27. Wolgeborner Herr! Sie können es nicht wissen, mein teurer Herr Pfeiffer! wie innig wol es alten leuten tut, wenn sie von iungen sich geliebt sehen! und ich muss ia glauben, daß Sie mich lieben, und noch dazu nicht wenig, da Sie mir so oft sichtbare und fülbare zeichen davon geben und mich so oft mit so schäzbaren geschenken erfreuen: messen Sie nun daraus meinen dank ab, den ich mit worten nur ser unvollkommen auszudrüken vermöchte. als ich aus Solothurn den schönen codex des bruder Berthold erhielt, war meine freude ser groß, nicht weniger die über Iren freundlichen brief. ich wollte sogleich ant- worten; allein, wohin? nach Straßburg, Carlsruhe, oder Heidelberg? überall konnten meine zeilen Sie verfelen; ich beschloss also zu warten bis Sie wieder in München wären; ich dachte gevatter Maß- mann werde wol auch einmal schreiben; aber ohe! da kam ein brief von Inen, geschrieben, als Sie schon den einen fuß im wagen hatten, um nach der alten Vindobona zu faren, und abermal geschenke, die schönen Dinten, an die ich längst nimmer gedacht hatte und dann die beiden so seltenen büchlein. wie tief komme ich in Ire schuld! und was kann ich tun, um wieder herauszukommen? wenn ich das wüisste; so könnte ich Sie noch viel lieber haben. indessen will ichs doch nicht länger anstehen lassen zu schreiben und wenigstens so schön zu danken, als ich es nur immer vermag, und da Sie mir auch nach Wien keine addresse gegeben haben; so schliesse ich meinen brief gerade an Maßmann ein, der schon wege finden wird in weiter zu bringen. diesen winter bleiben Sie wol in der Wien stadt hängen und haben vollauf zu sehen, zu lesen und abzuschreiben. Nun will ich zuerst mit einem auftrage, das heisst mit einer bitte anfangen. Ich habe unterm 18 Julij v. J. drei exemplare meines Liedersaales an den Graven(oder nichtgraven) von Karajan nach Wien gesandt, eines für die K. K. große Bibliotheke, eines für die die Ambraser sammelung an Bergmann, und eines für Karajan. beide leztgenannte herren haben mir den empfang angezeigt, was aber Karajan mit dem für die K. K. bibliotheke gemacht hat, weiss ich nicht: da es ein geschenk war und zwar das geschenk eines K. K. Oe. kammerherrn; so hätte die höflichkeits pflicht gefordert, mir, wenn auch nicht dafür zu danken; doch wenigstens durch einen der custoden, den empfang desselben anzeigen zu lassen. wenn Sie mir hierüber verlässige aus- kunft verschaffen könnten; so würden Sie mich verbinden. das kürzeste wäre wol, das buch quaestionis auf der K. K. bibliotheke zu verlangen, da wird man bald sehen, ob es dahin gekommen ist? – Nun hätte ich aber noch ein anliegen, das Inen aber größere mühe ver- ursachen dürfte als das vorige, das mir aber auch näher am herzen liegt, da es eine familienangelegenheit betrift. Ich hätte nämlich nötig zu wissen: wie die männer mit vor- und zu-namen hiessen, welche vom iar 1700 bis 1750. die bürger meister wüde in der stadt Wien bekleideten? Es muss ein herr von Perger darunter sein, und um diesen ist es mir eigentlich zu tun; denn er war der vater meiner großmutter. wenn ich nur ein mal seinen taufnamen und die iargänge weiß, wann er anfieng und aufhörte Bürgermeister zu Wien zu sein; so will ich dann schon weiter darauf fortbauen und das übrige was mir zu wissen nötig ist, heraus kriegen; bei einem der Wiener magistrats räte, welche sämmtlich litterati sein müssen, werden Sie oder einer Irer Wiener bekannten das verlangte am sichersten erkundigen. Hormayrs geschichte von Wien habe ich nicht, sonst liesse sich vielleicht darinne etwas auffinden. Ich danke Inen auch viele male für den auszug aus der urkunde, welchen Sie mir noch von München aus zuzusenden die güte hatten, noch mer wird es mich freuen, die urkunde einmal durch Sie in extenso zu lesen zu bekommen. Vor einigen tagen sandte mir mein freund und landsmann Iodocus Stülz, Archivar zu St. Florian in Oberösterreich, eine kleine abhandlung, in einer linzer zeitschrift, worin er den minnesänger Dietmar von Ast, zu einem Oesterreichischen edlen von Aist machen will; er hat mich aber nicht überzeugt: die von mir gesammelten diplomatischen notizen und das wappen in dem Pariser codex, sprechen offenber für die Schweiz. ein anderer Oesterreicher Herr von Spaun, auch zu Linz, will gar nicht anderst, als den Heinrich von Ofterdingen zum verfasser des Nibelungenliedes machen, fichtet aber mit noch schwächeren waffen, als mein guter Stülz: indess hat es mich doch gefreut, das buch zu lesen; denn ich sahe daraus, daß die liebe zu unsern alten teutschen sängern in Oesterreich, immer lebendiger und allgemeiner wird. Von Iren vaterländschen neuigkeiten sage ich Inen nichts, lieber Herr! denn da siehet es allzutraurig aus, und kann leider noch viel trauriger werden. Wir alle, auf der alten Dagoberts burg, sind gott sei dank! wol auf und grüßen sie auf das herzlichste, auch die beiden Hilden wollen genannt sein; sie sprachen noch lange von herren Pfeiffer und sprechen noch manchmal davon, daß er sie so lustig und freundlich herum getragen hat. diesen winter striken sie und fangen an französch zu parliren, diesem übel kann man leider nicht ausweichen. Es würde uns ser freuen, auch von Wien aus nachrichten von Irem befinden zu erhalten, und zu erfaren bis wann Sie wieder nach München zurükkeren? wenn wir diesen sommer nach Westphalen reisen; so könnte leicht geschehen, daß wir den heim weg über München nämen und wie ser würde es mich freuen Sie da zu treffen. Möge es Inen bei den guten redlichen Wienern wol gehen! Leben Sie wol, gott befolen! von Irem verbundensten Joseph von Laszberg. explicit auf der alten Meersburg am 29 Ianuar. 1841.