Hochfreiherrlichen Gnaden! Vor Kurzem haben wir hier unsern Archivrath Öchslen durch den Tod verlohren. Dadurch ist eine Stelle in Erledigung gekommen, zu deren Bewerbung mich Beruf und Neigung bestimmen. Aber aus dem neuen Theile des Landes, stehen mir weniger Familien und andere Verbindungen zu Gebot, als hiezu nöthig ist, um zum Ziele zu gelangen. Durch meine Vorliebe für das Geschäftliche des deutschen Alterthums, durch meine Leistungen in alten Archiven und durch meine wissenschaftliche Bildung überhaupt, würde ich so glücklich die besondere Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Herren Graven Wilhelm vor Württemberg auf mich zu wenden. Gestern faßte ich nun den Ent- schluß, dessen Einfluß, der hier bei Hof sehr groß ist, auch mir für die erwähnte Bewerbung zu erbitten, den mir auch der Herr Grav freundlich und gnädig zu sagte. Gestern, und schon früher lenkte der Herr Grav das Gespräch auf Sie, der Sie in so soher Achtung bei ihm stehen, auch weiß der Herr Graf, wie auch ich in Ihrem Wohlwollen stehe; erführe aber, dieß der Herr Graf durch Sie, so könnte der gute Glaube des Herrn Graven an mich erst tiefe Wurzeln fassen, in seegenreicher Folge für mich, besonders in meiner Bewerbungssache. Sie haben schon so Viele beglückt, durch Ihr Wohlwollen, thun Sie nun gleiches an mir; und schreiben Sie, wenn ich bitten darf, recht bald, in dieser Richtung an den Herren Graven. Herr Buchhändler und Verleger Scheitle von hier, über gab mir in diesen Tagen das ange- bogene Buch, das er für Sie bestimmt habe, mit dem Ersuchen, dasselbe Ihnen zu zustellen. Aus seinen Äusserungen zu schliessen, hofft er auf Beiträge, zu Fortsezung dieses Werk, durch Sie. Indem ich mich Ihrem gnädigen Wohlwollen wieder- holt empfehle, habe ich die Ehre mich zu nennen Euer Hochfreiherrlichen Gnaden gehorsamst dankbarer Commissär fr Gutermann, Heusteige N. 4. Stuttgart, den 29. Nov. 1848. Ich bin so frei Ihnen eine Abschrift von des Herrn Grafen Brief beizuschließen.