2 N Djie Arenò der LKempfhöhne Von HedwWig Weiss-Sonnenburg Die ganze Nacht schrien die Hühne wie be⸗ Seusen und wenn wir bisher geglaubt hatten, daßß Hähne erst bei Soninenaufgang krühten, 30 Wurden wir hier eines besseren belehrt, Viel- leicht auch, daßb auf der andern Seite der Erd- kugel ein anderes Gesetz herrscht. Kurz und gut, wir konnten die ganze Nacht in dem gro- Ben fast leeren Tropenhotel kein Auge zutun und noch bevor die Morgendümmerung einsetzte gingen wir ins Freie hinaus, froh den uner- trüglich heissen Schlatkammern entronnen zu sein. Wir gingen über die lange schmale Ve- randa dem Garten zu. Kikerikil! Kikerikliiil1⸗ in allen Tonarten, unentwegt, kampfestreudig, unmöglich konnte ein s0 herausforderndes Krä- ben von einem gesitteten Hühnerhof herrühren! Und wirklich dies hier War etwas anderes. Hähne, Hähne nichts als Hühne und kein ein- ziges Huhn. Kampfhühne, wohl hundert an der Zähl, bester Zucht und bester Rasse, ein jeder Untergebracht in einem kleinen drahtgefloch- tenem Küfig. Sie standen steil empor gerichtet auf ihren Stangen und recleten, inbrünstig krä- hend, den nervigen kahl gerupften Hals dem opalgrünen Morgenhimmel zu. Andre liefen ruhe- los auf langen federnden Beinen auf dem welßen Sand ihrer Kätige hin und her und spühten mit kleinen rötlichen Augen nach etwas das nicht zu sehen war. Sie scharrten kriegerisch und reckten das, was eigentlich ein prächtiger Schwanz sein sollte, stolz in die Höh. Denn da sle zum Kampf gezüchtet waren, hatte man allen übertflüssigen Schmucke beseitigt und Hen- nen waren ja weit und breit nicht da, um sie zu bewundern. Auch die Kümme waren winzig und die langen hageren Beine nackt bis zum Rumpf. Sie waren ohne ein Gramm Fett zu viel oder zu wenig., durchtrainlert wie edle Renner, jeden Augenblick bereit chne sich zu besinnen zum Todeskampt in der Arena aufzutreten. Der Pfleger, unser Interesse gewahrend, zeigte uns schmunzelnd die einzelnen Tlere, indem er sle aus den Küflgen nahm. Sie waren ganz zahm diese altbewährten Kümpen, narbenbedeckt, aber auch hoffnungsvoller Nachwuchs war darunter, denn bei jedem Kampfspiel gehen Hüähne drauf. „Heut nachmittag ist Kampftag“,„Ob wir auch deswegen bergekommen würen? Wir? Ja, nein, oder doch vlielleicht ja. Obwohl uns der Hahnenkampt widerstrebt, muß man es, Wie populsr sind Deutsche in Dänematkꝰ Wir Deutschen sind Ja heutzutage nicht gerade sehr populir unter den Dünen. Daß man uns aher langsam wieder für„brauchbar“ ansleht, dafür bekam ich neulich einen kleinen Beweis. Wührend meines Aufenthaltes in meiner Ge- burtsstadt Kopenhagen Wohnte ich bei meinem Bruder und meiner Schwägerin in einem Vor⸗ ort nördlich der Stadt. Als ich angekommen war und die erste Wiedersehensfreude sich gelegt hatte, hörte ich plötzlich eine kleine, etwas ent- täuschte Stimme:— aber— sie sileht ja aus wie jeder anderel Das war meine kleine küntjührige Nichte, die mich noch nie geschen und sich augenscheinlich die wildesten Vorstellungen üÜber das Aussehen eines Deutschen gemacht hatte. Trotzdem wurden wir sehr schnell die dicksten Freunde und Suße war ganz damit einverstan- den, daß ich für einige Wochen ihr Zimmer bezog. Einige Tage späüter splelte sie mit einer Freun- din, Bodil, auf dem stillen Villenweg. Ich safß un Zimmer und plauderte mit ihrer Mutter, als die Tür aufging und Suße hereinstürzte.— Was ist los, Suße, fragte meine Schwüägerin?— lch brauche die Tante— aber dringend, rief sie aufgeregt. Als ich mit ihr auf die Straße kam, zelgte sie mir zwel Jungens auf dem gegenüber- liegenden Bürgersteig. — Siehst du die zwei Jungens? Sie haben Bo- dil und mich geschlagen! — Na, und warum habt ihr nicht zurücke⸗ gehauen? — Nein sie sind zu groß und zu frech. Aber jetzt— geh' du bitte rüber. Und voller Genug- tuung ktügte sie hinzu: Sie werden einen schönen Schreck bekommen, wenn eIn Deutscher kommt. Das war das einzige Mal, daß ich als Gewitter⸗ hexe dort oben Verwendung fand R. H.-W. Das Jahr der Kirche Zum Evangelium des Sonntags LIk. 6, 96—49 Unvollkommen ist der Kosmos trotz aller Wunderwerlce, die szich in ihm offenbaren. Un⸗ zulünglich zeigt sich besonders der Mensch, wenn er auch die Krone der Schöpkung lot. Jode ehrliche Gewissenserforschung tut dles Kund. „Wer sagßt, er sel ohne Stinde, der betrügt sich selbst, und die Wahrheit ist nicht in ium!“ 80 Schrieb Johannes. Furcht vor dem Tode ertüllt fatzt jedes Sterbenden Herz. Warum7? lst es nur die Auslöschung des Lebens7 lat es nicht viel mehr das Bewußtsein, selbst belin scheinbar Untgläubigen das untilgbares Ahnen, jetzt vor den hintreten zu müssen,„der Herz und Nieren erforscht“? Nimmt es nicht jeder edle Strebende als höchstes Schenkén, als Kostbarste Gabe hin, die ihm gegeben wird aus dem Vergebenf Aus dem Vergeben Gottes? Autß dem Vergeben des durch Schuld verwundeten Menschen? Unser Sonntagsevasgellum erschelint bel Lu⸗ Kus als ein Teil der Bergpredigt, Der Helland hatte seine Junger zur Demut zgemahnt, zur 60 meinen wir, doch auch einmal geschen haben. Der Pfleger sucht die Hähne heraus die heut nachmittag auftreten sollen. Sie lassen sich die kahlen Hülse ltraulen und zwinkern mit den Auglein. Sie werden nun für den Kampf vorbe- reitet. Erst in eine dunlcle Kiste gesperrrt, da- mit sie Mut und Wut sammeln, dann werden ihnen die Sporen leicht geschürft, bei manchen Kümpfen bekommen sie auch kleine silberne Sporen angeschnallt und schlieſßlich Kibts noch eine Injeletion damit sie auch richtig durch- halten. Am nachmittag gehen wir hinaus zu der klei- nen Arena, die im Freien unter einem riesigen schattenspendenden Mangobaum aufgebaut ist. Stimmengzewirr schallt uns entgegen, das Spiel ist schon im Gange. Der Hauptreiz für die Zuschauer besteht nämlich im Wetten und ganz stattliche Summe werden hier gewonnen und verloren. Trotz großer Erregung macht man uns höklich auf den amphitheatralisch ansteigenden Holzbänkchen der sandausgestreuten Miniatur- arena Platz. Da läuft ein weiber Hahn. Sein Gefleder ist blutig, mit Anstrengung lüuft er in großen Sprüngen gezwungener Maßen in nie endenden Kreise rings um die Arena. Aber kein Versteck, kein noch 80 kleines Gebüsch kann ihn vor seinem Verfolger bewahren. Der bunte Hahn ist dicht hinter ihm. Das Publikum rast vor Erregung. Einmal stellt sich der weiße Hahn noch seinem Gegner, aber bald liegt er auf dem Rücken und tritt mit seinen scharf bewehrten Flissen noch nach dem Gegner. Wir sahen nicht das Ende des Kampfes, die Zuschauer lachten mitleidig als wir uns ab⸗ wandten Grausam? Gewiß. Aber es steht uns heute nicht mehr zu, uns über der Grausamlceit der aüdlichen Völker erhaben zu fühlen. Jubilöen Vor 25 Jahren starb der deutsch-schweizer Dichter Carl Spitteler. Carl Spitteler hat viele kleine Essays geschrie- ben, die in einem Band„Lachende Wahr⸗ heiten“ zusammengefaßt sind. Natürlich sind einige der darin behandelten Fragen zeithedingt: aber alle Urtelle, die er in seinen Artikeln fällt, kommen aus einem ertfrischend gesunden Men⸗ schenverstand. mindestens einer seiner Aufsätze ist ganz zeitnahe: der Über Dichterjubi⸗ läen undstodestage. Kurz gesagt: Spitteler hielt nicht vliel davon: „Denn was da gelogen wird an den hundertjäh- rigen Weigwüschereten„gelogen“, gelogen!... Und hernach, wenn das Jubiläkum vorbei ist, kräht kein Hahn mehr nach dem geräuschvoll Geteterten. E6 tzeht wieder nach dem Dezimalsystem. Man zleht Ellends wieder hundert Prozent von dem Gesagten uab und wartet geduldig. bis eine neue Null heran⸗ ENN die dann eine vierstellige Dezimalzahl er- kgibt.“ Dabel var die Jubilàumsindustrie damals doch gerade erst angelaufen, und Spitteler konnte noch gar nicht ahnen, welche große volkswirt⸗ schaftliche Bedeutung sie zur Zeit seines 26. To- destages haben würde. Die Ausgangsprodukte seiner Industrie sind Daten von toten Künstlern, Schriftstellern, Staats- münnern und Erfindern. Lebende spielen keine groß'e Rolle, da die Mehrzahl bedeutender Mün- ner das Jubiläumsfühige Alter(70 Jahre) nicht er- relcht. Das Rohmaterial wird von rührigen Ka- lendermännern aus Lextkons, Hand- und Jahr- büchern sowie alten Zeitschritten zusammen- gesucht. Interessenten müssen die Datensamm- lung, die in monatlichen Lieferungen Lrscheint, Abonnieren, damit der Kalendermann auf seine Kosten komnt. Aber auch die Jahresprodulction der Schrift- teller wird durch die Datensammlung um viele Prozent gesteigert. Nicht etwa, daſ deshalb mehr Romane, Schauspiele oder Gedichte geschrieben Würden; aber mehr Jubiläumsartikel. Wenn er den Kalender besitzt, kann er den Re- daletionen mehrere Wochen vor dem fälligen Ter- min Artikel wie diesen hier anbieten. Er kann sicher sein, daſßß dabel gar nicht 30 sehr aut die Qualität geachtet wird. Es splelt auch gar keine Selbstlosigkeit aufgerufen bei Uebung guter Werke. Das Fundament suchte er ins Herz zu genken. Nun erhebt er die Llebe, die größlte und Bekrönung aller Tugenden und welst auf den Urquell derselben hin, auf Seinen Vater.„Seid barmherzig wie der Vater im Himmel.“ So lern- ten wir in der Schule,„Werdet barmherzig“, so steht genau im gritechischen Urtent. Darin Ulegt der fruchthare Hinweis auf den Unterschled zwischen Gott und den Menschen. Der Vater irn Himmel ist wesenhaft gut Sein Wesen offen⸗ härt sich in EUrbarmen und Schonen. Seine gött⸗ liche Natur ist substantlelle Rarmherziglceit. Der Mensch hingegen„neigt zum Böäsen von selner Jugend an“, 80 stellte es Gott nach der Sinttlut test. Der Erdenpllger mubß erst barm⸗ herzig werdlen, mull sein Herz zu Milde und Erbarmen stinumen. Der Mallstab güttlichen Erbarmens Die Schritt lehrt uns, dall Wir Gott danken gollen tür Seine Harmherzigkeit, indem wir barmherzig sind gegen unsersgleichen. Es lst dies Schuldigkeit gegen Gott, der das Belsplel Aiht, dem Wir folgen sollen Doch Gottes Liebe lst nochmals gröhler. Auch die Leistung dleser Pflicht verlangt er nicht umsonst. Den darge⸗ relchten Frunk Wasser Will er vergelten. 80 ist Deg Celtinan Foto: Ballerin DAS SONMNMIASSBLAII und jhre Industtie Von ETwin Wiekert große Rolle, ob der gefelerte Mann nun zu Recht oder Unrecht vergessen ist,— jetat hat er je- denfalls Gedenktag, und die Pietät gebietet es, sich seiner zu erinnern. Ja, der Schriftsteller, der mit dem Gedenktagskalender arbeitet, ist feln raus, und das Abonnement macht sich schon bezahlt. Er weil genau, daß viele Redaktionen unter der Pletütspeitsche stehen und es für ein unentschuldbares Vergehen und Versehen halten, Chopins Hundertsten oder Hoftmannthals Zwan⸗ Eigsten zu vergessen. „Sehen Sie einmal in Thr Rundtfunleprogramm. Waldteuffel hat Gedenktag. Flugs bringt der NWDR vier seiner Walzer zu diesem Anlaßl. Mo- zurt hatte in diesermn Jahre nur einen„Kleinen“ Geburtstag— ohne Null am Ende., Aber immer- kin, für Mozart genügt auch ein kleiner. Milton ist in diesem Monat 275 Jahre tot. Nur eln mittlerer Gedenlctag, denn dié Zahl läßt sich zwaäar durch 5 und 25 dividieren, aber nicht durch zehn. Immerhin kann der Rundfunk seiner in einer Sendung gedenken. Und mit Neid denkt man schon an das Jahr 1974. Dann ist das Milton- jubiläum nicht nur durch 5 und 25, sondern auch durch 10, 20, 30, 50 und 100 teilbar. Und mün kann, nein, man muß dann Miltons noch viel pletätvoller gedenken, Vielleicht mit einem Mil- ton-Jahr. Wir wollen jedoch nicht spotten, Das Jubi- lätuntelern hat viel für sich, von dem wirtschaft- Uchen Autschwung der Schriktsteller und Ver- leger ganz abgeschen. Die Geteierten sind alle anerkannt oder erkannt, katalogisiert und ge- wertet. Und man braucht nicht allzu kritisch z2u sein; das verbietet einem ja schon die Pieétät. So leben und lesen wir denn weiter dahin, etwas angestaubt, ein bißchen antiquarisch, und an jeder Eeke und an jedem Tag trifft man eine ehrwürdige Mumie, der man gratulieren muß, daſ sie schon 80 lange tot ist. Dies sei nun mit allem Respelet und in aller Pietät an Carl Spit- telers Todesjubiläum gesagt. Die Fohnenstange ö von F̃ritz Nõtzold Ein nicht ganz unbekannter Schriftsteller hat mir die nachfolgende Geschichte erzählt. Er war der Ansicht, er sei zu seriös. um sie unter sei- nem Namen zu veröffentlichen. Sie könne sei- nem guten Rufe schaden. Bei mir, meinte er, beständen in dieser Hinsicht keine Bedenken. Ich habe allerdings den leisen Verdacht, daß dies nur eine Ausrede ist. Die Geschichte ist sicher nicht auf seinem eigenen Blumenbeet ge- Waächsen und er möchte nur die Verantwortung dafür auf mich abwülzen. Dazu bin ich aber nicht bereit, was der Leser sicher zu verstehen vermag, wenn er sich die Geschichte zu Gemüte geführt haben wird. Der sehr würdige Direktor eines Nervensana- toriums sall in seinem Arbeitszimmer und blickte versonnen hinaus in den Garten, in dem tzeine Patlenten ihren Morgenspaziergang mach- ten. Von Zeit zu Zeit strich er sich über den welllen Vollbart und zwirbelte dessen Ende zu einem kleinen, einem Schildkrötenschwänzchen nicht unühnlich sehenden Würstchen Doch plötz- oigene Barmherzigkeit der sicherste Weg, Fr⸗ barmen zu erlangen. Eine erste Art, göttliches Verzeihen sich zu sichern, bringt der Helland in Erinnerung:„Richtet nicht, s30 werdet ihr nicht gerichtet werden; verdammt nicht, 80 werdet ihr nicht verdammt werden; Vergebet, 60 Wird euch vergeben werden“. Treftend zsagt der gelehrte heilige Hiero- nymus dazu, der Helland wollte nicht verbieten, Bonidern uns lehren, zu richten. Kein Gemein⸗ Wesen Könnte bel der Sündhaftigkeit der Men⸗ schen bestehen ohne das Richteramt,. Auch der einzelne milte in die untragbarsten Zustünde leraten, wenn ihm wörtlich verboten sein müßte, sich ein leritisches richterliches Urtell zu bilden. Er wird es so und 60 oft müssen in der Härte des Lebens, in der Ertüllung des grollen Gebotes;„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, Damit Richten berechtigt sel, mußß e hervortzehen aus der Tugend der Gerechtig⸗ keit, nicht vorschnell als Ausfluß der Leiden- schaft, aus Abneigung oder Zuneigung. Wir dür⸗ ten das Wellle nicht schwarz malen, wir brau⸗ chen auch nicht versuchen, den Mooren weill zu Wäschen. Wie der Vater im Himmel gerecht ist, o soll der Mensch gerecht zu sein versuchen und hinzufügen das Oel der Milde. Killan Frank lich unterbrach er diese produlctive Tätigkelt. Einer der lustwandelnden Patienten betrat nüm- lich die Rasenfläche, in deren Mitte die Fahnen- stange stand. Der Patient riß aus seinem Notiz- buch eine Seite heraus, schrieb etwas darauf, steckte das Buch wieder ein und begann dann mit außerordentlichem Geschick die Stange mporzuklettern. Die andern Patienten sahen ihm dabei interessiert zu. Als er am Knauf der Fahnenstange angelangt Waär, angelte er aus seiner Tasche einen Reißnagel und befestigte damit den Zettel auf der ehemals vergoldet ge- Wesenen Kugel. Kaum hatte der Patient wieder festen Boden unter den Füßen, als ein zweiter dasselbe Klet- terkunststüick vollführte. In der Höhe ungelangt, klemmte er ein Monckel in das rechte Auge und las den Zettel. Nach dessen Lektüre nickcte er zustimmend und glitt ebenfalls wieder hinab. Unten stand inzwischen schon ein dritter. Auch der erklomm die Stange bis zu der Kugel, las, nickte und trat darauf den Rückrutsch an. Unten hatten sich in der Zeit sämtliche übrigen Pa⸗ tienten um die Fahnenstange versammelt. Einer nach dem andern machte es nun in aller Ruhe ebenso und sämtliche nickten befriedigt, sobald sie den Zettel gelesen hatten. Der Direktor wWurde sichtlich nervös. Er War als Psychothera- beut in der Fachwelt bekannt, aber diesen Vor- galung vermochte er sich trotzdem nicht zu er⸗ Klären. So etwas war ihm in seiner slebenund- dreifiigeinhalbjührigen Praxis noch niemals unterlaufen, Er Überlegte lange, ob es sich mit geiner Würde vereinbaren ließ, bei einem der Kletterer nach dem Inhalt des Zettels zu kragen, Aber er entschloß sich dann doch, es zu unter- lassen. Man hütte sonst vielleicht auf die Idee kommen Können, daſl er neugierig sei. Und die- gzer Gefahr wollte er sich nicht aussetzen. Er entschloß sich, zu warten, bis die Glocke die Patienten zum Mittagessen in das Haus rlek. Dann wollte er der Sache persönlich auf den Grund gehen. Als die Glochte endlich geläutet hätte, schlich er sich unbemerket in den Garten hinunter, blickete scheu um sich, ob ihn auch nie mand beobachteéte, und begann gleichfalls die Fahnenstange emzorzuklimmen., Sein Bauch er⸗ Wles sleh dabel als ztemlich hinderlich Schwer atmend und völlig in Schweih gebadet erreichte er den Knauf. Als er den Zettel gelesen hatte, nickte auch er, In deutlich lesbaren Buchstaben gtanden darauk die Worteé:„Ende der Fahnen⸗ gtunge“.