8o Die LXV. Tugend⸗Predigt/ denden Nechſten nicht allein in ſeinem Hertzen/ zum Mitleiden bewegt wird⸗ ſondern ihme auch ſo bald mit Rath und That/ nach aͤuſſerſtem Vermoͤgen wuͤrcklich beyſpringt und außhilfft. Diß befiehlt uns allhie der HErꝛ Chri⸗ fendi ſtus/ und ſagt: Seyd barmhertzig/ das iſt mein und meines himmliſchen Vatters ernſter Will und Meynung/ daß ihr in allen Faͤllen/ die Werck der Kiebe und Barmhertzigkeit an euerem Nechſten treulich erweiſet. Und ſetzt sead noch Diefe Lort hine: Wie auch euer Vat ter barmhertzig iſe/ ver⸗ ſteht hiedurch GOtt den himmliſchen Vatter/ von welchem David ſagt: Barmhertzig und gnödig iſt der HErꝛ/ gedultig und von groſſer Gute/ wie fich ein Vatter üͤber die Kinder erbarvntt/ ſo erbarmet ſich der HEre uͤber die baenhenzig fö ihn foͤrchten/ Pfal. 103. Deſſen Barmhertzigkeit iſt unermaͤßlich und un⸗ f. erforſchlich/ im Gebett Man..5. Sein Barmhertzigkeet iſt ſo groß/ als er ſel⸗ ber iſt/ Syr. 2. Dieſelbe nun ſtellet uns allhie Chriſtus zum Exempelder Nachfolge fur/ nicht als wann wirs vollkoͤmmenlich erreichen/ und dem himmliſchen Varter gleich thun könnten/ ſondern daß er uns hiemit reitze und locke/ wann wir wollen GOttes liebe Kinder ſeyn/ ſo ſollen wir ihme auch/ wie gehorſamen Kindern gebuͤhrt/ nachfolgen und in ſeine Fußſtapffen tretten; Und ſo ſich GOtt der Menſchen erbarmet/ ſo ſollen wir ſelbſten auch unter einander/ und gegeneinander barmhertzig ſeyn. Uber das/ zeiget uns der HEr Chriſtus hiemit die Art und Weiß/ wie unſer Barmhertzigkeit ſolle beſchaffen ſeyn; er will allen Einreden und Außflüchten/ die unſer alter Adam pflegt ein⸗ zuwerffen/ begegnen/ und uns verſichern/ daß was wir hierinnen auß Glau⸗ ben/ hertzlicher Liebe/ und Kindlichem Gehorſam thuen/ werde der Vatter im Himmel(ob soot noch groſſe Unvollkommenheit mit unterlaufft) fuͤr gut und gůltig erkennen/ und mit Freuden annehmen/ eben wie ein Vatter das ge⸗ iingſte Wercklein ſeines Kinds ihm wolgefallen laſt. Und das iſt/ was Chri⸗ ſius allhie ſagt: Seyd barmhertzig/ wie auch euer Vatter barmhertzig iſt. Lehr. tebr: et i er; A 4 mcme Ga Jerbey haben wir jetzo nun eine andere/ vornehme Haupt⸗Tugend/ ſo auf den Nechſten gehet miteinander gu lernen/ nemlich die Barm⸗ weiſen dit Shertzigkeit/ welcher Geſtalt ein Chriſt ſeinem Nechſten die Werck der Barte Warmherhie Feit erwefen ſolle. Demnach aber die Werckder Barmhertzigkeit Igker/ zrocyerlehy feyn/ etlich geiſtlich/ tlich leiblich/ ſo wollen wir von beyderley allein disms et was weniges auß GOttes Wort melden/ und E,£, damit ju fernerem Nachdencken Anleitung geben. n Ginidh: S lanaend nun zuvor die geiſtliche Werck der Barmbhertzig⸗ kert/ die ein Chriſt ſeinem Nechſten erweiſen ſoll/ ſeyn ſolches dieſe nachfol⸗ gende.— Das iſt r. die Lehrundlluterweiſung der Unwiſſenden und Irren⸗ 1. kie drd a wiil Wa: mdb pum ht W ul i N, inmh Fa i LA
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