Ar. 3. 1903. 18. Mürz Mitteilungen des Geſamtvorſtandes des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz. Erſcheint nach Bedarf. Geſchäftsſtelle: Karlsruhe, Gartenſtraße 47. Badiſcher Landesverein vom Voten Breuz. Da in letzter Zeit von verſchiedenen Seiten bemängelt wurde, daß die Schlußprüfungen der freiwilligen Sanitätskolonnen nicht von älteren erfahrenen Aerzten beurteilt werden, hat der Badiſche Landesverein vom Roten Kreuz bei dem Herrn Landesdelegierten der freiwilligen Kranken⸗ pflege im Großherzogtum Baden beantragt, daß dieſe Beurteilung künftig in Garniſonsorten durch ältere Militärärzte, in allen andern Orten durch die Großherzoglichen Herren Bezirksärzte erfolgen möchte. Das Großherzogliche Miniſterium des Innern hat hierauf an die Herren Bezirksärzte im Lande die nachſtehende Verfügung erlaſſen. Indem wir den Männerhilfsvereinen und Sanitätskolonnen dieſe Verfügung zur Kenntnis bringen, erſuchen wir die Vorſtände derſelben, uns von jeder öffentlichen Schlußübung der Kolonnen ſpäteſtens drei Wochen vor dem Zeitpunkt, an welchem die Uebung ſtattfinden ſoll, Mitteilung zu machen, damit wir die Genehmigung zur Abhaltung der Uebung bei dem Herrn Landesdelegierten einholen und die in Betracht kommenden Herren Militärärzte bezw. Großherzoglichen Bezirksärzte um Abnahme der Prüfung erſuchen können. Insbeſondere weiſen wir noch darauf hin, daß ſofort dem Badiſchen Landesverein vom Roten Kreuz Mitteilung zu machen iſt, wenn nach erfolgter Genehmigung der Schluß⸗ übung der Zeitpunkt für die Abhaltung derſelben aus unvorhergeſehenen Gründen geändert werden muß. Der Geſamtvorſtand. Miniſterium des Innern. Nr. 5673. Karlsruhe, den 9. Februar 1903. Die freiwillige Krankenpflege im Kriege betr. An die Großherzoglichen Herren Bezirksärzte. Seitens des Vorſtandes des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz iſt es als erwünſcht bezeichnet worden, daß die Beurteilung der öffentlichen, von dem Landesdelegierten der freiwilligen Krankenpflege genehmigten Schlußprüfungen der Sanitätskolonnen jeweils älteren ·RK———E 20 erfahrenen Aerzten und zwar, ſoweit es ſich nicht um Uebungen an Garniſonsorten handelt, bei denen naturgemäß in erſter Reihe ältere Militärärzte in Betracht kommen, den Großherzoglichen Bezirksärzten, in deren Dienſtbezirk die betreffende Uebung ſtattfindet, übertragen werde. Auch wir müſſen die Mitwirkung erfahrener und gegenüber den Kolonnen— ärzten ſich einer gewiſſen Autorität erfreuender älterer Aerzte bei den Schlußprüfungen der Sanitätskolonnen für durchaus förderlich und zweck— dienlich erachten und weiſen deshalb die Großherzoglichen Herren Bezirks⸗ ärzte an, auf jeweiliges, im Einzelfall ſeitens des Vorſtandes des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz an ſie ergehendes Erſuchen die bezüg⸗ lichen Schlußprüfungen abzunehmen und über das Ergebnis der Prüfung einen kurzen Bericht nach dem beiliegenden Muſter an den Vorſtand des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz einzuſenden. Dabei wird dem Prüfenden anheim gegeben, ſich am Schluß des Berichts auch über etwaige ſonſtige bemerkenswerte Beobachtungen, auf deren Erwähnung die in dem beiliegenden Berichtsmuſter enthaltenen Fragen nicht beſonders hinweiſen, auszuſprechen. Die durch die Abnahme der Prüfungen den Großherzoglichen Bezirks— ärzten erwachſenden Reiſekoſten und Tagegelder werden auf die Staats⸗ kaſſe übernommen; die betreffenden Forderungszettel ſind dem Groß— herzoglichen Verwaltungshof unter Bezugnahme auf dieſen Erlaß vorzulegen. (gez.) Schenkel. Bericht über das Ergebnis der Prüfung der freiwilligen Sanitätskolonne zu enne reeeen ſtattgehabten Schlußprüfung. 1. Name des Kolonnenführers bezw. Arztes, welcher die Uebung geleitet hat? 2. Zahl der Mannſchaften, welche an der Uebung teilgenommen haben? 3. Ergebnis der theoretiſchen Prüfung? 4. Ergebnis der praktiſchen Prüfung? 5. In welcher Richtung ſind Verbeſſerungen anzuſtreben? 6. Sind die für eine gute Durchbildung der Kolonne erforderlichen Lehrmittel und Ausrüſtungsgegenſtände vorhanden, eventuell welche Ergänzungen werden für notwendig gehalten? In welchem Zuſtande befinden ſich die vorhandenen Lehr— mittel und Ausrüſtungsgegenſtände? 7. Wurden die zu Krankenpflegern ausgebildeten Mannſchaften einer 11 Prüfung unterzogen, eventuell welches Ergebnis hatte ieſelbe? 8. Allgemeines Urteil über die kriegsmäßige Ausbildung der Kolonne. Etwaige ſonſtige Bemerkungen. Ehen en eeeee Der Großherzogliche Bezirksarzt. v- 21 Der Jahresbericht des Badiſchen Landesvereins vom Voten Breuz für das Jahr 1902. Die Tätigkeit des Vereins iſt in dem Berichtsjahr nicht nur auf der bisherigen Höhe geblieben, ſondern in verſchiedener Richtung hat ſich dieſelbe erweitert; ſo wurde die Ausbildung von Mitgliedern der frei⸗ willigen Sanitätskolonnen zu Krankenpflegern für den Kriegsfall in die Wege geleitet, zahlreiche Frauenvereine haben Unterrichtskurſe zur Heran— bildung von freiwilligen Kriegskrankenpflegern veranſtaltet und die Zahl der Vereine und Gemeinden, welche ſich die Bereitſtellung von Lagerſtellen für Verwundete und Kranke im Kriegsfall angelegen ſein laſſen, hat ſich weiter vermehrt. Von beſonderen Vorgängen innerhalb des Landesvereins iſt nach—⸗ ſtehendes zu erwähnen. Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog als Protektor des Landes⸗ vereins und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin wurden von dem Geſamtvorſtand zum Geburtsfeſte die Glückwünſche des Vereins durch Schreiben dargebracht, welche Allerhöchſtdieſelben mit huldvollem Dankſchreiben zu erwidern die Gnade hatten. Aus Anlaß des 50jährigen Regierungsjubiläums Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs hat der Geſamtvorſtand namens des geſamten Vereins dem Hohen Protektor gleichfalls ſeine Glückwünſche in einer untertänigſten Adreſſe überreicht, worauf dem Geſamtvorſtand ein gnädig⸗ ſtes Handſchreiben Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zugegangen iſt; außerdem hatte Seine Königliche Hoheit die Gnade, am 28. April nach der Feſtvorſtellung im Großherzoglichen Hoftheater eine Abordnung des Geſamtvorſtandes, beſtehend aus dem Vorſitzenden und vier Vorſtands⸗ mitgliedern, zu empfangen und die Glückwünſche des Vereins entgegen— zunehmen. Von Seiner Majeſtät dem Kaiſer wurden im Berichtsjahr 13 Rote Kreuz⸗Medaillen III. Klaſſe an Vereinsmitglieder und zwar an 2 Frauen und 11 Männer, welche ſich im Dienſte des Roten Kreuzes durch lang⸗ jährige Mitarbeit verdient gemacht haben, verliehen. An der vom 25. bis 29. Juli in Hamburg ſtattgehabten Führer⸗ und Aerzteverſammlung der deutſchen freiwilligen Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz haben in zahlreicher Weiſe Kolonnenärzte und Kolonnen⸗ mitglieder teilgenommen. Zur Teilnahme an der vom 29. Mai bis 4. Juni ſtattgehabten VII. internationalen Konferenz der Geſellſchaften vom Roten Kreuz hatte auch der Badiſche Landesverein eine Einladung erhalten; mit Rückſicht auf die beträchtlichen Koſten wurde jedoch von der Entſendung eines Delegierten abgeſehen und die Vertretung des Landesvereins dem Central⸗ comité der deutſchen Vereine vom Roten Kreuz in Berlin übergeben. Aus Anlaß des über die franzöſiſche Kolonie der Inſel Martinique im Jahre 1902 hereingebrochenen Unglücks, welches mit zerſtörender Gewalt unzählige Menſchenleben und wertvolles Eigentum vernichtet hat, wurde auf Anregung Ihrer Majeſtät der Kaiſerin ein Aufruf zur Beteiligung an der den Ueberlebenden zu gewährenden Hilfe erlaſſen. 22 8 28 ahl 3 2—5 der Aitgueder Bermögen 8 38—— U 3 88 3 Ort 1538„8 8 2 8 558 2˙3 8 8.2 4 33 33 2 35358 358 885 M. ja 70—— 130,—— 2 Baden⸗Baden ja 146——— 4026,86 aiitein 186—— 1,85 648,.— 4 J Bruchſal...I nein 33 192. 71,60— 5 J Donaueſchingen..] nein 89— 2— 1890,91 6 l Durlach... ja 427,64 7Ettenheiuiunmn ja 98 45— 712,63 8Ettlingen ja 213——— 779,30 K 18—— 72,80 34518,76 10 J Furtwangen nein 84—— 4.— 970,.— 11J Gengenbach...nein 37 109——— 12[Gernsbach...] nein 42 70— 104,65— 13 Heidelberg. ja 302 48— 1073,34 19465,11 14 Karlsruhe ja 135[268— 99,78 17881,86 Banen 188 1 174,80 eeeth ja 49 37 2 52,94 6693,20 Reeeen 196 64— 1530,15 18 Mannheimm. ja 398 19600,.— EFteeee 28.——— 20[ Mosbachh... ja E 6,18 1288,.— poaann. ja 117 2,10 572,70 22 Offenburg ja 356 144— 208,65 456,50 28 J Pforzheim.. ja 4242 4238,93 24]Radolfzell...ja irA— 16.— aieee ee 42—— 5l 26] Säckingen. ja 151,25 150,.— Neacthn 30 433 166,67— PStoch nein 25 68 79,56 343,27 29 J[ Tauberbiſchofsheim ja 2—— 30[ Waldkirch.ja 17ι 26,57 494,18 . ja 2 53,55 316,.— 32[Wolfach...I önein 30 51 5 70,39 50,.— Zuſammen 22 3820 1102 21 8415,76[113107,88 4943 121523,64 23 B Ke merku 1 ngen er handlungen i im G ange 45 Ver handlungen im Gan ge u wgi0S U W quozea Pis 1 30 ja 180 ja 20 ia 20 ja ja ja ja ja ja 30 ja ja ja 30-40 ja ja 23 Mann ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja 20 0 1 J91⁵ 0 uslloajos uomnuc ulo an uvquosus 400 15 u ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja ja 2 385 538333 3 3 12125 due 538 35 — quaοα m⁊g zuuvlos— ja ja ja ja ja ja ja Uhhpnaas uje Ur; SHoln ul! U185 ja ja ja ja ja ja auuojo 80 v pnuv 5 oule 10 zv ja ja ja ja ja ja ja ja ja jocoo ⁰ Unzuß use 3810 N ja ja ja Fi————.U—— 24 Der Badiſche Landesverein vom Roten Kreuz hat dieſen Aufruf im Lande verbreitet und Sammlungen veranlaßt; das Ergebnis derſelben waren 1107,20 M., welche dem Centralcomité der deutſchen Vereine vom Roten Kreuz in Berlin zur Weiterbeförderung übergeben wurden. Die Zahl der dem Landesverein angehörigen Männerhilfsvereine hat ſich im Berichtsjahr um einen vermehrt, ſodaß jetzt 32 Männerhilfs⸗ vereine im Lande vorhanden ſind; der neu hinzugetretene Verein iſt der Männerhilfsverein in Gengenbach. Der ſeither ſchon beſtandene Bezirksſamariterverein in Donaueſchingen wurde, nachdem er ſeine Satzungen denen des Landesvereins vom Roten Kreuz angepaßt hatte, auf ſein Anſuchen in den Landesverband des Roten Kreuzes aufgenommen; der genannte Verein hat hiernach die Rechte und Pflichten eines Männerhilfsvereins. Bezüglich der Leiſtungen der einzelnen Männerhilfsvereine und der von denſelben für den Kriegs⸗ fall übernommenen Aufgaben enthält die Tabelle Seite 22/23 das Nähere; der Bezirksſamariterverein Donaueſchingen war noch nicht in der Lage, über ſeine Leiſtungsfähigkeit für das Jahr 1902 zu berichten. Von den vorhandenen 328 Frauenvereinen mit 50 000 Mitgliedern wurden auch am Schluſſe des Jahres 1902 keine beſonderen Berichte über ihre Tätigkeit im Kriegsfall eingefordert; die Vereine hatten nur anzugeben, welche Veränderungen ſeit der letzten Berichterſtattung in den Vorarbeiten für ihre Kriegstätigkeit eingetreten ſind. Nach den einge— gangenen Mitteilungen haben weſentliche Aenderungen gegen das Vorjahr nicht ſtattgefunden; einzelne Vereine haben ſich die Ausbildung frei— williger Krankenpflegerinnen angelegen ſein laſſen, einzelne weitere Ver— eine haben in Verbindung mit den am Orte beſtehenden Männerhilfs— vereinen die Errichtung von Vereinslazaretten bezw. die Pflege der in den von den betreffenden Gemeindeverwaltungen in ihren Spitälern der Wilitärbehörde zur Verfügung geſtellten Lagerſtellen unterzubringenden Kranken und Verwundeten übernommen. Die von den Frauenvereinen zur Verwendung im Kriegsfall zur Verfügung geſtellten Gelder betragen 30 734 M. Die Ausbildung von freiwilligen Krankenpflegern haben wie in früheren Jahren die drei Kreisverbände der Genoſſenſchaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege an den Univerſitäten Freiburg i. B. und Heidelberg, ſowie an der techniſchen Hochſchule in Karlsruhe weiter geführt. Am Schluſſe des Jahres 1902 waren bei den genannten drei Kreis— verbänden an freiwilligen Krankenpflegern vorhanden: in Freiburg i. B. 21 praktiſch und 64 präparatoriſch ausgebildete in Heidelberg 37 J 3 5 in Karlsruhe 4 5„ 1145 0 zuſammen 62 6„ 304„„ Krankenpfleger. Da hiernach die Kreisverbände des Landes noch nicht in der Lage ſind, den beträchtlichen Bedarf an völlig ausgebildeten Krankenpflegern für den Kriegsfall zu decken, ſo hat der Landesverein die Männerhilfs⸗ vereine und freiwilligen Sanitätskolonnen erſucht, durch Bekanntmachung ide en ten ne fs⸗ er en en es en rn te ur en e⸗ hr r⸗ 8⸗ in er n in er d 25 an ihre Mitglieder geeignete militärfreie oder dem Landſturm angehöbrige Perſonen zur Anmeldung für den Dienſt als Krankenpfleger aufzufordern; auch in den Tagesblättern wurden Aufrufe zur Anmeldung erlaſſen. Das Ergebnis war, daß ſich 60 Mann meldeten. Die Ausbildung fand während des Berichtsjahres in der chirurgiſchen und mediziniſchen Klinik in Freiburg i. B., in der chirurgiſchen Klinik in Heidelberg, im ſtädti— ſchen Krankenhaus, im Vinzentiushaus und im Garniſonslazarett zu Karlsruhe, im ſtädtiſchen Krankenhaus in Konſtanz und in der Heil- und Pflegeanſtalt in Emmendingen ſtatt. Die Erfolge waren im allgemeinen recht gute; auf Grund der abgelegten Prüfung konnte an 22 Leute die Befähigung zur Ausübung der Kriegskrankenpflege erteilt werden. Die Ausbildung weiterer Mannſchaften verbot ſich infolge der hohen Aus— bildungskoſten und mangels ausreichender Geldmittel; die Ausbildung der 22 Leute koſtete 3875 M., da die betreffenden täglich eine Entſchädi— gung für entgangenen Arbeitsverdienſt erhalten mußten. Während der Ausbildung hat es ſich gezeigt, daß in den Unterricht nur ſolche Leute zugelaſſen werden ſollten, welche bereits zwei bis drei Jahre bei einer freiwilligen Sanitätskolonne an dem Unterricht und den Uebungen teilgenommen haben; Leute, welche noch keine Vorkenntniſſe beſitzen, halten das Fortſchreiten des Unterrichts auf.(Schluß folgt.) Aus dem Vereinsleben. Heidelberg.(Die Genoſſenſchaft freiwilliger Krankenpfleger im Krieg), Verband Heidelberg, hielt vor kurzem ihre Abſchlußprüfung im Hörſaal der chirurgiſchen Ambulanz ab. Die 14 ſtudentiſchen Mitglieder des jüngſten theoretiſchen Kurſes wurden durch den ausbildenden Arzt, den zur Klinik kommandierten Aſſiſtenzarzt Herrn Dr. von Zſchock in allen Zweigen der Krankenpflege geprüft: zum Schluß wurden Demonſtrationen von Verbänden ꝛc. vorgenommen. Herr Profeſſor Dr. G. B. Schmidt, der ärztliche Leiter der Genoſſenſchaft, ſprach ſeine volle Anerkennung über das Ergebnis der Prüfung aus, worauf der Geſchäftsleiter, Herr Profeſſor Deißmann, dem ausbildenden Arzt und den neu ausgebildeten Genoſſen den Dank der Genoſſenſchaft abſtattete. Auch Seine Exzellenz Herr Generalleutnant v. Winning, der auch dieſes Mal die Prüfung mit ſeinem Beſuche beehrte, war mit dem Ergebnis außerordentlich zufrieden. Später vereinigten ſich dann die jungen und alten Mitglieder der Genoſſenſchaft im Neuenheimer„Schiff“ zu der üblichen Abſchiedsfeier, die unter ernſten und launigen Reden in echt genoſſenſchaftlichem Geiſte verlief. Sieben Herren meldeten ſich dabei zu dem demnächſt beginnenden praktiſchen Kurs. Für die nächſte Zeit iſt eine Ausdehnung der Genoſſenſchaft auch auf nichtakademiſche Kreiſe geplant. Militärfreie junge Leute aller Stände, die ſich für die Krankenpflege intereſſieren, ſind der Genoſſenſchaft willkommen. Bruchſal. Jahresbericht der freiwilligen Sanitätskolonne des Männerhilfsvereins Mit dem Jahre 1903 ſchließt das 15. Jahr des Beſtehens der freiwilligen Sanitäts⸗ kolonne des Männerhilfsvereins Bruchſal ab. Während des Jahres 1902 bis 1903 ſind die Kolonnenmitglieder 26 mal zum Unterricht, bew. zu praktiſchen Uebungen zuſammengekommen; der theoretiſche Unterricht, welcher wiederum in dankenswerter Weiſe von dem ſeit vielen Jahren unterrichtenden Arzte Herrn Geh. Medizinalrat Klehe abgehalten wurde, umfaßte 10 Abende, während ———— 26 auf die praktiſche Ausbildung der Mitglieder, welche unter der Oberleitung des Herrn Geh. Medizinalrat Klehe, durch den Herrn Kolonnenführer Sänger und deſſen Stell⸗ vertreter Herrn Lehr ſtattfand, 16 Rebungsabende entfielen. Während die Mitglieder im theoretiſchen Unterricht mit dem Bau des menſchlichen Körpers, ſowie mit den, bei Ertrunkenen, Erſtickten, Betäubten ꝛc. anzuwendenden Wiederbelebungsverfahren, ferner mit den bei Verletzungen, bei Knochenbrüchen, Blutungen, Vergiftungen u. ſ. w. anzu⸗ wendenden erſten Hilfeleiſtungen bekannt gemacht wurden, wurden dieſelben im praktiſchen Unterricht im Anlegen von Notverbänden, im regelrechten Lagern von Verwundeten und Kranken auf Tragen, ſowie im Transport derſelben über Hinderniſſe wie Hecken, Mauern Gräben, ꝛc. unterrichtet. Weiter wurden die Mitglieder mit der Anfertigung von Not- verbandmaterial, von Nottragen, Strohſchienen, Strohmatten ꝛc. vertraut gemacht. Am 6. Juli fand von ſchönſtem Wetter begünſtigt, unter reger Beteiligung des Publikums im Forſterwalde die öffentliche Prüfung der Kolonne ſtatt, zu welcher der Geſamt⸗ vorſtand des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz, ſowie die hieſigen ſtädtiſchen Behörden eingeladen waren; auch zahlreiche Mitglieder der Nachbarkolonnen hatten ſich auf erfolgte Einladung eingefunden. Eine ſtattliche Schar von Sanitätler marſchierte mittags 2 Uhr unter den Klängen der Muſik dem Uebungsfelde zu. Daſelbſt angekommen ſchwärmten die Rotten mit den Tragen aus, um die zahlreich herumliegenden Verwundeten aufzuſuchen, zu verbinden und nach dem Verbandplatze zu bringen. Die Verbände wurden mit großer Ruhe und Sicherheit in kurzer Zeit angelegt; bei der Beſichtigung und Prüfung der Verbände wurde den Mannſchaften von ſachverſtändiger Seite die volle Anerkennung und Zufriedenheit ausgeſprochen. Nach beendeter Uebung vereinigten ſich die Teilnehmer an derſelben im Gaſthaus zur neuen Sonne zu längerem gemütlichen Zuſammenſein bei einem Glaſe Bier. In dem Beſtreben der Kolonne, mit andern Vereinen gleichen Zweckes in Fühlung zu kommen, dadurch zu lernen und ſich zu vervollkommnen wurde der VI. deutſche Führer und Aerztetag in Hamburg durch Herrn Kolonnenführer Sänger beſchickt; weiter wurden im Laufe des Jahres auf ergangene Einladungen die Schlußübungen der umliegenden Nachbarkolonnen durch Kolonnenmitglieder beſucht. Im Intereſſe des öffentlichen Wohles entfaltete die Kolonne eine erfolgreiche Samaritertätigkeit; während des verfloſſenen Jahres haben die Mitglieder in 57 Fällen Verunglückten erſte Hilfe geleiſtet. Die Kolonnen⸗ mitglieder, welche zum Zwecke der Hilfeleiſtung mit einer Verbandtaſche ausgerüſtet ſind, müſſen über jeden einzelnen Fall an die Kolonnenführung, bezw. Schriftleitung auf einem mit Vordruck verſehenen Scheine Bericht erſtatten. Die Tätigkeit der Mitglieder erſtreckte ſich in der Hauptſache auf die erſte Hilfeleiſtung bei Verletzungen an den Händen, Armen, an Beinen und am Kopfe; auf Quetſchungen, Verrenkungen und Verſtauchungen, auf Knochenbrüche, Stichwunden, Ohnmachten, ſowie drei Krankentransporte. Bei zwei Brandfällen hat die Kolonne Sanitätsdienſte, bezw. Wache getan und an ſämtlichen Feuerwehrproben teilgenommen. Die Zahl der aktiven Mitglieder betrug anfangs des Jahres 39 mit Einſchluß des Arztes. Austritte erfolgten 9, zum großen Teil infolge Wegzugs von Mitgliedern. An Zuwachs erhielt die Kolonne während des Jahres drei Mitglieder, ſo daß der jetzige Beſtand der Kolonne 33 Mann beträgt. An paſſiven, unterſtützenden Mitgliedern, zählt der Verein 192. Herausgegeben vom Geſamtvorſtande des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz. Verantwortlich für die Redaktion: Oberſt z. D. Stiefbold. Druck der G. Braun'ſchen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe.