118. Eppishausen am 26 Juny 1836. Armes, gutes, liebes Lottchen! Wie innigen anteil ich an dem verlust neme, den Sie, teure freundin! wie wol nicht unerwartet, diese tage erlitten haben, will ich Inen hier nicht sagen; weil ich Sie davon überzeugt halte; auch will ich nicht versuchen Sie zu trösten; wer kann zum schmerz sagen: stehe still? das muss die zeit tun und sie allein kann es, nach dem das herz sich ausgeweint hat; alles was ich Inen sagen will, ist, daß ich mit Inen traure, und daß es mir eine art von trost ist zu denken; wie die fromme und von Inen gewiss mit aller hingebung geübte pflicht, die ienige zu trösten und zu unter- stüzen, welche den dahingegangenen mit schmerzen geboren hat alle Ire geistes tätigkeit in anspruch nemen, und dem eigenen schmerze den stachel abstumpfen wird. Möge Ire eigene, so oft schon erschütterte gesundheit nicht darunter leiden! diesem herzlichen wunsche hätte ich noch einen beizufügen; den nämlich: daß auch ich; mit meiner guten Jenny, etwas dazu möchte bei- tragen können, guten Mamma in diesem augenblike eine luftveränderung zuträglich sein könnte; so bitte ich Sie, mir durch umgehenden boten kund zu geben: an welchem tage mein wagen in der stadt sein soll, um Sie beide abzuholen. leider muss ich noch an krüken gehen, sonst würde ich selbst kommen Sie abzuholen; allein mit Vergnügen würde es Jenny tun, wenn es Inen angenem sein würde. Sie haben wol gehört, wie unglüklich wir bei einer spazierfart vor 7 wochen in altnau geworden sind; indessen, wenn es einmal sein sollte, bin ich frohe, daß die grobsten püffe auf mich und nicht auf meine begleiterinnen gefallen sind, die iedoch auch iedes seinen guten teil wegbekamen: Indessen so langsam meine genesung gehet; habe ich doch alle hofnung, daß sie nach und nach erfolgen wird. Hug, dem ich heute schrieb, hat den unglüklichen einfall sein ge- liebtes Freiburg verlassen, und pfarrer zu Sasbach bei Achern werden zu wollen: tut er es; so glaube ich nicht, daß er mer lange leben wird; nach einem aufenthalt von 50 iaren, kann er one gefar Freiburg nicht mehr verlassen. Ich begreiffe wol, daß die höchst ungerechte denn gleich das Kind mit dem bade ausschütten? warum seinen feinden die freude machen den Kampfplaz zu verlassen? ich tat in meinem briefe das mögliche um in von diesem schritte abzuhalten: allein, ich fürchte ich komme zu spät, die würfel liegen wol schon geworfen und unseres guten Leonhards eigensinn, spielt im noch am abend seines lebens den schlimmsten streich. Wie er mir schreibt; so will er diesen herbst noch zu uns in die waldklause kommen: abschied zu nemum, sagt er, und wenn er sein auswanderungs proiect durchsezet; so fürchte ich: er hat war gesagt Der guten Mamma meinen erfurchtsvollen handkuss und Inen liebe Lotte, die versicherung meiner unveränderlichen freundschaft. Laszberg. Wenn Sie Wessenbergium sehen; so bitte ich In schön von dem alten lendenlamen Meister Sepp von Eppishausen zu grüßen. Jenny will auch noch iren gruß hier anbringen, und würde sich ser freuen Sie mit Mamma bei uns zu sehen.