Nr. 87 Donnerstag den 26. Oktober L8L8 ner >der rer Urne« so Er rch- sich :en. der mit >en, 'offvoll itiv seit, mit eße arch der R«" der den ung rso- den thl- ner' rnd >tin, der rem den- ran- lichl sei- sich hat, esen > er Aa- Oie- n!e- saftk hls- ch«S Hel che" .) Aus der Zeit. — Karlsruhe, 20. Okt. s87. Sitzung der zweiten KammerZ Eine Anfrage des Abg. Kiefer wegen der Bequartirung und Unterhaltung der Reichstruppen beantwortete Etaatsrath Bekk dahin: es habe die Reicksgewalt, welche die Truppen zur Auf- rechthallung der Ordnung und theilweise auch zur Bewachung der Schweizergränze eingelegt habe, auch über deren Abberufung oder Dislvcirung allein zu entscheiden. Zudem würde eine gar zu schnelle Abberufung der Regierung wie früher vielerlei Vorwürfe zuziehen. Für die Verpflegung konnten zwar im Augenblick nur Scheine ausgestellt werden, weil die Reichskaffe kein verfügbares Geld besitze, übrigens hätte die Regierung auf ihr Anfragen günstige Zusicherungen erhalten. (Dem Vernehmen nach, ist bereits Geld von Frankfurt angelangt.) Hierauf entspann sich eine längere Berathung, in welcher die drückende Lage der Bürger, die Verhältnisse Deutschlands und Badens zur Schweiz, das Verhalten der letztern bei Aufnahme der Flüchtlinge, die Kaser- nirung und Verlegung der Truppen u. s. w. zur Sprache gebracht wurden, und welche damit schloß, daß die Kammer einstimmig den Wunsch in das Protokoll niekerlegte: die Regierung, deren guter Wille allerseits anerkannt wurde, möge durch ihren Bevollmächtigten bei der Centralgewalt dahin wirken lassen, daß iiir baldigste Baarzahlung der Quartiergeldentschädigung, so wie für eine zweckmäßige Aufstellung der Truppen, beziehungsweise für eine gleichheiilichere Vertheilung derselben gesorgt werde. Etaatsrath Bekk beantwortet die Frage Brentanv'S ob Peter, im Falle er in der Kammer erscheinen sollte, verhaftet werde. Er erklärt, diese Sache berühre die Regierung als solche gar nicht, indem von dem zuständigen Gerichte, dem Hofgerichte zu Konstanz, der Verhaft erkannt und von der Kammer die Zustimmung dazu ertheilt. also alle gesetzlichen Bedingungen erfüllt worden. Selbst Peter müsse dieß anerkannt haben, denn er sei in der Zwischenzeit nicht mehr in den Kammersitzungen erschienen. Mittlerweile hätte nun freilich die Cenlralgewalt das bekannte Gesetz jlun Schutze der Parlamentsmitglieder erlassen, es werte sich sonach fragen, ob solches auch auf vorliegenden Fall seine Anwendung finde. Allein auch hierüber habe nicht die Regierung, son- dern nur der Richter zu entscheiden. Brentano sucht den Ge- üchten und der Kammer das Recht zu bestreiten, dem Peter den Eintritt zu verweigern und stellt den Antrag, die Kammer möge >« Protokoll erklären: --Die Gerichte seien ohne Genehmigung öer Nationalversammlung nicht befugt, einen Verhaftbefehl gegen Peter zu erlassen. Auch finde sie in der Verhaftung Peter'S eine Verletzung seiner Rechte und sei derselbe sonach sogleich einzube- rnfen.» Der Antrag wird in die Abtheilungen verwiesen. — Karlsruhe, 21. Okt. s88. Sitzung der zweiten Kammer.^ Nährend der Berathung des Gesetzes über die Verwaltungsbehörden traten Etaatsrath Hoffmann und Ministerialrath Presti- nari ein und legten zwei Gesetzentwürfe vor, wornach 1) die Amortisationskasse ermächtigt werden soll, der Generalstaatskaffe ein Anleihen von 2,200.000 fl. vvrzuschießen, da letztere bedeutende Ausfälle habe, und dabei auch noch außerordentliche Ausgaben bestreiten müsse, — und 2) das Finanzministerium ermächtigt wird, für die ersten drei Monate des künftigen Jahres die Steuern wie bisher zu erheben, indem eine Vorlage des Bud- gets wegen der theilS beschlossenen, theils noch in Aussicht stehenden organischen Einrichtungen im Augenblicke nicht möglich sei. Ferner vorgelegt wurde das provisorische Gesetz in Bezug auf die Zuschlagszölle wegen der Ausfuhrprämien von Frankreich. Endlich wird die vorläufige Mittheilung gemacht, daß der durch so viele Petitionen veranlaßte Versuch, vermittelst eines Gesetzes statt der Wein- und Bieraccise Bauschsummen einzuführen, mißlungen sei, indem die meisten Accispflichtigen es vorzögen, zur früheren Acciszahlung wieder zurückzukehren. Später werde eine Gesetzes- vvrlage hierüber erfolgen. Der übrige Theil der Sitzung wurde durch die Berathung über den oben erwähnten, die Verwaltungsbehörden betreffenden Gesetzentwurf in Anspruch genommen. — Rastatt, 22. Okt. Gestern wurden Struve und Blind von Bruchsal hierher gebracht. Die Veranlassung dieser Ueber- siedlung der Gefangenen, welche übrigens nicht in die Casematten, sondern in ein Bastionsgebäude gebracht wurden, liegt in dem Umstand, daß das Zellengefängniß zu Bruchsal, in so weit es zur Aufnahme von Gefangenen vollendet ist, nunmehr seinem eigentlichen Zweck übergeben wird. — Frankfurt, 2l. Okt. Prinz Adalbert von Preußen ist heute hier angekommen. Auch Graf Alexander Mensdvrf ist direkt aus dem kaif. Hvflager zu Olmütz hier eingetroffen. — Der Gelderlös teS hier eröffnet«» Bazars für die deutsche Flotte beläuft sich auf etwas mehr als 1800 fl. — Gestern brachte der Abg. Maifeld in der 'Reichsversammlung den Umstand zur Sprache, daß die badische Regierung den Mitgliedern die persönliche Por- tvfreiheit nicht gewähre- Die Ertheilung tiefes Privilegiums liegt nicht in den Händen des badischen Ministeriums. Seit 17 Jahren besteht dort ein Gesetz, welches dieselbe verbietet, und seit dieser Zeit ist auch Jedermann in Baden von der persönlichen Portofreiheit ausgeschlossen. Dabei dürfte die Bemerkung erlaubt sein, daß in keinem Lande Deutschlands die Abschaffung aller Art von Vorrechten schon vor den Märzreformen so weit gediehen. — Frankfurt. 23. Okt. 101. Sitzung der Reichsversammlung. Der Abg. Kerst hakte gefragt, ob das Ministerium von der Ernennung des polnischen Generals Bem zum Obercvmmandan- ten in Wien offizielle Nachricht habe, von welcher gesetzgebenden Behörde dieselbe ausgegangen sei, und wie sie mit der Behauptung. daß die Bewegung in Wien eine deutsche sei, Zusammenhänge. Oer Reichsminister des Innern erwiederte: Die Ernennung des Generals Bem sei dem ReichLministerium nicht offiziell bekannt; nach der öffentlichen Verkündigung im Reichstage zu 350 Wien aber scheine sie wohl begründet zu sein. Ob die angeblich deutsche Bewegung in Wien dadurch eine höhere Bedeukung gewinne, muffe er der Nationalversammlung zur Würdigung überlassen. Der Reichssinanzminisier v. Beckerath legt den Voranschlag der Ausgaben für die Nationalversammlung, die Centralgewalt und die Zwecke des Bundesstaats vom 1. Sepl. bis 3t. Dez. d. I- vor. Die Tagesordnung führt sodann zur Berathung des Berichts über die Anträge der Abg. Denedey unb Nauwerck in Betreff der österreichischen Verhältnisse. Der Antrag der Mehrheit des Ausschusses lautete: --Die Nationalversammlung möge beschließen: 1) Die von der provisorischen Centralgewalt für Deutschland verfügte Abordnung von Cvmmissären nach Wie», — in welcher die Nationalversammlung sowohl ein Mittel zur Abwehr des Bürgerkrieges und zur Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung, als auch gleichzeitig eine Gewähr der Sicherung der Interessen Deutschlands wahrnimmt, — gutzuheißen: 2) das Reichsministerium aufzuforkern, nach Maßgabe der von den Cvmmissären eingehenden Berichte, sogleich die weiter erforderlichen Schritte zu thun, insbesondere aber mit aller Entschiedenheit jede zum Schutze der etwa in Frage gestellten Interessen Deutschlands nvthwendige Maßregel zu ergreifen, und über dieselben der Nationalversammlung Mittheilung zu machen, wird nach einer Berathung, an welcher die Abg. Reitker von Prag, Maifeld, Berger, Schmidt von Löwenberg, Sommaruga, v. Vincke, Vogt, Venedey, Baffermann und der Berichterstatter Schubert von Königsberg Theil nahmen, mit 250 gegen 166 Stimmen angenommen. — München, 22. Lkt. Die Wehen des 18. Okt. beginnen bereits ihre natürlichen Früchte zu Tag zu fördern. Regierungs- Präsident v. Gvtin, der noch um 1 Uhr einer Bürgerdeputation nicht glauben wollte. Laß Gefahr im Verzug liege, wird in den Ruhestand versetzt. Generalmajor Winter, zum ewigen Andenken Stadtkommandant am 18. Oktober, welcher sich noch um 1 Uhr weigerte, den Generalmarsch schlagen oder nur den einzelnen ausgerückten Truppenabtheilungen Befehl zum Angreifen zukommen zu lassen, ist seines Postens ebenfalls entbunden worden. — Sigmaringen. Das Straf- und Strafprozeß-Gesetzbuch für das Grvßherzogthum Baden von 1815 wird als gültiges Gesetz für das Fürstenthnm Sigmaringen angenommen und tritt mit dem 1. Nvv. 1848 in Wirksamkeit. — Berlin 21. Okt. Zm Laufe dieser Woche will die Elite der s. g. deutschen Demokratie hier ihre Tagsatzung eröffnen; es soll anderweitig über die Mittel und Wege berathen und beschlossen werden, wie man die Nationalversammlung in Frankfurt in Len Augen des Volkes herabsetzen und um alle Achtung bringen könne. EL ist a igenscheinlich in letzter Zeit das Streben der s. g. Demokraten, da ihre Absichten in Frankfurt vereitelt sind, aus die Erhaltung der Vereinzelung in Deutschland gerichtet. Zn einem von den Abg. Waldeck und Esser in der preuß. Nat.- Versammlung gestellten Anträge liegt ein solcher Schritt zu Tage; er ist so künstlich gestellt, Laß sich in ihm leicht eine Majorität fangen lassen dürfte. — Breslau, 20. Okt. Heute Morgen ist rie Leiche des Fürsten Lichnowsky hier angelangt. Morgen früh 7'/- Uhr wird die Leiche mittelst Cxtrazuges nach Ralibvr befördert, um in Grätz beigeseht zu werden. — Dessau, 19. Okt- Zn der Landtagssiyung zu Bern bürg vom 13. erfolgte ein wahrer Sturm der Abgeordneten auf die Minister, und zuletzt zertrümmerten die Zuhörer, die ebenfalls gegen die Minister lärmten, Stühle und Bänke und kamen in die Deputirtenxlätze. Die Minister mußten die Sitzung verlassen und eilten zu dem Herzog nach Ballenstädt, während sich in dem Saal ein --Convent-- bildete, welcher in einer Deputation an den Herzog ein neues Ministerium verlangte. Der neugebackene ,,Convent-- des Anhalt'schen Reiches lud den Commankeur der Truppen vor seine Schranken und verpflichtete ihn. Ein neues Ministerium ist gebildet, welches die Vermittlung der Centralge. wall angerufen hat. — Bremen, 18. Oktober. Die amerikanische Fregatte St. Lawrence liegt noch auf der Weser vor Anker. Die Reichsbevollmächtigten für die Marine, der preuß. Major Teichert und der öflreichische Hauptmann Möring. so wie der Erbgroßherzvg von Oldenburg nahmen die schöne Fregatte in Augenschein (sie führt 44 schwere Geschütze, welche nur Hohlkugeln schießen, die mit Metallzündern versehen sind) und wurden von Len Amerikanern mit großer Zuvorkommenheit empfangen. — Unsere Marine-Angelegenheit wird in kürzester Frist eine sehr erfreuliche Gestaltung annehmen. Die Unterhandlungen, welche man darüber mit den „Vereinigten Staaten von Nordamerika" geführt hat, sind nun fast geendet und haben ein glückliches Resultat gewährt. Mit Bewilligung der Regierung werden ein nordamerikanischer Kommodore und mehrere andere Seeoffiziere auf einige Zahre interimistisch in unsere Dienste treten. Ebenso hat die amerikanische Regierung gestattet, daß auf den dortigen Kriegswerften für unsere Rechnung größere Kriegsschiffe erbaut werden können, da wir dies aus Mangel an den nöthigen Arsenalen noch nicht selbst zu thun vermögen, während die kleineren Schiffe auf unseren Werften erbaut werden sollen. Auch mehrere junge deutsche Seekadetten werden auf amerikanischen Kriegsschiffen ausgenommen, um dort den nöthigen Dienst zu lernen. Auch ein englischer Fregattenkapitän, ein Deutscher von Geburt, und ein dänischer höherer Seeoffizier, ein geborner Altvnaer, sind für den deutschen Dienst gewonnen. — Schleswig. 19. Okt. Zn der heutigen Sitzung der Landesversammlung erschienen sämmtliche 4 Mitglieder der pro». Regierung. Der Präsident Beseler kündigte, selbst ergriffen, der Versammlung in einer ergreifenden Rede an, daß die Wirksamkeit der prov- Regierung ihrem Ende nahe, womit er Len Antrag verband, daß die Landesversammlung die pro». Negierung entlassen und zugleich der Regierung, welche in Folge des Waffenstillstandes nach dem Willen der Centralgewalt das Land verwalten solle, ihre Zustimmung ertheilen möge. Er bezeichnete die zur Bildung einer neuen Regierung berufenen Personen als Männer, welche kaS Vertrauen des Landes verdienten und rechtfertigen würden. Cr sprach hinsichtlich der Zukunft und einer erfreulichen Gestaltung derselben nicht blos Hoffnungen, sondern die bestimmteste Erwartung ans. Später legte der Departements- Chef für das Innere noch ein Dokument vor, wodurch Preußen die fernere Ausführung des Waffenstillstandes dem Reichscom- miffar Stedtmann überträgt- — Wien, 18. Okt. Mit allgemeiner Entrüstung (sagt die --A. Oesterr. Z.--1 wurde die Miltheilung empfangen, daß rie Ungarn trotz aller schönen Phrasen, die sie uns geschickt haben, trotz aller Berichte über Vorpvstengefechle, mit welcher die ungarische Partei das Publikum täglich amüsirte, nicht vor Wie" erscheinen werten. Glücklicherweise brauchen wir die Magyaren nicht, — ihre Handlungsweise wird die Geschichte richten! (Wenn die Wiener keine Kinder wären, so hätten sie längst eingesehen, daß rie "brüderliche Freundschaft" der Ungarn, die alles Deutsche stets mit Fußen getreten haben, nur so weit reichte, bis durch die Wiener zunächst jede Gefahr für sie beseitigt war.) — Wien, 20. Okt. Oer Obercommankant Messenhauser h^ sich an den Gemeiuderath gewendet und von diesem die Berufung der Ungarn verlangt. Der Gemeinderath wandte sich dießfalls u» 351 en me der aeS geilte HS- and zog (sie tie ika- Nasche iber hat, hrk. cher ihre ika- ften »en, licht ins«. tsche iom- scher scher che» der N'vv. der sam- «trag enl- lffen- wal- e die l als 'echt- r erlern ents' uße" com- t r>e ß tie ab?v- : M'° Wien yaren Venn ehe«, ritsch' durch r Häufung IIS an den permanenten Reichstagsausschuß. Der Reichstagsausschuß aber will auch nicht, und der Reichstag selbst sagt, er sei nur zum Verfaffungmachen da. — Wien ist seit gestern gänzlich ein- geschloffen, und nur noch bei der einen Nußdorfer Linie ist die Zufuhr möglich. — Der Reichstag bot gestern ein sehr trauriges Bild; die Zahl der Mitglieder ist so herabgeschmvlzen, daß man immer warten muß, bis die Versammlung beschlußfähig ist, ja daß man davor zittert, daß er es überhaupt aufhören wird zu sein. — Wien, 2ü. Okt. Wien ist von heute an förmlich cernirl; von allen Seiten ist die Zufuhr abgeschnilten, ohne daß von irgend einer Provinz eine nachdrückliche Hülfe geboten würde. Wien ist in diesem Augenblicke ganz sich selbst überlassen und koch ist daselbst noch keine Spur von Entmuthigung zu finden (??). Es herrscht nur eine Spannung (!) mit welcher man dem Ausgange dieser Wirren entgegensiebt. — Deputationen auf Deputationen gehen nach Olmütz. Auch der Gemeinderalh hat eine aus (einer Mitte mit einer Adresse abgeschickt, in welcher das Peilungen ausgesprochen wird, daß 1) Zellachich und Winbisch- Grätz abziehen. 2) Die Truppen von Auersperg, mit Ausnahme von Nassau-Infanterie und Wrbna-Kavallerie als Garnison die Wiener Kasernen beziehen. 3) Die Nalivnalgarde revrganistrt werte, mit Beibehaltung der mobilen Corps. 4) Der Kaiser zurückkehre und ein volksthümliches Ministerium einsetze. Dieser Deputation folgte eine andere aus Nationalgarden und Legionären bestehend, um sich mit ihr zu vereinigen. — Die hierherge- iaiidten Reichscommissäre Welcker und Mösle haben sich hier gar nicht aufgehalten, sondern find sogleich nach Olmütz abgereist. — Die Eisenbahn ist bis Gänserndorf unfahrbar. Die Posten aus Preußen fehlen noch immer. — Die Insel Lvbau ist von Win- disch-Grätz militärisch besetzt und die Verhinderung der Einfuhren ron der Taborseile wird auf das strengste bitrieben. — Wien, 21. Okt. Zn der gestrigen Neichstagsiitzung wurde ein Manifest --an die Völker Oesterreichs-- verlesen und angenüm- men. Cs ist schwülstig gehalten, und spricht mehr von den Angelegenheiten Wiens als den allgemeinen. Zn der heutigen Sitzung verlas Minister Kraus ein Manifest des Kaisers --an tie Völker Oesterreichs». Cs ist weil müder als man erwartet hatte. — Zn dem Manifest sagt der Kaiser: »Es ist l'ns-r fester, unveränderlicher Wille daß tie Unfern Völker» gewährten Rechte und Freiheiten in ihrer ganzen Ausdehnung ungeschmälert bleiben . . . . Ebenso ist es Unser fester Wille, daß das begonnene Verfassungswerk von dem constituirenden Reichstage in einer der vollen Gleichberechtigung aller Unserer Völker entsprechenden Weise ungestört und ununterbrochen fortgesetzt werde.» — Olmütz, 17. Okt. Heute wurde Fürst Windisch-Grätz ium Felkmarschall ernannt. — Heute kam eine große Deputation tianaken, alle zu Pferde und eine Musik an der Spitze, um Sr. Majestät für tie ihnen sowohl mündlich als schriftlich gegebene Versickerung der Aufhebung der Robot, des ZehnlS u. s. w. zu danken. — Am 19- tritt der Rest der böhmischen Truppen den Marsch nach Lundenburg an, wohin auch das Hauptquartier des Feldmarschalls verlegt wirb. — Paris, 29. Okt. Die gestern erfolgte Aufhebung des Be- tagerungssiandes ist allgemein mit großer Befriedigung ausgenommen worden. Man erblickt in dieser Maßnahme eine» Beleg dafür, daß die Tage der Gefahr nunmehr vorüber seien, da die Regierung nun selbst eiugewilligt habe, den Ausnahmszristand nieder zu beseitigen. — Die Einnahmen der Theater von Paris liegen in der ersten Hälfte Oktobers auf eine größere Summe, als in den beiden Monaten August und September zusammen Senommen. — Gestern Abend verhaftete die Polizei die Ausrufer ^r von den Mitgliedern der äußersten Linken erlassenen Proklamationen, die auch überall, wo sie angeschlagen war, »„gerissen und an den Orten, wo sie zum Verkauf ausgelegl war, in Beschlag genommen wurde. — Paris, 2l. Okt. Lamoricivres neues Rekrulirungsgesetz will zwar nicht ganz das preußische System einsühren, inten, es die Ersatzbefugniß beibehält, aber es will den Ertrag des Einste- herinsiituts in die Hände des Staates leiten und einen Fonds daraus bilden, aus welchem Belohnungen für Soldaten gezahlt würden, die nach Ablauf ihrer Dienstzeit neuen Dienst nähmen. — Mehrere ClubbS sind geschlossen worden. — Der Berg, aus 70 Abgeordneten bisher bestehend und in der Rue Taitbout sitzend, hat sich gespalten. Dreißig Mitglieder haben fick von den übrigen vierzig ihrer Kollegen getrennt und bilde» seit gestern ein „valaillon socrs", das den bekannten Dem. Ollivier zum Führer hat. Man sollte sie sacre b-itaiiloli nennen, sagte eines der Blätter (--verdammte Schaar-- statt »heiliger Schaar--). — Aus Persien melden russische Blätter die Nachricht, daß der Schah von Persien (der seit lange in den Händen von Quacksalbern war) mit Tod abgegangen ist; sein Nachfolger, Nasr-ed- din, hat ohne alle Ruhestörung den Thron eingenommen. Die rothe Fahne und die Freiheitsbäume in Paris. (Fortsetzung und Schluß.) Seitj das Volk von Paris vollends Lurch, eine nicht abreißende Reihe von Umwälzungen daran gewöhnt worden, sich edel, grvßmüthig, heroisch, erhaben nennen zu hören, ist Liese Sucht, durch eine theatralische Haltung sich hervvrzulhun, nur noch gesteigert worden. Selbst im Kampfe ist der Franzose, dessen natürlicher Muth übrigens nicht bezweifelt werken soll, vielleicht nur deßwegen so tollkühn, weil für ihn das politische Drama, in dem er eine Rolle übernommen, gewissermaßen der Wirklichkeit entbehrt, weil es tie Fiktionen des Theaters auf die Straße trägt. Eine solche Annahme hat wenigstens für den nicht« Unwahrscheinliche-, der z. B. gesehen hat, wie ein Pariser Gamin eine Fahne in der einen, einen Säbel in der anderen Hand und bekleidet mit der ersten besten Uniform, die er auftreiben konnte, eine Attitüde zu nehmen, wie er zu gestikuliren und von Zeit zu Zeit sein langes Haar au» der Stirn zu streichen weiß. Bei dieser alle Klassen und Stände durchdringenden theatralischen Manie nun ist es nichts weniger als wunderbar, daß das äußere Zeichen tie persvnifizirte Empfindung, das Symbol, so mächtige Wirkungen hervorbringen. ES hieße also, den Charakter der Nation verkennen, wenn man die Bedeutung zu gering schätzen wollte, welche Symbole, die gewisse Meinungen oder Ansichten ausdrücken, bei Leitung deS Volkes haben. Selbst diejenigen, welche sich über diese Bedeutung keine Rechenschaft zu geben wissen, handeln Loch instinktmäßig so, als ob sie über dieselbe im Klaren wären, ja, welchen Werth die Partheien, die gemäßigte sowohl wie tie ultra- republikanische, diesen Symbolen beilegen, wie jede das ihrige zur Herrschaft zu bringen sucht, das läßt sich aus mehr als einer ihrer Handlungen zur Genüge entnehmen. Die eine dieser Parteien sucht beständig diejenigen zu beseitigen, die eine Zeit blutiger Gräuelthaten und wütkender Gewaltihäkigkeiten in's Gedächtnis zurückrufen, tie andere dagegen bietet Alles auf, sie wieder zu Ansehen zu bringen und sie zur Losung der Republik zu machen. Wem wäre es unbekannt, daß die Republik, welche eine geringe Minderzahl der Hauptstadt Frankreich durch einen Handstreich aufnölhigte. von der Majorität der Nation, theils im Gefühle der Resignation, welches vollendete Thalsachen bei dem 352 größeren Theil der Menschen zu erwecken pflegen, theils im Bestreben, zur Aufrechthalrung der Ordnung und des Friedens, irgend einen 8tuius guo, gleichgültig welchen, zur Anerkennung zu bringen, theils endlich in der Ueberzeugung angenommen wurde, daß für den Augenblick bei der Hast, mit welcher die Dynastie ror einer Erneute das Feld geräumt und das Land seinem Schicksal überlassen hatte, keine andere Regierungsform übrig bleibe? Sobald jedoch das Symbol einer Vergangenheit aufgepflanzt werden soll, die nur Entsetzen, Unwillen und Verachtung bei allen Wohl- denkenden zu erzeugen vermag, werten Liese sich nicht bedenken, einen Akt zurückzuweisen, dessen Bedeutung, wie gering derselbe dem Fremden erscheinen mag, sie instinklmäßig begreifen. Tage, Wochen hindurch war Paris den phantastischen Launen einer Pöbelmaffe (wob) preisgegebe», die das Geld des Publikums einsteckte, um ihm dafür durch alles das eine Unterhaltung zu gewähren, was sie ersann, um sich in ihrem Müßiggänge zu zerstreuen. Sie zog mit Fahnen und Musik durch die Stadt, um auf jedem Platz, an jeder Ecke, überall, wo hinreichender Raum einen mit Bändern verzierten Baum einzupflanzen. Was war es was damals die friedliche Bevölkerung mit Schrecken erfüllte? Gewiß nicht das unaufhörliche Schreien, das Losschießen von Gewehren, das weder bei Tag noch bei Nacht ein Ende nahm, auch nicht die Subscriptionsliste, die von Haus zu Haus umhergetragen wurde, und zu der Jedermann beisteuern mußte, ebenso wenig der eintönige Drohruf: „lles Temgione! lles I.