wWiaghren sle Früh krümmt sich, Was ein B DO SON SBI Das Eheversprechen/ wennn a ücherwürmchen werden will! Beim Wort genommen 7 Von Moritz Lederer Das wollte ich immer schon: Einen bei m Worte nehmen. Aber gelungen ist mir's nie, Selbst die handfesteste Metapher, tausendfach bewührt in einprägsamer Pla- sti, sie rleselte wie blauer Dunst durch meine Finger, sobald ich sle mit der Hand. oder auch mit beiden Händen greifen wollte. Indes, just bei den Händen sie zu nehmen, das ist mir mit vielerlei Subjekten schon gelungen, Ich selbst wurde des öfteren auch auf den Arm genommen, als ich noch ein Baby war; und einmal— ich erinnere mich genau— bin ich gar durch den Kakao ge- zogen worden, von meiner Mutter damals, als ich, festgeschnallt am Kinderstühlchen, meln Morgengetränk nicht in den Mund, sondern über Kinn und Hals und Lätzchen und Leibchen gegossen hatte. Das war in der Zeit, als ich bisweilen auch beim Wiekel ge- falt und hochgenommen ward mit Schwung. Immerhin bin ich mit einem blauen Aug davongekommen. Auf dem verschmierten Linoleum war ich ausgerutscht; zu danken hab ich's nur dem Schutzengel, der immerzu die Kleinen vor Schlimmerem behütet, das ich nur mit dem linken Aug auf den Bett- rand stürzte. Später erfuhr ich danm, im Umgang mit Erwachsenen, daß sie eigent- Uch Angeber sind und Schwadroneure. Aber sie wollen partodt mit dem Kopf. Arch die Wand— behaupten sie; und An- eder per Vier Was sie ſedoch ile mit ihrem Antlitz zu vollbringen Wissen(natür- Uch nur mit dem Munch, das geht noch nicht mal auf die Kuhhaut, mit der eigentlich nur die Metzger und die Gerber umzugehn ver- mögen, Dauernd springt ihnen etwas an die Augen, kleine und große Gegenstände; je- doch auch dies ist reiner Schwindel. Längst müßten ihnen sämtliche Pupillen rausge- hauen, unheilbar blind müßten sie geworden sein, wenn's auch nur halbwegs wahr seln möchte. Mitunter treten sle— hrerselts— selber in Aktion und reiben hren Mitmen⸗ schen allerlei unter deren Nase. Guckt man genauer Hin, so ist's ebenfalls Geflunker. Nur Weltboxmeistern glaube ich's, daß sie mit Nachdruck solche Ein- und Abrelbungen lei- sten. Als Dompteure— freilich nur mit Kleinvieh— spielen sie sich auf. Noch immer aber hätte ich den ersten Floh zu agnoszie- ren, von dem sle bombastisch verkünden, inn tüglich dutzendfach ins Ohr zu setzen, ohme daß er aufhüpfe und davon. Manchmal dichten sie nicht sich, sondern den bösen Nachbarn erstaunliche Talente an, besonders wenn sich's um Juristen handelt. Das Wort im Munde umzudrehn gelünge innen; ein Kunststück, das weder Rastelli noch der stärkste Mann der Welt vollbrachte. Beim Turf sind sie zu Hause: in allen Sätteln nd sie gerecht und unentwegt reiten sie Mre Steckenpferde; in Wahrheit haben sie gelt Jahrzehnten, seit hrer Kindheit, keines mehr gesehn. Als Spezialität lassen sie sich reinen Wein einschenkten; indes sind sle Anti- allkoholiker ur, nühren sich von warmer Milch, Sle klopfén auf den Busch, selbst auf dem Grobstadtpflaster, wo niemals einer Wuchs. Schweres Geschütz fahren sle auf, und sind grad für die Artillerie militäc- untauglich geblieben, Sle spinnen Fäden, und haben keine Ahnung von Textillen, Auf dem höchsten Hochgebirg, wo's weit und brelt kein Wasser, keine Jachten gibt, nehmen aimpeln Touristen den Wind sie aus den Segeln. Nach dem Mittagessen heben sie die Tafel auf, Wenngleich es ein Picknick war, dag gle llegend auf dem Gras verzehrten. Sle Waren imstand, eine kalte Dusche zu versetzen mitten in der Sahara, Patzig tellen e viele Körbe aus, und haben nie einen Leim, gewiß; jedoch nur deshalb nicht, weil Klebstoff selten nur als Bodenbelag Ver- wendung findet. Hingegen wissen sie genau, Wo jener Hund begraben liegt, den sie neben sich an der Leine führen, Fußangeln möch- ten sie hren Feinden legen, wenn sie nur wüten, wo's welche zu kaufen gibt. Meister aber sind gie in Mythologie und in Geschichte. Auswendig sagen sie's auf, Wo der Kaiser einst zu Fuß hinging, wie er kam, wie er sah und wie er slegte. Mit dem Pyrrhus wissen sie Bescheid und mit dem Sisyphus; mit Urias, seinem Brief und mit der Poti- phar; mit dem Auglas und mit den Danaern. Mit eisernem Besen kehren sie das alles ins Danaidenfaß; und schlagen sie ihm den Boden aus— Was kommt hervor? Eine win- zige Maus, vom kreigenden Berg geboren; c'est tout. Nagelt man sie drauf fest— und wärs mit dem solidesten Schmiedehammer gar—, 80 haben sie schließlich doch etwas reelles bei der Hand: die Ausflucht nämlich, den ganzen Plunder dürfe man nicht auf die Goldwaag legen, weil sorist der Bogen platze. Der Lyriker und Erzähler Wolfgang Wey- rauch antwortet in den nachstehenden Aus- kührungen N en Vorwurf d Itallent- . Miktste! 5 rs Gurzlo Mals parte, das 2 2 Schriftsteller der Welt, hat geschrieben, daß die Angst dle Federhalter der deutschen Schriftsteller bewege. Ich protestiere gegen diesen Satz. Andererseits hoffe ich, daß Malaparte sich die Behauptung, er sei der kelgste Schriftsteller der Welt, nicht gefallen lälzt. Ich erwarte, er wird einen Beweis ver- langen. Es ist sein gutes Recht. Der Beweis sel augenblicklich erbracht. In Malapartes Roman„Die Haut“ heißt es:„Ich war es müde, die Menschen leiden zu sehen,“ Wer ist„Ich?“„Ich“ ist Malaparte. Malaparte meint also, das Papler sei ge- duldig, und das, was darauf stehe, auch. Er verzichtete auf die Voraussetzung des Schrei- bens, auf die Beredsamkeit, auf die Besessen- heit, auf den Triumph über die Gleichgül- tigkelt, die furchtbarste Eigenschaft des Menschen, aus der alles andere kommt, was uns unter uns herabwürdigt. Malaparte ist den Begebenheiten und Zuständen bloß zu- geteilt. Er ist dabel, aber er ist bloß als Zu- schauer dabei, und also ist er in Wahrheit nicht dabei. Er zündet sich eine Zigarette an Und sieht zu. Er sleht dem Entsetzen des Krleges zu, er sleht dem Entsetzen seiner Helmatstadt Neapel zu, der Verwahrlosung Mrer geschändeten und sich selber schänden- den Frauen und Männer, die nicht wissen, Was sle vor Hunger tun sollen, und dann Wissen sie es doch und prostituleren sich. Malaparte sagt:„Der Hunger des Menschen hat eine wunderbar sanfte und reine Stimme.“ So, hat er das? Wohl nur für den, der, Wie Malaparte, ein Haus in Capri hat, und das Haus hat einen Keller, voll von Weinen, Angesichts des Elends der Italiener, dle in Malapartes Roman„Die Haut“ für das Elend aller anderen aus dem Zustand des Menschen Verjagten auf der ganzen Welt Stellvertreterisch stehen, reiht Malaparte in der„Haut“ elne Serie dummer Perversitäten. Ich bin nicht prüde, Aber Malaparte schreibt selnen Gallert nicht aut, weil er durch dle Mitteilung des Makabren die Würde des Menschen wiederherstellen will, sondern er notlert seine Monotonlen um der Sensation Willen,. Er schreibt wie einer, der sich ins- geheim denkt: Denen habe ſch es aber ein- mal tüchtig gegeben, statt ihnen zu geben, Nünstler, sten micht von Izeriorfatso plex un Nach- and“ freizewacht hätten, einzigen besessen, Sle gehn nicht auf den Neꝛept für Fine Reihe ame rita nischer Verleger, Schrift- steller und Presseleute haben die erfoloreich- sten Hülcher der letzten 20 Jahre untersucht und zugleieh Tausende von Lesern inter vient, um erauszuflnden, was alles den Fyrfolg eines Huches ausmacht, Sie hahen einmütig festge- stellt, da jede Kategorie bon Buch— Liebes- roman wie Meeres- Abenteuer, Generalsbio- graphien ue Gesundheitslehren, und selbst Genchiehfte und Fachisgensehaft— erfolgrelen bein ann, wenn sie dem Leber Bestdtigung oiht, in im Hohnung wech oder seine ehrliche Anteilnahme hervorruft, Darüber hinaus und gang allgemein„gehört“ in ein Buch etwas von Kleidungsſragen, gutem Posen, Inneneinyieh- tungen, ein wenig aus der guten alten Zeit mit Adel, Frziehung und Lebensstil, natürlich etwas Dramatisches und ein bißchen Rührsell- 9 50 Im grasen und ganzen milsse ein erfolg- yelcher Roman dles enthalten! eine gleieh perlauſfende Jebesgesehiehte und eine parallel laufende Lebesaſffdre, die beſnale schef goht, eine bösartige altere Frau, die vom Scehieſcsal Was se allein brauchen: die Wahrheit und Best. Seller Hart gestraft wird; ein netter freundlicher alter Herr, der allem entsagende, ernsthafte, grüb- lerische Forscher, zwei Priester aus zwei ver- zehledenen Religions gemeinschaften, die sieh gut vertragen und die beide weise, abgefeldrt und wꝛirhelien menschlich Randeln. Dazu ein Verbrechen in der Vergangenheit, das endlich aufgefeldrt wird und dessen Schuldige nun be traft werden. Außerdem die Geschichte einer Person, die Karriere gemacht hat und als gutes Heispiel fur Fleiß, Ausdauer und Fhyrliehbeit dienen ann. Fin drolliger junger Hund er- wirht len meist genau go piel Sympathien wie eln reizendes, frühreifſes Kind. Hintergrund: eine Rübscke Landschaft mit allen Vorzügen, also mit Wäldern und Pars und Gärten und etisgenhaft bestellten Achern und elnem beschaulichen See zwischen einem alten sau- beren Dorf und einer aufstrebenden Kleinstadt, Wag noch feht? Ein paar neue Ideen, etwas zum Schmunzeln, etwas, was uns pon ganzem Herzen befriedigt und eine Klelnig telt, die uns empire, Das iet sogar sehr wiehtige Was qayn noeh fehlt? Begabung eta“ Hay aus zu maehen/ HFoter Omm Bob trank damals viel mehr. als ihm bekam. Er wußte es selbst und litt, glaube lch, darunter,. Aber es hing wohl mit sei- nem verrückten Verhältnis zu seiner Cou- sine Donna zusammen, die ihn immer auf Nasenspitzenlänge an sich herankommen lieg, um dann schleunigst zu Malachit zu er- starren. Wenigstens erinnerten mich ihre kalten, blaugrünen Augen an Malachit. 7 An einem faulen Sonntagnachmittag räkelten Wir uns, Bob und ich, in zwei Llegestühlen vor dem Schwimmbecken im Garten des alten Meyer, der Donnas Stlef- vater war und Bobs vichtiger Onkel. Donna lag sehr, malerisch in einem kanariengel- ben Bikini auf der Steinbrüstung der Um- fassung, und ihr Stietpapa, der auf allen Baumwollbörsen Amerikas der„rote Meyer“ hieß, obwohl man ihm schon längst kein Härchen mehr auf seinem viereckigen Kopf hätte krümmen können, wälzte sich pru- stend und ächzend im Bassin. Bob war gerade dabel, mir mit Flüster- stimme die dramatische Geschichte seiner letzten Nacht zu erzählen, die eine ent- setzlich alkoholische Nacht war— er hatte sich mit seiner Cousine in einem Daneing der 42. Straße verabredet, aber als er hin- kam, fuhr Donna gerade mit einem Wiener Tennischampion im Auto davon, und des- halb wurde für ihn allerhand Whisky dar- aus—, er geriet in die Gesellschaft wild- fremder Leute, die ihn von Lokal zu Lokal schleppten, und scheint irgendwo in Brock-⸗ lyn gelandet zu sein in einem ganz splenbürgerlichen Milieu Übrigens mit einer Hauskatze und einem gehäkelten Ueber- Wurf überm Kanapee Doch was da eigentlich los war, warum er dort war, ung wem die Katze und das Kanapee gehörten, davon hatte Bob keine Ahnung mehr.„Mir schwant Unsägliches“, seufzte er,„mir schwant Unsägliches“— und in diesem Augenblide erschien das schwarze Haus- mädchen, das den Butler während des Ur- laubs vertrat. und meldete Besuch. „Besuch“ wiederholte Bob verdutzt — Wir erwarteten niemanden— und Donna hob träge den Kopf. Aber da war auch schon der Besuch— ein junger Mann in einem dunkelblauen Sonntagsanzug, von dem die New Vorker Nachmittagshitze nur, so dampfte, und ein junges Mädchen, blond in einem weißen Leinenkleid— das Donna nicht einmal zum Treppenputzen angezogen rte aus Itallen der feigste Hütte, wenn sie je im Leben in die Lage Ich protestiere gegen Malaparte/ von weltgeng wende, nichts als die Wahrheit. Wer nur das Schwarze glbt, irrt sich, Wer nu gibt, irrt sich auch. Nur der, welcher das dem Schwarze gibt, um das Welhe Wiederherzu- N stellen, kommt von der Währhieit her, gibt die Wahrhelt weiter und verwangelt die Blinden und Tauben in Sehende und Hörende,. Malaparte vergeudet sein Talent. Er Wirft es vor die Säue seiner Gleichgültig keit. Er verwechselt Dichtung und Panop- tikum, Ich bin davon überzeugt, daß er Tol- stols„Was sollen wir tun?“ nicht gelesen hat. Der Bürgermeister von Neapel verbot Malaparte das Betreten der Stadt. Wenn ich zwischen den Bürgermeistern und den Schriftstellern zu wählen habe, bin ich für die Schriftsteller, Im Falle Malaparte aber bin ich gegen den Bürgermeister, der sich in Dinge mischt, die ihn nichts angehen, und obendrein gegen Malaparte, der mit Entsetzen Scherz treibt. Ich protestiere gegen Malaparte. Er nannte, in der italienischen Zeitschrift „Epoca“, Hans Werner Richter, den Verfas- ser der„Geschlagenen“ und von„Sie flelen aus Gottes Hand“, den einzigen Schriftstel- ler in Deutschland, der sich von dem „Furcht- und Inferioritätskomplex der Intel- lektuellen“ nach 1945 befreit habe. Diese Bemerkung ist miserabel, weil sie falsch ist. Allerdings, was Richter betrifft, ist sie rich- tig. Der Chef der Literatur-„Gruppe 47“ der gleichzeitig Herausgeber der Zeitschrift„Die Literatur“ ist, schreibt furchtlos. Fr schreibt, Was er denkt. Er denkt, was er schreibt. Aber er steht damit keineswegs allein. Ma- laparte hat ganz einfach nicht die Wahrheit gesagt. Ich wein nicht, warum er nicht die Wahrheit gesagt hat. Die andere Möglichkeit, daß er sich Über die gegenwärtige deutsche Literatur geäußert hat, ohne sie wirklich zu kennen, diskutiere ch nicht. Ich will diese Möglichkeit eliminſeren. So gering schätze ich Malaparte nicht ein. Er ist intelligent. Aber ich frage mich, ob er nicht vielleicht böse ist. Warum hat er die Lyriker Marie Luise Kaschnftz und Günter Eich nicht er- Wühnt? Warum nicht die Prosaisten Alfred Andersch, Heinrich Böll, Hans Henny Jahnn, Wolfgang Koeppen, Hans Erich Nossack, gekommen wäre, Treppen zu putzen. Auf dem Arm hatte das junge Mädchen eine Katze. 2 „Brr— eine Katze!“ sagte Donna und ließ ihren Nofretetekopf enttäuscht wieder aufs Luftkissen sinken. Der junge Mann im Sonntagsanzug sagte„Hallol“, Bob sagte „Hallo!“ und ich sagte ebenfalls„Hallo!“ Die kleine Blonde sagte nicht„Hallo!“, — sie lächelte so komisch und stupste ihren Begleiter mit dem Finger.„Ich hab's ja ge- wut“, sagte sie leise,„wir hätten gar nicht herkommen sollen“.. „Unsinn, Mary“, sagte der dunkelblaue junge Mann,„er hat uns doch kenfefällig darum gebeten.— Nicht wahr, Sie haben uns eingeladen für heute nachmit- tag, um meine Schwester Ihrem Onkel, vorzustellen. Da ist sie. Und da ist auch die Katze.“ Bob erbleichte.. N „Siehst du, er kennt uns gar nicht mehr“ flüsterte das junge Mädchen, und ich merkte, dal! sle mit einer schrechlichen Verlegen- heit kämpfte,„Komm, wir gehen“, sagte gie, und sie geflel mir gut, wie sle das sagte. Donna hatte sich aufgesetzt, sie lies ihre pręisgekrönten Beine baumeln und be- sah sich die Besucherin mit einem Gesicht. als handle es sich um ein Kalb mit zwel Köpfen. 3 „Ich weiß wirklich nicht“, stotterte Bob, „ich weiſß im Augenblick wirklich nicht.“ „Erlauben Sie mal—!“ Der junge Mann, der mit seiner Schwester gekommen war, gab sich einen Ruck und streckte das Kinn vor.„Was soll das heißen! Die ganze Nacht sind Sie mir in den Ohren gelegen mit Ihrer grogen Liebe für Mary und nun wollen Sie von nichts etwas wissen? Da ist die Karte mit Ihrer Adresse— oder nicht?“ „Laß“ doch. Ted. ſch bitte dich“, rief das Mädchen.—[ch nahm die Karte, da Bob kkelpe Miene machte, sie entgegenzunehmen es war Bobs Visitenkarte.„In Liebe“ stand darauf,„immer!“ Donna lachte, Ich hatte gar nicht gewußt, daß sie so meckernd lachen konnte,„Du Warst bestimmt sternhegelvoll“, rief sie begeistert. Am liebsten hätte ich sie ins Wasser geworfen. Das fremde Mädchen drehte sich auf dem Absatz um und wollte gehen. Aber ihr Bru- der hielt sie am Arm fest, es kochte in ihm man sah es ihm an.„Nein, Mary, so nicht“ schrie er,„du bist meine einzige Schwester, das Weiße ich dulde nicht, daß.. I Sle haben ihr die Arno Schmidt, Ernst Schnabel und Wolf 223 8 Das aß zehn Namen. Sle könnten mit gutem Gewissen vermeh Wer cken Zehn Schirlkteteller die— die Büchstaben und Wörter und Sätze, dle Gedanken, aus Buchstaben und, W Und Sätzen gebildet, gegen die Verwahr⸗ losung der Sprache und gegen die Enthumma⸗ niere des Menschen zu verteidigen— zehn solche Schriftsteller, das ist viel. Das ist eine Phalanx, die noch durch den Nach- Wuchs verstärkt wird. Mehr als ein Dutzend Schriftsteller, denen daran gelegen ist, die Zukunft gegen die Vergangenheit zu ver- teldigen, hat es gleichzeitig in einem ein- zigen Land niemals gegeben. Gewig, auch bei uns gibt es Schriftstel- ler, die verächtlich sind. Sie huldigen der „Anbetung des Staates“. Aber der 80 for- mulierte Vorwurt Malapartes trifft die Schriftsteller in diesem Lande nicht pau- schal. Er triflt ausschlieglich drei Gruppen: Die Rattenfänger von Hameln, die sich ge- rade eben, weil es ihnen der Oberbürger⸗ meister dieser schönen Stadt erlaubt hat, auf dem Klüterberg versammeln können, dle Bluncks, Grimms und Vespers, dann die Restaurattven, dle über die Gartenzwerge in unseren Gärten schreiben, weil sie die Ursachen der sichtbaren und unsichtbaren Ruinen aus den Köpfen und Herzen der eser verjagen wollen, und schließlich die Schriftsteller jenseits der Elbe, die, wie Johannes R. Becher, wieder Volk-Ans- Gewehr-Lieder verfassen. Ihrer sind mehr als ein Dutzend. Das lt ganz natürlich. Immer und Überall scheint das Böse in der Ueberzahl. In allen Litera- turen ist das Bessere in der Opposition. Die Schriftsteller, die nicht oppositlonell sind, taugen nichts. Curzio Malaparte ist den deutschen Widersachern gegen die Literatur der Vernebelung in den Rücdcen gefallen. Von einem Mann, den man, um mit Lichtenberg zu reden, den„Zaunkönig der Schriftsteller“ nennen könnte, war das nicht anders zu erwarten, Der Dank der Verächter der neuen deutschen Literatur ist hm gewiß. Sage mir, wen Du Übersiehst, und ich sage Dir, wer Du bist. artern“ Ehe versprochen, mein Herr, wissen Sie das?“ „Die Phe?“ keuchte Bob.— Nun wein man ja, was es in den Staaten mit dem so- genannten Eheversprechen auf sich hat. Es ist ein verteufelt heißes Eisen, das man am besten gar nicht anfaßt, sonst bleibt man dran hüngen. Bob tat mir leid.„Wollen Sie nicht“, sagte ich zu dem vor Empörung zit- ternden Jüngling,„eine Minute Platz neh- men, Es wird sich aufklären—“. „Und ja hat er ihr die Ehe versprochen“, rlef der Dunkelblaue,„da gehe ich nicht von runter. Wenn ich auch zur Zeit keinen Job habe und keinen ganzen Dollar in der Tasche—“ a „Sel still, Ted“, flehte das Mädchen,„bitte, bitte!“ „go lasse ſch nicht mit mir umspringen und mit ihr schon gar nicht. Sein Onkel sel ein kleiner Wollhändler, hat er erzählt, er selbst sei Buchhalter auf dem Büro, und nun kommt man hier in einen Palast!“ Er schluckte, besann sich und fuhr etwas ruhi- * ee e e e e egen. Allet Zotte, Weiche, Wel. 1 5 lige fahrt zur 3 ins Verjongupgsbod mit 1 few g V. Woſlen Sie ihre Sochen guch mitfahren osten Schicken Sie giese Anzeige, auf Fostkarte ene an FS Wẽʃ¾ d. Jo- ange, Posseldorf. Sl. erhalten kostenlos eine pfobesendung FewWad Vie 22229595 ger fort:„In dem kleinen Lokal hat er uns angesprochen, wo wir immer essen, wenn jch meine Schwester vom Nachtdienst ab- hole. Sie ist Telefonistin, wissen Sie. gegangen. Und Mary—, ach was, sie Hat sich eben einwickeln lassen.“ „Hatten Sie denn nicht den Eindruck“, kragte ich,„daß er nicht mehr Banz, hm, nüchtern war?“ 5 f » Keine Ideel Er war so nüchtern wie ein Major von der Heilsarmee.“ 5 Das konnte stimmen. Das Verhängnisvolle an Bobs alkoholischen Exzessen wär, daß er einen um so Kkorrekteren Eindruck machte, je un verantwortlicher sein Zustand wurde. Das geht manchen Leuten so, Es ist dus Gefähr- lichste, was einem passjeren kann unsie müssen doch selbst sagen“, fuhr Bruder Ted, zu mir gewendet, fort,„daß er jetzt 5 22 tun kann, als sei meine Jehwester eine Art Alpt 1 hat ihr dg, Uberlegen Sle ac c dee In aller Form versprochen, ste zu heſpaten!“! Da irren Sie steh, mein Teurer“, Ueß sleh da auf einmal Donna vernehmen und kunkelte ihn mit ihren maluchitgrünen Augen an,„das hat er sicher nicht getan. Oder doch nicht im Ernst. Die Ehe hat er nümlich schon lange mir versprochen!“ Und das war das Infamste, was sie in die sem Augenblick hätte sagen können. Ted ballte dle Fäuste, und das junge Mädchen gchrak zusammen wie unter einem Hieb und tat ein paar Schritte, um davon zu laufen. Aber da war ihr plötzlich ein menschliches Walroß im Weg— völlig kahl in einer ge- strickten Badehose mit halblangen Beinen, ein Monstrum, dessen Auftauchen auch für mich etwas Mythisches gehabt hätte, wenn ich nicht gewußt hätte, daß es niemand anders als der Herr des Hauses, Bobs Onkel und Donnas Stiefvater war der„rote Meyer“, wie man ihn auf den Baumwoll- börsen der Vereinigten Staaten nannte. „Stop“, sagte er und fing das weile Lelnen- Kleid in seinen flossenartigen Armen aut, „Was dle, Dame ehen sagte, ist gelogen! Mein Neffe hat ihr zwar schon einige An- träge gemacht, aber sie hat sie alle ab- gewiesen, Von einer Verlobung kann gar Kkelne Rede seln, ich muß das wissen, ich bin der Vater. Und nun, mein Kind, setzen Sie sich brav da hin und trinken Sie Kaffee mit uns. Die Katze mul ihre Milch haben. Von jetzt an sind Sie bel mir zu Besuch, und mit kleinen Katzen bin ich verrückt. Da können Sie ganz ohne Sorge sein.“ Ein wenig später, als Donna sich zurück- gezogen hatte, und wir andern um den run den Tisch unter dem großen roten Sonnen- schirm saßen, sagte der alte Meyer zum Bruder Ted:„Sie sin arbeitslos, höre ſch — glauben Sie, daß Ste sich für Baumwolle erwärmen können?“ Bob lebt mit seiner jungen Frau jetzt schon seit über einem Jahr in Pensacola; er trinkt nicht mehr viel und hat zehn Pfund zugenommen. Das Jahr der Kirche Die große Ernte Zum Fvangellum des Sonntags Matth. 9, 35-38 Wenn wir in der Zeitung blättern oder die Rundtfunk nachrichten hören, so erhalten Wir Kunde von der Not des Volkes: Flücht- Ungstreck, Lastenausgleich, Wohnungsnot. Auch ein Gang durch das Krankenhaus oder ein Blick in die Todesanzeigen der Tages- presse enthüllt uns den ganzen Jammer der Menschheit. Wohl versuchen wir immer wie- der, die Augen vor allem uns umgebenden Unhell zu verschlieghen— aber wir fühlen es nur zu gut, daß auch wir schon morgen einem gleichen Schicksal zum Opfer fallen können. So steigt denn in einer schlaflosen Nacht, belm Rundgespräch am Stammtisch oder bel einer anderen Gelegenheit wie eln Berg die Frage vor uns auf: Warum sind wir eigent- lich auf der Welt? Als qesus einst im Lande umherwanderte, drüngte zich das Volk zu hm. Is ist sein Volk, an das er sich gewiesen weigh. Er sieht dle Kranlcheit, die Not und den irdischen Jammer des Volkes, Und überall, wo er Ver- trauen zu dem lebendigen Gott ndet, ver Wirklichkeit dadurch darzustellen, daß er Jesus und die Hilfe empfangenden Menschen in den hellen Schein einer lebensspendenden Lichtfülle einhüllte.„Jesus ging umher in alle Städte“ berſchtet die Bibel,„und predigte das Fvangellum vom Reich und heilte aller- lel Seuchen und Krankheit im Volk.“ Aber nach diesem Bericht führt das Evangellum kort:„Und da er das Volk sah, jammerte ihn desselben.“ VIelleicht bewegte auch ihn die Frage:„Warum sind wir Menschen eigentlich auf der Welt?“ In Wahrheit jedoch sleht Jesus tiefer als Wir. Er sleht hinter der Außeren Not die inneren Nöte,„Denn sie waren verschmach⸗ tet und zerstreut, wie die Schafe, die keinen Hirten haben“, sagt die Schrift. Mit anderen Worten: Sein Volk ist von Gott abgefallen, lrregeleſtet von falschen Propheten und Lehrern, Sein Volk schmachtet nach„ewiger Speise“, dürstet nach„ewigem Trank“, Die Jünger aber sehen diese Not nicht— sie wüten auch nicht um die Hellung dieser seelischen Nöte. Wer unter uns denkt wohl daran, dag hinter den wirtschaftlichen und politischen Nöten ungeres Volkes und aller Völker dieser Hyde, daß hinter dem Jammer ſedes einzelnen Menschen letztlich die Not maß er mit über irdischer Vollmachf zu helten einer ungegtillten Sehnsucht nach Versöh⸗ Und mu heisen. Merhprangt der Krones Maler it Got steht Immerhin frogte an- des Ueberirdlischen, wüßte diese wunderbare äßlich der groen Trockenperlode jemand vom Lande:„Sind denn nicht genug Beter da, die Gott um Regen bitten können?!“ So denkt denn Christus an die Saat, die mit selnem Tod in das offene Herz des Volkes gesenkt wird, Er sleht schon das große Erntefeld, dus daraus erwachsen und heranwachsen wird Die Jünger sehen das Kommende noch nicht, weder das Leiden und Sterben des Meisters, noch re Arbeit der Verkündigung: Was wissen Wir von die- sen Zusammenhängen? Wenig genug! Darum Will der Herr seine Jünger und uns be- lehren: Jeder getaufte Christenmensch auch du— darf ein Mitarbeiter Gottes sein! Dazu sind wir auf der Welt, dan wir uns Als Mitarbeiter Gottes fürelnander verant- Wortlich wisgen Verantwortlich dafür, daß Unser Volk gesund werden und aut dem Weg Heschlichtlicher Lleblosigkélt nicht der großen Ernte des ewigen Lebens verloren gehen möge. Johann Walter, der musikalische Mit- arbeiter und Freund Dr Martin Luthers, hat das 1561 in folgenden Vers gekleidet: „Wach auf, wach auf, du deutsches Land, du hast genug geschlafen, bedenk, Was Gott an dich gewandt, Wozu er dich erschaffen, Bedenk, was Gott hat dir gesandt, und dir vertraut sein höchstes Pfand. drum magst du wahl aufwachen!“ H. J. v. Wangelin Dann ist er uns nicht mehr von den Fersen 1