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Das Publikum, das sich auf den Tribünen befand, wollte dieselben fluchtartig verlassen- infolge des Drängens brach das Holzgitter und stürzte auf das untenstehende Publikum. Mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen, konnten aber der häuslichen Pflege übergeben werden. Auch vom Heiligen Vater, der sich gerade in seiner Privatbibliothek befand, wurde das Erdbeben verspürt. Das Epizentrum soll s ich in einer Entfernung von ungefähr 20 Kilometern befin- finden, und zwar zwischen Frascati und Polca de Papa, zwei kleinen Städtchen an den Abhängen des erkalteten Vulkans. Zn Monte Caoo und Polca de Papa sind mehrere Häuser schwer beschädigt worden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Andere Nachrichten besagen, daß das Epizentrum in Velletri und Umgebung liegt, wo gleichfalls ernstlicher Schaden zu verzeichnen ist. Der größte Schaden scheint durch das Erdbeben in der Umgebung des Schlosses Nemi entstanden zu sein, doch sind nähere Einzelheiten bis zur Stunde nicht eingetroffen, da die Telephonverbindungen unterbrochen sind. Nach Angaben des römischen Beobachtungsinstituts haben die Apparate vier Minuten lang Erderschütterurgen verzeichnet. Nach eingelaufenen Meldungen beim Institut sollen auch in Frvsnone Häuser eingestürzt sein. Fn Nemi sollen drei Personen unter den Trümmern eines eingeMrzten Hauses begraben, aber gerettet. worden sein. Außerordentlich stark wurde das Beben auch in Genzano verspürt. Die Panik unter der Bevölkerung war sehr groß. Neue Haussuchungen im Elsaß. Paris, 26. Dez. Wie Havas aus Straßburg meldet, sind auf Veranlassung des Generalstaatsanwalts Samstag früh bei zahlreichen als Autonomisten bekannten Persönlichkeiten im Elsaß und in Lothringen Haussuchungen vorgenommen worden. Nach dem „Temps" handelt es sich um mehr als 66 Personen, darunter den früheren Abgeordneten und Direktor der Sapart in Mülhausen, Brogly, den Korrespondenten des „Elsässer Kurier" in Mülhausen, Sturmel und Dr. Ricklin. In Kolmar wurden Haussuchungen vorgenommen in den Redaktionsräumen des Elsässer Kurier" und in der Druckerei der Berlagsanstalt „Alsatia", ferner in den Büroräumen der elsässischen Kommunistenzeituiig „Humanste" in Straßburg und Metz und bei den Korrespondenten der „Humanste" in Mühlhausen und Kolmar, in Straßburg bei dem Architekten Sigrist,, dem Mgler Solwein, in den früheren Büroräumen der „Zukunft" und in der Druckerei des Abbe Faßhauer, in Saargemünd bei dem Bruder des angeblich vor einigen Wochen nach Deutschland geflüchteten Bankiers Pinck, Abbe Pinck, und bei dem früheren Verleger der „Volksstimme", Dumser, endlich bei dem Sekretär des Bürgermeisteramts von Hagenau, Kep- pi. Me Haussuchung in den Büroräumen der kommunistischen Zeitung „Humanste" in Metz hat, wie Havas berichtet, hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Kommunisten und den Autonomisten nur Ergebnisse von geringer Bedeutung gehabt. Sie hat aber die Vermutung bestätigt, daß zwischen der kommunistischen Organisation in Metz und den Bolschewisten eine enge Fühlung befiehl. Der Munzipalrat von Hagenau hat, wie „Matin" berichtet, mit zwölf gegen elf Stimmen eine Entschließung aus Verurteilung der autonomiftischen Bewegung abgelehnt. Zu denen, die sich gegen die Entschließung aussprachen, gehötte auch der Bürger- messter. Französische Kolonialpolilik. 16 666 Eingeborene Hungers gestorben. Paris, 23. Dez. Im französischen Kongo hat sich kürzlich ein Drama abgespielt, das ein grelles Licht auf die französische Kolonialpolitik wirft. Der Gouverneur hob zum Bau einer Eisenbahnlinie 14 000 eingeborene Arbeiter aus und verfrachtete sie an die Arbeitsstellen, vergaß aber, für ihre Ernährung zu sorgen, und lieferte so die Schwarzen dem Hungertode aus. In kurzer Zeit starben 10000 der Unglücklichen an Hunger, Fieber und Erschöpfung. In Paris hat diese Angelegenheit große Aufregung hervorgerufen. Aber niemand dachte daran, den Gouverneur abzuberufen. Im Gegenteil, er kehrte auf seinen Posten zurück, nur gab man ihm den Auftrag mit, künftighin die Schwarzen zu schützen und keine Monopole an Firmen zu oergegeben, die zur Ausbeutung der Eingeborenen führen könntest. Uebrigens wollten die Eingeborenen von Arbeit für die Franzosen nichts mehr wissen, sondern flüchteten zu einem großen Teil in den belgischen Kongo und die englische Liberiakolonie, Entgegen der Instruktion erteilte der Gouverneur das Einkaufsmonopol für Baumwolle einer Gesellschaft, die mit den Eingeborenen wirtschaften konnte, wie sie wollte. Diese Vorzugsstellung der Gesellschaft führte dazu, daß deren Aktien, obwohl sie an der Pariser noch gar nicht notiert sind, den dreifachen Wett erreichten. Aeue Setze des „Avenir" gegen Deutschland Paris, 24. Tez. (Fuukspruch.s Je näher die französischen Wahlen heranrücken, um so aufgeregter gebärden sich die Organe der französischen Nationalisten. Dies trifft besonders auf das Blatt Millerands, den „Avenir", zu, der sich in seinem gestrigen Leitartikel mit der Demarche des deutschen Botschaftsrats Rieth wegen des Hindenburg-Plakats und dem Schritt des deutschen Konsuls in Genf gegen „Journal de Genöve" und „La Suiffe" wegen der von diesen Blättern gebrachten Kommentare zur Verhaftung Böttchers bzw. eines Interviews von Karl Mertens beschäftigt. Das Blatt stellt dabei die freche Behauptung auf: „Tie deutsche Diplomatie benimmt sich in Paris genau so unverschämt wie in Gens!" Das Blatt schließt seine keineswegs für eine Ver- befferung der deutsch-französischen Annäherung bestimmten Ausführungen mit der Bemerkung, die Franzosen könnten sich übrigens über den Mißgriff des deutschen Konsuls in Genf nur freuen, denn dadurch seien den Schweizern die Augen geöffnet worden und auch sie hätten die Gefahr erkannt, die der Schweiz ebenso wie Frankreich drohe, ein Vasallenstaat Deuffchlands zu werden. Nur Frankreich könne die Schweizer Neutralität garantieren!" Gilberts Verichl vor der französischen Kammer Ein Brief Poincards. Paris, 27. Dez. Der frühere Vorsitzende der Repara- tionskommiffion, der Reparationsagent Dubois, versuchte im Laufe der Nachtsitzung der Kammer die Regierung, noch während der Bubgetberatung ihre Auffassung über das Memorandum des Reparationsagenten Parker Gilbert mitzuteilen. Dubois erklärte, daß seit dem 21 . April 1921 die deutsche Schuld endgültig mit 132 Milliarden festgesetzt worben sei. Jede gegenteilige Behauptung scheine unmöglich und unzulässig. Der Dawesplan sei der deutschen Zahlungsmöglichkeit angepaßt und könne in keiner Weise zu der Entscheidung der Reparationskommiffion über die Höhe der deutschen Schuld in Gegensatz gebracht werden. Poincarö wies darauf hin, daß er verschiedene Stellen des Memorandums für irrtümlich halte. Die Reparationskommiffion habe die Höhe der deutschen Schuld festgesetzt und "habe nicht mehr das Recht, Liesen Betrag abzuändern. Es sei selbstverständlich, daß die Folge der Jahresraten abgeändert werden könne, keineswegs aber der Gesamtbetrag der deutschen Schuld. Poincars schloß seine Ausführungen unter lebhaftem Beifall auf zahlreichen Bänken. Seine Bemerkungen schloffen mit den Worten, daß er einen in diesem Sinne abgefaßten Brief an die Reparationskommiffion gesandt habe. Die französische Fnedensvereinignng protestiert gegen das Sindenburg-plakat Paris, 24. Dez. Die ständige Delegation der französischen Vereinigung für den Frieden veröffentlicht eine Protesterklärung gegen das Hindenburg-Plakat, „das alle Freunde des internationalen Friedens empören muh". Die Diplomaten jeden Landes hätten auf die Erhaltung des Friedens bedacht zu seill und ihre Achtsamkeit besonders auf gewiffe Umtriebe zu richten, die zur Vermehrung der Mißverständnisse, der Verdächtigungen und Unzufriedenheiten unter den Völkern beitrügen. Vertrauensvotum für potncare Paris, 24. Dez. (Funkspruch.) In der Kammer interpellierte gestern ein kommunistischer Abgeordneter die Regierung über die Löhne der Bergbauarbeiter. Poincars stellte die Vertrauensfrage auf Vertagung der Interpellation, die mit 390 gegen 149 Stimmen angenommen wurde. Gin Dementi Paris, 23. Dezember. Nach einer Agenturmeldung aus Bukarest werden dort alle Gerüchte über eine bevorstehende Regierungskrise energisch dementiert. Im Gegenteil habe Ministerpräsident Bratianu in der letzten Versammlung der Parlamentsmehrheit ein breites Arbeitsprogramm entwickelt. Italienische Freude über die Stabilisierung der Lira Paris, 24. Dezember. Wie aus Mailand berichtet wird, ist die gesamte faschistische Preffe über die Stabilisierung der Lira, die sie bereits als gesichert ansieht, sehr befriedigt. „Pvpolo di Roma" sagt, daß die Schlacht zugunsten der Lira bereits gewonnen sei. Der letzte Bericht des Ministerrates sei ein Siegesbericht. Nach der „Stampa" gibt die Stabilisierung der Lira der Welt ein Beispiel für die wirtschaftliche Lebensfähigkeit Italiens, seine Energie, seine Arbeitskraft und für bas nationale Gewiffen des italienischen Volkes. Italiens Stellung werde durch die Stabilisierung gestärkt werden. Die Gründe für Joffes Selbstmord Joffes Abschiedsbrief an Trotzki. Paris, 27. Dez. „Bulletin Kommunist", das in Paris erscheint und die Auffaffung der russischen Opposition vertritt, veröffentlicht einen langen Brief des durch Selbstmord geendeten russischen Parteiführers Joffe, den dieser kurz vor seinem Tode an Trotzki gerichtet hat. In diesem Brief, der niemals Trotzki erreicht hat, da er von den G.P.U. beschlagnahmt wurde, erklärt Joffe, wegen seiner Krankheit und hauptsächlich wegen seiner Kaltstellung aus dem Leben scheiden zu wollen. Die Wühlarbeit gegen die Opposition, der auch er angehörte, sei so weit gegangen, daß ihm jede ärztliche Hilfe und Medikamente auf Staatskosten verweigert worden seien. Er selbst habe nicht die nötigen Mittel, um sich zur Pflege ins Ausland zu begeben. Er zöge es daher vor, aus dem Leben zu scheiden, obwohl er Gelegenheit gehabt habe, sich durch Veröffentlichung seiner Erinnerungen bei ausländischen Verlagen Geld zu verschaffen. Hiervon habe er abgesehen, da er mit der Parteileitung nicht in Gegensatz habe geraten wollen. Sodann wendet sich Joffe an Trotzki persönlich. Er bezeichnet seine Lage als unerträglich, in der die russische kommunistische Partei stillschweigend den Ausschluß Trotzkis aus den Reihen ihrer Führer duldet. Er sei überzeugt, daß früher oder später in der Partei eine Krise ausbrechen wGde, die sich gegen die jetzigen Machthaber richten werde. In diesem Sinne sei sein Tod als ein Protest gegen jene zu betrachten, die die Partei in eine Lage gebracht hätten, in der sie nichts gegen die Ausschaltung Trotzkis und seiner Anhänger tun könne. Zum Schluß wirft Joffe Trotzki vor, zu oft im Jntereffe einer Verständigung einem Kompromiß zugestimmt zu haben, obwohl er, Trotzki, immer recht gehabt habe, was selbst Lenin zugegeben habe. Er. Joffe, sti überzeugt, daß Trotzki erneut zur Macht gelangen werde. Sauerwein zur Frankenstabr'lisierung Paris, 24. Dezbr. (Funkspruch.) Sauerwein erklärt im „Matin", daß Frankreich keinen Grund habe, Italiens Beispiel zu folgen und den Franken zu stabilisieren, ebenso wenig wie Frankreich die Stabilisierungsaktion Belgiens nachgemacht habe. Vorbedingungen für eine Stabilisierung des Franken seien wohl zweifellos vorhanden. Frankreich habe es jedoch nicht notwendig, sich zu beeile». Die gesamte Mnnschaft von „S 4" ums Leben gekommen Berlin, 24. Dez. Wie ein Abendblatt aus Newyork meldet, teilte der mit den Rettungsarbeiten des bei Province- town gesunkenen U-Bootes „S 4" beauftragte Konteradmiral Franz Brumby offiziell mit, daß die gesamte Mannschaft des Unterseebootes „S 4" als verloren gelten mutz. Die Wiederbelebungsversuche durch Luftzuführung in den Torpedoraum seien ergebnislos verlaufen. Dcffen ungeachtet werden die Hebungsversuche fortgesetzt, um das Schiff schnellstens zu bergen. Inzwischen sind die Marinebehörden einer scharfen Kritik von allen Seiten ansgesetzt und ihr Stand ist erschwert durch die Behauptungen Sachverständiger, daß bei den Rettungsversuchen nicht alles Mögliche getan worden sei. Mlbur untersucht die Äettungsarbette» für „S 4“ London, 26. Dezbr. (Funkspruch.) Nach Berichten au» Washington ist Marineminister Wilbur nach Prvvtncetowm abgereist, um die Arbeiten zur Rettung des Unterseebootes „8 4" zu untersuchen. Die Reise wird auf die heftige Kritik der Angehörigen der Toten an den Rettungsarbeiten der Kriegsmarine zurückgeführt. Wilsons Nichte startet zum Ozeanflug. Newyorb, 24. Dez. Miß Francis Wilfon-Grayfon startete am Freitag nachmittag 17.05 Uhr mit ihrem Flugzeug „Down" in Rooscvcltfield zur ersten Teilstrecke ihres Tranzozeanfluges. Sie will ohne Unterbrechung zunächst bis Harbor Grace auf Neufundland fliegen, dann möglichst bis zum Weihnachtsmorgen nach Croydon und später rrach Dänemark. Sie wurde um 19,.25 Uhr von Kap Code aus gesichttt. Flugzeugführer ist du norwegifche Leutnant Oskar Omdal, Navigator Brice-Goldsborough, Mechaniker Fred Köhler- außerdem befinoet sich noch der Journalist John Froppc an Bord. Das Flugzeug ist mit Radiogerät zum Senden und Empfangen ausgerüstet, das nachts auf 1000 un» tagsüber auf 800 Meilen arbeiten soll. Eine neue Flugzenglragödie Auf der Suche nach Frau Graysons Flugzeug. London, 27. Dez. Das Schicksal von Frau Grayson und ihren drei Begleitern, die am Freitag mit ihrem Flugzeug „The Tawn" von Cap Code nach Harbour Grace startete und nun bereits mehr als 72 Stunden vermißt wird, gibt zu erheblichen Besorgnissen Anlaß. Tie drahtlose Station der kanadischen Regierung sing gestern eine Mitteilung des vermißten Flugzeuges auf. Tie Mitteilung besagte aber nur, daß das Flugzeug nicht in Ordnung sei. Weder die Position des Flugzeuges, noch andere Einzelheiten wurden angegeben. Der Hilferuf wurde um 21.45 Uhr aufgefangen. Die Station war wegen der ungünstigen Witterungsein- flüffe nicht in der Lage, eine weitere Verbindung herzustellen, sie hat jedoch während der ganzen Nacht vom 1. auf den 2. Feiertag Signale ousgesandt. Tie wahrscheinliche Route des Flugzeuges an der atlantischen Küste wurde durch ein Flugzeug mehrere Stunden überflogen das bei Einbruch der Dunkelheit nach Curtisfield zurückkehrte ohne eine Spur von dem vermißten Apparat gefunden zu haben. Das amerikanische Marineminsterium hat angeordnet, daß sich das Luftschiff „Los Angeles" an der Suche nach Frau Grayson und ihren drei Begleitreu beteiligen soll. Zwei Zerstörer der Bostoner Marinestation sind angewiesen worden entlang der atlantischen Küste nach dem vermißten Flugzeug zu suchen. Frau Grayson verloren? Rewoork. 27. Dezbr. Trotz eifriger Suche konnte auch gestern keine Spur von dem Flugzeug der Frau Grayson gefunden werden. Man nimmt bestimmt an, daß das Flugzeug infolge Nebels auf dem Ozean hat niedergehen muffen. Tie Notlandung dürfte in der Nähe von Neufundland er- Nr. 263. Jahrgang 1927. folgt fein. Die Flieger würden dann den Tod erlitten haben. Die amerikanischen Zeitungen hatten von vornherein mit dem Scheitern dieses neuen Ozeansluaes ae- rechnet. Vei der Aotlandung verunglückt Katiowitz, 24. Dez. (Funkspruch.) Am Donnerstag mußte das Postflugzeug Wien—Krakau in den Beskiden nahe bei Bielitz wegen eines Motordefektes eine Nollan- dung vornehmen. Bei der Landung auf dem vereiste« Ackerboden überschlug sich das Flugzeug. Tie drei Insassen, der Führer, ein Begleiter und ein Tanziger Kaufmann, erlit- ten leichte Verletzungen. Der Apparat wurde schwer beschädigt und eine große Menge von Postsendungen vernichtet. Bemerkenswert ist, daß sich schon vor einigen Jahren an derselben Stelle ein Flugzeugunglück ereignete. polnisch-finnisches Zusammenfpiel? Warschau, 24. Dez. lFunkspruch.) Nach Meldungen aus Moskau hat der Revaler Sowjetgesandte, Petrowski, Enthüllungen über die Vorbereitungen zur Bildung eines baltischen Staatenblockes unter polnischer Führung gemacht. Man habe in Genf bereits die Grundlage zur Bildung eines starken, antisowjetistischen Blockes an der Westgrenze .Sowjetrußlands gelegt. In diesem Zusammenhang seien nach Angaben Petrowskis in Genf bereits zwischen Marschall Pilsudski und dem Chef des finnländischen Generalstabes, der nur zu diesem Zweck nach Genf gereist sei, ein wichtiges Militärabkommen getroffen werden. Eine große Rolle bei der Annäherung zwischen Pole» und Finnland spiele auch die jetzt getroffene Umgestaltung des finnischen Kabinetts unter Führung des Warschauer finnischen Gesandten Pro- pvpe, der bekanntlich ausgesprochen polenfreundliche Tendenzen habe. Nach der endgültigen Beilegung des polnischlitauischen Konfliktes werde in Kürze eine Annäherung zwischen der polnisch-litauischen Wuppe einerseits und Lett- land und Estland andererseits folgen. Sofortiger Rücttrttt der rumänischen Regierung gefordert Bukarest, 24. Dez. (Funkspruch.) In der vorgestrigen Nachmittagssitzung der rumänischen Kammer erklärte der Führer der Nationalen Bauernpartei, Maniu. seine Partei habe an der Budgetdebatte in der Meinung tetlgenom- men, daß die Regierung nach Annahme des Budgets zurücktreten werde. Da sich diese Annahme nach den letzten Erklärungen der Regierung aber nicht bestätige, verlange er den sofortigen Rücktritt der Regierung. Seine Partei werde nicht für das Budget stimmen und eine scharfe Kampagne gegen die Regierung einleiten. Bon der liberalen Mehrheit der Kammer wurde hierauf das Budget angenommen und die Kammer bis nach den Weihnachtsferien vertagt. Rusfische Unterstützung für schwedische Arbeiter Stockholm, 24. Dez. (Funkspruch.j Im Zusammenhang mit der für Anfang Januar geplanten Aussperrung in der Zellstoff- und Kohlenindustrie Schwedens, von der insgesamt 21 000 Arbeiter betroffen werden, hat sich vor einiger Zeit ein Vertreter der schwedischen Grubenarbeiter nach Moskau begeben. Wie jetzt bekannt wird, ist es ihm gelungen, für den Fall der Aussperrung russische Unterstützung zu erwirke». Nie englische Bischöfe zum Gebetbuchfireit London, 24. Dez. Die englischen Bischöfe haben nach zweitägigen Beratungen über die durch die Ablehnung des abgeänderten Gebetbuches durch das Unterhaus entstandene Lage eiye Erklärung veröffentlicht, wonach die Entscheidung der Kirche bis Januar vertagt wird. Die Erklärung enthält die Auffaffung, daß die Ablehnung des Gebetbuches durch das Unterhaus auf Mißverstänüniffe zurückzuführen sei. Frankreich gibt seine Kapitulationsrechte in persten auf London, 26. Dezbr. (Funkspruch.j Nach Meldungen aus Teheran hat die dortige französische Gesandtschaft die persische Regierung davon verständigt, daß Frankreich bereit sei, seine Kapitulaiionsrechte in Persien aufzugeben und einen neuen Vertrag abzuschließen. -..Die^amerikanische Schule in Hamaden ist von der per- ; ROMANvon ARNO FRANZ g Er fühlte sich nicht ganz wohl zwischen dem grasgrünen Zeug in diesem Keller und sehnte sich mächtig ins Freie, war aber immer noch Gentleman genug, der fürsorglichen Dame den Stuhl nicht vor die Tür zu setzen. Ein Vierteljahr Tharits war sehr hübsch — ein Vierteljahr Moabit oder Plötzensee gewiß weniger schön. „Der Zufriedene verlangt nicht danach," dachte Sohr, „und momentan bin ich zufrieden." Vorsichtig brachte er seine Bedenken vor. „Ich weiß wirklich nicht, Madam, ob ich das können werde." Aber da kam er schlecht an. „Können werde, können werde," imitierte sie und ihre Stimme schlug piepend über, „können werde, wenn ick bet höre. Können werde! Männecken, dann lernste dar. oastehste! — Können werde! Det kann sojar der Staat. Ia- woll," und sie nickte so kräftig mit ihrem schöngeformten. kugelrunden Köpfchen, daß der Busen Wogen schlug, „$)e — der hat uns woll' nich' de Pinke aus de Taschen jeklaut? Mensch, beite kannste bei de Arbeet varecken, Haste schon mal eenen jesehen, der s'ch von's arbeeten satt jejessen hat''' Haste? — Ne! — Un' wenn, denn hat' er 'n Kollejen de Schtulle aus'm Rock jemaust. Heite jiebt's keene blitzblanken Ehemisettersch mehr. Jungeken. Det sollt'ste wissen. Eener bejammert d'n andern. Wo de hinjuckst is Schwindel, allens is Schwindel un' noch ville schlimmer wie Schwindel. Un' wenn de nicht mitschwindelst, det de Wand wackelt, fällt d'r der Plafond uffn Kopp “ „Stimmt vollkommen. Das Hab' ich an mir selbst erfahren Aber was man nicht kann, verehrte Frau, das kann man eben nicht. Ich Hab' noch nie was weggefunden und auch noch nichts aus Versehen aufgeladen. Ich bin darin vollkommener Neuling und denke mir das gar nicht so einfach" „Lernste, Jungeken, lernste allens. Det ham'n Dümmere schon kapiert." „Mag sein, aber weil ich so gar keine Ahnung habe, möchte ich Ihnen folgenden Vorschlag machen: »Ich gehe D« Landbote * Sinsheim« Zeitung. ststyen Regierung zur Schließung aufgefordert worden, nachdem sie es abgelehnt hat, den Koran in Ueberstimmung mit dem geänderten Recht in der Schule zu lehren. Riesenexplofion in Tientsin Peking, 27. Dez. Das nordchinesische Hauptdepot der Standard Del Company in Tientsin ist gestern mit sämtlichen Tanks und Fabrikanlagen in die Luft geflogen. Die Explosion wurde dadurch herbeigeführt, daß ein benachbartes Munitionslager wahrscheinlich infolge Brandstiftung in Flammen aufging. Auch in der belgischen Konzeflion wurden zahlreiche Häuser zerstört. Tientsin ist in dichte schwarze Rauchwolken gehüllt. In der Stadt herrscht die größte Panik, da man befürchtet, daß der Riesenbranö weiter um sich greift. Die Zahl der Verluste an Menschen ist noch unbekannt jedoch wird der Materialschaden auf 20 Millionen Dollar geschätzt. Die Standard Oel Company ist genötigt, ihre Tätigkeit in Nordchina zunächst einzustellen. Wiedereröffnung des japanischen Parlaments London, 27. Dez. Die 64. Session des japanischen Parlaments wurde nach Meldungen aus Tokio gestern eröffnet. Der Kaiser verlas persönlich die Thronrede. Nach einstimmiger Bewilligung der Vorlage über die Fonds für die Krönungsfeierlichkeiten vertagten sich beide Häuser des Parlaments auf den 21. Januar. „ Tschitscherin droht China Berlin, 24. Dez. Tschitscherin erklärte nach der „BZ" gegenüber den Vorgängen in Kanton namens der Sowjetregierung, daß diese sich alle Schritte Vorbehalte. Die Taten in Kanton könnten nicht ungestraft bleiben. In seinen Ausführungen unterstreiche Tschitscherin, daß das fetnd- seelige Verhalten gegen die Sowjetbürger und den Sowjetstaat keineswegs in Kanton vereinzelt sei, sondern bei allen süöchinesischen Führern zutage trete. Die Lage in Südchina. Peking, 24. Dez. Die Uebernahme des Schutzes sowjet- russischer Interessen in Südchina durch Deutschland wird in chinesischen Kreisen der verschiedensten Richtungen als ein diplomatischer Höflichkeitsakt angesehen, dem keine politische Bedeutung zukomme. Die Gesamtzahl der in Südchina in Haft befindlichen russischen Konsulatsbeamten wird nach Meldungen aus Schanghai mit etwa 100 angegeben. Die Beamten des sowjetrussischen Konsulates in Schanghai werden am heutige» Samstag abreisen. Das Schicksal der in Hankau und Kanton Verhafteten ist dagegen noch ungewiß, da die örtliche» Militärmachthaber die Freilassung verweigern. In Hankau und Kanton ist die Lage noch immer ungeklärt. Aus Hankau kommen Meldungen über neue Kommuntstenhinrichtungen. Tschiangkaischek konzentriert zur Zeit um Nanking Truppen, die angeblich zu einem Vorstoß gegen Kanton angesetzt werden sollen. Der Weltnmsegler Kircheis aus der We eingetroffen Hamburg, 27. Dezbr. Nach zweijähriger Abwesenheit ist ver Weltumsegler Kapitän Karl Kircheis gestern früh mit feinem Segelkutter „Hamburg" auf der Elbe eingetroffen. Kapitän Kircheis trat im Januar 1926 seine Weltumseg- lung von Hamburg aus an, die ihn über Spanien durch das Mittelmeer nach Indien, Sumatra, Borneo, Siam, den Philippinen, China und Japan führte. Von dort ging es in 53 Tagen nach Honolulu über San Franzisko, Mexiko, und durch den Panamakanal führte die Reise sooann nach der Ostküste Amerikas und dem letzten überseeischen Hafen Newyork. Von hier aus wurde am 16. November dieses Jahres die Rückreise nach dem Kanal angetreten, der nach schweren Winterstürmen in 18 Tagen erreicht wurde. Hier hielten jedoch Gegenwinde die „Hamburg" einige Tage auf. Im ganzen würden 34 000 Seemeilen znrückgelegt. - Dem Weltumsegler und seiner Mannschrft ist von der Stadt Cuxhaven ein festlicher Empfang bereiket worden. Am ersten Weihnachtsfeiertag fuhr ein Empfangskomitee der Stadt dem Segelkutter Hamburg mit dem Dampfer „Hoclssee" enr- gegen. An Bord des Empfangsschiffes befanden sich auch die alte Mutter des Weltumseglers und seine Geschwister. Die „Hamburg", die Flaggengala angelegt hatte, kam gegen 14 Uhr in Sicht. Am Vordermast wehte der 50 Meier lange Heimatswimpel. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge hielt nicht nur bas Bollwerk „Alte Liebe", sondern auch die Zugangsstraßen besetzt. Die im Hasen liegenden zahlreichen Schiffe, sowie die Stadt vranaen im ^laaaen- morgen früh zur Markthalle, teste mir den Betrieb genau an. Schlag zehn bin ich bei Ihnen und sage Ja oder Nein." Und dieser Vorschlag zur Güte fand nach einigem Ueber- legen die allerhöchste Genehmigung. Mit einem Handschlag, einer Tüte voll Trauben, vier Strippen, einem halben Pfund „Hausschlachtene" und tausend guten Wünschen — alles kostenlos und mit viel Zuneigung gespendet — tauchte Sohr aus der Tiefe auf, blinzelte vergnügt ins Tageslicht und ward hinfort nicht wiedergesehen. Die Eva mit dem Apfel mochte ihn für ewige Zeiten gern haben. Ihn verlangte nicht, ihr Adam zu werden. Raus aus Babylonien, das war fein einziger Gedanke, frische Luft und die denkbar unkompliziertesten Verhältnisse seine Sehnsucht. Mit großen Schritten stelzte er die Frankfurter Allee entlang. Bullenhitze hatte die Grünkramfrau die Temperatur genannt. Sie hatte recht. Sohr schwitzte und die Trauben in der Tüte taten dasselbe. Sie liefen aus vor Seligkeit und Wonne, weil er sie im Arm am Busen barg. Warum genierte er sich auch, sie auf der Stelle aufzuessen hier auf der Straße und zwischen Menschen, die selbst in Konzerten und Theatern zwischen den einzelnen Borträgen und Akten ihre Butterstullen futterten. Er war doch noch kein Kulturmensch. Als es von irgendeinem Kirchturm fünf Uhr schlug, hatte Sohr schon drei Dörfer durchwandert. Vor dem vierten machte er Halt. Da lag versteckt zwischen Bäumen ein großes Gehöft, umfriedigt mit Betonmauern. Eisengittern und versehen mit einem riesigen Torbogen. Sohr prüfte. Keine schadhafte Stelle, keine fehlenden Ziegel, kein her- abfallender Putz, intakt vom First bis zur Grundmauer, fsst. sauber! So war sein Gut auch gewesen — sein Gut! Und so hatte es auch gelegen, zwischen Bäumen, abseits vom Ort — ein Königreich in einem Herzogtum. Er trat unter den Torbogen und überblickte den Hof. Zwei Hunde an der Kette — wie daheim auch, nur daß seine Hunde gebellt hätten, seine beiden gelben Köter: Lump und Bella. Dienstag, den 27. Januar 1927. , schmuck. Als die Hamburg von den Dampfern „Hochsee T* und „Altenbruch" begleitet die „Alte Liebe" passierte, löste sich die ungeheure Begeisterung in stürmische Hurrarufe von hüben und drüben aus, bis endlich das Deutschlandlied erklang und der Weltumsegler langsam in den vereisten Hafen einlief. Kapitän Kircheis und seine Mannschaft verließe« sogleich nach der Festlegung das Schiff. Sie wurden vom Amtsverwalter Dr. Grapengeter und vom Bürgermeister Bleiken offiziell begrüßt. Kapitän Kircheis dankte mit kurzen herzlichen Worten und begab sich darauf wieder auf die „Hamburg" zurück. Die große Menschenmenge rührte sich nicht und dem Gefeierten blieb schließlich nichts weiter übrig, als mit seiner Mannschaft in die Wanten zu entern, um wo er der ihm zujubelnöen Menge nochmals dankte. Groteske. Die Eingabe des „Verbands der nationalen Minderheiten in Deutschland" zur Schaffung eines Reichsgesetzes betreffend Minderheitenschulwesen hat den Stoff abgeben müssen zu einer Groteske, die sich im Slowenischen zutrug. Die „Cillier Zeitung", die im untersteirischen Dreieck, wo das Deutschtum völlig rechtlos und kulturell unterdrückt ist, für die Rechte des Deutschtums kämpft, brachte unter der Ueberschrift „Wir fordern!" einen Leitaussatz, der die Forderungen des „Verbandes der nationalen Minderheiten in Deutschland" wörtlich wiedergab — freilich ohne das Wort „deutsch" oder „polnisch" oder gar „deutsche Minderheit in Slowenien" zu gebrauchen. Prompt wie der Donner aus den Blitz erfolgte die Antwort der nationalistischen slowenischen Presse, die Ironie für bare Münze nahm und mit Schmähungen und Beschimpfungen gegen alles Deutsche tobte, so oaß Heißsporne wieder die Zeit für gekommen erachteten, deutsche Veranstaltungen ungestraft stören, deutschen Bürgern, die nicht einmal deutsch, sondern slo- wenisch^abgefahten Firmenschilder beschädigten (deutsche Firmenschilder sind in Slowenien nicht gestattet) und Fensterscheiben einschlagen zu können. Alles wegen des Aufsatzes: „Wir fordern!" Am tollsten gebärdete sich, wie immer, wenn es gegen das Deutschtum vom Leder zu ziehen geht, das Cillier Blatt der berüchtigten „Orjuna", die „Nova Doba", die schrieb, daß die Forderungen charakteristisch seien für „germanisches Denken". Zwischen slawischer und deutscher Auffassung bestehe eine tiefe Kluft. Die deutsche Anmaßung ginge schon wieder so weit, daß sie slawische Staatsbegriffe aushöhlen wolle. Die Forderungen feien überhaupt nicht diskutabel. „Daß wir nicht eine unserem Staate feindliche Erziehung durch ausländische Lehrer an minderheitlichen Lehranstalten zulassen werden, das versteht jeder, mit Ausnahme der deutschen Verbissenen! So etwas kann auch kein Staat der Welt zulassen!" Nun! Die „Orjunisten" sind nicht ganz Südslawien und es wäre verfehlt, mit ihnen die ganze südslawische Oeffentlichkeit zu identifizieren. Heißsporne gibt es überall. Aber dieser Fall ist doch bezeichnend für die Mentalität einer gewissen Gruppe chauvinistischer Prägung, die nach der Parole: „Deutsch? — schon erledigt" rücksichtslos gegen alles losstürmt, was von deutscher Seite zu stammen scheint — wie Stiere in der Arena gegen das rote Tuch. Der Pole Katschmarek und Genossen, die diese von den „Orjuna"-Leuten mit Hohn und Gehässigkeit zerpflückte Eingabe der deutschen Reichsregierung vorlegten, werden über diese vernichtende Kritik keine reine Freude haben. Was hätte aber wohl die „Nova Doba" geschrieben, wenn sie nicht auf den Leim der Lächerlichkeit gegangen und gewußt hätte, von wem die Eingabe stammte, welche die „Cillier Zeitung" wiedergab? Ob sie dann auch als charakteristisch für „germanisches Denken" hingestellt, ob dann auch die Rede gewesen wäre von „Anmaßung" und „Aushöhlung der Staatsbegriffe"? Reichspreisechef Sr. Zechlin geht nicht nach Buenos Aires B Ain, 24. Dezember. Der „Berliner Mittag" meldet, daß der R.ichspreffechef Dr. Zechlin zum Nachfolger des äugen- blicklich in Deutschland weilenden deutschen Gesandten in Buenos Aires, Gneist, ausersehen sei. Hierzu erfährt die Telegraphenunion vom Ministerialdirektor Dr. Zechlin, daß der Reichskanzler auf dem Standpunkt stehe, daß keinerlei Veranlassung vorliege, vor den Wahlen in der Preffeabtei- lung der Reichsregierung irgend eine Veränderung vorzunehmen. und zwar weder in der Leitung, noch in der sonstigen Besetzung. Dr. Zechlin selbst habe keinen Grund, sich um irgend einen Auslandsposten zu bewerben, solange er das unveränderte Vertrauen des Reichskanzlers Dr. Marx genieße. Wer mochte die erstanden haben und wer seinen gelben Lieblingsgaul, den Hansemann, der ganz leise wieherte und einen mit seinen klaren Augen so treu ansah, wenn man den Stall betrat? Und wer das gelbe Geschirr mit den Silberbeschlägen, den eleganten Zweisitzer und das andere alles, alles — wer? Sohr ballte die Hände in der Tasche, seine Augen brannten, sein Körper zitterte und seine Seele schrie vor Schmerz und Weh. Er mußte sich an den Türpfosten lehnen, um nicht umzustürzen. Da knurrten die Hunde und rissen ihn aus seinen Gedanken. Er ließ die Hände sinken und zwang sich fort von dem. was war. zu dem, was ist. „Vorbei, für immer vorbei. Finde dich ab damit, Sohr, du mußt und wenn alles in dir zerbricht und entzweigeht und wenn von dem, was du warst, nichts bleibt, als nur der äußere Mensch." O, redet sich gut zu, aber- „Das Herz, ihr Hunde," sagte er, „wenn ich es euch zum Fressen hinwersen könnte, vielleicht, daß mir dann geholfen wäre," und zwang seine Gedanken auf das, was er vor sich iah: Einen weiten Hof, der sauber war. wie alles, was er schon von diesem Besitztum gesehen hatte am dem Ordnung und Autorität das Zepter führten. In einer offenen Remise sah er die Wagen schnurgerade gerichtet, nur ein schwerer Lastwagen stand beiseite und nicht unter Dach, Stroh lag nirgends umher und drüben an der Wand hingen' die Pferdegeschirre aus Pflöcken eines wie das andere. Er zählte ihrer zwölf. „Ob ich da mal eintrete," fragte sich Sohr und fügte hinzu: „Aber was sollst du hier? Und doch mußt du irgend etwas beginnen. Könntest ja um Arbeit Nachfragen oder um Unterstützung bitten. — Unterstützung — also betteln? — Ja betteln, was sonst — mit dreißig Mark in der Tasche und einem Manchesteranzug auf dem Leib, ohne Heim und Herd, ist man eben nicht viel mehr wie ein Bettler. Also bücke dich, Sohr, und werde dir — über dich selber klar." und ging an den Hunden vorbei über den Hof. stieg die Freitreppe hinauf und trat in den Flur. Str. 263. Jahrgang 1927. Sie Reichsminister -leiden über Weihnachten in Verlin Berlin, 24. Dez. Die Mitglieder der Reichsregierung werden über Weihnachten in Berlin bleibe». Lediglich die Minister Geßler und Brauns werden die Weihnachtsfeiertage außerhalb Berlins zubringen. Das tlrteil im Egloffsiein-Prszeß Berlin, 24. Dez. In dem Aktendiebstahl und Hoch- Papeleiprozeß gegen Ludwig Oerthel, der sich Freiherr von und zu Egloffstein nennt, wurde gestern das Urteil verkündet. Egloffstein erhielt sieben Monate Gefängnis, auf die fünf Monate Untersuchungshaft angerechnet werden. Der Haftbefehl wurde aufgegeben. Das Gericht nahm bei Egloffstein lediglich Aktenhehlerei an und hielt nur einen Diebstahl für erwiesen. Außerdem wurde Egloffstein auch «och schuldig befunden der Amtsanmaßung. Die Mitangeklagten erhielten Geldstrafen von 80 bis 120 Mark. Gasvergistungskatastrophe infolge Gewinnsucht der französischen Saargruben- verwaltung Schnappach, bei St. Ingbert, 24. Dez. lFunkspruch.) I« tau der Grube St. Ingbert gehörige« Haus des Berg^ tuauues Bertzel brach vorgestern Nacht ein Gasrohr. Am audere« Morgen wurde die ganze Familie bewußtlos vor- gefuude«. Beim Eintreffen der Gendarmerie gaben die .drei Personen der Familie nur noch schwache Lebenszeichen von sich. Während die sofort vorgenommenen Wiederbelebungsversuche bei der Frau des Bergmanns von Erfolg waren, starben im Laufe des BormittÄM Vater und Kind an den Folgen der Gasvergiftung. Die französischen Saargrubenverwaltungen sind in den letzten Jahren wiederholt auf die gefährlichen Geländesenkungen, die häufig Rohrbrüche im Gefolge haben, aufmerksam gemacht worden. Aber trotz aller Mahnungen und Warnungen haben sich die französischen Grubenverwaltungen von ihrem einzigen Ziel, aus den Saargruben möglichst viel herauszuholen, nicht abbrrngen lassen. Jede in anderen deutschen Grubengebieten selbstverständliche Vorbeugungsmaßnahme wurde' unterlaffen. Heute sind im Saargebiet auf Grund der Bodensenkungen Gasrohrbrüche in den Häusern der Bergleute an der Tagesordnung. Schuld an der letzten Katastrophe ist einzig und allein das Bestreben der Franzosen, aus dem Saargebiet vor Ablaus der im Versailler Vertrag vorgesehenen Frist, bzw. vor Statt- finden der Volksabstimmung soviel Kapital wie nur möglich herauszuschlagen. Saarbrücken, 24. Dez. Ueber das Unglück, dem die Bergmannsfamilie Bertzel in Schnappach zum Opfer fiel, ist noch zu berichten, daß gestern vormittag im Sulzbacher Krankenbaus auck die Frau gestorben ist. Keine Vordelle mehr im besetzten Gebiet - aber immer noch schwarze Franzosen Mannheim, 24. Dezember. Nach dem mit dem 1. Oktober 1827 auf Grund des Gesetzes zum Schutze gegen die Geschlechtskrankheiten vom 27. 2. 1927 im unbesetzten Reichsgebiet sämtliche Bordelle aufgelöst worden sind, hat vor einiger Zeit die Interalliierte Rheinlanükommission in Koblenz die Aufhebung der öffentlichen Häuser im besetzten Gebiet genehmigt. Auch die pfälzischen Besatzungsbehörden haben ihr Desintereffement an den Bordellen erklärt, die seinerzeit auf Befehl der Besatzungsbehörden den Truppen von den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden mußten. Die Bordelle sind nunmehr auch in der Pfalz aufgelöst worden. In Verbindung hiermit sei aber darauf hingewiesen, daß in der Pfalz immer noch 800 farbige Franzosen stationiert sind, davon allein 350 in Landau. Soll das Gesetz vom 27. 2. 1927 nicht nur in der Pfalz, sondern auch im ganzen übrigen besetzten Gebiet dem Schutze gegen die Gefahr der Sexualkrankheiten dienen, so muß seitens der Reichsregierung verstärkter Abtransport der farbigen Truppen aus der Pfalz gefordert werden, da die Anwesenheit dieser Farbigen ohnehin nicht mit den Rückwirkungen des Locarnovertrages in Einklang zu bringen ist. Baden. Landtagsabgeordneter Georg Banschbach gestorben. Mosbach. 26. Dez. Im Alter von 74 Jahren ist das frühere Mitglied des Badischen Landtags, Mühlenbesitzer Johann Georg Banschbach, gestorben. Er war zu Ober- schefflenz geboren und hatte nach Beendigung (einer Schul- und Lehrzeit in Auerbach bei Mosbach eine Mühle übernommen. Im Jahre 1905 wurde er in die damalige Kammer gewählt und er gehörte bis zum Jahre 1918 dem Badischen Landtag an. Er führte die rechtsstehenden Mitglieder des badischen Parlaments, die sich dann zu der Rechtsstehenden Vereinigung zusammenschloffen, der auch Bürgermeister Müller-Meitzenheim bei seinem Eintritt in den Landtag angehörte. Der Verstorbene war während seiner Landtagstätigkeit ^auch Mitglied der Kommiffionen kür Eisenbahnen und Straßen. Er gehörte dem Bund der Landwirte an. ferner dem landwirtschaftlichen Verein und dem Müllerbund. Seit der Revolution hat sich der Verstorbene nicht mehr politisch betätigt. Anrufung des Staatsgerichtshofes gegen die badischen Wahlrechtsändernuge». Nachdem der Staatsgerichtshof in Leipzig die Aenöe- rung der Landtagswahlgesctze in Hamburg, Heffen und Mecklenburg-Strelitz für verfaffungswidrig erklärt hat, weil sie mit den Vorschriften über die Gieichheit des Wahlrechts und das Wahlgeheimnis in Widerspruch stehen, hat der Landesverband Baden der Volksrechts-Partei (Reichs- Partei für Volksrecht und Aufwertung) nunmehr die Entscheidung des Staatsgerichtshofes über die von ihm schon dem badischen Landtag und dem badischen Staatsministe- rium gegenüber geltend gemachten verfassungsrechtlichen Bedenken gegen das badische Gesetz über die Abänderung des Landtagswahlrechts vom 1. Juli 1927 angerufeu. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 27. Dez. (Die Weihnachtsfeiertage.) Wir feierten Weihnachten bei herrlichem Frühlingswetter. Nichts ist unbeständiger als das Wetter. In diesem Jahre glaubte man, weiße Weihnachten bei winterlicher Kälte feiern zu könne». Gehört doch nun einmal ein tief winterliches, schneeiges Naturbild so recht zu unserer Vorstellung von einem schönen, traulichen Weihnachtsfest. Aber es ist anders gekommen. Rascher Witterungsumschlag brachte föhnig warme Luftströmung, Tau- und Regenwetter und am Sonntag Aufhellung mit Frühlingswärme, wir feierten also wieder einmal „grüne Weihnachten". Don den Glockentürmen jubelierte es über die Dörfer, Berge und Wälder und aus dem Radio tönten aus aller Welt uns Weihnachtsklange entgegen. In Familie» und Vereinen sammelte man sich unter dem strahlenden Tannenbaum, um sich gegenseitig zu erfreuen Der Laudbote * Sinsheim« Zeitung. und „Friede auf Erden" klang es in die Nacht hinaus. Mögen die Tage der Weihnacht in uns dieses Hoffen wieder lebendig werden lassen, damit es uns Kraft gebe, für das Emporkommen unseres Volkes weiterhin zu arbeiten. x Sinsheim, 27. Dez. (Weihnachten.) Die Weihnachtsfeiertage sind wieder vorüber. Viel Freude haben sie gebracht. In den Gottesdiensten der beiden Weihnachtstage fanden sich der Gläubigen viele ein, die dankbar das große Weihnachtswunder der Liebe Gottes in Jesus Christus offenbart, erlebten. 2m Fest- gottesdienst in der evang. Stadtkirche brachte der Kirchenchor den Weihnachtsteil eines Oratoriums zu Gehör, die Kreis-Pslege- Anstalt und das Iugenostift Sunnisheim sammelte ihre Pfleglinge und Zöglinge um die im Lichterglanze strahlenven Weihnachtsbäume. Der ev. Kirchenchor und Sportverein hatten gestern Abend ihre Feiern. Bon all' dem Schönen, das man da sah und Hütte, soll morgen erzählt werden. * Sinsheim, 27. Dez. (Pferdezucht.) Das Berbandsblatt der Unterbad. Pferdezuchtgenossenschaften bringt folgende auch von unseren Landwitten sehr zu Herzen zu nehmende Mahnung: „An alle, die es angeht!" Es besteht seitens der Pferdehändler wieder die Absicht, auch im laufenden Jahre größere Pferdetransporte aus dem Auslande einzuführen, ohne Rücksicht darauf, wie unsere Züchter dabei fahren. Namentlich sollen auch Fohlen importiert und an solche Landwirte verhandelt werden, die sich mit der Aufzucht von Fohlen befassen. Unsere Pferöezüchter ringen schwer um ihre Existenz. Biele Fohlen und Pferde sind noch unverkauft! Womit aber soll der vieh- und pferdezuchttreibende Landwirt, der auf den Verkauf seiner Produkte angewiesen ist, seine so zahlreichen und hohen 'Ausgaben bestreiten? Aller Absatz stockt und auch der sauer verdiente Züchtergewinn soll noch durch Auslandsware herabgesetzt oder unmöglich gemacht werden? Sollte es da wirklich noch Landwitte geben, welche lieber ein ausländisches Pferd oder Fohlen fragwürdigster Herkunft vom Händler kaufen, als ein heimatliches von feinem schwer im Daseinskämpfe stehenüen Landmann? Ein solches Vorgehen kann nicht genug öffentlich gebrandmarkt werden. Es ist hohe Zeit, daß wir uns auch in der Pferdezucht vom Auslande unabhängig machen und da erläßt der österreichische Oberlandstallmeister Köhler folgenden Ausruf- „Landwirte und Pserdeverbraucher! Weist Pferde des Auslandes zurück, kauft nur solche heimatlicher Herkunft, womöglich unmittelbar beim Züchter oder Aufzüchter. Ihr helft hiedurch nicht nur Euer» Standesgenossen, sondern auch unserer Heimat und Euch selbst. — Wer ohne zwingenden Grund ausländische Pferde kaust, begeht Verrat an seinem Vaterlandei Sinsheim, 23. Dez. (110 000 Voranmeldungen zum 14. Deutschen Turnfest.) Wie aus dem Nachrichtenblatt für das 14. Deutsche Turnfest zu entnehmen ist, hat der Kölner Hauptausschuß unterm 10. Dezember einen vorläufigen Abschluß der Voranmeldungen vorgenommen. Bis zu diesem Tage hatten 3876 Vereine, 110264 Teilnehmer gemeldet. Aus dem Kreis Baden haben sich 176 Vereine mit 3 234 Turner und 800 Turnerinnen angemeldet. Aus dem Kreis Schwaben haben sich 182 Vereine mit 3 405 Turner und 634 Turnerinnen angemeldett * Sinsheim, 26. Dez. (Genesungsfürsorge.) Der Verein Genesungsfürsorge in Mannheim schreibt uns, daß er das bekannte 828 Meter hoch gelegene Kurhotel Sand auf der Bühlerhöhe bei Baden-Baden für seine Zwecke erworben hat und in demselben am 1. Januar 1928 wieder den Bollbetrieb für männliche und weibliche Pfleglinge aufnehmen wird. Dieses neue Genesungsheim wird für die beiden früheren Genesungsheime Rohrbach b. Heidelberg, welches seit 1914 Zwecken der Kriegssürsorge diente und im Jahre 1926 an den Kreis Heidelberg verkauft wurde, und das Genesungsheim Tretenhof Amt Lahr, dessen Verkauf ebenfalls eingeleitet ist, einen mehr als vollwertigen Ersatz bieten, da es in Bezug auf Lage und Einrichtung gegenüber den früheren Heimen bedeutende Vorteile aufweist. ' Besonders hervorzuhebcn ist, daß nunmehr wieder Gelegenheit zur Unterbringung männlicher Pfleglinge geboten ist und daß auch der A»f- enthalt im Winter bei der Höhenlage des neuen Heimes erfahrungsgemäß die besten Kurerfolge verspricht. Nach den Satzungen dient das Heim dem Zwecke, Arbeitern und Angestellten, welche in Betrieben des Groß- und Kleingewerbes und des Handels beschäftigt sind, sowie sonsttgen Personen, die diesen nach der Art ihrer Beschäftigung und sozialen Stellung wesentlich gleichstehen. für die Zeit nach Ablauf einer Krankheit bis zur vollständigen Wiederherstellung ihrer Kräfte, also während der Genesungsdauer, eine Fürsorge zuzuwenden. * Sinsheim, 26. Dez. (Wintersonnenwende.) Die Bewegung der Erde um die Sonne bringt es mit sich, daß scheinbar die Sonne sich im Laufe eines Jahres um das ganze Himmelsgewölbe unter den Sternen weiter bewegt. Diese jährliche Sonnenbahn ("Ekliptik") ist um rund 23,5 Grad gegen den Himmelsäquator geneigt. Diese Höhenwanderung der Sonne verursacht, daß die Mittagshöhe der Sonne von Tag zu Nacht zu oder abnimmt. 2n diesen Tagen erreicht die Sonne ihren tiefstem Stand in der Ekliptik, womit der astronomische Winter beginnt, den wir aber tatsächlich dieses Jahr in seltener Grimmigkeit schon früher erlebten. Mit diesem Moment beginnt dann die Sonne wieder in der Ekliptik zu steigen und die Tage werden wieder länger. Die Wintersonnenwende war für unsere Borfahren wie die Sommersonnenwende ein Festtag. Das altgermanifche Iulfest wurde vom Christentum in das Weihnachtsfest verwandelt und die Weihnachtsfeuer waren die letzte Erinnerung an die Riesenfeuer der Germanen in der längsten Nacht des Jahres. * Sinsheim, 26. Dez. (Vom Versicherungswesen der Deutschen Turnerschast.) Die Deutsche Turnerschast hat mit der Frankfutter Allgemmemen Versicherungs-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M. ein Abkommen getroffen, das den Vorstands- und Ausschußmitgliedern der Deutschen Turnerschast Versicherungsschutz gegen Unfälle bietet, von denen sie bei Ausübung ihrer amtlichen Tätigkeit für die Deutsche Turnerschast betroffen werden. Der Versicherungsschutz erstreckt sich sowohl auf die beruflich, wie auch die ehrenamtlichen tätigen Personen. Einbezogen sind auch die Unfälle bei Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Ausgeschlossen sind nur Luftfahrzeuge, die jedoch gegen besonderen Präiu.enzi schlag ebenfalls eingeschlossen weroea können. ^ Sternsfurt, 26. Dez. (Familiennachricht.) Paul Schwarz- trauber und Frau feiern am zweiten Weihnachtstag das Fest der silbernen Hochzeit. * Snlzfeld, 26. Dez. (Saalweihe.) Am Donnerstag Abend fand die feierliche Einweihung des umgebauten Saales des „Badischen Hofes" statt, zu der sämtliche hiesige Vereine eingeladen waren und erfreulicherweise auch Folge geleistet hatten. Die beiden hiesigen Musikkapellen Schuldt und Maier, die Gesangvereine „Eintracht", „Liederkranz", der Arbeitergesangoerein und das Männerquattett „Fiüelitas" boten in abwechselnden Vorträgen angenehme Unterhaltung, die durch Herrn Harmann-Eppingen noch besonders erhöht wurde, der in bestehender Manier Couplets und humoristische Botträge zum besten gab. Ansprachen hielten: Herr Reinhold Zorn als Vertreter der Brauerei Zorn Söhne, der eigentlichen Besitzerin des „Bad. Hofes", Architekt Faller-Ep- pingen, Glasermeister Maier-Sulzseld und Herr Harsch-Bretten von der Firma Harsch, sowie Gastwirt Diefenbacher. Die Stimmung war eine glänzende, angefeuett von dem reichlich gespendeten Freibier, und gingen die letzten Teilnehmer erst spät nach Mitternacht nach Hause. — Der Saal umfaßt ein Areal von 340 Quadratmeter gegen 70 vor dem Umbau. Er zerfällt in 3 Teilen, den eigentlichen Schankraum, den Tanzboden mit Parkettboden Dienstag, den 27. Januar 1927. (den Hauptteil des Saales) und die Bühne, die eine Tiefe von 4,5 Meter hat. Architekt Faller als Bauleiter hat'Mit dem Saalbau die gestellte Aufgabe glänzend gelöst und empfiehlt sich der Saal eigentlich von selbst. = Wiesloch, 26. Dez. (Tabakdiebstahl. Aus dem Privaitran- sitlager der Firma Ebner u. Kramer hier wurden in den letzten Tagen zwei Ballen Auslands-Rohtabak entwendet. Für sachdienliche Mitteilungen zur Ermittlung des Diebes wurde von der Firma eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt. --- Gondelsheim, 26. Dez. (Tabakpreise.) Dieser Tage wurde der hiesige Tabak verkauft um den Preis von 52 Mk., an die Firma Brinkmann in Bremen. Bor 3 Wochen hat die gleiche Firma vergeblich 58 und 59 Mk. geboten. Das war diesmal falsch spekuliett. = Walldorf. 23. Dez. (Unfall.) Gestern abend stürzte der Landwirt Jakob Kies infolge Glatteises vor der evangelischen Kirche so unglücklich, daß er sich eine innere Schulterblattsplitterung zuzog, die eine Behandlung im Heidelberger Krankenhaus notwendig machte. ** Mannheim, 24. Dez. (Schwere Zinndiebstähle in Mannheim.) In der vorgestrigen Schöffengerichtssitzung waren sechs Arbeiter der Zellstofsabrik Waldhof namens Heinrich Scharpf, Friedrich Hecht, Tobias Wehe, Hans Schulz, Philipp Bohrer und Adam Dörsam wegen Dieb-. stahls und der Kupferschmied Erwin Bläütke als Hehler angeklagt. Die Angeklagten hatten seit März ös. Js. Zinn- öiebstähle bei der Zellstofsabrik begangen und hauptsächlich an Blädtke die gestohlene Ware verkauft. Die Diebstähle stellen einen Wert von etwa 12 000 Mark dar. Tie Angeklagten beschuldigten sich gegenseitig. Das Urteil lautete gegen Scharpf auf 1 Jahr, Hecht auf 10 Monate, Wehe aus 4 Monate, Schulz 3 Monate, Bohrer 2 Monate und gegen Dörjam auf einen Monat Gefängnis. Der Hehler Blädtke wurde zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Wehe, Schulz und Bohrer wurde Strafaufschub auf Wohlnerhaiten zugebilligt,' die Strafe von Dörsam gilt als durch die Unter- suchungshaft verbüßt. ** Mannheim, 24. Dezember. (Fünf Pferde erstickt.) In einer Stallung der Firma Heinrich Lanz war wegen großer Kälte ein Gaskoksofen aufgestellt worden, aus dem Gase entwichen. Fünf schwere belgische Pferde wurden gestern früh durch einen kontrollierenden Feuerwehrmann tot aufgesunden. Der Schaden beträgt etwa 10000 Mark. ** Lndwigshafeu, 24. Dez. (Mißlungene Flucht des Separatisten Dukrete.) Der wegen Meineids zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilte 25jährige Arbeiter Josef Dukrete aus Gtterstadt entwich auf dem Transport von Franken- thal nach dem Straubingei Zuchthaus in der hiesigen Bismarckstraße dem ihn begleitenden Gendarmeriebeamten. Nachdem man längere Zeit vergeblich nach ihm gesucht hatte, teilte die französische Kaserne den deutschen Behörden den Aufenthaltsort des Flüchtlings mit und lieferte ihn aus. Er wurde erneut ins Ludwigshafener Amtsgefängnis eingeliefert. Gegen Dukrete soll noch ein weiteres Verfahren wegen Meineidsverleitung schweben. Die Verurteilung Dukretes hing mit der von ihm gespielten Rolle in der Separatistenzeit zusammen. ** Weinheim, 26. Dez. (Goldene Hochzeit.) Die Ehe-, leute Peter Oswald III., können in voller geistiger und körperlicher Frische am 81. Dezember das Fest der goldene»! Hochzeit feiern. l ** Wyhle« (bei Rheinfelde«), 26. Dez. (Unfall.) In der! Carbidsabrik Wyhlen kam der Arbeiter Fridolin Probst in: der Werkstatt mit der Hand in die Exzenterpresse. ES ‘ wurde ihm der Daumen, der Zeige- und Mitrelfinger abge- queffcht. § ** Lörrach, 26. Dez. (Besprechung über Steuerreform.) > Eine hier stattgefundene Besprechung des Gewerbevereins! des Einzelhandels des Haus- und Grundbesitzes und der Innungen über die Frage der Steuerreform setzte einen gemeinsamen Ausschuß ein, der aus Angehörigen sämtlicher Fnteressentengruppen besteht, um die Frage der Reformen, zäher zu studieren und dem Stadtrat geeignete Vorschläge unterbreiten. ** Radolfzell, 26. Dez. (Einbruch.) Dieser Tage wurde in einem Gemischtwarengeschäst in der Radoltusstraße hier ein-- zebrochen. Es wurden dabei Waren und Geld im Wert oon 800 RM. gestohlen. Tie Gendarmerie ist dem Täter auf! der Spur. ** Heidenheim, 26. Dez. Während der Mittagszeit batl kürzlich ein Handwerksbursche in einem Hause des Bezirks - um eine kleine Unterstützung. Da die Familie des Hausbesitzers gerade beim Mittageffen war, gab man dem man»: dernden Gesellen einen Teller voll Erbsen mit etwas Fleisch. Der Bursche atz im Hausgang, stellte den leeren Teller auf; die Treppe und verschwand lautlos. Am Nachmittag ging^ das Oberhaupt der Familie auswärts und nahm seinen Schirm, in den der hinterlistige Handwerksbursche die Erb»! sen geleert hatte, die sich nun über den dahinschreitenden s Schirmträger ergoffen. ** Alzey, 26. Dez. (Ein Vater von neun Kindern erfroren.! Ter 45jührige Schreiner Gimbel aus Neubamberg: verließ kürzlich die Zuckermühle, in de'- er geschäftlich zu tun hatte, gegen 10 Uhr abends. Als er am andern Mor- gen zu Hause »och nicht angekommen war, suchte man und> fand ihn schließlich auf der Landstraße halberfroren und bewußtlos auf. Tie Wiederbelebungsversuche waren vergeblich. Kurze Zeit darauf starb der Mann, der eine Frau und- neun unversorgte Kinder hinterläßt. ** Hirschhorn, 26. Dez. (Neuerung.) Da sich in der letzten Zeit eine große Belebung in der Faßdaubenindustrie! bemerkbar machte, sah sich der Besitzer der Grimmschen Werk«» veranlaßt, zu dem alten Mühlrad noch eine Dampfmaschine' in Betrieb zu nehmen. Hoffentlich wird jedoch das alte Mühlrad durch die Dampfmaschine nicht ganz tn den Ruhestand versetzt, da es eines der ältesten Waflerräöer des ganzen Odenwaldes ist. ** Heilbronn, 26. Dez. Als kürzlich nachts zwei Bürger von Flein in angeheitertem Zustand von Sontheim nach Flein wandelten, begegneten sie dem 70jährigen Haudwerks- burschen Ernst Lust von Flein, mit dem sie alsbald in Streitigkeiten gerieten. Im Verlaufe der Händel kamen «och zwei weitere Bürger von Flein dazu, die den Lust mitneh- men wollten, der aber nicht mit ihnen ging. Andern TageS früh fanden nun Arbeiter Hut und Schuhe auf dem Weg und etwas abseits vom Weg auch den Lust tot aus dem Ackerfeld liegend, mit blutigen Wunden an Nase und Hin- terkops. Durch die polizeiliche Untersuchung konnte noch nicht sestgestellt werden, ob et« Verbrechen vorliegt, oder die Todesursache ein Unfall als Folge des Glatteises ist. ** Heilbroun, 26. Dez. Zu dem gemeldeten tödliche« Unglücksfall berichtet die Polizei: Am Montag abend gegen 8.80 Uhr wurde ein 62 Jahre alter Krastwagcnftthrer der Firma Heichemer u. Stab, auf dem Führersitz eines Lastwagens sitzend, innerhalb der Garage tot aufgefunden. Die sofort eingeleitete polizeiliche Untersuchung hat ergeben, daß, der Getötete den Motor seines Lastkraftwagens innerhalb der Garage bei geschlosienen Türen und Fenstern laufen ließ und jedenfalls durch die ausströmenden Kvhlenoxydgase den Tod gefunden hat. Am Oberkörper des Kraftwagen-^ Nr. 263. Jahrgang 1927. führers befanden sich erhebliche Brandwunden, die von der brennenden Zigarre herrühren, die ihm beim Bewußtloswerden aus dem Munde gefallen ist und die Kleider in Brand steckte. Eine Schuld dritter Personen liegt nicht vor. ** Riedlin^eu, 26. Dez. Der bei der Firma Gairing, Liegelei in Unlingen, beschäftigte, hier verheiratete Albert vuchter kam anscheinend der Transmission zu nahe, wurde »on ihr erfaßt und erlitt hierbei einen schweren Schädel-, Nippen- und Beckenbruch und sonstige schwere Verletzungen. Die erste Hilfe wurde ihm von zwei Kameraden von der Danitätskolonne zuteil. Er wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert, wo er seinen schweren Verletzungen erlegen ist. ** Frohnstette« in Hohenzollern, 26. Dez. Die Familie des Albert Neuburger, Fleischbeschauer hier, ist in tiefes Leid versetzt worden. Sie erhielt die Nachricht, daß in New- york ihre 18jährige Tochter Anna am 6. Dezember in einem Krankenhaus plötzlich verschieden sei. Das bedauernswerte .Mädchen ist erst am 28. September d. Js. von hier ausge- wanöert, und zwar wohlgemut und kerngesund, und soll nun die Todesursache einzig und allein ein unbeschreibliches Weh nach der Heimat und dem Elternhaus gewesen sein. Der hart betroffenen Famile wendet sich allgemeine Teilnahme zu. — ** Egliuge«, O.A. Münfingen, 26. Dez. Der 11jährige Willi Hölz, Sohn des Joseph Hölz, war bet Schreinermeister Stockmaier mit Futterschneiöen beschäftigt, als er plötzlich mit dem rechten Arm in die Messer der Maschine hineingezogen wurde, wobei ihm die rechte Hand am Knöchel vollständig abgeschnitten wurde. Er wurde bei vollem Bewußtsein in seine Wohnung verbracht, wo der bald herbeigerufene Arzt die erste Hilfe leisten konnte. Schwere Schlagwetterexplosion. Fünf Bergleute getötet. Essen, 24. Dez. Auf der Zeche Neu-Zserlohn der Harpener Bergbau A.-G. ereignete sich eine Schlagwetter-Explosion, durch die fünf Bergleute getötet und einige andere verletzt wurden. Raubüberfall auf eineu Geldbriefträger. Berlin» 26. Dezbr. Wie die „B. Q," meldet, wurde am Sonntag vormittag in Schöneberg ein Raubüberfall auf einen Geldbriefträger verübt. Als der Geldbriefträger nach Zustellung einer Geldsendung ein Haus verlassen wollte, trat ihm ein junger Mann entgegen und schlug mit einem Hammer auf ihn ein. Der Ueberfallene wehrte sich und stieß den Attentäter zurück, um dann zusammenzubrßchen. Der Täter flüchtete die Treppen des Hauses hinauf und verkroch sich, nachdem ihm auf Klingeln an einer Wohnungstür geöffnet wurde, in dieser Wohnung. Die Wohnungs- inhabertn alarmierte das Ueberfallkomanöo, das de» Täter, der arbeitslos ist, verhaftete. Hochwassergefahr in Niedersachse«. Hannover, 26. Dezbr. Der Witterungsumschlag hat in ganz Nieöersachsen Tauwetter bet einer Temperatur vo« plus 1 bis 6 Grad gebracht. Weser, Aller und Leine führen in einzelnen Teilen bereits wieder Treibeis. Im Harz besteht Hochwassergefahr. In Wernigerode trat der Zillerbach, der in einer Stunde erheblich anschwoll, über die Ufer und überflutete das Kurhausgelänöe. Die Feuerwehr konnte die Kurhausbrücke nur unter größten Anstrengungen vor dem Etsdruck retten. Bei weiter anhaltender milder Witterung rechnet man mit verstärkter Hochwassergefahr. Die Mosel weiter gestiegen. Trier, 24. Dezbr. Der Pegelstaud in Trier, der gestern gegen sieben Uhr abends 3,64 Meter erreicht hatte, zeigte Heute morgen bereits 8,88 Meter. Das Wasser ist während der Nacht also um & cm stündlich gestiegen. Da aus Matz und den Vogesen stehender Wasserstaus und erheblich geringere Niederschläge aus dem Eifelgebtet gemeldet werden, ist damit zu rechnen, daß die Mosel nur langsam weiter steigen wird, zumal in der vergangenen Nacht kein Regen mehr gefallen ist. Blutige Weihnachten in Süd-Pittsvnrg. Rewyork, 27. Dez. In Süd-Pittsburg (Tenne,'sej kam eS gestern zu blutigen Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Arbeitern und Polizisten. Die Polizei geriet in solche Bedrängnis, daß sie militärische Hilfe heranholte. Das Militär machte von der Schußwaffe Gebrauch. Es gab 6 Tote und 20 Verwundete. _ Vo« Freunde beraubt. Paris» 23. Dez. In Nizza wurde eine junge ge,chtede«e Rumänin von ihrem Freund, dessen Bekanntschaft sie in Nizza gemacht hatte, ihres gesamten Schmuckes in Höhe von über einer Million Franken beraubt. Kerker- und Gefängnisstrafen im Bnkarester Stndenten- prozetz. Vnkarest, 24. Dez. Gestern abend wurde das Urteil im Prozeß gegen neun Studenten wegen der Ausschreitungen in Großwardein gefällt. Bier Studenten wurden zu je zehn Tagen Gefängnis, drei Studenten zu je einem und zwei Studenten zu je zwei Monaten Kerker verurteilt. Das Militärgericht hat dieses Urteil auf Grund der ZeugenausD« Laudbote ♦ Sinsheimer Zeiümz. sagen und der vorgelegten Dokumente gefällt, aus denen hervorgeht, daß die Angeklagten an den Demonstratione teilgenommen und aus den Synagogen Paramente gestohlen haben. Bei Bemessung des Strafausmaßes wurde das jugendliche Alter -er Angeklagten und ihre bisherige Unbe- schaltenheit in Betracht gezogen. Tie Studenten erklärten noch einmal, daß sie provoziert worden seien. Um 7 Uhr abends zog sich das Gericht zur Beratung zurück und verkün» bete nach einstündiger Beratung das Urteil. Zu Kundgebungen ist es nach der Urteilsverkündung nicht gekommen. Bildübertragung Berlin — Moskau gelungen. Kowno, 24. Dez. (Funkspruch.) Wie aus Moskau gemel- dte wird, teilt die Sowjetregieruug mit, daß gestern von Berlin nach Moskau eine Bildübertragung seitens der Firma Telefunken stattgefunden hat, die ausgezeichnet verlaufen sei. Die Sowjetregierung werde Anfang nächsten Jahres Verhandlungen mit dieser Firma über den Abschluß eines Vertrages über die Bildübertragung Moskau- Berlin aufnehmen. Am Anfang nächster Woche soll die Rückübertragung von Moskau nach Berlin stattfinden. Das Flugzeug „George Guynemer" in Adalia zurückgeyalte«. Paris, 24. Dezember. Das sranzösische Flugzeug „George Gyunemer" ist auf seinem Fluge nach Saigon durch Formalitäten der türkischen Behörden in Adalia, wo es gestern landete, zurückgehalten worden. Der Prinz als Hochstapler. Paris, 24. Dezember. Die Klagen wegen Ausgabe ungedeckter Schecks gegen den Prinzen Ferdinand von Bourbon nehmen kein Ende. Donnerstag hatte sich der Prinz erneut vor dem Untersuchungsrichter in Melun wegen derartiger Vergehen zu verantworten. Die schweizerische Regierung verlangt ebenfalls seine Auslieferung auf Grund einer Betrügerei, die der Prinz gegenüber dem Baron Reuter begangen haben soll. Eine interessante Firma. Ein originelles Anwaltsbüro ist dieser Tage in Brooklyn eröffnet worden. Die Inhaber sind Mr. und Mrs. Lee Harmann, die beide Rechtswissenschaft studiert und die entsprechenden Prüfungen bestanden haben. Die Eheleute lernten sich in ihrer beiderseitigen Studienzeit kennen unlieben und heirateten noch vor Beendigung derselben vor nunmehr drei Jahren. Mr. Harmann erklärt, daß er nicht einsehe, warum er sich einen männlichen Teilhaber nehmen solle, da ihm in seiner Frau eine äußerst tüchtige Juristin zur Sette stehe. Er wird sich mehr den strafrechtlichen und geschäftlichen Fällen der gemeinsamen Praxis widmen, während seine Gattin sich als Spezialistin in — Ehescheiüungs- angelegenhetten empfiehlt. 48 Tage Gefängnis für 48 Streichhölzer'. Ein Vollblutyankee aus den Bereinigten Staaten, der sich geschäftlich in Lima, der schönen Hauptstatst Perus, aufhielt, wurde eines Tages auf der Straße von einem Fremden um etwas Feuer gebeten. Der Aankee brannte ein Streichholz an und überreichte es höflich dem anderen. Der dankt«, warf dann einen Blick auf das unschuldig glimmende Hölzchen und forderte den Bereitwilligen in ziemlich barschem Tone auf, ihm sofort zur nächsten Polizeiwache zu folgen. Der Aankee fiel aus allen Wolken. Der Fremde zeigte energisch auf seine Kriminalkommissarsmarke — da half kein langes Winseln! Auf der Wache beschlagnahmte man sogleich die rätselhafte Streichholzschachtel. Sie enthielt 45 schwedische „Tändstickor", für deren Besitz man dem unglücklichen Aankee 45 Tage Haft bezw. eine gehörige Geldstrafe aufbrummte. Vergeblich wandte der so plötzlich von der heiligen Hermanöad Erfaßte an das Konsulat seines Landes. Unkenntnis des Gesetzes schützte ihn jedoch vor Strafe nicht. Schwedische Streichhölzer dürfen nämlich in Per« grundsätzlich nicht geführt, geschweige denn öffentlich entzündet werden; jede Uebertretung dieser Vorschrift wird schwer geahndet. Aus der Unwissenheit fremder Reisender zieht dieser Staat einen finanziellen Borieil, der fast an das Lösegelb mittelalterlicher Raubritter gemahnt. Darf ich Ihne» mein Kind anvieten? So etwas kann einem jungen Paar auf der Hochzeitsreise in Wien passieren. Sie sahen glücklich drein, waren gut angezogen und hatten sich eben in einem Restaurant bei einem knusprigen „Backhendl" zum „Nachtmahlen" niedergelassen, wie man in Wien sagt. Da tritt ein Mann in Arbeitskleidung, ein vierjähriges Mägdelein an der Hand, an den Tisch heran und bietet höflich dem „Herrn Baron" und der gnädigen Frau sein Kind zum Geschenk an. Und ehe das überraschte Paar noch ein Wort sagen konnte, hat er schon säuberlich neben dem Backhendl den Geburts-, Tauf- und Impfschein des Mädchens ausgebreitet. Ordnung muß sein! Jetzt fanden aber die also plötzlich Beschenkten die Sprache wieder und übergaben den „großmütigen Spender" der Polizei. Wenn eine Fra« aus Reisen geht. . . Mrs. Lucie Freybe aus Neuyork hatte Sehnsucht nach Paris. Da ihr Gatte durch seine Geschäfte zurückgehaltcn wurde, machte sie sich allein auf die Reise. Sie kam auch glücklich an, und das erste, was sie tat, war, daß sie sich ein hochnobles Auto kaufte. Damit kutschierte sie nun herum nach Herzenslust — nur eine Kleinigkeit hatte sie dabei vergessen, nämlich, daß man auch in Frankreich einen Führerschein braucht, wenn man ein Auto lenken will. Mrs. Dienstag, den 27. Januar 1927. Freybe hatte nun dieser Tage das Pech, einen Mann zA überfahren. Der Mann wurde ins Krankenhaus gebracht (wo er leider gestorben ists und Mrs. Freybe zur Wache. Dort stellte sich heraus, baß sie in Frankreich weder einen Führerschein besitzt, noch eine feste Wohnung, denn ei» oder mehrere Hotelzimmer gelten nicht als eine solche. Als» lag natürlich Fluchtverdacht vor. und da man in FrankrÄch ohnehin insgeheim nicht sehr gut auf die Amerikaner zu sprechen ist (obgleich man ihr Geld gerne nimmtj, so behielt die Polizei Mrs. Freybe gleich in Haft. Sie hat nun an ihren Mann gekabelt, daß er ihr Geld schicken solle, damit sie die verlangte ziemlich hohe Kaution stellen kann, um aus der Haft entlassen zu werden. Mr. Freybe wird wohl wenig entzückt von diesen Reiseerlebnissen seiner Gattin sein. Spielplm des Städtische« Theaters Heidelberg. Donnerstag, 29. Dez. Auf. nachm!. 4 Uhr, Ende 6 Uhr. „Das neugierige Stcrnlein". Märchenfpiel in 6 Bildern. 29. Dez. Auf. abds. 8 Uhr, Ende 10»/, Uhr. Die Glocken von Corneoille. Operette in 3 Akten. Freitag, 30. Dez. Auf. abds. 8 Uhr, Ende gegen 10 Uhr. Abonnement B 13. „Hanneles Himmelfahrt". Eine Traumdichtung von Gerhart Hauptmann. Samstag, 31. Dezember. Ans. abds. 7% Uhr, Ende 10»/, Uhr. Außer Abon. „Die Fledermaus". Operette von Ioh. Strautz. Sonntag, 1. Jan. Anf. nachm?. 4 Uhr, Ende 6 Uhr. „Das neo- gierige Sternlein". Anf. abds. 7»/, Uhr, Ende 10»/, Uhr. Außer Abon. „Undine." Romantische Zauberoper. Turnen, Sport und Spiel. Fußball-Ergebnisse aus Süddeutfchland. Um die süddeutsche Meisterschaft <26. Dez.) In München: Bayern München — Mormatia Worms 2:2 (1:1) Runde dex-Zweiten und Dritte» (25 Dez.) In München: Wacker München — Sp.B. 1860 München 3:2 (1:8) Derbandsfpiele. 25. Dezember Gruppe Nordbayern: F.C. Fürth — F.B. Würzburg 04 2:6 I. F.C. Nürnberg — F.Sp.B, Nürnberg 6:0 Gruppe Rhein: Germania Friedrichsfeld — Phönix Mannheim 3:3 Ep.Bg. Sandhofen — Phönix Ludwigshafen 2:1 Pfalz Ludwigshafen — Ludwigshafen 03 0:3 B.f.R. Mannheim — Mannheim 08 6:1 Sp.B. Waldhof — B.f.L. Neckarau 4:1 Gruppe Main: Eintracht Frankfurt — Sport 60 Hanau 6:0 F.C. Hanau 93 — Offenbacher Kickers 4:1 Viktoria Aschaffenburg — Germania 94 Frankfurt 1:1 Rotweiß Frankfurt — Viktoria 94 Hanau 7:1 B.f.R. Offenbach — F.Sp.B. Frankfurt 3:2 Union Niederrad — Fechenheim 03 4:2 26. Dezemb er Gruppe Württemberg : B.f.B. Stuttgart — F.C. Birkenfeld 10:0 Entscheidungsspiel in der Gruppe Baden: Phönix Karlsruhe — Karlsruher Fußballoerein 6:1 Gruppe Nordbayern: A. Sp.V. Nürnberg — B.f.R. Fürth 1:1 Gruppe Hessen: Hassia Bingen — Sp.P. Wiesbaden 0:0 B. f.L. Neu-Isenburg — Sp.B. Darmstadt 98 2:1 Gesellschaftsspiele: 25. Dezember F.Sp.B. Mainz 05 — Cricketer Wien 8:2 F.B. Saarbrücken — Olympique Lille 1:2 Borussia Neunkirchen — Viktoria Ncunkirchen 6:2 Kreuznach 02 — Union Bückingen 3:5 26. Dezember Eintracht Frankfurt — Cricketer Wien 6:0 Sp.Vg. Fürth — Slavia Prag 2:0 Sportfreunde Saarbrücken — Union Bückingen 1:6 Eintracht Trier — Olympique Lille 2:1 Süddeutsche Verein« auf Reifen: F.C. Straßburg 06 — Sp.C. Stuttgart (Reserve) 2:10 Racing Club Straßburg — Sp.C. Freidurg 0:6 Sp.C. Red Star Straßburg — F.B. Offcndurg 4:5 Marktberichte. Schweinemarkt Sinsheim, 27. Dez. Dem Schweinrmarkt waren zuqeführt: 31 Läufer zum Preise von 40- 50 RM. pro Paar. 5 Milchschweine zum Preise von 28—30 RM. pro Paar. Schwetnemarkt in Bruchsal vom 24. Dezember 1927. Angefahren wurden: Milchschweine 52. Läufer 14. Berkaust wurden: Milchschweine 45, Lauser 8. Höchster Preis für Milchschweine Paar 28.—, für Läufer 54.— RM. Häufigster „ „ „ „ 24.—. „ . 45.— „ Riedttgster „ „ „ 18— „ „ 40.— „ Wetterbericht. Die im Rücken der Nordsee-Zyklone aus polaren Gebieten vorgestoßencn Kalllustmassen haben südwärts an Raum gewonnen. Ueber Schottland und der deutschen Küste ist Abkühlung eingetreten. Südwestdeutschland liegt noch im Bereich der Warmluft. Die Morgentemperaturen halten sich in der Rheinedcne bei 8 dis 10 Grad, im Hochschwarzwald bei minus 1 Grad. Mit Ausbreitung der nördlichen Kaltluftmafseu ist weiterer Rückgang der Temperaturen zu erwarten. Schieße« und Abbrenne« von Feuer - werkskörpern. Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß das! Abbrcnnen von Feuerwerkskörpern und das Schießen an bewohnten oder von Menschen besuchten Otten auch in der Neujahrsnacht verboten ist. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Goldmark oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft. (§8 367 Ziffer 8 und 368 Ziffer 7 R.St. G. B. Sinsheim, 12. Dezember 1927. Bezirksamt. Wimpfen. Vrennholzverkauf. Donnerstag, den 29. Dezember 1927, vorm. 9 Ahr anfangend, kommen im Forstwald, Distrikt Altwagenbach, mit Borgfrist bis 1. Aug. bezw. 1. OKI. 1928 zur Versteigerung : 150 Rmtr. buche Scheiter 212 „ eiche Scheiter 147 „ buche und eiche Knüppel 64 hdrl. buche und eiche Reisig 240 Rmtr. buche und eiche Stöcke. Zusammenkunft im Forsthaus. Wimpfen, den 20. Dezember 1927. Hess. Bürgermeisterei Wimpfen. Sailer. ®®®®®®®®® Größte Auswahl in Qualitäts- zu kullerst günstigen Preisen und Bedingungen Besichtigung ohne Kaufzwang! Karl Hochstein, Heidelberg Musikhaus, Hauptstraße 73. ®®®®@®®©© Weilte Zähne •inmaltgt* Putze« «ft der herrlich erhäschend Mtete teea «bteroeteot-Achiwast« erzielen Sie ««««> "»md«e»»N» S enbeinglanz Mt Zähne, euch m de« S ei t enf lächen, gleichzeitiger Benutzung der dafür «gen« wnfUulern» duoroavnt - Zahnbont« «tl gyahntea Wechten- schnitt. Faulend« Sp-isweste in dm ZahnpssschenrMone»