Karlsruher Beobachter. Nr. 22. Donnerstag den 18. März L8-L7. Lapüän Cooper's Sesuch in Japan. Kapitän Covper, der den amerikanischen Wallsischfänger Manhattan befehligte, sah sich im April 1815 veranlaßt, zu Jeddo zu landen. Auf seiner Rückkehr hielt er an Len Sand» wichinseln an, und theilte hier dem Herausgeber des daselbst erscheinenden Blattes »the Feiend-- seine Erlebnisse mit. Aus diesem ist das Nachfolgende entnommen. *1 Im Anfang Aprils 1815 segelte Covper nach der See im Norden von Japan, wo Wallfische sich zu sammeln pflegen, und legte an der Insel St. Peters an. die er für unbewohnt hielt. Zufälliger Weise fand er hier eilf schiffbrüchige Japanesen, und beschloß die Gelegenheit zu benützen diese zurückzuführen und wo möglich einen Verkehr mit Japan anzuknüpfen. Auf der Fahrt nach Jeddo stieß er auf ein japanesisches, vom Sturm stark mitgenommenes Schiff, das auf dem Punkt stand zu sinken. Hiep erlöste er abermals eilf Japanesen, und landete endlich auf Nippon, aber an einer nur von armen Fischern bewohnten Küste, und setzte einige der Japanesen an's Land, die er an den Kaiser, schickte, um sich die Cclauvniß auszubitten, Wasser und andere Bedürfnisse in Jeddo einnehmc» zu dürfen. Auf der Fahrt längs der Küste verglich er seine Karte mit der Küste, und einer auf dem gesunkenen Schiffe Vorgefundenen Seekarte, wurde aber durch den Sturm wieder auf die hohe See getrieben, und konnte nsi nach mehr als acht Tagen die Bucht von Jeddo erreichen. t»er kam ihm sogleich ein Boot entgegen mit einem Beamten, der nach seiner prächtigen Kleidung zu schließen von hohem Rang war. Dieser berichtete dem Kapitän, daß seine Boten an den Kaiser gekommen seien, und dieser ihm gestatte sein Schiff in Hafen zu bringen, er erhielt jedoch Befehl unter einem ^orgebirg Anker zu werfen. Am folgenden Morgen wurde er durch Boote in die Nähe ser Stadt bugstrt. wo sein Schiff durch eine Menge Neugierige Nden Ranges besucht wurde. Ein Dolmetscher, welcher Hollands» und etwas englisch sprach, am besten sich aber Lurch Zeichen ^ ^Händlich macken konnte, erklärte ihm, daß weder er noch ir- ! üod jemand von seiner Mannschaft bei Todesstrafe das Schiff Erlassen dürfe. Auch blieben nicht nur stets einige Beamte an H»rd, sondern es wurde auch eine dreifache Reihe von Booten, erste IM Schritt von dem amerikanische» Schiff, die andern gleicher Entfernung von emanter ausgestellt, um allen Verkehr I*st dem Ufer abzuschneiden. Covper, der sich freundlich gegen benahm, erklärte jedoch, daß er durchaus nicht die Absicht I^be. die Landesgesetze zu übertreten, und bloß den Kaiser von l^ver und seiner Landsleute freundlichen Gesinnung gegen die Mittelbar durch da- Sonntag-blatt de- Amsterdam'schea Handel-blad- Rro. 7. v. d. I. Japanesen überzeugen wolle. Die Schiffbrüchigen bezeugten ihm beim Abschied die lebhafteste Dankbarkeit und umarmten ihn mit Thränen in den Augen. Dieß Schauspiel und die Erzählungen der Schiffbrüchigen über die freundliche Art, wie sie von den Amerikanern behandelt worden seien, machten einen liefen Eindruck auf den Gouverneur von Jeddo, her sich gegen Covper während seines ganzen Aufenthalts sehr artig und zuvorkommend bewies. Die Zahl der Boote, welche Cooper's Schiff in drei Reihen umgaben, mochte gegen 1000 betragen, und alle waren gewappnet und auf eigenthümliche Weise mit Lanzen und Säbeln verziert, wie Ließ bei europäischen Nationen seit langer Zeit nicht mehr üblich ist. Die Säbel stacken zum Theil in gefirnißten Scheiden, zum Theil waren sie entblößt, um zu zeigen. Laß man bereit sei, sich derselben zu bedienen. Wie wunderbar auch den Amerikanern dieß Schauspiel erscheinen, wie prächtig die vielen Boote mit ihren Fahnen und Lanzen sich ausnehmen mochten, noch viel großarliger war das Schauspiel, LaS in der Nacht die zahllosen, seltsam geformten und reich bemalten Laternen boten. Der Manhattan lag vier Tage in dem Häfen von Jeddo, und wurde während dieser Zeit auf Befehl des Kaisers mit Holz, Wasser, Reis, Korn, Gemüse u. s. w. unentgeltlich versehen, aber man gab ihm Leullich zu erkennen, daß er niemals wieder nach Japan zurückkommen dürfe, wenn er sich nicht die Ungnade des Kaisers zuziehen wolle. Am Tag seiner Abreise sandte ihm der Kaiser als Zeichen seiner Gunst seine Handschrift zu. Man sagt, daß vornehme Männer in ihrer Schrift am nachlässigsten seien, und Se. kaiserliche Majestät machte keine Ausnahme, denn seine Unterschrift sieht gerade auS,»als hätte man ein Stück Holz in die Dinte getaucht und wäre damit ein paarmal über ein grobes Papier hingefahren. Unter den Büchern, welche Kapitän Cvoper aus dem japa- nesische» Wrack genommen, befand sich auch ein kleines Büchelchen, LaS mit seltsamen Figuren von Spceren und Streitäxten gefüllt war, unter denen jedesmal eine Erklärung stand. Sowohl Figuren als Schrift waren zierlich ausgeführt, und sahen aus, als ob sie von Kupfeiplalten abgedruckt wären. Dieß Buch hatte Cooper's Aufmerksamkeit geweckt, und La er auf den Kleidern der Beamten dieselben Figuren in Gold gestickt sah, frug ec, was diese bedeuteten, und vernahm, daß es die Wappen der großen Familien seien. Diese Wappen waren stets auf den Rücken gestickt, und jeder dieser Offiziere hat!« Truppen unter sich, die mtt gleichen Wappen versehen waren. Am Tag vor Cooper's Abreise gab der Dolmetscher ihm eine holländisch geschriebene Urkunde ohne Unterschrift, aber mit sehr schöner Hand geschrieben,^ worin erklärt wurde, daß Kap. Cooper japanische Schiffbrüchige gerettet und nach ihrem Vaterland zu rückgeführt habe, und worin allen Holländern befohlen wirk, wenn sie ihn in Gefahr von Schiffbruch anträfen, ihm denselben 86 Dienst zu erweisen; ferner wird darin z» erkennen geben, daß die Holländer und die Chinesen die einzigen Nationen seien, welche Handel mit Japan treiben dürfen und Zugang in die japanischen Gewässer haben, daß man der Mannschaft fremder Schiffe keinerlei Gemeinschaft mit dem Lande gestatte und ihnen alle Gelegenheit entziehe, mir dem Handel und den Maaren von Japan bekannt zu werden; endlich daß das Schiff lange in See gewesen sei, und deßhalb Holz, Wasser und Lebensmittel nöthig gehabt habe. Cvoper war im April in Japan und gibt eine günstige Schilderung von dem Land und dem Klima. Ueberall, wo er stch den Küsten näherte, sah er grüne Felder, und Berge und Thäler waren überall gut angebaut; wo die Berge zu steil waren, hatte man Terrassen gemacht, so daß man in der Ferne hängende Gärten zu sehen glaubte. DaS ganze Land war bedeckt mit heitern, weißen Wohnungen, und überall sah man eine zahlreiche fleißige Bevölkerung wie in der Nähe der Hauptstadt, so auch im Norden. Jeddv selbst war so dicht in Bäume gehüllt, daß man nur wenige Häuser sehen konnte, aber der Hafen und die Rhede war so zahlreich bewohnt, als dar innere Land, überall bemerkte man Schiffe von jeder Größe, und die Stadt schien der Mittelpunkt eines ausgebreiteten Handels. Die Japanesen sind ein kleiner, aber starker Menschenschlag von weniger mongolischem Aeußern als die Chinesen; sie sind von Heller Oiivenfarbe, schlau, lebhaft und wohlgebildel. Die Kleidung der niedern Klaffen besteht aus weiten Beinkleidern und einem Ueberrock von blauem Kattun, die Vornehmen waren in reiche Seide gekleidet, die mit Gold und allerlei Farben gestickt waren, je nach dem Rang der Personen. Einige von ihnen waren so prächtig gekleidet. Laß sie die Bewunderung der Mannschaft erregten, aber sie hatten durchaus nichts von Wolle an, und zeigten sich alle sehr neugierig Tücher zu sehen und zu untersuchen. Dieß schien ihnen etwas neues zu sein, und alles war sie der Art sahen, wünschten sie zu haben. Nachdem Cooper vier Tage verweilt, und sich mit allem Nöthigen versehen hatte, erklärte er sich bereit, abzusegeln, da aber der Wind entgegen war, wurde er von der ganzen zahlreichen Ruderflotte, die sich bisher um ihn hergestelll hatte, um den Verkehr mit dem Land zu hindern, aus dem Hafen hinaus auf das hohe Meer bugsirt, wo die Japanesen freundlich von ihm Abschied nahmen. - , 6igotc, der spanische Schnurrbart. (Au- t'orü: 6aikennx8 krom. Lpain.) Schon der Name der Schnurrbarts in Spanien und der Ursprung dieses Namens hat etwas eigenthümlicheS. DaS Wort ist deutschen Ursprung« und nur eine spanische Corruption des deutschen Fluch«: "bei Gott!« wa« schon aus den Zeiten Carl« V. — oder in Spanien Karls I. — stammt. Die freien Reiter, die Karl V. nach Spanien begleiteten und mit ungeheuren Anhängseln ihrer Mannhaftigkeit ausgerüstet waren, fluchten wie ächte Reiter — (wir Landratten sagen dagegen, fluchen, wie ein Bootsknecht) — und gaben sich ein großes Ansehen, wa« ihren spanischen Gefährten, die eine gar gute Meinung von stch und einen gebührenden starken Haß gegen ihre fremden Bundesgenossen hatten, gar nicht anstand. Die furchtbaren Schnurrbarte fielen ihnen eben so auf, wie die noch seltsamern Tone, welche unter denselben hervor in ihre Ohren drangen. Da sie einen scharfen Sinn für das Lächerliche und eine höchst orientalische Dvrneigung für Spottnamen hatten, so bezeichneten sie die furchtbaren Schnurrbärte mit dem oft gehörten "bei Gott!« und nannten sie Bigvtes. Seit dieser Zeit sind indeß die Bigvtes in Spantest selbst sehr beliebt, ihr Tragen jedoch gesetzlich auf das Militär beschränkt, dessen meiste Generale — ihr Name ist bekannt, lich Legion — sehr zärtlich ihren Schnurrbart pflegen und da« Rasiermesser mehr als den Säbel fürchten. Als der tapfere Drake die spanische Flotte vor Cadir verbrannte, sagte er darüber, «er habe dem König von Spanien den Schnurrbart versengt.-- Zurbano hielt e« in neuerer Zeit für eine hinreichende Strafe, wenn er einem baSktschen Rebellen seinen Bigole abschneiden und ihn selbst bann losließ, um die andern zu schrecken. Maja- val, der bekannte Seeräuber und Mörder, der durch die vortreffliche Unbestimmtheit des englischen Gesetzes zu Erster dem Galgen entging, brachte seinen im Gefängniß gewachsenen Barl bei seiner Rückkehr nach Barcelona der heil. Jungfrau als Dank- vpfer für seine Befreiung dar. Viele spanische Civilisten und Ellenritter ahmten inzwischen ihren transpprenäischen Brüdern nach, und ließen den Schnurrbart so kräftig wachsen, daß Ferdinand VII. endlich ein königl. Dekret gegen sie schleuderte, daS Ke von der Erde der Halbinsel hinwegfegen sollte. Der Versuch die alten spanischen Mäntel zu stutzen, hätte seiner Zeit dem König Karl IN. beinahe die Krone gekostet, und das Dekret seines vielgeliebten Enkels, der die Bärte zu stutzen befahl, wurde, wie die meisten neuern spanischen Dekrete einen Monat lang, weniger 29 Tage, gehalten, und dann wie noch mehr andere Dinge, als feierliche Verträge, Verfassungen. Staatspapiere u. s. w. zu Fi dibus verwendet. Einsegnung der Pferde am St. Antoniustag. (Plis Noma» ^<>vortis»r. 28. Januar.) Diese Sitte in Rom hat oft die Aufmerksamkeit der Fremden auf sich gezogen, und sie ist auch in der That sehr malerst« Die Ceremonie geht jeden Tag während der Octave keS Festet vor an der Kirche de- heil. Antonius, der Kirche Santa Mar" Maggiore gegenüber. Ein Camaldulenser-Mönch steht am Perlst und besprengt die Pferde, welche vor ihm vvrübergeführt werden mit Weihwasser. Sie sind oft bunt mit Bändern geschmückt und ihre Herren bringen gewöhnlich Wachskerzen oder ander« Gaben, von denen die Camaldulenser daS Jahr hindurch unterstützt werden. Die Formel de« Segen« ist folgende: «Möge» diese Thiere, v Herr! deinen Segen empfangen, daß sie durä denselben körperlich bewahrt und von allem Uebel befreit werde» durch die Fürbilte Lei heil. AntoniuS!« Der heilige Antons wird von den Malern rargestellt mit dem Buchstaben V, d« bei Len Aegyptiern da« Kreuz bezeichnet«, mit einer Glocke dem alten Gebrauch, wie man um Almosen bat, oder die miten zum Gebet auffvrderke; mit einem Schwein zu sei"*» Füßen, um seine Herrschaft über die bösen Geister, welche'» dieser Form erscheinen sollen, zu bezeichnen, mit dem Feuer '» der Hand, da er viele von der Sünde und ihrer Strafe befrem- vder in Bezug auf die Krankheit, da« Antcniuifeuer ge«""^ von dem er viele befreit haben soll. - 87 — Dum Deburkssefle der hochverehrten Bicepräsidentin des Frauenvereins Freifrau von ZvUnhardt. Viel schwere Wunden hat die Zeit geschlagen, So manche Wange, manches Haupt gebleicht; Es hat noch in den letzten Schauertagen Der Leiden Stachel uns so tief erreicht; «Doch ist ein süßer Trost uns noch geblieben Daß Menschen, Engeln gleich, beglückend lieben! Und so auch Du, Du Edelste der Frauen, Zn deren Brust ein achter Adel thront; Zn deren reiner Seele Gottvertrauen, Unendlich süße Lust zu helfen wohnt; Die wahr durchglüht mit Liebe und Erbarmen: Die Trösterin zu sein so vieler Armen! So Vieler, ja, die Du schon groß gezogen, Die Deine Umsicht mütterlich genährt; Die Du gerettet aus des Schicksals Wogen Und gastlich speisetest am regen Heerd; Dein ganzes Leben war der Kampf im Ueben: Der Menschen Wohl zu fördern, sie zu lieben! Wer sich wie Du im Dienst der Menschheit freute. Hat den erhabensten Beruf erfüllt; Nimm hin, Du anspruchlose Gottgeweihte, Den Dank, der hier so mancher Brust entquillt; Und ward Dir auch schon oft statt Dank ein Grollen, Du bliebst Dir gleich, denn er war nie Dein Wollen! Heut' aber, an dem Tag da Du geboren, Nimm der Verehrung frommen Weihesang; Auch jede Saite, die dazu erkoren. Hat einen reinen, einen guten Klang! D'rum töne Dir ein kindlich das: --Gott Walte« Daß Er noch lange Dich für uns erhalte! Karlsruhe am 12. März 1847. * Nachruf an H. S. Und Deine Lieder, di» nun friedlich tönen, Sie bringen Trost den Trauernden Hienieren, Der Mutter Herz, das muthlos mvcht verzagen, Schlägt freud'ger, denn es weiß Dich ja im Frieden. Karlsruhe, 1». März 1847. c. Olr. Ein muthlg Herz, ein männlich kühnes Sinnen, ES schwand mit Dir, o Freund, zu früh dahin, ' Zu Nichte ist nun all' Dein redlich Streben, Zu nicht« ist nun all' Dein zeitlich Müh'n; Und Deiner Lyra feuersprüh'nde Klänge, Die — weil aus Jünglings-Brust, von Freiheit klangen, Sind stille nun, doch ahn' ich freudig-gerne. Nicht ohne Lyra seist Du heim gegangen. — ^ Nein, nein im Geist erblick ich Dich dort droben, Ein guter Sohn in des Allmächl'gen Schvoß. 2ch höre süße Seraphs-Klänge schallen. Fast fühl' ich Neid ob Deinem Götter-LooS; Aus -er Zeit. — Frankfurt a. M. 8. März. Durch Beschluß der Bundesversammlung ist im Bereiche der Bundesstaaten der Eingang sämmtlicher Verlagsartikel des Literarischen Instituts zu Herisau, so wie deren Annahme, Verbreitung und Versendung verboten. Zm reußischen Regierungsblatte wird dieses Verbot zuerst gesetzlich xublizirt. — Berlin 12. März. Dem Vernehmen nach hat Herr von Raumer durch ein vom 5. d. Latirtes Schreiben an die K. Akademie der Wissenschaften seine Entlassung als Sekretär und Mitglied derselben eingereicht. — Dresden, 13 März. Ein schauderhaftes Verbrechen bp- schäftigt jetzt hier die Gemüther. Es hat nämlich der 23jährige Sohn eines in getrennter Ehe lebenden Beamten am 8. März seine Mutter und Schwester, von denen er sich zurückgesetzt glaubte, mit einem Beil erschlagen, dann die Sachen derselben verkauft und versetzt, sich umhergetrieben, selbst als obdachlos auf die Polizei bringen lassen, und erst am 12. März ist Las Verbrechen entdeckt und von ihm, der sich noch in polizeilichem Gewahrsam befand, sofort eingestanden worden. — Leipzig 14. März. Oie von hier erlassene Protestation gegen die verfassungsmäßige Zusammensetzung der zweiten Kammer hat auch die Folge gehabt, daß sich die Führer der liberalen und radikalen Partei offen den Krieg erklärt haben. Der liberalen Partei erscheint nämlich jene Protestalion eben auch zu radikal. — Paris 13. März. Der gestern auf Schloß Lvrmvy, dem Landsitz eines alten Freunds, gestorbene Zustizminister Martin du Nord ist das Opfer einer schändlichen Verleumdung, deren Ursprung nun im Gefängniß von St. Pelagie aufgefunden wurde, von dessen Beamten Einer deßwegen abgesetzt ist. Herr Martin wurde, als diese Derläumdung ihm zu Ohren kam, vom Schlag gerührt. — Rom, 5. März. Zn mehreren Orten der Provinzen ist es der Polizei gelungen, Cvmplotte zu entdecken, deren Mitglie- der, Geistliche und Laien, aus religiöser Besvrgniß oder Unduldsamkeit gegen die jetzige Regierung sind. Durch die der Behörde in die Hände gefallenen Papiere soll sie dem ganzen Getreide dieser Partei auf die Spur gekommen sein und mehrere Verhaftungen haben vornehmen lassen. — St- Petersburg. 6. März. Zufolge hier eingegangener Nachrichten hat auf den Börsen von London und Paris sich Las Gerücht verbreitet, als beabsichtige die russische Regierung, die Ausfuhr von Getreide zu verbieten. Mit Bezug hierauf sieht sich das Finanzministerium veranlaßt, zu erklären, daß die erwähnten Gerüchte durchaus ungegründet sind und Laß gegen- theils die Getreideausfuhr aus den Häfen des Reichs auf alle nur mögliche Weise befördert werden wird. — Warschau, 8. März. Seit dem 1. März ist die hiesige junge Mannschaft in großer Bestürzung, indem seit jenem Tage 88 eine Conscription der -um Kriegsdienste tauglichen wehrpflichtigen jungen Leute stattfindet. Jene Bestürzung kann man nur natürlich flnden, indem der Ausgehobene auf mindestens 25 Jahre aus seinen bisherigen Verhältnissen, aus dem Schooße seiner Familie, endlich aus seiner Heimat!, gerissen und dem Kampfe mit den Bergvölkern im Kaukasus ausgesetzt wird. Meistenlheils sind die Cvnscribirten für immer ihren Angehörigen entzogen; selten daß sie ihnen irgend eine Nachricht zukommen lassen können, ausgenommen im Falle ihres Todes, Len die Regierung in den hiesigen öffentlichen Blättern mit dürren Worten anzeigt. Wehr- pflichlig ist bei unS der junge Mann in dem Alter von 20 — 30 Jahren, und es sind verhältnißmäßig nur Wenige von jener Pflicht befreit. Verschiedenes. — * Erprobtes Mittel, sich bei Feuersbrünsten gegen den Rauch zu schützen. Man bindet sich ein Tuch über die Nase und den Mund, nachdem man es, wo möglich, mit Wasser befeuchtet hat. So geschützt, kann man sich lange im Rauch aufhalten, ohne bedeutend belästigt zu werden. Hat man kein Tuch zur Hand, so alhme man rasch vielen Rauch ein, dadurch vermindert sich die Empfindlichkeit der Lunge auffallend. Von selbst versteht sich, daß man das letztere, minder gute Mittel nur im Nothfall gebrauchen müsse. — Vor etwa 20 Jahren erhielt ein Staabsoffizier das Kommando einer Festung im Elsaß, und diensteifrig und für die Soldaten besorgt, begann er sich mit jedem Detail LeS Dienstes bekannt zu machen. Bei einer seiner Inspektionen fand er eine Schildwache ohne bekannten Zweck neben einem wurmstichigen und in Trümmer fallenden Staket, das einen Hof ohne nachweisbaren Zweck i» zwei Theile ablrennte; der Kommandant erkundigte sich beim Major nach der Nothwendigkeit, hier eine Schildwache aufzustellen; man antwortete ihm, daß sie immer da gewesen sei und daß sein Vorgänger schon sie dort gefunden und veibchalten habe. Das war kein Grund — um den hartnäckigen Kommandanten zu befriedigen muß man endlich Nachforschungen anßellen; man durchstöberi die Registraturen, alten Papiere, Tagebücher, die sich in der Festung finden, und entdeckt endlich, daß vor 35 Jahren jenes Staket, welches damals zu etwas diente, wieder hergesiellt und angestrichen worden war. Oie Schildwache sollte verhüten, daß die frische Oelfarbe berührt werde. Seitdem war der Posten an dieser Stelle geblieben, und 6 Soldaten auf je 24 Stunden gerechnet, hatten 95,600 Mann die frische Oelfarbe bewacht. — Unter der Regierung Karls VII. predigte in St. ElouL im Jahr 1429 ein Franciscanermönch, der Bruder Richard, dessen Predigten ganz Paris zu Gefallen lief. Eines Tages eiferte dessen Beredtsamkeit mit so großem Erfolg gegen den Lupus und das Spiel, daß die Pariser, die ihm zugehört, kaum daheim angekommen, sich beeilten ein großes Feuer auf den Straßen an- zuzünden, in welches die Männer ihre Spieltische, Karten, Kugeln, Kegeln, Würfel rc. warfen, so wie die Frauen ihre Putzhauben, Puffen, Spangen, Bänder, Spitzen, falsche Haare u. s. w. Die Bekehrung dauerte aber nur kurze Zeit, denn Putz und Spiel nahmen bald wieder überhand. — (William ClvweS — todt.) Der berühmte Londoner Buchdrucker William Clowes ist am 23. Januar d. I. gestorben. Cr war der Eigenthümrr der größten Druckerei in Europa, dir vollkommen einer Stadt gleicht, und am südlichen Ufer der Themse liegt. AuS seiner Offizin ging zum erstenmale im Jahre 1828 der „Spectator" hervor, der denn auch folgende interessante Notizen über den Verstorbenen gibt: William Clowes war der Schöpfer seines eigenen Glücks; er kam etwa vor vierzig Jahren nach London. In einem kleinen Stvle begann er bald darauf ein eigenes Geschäft. Cr gehörte mit zu den Ersten, welche vor etwa 25 Jahren erkannten, daß der Buchdrucker- kunst durch Einführung der Schnellpressen eine neue Aera eröffnet werde. Die Forderung nach wohlfeiler Literatur, als deren außerordentliches Beispiel das „Pfenning-Magazin" galt, gab der Energie William Clvwes einen neuen Impuls, und in Folge großer Arbeiten für Rechnung der Regierung gründete er nach und nach die kolossale Buchdruckerei, die so oft beschrieben und gerühmt worden ist. Sein Geschäft von einem so kleinen Anfänge zu solcher Höhe empor zu schwingen, erforderte die Anstrengung eines nicht gewöhnlichen Mannes. Clvwes führte in vielen Fällen Unternehmungen aus, die wahrhaft bewundernswürdig sind. In einer Woche eine Halbs Million Seiten zu drucken, in derselben Zeit tausend Fvlioseiten Parlamentsberichle setzen und drucken zu lassen, und in 16 oder 17 Tagen Len „Nautischen Almanach", der 5 bis 600 Seiten mit Figuren enthält, zu vollenden, ohne daß auch nur ein einziger Fehler vorgekommen wäre, gehören unter die erwähnten Wunder der Offizin von Clvwes- — Ein königlicher Sonnenschirm. Die Königin Victoria erhielt von einem reichen Fabrikherrn der City gewiß den kostbarsten Sonnenschirm der ganzen europäischen Damenwel. zum Geschenk. Außer einem neuen künstlichen Mechanismus, sich auf Len leisesten Wink der schönen Hand zu öffnen und zu schließen, zeichnet sich dieser unentbehrliche Tviletlengegenpand durch die geschmackvollste Pracht aus. Goldene Stäbe Hallen das weiß und kirschroth gewässerte Seidenzeug; der Handgriff ist von ciselirlem Golde und bildet an seinem unteien Theile einen Kranz emaillirter Lorbeerblätter, der sich um die Krone mit der königlichen Chiffre schlingt, welche in Brillanten ausgeführt ist Der Stiel ist ebenfalls von Gold, umschlungen von einem in blauer Emaille und Edelsteinen spiralförmig gearbeiteten Bande, den Hosenbandorden andeutend und mit dem bekannte» Molto desselben endend. Eine zierlich emaillirke Hand hält diesen prächtigen Stiel; um das Gelenk derselben steht in Diamanlschrifl: Ich regiere; gewiß eine unbeabsichtigte Ironie auf die Hand, in der dies kostbare Spielzeug gleich einem Scepler liegen wird.*) Ganz am Ende ist noch das königliche Wappen in einen großen Topas geschnitten, abermals mit Edelsteinen umgeben, unter denen sich ein Rubin befindet, der durch einen Druck eine allerliebste Niechdose zu Tage fördert, die auf die künstlichste Art in dem Knauf des Stiels angebracht ist. Sechs Monate waren erforderlich, um diesen königliche» Sonnenschirm herzustellen. Die englische Delikatesse verschweigt die aufgewendete Geldsumme. Der Seidenstoff wurde besonders dazu gewebt in Spitalsfield. die Spitzengarnitur ebenfalls io dem berühmten Houston, und der erste Juwelier der Hauptstadt übernahm die Fassung der Edelsteine. ') Richtiger wäre der likkannte alte Wahlsprnch der Prinzen von WateS: „Ich dien", den die Engländer tl-ct» Nein anszuspreche« pflege». Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.