» . V ^ KaklsrOer Beobachter. Nr. 71 . Sonntag den 3. September 1848 . * Noch einmal von Turnvereine«. Ich hatte die Ehre, in einem offiziellen Artikel von dem Allgemeinen Turnverein selber bekämpft za werden, wegen eines Aufsatzes, der durchaus nicht unmittelbar gegen jenen gerichtet war, sondern nur, am Schlüsse allgemeiner Betrachtungen, in einer Nutzanwendung auf die hiesigen Verhältnisse, einige für jenen Verein ungünstige Beobachtungen enthielt. Nur eine so ganz feine Moral, wie sie das Herz meiner Gegner beseelt, konnte es für „unedel und mannesunwürdig" achten, Bemerkungen voll lautrer Wahrheit nicht zu unterdrücken, obgleich sie etwa einer zufälligen Gegenpartei schädlich sind. Andere Leute sehen dagegen in solch offenem Verfahren Nichts, als eine weise und erlaubte Förderung ihrer Absichten; und wenn man eure innerste Natur kennt, meine Herren, so seid Ihr selber so gescheidt, und nur aus Aerger, daß dicßmal wieder die Umstände gegen Euch stehen, möchtet Ihr sie un- ausgedeckt wissen. — Mir verschafft nun jene Ehre den unschätzbaren Vortheil, mit dem Schlag auf den Sprecher auch die ganze hinter ihm stehende Genossenschaft zu treffen. Möge sich ihr Organ dieserwcgen bei ihr rechtfertigen; Und sie selber, warum hat sie eben keinen bessern Wort- und Schriftführer aufpflanzen können? — Sie aber, Herr Beobachter, seien Sie ruhig! weit entfernt, Ihr Blatt als Tummelplatz für Balgereien anzuschen, wie sie in den Lokalblättern mancher Orte aufgespielt werden und wozu unser in Nro. 69 erstandener Gegner einen recht schönen Anlauf genommen, — hoffe ich, gerade vermöge einer so köstlichen Gelegenheit, wie die mir gewordene Erwiederung, heute meine Aufgabe vollständig lösen zu können, d. h. einige Aufklärungsversuche der öffentlichen Meinung über unser Thema nunmehr ganz gewiß mit dem herrlichsten Licht-Erfolge zu krönen. Man hat mir das leichteste Spiel gemacht und ich nehme somit zum letztenmal in dieser Sache Ihren Platz ein: ei wäre denn, Sie räumten mir eine Extrabeilage ein und fänden es für gut, darin unfern Leserkreis durch die Heim- nnd Zurechtweisung eines ABCschützen zugleich ergötzen und belehren zu lassen. Also es bleibe die politische Seite der Gegner und ihres Schriftwerkes unberührt. Ich habe zu viel Achtung vor mei- "m Publikum, um zu glauben, es bedürfe noch einer Nach- hülfc in seinem Urtheile; wähle auch hier Jeder, bei Wem uns beiden er die klarere und annehmbarere Meinung hnden möge, und verzeihe das vcrehrliche Publikum, daß die ^üllc lustiger Bemerkungen, zu denen man durch Hrn. H. G. irzwungen wird, als nicht hierhergehörend, brach liegen bleibe. Zum Hauptpunkte! Und hier soll es schon an zwei Stücken genügen, daran zu zeigen, wie es mit der Schlauheit und Wahrheit der Gegner gleich armselig bestellt sei. Nur rin Stockblinder wird dann noch Zweifel hegen, wer im Licht und Schatten stehe, aber solchen den Staar zu stechen, darauf muß man mit jedem andern Sterblichen verzichten. Für's Eine, so wagt es der Herr vor den Leuten mit folgender Beweisführung, aufzutreten: *) „Du sagst, geistige Ausbildung sei in der Aufgabe eines Turnvereins eiye nichtssagende Phrase, gut, also ist dir geistige Ausbildung eine leere Phrase; ha, Triumph über Dich, „unlogischer" Gegner!" Ich, für meinen Thcil, möchte nach solcher Erkenntniß, in dem Verein der Genossen dieses Herrn nicht meine geistige Ausbildung suchen, obgleich ich, scheint es, unter Leuten wäre, die die besagte Ausbildung überallhin an den Haaren herbci- ziehen. — Versteht der Herr vielleicht ein ganz populäres Beispiel? Wenn unsere Bäckermeister einen Backverein gründen, so erwartet das Publikum mit Recht nur und allein daraus eine Verbesserung ihrer Brode und Bretzeln und freut sich, wenn die Leute bei ihrem Leisten bleiben und, zu eines Jeden Vortheil, ihre geistigen Interessen anderswo pflegen: akkurat so steht cs, eeloris ckisparibus, mit den Turnvereinen und ihrer Aufgabe der körperlichen Ausbildung (des Turnens). Für's Zweite wisse der Verfasser der beiden Unwahrheiten : **) „Deßwegen erklärten sich schon damals die Herren Constitutionellcn anscheinend gegen die Politik überhaupt, in der That aber nur gegen die demokratische Politik. Mit welchem Jubel würden sie das politische Element des Turnwesens begrüßt haben, wenn es diesem gefallen hätte, in ihren Kram zu arbeiten"; daß gerade in Hanau, wo die deutschen Vereine ihren politischen Turnertag hielten, um das politische Glaubensbekenntniß des Turnwesens festzustellen, man sich für das constitutionelle Prinzip entschied! Und wir wollen dennoch die Politik aus dem Spiele lassen; und weil wir jenen Beschluß dennoch zurückweisen mußten, so konnte es geschehen, daß er so sehr in Vergessenheit gerieth, daß Hr. H. G. mit seinem Angedenken nicht mehr hinanrcichte. Es war etwa Anfang Juli d. I.! Ein Pröbchen, wie man aus hohlen Redensarten geistreich- kritische Artikel macht, wird ein geneigter Leser in der Einleitung des Hrn. H. G. gefunden haben, wo sich derselbe mehrmals über meine Länge breit macht, und, um „bündig" der „langen Rede kurzen Sinn", d. h. nur den fettesten abgeschöpften Rahm, zu geben, eine ganze Spalte braucht. — Und nun Dir, du Mitglied deS politischen Vereins, der nebenbei auch turnt, ***) noch den guten Rath: wenigstens in einem deiner Vereinszwecke etwas Tüchtiges zu leisten! Ist *) Seite 27S. Sp. 2. Z. 31. v. u. **) Seite 279. Sv- 2. Z. 12. v. o. ***) Siebe diese Definition des Allgemeinen Turnvereins auf Seite 280, Spalte 1, Z. 18, v. u. L88 die Politik dein Hauptzweck, nun, wohlan, so überlass' Uns das Turnen: Du wirst genug Schweiß schwitzen müssen, um dort es zu etwas Tüchtigem zu bringen. Sage dieß auch deinen Genossen, die dich schicken mußten. Und erlaube nun noch dem „Denunzianten" ein Wort: Ist cs denn nicht eure ausgesprochene Absicht, durch eure politische Thätigkeit die Regierung zu eurer Auflösung zu zwingen, um sie durch solch noth- gedrungene Maßregel verhaßt zu machen? *) Verdiente ich darum eine „ernstere Rüge" weil ich unbewußt und absichtslos in euren Kram arbeitete?- Der Verfasser des Aufsatzes in Nro. 67, als solcher. *1 Diese Thatsache erfuhr ich erst kürzlich und glaube durch ihre Veröffentlichung vor jeder ferneren Anschuldigung schädlicher Denunziation gesichert zu sein! Aus -er Zeit. — Mannheim, 31. August. Heute ist der verantwortliche Redakteur der in Heidelberg erscheinenden „Republik", G. M. Renner, durch das Hofgericht wegen durch die Presse versuchten Hochverraths und Aufreizung zum Haß gegen die bad. Negierung zu viermonatlicher Gefängnißstrafe und zu Tragung der Unter- suchungs- sowohl als Straferstehungskvsten verurtheilt worden. — Frankfurt, 31. August. Heule Morgen ist die offizielle Nachricht bekannt geworden, daß zwischen Dänemark und Deutschland ein Waffenstillstand zu Stande gekommen ist; die näheren Bedingungen darüber sind noch nicht bekannt. — IIV 4 Uhr. Bei der eben beendigten Wahl des Präsidenten der Nationalversammlung erhielt von 436 Stimmen H. v. Gagern 396, v. Hermann aus München 31, v. Svirvn 2. H. Simon aus Breslau 2, Kolschy 1, v. Rotenhan 1, Hermann aus Sachsen 1, v. Beisler 1 Stimme. — Bei der Wahl zum 1. Vizepräsidenten der Nationalversammlung erhielten von 435 Stimmen v. Soiro» 2Ü4, v. Hermann aus München 141, H. Simon aus Breslau 3, R. Blum 2, Brentano 1, v. Schrenck 1, Rieffer 1, GräveU 1. v. Radvwitz 1 Stimme. Eine Anzahl Mitglieder der Linken reichte gegen v. Soirons Wahl eine Verwahrung ein. An der Wahl des 2. Vizepräsidenten nahmen 417 Mitglieder Theil. Hiervon stimmten für v. Hermann aus München 270, Simon aus Breslau 108, v. Radowitz 15, R. Blum 2. Schüler aus Jena 2, Sepp 1, Rieffer 3, Simsen von Königsberg 13, v. Sviron 1, Kolschy 1; ein Stimmzettel wurde für ein nicht ex isiirendes Mitglied (Simsen aus Breslau) abgegeben. — Stuttgart, 30. August. Fürst Karl von Hohenzvllern- Sigmaringen (geb. 1785) hat die Regierung wegen vorgerückte t Alters in die Hände des Erbprinzen niedergelegt. — München, 30. Aug. Das gestern im Prater abgehallene militärische Fest zu Ehren der aus Schleswig zurückgekehrten bayerischen Offiziere, an welchem die Landwehr, die Freicorps und LaS Linienmililär Theil nahmen, war eines der großartigsten und glänzendsten, die je unsere Hauptstadt sah. Am Eingang war eine Ehrenwache aufgestellt, die einen imposanten Anblick ge- währte; in einer Reihe nämlich waren neben einander Infanterist, Kavallerist, Artillerist, Landwehrgrenadier, Jäger und Freischärler, Künstler, Student, Turner und Bürgerssohn. Die Prinzen Luitpold und Adalbert sowie die ganze Generalität waren anwesend. Die höchste Ueberraschung aber bildete das Erscheinen Sr. Mas. der Königs welcher mit endlosem Jubel begrüßt wurde. Die Gefeierten dieses Abends, Major v. t. Tann, Oberlieutenant Graf v. Bvthmer und Lieutenant v. Poudeville, wurden zu einem Rang höher befördert, welch unerwartetes Vorrücken auch unter dem ganzen Publikum freudige Sensation erregte. — Mainz, 30. Aug. Dem kräftigen Einschreiten unseres Bürgermeisters hat man es zu verdanken, daß der Unwille, Len die Ausstellung armseliger Zerrbilder über die Persönlichkeit des Königs von Preußen durch einen Meßbilderkrämer bei sehr vielen preußischen Soldaten erregte, keine weiteren Folgen gehabt, als die einstweilige Schließung der Bude des betreffenden Krämers. — Gießen, 31. August. Wir haben eine sehr unruhige, ja traurige Nacht verlebt. Gestern Abend, etwa um 11 Uhr, hieß es: „Bursche 'raus", bald darauf wurde Generalmarsch geschlagen. Die Bürgerwache hatte einen Studenten, der im trunkenen Zu- stände Fenster einwarf, arretiren wollen, wobei sich dieser zur Wehre setzte und mit einem Dolch einen Gardisten verwundete. Er wurde arretirt und schrie nun: „Bursche 'raus" die sich dann auch zahlreich versammelten. Die Bürgergarde besetzte den Marktplatz, da sich aber die Studenten Tätlichkeiten erlaubten, mit Steinwürfen mehrere Bürger schwer verwundeten und die Laternen einschlugen, wurden sie mit gefälltem Bajonett zurück- getrieben. Sie halten darauf durch Zusammenschieben von Wagen rc. eine Barrikade gebildet, die von den Bürgern genommen wurde. Plötzlich fiel ein Schuß, nach aller Aussage von einem Studenten, und ein anderer Studirender, Pfannmüller von hier, stürzte, in den Unterleib getroffen, nieder und gab nach wenigen Minuten den Geist auf. Bald darauf wurden die klebrigen vollends auseinander gesprengt. Die Ruhe ist heute nicht weiter gestört worden. — Berlin, 28. Aug. Es heißt, daß Held seit einigen Tagen von der Polizei gesucht werde, Laß es aber noch nicht gelungen sei, sich seiner zu bemächtigen. Auch der als verhaftet genannte Karbe ist Lurch Verwechslung mit einer andern Person den Nachstellungen der Polizei entgangen. Karbe ist ein Mann, der nicht allein durch eine eindringliche, volksthümliche Beredtsamkeit, sondern auch durch ein schönes Greisenanllitz den Massen zu impo- niren versteht. Gestern zog eine Menschenmenge von mehreren Tausenden, Karbe in ihrer Mitte haltend, durch einzelne Straße« der Stadt und forderte die Pvlizeibeamten auf, ihn heraus zn holen, wenn sie ihn haben wollten. Die Polizei antwortete, man werde ihn schon erlangen, wenn man ihn brauche. Obgleich dat Gesetz gegen die polizeiwidrigen Versammlungen in der Nationalversammlung heute nicht zum Vortrag gekommen ist, so ist die Bevölkerung Loch in einer sehr aufgeregten Stimmung. — Die demokratischen Vereine sind heute Nachmittag zu einer Generalkonferenz beisammen. Was indessen auch geschehen mag, die Bürgerwehr ist mehr als nölhig vorbereitet. — Berlin, 29. August. Der gestrige Abend hak keines der befürchteten Schrecknisse gebracht. Zwar sammelten sich zwisch«« 8 und 9 Uhr große Menschenmasse» auf dem Opernplatz, einige Schreier forderten das Volk auf, zur Befreiung der Gefangene« die' Waffen zu ergreifen; doch stob Alles auseinander -als einig« Bataillone der Bürgerwehr unter Ttvmmelschlag an ückten und den Platz zu säubern anfingen. Ein blinder Schuß, aus da Menge abgefeuert, der dazu dienen sollte, die Gemüther zu verwirren, Halle nur die Folge, daß die Tausende von Neugierige« davon eilten und einige Hundert zurückbleibende Krakehler unk Tumultuanten ihre numerische Schwäche einsehen ließ. Im Li»' denclubb und an der politischen Ecke gruppirle sich Las Volk vo« Neuem; doch gelang eS der Bürgerwehr weitere Zusammenrot' tungen hier zu verhüte». Nach 10 Uhr verlief sich daS Volk. " 289 Sine Verstärkung der militärischen Garnison der Stadt durch das Bataillon der Potsdamer Jäger hat stattgefunden. Bald werden »ir auch die Garden aus Schleswig zurückkehren sehen, welche direkt hierher verlegt werden sollen, nachdem der Waffenstillstand mit Dänemark abgeschlossen ist. Die Negierung hat die Kunde davon heute an der Börse verbreitet, mit dem Bemerken, daß die Waffenruhe auf 7 Monate festgesetzt worden ist, und daß, sobald der König die Convention ratifizirt haben werte, die Blo- kade Stettin'- aufhören würde. — Die neuerlich erfolgte Sendung des Generals v. Pfuel nach Frankfurt an den Reichsver- weser steht in wesentlichem Zusammenhänge mit den von der Iieichsgcwalt in Betreff der preußischen Truppenmacht gestellten Forderungen. — Edgar Bauer soll nun doch in Person zur Haft gebracht sein. — Düsseldorf 29. August. Ferd. Freiligrath, der seit der Amnestie nach der Märzrevvlmivn in unserer Statt wohnt, ist heute verhaftet worden. Der Grund der Verhaftung liegt, wie eS heißt, in dem unlängst von ihm verfaßten Gedichte: „Die Todlen an die Lebenden." — Hamburg 29. Aug. Eine Circularnote des schwedischen Ministers des Auswärtigen aus Malmö vom 25. an sämmtliche schwedische Geschäftsträger im Auslande drückt seine Freude darüber aus, mitlheilen zu können, daß ein Waffenstillstand zwischen Deutschland und Dänemark so gut wie abgeschlossen sei, und äußert die Hoffnung, ehestens den definitiven Abschluß anzeigen i» können. — Altona, 30. Aug. Durch gütige Privatmittheilung sind wir in den Stand gesetzt, folgende authentische Notizen über die Waffenflillstantsbedingungen zu veröffentlichen: In Schleswig- bolstein bleibt das ungelrennle schleswig-holsteinische Heer nebst MO Mann Preußen zurück. — Oie neuen RegierungSniitglieder sollen von der jetzigen provisorischen Negierung vorgeschlagen, von der Centralgewalt ohne Weiteres genehmigt und von Friedrich Vlch, als Herzog von SchleSwig-Holstein bestätigt werden. Prinz Ferdinand wird keinen Antheil an der Negierung nehmen. — Hie augustenburger Prinzen erhallen vollen Ersatz für ihr beschädiglei und weggeführtes Privateigenthum. — Ein deutscher Bundesgeneral libernimmt ten Oberbefehl über die in SchleSwig- Polsiein verbleibenden Truppen. — Die Hannoveraner sollen "ach Hamburg verlegt werden. — Alle der Souveränität und Würde des Herzogs widerstreitenden Verordnungen und Maßregeln der provisorischen Regierung werden außer Kraft gesetzt. — Wien, 28. Aug. Der aufgelöste Sicherheitsausschuß hat üch zu einem „Verein zur Wahrung der Dolksrechte" neuerdings koiistttuirt und die Versammlungen, die von Morgen an beginnen, werden im Saale des MusikvereinS, so wie früher, stattfinden_ Wie man vernimmt, haben gestern bei ten Arbeitern in der Dorstadt Berathungen stattgefunden; da man deshalb Unruhen befürchtet, so bleibt heute Abend das Militär sowohl als National- sarde in den verschiedenen Bezirken constgnirt. — Aus Ungarn laufen mit jedem Tage Berichte ein, die über die schreckliche Lage der Magyaren Schilderungen bringen. — Wien, 28. Aug. Die Haltung der kaiserlichen Familie in Schonbrunn wahrend der letzten Woche des Tumults und der dlnruhen war zu bewundern. Während die Nachrichten aus der "ahen Kaiscrstadl immer bedenklicher lauteten, begab sich die Kai- krin mit der Erzherzogin Sophie wie gewöhnlich ganz unbesorgt "" den Garten, obgleich die Verstärkung der Schloßwache die ganze Dienerschaft in Angst und Schrecken versetzt hatte. Oer Kaiser aber trat in den Schloßhvs herab und sprach mit der im bleust befindlichen Nationalgarke Worte des Vertrauens und der Sicherheit. Gestern war der Garten in Schönbrunn mit Menschenmassen angefüllt, welche dem Kaiser ihre Anhänglichkeit beweisen wollten. — Der demokratische Clubb, so wie der Clubb des verendeten Sicherheitsausschuffes wühlt fort in seinen nächtlichen Versammlungen, um neue Krawalle zu erzeugen, allein die Festigkeit der Nationalgarde dürfte ihn vor der Hand von weitern eklatanten Versuchen abhalten. — Die Beerdigung der bei ten Unruhen Gebliebenen hat, aller Aufreizungen zum Trotz, heute ohne die geringste Ruhestörung stattgefunden. — Triest, 26. August. Der sardinische Admiral Albini hat den Beschluß gefaßt, binnen fünf Tagen, als der zur Einschiffung der Truppen nöthigen Zeit, die Gewässer von Venedig zu ver- lassen und nach Sardinien abzusegeln. Venedig wäre alsdann auf sich selbst beschränkt, und dürfte sich schwerlich lange mehr halten können. — Agram, 26. Aug. Der Banus von Croatien hat die Truppen der slavonischen Kvmitate Verocze und Sirmien, welche bisher unter Kommando des Feldmarschalllieutenants Hrabowsky standen, aufgefordert, von nun an seinen Befehlen zu gehorchen. Alle diese Truppen erklärten sogleich, unter den Banus zu treten, und so ist der ungarischer Seits kommandirende Feldmarschalllieutenant Hrabowsky in Pelerwardein nur noch auf seine Person beschränkt. »- Mailand, 24. Aug. Marschall Radetzky konzentrizt viele Truppen in der Gegend. Zwei Brigaden find gegen Varese abgegangen, um dem Unwesen des Garibaldi ein Ende zu machen. — lieber den Gang der Friedensverhandlungen verlautete noch nichts Näheres im Publikum. Karl Albert will den Frieden, wie man aus allen Umständen erfährt, ernstlich. Die stärkste Friedenspartei ist seine eigene Armee, die eben so schreit, daß sie von den Italienern verlassen worden sei, wie die Mailänder Nobili, welche über den Derralh Karl AlbertS ein Zetergeschrei erheben. — Brüssel, 26. August. Louis Blanc ist gestern Abend i» Gent durch einen Polizeikvmmiffär wegen Mangel eines Passes verhaftet, auf die Kunde davon aber vom belgischen Gouvernement unverzüglich wieder in Freiheit gesetzt worden. Er wird sich über Ostente nach England einschiffen. — Paris, 29. Aug. In der heutigen Sitzung wurde der revidirte VerfassungSentwurf vorgelegt. — Nach den offiziellen Vorlagen haben die Kosten für die Nativnalwerkstätten von Paris bis zum 23. Juni nicht weniger, als 14,174,987 FrS. betragen. — In der vorigen Woche waren Gerüchte von einer legitimisti- schen Verschwörung verbreitet. — Der Polizeibehörde ist eS noch nicht gelungen, das Versteck des Hrn. Causfidiere ausfindig zu machen. — Die »Presse., sagt: »Es ist gewiß, daß die französi- .sche Regierung auf das von Hrn. Tomaseo im Namen der ve- netianischen Republik gestellte Ansuchen um eine Intervention eine verweigernde Antwort erlheilt hat. Die französische Regierung führt als Grund an, daß eine partielle Intervention zu Gunsten Venedigs die italienische Frage nur verwickelter machen würde.» — Es heißt, der Ministerrath habe beschlossen, eine wiederholte Einladung an das österreichische Cabinet zu einer kategorischen Erklärung über taS englisch-französische Vermitilungs- anerbiete» zu richten und zugleich ein ObservationScorpS am Rhein aufzustellkN- — Paris, 29. August. Oie Zahl der noch in den hi.sigen Gefängnissen sitzenden Junimcuterer beträgt 6444; man versichert nun mit Bestimmtheit, ihr Deportationsort werde Algerien sein, wo man sie ausiedeln will. Dahin können auch ihre Familien ihnen folgen, welche zum Theil, da der nährende Baker fehlt, in 290 größtem Elend leben. Besonders die Vorstädte St. Antoine und St. Marceau sind dabei betheiligt. — Das zweite Pariser Kriegsgericht, Präsident Oberst d'Estaing, hat am 26. einen Mechaniker, Namens Raccari, weil er beim Zuniaufstand an der Spitze einer Rotte stand, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt. — Der Constitutione!, dem Untercrückung beoorstanv, ist sehr schüchtern geworden, heute hat er gar keinen Tendenzartikel. — Prvudhvn will nun seinen Repräsentant du Peuple in Lyon erscheinen lassen, wohin sich der Belagerungszustand nicht erstreckt. — Toskana. Aus die falsche Nachricht, daß der wühlerische Priester Padre Gavazzi auf Befehl der Negierung verhaftet sei, brach am 25. Aug. in Livorno ein VolkSaufstand aus, der Gouverneur, Lelio Guinigi, wurde gefangen gesetzt und eine provisorische Regierung, mit dem neapolitanische» Flüchtling la Cecilia an der Spitze, errichlet. La Cecilia bewirkte zwar die Freilassung des Gouverneurs, aber der Aufstand ist ungebrochen. Die Eisenbahn und der elektrische Telegraph waren in der Nähe der Stadt zerstört, und am 23. kam et zu einem Scharmützel zwischen Volk, Bürgerwehr und Linie. — Die Negierung hat sich gewei- gert, den Flüchtlingen aus der Lombarcei und dem Venelianischen Unterstützung zu gewähren. llcrschiedenes. — Zkarien. Unfern Leserinnen sind gewiß, im Allgemeinen wenigstens, die socialistischen Theorien und Träume bekannt, welche namentlich in Frankreich gepreUzet werden, wen» wir auch von ihnen nicht vvraussetzen können, daß sie in die Details derselben eingedrunge» sind. Zu ihrer Unterhaltung also lheilen wir einiges aus Cabets ,,Reise nach Zkarien" mit, was die Damen vorzugsweise betrifft. (Unter Zkarien denkt er sich nämlich ein Land, in welchem die socialistischen Einrichtungen bereits zur praktischen Ausführung gekommen.) „Sie würden in Entzücken gerathen," schreibt Cabet, „wenn ihnen die köstlichen balsamischen Wvhlgerüche entgegentuftcte», welche fortwährend von den Kleidern der Frauen und selbst von Lenen der Männer auSströmen, denn die Zkarier halten den Gebrauch der Parfümerien nicht nur für eine Annehmlichkeit für sich selbst, sondern auch für eine Pflicht gegen das Publikum." Ueber die Kleidung der Frauen im socialistischen Staate heißt es weiter: „Das Gesetz hat alles geregelt nach der Angabe eines Ausschusses, welcher die Kleidungsstücke in allen Ländern prüfte, ein Verzeichniß von allen mit ihren Formen und Farben entwarf (ein prächtiges Buch, daS jede Familie besitzt), diejenige» avgab, welche anzunehmen und zu verwerfen sind, und sie nach ihrer Nvthwendigkeit, ihrer Nützlichkeit und Annehmlichkeit ordnete. Nach den Bestimmungen dieses Ausschußes wird endlich die Kleidung vorgeschrieben, welche für alle ein und dieselbe ist, damit kein Neid und keine Cvketlerie aufkommen könne." Unter den Unterhaltungen, welcher das Volk von Zkarien sich erfreut, steht das Theater oben an, und „Zedermann hat freien Zutritt." Damit eine gewisse Ordnung im Besuche der Theater gehandhabt werden könne (von denen übrigen« die Hauptstadt allein fünfzig enthält, deren jedes 5000 Personen faßt), ist Folgendes bestimmt: „Jedes Stück wird sechszig Abende hintereinander wiederholt. 10,000 Personen werden jeden Abend zugelassen und das Lvos besiimmt den Abend, für welchen jede Familie Billets bekommt." Ob die Sängerinnen in Zkarien nicht heiser werden, und sonst keine Störungen in den Vorstellungen Vorkommen, wissen wir nicht, denn darüber finket sich keine Angabe. Die Wohnungen dieser glücklichen Socialisten enthalten nicht blos daS Nothwendigs und Nützliche, sondern auch alles erdenkbare Angenehme und Schöne: Bäder, Teppiche, Marmor, Brvncen, Alabaster rc., ja „unsere Lampen, unsere Kerzen, unser GaS verbreiten keinen Übeln Geruch, weil unsere Oele, unsere Kerzen rc. parfümirt sind. Alles trägt so dazu bei, den Geruchs- und Gesichtssinn zu ergötzen." Natürlich muß aber Jedermann selbst auskehren, selbst waschen (jedenfalls mit Lau äo Oologve), denn Dienstboten giebt es da nicht, wo alle gleich sind. Ist es aber zu verwundern, daß die Armen, die lange Zahre in Noth und Elend geschmachtet haben, begierig auf solche Lehren hören, die man ihnen beredt vorträgt, und daß sie selbst durch Mord und Brand die bestehende» Einrichtungen zu stürzen versuchen, um die glückseligen Zustände herbeiführen zu Helsen, die ihnen die socialistischen Verführer Vorhalten? — Berzeliusisttodt. Die ganze wissenschaftliche Well und mit ihr das Vaterland, sagt das .-(ktooblaä vom 7. August, hat durch den heute im Alter von 70 Zähren erfolgten Tod des Professors Freiherrn Zakvb Berzelius einen großen, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Dieser Verlust, wenn gleich lange erwartet, in Folge einer langwierigen Krankheit, war darum nicht minder schmerzhaft. Alle wissen, daß.Berzelius, kurz gesagt, ali der Vater der chemischen Wissenschaft auf ihrem jetzigen Standpunkte betrachtet wird. Sein und Linns's Name werden, zum Ruhme der schwedischen Nation, als zwei leuchtende Sterne un- verdunkelt bis in die entferntesten Zeiten strahlen. Aber Berze- lius war durch den mächtigen Einfluß, den sein Geist auf die Fortschritte der Chemie ausübte, durch seine fast beispiellose Thä- tigkeit, Lurch die Tiefe seines Scharfsinnes, durch die Vollendung und praktische Beweisführung, welche er allen seinen Theorie«» gab, durch die Meisterschaft, welche seine stets eben so redliche und unbefangene, als umfassende und durchdringende wissenschaftliche Kritik besaß — dazu berechtigt, sogar jedem anderen Sohn« unseres Landes im Gebiete der Forschung vorangestellt zu werden, und man wird ihn jederzeit unter die Cingeweihtesten in die Naturwissenschaften rechnen. — Neue Anwendung des Chloroforms. Nach der englischen Zeitschrift Tko Lrincot hat ein Wundarzt, Hr. Nunnelel in Leeds, gelungene Versuche gemacht, das Chloroform all anästhetisches Mittel anzuwenden, ohne daß es durch die Alh- mungSorgane zur Betäubung des Gehirns eingezogen wird. Hl- Nunneley versichert, daß die Gliedmaßen lebender Thiere, die er eine Viertel- oder eine halbe Stunde lang mit Chloroform i" Verbindung gebracht, dadurch ganz unempfindlich geworden; namentlich hat er Ließ mit Kaninchen, Fröschen ic. versucht. Aber auch sein eigener Finger war, nachdem er ihn eine halbe Stunde lang in flüssigem Chloroform gehalten, ganz unempfindlich 8? worden, ohne daß er dabei irgend eine Kongestion nach dem Kopf empfunden. Eben so behauptet er, bei der Einsetzung einer künstlichen Pupille daS Auge dadurch weniger empfindlich gegen den Schmerz gemacht zu haben daß er es zwanzig Minute» lang mit den Dämpfen des Chloroforms in Verbindung brachte 1 Nr lheill seisti Hm. Pr»! simir »er» lliffr, strier ll»tr> pvai «», »er ( Wa st-ßiz Wsck Ate« >l»ni st» ! »S Halste fiostill »W * , Mst« Haler Wtz. -«zi ^*»l ^ bei *Hci! Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chr. Fr. Müller'schen Hvfbuchhandlung.