Karlsruher Beobachter. Nr. NE». Sonntag den 28. November 1847 . * Der Verein zur Rettung sittlich- verwahrloster Kinder. Mit innigster Wehmuth lese ich soeben in Nr. 323 der Karlsruher Zeitung die Erklärung des Vorstandes obige» Vereines, daß von dem „größeren oder geringeren Ertrage der bevorstehenden Kirchencollekte" (1. Advent) das Wohl oder Wehe des Vereines, die Fortsetzung oder theilwcise Einstellung seiner Wirksamkeit abhängt. Ueber- zeugt, daß es bei einer so großen Sache, der Mensch eure ttung, nicht auf den Namen des Rufenden ankomme, kann ich mich darum nicht enthalten, zunächst allen, welche diese Zeilen lesen, aus der Tiefe meiner Seele zuzurusen, daß sie der Stimme des Mitleids, das sich «uch bei ihnen auf fene Erklärung hin regte, Gehör geben, und nicht im lauten Strudel des Tages sie wieder vergessen möchten! Wer das Leben mit nur ei- uigem Verständniß ansieht, dem ist es klar, daß der Zweck eines solchen Vereines nicht blvs den einzelnen Unglücklichen zu Gut kommt, welche er zur Erziehung aufnimmt, sondern daß ebenso und noch vielmehr die Gesammtheit Aller, welche jene Unglücklichen in ihrer Mitte hat, durch einen solchen Verein gewinnt. Wer aber glauben möchte, daß die vorhandenen oder »och zu errichtenden „Waisenhäuser" einen Verein wie den obigen gar unnöthig machen, den mögen die Nachweisungen belehren, wieviel Kinder er bereits übernommen, und wie viele von allen Seiten her, ihm, wenn eS die Mittel erlaubten, gerne übergeben würden, sowie die ganz allgemeine Betrachtung, daß daS „Waisenhaus" nur für elternlose Waisen, dieser Verein aber auch für solche bestimmt ist, welche oft trotz ihrer Eltern, oder gerade durch diese und die schlechten Verhältnisse, in denen sie leben, körperlich und geistig verwaist, d. h. verwahrlost sind! ^ Die Zeit ist schwer, und die Noth allgemein; aber , gerade weil diese letztere so allgemein, geht auch ei» lebendigeres Mitgefühl durch die Menschheit! Dieses Mitgefühl kann einen Verein, wie den obigen, nicht verkümmern, kann ihn nicht mitleidlos zu Grund gehen lassen! Er ist gegründet worden aus reiner, hingebender Liebe: diese Liebe wird ihn halten, diese Liebe wird ihn schützen und pflegen! Sie wird ihn auch dann in ihren treuen Schutz nehmen, und dann umsomehr, wann die Hand dessen, der ihn zuerst gegründet, vor der Last anderer Sorgen sich zurückgezogen. Es geht dieses Gerücht; es wird so bestimmt versichert, daß wir es glauben müssen; aber wen» es wahr ist, dann wüßte ich auch diesen meinen Ruf an mitfühlende Herze» nicht besser zu schließen, als indem ich sie auffordere, durch fetzige und künftige kräftige Unterstützung dieses Vereines das lebendige Denkmal des Mannes erhalten zu helfen, der ihn, unterstützt von andern Ehrenmännern, im Lauf von zehn Jahren zum Segen unseres ganzen engeren Vaterlandes, von dem unscheinbarsten Keime an bis zn seiner fetzigen Entfaltung mit wahrer Vaterlkcbe gehegt und gepflegt hat! Dieser Mann weilt mitten unter unS; ich brauche ihn nicht zu nennen! Schließlich noch ein Wort! Da nicht alle, welche den Verein zu unterstützen gedenken, die Kirchen besuchen, und also auch nicht ihre Gabe der dort zu erhebenden Collekte können zufließen lassen, so meine ich, eS sollten diese, — deren es nicht wenige sind, — entweder an einem beliebig zu wählenden Orte dieselben niederlegcn, oder, was vielleicht besser wäre, dem ohnedies von ihnen beabsichtigten „Weihnachtsgeschenk" mit der Bezeichnung „statt der Kirchencollekte" beifügen. Karlsruhe hat den Verein bisher so kräftig unterstützt, — eS wird fetzt, wo die Mittel desselben durch die vorgenommenen nothweudigen Bauten so sehr geschwächt sind, eS wird fetzt mit verdoppelter Kraft, und wenn's den Einzelnen auch ein Opfer kostete — ihm zu Hülfe kommen! — Geben ist seliger, denn Nehmen! Karlsruhe, 26. November 1847. Ein Freund der leidenden Menschheit. 398 Turner-Gruss. Gesprochen auf dem von den Mitgliedern des Carlsruher allgemeinen Turnvereins in dem Locale der Gesellschaft Eintracht veranstalteten Turnerball, am 25. November 1847. Ein freudiger „Willkommen!" Allen, Ans aller Turner froher Brust, Die Ihr in diese Festes-Hallen Gekommen seid zu heitrer Lust! Bor Allen aber seid Ihr Frauen, Ihr Mädchen tausendmal gegrüßt, Die Zhr von freundlichem Vertraue» I» unser» Kreis Euch führen ließt! — Und wenn ich nun zu diesem Gruße Verlangend füg' das eig'ne Wort, Gewähret der bescheidnen Muse Ein freundlich Ohr an diesem Ort; Vergönnt, daß sie im flücht'gen Liede Des Turners Streben Euch besingt, Und in den Reim, wie eine Blüthe, Den schonen Sinn des Festes schlingt: Ein neuer Geist drang durch die Gauen, Der Freiheit milder Sonnenschein Beginnt die Herzen aufzuthauen, Ein neuer Frühling bricht herein! Doch nicht mit Stürmen und mit Wettern, Mit Blitzen nicht und Regenfluth, Die schon im Keim die Saat zerschmettern, Die in der jungen Erde ruht: Nein! Gott ist mit den deutschen Stämmen, Die sich im Unglück treu bewahrst, Er wird des Schicksals Blitzstrahl hemmen, Der auf die Völker nirderfährt; Er will uns eine» Frühling geben Von Knospen und von Blüthen voll, Doch — der auch jeden Arm erheben, Zu edler Arbeit drängen soll! Seht! wie sie sich zusammcnschaaren, Zn'Ost und West, in Nord und Süd, Auf daß in Tage« der Gefahren Der Herr sei» Volk gerüstet sieht! Denn S'ist nicht leicht, den Feuerschlünden Mit achtem Muth entgegengehn, Wenn hier nicht Etwas wir empfinden, Das Tod und Grab mag übersieh». Seht ihr, wie Alle muthig ringen, So — hoch auf Thronen, wie im Land? Hört ihr das stolze Lied erklingen Vom großen deutschen Vaterland? Das ifi'S, wornach sic Alle streben, Was leuchtend vor den Augen steht, DaS ist das frische, neue Leben, Das durch die deutschen Gauen weht! Auch wir, die oft, gleich wilden Zunge», Die Kräfte üben wie im Spiel, Wir sind von diesem Hauch durchdrungen, Begeistert für das hehre Ziel. Doch muß im Kleinen, wie im Großen, Eintracht daS heil'ge Banner sein. Um das die Kleinen, wie die Großen, Sich wie um'S höchste Kleinod reth'nl Darum ward dieser Bund geschloffen, Wo Kraft gedeiht und Mannesmuth, Wo Zeder achtet den Genoffen, Zst er nur treu und brav und gut; Da scheidet keine Glaubensschranke, Und Keiner fragt, ob arm, ob reich: Uns All' beseelt nur ein Gedanke, Der macht uns Alle, Alle, gleich! So fügen wir zum großen Dome Der deutschen Eintracht unfern Stein; . Mög' er, mit jenem dort am Strome, Zu Deutschlands Heil und Ruhm gedeih»! Doch — wenn einst die Drommeten tönen Zum großen, heil'gen Völkerstrcit, Dann sind von Dentschland'S treuen Söhnen Die Ersten wir zum Kampf bereit! — Doch nicht die Kraft allein, die wilde, Die auf den Feind vernichtend prallt, Der Turner ehret auch die Milde Und feiner Sitte Allgewalt. Wen» Muth und Stärke seine Horte, Und wenn der Turner frisch und frei, So künden seines Wahlspruchs Worte, Daß er auch fromm und fröhlich'sei. Er hält für seine schönste Zierde Genügsamkeit und Mäßigkeit, Und Gottesfurcht und ManneSwürde, Auch wann er sich der Lebens freut. Er pfleget alle edlen Triebe, Er glüht für Wissenschaft, für Kunst, Sein Höchstes aber ist die Liebe, Ist edler, deutscher Frauen Gunst! — Das ist des Turners hehres Trachten! Der nicht zu diesem Glauben schwört, Verdient nicht Lieb', gewinnt nicht Schlachten, Ist nicht des stolzen Namens werth! Das ist in einem flücht'gen Bilde Was uns das heut'ge Fest enthüllt, Das Manneskraft unv Frauenmilde Vereinigt zeigt im schönen Bild. Und nun mög' noch Euch Allen, Allen, Die dieser Räume Glanz umschließt, Ein Willkommgruß entgegenschalle», Ja! seid uns nochmals laut gegrüßt! Zhr Brüder aber hebt die Rechte, Stimmt an ein tönendes „Gut Heil!" Zn das sich Gruß und Dank verflechte: Ein lautes donnerndes „Gut Heil!" Oer Schulmeister von Loevcr-en. (Fortsetzung.) Zn selbiger Nacht hatte Resing den Dienst auf der Haupt- wache- Nach dem Münster'schen Herkommen, alles zu Unrechter Zeit zu thun, hätte er eigentlich schlafen muffen, da er wachen sollte, weil er sonst zur Schlafenszeit so gerne wach blieb- Doch hatten ein paar flotte Brüder sich bei ihm eingestellt, und ein Mittel gebracht, das sicherer allen Schlummer verscheuchte, als der arabischen Bohne dunkler Trank, nämlich Könige und Buben in Eichel, Herzen, Grün und Schellen- Die Nacht war unter Spielen und Zechen vergangen, und als der Lärm des Ueberfalls lvsging, befanden sich die drei schon in einem hv,-.., Grao^ cer Trunkenheit; mit verglasten Augen wußten sie kaum mehr das Schellendauß vom großen Wenzel in Grün, den Herzkönig vom Eichelunter zu unterscheiden. Aufhorchend warfen die drei ihre Karten aus der Hand. »Was ist'-?-- lallte Münchhausen, der Cvrnet, kaum der Zunge mehr mächtig. „Narr," antwortete Vietenhes, der Fähnrich, »der Herr von Mooy läßt ein Bischen Umschlagen, um uns auf die Probe zu stellen." — „Davon müßt ich auch wissen," sagte Resing mit des Rausches kindischer Att- klugheit; „ich will euch ein Licht aufstecken, um eure verfinsterte Einsicht möglichst aufzuklären." Auf die eigene Stirn tippend, bemerkte der Fähnrich: „Da drinnen brennt's lichterloh, und wo's brennt, wird'- auch hell sein " — „Schaut, lieben Freunde," fuhr 39S der Lieutenant fort, „die Trommel bedeutet, daß ein armer Sünder soll, abgelhan werden. Sie wollen heut in aller Früh den Zimmermann henken, der ein so böses Maul führt und Ver- rätherei treibt." — Sich selbst unterbrechend, weil ein wunderlicher Einfall sich seines flackernden Gehirns beineistert, rief Reling nach dem Unteroffizier und befahl den Gefangenen herbei- zubringen. Isbrand saß in Ketten und Banden auf der Hauptwache. Oer falsche Lärm in der Nacht zuvor hatte ihn mit freudiger Hoffnung auf ras Nahen der Befreier erfüllt; was er jetzt vernahm, klang ihm wie Hohn und Täuschung und vermehrte nur seine Niedergeschlagenheit, die ihn schier bis zu blödfinniger Gleichgültigkeit herabstimmte. So erhob er sich denn ganz gelassen und meinte nicht anders, als es ginge schnurstracks dem Galgen zu, da der Unteroffizier ihn zu hole» kam. Kaum bemerkte er die übernächtigen Gesichter der drei Zecher, und gleichgültig ließ ihn im Anbeginn die Anrede Resings, der, ihm beide Hände auf die Schullern stemmend, sprach: „Armer Tropf, wie lang wird's währen, und du zappelst hoch in der Lust? Schab' um deine jungen Tage! Doch da es nach diesem zeitlichen Leben noch ein ewiges gibt und wir die himmlischen Freuden nur mit achter Reue erkaufen, so will ich dir ein Geheimniß erschließen, ivodurch deine Reumülhigkeit zu wahrer Zerknirschung werden muß." Isbrand wurde aufmerksam, und zwar von Wort zu Wort mehr, da Refing mit manchem Umschweif seine ganze Liebesgeschichte mit Miekje preisgab. Vielleicht hatte der leichtfertige Soldat im Sinn, manchen Umstand zu entstellen, doch hingerissen von der Macht des gegvhrenen Trankes und einmal im Zuge, sprach er mit überzeugender Wahrhaftigkeit. Er berichtete alle die kleinen Künste, deren er sich bedient, des Mägdleins Herz zu tethören, wobei Isbrand sich des Gedankens nicht erwehren konnte,' daß Miekjes Schuld doch nicht so schwer sei; denn als er selbst von ihr gegangen, war sie ja noch beinahe ein Kind, und er zwar ihr Verlobter, doch kaum ihr Liebster zu heißen. Refing schloß lief beschämt mit dem Bekenntniß, daß alle seine Bemühung am Ende vergeblich geblieben, wofür ihn jedoch der Umstand tröste, daß Isbrand aus der Welt gehen müsse, bevor er Len Schatz gehoben. „Schau, armer Schelm, und darum mußt du sterben," fügte Refing mit überströmenden Augen hinzu; „aber für dein Seelenheil wird es sehr dienlich sein, daß tu erfährst, wie Unrecht du in deinem Herzen der Dirne gethan. Stirb also wie ein Christ, und drüben bitte für mich, daß nach deinem Ende sich noch füge, was mir bisher mißrieth. Die Bitte kannst Lu schon einlegen, denn dir geschieht ja kein Abbruch mehr." Den frevelnden Schluß der Rede überhörte Isbrand, so hatte ihn die vorangegangene Eröffnung ergriffen. Nicht minder überhörte er das wiehernde Gelächter der zwei andern Offiziere. Doch Mvoy erweckte ihn »ns dem Traum. Den blanken Degen in der Hand, trat der c Lberstlieutenant auf die Schwelle und rief mit starker Stimme: s "Auf, auf, ihr Herrn Kameraden! Der Feind klopft an's Thor!-- n - »Der Herr treibt den Scherz zu weit.» entgegneten lachend e die jungen Leute. — --Kein Scherz, bitterer Ernst, auf Chren- r wort!» fuhr jener fort. --Münchhausen, Bietenhof, mir nach! e Refing sammle seine Leute und vertheidige seinen Posten -- Mit i diesen Worten wandte er sich eilenden Schrittes davon. Der t Eornet und der Fähnrich, plötzlich nüchtern, stürzten ihm nach. (Schluß folgt.) Aus der Zeit. — Karlsruhe, 26. Nov. Weiter gewählt wurden für die Wahlbezirke: Wertheim: Schmitt, Negierungsrath in Mannheim. Tauberbischoffsheim: Hildebrand, HvfgerichtSrath in Bruchsal. Stadt Bruchsal: N o ck, Professor. Hornberg: Zentner, Oberhofgerichksralh in Mannheim. Müllheim: Blankenhorn-Krafft, Bürgermeister- Lörrach: Scheffelt, Altbürgermeister in Steinen. — Freiburg, 25. Nov- Bei der heute dahier stattgehabten Wahl eines Depulirten in die erste Kammer von Seite der Universität Freiburg, wurde Geh. Rath und Direktor des Wafferund Straßenbaues, Frhr. v. Marschall zu Karlsruhe, mit 25 von 28 Stimmen gewählt. (Oberrh. Z.) — München, 24. Nov- Am Schluffe der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde vom Ministerlische die Erklärung gegeben, daß die bayerische Regierung, wie sie auch schon bisher gethan, auf dem nächsten Zollkongreffe sich mit allen Intelligenzen des Landes umgeben werbe, daß sie die Nvthwendigkeit einer Revision des Zolltarifs anerkenne, und daß auch sie der Ansicht sei, es erheische die deutsche Nationalehre es dringend, daß der unwürdigen Behandlung deutscher Schiffe in fremden Häfen ein Ende gemacht werde. Ohnehin könne übrigens ja das Land von der auf dem Throne Bayerns waltenden deutschen Gesinnung unbedingt das Beste erwarten. — Berlin, 21. Nov- Der General v- Nadowitz ist wieder abgereist und begibt sich zunächst nach Wien- — Aus den meisten Provinzial-Haupt- und andern Städten unseres Königreichs gehen jetzt die erfreulichsten Berichte ein über die überall jetzt hergestellte Oeffentlichkeit der Stadtverordneten.Sitzungen, welche man allerwärts als ein den Fortschritt förderndes schönes Geschenk unseres Königs betrachtet. In diesem Sinne lauten darüber die Berichte auS Königsberg, Breslau, Bromberg, Mag.' deburg, Strasburg ic. — Kassel, 24. Nov. Die heutige Kasseler Zeitung enthält eine Kurfürstliche Verkündigung, das Hinscheiden Sr. K. Hoh. des Kurfürsten Wilhelm des I. und den Regierungsantritt Sr. K- Hoh- des Kurfürsten Friedrich Wilhelm des II. betreffend. — Ein Ausschreiben des Ministeriums des Innern verordnet die Trauer über das Hinscheiden Sr. Kön. Hoh. Alle"Musik (mit Ausnahme des Orgelspiels in den Kirchen), alle Lustbarkeiten, Tänze, Schauspiele Und andere öffentliche Vergnügungen sollen bei strenger Strafe bis auf weitere Verordnung im ganzen Lande unterbleiben. — (Aus Frankfurt geht vom 25. Nov- die Nachricht ein, daß der jetzige Kurfürst die Ansicht geltend mache, er sei nicht an die kurhessische Verfassung, die er als Mitregent handhabte, gebunden.) — Schweiz. Aarau, 24. Nov-, Abends 9. Uhr. Luzern hat sich am 24. Morgen- 10 Uhr den eidgenössischen Truppen auf Gnade und Ungnade ergeben. Abends zuvor wollten die Luzerner kapituliren; allein General Dufour lehnte jede Unterhandlung ab und so ist denn geschehen, was nicht zu vermeiden war. Der Uebergabe der Stadt sind mehrere bedeutende Gefechte, welche sehr blutig waren, vvrangegangen. — Den ziemlich allgemeine» Erwartungen' entgegen ist auf Luzerner Gebiet der eidgenössischen Armee ein ziemlich hartnäckiger und blutiger Widerstand geleistet worden. Di« Division Ochsenbein fand im Ent- libuch an einigen Stellen, und namentlich in Scbüpfheim, starken Widerstand. — Am 23. Roy. haben dir eidgenössischen Truppen 409 die Position bei Gislikon eingenommen. Dieser Sieg ist jedoch erst nach heißem Kampfe erffochten worden. Der Kampf begann in der Frühe nach 9 Uhr und dauerte bis gegen Anbruch der Nacht. Man schlug sich an verschiedenen Punkten. Die Brigade Jsler war dazu bestimmt, die Hohe von Küßnacht am Vierwaldstättersee zu erreichen und rückte zu diesem Zwecke im Zuger Kanton (wo die eidgenössischen Truppen auf keinen Widerstand .stießen, da die Schwyzer abgezogen waren), gegen Buonas und Meyerskappel, während die Brigade Ritter zu den Truppen der Division Zieglep stießen, gegen Honau und Gislckon (beide auf dem linken Ufer der Reuß) vordrang. Die erste Brigade stieß bei Meyerskappel, nahe der Zuger Gränze, auf den. Feind, der mit GebirgSmörsern versehen war, und warf ihn, wenn auch mit etwelchem Verluste, «ach ziemlich kurzer Zeit- Die andere Brigade stieß bei Honau auf hartnäckigen Widerstand, und es entspann sich hier ein langer und heißer Kampf- Eine Abtheilung sollte den mit Schanzen versehenen Rothenberg besetzen; indessen hielte» zwei Schwyzer Bataillone, die sich zwar bis auf den obersten Bergkamm (2920 Fuß über der Meeresfläche) hatten zurück- ziehen müssen, auf demselben Stand. Mittlerweile wurde von der andern Abtheilung, wobei die Artillerie wesentlich mitwirkte, die feste Position bei der Gislikoner Brücke nach verzweifelter Gegenwehr im Sturm genommen. Es sollen dann die eidgenössischen Truppen bis Roth vorgedrungen sein. Bei anbrechender Nacht stießen, die Neuß überschreitend, sieben Bataillone von der Division Ziegler zur Brigade Ritter- In Honau, Gislikon und auf dem Rvlhenerberg geriethen mehrere Häuser in Brand. — Die Verluste auf beiden Seiten sinv nicht unbedeutend, obwohl jetzt noch nicht zu ermitteln. Siebenzehn Wagen mit zum Theil sehr schwer Verwundeten sind hier durch nach dem Feldspital in Muri gebracht worden. Von den Tvdten schweigt man noch, doch seien es im Verhältniß nicht viele. Gleich im Anfang des Gefechts fiel, von einer Kanonenkugel getroffen, Hauptmann Büb, ein Luzerner Flüchtling, der, init den eidgenössischen Truppen ziehend, sich sein verlorenes Vaterland wieder zu gewinnen hoffte. General Salis soll selbst einen Streifschuß im Nacken erhalten haben, wenigstens sah man denselben mit verbundenem Kopfe. — Die eidgenössischen Truppen der Reservebrigade Keller sind von Glarus in den Kanton Schwyz eingerückt. Ohne Schwertstreich drangen sie über Reichenburg, Schübelbach und Siebnen gegen Lachen vor, als eine Deputation des Bezirks March zu kapituliren verlangte. Dem hierauf abgeschlossenen Vertrage zufolge wird der Bezirk March sich de» Beschlüssen der Tagsatzung unterwerfen, und den Landsturm entwaffen. — Von Bern aus bestätigt es sich, daß das Oberländer Bataillon Seiler bei den in Freiburg begangenen Unordnungen am stärksten betheiligt ist, ja daß der Kommandant sich so weit vergessen hat, daß er sich in einer OrdenSkutte vor seinem Bataillon zeigte und - gestiknlirte. — General v. Pfuel ist von.Reuenburg nach Paris abgereiSt- — Aus Tessin vom 22. Nvv- Heute haben tie Son- derbundStrupxen in Folge ungünstiger Berichte, tie sie diesen Morgen erhalten, den Rückzug nach dem heimathlichen Heerde angelreten- Eine Stunde nachher traf das bündnerische Bataillon Michel ein. — Der Stadlrath von Luzern zeigt in einer ganz kurzen Proklamation an, daß er in Abwesenheit der Regierung die provisorische Leitung der Slaalsgeschäfte übernommen habe- Die sämmtlichen Mitglieder der Regierung mit Ausnahme von Wcndelin Kost haben sich am 23. Nvv. Nachts 11 Uhr geflüchtet. General Salis-Sogliv ist verwundet und soll nebst Derhörrichter Ammann und Wendel Kost unter Len Gefangenen sein. — Paris, 23. Nvv- Zu gewöhnlicher Zeit, am 28. Dez., erfolgt die Eröffnung der Kammern. — Auf der Eisenbahn von Rouen nach Havre drohte am Sonntag ein großes Unglück, da sich der Viadukt bei Nvintot so sehr gesenkt hatte, daß die Schwellen in der Luft schwebten. Zum Glück bemerkte es ein Bahnwärter zu rechter Zeit, so Laß der herbeikommende Zug noch angehalten werden konnte. — Rom, 17. Nvv. Vorgestern hat die feierliche Auffahrt der Mitglieder der neuerrichteken Staatsconsulta stattgefunden. Se- Heil, hielt eine kurze kräftige Anrede an die im Thronsaale deS Quirinals Versammelten. Nachdem Se. Heil, die Rede geendet hatte, wurden sämmtliche Abgeordnete zum Fußkuß zuge- laffen- Einer nach dem Andern, worauf sich der h. Vater erhob und seinen Segen ertheilte mit den Worten: --Gehet hin mit dem Segen des Himmels an Cure Arbeit; sie wird fruchtbar sein an guten Werken nach dem Wunsche meines Herzens.« Hierauf wurde der Zug von Quirinal zur Petrikirche angetreten. Verschiedenes. — Die Macht der weißen Ameisen. Englische Blätter berichten einen merkwürdigen Fall von der Zerstörungskraft der weißen Ameisen. Auf den Werften pon Bombay liegt gegenwärtig ein neues Linienschiff, der Miam genannt (nach dem Ort, wo General Napier seine entscheidende Schlacht gegen die Amirs von Sind und tie Belutschen schlug); Ließ ist völlig zerstört, aber nicht durch das Feuer deS Feindes, sondern durch ein unsichtbares Heer weißer Ameisen, die innerlich alles Holz zernagten, so daß das Schiff in sich selbst zusammenbrach. Der Erbauer, Hr. Turner, hat an die Lords der Admiralität eine klare Darstellung dieser Thatsache eingesendet, die denen, welche die Zerstörungen, welche die weißen Anreisen in den Tropenländern anrichten können, nicht mit eigenen Augen gesehen haben, um glaublich erscheine» muß. — Die siamesischen Zwillinge, die einst eine so reiche Geldernte in England und. Frankreich gemacht haben, begaben sich dann nach den Vereinigten Staaten, wo sie trotz ihres seltsamen Baus in die Ehe getreten sind. Beide Brüder Schang und Eng wohnten noch im August laufenden Jahrs auf einem Pachthof, de» sie zu Mount Airy in Sütcarolina angekauft haben. Beide Brüder sind Väter verschiedener Kinder, und ihre Frauen, welche etwa 25 Jahre alt sind, scheinen sich sehr verständig in ihr Verhältnis! zu finden. Sie haben ihrem siamesischen Namen »och den Namen Banker beigefügt, und wohnen abwechselnd bald zu Mount Airy, bald auf einer kleinen Plantage in der Grafschaft Wilky. Der Landbau scheint ihnen sehr gut zn behagen, und üe beziehen von ihren Ländereien «ine gute Rente- Häufig sieht man sie. mit Frauen und Kindern in der Kirche der Taufgesinnten erscheinen. Beide sind vollkommen gesuno und leben in der gewünschtesten Eintracht. Inzwischen ist der eine, wie man weiß, kräftiger M der andere, so daß sein Bruder, der durch ein unzerreißbares Band mit ihm verbunden ist, manchmal Mühe hat ihm zu folgen. Sie sind jetzt zwischen 37 und 38 Jahre alt. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Kofbuchhandlung.