfrauen n. Verlobte deckt Euren Bedarf i» Webwaren Damen- u. Kindermänteln, Strickjacken- n.Strickwesten, Pullovers,Strickgarne» Bettfedern, Bettbarchenten, Damasten, Teppiche,Wachstuche, Li n o 1 e u m, Vorhänge, Pelze, Schirme, Stöcke u. viele sonstige Bedarfsartikel nur bei A. Gummersheimer H ei lbronn, Kaiserstraße 42. Jeder Einkauf ist unbedingt lohnenswert Liederkranz Sinsheim Gesang- und Musikverein am Sonntag, den 18. Dezember 1927 abends 8 Uhr im Saale „z. Stadtpark" Ausführende: Musiklehrer Albert Baust, Sinsheim (Violine) Musiklehrer Adolf Müller, Heidelberg (Cello) Gerichtsass. W.Hennemann, Sinsheim (Klavier) Vortragsfölge: 1. Klaviertrio C-Dur op. 87 . . Brahms Allegro-Andante con moto-Scherzo-Finale. 2. Klaviertrio B-Dur Köchel Nr. 502 Mozart Allegro-Larghetto-Allegretto. 3. Klaviertrio Es-Dur op. 100 . . Schubert Allegro-Andante con moto-Scherzo- Allegro moderato Eintrittskarten nur am Saaleingang: Für Mitglieder 1.— R.-M., Nichtmitglieder 2.— R.-M., Schüler 0.70 R.-M. Programme 20 Pfg. Kassenöffnnng 715 Uhr. Der Reinertrag fließt in die Flügelkasse. Gestickte Taschentücher 3 Stück im Geschenkkarton Karton 1.50, 0.95, 0.75. Spitzen - Battandier Heidelberg Akademlesirikße 2. / A mUtoerte Schuhe 2 3; ®«*c alf. SSsr-, ,o» GoS 7 ear 8/n ^ Lsclc - n, ^doppelt 12®® ;ear gedop peh ]£50 ' ' * I 's „ roße 25/26 ?%?-« OroSe 25/26 ° röße 23,26 Gr. Im lOelhnochls - Verkauf g^uxuj. Sehikka» Otto M Hockt. Sinsheim. Schriftleitung: tz. Becker: Druck »nd Derlag: G. Beckcrfche Buchdruckerei in Sinsheim. Rr.2SS. Jahrgang 1987. Sie MemlEage Wieder akut? Uh«»b-rlain verspricht dir:Z«rückziich«ng vo« »eitere« 10000 M««n. Paris, IS. Dez. Die Eieyfer Ratstagung ging diesmal 6« Endc/.ohne daß — wenigstens dem.Anscheine nach — diejenige Frage erörtert worden wäre, -Äie Deutschland am «»eisten am Herzen liegt, die Minderung der Lasten und des Leids, dis auf unseren rheinischen Lande« liegen. Die Pariser Preffe hat sich gerade d^wegen,. weil der französische Außenminister in den abgelankenen Genfer Tagen nur verhältnismäßig flüchtig sich beschränkt haben soll, in der oft recht herben Kritik an Briand ziemlich gemäßigt gezeigt, «an konnte selbst in dem Teil der Pariser Boulevardprefle, Ser zufolge der Deutsche zweimal lügt, nämlich wenn er das Gegenteil und wenn er Las Gleiche sagt wie der Fran- ftpfe, mitunter ein verstecktes Wvrt der Anerkennung für De. Stresemann finden. Das will nun nicht etwa besagen, daß darum die deutsche Außenpolitik im richtigen Gleise wäre, es zeigt «der, wie die Betrachtung deutscher Politik wesentlich an Schärfe verliert, wenn man in Frankreich -Nicht die ^heiligsten Rechte" aus dem Versailler Vertrag bedroht sieht. Mit --die erbittertsten Gegner Dr. Strefemanns in , den Pariser Redaktionsstuben sind Jacques Bainville, der: in der „Liber- tit" zu schreiben pflegt, und Gustave Herve, der -vom Sozialisten zum radikalsten NationalsoziaLstem gewandelte Poltti- 1 ker der „Btctoire". Sie beide pflege» von dem Reichsaußenminister nur als von dem gelehrigste« Schüler Bismarcks ft« sprechen. Aber trotzdem bleibt ei« starkes Quantum Mißtrauen gegenüber dem Führer der deutschen Politik und dieser selbst Zurück. Selbst Deutschlands Anteil an der friedlichen Lösung des polnisch-litauischen Konfliktes wird dadurch zu mindern gesucht, daß sie ihre Rechnung präsentieren werde. Nun, Deutschland hat keine Rechnung für ge- keistche Dienste zu präsentieren, sondern hat ein verbrieftes Anrecht auf Einlösung der von der Gegenseite gegebenen Versprechen. Es macht auf die französischen Parteien immerhin einen recht starke» Eindruck, daß die Reichstagsparteten in der Rheinlandfrage geschloffen zusammenstehen. Auch die kürz- lichen Ausführungen des Reichskanzlers Dr. Marz habe» um deffentwillen Hier große Beachtung gefunden, als man ihn Hier als gemäßigten Politiker und abwägenden Mann kenut. Da nun Reichsaußenminister Dr. Stresemann währender Genfer Ratstagung öffentlich nicht die Rede auf die Rheinlandfrage brachte, müssen die erfreulicherweise recht . eindeutigen Worte des Reichskanzlers zur Kritik der französischen Presse Herhalten. Sie führt gegen die Rheinlandräumung und selbst die Trnppenverminderung die alten Argumente ins Feld, daß man nicht durch die Preisgabe eines Vorfeldes für tüe deutschen Angriffstruppen oder die „Verflüchtigung" der Besatzungstruppen zu einem Rumpfheere, Frankreichs Sicherheit gefährden dürfe, bevor nicht die kostspielige und langwierige Berteidgungsanlage an der Ost- «nd Nordostgrcnze geschaffen sei. Nun, es ist nicht deutsche Schuld, wenn dem nicht so ist und der französische Generalstab nach dem Waffenstillstand nenn Jahre tatenlos verstreiche» ließ. All dies wird aber nicht hindern, daß die Rheinlanöfrage binnen kurzem doch aufgerollt wirb. Und zwar wird diesmal, u ie wir von vertrauenswürdiger, nicht französischer, Seite in Paris erfahren, die Initiative von dem engl. Außenminister Chamberlai« ausgehen. Chamberlain soll in der Tat in einer Unterhaltung mit Dr. Stresemann in Genf dem Reichsaußenmiuister versprochen haben, daß er die nötigen Schritte unternehmen werde, die Besatznngstrnppen noch vor de« kommende« Reichstags- »ahlc« «m weitere 10 000 Man z« vermindern. Daß Chamberlain dieses Versprechen nicht ohne vorherige Fühlungnahme mit dem französischen Außenminister machte, liegt auf der Hand. Es dürfte aber anzunehmen sein, daß diese Frage auch zwischen Stresemann und Briand erörtert wurde. Eine weitere Verminderung der Besatzungslast wird zwar den berechtigten deutschen Forderungen immer «och j nicht gerecht, da die Besatzung durch fremde Truppen wit dem Geiste von Genf und Locarno unvereinbar ist, aber sie wäre immerhin im Jntereffe des Rheinlandes mit Freuden zu begrüßen. Mehr wird man für den Augenblick, cder richtiger gesagt: vor den allgemeinen Neuwahlen des Jch- res 1928, auch nicht erwarten dürfen. Die französische Regierung dürste — besonders bei einem Ministerpräsidenten Poincarö — nicht gesonnen sein, am Vorabend des Wahlkampfes etwa die Verantwortung für eine vorzeitige Rhein- ! landräumung zu übernehmen. Aus demselben Grunde wird sie aber einer englischen Initiative auf Truppenvermiade- rung nicht Gefolgschaft verweigern können, da sie sonst die Annäherungsfreunde in Frankreich und die Kartellparteien in gefährlicher Weise vor den Kopf stoße» würden. Es wäre nur zu wünschen, daß diese frohe Adventsbotschaft für die be- : fetzten Gebiete auch recht bald zur Tat wurde. Verächter unserer Zivilisation. Don Henry Collis. Afrikanische Regerk«lt«r in Südamerika. — Das Matriarchat. — Wie gewinnt ma« eine Frau. — Die Zeremonien- fprache der Djnkas. — Furcht vor der Kamera. — Religiöser Höchst««-. Als Rom auf dem Höhepunkt seiner Macht stand, waren «S die Barbaren des Nordens, die mit Verachtung auf die Römer herabsahen. Sie verabscheuten die Römer, trotzdem ihre Kriegskunst beinahe sprichwörtlich geworden war. Alle Kultur sammelte sich in der ewigen Stadt, griechische Künstler und Gelehrte hatten in Rom festen Fuß gefaßt: Rom, das war der Mittelpunkt der Erde. Und doch dachten die Barbaren draußen nicht daran, sich als minderwertig zu betrachten. _ Fast möchte man glauben, wir befänden uns in einer ähnlichen Lage wie die Bürger Roms. Wir, die weiße Bevölkerung der Erde, sinh doch, nach unserer Ansicht, das Salz der Erde, die Erhabenen, wir haben die Kultur in «rbpacht. Draußen aber, in den dunklen Erdteilen, lebt ^Elt der Barbaren. Bilde nennen wir sie, primitive Völker und Stämme. Vielleicht geben wir ihnen noch schlimmere Namen als einst die Römer den Germanen, den Galliern und allen übrigen damaligen „primitiven" Völkerstämmen. Es gibt eine überaus große Welt der Barbaren, die wir vielleicht bester die Jugend der Menschheit nennen wurden, wenn wir ans unsere Kultur nicht so furchtbar eingebildet wären. Es gibt sicher eine Menge von Menschen unter uns, die glauben, der Barbar, der Wilde, müffe mit Staunen auf unsere Zivilisation, auf unsere Fortschritte blicken. Er würde sicher selbst staunen, erführe er einiges von dem. was die Der Landbote * Sdrshetmer ZettmU. „Primitiven" über uns, nnsere Kultur und Ziviltsatton de«- f fen. Ich spreche nicht von den Kulturvölkern Astens, von Chinesen und Indern, die. trotzdem sie den Europäern kulturell in vielem überlegen stnd, doch sehr häufig mit de» eigentlichen „Barbaren" zusammengetan werden, und die t>die „Segnungen" der europäischen Zivilisation und Kultur am eigenen Leibe spüren. Ich spreche von der schwarzen und dunkelhäutigen „Jugend der Menschheit". Schon wissen wir, daß ein Negerstaat im Werden ist, der vielleicht dazu be- , rufen ist, die Führung dieser „Jugend" z« übernehmen. Der Negerstaat hat sich bekanntlich aus befreiten Sklaven gebil- ^det, die aus Amerika zurückgckommen sind. Daß aber auch ■in Südamerika eine Negergemeinschaft besteht, dürfie wohl .wenige« bekannt sein. 'Die Djnkas in Holländisch-Guyana sind wohl die einzige» -Reger in ganz Amerika, die ihre afrikanische Lebensweise chen- amerikanischen Verhältniffen angepaßt haben. Ein über- «us interessantes Experiment. Wie ihre nordamerikanischen Brüder waren sie und ihre Väter als Sklave« nach Guyana -gekommen. Im Jahre 1750 aber brach eine Revolte unter ihnen aus, die gegen die holländischen Farmer gerichtet war. Seit dieser Zeit haben sie ihre Selbständigkeit zu wahren gewußt. Nicht nur ihre persönliche Freiheit behielten sie. sondern entwickelten ihre eigene Kultur, die sie aus der Gokdküste, aus der sogenannten Sklavenküste und aus dem Innern mitgebracht hatten. Die Kunst der Holzschnitzerei ist bei ihnen sehr hoch entwickelt, auch die Sitten haben sich nicht an die der Weißen angelehnt, sondern die Entwicklung ist in dieser Hinsicht ebenfalls eigene Wege gegangen. In ihrer sozialen Struktur ist deutlich ein ausgesprochenes Matriarchat zu erkennen, d. h. Erbrecht und Nachfolgerecht für etwaige Aemter usw. richten sich nach der Familie. nach dem Herkommen der Mutter, und nicht nach dem des Vaters. Um ein Weib zu gewinnen, .mutz der Mann feine ganzen künstlerischen Kräfte aufbieten, um eine schöne Schnitzerei, meistens ein Küchengerät, hervorzubringen. Frauen bestimmen, ob das sunge Mädchen den jungen Bewerber erwählen soll oder nicht. Und auch nachher in der Ehe muß der Mann seine künstlerischen Kräfte auf der Höhe halten, mutz immer wieder Haushaltungsgegenstände Herstellen, da sonst die Frau das Recht hat. die Scheidung zu verlangen. Ein besonders geschickter Künstler kann gegebenenfalls von zwei Frauen zur Ehe begehrt werden, falls er imstande ist, ihre künstlerischen Bedürfniffe zu befriedigen. Es scheint, daß die Schnittkuiisi nicht erst in Südamerika entstanden ist, sondern schon ans der afrikanischen Heimat herübergebracht wurde. Tie einfachsten Hausgeräte sind mit reichen, schönen Verzierungen versehen. Ihr größter Stolz aber ist es. daß sie von den Weißen absolut unabhängig sind, nicht etwa nur politisch, sondern auch in ihrem Alltagsleben. Der Weiße hat nichts, was er ihnen geben könnte. Sie wollen nichts von ihm. Vielleicht verwenden sie ab und zu eine Flinte, ein bißchen Tabak, aber sie betrachten diese Dinge als Nichtigkeiten, ohne die sie sehr wohl auskommen können. Ihre Dörfer liegen oberhalb der Stromschnellen und Fälle der drei Flusse Surinam. Samaraccam und Marawyne. Die Fälle und Stromschnellen sind ihre Befestigungen gegen die Welt der Weißen, auf die sie mit erhabener Verachtung herabblicken. In ihren Sagen verherrlichen sie die Taten ihrer Väter, die sie aus dem Joch der Weißen befreiten. Und alle die traditionellen Lieder und Erzählungen, ihre Heldengedichte und Epen gehen in der alten, wohl aus der afrikanischen Heimat stammenden Sprache von Mund zn Mund. Die gleiche Sprache ist die Zeremoniensprache bei allen Festlichkeiten und religiösen Feierlichkeiten. Ihre Geschtchie beginnt mit ihrem Befreiungskampf. Aber auch „den Forscher, der in ihr Gebiet einöringt, betrachten sie als das Produkt einer morschen Kultur. Wie Dr. Kahn, der das Gebiet bereiste, sagt: „Man hat das Gefühl, als werde man von allen Leuten ob einer gewissen Minderwertigkeit bemitleidet, und deshalb zart und schonend und mit Rücksicht behandelt." — In ihrer Umgangssprache, die ein Gemisch aus Afrikanisch, Holländisch. Französisch und Englisch barstellt, behaupten sie, daß ja ein Weißer in ihrem Lande ohne ihre Hilfe überhaupt hilflos sei, und in der Tat, man kann in diesem Lande nicht ohne ihre Hilfe weiterkommen. Wer einen schlechten Eindruck in irgend einem Dorf hinterlaffen hat, dessen Signalement wird mit Hilfe des Trommeltelegraphen nach allen Flecken des Landes gemeldet. Und niemand wird ihm Lebensmittel reichen, niemand wird ihm als Führer dienen, niemand will etwas mit ihm zu tun haben. Vor allem darf man die Leute nicht mit der Kamera belästigen. Es ist das Zeichen der größten Unhöslichkeit, wenn man sie auf die Platte bannen will. Religiöser Glaube oder Aberglaube spielt natürlich hier eine große Rolle. Sonderbar aber ist es, daß die einzigen nachlässig hergestellten Schnitzereien die Götzenbilder sind, die in den Dörfern nmher- stehen. Und doch ist es nicht religiöse Indifferenz, sondern der Glaube, daß jede Religion, jedes Religionsgeftthl ein inneres sein müffe, und es daher gleichgültig sei, wie die Bilder der Gottheiten aussähen. Jeder Tjuka soll das Bild seiner Götter im Herzen tragen und nach ihrem Willen handeln. Die Zeitung. Bon Walter Bloem. Ein Dutzend Blätter — zusammenqefaliet findet dies dünne Bündel gedruckter Welt Raum in einer Rocktasche. Auf keinem anderen Gebiete wird solch ungeheuerliche Menge von Arbeit, Wissen, Technik. Organisation weggeschenkt für ein paar Pfennige — nirgends wird ein? so riesiges, kunstvolles Produkt verschwendet auf ein paar Stunden. Rund um den Erdball rennen tausend Füße für deine anderthalb Groschen, durch tausend Drähte spritzt elektrischer Funke, schreien Stimmen, tausend Gehirne denken für dich, tausend Hände schreiben, greifen, sichten, ordnen, setzen. Wenige sinnen über dies Wunder nach, das man dir für anderthalb Groschen auf den Frühsttickstisch legt: Das billigste Riesenprodukt des Weltgeistes. Du, Leser, für anderthalb Groschen Herr über zehntausend Gehirne, gebietest hastig oder behaglich — im Bett, im Bad, beim Essen, beim Weg zur Arbeit — über das farbigste Heer von Rednern, die alle gleichzeitig bereit stehen, dich nach deinem Wunsch zu informieren. Eine Tribüne von unvergleichlichem Ausmaß baut sich vor dir auf. Leitartikel gefällig? Lässig niimnst du drei Sätze — heißest den Redner schweigen. Die neuesten Telegramme: fettgedruckt schreien die wichtigsten Zeilen dir entgegen. Romantik gefällig, schöne Leserin? Mord, Mord? Sie können sich, nach Beliebe», die Skandälchen in Muße erzählen lassen, oder in Ueberschristen wählen. Die Redner treten auf, werden begierig oder flüchtig angehört oder gleichgültig weggeschickt. Und je nach Neigung winken sie den Beredtesten, lassen sich einige Minuten erzählen von Wirtschaft, Sport, fernen Katastrophen. Oder haben Sie Zeit? Wünschen Sie zehn Minuten angenehme Zerstreuung? Auch gut, alles ist da! Ein paar Narren warten nur darauf, Ihnen die neuesten Witze-zu flach? Rätsel her! Oder eine Kurzgeschichte/ drei Minuten, hingehackt zwischen Börsenberichten und Berkehrsunfällen: das geistvolle Plaudern eines prominenten Feuilletonisten/. Da treten schon die Kaufleute auf die Tribüne, preisen Ihnen in überzeugendem Ton die Waren an: Hemden, Zahnpasta. Autos — dazwischen nähern sich Ihnen dunkle Ehrenmänner und bieten höchste Preise für älteste Kleider. Was Sie befehlen, alles ist da. Junge und ältere Damen flüstern Ihnen auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege zarte Wünsche ins Ohr... Sie aber, fleißige Leserin, verfolgen zwischen dem Einkauf und der Betätigung Ihrer rühmlich bekannten Kochkünste während fünf Minuten den tragischen Leidens- und Liebesweg der schon?» , Samstag, den 17. Dezember 1927. Kunigunde, die von niederträchtigen Schurken wie ein edles Witd gehetzt wird. Ach, gerade wenn es am interessantesten wird, müssen Sie Ihr Zittern bis zur morgigen Fortsetzung umerdrücken i jIch spreche die bestimmte Hoffnung aus, daß Sie und ich einige Wochen später gemeinsam den Sieg her Tugend bejubeln werden. * Weiler, weiter! Menschen sind gestorben, Menschlein geboren. Pärchen sind zum Lebenskampf in den Ehering getreten. Das ruft, flüstert, brüllt von allen Seiten aus der Zeitung — wer es nicht hören will, blättert weiter, läßt sich von einem Geheimen Medizinalrat, einer Autorität, persönlich über die Fortschritte der Berjüngungskuren untermchten. Dazwischen melden eifrige Reporter die neuesten Brände, Einbrüche, Bereinsgründungen. Ein hochtrabend berühmter Name unterhält Sie für anderthalb Groschen, schießt geistige Purzelbäume — ins magische Dunkel ihrer Anfangsbuchstaben gehüllt predigen die großen Redakteure die einzig wahre Politik. Und dies Farbenspiel von Meinung, Uebcrzeugung, Ueber- redung zuckt und flimmert nur für dich von der Tribüne herunter: bereit, nach deinem Willen weiterzusprühen, oder zu verlöschen. Die Zeitung, zu welcher Partei sie sich auch bekenne, ist das demokratischste Industrieprodukt der Welt. Sie kostet fast nichts, und die kleine Tippmamsell kann sie ebenso leicht kaufen wie der Industriebaron. Masse Mensch, das großartig gespenstische Theater der Hunderttausend wird von dir zu individuellem Gebrauch aufgebaut — und sofort wieder abgerissen. Die ehernen Worte der Anfangsbuchstaben-Redakteure sind gesagt für ein paar Stunden, neue Sensationen hetzen die von heute früh zu Tode, die in den Feuilletons erschlagenen Dichter werden wieder lebendig, die Polizei hat den Mörder bereits erwischt, schon rüstet die edle Kunigunde zu einem neuen Fortsctzungsliebes-« abenteuer. Trepp auf und ab hastet die Zeitungsjule mit der Abendausgabe, und all das riesige Gewirr von Organisation, Unkosten, Geist des vergangenen Morgenblattes ist verpufft zu einem Haufen Makulatur... Verschiedenes. Max LinderS Tochter wird den Berwandteu des Siinftler» »«gesprochen. In dem Prozeß um die Tochter des verstorbenen Filmschauspielers Max Linder, der so viel Aussehen erregt hat, ist dieser Tage die Ensscheidung gefallen. Die kleine Man» Lydia wurde dem Bruder des Künstlers zur Erziehung übergeben. Bekanntlich hatte dieser Prozeß sehr traurige Aufschlüsse über die unglückliche Ehe des Künstlers gebracht, der in einem nachgelassenen Briefe bestimmte, daß sein Kind niemals der Familie feiner Frau überla-ssen werden dürfe, da es dort nichts Gutes lernen könne. Außerdem sprach Max Linder noch den Wunsch aus, daß seine Tochter nie tanzen lernen, nie zur Bühne gehen und mit dem Theatrr- leben überhaupt niemals in Berührung kommen wüte. Sein Bruder werbe das Kind in diesem seinem Sinne erziehen und einen guten, tüchtigen Menschen aus ihm machen. — Das Gericht fällte seinen Spruch auf der Grundlage, daß der Vater des Kindes der Letztüberlebende nnd berechtigt gewesen sei, letztwillige Verfügungen über seine Unterbringung und Erziehung zu treffen. Madame Peters, der Mutter der Frau Linder, die das -Kind bis jetzt bei sich gehabt hatte, wurde aufgegeben, die Kleine nunmehr de» Verwandten des Ehemannes zu überantworten und die Kosten des Rechtsstreites zu übernehmen. Wie verlautet, soll Frau Peters beabsichtigen, gegen das Urteil Berufung einzulegen, doch ist anzunehmen, daß sie keinen Erfolg damit haben wird, da, wie der Richter ausdrücklich betonte, die Zeugenaussagen ergeben hatten, daß Max Linder ein zärtlicher und treuer Vater war, der gewissenhafter für sein Kind sorgte, als dessen Mutter. Auch moralisch müffe deshalb sein letzter Wille befolgt werden. Die liebe« Kinder. Zwei Kinder gingen von der Sonntagsschule nach Hanse und sprachen über die Religionsstunde. «Glaubst du, daß es einen Teufel gibt?" fragt das eine. Das andere: „Ach weißt du, mit dem Teufel wird es wohl gerade so sein wie mit dem Weihnachtsmann: Es ist der Papa." Der kleine Bobby war den ganzen Tag sehr ungezogen gewesen und wurde zur Strafe ohne Abendessen ins Bett geschickt. Aber er konnte nicht schlafen, und um 10 Uhr kam er ans dem Schlafzimmer zur Mutter: „Mama, hast du mir nicht gesagt, ich sollte nicht schlafen, ehe ich nicht Frieden mit meinen Feinden gemacht hätte?" — „Ja, mein Kind." — „Na, also qut", sagte Bobby, „ich verzeihe dir nnd dem Papa." Bo« einem Tiger erschossen. George Wendsworth Dillon, Anwalt in Allahabad, führte eine regelrechte Fehde mit einem Tiger, der seit langem die Gegend von Markundi unsicher machte. Es war ein sog. „Menschenfresser", weit und breit gefürchtet, der allen Nachstellungen zu trotzen wußte. Dillons erste Begegnung mit ihm lag schon zwei Jahre zurück: sie war eigenartig genug. Bei einer Treibjagd hatte er seinen Sitz auf einem Baume genommen. Von dem Lärm der Treiber erschreckt, war plötzlich der Tiger aufgetaucht, der seinen Platz gerade unter dem Baum mit Dillons Ansitz nahm. Im Jagdcifer machte dieser eine zu rasche Bewegung, verlor das Gleichgewicht, fiel herab und landete ausgerechnet auf dem Rücken der erschrockenen Katze. Ein rascher Hieb mit der Tatze, dann verschwand das Raubtier im Dschungel, während Dillon noch lange die Erinnerung an dies erste Abenteuer in Form eines gebrochenen Armes bewahrte. Er hätte eigentlich zufrieden sein sollen, daß dieses Abenteuer so glimpflich für ihn abgelaufen war, doch er dachte anders darüber. Er schwur, dem Tiger bei der nächsten Gelegenheit den Garans zu machen. Mehrere Monate vergingen, ohne daß die beiden Gegner einander zu Gesicht bekamen. Eines Tages stieß Dillon wieder auf den „Menschenfresser", den er an einigen Eigentümlichkeiten der Zeichnung sofort erkannte. Auf seinen Schutz zeichnete das Tier, dann verschwand es wieder im Dickicht. Die herbeigeeilten Treiber warfen Steine hinein, feuerten ihre Flinten ab, kurz, machten einen Höllenlärm, doch nichts rührte sich: der Tiger mußte, nur leicht getroffen, das Weite gesucht haben. Dillon war schon iw Begriff, den Platz zu verlassen, doch vorher wollte er selbst noch kurze Nachsuche erhalten. Das Herz stand ihm fast still, als er in das Dickicht eindrang und das Raubtier unmittelbar vor sich sah. Der Anwalt glaubte sein letztes Stnndlein gekommen, doch auf einige Schüsse der eingeborenen Begleiter sprang jenes wieder in den Dschungel, nicht ohne seinen Verfolger durch einen furnstbaren Prankenhieb wieder schwer verletzt zu haben. Während Dillon langsam genas, beschäftigten sich seine Gedanken nur damit, wie er seinem Feinde beikommen könne, der ihn nun schon zweimal fast getötet hatte. Mehrfache Streifzüge dnrch das Dschungel in den folgenden Jahren blieben erfolglos. Dillon sah de» Tiger wiederholt, ohne zum Schuß zu kommen. Bor kurzem' veranstaltete er nun wieder eine große Treibjagd, ans der er endlich ans Ziel zu gelangen hoffte. Das Glück schien ihm hold: nicht weit von seinem Sitz tauchte der Tiger auf. Dillon feuerte nnd jener stürzte zu Bode», ohne ein Lebenszeichen mehr von sich zu geben. Endlich war der Kampf ent- Rr. 256. Jahrgang 1927. schieden! Der glückliche Schütze triumphierte und sah schon im Geiste das prächtige Fell des toten Feindes sein Haus in Allahabad zieren. — Er wartete einige Minuten, um sicher zu sein, daß die Bestie auch wirklich erledigt war. Sie rührte sich nicht, doch als vorsichtiger Jäger lud der Anwalt feine Büchse ehe er näher heranging. Gerade diese Vorsicht sollte ihm zum Verderben werden. Er war bis auf etwa zwei Meter an den anscheinend toten Tiger herangekommen, als dieser sich plötzlich aufrtchtete und auf Dtllon lossprang. Bollkommen überrascht stieß der Mann den Kolben seiner Büchse dem Untier in den Rachen. Dieses schlug darnach und das Gewehr entlud sich: die Kugel durchbohrte die Lunge -es unglücklichen Jägers, der besinnungslos niedersank. Dicht neben ihm lag tot die große Katze, den Büchsenkolben im Rachen. Dillon wurde nach Allahabad ins Krankenhaus gebracht, wo er seinen Verletzungen erlag. Er war — so unglaubhaft es klingt — von einem Tiger erschaffen. Der bissige Boxer. Diese Geschichte handelt nicht etwa von einem Hnnde, »ie man wohl denken könnte, sondern von einem Menschen. — Ei« Boxer muß „lebendig" sein, aber er darf nicht allzu lebhaft werden. Das mußte Pierre Vaillard, der beliebte Pariser Boxer, dieser Tage leider zu spät erfahren. Er war in die etwas dunklen Angelegenheiten eines Kollegen, die man in Deutschland „Schiebungen" nennen würde, verwickelt, sollte aber zunächst vor Gericht als Zeuge vernommen werden. Diese Vernehmung gestaltete sich ziemlich peinlich für ihn und machte es wahrscheinlich, daß er sich bald ebenfalls aus der Anklagebank befinden würde. Ob nun diese Aussicht oder die schlechte Luft im Gerichtssaal ihn so aufregte, sei dahingestellt. Jedenfalls schnellte er sich plötzlich mit einem Riesensatze von seinem Platze vorwärts — und wie der Blitz aus der Tür, durch die der Gerichtshof ein- und auszugehen pflegt. Leider stieß er im Türrahmen gerade auf einen Richter, der eben eintreten wollte und der den Versuch machte, den so überaus eiligen Herrn zurückzuhalten. Er zog aber mit einem Aufschrei seine Hand zurück, denn der Boxer hatte ihn kräftig hineiügebissen. Pierre Vaillard hielt sich nicht weiter aus, ein kräftiger Magenhaken beförderte den Gerichtsoiener. der auf den Aufschrei des Richters herbeieilte, zu Boden, und der freiheitsdurstige Zeuge suchte das Weite. Es. gelang jedoch, ihn noch vor dem Gerichtsgebäude einzuholen und zn verhaften, und nun kann er hinter Schloß und Riegel darüber Nachdenken, ob man um sich schlagen und andere Leute in die Hand beißen darf, wenn man den dringenden Wunsch hat, sich zu entfernen. Bald wird sich Pierre Vaillard nun selber vor dem Richter befinden, und er hofft inbrünstig, daß dieser Richter nicht ausgerechnet der „Gebiffene" sein wird. Die Amazone. Die „blutige" Geschichte hat sich in einer polnischen Kleinstadt ereignet. Eine junge Schöne hatte sich lange von den heiratslustigen Burschen des Ortes umwerben laffen. verheiratete sich dann aber unerwartet mit einem begüterten älteren Manne. Man schwor ihr Rache. Als das junge Paar von der Hochzeitsreise zurückgekehrt war, versammelten sich in der ersten Nacht die Burschen vor ihrer Wohnung und führten mit allen möglichen und unmöglichen Instrumenten ein wüstes Radaukonzert aus. Die junge Frau hörte sich das eine Weile an, dann aber stürzte sie, einen knüppeldicken Stock als Waffe schwingend, auf die Straße und hieb ohne Wahl aus die Instrumente und noch temperamentvoller aus die Köpfe der Musikanten ein. Diese waren von dem plötzlichen Ueberfall so verblüfft, daß sie Reißaus nahmen. Einer aber blieb bewußtlos und mit einer schweren Kopswunde am Platze und mußte ins Krankenhaus geschasst werden. Er bat die Angreiferin nun wegen Körperverletzung verklagt. Die gerechten Richter werden hoffentlich zugunsten der tap- sereu Amazone entscheiden, die so energisch und mutig den Angriff aus ihre und ihres Gatten Ehre zurückschlug. Von diesem aber schweigt des^ Berichtes Höflichkeit. Wo, war e r Der Laadbote * Siusheimer I rittmg. Samstag, dsn 1?.. Wz ember 1927. des Gesetzes sich nicht abweisen ließ, warf er ihn höchst1 eigenhändig zur Ture hinaus. Hierüber war der Bürgec- wayreno oer -Lrymcyr? Spteue er im Hause die Rolle der „frischen Truppen in Reserve", um im Fall einer ungünstigen Wendung des Kampfes einzugreifen? Oder hat ihn der Anblick seiner gefechtstüchtigen jungen Frau io erschüttert, daß er nicht mittun konnte? Tenn es ist immerhin nicht ungefährlich, mit einer Amazone verheiratet zu sein. Der Prinz als Berkehrshinderuis. In England schätzt man besonders eine Abart von Scherzen, die man „practical jokes" (soviel wie „handgreifliche Witze"j nennt. Einen solchen Witz leistete sich kürzlich ein Spaßvogel in London. Er telephonierte den „Direktor" einer jämmerlichen kleinen Vorstadtbühne in Whitechapel Road, also in einem der verrufensten Stadtteile von London an. Er gab sich als den „Oberstallmeister des Prinzen von Wales" aus und verkündete dem Direktor, daß seine Königliche Hoheit in etwa dreißig Minuten eintreffen würde, um der Vorstellung beizuwohneu. Ter Direktor war saffungslvs über die unerwartete Ehre. Merkwürdigerweise fiel es we- der ihm noch seinen „Künstlern" ein, an der Wahrheit der Nachricht zn zweifeln. Im Gegenteil, man entwickelte eine fieberhafte Tätigkeit, um den hohen Besuch einigermaßen würdig zu empfangen. In aller Eile wurden Blumen, Lorbeerbäume und Fahnen herbeigeschafft, uw die einzige Loge des Zuschauerraumes auszuschmücken, und vor dem Theatereingang breitete man Teppiche aus und stellte die bestgewachsenen Statisten in Pagentracht mit Fackeln auf, um den Prinzen zu empfangen. Diese in dieser Gegend durchaus ungewöhnlichen Maßnahmen erregten die Aufmerksamkeit der Bevölkerung: die Kunde von dem zu erwartenden Ereignisse ging von Mund zu Mund, und bald sammelte sich eine nach vielen.Tausenden zählende Menge vor dem Theater. nm die Ankunft des Prinzen mitzuerleben. Man wartete geduldig im strömenden Regen — aber wer nicht kam, war natürlich der Prinz von Wales. Als man endlich dahinter kam. daß es sich um eine Mystifikation handele, kannte die Wut des Pöbels keine Grenzen. Die Menge drohte das Theater zu demolieren, und zwischen dem Publikum und den Theatermitgliedern kam es zu einer solennen Keilerei. Ein starkes Polizeiaufgebot mutzte endlich Ruhe stiften. Die Menschenmenge, die sich infolge dieses in seiner Wirkung tatsächlich handgreiflichen Scherzes angesammelt hatte, war io groß, daß der Straßenverkehr der Gegend mehrere Stunden lang dadurch aufgehalten wurde. So wurde also der Prinz, obgleich er nicht da war oder gerade weil er nicht da war. zum Verkehrshindernis. Der Sarg als Bett. Durch die Preffe gingen in letzter Zeit häufig Nachrichten von Leuten, die sich freiwillig oder auch unfreiwillig bei lebendigem Leibe einsargen ließen, und mancher Leser wird wohl solche Notizen mit gelindem Gruseln zur Kenntnis genommen haben. Ein biederer Berliner Bürger ist aber anderer Meinung: er findet nicht das geringste Aufregende dabei, im Sarge zu liegen. Seit mehr als vierzig Jahren benutzt er — seines Zeichens Sargtischler — nämlich die Er- zeugniffe seiner Kunstfertigkeit dazu um in der Werkstatt' in ihnen sein Mittagsschläfchen zu halten. Ob seiner sonderbaren Liebhaberei befragt meinte er eigentlich ganz zu- tresfend, daß man über kurz oder lang doch mit Sicherheit einmal auf diesem Lager Platz nehmen müsse, und da sei es immerhin ganz angebracht, sich bei Zeiten daran zn gewöhnen. Der Pfarrer, der keine Stenern zahlen will. Wohl niemand ist erfreut und begeistert, wenn der: Steuerbote kommt, und fast immer find wir d»r Ueberzeu-, gung, daß wir zuviel bezahlen sollen: dann protestieren wir? und werden auf den Beschwerdeweg verwiesen, aber einstweilen müffen wir jedenfalls zahlen. Das sah aber der ehrwürdige Herr Pfarrer des kleinen Städtchens Hentic bei Brest in der Normandie absolut nicht ein. Er war seiner Meinung nach in der Steuer zu hoch veranlagt und weigerte sich, feine Abgaben zu bezahlen. Als der Steuerbotc kam, ließ er sich zunächst nicht sprechen, nnd als der Diener meister des Städtchens erbost und machte dem Herrn Pfarrer Vorwürfe, daß er als ein Mann des Friedens eine j» kriegerische Haltung einnehme. Aber der Pfarrer ließ sich nicht beirren. Entweder, so erklärte er, erlasse man ihm die Steuern, oder er beharre bei seiner Weigerung. Ja, sollte man ihn zwingen wollen, so werde er die Kirchenglocks« läuten laffen und seine Schäfchen auffördern, ihrem Hirt«? beizustehen. 1 Der Bürgermeister ist nun in großer Verlegenheit. Aas soll er-tun? Er-hat, da die Steuern unbedingt bezahkt werden mutzten, den Betrag vorläufig erst einmal ausgr» legt, gleichzeitig und für alle Fälle aber ein Verbot erlasse«, die — Kirchenglocken zu läuten, außer zu dem sonntägliche«; Gottesdienst! Man darf auf die Entwicklung der Auge-. legenheit gespannt sein. — Das Chiaeseukind i« der St. Pauls-Kathedrale. Eine immerhin etwas ungewöhnliche Taufzecemonie hat sich am 12. Dezember in der St. Pauls-Kathedrale tu London abgespielt. Dort wurde ein Chineseubaby getauft, daS erste, das bisher an diesem heiligen Orte in die Gemei»- schaft der Christen ausgenommen wurde. Herr Ma, der Ba- ter des Täuflings, ist ein respektabler Kaufmann und Inhaber mehrerer. Ladengeschäfte in London, der Aelteste «•« vier Brüdern, die vor einer Reihe von Jahren alle zn- sammen nach London kamen, um dort ihr. Glück zu versuche«. Sie brachten es auch alle in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Ansehen und Wohlstand und heirateten alle Engländerinnen, und zwar — vier Schwestern. Das erste dieser vier Paare erfreut sich nun eines gesunden Knäbleins, eben des Täuflings, und es ist wohl anzunehmen, daß auch die a«- deren Paare in der gehörigen Reihenfolge zu der gleiche« Zeremonie in der St. Pauls-Kathedrale oder einer ander« Londoner Kirche erscheinen werden, — Nach der Taufhandlung haben sich die zahlreichen 8o«- doner Freunde der Familie Ma in einem bekannten Hotsl eingefunden, wo das freudige Ereignis gebührend gefeie»t wurde. Nach chinesischer Sitte wird jedem Gaste hierbei ei« rotgefärbtes hartgekochtes Ei überreicht werdeni, in öesse« Inneren sich irgend ein kleines, aber wertvolles Schmuck- stück befindet Das musikalische Amerika. „In Amerika herrscht die musikalische Anarchie!" behaupt tet einer der. prominentesten Musiker, der Komponist I. T-> Baltin, der jetzt nach einer. Konzerttournee durch Amerika, wieder nach London zurückgekehrt ist. „Ich kan» mich übe« den finanziellen Erfolg meiner Reise wicht beklagen, «»- auch künstlerische Ehren hat man mir reichlich erwiesen. Ei«e andere Frage ist die, ob man meinen Kompositionen sowohl als auch denen älterer Meister, die ich in meinen Konzerte« interpretiert habe, auch wirkliches Verständnis entgege»- briugt? Diese Frage fürchte ich verneinend beantworten *« müffen! — Meiner Meinung nach ist dep Amerikaner übrr- hanpt unmusikalisch!" . De« Weihnachtspndding des Königs von England. Der König von England, vekommt. alljährlich zahlreiche Weihnachtsgeschenke. Eines der originellsten davon ist wvhl der große Weihnachtspudding, den ihm alljährlich die Mitglieder der „nationalen Bewegung" überreichen. Diestz «a- tionalc Bewegung hat sich «. a. auch die Aufgabe gestellt.. den erbrauch englischer Produkte zw färderu. Die Zuberei-, tung des Weihnachtspuddiugs für den König erfolgt mit* großem Zeremoniell im Palaste durch den Küchenchef detz- Lordmayors vo» London unter der? Assistenz viele« h»ch- gestellter Persöwlichkeitew. Ter Herzog von Meath, kätc f&Z 03ZO/A. 20132 Aus dem Reiche der Mode. Selbftgeferttgte Weihnachtsgeschenke, die wenig Zeit beanspruchen Wechnachten ist mcht mehr fern, und es wird Zett, an die Geschenke zu denken, die das Fest verschönen sollen, besonders. wen» man mst eigner Hand etwas schaffen will. And welche Fra« täte das nicht gern! Wie viel Beglückendes kan» selbst die Leinste Hcmdarbeit ge-, währe«, sofern sie mit Liebe und Bedacht gewählt, den Wünschen des Beschenkten entgegenkommt. Ein wichtiger Faktor bei der^Anfertigung von Handarbeiten ist allerdings die Zettdauer, die nicht allzu lang bemeffen sein darf, denn die meisten Frauen haben nue wenige freie Stunden. Wirkungsvoll und schnell von der Hand gehend sind die Gegenstände aus bunter Wolle, die dieses Jahr besonders en vogue sind. Da ist ein Kiffen, wie Favorit-Modell 20316, in Stäbchen und festen Maschen rasch gehäkelt, und wie die Farben desselben — Beige Hellblau, Zitrone, Silbergrau, Marine — zu verteilen sind, kann aus der dem Muster beigegebenen farbigen Vorlage ersehen werden, eckige Decke, Favorit-Modell 20272, ist ebenfalls in der flotten Stäbch^nhäkelei auszuführen und sicht in feiner Shetlandwckle in zweifarbigen Quadraten — grau und bla«, grün nnd schwarz, hell-und dunkellila, rot nud gelb — recht gut aus; die Größe ist beliebig einzurichten. Das zarte ToilettenSffen aus farbiger Seide, Favorit-Mod. 20132, schmückt ein Filet-Quadrat mit zierlicher Stickerei, die nach Belieben auchin Kreuzstich auf weißem Batist ausgeführt werden kann. Kreuzstich ziert auch die reizende BuchhMe aus Hellem Leinen, die von einem Bücherwurm mit Freuden, atzeptjert werden wird. Ein kleines praktisches Gesenk ist der Kannenanfaffer, Favorit-Modell 20320. Es wird aus farbigem Fikztuch gearbeitet und mit einer Stickerei i« Span,- und Lanxsiiettenstich ausgestaltet. Au» Seide oder Tuch ist das aparte Täschchen. Favorit- » 7 A^bstellen,sepaeu Schmuck ergibt eine feine Perlstickerei. Zu dem eleganten Kiffenpuff, Favorit- ME?20267^st graue oder schwarze Seide als Material zu empfehlen,- die Tulpen sind in leichter Moll- * ®“ rBen "ufgeftickt. Auch die Anfertigung der kapriziösen Künstlerpuppe, Favortt- Mod. 7746. macht mtt Hilfe des Schntttes keine Schwierigketten; nur das Gesicht einer Maske hat ma« dlerrotgewand derselben wirkt besonders gut in weißer und schwarzer Seide, wofür »Ödeste v erwendet werden können. Zuletzt seien noch die Krawatten (langer Schlips und Krage«. t bmtzerj,Favntt-Mod. 7741, und der weiche Wäschekragen, Favorit-Mod. 7740, erwähnt, womtt der §_ s Herr des Hauses durch eine ..Handarbeit" erfreu* V Herr des Hauses durch eine „Handarbeit" erfreut werden kann. Bearbeüet und mtt Abbildungen versehe« vom Favorit-Verlag, Dresden-N. 6. A 20132 Schnitt* L«i»darbeitsm»fter attn becruemen Racüarbeite« ftnb ethaiiliA ^Z0Z6 7 /y/'A vom Favorit-Lerlug, Dre8de»-str. s