ddto. 25 may 1832. erhalten am 2 Junij. 1832. Hochwohlgeborner Herr Kämmerer, Hochzuverehrender Herr! Die Nachricht, welche Ew. Hochwohlgehoren in Ansehung eines von mir benutzten Manuscripts der Universitätsbibliothek, welches Werke Walthers von der Vogel- weide enthielte, zugekommen ist; scheint auf einem Mißverständniße zu beruhen. Ein solches Manuscript findet sich nicht in unserer Bibliothek, und nie habe ich ein solches benützt, oder von dessen Benützung gesprochen. Aber eine Notiz über Walther von der Vogelweide, welche zwar schon von Gropp in seinem Buche über das Neumünster, und von Ober- thür in seinem Schriftchen"die Minne- und Meistersänger" – aber lächerlich entstellt bekannt gemacht worden ist, fand ich in einer Pergamenthandschrift aus dem 14ten Jahrhunderte, welche aus der Bibliothek des Neumünsters durch mehrere Zwischenhände in die Universitätsbibliothek kam, wo sie unter dem Titel Liber memorialis Michaelis de Leone dermal sich befindet. In dieser Handschrift – einer Art von Collektaneenbuch der verschiedenartigsten Inhalte, – findet sich, ganz abgebrochen hinter den Grabschriften Kaiser Friedrichs des II und Bischof Conrads von Ravens- burg, folgende Notiz: De milite Walthero dicto von der Vogel- weide, sepulto in ambitu novi monasterii Herbipoli in suo epytafio(sic) sculpti erant isti versus subscripti: Pascua qui volucrum vivus Walther fecisti, Qui flos eloquii, qui Palladis os, obiisti.# Ergo, quod aureolam probitas tua poscit habere, Qui legit, hic dicat: Deus istius miserere. Dieser für die vaterländische Culturge- schichte nicht uninteressanten Notiz und ihrer alten Quelle, aus der ich sie schöpfte, that ich gegen mehrere Personen gelegenheitlich Erwähnung und daraus mag die Sage entstanden # Oberthür gibt am Schlusse dieses Verses die comische Verdrehung:"qui Palladis os oblivisti" d. h."der du den Mund der Pallas beschmiert hast". seyn, als hätte ich eine Handschrift von Walther von den Vogelweide benützt. Dieses ist das, womit ich allein auf Ihre verehrliche Anfrage vom 23ten d. M. zu dienen im Stande bin, nachdem ich, um buchstäblich treu zu referieren, heute noch einmal die Handschrift eingesehen habe. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster Diener PvRicharz. Wirzburg den 25ten Mai 1832.