Nr. IN. Donnerstag den 8. März L84S. Aus der Zeit. — Karlsruhe, 5. März. Der Schwäb. Merkur läßt sich von hier bericklen: Man will wissen, daß mit Nächstem 10,000 Mann Preußen ins Badische (auch hieher in Besatzung) verlegt werden, und daß dagegen 10,000 Badener zum Reichsheer nach Schleswig aufbrechen. — Heule waren einige Hundert Landwirthe aus der Umgegend von Waghäusel hier, um ihre Bille gegen die beabsichtigte Erhöhung der Rübensteuer persönlich vvrzulragen und zu begründen. - An die Spitze des vor Kurzem dahier gegründeten badischen Vereins für deutsche Auswanderung wurde StaatS- rath Trefurt gewählt. Zweck dieses Vereins ist: dem Auswanderer mit Rath und — wo möglich — auch mit Thal an die Hand zu gehen, also denen, die ohnehin im Sinne haben, fortzugehen, die Ueberstetlung zu erleichtern, keineswegs aber, um dazu aufzufordern und die Auswanderung zu befördern. — Karlsruhe, 1. Marz. Das Neg.-Blatt bringt eine Gebührenordnung für Zeugen, Parteien, Sachverständige und Ge- schwvrne. - Der §. 12 lautet: Geschwvrne erhalten eine Reiseentschädigung, welche für jede Stunde deS Hinweges zum Sitze des Schwurgerichts und ebenso für jede Stunde deS Rückwegs 24 kr. beträgt. Für die Strecke, auf welcher sie sich der Eisenbahn bedienen können, darf jedoch nur 12 kr. für die Stunde berechnet werden. — Frankfurt, 5. März. Bei der heute vvrgenommenen Wahl des Präsidenten der Nationalversammlung wurde Simson von Königsberg wieder erwählt, ebenso zum ersten Niceprästden- ten Beselcr von Schleswig, und zum zweiten Vicepräsidenten Kirchgeßner. Der Ministerpräsident v. Gagern machte der Versammlung eine Eröffnung in Betreff der Kündigung des Waffenstillstands. lieber den Antrag Fehrenbachs in Betreff der im Badischen stehenden Reichstruppen wurde die Tagesordnung beschlossen, und in Betreff der Wahl von Thiengen der Antrag des Ausschusses (die Mittheilung des badischen Bevollmächtigten vom 14. Nvv. v. Z. zu den Akten zu nehmen) zum Beschluß erhoben. — Sicherem Vernehmen nach ist eine Note des österreichischen Kabinets hier cingetroffen, worin dasselbe sich mit der Aufstellung eines Direktoriums für einverstanden erklärt. — Frankfurt, 5. März. In der großen Saline Orb bei Aschaffenburg ist ein Aufstand auSgebrochen. Die Aufständische» beabsichtigten, die Saline zu plündern, und zu dem Ende vorher die Kaserne in Brand zu stecken. Die in Orb stativnirten Soldaten vertheidig'en sich tapfer, mußten sich aber, da ihrer nur vierzig waren, der Aufständischen aber gegen 800, darunter viele Bauern aus dem Kurhesstschen, vor der llebermacht zmüek- ziehen. Dem Vernehmen nach haben die Truppen drei Mann verloren, von den Aufrührern sollen fünfzehn erschossen sein. Es sind sogleich Reichstruppen, Infanterie und Kavallerie, nach dem Aschaffeiiburgischen abgeschickt. — Hannover, 2. März. Die Kammern haben sich heute über die GrundrechtSfrage geeinigt. Die erste Kammer hat erklärt, daß auch sie die sofortige Publikation der Grundrechte für unerläßlich halte, und beantrage, .-daß k. Regierung die Grundrechte sofort durch die Gesetzsammlung zur allgemeineren Kenntniß bringe, und die zur Ausführung erforderlichen, den Einzelstaaten überlassenen Gesetze baldmöglichst den Ständen verlege.-- — Dieser Antrag wurde sodann in der zweiten Kammer mit allen gegen eine Stimme angenommen. Somit ist obiger Konferenzvorschlag zum Beschluß der Ständeversammlung erhoben. — Wien, 2. März. Der Kaiser hat genehmigt, daß die von der Stadt Ferrara eingehobene Strafkontribution von 200,000 Skudi sogleich zur Verfügung deS Papstes gestellt werde, um hierdurch dem rechtmäßigen Herrn der Statt Ferrara den unzweideutigsten Beweis zu liefern, daß die dorthin unternommene Expedition nur von den gerechtesten und uneigennützigsten Absichten geleitet und allein durch die Nothwendigkeit herbeigeführt war. — Zu Saaz in Böhmen sind bei der Nekrutenlovsung Ruhestörungen und Unordnungen vvrgefallen; ebenso in Pomeisel und Hagendvrf; in letzterem Orte wurde sogar der Oberbeamte mißhandelt. — Soeben kommt uns die Nachricht einer durch Fürst Windischgrätz gewonnenen Hauptschlacht bei Erlau zu. — Tyrol. Die Trienter Ztg. bringt den Text eines Umlauf. schreibenS des Kreisamles, welches auf Befehl des Ministeriums erklärt, »daß die österreichische Regierung niemals zugebe und nicht zugeben kann, die Provinz Tvrvl in zwei von einander gänzlich unabhängige Theile zu trennen, weil eine solche Trennung ein Verrath an dem Volke von Tyrol, das Debderben deS ganzen Landes und für Wälschtprol selbst ei» Unglück wäre.» — Pesth , 25. Febr. Oie Kriegsoperationen haben mit dem Beginne der etwas weniger unfreundlichen Witterung begonnen, und das Netz um die Aufständischen dürfte in Bälde zugezogen werden. — Der Znsurgentenchef Görgey hat auf seine Generalswürde verzichtet und ist für immer von der magyariiche» Kriegsbühne abgetreten. Sein Nachfolger soll ein gewisser Mieros- lawski, ein polnischer Professor sein. — Moriz Perczel ward seiner Heimath müde und soll glücklich entkommend nach der Schweiz gewandert sein. — Pesth, 1. März. Spät gestern Abends ward nachstehender Armeebericht veröffentlicht: »Sv eben trifft aus dem Hauptquartier des Felrmarschalls Fürst Windisch-Grätz aus Kapolna vom gestrigen Tage die auf dem Kampfplatz« mit Blei geschrie. bene Nachricht von der zweitägigen siegreichen Schlacht (26. und 27. Febr.) bei genanntem Orte, sowie von der Vereinigung mit dem Korps des Feldmarschalllieutenants Schlick ein. Die Rebellen flohen theils gegen Erlau, theils gegen PoroSzlo, und werden unablässig verfolgt. Ein Bataillon Zanini sammt Fahne ist bereits gefangen. Der Verlust unsrerseits ist gering, der Geist der 74 Truppen, wie immer, ausgezeichnet. Ofen, 28-Febr. 1849. Duca Li Serbelloni m. g. Feldmarschallieutenant.-- Die Erzählungen einiger Offiziere liefern mehrere nähere Details. Hiernach ward auch Erlau mit dem Bajvnnet genommen. — Aus Siebenbürgen ist die Nachricht eingetroffen, Bem stehe wieder auf ungarischem Boden und zwar in Kraffo. Ein Schreiben aus Hermannstadk vom 12. Febr. sagt: --Dem geschlagenen RebellentvrpS sind bis jetzt 2! Kanonen abgenommen worden; die Zahl der Gefangenen geht über Eintausend. Bem ist abermals nur mit knapper Noth entwischt. Er war schon gefangen, ein Offizier von Bianchi hatte die Hand auf ihm, als Kossuth-Husaren ihn befreiten.» — Kronstadt, (Siebenbürgen) 12. Febr. Die Szekler haben sich in Marienburg festgesetzt, von wo aus sie nach allen Richtungen hin ihre Vorposten unterhalten, dabei aber auch fleißig Brod, Fleisch und Fvurage requiriren. — In ObertömöS waren gestern 1090 Mann neue russische Truppen angelangt. 2» der Stadt herrscht vollkommene Ruhe. — K openhagen, 28. Febr. So wenig man auch im Ernste an die Erneuerung des Krieges denken mag, werden doch die Vorbereitungen mit äußerlich kriegerischem Anstande fortgesetzt. Das Kriegsministerium macht heute die Cavalleriedepvts bekannt, bei welchen wieder freiwillig zum Gebrauch des HeereS gestellte Pferde mit Dank angenommen werden. Neulich wurden die SchiffSrheder, deren Schiffe zum Truppentransport nach Frideri- cia brauchbar wären, aufgesvrdert. sich zu melden. (H. B.) — Bern, 4. März. Von den verführerischen Spielxächtern will keine schweizerische Regierung, sogar diejenige von Schwyz nicht, etwas wissen. Ob Uri, das Lotterien privilegirt, etwa noch anbeißt, ist ungewiß. Leiter fehlt aber dort ein schöner Fleck Land, wo sich die Fremden gefielen. — Brüssel, 2. März. Der Bericht der heutigen Inde- xendance über das republikanische Zweckeffen zu Derviers lautet: »Das demokratisch.socialistische Bankett, welches am vorigen Sonntage in Verviers gefeiert wurde, sollte im Lande einen großen Wiederhall finden- Man hatte angekündigt, daß wenigstens 1000 Gaste Theil nehmen würden, ». A. zahlreiche demokratische Vertreter Frankreichs und Deutschlands. Aber ach! — es erschien nur ein einziger, in Belgien wohnhafter französischer Demokrat. Deutschland war gar nickt vertreten. Die Zahl der Bankettmänner belief sich auf 430, unter welchen sich etwa 40 Arbeiter befanden. Man bemerkte unter den Theilnehmern viele Müßiggänger und einige emlaffene Sträflinge. Die Kommissäre des Zweckessens hatten das Volk dadurch herbeizuziehen versucht, daß sie ein große- Transparent verfertigen ließen, auf welchem Christus abgebildet war, wie er das Brod bricht und unter die Armen vertheilt. Wohlweislich aber unterließ man es, dieses Transparent anzubringen, denn es hätte den Gästen leicht Unannehmlichkeiten von Seiten der Arbeiter von Verviers zuziehen können, welche gar keine socialistischen Demokraten sint.-- — Paris, 3. Marz. Gestern hatte in dem Lokal der Association der Köche ein socialistisches Bankett statt. Die Behörde war benachrichtigt worden, daß aufreizende Reken und Toaste gehalten werden sollten; sie Halle demzufolge ihre Maßregeln getroffen. Ein Polizeckonimiffär fand sich «in, um während der Reden und Toaste zugegen zu sein; er wurde jedoch nicht einge- lassen, trotz aller Berufung auf die dieSfälligen gesetzlichen Bestimmungen. Der Polizeckommissär wiederholle, als die Hülfs- mannsckaft zu ihm gestoßen war, seine Aufforderung, ihn nun zuzulassen; als die Mitglieder des Banketts auch jetzt sich weigerten, diesem An uchen zu entsprechen, wurde die Thüre aufge- sprengt und der Kommissär drang mit seiner Mannschaft ein. Die socialistischen Dirigenten des Bankettes hatten auf die Hülfe der anwesenden Arbeiter, mit welchen sie eben erst Brüderschaft getrunken halten, gerechnet; die Arbeiter sprangen aber zu Len Fenstern hinaus und flüchteten sich nach allen Richtungen; die Dirigenten selbst beeilten sich, diesem Beispiele nachzufolgen; unter ihnen befanden sich auch einige Mitglieder der Nationalversammlung von der Bergpartei; diese beriefen sich auf ihre Unverletzlichkeit und entfernten sich durch die Thüre. — In der Nationalversammlung richtete heute Herr Martin Bernard Interpella. tionen an das Ministerium wegen jenes --Attentates-- gegen das socialistische Bankett. Der Präsident des Ministerrathes Herr Odilen Barrvt und der Minister des Innern Hr. Leon Faucher vertheidiglen die von der Behörde getroffenen Maßnahmen mit größter Energie; ihre Erklärungen wurden von der Bergpartei mit wildem Toben und heftigen Schmähungen unterbrochen; die Majorität zeigte sich aber so entschieden zu Gunsten teS Ministeriums, daß Hr. Martin Bernard seinen Antrag auf Tadel des Verfahrens der Behörde wieder zurückzunehmen für räthlich hielt. — Es ist heute offiziell die Nachricht in Paris eingetcoffen, daß der Papst den Beistand aller katholischen Mächte, mit Ausnahme Sardiniens und Portugals, angerufen hat. — Paris, 3. März. Unsere Zustände vcrrathen eine Le - denschaftlichkeit, welche den Ausbruch neuer Stürme bald ver- mulhen läßt. Man lese die Journale. Je näher wir dem Wahltermine rücken, desto leidenschaftlicher wird ihre Sprache. — In verflossener Nacht wurden die Maigefangenen aus unserer Nähe in VincenneS nach Bourges geschafft, wo ihr Prozeß in vier Tagen beginnt. Es waren Truppenmassen von Vincennes bis zum Präfekturgebäude und von dort bis zum Bahnhefe der Centralbahn ausgestellt. — Sämmtliche demokratische Blätter veröffentlichen heule eine Glückwunschadrcsse an die römische Konstituante. — Straßburg, 4. Febr. Die Kriegsgerüchte, welche vorige Woche im Umlaufe waren, verstummen allmälig. Es hatte geheißen, daß der Alpenarmee der Befehl zugekommen sei, vorzurücken; allein Nachrichten aus dem Hauptquartier derselben widerlegen dieses ausdrücklich. Die Truppen im südlichen Frankreich verbleiben vorderhand in ihren bisherigen Standquartieren. — Die Besorgnisse wegen Auflösung unserer Nakivnalgarde schwinden in dem Maße, als Nachrichten aus Paris versichern, die Negierung sei gar nicht mit dem Plane umgegangen, diese Maßregel, welche jedenfalls eine sehr bedenkliche gewesen wäre, in Ausführung zu bringen. — London, 2. März. Die Regierung wird dem Parlament eine Bill verlegen, welche dem Wahlrecht in Irland eine bedeutende Ausdehnung geben würde, indem künftig alle Personen, die ein Eigcnlhum inne haben, wovon sie 8 Pfd. Sterl. (06 fl.) Armcnsteuer zahlen, Wähler sein sollen, vorausgesetzt, daß sie ein Jahr lang am Orte wohnhaft waren. — DaS letzte Organ der Rexealbewegung in Irland, der »Dublin Pilot--, welcher 20 Jahre lang die Mittheilungen Daniel O'Connell'S empfieng. hat zu erscheinen ausgehört. — Ein Befehl des Krieg-Ministeriums bestimmt, daß in Zukunft die Regimenter in derselben Stadt zwei Jahre, statt, wie bisher, ein Jahr in Besatzung bleiben sollen. Dem Schatze erwächst aus dieser Anordnung eine jährliche Er- sparn-ß von 100,000 Pf- St. — In der City hieß es gestern, bei der Bank von England sei die Nachricht eingelaufen, daß die Regierungsbrigg »Pandora» mit einer Fracht Goltstaud, im Werthe von 900,000 Pfd. Sterl. auf der Heimfahrt aus dem stillen Meere sei. — Rom, 23. Febr. In der gestrigen Constituante bewegten sich die Debatten um Ferrara, eine Menge kriegerischer Vorschläge 75 wurden gemacht; Sterbini erklärte, vor Allem brauche man Geld, Von den jüngsten Dekreten der Regierung sind die wichtigsten: die römische Bank wird ermächtigt 1,300,00g Scudi Bankbillete zu emikliren; 900,000 Scudi wird sie dem Schatz der Republik ohne Zinsen darleihen, die andern 400,000 zur Unterstützung für den Handel von Rom, Bologna und Ancona anlegen. Alle geistlichen Güter des römischen Staats sind für Cigenthum der Republik erklärt: die römische Republik wird die Diener des Cultus gebührend dotiren. — Die römische Nationalversammlung erklärt, Laß die ganze Republik solidarisch für alle die Schäden einsteht, welche das edle (generös») Ferrara oder sonst eine andere römische Gegend »durch die Invasion des österreichischen Unterdrücker- des gemeinsamen Vaterlandes - erleiden könnte. — Rom, 25, Febr. Zn der heutigen Sitzung des Verfassungsraths wurde beschlossen, alle überflüssigen Glocken, mit Ausnahme der durch Kunstwerth ausgezeichneten, zum Kanvnen- gießen zu verwenden. Das Zwangsanlehen ist auf 3,300,000 Skudi festgesetzt. — Nom, 21. Febr. Vorgestern feierte die römische Republik den Jahrestag der französischen Revolution durch Erleuchtung des Eapitvlthurms, und der Circolo popvlar (Vvlksverein) zog mit seiner Fahne vor das H»tel der französischen Gesandtschaft. Da Niemand zu Hause war, so trat ein Franzose auf, und hielt im Namen seiner Nation eine Rede, welche mit stürmischem Jubel ausgenommen wurde. Frankreich und Rom, hieß es darin, seyen eins, und die große Nation werde nicht eher ruhen, bis der letzte Deutsche in Italien niedergeschlagen sey(!). — Florenz, 28. Febr. Oie provisorische Regierung, ihres Ursprungs »von Volkövereins Gnaden» uneingedenk, erließ gestern eine Proklamation, worin sie den Entschluß ausspricht, gegen die Tyrannei »in jeder Gestalt» Stand zu halten. Der Vvlksverein hat gegen diesen Angriff protestirt. — Seinerseits hat der Grvß- herzoz vor seiner Abreise in S. Stefano am >2. Februar einen Protest gegen die Existenz der provisorischen Regierung erlassen. — Die Bürgerwehr von 18 — 30 Jahren einschließlich ist für mobil erklärt. Die Erklärung hat keinen Anstand, die Vollziehung aber wird auf Widerspruch stoßen. — Ostindien. Die Bambay-Post vom 3. Febr. meldet von einer furchtbaren Schlacht, die am 13. Jan. zwischen den britischen Truppen und den Sikhs an den Ufern des Jhelum stattge- funden; die Briten blieben Herren des Schlachtfeld-; sie sollen mit einem, in den Annalen der britischen Kriegsgeschichte höchst seltenen Mangel an Ordnung und Uebereinstimmung gekämpft haben. Beide Heere erlitten furchtbare Verluste; die Briten sollen einen Verlust von 93 Offiziere» und 2500 Soldaten an Todten und Dewundelen (?) gehabt haben. Am 22. Jan. ergab sich die Eitatelle von Mooltan ohne Bedingung an die Briten; der Jnsurgentenführer Movlraj und die Garnison sind kriegsgefangen. Vier Monate unter den Goldjägern in Gdcr- Lalifornien. Dies ist der Titel eines Buches, in welchem ein Augenzeuge »ns Bericht über jenes Wunderland abstattet — über jenes Mekka, wohin sich heute die Augen und Herzen aller von Gvlddurst gequälten Sterblichen wenden, jenes Eldorado, welches die Träume eines Ponce Le Leon und Raleigh endlich zu verwirkliche» scheint. Der Verfasser, ein Doktor Brooks, gehörte selbst zu deu Goldsuchern, aber das Resultat seiner viermvnatlichen Anstrengungen, die ihm und seinen Genossen eine ansehnliche Quantität Gold eintrugen, wird vielleicht als heilsame Warnung für Manche dienen, denen es nach plötzlichem Reichthum gelüstet. Als ec wieder in San Francisco ankam, waren seine Schätze durch Diebstahl und Betrug so zusammengeschmvlzen, daß er nickt mehr als 1500 Dollars übrig hatte — eure Summe, die in einem Lande, wo alle Lebensbedürfnisse unglaublich gestiegen sind, bald genug aufgezehrt wird. In entlegenen Distrikten, wo der Goldstaub im größten Ueber- fluß gefunden wird, wie am verw kirsr und anderen Strömen, besteht die Hauxtschwicrigkeit darin, die erbeuteten Schätze sicher aufzubewahren. »Es ist leicht, hier Gold zu gewinnen», sagt der Verfasser, »aber eL ist äußerst schwer, es zu behalten. In der That ist das ganze Unternehmen eine gefährliche Lotterie, und Diejenigen, die mit ihren Pfunden Goldstaub aus dem Lande kommen, werden mit den wenigen Glückskindern zu vergleichen sein, die das große LooS ziehen.» Wie die Zahl der Goldgräber zunimmt, vermehren sich auch Scenen des Raubes und der Gewalt. Als Herr Brooks zuerst in de» Mvrmonengruben*) anlangte, herrschte noch Ruhe und Ordnung, und Jedermann achtete das Eigenkhum seines Nachbarn; vor seiner Abreise aber halte sich Alles sehr verschlimmert, und wer sich des Abends schlafen legte, mußte befürchten, am Morgen nicht wieder aufzustehen. Eine Regierung existirt nicht, oder sie ist wenigstens völlig machtlos. Sorgsam und ängstlich legt der Goldsucher alle Nacht seine Schätze unter das Kopfkissen, mit einer geladenen Dvppelxistvle daneben, um sie nöthigenfaüs zu vertheidigen. Viele werden ihres Goldes halber ermordet, und Niemand denkt daran, ihre Leichen zu beerdigen, welche in der einsamen Wüste vermodern oder den Wölfen zur Speise dienen; nickt selten sieht man auch kodte Körper den Fluß hinabschwimmc». Außerdem werden die Reihen der Goldsucher noch durch das Fieber gelichtet; nicht daß das Klima an sich ungesund wäre, aber da man des Tages der brennenden Sonnenhitze, dcS Nachts der Kälte und der Feuchtigkeit fast ohne Schutz auSgesetzt ist, so können häufige Erkrankungen natürlich nicht ausbleiben. Zum Theil ist gleichfalls die eigene Nachlässigkeit und Sorglosigkeit daran schuld, so wie der Mangel an passender Bekleidung und gehöriger Nahrung. »Klei- dungsstücke», schreibt Herr Brooks, »sind kaum zu irgend einem Preise zu haben, und die Mehrzahl der Goldjäger geht in Lumpen einher.» Die Goldwuth ist zu heftig, als daß diese Leute sich dazu verstehen sollten, von ihrer Beschäftigung abzulassen, ehe sie von der Krankheit dazu gezwungen werden; sie arbeiten so lange fort, bis die Natur im Kampfe unterliegt. Die Unglücklichen sterben auf ihren lheuer erworbenen Metallhaufcn, die ihnen das Leben nicht retten können. Während das Fieber in ihren Adern brennt, berauschen sie sich noch in Branntwein, den sie mit enormen Preisen bezahlen; von der freigebigen Natur mit N-ichthümern überschüttet, vergiften sich die zerlumpten Gold- gräber mit dem verderblichen »Feuerwasser.» Was übrigens die Ergiebigkeit des neuen Eldvrako's betrifft, so wird Alles, was schon aus den amerikanischen und englischen Tageblättern darüber bekannt war, durch unseren Verfasser aus eigener Erfahrung bestätigt. »Ich kann versickern,» heißt es in seinem Berichte, »daß es kaum möglich ist, die Reichhaltigkeit der hiesigen Gvldminen oder dessen, was ich Gvldkies und Goldsand nennen könnte, zu übertreiben.» Die Gesellschaft, zu der er ge. -) Diesen Namen Hai man den am unteren Theile des Tacramcnto lie gcndcn Goltlagcrn gegeben, weil sie von Mitglieder» der bekannte - fanatischen Sekte der Mormonen zuerst entdeckt wurden. 76 hörte, sammelte an einem Tage, vermittelst einer ganz einfachen Maschine 16 bis 19 Unzen (400 bis 500 Thaler), und nach kurzer Zeit Halle ste eine Masse von 27 Pfund Gewicht, etwa 7000 preuß. Thaler an Werth, gewonnen. Das Sicherste ist, den Flußsand auszuwaschen oder die Ablagerungen aufzusuchen, die in den Schluchten der Gießbäche gefunden werden, denn obgleick man hier und da das Gold in Stucken auflesen kann, so ist daö Resultat doch ungewiß, und eS geht viele Zeit darüber verloren. Durch bessere Instrumente, als diejenigen, die sich in den Händen der Goldsucher befinden, könnte man aber leicht in derselben Zeit eine zehnmal größere Masse Sand auswaschen; es ist auch unzweifelhaft, daß eine nickt unbedeutende Quantität deS kostbaren Metalls bei dem jetzt gebräuchlichen rohen Waschprozeß verloren geht. Die Golddistrikte haben sich bereits mit einer sehr gemischten und buntscheckigen Bevölkerung angefüllt. Fragt man in San Francisco nach Jemanden, so lautet die Antwort stets: »Er ist nach den Gruben gegangen (>>e is zons to tbs äiggmgb.)-- — »Wen glauben Sie wohl,-- sagte ein Bekannter zu unserem Verfasser, --daß ich eben gesehen habe, mit einer zinnernen Pfanne in der Hand und bis an die Knie im Wasser stehend? Einen Mann, den ich vor einem Jahr alS General-Fiskal des Königs der Sandwich-Inseln kannte.-- — Dieser Er-Würdenträger ist übrigens nicht der einzige Tbemisjünger, der bei den Wäschereien des Sacramento beschäftigt ist, und gewiß giebt es noch manche von seinen Standesgenoffen, denen man eine glückliche Reise nach Kalifornien wünscht. Wir empfehlen dieses Buch allen Anbetern deS Plutus, die in Versuchung geführt find, nach jener seiner Lieblingsprvvinz auszuwantern. Es zeigt, daß auch dort die Rose nicht ohne Dornen, der Gewinn nicht ohne Sorgen ist, und daß nirgends in der Welk Reichlhümer ohne Mühe und Arbeit zu erlangen sind. Die Nachtheile der Goldsucherei. (Schluß.) Dazwischen wird auch, wie eS sich von selbst versteht, dem Moloch des Spiels in reichem Maße geopfert. Das von oben gegebene Beispiel aber wirkt natürlich auf die unteren Klaffen der Einwohner herab, nur daß hier Branntwein die Stelle deS Champagners und Würfel jene der Karlen verlreten.-- --Wenn wir solche Thatsachen in Erwägung ziehen-- — so schließt das obengenannte Blalt seine Betrachtungen über dieses Thema, — --so muß der beispiellose Aufschwung, den die Goldproduktion in Sibirien genommen hat, als ein zweifelhafter Vortheil erscheinen. Milten unter dem Ueberfluß an kostbaren Metallen herrscht dort eine ungewöhnliche Theuerung der noth- wendigsten Lebensbedürfnisse, die den Einwohnern des Landes höchst lästig wird und Handel und Gewerbfleiß untergräbt. Diese Theuerung thut auch den Goldsuchern Abbruch, weil sie die Kosten, die ihnen der Unterhalt der Arbeiter verursacht, nicht wenig erhöht. Mit der Vermehrung des Geltes steigen alle Produkte im Preis, mit ihnen der Arbeitslohn und die Waarenfrackt. Alle Güter, die aus Sibirien nach dem Innern von Rußland gehen, werden hierdurch ungleich theurer; für den Transport zwischen Tomsk und Irkutsk zahlte man sonst 70 Kopeken bis 1 Rubel das Pud, in den letzten Jahren aber, wegen der Nähe der Goldwäschereien, nicht weniger als 10 Rubel. Natürlich müssen daher auch alle russische und ausländische Erzeugnisse, die aus dem europäischen Rußland nach Sibirien gebracht werden, weit höher im Preise stehen als früher. Mit dem Reichlhum hat auch der Luxus zugenvmmen und neue Bedürfnisse hervorgerufen, die ehemals schon ans dem Grunde nicht entstehen konnten, da es an allen Mitteln zu ihrer Befriedigung fehlte. Die Thätigkeit, welche auf eine Zeitlang die Gvlddistrikte Sibiriens belebt hat, und der Umsatz der Kapitalien, welche diese Industrie zu Tage fördert, erweckten allerdings die Produktionskräfte des Landes, indem sie dem Fleiße neue Erwerbsquellen eröffneten, allein nichtsdestoweniger ist der Nachtheil empfindlich, der gegenwärtig durch die angestrengte Verfolgung jener einseitigen Richtung in einem Lande verursacht wird, das wegen seiner Menschenarmuth, seiner unermeßlichen Ausdehnung und der fast gänzlichen Abwesenheit bequemer Fahrwege bei allem Ueberfluß an kostbaren Metallen sich zu einem Mangel an Lebensmitteln verurlheilt sieht, gegen Len alle Goldgruben, so reich ste auch sein mögen, es nicht schützen können.-- tlerschiedenes. — SckwarzeAbgeordneis in der französischen Nationalversammlung. Wahrscheinlich weil sie nicht sehr stolz darauf sind, haben die französischen Zeitungen bisher noch selten oder gar nicht erwähnt, daß sich unter den neunhundert Mitgliedern der Nationalversammlung in Paris auch zwei bis drei Schwarze befinden, welche die französischen Kolonien als Abgeordnete gesandt. Englische Touristen machten zuerst darauf aufmerksam und theilken einige auf diese schwarzen Abgeordneten sich beziehenden Anekdoten mit. So soll ein Depvtirter, der Fabrikant Grandin, beim Anblick eines dieser Gesetzgeber ausgerufen haben: --Zwanzig Jahre schon suche ich für meine Fabrik einen Schwarzen, wie diesen da!-- Der schwarze Abgeordnete, Burger Masulim, ist, bevor er einer von den 900 französischen Gesetzgebern geworden, unter dem Namen Hilarius (lllliure) Bedienter des Generals Perneti gewesen, der ihn in Martinique, wo er auf seiner Plantage als Sklave gearbeitet, zum Range emes freien Dieners erheben hatte. In dieser Eigenschaft war er oft in dem Falle, seinen schwarzen Brüdern gefällig zu sein, und diese haben ihn nach ihrer von der Republik verkündeten Emancipation aus Dankbarkeit zum Abgeordneten erwählt. Der gute HilariuS weigerte sich anfangs, die Wahl anzunehmen; 25 Franks täglich sind allerdings nicht zu verachten, aber sein gesunder Verstand sagte ihm, daß die Parlamentssesston bald ein Ende haben könne und dann die ersparte Summe nicht groß genug sein würde, um ihn für den Verlust des Postens, den er bei seinem Herrn bekleidete, zu entschädigen. General Perneti versprach ihm jedoch, ihm diesen Bedientenposten jedenfalls offen zu halten, und so entschloß sich kenn der Bürger Masulim, ein Vertreter des französischen Volkes zu werden- Er ist mit dem General Perneti nach Frankreich gereist, und wohnt auch in Paris in einem Vorzimmer des Generals, bei welchem er, so oft er in der Kammer nichts zu lhun hat, nach wie vor die Fremden anmeldet, die ihn zu besuchen kommen. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.