K Nr. 5. 1903. 1. Inni. Mitteilungen des Geſamtvorſtandes des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz. Erſcheint nach Bedarf. Geſchäftsſtelle: Karlsruhe, Gartenſtraße 47. Badiſcher Candesverein vom Roten Breuz. Sitzung des Geſamtvorſtandes vom Roten Kreuz vom 18. März 1903. Anweſend: Dr. Genter, Geheimerat Haas, Leutnant a. D. Hepp, Hoflieferant Pecher, Kommerzienrat Reiß-Mannheim, Major a. D. Seubert⸗Mannheim, Oberſt z. D. Stiefbold(Vorſitz), Hofapotheker Stroebe, Geh. Hofrat Thumm-Pforzheim, Generalleutnant v. Winning— Heidelberg, Medizinalrat Ziegler. Der Vorſitzende berichtete über die Rechnung des Landesvereins für das Jahr 1902. Das Geſamtvermögen betrug am Schluſſe des Jahres 190 559 M. 18 Pf., darunter der Wert des Inventars im Betrage von 29 383 M. 14 Pf., das Vermögen hat ſich gegenüber der Rechnung vom Jahre 1901 um 2801 M. 86 Pf. vermindert, was hauptſächlich durch die beträchtlichen Koſten für die Ausbildung freiwilliger Krankenpfleger veranlaßt wurde. Die Einnahmen betrugen 6 273 M. 42 Pf., die Aus⸗ gaben 13 568 M. 55 Pf., darunter ein größerer Betrag für die An— ſchaffung der Kriegsausrüſtung für die Krankenſchweſtern. Die Rechnung wurde genehmigt und dem Rechner Entlaſtung erteilt. Der Voranſchlag für das Jahr 1903 enthält Einnahmen 27 150 M., darunter das Ergebnis der 4. Roten Kreuz-Lotterie mit 21000 M., und Ausgaben im Betrag von 13 850 M., darunter 2000 M. für die Aus⸗ bildung freiwilliger Krankenpfleger, 1500 M. Zuſchüſſe an die Sani⸗ tätskolonnen und Männerhilfsvereine und 3 000 M. für Anſchaffung von Bekleidungs⸗ und Ausrüſtungsſtücken. Der Voranſchlag wurde genehmigt. Das Ergebnis der 4. Badiſchen Roten Kreuz⸗Lotterie beläuft ſich auf 21000 M.; von dieſer Summe werden der Abt. III des Badiſchen Frauenvereins für die Ausbildung von Krankenſchweſtern 1000 M. und für den Penſionsfonds der Schweſtern 1000 M., der Unterſtützungskaſſe der Sanitätskolonnen 1000 M. und 600 M. dem Karlsruher Männer⸗ zur Beſchaffung von Ausrüſtungsgegenſtänden für die Kolonne ewilligt. 2 6r rrrrrrrrrL 38 Mit der Ausbildung freiwilliger Krankenpfleger ſoll, mit Rückſicht auf die hohen Koſten jedoch in beſchränkter Weiſe wie im letzten Jahre, fortgefahren werden; zu dieſem Zweck werden 2000 M. bewilligt. Mit Rückſicht auf die beſchränkten Mittel des Landesvereins wird die urſprüngliche Abſicht, dem Auguſta-Fonds einen Betrag zu überweiſen, aufgegeben. 2 Zum Schluſſe der Sitzung wird die Wahl des Vorſitzenden vor— genommen, deſſen Amtsdauer abgelaufen iſt und welcher erklärt hat, eine eventuelle Wiederwahl wegen Ueberhäufung mit Geſchäften nicht mehr annehmen zu können. Es wird auf Vorſchlag Generalmajor z. D. Limberger einſtimmig zum Vorſitzenden mit Wirkung vom 1. April 1903 ab gewählt; derſelbe erklärt ſich bereit, die Wahl anzunehmen. (Die Mitteilung über den Wechſel im Vorſtand iſt den Vereinen am 19. März 1903 Nr. 231 zugegangen). Herr Geheimerat Haas drückte dann in herzlichen Worten Herrn Oberſt Stiefbold den Dank des Geſamtvorſtandes für ſeine langjährige raſtloſe Tätigkeit und ſein erfolgreiches Wirken aus. Des weiteren wurde der Oberſt durch folgendes huldvolle Schreiben aus dem Großh Geh. Kabinett ausgezeichnet: Wertgeſchätzter Herr Oberſt Stiefbold! Wie ich erfahre, ſind Sie im Begriff, von der Stellung des Vorſitzenden des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz zurück— zutreten, nachdem Sie dieſes Amt lange Jahre hindurch verſehen haben. Es iſt mir eine werte Pflicht, Ihnen als Protektor des Vereins bei dieſem Anlaß meine herzliche Dankbarkeit und meine warme Anerkennung für alles auszuſprechen, was Sie für das Rote Kreuz geleiſtet haben. Möchte Ihnen reiche Befriedigung aus dieſer Arbeit in dem Bewußtſein erwachſen, daß Sie Ihre Kraft und Ihre ſtets pflichttreue Hingebung einer Sache gewidmet haben, die die ſchönſten und edelſten Beſtrebungen hilfreicher Nächſtenliebe in ſich ſchließt. Ihr ergebener (gez.) Friedrich. Karlsruhe, den 1. April 1903. Oberſt Stiefbold hat auf unſer Erſuchen dieſes Kabinettſchreiben zur Verfügung geſtellt und wir glauben, daß wir durch Veröffentlichung des⸗ ſelben nicht nur eine Dankesſchuld an unſern Hohen Protektor ehrfurchts⸗ vollſt abtragen, ſondern auch allen unſern Mitgliedern eine große, die ſchöne Sache fördernde Genugtunung bereiten. Schließlich wird noch bemerkt, daß Oberſt Stiefbold die Leitung der Abt. IIl unſeres Badiſchen Frauenvereins beibehält und auch fernerhin dem Geſamtvorſtande des Landesvereins angehören, und ſomit nach wie vor ſein bewährter Rat uns erhalten bleiben wird. 0 0 icht re, ird en, Or⸗ ine ehr nig lbe 903 rn ige ben des ick⸗ )en des ine uus zur es⸗ ts⸗ die jin vie 39 Mlitteilung. Die diesjährige Konferenz der Vorſtände der Deutſchen Landesvereine vom Roten Kreuz ſindet zu Straßburg i. E. vom 4. bis 6. Juni ſtatt. Es werden von unſerm Landesverein mehrere Mitglieder des Ge— ſamtvorſtandes teilnehmen. Es werden durch Mitteilung des Central comités vont 16. April A. Nr. 398 auch Mitglieder der Zweigvereine eingeladen, die nach ihrer Sachkenntnis und Erfahrung erwarten laſſen, daß ſie in den zur Beratung geſtellten Fragen an der Herbeiführung maßgebender Beſchlüſſe klärend und fördernd ſich beteiligen werden. Der diesſeitige Vorſtand erſucht, bezügliche Anmeldungen hierzu an ihn zu richten. Tagesordnung zu der Konferenz vom 4. bis 6. Juni— Donnerstag, den 4. Juni: 1. Nationale und internationale Aufgaben des Roten Kreuzes auf Grund der Ergebniſſe(Beſchlüſſe) der Petersburger Konferenz. Referent: Profeſſor Dr. Wiegand-Straßburg. 2. Die Stellung der Vereinsorganiſation vom Roten Kreuz zu der durch das Reichsgeſetz vom 22. März 1902 geſchaffenen Sachlage. 3. Beratung über eine etwaige Abänderung bezw. Ergänzung der Ueberein— kunft vom 20. April 1869. 1. Ausdehnung der Gemeindekrankenpflege und weitere in Ausſicht ge— nommene Ziele auf dieſem Gebiete. 5. Das Bedürfnis,„Krankenhäuſer vom Roten Kreuz“ in größerem Umfang zu errichten und ihre Aufgaben für das Friedens- und Kriegsverhältnis. 6. Die Heranbildung von Helferinnen für den Kriegsfall. 7. Beratung über die Frage des Beitritts der Gemeinden als Mitglieder der Landes⸗ bezw. Provinzialvereine vom Roten Kreuz. Freitag, den 5. Juni: 1. Vorſchlag, ſtatt der bisherigen Bezeichnung„Sanitätskolonne“ den Namen„Krankenträgerkolonne“ anzunehmen. (Siehe Jahresbericht des Landesvereins vom Roten Kreuz im König— reich Sachſen für 1899 und 1900 S. 12.) 2. Ueber die bisherigen Verſuche mit der Ausbildung von Schüler— krankenträgern. 3. Die bisherigen Erfahrungen mit der Ausbildung von Kranken— pflegern. 4. Kommiſſionsſitzungen. Samstag, den 6. IJnni: 1. Stand der Vorarbeiten zur Herausgabe von Dienſtvorſchriften für ſämtliche Sanitätskolonnen vom Roten Kreuz Deutſchlands gemäß den Stuttgarter Beſchlüſſen. (Anregung von ſeiten der Direktoriums des Landesvereins vom Roten Kreuz im Königreich Sachſen.) Vorſchlag der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz„Berlin“, alle Mit— glieder von Kolonnen zwiſchen dem 55. und 60. Lebensjahr zur Ko— lonnenreſerve Jund ſolche zwiſchen dem 60. und 70. Lebensjahr zur Kolonnenreſerve ll zu verſetzen. Sicherſtellung von Entſchädigungen für Kolonnenmitglieder bei Un— fällen zu Fiedenszeiten. (Anregung des Direktoriums des Landesvereins vom Roten Kreuz im Königreich Sachſen.) 4. Stand der Arbeiten zur Bereitſtellung der Ausrüſtung für die Sani— tätskolonnen. (Anregung, wie bei Ziff. 3.) EN Ausbildung zum Transportdienſt. Der Vorſitzende hat gelegentlich ſeiner Anweſenheit bei Schluß— prüfungen der Sanitätskolonnen zuvor folgende beſondere Anforderungen zugeſtellt, die hiemit allgemein bekannt gegeben werden. Badiſcher Landesverein vom Roten Krenz Karlsruhe. Vorſtand Nr. 326. Nach dem ſoeben ausgegebenen Neudruck der Vorſchrift über die freiwillige Krankenpflege beſteht die Möglichkeit, daß u. a. das Transport— perſonal in erſter Linie, d. h. im Anſchluß an das operierende Heer (unter Zuteilung an eine Sanitätskompagnie) Verwendung findet. Es muß daher die Ausbildung für den Transportdienſt eine erhöhte Beachtung finden und werden die Prüfungen an Bedeutung für ein ſach— gemäßes Verfahren gewinnen, wenn man bei ihnen Transportvorarbeiten feldmäßig ausführen läßt. In Uebereinſtimmung mit den Bemerkungen des Kaiſerlichen Militärinſpekteurs der freiwilligen Krankenpflege(mitgeteilt in Blatt Nr. 1 von 1903) wird daher erſucht, die nachgenannten Auf— gaben an Ort und Stelle mit Hilfsmaterial ausführen zu laſſen. (Es iſt ſelbſtverſtändlich, daß zur Erſparung aller unnötigen Gänge ꝛc. ꝛc das Material ſchon ausgeſucht zur Stelle iſt.) Aufgaben für die Prüfung ärztlicher Improviſakionsarbeiten, Vorbildung für den Brankentransport. J. Herrichtung eins Eiſenbahngüterwagens zum Krankentransport(feld— mäßig) aus unvorbereitetem Material(Behelfsmaterial). Mit Bodenlagerung und Hängelagerung. 2. Herrichtung eines Leiterwagens für den Verwundetentransport auf der Landſtraße. 3. Herrichtung mehrerer kleiner Wagen, auch Handkarren, für Ver⸗ wundetentransport auf kürzere Entfernungen. 4. Herrichtung von Hängematten, gewöhnlichen Bahren und Tragſtühlen. 5. Verwendung von Fahrrädern zu Krankenfahrbahren und Einrich— tungen zum Transport von Verwundeten auf oder mittels Pferden. ——— 41 it⸗ 6. Ferner werden in Uebereinſtimmung mit Punkt 10 der Bemerkungen Lo⸗ des Militärinſpekteurs Einrichtungen zum Waſſertransport bei geeig⸗ zur neten Gelegenheiten zur Vorführung empfohlen. 7. Intereſſant wäre auch Einrichtung einer feldmäßigen Lazarettküche n⸗ Gochherd aus Backſteinen), Vorführung der Kochkiſte. Feuer mit grünem Holz u. dergl. uο(Unter der Vorausſetzung von Betriebsſtörungen im Bahntransport auf längere Zeit auf freiem Felde und ſo ungünſtiger Art, daß eine ni⸗ Selbſthilfe des Transportperſonals auch hinſichtlich der Verpflegung eine einfache Pflicht der Selbſterhaltung wird) Winke zur Ausrüſtung etc. iß⸗ Der Vorſtand macht hier wiederholt darauf aufmerkſam, daß Aus⸗ jen rüſtung und Bekleidung ſtets vorſchriftsmäßig ſein ſollen. Er iſt jederzeit bereit, bei allen bezüglichen Anfragen mit Rat und Tat beizuſtehen. Eleine Mitteilungen. Der Deutſche Samariterverein in Kiel— deſſen zwölfter Bericht, 1897 bis 1902 eer umfaſſend, vorliegt— hat die lobenswerte Einrichtung, intereſſante Mitteilungen über Samariterdienſte zu veröffentlichen. hte Wir entnehmen: ch⸗ 1. Gelungene Anlage eines Ftützverbandes. ten Im Sommer 1898 hatte ein Herr aus Nürnberg das Unglück, mit ſeinem Zweirad jen in einen Graben zu ſtürzen und ſich einen ſchweren Bruch des Unterſchenkels zuzuziehen. elt Es ſammelte ſich ſofort um den Verunglückten eine Menge Menſchen, bald war eine uf⸗ Droſchke da, in die man den Mann hineinheben wollte, um ihn ins Hoſpital zu trans⸗ portieren. Zum Glück kam die Frau des berühmten Malers v. Blaas aus Wien, aus jen der Villa ihres Vaters heraus und proteſtierte ſofort energiſch gegen das Vorhaben. Die Dame hatte eine Samariterſchule durchgemacht und war eine eifrige Samariterin geworden. Sie konnte in kurzen Worten den verſammelten Leuten erklären, daß ſie gerlernt habe, es ſei höchſt gefährlich, einen Menſchen, der einen Beinbruch erlitten, ohne einen zweck⸗ mäßigen Verband fortzutransportieren, weil die gebrochenen Knochen dabei fortwährend ins Fleiſch bohrten und die vorhandenen Wunden durch die Berührung der Kleider ver⸗ unreinigt würden. ld⸗ Die Dame ſchnitt jetzt mit einer Scheere die blutdurchtränkten Beinkleider auf und es fand ſich, daß die Spitze des gebrochenen Knochens aus der blutigen Hautwunde hervorragte. Mit reinen Tüchern und Quellwaſſer reinigte ſie die Umgebung der Wunde, iuf ohne dieſe ſelbſt zu berühren, ließ ihren Mann den Oberſchenkel halten und zog nun ſelbſt ſo lange vorſichtig an dem Fußende des Beines, bis der Knochen wieder in die Wunde er⸗ zurücktrat.(Zug und Gegenzug.) Unterdeſſen hatten die Umſtehenden nach ihrer Anweiſung Schienen aus umher⸗ N liegenden Brettern geſchnitten, ſie umwickelte dieſelben mit reinen Tüchern, legte ſie zu ch⸗ beiden Seiten des gebrochenen Beins an und befeſtigte ſie ſo, daß die gebrochenen Knochen . ſich nicht mehr bewegen konnten. Dann erſt wurde der Mann vorſichtig auf einen breiten Brückenwagen mit Zeltdach gehoben und, gut auf Matratzen gebettet, langſam in das Krankenhaus gefahren. Auf dem Transport empfand er keine Schmerzen. Der Verlauf der Heilung war demgemäß auch ſehr günſtig. 2 Fälle von gelungener Flutſtillung. Der Inſpektor auf einem großen Gute in Oſtpreußen wollte einen ſehr bösartigen Eber vom Hofe in den Stall jagen, als er von dieſem angenommen wurde. Das Tier brachte ihm mit ſeinem Hauer eine große Wunde am Oberſchenkel bei, und zerriß dabei die große Pulsader, aus welcher ein mächtiger Blutſtrom hervorſtürzte. Er wäre ohne Zweifel in kürzeſter Zeit verblutet, wenn nicht der Herr des Gutes in der Nähe geweſen. Derſelbe hatte vor kurzem in der Stadt an einem Samariterunterricht teilgenommen und trug einen elaſtiſchen Tourniquet⸗Hoſenträger. Raſch zog er den Hoſenträger hervor, umwickelte, wie er es gelernt hatte, das Bein oberhalb der Wunde mit dem elaſtiſchen Gurt bis die Blutung vollſtändig aufhörte. Dann wurde nach der Stadt zum Arzte geſchickt, der die ganz durchriſſene Pulsader in der Wunde unterband und letztere zunähte. In kurzer Zeit war der Patient geheilt, der ohne die raſche Hilfe ſicher ver⸗ blutet wäre. Ein dreizehnjähriger Dienſtjunge, der bei den Erntearbeiten beſchäftigt war, kam dem Meſſer der Mähmaſchine zu nahe, welches ihm den rechten Fuß faſt abſchnitt. Aus mehreren durchſchnittenen Adern ſpritzte das Blut und der Knabe wäre in kurzer Zeit verblutet, wenn nicht raſch zweckmäßige Hilfe geleiſtet worden wäre. Ein Arzt wäre vor mehreren Stunden nicht zu haben geweſen, der Bauer wußte nicht zu helfen. Schließlich erklärte der Knabe, dem ſeine verzweifelte Lage vollkommen klar war, er wolle es ſelbſt verſuchen, denn ſein Lehrer habe ihm geſagt, daß man verbluten müßte, wenn die verletzte Schlagader nicht abgebunden würde. Er ließ ſich alſo einen dünnen Strick geben, richtete ſich, trotzdem er durch den ſtarken Blutverluſt ſchon ſehr geſchwächt war, auf, und band den Strick oberhalb der Wunde feſt um das Bein, ſodaß die Blutung aufhörte. Als ſpäter der Arzt kam und die durchſchnittenen Pulsadern unterband, erklärte derſelbe, daß der beherzte Junge nur durch ſeine Geiſtesgegenwart ſich vor dem Tode gerettet habe. 3. Tod durch Verblutung mangels ſachverſtändiger gilfe— trotz ſonſtiger Forgfalt. Als ich im Herbſt 1886 die Treibjagden auf Gemſen über Bayriſchzell, Schlierſee und Vallepp mitmachte, erzählte unſer hoher Jagdherr, Herzog Karl Theodor in Bayern, daß im vorigen Jahre, als er in Meran war, ein Bauer aus einem hochgelegenen Berg— dorfe nach Meran gebracht wurde, der ſich mit der Axt in den Oberſchenkel gehauen und die große Oberſchenkelpulsader verletzt hatte. Man hatte ihn auf einer Tragbahre hinunter⸗ getragen, ohne die Blutung zu ſtillen, und als er nach einigen Stunden im Hoſpital ankam, war er verblutet. Im Oktober 1878 auf der Brandenberger Jagd(Tirol) hatte ſich der Graf Leoprechting mit ſeinem Expanſionsgewehr das Knie zerſchmettert. Die Jäger trugen ihn auf einer extemporierten Bahre drei Stunden weit hinunter. Da aber nichts geſchehen war, um die Blutung aus der Wunde zu ſtillen, ſo verblutete der Graf unterwegs. ch uf 43 4. Wiederbelebung durch künſtliche Atmung. Dr. Jacob in Kiel hat ein dreijähriges Kind, das im Winter zufällig in das mit Waſſer gefüllte Springbrunnenbaſſin im Garten gefallen war und darin eine halbe Stunde unter Waſſer gelegen hatte(ſodaß es beim Suchen nicht gleich bemerkt worden war), durch fünf Stunden lang fortgeſetzte künſtliche Almung wieder ins Leben zurückgerufen⸗ 5. Gelungener Eingriff gegen Erſtickungsgefahr infolge Fremdkörpers im Schlund. Auf einem Feſtmahl blieb einem Herrn ein großer Biſſen derart im Halſe ſtecken, daß er aus Mangel an Luft blaurot im Geſicht und ohnmächtig wurde und vom Stuhle ſiel. Alles ſprang auf, und der Bewußtloſe wurde auf ein Sofa getragen, ein Arzt war nicht zugegen und Niemand wußte zu helfen. Der Unglückliche wäre ohne Frage in wenigen Minuten ein Kind des Todes geweſen, wenn ſich nicht unter den Gäſten eine Dame befunden hätte(die Tochter unſeres heldenmütigen Generals von der Tann), welche erſt vor Kurzem in München an dem Samariterunterricht teilgenommen hatte. Dieſelbe erkannte ſofort, um was es ſich handle, drückte die Naſe mit den Fingern der linken Hand zu, führte raſch Zeigefinger und Daumen der rechten Hand über die Zunge in den Schlund ein und entfernte ein großes Stück Sellerie, welches ſich dort feſtgeklemmt und den Kehlkopf zuſammengedrückt hatte. Der Herr kam ſogleich wieder zum Bewußtſein. 6. Gelungene Blutſtillung bei einem verletzten Militärpferd. General von Langenbeck ſchrieb im Jahre 1885 aus Saarburg in Lothringen: „Ich habe hier beim Ulanen⸗Regiment in der Kantine die Tourniquet⸗Hoſenträger des Profeſſor Dr. v. Esmarch eingeführt und zwar zu einem ſo billigen Preiſe, daß ſie jetzt ziemlich allgemein getragen werden. Bei einer Felddienſtübung ſtürzte neulich ein Pferd und riß ſich über dem Knie eine Ader auf, ſodaß das Blut im Bogen hervorſprang und nicht zu ſtillen war. Es wurde nun ein Hoſenträger angelegt und dadurch nicht allein das Blut ſofort geſtillt, ſondern auch das Pferd ſofort vollkommen dienſtfähig gemacht, denn es ging mit der Bandage die ganze Uebung weiter mit. Im Hauſe wurde es mit dem Hoſenträger unter eine Douche geſtellt und dadurch, als der Hoſenträger nach einiger Zeit entfernt wurde, jede Blutung vermieden.“ Wir bezeugen hiermit noch gerne, daß unſere Kameraden von der Sanitätskolonne im letzten Jahre 1902/03 in 2500 Fällen und teilweiſe recht ſchweren, Gelegenheit hatten, ihr Verſtändnis und ihre Hilfsbereitſchaft an den Tag zu legen. Wir bitten uns für die Zukunft außer dem Eintrag in die bekannten Liſten über allgemein intereſſierende Vor⸗ kommniſſe Bericht zum Einrücken hier in das Blatt zu geben, um dem alten Grundſatz nachzukommen: „Lang iſt der Weg durch Lehren, kurz und wirkſam durch Beiſpiele.“ Ueuerſchienene Bücher etc. 1. Dienſtvorſchrift„Freiwillige krankenpflege.“ Sonderabdruck des Teils VI. der Kriegs⸗Sanitätsordnung Berlin 1903 E. S. Mittler & Sohn, wovon in Bälde den Männerhilfsvereinen je ein Exemplar von hier aus zugehen wird. 2. Unterrichtsbuch für freiwillige krankenpfleger. Auszug aus dem Unterrrichtsbuch für Sanitätsmannſchaften vom 27. September 1902. Mit Genehmigung des Königl. Preußiſchen Kriegsminiſteriums. Herausgegeben vom Kaiſerlichen Kommiſſar und Militärinſpekteur der freiwilligen Krankenpflege. Die vor⸗ liegende Ausgabe iſt bedeutend erweitert und mit zahlreichen Holzſchnitten im Text ver⸗ ſehen. Der Vorzugspreis des Exemplars iſt, durch uns beſtellt, 90 N. Das Erſcheinen dieſes Unterrichtsbuches war ſchon ſeit langem in Ausſicht geſtellt, ſeine Anſchaffung wird der Einheitlichkeit der Ausbildung und der Uebereinſtimmung mit der Armee wegen dringend empfohlen. Es wird im Intereſſe des Ganzen gebeten, alle ſonſtigen Sonderwünſche zurück⸗ zulegen, unter vollkommenſter Anerkennung des durch Herausgabe privater Unterrichts⸗ bücher bekundeten vielſeitigen Intereſſes und hohen Verſtändniſſes für dieſe ſchöne Sache. Anzeigen. In dem Verlag der G. Braun'ſchen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe iſt ſoeben erſchienen: Grundzüge des theoretiſchen Unterrichts drr freiwilligen Sanitütskolonnen von Dr. Guttenberg, Stabsarzt der Reſerve in Freiburg i. Br. Preis des Exemplars 50 Pfg; bei Abnahme von mindeſtens 30 Stück auf einmal 40 Pfg. Das Buch behandelt in klarer, leichtfaßlicher Weiſe auf 60 Seiten in Fragen und Antworten den theoretiſchen Unterrichtsſtoff für die freiwilligen Sanitätskolonnen, wie er in dem allgemein eingeführten Leitfaden von Dr. Rühlemann und bezüglich der all⸗ gemeinen Krankenpflege in dem Unterrichtsbuch für freiwillige Krankenpfleger enthalten iſt. In den 212 Fragen und Antworten wird das Weſentlichſte berührt, was ein Kolonnenmitglied als Krankenträger und Krankenpfleger zu wiſſen notwendig hat. Das Buch kann allen Leitern des Unterrichts, welche eine Anordnung des Lehrſtoffs in Fragen und Antworten gut heißen, empfohlen werden. Herausgegeben vom Geſammtvorſtande des Badiſchen Landesvereins vom Roten Kreuz Verantwortlich für die Redaktion: Generalmajor z. D. Limberger. Druck der G. Braun' ſchen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe.