Erscheint Dienstag, Donnerstag und Samstag. Bezugs - Preis mit dem wöchtl. erscheinenden Amtl. Perkündigungsblatt durch die Post bezogen monatlich 62 Pennig am Postschalter abgehott, durch den Briefträger und unsere Austräger frei ins Haus gebracht monatlich 70 Pfg. Geschäftszeit 1/28—7, Samstags bis 6 Uhr. Sonntags geschlossen. Fernsprrchanschluß Nr. 11. 8er Landbote Oinsheimer General-Anzeiger für das /V Gegründet £UJUUJ 18 3 9 Elsenz- und Schwarzbachtal Aelteste und verbreitetste Zeitung dieser Gegend. Haupt-Anzeigen-Blatt. Anzeigen kosten im Anzeigenteil die Zeile (42 mm breit) 25 Pfg. bei Platzvorschrift 30 Pfg. im textlichen Teil (87 mm breit) 60 Pfg. an erster S.Aie 70 Pfg. Bei Wiederholung tariffester Rabatt, der bei Nichteinhaltung des Zieles, bei gerichtlichen Betreibungen und bei Konkursen außer Kraft tritt. Schluß d.Anzeigenannahme 8 Uhr vorm., für umfangreichere Anzeigen Tags zuvor 4 Uhr nachmittags. Postscheck-Konto Karlsruhe Nr. 6903 M 133. Samstag, den 9 . November 1918. 79. Jahrgang Einleitung derWaffenstillstandö-Dechandlungen. Wilsons neue Antwortnote. Aufrufe des Reichskanzlers und des Kriegsernährungsamtes. Sin Ultimatum der Sozialdemokratie fordert den Rücktritt des Kaisers. Rücktritt der preußischen Regierung. Am Westen nach schweren Kämpfen ein ruhiger Lag. Einmarsch bayerischer Truppen in Tirol. Deutschfeindliche Kundgebungen in Rumänien. Rücktritt des spanischen Kabinetts. Abbruch der deutsch-russischen Beziehungen. Wilsons Antwortnote. Ne Auflegung der „Freiheit der Meere." — Dolle EntschMgupg. Haag, 6. November. Aus Washington wird gemeldet: Staatssekretär Lansing hat am 5. November durch Vermittlung des schweizerischen Geschäftsträgers an die deutsch: Negierung folgende Note gelangen lassen: 3n meiner Note vom 22. Oktober 1918 habe ich Ihnen mitgeteilt, daß der Präsident seinen Notenwechsel mit den deutschen Behörden denjenigen Negierungen, mit denen die Regierung der Vereinigten Staaten verbündet ist, mit dem Anheimgebcn übermittelt hat, daß, wenn die' Regierungen geneigt sind, den Frieden zu den angegebene« Bedingungen und Grundsätzen herbetznftihren, ihre militärischen RMeber und die der Bereinigten Staaten zu ersuchen, den gegen Deutschland verbündeten Regierungen die notwendigen Bedingungen eines Waffenstillstandes zu unterbreiten, der die Interessen der beteiligten Staaten in vollem Maße wahrt und den verbündeten Regierungen die unbeschränkte Macht sichert, die Einzelheiten des von der deutschen Regierung angenommenen Friedens z« gewährleisten und M erzwingen, wenn sie einen solchen Wassenstillstand vom militärischen Standpunkt aus für möglich hält. Der Präsident hat nun «in Memorandum erhallen, das sie Anerkennung der verbündeten Regierungen über den Notenwechsel enthält und folgendermaßen lautet: Die verbündeten Regierungen haben sich vollständig mi dem Notenwechsel, der zwischen dem Präsidenten der Bereinigten Staaten und der deutschen Regierung erfolgt ist, beschäftigt und sie erklären, nach den ihnen gewordenen Mitteilungen, ihre Bereitwilligkeit, mit der deutschen Regierung FrieÄen zu schließen, und zwar auf Grund derjenigen Bedingungen, die der Präsident in seiner Ansprache an den Kongreß am 8. Januar 1918 dargelegt hat, und ebenso auf Grund der Prinzipien, die er in seinen folgenden Ansprachen zum Ausdruck gebracht hat. Die verbündete» Regierungen haben sich vollständig mit 8 2, der sich auf die gewöhnlich als „Freiheit der Meere" be- zeichneten Frage bezieht, verschiedener Auslegungen fähig ist, von denen sie einige nicht annehmen können. Sie (die Entente? d. Red.) muß sich daher in dieser Hinsicht jegliche Freiheit Vorbehalten, wenn sie auf der Friedenskonferenz erscheint. Ferner hat der Präsident bei Abfassung der Friedensbedingungen, die er in dieser Botschaft vom 8. Januar niederge- tegl hat, ertzjärt, daß die besetzten Gebiete nicht nur geräumt und befreit, sondern auch wiederhergrstellt werden müßten (restored). 3 Die verbündeten Regierungen sind der Ansicht, daß es keinem Zweifel unterliegen wird, daß sie diese Maßnahmen in sich schließt. Sie verstehen dies« dahin, daß Deutschland für jegliche Schäden, die der Zivilbevölkerung der Berbündeten und ihren Besitztümern durch den Angriff Deutschlands zu Lande, zu Wasser- und in der Lust zugefügt'worden sind, Entschädigung leisten muß. Lansing fährt dann fort: Ich bin vom Präsidenten beauftragt worden, zu sagen, daß er sich bezüglich der im letzten Paragraphen des Memorandums gegebenen Auslegungen mit den Berbündeten in Uebereinstinnnung befindet. Ferner habe ich vom Präsidenten den Auftrag. Sie zu bllten, der deutschen Regierung mitzuteilen, daß Marschall Fach von der Regierung der Bereinigten Staaten und den alliierten Regierungen den Auftrag erhalten hat, genügend beglanbigtr Vertreter der deutschen Regierung zu empfangen und ihnen die Was- fenstillstandsbedingmrgen mitzüteilen. * Wilsons neue Note bedeutet und das ist auch das einzig , Erfreuliche, einen Schritt näher zur Verständigung, aber auch nur formell, wie es denn auch in der Form gelungen ist, die Entente zur Annahme des Wilsonschen Programms zu bewegen. Rein materiell werden bereits zwei Ausnahmen gemacht und man kann sich der Besorgnis nicht verschließen, daß wohl noch mehrere folgen werden.'Die von der Entente beliebte Auslegung der „Freiheit der Meere" bedeutet nichts anderes als di« Festigung der unbedingten Seeherrschast der beiden englisch sprechenden Völker für die Zukunft, und was den Ersatz aller Kriegsschäden anlongt, so ist das nichts anderes, als die Forderung nach einer außerordentlich hohen Kriegsentschädigung. Und dazu hat Wilson seine Zustimmung gegeben! Die Chauvim- sten in der Entente haben also einen glatten Sieg über den Idealisten Wilson davongetragen .Dazu paßt, wie die Faust aufs Auge, wenn Lord Cceil bei einem Bankett der amerikanischen Journalisten erklärt, England habe nur den größten Schlag, der bisher gegen die „internationale Gerechtigkeit" geführt wurde parieren wollen. Geht es auf diesem Wege weirer, so ist der Schlag, den die Entente gegen di« internationale Gerechtigkeit zu führen im Begriff ist, noch größer als der angebliche Deutschlands, dessen frühere Gewaltpolitik eine kindliche Harmlosigkeit ist gegen das, was die Entente anscheinend will. Undeutsch und unmenschlich wäre es, nun darüber zu jammern und zu klagen. In den Händen unserer Unterhändler die bereits abgereist sind, um den Waffenstillstand'abzuschließev und auch zugleich die Verhandlungen über den Frieden aufzunehmen, liegt ein« furchtbare Verantwortung, di« sie nur tragen können^ wenn sie wissen, daß sie sich auf die Heimat stützen und verlassen können. In diesem Sinne ist auch der Aufruf des Reichskanzlers durchaus berechtigt. Mögen seine eindring lichen Mahnungen auf guten Boden fallen. Bewährte Ordnung und völlige Manneszucht find in der Tat die Erfordernisse der Stunde. ' Berliner Pressesttmmen. Damit, daß unsere Feinde den allgemeinen Wilsonschen Anschauungen beitreten ist die Basis für die Friedensverhandlungen in der Hauptsache, so schreibt die „Germania", gegeben, wie wir sie uns gedacht hatten. Und es scheint umsomehr ein Versehen Wilsons zu sein, als er nicht als unser Freund und auch nicht als Neutraler gehandelt hat. Die „Morgenpost" sagt: Unsere Regierung betrachtet die neueste Wilsonsche Note als geeignet« Grundlage für die Durchführung des Waffenstillstandes und den Beginn der Friedensverhandlungen. Was wir empfinden, das zu sagen, erlasse man uns. Wir haben den Krieg verloren und müssen stark genug sein, die Folgen zu tragen. Bald werden wir klar sehen, was verwüstet ist und was es wieder aufzubauen gibt. Die Kräfte, die uns noch verbleiben, müssen wir zum Aufbau zusammennehmen. Diese durch Unruhe, Putsche und Kämpfe im Innern zu zersplittern, hieße zum Unglück des Volkes noch das Verbrechen Hinznzufügen. Die „Tägliche Rundschau" sagt: Jene neue Note Wilsons vernichtet einige der Illusionen, mit denen bei uns sein Friedenswerk begleitet wird. Im „Berl. Tageblatt" lieft man: Wilson hat durch die Vermittlung des Obersten House eine Einigung auf der von ihm immer geforderten Basis erreicht. Die Vertreter der schärferen Richtung in der Entente haben auf ihre weitgehenden Ansprüche und Hoffnungen Verzicht leisten müssen. Dieser unbestreitbare Erfolg Wilsons läßt die Möglichkeit zu, daß bei den Frjedensverhandlunqen nicht völlig von dem abgewichen wird, was man einen Rechtsfrieden nennen kann. Die Ententeforderung, di« Bedingungen bei Joch entgegenzunehmen, will natürlich zeigen, daß Deutschland im Kriege unterlegen ist. Das deutsche Volk braucht es nicht als eine Schwäche zu empfinden, wenn es nach so viel Taten und Entbehrungen, während seine Front noch heldenhaft Widerstand leistet auf die Fortsetzung eines Kampfes, den es gegen die Welt führen muß, in ruhiger' Ueberlegung verzichtet und sich sein« Kräfte für neue Arbeit in einem freien Staatswesen erhalten will. In der „Kreuzzeitung" heißt'es: Es ist theoretisch möglich, daß die Friedensverhandlungen in Angriff genommen werden, ohne daß es gelingen köiinie, einen Waffenstillstand abzuschließen. Unser Heer und seine Führer stehen vor einem Schritt, der ihre Ehre ebenso betrifft, wie die Zukunft Deutschlands. - Die Einleitung des Waffenstillstandes. Berlin, 6. Nov. (WTB. Amtlich.) Die deutsche Delegation Mn Abschluß eines Waffenstillstandes und zur Aufnahme von Friedensverhandlungrn ist heute nachmittag von Berlin nach dem Westen abgereist. Berlin, 7. Nov. (WTB. amtlich.) Die deutsche Heeresleitung richtete auf Anordnung der Regierung einen Funkspruch an Marschall Fach, wonach Kr deutschen Bevollmächtigten General v. Gündel, Staatssekretär Erzberger, Graf Oberndorf. General v. Winterfeld und Kapitän z. See Tansellow um Mitteilung bitten, wo sie mit Marschall Joch zersammentreffen können. Der Funkspruch fügt hinzu, di« deutsche Regierung würde es im Interesse der Menschlichkeit begrüßen, wenn mit dem Eintreffen der deutschen Delegation an der Front der Alliierten vorläufig Waffenruhe eintrelen könnte. Me Antwort des Marschall Joch besagt, wenn die Bevollmächtigten mit dem Marschall wegen des Waffenstillstandes Mfammrubommeu wollen, mögen sie sich bei den französischen Borposten an der Straße Ehimay-Fonrnnes-La Capellr-Guise einsinden, wo ste an den Ort der Zusammen Kunst gekettet werden sollen. Haag, 7. Nov. Der Nieuw« Courant veröffentlicht in Fettdruck folgendes Telegramm aus Sas von Gent: Seit 24 Stunden ruht der Kampf am Kanal von Selzete bis nach Gent. Das Artilleriefeuer sowie jede andere militärische Tätigkeit auf der sinken Flanke der Armee der Alliierten hat aufgehört. Ob dies mit den Besprechungen über den Waffenstillstand zusammenhängt, ist unbekannt. Ein Aufruf des Reichskanzlers. Berlin, 6. Nov. (WTB. Amtlich.) Der Reichskanzler erläßt folgenden Aufruf an das deutsch« Volk: Präsident Wilson hat heute auf die deutsche Note geantwortet und mitgeteilt, daß seine Verbündeten den 14 Punkten, in denen er seine Friedensbedinqungen im Januar d. I. zu- sammengefaßt hatte, mit Ausnahme der Freiheit der Meere zugestimmt haben und daß die Woffenstillstandsbedingungen durch Marschall Foch mitgeteilt werden. Damit ist dir Voraus setzÄNg für die Friedens- und Waffen- stillstandsbedingmlgen gleichzeitig geschaffen worden. Um dem Blutvergießen ein Ende zu machen, ist die deutsch« Abordnung f tit Abschluß des Waffenstillstandes und zur Aufnahme der riedensverhandlungen heut« ernannt und nach dem Westen abgereist. Me Derhandllmgen werden durch Unruhen und disziplinwidriges Verhalt«, jn ihrem erfolgreichen Verlauf ernstlich gefährdet. U«b«r vier Jahrs hat das deutsche Volk in Einigkeit und Ruhe die schwersten Leiden und Opfer des Krieges getragen. Wenn in der entscheidenden Stunde, in der nur die unbedingte Eintgbeit des ganzen deutschen Volkes die große Gefahr für seine Zukunft abwenden kann, die inneren Kräfte versagen, so sind die Folgen nicht abMsehen. Me Aufrechterhaltung der bisher bewährten Ordnung, der völligen Manneszucht ist in dieser Entscheidungsstunde die unerläßliche Forderung, d,« jede Dolksregierung stellen muß. Mag jeder Staatsbürger sich der hohen Verantwortung bewußt sein, die er in der Erfüllung dieser Pflicht seinem Volke gegenüber trägt. Der Reichskanzler: M a x, Prinz von Baden. Aufruf des Kriegsernahrungsamts. WTB. Berlin, 7. Nov. Seit 4 Jahren hat das deutsche Volk die Lasten und Entbehrungen des Krieges mit bewundernswerter Standhaftigkeit getragen. Jetzt steht der Friede und die Aushebung der Hungerblockade in naher Ausficht. Damit wird auch eine Entspannung unserer Ernährungsfrage eintreten, Am 1. Dezember wird die Brotration erhöht werden und andere Erleichterungen folgen. Voraussetzung dafür, wie überhaupt für die Weiterversorgung des Volkes ist die unbedingte Aufrechterhaltung der Ordnung. Jede Störung verhin- dert die regelmäßige Lebensmittelzufuhr und bedroht die Großstädte und Jndustriebezirke mit unsagbarem Elend. Wir wenden «ns an das gesamte deutsche Volk diese schwere Gefahr abzuwenden. Der Staatssekretär und Vorstand des Kriegsernährnngsamtes. Ein Ultimatum der Sozialdemokratie' Berlin, 7. Nov. Die Parteileitung der sozialbemokratischeir Partei hat heute noch einmal die Gesamtlage besprochen und Ebert und Scheibemann beauftragt, dem Kanzler folgendes zu erklären: Die foziawemoknrttsche Partei fordert, daß 1. di« Bersammümgsverbote für heute aufgehoben werden. 2. Polizei und Militär zur äußersten Zurückhaltung ungehalten werden, 3. daß die preußisch« Regierung sofort im Sinne der Relchs- tagsmehrhett umaeftaltet wird, 4. daß der sozialdemokratische Einfluß ,n der Reichsregierung verstärkt wird, s. daß dl« Abdankung des Kaisers und der Thronvrrzicht des Kronprinzen bis morgen Mittag bewirkt werden. Werden diese Forderungen nicht erfüllt, so tritt die So- zialdemokratte aus der Regierung aus. Gleichzeitig ergeht eine i-rue Mahnung an die Arbeiter zur Besonnenheit. Weitere Nachrichten sollen bis morgen nachmittag abgewartet werden. Das vorstehend« Ultimatum der svMldemokmlifchen Partei wurde heute nachmittag kurz nach 5 Rtzr dem Reichskanzler Prinzen Max zugrsteNt. * In dem Augenblick, in welchem die deutschen Unterhändler an die französische Front gehen, um den Waffenstilk- stand abzuschließeu und damit den Frieden einzuleiten, sind in einigen Städten Deutschlands Massenbewegungen entstanden, welche die bestehende Ordnung Umstürzen wollen. So in Stuttgart, in München, Kiel, Hamburg, Lübeck, hauptsächlich also in den Hafenstädten. Ueber die Ursachen ist man so wenig ganz im Klaren, wie über das Ziel der Bewegung. Der Boden dieser Bewegung ist eine allgemeine Unzufriedenheit der Massen mit dem Ausgang des Krieges und mit seinen schlimmen Begleit- erschemungen^ Ein politisches Ziel ist nicht eigentlich zu erkennen. Es handelt sich bei den Forderungen zumeist um naheliegend« Beschwerden, deren Abstellung nicht unmöglich sein soll- re. Es ist em lang zurückgehaltener Stimmungsausbruch, der sehr ernste Folgen schon gehabt hat und noch weiterhin haben kann. Es sind Kräfte am Werke, die Bewegung in geordnete Bahnen zu leiten. Die deutsche Regierung gibt sich erdenkliche Mühe, die Gefahren zu beseitigen, die aus einer Fortdauer und einem Umsichgreifen dieser Bewegung entstehen können. Ein politischer Grund zu den Unruhen ist nicht zu finden, denn die Demokratie ist erreicht. Die Sozialdemokratie hat offenbar di« Auffassung, daß die Abdankung des Kaisers ein Mittel sei, die Ruhe zu erhalten und womöglich auch einer besseren Frieden zu erreichen. Der Kaiser selbst und die Mehrheit der bürgerlichen Mitglieder der Regierung wollen die Abdankung nicht, weil di« Anarchie die Folg« sein kann. Nun aber erhebt sich angesichts der Unruhe, welche im Volke bereits besteht, die weitere schwerwiegend« Frage: Wird es dabei bleiben? Werden die Kräfte nicht die Oberhand gewinnen, welche die Republik verlangen? Kann alsdann die Einigkeit des deutschen Reichs erhalten bleiben? Di« größte Besorgnis besteht davor, daß wir mit dieser Polttik die Arbeit unserer Feind« besorgen. Wir müssen einig bleiben auch in dieser äußerst kritischen Zeit. Alle guten Deutschen hoffen inbrünstig, daß wir über diese schweren Tage ohne inneren Zusammenbruch hinweg kommen. Der Laudbote * Siusheimer geitanz. Samstag, 9. November 1918. Nr. 133. Jahrgang 1918. fc: r % ' Rücktritt des preußischen Staatsministeriums. Berlin, 7. Nov. Wie wir erfahren, hat das preußischen Ge- famtnunisterium sein« Demission «ingereicht. Der Rücktritt entspricht der Sachlage und einer Forderung der Sozialdemokratie, er soll die Parlamentarisierung in Preußen einleiten, DD Kais«. Berlin, 7. Nov, Der Parteitag der Fortschrittlichen Dolks- partei für Groß-Berlin trat am Mittwoch unter stqrker Beteiligung zusammen. Fn dem einleitenden Bericht über die politische Lage bemerkte der Abgeordnete Dr. Mugdan zur Kaiserfrage u. ä. folgendes: Der Kaiser selbst hat sich, wie aus dem Umwege über Budapest jetzt bekannt wild, mit voller Entschiedenheit auf den Standpunkt gestellt, daß «r gerade mit Rücksicht auf die Erhaltung unserer' inneren Ruhe und Ordnung unbedingt auf seinem Posten bleiben müsse. Danach habe der Minister des Innern Dr. Drews dem Kaiser über die Scheide- mannsche Forderung nach Abdankung Bericht erstattet. Bei seiner Rückkehr aus dem Hauptquartier teilte Dr. Drews dann mit, daß seirie Mission erfolglos gewesen sei. Der Kaiser habe erklärt, daß er mit Rücksicht aus die jetzige verworrene Lage freiwillig unter keinen Umstünden seinen Platz verlassen werde. Er könne Deutschland im Augenblick des Friedensschlusses unmöglich der Entente ausliefern. Seine Abdankung würde eine völlige Anarchie und «in llebrrhandnehwen von bolschewistischen Ären zur Folge haben. Für solche furchtbaren Zustände wolle er nicht die Beraantwortung übernehmen und deshalb im gegenwärtigen Augenblick nicht abdanken. f Der Geist im Heer. Ein Leser des Mannh. Gen. Anz. stellt demselben den sehr schönen Brief eines Oberleutnants d. Res. zur Perfügung, der schon seit Kriegsbeginn im Feld« steht. Der Brief ist vom 20. Oktober. Er rechnet zunächst mit der bolschewistischen Idee ab, die versucht habe, auch den Geist im deutschen Heere zu zersetzen, und schreibt dann weiter: Gottseidank ist der größte Teil doch noch anständig genug, um sich mit Abscheu vom Paterlandsverrat abzuwenden. Wir haben in unserer Brigade die schwersten Kämpfe mit Trümmern unserer guten alten Regimenter siegreich bestanden und bewiesen, daß'der Geist die Schlacht entscheidet, nicht das Material. Würde doch von allen berufenen Seiten unserem jungen Ersatz in der Heimat die Not des Vaterlandes recht klar und eingehend geschildert! Die jungen Kerle müssen wissen, daß sie um die Entscheidung zu ringen haben. Daß wir um diese weiterkämpfen müssen, ist' doch hoffentlich so selbstverständlich, daß jede Erwähnung des Heuchlers Wilson, des geifernden, spuckenden Kriegsschmarotzers Zeitvergeudung ist. Eines wünschen wir uns hier draußen von ganzem Heren» Flammende Entrüstung des deutschen Volkes über feindliche Zumutungen, feste Entschlossenheit, uns nicht demütigen zu lassen. Unsere Arm«, in der wir seit vier Jahren siegreich gekämpft und geblutet haben, soll die Waffen Decken und einen Fußsall tun? Nie und nimmer darf das geschehen! Da muß ein jeder, der nur ein Fünkchen deutscher Heimat liebe in sich birgt, aus seinem Schlaf erwachen, muß seine Not vergessen und entschlossen sein, alle Mühsalen des H«res zu teilen, muß gewillt fern, lieber in Ehren unterzugehen, als mit Schimpf und Schande Sklave unserer Feind« zu werden. Wenn dl« Heimat pr neuen Kraftquelle des Heeres wird, dann Gnade Dir Gott, Wilson! Hoffentlich hrstmtt sich Deutschland nicht zu spät! Schweizer Warnntig an dir Entente. Basel, 6. Nov. Das „Berner Tageblatt" und die politischen Mitarbeiter zahlreicher Schweizer Blätter warnen die Entente in letzter Stundet den Bogen, betreffend die Deutschland aufzuerlegenden Bedingungen, zu überspannen. Würde Deutschland das Schicksal ereilen, das ihm Clemenceau und North- cliffe bereiten möchten, dann bestände, so meint das Berner Blatt, in Europa kein Damm mehr gegen die scheußlichste Revolution, die die Welt je gesehen habe. Frankreich vor allem würde ohne Zweifel zu spät die Fehler erkennen, die es damit begangen hat, weil es noch viel leichter als Deutschland der Revolution in die Arm« sinken würde. Der Kampf zwischen Clemenceau, und Wilson. Basel, 6. Rov. Die Züricher Morgenzeitung berichtet, daß Die Waffenstillstanösbedingungen zwischen der Entente bereits vor 4 Tagen fertiggestellt gewesen seien. Dann sei Oberst House in Paris mit neuen Vollmachten Wilsons eingetroffen, um andere Bedingungen durchzusetzen. House verhandelt jetzt täglich mit Fach. Allem Anschein nach wird jetzt ein Kampf zwischen de« Anschauungen Wilsons und Clemenceaus ausge- fochten, dessen Ergebnis für die neue Welt und für di« erstehende Weltdemokratie um so günstiger zu werden verspricht, je länger er dauert, denn er beweist, daß die Macht Wilsons in Paris stark genug ist, um dem Drängen der Endsiegpatrioten zu widerstehen. s Eine Rede Clemenceaus. Paris. 6. Nov. In der Kammer hielt Clemenceau eine Rede, in der er die Waffenstillstandbedingungen mit Oesterreich mitteilte. Die Bedingungen ffir Deutschland würden vom gleichen Geist diktirt sein. Die Wiederausnahme der Feindseligkeiten würde verhindert werden. Di« elsaß-lothringische Fmge wür- d» die gewünschte Lösung finden. Wir wollen eintreten, so sagte er, für einen Frieden der Gerechtigkeit und des Rechtes mit den notwendigen Bürgschaften. Die Greuel des Krieges dürfen sich nicht wiederholen. Dem Bündnis im Kriege wird ein unerschütterliches Bündnis im Frieden folgen. .Alle Franzosen sollten auch im Frieden Einigkeit zeigen. Die Franzosen seien ein idealistisches Volk und hätten den großen Kreuzzug der Gerechtigkeit geführt. Clemenceaus Schlußworte auf der Persailler Konferenz!. Genf, 7. Nov. Der „Temps" meldet: Bei der letzten Tagung der Versailler Konferenz erhielt Clemenceau das Schlußwort. Er sprach die Hoffnung aus, daß die festgelegten Waffenstillstands- und Friedensbedingungen ein Zusammenarbeiten der europäischen Mächte, einschließlich der jetzigen Gegner, herbeiführen möchten. Frankreich sei entschlossen zu vergessen, wenn der Fried« ihm Gerechtigkeit und Genugtuung bringe. Persönliches Erscheinen Wilsons auf der Friedenskonferenz? Lugano, 5. Nov. Nach einer Meldung der Londoner „Times" aus Newyork hat Wilson beschlossen, persönlich auf der Friedenskonferenz zu erscheinen. Di« unetgeimützigen Freund«. Zürich, 4. Nov. Die „Zürcher Morgenzeitung" berichtet: Die Franzosen beklagen sich neuerdings über die Verdrängung ihrer Schwerindustrie durch die Amerikaner. Diese rüsten sich, wie die französischen Zeitungen fesfftellen, um nach dem Kriege einen Teil der französischen Munitionsindustrie zu übernehmen und die Anlagen zur Herstellung von Eisenfabrikaten und Lokomotiven umzuwandeln. Das amerikanische Syndikat, das sich zu diesem Zweck gebildet hat, lehnt« die Beteiligung französischer Firmen ab. Die Amerikaner beabsichtigen auch, die von ihnen für Heereszwecke in Frankreich gebauten Eisenbahnlinien nach dem Kriege weiterzubetreiben und so den fran- zösischen Linien Konkurrenz zu machen. Die Engländer hinwiederum haben sich in den stanzösischen Kolonien bereits vielfach eingenistet, wie aus einem Berichte des „Libre Pa- roltz" der letzten Tage deutlich heroorgeht, indem eine englische Gesellschaft Konzessionen zur Petrvleumgewinnung in den smn- zösischen Kolonien in Algerien erhielt. Amerikanische Ankündigung der Wiederaufnahme des Seeverkehrs. * Basel, 7. Nov. Der Pariser „Herold" meldet aus Newyork: In Erwartung des nahen allgemeinen Friedens kündigen die Ueberseelinien die Wiederaufnahme des unbeschränkten Passagier- und Perladeverkehrs nach europäischen Häfen für den '15. Februar an. Di« erste Freigabe der von der Heeresleitung requirierten Schiffsräume ist nach einer amtlichen Verlautbarung nicht vor April zu erwarten. Französische Bündmsforgen. Basel, 6. Nvv. Die „Basler Nachrichten" melden: Das „Echo de Paris", das oft die Ansicht d« stanzösischen Re- gierungskrelse wiedergab, schreibt in bemerkenswetter Weise: Das gegenwättige Bündnis zwischen Frankreich, England, den Bereinigten Staaten und Belgien (Italien wird von dem Blatte ganz übergangen) muß permanent oder, wie man früher sagte, immerwährend und beständig nach dem Kriege werden. Bor allem muß der Wittschaftsbund, der heute besteht, vervollständigt und gefestigt werden. Dann könnten zahlreiche Länder, di« sich im deutschen Bannkreise bewegen oder sich dazu anschicken, durch Zubilligung einer Bergünstignngsklausel außerhalb des Zollvereines gehalten- werden. Das Blatt betont dann noch: Heute bestehe noch kein Bündnis zwischen den Bereinigten Staaten und den Ententemächten und es sei leider unwahrscheinlich, daß Wilson, der den Wirtschaftskrieg ausdrücklich verurteile, für Vervollständigung und Festigung des jetzigen durch die Notwendigkeit des Krieges bedingten Bundes zu haben sein wird, zumal, wie es scheint, Amerika nach dem Kriege politisch wieder seine eigenen Wege schreiten will. Abbruch der deutsch-russischen Beziehungen. Berlin. 5. Nov. (WTB.) D>e deutsche Regierung ver- langt« von der russischen Regierung Bürgschaften dafür, daß in Zukunft von ihren Organen keinerlei revolutionär« Agitation und Propaganda gegen die staatlichen Einrichtungen in Deutschland betrieben werde, und daß der noch immer ungesühnte Mord an dem Gesandten Grafen Mrbach eine ausreichende Sühne findet. Die russisch« Regierung wurde ersucht, bis zm Erfüllung dieser Forderungen, ihre sämtlichen amtsichen Pertreter aus Deutschland zurückzuziehen. Ebenso wurden dt« deutschen amtlichen Bettreter »n Rußland abberufen. Herr Zoff«, der russische Botschafter in Berlin, dessen Stellung unhaltbar geworden ist, dürste bereits gestern abend mit dem gesamten Per- 49 Don einsamen Menschen. Roman von Fritz G an her. „Nein!" Susanne sah erschrocken auf und legt« die Hände in den Schoß. „Und sie war erst knapp über sechzig. Das treue Wurm! Nun wird's dem Doktor ganz und gar einsam sein. Die Rot- traut fort und die Marlene tot." Lewerenz nickte gemessen und nachdenklich. „Sließlich bleibt er nun auch nicht in Betzdorf, sondern geht. . .. nach ..... wie heißt doch gleich das sakrisch« Ding!" „Nach München," belehrt« Susanne. „Zu den Malersleuten, meinen Sie? Warum nicht! Der Frau Rottraut dürfte es schon recht sein, und dem Maler auch. Und die beiden Buben werden mit solchem Großvater schon was Rechtes anzufangen wissen. Es muß ein rechtes Glück da oben in München fein. Damals, im Februar .als ich nach Betzdorf, zum Doktor „awr mit meiner bösen Hand, Sie wissen nod), Lewerenz. erzählte mir die Marlenne viel von den Malerleuten, wie sie im vottgen Sommer auf ein paar Tage zum Besuch gewesen wären. Denn viel Zeit hat solch Maler nicht, wie der einer ist, den die Rottraut zum Mann hat. Der muß immerzu malen, und seine Bilder gehen für ein sündhaft hohes Geld weg wie die warmen Semmeln. Marlen« meinte, der Maler sei ein ganz berühmter, reicher Mann. Ra. das Geld und der Ruhm machen das Glück in einer Ehe auch nicht. Aber die beiden, der Maler und die Rottraut, würden auch ohne Reichtum glücklich sein; denn sie haben die Liebe im Herzen. Die Marlene erzählte, als der Maler wieder fort muM, hätte er seiner Frau gesagt, sie solle noch bleiben, auch der Doktor hätte gequält. Aber da war ja an ein Bleiben gar nicht zu denken. Immer mit ihm fort nach München. Wo ihr Mann sei, da müsse sie auch sein, hat sie nur auf alles Zureden geantwortet. Und da sind sie dann mit ihren beiden Buben schon am dritten Tage wieder abgedampft. Uebrigens heißt einer von den prächtigen kleinen Kerls Wolfgang." Susanne stand nach ihrem langen Beruht, dem Lewerenz mit auf den Schaufelstiel gestützten Händen schweigend zurhört hatte von ihrem Salatbeet auf, denn sie war mit dem Jäten fettig, klopft« den Saud von ihrer Schürze und dachte nun plötzlich wieder an den Ausgangspunkt ihrer Erzählung. .Ach ja, nun ist di« Marlene auch tot," sagte sie wehmütig und blickte mit traurigen Augen in die sonnenschimmernde Ferne. g« 2i „Heute abend will ich «inen Kranz binden. Und morgen werde ich zum Begräbnis «hen." Lewerenz waMmit seinen Gedanken noch bei dem Schluß ihrer Erzählung. „Wolfgang - heißt einer, sagen Sie? Wo mag denn unser Wolsgang sein?" „Fa, 'wer weiß das!" In ihrem letzten Brief schrieb Frau Warnick, die letzte Nachricht hätte sie von ihm aus Paris erhalten. Das liegt weit da hinten in Frankreich. Wissen Sie?" „Na, und ob!" entgegnet« Lewerenz und reckte sich hoch auf. „Wir haben's ja anno 70 und 71 mit,belagern Helsen. Und .weit da hinten' stimmt nicht. Mitten drin liegt's, an der Seine." „Meinetwegen," sagte die Klauben. „Dott ist er im vorigen Herbst gewesen. Er ist «in ganz Ruheloser und Unsteter geworden und durchzieht die ganze Welt wie ein Zigeuner. Er hätt' auch besser getan, wenn er beim Leisten, wollte sagen: beim Berufe des Vaters geblieben wäre. Dann säße er jetzt ruhig und sicher als der viette Warnick hier in Glindow. Und die Frau Regina wär' auch hier. Und es wäre überhaupt alles ganz, ganz anders." Sie seufzt« tief. Lewerenz schaufelte kräftig darauf los, als wollte er nicht zeigen, was ihn beweg«. Aber dann sagte er doch: „Ich hätt' ihn auch lieber gefahren, als den neuen Herrn. Doch nun Hilst kein Reden mehr. Jeder muß wissen, was er tut. Er hatte ja von klein auf das vertrackte Geigenspiel im Kopf. Ein gescheiter Rechtsanwalt wäre er nie geworden." „Kann sein", nickte Klauben. „Schade! Aber wir haben ja dafür nun ackch einen ganz gescheiten. Da-kommt er, Lewerenz. Sch«ifeln Sie! Und ich muß in die Küche: denn es äst bald Mittag." ' . Sie eilt« in da» Haus. Und Lewerenz schaufelte, als habe er nur Gedanken für die Unkräuter auf dem Weg«. Und doch stand er mit seinem ganzen Sinnen in der Vergangenheit und dachte daran, wie er einst im Holzschuppen heimlich Geigen für seines alten Herrn Sohn gebaut. ... Rein, es war nicht mehr wie ehedem. Alles ganz, ganz anders! Und bald trug man ihn wohl auch hinaus auf den stillen Friedhof am Bergeshang, wo sein alter Herr ruhte, um dessen Hügel dir Taüsendschün und Schlüsselblumen seinen bunten Kranz wanden, wo es so still und friedsam war, wie es nur auf dem Friedhof eines kleinen Ortes sein kann. So still und friedsam, w!« man es draußen in der lauten Welt nicht ahnt. fonal der Botschaft Berlin verlassen haben, um nach Moskau prückpkehren. Gestern mittag weilte er zu längerer Unterredung im Answättigen Amte. Di« Bersiner Stelle der Russischen Te- legraphen-Agentur ist gestern nachmttlag aufgehoben worden. * Der Vertreter der russischen Sowjetrepublik in Berlin, Herr Joffe, hat das Vertrauen, das ihm die deutsche Regierung entgegenbrachte, in unerhörter Weise getauscht Es ist klar, daß wir aNen Versuchen den Bolschewismus bei "uns einzubürgern, entgegentreten müssen. Die Entschiedenheit, mit der dies durch den Abbruch der Beziehungen mit Rußland bewerkstelligt wurde, wird die Billigung des' deutschen Volkes finden. Vielleicht wird man in Moskau einsehen, daß man mit solchen Methoden, wie der Bolschewismus sie anzuwenden beliebt, anderwärts keine Geschäfte machen kann. » Was der „Vorwärts" sagt. Der „Vorwärts" schreibt: Schon lange ist behauptet worden, daß sich die rusfische Botschaft in die inneren Verhältnisse des Deutschen Reiches emmisch« und eine in Deutschland nur sporadisch vertretene Richtung begünstigt, die ihrer Partei politisch am nächsten steht. Wir haben diese Behauptung im guten Glauben bestritten, auf Erklärungen gestützt, die von der russischen Botschaft selbst gegeben» worden sind. Diese Erklärungen aber haben sich leider als unwahrhastig herausgestellt, sodaß wir zu unserem Bedauern gezwungen sind, von der russischen Botschaft in jeder Beziehung Abschied zu nehme». Wir wollen keine russischen Zustände, denn wir wissen, daß das russisch« Volk unter der bolschewistischen Herrschaft Hungers stirbt, obwohl Rußland ein vorwiegend Ackerbau treibendes Land ist. 3n Deutschland müßte die Anwendung gleicher Methoden zu noch viel entsetzlicheren Zuständen führen. Die deutsche Arbeiterschaft ist sozialistisch durch und durch, aber den sozialismus asiaticus, der sich Bolschewismus nennt, lehnt sie ab. Diese Ablehnung ist bei den alten Anhängern der alten Sozialdemokratt« vollständig ;fie wird aber auch von dem weitaus größten Teil der Unabhängigen geteilt. Mit dem Bolschewismus einverstanden ist nur em ganz kleiner Kreis, die Spartakus-Gruppe. Während die Unabhängigen wie wir Sozialdemokraten den Frieden wollen, bekämpfen die Spattakusleute den Frieden. Sie sehen in Wilsons Friedensprogramm nur ein Mittel, die soziale Revolution Deutschlands zu ersticken und möchten am liebsten den Krieg bis zur völligen Auflösung weiterführen. Die deutsche Arbeiterklasse lehnt es ab, sich russischen Zwecken dienstbar zu machen. Die hat fürwahr besseres verdient als das russisch« tzungerelend, das noch hundertmal ärger ist als in Deutschland. Sie will den Frieden, die Demokratie und den Sozialismus und lehnt unerbetene Belehrung ah. Me bolschewistische Propaganda in Berlin. Berlin, 5. Nov. Gestern wurde amtlich mitgeteilt, daß der Kurier der Berliner diplomatischen Vertretung der Sowjetre- giemng in deutscher Sprache gedruckte Flugblätter völkerrechtswidriger Weise nach Berlin gebracht hat. welch« die deutschen Arbeiter und Soldaten zu blutigem Umsturz, Meuchelmord und Terror aufforüern und nähere Anweisungen hierzu geben. Heute liegt ein weiterer Fall derartigen agitatorischen Treibens vor, der beweist, daß von amtlicher bolschewistischer Seit« revolutionär« Propaganda auch unter unseren Truppen im Osten gettteben wird. Die offizielle Zeitung der russischen Sowjet-Regierung" „Iswestija," enthält in ihrer Nummer 227 unter der Ueberschrist „Der rote Soldat" folgend«, vom 17. Oktober datierte Nachricht aus Smolensk: Hier traf heute die erste Nummer der Zeitung „Der rote Soldat," die vom Kriegsreoolutions- r«t der -rutschen Ostarme« herausgegeben wird, ein. Die Soldaten werden darin zur sozialen Revolution und zur Bildung einer kommunistischen Partei an Stelle der üblichen Sozialdemokratie ausgefordert. — W>e in Berlin an zuständiger Seite bekannt ist, wird die Zeitung „Der rote Soldat" in Rußland von amtlicher bolschewistischer Seite als Propaganda-Organ gedruckt', und über die Grenze geschmuggelt. Bei der Ostarmee besteht weder «ine solche Zeitung, noch ein Kriegsrevoluiionsrat. Die Nachttcht ist also eine für bolschewistische Zwecke angebrachte Unwahrheit. Wenn auch anzunehmen ist, daß ger gesunde Geist unserer Truppen im Osten dem agitatorischen Treiben der bolschewistischen Regierung energischen Widerstand entgegensetzen wird, da die Trupvenstihrer alle Schutzmaßnahmen getroffen haben, um diese bolschewistische Propaganda unschädlich zu machen, so muß im Interesse der Aufklärung unserer Bevölkerung und unseres Heeres doch dieser neue Fall amtlicher bolschewistischer Propaganda als besonders dreist öffentlich gebrandmarkt werden. Ein Bolschewistennest in Düsseldoif. Düsseldorf, 6. Nov. Die Düsseldorfer. Polizei hat gestern in der Graf Adolfstraße 12 ein Bolschenftstennrst an-gehoben. Dott hatte ein gewisser R. Iwanow seit einiger Zeit neun Räume angeblich für eine Niederlassung der russischen Tele- graphenagentur eingerichtet. Fn Wirklichkeit hat sich herausgestellt. daß dieses Bureau keine andere Aufgabe hatte, als Werbearbeit für den gewaltsamen Umsturz zu betreiben, und jbic Da ist immer Unruhe und Hast, immer ein Jagen und Treiben, ein wechselvolles Bild. .... Bunte Falter umgaukelten Matthias Warnicks Hügel. Und die Maisonne glitzerte auf dem blinkenden Stein des Marmorkreuzes und koste mit den Knospen der Zentifolienbüsche. Und dieselbe Sonne strahlte auch herab auf das Gewirr Berlins, der großen Stadt, die weitab lag von dem stillen Frieden des kleinen'märkischen Kirchhofes und-nichts wußte von sonnenumsponnen Epfeuhüngeln und halbverwittetten, moosbewachsenen Grabsteinen weit draußen im Lande. Hier dominierte das Leben, das hastend«, jagende Leben mit seinem leuchtenden Gesicht und seinen strahlenden Augen. Und unter seinem Schreiten wurden die Beschaulichkeit und die friedsam« Still« zertreten und vernichtet. Gerade in den letzten Nachmittagsstunden pulsierte es mit voller Stärke und Frisch«, dieses Leben. Eleonore Reimarus hatte Mühe, an der Seite eines schlanken, elegant gekleideten Herrn über die Leipzigersttaße zu kommen. so brandete und wogte der Verkehr an dem Kreuzungspunkt. Schließlich mußte sie doch noch dir sich ihr entgegenstreckend« Hand des Herrn ergreifen, um nicht von den Pferden eines Geschästswagens zu Boden gerissen zu werden. „Gott sei Dank!" rief sie aufatmend, als sie, der Gefahr glücklich entronnen, neben ihrem Begleiter auf dem Bürgersteig stand. „Das hätte etwas Schönes werden können, wenn Sir nicht bei mir gewesen wären, Herr von Saldern!' „Sehen Sie", lächelte Baron Saldern erfreut. „Endlich erkennen Sie einmak an, wie nötig ich Ihnen bin!" Eleonore nickte zerstreut. Und auf Saiderns Stirn zeigte sich eine tiefe Falte des Unmuts. So war sie immer. Sobald er einen wärmeren Ton anschlug, gab sie sich abweisend und kühl. Und er meinte cs doch so ehrlich mit seiner Liede! Sic gingen bis zu den Linden hinab und promenietten auf dem Mittelwege nach dem Brandenburger Tor zu. Saldern beobachtete Eleonore verstohlen. Wie schön sie war in ihrer reifen, blendenden Erscheinung! Nur. daß das Auge immer diesen schwermütigen Glanz hatte und in den Fernen zu suchen schien. Das paßte so gar nicht zu ihr. Ganz und gar verwunderlich aber war es ihm schon immer gewesen, daß an ihren Schläfen ein paar siidergraur Fäden schimmerten, die sie sich nie Mühe gab zu verbergen. Vielleicht war sie sich bewußt, wie gerade- diese Fäden den Reiz ihrer Erscheinung erhöhten. Nr. 133. Jahrgang 1918. Der Laudbote * Eiusheimer Zeitung. Samstag, 9. November 1918. Düsseldorfer Arbeiter zur Einrichtung dieser Herrschaft aufzuwiegeln. Die zahlreichen bolschewistischen Flugblätter, die in den' letzten Tagen und Wochen in den Fabriken in Düsseldorf und der weiteren Umgebung verbreitet worden sind, hatten ihren Ursprung in dem aufgelösten Bureau. Die Polizei hat drei- Perjlonen festqenommen, neben Iwanow eine Frau Rost Wolfstein und außerdem noch eine Persönlichkeit, die sich weigert, ihren Namen anzugeben. Die Vorgänge in Kiel. sowie ihr« Vorgeschichte sind so unglaublich und für deutsche Disziplingewohnheit derart unerhört, daß sie die schwerste Sühne erfordern^ Wir entnehmen Kieler Blättern darüber folgendes: Auf dem Linienschiff „Kaiser" brach eine Meuterei aus. Die Offiziere verteidigten mit der Waffe in der tzanh. die deutsche Kriegsflaggen würden aber durch di« Mannschaften bezwungen, die dann dae Knegsflagge henrnterholten und die rote Flagg« hißten. Don den Offizieren find zwei tot, darunter der Kommandant, und mehrere verwundet. Bon vier Infanteriekompagnien, die in der Nacht in Kiel ankamen, haben sich sofort drei der Bewegung angeschlossen: die vierte wurde entwaffnet. In den Nachtstunden kam auch von Wandsbek militärische Hilfe: sie wurde eine Stunde vor Kiel von den Marinemannschaften mit Maschinengewehren empfangen und, zur Rückkehr gezwungen. Der neügebildete Soldatenrat hat beschlossen, daß alle Offiziere in ihren bisherigen Stellungen verbleiben sollen, sich aber den Airordnungen des Soldatenrats zu fügen haben. Der Befehl den Offizieren die Kokarden abzunehmen wurde vormittags auf Anregung des Arbeiterrates rückgängig gemacht und ausdrücklich betont, man müsse unter allen Umständen den Offizieren ein menschenwürdiges Los zuteil werden lassen. Der Gouverneur.Admiral Souchon, wurde am Montag abend nach dem Bahnhöf geholt und dort mehrere Stunden festgehalten, weil man glaubte, daß noch mehr Truppen von auswärts kämen. Die Nahrungsmittelkontrolle liegt in den Händen des Solda- tenrates^An verschiedenen Stellen der Stadt sind Maschinengewehre aufgestellt. Die Bürger können vollständig ftei verkehren. In Cuxhaven und Wilhelmshaven ist bisher alles ruhig. Am Montag mittag erschien ein Erlaß des Gouverneurs, in dem dt« aufständischen Matrosen aufgefordert wurden, ihre Wünsche zu äußern. Infolgendessen traten die Abordnungen der Matrosen zu einer Versammlung im Gewerkschastshause zusammen und» stellten ein Programm ihrer Wünsche auf. Darunter befinden sich folgend«: Die Anerkennung des inzwischen gebildeten Coldatenrates, bessere Behandlung der Mannschaften, Befreiung von oer Grußpflicht, Gleichheit der Offiziere und Mannschaften in der Verpflegung, Aufhebung der Offizierskasinos, Freigabe der wegen Gehorsamsverweigerung verhafteten Personen, die sich zurzeit in den Arrestlokalen befinden und Straflosigkeit der nicht auf die Schiffe zurückgekehrtten Mannschaften. Diese Forderungen wurden dem Gouverneur durch eine Abordnung der Matrosen überbracht und alle Forderungen wurden vom Gouverneur gutgeheitzeu. Die Matwsen verpflichteten sich, ihren Dienst wieder aufzunehmen und Gehorsam zu üben, verpflichteten sich insbesondere auch zur unbedingten Aufrechterhal- runq der Ordnung und gestanden zu, daß jedermann, der beim Plündern betroffen würde, auf der Stelle standrechtlich zu erschießen sei. Inzwischen strömten von den Schiffen zahlreiche Mannschaften in di« Stadt hinein. Die Matrosen sind vollständig Herren der Schiffe. Eine Anzahl von Patrouillen, die zur Aufrechterhalttunq der Ordnung aufgeboten war, ging zu den Matwsen über oder wurde von ihnen entwaffnet und mußte sich ihnen anschließen. In den ersten Nachmittagsstunden des Dienstag kam es im Kasernement Wik zu einer kurzen Schießerei zwischen einer Kompagnie der Torpedvdivision und der Werftdivision. Letzter« schloß sich auf Aufforderung den aufständischen Matwsen an. In kurzer Zeit stanld die ganze Gamision Wik auf seiten der aufständischen Matrose«. Eine Stunde später zogen 10- bis 20 000 Mann Soldaten -nach dem Arrestlokal. Die Gefangenen wurden entlassen und unter großem Jubel von ihren Kameraden m Empfang genommen. Auf den Straßen der Stadt verkehrte eine Anzahl Autos, die die rote Flagge der Aufständischen führten. Abends gegen 9 Uhr zogen die Matrosen einzeln zu ihren Kafernements oder nach den Schiffen. Soweit bekannt, ist es mrgepds zu einem ernsten Zwischenfall gekommen. Die Leute verhielten sich vollständig ruhig und erklärten auch, daß sie nicht die Absicht hätten, irgend etwas zu unternehmen. Die Kieler Ereignisse scheinen auf die Hamburger Werftarbeiter dicht ganz ohne Einfluß geblieben zu sein. Gestern morgen war auf den Hamburger Werften, besonders unter den jungen Arbeitern, eine Bewegung für den Sympathiestreik zu bemerken. Die besonnenen Elemente behielten jedoch die Oberhand und es erfolgten deshalb keinerlei 'Arbeitsniederlegungen. Jedoch wurden von den Arbeitern Kommissionen gewählt, die den Arbeitgebern verschiedene Wünsche unterbreiten sollten. In Wlhelmshafen uird Kuxhaven ist es zu Ruhestörungen nicht gekommen. Die Unruhen in den nördlichen Provinzen WTB. Berlin, 7. Nov. sämtlich.) Von zuständiger Seite wird über die Lage in den nördliel)«n Provinzen folgendes mitgeteilt: Die Unruhe« haben sich auf einige weitere Orte ausgedehnt. In Bremen wurde auf dem Marktplatz von einem unabhängigen Sozialisten, der vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden war und' vor einigen Militärpersonen Reden gehalten, die zur Bildung einer ' sozialdemokratischen Republik und eines Arbeiter- und Soldatenrates auffordern. Der Befreiung von Militärgeftmgenen schloß sich ^>ie Oeffuung «er Zloilgefängmsse an. In den größeren Werken ist alles whig. Auf den Straßen herrscht Ordnung. Zwischenfüll« sind bisher nicht gemeldet. Für den Abend wurde in «iner Versammlung Liebknecht als Redner erwartet. In ejner Sitzung der Bürgerschaft stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung des gleichen und direkten Wahlrechts zur Erörterung. Der Senat 'soll sich sein« Entscheidungen Vorbehalten haben. Aus Hamburg wird gemeldet: Das pentral-Büro des Arbeiter- und Soldatenrates teilt folgendes mit: Sämtliche Amtsgebäudr und MilitärgebMd« find besetzt. D»e Nahnmgsmit-elmaqazine werden bewacht. Plünderer werden mit sofortigem Erschießen bestraft. Zur Zeit finde» Verhandlungen mit dem Senat Mit. Der Zugverkehr ist bis auf zwei Züge eingeistellt. Das Post- und Telegraphenamt waren bis zur Stunde nicht besetzt. Die Leitung der Bewegung erließ einen Aufruf an di« Bevölkerung Ruhr und Ordnunaufrecht zu erhalten. Nach vorliegenden Meldungen ist diese indeß nicht gelungen. Es hat Ausschreitungen gegeben. Kleinere. Truppenkorps, die sich verteidigten, wurden durch die Massen der Aufständigen vergewaltigt und gezwungen, ihnen G«s«lg- schaft p leisten. An mehreren Stellen der Stadt find Mißhandlungen und Mord« vorgrkommrn. U. a. drangen die Aufftändigen .x «me Wohnung in der Lincolnstraße ein, aus der auf durchziehende, Soldaten geschossen worden sein sollte, und töteten 2 Frau«», die angeblich Schuldigen, indem sie ihnen die Kehle dnrsMsittrn. Wahrscheinlich iverden alle Theater und Restaurants vom 7. November ab geschlossen werden. Die ganze Nacht vom 6- auf 7. November fielen an verschiedenen Gegenden der Stadt vereinzelte Schüsse. Das Hamburger „Echo", das jetzt in das Organ der Auf- ftändigen unter dem Titel „Die rote Fahne" erscheint, veröffentlicht folgende Bekanntmachung an di« Bevölk.'wng Hamburgs und Altonas: Alle Zivilpersonen müssen von heute (7 November ab) um 6 Uhr abends von der Straße sein. Jede Zivilperson die sich in der Zeit von 6 Uhr abends bis 7 Uhr morgens auf der Straße äufhält, wird erschossen. In Kuxhaven ist es zu ernsten Unruhen und Ausschreitungen gekommen., , In Kiel ist der Platzkommandant, Kapitän zur See von Seine, in der Nacht vom 5. ans 6. November von einer Patrouille. die den Befehl hatte ihn abzuführen, erschossen worden, da er sich angeblich diesem Befehl widersetzen wollte. Don den Kriegsschauplätzen. Starke Angriffe des Feindes bei Beaumont abgewiese«. Gr. Hauptquartier, 6. Nov. (WTB. amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An üer Schelde-Niederung auf dem Schlachtfeld zwischen der Schelde und der Oise haben wir uns vom Gegner abgesetzt. Der Feind, der gestern nach stärkstem ArtlUeriefeuer seine Angriff« wieder ausnehmen wollte, stieß auf geräumte Stellungen. Bei seinem weiteren Vorgehen wurde er durch unsere Nachhuten in Einzelkämpfe verwickelt, die im Wald von Mor- mal, südöstlich von Landrecies, größeren Umfang annahmen. Der Feind stand am Abend westlich von Bavai, am Ostrand des Waldes von Mormal, östlich von Landrecies und östlich von Guts«. Auch zwischen der Oise und der Maas haben wir größer« Bewegungen durchgeführt. Der Gegner ist im Laufe des Tages gefolgt und -hat westlich der Aisn« die allgemeine Linie Marle-Dizy le Gros-Eoly. Oestlich det Aisne stehen wir mit ihm nördlich von Le Chesne und westlich von Beaumont in Gefechtsfühlung. Starke Angriffe des Feindes bei Beaumont und Le Tanne wurden abgewiesen. Südlich von Dun stieß der Amerikaner unter heftigem 'Feuerschutz über die Maas und drang in die Waldungen auf den östlichen Maashöhen zwischen Mily und Bilosnes ein. Das sächsische Jäger-Regiment Nr. 7 warf den ln der Mitte der Kampffront auf Fontaine vordringenden Feind zurück. Wir nahmen den Epinoy-Wald wieder. Die Kämpfe fanden auf dem Kamme der östlichen Maashühen ihren Abschluß. Auf dem Ostufer der Maas schlugen brandenburgi- sche und sächsische Regimenter erneute Angriffe der Amerikaner auf den Höhen westlich von Si'vry und im dem Wald von Eiraye ab. Wir schossen am 4. November 45 feindliche Flugzeuge ab. Oberleutnant Bvlle und Leutnant Koenneck« errangen ihren 35. Lustsieg. ' Der erste Generalquartiermeistcr Grüner. Schwere Kämpfe. \ Gr. Hauptquartier, 7. Nov, (WTB. amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. . Nordöstlich von Uüenaarde stießen Franzosen über die Schelde vor. Im Gegenangriff warfen wir sie zurück. Zwischen Schelde und Oise suchte der Feind di« planmäßige Durchführung unserer am 4. November eingeleiteten Bewegungen durch heftige Angriff« zu verhindern. Der Schwerpunkt ihrer Angriffe lag nordöstlich von Dalenciennes, Südlich der nach Mons führenden Straße bei Bavai und bei Aulnoye an der Sambre. In schweren wechselvollen Kämpfen hielten unsere Truppen dem feindlichen Ansturm stand. Der Feind stand am Abend bei Guievrain, am Westrand von Bavai, östlich Aulnoye, westlich von La Capelle. Zwischen der Oise und Aisne hat der Gegner die Linie Bernis-Rozoy erreicht. Beiderseits von Rethel hat er di« Aisne überschritten und stand am Abend in Linie Wasgnh-Rovion-Porcienne und nördlich von Tourieron. Zwischen Aisne und Maas folgte er bei Bendrefse und Mouzon. Auf dem Ostufer der Maas setzte der Amerikaner seine hseligen Angriffe fort. Es gelang ihm feine Brückenköpfe östlich von Dun zu erweitern. Wir brachten den Feind in den Waldungen östlich von Morvaux und von Fontaine zum Stehen. Oestlich von Si'vry hat die bewährte brandenburgische 228, Infanterie-Division ihre Stellungen voll behauptet.' Der erste GeneralpuartMnerster G r ö n e r. Deutscher Abendvrricht. Berlin, 7. Nov, abends. An der Westfront ruhiger Tag. Einmarsch bayerischer Truppen in Tirol. Innshxnck, 6. Nov. Die Insbrncker Nachrichten bringen an der Spitze ihrer heutigen Mittagsnummer folgende Meldung: Das bayerische Knegsmimisterium in München übermittelte dem Präsidenten des Tiroler Nationalrates am 5. November um 34H Uhr nachts folgende Depesche: Die WaffenstiHstatLsoedinTMgen zwischen Oesterreich und der Entente zwingen uns, zu der Sicherung unserer Landesgren- zrn Truppen nach Tirol zu schicken. Gleichzeitig sollen diese Truppen mithelfen, um den Abzug ausgelöster österreichischer Heexesteile nach Osten p fördern und das Land vor Zuchtlosigkeit zu schützen. Unsere Vorhuten überschreiten am S. November di« Grenz« Und starke Kräfte werden folgen. Wir kommen als Freunde und erwarten, daß uns bei unseren Bewegungen keine Hrndernrssr von Seiten des deutsch-österreichischen Nationalrates nrÄ der österreichischen Kommandobehörden in den Weg gelegt werden. Sollt« das trotzdem der Fall sein, so sind unsere Truppe» angewiesen, sich mit Waffengewalt den Weg p bahnen. Der kommandierende General: Kmfst von Delmenstngen. Die Innsbnicker Nachrichten fügen hinzu: Der Waffenstillstand mit der Entente ist geschlossen und der deutschösterreichische Nationalrat' nahm ihn mit Bedauern zur Kennte ms. Die Bedingungen sind in Dürchführimg begriffen. Innsbruck- handelte auch danach bereits. Die Bevölkerung jedoch wird mit Rücksicht auf die bereits eingetretenen schlimmen Ereignisse an vielen Orten Tirols das Erscheinen -deutscher Ordnungsmannschaften iw Interesse des Landes und der heranströmenden Soldaten die selbst, gleich welcher Nation sie auch angehören mögen, unter der Unordnung schwer leiden, nur begrüßen. x Unftr Gr«itzschutz im Osten. Berlin, 6. Nov. Aus Oberschlesien wird gemeldet: Längs der Grenze ist sowohl nach Oesterreich als auch nach Polen für tnilstärischen Grenzschutz gesorgt worden, der sich im ober- fchlestschen Industriebezirk auch auf di« Bewachung von Banken erftreckt. Der Personenverkehr über Oderberg ist äufrechterhalten geblieben, nur sind durchgehend« Züge weagefallen, dagegen ist der Güterverkehr völlig eingestellt. Oderberg selbst ist am Donnerstag in den Händen des tschechischen und am Freitag in den Händen des polnischen Nationalrates gewesen. Die preußischen Zoll-, Bahn- und sonstigen Beamten versehen in Oderderg, Banczin usw. nach wie vor ihren Dienst. Frontreise von Reichstagsabgeordneten. Berfin, 5. Nov. Di« Blätter melden, daß auf eine Einladung der Obersten Heeresleitung hin eine Anzahl Reichs- tagsobgeordnete der Mehrheitspätteien sich auf einige Tage an die Front begeben werden, um dort die Lage kennen p lernen und, soweit es geht, auch durch Ansprachen an die Truppen diesr über dir Neuordnung im Innern aufzuklären. Der dentsch-ftanzösischr Gefangenenaustausch. Berlin, 6., Nov. Auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Müller-Meiningen hat dieser folgende Antwort erhalten: Der Austausch der mehr als'18 Moimte Kriegsgefangenen deutschen und französischen Heeresangehörigen ist am 15, Oktober wieder ausgenommen worden und vollzieht sich seither regelmäßig. Wöchentlich werden von-Heder Seite 2 Züge mit je 750 deutschen und 800 stanzöfischen Kriegsgefangenen abgelassen. Me Uttiurölpug iu Leftemich-lliigm. ’ Rückkehr der Ruhe. Wien, 5. Nov. Di« Blätter melden: In Wien und Umgebung herrscht heute völlige Ruhe. Auf den Bahnhöfen hat sich die Lage nicht wesentlich geändert, doch ist di« Gefahr, welche in der' Ansammlung zahlreicher der Adreise harrender Kriegsgefangener gelegen hat, vorläufig geschwunden. Es ist auf^alleu Bahnhöfen Militär aufgestellt, um bei etwaigen Ruhestörungen oder Plünderungen sofort einschreiten zu können. Der Zivllver- kehr von den Bahnhöfen ist allerdings noch sehr eingeschränkt, teilweise sogar gesperrt. Erbitterung gegen Italien. Wie», 5. Nov. Es ist zu bemerken, daß die Erbitterung über zwar nicht nur bei den Deutschen, sondern auch bei den Südsla- di« Waffenstillstrndsbedkngungen im Steigen begriffen ist, und wen, die sich getäuscht sehen und an die Front verlangen, um gegen die Italiener zu Kämpfen, Di« Erkenntnis kommt freilich zu spät. Schon heute aber darf man sagen, daß die Italiener au ihrer Beute keine große Freude erleben werden. Die Slawen werden immer ihre haßerfüllten Feinde bleiben und eine wilde Irredenta wird in den 'eroberten Gebieten gegen die italienisch« Herrschaft immer revoltieren. Besonders stark ist der Haß gegen di«iItaliener in -den deutschen Teilen von Süd-Tirol. Schon denkt man daran, die Dynastie der Habsburger zu erhalten. Die Eroberunqswut der Eutente hat im Bereich der Adria einen neuen Brandherd politischer Verwicklungen geschaffen. Deutschfeindliche Kundgebungen in Bukarest. Bukarest, 6. Nov, Gestern fand hier «me deutsch-feindliche Kundgebung statt. Mit Rücksicht auf das Gerücht, daß im Palasthotel, wo das Oberkommando der Besatzungstruppen feinen Sitz hat, eine englische und französische Militärmission eingetroffen sei, um über den Waffenstillstand zu verhandeln, sammelte sich gegen Mittag eine große Menschenmenge an, meistens junge Leute. Als wie gewöhnlich am Sonntag die deutsche Militärmusik vor dem Hotel zu spielen begann, setzte die Volksmenge mit der Absingung rumänischer Lieder und der Marseillaise ein, die bald die Militärmusik übertönten. Zu- Mig anwesende oder vorüberfahrende Offiziere, darunter auch der Festungskommandant Generalleutnant Koch wurden mit Pfuirufen empfangen. Deutsche bertttene Militärpolizei' griff rin und zerstreute dl« Menge, ohne, daß es zum Waffmgebrauch kam. Den ganzen Nachmittag blieb die Hauptstraße Viktoria, die sehr gut besucht war, mit deutschen Patrouillen besetzt, die jede Ansammlung von Menschen veehinderte. Die rumänischen Blätter rügen das Verhalten der Menge. Der Minister des Aeußern Arion ermahnte das Publikum zur Wahrung der Ordnung und Beherrschung der Gefühle. Wir sind, sagte der Minister, am Vorabend des Friedens. Ausschreitungen würden sich gegen die Bevölkerung richten. Das Gerücht von der Anwesenheit französischer und englischer Offiziere sei nicht richtig. Der Minister erklärte, daß di« rumänischen Behörden bei dem deutschen Oberkommando Schritte getan hätten, um ihm die geringe Bedeutung darzulegen, die 'dem gestrigen Vorfall zu- koinme und es zu bitten, daß nur unbedingt notwendige Maßregeln pr Mftechterhaltung der Ordnung ergriffen werden. Was wird aus dem Baltikum? Riga, 2. Nov. Am 5. November wird im hiesigen Schlosse eine Sitzung des Bereinigten Landesrates von Livland, Estland, Riga und Oe sei stattfinden, der vom Ausschüsse des Landesrates folgende Fragen zur Beschlußfassung oorgelegt werden: 1. Die an das Deutsche Reich zu richtende Bitte um ferneren ren Schutz der Baltischen Lande gegen Anarchie und Verwüstung. 2. Die Bildung eines aus Vertretern aller Bevölkerungskreise und Nationalitäten zusammengesetzten Landesausschusses, der die Verfassung der Baltischen Lande auszuarbeiten hat. 3. Die Bildung einer provisorischen Landesregierung. Dem Oberbefehlshaber der in Kurland liegenden 8. Armee ist vom Bereinigten Landesrat von Livland, Estland, Oesel und Riga ein Schreiben zugegangen, in welchem unter Hinweis aus die entsetzlichen Greueltaten der Bolschewisten in den von den deutschen Truppen entblößten Gebieten um Schutz'und um Aufschub des Truppemrduwrsches gebeten wird. Hundertlausende, so heißt es in dem Schreiben, sind bereits auf der Flucht nach Livland, weil in all den Nachbargebieten di« Bewohner ihres Lebens nicht mehr sicher sind. Wenn die deutsche Regierung den erbetenen Schutz nicht gewähren könne, müsse man sich nötigenfalls an ander« Mächte um Schutz und Hilfe wenden. Das Schreiben, unterzeichnet vom Baron Pilner und von dem ge- schästsführenden Präsidiumsmitglied v. Samson, bittet ferner, mit dem Abmarsch der Truppen zu warten, bis geordnete Verhältnisse geschaffen und Maßnahmen zum Schutze der Bewohner getroffen seien. Das Armeeoberkommando wird gebeten, dieses Gesuch bei der Regierung in Berlin zu befürworten. Die Wahlen zum amerikanischen Repräsentantenhaus. Haag, 5. Nov. Hollandfch Nieuws Bureau meldet: Die heute in Amerika stattfindenden Wahlen charakterisieren nicht imr die Stellung des Präsidenten selbst, sondern auch das Ber- krsiltnis der Bereinigten Sloaten p Europa- und sind für le di« großen jetzt schwebenden Weltprobleme von größter Deutung. Die Republikaner haben ihre Wahlkampagne unter oraussetzungen vorbereitet, die im Augenblick nicht mehr zu- treffen. Die Voraussetzung für ihre Wahlpropaganda war ein auiokratisch regiertes Deutschland. Die Daily News lassen sich vom gestrigen Tage aus Newyork melden, daß di« Schnelligkeit, mit der sich in Zentraleuropa die republikanisch« Richtung entwickele, die Stellung der Republikaner, die sich gegen den Bölkerbundplan Wilsons richtete, sehr abgeschwächt habe. Wenn Europa in klein« Staaten zerfalle, wett»« der Völkerbund, wie jeder Mensch einsehen könne, absolut notwendig sein. Wahlniederlage Wilsons? Newyork, 6. Nov. (Reuter.) Dir demokratischen Blätter „Newyork Times" und „The World" geben zu, daß die Republikaner im nächsten Kongreß die Mehrheit haben werden. Newyork Times behauptet, daß die Republikaner im Senat eine Mehrheit von vier und im Repräsentantenhause von 19 Vertretern haben werden. Sollte sich di« Nachricht von dem Siege der Republikaner bestätigen, würde dir Stellung des Präsidenten Wilson eine für uns unerwünschte Schwächung erfahren haben, die vielleicht schon in dessen Antwortnote in Bezug auf die Fragen der Freiheit der Meere und der Wiederherstellung des zerstörten Privateigentums in Erscheinung getreten ist. Ist nämlich Wilson nicht mehr in der Lage, sich im Senat und Kongreß auf eine feste Mehrheit zu stützen, vermag er auch den Forderungen der Alliierten keinen nachhaltigen Widerstand entgegenzusetzen. Newyork, 7. Nov. Aus den bisherigen Wahlergebnissen geht hervor, daß der Ausgang der Wrhlen nicht zweifelhaft ist. Für das Repräsentantenhaus sind soweit bisher bekannt. 219 Republikaner und 183 Demokraten gewählt worden. Die übrigen Wahlergebnisse stehen noch aus, aber eine republikanische Mehrheit ist bereits gesichert. Im Senat erhielten die Demo- 9 Nr. 133. Jahrgang 1918 . __ braten 45, die Republikaner 44 Sitz«. In 4 von den übria- bleibenden 7 Wahldistrikten sind die Aussichten für die Republikaner günstig. Rücktritt des spanischen Kabinetts. WTB. Madrid, 8. Nov. Ageuce Havas. Nach langen Erörterungen in der Kammer hat der Ministerpräsident dem König den Rücktritt des Gesamtkabinrtts angrboten. Die Parlamentarifierung in Württemberg. Stuttgart, 6. Nov. Zur Durchführung der Neugestaltung der Regierung werden sämtliche Mimster dem König ihr Amt Zur PerMglyig stellen. Als neue Minister dürsten folgende Personen in Frage kommen: Oberregierungsrat Liefching (Bolksp.) für Auswärtiges und Verkehrsministerium, der zugleich das Präsidium im Staatsmmisterium führen würde: Keil (Soz.) für «in neu zu errichtendes Arbeitsministerium: Regierungsdirektor Dr. v. Hieber (Natl.) als Kultminister, und Vizepräsident Dr. v. Kiene als Iustizminister. Bon den seitherigen Ministern dürften der Mimster des Innern Dr. v. Köhler, Finanzminister Dr. v. Pistonus und Kriegsminister v. Marchtaler in die neu« Regierung «intreten. Zurücktreten würden somit Ministerpräsident Dr. Fchr. v. Weizsäcker, Iustizminister Mandry und Kultminister v. Fleischhauer. Der Landtag wird voraussichtlich Ende nächster Woche zusammentreten. Der neue Kriegskredit. Berlin, 5. Nov. Der dritte Nachtragsetat zum Reichsetat für 1918 ist dem Reichstage jetzt zugegangen. Er fordert einen neuen Kriegskredit von 15 Milliarden. Ein vierter Nachtrags- etat fordert IM Millionen zur Gewährung von Baukostenzuschüssen. Es handelt sich um die erste Rate von den 5M Millionen, di« der Reichstag für diese Zwecke bewilligt hat. = Preisliste .... für Wiederverkäufer über Kurzwaren, Schreibwaren, Papier- Waren, ßoftfarten, Spiegel u. Toilettes, Haarschmuck, Galanteriewaren, Mundharmonika, Tabakpfeifen, Messerwaren, Bürstenwaren, Geldbörsen und Brieftaschen, Damentaschen, Schultaschen, Xransportleiter- und Kastenwagen, Christbaumschmuck, sowie Spielwaren aller Art ist soeben erschienen und wird auf Wunsch franko zugesandt. Sevr. 3 . & B. Schulhofs Großhandlung 31t ÜNihkN Tül 71. Richard Runze, Mannheim Pelzwaren-Haus N 2, 6 Telefon 6534 u. 6535. Ecke Paradeplatz-Kunsfstra6e. Großes Lager in fertigen Mänteln, Stolas, Muffen und Hüten in allen Preislagen. Große Wersktätten für Neuanfertigungen und Umarbeitungen. V_ J Amtliche Bekanntmachung. Eparmetalle für Friedenszwecke. Alle Betriebe, die Kupfer, Zinn, Aluminium, Zink, Blei und Nickel oder deren Legierungen zu Fertigwaren verarbeiten, werden ersucht, ihre Firma zwecks Berücksichtigung bei der späteren Melall- verteilung umgehend bei der Handwerkskammer unter genauer Angabe der herzustellenden Gegenstände anzumelden. Die Handwerkskammer zu Mannheim: Groß. H a u ß e r. Arbeiter und Arbeiterinnen ^ finden fortwährend danernde Beschäftigung in der Bad. Eisen» und Blechwarenfadrik e. G. m. b. H. Sinsheim a. Elsenz. Verteilung von Lebensmitteln. Auf Kart. Nr. 14 In den Geschäften E. Deubel u. I. Ebert Gries das Pfund 48 Pfg. auf die Karte 110 Gramm. Auf Karte Nr. 15 In allen Geschäften: Kaffee-Ersatz das Pfund Mk. 1,16 auf die Karte ca. 220 Gramm. Auf Karte Nr. 16 In allen Geschäften: Kaffee-Essenz auf 1—3 Karten 1 Pakel auf 4—7 . 2 Pakete auf 8—12 „ 3 Pakete das Paket 50 Pfg. Auf Karte Nr. 17 ' In den Geschäften H. Betsch und W. Scheeder Kunsthonig das Pfund 75 Pfg. auf die Karte 110 Gramm. Bürgermeisteramt Sinsheim. Der Laudbot« * Sinsheimer Zeitung. Samstug, 9. November 1918. Schätzung: 8 Milliarden. Am Mittwoch Mittag 1 Uhr war Zeichmmgsfchluß für die 9. Kriegsanleihe, die unter recht ungünstigen Umständen aufgelegt werden mußte. Während bisher kein Staat der Entente es gewagt hat mit einer Emission herauszukommen, wenn nicht günstige politisch« Umstände, oder wenigstens solche, die sich mit dem stets vorhandenen guten Willen dazu ausdeuten ließen, Vorlagen, hat Deutschland es unternommen, mit der Zeichnung auf ferne 9. Kriegsanleihe zu einer Zeit zu beginnen, in der Bulgarien abtrünnig wurde und die Türkei die größten Mißerfolge in Asien und Afrika aufzuweisen hatte. Naturgemäß konnte dies nicht ohne Rückwirkung auf die Zeichnungsbeteiligupg und die Gesamtstimmung bleiben. Man hat sich deshalb veranlaßt gesehen» die Zeichnungsfrist' etwas zu verlängern und das ist denn auch von günstigen Folgen gewesen. Auch die vorübergehende Knappheit an Zahlungsmitteln hat es nicht vermocht, den Fortgang der Zeichnnngen aufzuhalten. — Das Gesamtergebnis kann naturgemäß wieder erst rn einigen Tagen festgestellt und bekanntgegeben werden, aber schon heute liegt uns eine Schätzung aus Berliner Großbankkreisen vor, wonach man dort annimmt, daß die neunte Kriegsanleihe in ihrem Ergebnis auf mindestens 9 Milliarden Mark geschätzt werden darf ujnb daß dieser Betrag wahrscheinlich überschritten werden wird. Wenn das Ergebnis unter den gegebenen Umständen selbstverständlich auch nicht an die Rekordzeichnungen bei der 8. Anleihe heranreichen kann, so muß es doch als sehr befriedigend bezeichnet werden und als Beweis dafür, daß das deutsche Volk nicht gesonnen ist, sich selbst und das Vaterland aufzugeben. Aus Nah und Fern. 'Q? Sinsheim. 6. Nov. De r T e le grammverkehr hat sich derart gesteigert, daß der Betrieb' bei dem durch die Kriegsverhältnisse eingeschränkten Bestand an Personal und Leitungen sehr erschwert ist. Diese Schwierigkeiten sind jetzt poch wesentlich vermehrt, weil das Betriebspersonal allerorten in großem Umfang an Grippe erkrankt ist: infolgedessen haben Pe zum Teil mit der Post versandt worden sind. Das Reichspostamt glaubt auf allgemeine Zustimmung rechnen zu können, sich die Telegrammassen nur dadurch bewältigen lassen, daß. wenn es empfiehlt, sich in der gegenwärtigen Zeit des Telegraphen nur in unumgänglich nötigen Fällen zu bedienen und alle anderen Mitteilungen — wozu insbesondere auch Glückwünsche und ähnliches' gehören — brieflich zu erledigen. )( Sinsheim, 6. Nov. (Ge suche zur B ra nntw einher stell ung.) Sämtliche Gesuch« um die Erlaubnis zum Brennen von Obst, Obsterzeugnissen und Rückständen von Obst müssen — lt. Bekanntmachung der Reichsstelle für Gemüse und Obst — die Brenner und Stofsbesitzer, einerlei, ob das Brennen gewerbsmäßig oder nicht gewerbsmäßig geschieht, in Zukunft ausnahmslos zunächst mündlich beim Steuererheber porbrinaen. Ergibt sich bei Prüfung des Antrags, daß die Ausbeute höchstens 10 Liter Alkohol betragen wird, und ist der Branntwein nach Versicherung des Antragstellers aus- schließlich zum Verbrauch im eigenen Haushalt bestimmt, so bedarf es keiner weiteren Brennerlaubnis der Bad. Obstverfor- gung. Wird aber die Ausbeute voraussichtlich mehr betragen, so hat der Antragsteller zunächst die Genehmigung der Badische» Ob st Versorgung zum Abtreiben- der Rohstoff« einzuholen. * Sinsheim, 8. Nov. (Auszeichnungen.) Den Herren Zi- garrensabrikant Hecnr.Hagmaier in Sinsheim, Hauptt. Johann Eckstein in Eschelbach, Starionswart Jakob Grimm in Hofsenheim, Sladtpfarrer Kart Jos. Kreuzer in Wäibstadt und Bürgermeister Heinr. Neuwirt h in Neckarbischofsheim wurde vom Großherzog die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnen verliehenen Königl. Preuß. Verdienstkreuzes für Kriegshikfe erteilt. sfs Wwibstadt, 6. Nov. (A u s z e i ch n ungl Dem Unteroffizier Wilhelm Koch, Fnh. des eis. Kreuzes 2. Klasse und. der badischen Verdienstmedaille, wurde wegen besonderem tapferen Verhalten bei den letzten schweren Kämpfen das eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. , Betr. Wollablieferung. Zum Ankauf der Wolle von Schafhaltern mit weniger als 30 Schafen sind Bezirksauskäufer bestellt worden. Bon den Bezirksaufkäufern sind Sammetstellen errichtet worden. Sammelstelle für den Bezirk Sinsheim ist: » Jacob Beer Söhne, Ginöheim. - An diese Sammelstelle können die Schafhalter ihre Wolle zur Abschätzung durch den Bezirksaufkäufer liefern. Der Bezirksaufkäufer kauft diese Wollen gegen eine Provision für die Kriegs- wollbedarf-Aktieagesellschaft, also nicht für seine Rechnung; er ist angewiesen, für das rohe, ungewaschene Produkt den höchsten Preis zu zahlen unter Zugrundelegung des für gewaschene Wollen festgesetzten Höchstpreises. Bezirksaufkäufer ist die Firma: 31. H. Guggenheim,