Karlsruher Beobachter. Nr. 78 . Sonntag den 27. September L8L« Die Here van TrouviUe. Auf der Küste der Normandie, am Fuß eines schroffen Abhangs, wo ein kleiner Fluß ins Meer mündet, kauert wie ein Schwalbennest das allerliebste Dorf Trouvillo. dessen pittoreske Ansichten Jsabei's Gemälden so oft zum Vorwurf dienten; das nahe Meer bietet sich als gemeinsame Domäne einem Fischervölkchen an, welches ebenso arm als leichtgläubig ist, — wie überhaupt die Meeranwohner; Hoffnung ist ja die Schwester des Aberglaubens, und deßhalb vielleicht herbergt der letztere so gern bei der Armuth. Trouville hatte fast in jeder Epoche seine Hexe oder seinen Zauberer; aber unter allen diesen Spezialfreunden Satans gelangte nie einer zu einem so furchtbaren Rufe, wie die alte Margarethe. Karten, Kaffeesatz, die Lineamente der Hand waren ihr ein Spiegel, worin sie die Zukunft las; Niemand konnte genau ihr eigenlliches Alter nachrechnen, das lag in einem völligen Geheimniß begraben; die ältesten Leute im Ort kannten sie seit Menschengedenken schon so alt und hinfällig; viele versicherten, sie häufig bei Mondschein auf einem Besenstiel erblickt zu haben; auch war's gewiß und abgemacht, daß sie sich verwandeln konnte; denn man war ihr schon einmal an einem Novemberabend begegnet, wie sie im Leib einer andern Alten, die längst verstorben, herumging. Kurz die alte Margarethe war der Schrecken in der ganzen Umgegend, und lange wagte es Niemand, ihren Zorn zu reizen. Was aber lange Niemand gewagt, das that eines Tages Paul Grey, der Freigeist, ein junger Bursche von 18 Jahren, ein Seemann vom Kopf bis zum Fuß, der schon mit 16 Jahren beim Tanz gegen die Engländer mit dabei gewesen war, und leit dem halben Jahre, daß seine Beine auf festem Lande standen, mehr Heldenthaten vollbracht hatte, als irgend einer im ganzen Leben. Was? war er nicht sogar um Mitternacht über den Kirchhof gegangen? Am Weihnachlabend nun begab sich Paul Grey, der Freigeist, zu seiner Braut Rose Lucas; sein Unstern brachte ihm die alte Margarethe in den Weg. — Paul war just in der Laune, einen tüchtigen Spaß zu machen; so grüßte er Leun die alte Dame folgendermaßen: »He, holla, alte Teufelshexe, machst du dich bald auf den Weg, dich in der Hölle zu wärmen?» — Bei dieser Anrede zuckte der ganze Leib der Alten zusammen; sie schluppte sich plötzlich, wie en Gespenst, vor Len Verblüfften hin; die Augen funkelten ihr, wie einer schwarzen Katze, im Dunkeln; sie streckte ihre knöchernen Arme gegen ihn aus, und gab ihm den Gruß also zurück: »Ach, Lu mein netter Bursche, du schöner Bräutigam des Salzwassers! Du lebst nicht lange genug, um meine Höllenfahrt angucken zu können, und dein herzallerliebster Schatz, du Papagei! heirathet Pierre Burdel an demselben Tag, wann du von einer gewissen Reise, naß wie ein Fisch heimkommst!» Der Klang ihrer Stimme, womit sie diese Prvphezeihung aussprach, stahl dem armen Paul Grey allen Heroismus stracksaus dem Leibe heraus; er schlich. Len Kopf zwischen die Schultern gesteckt, langsam seines Weges weiter, zum Vater Lucas. Kaum hatte er sich aber auf seinen gewöhnlichen Platz gesetzt, als draußen eine unbekannte Stimme fragte, ob man hereinkommen könne. Lucas, Rosa und ihr Bräutigam guckten sich wechselseits bedenklich an, bevor sie antworteten; aber wie sie noch die Köpfe zusammensteckten, ging die Thüre auf, und ein Gendarme von der Marine trat in die Hütte. — »Ist hier Paul Grey?» fragte er. Paul stand auf und sagte: »Ja, und der bin ich.» — „LK dien, wackrer Bursche!» sprach der Gendarme, — »seht her, was Euch erwartet.» Damit übergab er ihm ein Papier mit dem französischen Wappen. Paul sah es von allen Seiten an, machte ein saures Gesicht, und bat endlich den Gendarmen, ihm den Inhalt vorzulesen. Der diensteifrige Gendarme las nun hübsch laut und vernehmlich die Ordre, sich binnen acht Tagen nach Cherbourg an Bord des kaiserlichen Schiffes: le Victorieux, zu begeben. Die Ordre war deutlich und bestimmt an Paul Grey und keinen Andern ausgestellt; mit solchen Dingen war damals nicht zu spaßen, und Paul verhehlte sich nicht, daß er am nächsten Tage abreisen müßte. Als der Gentarme fort war, gab es Thränen und Wehklagen übergenug; Rose weinte; ihr Vater kaute seinen Tabak mit so kläglicher Miene, daß es einen Stein hätte rühren können, und Paul ließ Len Kopf hangen und dachte an die alte Margarethe. Mitten in dieser Trübseligkeit ließ sich Rose den Ausdruck entschlüpfen: »Abscheuliche Hexe! du hattest mir's diesen Morgen prophezeit!» — Diese Worte weckten Paul aus seiner Erstarrung. »Wie? du warst diesen Morgen bei der Hexe?» rief er.— Ach ja, erwiederte Rose. »Nun? und sie sagte dir, daß ich heute Abend die Dienst- ordre erhalten würde?» — Ja, leider Gottes, ja! »Nun? und was ferner?» Ferner, ferner . . . nun, sie sagte mir freilich, Laß sie »och was wisse, aber mich's nicht wissen lassen wollte . . . Gewiß war's irgend was Gutes, — deine Wiederkunft und unsre Hei- rath wohl gar;-denn, wär's ein Unglück, — o, da hätte mir's der alte Unglücksvogel sicher nicht verschwiegen. »Ja wohl; vielleicht ...» fügte Paul ganz niedergeschlagen hinzu. Rose nahm das Wort nicht wieder auf. Alle schwiegen; der Wind pfiff im Schlot, das Meer brüllte an's jähe Gestade, und schwemmte über die langen Sandflächen hin, die zwischen 312 Trouville und Dives ausgebreitet liegen. Der Abend kam herum, die zwei Liebenden schwuren sich ewige Treue, und schieden mit heißen Thränen im Auge. Am andern Tag nahm Paul,' lang vor Sonnenaufgang, seinen Sack auf ben Rucken, verfolgte den Sandweg vpn Trouville nach Caen, auf dem man nur bei Ebbe gehen kann. — Acht Tage später war er schon eingeschifft.- -Drei Jahre waren verflossen. ES war am Beginn jenes schrecklichen Winters von 1812, der Moskau in Flammen und die große Armee im Eise verschlang. Rose saß am Feuer neben ihrem Vater, der wieder, wie damals, seinen Tabak kaute, und neben einem ziemlich tölpischen und linkischen jungen Burschen; der aber war-Pierre Burdel. Ei wie kam's doch, Laß Rose just neben dem saß, und daß sie ihm noch obendrein ihre Hand zugesagt hatte? sie, die doch ihrem Paul ewige Treue zugeschworen! Aber so leichtsinnig und vergeßlich, wie Rose Lucas, sind sie alle! — Nun freilich; hatte Paul, während der ganzen drei Jahre, nur ein einziges Mal geschrieben? Keine Seele wußte, was aus ihm geworden sei, und Rose zählte schon zwanzig Jahre! Vielleicht war er in England gefangen, > . - vielleicht war sein Schiff, seit eS die Anker gelichtet, nie aus der offenen See gekommen . . . Kurz, es gab noch allerlei Vielleicht's, die Rose Lucas schon hätten abhalten können, dem Pierre Burdel dieselbe Hand zu reichen, welche Paul Grey so oft in der seini- gen gedrückt hatte. Je nun, sie zählte einmal schon zwanzig Jahre, und alle ihre Gespielinnen waren schon unter der Haube. — Da Paul nichts von sich hören ließ, mußte sie eben mit Pierre Burdel vorlieb nehmen, und dieser dicke Peter (so hieß er >m ganzen Land) sollte sie am heiligen Abend heirathen. Der Tag kam heran; ^s war just dritter Jahrstag, daß Rose ihrem Paul ewige Treue geschworen. Run, wie dem auch sei, die Hochzeit fand am Morgen statt, und am Abend staken in Vater Lucas Hütte seine und seines Eidams Familie beisammen, um den jungen Eheleuten ihre Ehre anzuthun. Der Wind pfiff im Schlot; das Meer brüllte an's jähe Gestade, und schwemmte über die langen Sandflächen zwischen Trouville und Dives hin. Es war schon ziemlich spät, die Hochzeitsgäste saßen noch bei Tisch, als plötzlich ein Kanonenschuß vom Meere her die Hütte und Alle, die drin stacken, zittern machte. Augenblicklich ist Alles auf den Beinen, am Gestade, um zu sehen, ob ein Schiff in Roth ist, oder ob's ein Signal ist, daß der Engländer in der Nähe ist und einen Angriff versucht. Die ganze Bevölkerung von Trouville steht alsvbald auf dem jähen Gestade. Das Wetter war abscheulich, der Himmel rabenschwarz, das Meer aschgrau, — Las Auge konnte durchaus nichts unterscheiden. — Da, horch! — ein zweiter Kanonenschuß, und beim Pulverblitz entdecken die alten Seewölfe, daß es ein Kriegsschiff ist, das mit vollen Segeln arbeitet, um der Gefahr des Strundens an der Küste auszuweichen. Dem zweiten Schuß folgen von je zwei zu zwei Minuten — andere. „Pierre Campion!„ sagte einer von den Leuten am Ufer, „'s ist klar, 's sind Nothschüsse, — sollen wir wie eingerammle Balken hier bleiben? — Nun, d'u alter abgetakelter Lugger,„ fuhr er fort, als ihm Pierre Campion keine Antwort gab, — „nun, muß man mit dir jetzt durch ein Sprachrohr reden?» — „Geh du voran, Jean Lcquet, Monsieur Huntsbalg!» war Pierre Campivn's sanfte Antwort, „ruf' mir die Farbe ihres Pavillons an; — und wenn's der Tricvlor ist, soll mich das Donnerwetter erschlagen, wenn ich hier müßig bleibe!» — „Und wenn ich mich zuerst rühre,» erwiederte Jean Loquet, „soll der Teufel mit meinem Fell den Tambour machen.» „Warum läßt auch,„ schrie ein stämmiger Kopf dazwischen. „der verdammte Kerl, der an Bord kommandirt, nicht umwen- Len auf offne See?»- Während dieser und anderer unnützer Reden wuchs der Sturm und die Gefahr des Schiffes zusehends. Endlich hörten die Kanonenschüsse auf, und das große Slrohfeuer, welches der Kapitän auf dem Verdeck anzünden ließ, war das letzte Signal von der äußersten Gefahr. In dieser Beleuchtung zeichnete sich Las Schiff ganz klar vor Len Augen der am Ufer stehenden Menge ab; es war eine französische Corvette, wie seine glorreiche Flagge verkündigte, die wie ein bleiches Meteor über dem Feuerschein schwebte. Der arme Dreimaster schoß noch ein Paar Augenblicke lang, rasch wie ein Pfeil, dahin, — dann — ein furchtbarer Lärm ... er war an den steilen Klippen gescheitert .. . In weniger als einer Stunde war das Gerippe des Schiffs zerrissen; nur ein kleiner Theil der Mannschaft rettete sich. Unter denen, die man — tvdt aus dem Wasser zog, befand sich auch ein junger Mann von 21 Jahren. — Rose stand mit ihrem Neuvermählten gleichfalls am Ufer. Als sie die Leiche sah, stieß sie einen Schrei aus und fiel in Ohnmacht, — sie hatte Paul Grey erkannt. — So ging denn die Weissagung der alten He« in Erfüllung; denn Margarethe hatte ihre Reise auS dem hiesigen Leben in die Hölle noch immer nicht angelreten. Um Mitternacht führte Pierre Burdel gleichwohl seine Rose heim. — Das gatvano-plastische Institut in Berlin macht sich immer mehr als eine Anstalt geltend, die sowe-laef dem Gebiete der Industrie als dem der Kunst Großes j» leisten berufen ist. In diesem Augenblick wird dort das für den verewigten Oberpräsidenten von Westphalen, Freiherrn v. Miss bestimmte Monument, welches in Zink gegossen worden ist, mit Kupfer überzogen. Solche Ueberzüge werden im Dienste der verschiedenartigsten Gewerbszweige angefertigt, und zwar über Unterlagen von allen möglichen Materien. Wir sehen kolossale gußeiserne Walzen, ja solche von Gips und Holz zum Gebrauche in Färbereien, Papierfabriken ic. galvano-plastisch behandelt. Selbst Glaskolben, Porzellangefäße, Papve, Papier werden je nach dem Bedarf mit Kupfer oder einem der edleren Metalle überzogen. Die gemeinnützigste Verwendung freilich dürfte die sein, dauerhafte, mit Kupfer überzogene Zinkplatten zur Dachbe- teckung zu einem billigen Preise herzustellen. Auch hierin ist bereits ein vielversprechender Anfang gemacht, indeß lasse» sich erst nach Vollendung der hiezu nöthigen Vorkehrungen großartige Resultate erwarten. Das theils von Nichtsachkennern, lheils von industriellen Gegnern verbreitete Vorurtheil, als habe man es hier blos mit einer neuen PlattirmethvLe zu thun, ist von dem Institut auf das Vollständigste dadurch entkräftet worden, daß es kolossale Bildwerke in Hohlformerei liefert, und zwar ganz massive Metallniederschläge. Wir werden einige, die auf Befehl de° Königs angefertigt sind, auf der im nächsten Monat zu eröffnenden Ausstellung prangen sehen. Die berühmte Kölner Ama- zvnenschale ist durch dieselbe Methode in gediegenem Silber re- produzirt; dem Kenner darf nicht erst gesagt werden, daß Ließ eine ungeheuere Kostenersparniß ist, da das Wiedergeben dieses äußerst figurenreichen Kunstwerkes auf anderem als mechanischem Wege nur wenigen Künstlern möglich wäre, während es galvanoplastisch in beliebiger Anzahl und mit einer von der Kunst nickt erreichbaren Treue vervielfältigt werken kann. Was nun die Versuche betrifft, Kanonen dem galvano-plastischen Prozeß zu — 313 — unterwerfen, so muß auch in dieser Beziehung die Vollendung ^ Gebäude, die dazu erforderlich lind, abgewartet werden; erst dünn werden sie im Großen, wie wir hören, mit nicht weniger 40 Röhren allen Kalibers ausgeführt. So viel wissen wir jHt schon, daß, wenn sie gelingen, allen Militärbudgets eine wesentliche Erleichterung bevorsteht. Diese Versuche werden, wie «n hört, auf Kosten der Regierung angestellt. Wer da weiß, M behutsam diese in dergleichen Dingen ist, muß schon im Voraus annehmen, daß die Wahrscheinlichkeit des Gelingests nicht genug ist. Lessmg-Anekdoten. Unter dieser Ueberschrift enthält die Hannoversche Morgen- Mg (Num. 141, Beil-, vom 4. Juli 1846) mehrere Anekdoten, « denen wir die nachstehenden mittheilen. * Der Dichter Zachariae, der Verfasser des Renommisten, Mesch eine glänzende Equipage angeschafft, welche den Neid Mer seiner College» erregte. Einst fuhr er über die Straße, M Mg mit mehreren Begleitern vorüberging, welche spöttelnd UM große goldene Z am Kutschenschlage hinwiesen. "Lasset I» nnr fahren," sprach Lesstng, „er hat Z nicht ohne Grund ick gesetzt; damit nämlich Jeder gleich sehe, daß nichts weiter > Mer sei." — N- Nr » l Znr Charakteristik von Lessings Zeitgenossen gehört jedenfalls ach dai Epigramm, dessen Werth an Gesinnung und Poesie gleich tief sieht, und welches gewisse fromme Leute bei des frei- Mgen Mannes Tod in Umlauf brachten: Der Teufel kam auf Erden Und wollte Klempner werden; Da halt' er keinen Messing Und holl' den Hofralh Lessing. — * » * Möe äußerte einst, daß ein wahrhaft genialer Mann nie Mchen werde und Laß auch Lessing gewiß nie geraucht hätte. U Wert noch Bibliothekar zu Wolfenbüttel war, lag es ihm ich am Herzen, sich über Göthes Vermuthung Auskunft zu ver- Wen. Auf Anrathen einiger Freunde wandte er sich an eine äe Frau, welche im Gotteslager, einer Vorstadt von Wolsen- Ätel, wohnte und einst Lessings Aufwäcterin gewesen war. Die Re erwiederle auf Eberts Anfrage sehr treuherzig: --Ja smöken ""schrieben könne wol; aber tau wieder was hei nich tau bruken." h. "Ja rauchen und schreiben konnte er wohl; aber zu was ilnterm war er nicht zu gebrauchen. -- Auf den Kantor zu Wvlsenbüttel, welcher Alles, nur kein Dßer Sänger sein mochte, verfertigte Lessing folgendes Epigramm: Uns Menschenkindern prophezeiht Des Leichhuhns Schrein' Verderben; Jedoch wenn unser Küster schreit, Muß auch das Leichhuhn sterben! — Aus der Zeit. — Stuttgart, 23. Sept. Vom frühen Morgen an wogte und wimmelte es heute in den festlich geschmückten Straßen unserer Stadt. Gewiß an 100,000 Menschen waren auf den Beinen, und bewegten sich in den Gränzen von 4 oder 5 großen Straßen und den angränzenden freien Plätzen, welche der Zug, der lange erwartete und besprochene Einzug des Kronprinzen und der Kronprinzessin berühren sollte. Vom Rosenstein aus, wo. der Kronprinz und seine hohe Gemahlin von Ihren Majestäten und den sich hier aufhalkenden Gliedern des königlichen Hauses bewillkomml worden waren, traf der Zug um halb 10 Uhr von der Ehrenpforte am Neckarthvre ein, und wurde dort von der Generalität, den weltlichen und geistlichen Behörden der Stadt und den mit ihren Fahnen aufgestellten Zünften empfangen. Als der Wagen der Königin und der Kronprinzessin vor der Ehrenpforte angelangl war, trat Stadtschultheiß v- Gutbrod entblößten Hauptes zu der Kronprinzessin und hielt eine Bewillkommnungsrede, worauf er Namens der Stadt ihr Glück und Segen wünschte und ein Hoch ausbrachte, welches von der zahllos versammelten Menge tausendfach zu drei Malen wiederholt wurde. Ueber eine Stunde dauerte es, bis von hier aus der Zug durch die herrlich geschmückte Neckar-, Eßlinger-, Hauptstädter-, Tübinger- und Königsstraße zum Schloß gelangte. Einmal noch ward unterwegs Halt gemacht, nämlich auf dem Wilhelmsplatz, wo die Weingärtner sich aufgestellt hatten und weißgekleidete mit Blumen geschmückte Winzerinnen die Naturgaben des Herbstes, Obst und Trauben, darbrachten. Beim Schlosse empfing abermals endloser Jubel die hoben Ankömmlinge und der Liederkranz sang Schwads Festlied. Gerührt über das Jauchzen des Volkes und die unverkennbare Theilnahme desselben an der Freude des Fürstenhauses, zog sich die königliche Familie zurück. — Der Bundestag hat nun in der schleswig-holsteinischen Sache einen Schritt gethan, den wir durch die französische Presse erfahren. Sein Beschluß vom 17. Sept. ist dem wesentlichen Inhalt nach folgender. Unter Bezugnahme auf die am 7. Sept- gegebene Erklärung des Königs von Dänemark, hegt die Bundesversammlung die Zuversicht, daß Se. M. bei der definitiven Beschlußfassung über die in dem offenen Brief vom 8. Juli erwähnten Fragen die Rechte Aller, besonders die des Bundes, die legitimen Rechte der Agnaten und diejenigen der gesetzlichen Lan- Lesrepräsentation, achten werde. Indem sie sich vorbehält, als Organ des Bundes emtretenden Falls ihre verfassungsmäßige Zuständigkeit geltend zu machen, erklärt die Bundesrersammlung, daß sie in den holsteinischen Ständen nicht die gesetzmäßigen Vertreter dieses Bundesstaates bei ihr erblicken kann; daß die Aufgabe der Stände sich daraus zu beschränken hat, ihre verfassungsmäßigen Rechte zu verlheidigen, und daß die Beschwerde derselben in Betreff gesetzwidrig vvrgenommener Verfassungsänderungen nicht begründet ist. Andrerseits ist die Bundesversammlung des Erachtens, daß der von Sr. Mas- dem k. Kommissär bei Len Ständen zugeferligte Befehl, keine Petitionen oder Beschwer, den in Betreff der Erbfolgesrage mehr anzunehmen, sofern man ihn aus unbeschränkte Weise auslegen würde, nicht mit dem Wvrtsinn des Gesetzes vom 23. Mai 1331 in Einklang stände. 2) Die Bundesrersammlung freut sich, den patriotischen Gesinnungen, welche bei dieser Veranlassung sich in Deutschland kund- geben, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, bedauert aber Lievor- gekommenen gehässigen Anschuldigungen und Aufregungen. Sie hegt die zuversichlliche Hoffnung, daß die Bundesregierungen sich bemühen werden, diesen leidenschaftlichen Aufregungen ein Ziel zu setzen. Sie zweifelt nicht daran, daß Se. Mas. der König 314 von Dänemark sich beeifern werde, die vollkommenste Gegenseitigkeit eintreten zu lassen. 3) Der Gesandte Dänemarks ist eingeladen, diesen Beschluß zur Kunde seines Hofes zu bringen. Oer dänische Bundestagsgesandte (für Holstein und Lauenburg) Frhr. v. Pechlin, (soll nach dem- Journal des Debats) in Beziehung auf Schleswig Verwahrung eingelegt haben. Letztere Behauptung wird jedoch von dem Frankfurter Journal vom 26. Sept., welches nun gleichfalls den Bundesbeschluß als offizielles Aktenstück bringt, aufs bestimmteste widersprochen. — Altona, 21. Sept. Der heutige »Altvnaer Merkur-- bringt die nachstehende sehr wichtige Allerhöchste Bekanntmachung an der Spitze seines Blattes: "Wir Christian der Achte, von Gottes Gnaden König zu Dänemark, der Wenden und Gothen, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn. der Dithmarschen und zu Lauenburg, wie auch zu Oldenburg, entbieten allen Unfern lieben und getreuen Unterthanen Unsere königliche Huld und Gnade. Wir haben Uns gefreuet, nach Verlauf mehrerer Jahre diesen unfern Geburtstag in Unfern Herzogthümern im Kreise treuer Unterthanen zuzubringen. Wir haben den Allerhöchsten angefleht, daß es ein Tag des Friedens und des Segens werde. Zu diesem Zwecke wollen Wir als Landesvater vor allen Unfern lieben und getreuen Unterthanen, die man nur zu sehr über den wahren Sinn UnserS offenen Briefes vom 8. Juli d. I. irre zu leiten gestrebt hat, hiermit erklären, daß es keineswegs die Absicht hat sein können, durch denselben die Rechte Unserer Her- zvgthümer oder eines derselben zu kränken; im Gegentheil haben Wir dem Herzogthum Schleswig zugesagt, daß es in der bisherigen Verbindung mit dem Herzoglhum Holstein bleiben solle, woraus folgt, daß das Herzogthum Holstein auch nicht von dem Herzoglhum Schleswig getrennt werden soll. Ebenso wenig haben Wir durch vorgebachten Unfern offnen Brief irgend eine Veränderung in den unzweifelhaften und deßhalb in demselben gänzlich unerwähnt gelassenen Verhältnissen beabsichtigen können, in welchen Unsere Herzogthümer Holstein und Lauenburg, als deutsche Bundesstaaten, zum deutschen Bunde stehen, und die in dem offnen Briefe enthaltenen Aeußerungen in Betreff des Herzogthums Holstein sind mithin nur dahin zu verstehen, daß Wir das feste Vertrauen hegen, Laß durch die Anerkennung der Un- zertrennlichkeit der dänischen Monarchie auch Unserm selbstständigen Herzoglhum Holstein die beständige Verbindung mit den übrigen, Unserer Krone untergebenen LanLestheilen und seine dadurch bedingte Untheilbarkeit werde gesichert werden. Mit Gottes hülfreich'em Beistände wird Dies geschehest, und Wir bauen darauf, daß Unsere lieben und getreuen Unterthanen Unsere lediglich auf ihr Wohl gerichteten landesväterlichen Absichten nicht verkennen werden. Nur Vertrauen zum Landesherrn kann dem Lande Ruhe und Frieden sichern, und Gott wird das Band der Eintracht segnen, welches beide umschlingt. Gegeben auf Unserm Schlosse zu Plön, den 18. Sept. 1846. Christian k. C. v. Moltke." — Gratz, 20. Sept. Die Zahl der Theilnehmer an der zehnten Versammlung deutscher Land - und Forstwirthe, welche heute durch Se. Kais. Hoh. den Erzherzog Johann geschloffen wurde, hat wirklich 1500 überstiegen, und sie ist milhin weit die größte, welche seit Errichtung der Gesellschaft gehalten worden ist. Cs waren bei ihr die Repräsentanten der landwirthschaftlichen Vereine und beziehungsweise die Abgeordneten der Regierungen von Baden, Baiern, Frankfurt, Mecklenburg, Nassau, Preußen, Königreich Sachsen, Herzogthümer Sachsen, Schleswig-Holstein und Sigmaringen erschienen; aus der österreichischen Monarchie aber waren sämmtliche Provinzen sehr zahlreich vertreten, M zahlreichsten die Steiermark selbst und insbesondere die SiM Gratz. — Ein Schreiben aus T v ulo n vom 19. Sept. kommt M Len in Marokko drohenden Bürgerkrieg zurück. Abd-el-K««, rüstet sich offen gegen den Kaiser Abderrahman, welcher geg„ den Emir Frankreichs Hülfe angesprochen haben soll. — London, 22. Sept. Cabrera ist, wie verlautet, berchj am Freitag Abench, der älteste Sohn des Don Carlos, der Az von Montemvlin, am Sonntag Morgens in London eingetrvß,. Der Letztere beobachtet das strengste Jncognito. Cabrera hat» Zusammenkunft mit dem Botschafter einer europäischen M gehabt. — Aus Smyrna vom 4. Sept. Die englische Brigg Ei« hat vier Seeräuberschiffe mit 60 Mann an Bord genoni« Die Sirene befand sich zu Scio, als ein aus dem Süden k» mendes Schiff des Landes aussagte, daß es in der Umgegent» Stanchio von Seeräubern angehalten und aller Gegenstänte, le es an Bord hatte, beraubt worden sei. Der Kommando! t, Sirene ging unverzüglich unter Segel und nahm 2 Mich, des angekommenen Schiffes mit, um ihm den SchlupfwiMt« Seeräuber anzuzeigen. Die Seeräuber wurden wirklich ans» kleinen Insel bei Stanchio umzingelt, gefesselt und an Lollta Sirene gebracht. Dieser wichtige Fang wird ohne Zweifel kei Archipel reinigen. Verschiedenes. — Karlsruhe, lieber die vier ungarischen JnstrumtHv welche in jüngster Zeit in verschiedenen Städten groxeMch!» gemacht haben, und nächsten Montag den 28. Sept. eim An stellmig im hiesigen Hoftheater geben werden, entnehmen«t» Mainzer Unterhaltungsblättern nachstehende Notiz: "IhreNe!« ohne Worte sind durchaus national und haben meisten- el«> Wilddüsteres, Melancholisches, was im Gesänge einen so eiz» thümlichen Zauber auf den Hörer ausübt. Ein sachverMV Ohrenzeuge nennt ihre Leistungen Erinnerungen an LeiwV Beck's Gedichte, in denen die magyarische Nationalität sich ^ spricht, und ihre Imitationen verschiedener Instrumente, ttvsti« Laß es künstlerische Spielereien wären, auch in dieser M- bezeichnend.-- — Seedynamometer. Die Schwierigkeit, welche WM baukundige so oft finden, die Stärke des Wasserdruckes zu k»« den ein Bau im Meere auszuhalten hat, brachte Herrn St» son auf den Gedanken ein Instrument aufzustellen, welche»!" Kraft der anschlagenden Wellen anzeigen könnte. Zu dem Eck befestigte er einen eisernen Cylinder auf einem den WelleiWi des Meeres ausgesetzten Felsen; aus diesem Cylinder gehen M Stangen hervor, an deren Ende eine runde Platte befestigt G welche den Stoß der Wellen empfängt, und dis Stangen in Cylinder zurücklreibt, wo eine starke Feder den von dem Ml« ausgeübten Druck bezeichnet. Der größte Druck, den er beobE tete, war am 29. März 1814 wahrend eines heftigen Stur,» dieser betrug nahe an drei Tonnen auf den Ouadratsuß, e Durchschnitt während der sechs Sommermonate gibt aber nur Pf., während der sechs Wintermvnate 2000. Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chr. Fr. Müll er'scheu Hofbuchhandlung.