Virtuelle Schatzkammer

Die Badische Landesbibliothek besitzt einen umfangreichen Bestand an Handschriften, Inkunabeln, alten und seltenen Drucken, Musikhandschriften, historischen Karten, Autographen und weiteren wertvollen Sammlungsgegenständen. Unter diesen befinden sich Spitzenstücke wie zum Beispiel die Handschrift C des Nibelungenlieds. In unserer „Virtuellen Schatzkammer“ präsentieren wir einzelne digitalisierte Kostbarkeiten. Sie können einen ersten Eindruck vom hohen Wert des überlieferten historischen Erbes vermitteln; sie sollen aber auch dazu anregen, das gesamte Angebot der Digitalen Sammlungen intensiver kennenzulernen.
Stundenbuch (Horae canonicae)
Handschrift auf Pergament. 15. Jahrhundert. 112 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: Rastatt 30.

Das aus dem 15. Jahrhundert stammende, in lateinischer Sprache geschriebene Stundenbuch ist eine Handschrift auf Pergament, die aus dem Besitz der Markgrafen von Baden stammt und wegen ihrer Herkunft heute die Signatur Rastatt 30 besitzt. Stundenbücher, die als Gebets- und Andachtsbuch die Texte für das Stundengebet enthalten, wurden nicht selten mit aufwendigem Buchschmuck versehen. Das gilt auch für den digitalisierten Codex aus Rastatt mit seinen zahlreichen kleineren und ganzseitigen Miniaturen.

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Festevangelistar
Handschrift auf Pergament. Um 1200. 112 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: St. Peter perg. 7.

Das prachtvoll ausgestattete Evangelistar enthält die Lesetexte (Evangelienperikopen) für die zwölf Hochfeste des Kirchenjahres; es war also nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt. Auf jeden von einer großen Initiale eingeleiteten dreiseitigen Textabschnitt, der von einem Goldrahmen umschlossen wird, folgt eine korrespondierende ganzseitige, von einem Zierrahmen eingefasste Miniatur. Die nach Schrift und Buchschmuck vermutlich um 1200 am Oberrhein entstandene Pergamenthandschrift stammt aus der Bibliothek von St. Peter im Schwarzwald. 1779 wurde sie von Abt Philipp Jakob Steyrer für das Benediktinerkloster erworben; durch die Säkularisation gelangte sie 1807 in die Großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe.

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Stundenbuch des Markgrafen Christoph I.
Handschrift auf Pergament. 1488. 108 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: Durlach 1.

Das Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. (1453-1527) ist das älteste Zeugnis markgräflich-badischen Buchbesitzes, das sich in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe erhalten hat. Als frommer Mann besaß Christoph sein eigenes Gebetbuch, in diesem Fall ein Stundenbuch, das die zu bestimmten Tageszeiten zu verrichtenden Gebete enthält. Das in Paris um 1490 hergestellte lateinische Stundenbuch wurde für den Markgrafen luxuriös ausgestattet: mit auf Goldgrund reich verzierten Bordüren, prächtigen Miniaturen und dekorativen Initialen. Eine ganzseitige Miniatur zeigt den knienden und betenden Markgrafen selbst; auch Markgraf Bernhard II. von Baden und weitere Persönlichkeiten sind in der Handschrift zu entdecken.

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Stundenbuch der Markgräfin Susanna von Brandenburg - Durlach 2
Handschrift auf Pergament. 1520. 186 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: Durlach 2

Die von dem Augsburger Maler Narziss Renner mit 42 ganzseitigen Miniaturen und viele Goldschmuck sehr prachtvoll ausgestattete Pergamenthandschrift stammt aus dem Jahr 1520. Während des Augsburger Reichstags zwei Jahre zuvor hatte Markgraf Kasimir von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach im Rahmen einer glanzvollen Hochzeit Susanna von Bayern geheiratet. Einige Illustrationen greifen Momente aus dem Leben des Paares auf; andere beziehen sich auf Susannas Hoffnungen und Ängste hinsichtlich Schwangerschaft und Geburt. Da Susannas Tochter Kunigunde 1551 den badischen Markgrafen Karl II. heiratete, gelangte das Gebetbuch als Erbstück an den Durlacher Hof.

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Breviculum des Raimundus Lullus
Handschrift auf Pergament. Nach 1321. 45 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: St. Peter perg. 92.

Das nach 1321 vermutlich in Nordfrankreich entstandene Breviculum des Raimundus Lullus enthält eine kurz gefasste Darstellung von Leben und Werk des katalanischen Philosophen und Theologen Ramon Llull (1232-1316), die von dessen Schüler Thomas le Myésier, einem Kanoniker aus der nordfranzösischen Stadt Arras verfasst wurde. Die im Auftrag der französischen Königin entstandene Handschrift wurde 1736 vom Kloster St. Peter im Schwarzwald erworben und gelangte im Zuge der Säkularisation in die Großherzogliche Hofbibliothek in Karlsruhe. Das Werk ist nur in einer einzigen Handschrift überliefert.
Um die komplizierte philosophische Lehre Lulls verständlich zu machen, setzte le Myésier auf die bildliche Anschauung. Er stellte deshalb seinem Text zwölf ganzseitige Miniaturen voran, die Leben und Werk seines Lehrers illustrieren.

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Chronik des Konstanzer Konzils
Handschrift auf Papier. Um 1470. X, 223 Blatt.
Sprache: deutsch. Signatur: St. Georgen 63.

Schon während des Konstanzer Konzils, das von 1414 bis 1418 am Bodensee stattfand, sammelte der Konstanzer Bürger Ulrich von Richental (1360-1437) Quellen und Texte dieser Kirchenversammlung. In der Folgezeit verfasste er eine Chronik, von der heute 16 Abschriften auf Papier bekannt sind. Zwei der bebilderten Handschriften besitzt die BLB. Die um 1470 in Konstanz entstandene, farbig illustrierte Handschrift stammt aus dem Kloster St. Georgen im Schwarzwald (Codex 63). Eine weitere, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Überlingen hergestellte Handschrift ist aus der Benediktinerabtei Ettenheimmünster überliefert (Codex 11). Beide Exemplare gelangten im Zuge der Säkularisation in die Karlsruher Hofbibliothek.

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Nibelungen-Handschrift C
Handschrift auf Pergament. Zweites Viertel des 13. Jahrhunderts. 114 Blatt.
Sprache: deutsch. Signatur: Donaueschingen 63.

Die Karlsruher Handschrift C entstand im alemannisch-bairischen Raum und ist die älteste überlieferte Handschrift des Nibelungenlieds, einem mittelalterlichen Heldenepos um Siegfried den Drachentöter, seine Frau Kriemhild und Hagen von Tronje, das gerne als Nationalepos der Deutschen angesehen wird. Neben dem eigentlichen „Lied“ umfasst die Handschrift auch die „Klage“, in der der Untergang der Burgunden nochmals zusammengefasst und aufgearbeitet wird. Treue und Verrat sind die zentralen Motive beider Werkteile.
Seit 2001 befindet sich der Codex als Eigentum der Landesbank Baden-Württemberg und der Bundesrepublik Deutschland in der Badischen Landesbibliothek. Als herausragendes Beispiel der europäischen Heldenepik wurde die Handschrift 2009 in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

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Evangelistar
Handschrift auf Pergament. Zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts. 132 Blatt.
Sprache: lateinisch. Signatur: Bruchsal 2.

Das Herausragende an der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts entstandenen liturgischen Handschrift ist ihr Einband: Auf dem mit dunklem Samt bezogenen Vorderdeckel ist eine Elfenbeinrelieftafel angebracht, die die Kreuzigung Jesu zeigt und durch einen Silberrahmen eingefasst ist. Sie wird auf das 16. Jahrhundert datiert und ist damit deutlich jünger als die Handschrift selbst, die als Evangelistar Auszüge aus den Evangelien enthält, welche zur Lesung an Fest- und Sonntagen im Gottesdienst bestimmt waren.
Entstanden ist der Codex wahrscheinlich in der Diözese Trier. Es wird vermutet, dass er dort gestohlen und nach Speyer gebracht wurde, wo er fortan zum Domschatz gehörte. 1792 wurde das Evangelistar in der Bruchsaler Residenz vor den französischen Revolutionstruppen in Sicherheit gebracht und gelangte von dort 1803 in den Bestand der Badischen Landesbibliothek.

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