Nr. 12 Sonntag den 8. Februar 18L« Ein starkes Her). (Fortsetzung.) »Als ich mit meinem kleinen Sohne nach Berlin und zu dem mir bezeichnten Wechsler kam. erfuhr ich, daß mir Frau von Tolstoi auch hier Schwierigkeiten bereitet. Sie hatte durch einen Agenten meine eheliche Verbindung mit ihrem Sohne in Abrede gestellt, und mich als eine gemeine Betrügerin bezeichnet. Aber Tolstoi, der trotz "seines Unglücks all' diese Verfolgungen vorausgesehen, hatte mit bewundernswürdiger Vorsicht Allem vor- gebeugr. Er hatte mir einen Trauschein und einen Taufschein seines Sohnes eingehändigt, so wie auch den Bankier vor Len Machinationen seiner Verwandten gewarnt. Dieser zahlte mir deßhalb ohne Widerrede die festgesetzten Summen aus, und unterstützte mich noch außerdem durch Empfehlungsbriefe nach Florenz, wohin ich mich nach meines Gatten Wunsch begab, der an Alles für mich gedacht, sa mir sogar die Dienerschaft ausgesucht, die mich begleiten sollte. Seinem treuesten Diener Iwan band er sein Kind, meinen Michael, auf die Seele, und dieser schwor, ihn nie zu verlassen; seiner treuen, erprobten Sorge ist auch eben mein höchstes Gut mit Zuversicht anvertraut." „Während des letzten Jahres, das ich vereint mit meinem unglücklichen Gatten zubrachte, wurdest du als eine elternlose Waise in unser Haus gebracht. Tolstoi, obgleich nur dein entfernter Vetter, beschloß, da alle übrigen Verwandten nichts für dich thun wollten, wie ein Vater für dich zu sorgen, und ließ dich in's Smvlna-Kloster bringen. Ich habe in Florenz oft an dich gedacht, Feodvra, und auf deine kindliche Liebe, die du mir stets ausgesprochen, einen Plan, vielleicht einen voreiligen Plan gebaut." --Du kannst dir denken, daß der einzige Zweck meines Lebens das Glück Michaels und die Erhaltung seiner gesunden Vernunft ist. Er darf nicht in die Fußstapfen seiner unglücklichen Vorfahren treten, ja er darf nie ihr Schicksal ahnen. Sein Glück kann am ersten, am festesten begründet werden durch eine frühe Hei- raih, die seinem Herzen entspricht, das ja noch unverdorben ist, r°ie das einer Jungfrau. Seine Gattin muß deßhalb auch ein ganz reines Geschöpf sein, jung und unverdorben wie er selbst. Sie muß ihn mit der zärtlichsten Liebe umgeben, ihren Willen stni seinigen unterordnen, und in ihm Las Bewußtsein einer Merten, ruhigen, männlichen Cristenz wecken, damit er, wenn n m jenes verhängnißvvlle Alter tritt, eine durch Glück und "»»r gestählte Natur sei, kräftig genug, um eine körperliche Kmkheitsgnlage zu überwinden. — So glaube ich nach langer 'Eher Ueberlegung meinen Sohn am sichersten in geistiger K«!l zu erhalten; glücklich und ahnungslos kann er vielleicht Zeit überstehen; ich hoffe und glaube, meinen Plange- E» zu sehen." Frau von Tolstoi schwieg. Gespannt sah ihr Feodora in das Gesicht, und ihre Züge nahmen einen Ausdruck erwartungsvoller Hast an, der ihrer Schönheit nicht vortheilhaft war. Endlich sagte sie mit leiser, aber doch sicherer Stimme: „Haben Sie schon eine Gemahlin für Ihren Sohn gewählt?" —' „Ja, dich Feodora — willst du?" Feodora gab keine Antwort. Sie fühlte schon in diesem ersten Augenblicke, daß ihre Abhängigkeit von Jvsephinen nicht mehr bestand. In einem Nu übersah das frühreife Mädchen alle Vortheile ihrer neuen Lage. Sie wußte, daß sie Frau von Tolstoi nicht mehr als Empfangende, sondern als Gewährende gegenüber stand. — --Feodora, so sprich doch! willst du meinem Michael, dessen junges Herz dir gewiß bald gehören wird, dich vermählen, und ihn und mich glücklich machen, und in diesem Gefühle es selbst sein?" - „Lassen Sie mir Zeit, theure Mutter. Heule Nachmittag bringe ich Ihnen meine Antwort, denn jetzt bin ich von dem, was Sie mir gesagt, ganz verwirrt." Sie verbeugte sich langsam, ohne, wie gewöhnlich, beim Abschied die Hand ihrer Wohlthäterin zu küssen. Jvsephine war zu sehr Französin, um das nicht zu bemerken, aber sie schrieb es einer leicht erklärlichen Gemüthsbewegung zu. Und dennoch ließ Fevdora's Benehmen bei ihr eine Bangigkeit zurück, die sie nicht bewältigen konnte. Feodora hatte sich, ganz anders benommen, als sie erwartet; Josephine war deßhalb verwundert und erschrocken, jedoch ohne.das junge Mädchen zu durchschauen, für deren ehrgeizigen, überlegten Charakter sie keinen Schlüssel hatte. Sie ahnte nicht, daß die Waise vom ersten Augenblick an, wo sie von Frau von Tolstoi's Wünsche errieth, fest entschlossen gewesen, Michaels Gemahlin zu werden, und daß nur die Absicht, ihrem Jawort einen höheren Werth zu verleihen, sie veranlaßt hatte. Len Ausspruch aufzuschieben. Cs gibt Menschen, die keine Macht auch nur einen Augenblick in Händen halten, ohne sie im vollsten Umfang zu benutzen, und Feodora gehörte zu diesen, trotz ihrer zarten Jugend und ihrer Unkenntniß der Welt und der Gesellschaft. III. Das Irrenhaus. In einem der ältesten Stadttheile Moskaus, der den Kreml umgibt, und Kitaigorod genannt wird, und zwar in einer seiner engsten Straßen, liegt ein hohes hölzernes Hans, das beim Brande von 1812 verschont geblieben. Es soll, nachdem die Polen im Jahre 1668 die Stadt zum zweiten Male erobert und verbrannt, erbaut worden sein, denn die Zeitrechnung der Ein. wvhner Moskaus zählt nur nach Bränden. Seit 1383, wo die Mongolen es gänzlich zerstörten, bis 1812 wurde der reichen Hauptstadt vom Schicksale nur immer so lange Ruhe gegönnt, bis sie wieder in voller Blüthe sich entfaltet halte, um dann 46 desto empfindlicher durch eine zermalmende Katastrophe gebeugt zu werden. Wer wird ihr nächster Feind und Zerstörer sein? Wer wird solches jetzt noch wagen gegen die Hauptstadt des Reichs, bei dessen Nennung schon die kleinen Kinder mit dem Kopfe unter die Decke fahren und von langen Bärten und Knutenhieben träumen, und daS die großen Kinder sich wie ein ungeheures Spinnennetz verstellen, in dessen Mitte die ewig aufmerksame Näuberin sitzt, um jede in ihren Bereich gekommene Fliege zu fangen und zu tödten? Wahrlich, der beste Bundesgenosse Rußlands ist die Furcht, die eS einflößt. Doch zurück nach Moskau, trotz aller Furcht. In dem genannten alten Hause hatte der deutsche Arzt, dem sich Herr von Tolstoi anvertraut, eine Irrenanstalt eingerichtet. Fünfzig einzelne Zimmer bargen die Unglücklichen vor der Welt, die sie als ihre Feinde behandelte. An das Haus grenzte ein kleiner Garten, in dem sich einige Male des Tages die Irren trafen. Eine von Ihnen war der entschiedene Liebling Aller. Es war eine junge Liefländerin, die auf dem Lande als Gesellschafterin einer Fürstin die Bekanntschaft eines russischen Großen gemacht, der sie um ihre Liebe betrogen. Als sie dann lange keine Nachricht vom Geliebten erhalten, reiste sie nach Petersburg, wo er sich aufhielt. Sie sah ihn dort über die Straße fahren mit einer reichen vornehmen Braut. Diese ganz gewöhnliche Begebenheit, auf die ein elternloses armes Mädchen immerhin gefaßt sein sollte, wenn sie ihr Herz einem Vornehmeren, Reicheren schenkt, vermochte die sonst so vernünftige Anna nicht zu begreifen. Sie grübelte darüber fortwährend nach und verlor zuletzt den Verstand darüber, aber ihre Anmuth, ihre rührende Kindlichkeit verlor sie nicht. Nur hatten ihre schönen blauen Augen nicht mehr den Hellen Glanz, ihre zarten Wangen nicht mehr die frische Farbe. Wenn sie im ummauerten Garten des Irrenhauses saß, strömten unaufhörlich kleine finnische Lieder von ihren Lippen, Die melancholischen Worte und Melodien dieser Lieder paßten vollkommen zu Annas schönem trauerndem Gesicht. Zosephine von Tolstoi war kaum in Moskau aus ihrem Reisewagen gestiegen, als sie sich in einen andern Wagen warf, um zu Doktor Murrhard zu fahren. Mit freundlicher Miene empfing der Arzt die zitternde Frau. — "Wie geht es? " mehr vermochte ihre bebende Zunge nicht zu stammeln. — „Gut, wie ich Ihnen zuletzt schrieb. Wenn auch nicht genesen, ist er doch besser als früher, und Las will viel sagen." — „Nach achtzehn Zähren wenig," versetzte Zosephine mit einem tiefen Seufzer.. — „Herr von Tolstoi ist im Garten, wollen Sie nicht zu ihm gehen?-- Der Arzt bot ihr den Arm, und die arme Frau bedurfte auch einer Stütze zu diesem Gange. An der Thüre blieben sie stehen und betrachteten eine Gruppe, die sich ihnen näherte. — Ein noch jugendlich aussehender Mann von auffallend einnehmenden Gesichtszügen, führte an der Hand ein zartes jungfräuliches Wesen, das ganz in Weiß gekleidet war. Sein edles Ge- sicht stach auffallend gegen die Physiognomien aller übrigen Männer ab, denn ihm fehlte, was alle charakterisirte, der russische Typus. Zosephine hatte ihn auf den ersten Blick erkannt, es war ihr Gemahl. Er bemerkte jetzt den Doktor und ging freundlich auf ihn zu. Als seine Stimme bei der einfachen russischen Begrüßung hörbar ward, brach seine Frau in Helles Weinen aus. — „Wer ist Liese Frau?" fragte er theilnehmend. — „Es ist die Ihre." — „Die meine? Also gehört sie mir? Dann, Annuschka —" er wandte sich an seine Begleiterin — „dann schenke ich sie dir. Sie wird dann glücklich sein, ich habe alle meine Seelen weggegeben, mehr als zehntausend; ich begreife nicht, wo diese noch herkommt. Ja, sogckr meine eigene Seele habe ich verschenkt, du kennst die traurige Geschichte, Annuschka. Diese da aber gebe ich dir, dir allein, da wird sie froh und glücklich werden, die I arme Seele." Anna sah ihn mildlächelnd an. Sie neigte sich zu Jvsephi- nen, und wollte ihre Hand ergreifen, diese aber riß sich laut schluchzend los, und enteilte dem Gärten und dem Hause. Die Irren aber umringten alle die Liefländerin, die auf ihr Bitten mit stirer sanften zwitschernden Nachtigallenstimme eines ihrer schönsten Liedchen sang, und Alexander von Tolstoi saß zu ihren Füßen, und sah beseligt in Las Antlitz, Las der Stern seiner ^ öden, trostlosen Nacht geworden, und sie mit mildem, wenn auch t verschleiertem Glanze-erhellte. k Der Arzt schrieb an Zvsephinen: „Glauben Sie mir, Ihr Gemahl ist jetzt glücklich, vielleicht glücklicher als wir Alle. Er lebt ein friedliches, traumartiges Dasein, vereint mit einem Wesen, dessen reine, geisterhafte Zuneigung ihm eben so gehört, wie ihr die seine. Wenn ich die Beiden Tag um Tag, Hand in Hand, freundlich lächelnd, den Garten durchschreiten sehe, in ehrerbietiger Entfernung gefolgt von den übrigen unreinen Geistern, von Lenen sie geehrt werden wie ihr König und ihre Königin. so ist es mir oft, als seien sie schon selige Geister, deren Seelen uns Andern vorausgeeilt, indem sie alle Pein der Welt sammt der Erinnerung daran weit hinter sich zurückgelaffen, keine I andere Empfindung mehr kennend, als in engelhafter Zuneigung I eines im andern zu leben. — Trösten Sie sich, er ist gewiß ' glücklich, und was erstreben wir denn mehr für unsere Lieben?" Zosephine aber tröstete sich nicht. Sie hatte einen neuen ' Schmerz, Len bittersten, kennen gelernt, sie war eifersüchtig, es fersüchtig auf eine Wahnsinnige! „Wäre ich bei ihm geblieben," jammerte sie, „trotz allen feinen Befehlen und Warnungen, ß hätte er mich, nur mich allein geliebt!" An ihren Sohn, da sonst ihre ganze Seele ausfüllte, dachte die unglückliche Frau i« diesem Augenblicke nicht. Der Anblick ihres Gemahls, der wie in neuerwachter Jugendschöne vor ihr gestanden, hatte die einzige Leidenschaft ihres einsamen Lebens wieder in voller Stärke wach gerufen. In demselben Nacht reiste sie aber zurück nach Peters bürg, um Fevdora mitzunehmen, die sie im Hause Kathinkäl .zurückgelassen. Von ihrer Gesellschaft hoffte sie Zerstreuung, vor ihrer Liebe Trost, von ihrer Aufopferung Glück für ihr einziges Kind und sich. Sie glaubte, Fevdora sei wie sie. Wehe ihr, daß sie das glaubte! IV. Plane und Vorkehrungen. ES ist ein alter Satz, daß die Menschen nichts mehr lieben ^ als ihre eigenen Klane und ihre eigenen Kinder; selbst die groß- I ten Egoisten haben dafür ein Herz, wie viel mehr eine Frau, , die im Stande ist, sich selber über Fremdes ganz zu vergessen, und aus Len Augen zu verlieren. Auch Zosephine wurde durch ihre Projekte von Lest schmerzlichen Erinnerungen an ihren Gemahl abgezogen. Sobald sie Fevdora sah, stand auch Michael und die Sorge um seine Zukunft wieder fest in ihren Gedanken, und unverrückbar behielt sie nun ihre Plane vor Augen. S>e hoffte, ja sie erwartete davon mit Zuversicht die Rettung ihres Kindes von einem gräßlichen Geschicke. Zosephine hatte gehofft, daß während der Reise nach Florenz das enge Zusammensein im Innern eines Wagens ein vertrautes Verhältniß zwischen ihr und Teodora wie zwischen Mutter und Tochter von selbst herbeiführen werde. Dieß geschah aber nicht, .das junge Mädchen blieb verschlossen, ja selbst ihre Natur- 47 nkt, , zebe die I ' j whi- ' laut Die itten hrer hren , nner ^ auch t Ihr Er We- wie >d in in Gei- Kö- seren Welt keine igung I gewiß » en?" reue» ' g, eiben," n, - , da au io r wie inzigk wach eterS- inka'i ;, von « nzigeS r, daß lieben groß- k Frau, > geffen, ! durch n Ge- liichael >anken, . Sie z ihre« Florenz ertrau- Nutter ch aber natürliche Lebhaftigkeit kam während der ganzen Reise nicht zum Vorschein. so daß Josephine, die von ihrem muntern freundlichen Benehmen gehört, ganz irre an ihr wurde. Und doch legte sie zuletzt diese Zurückhaltung ganz zu Gunsten Fevdvras aus, sie glaubte, der Gedanke an ihre künftige Bestimmung, die erste Ahnung einer nahenden Liebe, das Bangen vor einer großen Verantwortung, die man in ihre Hände gelegt, mache sie so ernst mb beklommen. (Fortsetzung folgt.) Aus der Zeit. - Karlsruhe. 3. Febr. (Schluß der 23. Sitzung der zweiten Kammer.) Der Abg. Straub behauptet, die vielen Bittschriften seien daS Werk herrschsüchliger Geistlichen, und nicht Zittels Antrag, sondern diese haben die allgemeine Aufregung im Lande hervvrgebracht. Wegen dieser Aeußerung wird der Abg. Straub zur Ordnung gerufen. Der Abg. Weizel erwiedert dem Abg. Straub, daß dessen Aeußerung nur geeignet sei, die Leidenschaft und Unduldsamkeit noch mehr zu steigern, weßwegen er solche Beschuldigungen gegen einen würdigen Stand sehr tadeln müsse. Nachdem der Abg. Straub nachträglich erklärt, daß er nicht den ganzen Stand der Geistlichkeit, sondern nur jene Individuen gemeint habe, welche sich Aufreizungen zu Schulden kommen ließen, äußert der Abg. Zittel noch, es sei keineswegs seine Absicht gewesen, den von ihm gestellten Antrag unter daS Volk zu bringen, denn er wolle keine Entscheidung der Masse. Gehe die Sache, wie sie begonnen, so fort, so wisse er freilich nicht, wie eS enden solle; es werde jener Tbeil die Folgen zu tragen haben, welcher sich Täuschungen habe zu Schulden kommen lassen. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen, führte die Tagesordnung zu Berichterstattungen durch die Peti- lionskommission. Diese betrafen Gesuche um Einführung einer Gewerbeordnung, Abänderung des Gemeinderechnungswesens und des Schulgesetzes, insbesondere die Aufhebung der Konses- sionSschulen, wobei der Abg. JunghannS bemerkte. Laß man auch schon deßhalb die Konfessionen nicht vermehren sollte. — 4. Febr. (21. Sitzung der zweiten Kammer.) Bei Eröffnung der Sitzung wird sogleich mit Berathung des Dennig'- schen Berichtes über die letzten Rcchnungsnachweisungen des Ministeriums des Innern begonnen. Diese betreffen die Siechen- anstall, Irrenanstalten, daS allgemeine Arbeitshaus, Wasser- und Straßenbau, das LandeSgestüt und verschiedene und zufällige Ausgaben. Bei letzterer Position hatte die Kommission folgende Posten beanstandet: 1) für Versetzung der Lehrstunden eines Professors in Wertheim während des Landtags, 264 fl. 51 kr., 2) für den Druck einer von dem früheren. Präsidenten des Mi- Heriums des Innern herausgegebenen Schrift über die Wahlen «vn 1812, 97 fl. 17 kr. und 3) an den einem gewesenen Regie- ningsdirektor in Konstanz mit 1300 fl. vergüteten Zugkosten s. w. 400 fl. Bei der Abstimmung erklärte die Kammer gegen ü» Kvmmissivnsantrag die beiden ersten Posten für gerechtfer- W> bei dem letzter» Posten trat sie dem Kommissionsantrage in, - Hierauf wurde wieder eine Anzahl Bittschriften gegen ^ Zittel'schen Antrag vorgelegt, und namentlich eine solche aus '««Hsal mit mehreren hundert Unterschriften, während der Abg. ^entano aus derselben Stadt, eine solche für jenen Antrag übergab, die 51 Unterschriften trug. Derselbe führte aus, wie man nicht auf die Menge der Unterschriften, sondern auf die Personen, welche unterschrieben, sehen solle, und warnte die Regierung vor einer gewissen Partei, - welche auf ähnliche Weise gegen sie selbst dereinst auftreten könnte. Staatsrath Rege- nauer erwiedert, die Aufregung im Lande sei lediglich durch die Opposition aus Anlaß der Unterstützung des Zittel'schen Antrag- verursacht worden, und Min. Rath v. Stengel äußert, daß die Regierung keiner Warnung bedürfe, indem sie, die Regierung, die einkommenden Bittschriften und insbesondere jene, welche wegen Preßfreiheit, wegen Einführung einer Volksvertretung beim Bundestage >c. übergeben worden, sehr gut zu beurlhei- len wisse. — Während der Abg. JunghannS mehrere vom Abg Bassermann gemachte Bemerkungen zurückweist, vernimmt man auf der Gallerie Zeichen des Mißfallens, worauf der Präsident auf den Antrag mehrerer Kammermitglieder, La Warnungen in früheren Sitzungen fruchtlos geblieben, die Gallerie räumen läßt. Später wird die Gallerie wieder geöffnet. Am Schluß der Sitzung wird der Antrag gestellt, bei Vorlagen von Bitt- schriflen keine weiteren Bemerkungen mehr zuzulaffen, indem dies immer zu unangenehmen Auftritten führen könnte. Da jedoch gegen diesen Antrag sich mehrere Stimmen erhoben, so wurde kein Beschluß gefaßt, sondern vielmehr nur die Erwartung ausgesprochen, es werde jeder Abgeordnete, welcher derartige Bittschriften vvrzulegen habe, sich in der Regel jeder Erörterung dabei enthalten. — 6. Febr. (25. Sitzung der zweiten Kammer.) Die Tagesordnung führt zur Berathung des vom Abg. Hecker erstatteten Berichts über die Rechnungsnachweisungen des Justizministeriums, welche nach kurzer Diskussion für gerechtfertigt erklärt wurden. — Karlruhe, 7. Febr. Nach dem, nunmehr definitiv abgeschlvsse» nen, Vertrag über die Gasbeleuchtung der hiesigen Stadt, (welcher dieser Tage gedruckt vertheilt werden wird), liefern die Unternehmer, Barlow und Manby in London, 1000 Cubikfuß GaS, englisch Maß, an Private zum Preis von 5 fl. 36 kr. (also 1 fl. billiger als die Stuttgarter Gesellschaft.) — Sodann sind die Unternehmer verbunden, denjenigen, welche, bevor die Leitungsröhren vor ihren Häusern gelegt sind, mindesten; fünf Lichter bestellen, die Leitung auf der Straß« bis zum Hause, wenn solche nicht über 30 Fuß beträgt, auf ihre Kosten herzustellen. Unsere Stadt erhält wie wenige andere, der geraden Anlage ihrer Straßen wegen, durch Einführung der Gasbeleuchtung eine wesentliche Verschönerung, die um so schätzenS- werther ist, als damit sowohl für die Stadt, wie für Private eine bedeutende Ersparniß erzielt werden wird. — Mannheim, 4. Febr. Das vberhofgerichtliche Erkenntniß gegen G. v. Struve wegen der Druckschrift: „Briefwechsel zwischen einem ehemaligen und jetzigen Diplomaten", ist heute verkündigt worden, und verurtheill den Verfasser zu einer bürgerlichen Ge- fängnißstrafe von vier Wochen, und zur Tragung der Prozeßkosten mit dem Anfügen, Laß mehrere Blätter des Buches unterdrückt werken sollten. — Nvttenburg, 4. Febr. In dem hiesigen KreiSgefängniß, an der Stätte, wo ehemals die Grafen von Hohenberg ihre Burg hatten, scheint eS seit letztem Donnerstag nicht mit rechten Dingen zuzugehen, indem seit dieser Zeit 11 unter etwa 24 weiblichen Strafgefangenen plötzlich in der Art erkrankten, daß zum Theil Raserei ausgebrochen ist. Die Kranken, welche so abgeschieden find, daß an einen Betrug nicht zu denken ist, werden von einem ParoriSmus befallen, welcher mit Weinen, Singen. Fluchen ic. bei allen zu gleicher Zeit, ohne Möglichkeit gegenseitiger Mittheilung. anfängt, so daß sie in einem übersinnlichen Rapport zu sie- 48 he» scheinen. Wenn die Kranken selbst in ihren Hellen Zwischenräumen ihren Zustand dem Einflüsse irgend eines Kobolds zuschreiben, der auf einmal in ihren Mauern Residenz genommen habe, so hat diese Erscheinung weniger eine komische als vielmehr eine sehr ernste und für den Psychologen merkwürdige Seite. Man ist darum auch sehr begierig, wie sich der Vorfall auf wissenschaftlichem Boden aufklären werde. — München, 3. Febr. In der heutigen Sitzung zweiter Kammer brachte Frhr. v. Closen Anträge ein, die Bildung der Senate bei politischen Verbrechen, und die Abschaffung der Schläge bei polizeilichen Strafen betreffend. — In derselben Sitzung verglich Dekan Friedrich die Staatsschuldentilgungskaffe mit einem Röhrenkasten; es fließe immer hinein, und er werde nicht voll; es fließe immer heraus, und er werde nicht leer. — Dresden. Wenn auch unsere Kammern wichtige Be- rathungSgegenstände: die deutsch-katholischen Verhältnisse, die Umformung der Verfassung der evangelisch-lutherischen Kirche, das Budget u. dgl. m., zu verhandeln haben; wenn ihnen auch noch so manche andere derartige vorliegen, so läßt sich doch, will man aus dem Bisherigen schließen, kein sonderlich bedeutendes Crgeb- niß erwarten. Die Regierung verfolgt konsequent ihren Weg, die Censur ist verschärft, Konfiskationen kommen häufiger vor. Sv ist z. B. das vierte Heft von O. Wigands Vierteljahqsschrift für 1815 konfiscirt, und nicht wieder freigegeben worden, wie Biedermanns Gegenwart und Zukunft, und die Fortsetzung des Unternehmens untersagt. — Leipzig, 2. Febr. Bei dem in diesen Tagen im Theater gehaltenen Volksmaskenball gewahrte man unter Anderem auch einen Leichenzug, welcher die Bestattung der Sächsischen Vater- ^aydsblätter sehr charakteristisch darstellte. Auch der Ritter Bayard fehlte nicht, war aber ohne Kopf, eine Anspielung auf den Redakteur des Blattes Bayard. — Gotha, 2. Febr. Die Versammlung der Landstände unseres Herzogthums, welche von je 4 zu 4 Zähren zu einem ordentlichen Landtage einberufen werden, ist gestern durch Se. Hoh. den Herzog Ernst von S.-Coburg und Gotha selbst eröffnet worden. — In Galizien herrscht große Besorgniß vor einem revolutionären Ausbrnch in nächster Zeit. Emissäre durchstreifen das Land, verbreiten Proklamationen, in welchen den Bauern Befreiung von der Robot, den Steuern io. versprochen, und der bewaffnete Aufstand gepredigt wird; die Gutgesinnten werden Lurch Androhungen eingeschüchtert, und selbst das Militär ist hie und da der Verführung zugänglich. Die Regierung ist zwar sehr wachsam und die Arreste füllen sich, allein deßungeachtet dauert die Aufregung fort, welche zum Theil von der aristokratischen, zum Lheil von der demokratischen Partei der polnischen Emigration genährt wird. — Aus Italien schreibt man, daß einer der Chefs der letzten Bewegung von Rimini, Namens Renzi, welcher, nach seiner Wegführung nach Marseiste, von dort heimlich nach Toskana zurückgekehrt war, und daselbst verhaftet wurde, von der toskanischen Behörde an die päpstliche ausgeliefert worden ist. Briefe aus Rom berichten, man besorge neue Unruhen; die politischen Gefangenen von Civita-Caslellana hätten einen Fluchtversuch gemacht, die Garnison hätte Feuer auf sie gegeben. — Rom, 27. Jan. Es ist zwar in öffentlichen Blättern schon erwähnt worden, daß bei Anwesenheit des Kaisers von Rußland die hier wohnenden Künstler für ihn eine Ausstellung veranstO teten, wo einige hundert ihrer Werke aufgestellt waren. besonderem Interesse für Sie wird es jedoch sei», zu hören, unter den ausgestellten Gegenständen zwei Genrebilder ihr, Landsmanns, des badischen Hofmalers Th. Weller von Mm» heim, sich befanden, und Laß unter den neun vom Kaiser W Kauf ausgewählten Gemälden gerade diese beiden sich befind«»' (M. A: — Paris, 3. Febr. Die letzten Berichte auS Algier ich! einen Einfall Abd-el-Kaders in die durch das Unglück derfi,> vaffeur'schen Kolonne theilweise von streitbaren Truppen entbH Provinz Konstantine fürchten. Die französischen Verluste» Pferden im jetzigen Winterfeldzuge sollen ungeheuer sein. Üerschie-enes. — Die französischen Eisenbahnen werden meist«, Engländern gebaut, und in mancher Hinsicht ganz 'vortrejflit Man kann nirgends so leicht und schnell aus der Welt komm als auf den englisch-französischen Bahnen. Einige Viadukte fi schon eingestürzt, und ein Tunnel steht eben im Begriff; m kann also nach Belieben überirdisch oder unterirdisch sterben, « noch nicht überall eingerichtet ist. Deßhalb sind auch die Tar auf Len, den englischen Gesellschaften gehörigen Bahnen! höchsten. — In Berlin erwartet inan die Rückkehr des Profess» LexsiüS aus Aegypten, dessen in wissenschaftlicher Hinsicht gck außerordentlich ertragsreiche Reise der preußischen Negierunzl Summe von 14,000 Thalern gekostet hat. Die Sammlung ä? tischer Alterthümer und NatnrmerkwürLigkeiken, welche Hr. t« sius als Ausbeute seiner Reise mitbringt, dürfte die bedeute» und vollständigste sejn, die bisher nach Europa gekommen» Darunter befindet sich ein großer ägyptischer Sarkophag, zud»t Aufbewahrung ein eigenes Haus erbaut werden soll. In den« fen, welche Professor Lepsivs nach Berlin geschrieben, rühmu! besonders auch die große Zuvorkommenheit und Bereitwillizks Mehemed Ali's, sich durch Unterstützung dieser wissenschaftlich!! Expedition der preußischen Regierung gefällig zu beweisen. §>', hat er durch Professor Lepsius dem König von Preußen ei« Obelisk zum Geschenk anbieten lassen, welchen aber der Köui-I. wegen der Transportkosten, die auf 6000 Thalern veranschM worden sind, abge.'ehnt hat- — Auf Martinique erzählt man folgendes Geschichtchen die Schöpfung der Neger. Nach Erschaffung der Weißen tmö Gott habe der Teukel auch Lust gehabt, sein schöpferisches Tale» zu üben und aus dem übrig gebliebenen Thon einen MenW gebildet, der ihm unter der Hand schwarz geworden sei. HieM und weil er der Gestalt nicht den Geist, wie ihn der Weiße l>K j einblasen konnte, ergrimmt, gab er ihm einen Harken Puf^ j die Nase, und warf ihn mit dem Gesicht auf die Erde. D^> ^ hat denn der Neger seine Stumpfnase und sein plattes GeM l — Im 14ten Jahrhundert bestand in Erfurt eine 'Polizeiorb nung; welche der Zuchtbrief hieß, weil er die Bürger in guter . Zucht erhallen sollte. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.