chweif >en iß, ch das >ng im rischen lee ein jemals hädlich et, so emacht ikschla- Sens- 'vmml che in, i lind, Einige haben, einge- Punkl uk iß, doch Tau- a Ab- soge- lelegl, brika- näw- reitet Lein d mi! gSarl mern recht rakte nen. man abeii- Loko- i ein sonst r ge> mit, liizen un- ofort ihrei ectli, nbe> Zahn i Li> doch n in Zug inen nzug inec Karlsruher Beobachter. Nr. 88. Sonntag den 31. Oktober 1847. Der Schulmeister von Coeverden. Eine niederdeutsche Geschichte von W. v. CHSzy. Wo's um nichts geht, wacht das Gepräg den Thaler, wie die Kutte den Mönch und der Fecerbusch den Soldaten. Darum verdämmert in der Zeiten gewöhnlichem Lauf gar manches Licht unter dem Scheffel, stirbt unbeachtet manches Herz, das kühn und thatenlustig unter unscheinbarer Hülle schlug. Anders ist es in den Tagen des Krieges und der Noch; da wird ein Hirtenmädchen zur Befreierin des Vaterlandes, da erhebt die Tugend der Mannhaftigkeit Lakaien und Schneidergesellen zu hohen Ehren. Nicht anders war es auch mit dem friedfertigen Schulmeisterlein von Coeverten, das ganz im Stillen Haar auf den Zähnen trug- Was ist Coeverden, und wo? — Coeverden ist ein Kibitz- nest, rings von Sümpfen umgeben, wo hindurch nur drei Zu» gange zur Stadt führen. — Merkwürdig, wie der Mensch überall leben und gedeihen mag, während doch sonst jegliches Geschöpf in seinen besonkern Kreis gebannt ist. Auf hohen Klippen, auf luftigen Baumwipfeln horstet das adlige Raubgefieder; trockene, hochgelegene Waldungen sind des Auerwildes Standort; die Waldschnepfe liebt dichtes Gestrüpp, den offenen Sumpf die Moosschnexfe, und alle bleiben fein in ihren angewiesenen Gränzen. Nicht so cher Mensch. Die Kinder desselben Stammes wohnen weit von einander wie Aar und Kibitz; auf stolzen Alpen der Tyroler, in nebelfeuchten Ebenen der niederdeutsche Bruder. Beide sind sie mit gleicher Liebe dem mütterlichen Boten zuge- Ihan, und im Stolz auf der Heimath Vorzüge weicht keiner dem andern nur eines Fingers breit. Auch JsbranL Harmans, der Zimmermann, war aufgewachsen in solcher Liebe und in solchem Stolz. Jetzt kam er von der Wanderschaft zurück, das Ränzel auf dem Rücken, den Stab in der Hand. Einer der hellsten Herbsttage des Jahres 1672 beleuchtete die weite Ebene. Vor des Wanderers Blicken erhoben sich die hohen Basteien der Vaterstadt, überrag! von Thürmen und Windmühlen. Ein beneidenswerthes Loos erwartete Len jungen Mann in der theuren Heimath: Haus, Hof und Gewerbe als väterliches Erblheil, und eine junge Braut, die, bei seinem Abschied noch ein halbes Kind, sich jetzt zu voller Blüthe entfaltet haben mußte. Dennoch jauchzte Jsbrand nicht auf beim wohlbekannten Anblick, und je näher er kam, um so trübseliger schaute er drein. Er wußte recht wohl, weßhalb. Sein Stolz als Bürger von Coeverden war tödtlich gekränkt. Der kriegerische Bischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, hatte im Sommer nach kurzer Berennung Li« Festung gewonnen. Oie Kunde der glänzenden Waffenthat war in aller ') A«S rem Morgeublatt. Welt erschollen, und auch Jsbrand halte in der Fremde davon vernommen. — Wer in deutschen Landen von der Eroberung sprach, hatte übrigens wenig Freude daran und sein Erstaunen war mit Unwillen gepaart. Die geistlichen Fürsten von Köln und Münster waren dazumal dem ehrgeizigen und ländersüchtigen Franzosen verkauft, und bekriegten in seinem Solde die freien Niederlande, zu großem Nachtheil des Reiches, und wahrlich nicht zur Ehre des deutschen Namens. Der Zimmermann meinte, es müsse ihm das Herz abstoßen, als er am Thor das Wappen, vor der Wache die Fahne erblickte. Wo war der aufrechte Leu von Gold mit Len sieben Pfeilen in der Branke? wo seine Umgebung von sieben Schilden? wo vor allen der Goldschild von Ober-Dssel mit dem rothen Löwen und dem blauen Strom? Statt ihrer spreizten sich fremde Schil- Lereien, Schwert und Krummstab. Der Ritterhelme waren wie zum Spott der Niederländer Zahl ebenfalls sieben, deren mittelster die Bischofsmütze trug. Die neun Felder des Schildes wiesen die Abzeichen des Hauses von Galen, wie der Herrschaften und Ansprüche der Städte Münster und Paderborn. Die Wache war von Münster'schem Volk besetzt. Der Posten rief Len Wanderer an. "Gut Freund!« hätte der antworten sollen, doch bracht' er'S nicht aus der Kehle. Aber Bescheid gab er dennoch, wenn schon nicht den höflichsten. Wenn der Deutsche brummig ist und grob sein will, so hat er hundert Redensarten, womit er, ohne es zu sagen, immerdar ausdrückt, was ungesagt verstanden wird. Der Wächter nahm das Ding krumm. »Hall!" schrie er mit gefälltem Spieß und rief nach dem Gefreiten. Bald darauf stand Jsbrand in der Wachstube vor dem Offizier. Der junge Kriegsmann schaute nicht gar zu leutselig drein; aus dem hagern, bleichen Antlitz blitzten ein paar grimmige Augen, Len höhnisch nietergezogenen Mund überschattete ein schmaler Schnurrbart, schief saß der Hut auf dem reichen Haar. Ein gewaltiger Bierkrug und ein Branntweinkännchen standen schwerlich bloß zur Zierde auf dem Tisch, woran gelehnt der regierende Herr Lieutenant seine Pfeife schmauchte, den Ellenbogen aufgestemmt, die Beine lang ausgestreckt. «WaS ist mit dem Schuft?« fragte der Offizier. — «Ich bin kein Schuft,« versetzte Jsbrand, «sondern ein BürgerSsvhn von Coeverden. Hier meine Kundschaft.« — »Was frag' ich nach dem Wisch?« sagte der Offizier; «tu hast die Achtung gegen seine hochfürstliche Gnaden von Münster aus den Augen gesetzt.« — «Das Hab' ich nicht« — -«Du wagst zu läugnen? Du unterstehst dich zu widersprechen?« — «Ich rede nur die Wahrheit. Auf groben Klotz ein grober Keil, das ist des Zimmermanns Art « — «Schönen Dank für die Auskunft, guter Freund; zum Lohn sollst Lu nun auch des Soldaten Art kennen lernen. Ich meine, Lu wirst das Ding so geschwind nicht ver- geffen ... Auf die Bank mit dem Burschen!« Thränen des Schmerzes und der Schaam in den Augen 36K tiefen Grimm im Herzen, Racheplane in Gedanken, schlich der Mißhandelte seinem Hause zu. "Der Empfang war übel,« sprach JSbrand zu sich selber; -der Himmel gebe, daß nichts Schlimmeres Nachkomme. O goldenes Niederlanb, es ist weit gekommen mit der Freiheit in Ober-Mel, wenn der Kriegsknechl uns durchprügeln darf wie arme Hunte! Doch lass ich's nicht Labei, so wahr ich zu Coeverben daheim bin! Mein erster Gang soll zum Befehlshaber sein, und der muß mir Genugthuung schaffen, wenn es noch Recht und Gerechtigkeit in der Welt glbt.-- Das Stadthaus war ein gewaltiger Bau, gleichsam eine Welt für sich. Das Vordergebäude gegen den Markt hinaus und die Seitenflügel im großen Hof enthielten Gelasse für die Versammlungen der Bürgerschaft, für die Sitzungen des Ralhes und der Zünfte, nebst Kanzleien, Niederlagen und Gefängnissen; im Hinterhaus am zweiten kleineren Hof war die Stadtschule zu finden. Für den Augenblick halten diese Räumlichkeiten ihre Bestimmung gänzlich verändert. Die Halle im Erdgeschoß und die anstoßenden Gemächer dienten als Hauptwache, das erste Stock- werk bewohnte der Befehlshaber mit Weib und Kindern, im übrigen lag alles voll von Offizieren und Gemeinen. Auch der Küster und'Schulmeister im Hinterhaus, Meister Meyndert van Thynen, Halle Schulstube und Wohnung hsrgeben müssen, so daß er mit seinem ganzen Hausstand sich auf ein Oberstübchen beschränkt sah. Selbiger Hausstand war indessen nicht stark; er bestand aus einer einzigen Tochter, einer rührigen Dirne, deren Finger und Zehen noch überflüssig ausreichten, ihre Lebensjahre davon abzuzählen. Eine ächt niederdeutsche Schönheit, weiß und rolh wie Milch und Blut, von Formen drall und prall, stand Miekje fest auf breiten Sohlen, lieber der klaren Stirn gescheitelt, zog sich gvlcroth das Haar an den Schläfen hin; die großen blauen Augen srrühten feuriges Leben, als wären sie schwarz. Sv trägt der edle Stein aus Westindien die Farbe des Meeres mit dem Abglanz der Sonne. Mit falbem Schein lugte der Herbstmvrgen durch die sechseckigen Scheiben ins Oberstübchen, dessen Bewohner sich längst schon vom Slrvhsack erhoben hatten. Jedes von Beiden lag einer Beschäftigung ob, wobei es Niemand so leicht gesucht hätte. Miekje, fröhlich wie im Lenz die frühe Lerche, trällerte ein Liedchen und begleitete sich dazu weder auf der Laute noch auf dem Hackbrett; eine Trommel war's, eine ächte und gerechte Soldaten- trvmmel, worauf sie mit zwei Klöpfeln herumschlug; doch hatte sie, um den Ton zu dämpfen, ein Stück Tuch auf das Kalbfell gebreitet. Der Küster seinerseits saß beim Fenster, vor sich ein Reißbrett, statt sonstiger Schreiberei; der Grundriß einer Festung war es, den er mit Reißschiene, Zirkel, Winkelmaß und Reißfeder sauber auszeichnele. Draußen klopfte es au die Thür. Verdrießlich lehnte Meyndert das Reißbrett umgekehrt an die Wand, während Miekje den Riegel zurückschob. Sie war nicht unwirsch, weil sie den Klopfer gleich errieth. Bernd trat ein, der kleine Trommler, ein allerliebster Bube von etwa zwölf Jahren, mit einem Mädchengesicht. Er ließ sich von Miekje Herzen und küssen und setzte sich dann auf einen Schemel mitten in s Zimmer. Miekje begann auf des Knaben Haupt den wahrhaft mädchenhaften Reichthum üppiger Locken zu strählen und aufzubinden, wie sie alle Morgen that Bernd sagte zum Küster: „Meister, wie Schade, daß Euer Kind kein Junge geworden." — „So denk' ich zuweilen auch," cnt- ') Mietjc: Marie. gegnete Meyndert; „dennoch ist mir'i lieber, wie's ist. Ein Knabe war' schon über alle Berge." — „Die Jungfer werdet Ihr auch nicht bis zu Winterpfingsten behalten," meinte altklug der Bube; „aber wir Beide hätten ganz gut zusammengepaßt." — Meyndert lachte. „Sie hat schon etwas Rechtschaffenes von dir gelernt," sagte er, „und ich wette, sie trommelt dir auf der Stelle jeden Marsch, den sie nur einmal vörnommen." - Bernd warf sich in die Brust. „Freilich," betheuerte er, „ich darf stolz sein auf solche Schülerin." Miekjes blaue Augen funkelten und blitzten. „Kein herrlicherer Ton als Trommelschlag!" rief sie; „dem Wirbeln und Raffeln lauscht begehrlich das Ohr, neigt sich das Herz. Wär' ich ein Knabe, wie wollt' ich munter im dichtesten Kugelhagel die Trommel rühren, hinter mir die tapfern Grenadiere. Dann wäre Bernd mein Zeltgenvß und..." — Urplötzlich verstummend, neigte sie das erröthende Antlitz tief auf ihrer Hände Werk nieder, als wäre sie unversehens kurzsichtig geworden. Der Vater halte dessen kaum Acht, sondern brummte vor sich hin: „Mein Junge würde den hochmögenden Staaten dienen." Der Trommler jedoch, ein durchtriebener Schelm, flüsterte ergänzend: „Und mein Lieutenant wäre dein Hauptmann, wenn er'S nicht schon ist." Des Schwätzers Mund verschloß eine weiße Hand. Seinen Einfall belohnte ein Lächeln, dessen Freundlichkeit der strenge Blick aus dem Augenpaar nur um so offenbarer machte. Mit dem Zürnen war'S der Jungfer eben nicht Ernst. (Fortsetzung folgt.) Nie Kessler'sche Maschinenfabrik in Karlsruhe hat kürzlich auf die badische Staatseisenbahn ihre hundertste Lokomotive abgeliefert, welche von der Bahndirektion den Namen Emil Keßler erhielt. Bei dieser Gelegenheit wird cs nicht ohne Interesse sein, über den Beginn, seitherigen Fortgang und gegenwärtigen Stand dieses großartigen Etablissements einiges Nähere zu vernehmen. Die Fabrik begann im Winter 1836 mit einige» wenigen Arbeitern, und beschäftigte sich bis zum Jahr 1841 mit Anfertigung von mathematischen Instrumenten, Apparaten und kleinen Maschinen für die Privatintusirie, so wie mit Werkzeugen und Maschinen für den im Jahr 1840 beginnenden badischen Eisenbahnbau. Im Frühjahr 1841 wurde die erste Lokomotive, Badenia. zu baue» angefangen, und am 1. Januar 1842 fand I die erste Probe damit statt, welche so gut ausfiel, daß die badische , Eilenbahn dem Etablissement sogleich eine weitere Bestellung aut l Lokomotiven, Waggons zum Gütertransport, Drehscheiben und sonstige Elsenbahnemrichtungen erweckte. Im Ganzen sind seit 1842 aus diesem Etablissement für ungefähr 4,800,000 fl. Arbeiten . hervorgegangen. In Bestellung sind im Augenblicke für die Eisen- , bahnen in Italien, Oesterreich. Bayern, Frankfurt, die beide« Hessen, Sachsen, Hannover, Rheinpreuße», Westphalen gegen , 80 Lokomotiven. Oie Anzahl der zur Zeit beschäftigten Arbeiter ist an 900, wovon mindestens Vg aus dem badischen Lande selbst und in der Nähe ansäßig sind. Die täglichen Löhne der Arbeiter i übersteigen die Summe von 1000 fl. Von welchem vortheilhafken > Einfluß dies auf die Gewerbe von Karlsruhe und der Umgegend t ist, hebt sich von selbst hervor. — Das Etablissement, welches 1 Hr. Keßler in Eßlingen gründete, ist nun seit einigen Monaten " ebenfalls vollständig eingerichtet, und zu Ende Septembers wurde bereits die erste .ganz darin angefertigte Lokomotive abgeliefert. Z 367 In dem Eßlinger Etablissement sind über 500 Arbeiter beschäftigt. Rechnet man aber beide Anstalten, die ja doch unter der alleinigen Leitung des Hrn. Keßler stehen, zusammen, so ergibt sich eine Arbeiterzahk von 1400, mit einer jährlichen Produktions- fähigkeit an Maschinen im Werthe von nahe an 2^ Millionen Gulden und einem Aufwande von mindestens 600,000 fl. für Arbeitslöhne. — Es ist ries wieder ein Beispiel, an dem sich recht anschaulich der Werth eines geeigneten Zvllschutzes zeigt. Nie wäre es möglich gewesen, solche großartige Etablissements in's Leben zu rufen, wenn nicht ein wirksamer Zollschutz für die Maschinen zum Eisenbahnbetrieb vorhanden wäre. Auch widerlegt sich an demselben Beispiele die noch zuweilen vorgebrachte Behauptung, daß ein schützender Zoll auf Verteuerung hinwirke und deshalb zum Nachtheil der Konsumenten oder Käufer ausschlage ; vielmehr ersieht man aus den oben angeführten That- sachcn, daß das hiesige Etablissement im Stande ist, auch nach Ländern außerhalb des Zollverbandes (Italien, Oesterreich, Hannover) Lokomotiven zu liefern, also in offene Konkurrenz mit den englischen Fabriken zu treten. Der Zollschutz ist demnach keineswegs eine Belastung für das Inland, sondern er ist da, um der inländischen Industrie Zeit zu geben, stark zu werden. So sind denn auch keineswegs durch die deutschen Lokomotivfabriken die Lokomotiven für Deutschland theurer geworden; wohl aber würden, wenn nicht eine deutsche Fabrikation da wäre, die englischen Fabriken, bei der starken Nachfrage in den letzten Jahren, uns den Preis nach Belieben in die Höhe gestellt haben. Die Erfahrung ist ein unwiderlegbares Argument; — warum sollte man nun, Angesichts dieser und ähnlicher Erfahrungen, nicht auch die andern Industriezweige durch gleichen Zollschutz zu heben bedacht sein. (Karlsr. Z.) Äus der Zeit. — Karlsruhe, 30. Okt. Wie bereits berichtet, hatten sich bei der kürzlich erfolgten Rückkehr I. Z. K. K.,H. H. des Großherzogs und der Grvßherzogin in einem der Säle des Schlosses eine große Anzahl Frauen versammelt, um I. K. H. der Großherzogin den Ausdruck ihrer freudigen Gefühle darzu- bringen. Wir glauben ergänzend nachtragen zu müssen, daß, außer mehreren Mitgliedern des Frauenvereins, insbesondere auch dem Verein nicht angehörende Frauen von Bürgern aus dem Handels- und Gewerbestande es waren, welche ihrer edlen Für- siin in dieser Weise die innigste Verehrung auszudrücken wünschten. — Mainz. 28. Okt. Der jetzige Wasserstand des Rheins ist so niedrig, daß man hier eben beschäftigt ist, an den Pfeilern der früheren römischen Brücke so viel als möglich abzuschlagen, zu welchem Behufe ein Floß mit mehreren Nachen seit einigen Tagen an dieser Stelle vor Anker liegt. Die Oampfbovte haben eine sehr schwierige Fahrt dieses kleinen Wasser- wegen. — Berlin, 26. Okt. Gestern trat hier ein Cvngreß von jüdischen Nefvrmfreunden aus den verschiedensten Gauen Deutschlands zusammen, um Prinzipien für fernere Reform des Iuden- thumS festzusehen. ES haben sich bis jetzt zu demselben achtzehn Personen eingefunden, welche meistens kleinere oder größere Genossenschaften vertreten. — Kassel, 26. Okt. Die Ständeversammlung ist nun vier Wochen beisammen, und man muß gestehen, daß sie eine ziemliche Thätigkeit entwickelt hat. In nächster Sitzung steht die Pro- positivn der Staatsregierung zur Erhöhung der Gehalte dör Offiziere oben an der Tagesordnung und man sieht mit ziemlicher Spannung den Entschließungen der Ständeversammlung entgegen. — Wien, 24. Okt. Von Seite der Hvfkammer ist bei Sr. Maj. dem Kaiser der Antrag gestellt worden, den Israeliten gleich allen übrigen Staatsbürgern den Betrieb des Bergbaues zu gestatten und alle gesetzlichen Beschränkungen in dieser Hinsicht völlig aufzuheben, was jedenfalls von wichtigen Folgen sein würde. Bis jetzt sind die Juden in Oesterreich vom Betrieb des Bergbaues gänzlich ausgeschlossen und in Ungarn geht die Beschränkung so weit, Laß sie sieben Meilen entfernt von jedem Bergwerk wohne» müssen. — Schweiz. In der letzten Sitzung der Tagsatzung gab der eidgenössische Kanzler, Hr. Amrhyn aus Luzern, die Erklärung ad: er könne es mit seinem Gewissen nicht vereinigen, einen Erekutionsbeschluß der Tagsatzung gegen seinen Heimaths- kanton zu unterzeichnen, und lege daher sein Amt nieder. Da dieser Schritt gänzlich unerwartet kam, so verfehlte er auch nicht einen großen Eindruck hervorzubringen. — Bayern, Württemberg und Baden werden an der Cernirung der Schweiz keinen Theil nehmen, so viel auch Andeutungen und Vermuthungen darüber in diesem Augenblick in den Blättern laut werden. Sind wir recht unterrichtet, so liegen darüber bestimmte Erklärungen vor. Frankreich ist, so gut wie Rußland und Preußen', mit Oesterreich einverstanden. (A. Z.) — In Bern hegt man wieder einige Hoffnung auf Erhaltung des Friedens, indem seit einigen Tagen Privatkonferenzen zwischen den Gesandten des Sonderbundes und der Mehrheitskantone stattfinden. — Paris, 26. Okt. Ein Abgesandter des Svnderbundes soll vor einigen Tagen in Paris gewesen und von hier nach Wien abgegangen sein. Auf der Kanzlei des Ministeriums des Auswärtigen wird Tag und Nacht gearbeitet. — Einige Blätter behaupten, in der nächsten Kammersitzung werde die Regierung die Aufhebung des Derbannungsdekrets gegen die bvnapartesche Familie beantragen. — London, 25. Okt. Oie Bank von England hat heute den Minimumsatz des Diskontos für Wechsel, welche nicht länger als 94 Tage zu laufen haben: auf acht Procent erhöht. — Madrid, 21. Okt. Es heißt, General Narvaez habe einen sehr freundlichen Brief an Espartero geschrieben und ihm die Gesandtenstelle in London angebvten. Ueberhaupt scheint eine Annäherung der siegreichen Parthei an die Progresststen angebahnt zu werden. — Konstantinopel. 13. Okt. Die Pforte scheint noch immer ihren Besihtitel auf Algier geltend machen zu wollen. — Zwei griechische Schiffe Hallen hier Ladung eingenommen, die nach Algier bestimmt war- Als die Pforte um den zur Fahrt nvthigen Ferman ersucht wurde, verweigerte sie diesen, indem sie die Fahrt von hier nach Algier für (zur Zeit den griechischen Schiffen untersagte) Küstenfahrt erklärte, aus einem türkischen Hafen in den ankern. Der französische Gesandte nahm sich sogleich eifrig der Sache an und xrvtestirke gegen diese Erklärung der Pforte, als sei Algier noch türkisches Besitzthum. Die Pforte blieb aber hartnäckig bei der gegebenen Erklärung und verweigerte den Ferman, so daß die beiden Schiffe endlich genöthigt waren, um weiter zu kommen, ihre Ladung nach Malta konsig- niren zu lassen. — Aus New-Uvrk ist die Nachricht eingetrrffen, daß die Amerikaner, nach einer blutigen Schlacht vor Len Thoren von 368 Mexiko und einem darauf folgenden schrecklichen Bombardement dieser Stadt, am 15. oder 16. Sept. sich nicht ohne schwere Verluste derselben bemächtigt haben. Die Zahl der Todten ist auf beiden Seiten sehr stark. Verschiedenes. — Neger-Sänger. Fünf Nordamerikaner, die sich Neger- Sänger nennen, sind zu uns herübergekommen, um am Rheine Lieder zu singen aus den fernen Urwäldern und Pflanzungen *> ihrer Heimath. Diese Sängergesellschaft hat sich bei ihrem langen Aufenthalte in den Negerstaaten Nordamerikas mit den Gesängen, Tänzen, Pantomimen und Sitten der dortigen schwarzen Bevölkerung innig vertraut gemacht. In England, wo sie bereits seit zwei Jahren in allen großen Städten sich hören ließen, ganz besonders aber in London, haben sie Furore gemacht und dreimal vor der Königin gesungen. Von England aus besuchten sie zuerst Holland, wo sie während fünf Monaten 120 Abendvorstellungen bei stets gefüllten Häusern und unter großem Beifalle gegeben, so wie auch zweimal bei Hofe gesungen haben. In Deutschlanv angelangl, sind sie in Elberfeld bereits ausgetreten uns werden noch im Laufe dieser Woche in Köln eintreffen. — Das Trauerspiel von der Flasche. Der Karrika- turzeichner George Cruikshank, dessen politische Zerrbilder und geistreiche Illustrationen der humoristischen Werke von Dickens, Hood u. A. ihm auch auf dem Kontinent einen nicht unverdienten Ruf erworben haben, ist neulich mit einer Reihe von Skizzen hervorgetreten, die in manchen Stücken von seiner bisherigen Manier abweichen und sich mehr der Hogarl'schen dramatisch, moralisirenden Weise nähern. Sie stellen zwar alltägliche, aber darum nicht minder tragische Scenen dar; ihr Thema ist ein bürgerliches Trauerspiel, das mit geringen Abweichungen überall gespielt worden ist und noch gespielt w rd, wo man jenen Feuergeist verehrt, der auch im Schoße des ersten preußischen Landtags seine Vertheidiger gefunden — den Pater Mathew und Professor Kranichfeld umsonst zu bannen suchen, und dem ein erfinderischer leatolalle,- den Namen --König Alkohol-- gegeben hat. ES ist die Geschichte von der Flasche, die hier in acht graphischen Blättern erzählt wird; die handelnden Personen sind ein englischer Arbeiter und seine Familie. Auf dem ersten Blatte, das für den ersten Akt oder die Exposition teS Drama'S gelten kann, wirb die liaisvn äsnzerense mit der Flasche angeknüpft, indem der Mann seine Frau verleitet, ein Schlückchen daraus zu nehmen — also das Umgekehrte vom Sündenfall. Die Folgen stellen sich schon auf dem zweiten Blatte heraus: der Mann wird «Sn seinem Brodherrn wegen Trunkenheit verabschiedet, und auf dem dritten wird er von seinen Gläubigern ausgepfändet, weiß sich aber in diesem Unglück noch immer nnt der Flasche zu trösten. Der vierte Akt stellt die Familie vor, wie sie, an den Bettelstab gebracht, durch die Straßen wandert; im fünften stirbt das jüngste Kind vor Hunger und Kälte, während die Flasche noch immer dazu dient, Len Schmerz der Eltern zu betäuben. Das sechste Blatt zeigt die häuslichen Zwistigkeiten und heftigen Ausbrüche der Leidenschaft, die aus dem zu häufigen Gebrauch der Flasche entstehen — sie führen im siebenten zur Ermordung der Frau durch ihren Mann, der sie mit dem verhängnißvollen Werkzeuge ihres Elends erschlägt. In der achten und letzten Scene endlich hat die Flasche ihre Aufgabe vollbracht; sie hat LaS Kind und seine Mutter umgebracht, den Sohn und die Tochter dem Laster und dem Verbrechen überliefert und den Vater zum Bewohner eines Irrenhauses herabgewürdigt. — Dies ist das furchtbare Drama, welches Cruikshank in seinen Bildern versinnlicht, die für den höchst billigen Preis von einem Shilling (10 Sgr.) für die ganze Serie verkauft werden und die vielleicht geeignet sind, einen größeren und nachhaltigeren Eindruck auf die jenem Laster am meisten preisgegebenen Dolksklaffen hervorzubringen, als alle fromme Traktätlein und salbungsvollen Tiraden gegen die --Branntwein- Vergiftung. -- — Das große Normalkrankenhaus (Bethania) in Berlin. Berliner Blätter enthalten folgende nähere Beschrei- bung dieses Krankenhauses, welches das Mutterhaus des Schwanenordens werden soll und zur Ausbildung der Krankenpflegerinnen bestimmt ist. Für dasselbe haben die Stadtbehörden, neben den vom König dotirten 100 Betten, ursprünglich 50 Betten dotirt (das ganze Haus ist für 350 Betten bestimmt), diese Schenkung aber bis jetzt noch nicht ausgeführt, weil die Stadt- behörden eine eigene Aufstcht über die von ihnen zugesandten Kranken führen wollten, was aber die Oberin des Hauses (Frl. v. Rantzau) nicht zugeben mochte. Das Haus liegt im Köpnicker Felde so, daß Las Ebenmaß zum Vortheile der Kranken aufgegeben ist. Eine Auffahrt führt in das durch zwei Thürme geschmückte Gebäude, das neben dem Hauptgebäude zwei Seitenflügel hat, und zuerst in einen prächtigen Vorsaal mit künstlerischen Reliefs. Es ist durch eine Flur des Erdgeschosses von einer Halle getrennt, welche den Wiedergenesenen zur Erholung dient. Oberhalb der Halle liegt die Kirche, zu welcher man aus allen Geschossen des Hauses gelangen kann; sie ist im Basilikenstyl gebaut, fast gegen 500 Personen und ist angemessen und schön, namentlich auch durch ein Freskobild von Herrmann auS München, ausgestattet. Vorsaal, Halle und Kirche werden durch Wafferheizung erwärmt. In dem Erdgeschoß befinden sich die Räume für die Verwaltung, wie für Ausbildung der Pflegerinnen, die Apotheke (in welcher durch eine Frau dispensirt wird; die Medikamente selbst liefert die Hofapotheke), eine Schule, Küche. Waschhaus u. s. w; in den beiden Stockwerken sind die Säle für innere und äußere Kranke, und hier wieder Männer und Frauen geschieden. Die Krankensäle sind für 10 und 5 Betten eingerichtet; es gibt auch Zimmer für Einzelne gegen Bezahlung. Die innere Einrichtung der Zimmer ist in jeder Beziehung musterhaft. Die Heizung geschieht hier durch luftdicht verschlossene Kachelöfen, die Ventilationsvvr- richtungen sind trefflich, und für Luftein- und Ausströmung ist auf das Zweckmäßigste gesorgt. Mittelst einer im Untergeschoß befindlichen Dampfmaschine kann jeder Kranke vermöge eines Hahnen zu jeder Zeit frisches Wasier haben. Zwischen je zwei Krankensälen, deren es im Ganzen 40 gibt, alle der Sommer- seite zugekehrt, ist ein Zimmer für zwei Krankenpflegerinnen, Licht neben jedem Krankensaal ein Water-Closet, und zu je yier Krankenzimmern gehört eine Wärmküche für die Bereitung der Kataplasmen u. s. w. Durch Wasserleitungen wird nicht nur das ganze Haus erwärmt, sondern auch Wasser nach der Küche in die Kessel behufs der schnellen Bereitung der Speisen und in die Badzimmer geführt. An die Küche stoßen die Vorrathskammern, der Wein- und Werkelter, weiterhin die Wasch-, Plätt- und Trvckenräume, Alles sehr sinnig angelegt. Das Ganze ist mit Gas beleuchtet. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr- Müller'schen Hofbuchhandlung.