FEUIIIETON Dienstag, 3. August 1954 DER HGRSXAXI. DEIIA GE Fog WISSEM SCH AFI NOD TECHNIK SOMMERBILD 195 4 Gesprächsthema Nr. I: Das Weiler Bedeckter Himmel, Regenschwüle und dann der erste Windstoß— traurig aber war, dit ses Bild, das einem Fotoumateur gelung, zeigt symbolgetreu, wie der heurige Sommer anläßt. Ameriſeunische Forscher behaup ten sogar, er würde fur die nächsten 40—50 e sous en„den Mon angeben“, Dance gehön! Im Augenb liche steht's qa anders aus. Atome„falsch herum“ Dr. Schein entdeckte Dr. Marcel Schein, der Leiter des Phy- sikalischen Instituts der Universität Chi- cago, hat jetzt verraten, wie es ihm kürzlich gelang, den ersten Hinweis auf die Existenz einer„verkehrten“ Welt zu entdecken, die af Atomen besteht, die„falsch herum“ auf- gebaut sind. Die„verkehrte“ Welt, die nach Ansicht der Wissenschaftler„am anderen Ende“ des Universums zu finden sein dürfte, besteht nicht aus negativ geladenen Elektro- nen und positiven Protonen, sondern ver- mutlich aus positiven Elektronen und nega- tiven„Antiprotonen“. Ein solches„Anti- Proton“ hat Dr. Schein kürzlich festgestellt, und diese Entdeckung rief in der amerika- nischen Fachwelt eine Sensation hervor. „ Schein arbeitete im Auftrage der ameri- . kanischen Marine am einem Forschungspro- jekt, das der kosmischen Strahlung galt, mit der sich Schein in erster Linie beschäftigt. Ein Pack photographischer Filme wurde von der Erde aus mit einem Ballon rund 33 km hoch geschickt. Als man die Filme dann spä- ter entwickelte, stellte man fest, daß ein bisher unbekannter Körper den Filmpack mit einer vorher nicht für möglich gehalte- nen Energie getroffen hatte,„etwa wie ein Geschoß durch ein ganzes Kartenspiel fliegt“, berichtete Dr. Schein. Bei diesem un- bekannten Körper handelte es sich um ein „Anti-Proton“, dessen Energie Schein mit Milliarden Volt angab, jedoch gleich hinzu- fügte, das sei eine sehr vorsichtige Schät- zung.„Ich bin sicher“, sagte er,„die Energie ist noch viel größer. Sie sollte fünf Millionen mal so groß wie die eines Uran-Atoms sein“. Wührend, amerikanische Atomforscher Scheins Entdeckung für das bedeutendste Wissenscha ktliche Ereignis auf diesem Gebiet in den letzten Jahren erklärten, meinte Schein selbst voller Bescheidenheit nur, seine die„verkehrte Welt“ Entdeckung werde„wohl wichtige Konse- quenzen haben, die sich aber im Augenblick noch nicht abschätzen liefen. Schein, der heute 52 Jahre alt ist, stammt aus dem alten Osterreich- Ungarn. Er wurde 1902 als Sohn eines Bankiers in Trstena (Slowakei) geboren und Wollte ursprünglich Architekt werden.„Physik galt zu meiner Schulzeit noch gar nicht als Beruf“, erzählte er jetzt selbst. Als er aber einmal eine Vor- lesung eines bekannten Physikers hörte, nahm ihn dieses Gebiet so gefangen, daß sein künftiger Lebensweg in diesem Augen- blick entschieden war. Er studierte in Würz- burg und machte 1927 in Zürich seinen Dok tor. Mit einem Rockefeller-Stipendium ging er zwei Jahre später nach Amerika, ließ sich 1987 dort endgültig r e lat oben- 1943 Amerikaner, Seine Frau falls Physikerin, widmet sich aber heute nur noch dem Haushalt. Der Sohn des Ehe- paars, Edgar, ist Sozlalpsychologe und dient zur Zeit in der amerikanischen Armee. Marcel Schein ist nicht nur Forscher, son- dern gleichfalls Lehrer, und seiner Lehr- tätigkeit widmet er sich mit besonderer Freude, weil er das Unwissen der Menschen für eine große Gefahr hält. Als Beispiel führte er die„Atom- Hysterie“ nach den letzten großen Atomversuchen der Vereinig- ten Staaten im Pazifik an.„Natürlich soll man nicht verallgemeinern“, sagte er,„aber dle Berichte Über radioaktive Wolken und radioaktiven Regen über Japan lassen für mich doch den Schluß zu, daß in solcher Ent- fernung vom Exploslonsherd eine Gefähr- dung der Menschen praktisch ausgeschlossen ist. In unseren Laboratorien sind wir stän- dig der Strahlung ausgesetzt und“, fügte er lächelnd hinzu,„wie Sie sehen, ohne böse Folgen Richard q or dan(U) Aus dem Woörterbuch unserer Krankheiten In buntem Wechsel fanden sich Deutsch, La- tig nicht„Alpdrücken“ geschrieben), sondern tein und Griechisch zusammen, um die heute gel- tenden Krankheitsbezeichnungen zu schaffen. Allerdings haben sich, besonders seit der Zeit des Humanismus, Latein und Griechisch breit gemacht und manches deutsche Wort ver- drängt. Schon in früher Zeit hat das lateinische Wort„tebris“, unser„Fieber“, der ursprüng- lichen deutschen Bezeichnung„Ritten“ den Garaus gemacht. Gut deutsch ist dagegen unser„Schnupfen“, übrigens gleichen Stam- mes mit„Schnauze“ und„schnauben“, ebenso das„Geschwür“, das von„schwären“ her- kommt; bei Lessing heißt es noch„Geschwär“, Die„Grippe“ stammt zwar in dieser Form aus dem Französischen, ist aber letzten Endes aus dem gotischen„greipan“, unserem„greifen“ zu erklären. Eine einfache Uebertragung aus Farbe-Fr- scheinungen liegt im Scharlach vor, einem Wort persischen Ursprungs, ebenso in der „Rose“ und den„Masern“, Zu mibverständ- lichen Deutungen hat der„Star“, die bekannte Augenkrankheit, Anlaß gegeben; gie hat nichts mit dem Vogel zu tun, sondern hängt mit dem Wort„starren“ zusammen, Auch die Mythologie spielt in unsere Krank- heiten hinein, So ist beim„Albdrücken“ nicht an die Alpen zu denken(es wird ja auch rich- an den altgermanischen Glauben: ein böser Albe oder Elfe ängstigt den Schlafenden. Wührend die Ruhr eln gutes deutsches Wort ist und weiter nichts als„eilige Bewegung“ bedeutet(damit verwandt das Wort„Auf- ruhr“), stammt die Bezeichnung für die asla- tische Brechruhr, die erstmals 1631 in Europa aufgetretene„Cholera“ aus dem Griechischen. Das Wort bedeutet eigentlich„Gallensucht“ und findet sich teilweise in dem Wort„Me- lancholle“ wieder. Wie„Ruhr“ ist auch„Gicht“ eln deutsches Wort; es kommt von„gehen“, da die Krankcheit in den Gliedern umgeht, Früher sagte man datür„Flug“ oder„Stickefluß“ im Sinne von erstickender Fluß. Die griechische Uebersetzung des Begriffs ergibt„Rheuma- tismus“. ninen interessanten Bedeutungswechsel hat schließlich„nervös“ durchgemacht. Das zu- grundeliegende lateinische Wort heilt eigent- ich nur„Sehne“ und bezeſchnet erst viel später unsere Nerven, Noch Lessing verwendet etz daher im Sinn von„kraftvoll“, wührend es seit den Dreiliigerjahren des 19. Jahrhun- derts— wohl unter dem Einfluß des frangzö- sischen„nerveux“, den heute üblichen Sinn annahm. Dl LUST DES GEDANKEN Der Fortschritt besteht darin, mit den Er- findungen des menschlichen Genies das zu zerstören, was das menschliche Genie ge- schaſſen hat. Jacinto Bena vente *. Die höhere Foym der Intelligens ist der Hdelmut. SH eO *. Die Lust des Gedanſeens mildert die K ihn; mernisse des Lebens, und die Freuden des Lebens machen wieder gut, was der Ge- dane an Leid vollem in sich trägt. Marcel Proust * Wenn die Menschen die Wahrheit ent- deccen, werden sie die Kunst töten. Dag lieu * Um heute Karriere zu machen, genügt es nicht, da man selber aufsteigt, sonden man Findern, ebenfalls Roger AS hL muß die andern daran aufzusteigen. * Das Glilch besteht oft aus dem Unglllche, das man wicht hat. Vves Miran de * Das Glück ist wie jenes Spiel mit chine- gischen Küstehen, von denen immer eins im andern stechet. Man öffnet das erste, findet darin dag zweite, das ein drittes enthält, und 80 fort. Im allerletsten ist nichts. Jean Sar men! * Wenn man eine Frqu gut ſennenlernen will, day man sie nicht zu gehr lieben, Francois dee R o u * s gibt nichts Gefährlicheres als eine Frau, die sich langweilt. Höchstens eine YFoma yet Frau, die man langweilt. Bleiben die sommer kalt! 10 Jahre Tiefsttemperaturen behsuptet H. C. Willett Ein amerikanischer Meteorologe ist jetzt auf Grund jahrelanger Beobachtungen zu dem Ergebnis gekommen, daß die Menchheit sich besser daran gewöhnen sollte, daß der „gute, alte Sommer“ in Zukunft nicht mehr so warm wie bisher ausfallen wird. Nach Ansicht des Gelehrten, Hurd C. Willett, muß damit gerechnet werden, daß die Sommer in den nächsten Jahren immer kälter werden und ein Tiefpunkt in den Jahren zwischen 1960 und 1965 auftreten wird, an den sich dann eine Periode gleichmäßig kühler Som- mer anschließt, die im ganzen 40 bis 50 Jahre andauern wird. Die Beobachtungen und Berechnungen Willets konzentrieren sich, wie die ame- rikanische Zeltschrift„Business magazine“ jetzt meldet, auf die Sonne, die nach über- einstimmender Ansicht der Wetterfachleute schon die Schuld an dem„verunglückcten“ Sommer dieses Jahres trägt. Von vielen Sei- ten wurde bereits festgestellt, daß die Son- nenflecken in diesem Jahr besonders gering sind, und auf diese Erscheinung wird der kühle Sommer zurückgeführt. Willett ging jedoch weiter und versuchte, eine gewisse Regelmäßigkeit in der Sonnenfleckenbildung nachzuweisen. Als erster Wissenschaftler hat er eine eingehende Tabelle der in Nord- amerika vorhandenen Temperaturen inner- halb der letzten 60 Jahre zusammengestellt und kam dabei zu dem Ergebnis, daß die Temperatur auf der gesamten nördlichen Halbkugel der Erde seit 1930 ständig gesun- ken ist. Das ist nach seiner Ansicht nicht etwa auf ein Nachlassen der Wärmeabgabe der Sonne zurückzuführen, sondern auf „sporadisches Entstehen von Ausbrüchen UNSERE KURZOESCHCHIT Was macht Piperviken! Von S. Carmiggelt John Barrymore sagte einst:„Eine Frau kann drei Dinge aus nichts machen: einen Salat, einen Hut und einen Krach.“ Das vierte ist zweifellos eine Cocktailparty. In Rom hatte ich wieder einmal Gelegen- heit, diese vertikale Entspannung zu üben. Größtenteils ausländische Gäste hatten sich im prunkvollen Haus eines Herrn versam- melt, um den sich alles drehte und der sicherlich eine fesselnde Persönlichkeit war, wenn man ihn richtig zu nehmen verstand. Seine Gattin, die wir in einem schwierigen Alter antrafen, rannte gastgeberisch herum und versuchte, Wasser des Witzes aus dem Fels der Verzweiflung zu schlagen. Man nippte an Erfrischungen, so wie Fürstlich- keiten zu speisen belieben, Es herrschte eine Stimmung wohllebig- verbissener Lange- weile. „Ah— Sie sind also unser junger Freund aus Oslo“, rief die Hausherrin wir zu. Pas hatte sie schon einmal getan, aber meine Richtigstellung schien nicht zu ihr durch- gedrungen zu sein. „Nein, nein— aus Amsterdam“, sagte ich in einem Ton, als ob der Unterschied nur einen einzigen Breitengrad betrüge. „Ach, natürlich.“ Sie verschwand wieder und überließ mich einem vertrockneten Herrn, der wie ein ausgewirbeltes Blatt im Leben lag und mich ansah, als wäre ich sein zwölfter Teller Hafergrütze. „How's your king?“ fragte er endlich. „We have no king“, sagte ich, Er schwieg entmutigt. „We have a queen“, fügte ich hinzu, um ihm entgegenzukommen. „Is that so.. fragte er irritiert und ging, vor sich hinmurmelnd, woanders hin. Als ich mein Glas auf einen großen Tisch stellte, an dem mehrere Personen einen Spitzentanz um das kalte Büfett ausführten, tauchte die Hausherrin wieder auf und rief mit stereotypem Lächeln:„Ah— da ist ja unser junger Freund aus Oslo!“ Sle war von einer Gruppe blühend aus- sehender Männer umgeben, die den Ein- druck machten, als ob sie alles darum ge- ben würden, um von dort zu kommen. Ich wollte gerade wieder meine Richtigstellung anbringen, aber plötzlich kam lch mir etwas querulant vor, da ich es immer besser wis- gen wollte. „Ves,“ sagte lch deshalb und nahm ein neues Glas in Empfang. Sie tauchte wieder unter, Die blühend aussehenden Männer sahen mich eine Zeitlang feierlich an. Dann gagte der Vorderste: „How's Piperviken?“ Der Name bewegte nichts in mir. Wahr- scheinlich war es der norwegische Minister- präsident. Wohlwollend sagte ich:„O, danke, ausgezeichnet.“ Warum sollte es dem Mann nicht gut gehen? „Sind sle immer noch beim Abreißen?“ redete mein neuer Gesprächspartner weiter. Ius war also kein Mensch, sondern etwas, woran abgerissen werden konnte. „Ja, das geht immer weiter“, sagte ſch. „Und auf Bygdö?“ bestand der Mann fort. „Auch“, sagte ich. „Aber das Volksmuseum?“ fragte er, „Futsch“, sagte ich kinster, Denn so hin lch nun einmal: wenn ich einmal mit dem Ahreiſſen einer Stadt anfange, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, „Wie schade“, fand der Mann, Fr versank in trübe Gedanken, Vorsichtig stellte ich mein schon wieder geleertes Glas auf den isch und wollte fortschleichen, aber als jeh mich erst halb umgedreht hatte, stand ieh nochmals Auge in Auge mit dem ver- trockneten Greis. Er schrak vor mir zurück, konnte mir aber nicht mehr ausweichen, „How's your k. queen?“ begann er, gich gerade noch rechtzeitig verbessernd. Der Beleibte, dessen Volksmuseum ich Abgerissen hatte, lachte gutmütig und sagte: „He has no queen.“ Verdutzt sah mich der Alte an. „We have a king“, sagte ich, denn so viel weiß ich doch noch von Norwegen. „Is that so.“ Sagte der Alte. „Al, da ist ja unser Freund aus Amster- dam“, rlef mur die Hausherrin entgegen, „Nein, nein, aus Oslo“, gagte lch. (Autoristerte Vebertragung aus dem Niederländischen von Johannes Plron) erster Lehrer gewesen. ultravioletter Energie und korpuskularer Energie(Vor allem mit starker Energie ge- ladenen Protonen und Elektronen). Solche Ausbrüche begleiten Sonnenflecken und ähn- liche Störungen auf der Sonne.“ Willett stellte fest, daß ein plötzlicher Wechsel in der Ultraviolettstrahlung die Temperatur in den oberen Luftschichten der Erde so bedeutend erhöhen kann, daß sich in der unteren Atmosphäre starke Baro- meter- Schwankungen ergeben. Er zitiert einen Versuch, der im Februar 1952 über Berlin gemacht wurde,. Mit Hilfe von Wet- terballons wurde damals beobachtet, daf die Temperatur in 30 bis 35 000 Meter Höhe innerhalb von 24 Stunden von minus 50 auf minus 186 Grad Celsius anstieg. Die—1g Grad waren die höchste Temperatur, die jemals in solcher Höhe gemessen wurde., Willett konnte nun nachweisen, daß diese Erschei- nung nicht nur mit einer der stärksten Ver- ünderungen auf der Sonnenoberfläche zu- gammenfiel, die in jenem Jahr beobachtet wurde, sondern daß darüber hinaus das Wetter auf der gesamten nördlichen Hemi- sphäre stark beeinflußt wurde;„Winde, die vor der Sonnenstörung im Nordpolargebiet ganz normal von West nach Ost verliefen, kehrten sleh plötzlich um und wurden zu den stärksten Ostwinden der ganzen Jah- regzeit. Im Atlantik folgten prompt zwei schwere Stürme und an der Ostküste Ame- rikas fiel eine Rekordschneehöhe von 50 em.“ Nach Ansicht des amerikanischen Wissen- schaftlers haben also dle Sonnenverände- rungen einen unmittelbaren Einfluß auf die Temperatur der Erd-Atmosphäre und die Winde, die plötzlich Polärluft in warme Re- gionen bringen können. Er hat weiter berech- net, daß diese Entwieklung auf der Sonne noch 50 bis 60 Jahre dauern Wird. Eine ein- deutige Beurteilung seiner These wird aller- dings erst möglich sein, wenn auf einem künstlichen Erdsatelliten in großer Höhe eine automatische Wetter- und Sonnenbeob- achtungsstation errichtet werden Kann. n 5 Millionen Jahren sehen die Menschen sehr viel anders aus! Auf Grund bekannter entwicklungsge- schichtlicher Gesetze hat sich der amerika- nische Anthropologe Professor Krogman von der Pennsylvania- Universität ein Bild gemacht, wie der Mensch in etwa 5 Millio- nen Jahren aussehen wird. Der Gelehrte gab seine mit Fantasie gemischten Voraus- sagen innerhalb eines wissenschaftlichen Diskussionsabends bekannt. g Nach Professor Krogman wird der Mensch in fünf Millionen Jahren für unsere heuti- gen Begriffe erschreckend häßlich aussehen, Auf langen, dünnen Stielen sitzt ein tonnen- förmiger Leib, überragt von einem mächti- gen Kopf. Die Füße sind platt und rund. In Anpassung an die Naturgegebenheiten wird der Mensch viel langsamer leben als wir und ein Alter von 120 bis 160 Jahren errei- chen. Dieser verlangsamte Rhythmus geht auf eine starke Verminderung des Sauer- stoffgehalts in der Atmosphäre zurück. Inzwischen hat es der Mensch gelernt, in sich bestimmte Eigenschaften besonders zu entwickeln, andere bewußt zurückzudrän- gen. Die Genetiker verbessern laufend das Gehirn, das schrittweise dahin gelangt, sich auf dem unmittelbaren Wege der Gedanken- übertragung und des Gedankenlesens mit an- deren zu verständigen. Die Sprache als Hilfs- mittel hat ausgedient. Es wird keine Ge- heimnisse mehr geben— meint Krogman—, da jeder sofort spüren kann, was der an- dere denkt. Die Vorgänge wickeln sich nach dem Prinzip von Wellensender und emp- fänger ab. Ueberhaupt wird die Ausprägung der gei- stigen Fühigkeiten bis zu einem Punkt er- kolgen, den wir uns heute nicht vorzustellen vermögen. Alle Elektronen-Rechenmaschi- nen unserer Zeit übertrifft der Mensch, er erringt sich eine fast kosmische Machtentfal- tung, die ihn jedes, aber auch jedes Problem lösen läßt. Der hochgelehrte Bauer Nikol Schmidt gen. Künzel sprach 51 Sprachen In dem Dorf Rothenacker bei Schleiz lebte von 16061671 jenes einzigartige Fhänomen in der Gelehrtengeschichte des 17. Jahrhun- derts das man kurzweg als den„Gelehrten Bauern“ bezeichnete, Nikol Schmidt genannt Künzel, war zeitlebens ein Bauer und be- herrschte nicht weniger als 51 Sprachen, hauptsächlich orientalische, u. a, lateinisch, griechisch, hebräisch, chaldäisch, syrisch, arabisch, persisch, armenisch, abessinisch, ügyptisch und türkisch. Das Neue Testament konnte er in 14, das Alte Testament in sechs Sprachen auswendig. Ein Kuhjunge, der die Winterschule besucht hatte, war Künzels v s der Vater ver- bot es, und Nikol studierte während einer Krankheit das ABC-Buch und den Katechis- mus. Der Bruder seiner Mutter lehrte ihn schreiben. Von Buchhändlern in Schleiz, Jena, Hof und Nürnberg verschaffte er sich auf seinen Wanderungen Bücher, die er zum Weiterstudium benötigte. Nach vier Jahren verstand er leichte lateinische Lektüre. An den Wänden der väterlichen Scheune übte er die verschiedenartigsten Alphabete. Allmählich wurde der„Gelehrte Bauer“ in weitesten Kreisen bekannt. Er betrieb phy- sikalische, astronomische, meteorologische, botanische, chemische, optische und mathe- matische Studien. Auf seinem Bauernhaus errichtete er eine Sternwarte und besaß die besten astronomischen Instrumente, Doch die Not seiner Zeit machte auch vor Nikol nicht Halt. Haus, Hof und Felder wurden durch den Krieg verwüstet. Infolge des Zu- redens einflugreicher Freunde wurde aus dem gelehrten ee ein, c Kalenderschreiber, der den damals gerade brennenden Kampf zwischen dem jqulia- nischen und gregorianischen Kalender in die goldene Mitte leitete. Die in Nürnberg ver- legten Schmidt-Künzelschen Kalender fan- den reißenden Absatz, und der„Gelehrte Bauer“ hinterließ seinen Nachkommen ein bedeutendes Vermögen. Der Ton wandert mit „ Perspeeta-— neueste Errungenschaft der Kinotechnik In einem Orchester schlägt einer der Mu- siker ein Tamburin, er steht links rückwärts — sie hören ihn auf dieser Position in ihrem Stammkino. Ueber die Breitwand reiten die Scharen wilder Ritter— sie kom- men von rechts nach linles und sie verfolgen die donnernden Hufe. Marlon Brando hält seine berühmte MareAnton-Rede in„ulius Cäsar“: Monolog und Volksgemurmel tren- nen sich, je wie sich Brando bewegt— Diese Differenzierung des Tons— das ist Perspecta, das Neueste vom Neuem“, der stereophinische Ton, geradenwegs frisch aus den USA über Metro-Goldwyn-Mayer, Paramount und Warner Brothers importiert und von Zeifß-Ikon hörgerecht montiert. Aus einem einzigen Lichtton- Streifen werden nunmehr die Töne und Klänge, die Geräu- sche und Worte auf drei Lautsprecher Über- tragen, die hinter der Leinwand stehen und die nun, je nach der Position des Tons im Bild aus dem entsprechenden Lautsprecher quillen. „Ich liebe dich“— sagt der Held von links — ergo kommt links der Ton—,„Wie herrlich“— stöhnt sie— auf der rechten Bildseite und der Ton klingt von dort. Der gchmatzende Kuß in der Bildmitte trifft dann haargenau in der Leinwandmitte den Zuschauer, Das ist es also, Sie haben es einmal wie- der genau, haargenau hinbekommen und es mul den manisch-wilden Technikern zuge- standen werden: ihr Ton stimmt nun qua- dratzentimeter-genau. Das Geheimnis ist allein der gerichtete stereophonische Ton, schön ühnlich wie bei Cinema-Scope und in einer mehrkanaligen Tonkührung entsteht der Findruck des unmittelbar- originalen Tons, weil er punktgerichtet auf die Bild- bezirke zielt, die vor hm auf der Leinwand sichtbar sind. Die optische Handlung bestimmt dle Pla- zierung des Tons. Für den Theaterbesitzer in der technischen Vervollständigung sei- ner Vorführtechnik nunmehr ein unbedingt notwendiger Faktor, In Frankfurt— Film- Die guie Anekdoie „Sehn's, meine Herrn“, begann der Wie- ner Mediziner Nothnagel seine Vorlesung, „Wenn der Mensch kran st, dann liegen sozusagen seine Krankheit und seine Natur im Streit miteinander, Ja, und in dlesem Augenblick kommt der Arzt mit dem Knuüp⸗ pel und schlägt mutig drauflos,— Jetzt aber kommt's draut an: triftt er die Kranlcheit, wird der Mensch wieder gesund; tritt er aber die Natur— ja dann ist's aus und vorbei!“ palast— wurde diese Perspecta-Probe de- monstriert: der Laie staunt und der Fach- mann wundert sich. Aber es war wohl zu erwarten— die Techniker schlagen die Dra- maturgie nach Längen. Sie vervollkomm- nen, was die werten Filmdichter nicht schaf- fen— das Ueberzeugende, das Echte— Wo es doch nur Schein bleibt, wenn auch hier technisiert vollkommen: den Raumton.— K. J. Fischer ö ö IE HEITERE KLEIN OKE Zeſchnung!: Klumbles Vater und Sn Müde und abgespannt nach der Ayxbeit des Tages lie sich ein Vater in einen Sessel fallen, um in Ruhe die Zeitung zu lesen, bis das Abendessen fertig war. Da haloppierte plätslich ein Rudel fſeleiner Cowboys ins Zimmer und hinterdrein eine wilde Horde schreiender Indianer. „Kinder, für euch ist es jetzt Zeit, nach Hause zu gehen“, sagte der Vater, ohne von der Zeitung auſfzusenen,„Es gibt gleich Abendessen.“ Totenstille aber nur einen Augenbliche lang, dann ging der Krach weiter, bis einer der Co οbo¹,maꝛru Vaters Schoß landete, Das war zuviel, „le habe euch doch gesagt, ih sollt nach Haus gehen“, brilllte er.,„etzt Marsch!“ aher Wieder war alles still— bis eine dunne, eld liehe Stimme sagte:„Aber wir gehören Vati— wir, sind doch H. V. J. doch alle hierher, deine!“ DAS REST AUS RNAD ERS Diansr