Karl Schneider. Ein biographisches Fragment. Für seine Freunde. Non est vivere; sed valere, Vita Mart: Epigr: 1801. Fortis Animi& constantis est, non perturbari in Rebus asperis, nec tumul- tuantem de Gradu defici, sed praesenti Animo uti& Consilio. Cicero de Off: Karl Schneider, ward im Furstenbergischen in Schwaben geboren, wo sein Vater Land Beamter ist. Seine Knaben- Jare hatten wenig merkwürdiges; seine Erziehung, war die in jenen Gegenden gewoenliche: man sandte den Knaben in ein Kloster, wo ihm seine munterkeit anfangs Freunde, in der Folge aber sein freier, ungebundener Geist, unter den finstern Mönchen eine menge Feinde machte. Der Knabe, an den blauen Himmel und frische Luft gewönt; konnte in den engen und dumpfigen Klostermauren nicht leben, er entfloh seinen Treibern und erklärte seinem Vater, das er nie wieder in ein Kloster zum Studiun gehn werde. Ein sehr würdiger Mann, sein Oheim, Professor an der hohen Schule zu Salzburg, übernam nun seine Er- ziehung: allein er muste bald seinen Plan, ihn zu höhern Wissenschaften, vielleicht gar zum Gelerten, zu erziehen aufgeben. gefiel Schneiders unruhiger Kopf, sich im Schulstaub eben so wenig, als er sich in dem finstern Kloster gefallen hatte. Freier, grosser Wirkungs Kreis, ungebundenes, genussvolles Leben, und kühne Taten, waren das Ziel nach dem er strebte. One ein Feind der Lectüre zu sein, hatte er doch nicht viel Leidenschaft für die selbe; Geschichte, und besonders Biographien grosser oder berüm- ter Männer, las er gene und da seine Knaben- jare in die Epoche der Ritter Romane fiel; so konnte es kaum felen, das sein Geist nicht einen etwas excentrischen Schwung erhielt. allein die Ritterzeiten waren vorbei und es blieb kein andrer Weg, auf dem man durch kühne taten berümt werden konnte, mehr für einen Schneider übrig; als jener, den so mancher Natursohn vor ihm aber mit ungleich weniger Glük betreten hatte, jener des Militair Standes. Der Krieg hatte um diese Zeit beinah ganz Europa umfasst; besonders rüsteten sich damals alle Italienische aus Fürsten, gegen Frankreich, das dem in das Joche des Despotismus, weit schändlichere und drückendere der voll- kommensten Anarchie gekommen war und die ganze Welt mit seinem erschrek- lichen Freiheitsfanatismus anzuzünden drohte. 193 Schneider gieng, in Sardinische Dienste, als Cadet unter das Regiment Roial Allemand und bei Eröfnung des Feld- zuges wurde er UnterLieutenant. Gleich darauf kam er zu der JägerCompagnie seines mit Regiments, dies fünfzig andern JägerCompagnien, unter den Befelen des Obersten Marquis Colli zu einem eigenen Corps vereinigt war und die Avantgarde der Armée machte. Es ist sehr schwer sich von einer Winter- Campagne in den fürchterlichen gebürgen, an den Gränzen von Dauphiné und Savoien eine Vollständige Idée zu machen; und wenn die französchen Kriegs Schriftsteller, die Beschwerlichkeiten, welche ihre Truppen mit einer, sonst so seltenen, Beharrlich– keit in diesem Kriege ertragen haben, so laut und so hoh erheben; so würde dies den Piemontesischen Truppen gewis mit dem nämlichen Rechte zu stehn; denn auch sie lebten ganz auf den fuss wie die Franzosen, die Offziers hatten keine Pferde, keine Zelten keine Equipagen, kurz, keine einzige Bequemlichkeit die sonst gestattet werden, um die Unannehmlichkeiten eines Feldzuges zu erleichtern; sogar das Holz im Lager musten sie kaufen. Schneider, der dergleichen Sachen nur aus Buchern kannte, war über alles Ungemach, das auf den aeussersten Vorposten, wo man ohne alle Bedeckung, auf dem blasen Schnée campirte, gewiss nicht gering war, so wenig betrofen; das er gleich den zweiten Morgen, da ar mit fünf- zehn Mann auf Vorposten comandirt war, seinen Leuten eröfnete: er sei ge- sinnt, unter der Begünstigung eines dichten Nebels einen Besuch im feindlichen Lager abzustatten, diese, meistens Schwaben, boten sich alle als Freiwillige beid er Expedition an. Der Comandant des Französchen Vorpostens Piquets, hatte sichs bequemer als der des Piemontesischen gemacht: in einer dichten und warmen Barake, sechs bis sieben schuh in den Schnée begraben und bei einem guten wärmenden Feuerchen hätte er wol eher von des Himmels Einsturze von als einem Überfall geträumt Die Vedette wurde überrumpelt und auf den ersten Schus mit Niederstossen be- droht, ein und zwanzig Mann, aus denen das Piquet bestund, wurden bei den Töpfen gefangen genommen. Schneider lief gleich nach der Barake des Offiziers, und traf den Ehren Mann gleichfalls beim mittag kochen an. Dieser hielt ihn wegen der Ähnlichkeit der Uniform für einen Franzosen und fragte ihn ob er ihm nicht helfen wolle seinen Minister verzehren. Schneider stiess ihm den Kessel mit dem Fuss um und sagte ihm troken, das heute da nicht werde ge- gessen werden, weil er sein Gefange- ner sei. Der Franzos, immer in der er spreche Meinung mit einen Cameraden, verwies ihm seine Unart, als Schneider der Unter- haltung müde, seine Leute herbei rief mehrere Offiziers wegen ungleich weniger aus- gezeichneten Handlungen das Kreuz ehalten; allein Scheider erwiederte dem Oberst ganz kalt: was er getan habe und noch tun werde, sei nicht um des Kreuzes willen, die Tat selbst mache ihm Freude und folglich sei er schon belont. Das Schiksal der Piemontesischen Waffen und das unselige Ende dieses Krieges für den König von Sardinien, sind bekannte Sachen. Die Finanzen, erlaubten nach dem Krieg, nicht mehr als 12000 Mann neue Truppen zu halten – mehrere Regimenter wurden ganz entlassen und selbst alte auf die Haelfte reducirt. Die Offiziers die in die Reform fielen bekamen halben Sold, und die Zusicherung bei Vacataren nach ihrer Anciennitaet wieder einzurüken, die jenigen, denen das nicht anstand, konnten eine sogenannte Gratification an geld ein mal für allemal erheben. allein die Commis du Bureau des Guerres zu Turin sorgten dafür, das die armen Offziers ihre Gratificationen in Pappier das damals 60 proCento verlor, bekamen und die müssen teutschen also kaum im Stand waren damit in ihr Vaterland zurük zu kehren. Da Schneider, als einer der jungsten Offiziers, die Reform auch traf, und das traurige Ende des Feldzuges ihm den Sardinis. Dienst längst verleidet hatte; so gieng er nach Hause, wo er einige Zeit one alle Anstellung blieb. Da Oberst Grav Aspre, der damals das FreiCorps Grünlaudon comandirte, und unsern Schneider bei seinem Vater zu Neustadt im Schwaizwalde kennen lernte, entdekte sehr viel Anlage zum Partei- gänger in ihm, und schlug ihm vor in sein Corps zu treten. Währenddem ge- schah der Rhein übergang des General Moreau 24 Juny 1796. und da die Kaiser- liche Armée über den Schwarzwald sich zurük zog, schloss sich Schneider an das Grün- laudonsche Corps an, bei dem er zwar nur als Cadet eingeschrieben war, dabei aber immer seine Sardinis. Uniform trug, bis er in Salzburg dem königlichen Helden Carl vorgestellt wurde, dessen Scharfblik den künftigen Krieger, gleich in dem Jünglinge entdekte, und ihn auf der Stelle zum Officier machte. Als Fähndrich marschierte nun Schneider mit seinem Battaillon, dessen Comando der OberstLieutenant Am Ende bekommen hatte, nach Italien. Hier fängt eigentlich erst Schneiders militairische Laufban an. Bisher hatte er den Krieg noch nie im Grossen gesehen, noch hatte der kühne, kampflustige Jüngling kein Feld betreten, auf dem sich sein krieger- ischer Geist ausbilden, und seine Anlagen ent- wikeln konnten: aber nun, in einem Heere das mit Blizes Schnelle von Schlachten zu Schlachten eilte, überal mit unwiedersteh- licher Kraft vordrang, und alle Macht, die der Feind ihm entgegen stellte unwieder- stehlich niederwarf, nun war Schneider in seinem Elemente und unter den Augen des damaligen General Majors Graven von Klenau April begann er in dem 1799 einen Feldzug der in seinem ganzen Leben, wenn es auch noch so glüklich und ehrenvoll enden sollte, gewiss immer die glänzendste Epoche bleiben wird. Das Battailion stund mit dem Klenauschen Korps in der Gegend von Mantua am Po. Die Franzosen hatten nicht nur das linke Ufer des Flusses besezt; sondern sie hatten auch in der Mitte des Flusses mehrere Canonier Chaloupen stationirt, die das ganze rechte ufer bestrichen und den Hin- und Her marsch der Truppen sehr beschwerlich machten. General Klenau war über diese unbequemlickeit sehr übel gelaunt, als unser junger Held ihm die Erlaubniss verlangte mit einigen Freiwilligen, eine Chaloupe von 6 Canon, die dem Battaillon gerade gegen- über stand, zu holen. Klenau gab die Erlaubniss mit Freuden, dreissig Freiwillige schiften sich mit Schneidern in einem Nachen ein und Klenau rief ihm beim Abfaren noch zu: er sei sehr begierig zu sehen wer denn zuerst die auf dem französchen Schife aufgestekte Flagge bekommen werde. Das werden Sie gleich sehn rief Schneider zurük und liess aus allen Kraeften auf den Feind zu rudern. Die Franzmänner waren über diese Kühnheit erstaunt und da sie nicht begreifen konnten, wie man so etwas zu unternehmen im Stand sei; so liessen sie den Nachen ziemlich nahe kommen, eh sie feurten. Wie sie aber sahen das Bewafnete in dem Schifchen waren, liessen sie sowol aus den Kanonen als dem kleinen Gewehr Kugeln auf unsre abentheurer regnen; zugleich suchten sie aber sich zurükzuziehen und sich dem linken ufer des flusses immer mehr zu nähern: allein die Bestürzung bei der Schifs Mannschaft war so gros, das sie nicht mehr im Stand waren ihr schif zu steuren und beinah in der Mitte des Stromes auf einer Sandbank auffuhren, wo sie troz alles Be- strebens nicht mehr flott wurden. Schneider, der mit seinem leichten Schifchen alten wie ein Bliz die Wellen des Padus durchschnitt, kam in diesem augenblike unter der Canonen- schussweite des Feindes an, noch ein par kräftige Ruderschläge und die beiden Schife waren Bord an Bord. In einem augenblike war das feindliche erstiegen – jener Theil der erschrokenen Besazung der noch Wieder- stand leistete, theils niedergestossen, theils über Bord geworfen, und die dreifarbige Flagge in Schneiders Händen, durch ein auf dem Schif befindliches Sprachrohr rief er seinem General zu: er mochte Leute senden um das Schif, das nicht mehr flott gemacht werden konnte auszuladen, und die Kanonen abzuholen. In einem Nu stiessen mehrere Nachen von Frankolino ab, um die Beute des eroberten Schifes abzuholen – das Schif war vollkommen wie ein kleines Kriegsschif zur Sée ausgerüstet, und hatte ausser seinen 6 Kanonen eine Menge Munizion, kleines Gewehr, Zwiebak, Wein, gedörrtes Fleisch, Brandwein, Segel- und Tau-werk, kurz alles was zu einer Sée Expedition gehört, am Bord. Dies alles, sogar noch soviel Eisenwerk als M. 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Hoch stand Schneider im Vorderteile seines Nachens und schwenkte die eroberte Flagge, die türkische Musik seines Regiments empfieng ihn am Ufer und General Klenau umarmte den tapfern Jüngung, vor einer grossen Menge Volkes, und Soldaten die dem glüklichen unternehmen vom anfang bis zum Ende angesehn hatten. Das schönste bei der ganzen Sache wars das Schneider bei dieser gefarvollen Expedition keinen Mann verloren und der Feind keinen gerettet hatte. Der Abend wurde bei einem militairischen Male, mit Musik und Tanz zugebracht wobei Klenau nicht wegblieb und dem Graven Fähnrich grose Lobsprüche gab. Gut macht Mut! 4 Tage drauf –&c