Karlsruher Beobachter Nr. LS Donnerstag den 22. Februar L8LN Aus der Zeit. — Karlsruhe, 15. Febr. s148. Sitzung der zweiten Kammer.) v. Slockhvrn erstattet mündlichen Bericht über einen vor Kurzem vvrgelegten Gesetzesentwurf, besagend: DaS Gesetz über die Einführung der Schwurgerichte tritt gleichzeitig mit den Gesetzen über di« Gerichtsverfassung und über die VerwaltungSorganisation in Wirksamkeit. Cr beantragt Berathung in abgekürzter Form und die Annahme dieses Gesetzes. Die Kammer tritt diesem Anträge ohne weitere Debatte mit allen Stimmen gegen eine (v. Jtzstein) bei. — 16. Febr. s149. Sitzung der zweiten Kammer.) v. Jtzstein fragt, welche Entschädigung von Seite für die Verpflegung der in Baden noch anwesenden nichtbadischen Truppen bezahlt werde, und erhält zur Antwort, daß früher täglich 15 kr. für den Mann, jetzt aber 18 kr. vergütet würden. — Tagesordnung, Berathung des KommisnonsberichtS über den Gesetzesentwurf, die Ablösung der Erb> und Schupflehen betreffend. Letztere bot kein allgemeineres Interesse. Der Kommisstonsantrag, die LehenablösungS- summe auf den Machen mittleren Jahresbetrag wenn der Lehen- träger kündigt, und auf den Machen, wenn die Kündigung wom Lehensherren auSgeht, zu bestimmen, wurde angenommen. — 17. Febr. sl50. Sitzung der zweiten Kammer.) Oer Präsident macht die Anzeige, daß die erste Kammer den GesetzeSent- würfen über Einführung der Schwurgerichte und der allgemeinen Wechselordnung ihre Zustimmung ertheill habe. Die Tagesordnung führt zur Fortsetzung der Berathung über den GesctzeSent- wurf, die Modifikation der Erb- und Schüpflehen betreffend, und eS wird dieser Entwurf mit wenigen Abänderungen von der Kammer angenommen, sofort die öffentliche Sitzung in eine geheime verwandelt, um in letzterer einen durch Lamey gestellten, die Geschäftserledigung betreffenden Antrag zu berathen. — Frankfurt, 19. Febr. Von Seiten deS badischen Bevollmächtigten bei der Centralgewalt ist derselben ein Protest der grvßh. badischen Regierung übergeben worden, worin dieselbe sich aufS Entschiedenste gegen alle MekiatisationSpläne, sowie gegen eine Vereinbarung unter den Königen, wobei also Baden nicht berücksichtigt werden würde, verwahrt. Der Grvßherzog erklärt sich zu allen Opfern im Interesse der deMchen Einheit bereit, er würde sich aber nie dazu verstehen, zu Gunsten des Partikula- ri»muS auf s in Recht zu verzichten. — Oie preußische Note ist angekommen. Preußen besteht mit würdiger Mäßigung auf seinem und jedes deutschen Staates Recht, sich enger zu vereinigen; eS besteht auf dem Bundesstaate, in welchen zu trete, Niemand gezwungen, aber auch Niemand abgehalten werden dürfe. (M. I.) — Frankfurt, 19. Febr. In der heutigen 173. Sitzung der ReichSversammlung wurde, nach Verlesung einer Zuschrift de- Präsidenten der württembergischen zweiten Kammer, so weit die- selbe den bereits bekannten Beschluß dieser Kammer in der Ver- faffungSfrage mittheilt, die Berathung des Wahlgesetze- wieder ausgenommen. — Frankfurt, 20. Febr. In der heutigen 174. Sitzung der ReichSversammlung wurde über die §§. 1 und 2 des Wahlgesetzes abgestimmt. §. 1 lautet nun: »Wähler ist jeder unbescholtene Deutsche, welcher daS 25. Lebensjahr zurückgelegt hat." §. 2 lautet: »Von der Berechtigung zum Wählen sind ausgeschlossen: ») Personen, welche unter Vorfliundschaft oder Kuratel stehen; d) Personen, über deren Vermögen Konkurs- oder Fallitzustand gerichtlich eröffnet worden ist und zwar während der Dauer diese- Konkurs- oder FaüitverfahrenS; c) Personen, welche eine Armenunterstützung auS öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im letzten, der Wahl vvrhergegangenen Jahre bezogen haben.« — München, 17. Febr. In der heutigenReichsrathssihung stimmte die Kammer auf den Antrag de- Grafen Arco-Valley einstimmig der Erklärung bei: „Die Kammer der ReichSräthe folgt dem Gebot der Pflicht und Ehre, indem sie für Deutschlands wie für Bayerns Wohlfahrt und Bestand einerseits sich gegen die LvStrennung Oesterreichs aus dem deutschen BundeS- reiche, andererseits gegen die Errichtung eines preußischen Kaiser- thumS auSspricht." — Nach einem heute Vormittag bekannt gewordenen Beschlüsse der seitherigen Minister werden nun sämmt- liche im Amte bleiben. — Mainz, 15. Febr- In der gestrigen Sitzung deS hiesigen demokratischen Vereins wurde beschlossen, die Jahresfeier der französischen Februarrevolution durch ein großartiges Bankett im Kvmö dien hauS (!) zu begehen, zu welchem die Linke der deutschen Nationalversammlung, so wie die Ausschüsse sämmtlicher demokratischen Vereine der Umgegend eingelaten werden sollen- Die Mainzer Demokraten hoffen, wie eS scheint, die deutsche Reichsfestung Mainz nächstens wieder einmal durch Verralh den Franzosen in die Hände spielen zu können. — Berlin, 16. Febr. Die Kammern werden am 26. Febr. in vereinigter Sitzung im weißen Saale durch den König in Person mit einer Thronrede eröffnet werden. Am 27. wird keine Sitzung stattfinken und am 23. die gesonderte Konstituirung beider Kammern vorgenvmmen werden. — In den Artillerie- und sonstigen MilitärdepotS sind seit drei Wochen bedeutende Anfertigungen von Patronen und gefüllten Geschossen vorgenvmmen worden. — Gegen zwei Millionen Thaler baaren Gelte« sind durch Einzahlung rückständig gewesener Steuern und zur freiwilligen Anleihe in öffentliche Kaffen eingezahlt worden. — Der Magistrat hat beschlossen, den Antrag der Stadtverordneten auf Aufhebung de- Belagerungszustand« nicht zu befürworten; nur drei Mitglieder hatten sich für den Beschluß der Stadtverordneten erklärt. — Berlin, 17. Febr. Man erwartet jetzt ziemlich allgemein die Publikation eine« Preß- und ElubbgesetzeS und sieht demnächst die Aufhebung der Kammern, als sich von selbst verstehend, an. (?) 58 — Ein dem Anschein nach wvhlbegründetes Gerücht erregt ziemliche Sensation. Man erzählt von einem Bündniß zwischen Rußland, Oesterreich und Bayern, da« nichts weniger als die Wiederherstellung des deutschen Bundes, wie es vor dem März bestanden, zum Zweck haben soll. — Köln, 17. Febr. Professor Gottfried Kinkel von Bonn, eben erst zur preußischen zweiten Kammer gewählt, ist heute Nachmittags von dem Zuchtxolizeigerichle des hiesigen Landgerichtes wegen Verleumdung der zur preußischen Garnison in Mainz gehörigen Truppen zu einer Gefängnißsirafe von einem Monat und in die Kosten verurtheilt worden. — Münster, 18. Februar. Gestern Nachmittag starb hier Prinz Waldemar von Preußen, Bruderssvhn des vorigen Königs, bekannt Lurch seine Theilnahme am englisch-vstindischen Kriege. — Hannover, 17. Febr. Heute hat die zweite Kammer nach langem und lebhaftem Kampfe einen Antrag von Lang I., die Anerkennung der Grundrechte betreffend, mit 53 gegen 27 Stimmen angenommen. — Schleswig-Holstein, im Februar. Wie verlautet, will Dänemark Len Waffenstillstand auf kurze Zeit (etwa 3 Monate) prolongiren; auf eine pure Verlängerung des Provisoriums gedenkt man in Kopenhagen keineswegs einzugehen, sondern man verlangt Len Rücktritt der jetzigen gemeinsamen Regierung und die Einsetzung einer neuen, theils aus wirklichen Dänen (für Schleswig), theils aus Holsteinern (für Holstein) gebildeten Verwaltungskommisston für die Herzogthümer. — Wien, 14. Febr. Nach den neuesten Berichten aus Pesth vom 12. schickt sich der Marschall Fürst Windisch-Grätz an, Pesth zu verlassen und mit seinem Hauptquartier nach Erlau, aufzubrechen. Der bekannte Graf Kasimir Balhyani ist glücklich aus der Festung Cssegg entkommen (er hat sich also nicht erschossen, wie gemeldet wurde.) Man erwartet stündlich die Uebergabe. — AuS Siebenbürgen fehlen noch alle direkten Nachrichten. Es scheint außer Zweifel, daß F.-M.-L. Puchner alldort in sehr bedrängter Lage sein muß. — Wien, 16. Febr. In wohlunterrichteten Kreisen vernimmt man, daß morgen oder doch in den nächsten Tagen eine okirvyirte Verfassung unseres Gesammtstaates veröffentlicht werden wird, natürlich mit Vorbehalt von Aenderunge», welche besonders die neu hinzutrelenden Verhältnisse Ungarns und Italiens erforderlich machen dürsten. Diese Charte ist im Ganzen, wie versichert wird, sehr freisinnig gehalten. Das Zweikammersystem wird eingeführr. DaS Personal der SlaatSdruckerei arbeitet seit heute bei verschlossenen Thüren, was jedenfalls auf das Erscheinen einer wichtigen NegierungSmaßregel deutet. - Das Ministerium des Innern hat ein Rescript erlassen, dem gemäß alle rückständigen Wahlen für Frankfurt schleunigst vorzunehmen sind. — Wien. 17. Febr. Das eben erschienene 23. Armeebulletin ist unstreitig das wichtigste, welches wir seit lange erhalten; ,F.-M--L. Gläser hat Alt-Arad genommen, und die Bakterien der Insurgenten am rechten MarvSufer zerstört, und darin die gegen die Festung eingefahrenen Kanonen, 23 an der Zahl genommen. Auch die Festung Eff-gg hat sich am 13., ohne irgend einen Angriff abzuwarten, ergeben. Graf Schlick hat sich mit seinen drei Brigaden bei Tornau ausgestellt, um die starke feindliche Kolonne, welche sich durch die ZixS nach Kaschau und den Theißgegeuden bewegt, dort anzugreifen, und sich mit General Gvtz zu vereinigen. — Olmütz, 14. Febr. Wohlunterrichtete behaupten, daß die langen Verhandlungen der Minister in Wien und auch der neulich endlosen MinistercvnseilS in Olmütz, ausdrücklich Berathungen über die vorzulegende Konstitution enthielten. — Der Kaiser Hat den Wahlsxcuch: Viribus uunis (mit vereinten Kräften) gewählt- — Zürich, 16. Febr. Zn Venedig ist die Aufregung gegen die Schweizer so hoch gestiegen, daß der schweizerische Konsul seine Pässe verlangt hat, falls die Regierung, den Drohungen der Vvlksvereine gegenüber dem schweizerischen Namen keine Ge- nugthuung verschaffe. Hauptmann Debrunner, der daselbst eine Kompagnie von freiwilligen Schweizern befehligt, schreibt unter dem 3. von Sk. Murano, »sie selbst, die Kämpfer für die Unabhängigkeit Ztaliens, seien bald ihres Lebens nicht mehr sicher.« Und doch besteht ungefähr Vs der Kompagnie aus den gefeierten »Helden von Vicenza!« — Luzern. Der Luzerner Regierung sind von den Franzosen sehr glänzende Anerbietungen gemacht worden, wenn ihnen die Errichtung einer Spielbank gestattet werde. Sie versprechen außer der Aufführung von Gebäuden im großartigsten Style dem Staate jährlich 60,000, Len Armen 4000 Frs. — Rom, 11. Febr. DaS gesammte Militär hat den Befehl erhalten, an Kokarden und Fahnen die italienischen Farben anzunehmen. — Heute wurde im Vatikan zur Feier der Verkündung der Republik ein Tedeum gehalten. Da die ordentliche Geistlichkeit die Theilnahme verweigerte, so hielt ein Militärkaplan die Messen, und Soldaten ministrirten. — Aus Toskana vom 14. Febr. Am 12. schwuren die Truppen der provisorischen Regierung den Eid der Treue; doch ist noch ein Theil derselben, besonders auf der Insel Elba, widerspenstig. Abends verlangte ein Vvlkshaufe die Ausrufung der italienischen Republik; dem Minister Guerrazzi gelang es jedoch, die Schreienden für jetzt damit zu beschwichtigen, daß er ihnen sagte, der einberufenen gesetzgebenden Versammlung komme die Feststellung der Landesverfassung zu, — Die Guardia civica ist in ein Guardia nazivnale verwandelt, die in eine seßhafte und in eine mobile Garde zerfallen wird. Doch wird es, wie die Erfahrung sattsam zeigte, schwer halten, die weichlichen Tvskaner gegen auswärtige Feinde zu mvbilisiren. — Der Großherzog war am 13. noch in S- Stefano. — Livorno, 8. Febr. Mazzini ist i» Genua angelangt, und es scheint eine große Demonstration daselbst zu Gunsten der »italienischen Einheit» und gegen das Ministerium Givberti staktfin- den zu sollen, d. h. die Prvklamirung der Republik. Die italienischen Kinder spielen mit einem gefährlichen Feuer, das sie unfehlbar verzehren wirb. — Zn Belgien wird in nächster Zeit ein Kongreß rvther Republikaner aus Frankreich, Deutschland und Belgien beabsichtigt, um sich über gemeinschaftliche Plane zu verständigen. Bei dem belgischen Volk finden die Republikaner noch immer gar keinen Anklang. — Paris, 17. Febr. ES wird versichert, in verschiedenen Kreisen fange man sich bereits mit Vorschlägen für mehrere wichtige Aenderungen der Verfassung, die in der nächsten gesetzgebenden Versammlung beantragt werden sollen, zu beschäftigen an; es wurde unter Anderem eine Verlängerung des vierjährigen Termines für die Präsidentschaft Louis Napvleon's auf Lebenszeit, das Recht des Vetv'S für den Präsidenten und die Errichtung einer zweiten Kammer beantragt werten. — Oie Secialisten scheinen doch auch ihrer Seils sehr empfindlich i» Sachen des Eigenthums zu sein, wenn es die eigene Tasche gilt. Las Journal des Hrn. Prvudhon, „le Peuple," droht Jedem, welcher das Unternehmen der „Bank des Volks" nun, nachdem diese alle für die Errichtung einer Kompagnie vorgeschriebenen gesetzlichen Förmlichkeiten erfüllt hat, noch angreifen würbe, mit einer Klage auf Schadenersatz. Die Socialisten haben, wie man sieht, sobald das eigene Interesse ins Spiel kommt, das Gefühl der Heiligkeit des Eigenlhums, welches sie doch dem Prinzip« nach zu 59 läugnen zum Hauptgrundsatze ihrer unnatürlichen, widersinnigen Lehre machen. — Die Verhaftung des Direktors des Gesang. niffeS von Sainte-Pelagie des Hrn. LanglviS bestätigt sich. Herr LangloiS war als guter Republikaner nach der Februar-Revolution zu diesem Posten gelangt. Mit Schulden überhäuft, soll er sich der Unterschlagung von Staatsgeldern schuldig gemacht haben. — Paris, 18. Febr. In einigen politischen Kreisen war gestern Abend das. Gerücht verbreitet, daß in Uebereinstimmung mit allen Mächten der König von Neapel und der König von Sardinien gleichzeitig in den Staaten des PabsteS und in Toskana interveniren würden. Falls diese Intervention verwirklicht werden sollte, würden, wie es heißt, eine französische und eine englische Flotte zu Civitavecchia und zu Livorno Position nehmen. — Paris überläßt sich heute den Ergötzlichkeiten des Karnevals. Die Boulevards boten den ganzen Tag über einen pittoresken Anblick. Große Menschenmaffen drängten sich dort. Die Masken waren nicht zahlreich. Die Zahl der Wagen war dagegen ungewöhnlich groß. Auf allen Punkten herrschte die größte Ordnung, wie am Tage, so auch diesen Abend. — Lyon, 16. Febr. Das Zuchtpvlizeigericht hat den --Peuple souverain", welcher mehrere heftige Artikel gegen den Marschaü Bugeaud enthielt, zu 1009 Fr. Buße, 500 Fr. Entschädigung und vierwöchenkliche Einsperrung verurtbeilt. Ein anderer Preß- prvzeß wird in den nächsten Tagen verkommen. — London, 16. Febr. Es bildet sich hier eine Gesellschaft, welche der Stadt Paris den Besuch, welchen die sran ösischen Nationalgardisten im vorigen Herbste London abstatteten, erwie- dern will. In drei oder vier Wecken wollen mehrere Tausend Engländer zusammen nach Paris reisen und dort acht Tage lang verweilen. Ilm den Reisenden bequeme Wohnungen und Reisegelegenheiten zu sichern, will man besondere Eisenbahnzüge und Dampfschiffe bestellen, in Paris aber mehrere Hotels mielhen. Her wird die eingebrockte Suppe ausessen? Eine böse und theure Suppe wird dermale» eingebrockt oder einzubrocken versucht von Republikanern, Revolutionären, Anarchisten. Hauptzuthaten, die sie dazu fordern, sind: Umsturz der bestehenden Verfassung, Aufhebung der Monarchie, und, unter dem Namen einer gleichen Verlheilung der Lasten, Der- theilung deS EigenthumS, Einziehung des Vermögens der Reichen, am Ende aller Besitzenden. Das Letztere zieht natürlich am meisten; denn das bloße, nackte Recht der freien Presse und die Vereinsfreiheit und die demokratischen Wahlen sind am Ende für den hungrigen Magen, den durstigen HalS und die gierigen Blicke der Unzufriedenen eine zu luftige Speise und Beute. „Eine böse Suppe? Ei, das wäre eine ganz köstliche Suppe!" denkt Mancher, und wünscht sich nichts Besseres, als mit einem tüchtigen Schöpflöffel hineinfahren und darin fischen zu dürfen. Run ja, wenn'S gelänge, für Einige wäre die Suppe freilich fett genug, für die. welche zunächst bei der Küche, mit Tellern und Löffeln gut versehen wären und mächtige Fürsprecher hätten, daß man sie bald hineinlangen ließe. Sind auch die öffentlichen Kaffen derzeit magerer als vor einigen Jahren, es ließe sich doch noch mancher hübsche Fang thun; der- blinde Haufe könnte immerhin, zum Dortheil der Gast- und Schenk- wirthe, ein paar Wochen in änlci jnbilo leben, während die vorsichtigere» Führer und Häupter in der Stille den Beutel füllten — für den Abend ihres Lebens, oder für etwaige Reisen ins Ausland. Schulden könnte man dann, statt mit Silber, mit Papier oder — Blei bezahlen, und weil denn doch LieAemter nicht ganz abzeschafft werden könnten, würde man die patriotischsten Wühler und deren Verwandte mit den einträglichsten Remtern versorgen. Auck sämmtliche Steuern konnte man aufheben — für so lange, bis das unabweissiche Bedürfniß deren Wiedereinführung geböte, und man sich genvthigt sähe, dem „Patriotismus des Volkes" Opfer zuzumuthen, die es, wenn sie auch die früheren um ein Namhaftes übersteigen, „mit Freuden bringen wird," d. h. bringen muß! Gesetzt also, die Plane der Rsvolutivnsmänner gelängen für den Augenblick, so würden sich einige Dutzende oder Hunderte allerdings bereichern und sich in eine vortheilhafte Lage versetzt sehen, und auch der große Haufe würde einige Wochen im Siegesräusche leben; aber was dann? Raub, Erpressungen und Plünderungen — in „gesetzlicher" oder ungesetzlicher Weise geübt — würden die Quellen bald vertrocknen machen; wenn man der gvldne Eier legenden Henne den Leib aufschneidet, so hört das Eierlegen auf! Wer könnte, würde mit Hab' und Gut auswandern; das Geraubte und Erpreßte wäre wie gewonnen, so zervnnen, Gewerbe, Industrie und Handel geriethen in völliges Stocken, Vertrauen und Kredit schwänden. Tausende von Meistern und Gesellen brotlos, und die noch etwas besäßen, würden durch Steuern erdrückt. Wundern würde man sich, wie bald die großen Staatsdomänen, von welchen jetzt ein bedeutender Theil der Staatsausgabcn bestritten wird, unter den Händen der Sieger zerinnen würden. Um Spottpreise würde man sie verschleudern, — und einige Glückskinder oder Begünstigte bereicherten sich dabei; dem Staatshaushalt aber wäre eine unheilbare Wunde für immer geschlagen. Kurz: Hunderte gewännen und Hundert tausende würden ruinirt! Hier kann man fragen: Wer wird die eingebrockte Suppe zahlen? Indessen, das Gelingen jener Plane fürchten wir keineswegs; aber an der Suppe wird eingebrockt. Es soll, scheint es, ein neuer Versuch gemacht werden, wie der von Hecker im April, von Struve im September, und der kläglich und lächerlich im ersten Beginn zerplatzte von Ra» und Konsorten in Rottweil, durch eine neue Revolution die Rexublick einzuführen. Die dabei Betheiligten, als Rädelsführer und Werkzeuge, und die, auf welche man rechnet, lassen sich etwa unter folgende Rubriken bringen: 1. Flüchtlinge, die in Folge eines Umsturzes mit Glanz wieder einziehen möchten; 2. Verhaftete und Gefangene, welche schweren Strafen, 3. Verdächtige von früher her, welche der Verhaftung entgehen möchten; 4. Revolutionäre aus politischem Fanatismus oder aus Egoismus, aus Ehrgeiz oder Habsucht; 5. Lumpen und sonst desperate Leute, Arbeitsscheue und Asoten aus alle» Klaffen und Ständen, und endlich 6. Dürftige und ökonomisch Bedrängte die sich durch Vorspieglungen blenden lassen, als ob ihnen durch einen Umsturz geholfen werden könne. Man wird wohl sagen dürfen: Neunundneunzig Hundertstel darunter sind Solche, die entweder nicktS zu verlieren haben, oder persönlich etwas gewinnen wollen- Schon daraus läßt sich errathen, was man von kiesen BolkSbeglückern zu erwarten hat! Zu einer genießbaren Suppe wird eS nicht kommen; aber in einem bildlichen Sinne wird es ivohl eine ein- gebrvckte Suppe auszuessen geben! Schon ein neuer Versuch einer Schilderhebung wird Handel und Gewerbe stocken machen, den Verdienst von Tausenden, die Staatseinkünfte schmaler», manches Vermögen ruiniren, Ordnung und Ruhe auf Jahre hinaus in einzelnen Gemeinten stören, und wenn es zu Kampf und Blutvergießen kommt, Hab' und Gut schädigen und vernichten, Wittwen und Waisen machen, durch Aufbietung von Soldaten einen Aufwand von Hunderttausenden verursachen, wozu 60 noch die Kosten für Gefangene, Untersuchung. Gericht u. s. w. kommen. Und Wer hat diese Suppe auszueffen? Einige Schuldige allerdings, die gerade das Unglück trifft, ganz gewiß aber alle Unschuldige des Landes, die etwas haben, die von ihrer Hände Arbeit leben und Steuern zahlen. Die Meisten der Schuldigen aber bleiben nach Vereitlung ihrer verbrecherischen That dieselben, die sie vorher waren; sie lassen ihre ehrenhaften Mitbürger die schlimme Suppe ausessen, während sie wohlgemukh zum Wein gehen, oder eine Lustreise ins Ausland antrelen. Viele von denen aber, welche die Fäden in der Hand halten, treten nickt offen hervor, sondern sparen ihre kostbaren Personen auf den Augenblick, wo der Sieg entschieden ist, und wenn's mißlingt, in der Stille, um da- Schicksal ihrer Werkzeuge zu erleichtern und eine Wiederholung des Versuchs möglich zu machen. Wenn unsre wohldenkenden Landsleute nicht Lust haben, eine solche von den Vvlksbeglückern eingebrockte Suppe auSzueffen. so mögen sie das Ihrige lhun, um den vielen unberufenen Köchen das Handwerk zu legen, und ihnen nicht noch in die Hände arbeiten! In diesem Monat jährt sich die aus den „Reformbankelten" entsprungene Revolution. Unsre rvthen Republikaner scheinen den Jahrestag praktisch feiern zu wollen, und den französischen Neformbanketten würden ganz artig entsprechen deutsche schwäbische Metzelsurpen! Die Folge der Reformbankette war eine unerwartete Revolution; die solcher deutschen Metzelsuppen dürfte am Ende eine herbe Reaktion sein! Und Wer hätte dann auch diese Suppe Hauptfach- sich auszueffen? Tausende, die sie nicht eingrbrockt! (Austen Mittheilungen des Stuttgarter vaterländischen Vereins.) Die L iakonisj innen oder barmherzigen Schwestern -er evangelischen Kirche in Frankreich. (Schluß.) Am besten kann man sich von der Wirksamkeit dieser evangelischen Nonnen in Paris auS dem Bericht über die Vorfälle des Straßenkampfes im Jahre 1818 überzeugen, welcher in der 6. Fortsetzung der von der Direktion dieser Anstalt herausgegebenen „Insliluüons des vioconisses de» eglises övanxeliguos de kraue«" *) zu finden ist. Es heißt darin: »Seit dem 2Z. Juni befanden sich in der Nu« de dleiiill), wo die eine der Oiakoniffenanstalten liegt, zehn furchtbare Barrikaden, denn diese Straße liegt in der am meisten aufgeregten Vorstadt St. Antoine, wo die Proletarier durch unbekannte Verführer aufgewiegelt worden waren. ES ward kies ohne alle Begeisterung, ohne Geschrei, lediglich a.'S ernstes Geschäft behandelt. Selbst Frauen und Kinder waren dabei thätig; wenn man die damit beschäftigten armen Verführten fragte. waS sie wollten, so antworteten sie: »Die Nationalwerkstätken werden geschloffen, man will uns durch Hunger vernichten, und die Bürger bewaffnen sich gegen uns. Es ist daher besser, kämpfend zu sterben.» Bei der an das Haus der Diakonissinnen entstehenden Barrikade, wobei dieselben vermittelnd zum Frieden ermahnten, antworteten die Arbeiter mehr traurig als zornig: »Ihr habet nichts zu fürchten, wir kennen Euch, wir lieben Euer Haus.» Man sah dabei keine Leidenschaft, sondern Resignation. Am folgenden Tage brachten die meisten ihre kleinen Kinder zu den Diakonissinnen in Sicherheit, besonders seit die benachbarte Kaserne von den Aufständischen angegriffen war und diese ganze ') pari», 1488, ckrr les iibeoire» proioslanis. Straße, zum Schlachtfelde geworden war. Bereits bedeckten 42 Todle die Straße und daS ganze Haus füllte sich mit Frauen und Kindern, wozu noch sechs schwer Verwundete kamen. Die Diakonissinnen brachten auch außer dem Hause den Nachbarn Unterstützung, wo man ihrer bedurfte, und von allen geachtet und geliebt, hatten sie überall Zutritt, und alle Barrikaden öffneten sich vor ihnen im lebhaftesten Karlätsckenfeuer. »Die unterdeß von der Nationalversammlung erlassenen Proklamationen wurden ihnen von den Schwestern vorgelesen und sie zur Unterwerfung ermahnt. Allein traurig antworteten sie: Wir können nicht mehr zurück! Dazu kamen noch lügenhafte Nachrichten der Aufwiegler, z. B. daß 15,00(1 Arbeiter von Lyon zu Hülfe gekommen wären u. s. w. Als endlich die Nationalgarde mit Macht verdräng, flohen die Männer, die Frauen blieben bei den frommen Schwestern, und die am meisten getobt und gelogen halten, unterwarfen fick, indem sie die Barnkaten selbst abtrugen. Sobald das Feuer eingestellt worden war, hielt der Geistliche der Anstalt in der Kirche derselben, nachdem ein Lied gesungen worden, eine Predigt, der Alle ohne Unterschied des Glaubens mit vieler Andacht beiwvhnten.» llcrschicdenes. — Aus Toskana. Ein Korrespondent des älliensonm in Florenz theilt einige interessante Notizen über die dortigen revolutionären Bewegungen mit. „Es ist allerdings unleugbar," sagt er, „daß ein Volk für die Selbstregierung nur dadurch reif wirb, daß es sie ausübt. und der Mann in der griechischen Fabel, der sich nicht eher ins Wasser wagen wollte, bis er schwimmen konnte, ist gewiß sein ganzes Leben hindurch auf terra tirma geblieben. Eine gewisse Periode der Lckwierigkeil und Gefahr muß durckgemacht werden, um das gewünschte Resultat zu erlangen. Wir müssen aber eingestehen, daß der ^gegenwärtige Zustand Tvskana's dieses Raisonnement auf eine etwas harte Probe stellt, da die Selbstregierunz hier immer mehr in Abwesenheit aller -Regierung — Anarchie—auszuarlen scheint, und wenn die Sachen auf diese Weise fortschreiten, so wird bald Jeder thun, waS ihm gut dünkt. Dessenungeachtet ist Florenz beinahe so ruhig, als eS in früheren Zeiten zu sein pflegte, d- h. Gewaltthätigkeiten, wie in Livorno und Lucca, sind von den Florentinern nicht begangen worden, da sie ein von Natur sanfte- und friedlickeS Völkchen sind, das weder Kampf noch Blutvergießen liebt. Diese traditio- nelle Ruhe und Gemüthlichkeit ist jetzt auch unser einziger Schutz vor tumultuariscken Scenen und Erceffen.*) denn die völlige Machtlosigkeit des Gouvernements ist notorisch- Wenn man jedoch die Gesinnungen der Florentiner nach den Plakaten beurtheilen wollte, die täglich an die Mauern der Häuser und öffentlichen Gebäude angeschlagen werden, so würde man sie für das blutdürstigste Geschleckt in der Welt halten muffen; Tod und Vernichtung werden darin mit einer Wuth ausgespendet, die den Anhängern des ThugaismuS Ehre machen würde. Kort« si ke,>ul,lic»ni! lllori« oi Slinislri ! slorle si l.irornonsi! Körle si Todes«!,;! slorl« g Oorlo slkorw! Kort« » kladelviii! Kort« » (-»ersrri! u. s. w. u. s. w. — Das sind die Inschriften, welche uns überall in die Augen springen, und endlich noch als frommer Wunsch: Kurt« oi gnolli, cbo lroUsno male Iddio! (Tod Allen, welche die Gottheit mißachten!) — Der neueste Schimpfname, dem man in dieser Mauer-Literatur begegnet, ist Oodin» , der Geschweifte, Geschwänzte, oder der alt« Zopf, wie man es in freier Uebersehung wie^er- gcben könnte, und womit alles Retrograde, Veraltete, nicht mit der Zeit Fortgeschritten«, bezeichnet wird. Alle Oesterreicher sind von Natur und nothwendigerweise llodini; die meisten Mitglieder der toskanischen Regierung haben sich ebenfalls zum Unglück als llodini erwiesen, und sie werden diesem Epitheton nur entgehen können, wenn sie die ganze Bevölkerung unter Waffen rufen, um die „Barbaren" aus Italien zu vertreiben. Al- sie jedoch vor einiger Zeit, um sich gegen die niederschmetternde Beschuldigung des Kvdinismus zu rechtfertigen und den Wünschen des souverainen Volks pflichtgemäß nachzukommen. überall Listen auSlegen ließen, um Freiwillige für die heilige Sache der Unabhängigkeit Italiens zu sammeln, meldeten sich nicht mehr alt 200 Personen! Diese Thatsache macht jeden Kommentar überflüssig/' ') Den neuesten Nachrichten zufolge, haken dennoch in Florenz einige tlutige Auftritte stattgefnnden. D. R Retigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.