E UL, ,7 i VtfQCtltt Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugs. Preis mit dem wöchtl. erscheinenden Amtl. Verkündtgungsblatt durch die Post bezogen monatlich 52 Pfennig am Postschalter abgeholt, durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Haus gebracht monatlich Sv Pfg. Rer Randvole Gegründet CUJUUJ 18 3 9 Elsenz- und Schwarzbachtal Giusheimer General-Anzeiger für das Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Laupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen kosten im Anzeigenteil die Zeile (42 mm breit) 25 Pfg. bei Platzvorschrist 30 Pfg. im textlichen Teil (87 mm breit) 50 Pfg. an erster Stelle 60 Pfg. Rabatt nach Tarif. Schluß d.Anzeigcnannahme 8 Uhr vorm., für umfangreichere Anzeigen Tags zuvor 4 Uhr nachmittags. Geschäftszeit 1 / 28 —7, Samstags bis 6 Uhr. Sonntags geschloffen. Fernsprechanschluß Nr. 11. M 25. Dienstag, den 26. Februar 1918 . 79. Jahrgang Abgekühtt? Mit außerordentlicher Schnelligkeit hat sich die poli tische Wirkung des erneuerten deutschen Vormarsches im Osten eingestellt. Herrn Trotzkis Anmaßung, die sich im Verlauf der Brest-Litowsker Verhandlungen immer gro tesker aufgebläht hatte, ist rasch zusammengeschrumpst sobald er sich gegenüber anstelle der Diplomaten, dle er zwei Moncke ungestraft am Narrenseil führen durste wieder die deutsche Waffenmacht fühlte, die nicht m t sich spaßen, sich nicht durch noch so gerissene redneri sche Fechterkunststücke aufhalten und abwehren läßt. Der starrsinnige Trotz, womit der Wortführer des besiegten und zerrütteten bolschewistischen Rußlands, den Bertre lern der siegreichen, in voller Krastentfaltung dastehenden Mittelmächte noch vor reichlich einer Woche die Unter Zeichnung eines ehrlichen Friedensschlusses glatt zu verivei gern wagte und nicht einmal chre formulierte Gegener Klärung auf seine einseitige Kriegsschlußkundgebung in Brest-Litowsk abzuwarten glaubte, ist über Nacht gründ lich abgekühlt. In einem Funkspruch aus Petersburg erbietet das dortige Volkskommissariat sich jetzt auf ein mal, den Frieden mit den Mittelmächten unter den von ihnen in Brest-Litowsk ausgestellten Bedingungen zu unterzeichnen, und bittet um deren genaue Formulierung zum Zwecke unverzüglicher Beantwortung. Nicht minder bedeutsam als diese so plötzlich verän derte Taktik der Petersburger Gewalthaber ist aber die gleichfalls veränderte Aufnahme durch das amtliche Deutschland. Der traurige Schiffbruch ,den unsere Diplo matte mit ihrer Brest-Litowsker Methode erlitten und die Herr von Kühlmann in seinen gestrigen Ausfüh rungen im Ausschuß selbst mittelbar zugegeben hat, ha augenscheinlich einen grundsätzlich wertvollen Gewinn gezeigt. Auch des deutschen Staatssekretärs amtliche Gefühle für Herrn Trotzki und die Seinen sind gründ lich abgekühlt, und mit einer erfreulich staatsmännischen Zurückhaltung, die wir bislang zum Schaden unserer politischen Kriegsführung in der Haltung der deut scheu Regierung gegenüber den russischen Friedensschein Heiligkeiten nur zu sehr vermißten, wies Herr von Kühlmann heute im Reichstag selbst auf den fragwürdigen Wert des von ihm mitgeteilten Petersburger Funkspruchs hin. Wir begrüßen es mit lebhafter Genugtuung, daß die deutsche Regierung die Erfüllung solcher Warnerpflicht diesmal nicht der nationalen Presse allein überläßt, und hoffen, daß nicht nur die Hinweise von der Regierungsbank auf die üblen Erfahrungen, die man mchrfach mit früheren Petersburger zu Funksprüchen hat machen müssen, chren Eindruck auf die von unserer radikalen Demokratie irregeleiteten Massen trotz der sogleich von Herrn David versuchten Gegenwirkung nicht verfehlen werden. Denn auch dann, wenn der Fnhatt des Funkspruchs, wie angekündigt, alsbald schriftlich bestätigt werden soll te, ist damit nach Herrn v. Kllhlmanns treffenden Worten bei weitem nicht „nunmehr alles glatt und klar". Nach den bisherigen Erfahrungen mit Herrn Trotzki muß man durchaus darauf gefaßt fein, daß sein neuestes Einlenken wiederum nur ein Derschleppungsmanöver ist und vor allem darauf abzielt, den Bormarsch der deutschen Heere aufzuhalten. Rein politisch betrachtet — die militärische Seite der Angelegenheit wissen wir bei unserer Obersten Heeresleitung in bester Hand — würde es nur eine neue Verhöhnung Deutschlands bedeuten, wenn Herr Trotzki etwa meinen sollte, lediglich bei ihm läge die Entscheidung über Fortgang oder Ende der Kriegshandlungen. Die zwingenden Gründe, die uns zu neuem mi litärischen Einschreiten im Osten veranlaßt haben, werden durch bloße Worte der augenblicklichen Petersburger Gewalthaber nicht aufgehoben. Unsere Pflicht zur Sicherung des Friedens mit der Ukraine und zum Schutze der in Todesnot schwebenden Bewohner der ehemals russischen Randgebiete ist erst dann erfüllt, wenn ihre Bedrohung von Petersburg aus ein für allemal unmöglich gemacht ist, wenn die Bolschewisten durch nicht wieder rückgängig zu machende Taten das von ihnen theore- tifch verkündigte, aber prakttsch so grausam verhöhnte volle Selbstbestimmungsrecht der Völker anerkannt haben. Wir erwarten zuversichtlich, daß unsere Reichspoll- tik in ihrer aus bitterer Erfahrung geborenen neuen Einsicht, die mit kühler Klarheit des Denkens heißen Willen zur pofttiven politischen Tat verbinden muß, nun- mchr bis zum glücklichen Ende bcharren wird. Rur dadurch kann sie die von Herrn v. Kichlmann festgestellte erhebliche Besserung der wahren Friedensaussichten voll auswerten. In Erwartung solchen Handelns u. Geschehens möge die sonst recht naheliegende Erörterung unterbleiben, ob der jetzt eingetretene Anfangserfolg nicht schon viel eher zu erreichen gewesen wäre, wenn unsere Diplomaten in Brest-Litowsk Herrn Trotzki und den Seinen beizeiten keinen Zweifel an Deutschlands Kraft und Entschlossenheit gelassen hätten, die die Petersburger Herren bei ihrer praktischen Handhabung nun so augenscheinlich überrascht hat. Der Gesetzentwurf über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirchlichen Vereine im Staate. Karlsruhe, 22. Febr. Der schon angekündigte Gesetzentwurf über die Aenderung einiger Bestimmungen des Gesetzes vom 9. Oktober 1860 über die rechtliche Stellung der Kirchen und kirchlichen Vereine im Staate ist jetzt im Druck erschienen. Der Gesetzentwurf stM im wesentlichen die Gesetzesbestimmungen vom Jahre 1860 wieder her und baut die während der Kulturkampf- zeit eingefügten gesetzlichen Bestimmungen ab. Der Gesetzentwurf enthält zwei durchgreifende Neuerungen. Die Einschränkung der Erfordernisse eines Nachweises allgemein wissenschaftlicher Vorbildung auf die Zulassung zum Kirchenamt, die auch der Gesetzgeber des Jahres 1860 zur Wahrung des staatlichen Interesses für ausreichend erachtet hat. Sodann tritt anstelle des im Gesetz vom Jahre 1880 oorgeschriebenen Nachweises über den dreijährigen Besuch einer deutschen Universität künftighin die Beurkundung über den Besuch einer deutschen Universität während dreier Halbjahre. Die Gr. Regierung nimmt bei diesem Aenderungsvorschlag den Standpunkt ein, daß die theologische Fachausbildung der künftigen Inhaber von Kirchenämtern eigenste und ausschließlichste Sache der Kirche ist. Sodann ist in den Gesetzentwurf die Bestimmung ausgenommen worden, wonach Privat-Lchr- und Erziehungsanstalten nicht eher eröffnet werden dürfen, als bis die erforderlichen Nachweise den Staatsbchörden geliefert und von diesen als genügend anerkannt sind. Reden Hertlings und Payers. Berlin, 22. Febr. Wie die Boss. Ztg. erfährt, wird am Montag sowohl der Reichskanzler Graf Hertling wie auch der Vizekanzler v. Payer im Reichstag das Wort ergreifen. Der Reichskanzler wird zur auswärtigen Politik sprechen und man darf wohl an diesem Tage eine große programmattsche Rede erwarten. Payer wird sich nit innerpolrtischen Fragen befassen und man geht wohl raum fehl in der Annahme, daß auch die Frage des ireußifchen Wahlrechts in seiner Rede eine wichtige Rolle spielen wird. Tirpitz in Köln. Köln, 21. Febr. Nach einer Meldung der Kölnischen Bolksztg. weilte gestern Großadmiral Tirpitz zur Teilnahme an der Besprechung der rheinischen Baterlands- )artei in Köln, wo er bei einem ihm zu Ehren veranstal- eien Festabend in längerer Rede erklärte, die Ramenge- mng der Daterlandspartei sei nicht glücklich gewesen. Ihr einziges Ziel sei, zu einem Frieden zu kommen, der Deutschland die Möglichkett gebe, sich wieder empor zu arbeiten. England glaube in der Zähigkeit uns überlegen zu sein. Diesen Glauben müssen wir zuschanden machen. Einen Verzichtfrieden zu schließen haben wir keinen Grund. Rußland ist erledigt, die Westmächte bilden ür uns die größte Gefahr. Amerikas Hilfe ist beschränkt durch den geringen Frachtraum. Bedauerlicherweise habe man zu viel Zeit auf die Vorarbeiten zum U-Boot-Krieg verwandt. Damit sei den Gegnern Zeit gegeben worden zu Gegenmaßregeln, die die rasche Wirkung des U-Boot- ^rieges verzögerten. Nachdem der Schiffsraum Eng ands aufgehött, weil nichts mehr zu rauben vorhanden wird England den Ü-Boot-Krieg alsbald in aller Schär- 'e zu spüren bekommen. Es gelte, auf der Hut zu sein, wenn Asquiths Pläne Gestalt gewinnen. Mit allem Nachdruck betonte Tirpitz, der deutsche Einfluß auf Bel gien sei geradezu eine Existenzfrage für uns. Die belgische Frage sei und bleibe Angelpunkt des Weltkrieges. Der Kaiser zu den russischen Greueltaten tu Livland. Berlin, 22. Febr. Der Kaiser hat auf einen von iem Lübecker Senat an chn gerichteten Hilferuf für )ie Livländer und Nordlioländer folgende Antwort ereilt: Die Worte den Senats der altehrwürdigen Han- lelsstadt Lübeck haben in meinem Herzen lauten Wi- ^)erhall gefunden. Die verzweiflungsvollen Notschreie, ue aus den Baltenländern immer dringlicher zu uns lerüberschallen, sollen nicht ungehört bleiben. Wirksame Maßnahmen werden ergriffen werden, um die ge- uälte Bevölkerung vor dem Sengen und Plündern räu- lelischer Horden sicherzustellen und dem Zustand völ- 'iger Gesetzlosigkeit ein Ende zu machen. Die Herren Polen. Berlin, 21. Febr. Bon zuständiger Seite erfahren wir: In ganz Polen herrscht wieder Ruhe. Die Aufregung hat sich gelegt. Kühlmanns Vermittlung ist es gelungen, Unbedachtsamkeiten zu verhüten, aber der Rücktritt des Ministeriums wird doch wohl erfolgen. Nicht verkannt werden darf, daß sich in letzter Zeit wegen der Vorgänge in Polen erhebliche Mißstimmung in Oesterreich gegen Deutschland zeigte. Interessant ist das Verhalten des militärischen Polens. Das polnische Heer mutzte aufgelöst werden, ein Teil trat zu den Russen über und wurden dort interniert» Während die Polen diesseits der Front sich jede Gemeinschaft mit den Deutschen verbaten, versuchten jetzt die polnischen Truppen aus dem russischen Heer, mit den Deutschen kämpfen zu können. Eine peinliche Frage stellt die „Köln. Ztg." an die Polen, die sich jetzt so bitter über das ihnen widerfahrene „Unrecht" beklagen, indem sie schreibt: „Glück hat auf die Dauer nur der Tüchtige, sagt das Goethewort. Es gilt für die Staaten und Völker so gut wie für den einzelnen Menschen. Die Polen finden, daß sie Unglück gehabt haben in dem Friedensschluß, der den Krieg zwischen uns und dem ukrainischen Teil Rußlands beendet hat — sind sie so tüchtig gewesen in diesem Kriege, daß sie beim Friedensschluß Glück unter allen Umständen hätten haben müssen? Man muß schon ein Pole sein, um als Antwort auf diese Frage den Mut für ein Ja zu finden." Die Hölle unserer Gefangenen in Rußland. Berlin, 22. Febr. Aus Meldungen, die jetzt nach und nach aus Rußland eingehen, erkennt man deutlich, wie es um die falschen Phrasen der Bolschewiki von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit bestellt ist. Die Unterkunft unserer Gefangenen starrt von Schmutz und wimmelt von Ungeziefer. Die Unsauberkeit der russischen Gefangenenlager erzeugt zahlreich« Krankheiten uüd Seuchen. Die Sterblichkeitsziffer unter den Gefangenen beträgt nach Angaben von einwandfreien Zeugen 40 o. H. „Das ist recht so, hier sollen sie verrecken!" hat nach eidlicher Aussage ein Rohling von Lagerkommandant erklärt. Da es an Medikamenten und Verbandsstoffen fehlt, wird Watte ungereinigt immer wieder verwendet, bis sie vollständig vom Eiter durchtränkt ist. Kranke mit ansteckenden Krankheiten werden nicht in Isolierbaracken untergebracht. Knutenschläge und Fuß- tritte sind an der Tagesordnung. Und solche Greuel geschehen in der freien Republik, die sich allen anderen so unendlich überlegen vorkommt. Es ist hier dieselbe Sache wie überall, daß der Bolschewismus sich im ganzen als ein Phrasenrausch darstellt. Was soll die Regierung tun? Vergeltung ist am Platze, nicht an den wehrlo- en Geiseln in unserer Hand, sondern an den Blutmen- chen in Petersburg, die der Welt vorschwätzen, sie wollen sie vom Joche des Kapitalismus befreien, und die ihr in Wahrheit ein viel grauenvolleres Joch aufzwmgen. das der Anarchie, der Entfesselung aller niedrigen In- tinktc und der Gewaltherrschaft der Roheit. Der ruffische Kurier in Berlin eingetroffen. Berlin, 22. Febr. Der russische Kurier, der vorgestern bereits die deutschen Linien passiert hatte, traf gestern Abend in Berlin ein und überreichte die Friedensvorschläge der Petersburger Regierung. Die Urkunde, die mit dem bekannten Petersburger Funk- fpnich wörtlich übereinstimmt, ist von Lenin und Trotzki unterzeichnet. Ueber dm Inhalt der deutschen Antwortnote, die natürlich erst in einigm Tagen abgesandt werden kann, werden noch eingehende Beratungen gepflogen werden. Die neuen Friedensverhandlungen dürsten wieder in Brest-Litowsk stattfinden, aber erst auf Grund eines von beiden Seiten zuvor genau festgelegten Programms. Auf deutscher Seite wird diese Verhandlungen in erster Linie Herr von Rosenberg führen. Der wird bereits in den nächsten Tagen nach Brest-Litowsk begeben, um dort alles für die neuen Verhandlungen vorzubereiten. Voraussetzung für diese Besprechungen ist natürlich, daß die Russen auf die von uns gestellten Bedingungen eingehen. Die neue Lage. Berlin, 22. Febr. Bon kompetenter Sette wird uns berichtet: Die Gerüchte über den neuen Umsturz in Petersburg haben keine Bestätigung erfahren. Wie man in maßgebenden Kreisen Berlins die Lage Rußlands beurteilt, scheint die Stellung Trotzkis und Lenins bedroht, aber noch nicht gefährdet. Me Nachrichten aus Kopenhagen und dem Haag, die von der Flucht Trotzkis und Lenins in eine neutrale Botschaft oder nach Riga meldeten, können schon insofern nicht ganz stimmen, da sie schon am 19. Februar bekannt wurden, während am Nr. 25. Jahrgang 1918. 20. Februar durch die Front das von unserer Regierung geforderte Bestätigungsschreiben der russischen Regierung einlief, das die Unterschriften Lenins und Trotzkis trug. Fn dem Schriftstück werden die Versicherungen des bekannten Funkspruchs wiederholt. Aus dieser Tatsache ergibt sich, daß in Petersburg noch immer die alte Regierung herrscht und nur unser Vormarsch den Willens- wechsel der Trotzki und Genossen hervorgerufen hat. Run fragt es sich, unter welchen Bedingungen wir überhaupt weiter verhandeln werden. In parlamentarischen Kreisen vertritt man die Ansicht, daß unsere Forderungen vorher völlig erfüllt sein müßten, ehe wieder die Stühle an den Verhandlungstisch gerückt werden. Daß wir die Räumung Estlands, Litauens, Kurlands und der Ukraine, wahrscheinlich auch die Räumung Finnlands von russischen Truppen und Horden fordern werden, um das Leben und Eigentum der Grenzstaaten zu sichern, liegt auf der Hand. Trotzki und Lenin werden also erst noch einen schweren Kampf mit sich zu kämpfen haben, aber man ist in maßgebenden Berliner Kreisen der Ansicht, daß jetzt doch der Frieden im Osten eiligen .Schrittes näherkommt. . Rücktritt Trotzkis? Köln, 23. Febr. Der „Köln. Ztg." zufolge wird aus Petersburg vom 20. Febr. berichtet: Der Rat der Volkskommissare hat, ehe er das Kapitulationstelegramm nach Berlin abschickte, darüber abgestimmt. Nur mit einer Stimme Mehrheit entschied er sich für die Abseadung der Depesche und zwar gab Trotzki den Ausschlag. Er, der zuerst für den Kampf bis zum Aeußersten eintrat, schwenkte plötzlich wider Erwarten um, und so kam der Beschluß zugunsten des Friedens zustande. Die in der vergangenen Nacht abgehaltene nichtöffentliche Parteiversammlung wurde zu einer Protestversammlung gegen ihn. Er wird wahrscheinlich zurücktreten. Hoffnungsvolle Aeutzerungen Kaiser Karl. Wie«, 21. Febr. In fortgesetzter erster Lesung des Budgetprovisoriums wies der christlich-soziale Abgerodncte Hauser entschieden die Ausführungen der polnischen Redner gegen den Grafen Czernin zurück und betonte die Verdien st e des Grafen Czernin. Bezüglich der Wünsche nach Entlassung älterer Jahrgänge erklärte der Redner, er habe gestern mit dem Kaiser darüber gesprochen. Der Kaiser habe ihn beauftragt dem Hause zu sagen,'daß es ihm die größte Sorge bereite, den Krieg fortführen zu müssen, und daß er nichts sehnlicher wünsche, als alle Soldaten sobald als möglich nach Hause schicken zu können. (Stürmischer Beifall links und bei den Ukrainern und Hochrufe.) Besonders liegt dem Kaiser daran, die alten Jahrgänge sobald als möglich zu entlassen. (Erneuter stürmischer Beifall.) Wir vertrauen auf das Wort des Kaisers: er ist ein edler, herzensguter Mann, der keine Freude am Blutvergießen und kein Interesse hat, den Krieg auch nur eine Stunde zu verlängern. Wir vertrauen auf ihn und seinen Minister des Aeußern Grafen Czernin, daß sie uns baldmöglichst den allgemeinen Frieden und allgemein« Abrüstung brirmen werden. (Lebhafter Beifall links und bei den Ukrainern.) Bettiglich der Bewilligung des Budgetprovisoriums erklärte der Redner, die Gefährdung des Budgetprovisoriums bedeute eine Gefährdung des Parlaments, weshalb die Christlich-Sozialen für das Budgetprovisorium stimmen werden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Gegenüber den gestrigen Reden der polnischen Abgeordneten wies Ministerpräsident Dr. Ritter von Seidler unter lebhaftem Beifall auf der Linken mit der alten Schärfe die Angriffe gegen das Deutsche Reich zurück, die bereits gestern von zuständiger Seite des Hauses ihre Kennzeichnung erfahren hätten. Diese'Angriffe wirkten als Kriegsverlängerung, in dem sie den Kriegshetzern in dem gegnerischen Lager Argumente gegen die Geschlossenheit der Mittelmächte lieferten. Gott sei Dank stehe unser Berhältnis zu dem herrlich bewährten Verbündeten zu aller Zeit und namentlich im Feuer des Weltkrieges zu hoch und zu fest, als daß solche Quertreibereien an seiner Klarheit, Wärme und Innigkeit zu rühren vermöchten. Häßliche Vorgänge im österr. Abgeordnetenhanse. Men, 22. Febr. In ihrem heutigen Leitartikel vergleicht die „Neue Freie Presse" die Stimmung nach der Nachricht von Rußlands Friedensbereitschaft im deutschen »Reichstag und im österreichischen Abgeordneten- _ Der Landbote * Sinsheim« Zeitung. _ Haus. Während der deutsche Reichstag nie so einig gewesen wäre wie jetzt, werde einem das Herz schwer beim Anblick der traurigen Vorgänge im österreichischen Abgeordnetenhaus. Das Blatt erinnert daran, daß die russische Dampfwalze für Oesterreich noch gefährlicher war als für Deutschland, und daß die Rettung vor ihr ein unsagbares Glück sei. Aber jetzt werde der Versuch gemacht, die Erinnerung an den russischen Einbruch und die Befreiung hinwegzufälschen. Noch schlimmer aber seien die Angriffe, die gegen Verbündete gerichtet werden, die mit Oesterreich Not und Gefahr teilten, und die in der gegenseitigen Hilfe auch die Zukunft der Monarchie mitbestimmt haben. Solche Ungebührlichkeiten hätten von der Ministerbank sofort kräftig verwiesen werdm müssen. Verbündete dürsten parlamentarisch nicht vogel- frei sein. Der Vorsitzende der französischen Kammer würde nie duwen, daß in der Erörterung z. B. England beleidigt werde. Vergebliche Verlockung Oesterreich-Ungarns durch England. Zürich, 22. Febr. Bon einer eklatanten diplomatischen Abfuhr, die sich die «Wische Regierung seitens Oesterreich-Ungarns geholt hat, erfährt jetzt die Oeffent- lichkeit durch eine Mitteilung des Echo de Paris. Schon im englischen Unterhaus war einmal von einer geheimnisvollen diplomatischen Begegnung in der Schweiz gesprochen worden. Nach dem Eingeständnis des Pariser Blattes handelte es sich dabei um folgenden Vorfall: General Smuts, der Mitglied des britischen Kriegs- kabinetts ist, versuchte vor etlichen Wochen in der Schweiz mit dem chemaligen österreichisch-ungarischen Gesandten Grafm Meusdorfs zum Zwecke eines österreichischen Separatfriedens mit England Fühlung zunehmen. Graf Mensdorff gab hieraus zu verstehen, daß Oesterreich-Ungarn für Extratouren nicht zu haben sei und jede Besprechung ,die nicht auf einen allgemeinen Frieden abziole, ablehne. Das Echo de Paris deutet an, daß dieser Vorgang Anlaß zu einer deutlichen Verstimmung Italiens und Rumäniens gegben habe. Me Wirkung der Streiks im Ausland. Kopenhagen, 22. Febr. Die dänischen radikalen Provinzblätter veröffentlichen einen Artikel, der überschrieben ist: „Ueber das Ziel hinaus", und der sich mit der letzten starken Bewegung in Deutschland und Oesterreich-Ungarn und deren Wirkung auf die Länder der Entente beschäftigt. In dem Artikel heißt es unter anderem: In der Presse der Ententemächte beschäftigt man sich lebhaft mit der inneren Lage Deutschlands und Oesterreichs. Man spricht offen seine Freude über die Ausstände in den beiden Ländern aus. Sowohl englische wie auch französische Blätter deuten ganz offen an, daß der Versailler Beschluß über die Fortsetzung des Krieges eine unmittelbare Folge der deutschen und österreichischen Demonstrationen war. — Wenn dies richtig ist, haben somit die deutschen und österreichischen Arbeiter gegen ihren Willen zur Verlängerung des Krieges beigetragen. Es besteht größere Aussicht, dem Frieden näher zu kommen, wmn die Entente einem ungeschwächten Deutschland gegenübersteht, dessen Besiegung aussichtslos ist, als wenn Deutschland derart geschwächt wird, daß seine Bezwingung der Entente möglich erscheint. Somit scheint es eine tragische Tatsache zu sein, daß die deutschen und österreichischen Arbeiter mit ihren Ausständen dazu beitragen, die vorhandenen schwachen Friedenshoffmmgen zum Erlöschen zu bringen, indem sie den Gegnern der Mittelmächte neue Hoffnungen einslößten. Die Entente gegen die Polen. Haag, 21. Febr. Die Entente beginnt offenbar mit einer planmäßigen KampagnegegenPo- l en. Die britische Presse benutzt dazu den Vorwand, daß Dienstag, 26. Februar 1918 Polen antijüdische Polstik betreibe. Der Präsident der britischen Zionisten berichtet in einer jüdischen Zeitung gerüchtweise von angeblich stattgefundenen Pogromen» an denen die Polen Schuld seien. Beginnende Kriegsmüdigkeit in England. Rotterdam, 22. Febr. Nach der Kölnischen Zeitung macht ein aufmerksamer Beobachter beim regelmäßigen Lesen der führenden englischen Blätter die Entdeckung, daß sich in England bereits recht fühlbare Stimmung für einen nahen Friedensschluß auf Grundlage einer Verständigung eingenistet hat. In der Provinz ist die Friedensidee stärker entwickelt, als in London, wo das größte Kriegsgeschrei herrscht. Don wohl unterrichteter Seite wird betont, England gehe dem finanziellen Ruin entgegen, begebe sich zu weit in Amerikas Gewalt. Die Schiffs Verluste der englischen Handelsmarine fielen schwerer ins Gewicht, als die Regierung zu begreifen scheine. Bei der Unmöglichkeit der Bekämpfung der U-Boote würde die Beschaffung nahrhafter Lebensmittel für die Bevölkerung in höchstens vier Monaten zur Krisis führen. Amerika könne die hochgeschraubten Erwartungen nicht befriedigen. Italien sei als gute Aktiva aus diesem Kriege schon auszuschalten. Diese wichtigen Punkte werden den breitesten Volksschichten vor Augen geführt, da sich andernfalls eines Tages für die Regierung und alle besitzenden 'Klassen eine äußerst gefährliche Lage ergeben müßte. Die starke Verschuldung Englands. Haag, 22. Febr. Nach dem „Statist" hat das britische Schatzamt bei Japan eine Anleihe von ungefähr acht Millionen Dollars ausgenommen. Die Gesamtschuld Englands an Japan stelle sich danach auf 28 Millionen Dollars. Die Verschuldung Englands an die Vereinigten Staaten belaufe sich schon auf viele Milliarden. Neuerdings habe England auch in Argentinien und Uruguay namhafte Anleihen ausgenommen. Ungeheure Geldstrafe für Repington. London, 21. Febr. Meldung des Reuterschen Bureaus. Oberst Repington und der Herausgeber der Mor- ning Post Gwynne sind wegen der Artikel in der Mor- ning Post vom 11. Februar zu je 1 Million Pfund Sterling verurteilt worden. Amerikas Hilfe für die Entente. Haag, 21. Febr. Wie Reuter aus Washington meldet, sind 12 Züge mit Getreide und Mais aus Chicago und anderen Städten im Zentrum des Landes nach den Hafenstädten des Atlantischen Ozeans abgegangen. Der Inh all dieser Güterzüge soll nach dem europäischen Festlande an die Alliierten transportiert werden. 12 weitere Züge stehen bereit und sollen morgen abgehen. Amerika als Streikhetzer. Amsterdam, 22. Febr. Die „Jorkshire Post" ver- breitet folgende Meldung der „Daily News" aus Washington: William Curchill, Chef der fremdsprachlichen Publikationsabteilung, erklärte in der Postkommission des Abgeordnetenhauses, die Loyalität des deutschen Volkes gegen seine Regierung werde Schrittweise durch die Propaganda, die die Vereinigten Staaten im Verein mit Frankreich betrieben, untergraben. Größere und besser organisierte Streiks in ganz Deutschland seien für den 1. Mai anberaumt. Die Vergewaltigung der Perser durch England. Stockholm, 22. Febr. Der Führer der persischen konstitutionellen Partei und ehemaliger Vizepräsident des persischen Parlaments Prinz Suleiman Mirzu ist auf persischem Boden durch den englischen Konsul in Ker- munschah festgenommen und als britischer Gefangener nach Khuneckin abtransportiert worden. Die jedem Rechtsgefühl ins Gesicht schlagende Verhaftung des angesehensten persischen Politikers hat in ganz Persien größte Empörung ausgelöst. 48 Erreichtes Aiel. Roman von L. Waldbröhl. „Das ist keine Entschuldigung für Treulosigkeit und schnöden Verrat!" rief Klara mit einer Heftigkeit, die in überraschendem Gegensatz stand zu der gewöhnlichen Ruhe und Sanftheit ihres Wesens. „Und es ist auch gar nicht wahr, was Sie sich da van einer unübersteiglichen Kluft einreden wollen! Weder eine Baronesse noch eine Gräfin oder Prinzessin ist zu gut für einen tüchtigen, ehrenhaften und aufrichtigen Mann. Sie tun sich selber unrecht, wenn Sie sich so gering einschätzen!" „Im allgemeinen haben Sie vielleicht recht! Aber welche Beweise habe ich denn bis jetzt Ihnen oder sonst jemanden für meine Tüchtigkeit oder Ehrenhaftigkeit geliefert? Ein Unbekannter hat mich ohne jedes Verdienst von meiner Seite zum Erben seiner Reichtümer gemacht — dieser Reichtümer ,die wahrscheinlich obendrein auf eine sehr wenig rühmliche Weise zu- sammcnaescharrt worden sind. Es gibt Augenblicke, in denen ich mich vor mir selbst schäme, weil rch mir wie ein Parasit vor- kamme, der sich von dem Blute anderer mästet." „Das ist ein: sehr törichte Auffassung. Denn am Ende kommt es doch nicht auf den Ursprung Ihres Reichtums an, für den niemand Sie verantwortlich machen kann, sondern einzig auf die Art, wie Sie sich dieses Reichtums bedienen!" „Auch in dieser Hinsicht habe ich bis jetzt sehr wenig Veran- anlassung .mit mir zuftieden zu sein. Ich fürchte, Sie werden mich vom Grund Ihres Herzens verachten, wenn ich Ihnen sage, daß ichnoch so gut wie nichts für 'meine leidenden und bedürftigen Mitmenschen getan habe!" „Run, das Leben, das Sie «och vor sich haben, ist glücklicherweise lang genug, um das Versäumte nachzuholen. Sie brauchen nur den ernstlichen Willen zu haben, Gutes zu tun. und Sie werden die verlorene Ruhe Ihres Herzens rasch genug wie- derfinden.^^ ^ wirklich? Aber ich weiß nicht, wie ich es anfanqen soll. Damit, daß ich so und so viel Geld für Ar- menunterstützunqen oder für wohltätige Einrichtungen hergebe, ist doch nichts geleistet. Ich sehne mich nach einer fruchtbringenden Tätigkeit, die mein Leben ausfüllt, und die mir innere Befriedigung gewährt. Aber wie ich “mir auch den Kopf zerbreche, es will mir nicht gelingen, eine zu finden — vielleicht .well meine Fähigkeiten zu gering sind. Ich müßte einen Menschen haben. ider mich auf den rechten Weg führt und mich auf ihm zu erhalten weiß." „Ein rechter Mann sollte niemals fremden Beistandes bedürfen. Und gerade jetzt, in der Zeit der großen Not, muß es Ihnen dock wahrlich leichtfallen, ein passendes Feld für die Betätigung Ihrer Nächstenliebe zu finden." ' Herbert sprach ihr, wie um sich m ihren Augen zu rechtfertigen, von dem Genesungsheim für verwundete Krieger, das er auf Eschenhagen einrichten wollte, und mit Worten lebhafter Zustimmung billigte sie seinen Plan. 2hm aber war plötzlich ein Gedanke gekommen, den er für einen überaus glücklichen hielt. „Natürlich wird es für die Leitung des Heims einer geeigneten Persönlichkeit bedürfen, eines vertrauenswürdigen weiblichen Wesens, das auch von der Krankenpflege etwas versteht. Und da ist es vielleicht eine Fügung des Himmels gewesen, die uns hier zusammengrführt hat'. Da Sie doch wohl keinem Schwesternorden anq'ehören und an kein .Gelöbnis gebunden sind, bitte ich Sie, Ihre Kraft in den Dienst meiner Schöpfung zu stellen. Ich bitte Sie darum von ganzem Herzen. Sie können dort sicherlich ebensoviel Gutes wirken wie draußen im Felde, und Sie werden überdies weniger gefährdet sein." Er erkannte sofort, daß er ein ungeschicktes Wort gesprochen hatte: denn es glitt wie «in Schatten' des Unmuts über Klaras Gesicht. Aber ihre Stimme klang doch ebenso fteundlich wie zuvor, da sie erwiderte: „Ich bin überzeugt, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Voßberg .indem Sie mir dies Anerbieten machen. Aber es ist mir nicht um eine möglichst gefahrlose, sondern um eine möglichst nutzbringende Ausübung meines selbstgewählten Berufes zu tun. Und wenn ich auch doch kein Gelübte getan, so habe ich doch das Versprechen gegeben, mich nach meiner Ausbildung in einem Feldlazarett verwenden zu lassen, wie es ja auch von vornherein mein Wunsch und meine Absicht gewesen ist, Sie werden mir sicherlich nicht zumuten, mein Wort zu brechen, nur weil man mich nicht zwingen könnte, es einzulösen." „Wie schade das ist!" sagte er leise. „Und ich hatte es mir so hübsch ausgemalt, Sie auf' Eschenhagen zu haben. Eie hätten es gewiß fertig gebracht, etwas Ordentliches aus mir unbrauchbarem und überflüssigem Menschen zu machen." „Dazu wird es meiner Hilfe kaum bedürfen, wenn Sie selber den redlichen Willen haben, sich einen Ihren Gaben entsprechenden Platz im Leben zu erringen. Es will mir überhaupt scheinen, als ob Sie mich weit überschätzten. Ich bin nie etwas anderes gewesen als ein armes Mädchen von bescheidener Herkunft und von sehr unbedeutenden Fähigkeiten und Kenntnissen. Wenn ich mich bis heute leidlich durchgeschlagen habe, so verdanke ich das wahrscheinlich einzig meiner harten Jugend und der eisernen Notwendigkeit, mich sehr ftühzeitig auf die eigenen Füße zu stellen." „Ist es unbescheiden, wenn ich Sie bitte, mir etwas von Ihrem Leben zu erzählen?" „Nein, unbescheiden ist es wohl nicht. Aber auf eine besonders interessante Geschichte dürfen Sie dabei nicht rechnen. Bon meinem Vater weiß ich so gut wie nichts. In dem frühen Kindesalter ,bis zu dem meine Erinnerungen zurückreichen, war seine Person bereits aus meinem Gesichtskreise verschwunden. Mein« Mutter erhielt mich damals in dem Glauben, daß er gestorben sei, und viel später erst habe ich aus ihrem Munde erfahren, daß sie durch Gründe, die sie mir nicht nennen könne, gezwungen worden sei, ihn zu verlassen. Jedenfalls hat er sich niemals um sie oder um mich gekümmert, und meine arme Mutter, die immer sehr schwach und kränklich war, hat ein Leben voll Arbeit und Entbehrungen führen müssen, bis ich imstande war, ihr durch meine Tätigkeit die schwere Last wenigstens um eine geringes zu erleichtern." „Haben Sie denn niemals Verlangen getragen, Ihren Vater kennenzulernen? Und haben Sie nie versucht, seinen Aufenthalt zu ermitteln?" „O ja, Verlangen danach hatte ich schon. Ich träumte davon eine Versöhnung zwischen ihm und meiner Mutter herbeizuführen. Aber es ist eben immer ein Traum geblieben. Wie hätte ich es anfongen sotten, ihn ausfindig zu machen! Wußte ich doch nicht einmal seinen Namen!" , „Wie? Sie hätten den Namen Ihres Vaters nicht gekannt? Aber das ist doch ganz unmöglich!" „Meine Mutter hatte sich von ihm scheiden lassen und ihren Mädchennamen wieder angenommen, den auch ich den Behörden gegenüber noch immer führe. Denn ich heiße eigentlich gar nicht Brunner, wie Sie glauben. Ein Jahr vor ihrem Tode hatte meine Mutter wieder geheiratet — einen Freund aus ihren ftüheren Iugendtagen, mit dem der Zufall sie wieder zusammengeführt. Es war nach der Meinung der Leute sicherlich eine sehr unkluge und traurige Ehe. Denn' der Musiker Brunner, dem sie die Hand zum Bunde reichte, war ein vom Schicksal schwer geschlagener, kranker Mann und bettelarm. Nicht weil sie selber durch ihre Heirat eine Versorgung zu finden hoffte, wurde meine Mutter feine Gattin, sondern einzig, weil sie ihm für den kurzen Rest seines Lebens eine treue, aufopfernd« Pflegerin sein woltte. Nr. 25. Jahrgang 1918. Bor den Verhandlungen mit Rumänien. Berlin, 22. Febr. Wir hatten gestern hier berichtet, daß Herr von KLhlmami sich zunächst nicht nach Bukarest begeben wird. Inzwischen ist das aber doch geschehen. Mit dem gestrigen Wiener Abendzug ist Herr von Kühlmann von hier abgefahren. Er trifft heute früh in Wien mit dem Grafen Czernin zusammen und reist gemeinsam mit chm nach Bukarest. In der rumänischen Hauptstadt werden die beiden Staatsmänner sofort mit ihren Besprechungen mit dem General Averescn beginnen, um möglichst bald unser Dechältnis zu Rumänien zu klären. Sollte die Konferenz frühzeitig genug abgeschlossen werden, so ist es immerhin möglich, daß Herr von Kühlmann sich nach Brest-Litowsk begibt. Feste Haltung der Mittelmächte. Berlin, 22. Febr. Die Kreuzzeitung schreibt: „Was die Führung der neuen Verhandlungen anbetrifft, so ist man unsererseits nach den mit Trotzki in Brest-Li- towsk gemachten Erfahrungen entschlossen, eine Wiederholung des Doppelspieles, wie es die russischen Unterhändler mit den Vertretern der Mittelmächte getrieben haben, nicht zu gestalten. Unsere Regierung wird den Rumänen für die Verhandlungen nur soviel Spielraum gestatten, wie die sachlichen Schwierigkeiten unbedingt erfordern und keinen Zweifel darüber lassen, daß sie gewillt ist, die Forderungen, die sie billigerweise stellen kann, durchzudrucken. Wenn die Verhandlungen durch die Haltung der Rumänen scheitern sollten, so- werden sie die Folgen zu tragen haben." Die Verhandlungen mit Rumänien. Berlin, 23. Febr. Die Verhandlungen mit Rumänien, die jetzt in Bukarest fortgesetzt werden sollen, wurden bis gestern in Buftea geführt. Die rein militärischen Vechandlungen über die Erneuerung des Waffenstillstandes fanden in Focsani statt. Als der neue rumänische Ministerpräsident zu den Vechandlungen eintraf, siedelte man nach Bukarest über. — Das Berl. Tageblatt" meint, die drei Derhandlungsorte zeigten gewissermaßen die einzelnen Etappen und die Entwicklung der Verständigung an. Das Matt schreibt: Einschneidende Forderungen Rumänien gegenüber hat eigentlich nur Bulgarien anzumelden. Deutschland und Oesterreich-Ungarn stellen keine territorialen Ansprüche, wohl aber werden wir uns gewisse wirtschaftsiche Vorteile sichern und auch polisische Bürgerschaften geben lassen. Wir können mit gutem Gewissm darauf bestehen, weil wir überzeugt sind, daß die Interessen Rumäniens den unseren nicht entgegengesetzt sind. Rumäniens Ansprüche. Zürich, 21. Febr. Wie die Reue Züricher Zeitung von wohlunterrichteter rumänischer Seite erfährt, ist der Standpunkt der rumänischen Regierung gegenwärtig der. daß Rumänien unter keinen Umständen aus die Dobrud?- fcha verzichten und ebensowenig Grenzberichtigungen irgend einer Art zustimmen wolle und werde. Sollte es nicht möglich sein, diese Bedingungen bei den Gegnern durchzusetzen, dann werde der Krieg weiter fortgesetzt werben auf die Gefahr hin, daß die ganze Moldau besetzt werde. Rußland und Rumänien. Berlin, 22. Febr. Der Befehlshaber der Sowjet- Huppen gegen Rumänien, Oberst Durilew, hat ein Mündiges Ultimatum an Rumänien gerichtet, worin sofortige Zurückziehung der Truppen hinter die rumänische Grenze gefordert wird. Die bolschewistische Schwarzmeerflotte hat die in russischen Häfen liegenden rumänischen Kriegs- und Handelschiffe beschlagnahmt und unterstützt die rumänische Reoolutionsströmung. Die Lage in Bessarabien ist unsicher. Die Ereigniffe in Rußland. Die furchtbaren Zustände in Rußland. Bern, 21. Febr. Die gesamte Schweizer Presse gibt eingehende Schilderungen der furchtbaren Zustldl- de in Rußland. Das „Journal de Geneoe" schreibt: Die innere Lage in Rußland ist fürchterlich. Wir erhalten Nachrichten über skandalöse Handlungen der Bolschewiki, die das tyrannischste aller Regimes, das der Anarchie eingeführt haben. Die Männer, die ihr Land zu Boden werfen und es den inneren Krisen und den gierigen Händen der Feinde auslieferten, wollen der Ukraine nicht gestatten, daß sie in Ordnung lebt. Sie führen auf ihrem Boden eine zügellose Propaganda und bekämpfen sogar den Boden, den sie für den Acker unbrauchbar machen wollen. Das Blatt zitiert die jüngsten Aeußerungen des Prinzen Max, daß der Wellunordnung der Bolschewiki die Weltordnung entgegengesetzt werden müsse, und fügt hinzu: Es wäre wünschenswert, daß alle großen Nationen sich von dem Geiste der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit inspirieren ließen. Von zwei Uebeln muß man das geringste wählen. So haben die Finnländer, die die Soldaten des Kaisers den Bolschewiki vorziehen, Deutschlands Hilfe angerufen. Lugano, 21. Febr. Der Corriere della Sera meldet aus Petersburg: Die Anarchie nimmt eine riesige Ausdehnung an. Täglich wird gelyncht, geschossen und geplündert, wobei viele Opfer fallen. Nach dem sozialistischen Blatt „Noi Luto", dem Organ Martows finik in Petersburg während des letzten Monats 15600 Diebstähle, 9000 Plünderungen von Vorratshäusern und 230000 Taschendiebstähle gemeldet worden. Bei den Plünderungen wurden 135 Personen umgebracht. Allein am 6. Februar Kamm 51 Plünderungen vor. Das Volkskommissariat ist über diese verbrecherische Flut bedenklich geworden und hat die schärfften Maßregeln beschlössen. Es fordert durch öffentlichen Anschlag die Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. _ Räuber und Plünderer auf, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen, und droht für weitere Fälle von Raub und Plünderung die Todesstrafe an. Japan erntet. Stockholm, 20. Febr. Der japanische und chinesische Konsul haben der Anweisung ihrer Regierung zufolge die Volkskommissare in dem Konzessionsgebiete der ost- chinesischen Eisenbahn aufgefordert, für Aufrechtechal- tung der Ordnung, Einstellung der Plünderungen und Haussuchungen zu sorgen, anderfalls das ganze Konzessionsgebiet von den Japanern und Chinesen besetzt würde. Da die Polschewiki zu dem ihnen bewilligten Zeitpunkt keine Antwort gaben, habm die japanischen und chinesischen Truppm tatsächlich das ganze Konzefsionsge- biet besetzt und somit Chardin von Rußland gänzlich abgeschnitten. Bon dem guten Willen der Japaner hängt nun die Verproviantierung Rußlands und die Einführung des von China und Japan so reichlich abgesandten Materials ab. Kaledins Selbstmord bestättgt. Berlin, 22. Febr. Aus Stockholm wird gemeldet: Nach einer Meldung des finnischm Pressequartiers bestätigt sich die Nachricht von Kaledins Selbstmord. Ka- iedin erschoß sich nach langen Debatten mit der Kosaken- regierung. Zu seinem Nachfolger ist General Nazarow ernannt worden, der die gesamte Kosakenbevölkerung gegen die Sowjettruppen mobilisiert. Don den Kriegsschauplätzen. Zwei Kaiser Zusammenkunft. Berlin. 22. Febr. Seiner Majestät Kaiser Karl weilte heute im Großen Hauptquartier zur Besprechung schwebender Fragen. In seiner Begleitung befanden sich der Chef des österr.-ungarischen Generalstabes v. Arz und der deutsche Militärbevollmächtigte General von Carmon. An den Besprechungen zwischen den Majestäten nahmen auch der Generalfeldmarschall v. Hindenburg und der Generalquartiermeister teil. Die Schweiz und die Frühjahroffenstven. Zürich, 22. Febr. Der militärische Mitarbeiter der „Züricher Post" schreibt: Der Bierbund ist durch den Zusammenbruch Rußlands für das Frühjahr 1918 zweifellos in die ft r a t e g i sch e D e f e n s i v e geworfen worden. Es ist nicht anzunehmen, daß es chm gelingen wird, vor dem Einsetzen einer deutschen Offensive, gegen die er vom Kanal bis zur Adria sich überall bereit halten muß. seinerseits einen bestimmenden strategischen Zug zu tun. Die Schweiz hat daher augenblicklich auch ihm gegenüber wohl kaum Grund zur Befürchtung, daß die Versicherung der Achtung der Neutralität aus militärischen Gründen hinfällig würde. Das Vorhandensein starker Hee- resleite an den anstoßenden Grenzräumen an der Iu- rafront und in Oberitalien läßt sich als direkte Bedingung fiir die Schweiz aus der Notwendigkeit erklären, an der ganzen Front zur Abwehr bereit zu sein. Eine neue Verletzung der holländischen Neutralität. Berlin, 22. Febr. Am 16. Februar 1918, kurz nach 8 Uhr abends warf ein Flugzeug fünf Bomben auf holländisches Gebiet bei Hoek Terneufen. Die Bomben richteten Materialschaden an. Am 17. Februar gegen 1 Uhr mittags überflogen zwei Flugzeuge holländisches Gebiet zwischen Brügge und der Scheldemündung. Am 17. Februar abends warf wiederum ein Flugzeug bei Nuis Bomben auf holländisches Gebiet. In allen drei Fällen war die deutsche Regierung sofort in der Lage, an Hand von einwandfreien Meldungen des Flugmeldedienstes nachzuweisen, daß es englische Flugzeuge waren, die die holländische Neutralität verletzt haben. Es ist bekannt, daß es schon Fälle gegeben hat, in denen Flugzeuge durch höhere Gewalt gezwungen werden, neutrales Gebiet kurz zu überfliegen oder dort notzulanden, aber über das Maß solcher Fälle gehen diese drei Neutralitätsverletzungen innerhalb 48 Stunden doch weit hinaus. Böser Wille, vollkommene Gleichgültigkeit oder unglaubliche fliegerische Unfähigkeit können allein ihre Gründe sein. Dieser Uebergriff ist wieder ein Beweis der Nichtachtung der Souveränität neutraler Staaten seitens Englands und beleuchtet eigenartig die fo reklamehast wiederholte Behauptung Englands, Beschützer der kleinen Staaten zu sein. Der Fliegerangriff auf Paris. Wie groß bei den Franzosen die Verwirrung des Urteils geworden ist beweist ein Satz, den L. Bailby im Jntransigeant anläßlich des deutschen Fliegerangriffs auf Paris am 1. Februar schreibt: „Wenn wir auch Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim nochmals (!) heimsuchen, so konnte von deren Bestrafung (!) doch keine ernsthafte moralische Wirkung ausgehen." Wenn die Franzosen ernstlich die Absicht haben, ihre Hauptstadt vor neuen deutschen Luftangriffen zu bewahren, so sollten sie über aas Mittel dazu eigentlich nicht im Zweifel sein: „Die deutsche Negieruug hat es ihnen deutlich genug gezeigt." Tagesberichte. Die Operationen im Osten nehmen ihren Fortgang. Weitere 2 Generale, 433 Offiziere, 8770 Mann gefangen. Gr. Hauptquartier, 23. Februar (WTB. amtlich.) Oestlicher Kriegsschauplatz. In Estland sind unsere Truppen im Vordringen nach Osten. In Livland wurde Walk besetzt. In der Ukraine haben die südlich von Luck vorgehenden Kräfte Dubno erreicht. Im übrigen nehmen die Operationen ihren Fortgang. Die Zahl der eingebrachten Gefangenen hat sich um 2 Generale. 12 Obersten. 433 Offiziere und 8770 Mann erhöht. Von den übrigen Kriegsschauplätzen nichts Neues. Dxr erste Generalquartiermeister v. Ludendorff. Dienstag, 26. Februar 1918 Sr. Hauptqlmrtter. 24. Februar (WTB. amtlich). Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht und Deutscher Kronprinz. Engländer und Franzosen entwickelten an vielen Stellen der Front rege Erkundungstätigkeit. Stärkere stanzösische Abteilungen, dir über die Ailette in Eheorisy einzudringen versuchten, wurden im Gegenstoß vor dem südlichen Dorfrand zurückgeworfen. Auf dem westlichen Maasufer holten Sturmtruppen Gefangene aus den französischen Gräben. In den Vogesen erfolgreiche Erkundungsgefechte. Westlich von Mülhausen griffen stanzösische Bataillone nach heftiger mehrstündiger Feuerwirkung beiderseits des Doller an: ihre Angriffe brachten bei Nieder-Aspach im Gegenstoß bei Erdrücke und Nieder-Burnhaupt im Feuer bayerischer Truppen zusammen. 14 Gefangene blieben in unserer Hand. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe von Eichhorn. In Estland stießen unsere Truppen, von der Bevölkerung überall stcudig begrüßt, trotz verschneiter Wege in Gewaltmärschen vor, warfen den an einzelnen Punkten sich stellenden Feind und nähern sich Reval. Bei der Einnahme von Walk am 22. Februar wurde durch die schneidige Attake einer Husarcn-Schwa- dron die Stadt vor der Einäscherung durch den Feind gerettet. 1000 Gefangene gemacht und deutsche und österreichische Gefangene befreit. Kleinere Abteilungen stießen gestern bis Ostrom vor und brachen dort feindlichen' Widerstand. Sächsische Truppen machten in Balbinonowo 1000 Gefangene. Von Minsk aus wurde Borrisow besetzt. Auch bei der Heeresgruppe Linsingen nahmen die zur Unterstützung der Ukraine in ihrem Befreiungskämpfe eingeleiteten Operationen den beabsichtigten Verlauf. In Iskorost sind deutsche Truppen eingerückt. Ein auf dem Bahnhof Schopiotowko einlaufender Zug 'mit großrussischen Truppen wurde angehalten, die Besatzung entwaffnet/ Italienischer Kriegsschauplatz. Oestlich von der Brenta brachen die Italiener am Abend überraschend zum Angriff am Col Eaprile vor. Sie wurden im Feuer adgewiescn. Der erste Generalquartiermeister o. Ludendorsf. Unser Vormarsch im Osten. Berlin, 22. Febr. Der Vormarsch der 8. Armee dehnte sich bereits am ersten Tage in 75 Kilometer Frontbreite aus und vollzog sich in völliger Planmäßigkeit. Die Truppen, von dem Wunsch beseoll, dem leidenden Lande schnellstens Hilfe zu bringen und Tausenden vergewaltigten Menschen Leben und Freiheit zu retten, kannten keine Müdigkeit. Die Rigaer Einwohnerschaft gab ihnen heiße Segenswünsche für ihre Stammesgenossen in ganz Livland und Estland mit, die man in größter Gefahr und völliger Verzweiflung weiß. Der systematische, streifenweise erfolgende deutsche Vormarsch wird nach allgemeiner Ansicht der Bewohner von Riga und ganz Kurland in den befreiten Gegenden ein unbeschreibliches Aufatmen Hervorrufen und die endliche Erfüllung des lange gehegten dringenden Wunsches in letzter Stunde bringen. Bei klarem Frostwetter und strahlendem Sonnenschein vollzieht sich der deutsche Vormarsch auf den festgefrorenen Straßen in die Ukraine hinein. Die erste ukrainische Division, deren Führer. Stabsoffiziere und Mannschaften aus ehemaligen Kriegsgefangenen bestehen, ist bereits in Bildung begriffen. Offiziere und Mannschaften in der historischen Uniform der ehemaligen ukrainischen Kosaken gekleidet, lange blaue Röcke und weiß-graue Pelzmützen, machen den besten Eindruck. Stimmung und Ausschen der Soldaten, die unmittelbar aus deutschen Gefangenenlagern kommen, sind die besten Zeichen für die Behandlung der Kriegsgefangenen in Deutschland. Das zusammengebrochene rnffische Heer. Berlin, 23. Febr. Im Osten setzten die deutschen Truppen in schnellem Tempo ihren Vormarsch fort. Die wertvolle Beute, vor allem an ungeheuren Geschützmengen und rollendem Material, sowie die auffallend große Zahl an gefangenen hohen und niederen Offizieren beweisen den tragischen Zusammenbruch des einstigen tapferen russischen Millionenheeres, deffeu Wiedergeburt für absehbare Zeit nicht möglich ist. Haag, 22. Febr. Daily Expreß erfährt aus Petersburg: In Petersburg will man wissen, daß die deutsche Flotte, bestehend aus 45 Kriegsschiffen, in Richtung Reval ausgefahren sei. An der Küste seien bereits Truppen gelandet. Die Landung bezwecke wahrscheinlich, der in Finnland herrschenden Anarchie ein Ende zu bereiten. — Die russischen Truppen unter Befehl des Generals Bruche- wich konzentrierten sich in der Nähe von Witebsk. Die Deutschen befinden sich nur noch 16 Meilen davon entfernt und verbreiten Kundgebungen, daß sie bis nach Pe- tersbnrg vorrücken würden. Räumung Aalands durch die Russen. Stockholm, 23. Febr. Meldung des Soenska Tele- gramm-Byran. Amtlich. Unter schwedischer Vermittlung ist zwischen der Weißen Garde und den Russen auf Aaland sowie zwischen den Russen und der Bevölkerung von Aaland über die Räumung der Inselgruppe ein Abkommen erzielt worden .. ^ Zur russischen Kapitulation. Christiania» 21. Febr. „Astenposten" schreibt zu dem Havastelegramm, wonach die bolfchewikifche Regierung auf die deutschen Friedensbedingungen eingegangen feien: Die großsprecherischen Bolschewiki, die Meister in der Kunst sind, den Krieg gegen wehrlose Landsleute zu führen, haben nicht gewagt, den Kampf gegeu die deutschen Truppen aufzuvehmen. Die Flucht ist augenscheinlich die einzige Rettung der roten Armee, wenn der Feind naht. Der Krieg zur See. Neue A-Boots-Erfolge. Berlin, 21. Febr. (WTB. Amtlich.) Der unermüdlichen Tätigkeit unserer U-Boote fielen an der englische» Westküste letzthin fünf Dampfer und zwei Segler zum Rr. 25. Jahrgang 1918. Der Landbote * Sinsheimer Zeitung. Dienstag, 26. Februar 1918 Opfer, darunter der bewaffnete englische Dampfer „Mexiko City" (5078 Br.-Neg.-To.), der englische Dampfer „Sofie" und ein etwa 5000 Br.-Reg.-To. großer Dampfer, scheinbar vom Einheitstyp. Die beiden Segler waren Zweimastschooner der eine englischer, der andere französischer Nationalität. Letzterer namens „Mary Madeleine." Eines der U-Boote hat außerdem zwei bewaffnete englische Frachtdampfer durch Artillerietreffer beschädigt. Wieder 18000 Tonnen versenkt. Berlin, 22. Febr. (WTB. Amtlich.) Neue U-Boots- Erfolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz: 18000 Brutto-Register-Tonnen. Unter den versenkten Schiffen befand sich ein großer Dampfer von über 10 000 Brutto- Register-Tonnen vom Ausschen des englischen Dampfers „Orama". Die Heldenfahrten des Hilfskreuzers «Wolf-. Berlin, 23. Febr. (WTB. Amtlich). S. M. S. der Hilfskreuzer „Wolf" ist nach fünfzehumonatiger Kreuzfahrt durch den Atlantik, Indischen Ozean, Stillen Ozean, dank hervorragender Führung seines Kommandanten, des Fregattenkapitäns Nerger und der glänzenden Leistung seiner Besatzung glücklich erfolggekrönt in die Heimat zurnckgekehrt. Das Schiff hat den Seeverkehr zu unseren Feinden durch Vernichtung von Schiffsraum und Ladung in schwerster Weise geschädigt. Mehr als vierhundert Angehörige von Besatzungen versenkter Schiffe, darunter die verschiedensten Nationalitäten, im besonderen auch zahlreiche farbige und weiße englische Mllitärpersonen, sind durch S. M. S. „Wolf" nach Deutschland mitgeführt worden. Außer mehreren von bewaffneten Dampfern erbeuteten Geschützen hat „Wolf" große Mengen von wertvollen Rohstoffen, wie Gummi, Kupfer, Messing, Zink, Kakaobohnen, Copra usw. im Werte von vielen Millionen Mark mitgebracht Diese unter schwierigsten Verhältnissen, ohne jeden Stützpunkt, ohne Verbindung mit der Heimat durchgeführte Kreuzfahrt des „Wolf" stellte eine einzigartige Leistung dar. Das B. T. schreibt: Sagenhaft nrnttt uns diese fünfzehnmo- natige Kriegsfahrt^durch drei Weltmeere an. Wie war es möglich, daß es dem Schiff gelang, sich den Häschern zu entziehen? Daß ein Kreuzer seine Maschinen während li /4 Jahr, ohne Repa- raturmöglichkeit in einem Stützpunkt, in Betrieb zu erhalten vermag, klingt überirdisch. Der Kommandant muß züber einen brillanten Ingenieur und über ein erstklassiges Maschinenpersonal verfügt haben. In der Voffischen Zeitung heißt es: Niemals zuvor ist unter gleichen Verhältnissen von einem schwächeren Gegner so Ueber- legenes geleistet worden, wie von unserer Marine in diesem Kriege gegen die Vereinigung der stärksten Seemächte, denen Kohlenstationen, Hilfsschiffe, Seefestungen in der ganzen Welt zur Verfügung stehen, während unsere Schiffe außerhalb der Häfen der Nordsee nirgends die geringste Hilfe erwarten können und bei jedem Zwi schenfall ohne Rettung verloren sind. Der Schrei nach der Flotte. Köln, 22 . Febr. Zu dem jüngsten Vorstoß deutscher Torpedoboote im Kanal bemerkt die „Kölnische Zeitung:" Man darf ännehmen, daß dies mit dem U- Boot-Krieg in Verbindung steht. Wahrscheinlich haben die Erfolge im Kanal stärkere Ueberwachung dorthin gezogen und die haben wir nun hinweggefegt. So leicht zu ersetzen ist sie nicht, denn wir wissen ja, wie knapp man in England an Abwehrfahrzeugen ist, und daß der Hieb gesessen hat, das hören wir aus dem Schrei nach der Flotte. 3a, wenn man da unten mehr Flotte ein- fetzen will, uns kann es recht sein. Wir möchten sie gerne da unten haben. Die Scheu vor dem Flotteneinsatz hat nie bei uns gelegen. Wir haben gegen die Bewachung Seestreitkräfte eingesetzt; kommen stärkere, werden wir auch mehr einsetzen können, denn wir haben nie daran ge- zweifelt, daß erfolgreicher U-Bootkrieg ,so gut wie Abwehr letzten Endes auf der Flotte allein beruhen. Nur noch 1600000 Tonnen. Berlin, 24 . Febr. Nach einer Erklärung von Com- pere-Morel, die der französische Regierungskommiffar für den Getreideanbau in der gestrigen Kammersitzung abgab, ist der französische Frachtraum auf 1600 000 Tonnen zu- sammengeschrnmpft Für das kommende Wirtschaftsjahr ist die Getreideversorgung Frankreichs ans die eigene Produktion angewiesen. Eine von Compere-Morel begründete Vorlage sieht, einer Genfer Meldung der Voffischen Zeitung zufolge, für jeden unbebauten Hektar Land «ine Geldstrafe von 1000—5000 Francs vor. Aus Nah und Fern. * Sinsheim, 25. Febr. (Frauenverein.) Gestern Nachmittag hielt der Frauenverein seine jährliche Generalversammlung ab, welcher «in Bortrag des Geh. Hofrats Prof. Dr. D r e tz- >er aus Karlsruhe über Kleinkinderfürsorge oorausqing. Nach Uebermittlung der Grüße der hohen Protektorin der Frauenver- eme 3. Kgl. Hoheit der Großherzogin Luise an die Versammlung «mg der Portragende zu seinem Thema über. Biele Opfer von Menschenleben habe der Krieg gekostet, nicht nur auf den Kampffcldern, sonder» auch in der Heimat. Es gelte daher der äußeren Front eine innere gegenüberzustellen, wenn nicht die Weltmachtstellung Deutschlands in Zukunft sehr gefährdet werden soll. Der^ Geburtenrückgang in den letzten zehn Zähren wie auch die erhöhte Säuglingssterblichkeit reden eine eindringliche Sprach«. Die Gefahr erkennend habe man Mittel und Wege gesucht, ihr entgegenzutreten. Nicht allein fürsorgend, sondern vor allem oorsorgend müsse gewirkt werden und da entfalte sich ein dankbares Arbeitsgebiet für hochgesinnte Frauen und Mädchen, »eren Mithilfe bei der Lösung dieser hohen nationalen Ausgabe nicht entbehrt werden kann. Eingehend erläuterte dann der Redner die Ursachen der Säuglings- und Klemkinüersterblichkeit, die hauptsächlich in der falschen Ernährung, mangelhaften Wohnungen und Unreinlichkeit zu suchen sind und gab recht beherzigenswerte Ratschläge zu deren Verhütung. Aber nicht nur ge- pmdheitlich« Gefahren seien zu bekämpfen. Die geistigen Gefahren denen namentlich das Kleinkind ausgesetzt sei, erfordern nicht weniger Beachtung, weil in den Kinderjahren meist schon der Orund für den Karakter des Menschen gelegt werde. Durch geschlossene Kinderfürsorge. Krippen und Kinderschulen, habe man zu helfen versucht und auch schöne Erfolge erzielt. Weit wichtiger sei aber die offene Fürsorge durch Aufklärung, Beratung und Unterstützung der Mütter. Zn besonderen Kursen werden zu diesem Zweck Fürsorgehelferinnen herangebildet, von denen in jeder Gemeinde eine tätig sein sollte. Für diese segensreich« Tätigkeit möchten sich möglichst viele Frauen u. Mädchen zur Verfügung stellen, sodaß unser ganzes Baierland mit einem Netz solcher Fürsorge- tätiqkeit überzogen werden könne, damit es seine große völkische Aufgabe erfüllen und unser Volk einer glücklichen Zukunft ent- gegcnzuführen vermöge. Das waren die Grundzüge des lichtvollen sehr beifällig äufgenommenen Vortrags. Herr Oberamtmann T r i t f ch e l e r dankte dem Redner zunächst für die Ueber« miitlung der Grüße der hohen Protektorin und betonte dann qans besonders die Wichtigkeit der auf diesem Gebiet an uns herantretenden Ausgaben, insbesondere auch die Iugendheranbil- dung. Die Umgestaltung der Fortbildungsschulen sei eine Notwendigkeit für die Lösung der inneren Aufgabe. Nach dem Frieden brauchen wir Menschen, welche befähigt sind, die Errungenschaften des Friedens zu erhalten und auszubauen. In Erwägung zu ziehen sei auch ein Pflichtjahr für Mädchen, das ähnlich der Militärzeit des jungen Mannes dieselben zur Erfüllung ihrer Pflichten ertüchtigen soll zum Glück und Segen unserer Heimat. In einer kürzen Diskussion wurde das Thema noch weiter ausgesponnen. Dann eröffnete die Präsidentin des Frauenver- cins, Frau Apotheker Dr. K i e f f e r die Generalversammlung mit einer Ansprache, in der sie auf die großen Aufgaben nach dem Kriege hinwies und der Stadtverwaltung für deren bisherige Hilfsbereitschaft dankte. Wohl ständen den Bereinsarbeiten oft finanzielle Schwierigkeiten entgegen, aber man dürfe in der sozialen Fürsorge nicht erlahmen. Wie unsere hohe Protektorin wollen auch wir nicht müde werden. Wenn wir tapfer, wie der Soldat aushalten, wird auch die Arbeit der Frauen von Segen und Erfolg gekrönt sein. Herr Stadtpfarrer Eisen gab hierauf den Jahresbericht bekannt, aus dem heroorgeht, daß der Verein auch im letzten Jahre recht vielseitig und mit Erfolg tätig war, besonders hinsichtlich der Säuglings- und Kinderpflege. Bemerkt sei, daß die Kinderschule nun die Kinder bereits vom 2. Jahre ab aufnimmt und für die Beaufsichtigung der Landeskrankenpflege eine Dcrtraucnsfrau angestellt ist. Der von Herrn Fabrikant Hch. Hagmarer verlesene Kassenbericht läßt einen günstigen Kassenstand erkennen. Bei den schließlich vorge- nommrnen Wahlen wurden die ausscheidenden Borstandsdamcn Frau Dr. Kieffer, Frau Beterinärrat Römer, Frau Fabrikant Hch. Haamaicr und Frau Hch. Frank wiedergewählt. Z Sinsheim, 24. Febr. (Theate r.) Nächsten Mittwoch wird das Heimotstont-Theater Mannheim im Saale des Gasthauses „Zum Löwen" seine Gastspiele fortsetzen. Zur Aufführung gelangt „Jugendfreunde", Lustspiel in 4 Aufzügen von L. Füida. Näheres besagt das Inserat. Jugendliche Personen unter 16 Jahren haben keinen Zutritt. — Sinsheim, 24. Febr. (Beschaffung von landw Arbeitskräften.) Die badische Landwirtschaftskammer beschäftigte sich in ihrer Ausschußsitzung vom 8. Febr. 1918 eingehend mit den nachgerade unhaltbar werdenden Schwierigkeiten bei der Beschaffung' landw. Arbeitskräfte. Die wenigen, noch auf dem Lande vorhandenen Lohnarbeiter werden durch die unheimlich hohen Löhne von seiten der Militärbehörden und der Kriegsindustrie weggezogen; ein erfolgreiches Konkurrieren der Landwirtschaft mit diesen kapitalkräftigen Preisen ist auf die Dauer ausgeschlossen. Dir alten Männer und Frauen auf dem Lande, puf denen seit Wer 3 Jahren die ungeheure Arbeit lastet, sind am Ende ihrer Kraft. Unter diesen Umständen versteht man die große Unruhe der Landbevölkerung, die die durch den Friedensvertrag mit der Ukraine notwendig gewordene Freigabe der ukrainischen Kriegsgefangenen Hervorrust, zumal gerade in Baden sehr viele Ukrainer untergebracht waren. Die Landwirtschastskammer hat sowohl das Ministerium des Innern wie das Kriegswirtschasts- amt auf die oben geschilderten Mißstände und Schwierigkeiten auf dem landw. Arbeitsmarkte austnerksam gemacht und um sofortige Abhilfe gebeten. Besonders wäre ein sofortiger vollwertiger Ersatz der Ukrainer zu begrüßen. — Auch aus die große Ledernst auf dem Lande machte die Landwirtschastskammer die Regierung aufmerksam und bat um sofortige Beschaffung des so notwendigen Leders für die in den landw. Betrieben beschäftigten Arbeitskräfte. Sowohl im Interesse unserer schwer arbeitenden Landwirtschaft wie in den der Gesamtheit wäre zu wünschen, daß die Vorstellungen und Bitten der Landwirtschastskammer bei den maßgabenden Stellen wohlwollendste und schleunigste Berücksichtigung fänden. A Sinsheim, 21. Febr. (Höchstpreise für Heu.) Das Ministerium des Innern hat bestimmt, daß bei fteihändigem Ankauf des an die Heeresverwaltung zu liefernden Heus durch den Lieferungsoerband oder die Gemeinde die Vergütung für die Tonne nicht übersteigen darf: bei Heu von Kleearten von mindestens mittlerer Art und Güte 180 Mark und bei Wiesen- und' Frldheu 160 Mark, für gepreßtes Heu erhöht sich der Preis um sieben Mark für die Tonne. Für Ware von geringerer Art ist ein entsprechend niedrigerer Preis zu zahlen. 8 Etnshetm, 21. Febr. (Der Siegelsbachei Mord.) Der russische Kriegsgefangene Edin Eolageszuck, der am 25. Sept. 1917 in Siegelsbach di« Witwe Mann ermordete sowie deren Schwiegertochter eine schwere Körperverletzung nach vorhergegangenem Stttlichkeitsverbrechen beibrachte, wurde am 2. Februar 1918 vom Inspektionsgericht (Kriegsgefangenenlager Rastatt) 1. wegen Ermordung der Witwe Mann zum Tode und 2. wegen 'Sittlichkeitsverbrechens und schwerer Körperverletzung in den letzten beiden Fällen zu einer Gesamtzuchthausstra- fe von 12 Jahren verurteilt. Der Täter wurde am 25. September 1917 durch den berühmten Heidelberger Polizeihund „Flott" im Walde bei Siegelsbach gesucht und auch gefunden. Der Führer des Polizeihundes ist' der Heidelb. Schutzmann Roscher. 4- Eschelbach, 21. Februar. (Auszeichnung.) Albert Schneider, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist mit der badischen Perdienstmedaille ausgezeichnet worden. * Waibstadt, 22. Febr. (Ausnahme der Getrrid e- bestände.) Zur Zeit finden in unserer Gegend durch Kommissionen, denen auch ein Chargierter aus dem deutschen Heere bei- gegeben ist, die Ausnahme der Getreidebestände statt. Da wo noch mehr Getreide vorgesunden wird als dem Erzeuger für den Selbstversorg zusteht, wird dasselbe zum hierfür bestimmten Preis enteignet und ist dem Getreidekommissionär zu verabfolgen. Leider' sind bei diesen Revisionen auch wieder Leute entdeckt worden, die ihre diesbrzügj. vaterländische Pflicht gröblich verletzten und welche das versteckte Getreide strafweise ohne Bezahlung abgeben mußten. Die Kniffe, welche von Hinterzithern angewendet werden, sind manchmal geradezu originell. Wie der „Wbst. 3tg." mitgeteilt wurde, griff man z. B. in tzüssen- hardt nicht weniger als 300 Zentner Getreide auf, welches von dem Eigentümer auf verschiedene Weise versteckt war. Soviel bis jetzt zu überblicken ist, dürste durch diese genauen Erhebungen noch eine sehr namhafte Menge Brotfrucht zur Verfügung für die Ernährung der Gesamtbeoölkerung zusammen gebracht werden. )( Epfenbach, 23. Febr. (Ernennung.) Zufolge Landesherrlicher Entschließung vom 1. Febr. d. Is. wurde der evang. Stadtmissionsinspektor' Herr Friedrich I ö st in Karlsruhe, z. Zt. Etappenpfarrer, auf 6 Jahre zum Pfarrer von Epfrn- b ach ernannt. Wieslvch, 21. Febr. Wie aus dem Amtsbezirk Wiesloch berichtet wird, haben di« Landwirte des Bezirks bei der letzten Viehzählung 5000 Hühner weniger angegeben, als in Wirklichkeit vorhanden sind. Als die Gendarmerie kürzlich eine Kontrolle vornahm, hielten die Landwirte die nicht angegebenen Hühner versteckt. Die Gendarmen wußten sich aber zu helfen und streuten etwas Hühnerfutter in den Höfen umher. Durch das Locken der Hähne «amen die Hühner aus ihren Berstecke» hervor. Karlsruhe, 21. Febr. (Gegen die Sommerzeit) Die Mitglieder der Rechtsstehenden Bereinigung der Zweiten Kammer haben «inen Antrag eingebracht, in welchem sie beantragen, die Zweite Kammer wolle die Regierung ersuchen, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß die auf 1. April 1918 geplante Sommerzeit nicht in Kraft tritt. In dem Antrag heißt cs weiter: Die Landwirte können sich nicht nach der Uhr, sondern müssen, sich nach der Sonne richten und die Industriearbeiter, die nach auswärts ins Geschäft zu gehen haben, verbrennen bei Einführung der Sommerzeit morgens inehr Licht, als der Fabrikant dadurch erspart. Wer glaubt, in seinem Geschäft im Sommer eine Sttinde früher anfangen zu sollen, dem ist ja hierzu Gelegenheit geboten, auch ohne Aenderung der Uhr. bc Schopfheim. 22. Febr. (Ein geriebener Gauner.) In einem Orte von Dinkelberg hatte sich ein Gauner als Landwirtschaftlicher Arbeiter verdingt. Er erhielt auf diese Weise Ortskenntnisse und benutzte diese, um in der nächsten Nacht vier Schinken unib eine halbe Speckseite zu stehlen und dannt zu verschwinden. Auch an anderen Orten hat der Bursche Gastspiele gegeben, so in Malberg und Eichsel. Wien, 23. Fcbr. (Schwerer Eisenbahnunfall der W i e n.) Den Blättern zufolge ereignete sich gestern früh auf dem hohen Viadukt in nächster Nähe von Payerbach ein schwerer Eisenbahnunfall. Eine vom Semmering kommende Lokomotive fuhr in den rückwärtigen Teil eines Postzuges, wodurch 4 Wagen zertrümmert wurden. 40 Personen wurden aus den Trümmern herausgezogen, von denen 14 schwer verletzt sind. MW Munntmiidjiinp. Gemäß § 21 Abs. 3 des Kriegsleistungsgesetzes wird hiermit bekannt gegeben, daß die der Gemeinte Neckarbischofsheim zustehenden Vergütungen für verabreichte Naturalverpflegung und Fourage — worüber unterm 17. v. Mts. Vergütungsanerkenntnis ausgejertigt wurde — auf die Neichshauptkasse zur Zahlung angewiesen sind und demnächst zur Auszahlung gelangen werden. Mannheim, 20. Februar 1918. Großh. Landeskommiffär. LSidlilher Kreditverei« Sleinssurt eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht in Steinsfurt. Bekanntmachung der Bilanz und des Mitgliederstandes vom Zahre 1917. I m w l m »i Gastspiel des Heimatfronttheaters Mannheim ie Siosbelm Mittwoch, den 27. Februar 1918, im Saale des Gasthauses zum „Löwen“ „Jugendfreunde“ Lustspiel in 4 Aufzügen von L. Fulda. Anfang: Nachmittags 7 1/2 Uhr. Preise der Plätze : Nummerierter Platz Mk. 1.50 1, Platz Mk. 1.— 2. Platz (Stehplatz) 50 Pfg. Der Kartenverkauf in der Buchhandlung von J. Doll. ■ ■■ i M i » » 1 i » » 1 I dB Aktiva Jt 4 3883.72 Kassenvorrat Bei Mitgliedern aus- stehende Darlehen 112733.— Bei Banken und Vereinen 87288.91 Reichsanleihen 110000.— Güterzieler 4075.-# Stückzinsen 798.28 Wert des Geschästs- inventars _ 128.34 Summa 318907.25 Passiva. Anlehen von Mitgliedern Spareinlagen Geschäftsanteile der der Mttglieder Stückzinsen Reservefond Gewinn Jl 4 47 000.29 231 240.75 21371.88 548 04 15357.93 3388.36 Dresdner Bank Heidelberg, Hauptstraße 52. Aktienkapital und Reserven 340 Miltionen Mark. Bankgeschäfte aller Art. Summa 318907.25 Stand der Mitglieder am 31. Dezember 1916 228 Mitglieder eingetreten find 4 „ ausgeschieden find 10 , somit Stand am 31. Dezember 1917 222 „ Der Borstand: Philipp Steiuer AÜbgst., Heinrich Fischer, Johann Lader Rechner. . Eine große geräumige Scheuer mit oder ohne Stallung, auch für Lagerraum sehr geeignet, unter Umständen mit Kontor zu vermieten. Schriftliche Angebote erbeten. Carl-Fischer. 2 Porzellan-Öfen 3 Füllöfen gut erhalten, zu verkaufen. Zu erfragen unter Nr. 109 bei der Geschäftsstelle ds. Bl. KlljiV-SeseWllst Sinsheim. 1917 neu angeschaffte Bücher r Castner, Uilenspiegel, Frenflen, Seeschlacht am Skagerak, Laufs. Sergeant Feuerstein, Biebig, Töchter derHekuba, Zahn, Die Liebe des Severin Jmboda, Zobeltitz, Der Herd in der Fremde. fraMrieje empfiehlt w« G. Brcker'sche Buchdruckere Schristlritung: tz. Becker: Druck und Berlag: Gottlieb Brcker'sche Buchdruckerei in Sinsheim.