Karlsruher Beobachter. Nr. 77 Donnerstag den 24. September L8LG. * Die Gewsrbeansstellnng. (Fortsetzung u. Schluß.) Der zweite Saal beginnt mit verschiedenen merkan- tilischrn Produkten und Erzeugnissen der gewerblichen Chemie rc. Von Seifensieder Scherer sind gutaussehende Proben verschiedener Seifensorten, von Spreng, Sohn, Muster von Essig, Liqueurs und Essenzen, von Schicksin Kehl gleichfalls Seifenmuster, von der Zuckerfabrik in Waghäusel verschiedene Zuckerproben, und von der Direktion des badischen Bergwerksvereins interessante Muster von Farben und Metallen ausgestellt. Links vom Durchgänge befindet sich eine zahlreiche Mustersammlung schöngefärbter Papiere von Behagel, Sohn. Die Mitte nimmt eine Reihe schöngearbeiteter Klaviere von verschiedenartiger Form und Einrichtung ein, von den Mikanten Chaure in Lahr, Gorenflo, Voit, Götz, spohn, Hoecb und Mayr in Konstanz, welch letztere nach dem Urtheil Sachverständiger den Vorzug verdienen sollen. Dazwischen stehen Stickereien und Möbel. Unter erstern ein Ofenschirm von Mad. Lamson, vchreinerarbeit von Paul Weber, und eine sehr werthvolle und geschmackvoll gestickte Causeuse von Mad. Schneider, und unter letzter» Kanapee mit Fauteuils und Stühlen von Hofsattler Lautermilch. Die Mitte des Raumes nehmen die in einer Nische aufgestellten Arbeiten von' A. Bilger ein. Die reich in verschiedenen Farben vergoldeten Spiegelrahmen sind äußerst geschmackvoll. Die Möbel sind sehr schön gearbeitet, und größtentheils reich und von geübter Hand Vschnitzt. Die schönsten und werthvollsten Schreiner- Mten aber, die sich auf der Ausstellung befinden, sind o§ue Zweifel die hier angereihten Schreib-, Blumen - uub Salontische und die beiden Commode von Göhl er und Reuter. Sie sind außerordentlich reich mit schöner Schnitzabeit versehen, und bilden, in Hauptform und Detail übereinstimmend, ein harmonisches Ganze, das ) Eine ankere Stickerei von derselben Hand wird man demnächst bei der Fahnenweihe des hiesigen Liederkranzes erblicken, — eine Harfe mit einem Cichenkranze, letzterer ausgezeichnet schön und frei gearbeitet. nicht durch Abnormitäten und gewaltsame Formen bestechen, sondern durch die Tüchtigkeit der ganzen Erscheinung befriedigen will. Die Hinterwand bedecken zahlreiche Tapetenmuster mit geschmackvollen Dessins, aus den Fabriken von Bayer und Engelhardt, und von Derblin und Pehl in Mannheim. Von letzterer Fabrik fällt namentlich ein Muster auf, das die Holzmalerei recht hübsch nachahmt. Den untern Raum der Wand nehmen verschiedene Sorten von Tuch und Burkings von Dold und Schmidt in Villingen, Finkenstein u. Comp, in Pforzheim und andere Webereien ein. Schöne Posamentierarbeit, von Hofposamentier Drechsler. Hübsche Schirme, worunter namentlich einer, den man zusammenlegen und einstecken kann, von Klotz. Verschiedene Sorten Sammt, von Bleuler in Lichtenau, und Seidenzeuge, von Schwerzenbach irr Konstanz. Schöne Pelze und Kürschnerarbeiten von Hauck. Hübsche Stroharbeiten von Ganter's Kindern in Konstanz, und interessante Arbeiten aus dem Blindeninstitut in Freiburg, als Körbe, Taschen, Teppiche, Schuhe und. Strickereien. An der vorder» Seite des Gebäudes befinden sich verschiedene Sorten theilweis geschmackvoller Lampen u. Blechnerarbeiten, von Otto in Mannheim, von Kiby und Dellenbach. Sehr schöne und tüchtig gearbeitete Kastenschlösser, eines von Burgwegen in Heidelberg, und eines mit Sicherheitsglocken von Sönker in Mannheim. Säcklerarbeiten, worunter namentlich die von Werl in in Mannheim, und ein mechanischer Fuß von Kiefer in Durlach., .Schusterarbeiten: Sammtstiefel von Peter. Hübsche Damenschuhe von Schlösser in Mannheim, und hübsche Herrenstiefel von Lüder und Andern. Den Schluß macht die Ausstellung verschiedener Ledersorten von Loos in Heidelberg, Rheinländer in Ettenheim, und sehr großer und schöner Häute von Heinze und Sammel in Mannheim. Zwischen beiden Sälen im Freien, steht ein sehr geschmackvolles, schön gegossenes gothisches Grabmonument, aus dem Fürstlich Fürstenbergischen Eisenwerke. Wenn wir alle diese vielfachen Gegenstände betrachten, so drängt sich uns das freudige Bewußtsein auf, 308 daß unsere Industrie im raschen Fortschreite» begriffe» ist, und sich mit ihren Arbeiten nicht ohne Glück den Mustern ausländischer Eleganz und Gewerbthätigkeit an die Seite zu stellen strebt. Aber Eines, die unsystematische Art der Aufstellung, läßt noch Vieles zu wünschen übrig. Das Gleichartige hätte überall auf einen Punkt vereinigt und die Arbeiten eines Meisters zusammengestellt, und nicht oft an verschiedenen Plätzen zerstreut werden sollen. Durch eine solche Art der Aufstellung muß die Uebersicht über die einzelnen Leistungen erschwert werden, und dadurch der Zweck einer Ausstellung theilweise verloren gehen. *) *) Dieser Mißstand dürfte wohl zum größten Theil den verspäteten Einsendungen zuzuschreiben sein. Anmerkung der Redaktion. Van Amburgh. (Fortsetzung u. Schluß.) Van Amburgh beherrschte Liese Thiere, aber nie vergoß er ihr Blut. Er hatte sich einen eisernen Stock als Waffe genommen, und schlug sie mit diesem auf eine gewisse Stelle des Rückgrates, aber ohne sie je gefährlich zu verletzen. Er hielt eS auch nicht für nvthig, daß man, um die Verheißung der Bibel wahr zu machen, sie ihrer Freiheit berauben müsse, aber er belauerte sie in den Gebüschen, überfiel sie in ihren Höhlen, und bändigte sie in ihren Wohnungen. Eine Begebenheit, bei welcher van Amburgh weniger Schonung für die Menschen, als für die wilden Thiere zeigte, zwang ihn, sein Vaterland zu verlassen. Bienenkörbe waren geplündert worden, und mehrere Anzeigen waren vorhanden, die bewiesen, daß es kein zweinbeiniger Verwüster gewesen, der den Raub begangen. Van Amburgh, den man zu Rathe zog, halte nach vierundzwanzig Stunden herausgebracbt, daß der Thäter ein guter Bekannter von ihm war — ein Bär, mit dem er sich besonders viel Mühe gab, und den er unter seine besten Zöglinge zählte. Er versprach dem Landmann, ihm Len Wohnort des Bären zu sagen, jedoch nur unter der Bedingung, daß die Strafe seines Lieblings in nicht mehr als einer derben Tracht Schläge bestehen dürfe. Der Landmann willigte ein, nahm aber drei mit guten Flinten bewaffnete Männer mit sich, tödteten den Bären, schnitt ihm die noch vom frischen Honig glänzenden, klebrigen Tatzen ab, und kehrte mit diesen Siegeszeichen stolz in seine Wohnung zurück. Unterwegs jedoch begegnete ihm van Ambnrgh, der, tief gekränkt, ihm die heftigsten Vorwürfe über seine Wortbrüchigkeit machte. Vom Wortwechsel kam es zum Handgemenge; van Amburgh wehrte sich tapfer, und schlug den Pächter und einen seiner Leute so kräftig nieder, daß sie für todt auf dem Platze liegen blieben. In der Furcht, sie möchten wirklich tobt sein, nahm van Amburgh die Flucht, eilte der Küste zu, und ging auf dem ersten Schiffe, das er traf, an Bord. Das Schiff ging nach Bombay, und legte während seiner Fahrt am Cap an. Van Amburgh ging ans Land, und die Schiffsmannschaft war nicht wenig erstaunt, ihn Abends mit einem Bären, den er in den nahen Waldungen gefangen hatte, und den er mit seinem Eisenstvck vor sich Hertrieb, wiederkehren zu sehen. Die Erziehung seiner Bären, dem van Amburgh Namen Hiob gab, und der bei dem ersten Zeichen, welche- » ihm machte, sich ins Wasser stürzte, beschäftigte ihn aber M, hinlänglich, und er richtete sich auch noch zwei Seekälber ab, ^ wie Hunde ihm Fische fingen und appvrtirten. Ob er der Lz! ist, der dieses Kunststück versucht, ob es Andere schon vor ih« gethan, und er es nur wieder erneuert hat, die Sache blch gleich merkwürdig. Aber auch der gelungene Versuch mit Seekälbern befriedigte ihn nicht, er wollte versuchen, einen K,i, fisch zu zähmen, und blieb trotz der Warnungen des KapW und der Mannschaft bei seinem Entschluß. Eines Morgen- ch er eben mit seinem Bären auf dem Verdecke frühstückte, z,h sich ein großer Haifisch. Van Amburgh faßt seinen'Kes schwingt sich mit diesem über die Schanzbekleidung de- SchG und schwimmt dem furchtbaren Thiere entgegen. Der AM ließ das Schiff beilegen, und alle Mannschaft sammelte sich ^ dem Verdeck. Van Amburgh schwamm gerade auf den HM los, dieser aber packte Len eisernen Hebel mit seinem Rachen, M zog seinen Gegner mit sich in die Tiefe. Nachdem vaii AmbH sich vergebens bemüht hatte, seine Waffe wieder frei zu1>ek» men, sah er sich genöthigt, sie aufzugeben, um wieder die An, fläche des Wassers zu gewinnen. Aber der Haifisch verfolgte h — ehe noch unser Held ein Rettungsseil ergreifen konnte, ssj er das Unthier an seiner Seite, und konnte ihm nur buch schnelles Untertauchen entgehen. Cr tauchte wieder aus, «erlenzl, daß man ihm eine Harpune zuwerfe, wartet ruhig, bi- jlch ter Haifisch ihm wieder naht — wirft ihm die Harpune in ken Rücken und schleudert das Ende des Seils, an dem ber Mich Haken hängt, in daS Schiff. Während die Matrosen alle M anwenden, Len Kopf des Thieres außer dem Wasser-«M, befiehlt van Amburgh seinem Hiob, sich ins Wasser-«Dm Der Bär gehorcht sogleich, schwimmt gegen Len HMterze- waltig um sich schlägt, und erdrückt, von seinem HrmMyM, mit seinen furchtbaren Tatzen das gewaltige Thier. Em-iMa- tenkugeln endeten seinen Todeskampf. Man warf iw em Schlinge um den Hals, und zog ihn auf das HintemiMet Schiffes. Die Wahrheit dieser Erzählung ist Lurch mehrere Matrosen, die Augenzeugen waren, bestätigt. Wenige Tage och diesem Abenteuer büßte Las Schiff durch einen jähen WM seinen Hauptmast ein, und war genöthigt, mit seinen Whnich« in den nächsten Hafen einzulaufen. Dort traf van AoidM einen Landsmann, und erfuhr von diesem, daß der Laninmi und sein Gefährte wieder vollkommen hergestellt seien. Cr« schloß sich daher, in sein Vaterland zurückzukehren, und fchist sich auf dem nächsten Schiffe, das nach Nordamerika ging, m Nachdem van Amburgh sich in Kentucky bei seiner M* eine Woche lang aufgehalten, beschloß er, sich ganz der Tß> bändigung zu widmen, und trat bei Titus in Dienste. TitnS ld fitzt die schönste und größte Menagerie, die nicht bloSinAmeiill sondern in der Welt zu finden ist. Seine Reisen, be>onk»! Nachts bei dem Scheine der Pechfackeln, gewähren den rnen würdigsten Anblick. Seine Menagerie füllt 60 Wagen, und« Geheul, Geschrei und Gebrüll zusammen geben ein Concert, ta die Heerden und die Reisenden mit Schrecken erfüllt. Dan « burgh zeichnete sich bald bei Titus aus. Der Oberaufseher e» Menagerie war an Len Wunden, die ihm eine Löwin verüs hatte, als er sie von einem Käfig in den andern jagen n>v r, gestorben. Zwei andere Wächter, die ihn begleitet Hallen, war« ebenfalls stark verletzt. Dan Amburg erbot sich, fie -u bänV' und trat allbin, blos mit seinem eisernen Hebel bewaffne, ihren Käfig. - Drei Tage später zeigte er dem Publikum zu ersten Mal Las bisher noch von Niemand gewagte Kum 30S eines Menschen, der seinen Kopf in den Rachen eines Löwen Mt — und zwar war es die wilde, kaum erst gebändigte Löwin mit der er dieses gefährliche Spiel versuchte. Van Amburgh halte gehört, daß wenn der Löwe frisches Blut riecht, seine Raubgier in doppelter Stärke erwache. Entschlossen, sich selbst davon zn überzeugen, tauchte er seinen Arm bis an die Achsel in frisches Blut, und schob ihn dann dem Löwen in den Rachen, während er ein Rind und ein Schaf in den Käfig führen ließ. Er hat dieses Kunststück oft und jedes Mal mit glücklichem Erfolg in Kentucky und in mehreren Orten der Vereinigten Staaten vor einer großen Menge von Zuschauern gezeigt. Gegen Ende des Jahres 1838 ward van Amburgh mit einem Theil seiner Menagerie von TituS nach England geschickt. Bald nach seiner Ankunft von den Eigenthümern des Circus Astley für die Summe von wöchentlich 300 Pfd. Sterl. engagirt, zeigte er sich, umgeben von seinen Löwen und Tigern, die, Lemüthig zu seinen Füßen liegend, seinen leisesten Winken gehorchten- Der Zulauf, der ihm zu Theil wurde, war ungeheuer. Er wurde in die Gesellschaften der englischen Aristokratie eingeführt und von diesen mit der größten Achtung ausgenommen. Londons berühmteste Schriftsteller und Gelehrte statteten ihm ihre Besuche ab, unterhielten sich mit ihm über die Kunst, wilde Thiere zu bändigen, und er gewann bedeutende Summen durch den Unterricht in seiner Kunst, den er jungen Leuten des höchsten Ranges er- theille. Man rerfichert sogar, Laß die Königin Victoria ihn inkognito besticht und ihm angeboten habe, ihn in den Ritterstand zu erheben, eine Ehre, die er, als unverträglich mit seinen politischen Grundsätzen, ablehnte. Alle englischen und französischen Journale haben den Vorschlag erwähnt, Len er den Eigenthü- mern von Vaurhall gemacht, mit seinem Lieblingstiger in dem großen Luftballon Nassau aufzusteigen, und sich mir dem Fallschirm herunter zu lassen. Der Magistrat von London verbot dieses Schauspiel wegen des Ungeheuern Zudrangs, den es verursacht haben würde, und wegen der Gefahr, in welcher Kr. Green, der Reisegefährte van Amburghs und seines Tigers, bei dieser Luftfahrt geschwebt hätte. Van Amburgh hat nach englischem Maaß 5 Fuß lO'/r Zoll, sein Körper ist untersetzt gebaut, und obgleich er eine seltene Kraft besitzt, so sind doch seine Muskeln nicht von besonderer Stärke. Seine physische Kraft, gehoben durch einen eisernen Willen, liegt hauptsächlich in seinen Nerven und seinem Knochenbau. Man sollte glauben, seine Züge wären in hohem Grade männlich und entschieden, aber sie sind im Gegentheil sehst zart, fast weiblich, und nur seine Augen haben einen ungewöhnlichen Ausdruck. Seine Augensterne sind sehr vorragend, und es scheint, als besitze er die Gabe, auf die rechte und linke Seite zu sehen, fast ohne den Kopf zu wenden. Es sind keine glänzenden Augen, ste haben etwas Kalles, Bleiches, und würden fast erstorben scheinen, wenn sie sich nicht unaufhörlich schnell nach allen Richen hin bewegen würden, wie wenn sie Alles auf einmal übersehen wollten. In diesen Augen ruht eigentlich van Limburgs Stärke; die wilden Thiere kennen und fürchten sie, als läge ein magischer Zauber für sie darin. Van Amburgh ist sehr ungenehm im Umgang, er ist bescheiden, offen und gesprächig. Seine Ansicht über die Thiere, die der gewöhnlichen so sehr widerspricht, macht seinem Geist wie seinem Herzen gleich viel Ehre. Man wird Ließ beurtheilen können, wenn man folgendes Gemach liest, das er im I. 1836 mit Ephraim Watts führte, bei welchem er in New-York zu Mittag aß. "Er fing an — erzählt Ephraim , Watts — mir von der de e zu erzählen, die er in der Bibel gelesen und mir die Folgerungen auseinander zu setzen, die er daraus gezogen. Cr versicherte mich, daß die Gesellschaft der wilden Thiere für ihn immer die Quelle der reinsten Freuden gewesen sei, und daß die Stunden, die er in ihren Höhlen zugebracht, die schönsten seines Lebens seien. Ich fragte ihn, was er von Len Wölfen halte? — „Wenn ich an diese denke," erwiederte er, so schäme ich mich wahrhaftig für das ganze Menschengeschlecht. Es sind die verständigsten und sanftesten Thiere, die es gibt, wenn man ste irgend zu behandeln weiß, und doch fürchten sich die Menschen vor ihnen. Die Indianer gebrauchen sie statt der Hunde, und ich sah einen Wolf auf dem Grabe seines Herrn vor Kummer sterben." — „Also," sagte ich, - würden Sie sich nicht fürchten, unter einen Haufen hungriger Wölfe zu treten?" — „Das wäre eine gefährliche Gesellschaft," erwiederte er, --ein ausgehungerter Wolf ist nicht in seinem gewöhnlichen Zustand und in dem Besitz seiner Geisteskräfte, er ist närrisch." — Ich fragte ihn, was er von Len Hyänen halte. — „Das," sagte er mit bedenklichem Gesichte» „sind häßliche, falsche Thiere, die ihre Beute immer nur von rückwärts anfallen, aber wenn ich den Rücken gesichert hätte, würde ich fünfzig auf einmal nicht fürchten." — „Haben Sie auch schon mit den Schlangen Proben gemacht?" — »Ich habe einen Abscheu vor allen Reptilien," erwiederte er erblassend. „Ich habe von meinem Großvater Tangborgon d'Oom, von dem ich die Gewalt über die vierfüßigen Thiere erbte, auch den Abscheu vor allen kriechenden geerbt. Titus hat einen Tschirokesen, Namens A'Thacullah, der ausdrücklich für die Schlangen da ist. Dieser Mann spielt mit den Boas, fürchtet sich aber vor den Löwen und Tigern — so hat eben jeder seine Eigenihümlichkeit." — „Man behauptet, sagte ich später zu ihm, daß Sie ihre Thiere vor der Vorstellung mit Nahrung vollstopften, und daßdieUebe» füllung ihres Magens dann eigentlich das Geheimniß ihrer Sanft- muth ist.-- — „Das ist falsch. Sie bekommen nur einmal im Tag zu fressen, und Ließ nach der Vorstellung. Ich gebe ihnen immer ausgewählte Stücke, und sie sind weit mehr Leckermäuler als gefräßig. Wenn sie sich nicht gut aufführen, so gebe ich ihnen wenig zu fressen, sie müssen sich dann mit einem dünnen Rippenstückchen begnügen, aber eS thut mir jedes Mal weh, wenn ich sie strafen muß." — --Bestürmen Sie sie manchmal mit Arznei.? Man hat mir erzählt, daß boshafte Reitknechte in England Len Rennpferden manchmal gewisse Medicinen geben, die machen sollen, Laß sie keinen Preis bekommen können- Auch hat man mir von einem englischen Dachshund, Namens Billy, gesagt, der in anderthalb Minuten hundert Ratten tödlete — man sagt, daß er diesen Sieg mit Leichtigkeit dadurch erreiche, daß man ihm vorher Laudanum zu trinken gäbe." — --Verächtliches Mittel!-- rief van Amburgh, „höchstens gut, um die Gewalt der Medicin zu zeigen." — Ich fragte ihn, ob er seine Lieblingstiger und Löwen selbst aufgezogen habe." — --Nein," erwiederte er, --aber ich wäre stolz darauf, wenn ich ste aufgezogen hätte. Wo ich schöne Thiere finde, nehme ich sie, ohne mich um ihr Alter zu kümmern; so habe ich meine ganze Menagerie eingerichtet. Mein schönster Tiger ist aus dem zoologische» Garten von Surrey, und ich habe ihn gleich bei der ersten Zusammenkunft gebändigt.-- --Ich unterhielt mich lange in dieser Art mit ihm, und er stieß meine bisherigen Ansichten über die Natur der wilden Thiere um. Cr glaubt nicht, daß irgend ein Thier, selbst nicht das RhinocervS, was er für das dümmste und schwerfälligste von allen hält, bei zweckmäßiger Behandlung sich nicht bezähmen lasse. Als ich von van Amburgh schied» war ich wirklich durchdrungen von Hochachtung und Bewunderung für ihn." So weit der gefällige Biograph. Seitdem melden die Zeitungen, jene Todesnachricht sei nichts gewesen als ein Puff, den der Thierbänkiger sich von Zeit zu Zeit erlaube, um die Auf- 310 merksamkeit des Publikums lebendig zu erhallen. Wie dem sein möge, wir wünschen der Erzählung von seinem Tode dieselbe Wahrscheinlichkeit, welche uns die oben mitgetheillen Züge aus seinem Leben zu verdienen scheinen. Aus der Zeit. — Aus Galizien, 6. Sept. Der Groll unseres Adels ist eher im Zunehmen und macht sich bei jeder Gelegenheit Luft. Auch soll es trotz der strengsten Polizei immer noch nicht an Emissären fehlen, die das Volk bearbeiten. Sollte man sich wundern, wie es möglich sei, daß der Adel, nach Dem. was er jüngst erfahren, noch Hoffnung auf seine Bauern setzen könne, 'so muß man freilich, wissen, wie leicht die Letztem zu lenken und mit Versprechungen zu gewinnen sind. Zweierlei hilft hierbei: das Eine ist die nationale Abneigung des Polen gegen den Deutschen und das Zweite, Laß man von Seiten der Regierung nicht in die überspannten Forderungen der Bauern eingehen kann, was Unzufriedenheit erregt, welche die Edelleute schlau zu benützen verstehen. — Von der Ostsee, 16. Sept. Daß der König in Plön eine einsame Residenz feiert, ist gewiß; am ersten Tage fanden sich zu seiner Tafel aus dem Lande zwei Personen ein, während auf 150 gerechnet war. — Aus Kiel. Gestern passirte die Königin, eine Schwester des Herzogs von Augustenburg und des gewesenen Statthalters, Las städtische Gebiet. Sie wurde hier von dem Bürgermeister der Stadt, Etatsrath Balemann begrüßt; sticht allein als Gemahlin des Landesherr«, sondern auch als geborene Herzogin von Schleswig-Holstein verehre sie Las Land; sie möge Ihrem Gemahl von der tiefen Bekrübniß des Landes, aber auch von dessen Treue sagen. — Paris, 18. Sept. Die Nachricht von der Flucht des Grafen Mvntemolin aus Bvurges machte diesen Morgen, sobald sie bekannt wurde, in ganz Paris die größte Sensation. Es fehlte wirklich auch nur,noch bas Erscheinen des Grafen Monte- molin, zu dessen Gunsten Don Carlos seiner Zeit auf seine Thrvnansprüche resignirte, in Spanien, um die Lage dieses unglücklichen Landes vollends zu verwickeln. Bekanntlich war frü- herhin die Rede davon gewesen, den ältesten Sohn des Don Carlos mit der Königin Jsabella von Spanien zu vermählen, und vornämlich in der Hoffnung, daß dieses Vermählungsprvjekt, würde verwirklicht werden, hat sich Don Carlos dazu entschlossen, seine Ansprüche auf Spaniens Krone auf feinest Sohn zu übertragen. Zwar hatte die Abneigung, welche ein solches Vermäh- lungsprojekt bei einem ansehnlichen Theil der spanischen Bevölkerung fand, zu einem Wiederaufgeben dieses Planes genöthigt. Allein die Carlisten sind noch immer sehr zahlreich jenseits der Pyrenäen, und seit Kurzem ist ihre Partei noch Lurch alle Die verstärkt worden, welche unzufrieden mit der nun beschlossenen Doppelvermählung sind. Wenn es dem Grafen v. Mvntemolin gelingt, das spanische Gebiet zu erreichen, so wird er sicher bald ein kleines Heer um sich versammelt sehen. — Cabrera, dieser unternehmende und reiche Erchef der spanischen Carlisten, ist, wie es heißt, ebenfalls außerhalb Frankreichs. Er hatte vor Kurzem die Erlaubniß erhalten, nach Paris zu kommen. Er verließ Liese Stadt vor einigen Tagen; anstatt aber nach Lyon, dem Aufenthaltsorte, der ihm angewiesen war, zurückzukehren, ging er nach England. Es können Liese Entweichungen die Ruhe Spaniens allerdings in Gefahr bringen. — Die Pariser Polizei hat einen sehr wichtigen Fang gemacht: sie hat nach langen Nachforschungen zwei Preußen, einen der sich Romanzow nennt, und einen Namens Knapp, verhaftet die seit mehreren Jahren schon preußische Thalerscheine, Banst Noten der belgischen Handelsbank und englische Banknoten in, Großen fabricirten. Ihre Nachahmungen übertreffen Alles, n»z bisher in diesem Fache geleistet wurde. In dem Augenblick, ihrer Verhaftung fand Man sie beschäftigt, französische Banknot» nackzuahmen. — London, 18. Sept. Die kürzlich vollendete ReiterM des Herzogs von Wellington welche auf de» im Jahr 18W errichtetest Triumphbogen am Eingänge des Hydeparks zu sich» kommt, hat eine Höhe von 22 Fuß und wiegt 40 Tonne« (80,000 Pfund). Das Fuhrwerk, welches Liese gewaltige Melall- masse nach Hydepark-Corner bringen soll, wiegt mit seinen nias- siven Rädern, die 12 Fuß im Durchmesser halten, 10 Tonnen, und 30 bis 40 Pferde werden erforderlich sein, um dis Slalne an ihren Bestimmungsort zu schaffen. — Alexandria, 1. Sept. Mehemed Ali, welcher am A. v. M. hier anlangte, hat sich nach Kairo begeben, wo er einige Zeit zu weilen gedenkt. In Kairo wendeten sich die Torßchr der israelitischen Gemeinde an Abbas Pascha mit der Bille, ße bei Gelegenheit des Leichenbegängnisses ihres Oberrabiuers durch 'Wachen gegen Beleidigungen von Seiten deS Pöbels zu Wen. Auf die erhaltene abschlägige Antwort richteten sie dMe Gesuch an Ibrahim Pascha, welcher nicht nur eine genügende Anzahl Soldaten zu ihrer Verfügung stellte, sondern den seichenjug von seinem Musikcorps und seiner Kutsche beglenm lieh. DM in der Türkei noch nicht vvrgekommene Factum wird dem künftigen Herrscher Aegyptens von allen Freunden des Zorlsckmlli sehr hoch angeschlagen. Ueberhaupt zeigt Ibrahims Benehme», wie überaus günstig seine Reise giach Europa auf sein Geiuülh eingewirkt habe. Verschiedenes. — Ehe Lurch die berühmte Schauspielerin Clairou das ß»- stüme auf dem französischen Theater eingcführt war, kannte uu» für die Tragödie durchaus nur Ein Kleid, welches das römW Kleid hieß, und in welchem man auch Stücke aufführte, won» Amerikaner, Spanier und andere Nationen auftraten. Lekain war der Erste, der sich dem Costüm unterzog. Ein anderer Sckauspieler Dauberval befand sich gerade bei ihm, als ihm der Theaterschneider das Kleid des Orestes brachte, welches er zur Rolle des Orest in der Andromache bestellt hatte. Die Neuheit dieses Gewandes fiel Daubervaln auf, und er frug! was da wäre? --Man nennt es ein griechisches Kleid," sagte Lekaw- „„Ach,"" versetzte Dauberval, „„das ist ausnehmend schon, Las nächste römische Kleid, welches ich brauche, werde ich mir griechisch machen lassen."" Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.