Karlsruher Beobachter. Nr. 14 Donnerstag den 17. Februar 1848 . Neapel und Sicilien vor 25 Jahren. *) lieber ein Vierteljahrhuudert ist verflossen, seitdem der Versuch gemacht wurde, in Sicilien das nach dem Muster der englischen Verfassung und mit Hülfe der Engländer im Jahr 1811 dort eingeführte, aber vom König Ferdinand bald nach dem Frieden wieder aufgehobene Parlament herzustellen. Eben so lange ist es her, daß man in Neapel die spanische Verfassung von 1812 proklamirte. Aber beide Versuche sind bald darauf, Iheils an den verkehrten Maßregeln der Sicilianer und Neapolitaner selbst und theilS an der entschiedenen Intervention Oesterreichs, gescheitert. In dem gegenwärtigen Augenblicke möchte ein kurzer Rückblick auf diese Ereignisse unseren Lesern von Interesse sein. Wir schicken nur voran, daß die hier folgende Darstellung an die Zeit anknüpft, wo Murat nach seinem tollkühnen Landungsversuche tOkt. 1815) zu Pizzo erschossen worden war. --Neapel war in völlig neuen Formen befangen, und in Sicilien herrschte die größte Unzufriedenheit, die durch die Aufhebung des Parlaments (durch dessen Widersetzlichkeit veranlaßt) und durch allgemeine Verarmung noch vermehrt wurde. Aie Regierung arbeitete daher ernstlich an Reformen, der Minister Tomma und der Ritter Medici bereiteten, laut dem organischen Gesetze vom 12. Dezbr. 1816, neue Einrichtungen vor, führten unter ^Anderem Provinzial- und Munizipalräthe ein, konnten aber an eine Repräsentativ-Verfassung nicht denken, da ein 1815 mit Oesterreich geschloffener geheimer Vertrag Neapel ausdrücklich verpflichtete, eine solche ohne die Zustimmung dieses Staats nicht einzuführen. Außerdem mehrte die von Medici eingeführte Erhöhung der Grundsteuer, die 35 Prozent des reinen Ertrags betrug, und die Wiedererrichtung von 42 Klöstern, durch Me- dici's Konkordat 1818 für Neapel festgesetzt, die Unzufriedenheit, eben so die zu Noja ausgebrochene Pest, wo die dagegen genommenen Maßregeln der Negierung 606,000 Dukati kosteten, und der Krieg mit Algier, den jedoch schon 1816 der Friede, welcher Alles in den alten Verhältnissen ließ, endete. In dieser Zeit war ! auch Ferdinand I. nach dem Tode seiner ersten Gemahlin Maria Karvlina (1815 zu Hetzendorf bei Wien) ein- zweite, morganatische Ehe mit der Wittwe des Fürsten von Partuna eingegangen, und die neue Gemahlin erhielt den Titel Herzogin von Flvridia. ^ --Die Verschmelzung der neapvlitanischcn Armee mit der dem ^ König nach Sicilien gefolgten gab, da letztere belohnt, erstere z nur geduldet ward, Anlaß zu vielen Klagen. Dazu war die Cvnscription abgeschafft und die Ergänzung eines Heeres von 60,000 Mann daher sehr schwierig; 1817 änderte der österreichische Feldzeugmeister, Graf Nugent, jetzt Oberbefehlshaber des neapolitanischen Heeres und Kriegsminister, die bisherige französische Organisation in österreichischen Formen um und beleidigte hierdurch die Offiziere. Civil und Militär fühlten sich daher gleich gekränkt, und die Unzufriedenen flüchteten sich in die geheime, obschon wie alle geheime Vereine bei 5—Mjähriger Verbannung verbotene Gesellschaft der Carbo naria, die schon zu Murat's Zeiten bestand. Bald zählte diese Gesellschaft 642,090 Mitglieder, der Widerstand der Polizei, welche die Calderari del Contrapeso (Kesselmacher des Gegengewichts) unter dem Protektorat des Fürsten von Canosa ihnen entgegensetzte, verstärkte sie, durch da- Gelingen der spanischen Revolution gewann sie noch mehr Dünkel, und von ihr aus gingen die Bewegungen, durch welche die neapolitanische Revolution ihren Anfang nahm. --Am 2. Juli 1820 rückte der Lieutenant beim Kavallerie- regimente Bourbon, Mvrelli, an der Spitze seiner Schwadron, in Verbindung mit dem Priester Minichini, der Mvrelli zwanzig Nationalgarden zuführte, von Nola aus über Monteforte nach Avellino und verkündete dort die Constitution. Hier vereinten sich die Verschwornen mit Lorenzo de Conciliis, Chef des Generalstabs der dritten Militärdivisivn, der ihnen Truppen und Milizen zuführte. Sie rückten nun den 3. Juli weiter, verschanzten sich zu Monteforte, wo sie eine Abtheilung unter General Cam- pana angreifen sollte, aber so viel bösen Willen zeigte, daß dies unterblieb. Mehrere Städte, so Salerno, erklärten sich für die Empörer, auch ein Corps unter General Carascosa weigerte sich, gegen sie zu fechten. Am 5. führte General Wilhelm Pepe von Neapel aus ein Dragonerregiment zu den Insurgenten, und am 6. sandten das Regiment, welches das königl. Schloß bewachte, so wie die Bürgergarde zu Neapel, Abgeordnete an den König, die ihn auffvrderten, dem Volkswunsche nach einer Constitution nachzugeben. Der König erließ, da jeder Widerstand fruchtlos schien, eine Proklamation, worin er mit Bewilligung des Thronerben, Prinzen Franz von Calabrien, versprach, binnen acht Tagen die Grundlagen einer Verfassung zu geben. Allein die Empörer waren mit dieser Erklärung nicht zufrieden und forderten binnen 24 Stunden die Annahme der Constitution der spanischen Cortes von 1812. Ferdinand 1. setzte nun den Kronprinzen als alter exo (Mitregenten), mit unumschränkter Entscheidungsvollmacht, ein, und dieser nahm die spanische Constitution an. Am 7. Juli bestätigte der König diesen Ausspruch. Eine provisorische Junta ward ernannt, zu der der Generallieutenant Florestan Pepe und David Winspeare gehörten. Am 9. ward ein neues Ministerium ernannt, in welchem Graf Zurlo das Innere und General Ca- rascvsa das Departement des Krieges erhielt. Wilhelm Pepe wurde Oberbefehlshaber der Jnsurgentenarmee, und am 13. beschworen der König, der Kronprinz und der Prinz Leopold, Herzog von Salerno, die Constitution und nahmen den Mitgliedern der Junta den Eid ab. Die Censur ward nun in Neapel auf. gehoben, das Parlament auf den 1. Oktober berufen und dem Heere die alte Verfassung, wie unter Murat, gegeben. ') A«S dem Magazin für dir Literatur teS Auslandes. 54 »Die in dem Neapolitanischen enklavirten päbstlichen Distrikte, Benevenl und Ponte Corvo, hatten ebenfalls die Constitution am 4. angenommen, sie verlangten vom Prinzen von Ca- labrien völlige Aufnahme in den neapolitanischen Staatsverein, und als ihnen diese Bitte verweigert ward, indem sie Neapel in Kollision mit dem Pabst gebracht haben würde, verwandelten sie sich jn einen Freistaat. (Schluß folgt.) Aus der Zeit. — Karlsruhe, 12. Febr. s23. Sitzung der zweiten Kammer.) Es wird eine Menge von Petitionen übergeben, und zwar von Mannheim dreizehn, zehn von Heidelberg und achtzehn aus dem Klettgau, auch eine Beschwerde des Hrn. v. Struve wegen des Censurwesens und noch mehrere andere. — Die Abg. Dennig, Baffermann und Dörr legen Budgetskommissionsberichte über die von der Regierung übergebenen Rechnungsnachweisungen vor. Der Abg. Weller übergibt den Bericht über das jüngste Steuer- ausschreiben vom 13. No», v. I., welcher den Antrag enthält, gegen dieses Steuerausschreiben als verfassungswidrig Beschwerde zu erheben, dessen Rücknahme und die Vorlage eines andern Entwurfes zur Zustimmung der Kammer zu verlangen, endlich auch die Beschwerde gegen den Präsidenten des Finanzministeriums, welcher dasselbe unterzeichnet, auszudehnen. — Der Abg. Stolz erstattet Bericht über die Rechnung des Archivariats für den verflossenen Landtag. Der Antrag auf Ertheilung des Ab- solutoriums an Archivar Rau unter Anerkennung seiner vorzüglichen Leistungen wird einstimmig angenommen. — Der Abg. Baffermann begründet seine früher angekündigte Motion, die Vertretung der deutschen Kammern bei dem Bundestage betreffend. Wir geben aus dem Schluffe derselben Folgendes: "Deutschlands größtes Bedürfniß ist eine Reform seiner Verfassung. Mag eS auch erst einer Zeit der Noth zur Ausführung bedürfen, diese Ausführung wird dann um so sicherer und leichter geschehen, je fester die Ueberzeugung der Nvthwendigkeit begründet, und je allgemeiner die Einsicht in die Zweckmäßigkeit der Heilmittel unserer Uebel in der Nation verbreitet ist- Diese Ueberzeugung, diese Einsicht auszusprechen, ist die Aufgabe der Vertreter des Volks, ist unsere Pflicht. Ich thue es in der mir gebotenen Form und stelle den Antrag: „die Kammer möge in einer Adresse an Se. K. H. den Grvßherzvg die Bitte richten, auf geeignete Weise dahin wirken zu wollen, daß durch Vertretung der deutschen Stäntekammern am Bundestage ein sicheres Mittel zur Erzielung gemeinsamer Gesetzgebung und einheitlicher Nationaleinrichtungen geschaffen werde." Indem ich diesen Antrag stelle, den der Abg. Welcker schon 1831 gestellt, verhehle ich mir nicht, von wie vielen Seiten ihm der Vorwurf werden wird, er sei unpraktisch. Man wird sogleich fragen, wie das auszuführen sei; ob denn ein kleiner Bundesstaat so viel Bevollmächtigte senden solle, als ein großer, oder ob im Verhältniß der Bevölkerung; ob bloS die Wahlkammern oder auch die ersten Kammern, und wie diese vertreten sein sollen. Ob damit ständige deutsche Reichstage, oder blos Versammlungen beabsichtigt seien, die bei besonderen Gelegenheiten zu berufen wären und dergleichen mehr. Zn solche Einzelheiten schon bei Begründung meines Antrags einzugehen, dies halte ich für unpraktisch. Genug, wenn wirauS- sprechen, daß die Grundbedingungen der Wirksamkeit einer deutschen Nationalvertretung nicht fehlen dürfen; die bindende Kraft der Mehrheitsbeschlüsse, ohne welche es keine Einheit gibt, und die Oeffentlichkeit, ohne welche keine heilsame Verstärkung des National- und Einheitsgefühls gegenüber dem Auslande denkbar wäre. Was die Vertretung der ersten Kammer betrifft, so wird man allerdings sogleich weiter fragen, wie nur zu erwarten sei, daß die erste Kammer einem solchen Antrag zustimme? Mag sein, daß sie es nicht thut; daß sie den Stimmen weiter blickender Mitglieder des deutschen Adels nicht folgt, die im wahren Interesse ihres Standes diesem rathen, sich den gerechten Wünschen der Nation nicht entgegenzustellen, sondern sich vielmehr zu deren wirksamen Vertretern zu machen. Mag sein, daß sie übersieht, wie durch die Errichtung einer allgemein deutschen Ständeversammlung Gelegenheit geboten wäre, den Art. 6 der Bundesakte zu erfüllen, der den mediatisirten vormaligen Reichsständen eine Vertretung beim Bundestag in Aussicht stellte. Könnte ein? solche Vermuthung Sie von der Zustimmung zu meinem Asttrage abhalten? Ich glaube, sie wirb es ebenso wenig, als die Gewißheit, die ich mir nicht verhehle, daß der Bundestag zur Zeit eine Vertretung nicht zulaffen wird. Was ist es denn, was das deutsche Volk verlangt? Daß es da gehört werde, wo man über seine Schicksale entscheiden will. Hatte es doch früher ganz andere Rechte, als dieses billigste von allen. An das unbedingte Recht der Steuerverwilligung knüpften die alten Stände Bedingungen; behielten sich häufig die Verwendung der Steuern selbst vor. Bei Kaiser und Reich, später bei den Reichsgerichten, konnten sie Klage führen gegen ihre Fürsten rc. Wie billig, wie bescheiden ist die jetzige Forderung, daß die Nation da nicht ausgeschlossen werden solle, wo über deren höchste Interessen entschieden wird; chaß die Gewalt, die der Bund übt, nicht länger eine unumschränkte sei.» — Staatsminister v. Dusch will sich in die Einzelnheiten der so umfassenden Motion, da es hier ohnedieß nicht am Platze sei, nicht einlaffen, dagegen auf die.Bedenklichkeiten aufmerksam machen, welche dem Betreten der durch den Motivnssteller vorgezeichneten Bahn entgegenstehen. Er warne die Kammer, auf festem Boden stehen zu bleiben und sich nicht in etwas Unpraktisches einzulassen. Ser Abg. Scheffelt unterstützt die Motion und stellt den Antrag auf deren Vorausdruck und Verweisung in die Abtheilungen. Ebenso der Abg. Zittel, der ausführlich nachweist, daß die in der Motion enthaltenen Wahrheiten am Ende doch durchgreifen müßten. Die Abg. v. Jtzstein und Welcker sprechen mit Lebhaftigkeit für die Motion als erster Grundlage zur Einigung Deutschlands. Nachdem auch noch die Abg. Kapp, Peter, Hecker, Junghanns, Knapp, Bader, Weller, Christ und Buß zum Theil ausführlich gesprochen, wird der Antrag deS Abg. Scheffelt angenommen. — 14. Febr. s24. Sitzung der zweiten Kammer.) Oer Abg. Brentano zeigt eine Motion an auf Einräumung des. Vvllge- nuffes aller bürgerlichen Rechte an die Israeliten. Der Abg. Schaaff legt ein Gesuch des Vorstandes des landwirthschaftlichen BezirkSvereinS in Mosbach vor, um Einführung einer Ackerbauschule im Odenwald. — Der Abg. Helbing berichtet zuerst über eine Bitte mehrerer Bürger von Rheinbischofsheim um Beförderung der Hanfindustrie. Der Antrag auf empfehlende Ueber- weisung an das Skaatsministerium wird angenommen; sodann ferner über eine Beschwerde mehrerer Schiffer, Bäcker und Mehlhändler zu Werlheim wegen eines von der bayerischen Regierung zollvertragswidrig erlassenen Getreide- und MehlauS- fuhrverbotS und trägt auf dringende Empfehlung des Gesuchs an das Staalsministerium an. Die Kammer stimmt dem Kom- misstonsantrage bei. Es folgt hierauf die Berathung des Siegle- schen BudgetSkommisstonsberichls über die Hauptstaatsrechnungen und die von dem landständischen Ausschuß geprüften Rechnungen 55 verschiedener Verwaltungszweige. Der Antrag der Kommission, fämmtliche Rechnungen für richtig zu erklären» wird angenommen. - Der Abg. Helbing berichtet über ein Gesuch des Mechanikus Schweizer zu Mannheim um Unterstützung seiner Fabrik aus Staatsmitteln und tragt auf Tagesordnung an» indem hier nicht im Entferntesten solche Gründe »erliegen, welche die Regierung und Kammern vor Kurzem bestimmten, den bekannten drei Fabriken Unterstützung zu gewähren. Der Abg. Schaaff hofft, daß der hierauf zu erwartende Kammerbeschluß manche Bedenklichkeiten beseitigen-werde» als müßten in Folge der Unterstützung jener drei Fabriken, um konsequent zu sein, alle andern Etablissements ebenfalls unterstützt werden. Der Abg. Metz hält es für seine Pflicht, noch ein weiteres böswillig ausgestreutes Gerücht, als habe man jene drei Fabriken nur darum unterstützt, weil hochgestellte Personen bei denselben als Aktionäre betheiligt gewesen, für eine Verleumdung zu erklären. Oer Abg. Kapp bestätigt dieß und hält das Ausstreuen solcher Lügen eines jeden Mannes, er möge eine Farbe haben, welche er wolle, für un- würdig. Die Kammer nimmt den Kommisstvnsantrag einstimmig an. — Karlsruhe, 16. Febr. Gestern Nachmittag gegen vier Uhr ertönte das schon früher auf einen unbestimmten Zeitpunkt verkündete Feuersignal. Alsbald sah man aus allen Straßen die Mitglieder des Feuerwehrkvrps in voller Rüstung dem städtischen Spritzenhause, als dem Sammelplatz, zueilen, und zwar so kurze Zeit nach dem Signal, daß bereits nach Umlauf von 10 Minuten der größte Theil der Mannschaft sich eingefuuden halte.AVon da aus zog das gesummte Corps nach dem Uebungsplatze vor dem Mühlburgerthor, und verbrachte den Rest des Nachmittags mit Uebungen, welchen Se. Durchlaucht der Fürst von Fürstenb'erg anzuwohnen geruhte. Diese Probe hat den Beweis geliefert, in welch' kurzer Heit bei Nolhfällen unsere, auS der Mitte der Bürger hervorgegangene und praktisch gebildete Löschmannschaft zur Hülfeleistung bereit sein wird, und muß von Neuem das Gefühl des Dankes gegen die Mitglieder derselben Hervorrufen, welche durch freiwillige Ue- bernahme so schwieriger und gefährlicher Pflichten ihren Mitbürgern die Beruhigung einer eifrigen und wirksamen Hülfe in Zeilen der Noth gewähren. — München, 10. Febr. Gestern versammelte sich eine große Menschenmaffe in der Nähe der Feldherrnhalle und Theatinerkirche, da man dort die „Gräfin Landsfeld" erblickte. Pfeifen und Schreien wiederholte sich auch hier, bis die Dame, die sich iuerst in die Kirche zurückzog, unter Militärbegleitung nach der Abg. I k. Residenz geleitet worden war. DaS nun anlangende Militär llge< I besetzte die Zugänge zur k. Residenz, wie denn auch das Wohn- Abg- I Haus der Dame in der Barerftraße durch Militär abgesperrt scheu > war. Nachmittags zogen einige hundert Studenten nach der Umbau- I bttsttät, um dort dem Rektor, Hofrath Thiersch, einige Beschwer- über I den vvrzutragen. Eine Abtheilung Kürassiere, die sofort nach der eför» I Universität sprengte und sich dort aufstellte, wurde auf Deran- eber- ! iststing des Rektors gleich wieder entfernt. Oer Rektor machte dann i >« einer kurzen Anrede die Mittheilung von der Schließung der und I Universität, was einen tiefen Eindruck hecvorbrachte. Auf seine Re- i 2kmrh„u„g begab man sich in Ordnung und Ruhe in die Stadt laus- l iurtzch. Heute Morgens zogen wohl an 1000 Studenten von der sucht I Universität unter Absingen bekannter Studentenlieder nach der sein- ! Wohnung des Rektors. Hofrath Thiersch, sichtlich vom tiefsten egle- I Kummer bewegt, trat auf den Balkon und hielt eine kurze An- ngeü I"de. tzs ermahnte zur Ruhe. Die zahlreiche Versammlung, es »gen I ^dchieu wohl über 2000 Personen sein, brachte nun dem von allen Ständen hochgeachteten Rektor ein dreimaliges Lebehoch und zog dann, fortwährend singend, nach dem Karlsthore und zur Stadt herein. An der alten Universität, wo jetzt das Ministerium des Znnern für Kirchen- und Schulangelegenheiten sich befindet, brachte man ein dreimaliges Hoch. Zn diesem Augenblick erschien eine Abtheilung Gendarmerie, die die Versammelten auseinander jagte. Leider wurden hiebei, da man sich ohne genügende Veranlassung der Gewehre bediente, mehrere junge Männer verwundet. Die Versammelten zerstreuten sich nach allen Seiten. — Die Aufregung über diese Vorfälle, sowohl wegen der Aufhebung der Universität, als auch wegen des blutigen Einschreitens der Gendarmerie ergriff auch den Bürgerstant. Mit- tags versammelten sich gegen zweitausend Bürger auf dem Rathhause, wo eine Adresse an den König zu Stande kam, welche durch eine Deputation überreicht werden sollte; zugleich wurde beschlossen, daß die ganze Bürgerversammlung mitziehen und vordem Schlosse warten solle. Die versammelten Bürger über 2000 a» der Zahl, zogen je vier und vier, nach der Residenz, wo sie sich in einer Reihe, dem Königs bau gegenüber, aufstellten. Man hatte beschlossen, daß Alles in größter Ordnung und Ruhe geschehen sollte, was auch fortwährend der Fall war- Der Mar- Jvsephsplatz bot einen imposanten Anblick; die lange, zahlreiche Reihe der Bürger in ruhigster Haltung, ihnen gegenüber eine Infanterie- und Kürassierabtheilung, und im Rücken der Bürger, jedoch von diesen gesondert, eine große Masse Volkes, das sich auf Veranlassung der Bürger ganz ruhig verhielt. Nachdem die Deputation nach längerer Zeit entlassen war, zog man ruhig wieder nach dem Rathhause, woselbst die Deputation die k. Erklärung berichtete, wonach die Antwort auf ihr Gesuch dem Magistrat auf dienstlichem Wege zukommen solle- Die Bürgerversammlung blieb, nachdem sie Liesen Bericht der Deputation erfahren, theilweise noch länger beisammen, und trennte sich später in trübet Stimmung; — Am Abend fielen in der Barerstraße, wo das Haus der „Gräfin Landsfeld" übrigens durch Militär abgesperrt war, so wie auch an dem Gebäude der Polizeidirektion unruhige Auftritte vor, und es wurden namentlich in dem letzt, genannten Gebäude viele Fenster eingeschlagen. Da die Gendarmerie Ausfälle machte, so sind an beiden Orten einige Verwundungen vorgefallen. — Heute am frühesten Morgen war schon die Residenz von einzelnen Truppenabtheilungen besetzt, und zahlreiche Patrouillen sah man in den Straßen. Nach 8 Uhr eilten die Bürger in großer Anzahl wieder auf den Rathhaus, saal, man.verlangte nun allgemein Entfernung der „Gräfin Landsfeld" und Wiedereröffnung der Universität. Nachdem zuerst der Stadtkommandant, General v. Kunst, erschienen war und beruhigende Zusicherungen gegeben hatte, meldete donnernder Zuruf der auf dem Schrannenplatze ausgestellten Volksmenge die Ankunft des Fürsten v. Wallerstein. Er wurde im Saale mit un- ermeßlicher Acclamalion (es waren mehr als 300.) Bürger ver- sammelt) empfangen und erklärte, der König habe beschlossen, den Wünschen der Bürger zu willfahren. Die Universität solle also nicht geschloffen werden und hinfür nichts mehr zwischen dem König und dem Volk stehen. Die „Gräfin Landsfeld" fei abgereist. Nun zogen tie Bürger wieder» begleitet von einer ungeheuren Menge Volkes, vor die Residenz. Ihre Königs. Majestäten zeig en sich am Fenster und wurden mit enthusiastischem Lebehoch begrüßt. Große Erbitterung aber erhob sich allenthalben gegen die Gendarmerie» welche theilweise unter Sleinwürfen und heftigem Schreien uns Pfeifen sich zurückzuziehen genöthigk wurde. — Die Studirenden brachten der hiesigen, auf dem Rathhause versammelten Bürgerschaft, deren besonnenes Auftreten bei den Ereignissen der letzten Tage die dankbarste 5 « Anerkennung jedes Bayern verdient, ein dreifaches donnerndes Lebehoch. Dann zogen sie zur Wohnung Sr. D- des Fürsten von Wallerstein, um ihm in gleicher Weise ihren Dank auszusprechen. — München, 12. Febr. Der sich gegen die hiesigen Gendarmen aussprechende Unwille, welchen sie durch ihr brutales Betragen während der jüngst verflossenen Tage bei allen Klaffen der Bewohner Münchens hervvrriefen, und die erlangte Ueber- zeugung, daß sie die Schuld der begangenen Exzesse tragen, haben die hiesige Landwehr bewogen, zur Sicherheit der Stadl Bürgec- patrouillen die Straßen durchziehen zu lassen. — Die „Gräfin Lanbsfeld" ist am 13. Febr., wie es schien, in Begleitung von Allemannen in Kempten angekommen. Sie war Tags zuvor Mittags mit der Eisenbahn in Augsburg angekommen und hatte die Nacht vom 11. auf den 12. in Blulenburg bei Nymphenburg im dortigen Lustschloß zugebracht. Sie ist mit einem Paß in die Schweiz versehen. Die aus der Stadl verwiesenen Allemannen sind nach Leipzig abgereist. — Kassel. Nach einem Beschluß des Ministeriums des Innern sind die Adressen und sonstigen Demonstrationen zu Gunsten der schweizerischen Eidgenossenschaft, so wie die Subscriplionen und Manifestationen für Beseler zu verhindern, und werden die Censoren inländischer Blätter auf die Nichtzulassung deßhalbiger Veröffentlichungen und Nachrichten aufmerksam gemacht. — Schleswig-Holstein, 5. Februar. Die schleswig-hol- stein'sche Ritterschaft hat gestern den Beschluß gefaßt, eine Deputation nach Kopenhagen zu schicken, und zwar mit dom Aufträge den König um die Bestätigung der alten Landesprivilegien zu bilten. — Preußen hat indessen einen besvndern Abgeordneten nach Kopenhagen geschickt, auf dessen Wirksamkeit man sehr gespannt ist. — Wien, 10. Febr. Vor einigen Tagen sind von hier fünf und eine halbe Million Gulden in Silbermünze nach Mailand gesendet worden; wahrscheinlich, um möglichen Verlegenheiten für die Militärmannschaft bei Verwechslung von Banknoten, wenn ihnen die Löhnung in solchen ausbezahlt würde, zuvorzu- kvmmen. — Man schätzt die Unkosten, welche die Armee in Italien dem Staatsschätze verursacht, täglich auf nicht weniger als 100,000 fl. C. M. — In Pa via ist es am 7. Febr. zu blutigen Händeln eines Theils der Bewohner mit der Besatzung gekommen. Die Volkshaufen wurden zersprengt. — Zürich, 12. Febr. Zn den Urkantonen, und besonders im Kanton Luzern hat die Revolution in Neapel und die Ertheilung der Konstitution einen unzeheuern Schreck hervvrgebracht, den» es verhehlt sich Niemand, daß die Militärkapilulativn nicht nur gekündigt, sondern geradezu werde gebrochen werden, wie 1830 m Frankreich und Holland. Dann kommen wieder 6—7000 Mann zurück, ohne Unterhaltungsmittel und ohne Aussicht, solche zu erwerben, wirklich ein Unglück für die ganze Schweiz; hoffen wir aber, auch das letzte der Art. — Aus Marseille vom 9. Febr. erfahrt man, daß der abgesetzte neapolitanische Pvlizeiminister Oelcarretto, nach langer Irrfahrt, nachdem er überall an den italienischen Küsten abgewiesen war, und in dem neapolitanischen Hafen Gaeta, wohin sodann daS Schiff sich begab, durch den Telegraphen aus Neapel den Befehl erhalten hatte, sofort nach Marseille sich zu begeben, am 5. Febr. an Bord des Nettuno endlich im Hafen von Marseille angekommen ist. — London, 11. Febr. Die Matrosen überbrachten gestern in feierlichem Aufzuge dem Staatssekretär des Innern die Bittschrift gegen die Aushebung der Schifffahrtsgesetze zur Ueberrei- chung an die Königin. — Heute Morgen verkündigten die Glocken der Paulskirche Las Hinscheiden des ErzbischoffS von Canterbüry und Primas von ganz England, William Howlev, geboren im Jähr 1765. Der Gehalt des Erzbischofs von Canterbüry beträgt 17,000 Pst. (204,000 fl.), zugleich ist mit dieser Würde das Patronat über 149 Pfründen verbunden. — Sir Stratford Canning ist, aus der Schweiz zurück, über Paris in London eingetrvffen, wo er gleich nach seiner Ankunft eine lange Unterredung mit Lord Palmerston hakte. Er geht in vierzehn Tagen auf seinen Bvtschaflerspvsien-nach Konstantinopel ab. — Genua, 9. Febr. Eben kommt ein Kurier aus Turin mit der Botschaft von der gewährten Konstitution, der Jubel ist gränzenlos, alle Glocken ertönen. Einige Hauptpunkte der kön- Proklamation über ein Landesgrundgesetz lauten: Die katholische apostolische römische Religion ist die einzige Staatsreligivn. Die andern bestehenden Kulte werden nach Maßgabe der Gesetze geduldet. — Die gesetzgebende Gewalt wird gemeinsam von dem König und zwei Kammern ausgeübt. — Der Vorschlag der Gesetze steht dem König und jeder der Kammer» zu. Alle Steuergesetze aber werden zuerst der Wahlkammer vorgelegt. — Oer König beruft jedes Jahr die zwei Kammern, vertagt ihre Sitzungen nnd kann die Wahlkammer auflösen; in diesem Falls beruft er aber binnen vier Monaten eine andere ein. — Die Presse ist frei, aber Represstvgesetzen unterworfen. — Eine Kommunalmiliz (Nativnalgarde) aus den Personen, die einen bestimmten Steuerbetraz zahlen, ist einzuführen. — In Turin wurde die Kundmachung gegen 3«/r Uhr angeschlagen. Mil Blitzesschnelle war die Hauptstadt in Bewegung: um 6 Uhr war die ganze Stadt beleuchtet, die ganze Bevölkerung, mit vielleicht 8 bis 10,000 Fahnen, durchzog die Straßen, poetische Erguss« der Vaterlandsliebe und der Dankbarkeit gegen den König singend — Neapel, 4. Febr. Heute wurde die Taxe auf fremk« Zeitungen aufgehoben, die seil Jahren 13 kr. für jede Nummer betrug. Die Presse, so zu sagen bereits ganz frei, entwickelt eine ungeheure Thätigkeit, aber auch eine fortdauernd bewm!- dernSwerthe Mäßigung. — Heute spricht man von einer vo»I König nach Palermo abgesandten Deputation mit der verlangte« I Constitution von 1812 und anderen k. Konzessionen in der Hanl! und der Vollmacht, endlich einen definitiven ,Frietensschluß" j«I erwirken. Auch Lord Rapier, der englische GesandtschaflssekretÄ I sei hinüber. — Die Truppen in Salerno und anderen Orten dbl Provinz haben Befehl, sich in ihre gewöhnlichen Standquartieül zurückzubegeben. — Die Verfaffungsarbeiten rücken rasch vorwärts Endlich ist vorgestern, auch Lord Minto hier angekommen. "I Der Corriere merkantile von Genua vom 9. Febr. berichtet^ Sizilien hat sich mit der ihm bewilligten Constitution nitG zufrieden erklärt und will einen besvndern König und Unabhs»» gigkeit von Neapel. Lord Minto hat sich nach Palermo begeb««U um eine Versöhnung anzubahnen. Diese Angabe bedarf übrigens sehr der Bestätigung, zumal sie leicht der allgemeinen Aufreguist in Genua entsprungen sein kann. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chr. Fr- Müller'fchen Hofbuchhandlung.