Karlsruher Beobachter. Nr. 82 . Sonntag den 11. Oktober L8L« Von der Donau M Oder. (Fortsetzung.) Da hielt unser Zug und aus den geöffneten Wagenthüren strömten Hunderte von Passagieren der RestaUralivN zu. Auch Herr von Gutbirn, eine beträchtliche Frühstücksstimmung fühlend, «erließ, von Köderte unterstützt, mit würdevoller Behaglichkeit di>s Coupe. Sophie und ich folgten. — Im vvllgedrängten Gastzimmer hatten wir Mühe Platz zu finden- Herr von Gütern holte drei Zwanziger heraus, zeigte und verhieß sie dem ersten vorübereilenden Kellner als sogenannte "Diskretion,", und beiahl Beefsteaks mit Sardellenbutter nebst vier Maas edlen Maliers. Das Auge des Burschen strahlte; sogleich war ein Tisch mit Stühlen herbeigeschafft und Speisen und Wein standen , Mald auf dem Tische. Meine eigene Bestellung hatte der reiche Mann mit der ziemlich artigen Bemerkung abgewiesen, daß er mich als seinen Gast ansehe. Eine volle Viertelstunde war uns zur Rast und Restauration vergönnt. Sie wurde bestens benutzt, und der Millionär bewies mit der überraschend schnellen Konsumtion von drei Portionen und obligatem Nvthwein die Nothwendigkeit, wenigstens für drei Personen das tägliche Brod im Vaterunser zu erbitten. Auf einen Wink Köberle's erhob er sich jetzt und näherte sich huldvoll einem schlicht gekleideten Mann, mit welchem jener ein Gespräch begonnen hatte. Bald war auch er eifrig darin verflochten. Wie sich später für mich ergab, verschmähte der kinderlose Wittwer bei allem Reichlhum, aus reiner Lust am Gewinn, keineswegs ein solides Wuchergeschäft. Als Lieferant im Großen war er damit emporgekommen sind setzte nur fort, was er so glücklich begonnen- Seinem weiten Gewissen fiel es dabei nicht schwer, sich beim Geschäftsabschlüsse, wenn es anging, auf grie- j chische oder amerikanische Weise durch schlaue Vorbehalte einen unverhältnißmäßigen Gewinn zu sichert!, was man, ohne mer- kantilischen Euphemismus, im Leben Betrügerei zu nennen pflegt. Hiezu hatte Herr von Köderte, sein Anwalt, Agent und Bun- ! desgenvffe, mit dem er den Gewinn theilte, ein eigenthümliches Manöver erfunden. Man schloß nämlich in weit von einander entfernten Gegenden mit kleinen geldbedürftigen Grundbesitzern Kaufkontrakte über die Ernten ihrer Feldfrüchte oder über den Kauf ihrer Besitzungen zu sehr lockenden Preisen ab, und zwar unter bloß mündlicher beiläufiger Versicherung hinsichtlich der Zeit der Entnahme. Im Kontrakte selbst aber wurde, wie ganz unwesentlich, die Bemerkung eingestreut, Laß der Käufer, je nach dem ihm günstig ericheinenden Zeitpunkte, den Termin zum definitiven Abschlüsse des Geschäfts und zur Zahlung zu bestimmen habe. Ging nun der L-ndmann, des guten Tvtalgeschäfts froh, auf die gefährliche Klausel ohne weitere Prüfung ein, so verging Monat auf Monat nach der mündlich verabredeten Zeit; der reiche Getreidehändler ließ nichts von sich hören. Der Grundbesitzer hatte vielleicht schon Gelegenheit gehabt, seine Frucht anderweitig zu verkaufen, allein er ist an den Kontrakt gebunden und scheut die hohe Wandelpön. Bei immer längerer Zögerung des Käufers bittet er diesen endlich um Bestimmung eines Termins zur Beendigung des Geschäfts, und der edle Herr von Gutbirn setzt nun denselben auf Jahr und Tag hinaus, beharrt ungeachtet aller schriftlichen und mündlichen Vorstellungen des Käufers hartnäckig auf seinem Verzugsrechte und hebt, unter Vermittlung Köberle's, nur erst nach Zahlung eines hohen Abstandsgeldes, den Kontrakt mit dem Betrogenen auf. — Durch diese sehr umfangreich und geräuschlos betriebene Praxis fiel in der Regel ohne große Umstände und mit leichter Mühe bald hier, bald da eine hübsche runde Summe in die Kaffe der nichtswürdigen Spekulanten; und jener Mann im schlichten Rocke, den wir zufällig auf der Station getroffen, ein Grundbesitzer aus der Hanna, wurde eben von ihnen als neues Opfer des geldbringenden Manövers bearbeitet. Sophie und ich waren indeß auf den Perron getreten und' sahen in Las interessante Gewühl bei der Expedition der von hier nach Brünn und Olmütz abgehenden Züge. Da wurde das erste Hornsignal gegeben, sich zur Abfahrt fertig zu halten, worauf ich Sophien einstweilen einzusteigen aufforderte. Sie war bereit und ich folgte ihr. — Inzwischen setzten der Oheim und Köberle noch eifrig ihre Unterhandlung mit dem Manne fort. Da tönte das Horn zum zweiten Mal, und aufgeschreckt davon, eilten Gutbirn und Köberle jetzt nach dem Wagenzuge, wo wir ihnen zu unserem Coupe winkten. Eben wurden die Fahrbillets abgenommen; Gutbirn fand das seinige und das seines Begleiters nicht, welches er für ihn bezahlt und mit verwahrt hatte. Er suchte Anfangs mit Anstand, als es aber vergebens geschah, rannte er zur Lösung anderer Billets fluchend nach dem Bureau. Köberle folgte ihm. Wahrscheinlich mußte erst eine Banknote gewechselt werten, denn sie blieben für Las Geschäft sehr lange aus, und als sie den Perron wieder betraten, sauste eben unser Zug von dannen. — Der reiche Mann schrie ihm ein "Halt" über'S andere nach, und versprach jeden Aufenthalt reichlich vergüten zu wollen; allein der Lokomotivführer hatte keine Ohren und Alles w-r vergebens. Als Gutbirn und Köberle so plötzlich von der Weitersahrt ausgeschlossen waren, schwebte ein schadenfrohes Lächeln um Sophiens Lippen. Auf-meinen fragenden Blick erklärte sie nach einer Weile: "Ich weiß selbst nicht recht, wie es zugeht, allein ich kann den Unfall des Oheims und des Doktors gar nicht aufrichtig bedauern; er amüsirt mich vielmehr, besonders da ich hinreichenden männlichen Schutz für die Weiterfahrt von Ihnen hoffe. " Ich verneigte mich für das zugedachte Ritteramt mit stummer 328 Dankbarkeit, und sie fuhr vertrauensvoll fort: --Wir besuchen meine Eltern in Haslicht bei Olmütz, wo mein Vater Oberförster ist, und ich möchte gern bei ihnen vor dem Oheim einen Vorsprung haben, um mein Herz ungestört auszuschütten..- — --Im Waldrevier von Haslicht entspringt ja die Oder,-- bemerkte ich. --Da ist unser Weg derselbe, denn ich habe mir eine sentimentale Wallfahrt zu der Quelle meines vaterländischen Stromes vvrge- nvmmen.-i — --Das ist vortrefflich!-- versicherte sie; --wir halten uns dann in Olmütz gar nicht auf, nicht wahr?-- — --Wollen Sie den Oheim und Herrn von Köberle nicht dort erwarten?-- — »Ich fühle mich in der Nähe des Advokaten so sehr gedrückt, und doch will der Oheim ihn als meinen Bräutigam angesehen wissen,-- antwortete sie zögernd. — »Und Sie haben eingewilligt? " --Das eben nicht,-- sagte Sophie unbefangen. — --Ich bin eigentlich gar nicht vom Oheim gefragt worden. Cr erklärte mir bloß gelegentlich, der reiche Köberle wünsche mich zur Frau, und es verstehe sich von selbst, daß ich das Glück einer solchen Hei- rath, da er sie billige, nicht von der Hand weisen werde.-- — --Ach so, Herr von Gutbirn ist noch ein eigensinniger allmächtiger Onkel aus der alten guten Lustspielzeit.-- — --Meine Eltern sind arm, mein Onkel ist dagegen sehr, sehr reich,-- fuhr sie offenherzig fort. --Als vor sechs Jahren die Verhältnisse meines Vaters sehr mißlich waren, nahm jener mich zu sich nach Wien, um dem Vater bei der Erhaltung feiner starken Familie eine Erleichterung zu verschaffen. Mein Vater gab mir damals die Lehre auf Len Weg, dem Onkel stets in Allem gehorsam zu sein, da ich mein Glück durch ihn allein begründen könnte. Ich widersprach daher vorläufig nicht, La ich ihm wirklich viel zu danken habe. Cr hat wegen meiner Verheirathung mit Köberle an Len Vater geschrieben, und dieser hat doch gewünscht, den künftigen Schwiegersot-rrckMnen"zU lernen. Da nun der Onkel gerade in Mähren Geschäfte abzumachen hatte, so entschloß er sich mit Herrn von Köberle und mir zu einer Reise nach Haslicht. Ich erwarte nun von der Entscheidung meiner Eltern, Lenen ich mich ganz offenbaren will, mein Schicksal.-- — --Sie sind so wunderbar gleichgültig dabei, obschon Sie den Advokaten nicht zu lieben scheinen. Sie haben Geist und Herz genug, um das Glück der Ehe nicht bloß nach Silbergulden zu veranschlagen, und scheinen sich doch wie ein willenloses Opfer in Alles fügen zu wollen, wo es auf Ihre ganze Lebensrichtung und also vornehmlich aus Ihre eigene Stimme ankommt.-- — --Ich denke, es wird mir im Augenblicke der Entscheidung wohl auch die Einsicht und Kraft verliehen sein, meine Stimme selbstständig und angemessen in der Angelegenheit geltend zu machen, obgleich ich mich jetzt absichtlich aller Betrachtung über Len Schritt entschlage.-- —--Vielleicht würde Ihnen LieL unmöglich sein, wenn Ihr Herz nicht mehr frei wäre.-- Sophie senkte schweigend und leicht erröthend den Blick, und die langen Wimpern beschatteten Las dunkle Auge wie ein reizendes Geheimnis, welches sich selbst verrathen will. Cs mochte wohl, wenn auch noch unklar, eine Neigung in ihrem jungen Herzen schlummern, die neben dem Widerwillen vor dem bestimmten Bräutigam ihr wunderbares Recht geltend zu machen suchte. Ich brach jetzt natürlich das Gespräch ab und warf einen Blick in die Gegend. — Wir waren während unserer Unterhaltung von Lundenburg weg durch den Hradischer Kreis gefahren, zuerst an Bisenz vorüber, wo ein schönes Schloß anmuthig zwischen Weinbergen liegt, dann an der Kreisstadt Arabisch selbst, auf einer Insel der March, ferner an Stagapedl, mit einem Schlosse und Sauerbrunnen. Die Hanna hatte sich vor uns aufgelhan, jene fruchtbare, weite und von Slaren bewohnte Ebene, deren Hauptort Proßnitz (Prostiegow) ist, und jetzt trat die Kreisstadt Prerau wenig imponirend in den Gesichtskreis. Dem wichtigen moldauischen und polnischen Rindviehhandel, Len Olmütz betreibt, ging vom Prerausr Bahnhofe ein gehörnter Transport zu. In unser Coups aber stieg ein junger schöner Mann in Jägertracht, bei dessen Anblick Sophie in freudiges Erstaunen gerieth. Nicht minder angenehm überrascht begrüßte sie der Jäger, und ohne Mühe löste sich jetzt das holde Geheim- niß, welches Sophie vorhin zu verbergen strebte. --Franz, wo kommst du her?-- fragte sie mit dem süßeste« Tone, und Franz erzählte, daß er jetzt einen guten Försterpvste« in Prerau bekleide und in Olmütz Geschäfte habe. Sichtbar und hörbar war es, Laß er sich durch meine Gegenwart im lebendige« Ergüsse seiner freudigen Mittheilungen gehemmt fühlte, indem er des Mädchens Hände festhielt und den zärtlichen Blick beider stockenden Rede plötzlich befangen auf mich richtete. --Sprich nur ohne Rückhalt, lieber Franz,-- sagte Sophie, es bemerkend. --Unser Reisegefährte wird nichts ausschwatzen, d«z« kommt er mir zrr lieb und brav vor.-- Ich dankte für ihr Vertrauen, und sie machte mich nun mir dem Verhältnisse ;u Franz Rossigel näher bekannt. Er war als Jägerbursche in der Oberförsterei zu Haslicht, welche ihr Vater inne hatte, ihr schon bei ihren Kinderspielen vielfältig gefälliggewesen. Manchmal hatte er ihr ein Eichhörnchen, fast täglich eine« Kranz wilder Rosen vom Oderbache, einen schönen Schmetterling ! oder eine ähnliche kleine Liebesgabe von seinen Waldstreifmie« mitgebrachl, und er besuchte sie später einmal in Wien, m er das schöne Kind zu einer reizenden Jungfrau aufgeblüht fand. --Aber warum hast du mir denn nicht ein einziges M-e- , schrieben, wie du es doch versprochen hattest, du böser Mj?« ' zürnte sie lieblich. --Ich habe beständig darauf gehofft md mmr ! an dich gedacht.-- — „Ja, das Herz wollte mir wohl «MtM> zerspringen von dem Allem, was ich dir zu schreibe« hüll,« seufzte Franz; -- aber — ich hatte halt Loch keine Courage mehr dazu, seit ich dich bei deinem Herrn Onkel a's so eine vornehm Dame wieder gefunden. Die Leute in unserer Gegend spräche« fortwährend davon, was du mit der reichen Aussteuer und eiosi- maligen Erbschaft des Herrn von Gutbirn in dem schönen Wie« für eine große Parlhie würdest machen können, und priesen dich glücklich. Da dachte ich: nein, armer Franz, da kann Sophie doch auf keinen Fall mehr mit dir auf dieser Erde etwas!" schaffen haben, und es ist besser, daß du gar nicht erst an h schreibst und dir Las Herz noch schwerer machst.-- — --Nun sch-»' sagte Sophie mit trübem Blick und Ton, --mit der Parthiehaü wirklich seine Richtigkeit. Ich soll den reichen Advokaten Köberle heiralhen, ist des Onkels Wille.-- Franz entfärbte sich. — --Was!-- schrie er kann, --den rab"' listischen Hauplspitzbuben, der sein Gewissen alle Tage um fünf Gulden verschachern würde, wenn's ihm nicht in der Regel zwanzig eintrüge, den sollst du heiralhen? Von dem Hab' ich viel gehört, was des Galgens mehr als einmal werth wäre- Und der ist reines Onkels Freund? Das ist ein sauberer Freund, und mir wird recht angst um dich, Sophie.-- — --Nun, du lieber Franj- ich Hab' ihn ja noch nicht, und wenn du nicht willst, daß ich heirathe, so kann ich mir's ja noch überlegen und am Ende doch Nein sagen.-- Sophie sagte-dieß lächelnd mit reizender Naivetät, indem sie des Jugendfreundes Hand drückte. --Ach, Sophie.-- rief Franz halblaut aus der Tiefe seines Herzens, des Zeugens ganz vergessend, --wenn du mein hübsches gelbes Haus mit dem Sechzehnendecgeweih sehen solltest, und ringsum den grünen lustigen Wald, von der Morgemoune golden angesirahlt, und wir gingen hinein, begrüßt von den tausend 329 wunderbaren Naturstimmen, zu der Quelle, wo die Rehe trinken, zu dem grauen Stein, von dem das Volk sich eine alte Sage erzählt — wahrhaftig, es würde dir gefallen, du bist ja ein Iä- gerkind! — Aber,-- fügte er traurig hinzu, "du bist jetzt freilich eine Wienerin, und Wien ist reich, groß und glänzend, und du würdest es nicht vergessen können." Sophie senkte schweigend den Blick. Franz hatte recht: sie ' war Mädchen genug, um im Bewußtsein ihrer Schönheit, nach einem sechsjährigen Aufenthalte in der Kaiserstadt, die dortigen Reize und Genüsse im Vergleich mit Lenen eines einsamen WaldlebenS überwiegend zu finden. Auch durchdrang ihr scharfer Verstand blitzschnell die jetzigen Verhältnisse, und sie sah den Zorn des Onkels voraus, wenn sie Köberle's Hand nicht annähme, ja daß es dann um ihre behagliche Freistätte bei ihm geschehen wäre. Sie blickte aber wieder in Franzens ehrliches braunes Auge, und da gewann ihr besseres Gefühl die Kraft, in der Alternative sich für ihn und sein geschildertes Idyll wenigstens soweit zu entscheiden, daß sie ausrief: "Nein, ich mag den Herrn von Köberle nicht!" — "Den kannst Lu auch gar nicht wollen, Sophie," rief Franz mit großer Bestimmtheit, "wenn nur die Hälfte von den Schelmstreichen wahr ist, die mir von ihm erzählt wurden und wofür ich dir die Beweise zu schaffen weiß." Er erzählte nun verschiedene Fälle, in denen das Verfahren ki Advokaten eben so schlau als gewissen- und herzlos erschien. Mß trat Köberle noch immer allein, ohne den reichen Gut- bim, dabei auf, und von der neuesten Praxis der Verbündeten dä den betrügerischen Fruchtankäufen und ähnlichen Geschäften wufie Franz noch nichts zu berichten. In Niederöflerreich hatten die edlen Seelen erst Einen gelungenen Versuch mit ihrem Manöver bei einem reichen Bauer gemacht, und die Zama^ hatte die Flüche des Betrogenen noch nicht nach Mähren hinübergetragen. (Fortsetzung folgt.) * Der beste Stand. Es kam vor noch nicht langer Zeit Ein tücht'ger Sandmann in die Stadt; Auf riß er seine Augen weit Als er die Pracht gesehen hat. 3hm schien's: hier Hab' man Nichts zu missen; Er stand auf seinen eig'nen Füßen! Sieh', sprach vor Prunkpalästen er: Die Herren haben gut regieren. Gleichsam an Fäden hin und her Sieht män sie Alles dirigiren; Wie Hauch vom Mund geh'n die Befehle Und ausgeführt sind sie zur Stelle! Wo riß der Mann das Maul gar auf? Vor'm Wechsel- und vvr'm Handelshaus! Da geht ja Alles in den Kauf Und zu versilbern geht nichts aus; Der Schneider geht in neu'ster Mode, Der Bäcker ißt die eig'nen Brode' Viel ab und zu in den Kanzlei'» Geh'n auch die Herrn zu jeder Stund'; Die Metzger tragen Fleisch und Bein, Und Aerzte gibl's von Herzen wund; Die Krieger sind so gut bekleidet; Daß sie ei» Neidlos selbst beneidet! In Kunstpalästen rühmet man j)er Bildner hvchgeübte Hand; Schon stimmt man dankbar Weisen an Des einst'gen Monuments im Land; Dort im Theater regnet's Kränze Für Darstellung, Musik und Tänze! So sprach der Mann. Mit Mißbehagen Betrachtet er sein eigen Ich. Ich aber sprach: Freund, laß dir sagen, Ein großer Irrthum plaget dich; Der beste Stand, das sollst du wissen: --Ist auf des Mannes eig'nen Füßen!" C. Vorholz. Aus -er Zeit. — Die Stadtbehörden von Stuttgart haben selbst eine Brodbäckerei für die städtischen Armenanstalten errichtet. Nebenbei haben sie dabei die Absicht, immer zu erfahren, wie es um die Brodtaxe steht. Dieß könnte auch anderwärts nichts schaden. — Im Großherzvgthum Hessen soll ein allgemeiner Kornverein gebildet werden, welcher das Getreide aus Amerika will kommen lassen. Das trägt es aus. In New-Dork kostete am 1. Sept. der Roggen nach hiesigem Geld 6 fl. 34 kr., zu Boston 6 fl. 27 kr.» zu Baltimore 6 fl. 35 kr. und zu Philadelphia 6 fl. 25 kr-, während es am 25. Sept. in Mainz 14 fl. 25 bis 36 kr. kostete. Rechnet man nun auch für Transport und andere Kosten bis Mainz 2 fl. für jedes Malter, so würde immer noch der Roggen um 5 fl. billiger verkauft werden können, als dieß jetzt möglich ist. — Der nürnberger Verein hat bis jetzt 52,000 fl. zum Ankauf von Korn gezeichnet. — Ist her Winter zum Arbeiten günstig, wie es der Sommer und Herbst waren und sind, so werden mit nächstem Frühjahr viele neue Eisenbahnstrecken vollendet und eröffnet. So soll die Strecke der thüringischen Eisenbahn von Weimar nach Erfurt, und die vom Ludwigshafen bei Mannheim bis Neustadt und Speier eröffnet werden. — Die Erfindung des Baumwollenpulvers durch Schönbein und Böttiger erregt immer mehr die allgemeine Aufmerk- l samkeit, und wirklich ist die Sache staunenswerth. lieber einige Versuche, welche Dr. Böttiger in Frankfurt machte, berichtet ein Augenzeuge Folgendes. Zuerst nahm er einige Baumwolle, legte sie auf Postpapier und zündete sie mit seiner Cigarre an; die Verpuffung - war augenblicklich, von Rauch oder Ruß aber nicht das Mindeste zu schauen. Dann legte er mir eine Flocke auf die Hand und zündete sie gleichfalls an; die Empfindung bei dem Verpuffen war nur etwa, wie wenn man die Hand anhaucht. Zuletzt legte er die Baumwolle auf Schießpulver und bestreute sie sogar mit demselben; bei dem Verpuffen blieb nicht nur Las unten liegende Pulver unangezündet, sondern auch die eingestreuten Körner fielen unversehrt heraus. Die Versuche, welche mit der Baumwolle von der Artillerie in Mainz gemacht 330 wurden, sollen glänzend ausgefallen sein. Daß durch diese Erfindung eine völlige Umänderung in das Kriegswesen kommen muß, liegt am Tage. Aber noch wichtiger ist ste für den Bau der Eisenbahnen, La das Sprengen der Felsen bei weitem leichter von Statten gehen wird- — Es zeigt sich immer mehr, daß das bedauerliche Verbot der Schriftstellerversammlung in Weimar von Herrn Laube veranlaßt und dem weimar'schen Ministerium fast abgenöthigt worden ist. — Mit der sächsisch-bayerischen Eisenbahn sieht es sehr mißlich aus. Don den weiter erforderlichen 5 bis 6 Millionen Thaler ist bekanntlich durch Subskription auf Prioritätsaktien kaum der zehnte Theil zusammengekvmmen, und obgleich die Einnahmen der bis jetzt vollendeten Strecke von Leipzig bis Reichenbach zulangen, um den Aktionären 4 bis 4*/- pCt. Zinsen zu zahlen und zugleich einen ansehnlichen Reservefond anzulegen, so fehlt es doch an allem Geld zur Fortsetzung des Baues. Die Arbeiter an der Brücke im Oetsch- und Elsterthale, welche keinen Lohn mehr erhielten, sind, 3000 an der Zahl, in Liesen Tagen auseinander gegangen, und man kann sagen, daß der Bau für jetzt vollständig aufgehört hat. Was soll jetzt geschehen? — Aus Gräfe nberg in österreichisch Schlesien vom 12. Sept. So wie sonst die Bäder von Spaa das Kaffeehaus von Europa genannt worden, so kann man jetzt Gräfenberg den Versammlungsplatz der Kranken aller fünf Welttheile nennen. Gewöhnlich befinden sich hier gegen 700 Badegäste, meistens aus England und Nordamerika; selbst aus Australien befindet sich hier ein Kranker. Auffallend ist, in Gräfenberg meist lahme Kranke zu finden, deren Nebel im Rückenmark liegt. Sieht man Liese aber, meist junge Leute, bei Tische, wo in einem Saale gegen 200 Personen aus der frugalen Priesnitzer Küche gespeist werden, so sieht man meist gesunde frische Gesichter mit gesegnetem Appetit und kann nicht begreifen, Laß dieselben Menschen meist Kranke sind, die von den Aerzten aufgegeben worden, die man in allen Theilen für die ersten hält. — In diesen ,Tagen ist das hvlstein-lauenburgische Bundeskvntingent, verbunden mit einigen Truppenabtheiluugen aus Schleswig, in dem Lager bei Lockstedt versammelt; die von Seiten des deutschen Bundes mit der Inspektion der Truppen beauftragten drei Generale, sind bereits vor einigen Tagen in Lockstedt eingetroffen. Nach Beendigung der Hebungen im Lager werden dieselben nach Rendsburg gehen, um die Festungswerke und Las Arsenal zu besichtigen. Es ist zu hoffen, daß ihnen außerdem auch die dänischen Reschsfahnen und dänischen Kokarden bei deutschen Truppen in die Augen fallen mögen, und daß auch das dänische Kommando des deutschen Kontingents ihrer Aufmerksamkeit nicht entgehe. — Vergangene Woche fand im Bassin zu Antwerpen vor dem Schiffe Espindola, welches mit 296 Auswanderern nach New-Orleans absegeln wollte, wegen der schlechten Beschaffenheit der Lebensmittel, welche man an Bord genommen hatte, und die von der Aufsichtskommission noch nicht untersucht waren, ein Tumult statt. Der Lieferant mußte die Flucht ergreifen. (Die Hafenkommission scheint also der wohlthätigen Absicht der Regierung nicht zu entsprechen und Len armen Auswanderern wenig zu nützen. — Der König der Franzosen hat am 6. Lkt. sein 73. Lebensjahr vollendet. Er erfreut sich dermalen der besten Gesundheit, was auch aus Len zahlreichen Ausflügen der königlichen Familie ersichtlich ist. > — Die Pariser Forts sollen, wie es heißt, in den ersten Monaten des künftigen Jahres das benöthigte Geschütz erhallen. In Straßburg, Revers und Ruelle wird unaufhörlich gegessen. Die Sache wird vor der Hand geheim betrieben. Man erinnert sich in diesem Augenblicke wieder stark an Las Jahr 1840. — Einer großherclichen Verordnung zufolge, soll nun auch in der Türkei bei Aushebung der Mannschaft für den Militär- Dienst von jetzt an vorläufig eine ärztliche Untersuchung der Individuen statlfinden, zu welchem Zwecke für die Aerzte eine eigene Instruktion verfaßt wurde. — Die vstindisch e Post, tatirt aus Bombay vom 27. M. gust, ist durch Vermittlung Lieutenant Waghvrns dießmal wieter über Triest schneller nach London gelangt, als über Marseille die Probe zwischen beiden Wegen kann aber erst dann der Entscheidung näher gebracht werden, wenn einmal die Post m I Alexandria zugleich auf beiden Wegen abgefertigt wird. — Ein deutscher Naturforscher, Namens G esner, hat in der Bay von Newfoundland zwei neue Arten mehlreicher Knvllenpflanzen entdeckt, welche so viel zu versprechen scheinen, als die wilden Kartoffeln, die einst von Sir Walter Raleigh von ' Virginien nach Europa gebracht wurden, als erste Exemplare der Frucht, welche jetzt ein fast unentbehrliches Bedürfnis für unfern ! Kontinent geworden ist, so daß ihr zweijähriges Mißrakhen all- ! wärls Besorgnisse verbreitet. Die neuaufgefundenen Knollen- l pflanzen sind kleiner, als unsere gewöhnlichen Kartoffeln, sehen aber sonst ganz wie diese aus; das Innere ist vollkommen weiß und soll den Geschmack und Geruch unserer Kartoffeln lMn. - ! Verschiedenes. — Eisenbahn-Rauchwagen in England. Eine bekannte Thatsache ist, daß auf den englischen Eisenbahnen in keiner der verschiedenen Wagenklaffen derselben geraucht werden darf, was besonders Deutschen verdrießlich ist, die sich dai Rauchen höchstens in den Straßen einiger Städte nicht gestatten, M es am allerwenigsten gefährlich ist. Ganz kürzlich sind nun a»f der Eisenbahn der --östlichen Grafschaften-- (von London uch Cambridge) sogenannte „Smoking Saloons'', Rauch-Salons eingerichtet worden, in welchen, ihrer überaus eleganten?«» ungeachket, eine Ausnahme von der Regel gestattet ist. , Salon nimmt den Raum eines Wagens von 40 Fuß Länge» an dessen beiden Ende» sich ein sogenannter --Faullenzer--,» halbrundes breites Sopha, öefindet, das etwa fünf Fuß m dm Saal hineinreicht. Die inneren 30 Fuß desselben nimmt eine lange Tafel ein, an deren beiden, Seiten Sitze mit den Rückleh- uen au den Wänden sich befinden, an welche» zugleich BalaM- Lampen (aus welchen kein Oel verschüttet werden kann) hänM An jeder Seite befinden sich vier hohe aus Einem Stück bestehende Spiegelglas-Fenster, während hinter jedem der beu.ru Svphas rechts und links zwei hohe Spiegel in der Form von Fenstern angebracht sind. Die Sitze sowohl als die Lehnen ^ ! Wagens sind mit rvthem Maroquin überzogen; alles e ri aber ist -mit karmoistnem Seidenzeug drapirt. Die De e Saals ist auf weißem Grunde reich vergoldet und alles N ^ werk darin Mahagoni. Ein solcher Salon wird jedem (Schnellzug) angehängt, und Passagiere, die sich desselben nen wollen, haben Billets der ersten Klasse zu lösen. > Redigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Ehr. Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung