Karlsruher Beobachter. Nr. SS. Donnerstag den 19. November 18 LG übensgeschirhte eines alten schwedischen Thalers. (Fortsetzung u. Schluß.) Vierzehntes Kapitel. Nachdem ich fünf und zwanzig Jahre mit meinen Leidens- Mrien auf diese Weise zugebrachl halte, vernahmen wir eines Mrgens eine ungewöhnliche Unruhe im Hause. Wir hörten Msche» mit starken Schritten hin- und hereilen, Thüren zu- Wgen und laut reden, was sonst nie der Fall gewesen war. Ä seihten unsere Ohren gewaltig, und freuten uns dieser Un- ch, da wir Hoffnung auf eine baldige Befreiung schöpften. — ich in unsere Kammer traten Menschen, um sich nach Allem „Achen. "Wie ist doch das zugegange»?-- fragte eine Asae. --Das weiß ich selbst nicht," versetzte eine andere; ->ti alle Wunsche lag eben heule Morgen mausetodt in seinem Ät«!» — An dieser Unterhaltung konnte ich merken, daß die chm über diesen Todesfall nicht groß war. Man sprach von ln kwünschten Erbschaft, und von der frohen Aussicht, ge- iWter leben, und für die Seinigen bester sorgen zu können. Nicht einen Heller hat mir dieser Filz gegeben,-- sagte Je- «md, -ob ich gleich der' Sohn seiner leiblichen Schwester bin, M n wußte, wie nothwendig ich eine Unterstützung für mich M«me lieben Kinder gebraucht hätte. Ich bin deßwegen Mch nck Jahre nicht mehr in sein Haus gekommen. Das Ge- Ht, «t dem er mich empfing, halte mir die Lust zur Wieder- lch fiir immer benommen.-- Nach einigen Tagen vernahmen wir einen Trauergesang m dem Hause, und hörten die Leichenbegleitung in stillem Zuge !>>d M demselben entfernen. Ich konnte die Empfindung denken, mit welcher der thörichte Geizhals zu seinem Grabe begleitet werden sein mochte. — Was hatte sein Leben ihm und Ankern genützt? — Fünfzehntes Kapitel. Nach Verlauf von einigen Wochen zog der Neffe des Verstorbenen mit einer zahlreichen Familie ein, und mit ihm Lust md Leben. Handwerksleute wurden in Thaligkeit gesetzt, Kinder Mn sich lustig durch die Zimmer, und erheiterten dadurch auch "»stte Einsamkeit. EineS Tages hörten wir unser» neuen Äiiihemi mit seiner Frau auch in unsre Kammer kommen, um «ch wegen der Baulichkeit zu berathen. --Ich denke,-- sagte er «tt ihr, „diese Kammer taffen-wir, wie sie ist. Zum Aufheben alter Geräthschaften ist sie auch ferner gut genug. — Wir wollen "NS auf das Nöthigste beschränken, da die Erbschaft nicht nach Erwartung ausgefallen ist.-- — --Ich wollte wetten,-- versetzte srine Frau, --daß der Onkel irgendwo Geld verborgen hat. Denk/ H niir, wie geizig er und sein Vater war, so kann ich gar nicht Affeln, daß beide ein großes Vermögen zusammengescharrt haben. Aber wo mag es liegen? — Die Haushälterin ist auch meiner Meinung; aber sie versichert mich hoch und theuer. Nichts zu wissen.-- - .--Wüßtet Ihr, was ich weiß,-- dachte ich mir, - so würdet Ihr wohl vor allen Dingen die Kammer erneuern lassen.-- — Aber sie wußten es nicht, und so war die Hoffnung auf Errettung abermals auf eine unbestimmte Zeit hinausge- schvben. Jetzt war es uns auch nicht einmal mehr gegönnt, nur auf einige Augenblicke frische Luft schöpfen zu dürfen. — Späterhin vernahmen wir auch nur selten mehr Tritte in der Nähe unsers Aufenthaltes. Sechszehntes Kapitel. In einem solchen Zustande mußte ich abermals fünf bis sechs Jahre aushalken. Eines Nachmittags vernahm ich in den benachbarten Zimmern einen großen Kinderlärm. Man glaubte, das Haus sollte gestürmt werden. Bisweilen ertönte die Stimme des Vaters, worauf eine Pause erfolgte; aber bald brach der Sturm von Neuem los. Endlich sprang auch die Thüre unserer Kammer auf, und herein stürzte das junge Völkchen, das Lurch Kinder aus der Nachbarschaft noch ansehnlich vermehrt worden war. — --Das soll die Räuberhöhle sein,-- riefen einige muntere Knaben, hier unter diesen Kisten können wir uns herrlich verbergen. Wir machen die Räuber, und lauern im Hinterhalte, und überfallen Euch, wenn Ihr auf Eurer Reise vorbei- kommt.-- Nachdem die Rollen vertheill waren, trat eine tiefe Stille ein; dann aber brach der Sturm los, und- es entspann sich ein Gefecht zwischen den Räubern und Len Reisenden. Bei jeder Wiederholung des Spieles wurde der Kampf hitziger. Zuletzt wählte sich ein Knabe seinen Standpunkt auf einem Haufen übereinander geschichteter Kisten, von denen wir nur Lurch die Wand getrennt waren, und rief: --Dieses Mal will ichvondieftn Felsen herab nach den Reisenden schießen, und keiner soll mir entwischen.-- — Ich zitterte vor Ungeduld, als ich das Rauschen der Tapete vernahm, das durch Las Anlehnen des Knaben verursacht wurde. Ich sah dem Kampf mit Begierde entgegen, weil er einige Hoffnung in mir angeregt hatte. Endlich begann er. Der Knabe vertheicigte sich tapfer, und klammerte sich fest an, als man ihn von seinem Standpunkte vertreiben wollte. Meine Hoffnung stieg, und nicht vergebens; die Tapete löste sich los, und fiel auf den kleinen Räuber herab. Der arme Schelm verlor das Gleichgewicht, und stürzte unter lautem Gepolter mit einigen Kisten auf den Boden hinab. — Das Gefecht hatte nun plötzlich ein Ende, und eine Tvdtenstille trat bei den erschreckten Kindern ein. Der Gefallene blutete am Kopfe, die Tapete war zerrissen, die Kinder erinnerten sich ihres Ungehorsames, und so erwarteten sie in banger Furcht die Ankunft der Eltern, deren hastige Tritte sie schon im benachbarten Zimmer hörten. 372 »Der Vater kommt!» riefen halblaut einige ängstliche Stimmen. Siebenzehntes Kapitel. Unter einem scharfen Verweise wurde der Verwundete fort- geführt, während die übrigen Kinder, im Gefühle ihrer Schuld, mäuschenstille,nachfolgten. — Nach einiger Zeit kam unser Hausherr mit seiner Frau zurück, um Alles wieder in Ordnung zu bringen. »Die Tapete,» sagte er, »ist wohl nichts mehr werlh; aber sie ist ein Alterthum, und deßwegen sehe ich ste ungern zerrissen. — Vielleicht kann ich sie wieder befestigen.» — »Wie!» rief er überrascht, als er einen Versuch machen wollte, — »ste ist nicht zerrissen! Dieses Stück ist absichtlich von Len andern getrennt! — Da ist auch eine Feder, die muß dort oben eingedrückt werden können!» — Er probirte es, und die Tapete war wieder an ihrer Stelle, ohne daß man merken konnte, daß ste an die andere künstlich angepaßt worden sei. — »Da steckt Etwas dahinter!» rief die Frau im Tone der höchsten lieber- raschung. »Männchen, gib acht, wir heben einen Schatz! — Geschwind laß, die Tapete noch ein Mal herab!» — Ihr Mann wollte Ließ sogleich thun, während ste aus Vorsicht die Kammer- thüre verschloß; aber die Tapete blieb unbeweglich an ihrer Stelle. Er rüttelte, drückte, klopfte voll Ungeduld, während seine Frau zur Eile trieb; aber die Tapete wollte nicht herabfallen.— Da entwich seiner Frau die Geduld, und sie rief: »So reiß doch den alten Plunder weg, damit wir zum Ziele kommen!» — Gesagt, gethan. — Mit den eingefügten Sleinen ging es leichter. Er reichte einen nach dem andern seiner Frau zu, die sie ganz vorsichtig und ohne Geräusch bei Seite legte. — Ich kann nicht beschreiben, wie mir zu Muthe war, als ich wieder eine Menschenhand in meiner Nähe merkte: »Fühlst Du Etwas?» fragte seine Frau leise, während er mit einer Hand in unserm dunkeln Aufenthalte umhertastele »Ja wohl,» versetzte er eben so heimlich, »hier gibt es Allerhand zu holen!» — Bei Liesen Worten zog er einen schweren, ledernen Beutel hervor, Len seine Frau mit leuchtenden Augen in ihren Händen wog; ihm folgte ein zweiter, nicht weniger schwer, dann kam ein Klst- chen mit Goldstücken, und so ging es eine Zeit lang fort, bis der Boden unsers Kerkers rein und leer war. Achtzehntes Kapitel. Cs wäre eine schwere Aufgabe, die Freude dieser Eheleute zu schildern, die sie bei unserm Anblicke empfanden. Mit größter Hast wurde ein Beutel nach dem andern und ein Kistchen nach dem andern geöffnet, um den Inhalt derselben kennen zu lernen. Den Kindern blieben ihre Eltern zu lange aus. Sie pochten an der Thüre, und wollten eingelassen werden. > »Ihr dürft jetzt nicht herein!» rief die Mutter so ruhig, als es ihr pochendes Herz erlaubte; »bleibt nur im Wohnzimmer, und spielt mit einander! — Die Kinder aber wollten Grund und Ursache wissen, warum ihnen der Eingang in die alte Rumpelkammer verwehrt wurde, und sie entfernten sich erst, als der Vater seine Stimme erhob. Cs war nicht möglich, in diesem Augenblicke die Größeres Schatzes kennen zu lernen. Man verbarg uns daher vor der Hand unter eine Kiste, und verschloß sorgfältig die Kammer. Daß wir nicht lange dort liegen würden, konnte ich mir denken. Wirklich kamen auch die glücklichen Finder nach kurzer Zeit, und brachten uns nach und nach in einem schönen Zimmer in sichere Verwahrung. Täglich wurde einige Zeit darauf verwendet, uns zu zählen und zu betrachten, und ein Derzeichniß von uns aufzunehmen. Mir gefiel es. daß diese beide Eheleute Gott von Herzen für dieses unerwartete Glück dankten, woraus ich schloß, daß sie uns nicht verschwenden, sondern einen vernünftigen Gebrauch von uns machen würden. Ich hatte mich auch nicht getäuscht' denn sie änderten nicht das Geringste in ihrer häuslichen Ein. richtung und in ihrer sonstigen Lebensweise; aber für die Erziehung ihrer Kinder lhaten sie Alles, was elterliche Liebe zu thun fordert; auch hatten sich Hülfsbedürftige beinahe täglich ihrer Wohlthätigkeit zu erfreuen. — Bei solchen Menschen ist es eine Freude, ein Thaler zu sein, deßwegen halte ich auch bald wieder mein letztes, trauriges Schicksal vergessen. Neunzehntes Kapitel. Unterdessen war ich zu einem Alter gekommen, in welchen wir uns der Achtung der Menschen in einem hohen Grade erfreuen, und in welchem sie uns nicht gerne mehr dem unruhigen Leben preisgeben wollen. Dieß ist um so auffallender, La ste gegen alte Personen ihres Geschlechtes oft so wenig Schonung und Aufmerksamkeit beweisen. Von dieser Zeit an hatte ich daher das ruhigste und gemächlichste Leben, und kam nur bei feierlichen Gelegenheiten zum Vorscheine, um Freude zu machen und die Verwunderung Anderer einzuernten. Nach einigen Jahren wurde ich in zierliches Goldpapier gewickelt, und zu einem Pathengeschenke verwendet. Ich erhielt nun den Namen Schatzgeld, und wo ich hinkam, wurde mir ein Ehrenplatz angewiesen, und überall fand ich ausgezeichnete Gesellschaft aus verschiedenen Ländern und Nationen. — Wenn ich jetzt von einer Hand in die andere kam, was oft erst nach langen Zwischenräumen geschah, so sollte ich als ein Beweis der Liebe gellen, und die schwache ErinnerungSkrasi der Menschen stärken. Man gab mir kurze EmpfehiunMeiden mit, was aber, wie ich glaube, nicht nöthig gewesen wäre. - Endlich gelangte ich in die Sammlung eines großen MMem- tes, bei dem ich mich noch befinde, und der mich und mim Freunde in hohen Ehre» halt- An Unterhaltung fehlt eS unS durchaus nicht; denn hier gibt es ägyptische, griechische und römische Münzen, die gar viel zu erzählen wissen, und täglich kommen einige Freunde von dem Menschengeschlechte zu uns, die ihre Augen an uns weiden, sich in feuriges Lob ergießen, und dadurch unfern Herrn hoch beglücken. Auch wollen Manche ihre Kenntnisse zeigen, und das Aller der Aeltesten von uns, die der Zahn der Zeit völlig abgenützt hat, mit einer Sicherheit bestimmen, als ob sie beim Prägen gegenwärtig gewesen wären. Wir gönnen ihnen ihre angenehme Selbsttäuschung, umsomehr, da wir sehen, daß sie sich so glücklich dabei fühle». — Hier schließe ich meinen kurzen Bericht über mein bisheriges Leben. Habe ich wieder zwei Hundert Jahre zurückgelegk, und neue Erfahrungen gesammelt, so werde ich nicht ermangeln, sie der leselusiigen Jugendwelt mitzutheilen, Loch kann ich mir jetzt schon denken, daß ich auch dann mit der Bemerkung schließen werde, mit der ich jetzt schließe: »Die Form und eiemenschlichen Verhältnisse haben sich geändert; der Mensch aber ist geblieben!" * tveimarifche Theaterpolhei. Cs war zu Anfang der zwanziger Jahre. »Der Wilhelm Tell wird heut Abend in Weimar gegeben I » erscholl es eines Tages in Jena, und wenige Stunden nachher stieg ein halbe Dutzend Studenten in der Sonne zu Weimar, ihrer gewöhnlichen Herberge, sizte ihnen f,ielt volle Miller st «eschult Die ß ,S nicht gl j ihnen > Menres I zn Akt ,p bas Men T< liä hielten Mie zu l Om sie IiMliche« «hätte, Dn!" Mrwach >»l - 4M Äi nicht. Wien; fli« lh: Wleis l«Mr iM«n lit Me Mst », ater sich M»! Weich lie Urrsn >!, jei iibe Uri M, mml «Wi«, k» bei, tM öeich/M tiefer ichnen kö heS Ges «ec an s Anngen «Mrtnnge i» »M Miten, l-aber bi !«ie neh linkten Die Al «ten Ru Renten 'chens e, ülNkierplu t'en bas' H nicht, Mrge, ab. De,- Wirth von ihrem Vorhaben unterrichtet, Rechnen mit wichtiger Miene: "Ja, meine Herren, und heute M vollends gar der X.. der ist vom seligen Herrn Hofrath Mr selbst noch bei seinen Lebzeiten auf die Nolle des Teil «eschull worden!" Die Studenten begaben sich, wie man sich denken kann, ,i, nicht geringen Erwartungen in's Theater, fanden aber, wie z ihnen wenigstens vorkam, nur einen mehr als ordinären Menreißer. Ihr Unmurh wuchs von Scene zu Scene, von , zu Akt. Sie hatten große Lust zu pfeifen, aber die Pietär ,z,n das Stück legte ihnen Schweigen auf. Bei der Scene M Tell und dem Landvogt wurde es ihnen gar zu arg, ^hielten sie noch an sich — da begann auf einmal die Adels- Me zu klatschen, und auf diese Herausforderung hin — dafür «M sie es — fingen sie aus Leibeskräften zu pfeifen an. Milcher Weise war "der alte Herr„ (Göthe) nicht im Hause; „Me, wie schon einmal, dem Tumulte mit einem „Still, ein Ende gemacht. Man fand es für geralhen, die Muvache — die „zahmen Husaren-, ston den Studenten ge-, - aufmarschiren zu lassen. Der Offizier redete sie an: ,M Herren, wenn ich Sie arretiren ließe, so würde das zu «IllMrü und Störung veranlassen. Unterbrechen wir das Umcht. Ich bitte Sie, mir Mann für Mann ihre Namen Me»; ich weiß, daß ich es mit Ehrenmännern, mit Jenen- M lhun habe." Seinem Begehren wurde unverweigerlich Meistet; das Stück spielte ruhig zu Ende, und die Stummen in der Nacht nach Jena zurück. Ein Herr war im Parket gesessen, der sich an Ihrem Pfeifen höchst Me und nach beendigter Collision mit der Theaterwache Msagte: „Meine Herren, Sie werden in's Carcer kom- », chr ich versichere Sie, Sie haben vollkommen Recht, sch Mann war Stephan Schütze." Nach den andern Tag wurde von der Universitätsbehörde !«llOMung eingeieitet. Der Großherzog Karl August, hieß >!, ssi »der das Betragen der akademischen Bürger ganz beson- tni Mm und habe verlangt, daß man ihm die Akten sofort N ü«Wr Kennlnißnahme zufende. Die Contravenienten «WiMUilni sich, jeder in seiner Weife. Sie gehörten verschleim» kmtzen Provinzen an. Einer war der kürzlich versior- tm Ämzer Disteli, der durch feinen Kalender in ganz LeiMnr bekannt geworden ist. Ein anderer war ein Hesse, sichr ist der einzige, dessen Vernehmlassung wir hier Verben können. Das blinde Heßlein — es Kat übrigens kein sisii Gesicht, und auch der sonstigen Constitution fehlt es an Lange noch an Dicke — gab treulich an, mit welchen Er-. Magen sie j„'s Theater geschickt worden seien und wie diese »itMgen einer schmählichen Enttäuschung Platz gemacht ha- ^ »Wir gaben'uns alle Mühe, fuhr er fort," Skandal zu Miten, und haben wahrlich eine schwere Probe bestanden, l-aber die Gallerte klatschte, konnten wir dieß nur für bittere »e nehmen, und diese Ironie haben wir in unserer unge- Ankten ehrlichen Weise unterstützen wollen. Das ist Alles." Die Akten gingen an den Großherzvg. Karl August schrieb ^len Raud: „Es sei ihm sehr angenehm, wenn die Jenenser Alenten Sein Theater in Weimar besuchten; Er müsse sich >Ws ernstlich verbitten, baß dieselben Sein Theater zum "Merrlatz fsir ihre Pfeifubungen machten; 'dagegen gebe Er e» das Versprechen, Laß Cr, wenn er nach Jena komme, pfeifen wolle.» Aus der Zeit. — Dresden, 11. Nov. Auf die Einladung des Stadtraths Gehe, Vorstand der Armenversorgungsbehörde, trat gestern eine Anzahl der achtbarsten Einwohner hiesiger Stadt zu einem Hülfs- verein zusammen, welcher sich die Aufgabe stellt, bei eventuell eintretender größerer Theuerung und Noth solche Arme zu unterstützen und mit Brod zu billigem Preise zu versehen, welche noch nicht der Armenversorgungsbehörde zugetheilt sind. Das Getreide wird im Auslande angekauft werden, so viel für jetzt vorliegt. — Berlin, 12. Nov. Heute wurden die sechs Opfer des Brandes vom 8. d. M. gemeinschaftlich beerdigt- Der Menschenzulauf war ungewöhnlich groß und bewies die innige und verbreitete Tkeilnahme an dem schrecklichen LvoS der Unglücklichen. Wenige Stunden nach dieser Beerdigung.erfolgte hier eine furchtbare Explosion von etwa 15 Pfund Schießbaumwolle, die nicht nur im Innern alles zertrümmerte, sondern die Balken des Kellers selbst mehrere Fuß über der Flur des Hauses und der Wohnstube empvrhob. Ein Kaufmann, Verfertiger dieser Wolle, sein Werkführer und der Hausknecht, eben in diesem von innen stark geheizten Keller mit dem Verpacken beschäftigt, wurden an den Händen und im Gesicht sehr bedeutend verbrannt. — Es ist kein Zweifel mehr, daß Krakau, mit Zustimmung Preußens und Rußlands, dem österreichischen Kaiserstaat einver- leibl wird, um einen neuen Kreis Galiziens zu bilden. — Aus Schleswig-Holstein vom 10. Novbr. Durch Kanzleirescript ist dem Vernehmen nach von der schleswig-holsteinischen Regierung ein weitläufiger Bericht über das Sprachgebiet der dänischen Sprache im Herzogthum Schleswig in älte-, ren und neueren Zeilen, über die Gränze derselben als Volks - und andererseits als Kirchen- und Schulsprache, sowie über die successiven Veränderungen in dieser Hinsicht erfordert worden. Es scheinen tiefergehende Untersuchungen zur Pflicht gemacht zu sein, die offenbar nicht durch ein .bloß antiquarisches oder statistisches Interesse veranlaßt sein werden. — Paris, 13. Nov. Dieser Tage hält hier die Gesellschaft für die Paris-Straßburger Eisenbahn ihre Generalversammlung. Man gedenkt mit der ganzen Linie in vier Jahren fertig zu werden; das möge sich Las südliche Deutschland in strategischer Hinsicht gesagt sein lassen. — Ueber Madr d hat man Nachrichten aus Lissabon bis zum 4. Nov. Die Königin hat für den Herzog ». Terceira, der noch immer in Oporto gefangen sitzt, den Marschall Grafen Sal- danha zu ihrem Statthalter in den Nvrdprvvinzen ernannt. Der Aufbruch der k. Truppen nach Norden, zunächst gegen Cintra, soll erfolgen, sobald Gesteral Schwalbach Cvvra genommen hat. Vorderhand kriegt man von beiden Seiten mit Papier. Die Regierung droht allen Anführern der Aufständischen, Laien und Geistlichen, Bürgerlichen und Militärs, mit augenblicklicher Erschießung, wenn sie ergriffen werden. Die Junten in Oporto und Coimbra schleudern ihrerseits Proklamationen gegen. Las Ministerium. Graf Las Antas steht noch immer in Leiria; doch haben sich Streifpartien von seinen Guerrilhas schon bei Lissabon gezeigt. — Madrid, 8. Nov. Aeußerlich herrscht hier, eine Stille, welche gegen die unlängst stattgefundenen Feste stark absticht; allein Niemand glaubt an einen längeren Bestand der gegenwärtigen Verhältnisse; das Ministerium ist in Auflösung begriffen 374 und die Parteien rüsten sich zum Wahlkampfe. Die Nachricht, Laß carlistische Agenten 8000 Musketen in Liverpool gekauft und nach Gibraltar gesendet haben, beunruhigt manche Gemüther. Eine Kompagnie der Besatzung von Puy-Cörda erhielt die Er- laubniß, auf französischem Gebiete einer Carlistenbande nackzuspüren, gemeinschaftlich mit französischen Truppen. Die Bande, wurde in einem Dorfe, zwei Stunden von Bourg-Madame aufgehoben und in daS Innere von Frankreich gebracht, worauf die spanischen Truppen in ihr Land zurückkehrten. — Don Carlos, welcher mit der Prinzessin von Beira und einer geringen Dienerschaft in Genua wohnt, soll in Begriff stehen, nach Venedig zu ziehen. Seine beiden Söhne, welche in sardinischen Diensten standen, sollen zu österreichischen Generalen ernannt worden sein. — Nach Berichten aus Nom erfolgte am 8. Nov. wirklich die feierliche Besitznahme des Laleraus durch Se. Heil. Pius IX. Der Tag scheint einer der schönsten und erhebendsten von all den Frendentagen gewesen zu sein, die seit der Erwählung des Pabstes eine fast ununterbrochene Kette bildeten. Gesteigert ward der Jubel durch eine am Tage zuvor in dem Diario di Roma erschienene amtliche Erklärung über die eiugeleiketen Verbesserungen im,Innern und durch einen, eine Stunde vor dem Auszug nach dem Lateran verkündigten, päbstlichen Erlaß über Erbauung eines umfassenden Netzes von Eisenbahnen. — Neapel, 25. Okt. Die Insel Sicilien ist von einer Revolution bedroht gewesen. Die Verschwörung hat, wie es scheint, einen ziemlich ernsten Charakter gehabt, denn die wie eine Kette zusammenhängende Sippschaft deS sicilianiichen Räubergesindels aller Schattirungen hat sich, mit einigen Regimentern auf derselben Insel bereits so vollkommen verständigt gehabt, daß ein vollständiger Operationsplan, der, wie es scheint, von einigen Offizieren und Sergeanten des 10. Liiiieninfanterieregiments entworfen worden ist, bestand. Palermo ist auch wieder der Haupt- Herd dieser hockverrälherischen Umtriebe gewesen. Dis Sache wurde jedoch rerrathen, und die Couspiralion un Keime unler- Lrückt. Der König, der sich bei jenen Vorfällen in Palermo befunden und damals schnell Stadt und Insel verlassen hat, soll nun beabsichtigen, mit namhafter Truppenzahl in Kurzem wieder hinüberzuschiffen. — London, 12. Nov. Die Lords des Schatzes haben in Folge des von einer preußischen Buchhandlung gestellten Ansuchens, Laß preußische Bücher zu den in der neulich abgeschlossenen Verlagsrechtsübereinkunft festgestellten ermäßigten Zollsätzen auch dann in England zugelasse» werten möchten, wenn sie bloö zu Leipzig und nicht in einer preußischen Stadt gestempelt seien, die Zollbeamten angewiesen, die bereits von den Bittstellern eingeführten Bücher dieser Kategorie zu dem niedrigen Zollsätze zuzu- laffeu. — London, 12. Nov. O'Eonnell hat nun wirklich in Folge des herrschenden NothstanLS auf den O'Connelllribut für dieses Jahr verzichtet. Dieser Nothstand macht auch für sehr viele irische Gutsherren das Jahr zu einem völlig erlraglosen; wenn noch Pachtzinsen von den reichern Pächtern einlaufen, so gehen sie wieder in Unterstützungen für die ärmern auf; manche auch, die wohl zahlen könnten, benützen den allgemeinen Nothstand, um die Zahlung zu verweigern. — Nach Berichten aus New.Dort bis zum 22. Oktober herrscht auf allen Werften der Vereinigten Staaten die gH Thätigkeit, um die Seemacht in den Stand zu setzen, msthh, druck gegen Mexiko zu verfahren. Die Regierung in Wach, ton beschäftigt sich unablässig mit Herbeischaffung der M,, um den Krieg wirksam fortzusetzen. General Taylor diesen Berichten allein im Besitz der Stadt und FesiunM von Monterey, welches von den Mexikanern völlig geräumig Ein Blatt von New Orleans meldet als Gerücht, daß die^ rikaner, in sorglosem Vertrauen auf den WaffenstillstM, x, den Mexikanern plötzlich überfallen, schweren Verlust M endlich aber die wortbrüchigen Feinde zerstreut hätten. — Dem Mvrning Herald wird aus Konstantinopelz 20. Okt. geschrieben: Lord Palmerston hat in einer Notes,,. Pforte die Abschaffung der Sklaverei im türkischen Reich«, langt. Diese Forderung, welche der englische StaatUch schon während seiner früheren Amtsführung beabsichtigt, ihn aber damals Lord Ponfvnby abgebracht halte, ist die Gefühle der Türken auf's Tiefste zu verletzen. Tajzv häusliche System in der Türkei ist auf das Verhällniß zy» det, das wir in Ermanglung eines bessern Worts Sklaven,«, neu. Des Sultans Mutter war eine Sklavin, auch seine!« ist es. Der Sultan darf nur eine Sklavin heiralheu. Liest,, ken überhaupt heiralhen lieber eme georgische oder tscherW Sklavin, alS eine Eingeborne mit ihrem Anhängsel tienM, ner und aufdringlicher Verwandten. Durch die Heirat!,»««! Sklavin alsbald frei. Oie Sklaven in der Türkei Dt lq» daran, als die irischen Hinlersaßen eines lanoesabivesenkenM herrn. Die ganze türkische Gesetzgebung nimmt sich ijm M, lich an. Manche Negersklave» sind zu hohen PvMMW, so Ibrahim Pascha, Gouverneur der Dardanellen, «itekjchize Pascha von Varna. Was die weißen Sklaven aMlizt, i« M Chosrew Pascha, der jetzige SeriaSker, Hussein und Halil Pascka, des Sultans Schwager, war sruheiWmi ^ Sklave. Die englische Note hat die größte Ausregunz hm «o ursachl, da sie in's innerste Leben der Türken einschneim. Verschiedenes. — Karlsruhe. Eine Neuerung in hiesiger Residenz „i l" Art der Straßenrinuen in der Herrenstraße und längs teszm Läugenstein'schen Garten» in der langen Straße. Wie «iü Leute sind schon, zum Theil sehr gefährlich, darüber geM und wie viele Unfälle stehen noch zu erwarte»? Sind den«»- bisher üblichen äußerst praktischen Rinnen ans gehauene» neu nicht gut genug? Sie sind im Gehen sehr angenehm überschreiten, leicht zu reinigen und erfüllen ihren Zweck vü kommen. Die angeführte Neuerung ist em um >o Mißstant, weil man, einmal an die beguemen abgeslackiken rnt toirs gewöhnt, nicht immer vorsichtig genug ist an jenen weW-» Stellen, welche nach dem neuen System ausgeführt sind. — Oie Cholera iri Teheran soll nach einer KorreW cenz der Times (20. Okt.) von 80,000 Menschen, 20,000 HW-' rafft haben. , , Nedigirt und gedruckt unter Verantwortlichkeit der Chrr Fr. Müller'schen Hofbuchhandlung.