3 kram bei Vorlagen und Vorträgen unter den Tiſch geworfen. Ein eif⸗ riger Wunſch nach dem Sachkern, dem Entſcheidenden und Weſentlichen ſpricht aus allen dieſen und manch anderen Handlungen. Kaum fünf Wochen nach der Thronbeſteigung ließ er ſich zum König von Ungarn krönen, und ſchon ſteht das öſterreichiſche Parlament auf der Ringſtraße, das ſeit Kriegsbeginn als Spital gedient hat, zum Empfang⸗der Volks⸗ vertreter bereit. Die Perſon des Miniſterpräſidenten bürgt dafür, daß das jetzt leere Haus nicht lange leer bleiben wird und dem Deutſchtum in ihm die Stellung geſichert werden ſoll, die ihm gebührt. Auch das Deutſchtum in Oeſterreich hat ſich in dieſem Jahr, in dieſem Krieg verändert und verjüngt, denn die Zeit vorher, ja, faſt ſeit dem bosniſchen Feldzug und dem Beginn der Aera Taffe hat es ſich um Politik nicht viel bekümmert. Es war nur zu wahr, was mir einmal ein Politiker ſagte:„Dem Adel gehört die Diplomatie, den Deutſchen die Induſtrie, den Slawen die Politik.“ Die beſten Kräfte, die Köpfe des deutſchen Bürgertums, hielten ſich Jahre und Jahrzehnte fern von aller Politik. Einſt ſaßen die Männer der deutſch⸗öſterreichiſchen allefamt im Parlament: Hye und Süß und Luſtkandl. Heute hat kein einziger Wiener Hochſchulprofeſſor ein Mandat! Um ſo eifriger haben 3 und Polen ihre gelehrteſten, gebildetſten und angefehenſten Männer in das Volkshaus nach Wien geſchickt. Auch das wird künftig anders werden; denn heute weiß jeder, daß Politik denn doch noch etwas anderes iſt, als die ewige Sprachenfrage, daß ſie der vitalſte Ausdruck eines Staatsgebildes iſt, und zuweilen auch wirklich im wörtlichen Sinn Lie Entſcheidung über Leben und Tod. Der Krieg hat den Deutſchen in Oeſterreich wiederum die leidenſchaftliche Luſt gegeben, an der Geſtaltung des Staatsganzen mitzuwirken. Denn dies war ja in der Zeit vorher ihre Stimmung und ihre Haltung: Skepſis, Reſignation, Melancholie. Jetzt aber hört man es von allen und von jedem, dem Manne von Rang und dem einfachen Arbeiter oder Bauern in der Provinz:„Wir haben uns unterſchätzt, wir haben c ei wie ſtark wir ſind. Der Sieg der Zentralmächte iſt zugleich auch ein Sieg der deutſch⸗öſter⸗ reichiſchen Induſtrie, der Kanonenfabriken in Pilſen, der Waffenfabrik in Steyr, der Munitions⸗, Uniform⸗ und Konſerpenfabriken, die über⸗ all im Lande oft über Nacht entſtanden und dem Kriege doppelt dienen, indem ſie ihm die Inſtrumente bereitſtellen und— durch Anleihezeich⸗ nungen und Steuerabgaben— das Kapital, durch die Induſtrie erwor⸗ ben und zur neuen Erwerbung ihrer Erzeugniſſe parat. Die öſterreichiſche Induſtrie, ehedem als ſchwerfällig, ſtarr und unbeweglich verſchrieen, hat ſich durch den Krieg verjüngt, ſie iſt anpaſſ⸗ ungsfähiger, beweglicher, prompter geworden. Faſt 400 neue Geſellſchaf⸗ ten ſind im Jahre 1916 gegründet, die beſtehenden haben 815 weſentlich erhöht, dennoch hat ein bei Banken und Sparkaſſen ein allgemeines der Bareinlagen ergeben. In den Kaſſen und Kellern warten Millionen an Werten auf den Wiederaufbau eines neuen und verjüngten Oeſterreichs! Buntes Allerlei. Der„Sachverſtändige“. Der größte Fehler in der franzöſiſchen Rüſtungsinduſtrie beſteht, nach Anſicht des„LDeuyre“, darin, daß von den militäriſcherſeits zur Arbeitsleiſtung beorderten Kräften die meiſten mit geradezu erſtaunlicher Treffſicherheit an den falſchen Platz geſtellt werden. Zeit⸗ und Geldver⸗ luſt ſind die unausbleiblichen Folgen dieſes in einem ſchlimmen Organi⸗ ſationsmangel wurzelnden Vorgehens, das nach den Verſicherungen des Pariſer Blattes noch immer nicht gebeſſert werden konnte. Als Muſter⸗ beiſpiel wird die Geſchichte des militäriſchen Kontrolleurs einer Kriegs⸗ werkſtätte in Courbevoie erzählt, der ſich durch beſonders umſichtige Kon⸗ trollmaßnahmen auszeichnen wollte. Bei dem Beſuch der Werkſtätten ließ er ſich das Militärbuch des Leiters des techniſchen Dienſtes vorlegen, um zu ſehen, welchen Beruf dieſer Mann im Zivilleben ausübe.„Ich bin Fahrradhändler“, erklärte der Angeſtellte, deſſen Leiſtungen in der Werkſtätte durchaus befriedigend waren.„Das geht nicht ſo weiter“, er⸗ widerte der Kontrolleur,„ich muß unbedingt einen Sachverſtändigen auf Ihrem Poſten haben“. Noch am ſelben Abend wurde auch ein Sachver⸗ Kändiger mit der Leitung der techniſchen Abteilung betraut, und zwar in ier Perſon eines— Käſehändlers von den Pariſer Markthallen. Und zvenn dieſer großartige Sachverſtändige nicht den„berechtigten“ Erwar⸗ Fungen entſprechen ſollte, ſtehen noch zwei andere Erſatzmänner zur Ver⸗ fügung: nämlich ein Hotelbeſitzer und ein Zahnarzt. Dieſe merkwürdige Auffaſfung von Sachverſtändigen in Bezug auf Munitionserzeugung er⸗ 4 ſich daraus, daß der Kontrolleur ſelbſt— Beſitzer eines Kabaretts Der franzöſiſche Dramatiker als Kohlenhändler. Ein Pariſer Blatt veranſtaltete kürzlich eine Rundfrage an die Künſtler und Literaten über die Art ihrer Wirkſamkeit während der letzten 2 Kriegsjahre. Unter den verſchiedenartigen Antworten, die gleichwohl faſt alle natürlich die Bedeutſamkeit ihres vaterländiſchen irkens in das rechte Licht zu ſetzen ſuchten, mußte der des beliebten franzöſiſchen Dramatikers Pierre Wolff entſchieden der Preis zuerkannt werden. Pierre Wolff vertauſchte nämlich während des Krieges das Dich⸗ terhandwerk entſchloſſen mit dem Amt eines Kohlenhändlers. Stets iſt er in ſeiner Wohnung hinter einem großen Zettelkaſten zu finden, in dem er die Namen und die Adreſſen der 9000 Perſonen eingeordnet hat, die er im Laufe der letzten 2 Winter mit Heizmaterial verſorgte. Jeden Morgen fahren 4 Militär⸗Laſtautomobile durch Paris, die die dem Elend preisgegebenen Dramatiker, Dichter, Bildhauer, Maler mit Kohle verſehen. Dieſer Dienſt, der von Pierre Wolff mit der Unterſtützung einiger Damen und Herren eingerichtet wurde, trägt den vielverſpre⸗ chenden, ſchönen Namen:„Das gute Feuer!“ Tloyd George auf dem Pfeifenkopf. Von Zeit zu Zeit wird in Frankreich die im Kriege entdeckte Poeſie der Soldatenpfeife neu aufgewärmt, was zu Huldigungen an die Adreſſe des verbündeten Englands Veranlaſſung gibt. So ſetzt neuerdings wie⸗ der„Figaro“ in einem ſalbungsvollen Artikel auseinander, daß die Zrüderlichkeit der Engländer und Franzoſen ſich am beſten dadurch er⸗ weiſe, daß die franzöſiſchen Soldaten mit beſonderer Vorliebe engliſche Pfeifen rauchen, die engliſchen Soldaten franzöſiſche. Aber auch die Po⸗ litik drücke ſich in Form und Schmuck der Pfeifen. aus, und wie ſehr die Premierſchaft Lloyd Georges in Frankreich begrüßt werde, laſſe ſich daran erkennen, daß die neueſten franzöſiſchen Pfeifen nur noch mit dem Bilde des engliſchen Miniſters geſchmückt werden. Es ſei zu hoffen, daß der berühmte Offenſivgeiſt Lloyd Georges ſich durch den Rauch aus den mit ſeinem Bildnis verſehenen Pfeifenköpfen auch den Soldaten der Alli⸗ ierten mitteilen werde. Das Gefängnis des Anterhauſes. An eine eigenartige Inſtitution für widerſpenſtige Abgeordnete, die vor gar nicht langer Zeit in England noch Zuſpruch hatte, erinnert „Tit⸗Bits“: Mit dem Unterhaus war ein Gefängnis verbunden, das für diejenigen Abgeordneten reſerviert blieb, die es am nötigen Reſpekt für die Regeln der würdigen, abgemeſſenen Vereinigung hatten fehlen laſſn. Das Gefängnis des Weſtminſter Schloſſes beſtand aus 4 Schlaf⸗ zimmern und 2 Salons im Innern des Uhr⸗Turmes. Freilich, der Ab⸗ geordnete, der dazu verurteilt wurde, in einer dieſer 4 Zellen zu woh⸗ nen, konnte nicht gerade als„hart geſtraft“ angeſehen werden. Die„Zel⸗ len“ nämlich glichen eher Vergnügungslokalen als richtigen Gefängnis⸗ räumen; es waren luftige Zimmer, mit allem Komfort eines erſtklaſſi⸗ gen Hotels ausgeſtattet.„Außerdem bekamen die Gefangenen ihr Eſſen aus der vorzüglichen Küche des Unterhauſes, und ſie durften ſich alle Gerichte ausſuchen, die ſie lockten. war ein gewiſſer Haken d dabei die Verpflegung geſchah nicht auf Rechnung des Staates, ſondern die„Gefangenen“ mußten die nicht geringen Unterhaltungskoſten in dem idealen Hotel⸗Gefängnis ſelbſt tragen. Der letzte Abgeordnete, der dieſe ſonderbare Prafe u erdulden hatte, war der bekannte Vorkämpfer der Theoſophie, Prof. Bradlough, der ſich trotz nachdrücklicher Mahnung des Sprechers weigerte, den Saal zu verlaſſen. Manchmal wurden auch Per ſonen, die nicht dem Parlament angehörten und die ſich z. B. eines Preſ⸗ onzfeiſchriis gemacht hatten, in dieſem Gefängnis aufgenommen. Noch ganz fri Direktor einer großen Zeitung ſeinen Freunden während ſeines Aufent⸗ haltes im Clock Tower gab. Die wirtſchaftliche Entdeckung Islands und Grönlands. Dänemark wurde unter dem Zwang der allſeitigen Ausfuhrverbote bezw. der ff und dem Riſiko einer überſeeiſchen Verſorgung mit mineraliſchen Rohſtoffen wie ſo viele Länder im Kriege, dazu ver⸗ anlaßt, ſeine eigenen W Möglichkeiten noch einmal zu über⸗ denlen, Beſondere Aufmerkſamkeit mußte es bei dieſem Beſtreben ſeinen. nördlichen, bisher ſtark vernachläſſigten Landbeſitz in der nördlichen Nordſee, Island und Grönland, zuwenden. Nach den bisher vorlie⸗ genden Berichten ſich dabei ganz überraſchende Ausnutzungsmög⸗ lichkeiten zu ergeben. In Island z. B. würde, wie der„Prometheus“ ausführt, über Nacht ein Kohlenrevier entſtehen. Die erſten Gerüchte wieſen der der Inſel Steinkohlenlager zu, deren nach Reyk⸗ javik geſandte Proben als ausgezeichnet befunden wurden. Verſchiedene Konſortien, die ſich mit wahrem Gründungsfieber in Dänemark bilde⸗ ten, haben ſich größere Gebiete um Staalfjeld geſichert. Auf die Aus⸗ beutung gleichzeitig denen Eiſenſandes von hohem Gehalt ſoll entz⸗ liſches Kapital ſich geihbbörfen haben. Um das wirtſchaftliche Zukunftsbild Islands vollſtändig zu machez, ſei noch an die bekannten großen Waſ⸗ 1 erinnert, deren einer abch bereits Eigentum eines däniſchen Kon⸗ ſortiums geworden iſt. Grönland dagegen ſcheint nach„Politiken“ in ſeinem ſüdlichen Teil große Graphitlager zu beſitzen, die gute Ausſichten für jahrelange Ausbeute bieten. Um die Ausnutzung möglichſt vorteil⸗ haft zu geſtalten, ſoll von der grönländiſchen Bergwerks⸗Geſellſchaft in Grönland ſelbſt eine Graphitreinigungs⸗Anſtalt errichtet werden, ſo daß nur gereinigter Graphit nach Dänemark zu befördern wäre. Die bisher feſtgeſtellten oder doch vermuteten Graphitadern befinden 80 bei Amit⸗ ſok, in der Nähe von Julianihaal, und bei ie wirtſchaft⸗ liche Entwicklungsmöglichkeit dieſer Gebiete braucht damit noch nicht als abgeſchloſſen betrachtet zu werden, da mit Sicherheit auf das Vorhan⸗ 85 mineraliſcher Schätze in den Bergen Grönlands gehofft werden darf. Kunſtbarbarei in Italien. Die Verunſtaltung des Straßenbildes durch moderne Denkmäler und altehrwürdige Kunſtwerke durch häßliche Reſtauratibn beginnt all⸗ mählich in Italien zu einer Kalamität zu werden, die die Aufmerkſamkeit weiteſter Kreiſe auf dieſe bedrohliche Erſcheinung lenkt.„In England“, ſo ſchreibt die„Tribuna“,„muß jeder Denkmalentwurf erſt einer auser⸗ wählten Künſtlergruppe zur Begutachtung vorgelegt werden. Wenn das freilich auch nicht dazu verhelfen kann, Werke von beſonderer Schön⸗ heit erſtehen zu laſſen, ſo wird es doch gelingen, dadurch große Mißgriffe zu verhindern. Sogar in Florenz kommen geradezu künſtleriſche Verwü⸗ tungen vor: die Bogenhallen am Piazza dell' Annunziata, die vorher in leuchtendem, warmem Gold ſtrahlten, ſind geweißt worden. Auch beim Palazzo Barbetti fällt die Reſtaurierung ſofort ins Auge, und die Pfei⸗ ler von St. Spirito ſind ohne rechtfertigenden Grund mit zwei Farben angemalt worden..... Es iſt freilich durchaus nicht geſagt, daß dieſer Feldzug gegen die Häßlichkeit ſehr erfolgreich ſein wird, da ein großer Teil des italieniſchen Publikums gegen die moderne Denkmalsverwüſtung völlig unempfindlich iſt. Rotationsdruck und Verlag von Carl Pfeffer in Heidelberg. Verantwortlich für die Redaktion R udolf K. Goldſchmit in Heidelberg. iſt in London die Erinnerung an das Feſtmahl, das der Samstag, 6. Januar Des Helden Heimhkehr. Von Hermann Wagner. Es darf nicht verſchwiegen werden, daß, als der Buchhalter der Sparkaſſe zu Nieder⸗Schirma, Otto Bimswanger, ſich trotz ſeiner 45 Jahre, trotz ſeiner 4 Kinder und trotz des Wunſches ſeiner Frau, die, wie immer, wenn Otto etwas wollte, prinzipiell dagegen war, ſich als Kriegsfreiwilliger meldete— es darf, wie geſagt, nicht derſchwiegen wer⸗ den, daß da ganz Nieder⸗Schirma ſehr, aber ſehr erſtaunt war. f 4 47 Wie— Otto Bimswanger, der ſchmächtige Buchhalter, der ſo gar nicht offenſive Mann, dieſer in einer achtzehnjährigen Ehe wiederholt aufs 55 t geſchlagene Pantoffelheld— Soldat?! och es, war ſo. ö Otto Bimswanger, der, ſolange er mit Martha Bimswanger, geb. Beißmann, verheiratet war, noch niemals etwas durchgeſetzt hatte, zeigte diesmal Willen, blieb ſtandhaft, rückte ein und ging ſchließlich— ganz Nieder⸗Schirma war baß verwundert!— an die Front ab. Aber nicht genug damit, daß er an die Front abging, kämpfte er auch. Und nicht genug damit, daß er kämpfte, kämpfte er auch tapfer, ſo tapfer, daß er— Nieder⸗Schirma riß Mund und Ohren auf!— ſich das 175 Kreuz erwarb. „Liebe Frau Bimswanger“, ſagte da der Sparkaſſendirektor Fürch⸗ tegott Bullermann zur Frau ſeines Angeſtellten,„ich gratuliere! Wer hätte das gedacht! Von ihm, dem Bimswanger! Nee!“ Frau Bimswanger ſeufzte bloß und erwiderte, wie eine Naturge⸗ walt, die die Technik kühn gezähmt hat, ſtolzereſigniert:„Ach ja—“ Ergab ſie ſich dem Unvermeidlichen, beſchloß ſie, die Tatſache, daß ihr Otto, der Zahme, nun plötzlich ein Held war, ohne Widerſpruch zu ttoeßsß;; Es ſchien ſo. 8 Und ſo reſümierte der Stammtiſch im Gaſthof„Zur Eiche“, als er eines Abends vollzählig verſammelt war:„Ah— jetzt kriegt er ſie klein! Nun ſehen wir ihn, wenn er auf Urlaub heimkommt, zum erſten Male bei uns im Wirtshaus! Otto Bimswanger kam auf Urlaub. Martha Bimswanger, geb. Beißmann, ſeine Frau, flog ihm, kaum daß er ausgeſtiegen war, um den Hals und rief in einem Ton, in dem eine verhaltene Zärtlichkeit die angeborene Herrſchſucht mild verdeckte: „Otto, mein Otto,— da biſt Du ja!“ Bimswanger, den ein dunkles Gefühl P0 machte, gelang es, ſich aus der Umarmung zu löſen, und ſeine Blicke ſchweiften ſehnſüchtig hinüber zu der Reihe einiger gleichfalls zur Begrüßung erſchienener Bürger von Nieder⸗Schirma. Schon machte ſein rechtes Bein eine Bewegung, als wolle es nach jener gefährlichen Richtung abſchwenken— allein ein energiſches Zupfen ſeiner Frau hinderte ihn daran. Indem ſie reſolut den Arm in den ſeinen legte, ſagte ſie voll milden Vorwurfs:„Otto, Du wirſt doch nicht?! Jetzt gehen wir nach Hauſe. Das Abendbrot wartet ſchon.“ Und Otto Bimswanger wagte keinen Einſpruch. *** Es muß geſagt werden, daß ſich Martha Bimswanger, geb. Beiß⸗ mann, am erſten Urlaubstage ihres Mannes ſehr nett benahm. Sie wurde nicht müde, ihren Otto zu liebkoſen und zu ſtreicheln, „Süßer“ und„Lieber“ und„Herzchen“ zu ihm zu ſagen, und ſie ſtand auch nicht an, jene Speiſe für ihn zu kochen, welche die ſeines Leibes war: Kalbsnierenbraten mit Kartoffelſalat. Aber ſie gab, als er am Abend ganz ſchüchtern den Wunſch andeu⸗ tete, ins Wirtshaus zu gehen, nur mit neckiſcher Zärtlichkeit zur Ant⸗ wört:„Aber Otto—l“ Am zweiten Tage indeſſen, ſo ſchien es, machte die urſprüngliche Zärtlichkeit einem weiſe temperierten Wohlwollen Platz, einem Wohl⸗ wollen, das etwas Mütterliches hatte, das manchmal gleichſam die Stirn runzelte und zu dem, wenn auch braven, 5 doch zuweilen unachtſamen Knaben zu ſagen ſchien:„Otto, vergiß Den Wunſch, ins Wirtshaus zu gehen, äußerte Otto an dieſem Tage lauter. Aber nur ein langer, ſehr vorwurfsvoller Blick war die Antwort, und ein langes, ſehr vorwurfsvolles Schweigen Der dritte Tag begann mit etwas, was man eine kleine Ausein⸗ anderſetzung nennen könnte. Frau Martha ſagte zu ihrem Mann:„Otto, Du gefällſt mir gar nicht mehr! Du warſt früher ganz anders! Hörſt Du denn nicht, daß unſer Nitchen ſchreit?!“ „Aber——“ verſuchte Otto zu erwidern. Doch ſeine Frau ſchnitt ihm ſehr ſchnell den Satz ab, indem ſie ganz einfach Fritzchen in ſeine Arme legte und entſchied:„Ich bitte Dich, kümmere Dich um ihn!“ Deine gute Erziehung nicht!“ Was blieb Otto Bimswanger da übrig? 5 Ach, er fühlte es, daß er nicht den Mut beſaß, zu widerſprechen! AUnd ſo nahm er denn Fritzchen und kümmerte ſich um ihn. An das Wirtshaus dachte er an dieſem Abend nicht. Dagegen brachte der vierte Tag eine Ueberraſchung. Otto Bimswanger zog gleich frühmorgens ſeinen Waffenrock an, huſtete energiſch und erklärte:„Heute will ich doch endlich mal———“ 8 Niemals ſollte Frau Martha Bimswanger, geb. Beißmann, er⸗ fahren, was ihr Mann an dieſem Tage eigentlich wollte. Sie nahm ihm kurz entſchloſſen die Mütze aus der Hand, verſchloß ſie im Schrank und Late entrüſtungsentflammt:„Wie? Du willſt ſort? Ohne mich?! Am frühen Morgen 21!!“ Ihre Augen machten dabei nur ein Fragezeichen, dafür aber drei Ausrufungszeichen. — drei Ausrufungszeichen war Otto Bimswanger nicht ge⸗ wachſen. Er, der im Kriege niemals mit dem Feinde paktiert hatte, bettelte jetzt ſehr kläglich:„Aber heute abend, Liebſte——9“ Worauf ea Frau ihn ſtreng anblickte und erklärte:„Heute abend wollen wir ſehen!“ Nun, es machte den Eindruck, als ob Frau Martha an dieſem Abend blind ſei. Denn ſie ſah nichts!— Den fünften Tag verhielt ſich Otto Bimswanger völlig folgſam und ruhig. Er kümmerte ſich um Fritzchen, ſtrich eine Gartenbank grün an, reinigte die Kleider der ganzen Familie, goß die Wäſche, trank nicht, rauchte nicht und beſchmutzte auch keinen Teppich. Am Abende dieſes geſegneten Tages ſagte Frau Martha zu ihrem Mann:„Otto, ſo gefällſt Du mir, ſo biſt Du brav! Nun werden wir die reſtlichen 5 Tage Deines Urlaubes friedlich verleben!“ „Ja,“ ſagte Otto kleinlaut und nickte ergeben mit dem Kopf. „Gehen wir zu Bett,“ ſagte ſeine Frau. Und auch darauf ſagte Otto ſchön brav:„Ja.“ * A. Beide gingen ſie ſchlafen, aber nur eines von ihnen ſtand am näch⸗ ſten Morgen zur üblichen Zeit auf. Dieſes eine war Frau Martha Bimswanger, geb. Beißmann. Wer beſchreibt das 35 dieſer Braven, als ſie im Bette ihres Gatten, an Stelle ſeiner ſelbſt, nur einen Zettel vorfand, auf dem ge⸗ ſchrieben ſtand: „Liebe Martha, ich muß Dir ſchon ſagen, daß mir der Urlaub zu lange dauert. Es geht mir zu kriegsmäßig bei uns zu Hauſe zu. Leb wohl, bleib hübſch geſund und küſſe mir die Kinder! Ich bin wieder eingerückt! Otto.“ Frau Martha war außer ſich und tobte; aber es nützte nichts, ihr Ottoe war bereits wieder an die Front geflüchtet... „Der Feigling!“ dachte ſie. Am Stammtiſch des Gaſthauſes„Zur Eiche“ aber, wo man durch eine Anſichtskarte Ottos von der Sache erfuhr, lachte man, war befrie⸗ digt und ſagte:„Das hat er gut gemacht! Er iſt doch ein Held!“ Das Handſchuhsheimer Schlößchen. Von Dr. Ernſt Traumann(fHeidelberg). Der Strom der Fremden, der ſich, angelockt durch die Reize der Natur und die Schönheit der Kunſtdenkmäler, zu jeder Jahreszeit über Heidelbergs Fluren ergießt,— oft auch ohne das Innere der Stadt elbſt, trotz ihrer hervorragenden hiſtoriſchen Exinnerungszeichen, zu be⸗ uchen— flutet in der Regel auf der linken Seite des Neckars, in der Richtung auf die markanteſten Punkte der Landſchaft und deren haupf⸗ ſächlichſten Sehenswürdigkeiten: auf Schloß, Molkenkur und Königſtuhl ab. Der geringere Teil, meiſt ſchon äußerlich, durch das Touriſtenge⸗ wand, als Wanderer erkennbar, wendet ſich über die neue Brücke der rechten Talſeite zu und erklimmt auf dem Philoſophenwege die Höhe des Heiligenberges, um ſich dann weiterhin nach Norden und Oſten in den unabſehbaren, dichten und doch ſtets an köſtlichen Ausblicken wieder auf das reichſte wechſelnden Wäldern zu verlieren. Nur eine kleine Schar dieſer Zugvögel aber weiß von den ſtilleren, intimeren Lockungen des ehemaligen, ſeit dem Jahre 1903 mit der Stadt Heidelberg vereinigten Dorfes Handſchuhsheim, zumal von einem Platze, deſſen Eigenart doch jeden Freund einer von geſchitlichem Zauber umwitterten Idylle, wah⸗ haft erquicken muß. Geht man vom Bahnhof her, durch den Neuenhei⸗- mer Stadtteil und die breite(leider durch ihre hohen Mietskaſernen das einſt ſo ländliche Ausſehen Handſchuhsheims entſtellende) Mittelſtraße, die in ihrem Anfange ehemals von den herrlichſten Nußbäumen beſtan⸗ den war, bis an deren Ende, wo ſie in die Doſſenheimer Landſtraße ein⸗ biegt,— der Bequemere kann dieſes Ziel mit der elektriſchen Straßen⸗ — 22—— geſtimmt, und während die Kar mane 0 ſchönes, trautes 7 die Mi Akanten zuſammen, bald 175 bold ſein“ 65 kam.—„Nun aber Sch und ſangen wir, bis die D d end ten niederſanken „Es j jager en die Roſſe, e es kracht d i Unterof ffiz zier, ein Lehrer, hatte ſich uns zugeſe wie von einer geheimen Ahnung ergri en, 1 5 ha d m, Rent Ners ö arry Robert ſch nicht an ihn, weil ich ei k und mir nock Male ſinge N, an die Lieben umer bereit bin, mit ihm z hen. Nur wenn o viel Zeit le äßt, dann will ichs noch einmal, zum zied Kampf 15 Sterben, mit dem Lebe⸗ danken ntiſche n, daß dieſe roma en, worin die ſchönen Kaſt 15 Pug Singo biloba die breite n ung und Freu er Tod jede Minute kommen kang, aber ich denke Intereſſe erhält das„Schlößchen“ durch die Wie iener Kriegs 1 ch ne Gedenktafe el auf der Nordſeite unterſtützt letzte Abend fei, als ob! wir zum letzten Male die geleh hätten r. Hans Wantoch. „da der berühmte L Landſe chaft tsmaler 38 Ro ott m nn a und dem treuen Mütterlein, dem Licb und der 3111 ein„Fa hr wohl!“ neue ich in einem Zuſtand der E 10. 1798 in dem Hauſe geb oren worden ſei. Doch hält dien ſagen wollten. Wie das Lied leife im Abendwind verklang, da ſtanden wenn auch n und Gliede rn, ſo doch um ſo mehr an gfältigen archivalif ſchen Unte erfuchungen, die Landge. Tränen in unſeren Augen und auch all die Kameraden waren tiefbewegt. Krone und W—— junge, jugend emperamentvolle d. Guſtav Chriſt ngeſtellt und im Jah ang 1912 Gerade wollt en wir uns in einer Halle zur Ruhe legen, als der Kaiſe ft 56799 5 FR 825 ii 1 8 aiſer K in piete ing ſeines Vorgäng oberſten Hoch⸗ 11810 veröffentlicht hat, nicht Schor Bef ſke„Fertig machen. h 192 91 0 0 Eine halbe Stunde ſpäter Wenae die Wü Wber an 8 5 S1 des Reg enten, zun ächſt in ihren chierten wir in die Nacht hinaus—— ‚˖ kundlick nia Kampf. Uni ahr mi uß 1797 lauten, und der 11. Januar iſt 1 nur als Tauftag bezeugt. Der„Bate r Karls, de 105 tlehrer und durch ſeine Darſtellungen aus Heidelbergs geriſcher 2 ſtutendiſcher Vergangenheit bekannt te Maler Frie! Rottmann, der niemals das Schlößchen beſeſſen hat, da. ihn um ſechs ahre überlebte, war zur Zeit von Karls 8 V des Waiſenſchaffners, und 9 50 damals Pienſimünmung im Waiſenhaus, 1579 59l Kurfü 5 ungen belaſſen. Aber: neben die beiden uralten Ge neraladiutanten urch Rü⸗des toten Kaiſers, neben den Grafen Paar und den Freiherrn v Bolfras, zie Kugeln rückte als dritter ein Mann Kaiſer Karls: der Prinz Zdenko Lobkowitz; 1 1 der ötwas hatte die du kle Nacht, in der w ben⸗ 35 Kleefelder ſtolperten, einem Dorf zu, während uns um die Ohren pfiffen. Wie wir am Dorfrand waren, kla anderen Seite ein brauſendes„Hurra!“ zu uns herüber⸗ nſere Kome⸗ 5 ſtürt nten das Dorf ſchon und die Franzoſen entwichen in das Dunkel.— Wie der Morgen heraufdämmerte ſchwärmten wir νρ klang von der den erſt en Oberſthofm iſter Franz Joſephs, den Fürſten Monte⸗ unf„als zweiter der Graf Berchthold, ehedem Miniſter des Aeußern, er er ſen 555 des Staates, ein Mann mit heimlichen wiſſen⸗ „deſſen Mineralienſammlung in Strudelbofpalais paiſchen Jüf genieße kein Redner, aber ein ſtiller, beharrlicher Tuer, über die Felder II. 1 en wa 2 ge Atze 0 0 R f eetee ſpater der fen einn 163 25 15 gus und marf ſchierten im Pebes auf„Dorf L. zu. Man ſab kinen 8 lfanpalttit 8 öeen, 38 be 55 Fre tzoſen, hörte nur ab und zueinen S In einer gewiſſen über⸗ 0 urch die Tatſachen chen P 1 7 ſitze ſtand, bis er vor wenigen Jahren bei der Anlegung mütigen 13 8 Stimmung ingen wir vor— keiner dachte an den Berchtholds Nach⸗ der? Mittelſtraße abgebrochen wurde.(Siehe auch Hufff chmid f. a. e Weiſen, die wir am Al 86119 zuvor ge⸗ der m A als 60⸗ inrich Clam Mar⸗ nz Ferd dinands auf zes aber auch: lei⸗ Somit wäre alſo das Geburtsl haus Karl R ottma erſchwunden. Nur ein ſteinernes Denkmal in ſch innert unzweideutig an ſeine in drei Generationen der dort vertretene Familie, das gemeinſame Grabmal ſeiner Hroel 2 1 vl 01 Ernſt des Krieges. Und di ſungen hatten, durchzogen leis nochmals Herz und Sinn——— Bis ſich der Nebel lichtete und mit d ö begann. Am Bahndamm, unweit des te 201.) tinic Ord W̃ el ker Kampf konnten hiſch 1 Gro 1 3 3 5 8 ſchaf Wiedereröffr eichiſchen Par⸗ und zweier ihrer Kinder, ein“ großer, mit einem Empire⸗Aufſatz ab nicht weiter. Mit einem ̃tbaren leriefe 8 5 ſchaß in ine von. den M 3— ſchließender roter Sandſteinwürfel im ehemaligen, der alten Kirche vor der Franzmann, 3 ie wir 50 3 erſter 5 850 h0l riec tſchechiſchen Feudaladels,. Unterſtrö⸗ 5 2 ge en in 0 1 Eiſer 8 en* Beſucher von der Straße 55 3 en Nation ſchroff und weil diefe Be⸗ te ſplitterten umher, bald da, U 1 d. 18 8 worden war. Und wenn wir ſind. Und das Großmachtfte elli Mitte ße und Pfarr 1 3 am d die Großmachtſtel⸗ ö 11 ba 501 Ahel hof, 10 hat der große ein ra end 1 5 Maſchinengewe ſ0 8 aller 8 8 W6n itz 83 deal alfferken und rön niſchen 8a8 ſchaft, von ſich hinter dem Damme vor! 5 die Mü n die in den ſtädtiſ chen Sammlungen, in der reichen Skiz⸗ E nblos ſchi jen uns der 5 8 ö gei nordete n zenmappe des He idelberger Malers Karl Fohr aufbewahrten Agr zum Rückzug. Die Kompagnie rellſtudien ſo beredte Kunde geben, ſeine erſten Eindrücke—— 1. E liegen—5 b oder— we 1 Kett gr gehül üllt war, eir „and ſch 1 52 ſind die Bilder, die ſich ſpäter drüben in Heidelberg vertieften, wohin mann, der wie ein Bater en ſeit 3 0 tens„die hen⸗ beännidel unſer Leutnant, d N hlafen vor uns Ur der mittlerweile aus ſeinem Waiſenamt geſchiedene 11 zum — 22 + Auch hier meiſter ausgebildete Vater im Jahre 1805, nach kurze Kufenihalt in fröhlichen Weſens alle gern Hölderlin be⸗[ München, zurückgekehrt war. Man braucht nur von S ndſchuhsheim Morgen kam ver ö Wa Auch aus den Blick in die weite Ebene zu richten, wo in der Ferne das alte 3 es O 83 unum(Ladenburg) mit ſeinen Römerreſten auftaucht, oder, gen hilflof etiefe Traurigkeit! war über Oſten, wo über dem Höhenzuge die bewaldete Kuppe des nahen Heiligen⸗ 5 ſchwer. wif⸗ be emporragt, die ringwaldbefeſtigte, ehrwürdige Kultſtätte der Kel⸗ te f 3uUr K cen r Hiſto⸗ ten, Nömer Alemannen ein Wahrel mons sacer und ein refugium 1 ſind nun„Kaiſer ſch mid, in den dieſer Völker in hart behröuger Kriegszeit„um zu begreifen wie der 100 Bewunde⸗ einer grü indli ichen in einer großartigen Landſchaft atmende Zar Aberhäuch der Gef hte, der hr zu werde Rüa der al in beftiger 15 Wa )ad von und allein noch erhalten ItTe ſchließt 1 trägt nn ging das freiadelige in dieſem Naturboden eingebettete Geiſt. einer zweitauſendjäh hrig ſchen Vergangenheit im Gemüte des 55 Knaben und* Wurzeln ſchlagen mußte. 3 kein Zufal daß Heidelbergs re Umgebung ihre künſtleriſche Entd Weäun und Ver öhnen der geliebten Heimakerde, den Rottmann, 1heroi⸗ — bertung Brüderen ken Fim Fohr verdanken, wie es kein Wunder iſt, daß dieſe 55 5 im ſch riſche Werk der gereiften Männer auf immer er ind durchglüht hat gel— onau⸗ Som⸗ ſtur 0 jofephin niſche Vergan⸗ en Oeſter⸗ Staates o⸗ zoſephi⸗ trat von ſeinem Baukdirek ktor, ie Vorvergange Btum 48 Aenderungen n den hürdie Schwerſt 0 3 Grannten ſchweren u n Felde 8 on Heinrich Leitz, Lt. d. R. üüm 0 Gräben nieder, Tod Eini ige Eiſerne Kre N V R och: e „zwei Jahre vor der Kfiege haben wwir dies Lied gelernt reine der oſſe, es kracht d45 Blei, heut geht es auf Feben und Ster⸗ K le r 8 d. erhielt Joſephs 8, ren wir auch eine Schar 393 her T Turner, die Mit j der Zeche die Welt ſahen wenn wir dies Lied ſangen, wurde umen weh und weich ums Herz.— gerollt ſaßen 8 zugend eilte das Bor——5 aten. ſe 2015 beherrf nter die 0⁰ von. einer nur es, den ein Gr den Helden, der vor dalag. In der Hand er wurde; hen mit Genie, unbän⸗ d Zeit der smus, lange niſterrats pr äſt⸗ Minif ſterpräfi⸗ 5 mächtigſten Bank und, Woltes It 1 5 rnoch in dieſer Kampf, ehat i lt mich nu Jordt „ ſondern achen Allen überflüfſ