Fol. 563. Constanz, den 11/21 1845 Herrn Freiherrn von Lassberg. Meersburg Hochgeboren DIE BUCHHANDLUNG von WILHELM MECK(vormals A. EMMERLING'SCHE BUCHHANDLUNG) hat die Ehre Ihnen hierbei zur gef. Einsicht, zur Fortsetzung, nach Wunsch zu übersenden: Mit Vergnügen theile ich meinen verehrten Geschäftsfreunden die neuen Erscheinungen der Literatur zur Einsicht mit, und bitte nur, die nicht gewählten Artikel durch sichere und kostenfreie Gelegenheit wieder an mich gelangen zu lassen. – Zugleich empfehle ich mein wohlassortirtes Lager älterer und neuerer Werke aus allen Fächern der Wissenschaften gütiger Aufmerksamkeit, und werde mich bemühen, das etwa nicht Vorräthige in möglichst kurzer Zeit zu verschaffen, wie denn auch alle von andern Handlungen öffentlich angezeigten Schriften stets durch mich zu beziehen sind. 1. Karte f. Reisende in Tyrol. – f.. 48. 1. Alighieris Comödie. – 1 36. 1. Leo die malbergische Gloße – 1 30 327. S. T. Herren Buchbinder Beer zu Constanz. Unterm 17.n November sandte ich Inen: Dr. Marbachs Nibelungenlied, und ersuchte Sie mir solches recht bald, nach anweisung zu binden; da nun nicht nur Weihenachten verflossen ist; sondern auch morgen schon das neue iar eintrittet, und ich nach 6 wochen noch immer nichts erhalten habe; so finde ich mich vermüssiget, Sie andurch zu ersuchen mir dies kostbare buch, durch umgehenden Dampfboote gemacht oder ungemacht zurükzusenden. JosephvonLaszberg Meersburg am 31. Dcbrs. 1845. Joseph v. Laßberg. Joseph von Laßberg Dortchen(Sie wissen ja wer das ist) fiel durch die lange krankenpflege selbst in eine gefährliche krankheit. Wir reisten hin und her, der ganze haushalt lag gestört danieder. Nach Dortchens herstellung war Wilhelms gesundheit so geschwächt, daß er nach Wiesbaden muste, welches ihm Gottlob treflich anschlug. Unter andern umständen wäre denn auch das beifolgende buch viel- leicht besser gerathen. Nehmen Sie es so wie es ist. Beim durchlesen muss Ihnen, einem experto, mancher lei nützliches einfallen. Unmittel- bar gehe ich jetzt über an das schreiben einer deutschen mythologie, die viel weitaussehener und schwieriger, wobei aber auch mehr lob einzulegen ist. Danken sie doch Zellwegern für seinen dritten band, den zweiten habe ich noch nicht; er wird wol noch bei Ihnen liegen. ich füge das buch von Schrade bei und bin mit steter Freundschaft von herzen Ihr Jac Grimm. Schön wäre, wenn Sie(was s. CXIV gefragt wird) die rheinische nonnenabtei herausbrächten. Cassel 6.t August 1839 Der gruß, welchen Sie, liebster freund, durch hn. geheimrath von Baumbach uns zugesendet haben, ist richtig abgegeben worden, und ich benutze die gelegenheit seiner rückkehr Ihnen mit einigen zeilen dafür zu danken. Welch einen harten winter ich durchgemacht habe, wißen Sie; ich reiste ende ende Mai nach Jena um meinen freund Dahlmann einmal wieder zu sehen, zugleich hoffte ich die bewegung meiner frau welche sich entschloß mitzufahren, zuträglich sein. der letzte zweck schlug fehl. bei aller vorsicht, mit welcher die reise eingerichtet war, erkrankte sie doch in Jena und mußte ärztliche hilfe suchen. es geht in den letzten monaten beßer mit ihr, und sie trinkt jetzt mineralwaßer, das ihr gut zu thun scheint. Sie sehen wol daß ich an eine größere reise und abwesenheit nicht denken durftem, wie sehr ich auch gewünscht hätte ein paar Tage auf der reizenden mersburg zuzubringen. Ich bin so fleißig als es nur immer die umstände erlauben, und an arbeit fehlt es nicht. von dem unternehmen eines großen wörterbuchs werden Sie gelesen haben, und das erfordert freilich zeit und muße wenn Sie lust und zeit hätten uns einen beitrag zu geben, wenn Sie nämlich geneigt wären einen schriftsteller aus den drei jahrhunderten von luther bis Göthe auszuziehen. Wernher vom Niederrhein werde ich Ihnen in der michaelismeße zusenden. der poetische werth ist nicht groß, aber er ist bedeutend für die geschichte der poesie; der drucker hat mich aufgehalten sonst wär er schon lange fertig. dann kommt, so Gott will, die goledene Schmiede daran. Die Kinder wachsen heran u. sind munter, die Knaben laufen vor meinem fenster auf stelzen wie störche herum. Wir alle grüßen Sie und ihr ganzes haus auf das herzlichste mit unveränderter freundschaft Der Ihrige Wilh. Grimm Stuttgart den 3. Jul. 1829. Hochverehrter Herr! Ihre gütige Zuschrift und Sendung vom 1sten Mai ist erst seit 8 Tagen in meinen Händen. Ich habe die schönen Proben aus Pollok's geistvollen Gedichten mit großem Vergnügen gelesen, und obwohl von einem meiner jungen Freunde ebenfalls eine Probe fürs Morgen- blatt eingesandt, schon längst vorliegt, so zieht die Redaction doch vor, aus den interessanteren Bruchstücken, die Ihre Güte uns anbietet, Eines und zwar das erste zu wählen, das mit nächstem abge- druckt werden soll. Mehreres aufzunehmen, verbietet der Raum des Blattes. Ich ergreife diese Gelegenheit, um Sie, hochverehrter Herr, dringend um Entschuldigung zu bitten, daß ich einige ihrer gütigen früheren Briefe unbeantwortet gelassen. Das Gewünschte habe ich immer besorgt. Glauben Sie nicht, daß je der Dank für Ihre warme Güte gegen mich im J. 1815 und die in mir Erinnerung an jene schönen Stunden erlöschen wer- werde, und erlauben Sie mir, dass ich mich mit herzlicher Verehrung nenne Ihren gehorsamen Diener und Freund G. Schwab erhalten am 27 märz. Stuttgart den 22 März 1832 Innigst verehrter Herr Baron! Mit wahrem Jubel wurden von Sophie und mir Ihre lieben Schriftzüge begrüßt, welche wir seit dem Sommer 1830 nicht mehr erblickt hatten. Denn auch der Englischmann Chasby, dessen Namen ich erst aus ihrem lieben jezigen Brief verstehe, weil er während meiner Abwesenheit in den Herbst- ferien hier war und meine Frau seinen Namen nicht behalten oder nicht nachsprechen konnte, – auch dieser brachte keinen Brief mit. Wenn ihn meine Sophie recht verstanden hat, so war Ihr Schreiben von ihm – nach München verpackt worden, wo es versehentlich noch liegt, das ist ein Gegen- Gegenstück zu des Dichters Wagner von Laufenburg eilf Monat altem Gruß von mir! – Kurz nach dem Engländer erfreute uns der vortreffliche Jacob Grimm mit einem recht frischen mündlichen Gruß von Ihnen und einem Abend- besuche, bei welchem wir seinen ganze Liebenswürdigkeit kennen lernten; daß so tiefe Forschungen aus einer so reinen Kinderseele kommen können! – Um Ihnen von unserm Leben zu erzählen, das seit einiger Zeit auch viel Leid neben Freud' hatte, muß ich ziem- lich weit zurückgehen, denn seit Ende Augusts 1830, wo ich meinen letzten Brief an Sie absandte, wissen Sie, glaube ich, nichts mehr von uns. Kurz nach dem Wochenbette meiner Frau, das sie ganz glücklich überstand, kehrte der böse Scharlach bei uns ein, an welchem zwei meiner Kinder erkrankten; über ihrer Pflege bekam meine l. Frau die tückische Gesichtsrose, von der sie nach später Genesung zweimal aufs neue befallen ward und zwar im December 1830 so, daß ein nervöser Zustand damit verbunden war, der uns 8 Tage für ihr theures Leben zittern ließ. Doch ging mit Gottes gnädiger Hilfe die Gefahr vorüber, aber kaum war dieser Sturm vorbei, so starb nach kurzer Krankheit meine ehr- würdige 73jährige Mutter, umso unerwarteter für uns, da sie bis ins hohe Alter mit jugendlich were JHNNY thätige Liebe für die ihrigen wirkte, das Frühjahr ver- ging dann heiterer für uns, und im Sommer zog meine l. Frau mit den 3 ältern Kindern auf des Arztes Raths und meine Veranstaltung, auf den Schwarzwald, um im obern Murgthale, in der Nähe von Verwandten, bei Kloster Reichenbach eine Luftkur zu gebrauchen, welche herrlich bei ihr angeschlagen hat. Ich begleitete sie und wir machten einen schönen Abstecher durch das ganze herrliche Thal über das von Uhland besungene Eberstein und viele andre Burgen nach Straßburg. Später besuchte ich sie während ihres 8wöchigen Aufenthaltes nochein- einmal und fand sie so erstarkt, daß wir es wagen konnten, auf dem Katzenkopf, dem höchsten Punkte des würtemb. Schwarzwaldes bei einem Bivouak feuer, von Cappeler Wilderern mit Wein und Caffé ver- sorgt, im Freien unter einem Julius Sternenhimmel zu übernachten und den Rhein auf fast 40 Stunden im Abendglanz und Morgenschimmer zu bewundern. – Im Herbst wurden wir durch die Bekanntschaft eines jungen, ungarischen Edelmannes erfreut, den mir sein herrliches Dichtertalent zuführte, der mein Hausfreund und Monate lang mein Gast wurde, mit uns in dem wolkenlosen Oktober zu Uhlands ging, jetzt aber leider, im Unmuth über die Lage seines Vaterlandes, nach Amerika flüchtet. Er heißt Niembsch von Strehlenau und wird nächstens unter dem Namen Lenau ein Bändchen herrlicher Gedichte bei Cotta erscheinen lassen. Der letzte Winter war bei uns gelinde und vier Wochen lang das herrlichste Wetter, das wir so sorglos zu Ausflügen ins Freie benutzten, daß Sophie am Ende wieder eine leidige Anwandlung von Gesichtsrose überfiel, die, ohne gefährlich zu werden, sie doch drei Wochen in die Stube bannte. Später machte uns mein Christoph durch eine Entwicklungskrankheit recht Angst, jedoch erholt erholt er sich allmählich wieder. Umso herrlicher aber ge- deiht ihr kleiner Eppisheuser mit goldenem Haar und schwarzen, glänzenden Augen, die er von der Mutter hat. Seine Grammatik ist doch sehr einfach und cultiviert er vorzugsweise den Infinitivus, aber sein Wörterbuch ist für ein 21 monatliches Kind schon bedeutend; nachsprechen kann er, bei seinem mit einer Doppelreihe gesunder Zähne wohl ausgestatteten, großen, schwabischen Munde alles, und eben sagte er mir sehr vernehmlich aus seinem Bette heraus: Lassberg; Eppishausen; Gruß; Lugig(Ludwig). Über meiner Hauschronik habe ich Ihnen noch nicht einmal für das herrliche Eggen Liet gedankt, mit dem Sie mich, und noch einen Freund, den wärmsten Liebhaber deutschen Alterthums hier, Archivar Kausler, hoch erfreut ⌜ den beiden Sophien, Mutter und Tochter, und haben. Ich will es mit ⌜ einigen, lieblichen, jungen Nichten, mit welchen ich in einer müssigen Wochenstunde Kobersteins Deutsche Lit. Geschichte durchgehe, wobei ich ihnen, soviel es angeht auch Proben altdeutscher Poesie(gegenwärtig die wichtigsten Bücher des Nibelungenliedes) so gut ich kann, erkläre; – lesen. kürzlich Als ich diesen die Stellen aus dem Lobgesang auf den H. Anno, die in Bouterweks Gesch. der d. Poesie und Beredsamkeit abgedruckt sind, erklärte, und in der Be- Bewunderung dieser herrlichen Poesie rege machte, dachte ich nicht, daß vielleicht in demselben Augen- blick mein theurer Schatzgräber mit der voll- ständigen Erhebung dieses Schatzes beschäftigt sey! Wenn er vollends den vollständigen Ulfilas fände, so möchte ich ihn wohl wieder durch ein Zaubergedicht im Morgenblatt erschrecken! Von unserm Uhland wissen Sie wohl, daß nach feurigem Kampfe mit ihm selbst und seinem Nebenbuhler, der unglaublicher weise auch der Onkel seiner Frau ist, die Stadt Stuttgart mit 2/3 Stimmen ihn zu ihrem Abgeordneten auf den künftigen Landtag gewählt hat. So weh mir dieß für die Wissenschaft und die Tübinger Jugend thut, so kann ihn doch das Land in einer so verhängnisvollen Periode nicht entbehren. Am Ende wird auch die Regierung einsehen lernen, daß sie an einem solchen Manne keinen Feind und Gegner, sondern im Grunde den besten Freund hat. Bis jetzt aber ist sie zu dieser Er- kenntnis noch nicht gelangt. Sie hat den schmierenden Monachus nicht als wirk- lichen Bibliothekar, obwohl er so heißt, berufen(denn die von der Privatbibliothek verschiedene, königl. Handbibliothek ist eigentlich nur eine fiction, oder ein Vorzimmer mit einigen Unterhaltungsbüchern); sondern – ein Titel, den er auch führt – als eigentlichen Geheimen- Hof-rath, der den Hof heimlicher Weise mit Artikeln in der Stuttgarter Zeitung berathen und gegen die wachsene Opposition schützen soll, deshalb hat er 3000 l(was sonst ein Präsident hat) aus der Civilliste. Allein er taugt ganz und gar nicht zu diesem Geschäft, das kein Inländer übernehmen wollte. Er ist ein plumper Schwätzer der nichts geheim hält; er ist fürs Hofleben viel zu schmutzig, und für den guten Rath weder wohldenkend noch klug genug. – Doch dieß Alles unter uns gesagt, denn mir hat er nichts gethan und rühmt sich nur noch (in seinen eben erschienenen Memoiren!) meiner und Uhlands Freundschaft. Ich selbst sollte auch Landstand werden, fiel aber durch, weil kurz vor der Wahl mein Bruder Justizminister wurde und dieß die Wähler mis- trauisch machte. Das Schicksal hat es gewiss gut mit mir gemeint. – Werden Sie denn Ihre aufgeschobene Reise zu unsrem theuren Uhland(und hoffentlich auch zu uns) nicht diesen Sommer nachhohlen? Wenn es nicht geschieht, so fehlte wenig, dass ich zu Ihnen hinauf rennte! Daß ihr Herr Sohn Friz Sie besuchte, nehme ich als ein gutes Zeichen für seine, wie ich mit Bedauern hörte, wankende Gesundheit. Nun habe ich ebennoch?Schrum? Sophiens herzlichste Empfehlungen und meiner Kinder dankbar und respectvoll erwiederte Grüße zu protocolliren und aus innigem Herzen ein frohes, gesundes Frühjahr zu wünschen. Mit verehrungsvoller Liebe Ihr G. Schwab Gomaringen bei Tübingen den 26sten März 1838. Innigst verehrter Herr Baron! Auf der Stelle hätte ich mich vor acht Tagen hingesetzt, Ihren liebenswürdigen, herrlichen, erfreulichen Brief mit einem Worte des Dankes und der Liebe zu beantworten, wenn ich es, ohne daß meine Sophie ihn gelesen, hätte tun wollen. Diese war aber gerade in Stuttgart, um unsren Ihnen vom Sommer 1834 her wohlbekannten zweiten Sohn Gustav auszurüsten, der am 16. April nach Bremen abgehen wird, wo er das Glück hat zu lieben Freunden von uns in eins der ersten dortigen Handelshäuser H. H. Meier & Co. als Handelslehrling, freilich für sechs lange Jahre, einzutreten. Nun ist meine Frau mit dem wanderfertigen Burschen wieder bei uns; auch Christoph ist vor- gestern heraufmarschirt, und so haben wir mit unsern Kindern, außer dem kleinen Ludwig, der seit 14 Tagen auf der Tübinger"schola anatolica" ist, allen, unsern 21sten Hochzeitstag, Gott sey Dank, gesund und fröhlich begangen. Sophie hat sich nun so herzlich wie ich an ihrem Brief erbaut und erfreut, und vereinigt sich mit mir zu innigen und ehrerbietigen, glückwünschen den Grüßen, für die verehrte Frau Baronin und Sie, theuerster Freund! Dem ein so stattliches, alterthümliches und dabei wohnliches Schloß vom gütigen Himmel selbst aufgehoben und zugerichtet worden ist. Von außen habe ich es im J. 1825 gesehen und aus der engen Felsengasse an der mole propinqua nubibus arduis hinaufgestaunt. Damals dachte ich nicht, daß es die Wohnung eines der mir theuersten und verehrtesten Männer werden und ich ihn hier einmal zu besuchen haben würde, und zwar als den glücklichsten Gatten, mit heranblühenden Zwillings- helegonen! Sophie wird leider dieses Jahr nicht mitkommen können, da man uns den Sommer baut, und sie den Frühling über gärteln, im Spätsommer aber ihren Gustav und eine geliebte Freundin in Bremen besuchen muss. Ich selbst aber werde im Spätjahr der Versuchung nicht widerstehen können und aller Wahrscheinlichkeit nach einmal auf die Mörsburg, wie in Eppishausen schon dreimal zu Ihrer gastlichen Thüre anklopfen, und ihre Schlosserinnerungen durch- durchleben helfen. Sind wir einander nun doch gegenseitig zusammen um 15 Stunden Stunden näher gerückt und kann mich von hier der Postwagen in einem Tag an den See bringen. Als ich meinen, durch Abels unverzeihliche Zögerung uranusmäßig langsam sich fortbewegenden Brief im Mai vorigen Jahres schrieb und ihnen meinen Schmerz um Eppishausen melden wollte, den Ihr letzter Brief ganz beschwichtigt hat, dachte ich noch nicht an die glückliche Verän- derung meiner Lage, die seitdem erfolgt ist. Von jeher war die Tübinger- gegend, wo ich meine Jugend in Freundschaft, Liebe, Poesie und Studien verlebt habe, das Ziel meiner Sehnsucht. Sit modus lasso! betete ich auf und bin erhört worden. Der hiesige angenehme Pfarrdienst ging als, mir nachgerade das Redactionswesen in Stuttgart, bei dem gegen- wärtigen ekelhaften Zustand unserer schönen Literatur, anfing un- leidlich zu werden und auch sonst manche Umstände mir meine sonst angenehme Lage verleidet hatten, und ich mich unbeschreiblich nach Geistessammlung und ländlicher Ruhe sehnte. Der König erhörte auf eine gnädige und freundliche Weise meine Bitte und, nachdem mich eine Reise ins Wildbad von einer ängstlichen Heiserkeit kurirt hatte, wurde ich im Sept. 1837 zum Pfarrer in Gomaringen mit Bei- behaltung des mir seit 20 Jahren anhengenden Professorscharakters ernannt und bezog am 26. Oct. mit den Meinigen mein Pfarr- haus, das auch ein Schloß ist, aber freilich mit dem Mörsburger nur den Namen gemein hat. Es war der Sitz der Edeln von Gomeringen(Gomaringen ist eine naseweise Änderung des 18ten Jahrhunderts ad analogiam von Sigmaringen), die es wahrscheinlich aus den Ruinen eines schon zu Crusius Zeit verschwundenen Nachbarschlosses, das er und wir nur unter dem Namen der 15 Alten-Burg kennen, im ten Jahrhundert, in welchem sie auch schon ausgestorben sind, erbaut haben. Das Schloß ist ein zweiflüglichter, alter, doch für uns sehr geräumiger Rumpelkasten, mit herrlicher Aussicht auf meine, liebe, ganz nahe Alb; und während ich dieses an einem blauen Tage schreibe, sehe ich über die Feder weg die Krone des Hohenzollern und den Thurm der Belsener Heiden- Kapelle, und links von mir die Spitze des Rossbergs. Freilich ist das auch nichts gegen ihren ihre Aussicht vom alten und künftigen Wohnsitz. Tief unter mir ist mein schöner, aber auch gänzlich verwilderter Wurz- und Grasgarten, der mit dem baumreichen Schloßzwinger 1 ½ Morgen hält. Alles genug für uns, hoc erat in votis und nicht mehr, bei mir! Möchten Sie, theurer Freund, doch mit Ihrer hochverehrten Gemahlin, so gewiß zu uns kommen, als wir zu Ihnen. Man baut uns auf den Sommer so, daß das alte, ärmliche Wesen zwar nicht stattlich aber doch recht wohnlich werden wird. So lie auch in meinem Keller helle, gute Weine, selbst etwas Etli Burgunder und Oberkirchner Klingenberger. Also depone latus sub lauru mea vel saltem ceraso. Die Nähe Uhlands war, wie Sie denken können, ein Hauptmagnet für mich; leider aber ist der herrliche liebe Freund, seit dem Januar in der vertrackten Ständeversammlung, wo er an Criminalgesetzen nicht mit Thors Hammer schmiedet, und weder Geschichte macht, noch in Sagen forscht. Mich selbst haben mein neues Amt und einige literar. Aus- stände fast ganz in Beschlag genommen, doch wird es von Tag zu Tag besser. Mein Beruf ist mir lieb und heilig, und auf dem Lande fühlt sich der Dichter erst als ein integer vitae scelerisque purus. Alles Andere, so Gott will, noch in diesem Jahr mündlich. Mein ganzes Haus grüßt ehrerbietig und küßt mit Sophie und mir Hildegund und Hildegart auf ihren rosenrothen Mund. Gottes vollen Segen ins neue Haus! Mit inniger Liebe und Verehrung auf ewig Ihr Gustav Schwab. Seiner Hochwohlgeboren Herrn Baron J. von Laßberg Großherzogl. Badischen Geheimenrath. &c.&c.&c. auf EppisHausen im Thurgau über Constanz. Aarau 14 März 1825. Erst heute, theuerster Herr Baron, empfing ich Ihre Trau- erbotschaft(der Brief war über St. Gallen gegangen.) Heil unserm verklärten, edeln Freund! Er steht höher, als wir. Er ist von uns noch nicht geschieden, denn er ist noch nicht aus unserm Vaterhause gegangen, wenn er aus seiner Pflanzenhülle ging; und ist bei Gott, wie wir es sind. Ich sage das mit heller Überzeugung und, troz dem, doch mit einer hellen Thräne im Auge. Wir Menschenkinder haben immer das Gefühl, es geschähe Einem Unrecht, wenn wer von uns genommen wird; oder unsere Liebe will klagen, weil sie sich einbildet, der Freund sei ungern von uns; oder unser Egoismus, oder unsre Gewohnheit, will sich nun einmahl verbluten. Wir sprachen noch gestern bei Tische in meinem Hause von ihm. Ich hatte ihm bald noch nach Neujahr einige Zeilen geschrieben und noch keine Ant- wort. Ich fürchtete er sei krank. Heil dir nun, theurer, guter Ittner! In Gott ist keine Trennung. Setzen Sie Ihrem und meinem Freunde ein wür- diges Denkmal. Keiner kann es so, wie Sie, der Sie ihm oft nahe waren. Geben Sie selbst seine lez- te Arbeit in Druck, wozu Sie ihm den Stoff ver- liehen haben. Wallis in Constanz wird sie zier- lich drukken. Liefern Sie dazu Ittners Biogra- phie, wie er sie seinem Freunde, dem Dichter Jakobi geschrieben. An Stoff kann es Ihnen nicht mangeln. Es wäre schade, wenn die lezte Arbeit unsers lieben Verklärten nur in einer Zeitschrift erschiene, und das Leben dieses Gelehrten, dieses hellen und herrlichen Geistes, nicht erzählt würde. Ich habe viel ernste und fröhliche Stunden mit ihm gelebt; doch nach dem Schicksal unsrer Tage fragten wir uns nie. Sie erfahren leicht von seinen lieben Hinterlassenen das Wesentlichste, denen ich sie bitte mich empfehlen und sagen zu wollen, daß ich ihren Verlust tief empfinde und beklage, daß er aber durch den Gewinn, welchen der Vollendete gemacht, mehr, als aufgewogen würde. Leben Sie wohl, mein theuerster Herr Baron. Erfüllen Sie doch ja meine Bitte. Und wenn Sie ein müssiges Halbstündchen haben, sagen Sie mir, ob sie es wollen? Sie sind, obwohl sie etwas seltner Gast bei mir waren, noch immer in lieber Erinne- rung bei uns. Meine Frau empfiehlt sich ihrem gütigen Andenken. Mit der hochachtungsvollsten Freundschaft werd' ich immerdar bleiben. Ihr Heinr. Zschokke Sr. Hochwohlgeboren Herrn Baron Jos. von Laßberg zu Eppishausen Aarau 19 März. 28. Wenn Sie mich vergessen haben, mein theuerster Herr Baron, will ich Sie auf einige Augenblikke nöthigen, sich mei- ner wieder zu erinnern. Ich kann es nicht besser, als indem ich Ihnen, zu den früheren Regesten unsres geistvollen Hrn. von Lang noch den lezten Theil füge, nebst Titelbogen und Vorrede, die dem Part. I. Vol. IV vorgebunden wer- den müssen. Hr. v. Lang, der sich Ihnen empfiehlt, will mir gefällig genug meine Gabe an Sie, durch Übersendung eines vollständigen Exemplars von seinem Werk wieder ersetzen. Wer mir aus den Umgegenden von Constanz oder Eppishausen schreibt oder persönlich erscheint, weiß auf al- le meine Fragen nach Ihnen nichts zu erwiedern. Sie leben wie ein Einsiedler, selbst in Constanz sieht man Sie nie, oder selten. Ich glaube nun wohl, dass Sie sich selbst genug sind in Ihrer Einsamkeit, aber nicht Andern. Woran arbeiten Sie so eifrig, dass Sie über das, was nicht ist(die Nachwelt) vergessen was ist,(die Jeztwelt)? In meiner Hütte am Fuß des Jura, umringt von Weib und Kindern, die Stadt, wie ein Bild vor meinem Fenster hängend, im Garten die ersten Spröß- linge des Frühlings, im Wohlgenuß meiner wiedergekehrten Gesundheit, freu' ich mich des Daseyns. Einer meiner Söhne studirt auf der Hochschu- le zu Berlin; der ältere ist von da seit 3 Monaten zurük und geht im Frühjahr nach Paris und Lon- don. Er machte mit seiner Heimkehr zum Vaterhause eine Fußreise von Berlin über Rügen, längs der nord Ostsee durch Dänemark zur see, und über Hamburg den Rhein ent- lang, in die Schweiz, alles in 13 Wo- chen und mit zwölf Louis d'ors. In unserem stillen Aarau geht alles im gewohnten Geleise: nur die Verwer- fung des baselschen Bisthumsconcordats hat Verstimmung bei einigen Gönnern der Sache hervorgebracht, und Herr Doktor Feer ist, dem Aesculap treulos, als Oberamtmann nach Brugg ge- gangen. Doch das alles wissen Sie ohne Zweifel längst schon. Leben Sie wohl und bewahren Sie in ihrem Gedächtnis ein Pläzchen für mich, wie Sie es haben im Herzen Ihres H Zschokke Manuscriptum Manuscriptum Pcrumena de crumena de A L Lrummatione Reple tuorum cor Reple tuorum corda fidelium Summo pontifici Adamantinus Smaragdinus Aarau 16 März. 32. Wo der Sangmeister von Eppishausen anpocht, da erscheint er wahrhaftig nie zu spät, und am wenigsten, wenn er uns die wunderbarli- chen Mären und Harfenklänge aus einer Welt hören läßt, welche nicht mehr die unsrige ist. Du tuost mir saelic licht, Das ich doch jemer danken dir, In Herzen und in Sinen; Es wart nie bas erbotten mir. Die alten, treuherzigen und doch sinnvollen Sänge thun immer eine ganz eigne Wirkung auf mich. Unsre neuern, nachklimpernden, mystischen Romantiker sind weit von der reinen, seelenreichen Romantik des Mittelalters entfernt. Aber auch selbst der edle Rost des Alterthums gereicht diesen Harfen verflossener Tage zum Schmuk. Man steht ehr- furchtsvoll vor ihnen auf, wie vor einem greisen Haupte. Ich beging einmahl die Thorheit, mit vie- ler Mühe ein Paar Stükke aus Ihrem Lieder- saal zu übersetzen. Aber da lagen meine Verse da, wie roth und weiß geschminkte Leichname, ohne den heimlichen Reiz des innern Lebens; wie gepresste Blumen im Herbarium. Sie müssen in Ihrem Eppishausen irgendwo ein Zimmer haben, worin die Geister aller aller Helden- und Minnedichter der goldnen Ritterwelt hausen. Wie melodisch und tonreich war die Sprache jener Zeit! Izt ist das vollklingende a, i, o in das ewige e, e und e zerquetscht, oder in miauende Doppellaute verquickt. Es liegen da Sprachschätze von hohem Werth. Wie leid that mir's, als ich unterwegs zu Ihnen war, zu vernehmen, Sie wären abwesend. Eben darum hatt' ich das Mittagsessen bei Hrn Baub angenommen, oder vielmehr nur Früh- stük, weil er mich zu Ihnen zu führen ver- sprochen hatte. Aber das sangvolle Geister- gemach muß ich und will ich dennoch, vielleicht diesen Sommer schon, heimsuchen. – Daß Sie in Heinrichsbade gewesen, erfahr' ich nun erst aus Ihrem Briefe; Das het ich gerne do uernomen Es ist minem herzen swaere! Welche Freude mußt' ich einbüßen, da ich wegen zu vieler Gesellschaft einsam war, und, wegen der Zudringlichkeit Vieler, Alle floh; nur den lieben Zellweger von Trogen, und ein Paar minnicliche vrouwen lobesam ausgenommen. Ich wollte mich eigentlich im Heinrichsbade von unsern tollen, verrükten Reformstürmen ein wenig zerstreuen und meinen erschütterten Gleichmuth wieder feststellen. Der Zweck ist auch erreicht und ich sehe aus meiner Blum- halde, wie Sie aus Ihrer Burg, dem fanatisch- fantastischen Fastnachtsspiel der Politik und ihrer Partheien ruhig philosophirend zu. Meine zahlreichen Ämter hab' ich längst niedergelegt, ich komme gar nicht mehr zur Stadt, von der mich der brükkenlose Strom trennt, und vertraue mich nur der Barke des Aarauer Charon an, wenn ich mein Aktivbürgerrecht im großen Rath gelten machen will. Ich hoffe, es wird sich Alles bei uns sehr wohl- gestalten, wenn man nur mit Kraft die rasenden Extreme zum Schweigen bringt. Die Menschen geberden sich, rein närrisch; halten sich gegenseitig für Bösewichter; zerstöhren aus Liebe zur Freiheit die Freiheit, und mögten einander zur Ehre des Vaterlandes erwürgen, wie man weiland zur Ehre Gottes zu thun pflegte. Wenn das preußische Ministerium nicht auch am polit. Tarantelbiß leidet, wird es sich hüten, die Wünsche seiner lieben Steuerbürger mit jener Nachsicht zu erfüllen, mit welcher ih- nen einst, auf ihr heißes Verlangen, Friedrich der Große den Teufel ließ. Leben Sie wohl. Behalten Sie den Einsiedler am Jura lieb, dem sie so theuer geworden sind. Sehn Sie zuweilen das stille Sorenthal, so rufen Sie mich mit ins Gedächtnis des Herrn Baub und seiner freundlichen Familie zurük. Unser Ritter von Lang findet izt gewis das Treiben im Baierlande unbehaglicher denn je: er scheint mir sogar müde, noch einmahl ge- gen die Tollheit des Jahrhunderts, eine Ham- melburger Lanze zu brechen. Ich er- wartete immer ein Briefchen von ihm. Vielleicht schreib ich selbst ihm bald. Nun, auf Wiedersehen(wenn Sie nicht un- versehens zu mir kommen) in der alter- thümlichen Geister-Zelle! Immer, wie immer, Ihr H Zschokke Se. Hochwolgeboren Herrn Baron von Laßberg zu Eppishausen Amt Bischofzell. Zschokke Novellist(verfasser der Stunden der Andacht.) Erhalten den 30 May 1825. beantwortet eodem. mit dem III Bande des L.S. Hochwohlgeborener, Hochverehrtester Herr Stuttgart am 25ten April 1825. Es ist sehr freundlich von Ihnen, daß Sie mich auch durch das Geschenk des 2ten Bandes Ihrer trefflichen Lieder Sammlung haben erfreuen wollen, und ich sage Ihnen dafür den herzlichsten Dank. Daß Sie aber durch die traurigsten Erfahrungen an der frühern Herausgabe verhindert und nun zuletzt noch durch den Verlust jenes allgemein verehrten Mannes, Ihres Freundes, betrübt worden, erregt meine innigste Theilnahme; möge der Himmel Ihnen auch Kraft geben diesen Schmerz zu ertragen, möge er Ihnen mit der Zuversicht auf des unwandelbare, höhere Leben, die Seelenruhe einflößen, in der allein der wahre Trost über den Wechsel des irdischen Daseyns gefunden werden kann! Ihr Entschluß die Lieder Sammlung nun ohne Unter- brechung zu vollenden, ist mir unter diesen Umständen doppelt angenehm. Denn gerade eine solche Beschäftigung muß Ihnen jetzt wohlthätig seyn; auch hat das Werk einen so gründlichen Werth, daß der Wunsch, es bald vollendet zu sehen, gewiß von jedem Freunde deutschen Alterthums gehegt wird. In der That, das Werk ist ein wahrer Schatz für die Kenntniß der Poesie und Sprache der Denkart, Sitten und Gebräuche unserer Vorfahren, dabei haben Sie es so treu, so sorgfältig behandelt, und so schön ausgestattet, daß es für alle Zeit ein würdiges Denkmal Ihrer edelen Vaterlandsliebe bleiben wird. Was die Weingartner Handschrift in der Privat Bibliothek unseres Königs betrift, die Sie nach Vollendung Ihrer Lieder Sammlung herauszu- -geben wünschen, so habe ich bereits mit dem Oberhofmeister Herrn von Seckendorf gesprochen, und zweifle keineswegs, daß Ihnen diese Handschrift auf hinlängliche Zeit wird geliehen werden, wenn Sie deshalb ein Schreiben an den König richten, und S.r M. bei der Gelegenheit Ihre Lieder Sammlung verehren wollen. Ich werde, im Fall Sie zu diesem Geschäft meine, Dienste annehmen mögen, sowohl bei Übergabe des kleinen Briefs und Pakets an den Minister Staatssekretair, als auch nachher, wenn die Sache zur Ausführung an den Oberhofmeister gelangt, auf's beste Ihren Wortführer zu machen suchen. Von unsern eigenen Unternehmungen, nach denen Sie sich so theilnehmend erkundigen, kann ich im Ganzen guten Fortgang melden. Von meinem Werk über den Kölner Dom sind seit Jahr und Tag zwei Lieferungen mit einem bedeutenden Theil des Textes erschienen, und an der Fortsetzung wird gearbeitet; aber bei der überaus langwierigen Ausführung der höchst prächtigen Kupfertafeln wird meine Geduld gar sehr auf die Probe gesetzt, wie ich denn überhaupt für dieses Werk fortwährend die grösten Opfer zu bringen habe. Zu dem andern Werk über die deutsche Baukunst laße ich die Platten lithographiren; es ist schon ein bedeutender Theil derselben vollendet. Das lithographische Werk über unsere Gemälde- Sammlung gedeiht am besten; es ist mit steigender Vervollkommnung bis zum 13ten Heft vorgeschritten. Damit Sie sich einen Begriff von der hiebei angewandten lithographischen Kunst machen können, schicke ich Ihnen eine Nachbildung des heiligen Christoph von Hemling, die dem dringenden Wunsche des Publikums gemäß zum Einzel Verkauf wiederholt worden ist. Nehmen Sie das Blatt als ein Zeichen unseres freundschaftlichen Andenkens. Während meines Aufenthalts in Paris habe ich in den dortigen Bibliotheken sehr schöne Beiträge zu dem historischen Text gesammelt, den wir zu unserm lithograph. Werk zu geben denken. In derselben Absicht, und zur Vervoll- ständigung unserer besonders durch die früheren Kenntniße im vorigen Spätherbst noch eigens eine Reisen meines Bruders erworbenen habe ich Reise nach Holland, Brabant und Flandern gemacht, wo ich denn manche dort sonst nicht zugängliche Werke der alten Maler gesehen, und überhaupt ein sehr lebhaftes Interesse für die Alterthümer vaterländischer Kunst gefunden habe. Unter den Männern, welche sich in dieser Hinsicht sehr rühmlich auszeichnen, verdienen besonders genannt zu werden, Herr von Ertborn, Bürgermeister von Antwerpen, von Bree, Director der Brabantischen Kunstacademie, als der vorzüglichste jetzt lebende niederländische HistorienMaler anerkannt, De Bast Sekretair des Vereins für schöne Künste in Gent, und der Staatsrath von Keverberg in Brüssel; den Sie aus seiner Schrift über Hemling kennen. Ganz besonders aber muß die edele Kunstliebe des Prinzen von Oranien gepriesen werden, dieser Fürst legt mit großem Aufwand eine Sammlung von altniederländschen Malereien an, welche obwohl erst aus etwa dreyßig Stücken bestehend, für den Kunstfreund wie für den Alterthums forscher hohen Werth hat. Es befinden sich darin ein paar vorzügliche Gemälde von Hemling, ein kleines Gemälde von Johann van Eyck, die Verkündigung darstellend, von der größten Schönheit, ein herrliches Portrait von Bernhard von Orley, und unter andern sehr schätzbaren Gemälden, auch die Kopien von den Flügel bildern des Altars der Brüder van Eyck in Gent, welche Phillip II durch Michel Coxcie hat verfertigen lassen. Überdies sieht man in den Gemächern des Prinzen ein kostbares Bild von Rubens, Christus der dem Petrus die Binde- und Löse-Schlüssel giebt, zwei Portraite aus der Schule des Raphael, ein Gemälde von Perugino und die reizende Nymphe oder Flora von Leonardo, welche Georg Forster ehemals bei dem Banquier Dannot in Brüssel so sehr bewundert hat. Doch Sie werden begierig seyn, zu vernehmen, ob ich über die Geschichte und besonders über die Abkunft unseres Hemling keine näheren Aufschlüße gefunden habe, und es wird Sie freuen, daß ich auch in der Hinsicht nicht leer ausgegangen bin. Die Nachricht ist zwar nur kurz, aber sie bestätigt vollkommen die auf Ihre Entdeckung gegründete Vermuthung, die ich vor Vier Jahren im Kunstblatt ausgesprochen, daß Hemling von Constanz herstammen dürfte. Ein alter flandrischer Schriftsteller, Marcus Vaernewyck, sagt nämlich in der Beschreibung die er von der Stadt Brügge giebt, folgendes."Brügge ist nicht allein in "den Kirchen, sondern auch in den Häusern mit Gemälden von Meister Hugo, Meister "Roger und dem deutschen Hans geschmükt. Das beste Werk von Meister Hugo ist "allda in der St Jacobskirche zu sehen. Johann van Eyck hat dort auch Denkzeichen seiner Kunst hinterlaßen. In Unser lieben Frauen Kirche sieht man ein Marienbild von weissem Marmor, in natürlicher Größe von der kunstreichen Hand des Michel Angelo Buonarotti" usw. Dieses deutsche Hans ist offenbar unser Hemling; die bedeutendsten alten Gerälde, die sich noch in Brügge befinden, sind von ihm; von Johann van Eyck zeigt man noch ein paar Tafeln; – die Werke des Hugo und Roger aber sind ver- schwunden. – Es wird nun auch vollends klar, daß der Name Ausse, den Vasari unter den alten flandrischen Malern, und zwar von einem Schüler des Roger von Brügge anführt(Introduzione Cap. XXI. und Vite di diversi Fiamminghi) kein andrer ist, als der durch fremde Aussprache und irrige Schreibung(Ausse statt Ansse) entstellte Name Hans; wie auch bereits Lanzi und Debast vermuthet haben. Die Angabe, daß Meister Hans ein Schüler des Roger gewesen, scheint zwar irrig zu seyn, indassen entfernt # weil die Werke des Hemling die ent- schiedenste Ähnlichkeit mit jenen der Brüder van Eyck haben, sich diese Angabe nicht sehr von der Wahrheit, da bekanntlich Meister Roger gleichzeitig mit Johann van Eyck lebte und, nachdem was der ebenfalls gleichzeitige Facius berichtet, ihm in der Kunst sehr nah gekommen seyn muß. Vasari schrieb übrigens jene Stelle vordem Jahr 1550, in welchem seine erste Ausgabe erschien, und die Nachrichten dazu empfieng er von dem Maler Stradanus aus Brügge und dem Bildhauer Johann von Bologna aus Douai, welche beiden Künstler damals in Florenz arbeiteten. Der flandrische Schriftsteller aber, welcher von dem deutschen Hans spricht, lebte zur selbigen Zeit; er gab seine kronick des niederländischen Alterthums(Historie van Belgis, of Kronycke der nederlandsche oudheyd) im Jahr 1565, also drei Jahre vor der zweiten Ausgabe des Vasari heraus, und er starb im Jahr 1567. Als Einwohner von Gent, wo er Patrizier war, konnte er von Allem, was die Nachbarstadt Brügge betraf, sehr gut Bescheid wissen; auch war er über einheimische Kunstgegenstände und Künstler zum Theil auf das Genaueste unterrichtet. Das beweist besonders das Kapitel über die berühmten Altar-Gemälde der Brüder van Eyck in Gent. Hier fand ich unter anderm den befriedigendsten Aufschluss über höchst schwierige Zweifel, die ich bei wiederholter Betrachtung dieser Gemälde gefaßt hatte. Ich bemerkte nämlich, und vorzüglich an dem Mittelbilde, die Anbetung des Lammes darstellend, mehrere Stellen, die offenbar durch unvorsichtiges Waschen stark etwas gelitten haben, und andere noch wichtigere, welche in einer leichtern neueren Art als die behandelt der Brüder van Eyck gemalt schienen, aber mit einer solchen Meisterschaft sind, daß ich sie keinem Renovator zuschreiben konnte; und so verlohr ich mich in Vermuthungen aller Art, bis ich das Buch des Vaernewyck kennenlernte. Er berichtet:"daß die trefflichen "Maler Lancelot(Blondel) von Brügge, und Meister Johann Schoreel Canonicus "von Utrecht nach Gent gekommen, um die Altargemälde der Brüder van Eyck her- "zustellen; daß sie am 15ten September 1550 ihre Arbeit begonnen, und dafür jeder "von den Stiftsherren der Kirche St Bavo ein Geschenk erhalten hätten. Das Geschenk "welches dem Schoreel gegeben worden" fügt der Verfaßer hinzu"habe in einem silbernen "Becher bestanden, und er selbst habe im Hause des Besitzers zu Utrecht daraus "getrunken." Diese Nachricht erklärt vollkommen den räthselhaften Zustand jenes Gemäldes: Die Berufung zweier der ausgezeichnetsten Künstler zur Wiederherstellung desselben beweist, daß die Beschädigung sehr bedeutendend müste gewesen seyn; beyde, besonders Schoreel, damals der vorzüglichste Maler in den Niederlanden, waren auch allerdings fähig, in einem Gemälde der Brüder van Eyck ganze Stellen auf das befriedigendste zu ergäntzen. Und so mögen denn auf dem erwähnten Mittelbilde nicht nur an vielen Köpfen, namentlich in der Gruppe der Patriarchen und Propheten, rechts, manche Formen hergestellt und die Lichter neu aufgesetzt, sondern auch ein großer Theil des Baum- und Strauchwerks in der Landschaft, weil die ursprüngliche Malerei dort nicht mehr kenntlich war, voellig neu gemalt worden seyn. Als gewissenhafte, das Werk ihrer Vorgänger höchlich ehrende Künstler beschränkten die beiden Maler aber die Herstellung auf das Nothwendigste; daher bemerkt man noch manche Spuren der Verwaschung, zum Theil sieht man sie mitten zwischen ganz wohl erhaltenen, offenbar nach der Beschädigung gemalten Stellen. Am häufigsten und auffallendsten finden sich diese Spuren jedoch auf dem Rasenplatz, der den Altar mit dem Lamm umgiebt. Hier sind die formen der Kräuter fast gänzlich verschwunden, und von den blumen sieht man nur noch die mit haltbarer farbe aufgetragenen gelben und weissen Blättchen und Kronen, als ebensoviele verriegelte vereinzelte, Schneeflocken ähnliche Punkte. Die beiden Maler ließen diese zwar große aber ziemlich gleichgültige Stelle ohne Zweifel deshalb in ihrem schadhaften Zustand, weil sie die Wirkung des Ganzen nicht stöhrt. Wie verderblich die ungeschikte Reinigung müste gewesen seyn, ergibt sich übrigens auch aus dem, gleichfalls von Vaernewyck angeführten Umstande, daß der Fuß des Altargemäldes, worauf die Hölle(wahrscheinlich das Fegefeuer) mit Wasserfarben gemalt war, gänzlich zu Grunde gerichtet worden. Indessen scheint sich die Beschädigung nicht gleichmäßig über das ganze Werk erstreckt zu haben; wenigstens sind auf dem Mittelbilde die Köpfe in der Gruppe der Päbste, Bischöfe und Martyrer, links, meist alle in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit erhalten; dies ist auch der Fall mit dem so wunderschönen, lebensgroßen Marien-Bild in der obern Abtheilung, während man an den Bildern des des Gott Vaters und an jenem Johannes manche ältere und neuere Nachhülfe bemerkt. Adam und Eva konnte ich nicht sehen, weil die strenge Priesterschaft die lieben, nackten Uraeltern in das Archiv verschlossen hatte, und der Archivar verreist war; die übrigen Flügelbilder aber sind bekanntlich in Berlin. Doch wohin verirre ich mich; ich wollte Ihnen blos durch ein Beispiel zeigen, daß das Zeugniß des Vaernewyck von dem deutschen Hans große Achtung verdient, und nun unterhalte ich Sie mit den umständlichsten antiquarischen Bemerkungen. Mehr wird Ihnen daran gelegen seyn, zu vernehmen, daß die HauptNachrichten über das Leben und die Werke der Brüder van Eyck in dem Lobgedichte des Lucas de Heere und in der Maler Geschichte des Carl van Mander meist alle, und zum Theil woertlich aus der Kronick des Vaernewyck geschöpft sind. Nur scheint Carl van van Mander nicht das Buch selbst vor Augen gehabt zu haben, sonst würde er jene merk- sondern blos einen Auszug würdige Stelle über Lancelot und Schoreel so wie noch einiges Andre gewiß auch aufgenommen haben. Nach allen diesen zu Gunsten unseres Schriftstellers angeführten Gründen dürfen wir also mit gröster Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Hemling seiner deutsche Abkunft wegen zu Vaernewycks Zeit in Brügge noch vorzugsweise der deutsche Hans genannt wurde; wie denn überhaupt der Name Hans, als eine oberdeutsche Form in den Niederlanden nur selten statt des allgemein gebräuch- lichen Jan vorkömmt. Aber damit wir auf unsre Vermuthung von der Abkunft des Malers Hemling uns deutschen nicht zu sehr verlaßen mögten, will man behaupten, er habe sich eigentlich Memling genannt. Man bezieht sich deshalb auf das Zeugniß des ungenannten Italienischen Reisenden und des Carl van Mander, welche beide den Namen so schreiben; zumeist aber stützt man sich auf die Inschrift unter dem großen und dem kleinen Gemälde, welche der Künstler 1479 für das St Johanns Spital in Brugge verfertigt hat. In diesen beiden Inschriften ist der Name mit einem lateinischen H geschrieben, welches in der Mitte von dem Queerstrich herab noch einen kleinen Fuß hat H, und dadurch allerdings dem Buchstaben gleich ist, den man zuweilen auf Marmor und Erztafeln, auf Münzen und Siegeln des Mittelalters statt des M findet(Traité diplomatique T II. pl. XX Serie VI p 312.) Bei näherer Untersuchung fällt jedoch auch dieser Einwurf weg, denn nicht nur hat der Maler in beiden Inschriften für den dritten Buchstaben seines Familien- namens, ein gewöhnliches M gebraucht, sondern auf dem großen Bilde hat er in seinem Vornamen: Johannes jenes dreibeinige H angewandt. – statt des herkömmlichen H Es ist also kein Zweifel mehr, daß man Hemling und nicht Memling lesen muß. Die abweichende Gestalt des H aber mag vielleicht aus der Gewohnheit, dasselbe als Monogramm zu gebrauchen entstanden seyn, was denn für eine Combination von I, H, m. könnte gegolten haben. Übrigens lehrt uns auch die Erfahrung zu Genüge, daß bei Künstler-Inschriften immer viel Unregel- -mäßiges und Willkührliches vorkömmt, und daß man sie mehr aus dem Zusammenhang als nach allgemeinem Gebrauch und Herkommen erklären muß. Weiter wüste ich jetzt für Hemlings deutsche Abkunft nichts zu sagen. Mögen Sie bei Durchsuchung der großen handschriftlichen Sammlung zur Constanzer Chronick, von welcher Sie mir schrieben, gelegentlich neue Bestätigung und Aufklärung finden! Zum Schluß aber muß ich wegen der späten Vollendung dieses Briefs(heute am 21ten Mai) recht sehr um Entschuldigung bitten. Ich bin durch eine Menge Geschäfte und zum Theil auch durch Unpäßlichkeit unterbrochen worden, und da ich meine Mittheilung über Hemling einmal mit einer gewissen Umständlichkeit angefangen hatte, so wollte ich sie auch auf dieselbe Art durchführen. Mögen Sie dieselbe nicht so lang finden, die Leser des Kunstblatts, worin ich sie als Fortsetzung der früheren will abdrucken laßen, werden sich dann auch nicht beklagen. Mein Bruder und Bertram empfehlen sich mit mir Ihrem freundlichen Andenken; ich wiederhole die herzinnigsten Wünsche und bin mit der treuesten Verehrung Euer Hochwohlgeboren gehorsamer Dr. Sulpiz Boisserée. Unten Anbethung der drey Könige, Verkündigung Darbringung im Tempel und Heil Lucas seyen wirklich von Joh v. Eyck. Ich besitze eine Abschrift von dem Brief, welche Hirt mir gestattete. Über Hemling sah ich kürzlich im Kunstblatt eine Vermuthung bekannt gemacht, die viel Interesse hat. Ich lege Ihnen das Blatt bey. Zur Biographie von Dürer empfehle ich besonders dessen Reisejournal, welches er in den Jahren 1520 und 1521 in den Niederlanden schrieb. Sie finden es in Murrs Journal zur Kunstgeschichte 7ter Band. Nürnberg 1779. Das Journal fehlt gewiß auf der dortigen Bibliothek nicht. Hiemit aber muss ich für heute schließen, hoffend, daß Sie meinen guten Willen Ihren Wünschen zu entsprechen auch aus dieser meiner Mittheilung erkennen, und mein eiliges Schreiben gütigst entschuldigen werden. Mein Bruder und Bertram empfehlen sich Ihnen, Ihrem Fräulein Tochter und den dortigen Bekannten auf das angelegentlichste. Ich bin mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster Sulpitz Boisserée N.S. Auch Dr. Schorn bittet mich ihn zu empfehlen, und zu ersuchen, daß er sehr gern eine Anzeige von Ihrem interessanten Buch nebst Auszügen daraus ins Kunstblatt aufnehmen werde, sobald Sie mir oder ihm das nähere mittheilen. Sulpitz Boisserée Dr. Sulpiz Boisserée Sammler altdeutscher Gemälde, die sich jetzt in der alten Pinakothek in München befinden. Hochwohlgeborner Herr, der Maler Weng kömmt so eben zu mir, und bringt die beiliegende Lithographie, welche er nach der ihm übergebenen auch hier beifolgenden Durchzeichnung verfertigt hat. Er glaubt nach der mit dieser Zeichnung gemachten Erfahrung sämtliche Blätter im Durch- schnitt zu 2 fl 42 kr das Stück lithographiren zu können, und wünscht, im Fall Ihnen dieses genehm seyn sollte, den Auftrag sobald als möglich zu erhalten; indem er von der letzten Hälfte des Octobers an andre Arbeiten zu machen hat, und er also die Zeit bis dahin gerne für die Ausführung Ihres Auftrags benutzen möchte. Da Ihnen daran gelegen seyn muß, alle Kosten, wozu die Lithographirung dieser Zeichnungen Sie verleiten kann, genau zu übersehen, so habe ich H. Weng veranlaßt, mir von dem Drucker Ebener den Preis des Drucks und des Papiers angeben zu laßen. Der Preis des Drucks nur von einer Platte, worauf sich 3 Zeichnungen befinden, ist ein Gulden vom Hundert, so daß auf jedes Hundert Zeichnungen 20 kr: treffen, das Papier aber ist für ein Hundert feine Basler Octavblätter 45 kr; mithin würde Ihnen das Hundert für Papier und Druck 1 fl. 5 kr kosten. Sollten Sie vorziehen, die Platten nach Constanz kommen und dort drucken zu lassen, so bemerke ich zum Behuf vorläufiger Erkundigung, daß die Lithographirung nicht mit der Feder sondern mit der Nadel gemacht wird; daß mit einem Wort die Zeichnungen einge- -graben seyn werden, wie auch schon die hier beiliegende behandelt worden ist. Indem ich Sie höflichst, bitte, mir bald Ihren Entschluß mitzutheilen, wünsche ich von Herzen, daß sie glücklich in Ihrer Heimath ange- kommen seyen, und daß Sie diese schönen Herbsttage in Heiterer Stimmung genießen mögen. Alle Ihre hiesigen Freunde sind wohl, und empfehlen sich mit mir und den Meinigen Ihrem wohlwollenden Andenken angelegentlichst Euer Hochwohlgeboren Ganz gehorsamster Sulpiz Boisserée. Stuttgart 17. Septb. 1826. erhalten am 26 Iulij. 1831. Verehrtester Herr und Freund! Ihr liebevolles Schreiben durch H. Braun hat mich als ein Zeichen Ihres unwandelbar freundschaftlichen Andenkens herzlich erfreut, aber durch die Bestätigung der mir schon früher zugekommenen Nachricht von dem Leiden Ihres lieben Sohns hat es mich zugleich innigst betrübt. Möge der Gebrauch der Molken und der Aufenthalt auf dem Lande von der heilsamsten Wirkung für unseren leidenden Freund seyn, und möge endlich der Aufenthalt im südlichen Frankreich während dem Herbst und Winter seine kranke Brust ganz herstellen. Ich habe bei Kranken seines Alters schon den besten Erfolg von einem Aufenthalt in Nizza gesehen. Und wünsche mit Ihnen, Gott möge auch bei Ihrem lieben Sohn seinen Segen dazu geben! Sagen oder schreiben Sie ihm doch, daß wir, mein Bruder Bertram und ich, seiner mit diesen herzlichsten Wünschen in steter Teilnahme gedenken. Ihre wohlwollende freundschaftliche Äusserungen über die Entscheidung unserer Verhältnisse und besonders über meine eheliche Verbindung haben uns alle, und am meisten mich und meine gute Frau innig gerührt; wir sagen Ihnen von ganzem Herzen Dank dafür. Es ist in dieser trüben Zeit, wo die ganze Welt in blinder Leidenschaftlichkeit miteinander hadert, doppelt wohlthuend, die Stimme treuer Freundschaft zu vernehmen, die trotz aller Entfernung und Trennung sich immer gleich Brief mit den herzlichsten Grüßen und Wünschen von mir und den Meinigen, und bleibe mit treuester Freundschaft Ihr ergebenster Sulpiz Boisserée. bleibt, und wie die Sonne nach vielen dunkelen Tagen uns immer wieder mit belebender Wärme und Heiterkeit anlacht. Das ist das rechte Alte, das immer jung bleibt; wir wollen unser Leben lang daran halten! Kommen Sie denn nicht einmal hierher? Die Königliche Bibliothek, um nicht von anderem zu reden, enthält ja allein schon vieles, was Sie sehr anziehen muß; und an der freundlichsten Aufnahme würden wir es wahrlich nicht fehlen laßen. Es geht uns, nachdem wir den Schmerz über die Trennung von unserer Sammlung und die Unbilden des hiesigen rauhen veränderlichen aber Climas überwunden haben, recht gut hier. Daß es uns wehe gethan, die unmittelbare Umgebung unserer Sammlung entbehren zu müßen, nachdem wir seit 20 Jahren uns hineingelebt hatten, das werden Sie begreifen, obwohl es unser Wunsch und Bedürfniß war, die Sammlung zu verkaufen. Die hiesige Luft hat mich, der ich immer an die Milde der Rhein- und Neckargegend gewohnt war, sehr hart angegriffen; im ersten Jahr bin ich fast beständig unpäßlich und einmal ernstlich krank gewesen, ja ich habe 5 Monate lang die widerwärtige Plage des Keuchhustens aushalten müssen. Bertram hat auch viel zu leiden gehabt, ebenso meine gute Frau, weniger oder fast gar nicht mein Bruder, dessen Gesundheit denn auch die beste ist. Jetzt sind wir, wie gesagt, angewöhnt, und wenn nicht andre Verhältnisse und alte Neigung uns bestimmen, wieder nach dem Rheinland oder Nekarland zurückzukehren, so wird uns das Clima wohl nicht von hier vertreiben, obschon es besonders bei der dürftigen NaturUmgebung dieser Stadt durchaus nicht angenehm ist. Unter diesen Umständen habe ich denn auch manches fördern welche der Beschreibung des Tempels beifügen und mit dieser herausgeben werde. Ohne Zweifel haben Sie selbst sich auch mit Titurel beschäftigt, und ich wäre sehr begierig Ihre Ansichten über den Verfasser und die Zeit der Entstehung zu vernehmen. Docen's Fragment werden Sie ohne Zweifel auch für das Originalwerk Eschenbachs halten, und die Umarbeitung in 7zeiligen Strophen für das Werk eines späteren Dichters. In Erwartung Ihrer gütigen Mittheilung schließe ich diesen langen können. So ist die 3te Lieferung meines Werks über den Dom von Köln im Jahr 1828 fertig geworden, und ist jetzt die 4te und lezte auf dem Punkt, ausgegeben zu werden; diese lezte Lieferung aus 7 Kupfern bestehend ist die reichste von allen; ich warte nur auf den Druck des Textes, um endlich dieses Werk 23jähriger Sorge und Mühe zu vollenden. Ein andres, wozu ich die Anlage zu gleicher Zeit gemacht habe, tritt nun auch in die Welt; es enthält die merkwürdigsten Baudenkmale des 7ten bis 13ten Jahrhunderts am Niederrhein, erscheint in 12 Lieferungen, jede zu 6 lithographirten Blättern, die lezte mit Begleitung des Textes, und wird Ende dieses Jahres vollendet werden. Die 6 ersten Lieferungen sind seit 6 Monaten erschienen. Meine nächste Arbeit ist nun die Redaction meiner Untersuchungen über die Geschichte der Kirchenbaukunst im allgemeinen; dann soll der Text zu jenen Baudenkmalen gegeben werden, und im nächsten Jahr hoffe ich, an die Geschichte der deutschen Malerei Hand anlegen zu können, wenn Gott mich gesund und am Leben erhält. Mein Bruder hat unterdessen auch nicht gefeiert, er hat das lithogr. Werk über unsere Gemälde Sammlung bis zur 28ten Lieferung gefördert, welche das große Mittelbild – die Anbetung der drei Könige von Joh. van van Eyck enthält. Und für die weitere Fortsetzung wird beständig gesorgt. Ihren neuen Beitrag zur Geschichte der Familie Holbein würde ich seiner Zeit mit Dank benutzen, wenn Sie mir das nähere mitzutheilen die Güte haben wollten. Meine Beurtheilung von Hegners Leben Holbeins werden Sie im Kunstblatte 1829 N 41. 42 und 43 gelesen haben. Auf die Handschrift mit den Bildern der Hohenstaufischen Kaiser Könige und Herzoge bin ich sehr begierig; man wird aber, um sie zu sehen, in Ihre Gegend kommen müssen, was ich ohnehin gar gerne möchte. Besitzen Sie die Handschrift vielleicht jetzt selbst? Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich, daß ich, durch unsere Versetzung von Stuttgart hierher verhindert, Ihnen noch nicht auf ihre vor mehrern Jahren über die Beschreibung des Tempels des Heil: Grales im III Kapitel des Titurel angestellt, und diese hat habe ich Abschriften von allen Handschriften des Titurel gesammelt, welche dieselbe enthalten, und ich habe versucht mit diesen Hilfsmitteln einen soweit als möglich genauen Text herzustellen. Vorläufig habe ich für die hiesige Academie der Wissenschaften eine Abhandlung über diese Untersuchungen geschrieben, mich wieder zu einer Untersuchung über die Entstehung des ganzen Gedichts geführt. Von jener Beschreibung mir gütigst genannte Mittheilung über Johannes Secundus geantwortet habe. Sie fragten damals, ob Schoorels Gemälde diesen seinen Freund darstellend noch vorhanden sey? Nach einer Notiz in dem Messager des Arts v. 1823, S. 269, welches Journal in Gent in monatlichen Heften erschienen, soll dieses Portrait noch in dem Pallast der General Staaten im Haag vorhanden seyn. Die Ausgabe von Secundus Werken von 1631 mit seinem Portrait, worauf Sie mich aufmerksam machten und woraus Sie mir gütigst einen Auszug mittheilten, war mir bekannt. – Einen Brief und Anfrage über Johannes Secundus von Schreiber im Kunstblatt 1820 No. 23 begleitete ich mit einer Anmerkung über den Erzbischof von Palermo Joh. Carandolet, dessen Bildniß Secundus verfertigt hat. In jenem Messager des Arts ist eine neue Ausgabe der Werke des Secundus von Boscha ange- kündigt, mit einem Portrait dieses Dichters und Künstlers nach dem Original, welches damals ein H. Bagelaar in Zon bei Eyndhoven besaß; dieses Original soll auch von Schoreel und von jenem im Haag verschieden seyn. H. Bagelaar hat das Bildniß selbst in Aquatinta-Manier gestochen und es ist, in den Werken des Secundus, so auch der Messager des Arts v. 1823 S. 268 beigegeben. Herr Braun, an dem ich einen sehr sinnigen und unterrichteten Jungen Mann kennengelernt habe, versichert mich, daß Sie jetzt nicht abgeneigt seyen, die Bilder aus dem Weingartner Codex der Minnesänger lithographiren zu laßen. Es würde sich dazu wahrscheinlich auf ein sehr billige Weise Gelegenheit finden. Wenn Sie also diese Arbeit wollen ausführen laßen, so werde ich gerne die Hand dazu bieten; für den Fall müste ich aber bitten, daß Sie ein paar von den Bildern oder auch alle hierher sendeten, um mit dem Künstler Absprache nehmen und Ihnen eine Forderung vorlegen zu können. Nun habe ich aber auch eine Bitte, und zwar in Beziehung auf Albrecht von Scharfenberg, welcher mich als der Umarbeiter und Vollender des Titurel nach Wolfram von Eschenbach, wofür ich ihn aus vielen Gründen halten muß, ganz besonders interessirt. H. Braun sagt mir, daß er unter Ihren historischen Notizen über die alten Minnesänger gefunden, Albrecht von Scharfenberg habe um das Jahr 1247 gelebt; wäre dieses richtig, so würde es gegen meine Vermuthung zeugen, aber es müste dann noch einen späteren Alb. v. Sch. gegeben haben, der in der 1ten Hälfte des 14ten Jahrhunderts geschrieben hätte. Theilen Sie mir doch alles mit, was Sie über diesen Dichter wissen. Ich habe eine Untersuchung Schafhausen am 1 Ok. 1820. Wir sind wie Sie sehen, Ihnen näher geblieben, als die Abrede gewesen. Als wir hier angekommen, hat uns die stille Stadt neben dem lärmenden Rheinfall recht wohl gefallen, in der Bibliothek von Johannes Müller habe ich überdem manches Merkwürdige für meine Zwecke gefunden, und da nun die Sonne recht schön ins grüne Thal und den grünen Rhein, an dem ich ohnehin gleich heimisch werde, hineinschien, so haben wir auch ein Einsehens gehabt, und sind auf 3 oder 4 Wochen hier geblieben. da ich ohnehin nur einen tragbaren Herd jetzt habe, so kömmt nicht so viel darauf an, wo ich mich niedersetze, wenn er nur eben wärmt. Sie haben nun die Antwort auf die Anfrage auch nicht so weit zu senden, sondern nur gerade hierhin ins Schwerdt, das gezogen vor unserm Fenster hängt zur Abwehr jeglicher Ungebühr Man wird sich in Stuttgard über die sonderbare Anfrage verwundern, da eben jetzt in den Zeitungen steht, es sey Alles vertragen und beygelegt, und ich selbst wieder in Coblenz angelangt. Das ist wie bey den Parisern die im Augenblicke, wo die Schlacht von Waterloo verlohren gieng, die Gewonnene von Fleurys feyerten. Einstweilen habe ich von der größeren Nähe den Vortheil, daß ich Ihnen für die freundliche Aufnahme wärmer danken kann. Ich habe bald gethan als sey ich zu Hauße weil es mir in der That geschienen, als wäre ich nicht mehr weit davon. Wenn die Fürstin noch in Ihrer Nähe ist, so bitten wir Sie Ihr in unserem Namen unsere Achtung und unsern besten Danke zu bezeugen, man darf bey Ihr nicht die alten Pergamentbücher aufschlagen, um sich in bessere Zeiten zu versetzen. Leben Sie recht wohle. Ihr Erg. S Görres Herren Baron von Lasberg Hochwohlg. in Eppishausen ?surco? Constz Erhalten den 15. May 1820. 68 Cassel 4 Mai 1820. Verehrter Freund, Das Geschenk, welches Sie mir mit dem prächtigen Exemplar Ihres Liedersaals gemacht haben, freut und beschämt mich. Es mahnt mich an die Antwort die ich Ihnen auf eine im vorigen Iahr erhaltene, freundliche Zuschrift längst schuldig geblieben bin. Und ich hätte an die mir mitgetheilten Nachrichten so manche für mich wichtige Frage zu knüpfen gehabt! So ergeht einem, wenn man zu viel leisten will, freilich, immer in der guten Meinung, wo nicht multum, doch multa, so daß andere einmahl aus den fleißigen multis etwas beßeres machen könnten. Ich hatte meine Grammatik mitten unter dem Lernen von dergleichen Dingen etwas feurig und unordentlich geschrieben und drucken laßen; unter der Bearbeitung des zweiten Theils merkte ich, was dem ersten noch überall fehlt, prüfte von neuem und erfuhr Sachen, die ich vorher kaum geahnt hatte. Zum Glück vergriff sich die Auflage schnell und ich arbeitete eine neue völlig um, deren Druck eben beginnt und nach deren Beendigung erst der zweite Theil er- scheinen wird. Sie begreifen, in welche Maße von Excerpieren, Umschreiben, Nachschlagen mich das alles stürzt, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich Bogen vor Bogen ohne Concept ausfertige und in die Preße schicke. In Ihrem Liedersaal habe ich blos blättern können, doch daraus gesehen, daß der Codex im Verlauf beßer wird, als es zu Anfang scheint, wie Sie selbst sagen. Der Gedanke des Titelkupfers gefällt mir überaus, ich schließe die Thüre gewiß auf, wenn schon nur für mich selbst. Uns Grammatiker reizt alles, selbst die gesunkene Poesie und die schlechtere Sprache, wir stellen den Schatten zu dem Licht, freilich so lange noch so manche köstliche Gedichte des 13 Jahrh. ungedruckt liegen, hätte ich die lieber so nett und zierlich gedruckt gesehen als schwächere Dichtungen, wie sie im 14ten nachklingen. Aber Ihren schönen Eifer muß man nicht unwillig machen sondern zu Fortsetzungen auffordern, dann werden Ihnen auch Stücken, die wir wünschen, unter die Hand kommen Bei Gedichten der späteren Zeit kommt es auch nicht so auf Correctheit an, ja sie ist gewißermaßen unmöglich, Sprache und Schreibung schwanken und ich leugne geradezu, daß es aus dem 14. 15 J. H. irgend eine con- sequente und richtige Handschrift gebe. Mein aufrichtiges Geständ- niß, daß ich in Ihrem Texte mancherlei wirkliche Fehler zu beßern wiße, mancherlei scheinbare* zu beßern mir nicht getraue, wird Ihnen, lieber Freund, nicht sonderbar vorkommen. Das zu Gelehrt machen wollen taugt nichts, darin stimme ich Ihnen heimlich bei, es bleibt darüber viel Gutes stecken! Warum laßen die Mailänder den Ulfilas nicht pure pute drucken, ich schenkte ihnen von Herzen alles und jedes, was sie zu den Gothischen Buchstaben fügen wollen. Übrigens muß ich doch sagen, das specimen ist ordentlich und beßer, als ich dachte; an die modege- wordenen juniusschen Typen stoße ich mich nicht, die abweichende Schrift mögen hernach die Paläographen untersuchen(ohnedem ist sie in den verschiednen Codd. verschieden; was also zum Muster nehmen?) Hätte ich nur die gothischen Wörter, meintwegen mit lateinischen Lettern, denn wir kennen ja den modum solvendi, * d. h. nach der Grammatik des 13 J. H. allerdings offenbare die erwachte Thätigkeit der Schweizer gefällt mir, Füglistaller ist ein wackrer, tüchtiger Mann, auf deßen Notker ich wie ein Kind begierig bin; dergleichen muß jeder, ders kann, unterstützen und ich will die Gesell- schaft für deutsche Geschichte eifrig darum angehen, sobald der Prospect erscheint. Eh wir in der alten Sprache feststehen, kann für die beßere Herausg. der Geschichtschreiber nichts ordentliches geleistet werden wegen der unzähligen Orts und Eigennamen in den Urkunden. Die Herrn haben mir die Ehre erwiesen, mich zum Mitglied zu ernennen, ich hatte mich zum Waltharius und Lambertus schafnab. angeboten, beide sind schon besetzt und ersterer durch Sie, was ich natürlich früher nicht wußte. Sie werden mehr daran thun, als ich gekonnt hätte, ich wußte eigentlich nur, aus theilweisen Excerpten der Pariser und Carlsruher Hs. daß viel daran zu thun wäre. Sie müßen ja diese beiden Hss. zu Ihren übrigen Subsidien ziehen. Mir ists erwünscht, guten Willen gezeigt zu haben, und der Arbeit los zu seyn, denn andere genug lastet auf mir. Mit dem Abdruck des Maneß Samml. wird man nicht eilen; die Sache muß überlegt geschehen, sonst geschieht zwar etwas Gutes, aber lange nicht, was könnte und sollte. Hase ist ein Deutscher, ver- steht aber die altdeutsche Spr. gar nicht, Schlegel versteht sie ziemlich ist aber faul und vornehm. Eine hübsche Vorrede wird er schreiben. Ich wollte das Geschäft läge in andern Händen. Eine Reise nach Eppishausen S Gallen, Mailand wäre was meine Studien, Arbeiten, Neigungen zu oberst wünschen würden. Aber dieses Jahr gehts wieder nicht, doch lebe ich so Gott will länger. Bleiben Sie mir nur gut und gewogen, so verliere ich den Muth zu dieser kühnen Unternehmung nicht, kühn ist dergl. für einen Bibliothecar, dem schon ein 14 tägiger Urlaub in die Nähe wohin Mühe macht. An Gevatter Eckstein können Sie das Buch durch Buchhändler gelegenheit, am Besten über München, senden. Noch beßer und schneller durch fürsten- berger Reisende. Ich hörte, daß er auf eigne Hand sein Geschäft treiben wolle, weiß aber nicht gewißes und immerhin adreßiren Sie das Pack an die schaumburgische Handlung. Von Haxthausen auch keine frische Neuigkeiten, das ist einer von den Erzfaulen. Wenn Sie auf die Norddeutschen als Verderber der schwäbischen Sprache ungehalten sind, haben Sie meiner Ansicht zufolge Unrecht. Ich mache mir zwar aus dem Berliner Wesen wenig, am allerwenigsten aus der Ber- liner Sprachgesellschaft,(deren Mitgl. ich bin, aber zu meiner Freude ein unwürdiges) aber die schwäb. oder allemann. Mundart ⌜ geht ganz von ⌜ oder was ihr sonst hochdeutsch nennen wollt. selbst den Weg ihrer Verschlimmerung. Und wenn manche Norddeutsche oder Niederdeutsche(deren ich keiner bin) die altschwäbischen Dichtungen gründlicher lernen und studieren, als manche Oberdeutsche, so sollen letztere das nicht ersteren, sondern sich selbst vorwerfen; wollen Sie aber keine norddeutsche Muster, so mögen sie sich Füglistaller, Stalder, Laßberg u. a. zum Muster ersehen. Wir Deutsche helfen uns alle gern und jedes Land mag ein gewißes eigenes Geschick haben. Der gründlich- ste Kenner der altschwäbischen Spr. des 13 Jahrh., der jetzo lebt ist Lachmann, ein Braunschweiger von Geburt, der über die Nibel. geschrieben hat und eben eine Chrestomathie herausgibt, ein höchst scharfsinniges Buch. d. h. Noch eine große angelegentliche Bitte. Schaffen Sie mir, sobald es geht, aus S. Gallen die auf einliegendem Zettel näher angegebenen Runenalphabete durchgezeichnet. Ein wahrer Gefallen geschiehet warum daran, Sie sollen bald näher hören, Ihrem hrzl. ergebnen freunde Grimm. der heurige Mai läßt sich rauh an, bis zum Feuer anmachen müßen Zu St Gallen befindet sich eine Handschrift aus dem 9.ten Jahrh. welche Isidors Abhandlung von den Accenten und Buchstaben enthält, dahinter finden sich zwei Runenalphabete. Das eine enthält 16 Runen mit ihren Namen. Das andere ein Alphabet von größerer Mannigfaltigkeit und mehr Zeichen. Von beiden wünsche ich eine genaue Durchzeichnung. nebst einer Abschrift der Runen Namen und was sonst als An- merkung hiezu geschrieben ist NB. Ich bemerke ausdrücklich, daß diese Handschrift verschieden ist von Nº 270. welche gleichfalls zwei Runenalphabete enthält.) Grimm Was ich Ihnen biographisches und genea logisches von Minnesängern mit- theilen kann, soll bei irgend erträglicher Muße willig geschehen. Einiges hatte ich längst gesammelt.(Über Vogelweides verdächtigen Grabstein zu Würzburg s. Gött. Gel. Anz. 1818. p. 2055. 205b.) Haben Sie denn aber gemerkt, daß manche Dichter der Maneß. Samml. die man für ausgemachte Schwaben oder Oberdeutsche hält, aus Nieder- deutschland stammen? zB. einer der allerbesten, Heinrich von Morunge. Das beweisen die sächsischen Wendungen und Formen der Sprache. Die Critik hat noch zahlloses zu beleuchten und in anderes Licht zu stellen. Desto beßer. Dadurch kommt Halt und Leben digkeit ins Studium. iterum Vale, vir optime. Berlin 4 sept 1841 Mein lieber alter Freund! Jetzt sind es gerade zehn jahre, als ich Sie zum ersten und allem anschein nach letztenmal besuchte, und mit Ihnen ein stück in die schöne Schweiz hineinreiste. Wie viel haben wir beiden seitdem erlebt, doch Sie mehr des erwünschten und erfreuenden; meine wechselfälle sind strenger, mühevoller gewesen und die saiten meines lebens haben heftiger gerauscht. Damals saßen Sie noch in Eppishausen, neben dem schönen buchenwald, den wie ich höre der neue erwerber schmählich, aber mit großem geldgewinn hat niederhauen lassen; jetzt hausen Sie auf der andern deutscheren seite des Bodensees, ich kenne Ihr gemäuer nur aus der abbildung. Damals dachten Sie zwar, wenn ich nicht irre, an Ihre später vollzogne heirat, konnten sich aber das glück zweier töchter die jetzt schon lange mit Ihnen worte tau- schen, nicht vorstellen. Von meinen abenteuern brauche ich nichts hinzu- zufügen, sie sind Ihnen oft leider schon in entstellenden zeitungsphrasen zu ohren gedrungen Aus Berlin haben Sie noch keinen buchstaben, von mir gelesen, ich war bereits im Decemb. hergereist, dann wieder zurück, im merz zogen wir alle sechs(drei alte und drei Kinder) ab mit sack und pack. da war viel zu packen, ein und aus, einzuwohnen und sich zu gewöhnen; die seit drei jahren liegen gelassenen vorlesungen musten wieder vorgenommen und neu zu geschnitten werden. Dazwischen fielen zahllose besuche, em- pfangne und erwiederte, so ist in aller hast schon ein halbjahr verstrichen, ich setzte bereits vor einigen monaten die feder an, um Ihnen ein lebens- zeichen zu senden, da fiel mir ein, Sie seien den sommer ausgeflogen, jetzt aber wird Sie der herbst frisch und neugestärkt, wieder nach haus zurück geführt haben Meine alten arbeiten schreiten etwas lässig fort, sollen aber so Gott will, den winter über besseren schwung gewinnen. Lachmann fördert rüstiger. Der tag unsrer ankunft hat eine zueignung seiner Nibelungen freundschaftlich gefestigt, seitdem ist auch sein Ulrich von Lichtenstein heraus, des Sie von mehr als einer seite her anziehen wird. Zu den Nib. arbeitet Haupt ein glossar aus, derselbe leitet auch eine zeitschrift für deutsches alterthum, von welcher bisher zwei hefte erschienen sind. Mit Hagen pflege ich hier keinen umgang und die frühere bekanntschaft mit Graff ist aus guten Gründen abgebrochen worden. Was Maßmann und Schmeller seitdem geleistet haben, brauche ich einem Süddeutschen nicht erst zu melden. Von meinen weisthümern ist der dritte band unter presse, die beiden ersten müssen in Ihren händen sein. Von Pertzens monum. tritt eben der sechste band ans licht; vielleicht gelingt es den herausgeber und mit ihm das werk auch nach Berlin zuziehen, da in Hannover immer noch alle aussichten düster bleiben. Der alte Meusebach hat sich eine meile hinter Potsdam bei Baumgartenbrück eine burg gebaut, wo er nun auch seine bücher aufstellt, die eisenbahn führt schnell zu ihm; zwar auf keinen bodensee schauen seine blicke, doch auf die ziemlich breite Havel und eine hübsch ausgestreckte flur. Wir wollen sehn, ob er nun dort eher hand an den Fischart legt als in den mauern von Berlin. Können Sie denn so ganz und gar feiern und ablassen? Die tradit. sangallenses der ritter mit dem bock und wer weiss was für neue entdeckungen warten auf Sie. Wie beurtheilen Sie Hattemers in S. Gallen unternehmungen? Noch hätte ich auf den fast bitteren und desto ungerechteren vorwurf im schlusse Ihres letzten briefs zu erwidern. Den Schwabensp. habe ich seinerzeit dankbar und mit freuden em- pfangen. Zu der angetragnen recension war ich dadurch nicht verpflichtet, ich hatte damals meine gründe, mit den Gött. anzeigen abzubrechen. Dennoch unterliess ich nicht Benecke anzutreiben, dafür zu sorgen, daß ein andrer dem geschäft sich unterziehe. Das ist geschehn. in nº 1. 2. 3. des jahrg. 1841 hat Dr. Unger zu Göttingen eine beurtheilung geliefert, mit deren sachkennt- nis und resultat Sie zufrieden sein werden. Wo ist also grund mir zu zürnen? dafür, dass ich den empfang des buches nicht gleich bescheinigte? ich wollte es erst genau lesen und hatte immer so viel zu lesen und zu schreiben; der freundschaftlichen zusendung blieb ich darum nicht weniger eingedenk. Was das buch selbst be- trift, so hat es sein verdienst und seine schwächen; es war bedauer- lich, dass nach so langer brache auf diesem feld in demselben jahr zwei ausgaben des Schw.sp. neben einander erscheinen sollten, die ihre kräfte besser vereinigt hätten. Schmeller hat eben auch eine lat. bearbeitung durch Oswald von anhausen von 1356 entdeckt. Wilhelm und Dortchen sind nach Dresden, Leipzig und wohin sie der schöne herbst weiterführt, ausgeflogen, ich hüte der knaben. Ein blatt an Zellweger fördern Sie doch weiter. An Ihre frau die herzlichsten grüsse und ich verbleibe mit treuster freundschaft Ihr Jacob Grimm. Berlin liegt nicht aus der welt, was verschlagen ein paar kreuzer porto mehr! also strafen Sie nicht meine saumseligkeit. Mörsburg am Bodensee bei Constanz im Badischen. Freiherrn Joseph von Lassberg Bad. Grenze frei Frankf. a. Main Hierbei, lieber Wernor, das paket für Lassberg, welches Dir keinen grossen begriff von meinem Talent ein zu packen bebringen wird. ich hoffe aber es soll unter dem schutz deines Tristans dennoch glücklich sein Ziel erreichen Leider fühle ich mich heute. noch nicht gesund genug um deiner freundlichen einladung. folgen zu können. Der deinige Mittwoch frühe Jac. Grimm Ich habe vergessen zu fragen, ob du das paket frei machen willst; in diesem fall würde mir auch ein theil der auslage zu fallen, da ich einen zu unverschämten beitrag liefere. 184. Lieber Schwager! Lezten Sonntag von meiner Badekur aus Überlingen zurükgekommen, wo ich noch so glüklich war beikommenden Schild zu erwerben, begann nun Jenny berechnungen anzustellen, was man auf unsern reise wagen laden könne, und was nicht? In die lezte Klasse fiel denn auch alles, was ich Dir lieber Werner für Deine altertümliche Waffensammelung, als einen freundlichen gruß, wie wir Schwaben zu sprechen pflegen, mitzubringen gedachte. Es tut mir leide, daß ich Dir für diese sachen nun porto verursachen muss; allein ich weiß keinen andern weg, die kiste fortzubringen, und die par taler, die sie kosten wird, mag sie doch wol wert sein. Es folgen also in besagter kiste: 1. Das längst versprochene Schwert, auf dessen klinge die Zeichen: A. das ist: Alpha und Omega, der anfang und das ende: soll wol bedeuten: Der der anfang und das ende aller dinge ist, stehe mir bei. das werk ist warscheinlich aus der zweiten hälfte des XV. Iarhunderts, und von einem teutschen meister. 2. Ein schild von eisen, aus dem XV. Iarhundert, von italienischer arbeit. auf der einen hälfte die mutter gottes mit dem kinde, auf der andern der erzengel Michaël, den Satan durchborend. 3. Ein eiserner Dolch aus dem XVI. Iarhunderte, florentiner arbeit. der soll Dir baß gefallen. 4. Eine in altteutscher manier gedrukte Nachfolgung Christi. für Deine frau. 5. Zwei zinnerne Teller, mit Kaiser Ferdinand und den Kurfürsten darauf. für Schwester Nette. 6. Ein buch: Christianus Veridicus, in grün Leder gebunden. gehoert Nette. 7. Eine tafel, enthält den in holz geschnittenen namenszug der äbtissin zu Güntherstal bei Freiburg im breisgau, Maria Waldburga Freiin von Beroldingen von Theodor Thurn, an Nette geschenkt. Jenny und ich haetten gerne noch etwas für Mamma beigelegt; aber alle meine versuche es noch in die kiste zu bringen, waren vergeblich; in unserm wagen aber wird es schwer unterzubringen sein, da es ser zerbrechlich ist, und doch muss es mit. Mein auftrag in betref der kiste, gehet dahin, sie an einen Spediteur nach Münster zu senden; der wol soviel geographie haben wird, zu wissen, wo hülshof liegt. Deinen lezten brief lieber Schwager werde ich Dir noch, vor die abreise nach Westphalen von statten gehet, beantworten. Vorläufig danke ich Dir viele male für den schoenen und reichlichen beitrag, welchen Du für die kleine sammlung von alten Siegelsteinen&c. uns zugedacht hast. Sie gehört Jenny und diese wird Dir iren besondern dank dafür mündlich aussprechen; auch ich war kürzlich so glüklich ir einen zuwachs zu derselben zustellen zu koennen. Wie ser haette ich gewünscht dieser sendung auch einen ausgezeichnet schoenen Helm beifügen zu können! es wurde mir auch wirklich vor einiger zeit, ein schoener Helm(one Ringkragen), von Aschaffenburg aus angetragen; ich bot 6 louisd'ors darauf; allein für den geforderten preis, war er doch nicht schoen genug. Für einen frachtbrief ist der gegenwärtige, der one dies erst lange nach dem bekannten gelben wagen, in Hülshof ankommen wird, schon lange genug; ich schliesse also, nach Kaufmanns brauche, mit dem wunsche: daß Euer Wol Edeln, die obenverzeichnete waare, unter Gottes Obhut, gesund und wol erhalten moegen. Tausend grüsse an euch alle! Jenny und die kinder grüßen mit mir. Gott gebe uns allen ein froeliches wiedersehen. Dein getreuer Schwager JvLaszberg. Auf der alten Meersburg am 21. Julij. 1841. Joseph Freiherr von Lassberg Meersburg, den 30.ten Wintermonats 1847. Iosephus Laszbergius, Friderico Drostio, nepoti suo charissimo, Salutem& omne bonum! Epistolion, quod mihi per Annam Elisabetham nostram misisti, magno gaudio me affecit; video enim, quod mei memmor es, & quod et in lingua latina pure et eleganter scribere connatus es. inde progressum in hac, quae multarum scientiarum mater est& semper erit, faciendum Tibi ex toto corde opto. Quod ad nos attinet, habitatores antiquissimi in Germania castri, per Dei optimi maximi gratiam, omnes benevalemus. Tempestas autem, de qua dicis, apud nos mihi mitior esse videtur, quam in Monas- teriensi episcopatu: de frigore& hivernali aura, adhuc nihil sentimus; sed iam veniet,& et nobis sacer focus(der Ofen) commune refugium erit, donec in martii vel aprilis mense ex corde hilari cantabimus, "Redeunt iam gramina campis, arboribusque comae!" Ego autem, charissime Friderice! Spero& opto, quod feriae anni proximi locum& animum tibi dabunt, nos in Dagoberti regis castro antiquissimo invisendi& certum te reddendi: quantum nos omnes te amamus. Bella, horrida bella in vicinitate nostra exsurgere! Bellum civile inter Helvetios exarsit, qui furiosi se internecarunt& quod ante omnia dolendum! inimici catholicae legis& fidei, victoriosi exiverunt! Ut et Tu preces tuas innocentes ad Dei misericordiam inexhaustibilem, quam ocius& indefesse dirigas, pro servanda fide nostra, tibi ex toto corde comendo. Patri& Matri tuae salutationes nostras cordialissimas, de nobis presentare te iubeo& magistrum tuum, probum dominum Withofer, qui tam latinum te fecit, de me salutare velis. Vale& me amare perge! Totus quantus tuus Ioseph von Laszberg. Friderico, B: Bar: de Droste, in Hülshof, bonarum scientiarum studiosissimo, in Hülshof. Joseph v. Laßberg, Seiner Hoch und Wolgeboren Fräelein Nette, Freiin von Droste zu Hülshoff, in Hülshoff. per Frankfurt& Coeln. bei Münster in Westphalen. ganz frei Ich Endesunterschriebener bescheinige hiemit von dem Hochgebornen H. Freiherrn Joseph von Lassberg zu dem von ihm selbst be- stimmten Zwecke, die erste Hohenemserhandschrift des Nibe- lungenliedes, gegenwärtig im Besitze des H. Freiherrn von Lass- berg, mit dem ihm bekannten Mangel von vier Blättern, erhalten zu haben, und die obgenannte Handschrift auf jeden Wink des Besitzers, unversehrt zurückstellen zu wollen, ohne jedoch für unverschuldet Unfälle, welche dem Untergang Verlust, oder theilweise Beschädigung der Handschrift zur Folge haben könnten, einzustehen. Bei der Zurücksendung werde ich mir von der Post einen auf M. 1600 hiesiger Währung gestellten Empfangschein geben lassen Johann Kaspar von Orelli Professor. Chur den 2. October 1818 Hochverehrtester Freund! Mit vielen Entschuldigungen folgt hier ihr schöner Iuvena- lis zurück. Im ersten Sturme glaubte ich ihn in acht Tagen collationiren zu können: dann kam anderes und anderes dazwischen, Ciceroniana vor allem und Verbesserungssitzun- gen in unendlichem Maße mit Referaten und Discussio- nen aller Art, so daß ich davon wegkam. Andremale hoffte ich dem Codex meinen Tacitus de oratoribus beile- beilegen zu können; alleine die sämtlichen Setzer Zürichs scheinen in eben so viele Schnecken verwandelt. Zudem will die immer reger erwachende Publicität mit ihren tausend Häuptern und zweitausend schreibenden Händen immer noch vor der Wissenschaft befriedigt seyn. Vor allem haben die Umwandlungen im Canton Tessin dem Cicero und Tacitus Riegel vorgeschoben, weil während der Periode der sogenann- ten Unterdrückung die meisten Pamphlete hier gedruckt wurden. Die letzte Woche faßte ich mich in einigen freien Tagen zusammen, umso schneller, weil Sie mit vollem Rechte in dem Briefe an Doctor Meyer gewünscht hatten, daß ich Ihnen wenigstens den Empfang des Codex angezeigt hätte. Da läßt sich wahrhaftig nichts andres sagen, als mea maxima culpa. Aber worin besteht diese culpa, wenn ich noch tiefer in die Beicht eintrete? Weil ich allzu hastig und unersättlich zu vieles anstrebe, und dann Zeit und Kräfte nicht hinreichen um alles zu besorgen. Es ist ein Fehler: aber ich will ihn lieber auch am jüngsten Tage noch büßen als wie ich manchen meiner Collegen sehe, die, gleichsam um das Gleichge- wicht wiederherzustellen, gar nichts thun. Ihr Codex ist im Ganzen gewiß einer der guten. Er hält ein sonderbares Mittel zwischen den beiden Sanct Gallern, dem im Kloster und dem in der Stadtbibliothek. Innerlich besser als zwei Basler und unser Zürcher, die ich für die in meine Ecloges poetarum Latinorum, von welchen ich schnell eine zweite Auflage besorgen muß, aufgenommenen Satyren ebenfalls verglich. Etwas ganz Sonderbares ist in dem Ihrigen, die sehr oft, doch nicht beständig, vorkommende Schreibungen quoius, quoi, und quom, welche darauf deuten, daß er aus einem sehr alten stammt. Vielleicht hat Juvenalis selbst noch so geschrieben: zu- verlässig der spätere Fronto. Unwahrscheinlich ist es mir, daß ein Alterthümler dieß aus Liebhaberei in XIII. Sec. hineinge- bracht habe. Einige, freilich seltene, italiänische Glossen bewei- sen seinen Ursprung aus Italien, so wie die herrliche Schrift selbst. Haben Sie schon Mones Beiträge und Entdeckungen in der alt- deutschen Literatur gesehen? Es ist darin auch von einer Hand- schrift des Waltharius in Löwen die Rede, welche wohl auch noch verglichen werden sollte. Ist dies geschehen, so erbar- men Sie sich des vir fortissimus, und senden ihn noch einmal zum Ritterkampfe in die Welt. Thun Sie es nicht, so wird es das stets nach dem Neuesten hastende Geschlecht noch weit weniger thun. Ebenso wenig fertig als mein Tacitus de oratoribus ist auch eine Ciceronis Oratori vorgesetzte Epistola critica ad Madvigium, einen sehr geschickten Dänen, der eine solche an mich erlassen; in der meinen steht manches von meiner Piraterei bei Ihnen, in St. Gallen und Bern: Einzelheiten, allein ich glaube – meiner Erbsünde gemäß – man muß alles an- sagen, alles zur Sprache bringen. Noch lege ich bei meines Bruders Altfranzösische Grammatik; eine Arbeit, die aus rein wissenschaftlichem Triebe hervorgegangen ist und in Deutschland wenigstens die Bahn bricht. Ungemeinen Fleiß und gewissenhafte Forschung wird ihm niemand ab- sprechen. Was sich mir bei aller Liebe für den trefflichen Bruder nicht birgt, ist, daß Zürich noch nicht genug litera- rische Hülfsmittel darbot: es wären Schätze und jahrelange Reisen dazu erforderlich; ferner eine ausgedehnte Kenntniß aller romanischen Dialecte und Grimm's?eincere Krähte?. Allein es scheint mir hier das dem Bruder mögliche geleistet. Vortheil hat er keinen davon, weil der Verleger sehr ungern daran ging. Ferner dann den dritten Band Sinner's, welcher Herrn Pfarrer's Vögelin's Eigenthum ist. Dieß Jahr zieht er mich, wie Sie, nach Bern: in etwa 10-14 Tagen, um auch von dort her noch einiges emsig aus den Perga- menten in wissenschaftliches Gemeineigenthum hinüber zu tragen. Puppikofer sagt mir, sagt mir, Sie seyen wieder auf der Spur eines altdeutschen Codex. ΑΓΑΘΗΙ ΤΥΧΗΙ. Wenn Sie hierherkommen, so sehnt sich meine Frau Sie zu bewill- kommen. Ich nicht minder. Allein Sie bringen zugleich vollständige Absolution von der maxima culpa Ihrem ergebensten J. C. Orelli Zürich 13 Juli 1836 P. S. Hoffentlich erhalten Sie bald den Codex Constantiensis. Vol. 2. Vergeblich sind bis anhin meine Anregungen geblieben an die Vaterländisch historische Gesellschaft einen Codex Diplomaticus Turi censis zu besorgen, der sich sehr gut ausnehmen würde. Erhalten am 7 Jan: 1838. relative Nº. 5. Hochverehrtester Freund! Gleich nach den Nachrichten von Göttingen und Ihrem darauf bezüglichen Schreiben an mich, war es mein erster Gedanke, was hierin für die Wissenschaft, für den ächt deutschen Biedersinn der Sieben, für Zürich, als eine alte, feste Burg der Wissenschaft zu thun sei. Und Zürich soll eine solche fortbleiben. Ich hege dazu feste Zuversicht. Es hat in wissenschaftlicher Rücksicht seit der Stiftung der Hochschule ungemein gewonnen; von politischem Wühlen und Treiben ist keine Spur vorhanden, weder unter den Professoren noch den Privatdocenten, noch den Studenten. Aber auch keine Trägheit, kein Geistesschlaf. Freilich ist es von anderer Seite eine bare Unmöglichkeit auch nur die geringste Summe für neue Anstellungen anzu- weisen. Alles mögliche ist für die alten, und die wißen- schaftlichen Hülfsmittel von der Anatomie an bis zur – – Philologie/ povera e nuda vai, filosofia, sagt Petrarca/ aufgezehrt. Somit bleibt uns nichts übrig, als was folgt, und was ich von der wissenschaftlichen Section des Erziehungs- rathes amtlich beauftragt bin. Ihnen und andern hiezu geeigneten Correspondenten die Eröffnung mitzutheilen: "An der Hochschule Zürich werde jeder der sieben, und auch jeder, der später in Folge der Hannöverschen Verhältnisse von Göttingen noch entlassene Professor, alsofort als Professor ordi- narius honorarius,/ für einstweilen ohn Gehalt/ anerkannt und freudig empfangen werden." Anderes ist für jetzt nicht möglich. Es wäre aber doch möglich, daß der eine oder andre, aus innerm Berufe einen akademischen Wirkungskreis, so beschränkt er äußerlich auch sein mag, völliger Mundtotheit vorzöge. Wäre ich in irgendeinem ähnlichen Falle, so würde mich diese Anerkennung freuen, wenn ich sie auch vielleicht aus anderseitigen Gründen nicht benutzen wollen würde. Wie Sie leicht denken, wäre es uns die höchste Freude und Ehre, wenn die beiden Gebrüder Grimm – ich will nicht sagen, hieher kämen, – aber unserm ehrlichen Sinne Gerechtigkeit widerfahren ließen. Ebendasselbe gilt auch von den andern allen. Wir ehren sie als tüchtige Stellvertreter der Wißen- schaft, und eben so sehr als Biedermänner. Die Petizion an den Erziehungsrath, infolge derer dieser Auftrag an mir erging, war gestellt von mir, Schönlein Oken, Hitzig,(Professoren), dem Bürgermeister Heß, den Bankiers Schultheß-Landolt, Pestalozzi-Hirzel. Theilen Sie hievon Ihrem Freunde Grimm mit, was Sie geeignet finden. Vielleicht hegt er den Wahn, es sei hier eine Art von immer bewegtem Belgien. Dieß ist es nicht. Nur die verwünschten Batzenzeitungen unsrer und der nächsten Umgebung tragen die Schuld davon, daß es immer scheint, als seien wir alle rappelköpfig. Ist es nöthig, daß wir jetzt oder später näher hier- auf eintreten, so antworte ich augenblicklich. "Waltharius manu fortis" – Glück zu und herzliche Freude, wenn das recht tüchtig in die Welt hineinschreitet, so auch Sie, alter Rüdger, Ihre Gemahlin, Ihre lieben Kleinen; mir bleibt noch eine wackre Hausfrau und eine eilfjährige Erminia(Reminiscenz aus Tasso) – aber mein Arnold ist jenseits, doch stets ein liebliches Angedenken, oft auch in Träumen eine engelgleiche Erscheinung. Ihr alter, auch in diesem Jahre sich gleicher und Sie liebender Orelli Zürich 3 Januar 1838 Professor J. C. Orelli Geschichtsforscher Antwort durch H. Geh. Leg. Rath von Küster den 18ten Aug. 1834 sammt Notiz über ein Mpt des Breuiar. Alarici in Schefbers v. IX–X Saec Berlin den 14 März 1834. Je seltener es ist, daß neben den Mühen des Geschäftslebens nicht nur Lust und Thätigkeit zu gelehrten Forschungen rege bleibt, sondern auch die Bereitwilligkeit, fremde literarische Arbeiten durch jene Tätigkeit zu unterstützen, desto erfreu- licher ist diese Erscheinung wo sie sich findet. Eure Hoch- wohlgeboren haben mir davon durch Ihre interessante Zusendung ein höchst dankenswerthes Beyspiel gegeben. Der Notar Rainerius, dessen Andenken Sie aus dem Staube hervorgezogen haben, steht allerdings schon bey Sarti T. 1. p. 422, wo er in den Jahren 1219 bis 1228 als der erste Notar vorkommt, der den Beynamen Magister führt. Allein daß er ein Buch geschrieben hat, und daß dieses Buch erhalten ist, davon weiß auch Sarti nichts. Meine Absicht ist nun, wenn künftig von dem 5ten Bande meiner Rechtsgeschichte eine neue Ausgabe erscheint, zu S. 154. unter Num. XII jenen Notar aufzuführen, und dabey Ihre Nachricht über sein Werk zu benutzen. Sollten Sie jedoch Ihrem Aufsatz noch irgend eine andere und früher auszuführende Bestimmung geben wollen, so bitte ich darüber nur zu verfügen; meine oben angedeutete Absicht würde dadurch nicht im geringsten gehindert oder beschränkt werden. Eine genauere Benutzung des Werks selbst finde ich vorjezt nicht nöthig. Gegenwärtig bin ich sehr mit der neuen Ausgabe meiner Rechtsgeschichte T. 1. 2. 3. beschäf- tigt, deren Druck im April, spätestens Mai, d. J. beendigt seyn wird. Indem ich den aufrichtigen Dank für Eurer Hochwohlgeboren so ausgezeichnete Gefälligkeit wiederhole, füge ich die Versicherung vorzüg- licher Hochachtung und Ergebenheit hinzu, womit ich mich unterzeichne Eurer Hochwohlgebornen ganz ergebenster Savigny. N. S. In diesem Augenblick fällt mir ein früher von Blume mitgetheiltes Blatt in die Hände, welches einen Auszug aus dem Codex Riccardi 918 zu Florenz enthält. Das Werk fängt an: De.. quae ab hominibus aguntur pro utili et compen- diosa faciorum honorabilium conditione.. primo de contractibus sec. De judiciis tertio de voluntatibus ultimis in quibus tribus p̄aīs artis notariae cognitio tota consistit. Ego ranerius perosinus nota̓e perduxi etc. Im Werk selbst stehen mehrere Urkunden aus Arezzo von 1240. Sollte es ein neueres Werk desselben Verfassers seyn? An Herrn Hof- und Regierungsrath Freyherrn von Laßberg Hochwohlgeb. zu Siegmaringen über Stuttgart frey Berühmter Staatsrechtslehrer v. Savigny Basel 21/4/34. Hochverehrter Herr Baron, mit dem besten und herzlichsten Danke für Ihre grosse Gefälligkeit sende ich Ihnen beifolgend die vier Bände Liedersaal, den dritten Band der Myllerischen Samlung und die Maerin wiederum zurück. Verzeihen Sie die lange Verzoegerung gütigst damit, dass ich den dritten Band des LS. jezt zum ersten Mahle gelesen habe. Gleich das vorderste Stück, die listigen Weiber ist meisterlich vorgetragen und muss noch in die ältesten besten Zeiten gehoeren. Zu den vielen Handschriften das Gedichtes von den vii. weisen Meistern kommt noch eine hiesige, und sie allein enthält den Namen des Verfassers; es ist der Büheler, der auch die Koenigstochter von Frankreich gedichtet hat. Ausserdem habe ich neulich noch manche andre nicht"unamüetige" Handschrift herausgesucht. Jezt sehe ich mit Begierde dem neuen Merkmale Ihres Wollwollens, der der verheissenen zweiten Sendung, und gar einer Sendung von anec- dotis entgegen. Ist es Ihnen nicht bequemer, mir den ganzen Frau- endienst selbst herzuschicken? Dann kann ich Ihnen die Mühe des Abschreibens ersparen. Er würde Ihnen dadurch nicht lange entzogen werden: ich weiss in dem Buche schon Bescheid, da ich es bereits einmahl ganz für Lachmann abgeschrieben habe. ich schreibe diese wenigen Zeilen an dem ersten von dreyen für Lehrer und Schüler drangvollen Tagen, denen der öffentlichen Prüfung. Ist die abgethan, so kommen endlich anderthalb Wochen Ferien, auf die ich mich diesmahl freue, wie ich mich nie als Schüler darauf gefreut habe. Goss behüte Sie, hochverehrter Herr Baron, in Ihrem stillen Kloe- sterli und erhalte Sie im gewohnten Wollwollen für Ihren ganz ergebenen Wilh. Wackernagel DV. Basel. 22. viii. 37. Sehr verehrter Herr Baron, die freundlichen Vorwürfe die Sie mir durch den jungen Ammann haben machen lassen, haben den schmerzlichen Verdruss womit ich vor einigen Wochen gar nicht weit von Ihrem Schlosse vorüberreisen muste, verdoppelt in mir aufgefrischt. ich reiste von Zürich aus mit meiner Braut in die appenzellischen Baeder; es war von Anfang an unser Plan auf dem Heim- diess wege bei Ihnen anzuklopfen: da kam schlechtes Wetter; und die Ungeduld unsers Begleiters, ohne den wir doch nicht reisen konnten, des Bruders meiner Braut, trieben uns auf dem kürzesten Wege wieder heim. Und wie gern hätte ich Sie noch einmal in Eppishausen gesehen, wie gern Ihre Frau Gemahlinn und die Kindlein begrüsst, wie gern Ihnen auch das Glück meines Lebens vorgestellt! ich habe schon an jenem boesen Regentage darauf gedacht, wann und wie ich mich wohl für diesen Verlust ent- schaedigen könnte, und da ist mir der Wunsch gekommen etwa auf meiner Hochzeitreise d. h. gegen die Mitte October das Versäumte nachzu- holen. zuholen: Zwar liegt Eppishausen eben nicht in der Richtung von Zürich nach Basel: aber ich hoffe, wir werden wohl zu einem solchen Umwege hinreichende Zeit finden. Nun ist meine Bitte dass Sie, sehr verehrter Herr Baron, mit der Rücksichtlosigkeit die ich von Ihrem Wohlwollen erwarte, mich bescheiden moegen ob Ihnen zu der Zeit mein oder vielmehr unser Besuch noch gelegen kaeme? Lassen Sie mich dieser bittenden Frage gleich noch eine zweyte hinzufügen. Es wird an einer zweyten Ausgabe meines Altd. Leseb. gedruckt. Die erste war Ihnen zugeeignet, Sie wissen aus welcher Gesinnung, aber ich weiss auch Ihnen zu welchem Verdruss. Soll ich nun wirklich bei dem neuen Druck dieses mir sehr liebe und werthe Dedicationsblatt fortlassen? oder darf ich die Zueignung widerholen, ohne dass ich fürchten muss Ihnen damit noch einmal und noch mehr zu missfallen? ic frage und bitte. Welches war, damit ich jenen zwey bedeutenderen Fragen endlich noch eine drite minder bedeutende, hinzufüge, der Vorname der Hätzlerinn? Clara oder wie? ich finde ihn verschiedentlich an- gegeben. Halb mit Furcht, halb mit Freude, gewiss aber auch mit treuester Ergebenheit meines Herzens seste ich Ihrer geneigten Antwort entgegen. Ihrer Frau Gemahlinn meine ergebensten Empfehlungen, Ihnen die aufrichtige Versicherung unwandelbarer Hochachtung. Wilh. Wackernagel DV. Wilh. Wackernagel Litteraturhistoriker und Verfasser Frankfurth d. 23. Dez. 1819 Erhalten den 31. Dez. 1819 Hochwohlgebohren Freyherr Euer Hochwohlgebohren sehr geehrtes Schreiben v. 25. Nov. ist mir erst vor wenigen Tagen zugekommen, wodurch seine späte Beantwortung entschuldigt wird Mir sind mehrere Fälle bekant daß Handschriften aus der königlichen Bibliotheca zu Paris, an fremde Gelehrte, in das Ausland verabfolgt worden – ich hoffe also daß dieses auch gegenwärtig werde werden, Frage in Paris bei denen Bibliothecarij an, und werde Hochwohlgebohren zu antworten die Ehre haben. Von Waltharius ist eine Handschrift auf der Pariser Bibliotheca sub nro 8488. in 8o und habe ich wegen ihrer Beschreibung und conferirung bereits geschrieben – sobald sie erfolgt sind werde ich sie mittheilen. Mit denen Gesinnungen der ausgezeichnetsten Hochachtung habe ich zu seyn die Ehre Hochwohlgebohren Ganz Ergebenster K v Stein Frankfurth d. 17. Jan. 1820 Hochwohlgebohren Freyherr Aus der Anlage werden Hochwohlgebohren die Hindernisse erfahren, die einer Versendung des Mspt. der Manessischen Sammlung außerhalb Frankreich entgegenstehen, und die nicht leicht beseitigt werden können. Es bliebe also nichts übrig als eine Reise nach Paris zu machen, und seine Zeit und Kräfte auf dieses dieses litterarische Unternehmen einer Ausgabe dieser Dichter zu verwenden – Wäre Hochwohlgebohren, oder einer Ihrer gelehrten Freunde hiezu nicht geneigt? Man müsste in diesem Fall einen Kosten Ueberschlag der Reise und Ausgabe praktisch machen und versuchen sie durch den Verein mehrerer vermögender Persohnen zusammenzubringen – Sollte die Verwittibte Fürstin zu Fürstenberg nicht sich an die Spitze dieses Vereins stellen, und mit ihr die Gräfin Caroline von BückeburgMit denen Gesinnungen der ausgezeichneten Hochachtung habe ich zu seyn die Ehre Hochwohlgebohren Ganz ergebenst K v Stein Nassau d. 21. März 1825. Hochwohlgebohren Freyherr Hochzuverehrender Herr Oberjägermeister Das schöne Geschenk welches Hochwohlgebohren mir mit dem 2ten Band es Lieder Saals zu machen die Güte hatten, erhielt ich spät, erst lange nach meiner Ankunft Ende Februar, aus Westphalen. Empfangen Sie meinen lebhaften Dank für an gediegenen, treflichen Gedichten reiche Sammlung, deren angekündigte Fortsetzung allen Freunden der vaterländischen Dichtung erfreulich ist. Der erste Band der Monumenta hist. Germ. medij aevi etc. wird auf Michaelis Messe erscheinen, seine Ankündigung von der Hahnschen den Verlag übernommenen Buchhandlung in Hannover wird in der Leipziger Ostermesse bekant gemacht – bißher war die Unterstützung von Seiten der Regierungen sehr lau, mit mit Geld sehr wenig. Ich hatte eigentlich nie auf sie gerechnet, aber aber gehofft daß die reichern unter unserem deutschen Adel besonders westphälischem Adel, etwas Erklekliches für die Unternehmung thun würden, ich lehnte daher ao 1818 das gnädige zuvorkommende Anerbieten der Königin v. Württemberg ab, und benutzte nicht ein Mittel um eine Unterstützung von Kayser Alexander zu erhalten Unterdessen ist aus unseren wenigen Mitteln doch viel geleistet, und die Sache rückt langsam fort, – freylich wäre es zu wünschen wir könten durch junge Gelehrte in Wien, Rom u. Paris die Archive und Bibliothecen bearbeiten lassen. Hochwohlgebohren gütiges Anerbieten der Collation des Waltharius zu einer besonderen Ausgabe zu benutzen und damit noch einige andere historische Gedichte zu verbinden, nehme ich mit lebhaftem Dank , und werden Sie sich neue Verdienste um unsere vaterländische Litteratur erwerben. Mit denen Gesinnungen der ausgezeichneten Hochachtung Hochwohlgebohren Ganz ergebenst Stein Den wohlwollenden Andenken des v. Ittner bitte ich mich zu empfehlen Theuerster freund Nach langer entbehrung wieder einmal einige zeilen von Ihrer hand, und die uns frölichste Botschaft verkünden. Mit treuem herzen wünschen wir Ihnen glück zu diesem segen des himmels und bestellen an Ihre frau gemahlin hundert grüsse. Die namen für die beiden töchterlein sind vortreflich und echt schwäbisch gewählt, sie gemahnen an Walthar und an Carl. Gott führe ihnen solche männer zu und lasse mich noch die kunde von ihrer brautlauft erleben. Leider kann ich Ihre meldung nicht mit gleich freudiger vergelten. Wilhelm ist immer noch nicht ganz hergestellt, Dortchen hat eben vier wochen krank danieder gelegen und erholt sich erst seit vierzehn tagen; anderer unfälle zu geschweigen. Ich stecke bis über die ohren im vierten band der grammatik, d.h. der schwierigen syntax. Mit Ihrem gnädigen urtheil über die mythologie bin ich genug zufrieden. Ihrem gelehrten Orelli wird nicht recht sein, dass ich auf die Tamfana, das sceleratum Ligorii commentum, etas gegeben habe. Was Ihnen sonst auch misfällt, theilen Sie mir gelegentlich mit. Lachmann ist keinen augenblick unthätig. in kurzem erscheint sein commentar zu den Nibelungen, voll erstaunender gelehrsamkeit. Graffs Sprachschatz misbehagt mir in einigem, wiewol ich dem werk seine vollendung wünsche. es ist wahr, sein lamentieren ärgert jeden, der das weiss, dass heutzutage kein anderer arbeiter auf diesem feld äusserlich so begünstigt und unterstützt worden ist, wie Graff. Benecke grüsst. sein Iwein erlebt eine neue auflage; ich hoffe sie erweitert sich zu einer von Hartmanns werjeb, Treiben Sie Ihren herrn sohn zum abdruck seines Schwabenspiegels, und alle remotiora möge er dabei hinaussetzen. Gott befohlen und behalten Sie lieb Ihren Jac. Grimm Göttingen, 7. mai 1836 Erhalten am 4. März 1841 Cassel 28 febr. 1841 Liebster freund, es liegt mir schwer auf, dass ich Ihnen so lange kein lebenszeichen von mir gegeben habe; zwar bin ich leider eine art von public character geworden, so dass die zeitungen sich die mühe nehmen wahres und unwahres, rechtes und schiefes über mich zu berichten; Sie werden also im allgemeinen erfahren haben wie es um mich stehe. Krankheit und unpässlichkeit haben mich seit vier monaten geplagt und ich scheine noch nicht fertig damit. Im December reiste ich dennoch nach Berlin, um unsre dortige anstellung aufs reine zu bringen, das ist alles vollendet, und ein gehalt von 3000₰ für uns beide stellt unsre äussere lage ganz zufrieden; daneben ist uns freie musse gesichert, obgleich die vorlesungen an der universität, weniger die bei der academie, mühe machen werden. In vierzehn tagen soll dann der abzug mit sack und pack vor sich gehen, morgen früh beginnt man die säcke zu packen, für mich ein leid und greuel,, das Sie vor einigen jahren bei der wanderung aus Eppishausen nach Mörsburg auch, ich denke mir in geringerem masse, erfahren haben. wären wir doch erst dort, ausgepackt, eingerichtet und, wozu längere zeit gehört, eingewohnt. Gott wird ferner helfen. Das wünschenswertheste ist freier mut und gesundheit, deren auch Dortchen bedarf. Wilhelm ist jetzt von uns der frischeste. Den stillstand unsers briefwechsels verschuldet grossentheils auch die fehlgeschlagene erwartung, Sie vorigen sommer und herbst Hier bei uns zu sehn. Nun werden wir uns vollends weiter gerückt; doch brauchen nur die vielen projectierten eisenbahnen ausgeführt zu sein, und keine ferne kommt dann gross in anschlag. Mit den arbeiten ist es seither lässig gegangen. Den ersten band der weisthümer werden Sie nächstens erhalten, meinen dank für das mir reichlich mitgetheilte aber erst in der vorrede öffentlich ausgesprochen finden, die ich vor beendigung der der samlung nicht fertig machen kann. Der dritte band ist bereits unter presse, und damit muss ich einhalt thun, um dem publicum nicht allzu viel zuzumuten. Die leute sehn jetzt, was Sie an dieser art von rechtsquellen haben, und mögen achträge liefern. Meine samlung hat etwa 1000 stück aufgestellt, das ist denk ich der anerkennung werth. In dem ersten hefte von Haupts zeitschrift für deutsches alterthum Leipz. b. Weidmann findet sich mancherlei meines zeugs. Von der neuen umarbeitung der grammatik habe ich Ihnen den ersten band zugesandt, ich fürchte aber, Sie sind der Sache müde und lassen ihn ungelesen. Von Lachmann sind die neue ausg. der Nibelungen und Ulrich v. Liechtenst. Frauendienst nächstens fertig Hagens minnelieder liefern nöthiges material, sind abeer in mancherlei zu tadeln; in den fleissigen lebensbeschreibungen scheint mir vieles sehr geschmacklos. Woran arbeiten Sie wol, bester Lassberg? dass Sie die hand von unsrer tafel weder abziehen wollen noch können versteht sich; nur freilich mit dem Sangaller traditionen zaudern Sie. Zu S. Gallen will Hattemer genaue ahd. Ausgaben liefern, und verheisst auch inedita. Graf Werner hauset auch diesen winter hier, er hat sich nun von Bökendorf losgesagt und macht manchen plan für die zukunft, wozu ihn aber Gott vor allem mit rüstiger gesundheit aussteuern muss. Mögen Sie mit frau und den gedeihenden kindern fortfahren und aushalten in der heitersten ruhe; wir grüssen von ganzem herzen, und bleiben Sie eingedenk Ihres Jacob Grimm