Karlsruher Beobachter Nr. 78. Sonntag den 24. September - 184t8. Aus -er Zeit. — Aus Buden, 22. Sept. Don verschiedenen Seiten wird uns berichtet und durch Reisende bestätigt, daß ein Haufe Freischärler unter Strube's Anführung einen neuen Putsch im badischen Oberlande versucht hat. Am Mittwoch (20.), so erzählt mn uns, wurde zwischen Schliengen und Basel der badische Eil- Mgen angehalten und die Geldsendungen herausgenommen; Lörrach, und später der Bahnhof von Schliengen, sei von der Schaar beseht worden, weßhalb die Eisenbahnzüge ihre Fahrten nicht «ehr bis Schliengen ausdehnten. Dem Vernehmen nach sind sogleich Schritte gethan worden, die Freiburger Garnison (oberhalb ßreiburg ist kein Militär mehr) nach Schliengen zu befördern, Aid es ist nicht zu zweifeln, daß dieser Struve'sche Feldzug seinem letzten Vorgänger, dem Herwegh'schen, sich würdig anreihen «ird. — Die interessante Frage wird dann nur die sein, wie dieser prvjektirte Einfall mit den Dingen in Frankfurt und der gleichzeitig sehr hastig und offen betriebenen Agitation in Württemberg zusammenhängt, und dann, welche nachbarliche Regie- nag es war, die das feindselige Lager der Rebellen wider auf ihrem Gebiet duldete? (D- Z.) ' — Karlsruhe, 23. Sept. Abends. Es sind heute Abend bereits mehrere Abtheilungen hessischer und preußischer Truppen ras der Fahrt in das Oderland hier durchgekommen. Ein Bataillon Darmsiädter wird gegen 11 Uhr erwartet, um hier sein Standquartier zu beziehen. Weitere Truppendurchzüge werden b«n Vernehmen nach heute Nacht und morgen stattfinden. — Frankfurt, 20. Sept. AuS den bisher gepflogenen amtlichen Erhebungen läßt sich vorläufig Nachfolgendes über die statt- ichabte Ermordung des Generals v. Auerswald und des Fürsten iichnowskv mittheilen. Nachdem Beide auf einem Spazierritte in b«r Gärtnerei vor den Verfolgungen einer großen Anzahl Be' Kneter, von deren Seite mehrere Schüsse erfolglos auf sie ab- tffeuert worden waren, in den an die Bornheimer Haide grän- äaden Garten deS Kunstgärtners Schmidt sich zu retten gesucht »d in der dortigen Gartenbehausung (General v- Auerswald in ^>er Bodenkammer, Fürst Lichnowsky in dem Keller) sich vermerkt gehabt, drangen jene Bewaffnete in den Garten ein, wo Theil zuvorderst die beiden Pferde der Versteckten fortführte, ^Uebrigen aber die Schmidt'sche Behausung auf das Genaueste Ichsüchten. Nach etwa einer Viertelstunde gelang es ihnen zu- H den General v. Auerswald und eine kleine Viertelstunde nachher auch den Fürsten Lichnowsky in ihren Verstecken aufzufinten. Elkxeral ». Auerswald wurde unter fortwährenden Mißhantlun- durch Schlagen mit Knütteln und Stößen mit Gewehrkolben aus der Schmidt'schen Behausung nach der hintern Ausgangs- thüre des Schmidt'schen Gartens geschleppt, dort durch einen Kolbenstoß auf die Brust in den neben dem Garten hinziehenden Graben geworfen und nun durch einen Flintenschuß getödtet. Fürst Lichnowsky wurde gleich nach seinem Auffinden auf dem nämlichen Wege aus dem Schmidt'schen Garten gebracht, jedoch noch eine Strecke von etwa 350 Schritten in der Richtung nach 'Bornheim in der Pappelallee fortgeführt und alsdann durch mehrere Flintenschüsse zu Boden gestreckt. An einen Kampf oder auch nur irgend eine Dertheidigung von Seiten deS Fürsten Lichnowsky und des Generals v. AuerSwald war unter den angegebenen Umständen nicht zu denken, und zwar, was den General v. Auerswald betrifft, um so weniger, als diesem schon vor seiner Ankunft in dem Schmidt'schen Garten durch einen Steinwurf der eine Arm gelähmt worden war. — Frankfurt, 20. Sept. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung legte der provisorische ReichS-Justizminister R- Mohl den Entwurf deS Gesetzes vor für den Schutz der Mitglieder der Nationalversammlung. Der Entwurf lautet: 1) Ein gewaltsamer Angriff auf die Nationalversammlung, in der Absicht, sie auseinanderzutreiben, Mitglieder aus derselben zu entfernen oder zur Unterlassung der Abstimmung über einen Beschluß fle zu zwingen, wird als Hochverrath bestraft; 2) dieTheil- nehmer an einer Zusammenrottung in der Nähe des Sitzungslokals werden, wenn sie nicht auf die erste Aufforderung augenblicklich sich zerstreuen, mit Einkerkerung von drei Monaten bis zu einem Jahre bestraft; 3) es ist verboten, eine Volksversammlung innerhalb einer Entfernung von 5 Meilen vom Sitze der Nationalversammlung unter freiem Himmel abzuhalten; Zuwiderhandelnde werden mirGe- fängnißstrafe bis zu 6 Monaten belegt; 4) gewaltsame« Eindringen in die Versammlung oder deren Beleidigung zieht die Einkerkerung von drei Monaten bis zu einem Jahre nach sich; 5) wird ein Mitglied in Bezug auf seine Thätigkeit in der Versammlung mit Drohungen oder Beschimpfungen überhäuft, so erfolgt eine dreimonatliche Gefängnisstrafe. Die Nationalversammlung beschloß, den Vorschlag de« JustizministerS an den Gesetzgel ungsausschuß zu verweisen. — Briegleb beantragt, die Versammlung wolle aus Anlaß der jüngsten Ereignisse eine Ansprache an das Volk richten, worin sie sich über das Ziel derselben und über daS, was sie selbst wolle und bezwecke, aussprechen möge. Gegen diesen Antrag tobten mehrere Redner der äußersten Linken. Dennoch wurde der Antrag, nachdem der Antragsteller ihn noch kurz erläutert hatte, angenommen. — Am Schluß der Sitzung zeigte Präsident v. Gagern an, daß der Abgeordnete Jahn, nachdem er großer Gefahr ausgesetzt und genöthigt gewesen sei, sein Leben durch Verbergen in einem Omnibus zu retten, sich wohlbehalten hier befinde, und Abg. Heckscher, der in Höchst unwürdig mißhandelt worden, glücklich nach Mainz entkommen sei. 314 — Frankfurt, 20. Sept. Unterm 19. d. melden vom hiesigen Pokizeigericht wegen Teilnahme an der am 18. d. dahier stattgehabte» Smeute steckbrieflich verfolgt: Germain Metternich aus Mainz, Christian Esselen aus Hamm (Vorstand des Arbeitervereins) und Arnold Reinach von hier. — Frankfurt, 21. Sept. Heute Vormittag um 9 Uhr bewegte sich vom Roßmarkte auS ein langer Zug nach dem Fried- Hofe. Die im Kampfe gefallenen Militärs, sowie die gemordeten Abgeordneten' Lichnowsky und Auerswald wurden zur letzten Ruhestätte begleitet. Den Zug eröffnet« ein österreichischer General mit einem Adjutanten und zwei Dragonern. Darauf folgte eine Abtheilung würtembergischer Uhlanen, dann bayerische Jäger, zwei preußische Geschütze, kurhessische und preußische Infanterie, preußische Musik- Unter Borantritt der kath. und xrvt. Geistlichkeit unserer Stadt folgten nun die Trauerwagen mit den Särgen. Der erste Wagen trug die Leiche des Abgeordneten v. Auerswald und die eines preußischen Militärs. Die Särge des zweiten Wagens umschlossen den Körper des Fürsten LichnowSky und den eines österreichischen Soldaten. Die beiden letzten Wagen trugen die Leichen je eines Offiziers und eines Soldaten. Den Leichenwagen unmittelbar schloffen sich an das Offiziercorps aller gegenwärtig hier liegenden Truppen, so wie auch unserer Bürgerwehr, der größte Theil der Nationalversammlung, die Behörden hiesiger Stadt, die Equipage LeS Reichsverwesers und Bürger aller Stände. Ein österreichisches Musikcorps, preußische und darmstädtische Infanterie, zwei österreichische Geschütze, österreichische Infanterie und würtembergische Uhlanen schloffen Len imposanten Zug. — Frankfurt, 21. Sept. Heute Morgen ist eine Eskadron vom k. bayerischen 5. Chevauxleger-Regiment (Leiningen) in unserer Stadt eingerückt. — Bei dem heule Morgen stattgehabten feierlichen Begräbniß der am 18. d. hier getödteten Militärsund preußischen Abgeordneten wurden an den Gräbern ergreifende und ernste Worte LeS NachrukS von mehreren Geistlichen und Abgeordneten gesprochen. — Frankfurt, 22. Sept. In der heutigen Sitzung der Rcichsversammlung wurde der Entwurf der Ansprache.an das deutsche Volk verlesen. Derselbe wird morgen bcrathen werden. Ein Antrag Schaffraths und Genossen auf sofortige Aufhebung des Belagerungsstandes und des Kriegsrechts wurde nicht als dringend erkannt. — Stuttgart, 20. Sept. Beim herrlichsten Wetter wogten heute, dem Tage der Eröffnung der Stände, Hunderte durch die Straßen, zugleich auch gelrieben durch die aus Frankfurt eingelassenen Nachrichten, welche eifrig auf den Straßen und in den Versammlungsorten besprochen wurden. Um 11 Uhr, nach beendigten Gottesdienste, geschah die Eröffnungsfeierlichkeit durch den Staatsrath Duvernoy. deu Dep.-Chef des Innern, und wurden die erstmals eingelretenen Mitglieder beeidigt. Die Thronrede fand allgemeinen Anklang. — In Heilbronn und Tübingen sind gestern kleine Exzesse vorgekommen. In Tübingen wurden Fal- lati und in Heilbrvnn dem Abgeordneten und Kunstmüller Sei- bvld die Fenster eingeworfen. — Stuttgart, 22. Sept. Gestern Nachmittag kamen der für Schleswig-Holstein ausgerückle Feldspital, so wie die Feldbäckerei wieder hierher zurück; sie waren blos bis Mannheim gekommen und dort zurückgehalten worden. Gestern Nachmittag kamen von Ludwigsburg Kanonen und Munitionswagen hieher und Abends mit der Eisenbahn ein Bataillon Fußvolk. — Das zweite Banner Bürgerwehr, das heute früh aufgeboten war und scharfe Patronen erhielt, wurde sogleich vom Ständehause wieder zurückgezogen und entlassen. Nur eine Kompagnie bleibt im Spitalhofe beisammen, abwechselnd mit den andern Kompagnien Gestern Abend war die Stadt sehr bewegt, wozu jedoch der Feiertag und das schöne Wetter das Ihrige beigetragen haben möge«. Diesen Vormittag ist hier vollkommene Ruhe. — Am letzte» Sonntag waren Versammlungen in Eßlingen und Hall; Mitt- woch Abend eine kleinere in Stuttgart im Slübner'schen Garten; Donnerstag den 21. in Cannstatt auf dem Volksfestplahe, nw eine Petition an die zweite Kammer beschlossen wurde. Für nächsten Sonntag sind solche angekündigt für Ellwangen, Reutlingen. Rottweil, Stuttgart und vom Ausschuss« der Dslksvereine von Tettnang, Friedrichshafen und Ravensburg nach Ravensburg. — München, 20. Sept. Heute haben zwei Regimenter I«. fanterie und eine Batterie Marschordre erhalten. Sie sollen in das Hohenzollern'sche und in den SeckrciS beordert sein. Die in Kempten und Augsburg befindlichen Jnfanterieregimenter, sM die Cheveauxlegers in Dinglingcn sollen mit dem Vollzug derselben Weisung bereits begonnen haben. — München, 20. Sept. Wie wir hören, ist hier gestern mittelst Estafette die Nachricht eingetroffen, daß im badischen Seekreise Unruhen befürchtet werden welche militärische Hülfe von Seite Bayerns nöthjg machen dürften. Auf Ansuchen des Gouverneurs von Konstanz, wo eine große Versammlung stall- finden soll, hält sich das in Kempten und Lindau liegende Militär marschfertig. Unsere Beurlaubten werden plötzlich einberusen werden. — Kempten, 20. Sept. Heute ist ein Kurier eingetrvff« mit dem Befehl, augenblicklich die ganze Mannschaft des 1. und 2. Bataillons vom 11. Regiment einzuberufen und marschferch zu halten. (Eine Abtheilung bayerischer und österreichischer Truppen soll bereits in Len Seekreis eingerückt sein.) — Berlin, 19. Sept. Wrangel's Ernennung zum Lefehli- haber der Truppen in der Mark und sein heute veröffentlicht« in ebenso wohlwollendem als entschiedenem Tone gehaltener Armeebefehl an die Soldaten, sind unerwartet gekommen und Hab« Las Publikum überrascht. Die neue Gewalt gibt dem Gene»! Wrangel freie Disposition über die Truppen und es liegt in sei»« Hand, davon nach Berlin zu verlegen, was ihm gut scheint. — Berlin 21. Sept. Folgendes ist der vollständige Inhal! der Rede, welche bei der gestrigen Parade General Wrangel a» die ihn umgebenden Offiziere, die Bürgerwehrabgevrdneten mit die Bürger richtete: Meine Herren! CS ist heute ein fest glücklicher Tag meines Lebens. Ich bin schon vor den Thor« so freundlich von der berittenen Berliner Bürgerwehr begrast worden, und in der Stadt war es wie ein Triumphzug. A weiß, LaS konnte ich nicht auf mich beziehen, sondern auf die Truppen, die ich die Ehre gehabt habe, in Schleswig zum Sie-« zu führen. Ich werde diese Truppen auch hierher führen, waa» es die Zeit ist. Jetzt noch nicht, aber sie werden kommen- Meine Herren! Der König hat mir den größten Beweis b« Gnade und des Vertrauens gegeben, indem er mir das Kommando über die in den Marken stehenden Truppen übergest Ich soll die Ordnung, wo sie gestört, das Gesetz, wo eS übertreten wird, wiederherstellen. Aber nicht zuerst, sondern»* dann, wenn es rer Bürgerwehr nicht gelingen sollte. Da>* erst werden wir einschreiten, und es wird unS gelingen. Dü Truppen sind gut, die Schwerdter haarscharf geschliffen, Kugeln im Gewehk. Aber nicht gegen Euch, Berliner Lern zu Euerm Schutz, zum Schutz der Freiheit, die der König gegeben, und zur Aufrechthaltung des Gesetzes (Allgemein* jubelnder Zuruf.) Gefällt Euch Das, Berliner? Das f"st mich. Für Euch und mit Euch werden wir auftreten »ist handeln. Keine Reaktion (Bravo!), aber Schutz der Ordnu* Schutz dem Gesetze, Schutz der Freiheit. (Bravo!), 315 ' Keier- wöge» letzte» Milt. Urten; )e, «« r näch- lingeo, ne von >rg. ter I» llen i» Oie i» sowii dersst gestern n See- lfe m ! G°»< t stall- - Mili- berufe» etrvsfe» 1. und chferliz Trup- Ufthli- itlicht« rer Ar< b hat« ^ Senerai n seiller it. Inhalt igel a» en »»- in M Thon» begrüst z. 3» aus di« Sie-e , wa« >mo»« eis der i Ko«' bergad. S »den nn «« La« n, d'- er so»' er K«' imeia-- l st--i -n «->" cdnuas' , K- traurig sehe ich Berlin.'wieder. 2» den Straßen wächst Gras, die Häuser sind verödet, die Läden sind.voll Waare, aber ohne Käufer. Der fleißige Bürger ohne Arbeit, ohne Verdienst, der Handwerker verarmt. Das muß anders werden, und es wird anders werden, ich bringe Euch Las Gute mit der Ordnung. Die Anarchie muß aushören und sie wird aufhören. Ich verspreche es Euch, und ein Wrangel hat noch nie sein Wort gebrochen (Stürmischer Jubel.) Meine Herren! es macht mich sehr glücklich, die Truppen in diesem guten Zustande zu sehen. Sie werden sie darin erhalte», Verträglichkeit mit dem Bürger muß stattfinden (Bravo!) Sie sind mit Euch verwandt, sie haben ja denselben Zweck- Preußens Größe und Ruhm aufrecht zu erhalten und Deutschlands Einigkeit mit zu begründen. Sie sind Eure Brüder, (zu den Bürgern gewendet) und Sie werden nicht vergessen, daß in der Armee Ihre Brüder, Ihre Freunde, Ihre Väter sind. Meine Herren l Es thut mir nur leid, daß ich an dem heutigen glücklichen Tage die Truppen nicht Sr. Majestät vorführen konnte. Er erkennt die Beschwerden, die der Dienst ihnen macht, er hat den Soldaten daher eine Zulage bestimmt. Es macht mich sehr glücklich, dies Ihnen bekannt machen zu können. Es lebe Sc. Majestät der König." (In welchen Ruf alle jubelnd einstimmtcn.) — Köln, 20. Sept. Gestern Abend nach 10 Uhr wurde das auf Kriegsfuß stehende, 1000 Mann starke Bataillon des 27. Regiments auf drei Dampfschiffen nach Mainz eingeschifft. Das Bataillon ist nach Frankfurt bestimmt. Diesen Morgen um 3 Uhr verließ ein Bataillon des 25. Regiments die Stadt mit derselben Bestimmung; vor 8 Uhr traf ein Bataillon des 16. Regiments aus Düsseldorf hier ein und bezog sogleich die Kaserne des 25. Regiments. — Aachen, 20. Sept. Bei Kreuznach wird ein beweglicbes Corps preußischer Truppen gebildet, das zur Verfügung der Centtalgewalt stehen soll. Das 25. und 29. Regiment ist dahin aufgebrochen. In Köln erwartet man das 13. von Wesel und einen Theil des 28. Die in Aachen stehende Abtheilung wird morgen früh abgehen. — Altona, 18. Sept. Die Preußen (das 31. Regiment) haben uns heute Morgen verlassen. Die Badenser sind hier durch nach Hamburg marschirt, woselbst sie einige Tage einquarlirt bleiben, um ihren Rückmarsch weiter fortzusetzen. Ein Bataillon bleibt jm Lande. Auch der liebenswürdige Prinz Friedrich von Baden, Sohn deS Grvßherzvgs, ist hier Lurch und, wie man sagt, wird derselbe über Berlin die Heimreise nehmen. (F. 2 ) — AuS Schleswig-Holstein vom 19. Sept. wird auS zuverlässiger Quelle berichtet, daß das dänische Cabinet eingewilligt habe, daß die schleswig-holsteinische Armee nicht getrennt, die neue Regierung mit Zustimmung der Landesversammlung gebildet werde und die von der provisorischen Regierung erlassene Gesetze und Verordnungen in Kraft bleiben sollen. — Wien, 17. Sept. Aus dem Hauptquartier des Banus von Croatien, Letenye, erfährt man, daß General Graf Adam Teleky sich mit seinen Truppen den Befehldn des Banus unter- geordnet hat. Nirgend« hat sich Widerstand gezeigt. Der von seinen Truppen so sehr verehrte BanuS wurde bei seinem Ein- >uge in Letenye von der magyarischen Bevölkerung mit Eljenruf empfangen. Die 10,000 Nativnalgarden, welche Widerstand leisten sollten, waren weiß Gott wo versteckt. Sie haben eine Brücke bei Serdahely zerstört, und der Banus ließ eine neue über die Mur schlagen. Die vereinigte Armee rückt über Kanischa nach Ofen vor. — Wien, 18. Sept. Auf heute ist die Ankunft einer ungarischen Deputation angesagt, die sich, wie öffentliche Anschläge ni-lden, nicht an den König, nicht an das Ministerium, sondern unmittelbar an das freie Volk von Oesterreich zur Unterstützung der magyarischen Sache wenden will. Darin ist gesagt, daß Kos- suth ein Freund von Oesterreich sei. Glücklicher Weise aber haben wir die erste Tölpelzeit der Freiheit doch schon Überstunden und begreifen gelernt, daß sich böse Thaten durch blos schöne Worte nicht übertünchen lassen. Der wühlerischen Partei gilt dieß freilich ganz gleich, und sie fährt fort, durch Verleumdungen und noch Schlimmeres auf das leichtgläubige Volk einzuwirken, so wie die gesetzliche Macht wo möglich zu lähmen. 2-alienische, polnische und ungarische Propagandisten, verstärkt mit dem republikanischen Abhube von Deulschland, treiben mit der dreistesten Unverschämtheit hier ihr Unwesen. — Der jüngst gegründete konstitutionelle Verein, der ebenso zu Abwehrung der Rückkehr des früheren Absolutismus wie gegen die Uebergriffe der revolutionären republikanischen Partei gerichtet ist und seit wenigen Tagen schon gegen 30,000 Theilnehmer zählt, hat natürlich Neid und Besorgniß unter den Mitgliedern derselben erregt, und es gilt nun um jeden Preis, die Konstitutionell-Monarchischen zu verdächtigen, wozu der Umstand, daß zur Tragung der verpönten schwarz-gelben Bänder und zur Aufstellung solcher Fahnen von einigen unklugen patriotischen Eiferern öffentliche Aufforderung geschah, willkommene Gelegenheit darbot. Der Kaiser hat inzwischen im Zntereffe der öffentlichen Ruhe selbst den Wunsch zu» erkennen gegeben, daß ähnliche Loyalitätsecklärungen unterlassen werden mögen. Bei den Straßenaufläufen und Katzenmusiken, welche dieser Tage selbst die Verkäufer solcher Bänder betroffen haben, ist auch ein polnischer Emissär verhaftet worden. Die Nationalgarde benimmt sich dabei sehr gut und säubert mit dem Ba- jonnet und Säbel häufig die öffentlichen Plätze von den widerspenstigen Tumultuanten, ladet natürlich aber auch ihren verläum- derischen Haß auf sich. -7- Mailand, 12. Sept. Der Widerwille, der Haß der Lombarden gegen die österreichische Regierung, gegen die Deutschen hat einen noch höheren Grad erreicht, als er vor dem Ausbruch der Revolution war, vbschon man sich allseitig bemüht, versöhnend zu Werke zu gehen. Wenn nur die Hälfte von Dem, was während der Revolutionszeit an den Zurückgebliebenen und Gefangene» verübt worden sein soll, wahr ist, so will ich lieber ein Barbar genannt werden, als ein Zkaliener. Garibaldi hat an Marschall d'Aspre eine Anzahl österreichischer Gefangener ausgeliefert und an ihn ein Schreiben gerichtet, worin er sagte, er (Garibaldi) habe gehofft, eine Schaar italienischer Freiheitsmänner anzuführen, allein er habe nur Gesindel gefunden, dessen Führer er nicht ferner sein wolle; er habe sich entschlossen, wieder nach Amerika zu gehen. — Die gestrige Mailänder Zeitung schildert die große militärische Feier des vorhergehenden Tages. Es war ein schöner, imposanter Anblick; über 30,000 Mann standen am Platz ausgerückt; auS 18 Batterien (108 Geschützen) donnerten die Salven während der Vertheilung der Preismedaillen; zwei scharf geladene Batterien standen vor dem Castell in Bereitschaft. — Venedig ist nach den neuesten Berichten wieder von der österreichischen Flotte blokirt. — Neapel, 14. Sept. Seit Messina besetzt ist, hat die Regierung nur eine einzige weiters Depesche bekannt gemacht, woraus die weitere Unterwerfung des Küstenstrichs von Messina bis Mi- lazzo und der 2«scl Lipari hervorzuheben ist. — Aus Neapel sind schauervvlle Berichte über die Umstande eingelaufen, welche der Einnahme Messina'« vorausgingen und folgten; es war ein Verzweiflungskamxf von Kannibalen! 2n- surgenten von Messina gingen in ihrer blinden Wuth so weit, daß sie sechzig neapolitanische und schweizerische Soldaten, die in ihre Gewalt gefallen waren, rösteten und verzehrten! Es wird 316 auf das bestimmteste versichert, daß dieses entsetzliche Mahl nicht eine Fabel, sondern zur Schande der Menschheit leider eine furchtbare Wahrheit ist! diese in unserer Zeit unerhörte Barbarei rief eine schreckliche Vergeltung von Seiten der neapolitanischen Truppen hervor. Die Stadt wurde mit einem wahren Kugelregen überschüttet. Ein großer Theil Messina s ist in einen Trümmerhaufen verwandelt. Das Feuer, welches in verschiedenen Quartieren der Stadt in Folge des Bombardements ausgebrochen war, war am 9. Sept. gelöscht, die Ordnung hergesteilt, das Cigenthum respek- tirt. Die neapolitanischen Truppen hatten am 8. von der Stadt und allen Forts Besitz genommen. Die Einwohner, welche sich an Bord briltischer und französischer Schiffe geflüchtet hatten, waren wieder in die Stadt zurückgekehrt. Meluzza hat sich den Neapolitanern unterworfen. Ein Besuch auf der 3nsel Alfen. (Fortsetzung.) Die Reitbahn, mit einem hohen, künstlich gewölbten Strohdach, war gleichfalls voll von Krankenbetten, doch lagen ' nur in einem kleineren Gemach einige Kranke. Die früheren Bewohner der Stallgebäude, die prächtigen Pferde, waren theils zu ArtilleriepferLen, theils für Adjutanten und Offiziere verwandt worden. Ein schönes weißes Pferd, reffen sich die Herzogin bedient hatte, war dem die Armee begleitenden Sänger, Herrn P. Holst, geschenkt worden. Auch soll ein Theil der Pferde den Besitzern auf Alsen gegeben worden sein. Nur in einem Stall fanden wir etwa ein Dutzend schöner Vollblutpferde, welche, als man die Thüren zu ihrer Behausung öffnete, ihre hübschen Hälse mit koketter Neugier hervorstreckten und uns den leichten Bau ihrer Formen bewundern ließen. Am meisten reizten unsere Neugier die Erzählungen von einem wilden Riesenpferde, welches der Versicherung nach unzähmbar sei. Niemand schien indeß zu wissen, wo sich "der tolle Hengst-- befände, obwohl alle von seiner mystischen Existenz zu reden wußten. Wir nahmen uns daher vor, das Wunderthier wo möglich in Augenschein zu nehmen. Endlich glückte es unS, nachdem uns ein Zunge an den anderen gewiesen hatte, seinen Aufenthalt ausfindig zu machen. ES war ein Gebäude mit Schloß und Riegeln, welches nicht geöffnet werden könnte, da der Mann mit dem Schlüssel abwesend war. Jndeß versuchten wir, in einen angrän- zenden Schoppen zu dringen, wo wir bis zu einer Oeffnung im Dache kletterten. Da sahen wir denn ein ungewöhnlich großes, mit einer Blässe versehenes, dunkelfarbiges Pferd, welches unweit einer Raufe stand und, den wilden Thieren ähnlich, seinen Kopf unaufhörlich auf und nieder bewegte, fiebrigen» ging es uns, wie es zu geschehen pflegt, wenn man nach etwas besonders Ge- heimnißvollem ausgeht: die Auflösung entspricht weder der Vor- stellung, welche sich die Phantasie gemacht, noch der Mühe, welche man darauf verwendet hatte. Das eigentliche große Schloß ist ebenfalls, wie erwähnt, zu einem Krankenhause eingerichtet. Zn den stattlichen Prachtzimmern, welche noch ihre Tapeten hatten, stehen die aus ungeho- betten Brettern zusammengeschlagenen Betten in zahlreichen Gruppen. Die meisten von den am 23. Mai und 5. Juyi bei Sundewilt Verwundeten waren schon geheilt, doch hatten bei dem und jenem Zurückgebliebenen unsere Aerzte Gelegenheit, den Wegen der launenvollen Kugeln nachzuspüren. Ein Mann war quer durch den Kopf von der rechten Schläfe, oder etwas tiefer, bis zur linken geschossen worden. Er war jetzt wiederhergestellt, so daß ihm nur, zufolge einer gewissen Verrückung der oberen Kinnbackenmuskeln, das Essen schwer fiel. Einem Anderen war die Kugel unter dem einen Auge hinein und durch den Nacken wieder herausgegangen. Bei einem der Verwundeten, der seine Kugel in den Unterleib bekommen hatte, saß seine junge Frau, als treue Wärterin, und Beide äußerten ihre Hoffnung, daß die gefährliche Wunds geheilt werden könne. Es bedarf solcher Aeußerungen milderer Gefühle, um den Anblick all' der traurigen Gestalten, welche sich als ein sprechendes Zeugniß eines der gebildeten Menschheit unwürdigen Krieges darstellen, ertragen zu - können. Ich wenigstens verließ das Schloß, nachdem ich die lange einförmige Strecke nur eines Saales durchwandert war. Die Stadt Svnderburg hat auch Len Charakter einer deutschen Stadt. Man kömmt nicht zu einer königlich privilegirten „Oiaeslgirer/' sondern zu einem "Gasthof--. Ueberall wimmelte die Slgdt von dänischem Militär. Sonderburg liegt an und auf einem ziemlich steilen Abhange nach der Meerenge hin, welche die Insel Alsen von dem Festlande des nördlichen Schleswigs scheidet. Das alte Schloß, worin Christian der Tyrann (Christian II.) seine letzten Zahre verbrachte, an dessen Aufenthalt jedoch fast nichts mehr erinnert, ist nicht sehr merkwürdig. Der Herzog von Augustenburg hatte es in der letzten Zeit als Getreidemagazin benutzt. Jetzt ist es nur dazu bestimmt, um, im Fall, daß die Deutschen einen Angriff versuchen sollten, mit Infanterie besetzt zu werden, deren Feuer, wegen der Lage des Schlosses unweit vom Strande, die Meerenge bestreichen kann. Ueber letztere ist eine Brücke gebaut, die auf einer Anzahl stark befestigter Fahrzeuge ruht. Das mittelste Stück der Brücke ruht auf Tonnen und kann erforderlichen Falls wezge- nommen werden. Es war eigenthümlich, bei der Fahrt über die Brücke, zu sehen, wie die Mannschaft auf Len Fahrzeugen aus ihren Kajüten und Kabusen hervorguckte. Die Brücke wird von zwei Brückenköpfen, Schanzen, die unser Erstaunen erregten, ver- theidigt. Die tiefen Gräben, die Pallisaden. die Wolfsgruben vor dem Glacis schienen das Vordringen eines Feindes an dieser Stelle unmöglich zu machen. Im Inneren der so befestigten Brückenköpfe erstreckten sich die langen Kasernendächer und ein bombenfestes Blockhaus, von wo sich noch in der letzten Stunde ein langwieriger Widerstand bewerkstelligen ließe. Zwischen diesen Wällen liegt ein Thal, das ich, wenn der Strand bergig wäre, eine Bergschluchl nennen würde. Eine ländliche Wohnung, die Besitzung eines Stadtbewohners, der hier Len Genuß ländlicher Anmuth mit der Bequemlichkeit des Stadtlebens verbinden wollte, war in ein Vertheidigungswerk verwandelt worden, so daß überall in den Wänden, in beiden Wohnungen des Hauses, Oeffnungen für Gewehrfeuer gemacht waren, während die Fenster zugemauert worden waren. Das ganze Gebäude hat dadurch ein drohendes, gleichsam arglistiges Ansehen erhalten. Sollte eS der Feind von einer gewissen Seite her versuchen, sich dem Wall des Brückenkopfs zu nähern, so kann er sich von diesem Gebäude aus auf einen gewaltigen Kugelregen gefaßt machen. Als wir jetzt diese Befestigungen besuchten, wimmelten sie von Soldaten, welche sich sämmtlich durch ihr frisches, munteres Ansehen auszeichneten, wenn gleich sie einer eleganten militärischen Haltung entbehrten (Schluß folgt.) Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr- Müller'schen Hvfbuchhandlung.