Karlsruher Nr. 27 Donnerstag den 5. April 18LS Aus -er Zeit. — Mannheim, 2. April, Da sich zum Zwecke der Ersatzwahl für Brentano heute 23 Wahlmänner der Wahl enthielten, so wurde die Wahl unmöglich gemacht. 19 erklärten öffentlich, sie würden nicht wählen. Die Stimmung der hiesigen Bürgerschaft über diese Renitenz ist eine gekheilte, und die Debatten hierüber werden sehr heftig geführt. Bereits bedeckt sich eine Petition mit vielen Unterschriften, worin gebeten wird, es mögen an die Stelle der böswillig ausgebliebenen Wahlmänner neue Wahlen angevrdnet werte». — Rastatt, 2. April. Struve und Blind wurden heute mit dem ersten Bahnzug aus dem Oberland wieder hierher verbracht, um hier zu bleiben bis das Oberhofgericht in Mannheim über Las von Brentano ergriffene Rechtsmittel der Cassation entschieden haben wird. — Frankfurt, 2. April. Gestern Abend fand ein Festessen der österreichischen Offiziere wegen der Siege der kaiserlichen Truppen in Italien statt. Die dreifarbige deutsche Kokarde verschwindet immer mehr und mehr von den Hüten des österreichischen Militärs. — Von Tag zu Tag treffen immer mehr österreichische Flüchtlinge hier ein. Ebenso neugewählle Mitglieder des Parlaments. — München. 29. März. König Max ist zu einer friedlichen Ausgleichung fest entschlossen, und wird — um jedes Mißtrauen zu beseitigen — noch vor dem Zusammentritt der Kammern seinen Wohnsitz wieder hierher in die königliche Residenz verlegen. DaS regierende Königspaar bezieht die Appartements des Königs Ludwig und der Königin Theresia, diese dagegen haben sich den Wittelsbacher Palast zur künftigen Wohnung ausersehen. — Berlin, 2. April. Unsere Polizei hat gestern in der Wohnung eines Handwerksgesellen, welcher schon früher wegen politischer Umtriebe zur Strafe gezogen ist, eine Kiste mit Handgranaten, eine Form zur Anfertigung derselben, eine Menge Kugeln, scharfe Patronen, Pulver, Material zu Kugeln und Handgranaten und mehrere zu königlichen Depots gehörige Waffen in Beschlag genommen, und ihn und einige andere Personen verhaftet. — Es scheint, als ob man hier überhaupt einer ziemlich weit verzweigten Verschwörung auf die Spur gekommen wäre. Das Criminalgericht ist bereits gegen die betreffenden Personen eingeschritten. — Berlin, 2. April. — (Durch den elektrischen Telegraph.) Die von der ersten Kammer heute einstimmig angenommene Adresse lautet: »Königliche Majestät! »Den Wünschen und ahnungsvollen Erwartungen, welche wir noch in jüngster Zeit über Deutschlands neue Gestaltung und den Beruf Preußens, dazu in besonderer Weise mitzuwirken. vor Eurer Majestät ausgesprochen haben, sind mit raschem Schritte entscheidende Ereignisse gefolgt. Die zu Frankfurt a. M. versammelten Vertreter der deutschen Nation haben Friedrich Wilhelm den Vierten, König von Preußen, wir sagen mit erhebendem Gefühl unseren König, zum erblichen Kaiser der Deutschen feierlich gewählt. Diese Botschaft hat uns auf das Tiefste ergriffen. Wir sehen durch diese Wahl, welche das Haus Hohenzvllern zur Oberleitung unseres deutschen Vaterlandes berufen, das Vertrauen besiegelt, welches sich Preußen und sein König im Streben und Kämpfen für Deutschlands Interessen und Ehre errungen haben. Auch wir wünschen und vertrauen, daß Euer Majestät sich der Erfüllung der Hoffnungen der Nation nicht entziehen und in Ihre starke Hand die Leitung der Geschicke des Vaterlandes nehmen werden. Wir erkennen die Schwierigkeit der Fragen, die dabei zur Erwägung kommen. Die Verständigung mit anderen deutschen Regierungen, der Inhalt mehrerer in die Reichsverfassung aufgenommenen Bestimmungen, die Anforderungen und Opfer, welche für Preußen aus dieser neuen Stellung erwachsen können, wiegen in der Wagschale der Entscheidung, deren das deutsche Volk sehnsüchtig harrt. Wir vertrauen jedoch, daß es der Weisheit Eurer Majestät und Ihrer Hingebung an die Sache der deutschen Einheit gelingen werde, diese Schwierigkeiten zu überwinden und in Uebereinstimmung mit der deutschen Nationalversammlung und mit den deutschen Regierungen eine Centralmacht zu begründen, die stark genug sei, eben so sehr nach Außen hin Deutschland mit Recht und Würde zu wahren, als im Innern die Gerechtigkeit, Ordnung und gesetzliche Freiheit zu schirmen und zu befestigen." „Königliche Majestät! Es treffen Bewegungen und Ereignisse in außerordentlicher Weise zusammen, womit sich der Beginn neuer großer Epochen kund gibt. Die Fügung, wodurch Eurer Majestät zur Eröffnung einer solchen der Beruf wird, bringt vorzüglich eine schwere Bürde und Verantwortlichkeit mit sich. Das Gefühl derselben erhöht den Ernst der Stunde der Entscheidung. Um so mehr ist es an uns, hier die Zuversickü auszusprechen, daß unser Volk seinem Könige mit vollster Kraft und Begeisterung in Allem zur Seite stehen werde, was Derselbe zur Ausführung der zu übernehmenden großen Pflichten zum Heile Deutschlands für nvthwentig erkennen wird. Berlin, den 2. April 1849." In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde folgende Adresse angenommen: »Königliche Majestät! »Noch sind die Worte kaum verhallt, mit denen die Vertreter des preußischen Volkes vor dem Throne Euer Majestät ihre Hoffnung für die Zukunft Deutschlands aussprachen, und schon ist durch die dringenden Ereignisse der entscheidende Augenblick gekommen, von welchem Deutschlands Geschick seine Lösung erwartet- Es ist das Vertrauen der Vertreter des deutschen Volkes, welches Euer Majestät zu der glorreichen Aufgabe beruft, das erste Oberhaupt des wieder erstandenen Deutschlands zu sein 106 und mit starker Hand die Leitung der Geschicke des Vaterlandes zu übernehmen. Wir verkennen ni»t den Ernst der Stunde, das schwere Gewicht unabweisbarer Erwägungen. Im Angesichte aber der unberechenbaren Gefahren, wenn inmitten des in allen leinen Fugen erschütterten Kontinents Deuschland ohne lenkende Hand den streitenden Bewegungen der Zeit überlasten bleibt, vertrauen wir Euer Majestät Weisheit und Hingebung für die Sache des Vaterlandes, daß Sie de,, rechten Weg erkennen und alle Schwierigkeit überwinden werden. Wir legen ehrfurchtsvoll die Bitte an Ew. Majestät königliche» Herz: Sich dem Rufe der deutschen Nationalversammlung nicht entziehen und die Hoffnungen und Erwartungen des deutschen Volkes erfüllen zu wollen. Berlin, den 2. April 1819. (gez.) v. Vincke. Menzel. Ulrich. Ulrichs. Lensing- Wiethaus." — Berlin, 2. April. Zn der zweiten Kammer gab die heutige Berathung des Adresse-Entwurfs in Betreff der deutschen Frage, dem Ministerpräsidenten Gelegenheit zu folgender Erklärung: Ministerpräsident: Zch wist den Weg näher bezeichnen, den die Regierung zu gehen gedenkt. Die Regierung hat stets den Standpunkt der Hingebung an die Sache der deutschen Einheit und Einigkeit, aber auch den der gewissenhaften Achtung der Rechte der deutschen Negierungen eingenommen. Nachdem La» große Werk um einen neuen Schritt weiter geführt worden, wird die Negierung Alles aufbieten, daß das Ziel ganz erreicht werde; sie hält aber die letzten Frankfurter Beschlüsse nur für diejenigen Regierungen für verbindlich, welche ihre freie Zustimmung dazu gegeben und wird nichts unversucht lassen, eine Einigung unter den Fürsten zu Stände zu bringen. — Frankfurt, 3. April, 9 Uhr Abends. (Telegraphische Depesche.) Berlin, 3. April. Erwiederung Sr. Majestät des Königs von Preußen auf die Anrede der Deputation der deutschen Nationalversammlung» Seine Majestät der König hat heute um 11 Uhr auf dem Schlosse die Deputation der deutschen Nationalversammlung empfangen und aus die Anrede derselben Folgendes erwiedert: „Meine Herren! Oie Botschaft, als deren Träger Sie zu Mir gekommen sind, hat Mich lief ergriffen. Sie hat Meinen Blick auf den König der Könige gelenkt, und auf die heiligen, unantastbaren Pflichten, welche Mir, als dem Könige Meines Volkes und als einem der mächtigsten deutschen Fürsten, obliegen; solch ein Blick, meine Herren, macht das Auge klar und bas Herz gewiß. In dem Beschluß der deutschen Nationalversammlung, welchen Sie, meine Herren, Mir überbringen, erkenne Ich die Stimmen der Vertreter des deutschen Volks. Dieser Ruf gibt Mir ein Anrecht, dessen Werth Zch zu schätzen weiß. Er erfordert, wenn Ich folge, unermeßliche Opfer von Mir. Cr erlegt Mir die schwersten Pflichten auf. Die deutsche Nationalversammlung hat auf Mich vor Allen gezählt, wo eS gilt, Deutschlands Einheit und Preußens Kraft zu grünten. Zch ehre Zhr Vertrauen, sprechen Sie Meinen Dank darüber aus. Zch bin bereit, durch die That zu beweisen, daß die Männer sich nicht geirrt haben, welche ihre Zuversicht auf Meine Hingebung, auf Meine Treue, auf Meine Liebe zum gemeinsamen deutschen Va- lerlande stützen. Aber, meine Herren, Zch würde Zhr Vertrauen nicht rechtfertigen, Ich würde dem Sinne des deutschen Volkes nicht entsprechen, Zch würde Deutschlands Einheit nicht aufrichten, wollte Zch mit Verletzung heiliger Rechte und Meiner früheren ausdrücklichen und feierlichen Versicherungen ohne das freie Ein- verständmß der gekrönten Häupter, der Fürsten und freien Staaten Deutschlands, eine Entschließung fassen, welche für sie und für die von ihnen regierten deutschen Stämme die entschiedensten Folgen haben müßte. An den Regierungen der einzelnen deutschen Staaten wird es daher jetzt sein, in gemeinsamer Berathung zu prüfen, ob die Verfassung dem Einzelnen wie dem Ganzen frommt, ob die Mir übertragenen Rechte Mich in den Stand setzen würden, mit starker Hand, wie ein solcher (?) *) es von mir fordert, die Geschicke des großen deutschen Vaterlandes zu leiten und die Hoffnungen seiner Völker zu erfüllen. Dessen aber möge Deutschland gewiß sein, und das, meine Herren, verkündigen Sie in allen seinen Gauen: bedarf eS des Preußischen Schildes und Schwertes gegen äußere oder innere Feinde, so werde Zch auch ohne Ruf nicht fehlen. Zch werde dann getrost den Weg Meines HauseS und Volkes gehen, den Weg der deutschen Treue.» — Köln, 31. März. Die Kölner Zeitung berichtet über den hiesigen Empfang d«r deutschen Reichskagsdeputation u. a.: Wenn auch erst kurz vor ihrer Ankunft die Kunde über das Eintreffen der Deputation sich in der Stadt verbreitete, so hatte doch schnell eine Begeisterung sich improvisirt, die Häuser am Rheine und Schiffe hatten sich mit reichem Flaggenschmuck bedeckt. Die De- pukation nahm ihr Absteigequartier »im Hotel Disch.» Abends erschien in den gefüllten Sälen dieses GasthofeS eine sehr zahlreiche Abordnung deS hiesigen Bürgervereines, in dessen Namen der Präsident desselben, Hr. Advokatanwalt Fay, in kurzer Rede die Deputation bewillkommnete. Leider hatte ein Haufen zusam- mengebrachten Gesindels unter Leitung der wohlbekannten stehenden Skandalhelden unserer Stadt sich vor dem Hotel versammelt und gab seine »Sympathieen für die Republik» auf seine beliebte Weise durch Zischen, Pfeifen und unverständliches Geheul kund, worunter nur Hoch'S auf Hecker vernehmbar waren. Wie üblich, wurden auch ein paar Scheiben durch Steinwürf« zertrümmert. Viel Muth schien die Bande für ihre Republik nicht einzusetzen gewillt, denn als eine Postenablösung von nur vier Mann zufällig nahte, stob der Pöbel auf eine wahrhaft erhei- ternde Weise aus einander. Eine kleine Abtheilung Militär säuberte dann nach einiger Zeit die Straße. — Hannover, 3l. März. Die Frankfurter Deputation, mit lautem und unaufhörlich wiederholtem Zuruf empfangen, traf gegen 8 Uhr ein. Der ganze Bahnhof war von einer dichtgedrängten Masse erfüllt. Zwei Bataillone Bürgerwehr mit den fliegenden deutschen Fahnen waren vor dem Portal in langer Reihe aufgestellt; Trommelwirbel und Lebehochs begrüßten von allen Seiten jeden einzelnen Wagen, und vor dem British Hotel, wo die geehrten Gäste abstiegen, wurde ihnen nach der Reihe ein ebenso lebhafter Empfang von der auch dort zusammenge- strömlen Menge zu Theil. Nach 9 Uhr wogte es abermals in den Straßen der Stadt; sämmlliche Vereine mit ihren Fahnen hatten sich versammelt und brachten mit einem Musikcorps an der Spitze, den Deputaten einen glänzenden Fackelzug. — Zn Braun schweig ist die Nachricht der in Frankfurt erfolgten Kaiftrwahl mit allgemeiner Zustimmung ausgenommen worden. Der ständische Ausschuß trat sogleich zusammen und beauftragte drei seiner Mitglieder, sich zum Herzog zu verfügen, um diesen zu bitten, durch sein fürstliches Wort die Annahme der Kaiserkrone bei Friedrich Wilhelm IV. zu befürworten. Auch sind acht unserer Deputirten in ähnlichem Aufträge nach Berlin gereist. Die Stadt Braunschweig war freudig bewegt; überall wehten deutsche Fahnen. — Hamburg, 30. März. Nachdem der freudige Rausch ') Hin scheint in der telegraphischen Mittheilung ein Wort ausgefallen zu sein. 107 über die gestern hier eingetroffene Nachricht von der Wahl des König« von Preußen zum „Kaiser der Deutschen" sich einigermaßen gelegt, kebattirt man hier allgemein über die Frage: --wird der König von Preußen diese ihm von der Reichsversammlung dargebvtene Kaiserkrone unter der Bedingung des suspensiven Veto annehmen oder ablehnen?" Die noch unentschiedene Lösung dieser Frage, die eine Lebensfrage für Deutschland ist, erhält alle Gemüther in fieberhafter Spannung. Es märe ein Unglück für Deutschland, und besonders in diesem Moment, wo die inneren wie die äußeren Feinde eine so vermehrte Thätigkeit entwickeln, wenn Preußen abermals den günstigen Augenblick verabsäumte, der vielleicht nimmer wiederkehrt, sich an die Spitze Deutschlands zu stellen! — Kiel, 30. März. Die Erhebung des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser hat hier allgemein (natürlich mit Ausnahme des demokratischen Vereins, der aber nur einen sehr kleinen Bruchtheil der Bevölkerung repräsentirt) große Freude erregt. Für Schleswig-Holstein ist dies Ereigniß aber auch von der größten Wichtigkeit, ja wir können wohl unsere Rettung darin sehen, wenn nicht schon ein ungünstiger Frieden unterschrieben sein sollte. Letzteres ist indeß nicht anzunehmen. — Schleswig, 29. März. Schleswig und die Umgegend ist nun stark mit Einquartierung von Reichstruppen belegt. Man meint, daß bis zum Donnerstag allein 128 Stück Geschütze, die schleswig-holsteinischen abgerechnet, im'Schleswigschen eingetrvffen sein werden. Inzwischen geht das Flüchten von Einzelnen und Familien vom Norden nach dem Süden schon wieder an. — Die neue Statthalterschaft ist noch nicht komplett. Man hört den Ge. danken vielfach aussprechen, daß die Politik den Eintritt eines deutschen Fürsten in die Statthalterschaft anrathe. Dabei hört man jetzt den Prinzen Eduard von Altenburg nennen. — Von unterrichteten Personen soll noch fortwährend dabei beharrt werden, daß an Frieden oder Nichterneuerung des Krieges nicht zu denken sei. — Flensburg, 28. März. Mehrere als deutschgesinnt bekannte Bewohner AlsenS, haben auf Befehl des dänischen Generals Bülow die Insel unverzüglich verlassen müssen. Sie sind rücksichtslos von ihrem Besitz und Geschäft vertrieben. Daraufhin hat die Kommandantur in Apenrade ihrerseits eine Anzahl dänisch gesinnter und mit dem Feinde in verdächtiger oder überwiesener Verbindung stehender Einwohner aus der Stadt verwiesen und nach Norden consignirt. CiNe dänische Corvette von 20 Kanonen ist vorgestern auf der Rhede angekommen: sie machte sich da- Vergnügen, einige hundert Schüsse blind zu feuern. — Die dänische Truppenmaffe auf Alsen und in Jütland soll sich ziemlich gleich sein und wird auf resp. 16 bis 20,000 Mann an- geschlagen. Der König soll mehr zu Schiff als auf dem Lande leben. Kopenhagen ist von Truppen entblößt und man soll dort nicht ohne Besorgniß vor Volksaufstänte» sein- Wien, 28. März. Der „Lloyd" meldet: „So eben vernehmen wir, daß ein Courier mit der Nachricht angelangt sei, daß Bem, von den Russen gänzlich anss Haupt geschlagen, sich in die Walachei geworfen habe. Fünf seiner Ober-Offiziere sollen ihre Verbrechen bereits am Galgen gebüßt haben. Pesther Blättern zufolge haben sich um Alt-Arad wieder bedeutende Jnsur- gentenmassen gesammelt, und allem Anscheine nach dürfte eS dort zu einem entscheidenden Treffen kommen." — Wien, 29. März. Oer Einmarsch von 60,000 Russen in Siebenbürgen ist kaum in Zweifel zu ziehen; der Stand der Dinge daselbst, sowie in Ungarn, wird trotz der erwarteten Bül- letins noch immer nichts weniger als befriedigend dargestellt. — Rach einem Schreiben aus Pesth vom 26. März war es Görgey gelungen, die bis Miskolc; reichende Militärkette unserer Truppen zu brechen, wodurch F.-M.-L- Ramberg sich genöthigt sah, nach Waitzen zurückzugehen. Auch hier wird über die an dem Grafen Szirmay von den Insurgenten verübte Rache berichtet, worüber jedoch auf Privativegen nähere Details eingegangen sind. Der Graf hatte zuerst ein Freiwilligenkvrps gegen die Insurgenten aufgebracht. Als nun diese sein Gut Szirmabessenz« besetzten, sollen sie die Familie Szirmay's unangefochten zurückgesendet, gleich aber nach deren Abreise die ganze Besitzung von Grund aus zerstört und alle Baulichkeiten dem Boden gleich gemacht haben. Ein ähnliches Schicksal hatten die Pallavicini'schen Güter im Bvrsoder Kvmitat. — Der Erminifter Schwarzer, Re. dakleur der verbotenen Allgemeinen österreichischen Zeitung, ist zu einem 48stündigen Stvckhausarrest verurtheilt worden. — Wien, 30. März. Feldzeugmeister Baron Welten ist heute mit den Staabsoffiziere» seiner Umgebung nach Ungarn, und zwar vorerst nach Cvmvrn abgegangen, das unaufhörlich beschossen wird, und dessen nahe bevorstehende Uebergabe man mit verstärkten Mitteln beschleunigen zu wollen scheint. — Wie verlautet ist unser Begehren einer Kriegsentschädigung gegen die sardinische Regierung auf 70 Millionen Gulden C.M. gestellt. — Pesth, 26. März. Die Unzufriedenen der Hauptstadt werden immer verwegener. Am Tage kauft man dreifarbige Zeuge; im Verlaufe der vergangenen Nächte wurden Plakate in ungarischer Sprache verstreut. Diese Plakate sind von dem Debrecziner Polizeiminister Madarasz unterschrieben, ermahnen die Bürgerschaft, bei ihrer lobenswerthen Gleichgültigkeit zu verharren, versprechen baldigen Einzug der Insurgenten und schärfen vorzugsweise ein, auf mehrere ausdrücklich benannte hochgestellte Personen ein wachsames Auge zu haben und nölhigenfalls ihre Flucht zu verhindern. — Mailand, 29. März. Gestern rückte das dritte Armeekorps, vom Kriegsschauplatz zurückkehrend, hier ein; eS wird Brescia und Bergamo besetzen. So eben hält Radetzky an der Spitze des ReservekorpS seinen Einzug hier. Das eben einrückende Korps führt 13 der den Piemvnlesen adgenommenen 40 Kanonen und viele Munitionswagen mit. — Die verbreitet gewesenen Lü- gengerüchte über die Siege der Piemontesen hatten unter der Mailänder Bevölkerung die Aufregung bereits auf den höchsten Punkt gesteigert. Es halte übel auSfallen können, wenn nicht gerade noch zur rechten Zeit die authentische Nachricht über die totale Niederlage der Piemontesen eingetrvffen wäre. Die beschwichtigende Wirkung, die diese Nachrichten auf die Exaltation der Mailänder äußerten, war wirklich zauberhaft. Im Nu waren die lärmenden Haufen auseinander gestoben, die tiefste Stille trat an die Stelle des früher» übermüthigm Geschreis, und nur da und dort Hörle man Einen dem Andern zuflüstern: -Wir sind verrathen.-- - Das Bulletin der Piemontesen über die Schlacht bei Nvvara gesteht die vollständige Niederlage offen ein. Die Tapferkeit des Herzogs von Savoyen wird sehr gerühmt; mehrere Pferde wurden ihm unter dem Leibe erschossen, er komman- dirte aber nun zu Fuß- Der König Karl Albert stand ebenfalls im dichtesten Kugelregen. Viele fielen in seiner Nähe; dem General Durands, der ihn mit Gewalt au« der verlorenen Schlacht führte, antwortete er: -General, das ist mein letzter Tag. laßt mich sterben!-- Sofort darauf erklärte er seine Abdankung: -sein Tagwerk sei erfüllt, er könne dem Lande, dem er 18 Jahrelang sein Leben geweiht, keinen Dienst mehr leisten.-- — Verona, 28. März. Brescia ist im Innern der Stadt verbarrikadirt und von Außen durch kais. Truppen eingeschloffen. Die Jnsurgenlenhaufen, die sich in offenen Orte» jener Provinz zeigten, konnten bisher von den gegen sie ausgeschickten Streif- 108 kommandos nicht erreicht werden. Wahrscheinlich werden sie sich nach und nach von selbst auflösen, sobald sie unsere Siege über die Piemontesen als eine Thalsache erkennen werben. — Bern, 1. April. Gestern feierten die mit dem Leben davon gekommenen Freischärler den Jahrestag ihrer unrühmlichen Niederlage durch ein Festesten. Wahrlich, es braucht eine harte Haut, um das Ungeziemende eines solchen Festes nicht zu fühlen. Einzelne blieben weg. — Der Bundesrath tritt gegen die Umtriebe und Falschwerbungen fremder Flüchtlinge kräftig auf: so verbot er dieser Tage die durch den berüchtigten Cigarrenfabr-- kanten Bekker in Biel in's Werk gesetzten Werbungen für Sizii lien, und forderte die Kantone auf, ihre Angehörigen abzumahnen und die Werder z» bestrafen. Die in diese Umtriebe verwickelten Flüchtlinge Heinzen und Lvmmel, Ersterer zugleich als der Hauptredakteur der "Evolution,-- sind unbedingt aus der Eidgenossenschaft ausgewiesen, und die Kantone eingeladen, dieselben sofort zu entfernen, falls sie sich auf ihrem Gebiete befinden. Bisher fand Heinzen an James Fazy einen Schützer. Cs stehen dem Bundesrath also neue Angriffe bevor. — Die ganze piemontestsche Armee ist in Auflösung und von fernerem Widerstand keine Rede mehr. Diele Soldaten haben die Straße über den Simplon eingeschlagen und sind mit Sack und Pack, unterwegs in ihre Hei- math Savoyen, in Brieg eingetroffen. — Paris, 31. März. Die Wahl des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser war gestern Abend schon bekannt, aber noch weit mehr Aufsehen erregte der Sieg Bems, den die hiesigen Polen wieder als übermächtig schildern und selbst Wien als in Gefahr darstellen. Ebenso träumen die italienischen Flüchtlinge noch von einem Sieg. — Ueber Italien vergessen die Franzosen alles Andere. Der National setzt sein kriegerisches Feuer fort und beschwört Frankreich, selbst einen Krieg — --setzt günstig durch die Sympalhieen der Völker« einem demüthigenden Friedenhalten und später sich doch einstellenden, dann aber auch unglückseligen Krieg vorzuziehen. — Auch der Temps ruft: --Das Maß der Schande ist voll. Frankreich will solche einschneidende Demüthi- gungen nicht länger ertragen.-- — Die Debats rufen dagegen aus: Gott iei Dank, Hr. ThierS wird heute sprechen. Sollte er auch nicht ganz unsere Ansicht aussprechen, so weiß Hr. Thiers doch, was er sagt. Das wisse» aber Billault, Jules Favre u.s.w. nicht u. s. w. — Die um Grenoble kantonirten Truppen haben Befehl zum Abmarsch erhalten. Die ganze Division bewegt sich nach der Kränze. — Paris, 31. März. Dem Vernehmen nach würden die katholischen Mächte nun sofort zur Wiedereinsetzung des PabsteS im Kirchenstaate schreiten. Zuvörderst würden Kommissäre nach Rom geschickt werden, um die republikanische Regierung aufzu- fvrkern, sich freiwillig aufzulösen, falls sie nicht darauf einginge, würden die französischen Truppen zu Civitavecchia landen, während die spanischen Truppen sich nach Gaöta begeben würden, um den Pabst nach seinen Staaten zurückzubegleiten. — Der Regie, rung ist die telegraphische Nachricht aus Marseille zugekommen, daß man Nachrichten vom englisch-vstindiscken Heer vom 25. Febr. erhalten hat, wonach Sir H. Gough einen neuen Sieg über die Sheiks davvngetragen, deren Truppen zerstreut wurden, indem sie ihre Zelte und den größten Theil ihrer Artillerie auf dem Schlachtfelds zurückließen. — Turin, 27. März. Gestern ist der junge König Viktor Emanuel angekommen. Schon vorher halte ihm die Besatzung von Turin gehuldigt. — In der Abgeordnetenkammer wurde dem abgetretenen König Karl Albert der Dank des Vaterlandes ausgedrückt. — Aus Chambery in Savoyen wird vom 27. geschrie- ben, in Folge des unglücklichen Ausgangs des Kampfs mit Oesterreich spreche man dort offen vom Anschluß an die französische Republik. — Neapel, 2t. März. Ein Kreisschreiben der Regierung vom 22. d. kündigt den Gesandten und Konsuln die Blokade Siziliens an. — Der Vorschlag von Welcker in Frankfurt, den König von Preußen zum deutschen Kaiser zu machen, hat uns Deutsche hier mit großem Jubel erfüllt. Gott gebe, daß er durchgehe, dann werden wir armen Deutschen im Auslände doch nicht mehr gehänselt und verlacht werden, sondern ein großes mächtiges Vaterland haben. * Des Märzes 2dus. O stille heil'ge Morgenstunde, Darf ich in dir vielleicht die hohe Weihe ahnen, Der ich bedarf, mir einen Weg zu bahnen Aus diesen labyrinth'schen Gängen? Was hilft mir jedes Wort im Munde Und was mein ungetrübtes Auge, Was Redlichkeit und guter Wille, Was alle Gluth in meinen Jugendklängen, Wenn ich nicht zum Geweihten tauge, Der dieses bunten Lebens Fülle Bis in die tiefsten Tiefen so ergründet, Daß jede irre Meinung vor ihm schwindet? Ja, irrthumsfrei; — o sell'ne Größe In dieser sonst so großen Zeit! Wohin ich auch nur schaue, merk' ich Blöße; Und jeder ist zwar gern bereit Mit Leidenschaftlichkeit für sein System zu streiten, Die Schaar zu Hetzen, eh' er sie gehört; Doch was Vernunft, was Menschensitte lehrt, Das will man nicht, weil es den Unsinn stört, Und wenn man's will, so will man's nicht — bei Zeiten- Ach alles Hoffen ist nur Schaum! — Im jugendlichen Fiebertraum Sah' ich den Engel mit der Friedenspalme, Und um ihn her in wirrem Oualm Bluttriefende Parteien steh'n. Die Sonne trat hervor in »iegeseh'nem Glanze, Das Volk vereinte sich zum brüderlichen Tanze Auf jenes Engels mildes Fleh'n. Wo ist der Engel, den ich sah. Und wo das Volk, das sich versöhnen ließe? Die Sonne, ja, die prächtige wär' da. Jedoch bei allem Glanz seh' ich nur Finsternisse. O Gott vom Himmel sieh darein! Europa liegt in schweren Kindesnöthen; Ich will recht wacker für die arme Mutter beten, Doch lass das Kindlein dann auch frisch und fröhlich sein, Und lass es --Fried' und Freiheit« heißen. Es wär' auch wahrlich nimmer früh; Wie oft soll man die Sonne noch umkreisen? Des MärzeS Jdus ist nun wieder hin. Und immer noch die alten Weisen. Rastatt, den 15. März 1849 Morgen» 4 Uhr. Karl Gantz. Nedigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hvfbuchhandlung.