einmal und ließ hie Säge dem alten Felix vor die Füße fallen, „ich hab'S wohl gcdeickt, daß Ihr nicht fertig werdet okme mich und den Hans."
„Blitzbube", rief der Bahnwärter und sprang über die Pappel, „wie kommst du daher? Wo ist der Hans?" „Der Hans? dort binten kommt er und bringt eine Schaufel."
„Ho, hoo!" lachte der alte Felix, „Teufelöbuben, denen stcck's im Blute." Die Mutter aber voll banger Sorge lief ihrem Lieblinge entgegen und rief angstvoll: „HänS, Hans, wo bist du?" — „Hü, Roß", antwortete eine Kinderstimme, und der kleine Hans kain auf seiner Schaufel wacker durch den Schnee daher geritten. Oha! rief er jetzt und lachte seine Mutter an, die ihn auf ihre Arme nahm und an ihre Brust drückte. „Du Angstlind du", rief sie und hüllte deu kleinen Reiter liebkosend'in ihr warmes Halstuch. Der Bahnwärter küßte seine wackeru Buben und wiichte sich mit der Faust über die Augen, „Gott segne Euch, Ihr ßBursche, Ihr werdet einmal brave Bahnwärter werden. Jetzt aber, Mutier, nimm die Kinder in acht, und Ihr Andern thut Eure Schuldigkeit und Gott mit Euch", und der Mann verschwand im Dunkel der Nacht.
Halt, halt. Ahoi!
eitere zehn Miuuten hatte der Waldhüter mit seinen
um
Hi
jungen Gehilfen emsig und schweigend gearbeitet, da hielt er ein, horchte in die Nacht hinaus und rief: „Halt da, ich höre Etwas", und aus der Ferne tönte das dumpfe Rollen des nahenden Zuges. „Achtung, ich höre den Zng!" — „Ich sehe noch nichts", crwüberte die Frau und hielt die Hand über die Augen. „Wird schon kommen", brunnnte der Waldhüter, „jetzt schnell zu mir her, auf die Seite, nehmet die Kinder in acht." — „Ich sehe die. rothen Augen", schrie der jnnge Martin, „sie müssen schon ganz nahe bei'in Vater sein, er schwenkt seine Fackel schon."—„Don- ure, sie sind blind und sehen sie nutzt", murrte der Alte und faßte krampfhaft den Stiel seiner Art. Noch eine Sekunde bangen Schweigens, dann tönte ein dreimaliger geltender Pfiff durch die Nacht. „Gelobt sei Gott", schrie der Alte, und schwang die brennende Pechpfanue über seinem Haupte, daß ein glühender Sprühregen um ihn her flog. »Jetzt jchreiel und brüllet, was Athem habt, Hmrab
Ho, ho! Halt, halt, Ahoi!" — „Ha, ha, ha", lachte der kleine Hans aus den: Arme seiner Mutter, und patschte iu die Hände, „Pelznickel kommt, Pftzuickel komurt, Hans ist brav wesen!"
Jetzt schoß das schwarze llngethüm mit den rothe» Augen und dem glühenden Athem durch die Nacht daher, ein zweiter gellender Nothpfiff, und man hörte die Bremsen kreischen und sah die Funken von den Rädern fliegen, jetzt war cs ganz nahe, aber mit schon sehr gemäßigter Eile, noch einmal schwang der alte Felix seine Fackel und brüllte sein „Halt, Ahoi!" und die Lokomotive stieß noch mit ziemlicher Gewalt ans die Pappel, daß die Wagen krachten und ans ihrem Innern ein Schreckensschrei erscholl, dann stand der Zug stille.
Wc'Nn aber auch der Wagenzug zur Ruhe gekommen war. so wurde es dagegen im Innern der Wägen desto lebendiger. Alle Wagenfenster waren mit Köpfen besetzt, und ängstliche, zornige, bittende und drohende Stimmen schrien und kreischten durcheinander: „Herr Kondukteur!" —„Herr Zugmeister!"— „was ist passirt^"—„aufgemacht!"—„was war das für ein Stoß!" — „warum halten wir?" und selbst eine Gesellschaft von Ochsen und Kühen, die sich in einem besonderen Wagen zusammengefunden hatte, fühlte sich berechtigt, hier ein Wort mit drein zu reden und gab ihren Unwillen durch die entschiedensten „Muh's" und „Bläh's" zu erkennen.
„Meine Herren und Damen, beruhigen sie sich", rief der Zugmeister und eilte an denr Wagenzuge hin und her, überall beschwichtigend und zur Riche ermahnend, „es ist Nichts, cs ist ein Hinderniß im Wege, wird aber bald beseitigt sein, durchaus keine Gefahr! Meine Herren und Damen, sitzen bleiben, der Zug geht zurück." — „Stephan, retour!" rief er dem Lokomotivführer zu, und der Zug bewegte sich langsam einige Dutzend Schutte rückwärts."
Kondukteur, schrie ein Engländer aus einer ersten Wagenklasse heraus, „ick uollen aben eine Beschuerde-Buck, ick uollen klagen, my lady aben gestoßen sein Nas, sein norden misserabel ganz, god dam!“
„Ouvrez-lb, ouvrez-Ki“, brüllte ein rabiater Franzose und fuhr mit dem Kopfe aus dem Wagenfenster und rüttelte an'der Wagenthüre, lonnvrrv ds dien! Aufmacken! Ob, ces Allemands, qn’ils sont des betes!
„Ja wohl", rief der alte Felix, der eben vorüber eilte und lachte, denn er hatte seine gute Laune wieder bekommen, und da er anno 15 als Tambour in Paris drin war, so hatte er den Franzosen wohl verstanden, „ja wohl Leu karlez-vons", und ließ seine Schaufel ss nachdrücklich auf den schwarzen Cylinder des Weinreisenden fallen, daß ihm dieser bis auf die Schultern über den Kopf hinein fuhr. „Aux menrtiiers, anx meyrtriers," brüllte der Franzose mit halberstickter Stimme unter seinem Hute hervor und fuhr mit dem Kopfe in den Wagen zurück, wo er von seinen lachenden Mitreisenden aus seiner unfreiwilligen Umhüllung befreit wurde: „ick werde aben Satisfaktion, toudre ! la grande nation sein beleidigt in mir, ick werden gehen zu amdassadeur fran<;ais!‘‘
„Herr Zugführer", rief jetzt aus einem andern Wagen ein Herr mit einer goldenen Brille auf der Nase und einem feingeschnittencu Gesichte, das diewrientalische Abstammung nicht verläugnrn konnte, „Herr Zugmeister auf ein Work, wir sind hier eine Gesellschaft Herren und möchten gerne mit Hand anlegen, wcnn's nöthig ist, lassen Sie uns aussteigen und sagen Sie uns, was wir zu thun haben." „Mit Vergnügen", sagte der Zugmeister höflich und öffnete die Wagenthüre, „ich nehme Ihre Hilfe mir Dank an", und aus dem Wagen stieg eine Gesellschaft von 10 bis 12 Herren und eilte vorwärts nach dem Schauplätze w ThP tigteit.